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AMIINA: KURR

Das Amiina-Quartett (jetzt mit einem i mehr im Namen), das Sigur Rós in den vergangenen Jahren eine entscheidende Erweiterung der Klangpalette bescherte, präsentiert nun nach der AnimaminA-EP den ersten Longplayer, der das verspielte Klanguniversum von María Huld Markan, Edda Rún Ólafsdóttir, Ólöf Júlía Kjartansdóttir und Sólrún Sumarliðadóttir weiter ausbaut. Vertrackte Bastelarbeiten, die sofort an Múm (oder an Kim Hiorthoys Hey, nur deutlich langsamer und weniger elektronisch) erinnern und von den absonderlichsten Instrumenten produziert scheinen, durchsetzt mit – man kommt um das Klischeewort Elfen nicht ganz umher, bringen wir es also direkt vorneweg – Elfengesang und natürlich den wunderbaren Streicharrangements, die man ja eben schon von Sigur kennt. Amiina bewegen sich mit ihrer instrumentalen Handwerksarbeit zwischen seltsam introvertierten Folkpop und Klassischer Musik, in einem Niemandsland aus farbigen Tonakzenten, die oft fast asiatisch entspannt daherkommen, oft an der Grenze zur Beliebigkeit zu stehen scheinen, um dann doch die klare cinematographische Qualität dieser Musik zu haben, die man seit Björk Múm und Co irgendwie eben mit Island assoziiert. Makellos, verspielt, ein surrealer traumhafter Soundtrack, zeit- und raumlos, ist die Musik von Amiina zugleich seltsam authentisch und handgemacht, zum anderen ungreifbar, menschlicher Arbeit nicht zuzuordnen. Glockenspiele, Akkordeons, Gitarre (man ist fast überrascht, so ein normales Instrument zu hören), Gläser, Cembalo, Kindermusikinstrumente, singende Sägen und andere Obskuritäten schaffen einen Mikrokosmos, der in seiner zugleich verschachtelten und nahtlosen Konstruktion etwas zutiefst positives, opimistisches aufweist. Klein, bescheiden, klar und trotzdem obskur, ist die Musik von Amiina zugleich fremd und selbstverständlich. Ambience-Musik die seltsamerweise eher folkloristisch als elektrisch-minimal daherkommt, subtil emotional ohne gefühlig zu wirken, eine Mischung, die die Skandinavier offenbar weltweit einzigartig im Griff haben. Moderne Kammermusik vom Feinsten.

30. Januar 2008 16:59 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.

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