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ÄRZTE

Ich habe mich gestern entschieden, meinen Orthopäden nicht weiter zu besuchen. Ich weiß wirklich nicht, warum, aber ich habe oft schlechte Erfahrungen mit Ärzten. In diesem Fall habe ich ein sehr konkretes Problem mit meinen Händen… und bekomme eine Akupunktur, die bisher nicht einmal ansatzweise wirkt. Vorsichtiges Nachfragen, nachdem ich beim Neurologen war und dieser ein Karpaltunnel-Syndrom feststellt (was, wie ich finde, das Problem in seiner Wuchtigkeit eigentlich auch nicht wirklich erfaßt, aber okay), ob ich die empfohlene Handgelenk-Schiene haben könne, wurden abgeblockt, man wolle jetzt erst mal die Akupunktur durchziehen (die nämlich anscheinend im Rahmen einer Studie stattfindet und pro Sitzung 30-40 Euro bringt). Die vor allem aber fünf bis zehn Wochen dauert. Und bisher nicht viel gebracht hat. Und eigentlich gar nicht für die Hände, sondern gegen Nackenschmerzen angelegt war. Das alles höre ich in einem hochmuffeligen, komplett desinteressierten Ton. Sorry, aber nachdem ich mit meinem fiesen Morbus Crohn vor Jahren einmal beim falschen, ebenfalls fröhlich uninteressierten Arzt war, der mich nach einer Serie recht gräßlicher Untersuchungen auch noch komplett falsch diagnostizierte (Reizdarm, haha, zu einem Zeitpunkt, wo ich vor Schmerzen kaum aufrecht stehen konnte) und einen duften, auch noch kontraindizierten Rat gab (Essen sie mal Weizenkleie), anstatt mich sofort, wie der nächste Kollege es dann tat, in ein Krankenhaus zu schicken… bin ich da etwas paranoid. Ein schlechter Arzt ist nicht gut für das Leben.

Diese gleiche Erfahrung von fast apathischem Desinteresse am Patienten, dem schnellen Einsortieren in Schubladen, hatte ich inzwischen bei einigen Ärzten. Eine Ausnahme zur Zeit ist mein aktueller Zahnarzt, wo Petra Stapel mich mit der Lässigkeit einer auf Kinderzahnheilkunde spezialisierten Ärztin behandelt. Ansonsten frage ich mich aber schon, ob Ärzte auch so wären, wenn sie um ihre Kunden am freien Markt werben müßten, wenn die Wartezimmer nicht ohnehin voll wären, sondern wenn wirklich Service, transparente Leistung und Effizienz im Vordergrund stünden. Würde man Ärzte an den Standards anderer Branchen messen – es gäbe ein Blutbad. Ich will da gar nichts generalisieren, viele Docs machen einen harten Job für nicht zuviel Geld und ein Großteil der Problematik liegt sicher auch bei Politik und Krankenkassen, aber aus reiner Konsumentensicht liegt hier viel im Argen, ausgerechnet in einem Bereich, der für die Betroffenen wirklich wichtig ist. Da reicht oft ein Blick in die Einrichtung der Praxen, um zu wissen, wie es um die Ärzte steht. Ich befürchte, gleiches gilt für Anwälte, die in einer ähnlichen marktfreien Schutzzone leben. Bei beiden Branchen würde ich mir mehr Offenheit und mehr Orientierung nach Außen wünschen – die Homepages allein geben da oft keinen guten Eindruck, da ist zuviel selbstgestrickt oder von Z-Agenturen gemacht.

Bis dahin bleibt uns Patienten nur der Trek von einem Arzt zum anderen, bis man einen findet, bei dem man sich subjektiv wohl fühlt und der die Sache hoffentlich dann gebacken kriegt.

22. März 2006 09:29 Uhr. Kategorie Leben. 9 Antworten.

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