HD Schellnack /// Kontakt Twitter iPhoto pointandshoot Typographie Alternative Pop Licht nodesign Aktionen Zitat Natur Photographie Denken Fail ScienceFiction Apple Studium Belletristik Comics Dayshot Vernacular Scratchbook Werbung Fragen Winter Software Medien Fun Retro Gesellschaft Farbe Print Electronic Magazine iOS Zukunft Web Drama Frühling Jazz Sommer Kitsch Kunst Sachbuch Hardware Fantasy Klassik Herbst Thriller Emma

Slanted 06: Signs, Symbols, Ornaments

hd schellnack
hd schellnack

Obwohl oder vielleicht gerade weil seit Alfred Loos’ «Ornament und Verbrechen»  das Überflüssig-Dekorative im modernen Design einen schweren Stand hat, ist in den letzten Jahren das Pendel massiv zurück geschwungen. In schönster postmoderner Nichtigkeit kann Design sich heute stilistisch-oberflächlich ebenso beim kargen International Style bedienen, aber auch in üppiger retrofloraler oder scifitechnoider Ornamentik schwelgen. Everything goes und selten bedeutet es noch etwas. Die Zeit, wo man sich zwischen Minimalismus und Memphis die Köpfe heiß reden konnte, ist im Säurebad des omnivoren softwarebasierten Designs irgendwie zersetzt worden. Das antidekorative Mantra von Loos – so richtig es in der Zeit war und so richtig es vielleicht auch heute noch sein mag – oder auch, viel plausibler argumentiert, einem Otl Aicher wird dem Drang nach mehr persönlichen Ausdruck im Design vielleicht nicht gerecht, vielleicht wirken  möglichst verschachtelt gebaute Bilder auch einfach eher beeindruckend als minimalistische Lösungen – wie dem auch sei, es schadet nicht, sich dem Thema Ornament, das im englischsprachigen Raum längst gut im Diskurs ist  (vgl Alice Twemlow, The Decriminalization of Ornament), auch in Deutschland mehr zu widmen.

hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack

Und das tut die sechste Ausgabe des derzeit vielleicht emotionalsten typographischen Magazins in aller gebührenden Unruhe. Die sechste Slanted bleibt ihrem etwas irrlichternden, aber immer erfrischend vielseitigen Mix-and-Match-Konzept treu, das auf eine höchstmögliche Bandbreite an individuellen Beiträgen setzt. Dieses recht ungefilterte Verfahren gibt dem Magazin mitunter etwas von der Sturm-und-Drang-Naivität einer Schülerzeitung, sorgt aber eben für eine Nahbarkeit, ein Echtzeit-Feeling, das tatsächlich dem ursprünglichen Blog-Feeling von Slanted.de sehr nahe kommt – das Magazin scheint wie eine Website nicht für die Ewigkeit gemacht, sondern auf der Reise, unterwegs, schnell zu sein, Momentaufnahmen zu liefern – und das ist auch gut so. Denn durch dieses Flair bekommt die Slanted eine Einzigartigkeit, besetzt eine Nische, die die anderen Designmagazine derzeit nicht füllen. Sie ist ein bisschen trashiger, ein bisschen mehr Patchwork und eben darum hoch lesenswert, zumal die Sprunghaftigkeit des Magazins die das Hypertext-Feeling eines etwas treibenden Surfens im Netz gut zu Papier bringt. Die Interviews und gezeigten Arbeiten widmen sich der Creme der Gestalterszene ebenso wie Newcomern, ohne sich dabei immer sklavisch an das Heftthema zu halten, was den Inhalten durchweg gut tut. Musikrezensionen, Buch-, Magazin- und Font-Tipps aus der Slanted-Website und jede Menge liebevolle Details runden das Heft ab, das bei allem Über-Zäune-bicken doch immer wieder zum Kernthema Schrift und Schriftschaffen zurückkehrt.

hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack

Das Ergebnis ist ein impulsives und in dieser stürmischen Art unweigerlich inspirierendes Heft, das sich wohltuend oft einen Scheiß um Hübsch oder Hässlich schert, sondern ganz auf Direktheit setzt. Es gibt immer etwas zu sehen, zu entdecken, anzulesen, irgendwas, was dich zum lachen bringt oder verwundert. Diese Vielfalt ist angesichts des relativ kleinen Teams um Julia Rausch umso verblüffender und schöner.

hd schellnack
hd schellnack
hd schellnack

Schöner ist ohnehin das richtige Stichwort – nachdem Lars Harmsen mit den ersten Slanted in Kooperation mt Océ einen Marketing-Hattrick hinlegte und die Slanted komplett digital druckte, wird sie jetzt doch in «echtem» Offset gedruckt, man merkt den Unterschied eigentlich auf den ersten Blick kaum, aber das etwas schönere Schwarz veredelt das größtenteils ja einfarbig produzierte Heft unbedingt und nun kommen auch die feinsten der haarfeinen Artwork-Linien, die Marian Bantjes’ Interview begleiten kompromisslos zur Geltung. Die Aufwertung passt zu dem Plan, die Slanted demnächst häufiger, regelmäßig quartalsweise und dann auch konsequenterweise gleich im (superpreiswerten) ABO zu produzieren. Es gibt eigentlich kein (deutsches) Magazin, dass sich so exklusiv dem Gestalten von und mit Schrift widmet und zugleich diesem nur scheinbar engem Themenbereich so viel schillernde, punkige Lebhaftigkeit abgewinnt, die wunderbar im Kontrast steht zu der grauen Bleisatz-Ernsthaftigkeit, die typographische Magazine oft anspringt. Wer Spaß an Schrift hat, kommt an der Slanted also eigentlich gar nicht vorbei.

hd schellnack
hd schellnack

13. November 2008 15:58 Uhr. Kategorie Design.
Eine Antwort.

«
»

1 Antwort

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence