
Ich war am vorletzten Samstag auf einer Hochzeit. Nicht als Gast, als Zaungast. Die geschlossene Gesellschaft war keineswegs geschlossen, von der Balustrade der Bar konnte man herabblicken auf die überschaubare Hochzeitsgesellschaft, die zu Best-of-the-80s-Musik tanzt. Fast hypnotisierend ist dabei die Beamer-Diashow, die überlebensgroß Photos aus dem Leben des Brautpaars aus eine Wand wirft. Nach 15 Minuten kennst du die beiden, ohne sie zu kennen. Sie lieben Hunde, wandern mit robusten Rucksäcken und wetterfester Kleidung, machen Inselurlaub, haben ein Kind, photographieren gern und zumindest semi-professionell, ihre Haare waren früher länger und braun, heute ist es ein pragmatischer blondierter Kurzhaarschnitt, er trägt zur Nickelbrille einen Look, der an einen gereifteren Peter Lustig mit mehr Haaren erinnert, die Haare werden auf den Bildern länger und grauer, ein niedlicher Hund erscheint in immer mehr Bildern und macht Kunststücke, Freunde, Erlebnisse, Urlaube und intime Momente huschen in meist sehenswerten Photos an uns vorbei. Nach einer Weile wiederholen sich die Bilder zufallsbasiert – nicht ohne den bei solchen Dingen wahrscheinlich absolut unverzichtbaren Ausfall, der die Diasoftware hinter dem Ganzen kurz sichtbar macht, bevor jemand den Fehler bemerkt und die Bilder wieder weiterlaufen.
Nach einer Weile fängt man gemeinsam an, über das fremde Leben zu diskutieren, das man da sieht. Man schaut herab in die Etage darunter, sucht unter den Gästen den Jetzt-Zustand von Braut und Gatte als Abgleich zu den Bildern, welches der Kinder ist den das eigene, ah, da ist ja tatsächlich der Hund von den Photos. Ist er wirklich älter als sie oder wirkt das nur – welchen Beruf haben die beiden wohl? Wie haben sie sich kennengelernt. Ist er Pädagoge oder fällt man da nur auf einen Look hinein? Nur mühsam kann man sich davon abhalten, Google zu bemühen – es bringt ja bei den meisten Leuten doch nichts, nach Ihnen zu suchen. Trotz oder gerade wegen der mangelnden Information hat man nach der dritten vierten Runde Photos langsam das Gefühl, die beiden seit Jahren zu kennen, sympathisch zu finden und es wird immer schwerer, sich nicht mal eben die Treppe abwärts zu begeben und beiden zur Heirat zu gratulieren. Die Photos inszenieren die beiden als reise- und lebensfreudiges Paar, selbstbewusst und lustig, tierlieb, gute Eltern – niemand würde bei einer Hochzeit ja auch die bösen Photos aus dem Archiv zaubern.
Die Diashow wird zur Affirmation der Beziehung zu zugleich zu einer Art Erzählung, deren logische Konsequenz die Heirat zu sein scheint. Die Aufeinanderfolge glücklicher, privater Momente suggeriert, dass ja nichts anderes als «happily ever after» denkbar ist. Streit und Unglück verschwinden im folgerichtigem Zwang von Hunden, Kindern, Urlauben, Schnappschüssen. Ganz banal greifbar für einen Moment der Wunsch, die eigene Autobiographie rückwirkend zu verbiegen, zu verklären, Sinn privater Photogaphie ist nicht die Dokumentation des eigenen Lebens, sondern die Rechtfertigung, die Verschleierung. Wir photographieren uns nicht, wenn wir weinend am Küchentisch sitzen, die ungewaschene Wäsche und das ungespülte Geschirr landen nicht im Photoalbum, erst recht nicht auf einer Hochzeit. Photos zeigen kein Leben, sondern die ZDF-Vorweihnachten-Vierteiler-Version eines Lebens. Photographie ist nicht ein ehrliches Memento, sondern eine Orwellsche Geschichtsklitterungs-Maschine, ein kruder Cargo Cult, in dem wir ein glückliches Leben zusammenstückeln und dabei den Regeln folgen, die uns Filme vorgeben – unsere ganze Idee davon, wie ein glückliches Leben aussieht, welche Momente Glück definieren, sind nur durch Bilder aus Filmen, Fernsehen, mit etwas Glück Büchern geprägt. Vielleicht haben wir keine Vorstellung mehr von Bildern, die sich nicht innerhalb solcher präfabrizierten Angebote bewegen.
Es ist, als würde man durch eine Facebookpräsenz in dreidimensionaler Realität gehen. Die öffentliche Party, die öffentliche Zurschaustellung von Musikgeschmack, die iPhoto-Imagestream glücklicher Momente, gelungener Bilder, erfolgreicher Inszenierungen. Auf die eine oder andere Art machen wir das alle, zumindest so lange wir so seltsam sind, unser Leben online festzuhalten. Ich kann mich nicht erinnern, auf Facebook jemals Photos von einsamen Nerds, die vor ihren Rechnern nachts um 3.00 versumpfen, gesehen zu haben. Obwohl die statistische Wahrscheinlichkeit für genau dieses Bild (plus minus eine Stunde) doch verdammt hoch wäre. Statt dessen suggeriert Facebook eine Welt als Erfolgssequenz, funktioniert als Marketingmaschine für Jedermann. Oft genug funktioniert gerade Facebook – jedenfalls sehr viel mehr als Blogs oder selbst Twitter – dabei nicht mehr als Reflexion, sondern nur noch als Ankündigung. Es wird nicht berichtet, wie ein Film oder eine Platte oder ein Buch oder eine Party ist… es wird nur noch die reine Existenz verkündet. YouTube-Videos dokumentieren den eigenen Geschmack, Photos und Posts machen den nächsten Urlaub oder die Wochenendplanung öffentlich. Während Blogs meist rückblickend operieren und einen fast Wochenzeitungs-Charakter haben und während Twitter in seiner Sontaneität auch mal Raum für Frustrationen und Gaga-Inhalte hat, wirkt Facebook zunehmend anders – es die leibhaftge Party, die ewige Genussmaschinerie, Wie unser Hochzeitspaar wird hier das Leben zum Inszenierungsmaterial, das dramaturgisch gefeilt sein kann, darf und muss. Was in etwa so langweilig ist, wie es sich anhört.
Auf seltsame Weise wird das Web so zu einem Zerrspiegel des echten Lebens. Wie bei einem cleveren Modehaus, dessen Spiegel dich einen Tick besser aussehen lassen, versuchen (wir) alle, uns öffentlich zu vermarkten, bewusst oder unbewusst zu branden, bewusst oder unbewusst in einem Wettbewerb um das spannendste Leben mit den meisten Zuschauern. Jeder ist sein eigener TV-Sender, jeder sein eigener Programmchef. In Facebook, wie bei unserer Hochzeit von der wir als Follower von der Balustrade herab zusehen, geht es um eine Parallelwirklichkeit, in deren grellen LED-Licht Schatten weich und diffus werden. Würde sich ein Außerirdischer sein Bild der Menschheit anhand von FB-Profilen machen, er würde eine Brave New World erleben, deren Bewohner hochkreativen und erfüllenden Berufen nachgehen, deren Photos wie ein permanenter Kindergeburtstag wirken. Unser Außerirdischer müsste die Foren an den Rändern besuchen, wo die Namen plötzlich verklausulierte Chiffren sind, die modernen Speakeasy-Bars, wo wie in einer Spiegelwelt auf einmal wieder alle depressiv und an der Welt erkrankt sind, Leben und Job nicht in den Griff kriegen, sich gegenseitig nicht «liken», sondern bedauern, in eine Art Gegenstück zum GB-Wettbewerb um den effizientesten Hedonismus stehen, nur, dass es hier eben darum geht, wer am berechtigtsten am Ende ist. Hier gibt es kaum Photos, interessanterweise. Niemand scheint interessiert, sein Unglück in Bilder zu formen – vielleicht kennen wir auch nur weniger photogerechte Metaphern für die Misere, vielleicht kommen unsere medialen Vorbilder dafür nicht aus Filmen, sondern aus Büchern. Wie photographiert man Depressionen?
Ein bisschen Musikgeschmack, ein paar Photos – unser ganzes Leben wird zu einer solchen offenen Hochzeit. Wenn du dich im Web umschaust, findest du überall solche Affirmationen des eigenen Lebens – der letzte Urlaub, die Weihnachtsphotos, das gewonnene Handballspiel mit der Mannschaft, die Party bei Anna und so weiter. Obwohl es noch relativ schwer ist, eigene Schulkollegen meiner Generation in dieser Form online zu finden, dürfte es den Teens von heute in einigen Jahren leicht fallen, ihr ganzes Leben im Web abgebildet zu haben. Facebook, Flickr und deren Nachfolger, die Allgegenwart von digitalen Kameras und die zunehmende Möglichkeit, Photos sofort online zu teilen, werden dafür sorgen, dass Photos nicht mehr im heimischen Photoalbum oder auf der Festplatte landen, sondern online geteilt werden. Das eigene Leben zu dokumentieren wird trotz allen Debatten um Datenschutz und Privatsphäre immer normaler, weil die Software es enorm einfach macht und weil der Suchtfaktor natürlich enorm ist.
Und darin steckt ja auch Potential, die phantastische Vorstellung in einer Gesellschaft zu leben, in der zwar jeder immer noch ein Recht auf seine Geheimnisse und Intimsphäre hat (und haben muss), wo aber mehr und mehr Menschen die Gardinen von den Fenstern nehmen und freiwillig öffentlich(er) werden. Das ist ein seltsamer Gegentrend zum realen Leben – vielleicht sogar eine Reaktion darauf -, wo öffentliches Zusammentreffen schwieriger wird, weil der öffentliche Raum zunehmend funktionalisiert wird, aus der Agora wird ein Shopping Zentrum, aus dem Dorfplatz wird Junkspace. Während öffentlich informelle Zusammenkünfte von Fremden kompliziert geworden ist (wer sich jemals an einen Restauranttisch zu Fremden setzen wollte, kann dies wahrscheinlich bestätigen), nimmt die virtuelle Teilhabe am Leben Fremder fast reziprok zu, vielleicht, weil sie weitestgehend antiseptisch zugeht, man sich nicht wirklich auseinandersetzen muss – sondern nur ausstellt bzw. durch die Galerie des ausgestellten Lebens klickt.
Und diese Sterilität wird in Zukunft ein kritischer Punkt des virtuellen Lebens werden. Der Trend vieler Menschen, zum Showmaster des eigenen Lebens zu werden und nach den Regeln modernen viralen (eben nicht virilen) Marketings das eigene Dasein zu hypen, ist in der Zusammenschau deprimierend. Da entsteht eine Leistungsgesellschaft der guten Laune, in der Urlaub und Freizeit zu Elementen der Selbstvermarktung mutieren. Es geht nicht mehr darum, Urlaub zu machen, es geht darum, einen aufregenden Urlaub zu haben und den zu dokumentieren. Und möglichst viel Leute, wie früher Onkel Otto, in die Diashow zu bringen. Dass das ebenso spießig ist wie eben jene nachbarlichen Diaabende, in der der Wohlstandsbürger der Fünfziger seinen ersten Auslandsurlaub mit der Straße und den Angehörigen teilt, ist dabei evident. Auf Facebook wird nicht gedacht, nicht geteilt, es wird ausgestellt. Es ist ein profaner Dorf-Marktplatz des Lebens, im Wortsinne voller Stände und Fressbuden, keine Agora. Darüber, ob dieser sanfte Druck das Leben zu erleben, zu genießen und diesen Genuss zu propagieren, nicht im Umkehrschluss auch zu Stress führen kann, zu dem Gefühl, das eigene Leben sei angesichts der flickernden Leistungsshow online langweilig und grau, weil man nicht jeden Tag aus einem anderen Lokal oder Land postet oder sich in den jeweils coolen Bars seiner Stadt eincheckt, darf langfristig spekuliert werden. Gibt es da draußen schon die ersten Leute, die ihren Samstag verplanen, damit sie bloß in ihrem sozialen Netzwerk etwas zu posten haben? Wenn FB und Co eine Art Coolnesstransmissionsriemen sind, was ist mit denen, die zwischen die Zahnräder gelangen?
Wichtiger aber ist die Frage, ob es in der Hochzeitsgesellschaft langfristig nur Alkohol und Tanzen gibt, oder ob da irgendwo auch Tische stehen, an denen man reden wird. Facebook ist im Grunde – wie jede große Feier – eine anti-intellektuelle Veranstaltung, die wechselseitigen Monologe auf dem Niveau dessen, was man hinkriegt, wenn man sich vor dröhnender Musik aus Bassboxen ins Ohr brüllt und am nächsten Tag heiser nicht mehr weiß, was man da geredet hat, wichtig kann es nicht gewesen sein. Wichtiger als die Inhalte ist, sich gegenseitig auf den Rücken geklopft zu haben. Facebook ist diese Hochzeit, nur ohne Musik, ohne Alkohol, sie ist der Geist einer Party, die fleischlose Abstraktion und insofern wie eine Online-Fortschreibung der Funktion von Sitcom-Serien nur die Simulation von Leben und Freundeskreis. FB ist der Laugh Track deines Lebens.
So grandios es ist, in einer offeneren, stalkenderen Gesellschaft zu leben, in der du Leute nicht mehr aus den Augen verlierst, sondern sie statt dessen zu Radiosendern werden, die dich mit Bildern und Tönen, Wortfetzen und Stimmungen immer wieder etwas mysteriös über den Status Quo ihres Lebens aufklären, und so eine Art Rest-Teilhabe ermöglichen, so wenig ist das doch.
Ich lese gerade Raddatz Tagebücher, die letztes Jahr bei Rowohlt erschienen. Und in der Lektüre dieser oft eitlen und selbstverletzten Notizen ist es ein seltsamer Gegensatz zu der Lebensdokumentation, die ich tagtäglich online erlebe. Nicht nur, dass Twitter und FB längst in den Händen professioneller (Selbst)vermarkter ist, die ihr Produkt oder ihre Einrichtung monoton hypen und nach und nach zu einer Art Spam mutieren, vor allem aber wird deutlich, wie sehr Raddatz ein Selbstgespräch führt, das lang und oft verhangen ist, immer wieder zu den gleichen Themen kommend, wie egal im Grunde äußere Umstände sind, wie es nicht darum geht, dass er in Paris ist, sondern darum, wie es ihm dort geht. Seine Tagebücher sind Orte von Zweifel an der Welt, Zweifel an anderen, Bitterkeit, verletzter Eitelkeit, kindischen Gefühlen – und bei aller Kritik im Detail, ist der Mut, solche Texte, die keineswegs immer klug und umwerfend, sondern oft engstirnig und egozentrisch sind, zu veröffentlichen, bewundernswert. Mir ist in den letzten Monaten aufgefallen, wenn man Leute im realen Leben trifft, die man länger nicht gesehen hat und deren «Leben» man nur via FB/Twitter/usw kennt, wie weit dieses virtuelle Bild und die Realität dahinter divergieren. Du denkst, du bist einigermaßen up to date und was gewissen Fakten angeht bist du das sogar so sehr, dass es Gespräche eindämmt, weil man bestimmte Vorgänge bereits kennt, aber die zu den Vorgängen gehörenden Gefühle, Ängste, Hoffnungen, sind nie bis in die angeblich so sozialen Medien gekommen, vielleicht weil man die eben doch nicht in die Arena der Kommentare und Like-Buttons stellen will, vielleicht aber, viel profaner, weil es ja auch sonst niemand tut. FB ist ein Angeber-Medium, in der jeder sein Leben zur Leistungsschau tuned, zur eigenen Pressekonferenz, wer will da mit Zweifeln kommen? Ich frage mich, wenn morgen jemand zum Berserker wird und 20 Schüler umbringt oder nur sich selbst aus dem Leben hievt, wie viele Freunde und Angehörige sagen: «Aber bei Facebook war er doch immer gut drauf…» FB ist längst ein an sich durchaus spannender, aber eben verfälschender Teil eines zunehmend unehrlichen Umgangs mit der eigenen Biographie geworden, die ganz effizient-kapitalistisch eben nicht aus Fehlschlägen, sondern nur aus Siegermomenten, richtigen Entscheidungen, einem tollen Job und einem erfüllten Leben zu bestehen hat. Wenn du nacheinander drei vier Leute getroffen hast, deren innere Gefühlswelt deutlich grauschleieriger bis schwärzer ist als die «öffentliche» Variante, dann fragst du dich, wie viele Leute diesen Maskenball mitspielen. So wie ein Verlag verkaufe Bestseller und gewonnene Awards herausstellt, aber die schlechten Umsatzzahlen von Buch XY und andere Existenzprobleme mal lieber schön weglässt, so wie Museen ihre Veranstaltungen hochjazzen, aber die eigene Finanzkrise oder Streitereien mit Künstlern nicht so gern kommunizieren, so gehen wir inzwischen auch privat mit unserem gesamten Leben um. Es ist eine Art dauerhafte, in Echtzeit durchgeführte kosmetische Operation. Wie ein Photograph im Krieg permanent nach Motiven sucht, suchen wir nach «Lebensmomenten», die es festzuhalten, zu dokumentieren gilt, Ich war dabei. Ich war dabei.
Das kann nicht ewig gutgehen. Die Verleugnung oder Verdrängung von Problemen, das weiß jeder psychologische Laie, sorgt nur dafür, dass die weggedrückten Affekte sich auf anderer Ebene, meist unbewusst, ihre Bahn suchen. So verblüfft doch schon, dass wir einerseits inzwischen nahezu penetrant von Burn-Out und Depressionsartikeln und Büchern beschossen werden (Burn-Out ist ja das neue AIDS) – und andererseits hat jeder ein Leben aus Glücksmomenten? Facebook ist eine Art Regression, es erinnert an Huxleys Soma-Parties, es weht ein Hauch von Freizeit-Taylorismus durch die virtuellen Flure. Auf Dauer wird das nicht genug sein. So wie im echten Leben der beste Moment jeder Party die Gespräche am Morgen danach sind, so wie jede echte Beziehung diese Kaffeehaus-Momente braucht, wo man sich gegenseitig wirklich austauscht, so braucht das virtuelle öffentliche Leben mehr als Millionen von kleinen Fernsehsendern, die rund um die Uhr Superhappiness propagieren.
Der große Sprung in den Social Media also wird sein, zu lernen, darüber öffentlich zu reden, worüber man schwer sprechen kann, worüber man schweigen möchte. Während in den Medien der Geist der geschützten Privatsphäre umher weht, geht es in Wirklichkeit darum, einen entscheidenden, mutigen Schritt der Öffnung zu machen. Auf Facebook rechtfertigt sich das eigene Leben als das «richtige» Leben, indem es glücklich ist, einer Art unausgesprochenem Drehbuch von Konsumteilhabe folgend – in Wirklichkeit ist hier nur ein gesellschaftsweites Potemkinsches Dorf in Aufbau, das wir alle Bild um Bild, Like um Like errichten. Die große Chance von Social Media aber ist, Freud und Leid zu teilen – die Trauer aus den Darkrooms der Depriforen herauszuholen, das Leid nicht auf Radio-Call-In-Shows zu domestizieren. Was hätte ich bei dieser Hochzeit darum gegeben, wenn es nur ein Bild gegeben hätte im Bilderstrom des Glücks, das diesen Eindruck trübt oder in Frage stellt, die eigene Inszenierung kurz aushebelt und durchschaut. Es wäre ein Durchblitzen von Intelligenz und Reflexion gewesen, wenn hier zumindest die eigene Lüge als selbst-bewusste Tat gestanden hätte. Wenn nur für einen Moment die Heuchlerei nicht wie Mehltau über der ganzen Veranstaltung liegen würde. Nicht weil ich denke, dass die beiden, die hier geheiratet haben, nicht wirklich so glücklich und «richtig füreinander» seien wie die Photos suggerieren sollen – sondern im Gegenteil, weil die Suggestion eine Beleidigung ist. Das echte Leben und eine echte Beziehung hat mehr Dimensionen als Urlaub, Hunde und Nachwuchs. Das Auszublenden ist nicht nur Verleugnung, sondern vor allem auch die Weigerung anzuerkennen, dass die schlechten Momente integraler Teil der guten Momente sind. Dass es nicht Sinn einer Beziehung oder gar des Lebens ist, immer gut drauf zu sein. Dass es nicht Sinn des Lebens ist, für andere gut drauf zu sein. Es ist bedenklich, wenn wir in der Freizeit, wenn auch auf andere Art, ähnlich anfangen zu funktionieren wie im Beruf, wenn Menschen gezwungen sind, Schwäche Furcht und Unsicherheit, immer weiter ins Innere zu tragen. Wirkt es konstruiert, wenn ich befürchte, dass die Leute, die bei FB am erfülltesten wirken, am ehesten ihre Frustrationen und Probleme bei einem Therapeuten abladen werden müssen, weil ihr Freundeskreis zunehmend nicht mehr versteht, dass diese Leute überhaupt ein Problem haben könnten?
Wenn Social Media wirklich sozial sein will – und hier ist eine Chance für eine Welt nach Facebook – muss es mehr geben als eine Art Plattform der Guten Laune, einen permanenten Musikantenstadl effizient genutzter Freizeitmaximierung. Politik muss mehr bieten als «Tritt unserer Gruppe bei», Teilhabe am (virtuellen) Leben von Bekannten und Freunden darf dreidimensionaler sein als es jetzt ist, durchaus auch mal verstörender und damit ehrlicher. Bei der Wahl, ob unser Leben online eine Art Verschleierungsstrategie wird oder in einer Form von Selbstreflektion und Austausch mündet, in einem System, in dem die Beteiligten nicht mehr nur Links und «Yay!»s austauschen, sondern auch Hilfe und Strategien, wird entscheidend sein, wie lange wir uns als Gesellschaft selbst belügen wollen, wie hart und wie lange wir den Bruch zwischen oberflächlicher «Happiness» und den komplexeren Gefühlen hinter verschlossenen Türen durchhalten wollen. Wir haben gelernt, die Party mit der Welt zu teilen – die nächste Frage ist also, ob wir auch die Kraft haben, den Kater gemeinsam zu meistern.
24. Januar 2011 09:03 Uhr. Kategorie Stuff. Tag Denken, Gesellschaft, Zukunft. 7 Antworten.
soweit ich weiss, werden diese kitschigen diashows von den freunden zusammenstellt und JA mit der klaren absicht rosa zu färben. ist ja auch verständlich, wenn es nicht gerade ein lustiges schrottfoto ist möchtest »du« dich doch auch nicht als ehemals depressiver haufen elend abgebildet sehen. machen freunde das deiner meinung nach? dürfen freunde so etwas öffentlich machen?
Die Hochzeit war ja nur der Auslöser – keine Kritik an der Veranstaltung an sich. Es ging nur um diesen Grenzbereich von Privat und Öffentlich, an dem wir uns bewegen und an dem eben viel Schönfärberei stattfindet – im Einzelnen gut, in der Summe aber eine Sache, die auch ganz spannende Effekte zeitigen kann und womöglich wird.
Ich möchte mich zwar nicht «abgebildet» sehen (ich bin ja superempfindlich mit Photos von mir), aber ich ich denke, dass ich extrem wenig Selbst-Marketing betreibe und dieses ganze Twitter&Blog-Gedöhns von mir tatsächlich relativ echt und nah an dem ist, was mich im Guten wie im Schlechten treibt. Das ist reiner Selbstzweck – es ist ja ein Zettelkasten und ich würde mich ärgern, wenn ich meine eigenen Notizen darin krumlügen würde. Dann lieber mal Bullshit schreiben oder einfach falsch liegen.
>dürfen freunde so etwas öffentlich machen?
Das ist eben die Frage. Früher hätte die sich nicht gestellt, Freude wie Leid waren privat. Das ändert sich gerade, aber eben auf seltsame Weise. Eine Struktur, die emergiert, ist, dass Leid offenbar eher in anonymen Foren geteilt wird, wo die Anonymität erst nach einer Zeit aufgehoben wird, während eher Clearname-Plattformen wie Facebook zum einen tatsächlich zunehmend als Marketingmaschinerie von Unternehmen genutzt/missbraucht werden (dieses ganze mitunter ja auch etwas arg alberne Social Marketing :-D), zum anderen aber auch private Sachen (die inzwischen ja halbwegs geschützt sein können) immer diesen Spin ins «Yeah!» haben, eine Art Schaufenstercharakter. Du gewährst einen Blick in dein Leben, aber natürlich nur in die «Gute Stube». Das ist total verständlich, subjektiv… aber in der Summe ist die Verzerrung, bei zunehmenden Problemen im Hinterzimmer, auch nicht nur positiv zu sehen. Deshalb wäre für «soziale» Medien spannend, wenn sie tatsächlich «sozial» würden, also dreidimensionaler genutzt werden.
Naja du schreibst es ja selbst. Auf einer Hochzeit, einem Fest ist es das Privileg der Veranstaltung Frohsinn zu verbreiten. Klischee bedingt ist eine Hochzeit der glücklichste Moment im Leben und wird dem entsprechend zelebriert. Du gehst zu hart ins Gericht, wenn du die Fotoschau als Suggestion oder Heuchellei darstellst. Es ist ein Geschenk an das Hochzeitspaar. So wie in einem Strauß Rosen auch keine stinkenden, verrottenden Angehörigen dieser Spezies zu finden sind, wirst du auf Hochzeiten niemals Fotos deprimierter, trauriger Menschen erleben. Es ist keine Lüge, kein Selbstbetrug, weil es keine Dokumentation ist. Als Zaungast warst du wohl mehr Voyeur und die Veranstaltung eben kein öffentliches Facebook. Ich habe fast den Eindruck als beeinflusse deine aktuelle Literatur deine Sichtweise und verbiege deine Realität.
Früher gab es die Hochzeitszeitung heute ist es die Beamershow. Irgendwann wird es wohl Holografische Projektionen geben. Einen Autobiografischen Ansatz kann ich darin aber nicht erkennen, erst recht nicht das Ansinnen auf die dargestellte Vergangenheit einzuwirken. Die meisten Gäste der Hochzeit werden das Paar privat besser kennen (mit vielen Höhen und Tiefen) als es dem anonymen Betrachter der Bildershow möglich ist. Daher auch die verzehrte Sichtweise. Eine Hochzeit ist eine glückliche Momentaufnahme, ein Wimpernschlag im Leben. Fotografie ist genau das richtige Werkzeug um solche Nanosekunden menschlichen Seins einzufangen. Einen Anspruch an Realität und Dokumentation erhob die Fotografie zu keiner Zeit. Bevor Fotografie ein Massenphänomen wurde, war sie Künstlern und Fotografen vorbehalten, die in erster Linie inszenierten. Es ist Lichtmalerei. Und in den Händen von Laien entwickelt diese hochgezüchtete Technik ein Eigenleben, welches so unreif und banal ist wie die Realität. Anspruchsloser Anspruch, unnatürliche Natürlichkeit.
Den Anspruch erhebt ausschließlich der Betrachter nicht der Fotograf. So gesehen ist die eigene Darstellung in Facebook eher profan und nicht überzubewerten als Scheininszenierung. Facebook ist unbekümmertes Geschwätz. Niemanden interessieren Werte und Erfolge. Es geht wie du so schön schreibst um das Ankündigen zukünftiger privater Ereignisse, deren Ausgang irrelavant sind. Es ist ein Posieren im Freundeskreis. Tiefgründigerer Austausch findet eher offline statt. Facebook ist ein Ort an dem du einen alten Witz zum zweiten Mal erzählen kannst und immer noch Lacher erntest. Wir hatten uns hier mal über die Auswirkungen einer virtuellen, medial geprägten Welt unterhalten. Facebook ist dabei eine Art Ventil im Druckkessel des Alltags und da überrascht es nicht, dass der Anspruch auf Wahrheit nicht erhoben wird. Es ist eine Ansammlung belangloser Gedankenfetzen, ein Koloseum mit modernen Gladiatoren. Ein Freund schrieb in Facebook “Heute blinkt man nicht mehr, man postet hier in facebook wo man lang fährt”. Über Sinn und Unsinn zu debatieren wäre verschenkte Zeit. Das Web fragmentiert derart, dass du unmöglich ein Abbild, nicht einmal ein verzerrtes des realen Lebens erhalten kannst.
Ich denke, Online wird vieles durchgespielt, was wir uns im realen Leben noch nicht zutrauen. Im realen Leben würde uns ein bisschen mehr Offenheit gut tun. Weg von diesem Versteckspiel hinter Gardinen und getrimmten Hecken. Dadurch werden künstich Besitzstandsängste aufrecht erhalten. Wenn jeder vom anderen wüsste wie dieser morgens unter der Dusche aussieht, gäbe es wohl keine Diskriminierung mehr. Andererseits werden Online nur Bruchstücke bekannt gegeben. Die eigene Zensur ist hier oft strenger als in der Tagespresse. Diese eigene Beschränktheit abzubauen, sich mit seinen Gefühlen, Ängsten, Hoffnungen bloß zu stellen erfordert Mut, viel Zeit und Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Von einer Balustrade auf andere herabschauen und lästern ist einfacher als selbst beschaut zu werden. Interessant wäre die Öffnung sicherlich. Dazu müsste sich aber in der eigenen realen Wahrnehmung etwas entscheidend ändern. Wer sich im sozialen Netzwerk öffnet braucht den Schutz des selben und darf nicht zum begafften Kuriosum werden. Schwäche ist in unserer Gesellschaft ein Tabu. Daher wird aller orten der Erfolg und die gute Laune propagiert. Das das auf Dauer nach hinten los geht, darin sind wir uns glücklicherweise einig. :-)
>Als Zaungast warst du wohl mehr Voyeur und die Veranstaltung eben kein >öffentliches Facebook
Es ist ja eben keine geschlossene Veranstaltung gewesen und ich war ja sozusagen unfreiwillig Voyeur. Es liegt mir auch ganz fern, dieser insgesamt ja sehr netten Hochzeitsgesellschaft irgendwas unterschieben zu wollen, das war nur sozusagen die Tangente, an der entlang ich dann etwas nachdachte.
>Ich habe fast den Eindruck als beeinflusse deine aktuelle Literatur deine >Sichtweise und verbiege deine Realität
Inwiefern? Raddatz beschäftigt sich gar nicht mit Öffentlichkeit, sondern mit sich selbst – und Gibson ist ja nicht negativ. Alles gut.
>Facebook ist unbekümmertes Geschwätz
Absolut. Happy-Go-Lucky-Posts. Da ist der Punkt – wenn Social Media erwachsen werden will, wirklich sozial und wenn wir den Weg in die telepathische Gesellschaft etwas weiterdenken wollen, darf das gern etwas dreidimensionaler werden.
>Über Sinn und Unsinn zu debatieren wäre verschenkte Zeit.
Find ich bei einem Medium, das so viel Menschen so oft zusammenbringt und tatsächlich Relevanz hat, nicht ganz. Ich debatier hier ja auch nicht oder schreib «Artikel», wie letztens wieder gesagt wurde – ich denk ja nur mehr oder minder für mich laut nach. Ins Unreine. Die Texte sind ja – Tippfehler ahoi – immer so runtergeschrieben, ohne Korrektur. Also schon formal alles andere als Artikel o.ä. Meist sehe ich Dinge drei vier Wochen danach auch etwas anders, aber wichtig ist mir immer, Dinge, die mich beschäftigen, kurz (haha) zu skizzieren, wenn ich mal dazu komme. Hab den Spiegel dieser Woche nicht mal geöffnet aber der Titel hat mich dran erinnert, dass ich seit der Lektüre von Kreativität aushalten was über den Burn-Out schreiben will.
>Im realen Leben würde uns ein bisschen mehr Offenheit gut tun
Ich bin vielleicht zu Otaku-geschädigt, aber ich sehe keinen Unterschied zwischen «real» und «online». Das überlappt sich zunehmend und wird es auch weiter tun, bis die Grenzen weitestgehend aufgehoben sind.
>Von einer Balustrade auf andere herabschauen und lästern ist einfacher als >selbst beschaut zu werden
Nana, ich hab nicht gelästert. Ganz im Gegenteil, ich war sehr ergriffen von dem Ehepaar – die wirkten sehr sehr nett. So nett, dass man halt ins Nachdenken kommt.
>Schwäche ist in unserer Gesellschaft ein Tabu
Bis auf in den Foren, Ärztezimmern und Radioshows, wo die Leute sich in ihrer Schwäche suhlen und sich anscheinend eben darin auch wieder in einer Wettbewerb finden. «I’m worse off than you are!»
Ich würde da auch keinen finalen Schluß ziehen wollen, aber ich fand es bemerkenswert, wie sehr sich die Schere zwischen öffentlicher Happiness und privater Nicht-so-Happiness bei auffällig vielen Leuten abzeichnet und hab mich gefragt, ob das wohl symptomatisch ist. Und darauf aufbauend, wie ein erwachsenes Soziales Netzwerk aussähe, das kein Maskenball ist, sondern eine wirkliche Gemeinschaft, in der deine Peers nicht nur die guten, sondern auch die schlechten Momente teilen. Was ja ansatzweise durchaus auch stattfindet – oben ist ja wie immer bei mir etwas polemisiert :-D
>>aber wichtig ist mir immer, Dinge, die mich beschäftigen, kurz (haha) zu >>skizzieren
ich finde es ohnehin erstaunlich wie du deine recht komplexen Gedanken in ein solches Destillat umwandeln kannst :-D
>>Inwiefern? Raddatz beschäftigt sich gar nicht mit Öffentlichkeit,
>>sondern mit sich selbst – und Gibson ist ja nicht negativ. Alles gut.
Letzteres freut mich. Ich vermutete nur, ob du von der Hochzeits-Szenerie auch so angesprochen worden wärst, hättest du evtl. was anderes als Raddatz gelesen. Die ersten Absätze lasen sich teilweise wie eine Abrechnung. Sei’s drum.
>>> [...] und lästern ist einfacher als selbst beschaut zu werden
>>Nana, ich hab nicht gelästert.
:-P sorry, war lieb gemeint.
Aber mal weg von dem Aufhänger Hochzeit. Dein Wunsch eines erwachsen gewordenen Social Network setzt natürlich vorraus, dass es auch entsprechende Plattformen gibt. Facebook scheint fasst eine Art Hybrid zwischen Chat und Blog zu sein. Posten und Posen liegen in FB dicht bei einander. Es ist wie in einem Spiel ohne Regeln. Gibt Kindern Glasmurmeln zum Spielen und schau mal was passiert. Die Dinger werden gebunkert, herumgeworfen oder in die Nase gesteckt aber ein Murmelspiel kommt wohl kaum zu stande. So siehts bei FB auch aus. Hier regiert die Eitelkeit. FB ist dadurch natürlich auch ein schöner Spiegel menschlicher Oberflächlichkeiten. Das nervige an Facebook ist für mich, dass ich mehr damit beschäftigt bin bei den Post die Spreu vom Weizen zu trennen. Dadurch das jeder überall und zu allem seinen Senft los werden kann und das meist im Twitter-Stil entsteht ein Posting-Hintergrundrauschen in welchem ich schnell den Faden und ‘ne Menge Zeit verliere.
Und dann bleibt da noch die Frage: wollen wir ein “erwachsenes” soziles Netzwerk. Denn das Teilen von Ängsten, Sorgen, persönlichen Gedanken ist intim und fällt nicht ohne Grund in den Bereich des privaten. Deine Bezeichnung “Maskenball” trifft es recht gut. Vielleicht lässt sich so etwas feines und komplexes wie soziale Beziehungen eben nicht virtuell abbilden. Dem Virtuellen fehlt immer die Komponente Mensch, welche ich sehen, fühlen und auf anderen Ebenen durchschauen kann. Es gibt das Sein und es gibt den Schein. ;-)
>Die ersten Absätze lasen sich teilweise wie eine Abrechnung.
Um Gottes Willen. Es hätte sicher etwas weniger vorhersehbare 80s-Music sein können (wobei ich bei Hochzeiten schon viel schlimmeres gehört habe und selbst erstaunt war, wie textsicher ich da teilweise war, argh), aber ansonsten war das eine sehr nett wirkende Hochzeitsgemeinschaft, echt.
>das meist im Twitter-Stil
Was einfach dran liegt, wie bei mir ja auch, dass total viel Leute tweeten und das bei FB crossposten. Würde ich das nicht tun, würde ich bei FB gar nicht aktiv sein.
>Denn das Teilen von Ängsten, Sorgen, persönlichen Gedanken ist intim und >fällt nicht ohne Grund in den Bereich des privaten
Anders gesagt: Es wird tabuisiert. Im engsten Freundeskreis können es viele Leute nicht teilen, weil selbst da Schwäche nicht zugegeben werden darf. Und ich glaube, in HallowirsindjaALLEdepressiv-Foren bringt es vergleichsweise wenig, sich auszutauschen, man ist ja «unter sich», das wird dann schnell vielleicht etwas einseitig.
ohne auf einzelne punkte eingehen zu können, weil ich noch länger darüber nachdenken muss (und letztlich so egoistisch/schreibfaul sein werde, diese gedanken bei mir zu behalten bzw. im engsten kreis zu diskutieren ;) ), habe ich deine gedanken nicht als “kritik” am hochzeitspaar wahrgenommen, sondern als einen interessanten gedankengang rund um heutige sozialität jenseits der inzwischen pauschalaussagen wie dass man auf facebook all seine karrierechancen verpatze, wenn man mal besoffen fotografiert würde (solche aussagen in magazinartikeln sind dann wiederum ein grund, dass sich menschen in “social media” immer kontrollierter, immer optimierter darstellen – was vorteile, aber auch die von dir angesprochenen nachteile mit sich führt). ich habe keine wirklichen erfahrungen mit asiatischen oder arabischen kulturen, aber vielleicht ist die neue permanente öffentlichkeit ein weg dahin, dass auch unsere hiesige kultur wieder mehr wert auf distanz, etikette, protokoll, rituale, kodifizierten ausdruck legt …