
So breitgefächert wie die Namen Kuljit Bhamra, Eivind Aarset, John Parricelli und Arild Andersen als Mitstreiter auf diesem Studioalbum des Saxophonisten Andy Sheppard vermuten lassen ist auch tatsächlich die Klangwelt von Movements in Colour. Sheppard, der hier nach Jahres des Dienstes bei Jazzlegende Carla Bley sein ECM-Debut hinlegt, produziert Musik, die in ihrer uneinzuordnen Einordbarkeit eben perfekt zum Label ECM passt – smarten, federleichten und doch erdigen Jazz, der verkopft ist ohne kopflastig zu wirken.Tabla-Spieler Bhamra peitscht das Ensemble mit organischen Grooves nach vorne und schafft die Kohärenz, die das Quintett für Improvisationen braucht. Kluge Harmoniewechsel, ein geschickter Wechsel zwischen einschmeichelnden Motiven und auch mal fast schneidenden Soliklängen von Tenor und Sopransaxopho, die auf den ästherischen Klangwolken von Basser Andersen und dem ECM-Veteranen Aarset (Gitarre) schweben machen den 14-minütigen Opener La tristesse du roi zu einer phantastischen Nummer, die programmatisch für den Rest des Albums ist, das einen schwerelos durch Regenpfützen gleitenden Soundtrack präsentiert, meist eher melancholisch (Ballarina, May Song), aber durchaus mit Silberstreif am Horizont. We Shall Not Go To Market Today hat eine fast tanzende Qualität, geprägt von einer Gumboots-fröhlich daherschwingenden Gitarre. Sheppards Saxophon ist mitunter zu einschmeichelnd, zu weich, zu maniriert, zu wohlerzogen und sanftmütig, zu zivilisiert. Ein bisschen mehr Testosteron, ein bisschen mehr Unzugänglichkeit und Kantigkeit hätte dem Album hier und dort nicht geschadet, die Musik läuft leicht Risiko, im Hintergrund zu verschwinden, ein weicher Teppich zu werde, in dem Details einfach versacken. Dies ist sicher kein Jazz, der irgendjemanden vergraulen will, sondern eine federnde liebevolle Geste, eine Band, die sich im Spaß an der eigenen Spielfreude fast verliert und damit bestens an Sheppards Where we Going erinnert, vielleicht mit einer Prise mehr Garbarek/Molvaer-Touch. ECM eben. Mit mehrfachem bewußten Hören gewinnt das Album zusehends an Größe und Resonanz und entpuppt sich als liebevolle tonale Puzzlearbeit, die das überraschende Moment im Detail versteckt und die vor allem trotz vieler Downtempo-Tracks eine unerhörte positive Wärme ausstrahlt und Spaß macht.
14. September 2009 20:19 Uhr. Kategorie Musik. Tag Jazz. Keine Antwort.