
Ein Fan der Adbuster-Organisation und von Kalle Lasn bin ich ja seit langem. Wer mich kennt, weiß, das ich Lasn Design-Anarchy-Buch predige. Obwohl teilweise etwas arg demagogisch, simpel gestrickt und etwas sehr «New Left», ist das Adbuster-Magazin eine unübersehbare Weiterentwicklung der Ideen von Tibor Kalman und eine der wenigen kritischen Stimmen im aller plattwälzenden Strom eines kopfnickenden Konsumerismus. Nicht alles, was Lasn und Co schreiben kann ich so pauschal abnicken, aber es ist genial, dass es ein Magazin gibt, das streitbar, sexy und designorientiert ganz pragmatisch gegen eine zunehmend rein markenorientierte und wertentleerte Mediengesellschaft angeht. Nachdem ich Adbusters immer mal sporadisch gelesen habe, wenn ich ein Magazin irgendwo ergattern konnte, hatte ich – nachdem ich in Stockholm recht begeistert Heft 72 gelesen habe – die Nase von den Lücken voll und habe ein Abo gemacht. 2 Jahre für 60 (kanadische) Dollar mit Versand, da kann man nichts sagen. Und weils so schön ist, habe ich mir gleich einen Unswoosher mitgeordert. Das schöne an AntiMarken-Bewegungen wie NoLogo oder Adbusters oder Mushi ist ja immer, das sie unweigerlich im Handumdrehen selbst zur Marke mutieren. Aber damn, Blackspot ist an sich eine tolle Idee als AntiMarke und der Schuh ist sexy. (Hoffentlich auch in Echt). Wer einen roten Asskicker-Sweetspot auf einen Schuh malt, kann kein schlechter Mensch nicht sein…
Wenn du als Designer arbeitest, ist es nicht so dumm, vielleicht auf EIN Branchenblatt à la DesignReportNovumPageW&V zu verzichten… und dafür die Adbusters zu lesen. Rückt die Perspektive einfach gerade.
20. August 2007 16:45 Uhr. Kategorie Design. 6 Antworten.
Wer Konsumterror mit Konsum bekämpft ist aber auf dem Holzweg. Adbusters ist nicht in erster Linie ein Magazin sondern eine Art zu handeln.
[...] Was passiert wenn Konsumkinder Konsumkritik entdecken? Sie konsumieren sie. Ist das falsch? Ja, allerdings ein notwendinger erster Schritt zu einer gesunden Gegenreaktion. So wünsche ich HD Schellack dessen Design mich begeistert eine gute Besserung und baldiges Abo-Abbstellen. [...]
Ich hab gar nix gegen Konsum, sorry. Ich bin selbst ausgezeichneter Markenfetischist, trage Boss, fahre Mini und wäre eigentlich auch ideales Apple-Opfer. Ich seh das nicht verbissen. Die Adbusters ist ne gute Sache von guten Leuten und macht Spaß zu lesen und ich habe es satt, jedesmal nach einem Magazin auf Jagd zu gehen. Wenn das Ding mich auf Dauer irgendwie nerven sollte, kann ich’s ja abbestellen. Es ist nicht so, dass ich hier Konsumkritik «konsumiere» (wie übrigens sonst soll das gehen? Darf man also als Linker die taz gar nicht lesen, weil ja Konsum?… Wird das nicht alles etwas engstirnig???), sondern ein Magazin, das ich gerne lese, regelmäßiger will. Meine eigene Haltung ist mit der von Lasn nicht immer deckungsgleich, aber das ist bei Zeit und Spiegel und so auch nicht immer der Fall. Gelesen wird, was ich lesen mag und was anregt. Ist hier der Fall, End of Story. Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre und ein Magazin nur ein Magazin und bei dem Schuh, nebenbei geht’s auch nicht um die Attitude, sondern ich mag das Reifenmuster soooooo sehr. Da kann ich unglaublich oberflächlich sein. Und wenns zugleich Geld in halbwegs korrekte Hände umverteilt, why not?
Das «Adbusters» – wie Greenpeace, Foodwatch et al – längst selbst zur Marke, zur konsumierbaren Geiteshaltung, letzendlich zur Theodizee des eigenen Verhaltens mutiert, ist oben ja erwähnt. Anders auch gar nicht denkbar, außer im mikroskopischen Massstab. Die Adbuster-Schiene funktioniert global längst wie andere Markenwelten auch – inklusive Sendungsbewusstsein und Markenwelterweiterung. Der Fehler ist nur, mir pauschal Konsumkritik zu unterstellen. So einfach sind die Schubladen nun doch wieder nicht, in denen ich durchaus stecke.
PS… eins schlimmer: COLORS war sogar der Ausfluss einer Marke. Tibor Kalmans Magazin-Kickoff und die weitere Magazinpublikation stand unter der Dachmarke Benetton. Die ganz schreckliche Popper-Pullis gemacht haben, die kein halbwegs gescheiter Mensch auch nur im Halbschlaf kauft. Das Magazin an sich – ungeachtet der Tatsache, dass sich hier eine Marke so eine Art Sozialgewissen anzog – war aber trotzdem klasse. Und kaufenswert. Wenn Stefan Sagmeister morgen für McDonalds ein Magazin macht, dass wirklich gut ist – anders zB als das Mini-Magazin von Meiré, das schick ist aber inhaltlich etwas langweilt -, wär mir doch egal, ob MickeyDs dahinterstecken, ich fänds trotzdem eine gute Sache.
Manchmal ist ein Magazin nur ein Magazin.
oh jeh, so drastisch offenbart hätte ich deine gedankengänge lieber erst gar nicht wissen wollen. poor one.
[...] mein Adbuster-Abo ja bereits etwas seltsame Wellen schlug, habe ich mir überlegt, mir den Unswoosher-Schuh, der aus [...]