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Aloe Blacc: Good Things

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Es ist fast müßig, noch über Blaccs zweites Album zu schreiben. Nachdem der Sänger 2006 noch weitestgehend unbekannt war und mit seinem eher recht konventionellen HipHop-Debüt «Shine Through» nur mäßig durchsetzen konnte, ist «Good Things» längst ein gigantischer Erfolg geworden. Und das durchaus zu Recht. Ungeniert bedient sich Blacc bei R&B, Soul und Funk der Sechziger und Siebziger Jahre und es scheint, als würden Genres wie Soul oder Blues aus einer politisch hochaktiven Zeit seltsam in unsere Zeit passen, als Echos einer Ära, in der Musik mehr zu sein schien als nur Rahmen für Werbejingles oder Download-Ware. Aloe Blacc klingt dabei glatter und poppiger als seine Vorbilder Marvin Gaye oder Curtis Mayfield, smoother produziert und gefälliger, und die Frage nach der Authentizität seiner leicht gesellschaftskritischen Texte darf auch schon mal aufblitzen, ist vielleicht aber auch nicht alles entscheidend bei einer Platte, die sich selbstbewusst in die Zeitmaschine setzt und dabei doch sehr auf der Höhe der Zeit passt.

Blacc besticht mit ausgezeichneten Vocals in einer satten, angenehmen Produktion, der die Kantigkeit und der unfassbare Groove mancher 70s-Produktion fehlen mag, die steriler klingt, mehr nach Studio, weniger nach Session, weil sie einfach zu sauber produziert ist – ein seltsamer Bruch zu dem das Album durchziehende Thema von Geldknappheit. Die Musik ist so fein herausgemacht wie Blacc auf dem Albumcover, «Good Things» ist ein musikalischer Sonntagsbesuch in der Kirche, eine Besinnung auf die Traditionen von Gospel und Soul, eine optimistische Platte mit pessimistischem Inhalt, eine seltsam höflich wirkende Protestplatte.

Es ist vielleicht vielsagend, dass selbst ein Album, dass Fragen nach dem aktuellen Stand von Demokratie und Wirtschaft in den USA stellt, so gefällig daherkommt, dass es zu Chartsmaterial taugt – der Protest heute kommt im Anzug daher, bürgerlich und brav, affirmativ. Von der Bissigkeit, der Aggressivität mit der sich die Linke in den 60s gegen das US-Establishment stellt, ist hier nichts zu spüren, vielleicht sind die Feindbilder und Frontverläufe heute aber auch nicht mehr so eindeutig in Zeiten eines schwarzen Präsidenten und einer ultrakonservativen Frau, die sich als nächste Präsidentschaftskandidatin der Rechten generiert, Zeiten in denen sich die Tea-Party von Rechts als Protestbewegung begreift und schwarze HipHop-Stars nicht auf der Straße, sondern in Villen leben. Die Welt ist komplexer, unüberschaubarer geworden seit den Zeiten von Nixon und King, gleichzeitig besser und hässlicher.

Insofern ist es einerseits passend, andererseits anachronistisch, wenn Blacc für seinen Protest auf nun fast 50 Jahre alte (wiewohl zeitlose) Gesten und Posen zurückgreift. Einerseits fragst du dich, ob es nicht modernere musikalische Ausdrucksmöglichkeiten gäbe, andererseits funktioniert der Rückgriff verblüffend gut und enthüllt selbst in der verwachsenen, glatteren Fassung eine Energie, eine lässige Wut, die in all dem Getöse modernen Metals und Raps dennoch nicht gegeben ist, eine seidige Härte, die Nina Simone oder Curtis Mayfield oder sein Neo-Soul gemessen am Original eher ein Plüschtiger als das echte Ding ist.

14. Januar 2011 10:50 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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