
Adriano Celentano wird es freuen – endlich gibt es die Schrift zu seinem größten Hit, wenn sie auch nicht aus Italien kommt. Die für die Lesbarkeit an Montioren unter verschiedenen Betriebssystemen und für Mobilgeräte optimierte Familie mit den vier bürofreundlichen Standardschnitten Regular, Italic, Bold und Bold-Italic stammt von Georg Seifert, den Schriftfreunde als Schöpfer der leicht an TheSans erinnernden, zeitlos schlichten Serifenlosen Graublau Sans kennen. Die neue Schrift hat Seiffert mit seiner eigenen Font-Software Glyphs gestaltet, und das Ergebnis ist ein freundlicher Office-Font, der hier und da genetische Restspuren von Spiekermann-Ästhetik in sich trägt, aber durchaus über eigenen Charakter, kleine Eigenarten und eine klare Optik, die Freude macht. Seifert sieht den Font als Ersatz für die üblichen Screen-Standards wie Arial, Verdana oder Lucida Grande, wobei das wahrscheinlich wie stets an der Verbreitung scheitern dürfte (Arial ist ja nun mal überall), zum anderen muss die Praxis zeigen, ob die Ästhetik der Azuro nicht einen Hauch zu viel Charakter hat, am Bildschirm mit der Zeit also vielleicht nicht «unsichtbar» genug ist. In den vom Fontshop verschickten Beispiel einer Mail-Ansicht muss ich zugeben, dass mir die Verdana besser gefällt, luftiger und nicht so beengt wirkt und auch die Glyphen weniger sperrig sind als die der Azuro, die mit allerlei eigenwilligen Buchstabenformen und seltsamen Kontrasten und Serifen aufwartet.
Mit SmallCaps, dezenten Minuskelziffern und einer Flut an internationalen Glyphen ist der Font aber auf jeden Fall exzellent ausgebaut und es gibt ihn sowohl in der normalen Office-OTF-Variante, als auch als Webfont, so dass er sich zB für den Einsatz mit Typekit eignet. Insofern eignet sich die Schrift sicher für mehr als nur für die gelegentliche E-Mail, sondern kann wahrscheinlich sogar für kleine CD-Aufgaben eingesetzt werden.
Das beste aber ist der Einstiegspreis, mit dem Fontshop die Schrift als zweite Veröffentlichung nach Erik Spiekermanns Excel-Font Axel herausbringt: die Office- und die Web-Familie kosten jeweils nur 20 Euro, und das ist für eine Schriftfamilie dieser Qualität ein Nicht-denken-sofort-kaufen-Preis.
12. Mai 2011 10:31 Uhr. Kategorie Design. Tag Typographie. 4 Antworten.
Auf den ersten Blick sehr nett … wobei mir die Kursiven nicht wirklich zusagen wollen. Die NaomiSans ähnlichen, welligen Formen find ich dort nicht wirklich passend. Aber das ist Geschmacksache.
ps:
mich erinnert die Schrift stark an Ole Schäfer und die primetype-Fonts und nicht direkt an Spiekermann. Obwohl es auch da natürlich Schnittmengen gibt.
Nach 24 h habe ich sie von meinem System fein säuberlich wieder entfernt. Sie hängt, was Lesbarkeit am Bildschirm angeht, weit hinter den »üblichen Verdächtigen« hinterher.
Scheint mir auch so, leider.
Bei mir wird die Schrift in amplitudenförmiger Wiederholung scharf und unscharf. Die Höhe der einzelnen Buchstaben springt auch lustig auf iPad und Safari OS X. Die Schrift hat sehr sehr sehr großes Verbesserungspotential!