
Die neue mobileme-Kalender-Beta zeigt sehr deutlich, wie ernst es Apple mit Cloud-Applikationen ist. Nicht nur die letzten Stellenanzeigen, das fast clandestin verwirklichte Musikstreaming via iDisk und andere Details deuten darauf hin, dass die Firma, die derzeit neben Google vielleicht die meiste Power hat, webbasierte Applikationen durchzudrücken, den Blick klar nach vorn richtet. Der meCal ist die erste Webapp, die die Desktop-Version ebenso wie die schwächelnden iPhone/iPad-Versionen deutlich übertrifft. Es gibt einige sehr klare Mängel bei den Einstellungen, da ist eine «echte» lokale Software immer noch weit voraus, aber das User-Interface macht einfach Spaß. Man mag durchaus kritisieren, dass Apple aus irgendeinem Grunde das simple, schöne verlässt und hier anfängt, «echte» Medien zu simulieren – wie bei den liebevollen, vielleicht aber etwas sinnfreien Details wie abgerissenen Kalenderkanten oder Wire-O-Bindung. Aber abgesehen davon macht die Webapp mehr Spaß als die Desktopversion und ist in den Details durchaus Nutzerfreundlicher, etwa in der Monatsnavigation oder bei der viel besseren Nutzung der bisher recht sinnlosen Tages-Darstellung. Im Bereich «Woche» nehmen sich die beiden Versionen wenig, aber «Tag» ist eindeutig besser als in OS X selbst gelöst. Ganz zu schweigen davon, dass die Online-Version nicht nur den Look der iPad-version absolut übernimmt, diesen aber endlich auch sinnvoll macht, indem man Einträge per Drag’n'Drop verschieben kann, neue Einträge mit einem Doppelklick anlegen kann und so weiter. Was nicht geht ist Verdopplung eines Termins via Alt+Ziehen, und natürlich gibt es keine rechte Maustastenfunktionalität – aber für eine reine Internetanwendung lässt der neue Kalender, ebenso wie das bearbeitete Mailmodul, andere Webapplikationen, oft sogar solche aus Flash-Basis, etwas alt aussehen. Bleibt zu hoffen, dass Apple überhaupt noch Lust hat, die iOS und OS X Applikationen anzugleichen und nicht in Zukunft nur noch auf die Wolke im Web setzt. Denn bisher ist vor allem in Europa die grenzüberschreitende schnelle Internetanbindung beileibe noch nicht so, dass ich mit einem mobilen Client nur noch online arbeiten wollen würde. Und auf dem Desktop fühlt sich «echte» Software immer noch besser und schneller an. Dennoch beweist Apple hier beeindruckend, dass auch ohne Flash/AIR (wo ja zB nike+ schön zeigt, wie so etwas aussehen kann) produktive (und attraktive) Softwarelösungen online möglich sind, die ohne echtes Betriebssystem im Hintergrund funktionieren. Bis wir wirklich alle nur noch «in the cloud» arbeiten dürften es noch einige Jahre sein, aber hier beginnt das erste Mal – viel mehr als etwa bei Acrobat.com oder iwork.com – das Gefühl, die Vorstellung von Applikationen, die keinen Rechner mehr brauchen, sondern universell auf jedem Client laufen können, weil sie vollständig online gehostet sind, seien in greifbare Nähe gerutscht.
Update: Leider verschickt die Beta anscheinend «Einladungen» zu Terminen aus Merlin-Projekten an alle Beteiligten. Und das, obwohl die Projekte a) längst abgeschlossen sind und b) Calender mich nicht fragt. Sorry für den Spam, Leute!
5. August 2010 11:10 Uhr. Kategorie Technik. Tag Apple, Software, Web, Zukunft. 5 Antworten.
Warum geht es nicht einfach so:
Steve kauft Dropbox und alles ist in sync.
Wäre super!
Wenn es nach mir ginge, würden Dropbox, Evernote, iTunes, Mobileme, iWork, Acrobat.com alles eins :-D.
Aber Tatsache – wäre iDisk so gut wie Dropbox und würde Apple das nahtlos in die iOs integrieren (Datei in die Dropbox schieben, ist für iPhone und iPad in allen Apps sofort lokal speicherbar und verfügbar, speichern nach Modikfikationen schiebt es zurück in die Box und du hast dann auf dem anderen Clienten wieder Zugriff… usw.), würde das sicher eine Menge Probleme, die die iGeräte derzeit haben, sofort lösen.
voll ack, aber du schreibst “dass auch ohne Flash/AIR (wo ja zB nike+ schön zeigt, wie so etwas aussehen kann) ” … die nike+ running seite ist eine katastropehe aus langsamkeit, überladener GUI und bloat.
mich graust es jedes mal, die seiten zu besuchen, bzw nach einem sync aus itunes, vorbei zu schauen.
design ja bitte, aber nicht auf kosten der nutzbarkeit (,dh. langsamkeit, unübersichtlichkeit, fluffieness und aufwand).
vorallem ist das im fall nike+ sehr schade, weil ich es gerne mag und
mich freue, wenn das gut wäre (gilt übrigens auch für den hardwaresupport durch apple … wirkt auch eingeschlafen)
cheers, daniel
just my 2 cents …
Design-technisch finde ich nike+ nicht so gelungen, passt halt zur Zielgruppe, denke ich, irgendwie für meinen Geschmack einen tick zu rund und niedlich – fluffy ist ein gutes Wort, aber das wird ja auch konsequent durchgezogen und scheint Absicht, dass nike auch anders kann, weiß man ja, Speed kann ich nicht beurteilen, hab’s aber eben zufällig gerade beim Schreiben drüben bei Steff gesehen, die da ja aktiv ist – und das sah recht fix und brauchbar aus. Ist allerdings auch VDSL, keine Ahnung, wie das sonst so läuft. Es ging mir auch nicht um den Look, sondern darum, dass du mit Flash online bzw AIR auf dem Desktop schon extrem mächtige Applikationen bauen kannst.
Das nike+ mit dem iOS4-Update so derart zerschossen wurde, dass es immer noch keinen nike-eigenen pragmatischen Herzschlagsensor gibt (der vielleicht etwas praktischer wäre als die Polar-Gurte) und so weiter, zeigt ja, dass eins der vorzeigbareren Projekte an der Schnittstelle von iPhone und Markenarchitektur, nicht richtig rund läuft :-D.
wahre worte! ja,flex/air/flash ist mächtig, keine frage!