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Alex Leu fragt 24: Trendjäger

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Was sagen Sie dazu, wenn sich Studenten oder Berufsanfänger vor einer konzeptionellen oder gestalterischen Wiederholung in deren Arbeiten fürchten? Einem Trend hinterherzujagen (aktuell Lombardo, Meire, Borsche Style etc.)
Wie kann man seinen eigenen Stil entwickeln, ohne einem Trend hinterherzujagen?

David Carson hat mal gesagt, dass man als Designer ein Drittel seiner Karriere lang andere Stile kopiert. Ich selbst glaube, man tut es unbewusst vielleicht sehr viel länger, nur raffinierter, subkutaner. Es ist aber natürlich schon übel – so wie die Carson-Grunge-Nachbauten vor zehn Jahren unerträglich waren (und ich habe letztens sogar noch welche in einer Bewerbung gesehen) – wenn heute so viel Design so gleich aussieht.

Wenn ein Praktikant 60% der Zeit im Büro Design-Blogs durchsurft, darf man nicht überrascht sein, wenn seine Vorschläge für Projekte dann verdammt nach dem aussehen, was er sich da den ganzen Tag lang angesehen hat. Auf der anderen Seite wäre ich heuchlerisch, wenn ich nicht zugebe, selbst natürlich auch Einflüsse und Inspirationen zu haben, sogar sehr viele und mich bei denen auch gerne zu bedienen, wie ja vorhin schon besprochen.

Ich hoffe bei Designern immer auf das, was ich den Beatles- (zeitgemäßer vielleicht den Radiohead-) Effekt nenne. Beide Bands haben nicht sonderlich innovativ angefangen, sich dann aber im Laufe der Karriere aber massiv freigeschwommen. In der Regel werden viele Künstler, Autoren oder Musiker mit der Zeit kommerzieller, chartsorientierter – und vielen Design-Büros geht das auch so. Die Kunden werden größer, und große Kunden scheuen das Experiment… in der Wahl ihrer Partner, aber auch in der tatsächlichen Arbeit. Wenn ein Studio also 20 oder 40 Mitarbeiter hat, wird es im Schnitt durch den größeren Output durchaus auch wegweisende Projekte geben, aber eben auch sehr viel Mainstream. Radiohead, die Beatles und ein paar andere Bands zeigen, dass es aber auch anders geht, das langfristiger Erfolg auch dadurch erfolgreicher wird, immer kompromissloser seinen eigenen Weg zu gehen. Aber das schaffen eben auch nur sehr wenige.

Dennoch macht man sich als Designer natürlich mit der Zeit freier von erkennbaren Einflüssen, freier von Unsicherheiten. Ich denke, dieses Freischwimmen, das ein langsamer und tastender Prozess mit Fehlern und Irrwegen sein muss, ist die Methode, die dann – wahrscheinlich erkennt man das selbst aber nie, weil man ja nicht auf das eigene Werk zurückblickt – zu einer Eigenständigkeit führt. Der Mut zum Fehlschlag gehört dazu. Man probiert viele Anzüge an, sieht auch mal schlecht angezogen aus, findet aber nur so seinen eigenen Look. Und irgendwann ist man so oder so außerhalb von Trends, weil man sich nicht mehr so damit befasst, was gerade angesagt ist, sondern eigenen Antworten hinterherjagt.

2. September 2011 14:23 Uhr. Kategorie Arbeit, Design. Tag , , .
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