
Auch wenn ich zum Mindmapping inzwischen Omnigraffle auf dem iPad verwende – obwohl das Programm nach wie vor recht buggy ist und wichtige Features fehlen -, ist es doch immer wieder überraschend, wie gut es funktioniert, mit mehreren Leuten einfach mit Zetteln auf einer großen Wand zu arbeiten. Was zu Recht zum etwas belächelten Workshop-Klischee geworden ist, die Arbeit mit Post-Its, funktioniert nach wie vor ausgezeichnet, wenn man eine Story zu entwickeln versucht. Ich kenne nach wie vor kein digitales Mittel, dass so quick and dirty, intuitiv und schnell ist wie die gelben Zettelchen, Ausdrucke, Transparentpapier und und und. Vielleicht, weil man schneller schreiben kann, einfacher verwirft, oder weil die größere Fläche und das haptische Manipulieren das Gehirn eben doch mehr anregen als Vektorboxen schieben, weil das tatsächliche Malen auch für einen Selbst die Visualisierung und Klärung von Gedanken erleichtert, die Ordnung und Inspiration schafft… – es geht wenig über das Malen und Kleben an einer großen Wand, wo man aus Alternativen und Möglichkeite und vielen What-Ifs eben doch schnell ein If-Then konzentrieren kann. Danach geht digital fast alles schneller und besser – festhalten, in Form klopfen, Mindmapping, Projektplanung und und und… aber bisher habe ich (und als bekennender Digitalfreak kann ich fast nur sagen: leider) immer noch keine Software gefunden, die Stift und Papier völlig ersetzt.
2. September 2010 01:08 Uhr. Kategorie Leben. Tag Denken, iOS, nodesign, Organisation. 4 Antworten.
à la Minority Report …
oder lauter iPads mit rückseitigen Saugfüßen und der Penultimate App. Das Ergebnis an der Glasscheibe muss fantastisch aussehen :-D
An Penultimate merkt man übrigens, dass Steve Jobs These, das iPad brauche keinen Stift/Stylus nicht ganz lupenrein ist – bei dieser App und einigen anderen würde ich mir wünschen, das Pad wirklich real zum Schreiben benutzen zu können, was mit dem eher grobmotorischen Display nicht geht – der PogoStylus ist besser als mit dem Finger zu schreiben, aber man hat noch lange kein echtes Filzstift-Feeling. Aber kommt Zeit, kommt Rat.
Warum muss denn immer alles ersetzt werden?
Es geht nicht um ersetzen – aber es geht, zumindest für mich, um mediale Bündelung. So sehr ich an analogen Notizbüchern hänge – nicht umsonst haben wir nodesign-eigene Notizbücher und -blöcke, weil Design für mich eben viel mit Schreiben zu tun hat ;-D – so praktisch sind Applikationen wie Penultimate oder Evernote auch, die dir ermöglichen, deine Notizen digital weiterzunutzen. Der oben abgebildete Storyflow ist zum Beispiel so entstanden, dass ich während einer Sitzung in Omnigraffle Notizen gemacht habe, das dann ausgebaut in OG, aber am Ende war es natürlich «sozialer» und offener, es ganz haptisch an einer Wand zu machen, weil die Kommunikation anders ist als digital. Zum Vorbereiten sowie zum sauberen In-Form-Bringen war Omnigraffle, obwohl noch lange keine perfekte Anwendung, aber eine große Hilfe, zumal man die Sache mit dem iPad ja relativ bequem jenseits des klassischen Arbeitsplatzes machen kann.
Das darf man ja nicht unterschätzen: Ein Vorteil des iPad (und Konsorten) ist ja, dass man zwar arbeitet, aber nicht mehr an den Schreibtisch gefesselt ist. Der Traum vom in-der-Sonne-arbeiten ist mit dem Display vom iPad natürlich unmöglich, aber bei einem Kaffee am «Konferenztisch» bei uns sitzen und Ideen hin- und herschieben geht schon mal und macht Spaß.