

Und noch eine berühmte Tochter. Diesmal vom Star-Jazzer Jan Garbarek, von dem Anja vielleicht den Hang zum Soften ebenso wie die Vorliebe für skurrille Klangfusionen geerbt haben mag. Wo Vater Jan eher mal einen Fuß in Richtung Klassik streckt, ist Tochter Anja eher im eher soften FemPop unterwegs. Das sie dabei kaum weniger eigenartig als etwa (die frühe) Tori Amos, wenn auch komplett anders. Die Stimme rauchiger, leiser, weniger Sirene, mehr Katze, ganz eigen. Noch am ehesten mit der grandiosen Stina Nordenham verbunden. Polyrhythmisch, synkopisch, ist die Musik weniger auf das Piano aufbauend, irrlichtert zwischen Jazz, Chanson, Pop. Unterm Strich ist Anja Garbareks Musik, wie so viel Musik zwischen Jazz und Pop mit Frauengesang, ultimativ irgendwie harmlos. Musik, die man wunderbar anhören kann, die gut im Hintergrund perlt, die grandios ist, um Sonntags den ganzen Tag eng umschlungen zu verbringen. Aber man kann sich keinen Track wirklich merken. Dennoch liefert Garbarek nicht den typischen Girliepop-Kaffeehaus-Jazz, sondern Sie hat ihre kleinen avantgardistischen Anflüge. Die Spieldosen-Sounds, die Background-Geräusche, die gerade bei Smiling & Waving spürbare düstere, eben norwegische Stimmung in der Musik, die Anleihen aus Jazz und Klassik, die kleine Kakophonie hier und da, die atmosphärischen Texte. Die Mischung, so soft sie zunächst wirkt, bleibt oft schwer zugänglich, seltsam unkommerziell, und fordert zur Auseinandersetzung auf. Es ist eine kluge Melange, die Garbarek da anbietet, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
21. Dezember 2006 19:46 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.