
Ich paranoide ja schon seit einiger Zeit, dass hinter dem extremen, fast boomhaften und viel zu späten Hypeum die Klimaproblematik nicht nur ökologische Interessen stehen, sondern auch ganz handfeste ökonomische Parameter, namentlich die Atomindustrie, die aus dem Three-Miles-Island/Chernobyl-Loch heraus will und nicht nur hier, sondern vor allem auch in Indien und China Fuß fassen will, und sich als «klimafreundliche» Alternative zur Nutzung fossiler Brennstoffe anbietet. Wenn der ehemalige Senator von Arizona und jetzige Präsidentschaftsanwrter der Republikaner John McCain jetzt laut Spiegel Online sagt, Atomenergie sei eine «saubere, sichere und effiziente Energiequelle», dann klingen solche Mutmaßungen – zusammen mit der Frage, warum ausgerechnet durch Spekulation von Fondanlegern die Energiepreise für herkömmliche Brennstoffe so explodieren – gar nicht mehr so paranoid. Wenn McCain von «Hunderten» von AKWs redet, geht es um Milliardenaufträge – da lohnt sich die Lobbyarbeit für Jonny Atom doch. Da lohnt sich Angstmacherei, dass man demnächst von Moskau und Irak abhängt. Die Frage, wohin man den nuklearen Restmüll entsorgen möchte und wie man mit den Unwägbarkeiten dieser nach wie vor in ihren Risiken einzigartigen Technologie umgehen will, bleibt unbeantwortet. Dabei ist die Verantwortung im Umgang mit diesem Thema in der Vergangenheit international ein Alptraum von Schlampigkeit und Korruption, der unvorstellbar ist.
Ganz klar ist, dass auf Öl und Gas etwas folgen muss, weil es endliche Ressourcen sind und der Aufwand für ihre Besorgung und ihr relativer spekulativer Wert immer weiter steigen werden. Das gleiche gilt für viele Ressourcen, nicht zuletzt auch Rohstoffe für Grundnahrungsmittel. Atomkraftwerke mögen als einfache und etablierte Technik einen Ausweg suggerieren, aber die Industrie hat die entscheidenden Nachteile dieser Energiegewinnung (nämlich, dass sie im Zweifelsfall ganze Landstriche verseuchen kann und ihre Abfallprodukte zwar nicht klima- aber gesundheitsschädigend sind) in den letzten 30 Jahren nicht beseitigen können.
Der Weg zu einer sauberen Energiebilanz ist also nach wie vor eher: Energie sparen (und hier haben gerade die USA, aber auch wir, enorme Potentiale, alternative Energiequellen und die Suche nach neuen Technologien, die mit weniger Risiken verbunden sind. Auf die westliche Hemisphäre kommt eine neue Phase der Energiebescheidenheit zu, nachdem wir viele Dekaden über unsere Verhältnisse gehaust haben. Atomkraftwerke bauen zu wollen heißt nur, vor den realen Ursachen der Probleme die Augen zu verschließen. Wir müssen global entscheiden – soweit dies unter den kapitalistisch gegebenen Zuständen internationaler Konkurrenz überhaupt denkbar ist -, dass einzig und allein ein vernünftiger Umgang mit Ressourcen und ein minimierter, am besten sogar unter positiven Vorzeichen stehender «Footprint» eine Antwort sein kann. Seit der Industrialisierung überziehen wir – eskalierend – bei Mutter Natur unser Guthaben. Irgendwann wird es Zeit, zurückzuzahlen. Mit Zinsen. Atomkraftwerk wären nur die Reaktion eines Pleitiers, der in Panik den letzten Penny auch noch auf den Kopf haut.
Ich bin kein allzu großer Fan von Barack Obama, aber McCain sollte für die USA mit solchen Aussagen unwählbar werden.
19. Juni 2008 08:36 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.
[...] unglaublich gut wie Lobby und Kapitalismus funktioniert. Mehr zu lesen bei HD Schellnack aufm Blog. @ HD: Damit bist du auf jeden Fall auch mehr [...]
Recht hast du.