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Alex Leu fragt 10: Blockaden und Flow

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Was halten Sie von meiner These, dass Blockaden im Designprozess u.a. deshalb entstehen, wenn Die Aufgabenstellung oder der Weg den man darin gegangen ist, nicht mit deiner Haltung übereinstimmt und somit zu Blockaden und inneren Konflikten führen könnten?
Ist die Art und Weise, wie jemand ein Projekt instinktiv angeht (konzeptionell und visuell), in seiner Persönlichkeit begründet?

Ich kann dieser These zustimmen – und auch wieder nicht. Design ist ein ganz normaler Beruf und wir sollten in der Lage sein, nicht in jedem Prozess dieses Berufes ein Glücksversprechen, eine Selbstbefriedigung oder einen «Flow» zu erwarten. Wer mit dieser Haltung an den Beruf geht, wird auf Dauer einfach nicht glücklich damit. Es ist eine im höchsten Maße soziale Tätigkeit, in der du zwischen den verschiedensten Parametern abstimmen musst, oft mit mehreren sehr verschiedenen Partnern zusammenarbeitest und wie in der Politik ständig deine Ideen rechtfertigst, aushandelst, Kompromisse machst und auf ein bestmögliches (aber eben nicht immer ideales) Ergebnis hoffst. Ich bin selbst Perfektionist und nicht immer glücklich, wenn in meine Ideen oder Entwürfe eingegriffen wird, aber es ist nun einmal der Alltag. Nicht, weil der Kunde zahlt und Recht hat, sondern eben weil der Klient ja durchaus auch erfahren und in seinem Bereich bewandert ist und gute Gründe für seine Wünsche hat, die es zu respektieren gilt – und so hangelt man sich im Idealfall zu einem guten Ergebnis für beide, aber ein Solotanz ist es eben eher selten oder nie. Wer Designer sein will, wie man Sologitarrist oder Poet wird, wird an diesen Abstimmungsprozessen sehr sehr leiden. Wer Spaß daran hat, seine eigenen Perspektiven zu erweitern und andere an sich heranzulassen, wer offen für Spiel ist – der wird wahrscheinlich nicht leiden, im Gegenteil. Design unter den Aspekten der Spieltheorie zu betrachten ist gar nicht so verkehrt.

Auf der anderen Seite ist Design auch eines des wenigen Felder, in dem es genug Bandbreite und Vielfalt gibt, sich zu «finden» und einen eigenen Arbeitsethos zu haben. Man kann hier sicherlich sehr viel mehr von der eigenen Haltung einbringen als in vielen anderen Berufen, muss es oft auch – denn letzten Endes verkaufen wir mit unserer Kreativität auch unseren Enthusiasmus, unsere Begeisterung, und die entsteht aus der Kongruenz von Denken und Handeln, die muss glaubhaft da sein. Insofern ist es natürlich immer gut, wenn du dich für deine Arbeit inhaltlich begeistern kannst, weil die Lösung sich aus den Spurenelementen und Erinnerungen, Inspirationen und Quellen füttert, die dich auch als Menschen insgesamt prägen und ausmachen. Die Musik, die Filme, die Bücher, die Menschen, die Kunst, die Theaterstücke und Photographien – all das wird deine Arbeit formen, weil du deine kulturellen Inputs und Faszinationen darin zu etwas anderem transformierst. Insofern ist auf jeden Fall Konzeption und Gestaltung in der Persönlichkeit verankert, in dem Sinne, dass das, was dich als Subjekt formt auch deine Arbeit beeinflusst, du gehst ja an die gleiche Quelle zurück. Designer ist in dieser Hinsicht einer der genialsten Berufe der Welt, die Mischung aus subjektiven Einflüssen und objektiver Wirkung kannst du ansonsten nur in wenigen anderen Feldern so verzahnen.

Für mich persönlich mündet das darin, dass ich bestimmte Dinge tatsächlich nicht KANN. Wir sind beispielsweise irgendwie nicht das richtige Büro für Schweinebauchwerbung, weil ich dieses enge Gewusel à la Aldi-Flyer nicht hinbekomme, es sieht immer mies aus, wenn ich mich daran versuche. Und man wäre ja auch wirtschaftlich schlecht beraten, Dinge zu tun, die man schlecht oder nur sehr langsam hinbekommt, weil man sie nicht wirklich kann, oder? Und die zu können vielleicht ja auch nicht so erstrebenswert ist. Insofern macht es schon ökonomisch Sinn, wenn das Projekt zum Büro passt, einfach, weil man dann schneller (und für den Klienten somit preiswerter) arbeitet. Man tut, was man gut kann, und aus dieser Harmonie erwachsen dann effektiv und effizient die richtigen Dinge.

Ansonsten und ganz allgemein – siehe oben – fände ich es langweilig eine Kongruenz zwischen einer «Haltung» und Aufgaben zu suchen. Da macht man irgendwann nur noch das gleiche, Das ist so, als läse man nur Zeitungen, deren Meinung eh nur die eigene widerspiegelt, oder hört nur noch eine Richtung Musik. Es gibt kein besseres Rezept für die Stagnation. Umgekehrt ist es spannender – wenn man anhand eines Projektes die eigenen Haltungen und Ansichten überprüfen und erweitern kann.

6. Juli 2011 20:57 Uhr. Kategorie Arbeit, Design. Tag , , .
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