AXEL

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Erik Spiekermanns neue Schrift Axel sieht tatsächlich sehr nach einer alten Spiekermann-Schrift, der OfficinaSans aus, die nur ordentlich korrigiert und etwas schmaler gerückt wurde. Da die Officina eine sehr lebhafte Vergangenheit hinter sich hat und ich insgeheim eigentlich fast länger mit einer FSI-Überarbeitung gerechnet hat, überrascht mich das nicht ganz, vielleicht eher die Veröffentlichung beim deutschen Fontshop-Vertrieb selbst, nicht bei der Foundry. Das macht aber durchaus Sinn, wenn man sich den Kampfpreis von nur 9,90 Euro für vier Schnitte ansieht, mit der die Schrift eingeführt wird und die Tatsache, dass hiermit natürlich ideal die (gravierend verbesserten) Merkzettel- und Kauffunktionen der neuen Site vorgestellt werden können. Bei 9,90 Euro klickt man ja mal eben auf Kaufen und kann schnell selbst erleben, wieviel netter das Shopping geworden ist – bei 399 Euro eher weniger. Insofern darf man davon ausgehen, dass die Axel mit ihrem bis Ende Juni datierten Angebotspreis vor allem Promotion für den Site-Relaunch machen soll. Ob es danach eine ausgebaute Axel bei FSI geben wird, abwarten.

Auszubauen wäre nämlich einiges. Die Axel kommt – bei dem Preis mehr als korrekt – recht eingeschränkt daher. Hinter dem OTF-Paket verbirgt sich im Grunde ein Windows-TrueType, ohne großen Extra-OTFPro-Zeichensatz, ohne Small Caps, ohne verschiedene Ziffernarten, ohne Fremdsprachen. Was nicht nur angesichts von 10 Euro vertretbar ist, sondern auch andeutet, wohin es die Axel zu treiben scheint: Dies ist, offenbar, kein Font für Mac-affine Designer, die sich in Indesign austoben und ein Maximum an Glyphen wollen, sondern eher eine knackige und handwerklich saubere Lösung für Office-Nutzer an Window- und Mac-Rechnern. Obwohl OS X mit iWork natürlich OTF-Features nutzen kann, sind Office-Nutzer seit Jahren in Sachen OpenType außen vor (was sich mit der nächsten Version ändern soll). Bis dahin liefert die Axel eine saubere Lösung, zumal die SmallCaps (unter Word usw unerreichbar, wenn SC in den OT-Glyphen liegen) ja ausgelagert sind.

Die Axel ist insofern inoffiziell Spiekermanns erster Font für Windows und Mac-OS, eine Art hochökonomischer Systemschrift, die man weniger (nur) für Printdesign benutzt, als vielmehr, um relaxt Tabellen und Texte am Rechner zu bearbeiten. Dafür sprechen das ausgedehnte manuelle Hinting (der Alptraum jeder Fontkonvertierung), das eine hochwertige Bildschirmdarstellung und auch gutes Druckbild bei Inkjet und Laser gewährleistet und die Nutzung von Cleartype, für die spezielle Nutzung als Tabellensatzschrift empfiehlt sich Axel nicht zuletzt dadurch, dass hoch- und tiefgestellte Bruchziffern mitgeliefert sind und einige mathematisch Sonderzeichen.

In der langen Historie der Officina ist es vielleicht ironisch, das eine für die Schreibmaschine entwickelte Schrift nach Umwegen als die Mutter der Understatement-Designtypographie der 80s/90s jetzt wieder da ankommt, wo sie hingehört: In die Büros, als Schrift für die Nachfolger der Schreibmaschine, auf Computern und Laptops. Also: Zugreifen, solange der Preis noch so niedrig ist. Vielleicht erleben wir ja so eine Off…ähm Axel-Renaissance. :-D