Zeche Bochum: Kaizers Orchestra
23. November 2006 // 08:56 // LIVEDas mit Kaizers Orchestra ist so eine Sache. Erst in Köln nicht gesehen, weil wir keinen Parkplatz gefunden haben, eine Beule in den Wagen gefahren und dann einfach keine Lust gehabt haben. Dann in Essen-Werden unter Alkohol so halb mitgekriegt. Aber jetzt, dank einem lieben und echt großzügigen Geschenk von Julia und Annette, endlich richtig ohne miesen Festivalsound und Nieselwetter, in der Zeche Bochum. Die nicht so derb ausverkauft war wie etwa bei Dredg, so daß man recht entspannt bis komplett in die erste Reihe marschieren konnte, um sich die erste Konzerthälfte noch recht entspannt anzuhören und in der zweiten etwa so im Bühnenmittenbereich zweite reihe mitzufeiern. Und gefeiert wurde da. Abgesehen von ein paar moshenden älteren Typen, die aussahen, als hätten sie auch schon den ein oder anderen Norwegen-Urlaub hinter sich, zieht das Orchestra eine mehr als treue Fangemeinschaft an, die – seltsamerweise – die norwegischen Texte auswendig mitsingen kann, die Band frenetisch feiert und von dem charismatischen Sänger Janove Ottesen um den kleinen Finger gewickelt wird, mitklatscht, singt, tanzt, und den Sänger wörtlich auf Händen trägt. Und zu Recht. Nach einer skurillen Vorband kommen die Herren Kaizer in hippe Anzüge gewandt auf die Bühne und geben Gas, bis die Show vorbei ist. Die 2000 gegründete Kapelle klingt dabei mit ihrem Gypsy Folk Rock wie der perfekte Soundtrack zu einem Tarantino-Film, aber deutlich härter und druckvoller als auf den Alben, die ich stets etwas brav fand. Die Setlist umfasst alle (selbst mir) bekannten Songs wie Biitzregn Baby, KGB, Maestro, aber auch neues Material, wie etwa 9 mm, das ein klein wenig mainstreamiger daherkommt und von der Band auch weniger frenetisch abgefackelt wird. Ansonsten gibt es aber wenig Stillstand bei diesem Gig: Die Ölfässer und Radfelgen werden mit Schraubenschlüsseln demoliert was das Zeug hält, Drummer Rune prügelt derart auf sein Kit ein, meist schon mal direkt im Stehen, dass sich sein Crashbecken in der Mitte des Konzertes verabschiedet, und die beiden Gitarristen Terje und Geir posen als wäre man auf einem AC/DC-Konzert. Zu diesem Old-School-Rock-Feeling trägt vor allem die Show des Sängers «The Jackal» bei, der ganz in alter Bono-Manier einen neuen Fan auf die Bühne holt, mehrfach vom Publikum aus singt und am Ende Gitarristen «Hellraizer» Geir auf den Schultern durch die Menge trägt, als wäre er Angus Young persönlich. Das am Ende des Gigs von den schicken Anzügen nicht mehr viel über ist und man sich durch gut 90 Minuten (eine Zugabe nur, leider) eines fast absurden Mixes aus osteuropäischer Melodik, Punk, etwas Neubauten-Industrialflair, skurrilen Einlagen und klassischen Rockriffs gewütet hat, ist bei solchem Körpereinsatz fast selbstverständlich. Genau die Sorte Konzert, bei dem du dir zum einen wünscht, vorher mehr getrunken zu haben, man kommt sich im Vergleich zur Band viel zu nüchtern vor, und bei dem man sich immer wieder dabei erwischt, wie man breit grinsend zur Bühne hochschaut und «Fuck, yeah» sagt.
Nach dem Break mehr schöne Bilder von Steffi, als Wiedergutmachung für meine schlechten Photos von Phoenix und Mit…
























Ah, das sieht doch gut aus. Und hört sich gut an. Wie immer also bei den Kaizers. :-)
Wer war denn die Vorband?
(Und Kati hat Euch das übrigens auch mitgeschenkt, damit relativiert sich dann auch das “großzügig” wiedder… ;-))
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Oh, das mit Kati wußte ich gar nicht – dank dir A-K.
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Sehr geile Bilder, Glückwunsch !
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sehr schöne sehr zutreffende beschreibung eines kaizers-konzertes!
die deutschen (?) fans, die die norwegischen texte mitsingen,
die ja noch dazu auf derbstem stavanger/bryne(kleinstadt)-
dialekt sind (also fast in ›nynorsk‹, der einen der beiden
norwegischen sprachen), verwundert mich auch sehr.
es ist aber auch offiziell festgestellt worden, dass die nachfrage
nach norwegisch-kursen in volkshochschulen etc. stark ansteigt,
ist irgendwie ein trend, scheinbar (ob das mit dem extremen
musikimport aus skandinavien hierzulande zu tun hat?).
dazu sehr empfehlenswert: im museum für kommunikation
in berlin die austellung ›nicht nur lachs und würstchen‹,
hundert jahre deutsch-norwegische beziehungen.
bis januar. auch schöne ausstellungsgestaltung
(wenig überraschende dafür solide typo allerdings).
wenn’s linken funktioniert, hier noch ein paar kleine bilder
von den verrückten bei ihrem popkomm-auftritt im kesselhaus:
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[…] Nach der sound- und bildgewaltigen Show der Chemical Brothers wirken Modest Mouse am Dienstagabend in Köln seltsam normal. Einfach sechs Jungs, die nach etlicher Wartezeit auf die Bühne kommen, ihre Instrumente umschnallen und loslegen, mit recht langen Pausen zwischen den Songs, mit etwas verpeilten Ansagen und mit einem eher gewöhnlichen Rock’n’Roll-Lichtset, ohne besondere Features. Pure Musik also, nach vorne getrieben von Joe Plummer und Jeremiah Green, die mit zwei Percussion/Drumkits für Druck sorgen. Bei manchen Stücken sind die beiden nicht 100% synchron, was den Sound oft etwas matschig wirken lässt, aber der schiere Druck, den die Band bei manchen der härteren Songs entfalten kann, lebt spürbar von der Mischung aus Drums, Percussion und live gespielten elektronischen Sounds. Auf dieser Druckwelle surfen entspannt die anderen Bandmitglieder, allen vorweg Multiinstrumentalist Tom Peloso, Ex-Smiths-Gitarrenwunderkind Johnny Marr und natürlich Sänger Isaac Brock, der mit dem natürlichen Charme eines Serienmörders durch den Abend führt. Die Mods spielen natürlich Tracks vom neuen Album und haben mit dem Oberhit Dashboard sofort die vollgepackte Halle im Griff, aber auch Klasisker wie Doin’ the Cockroach oder Spitting Venom. Obwohl die meisten Tracks ja eher in der Americana-Mid-Tempozone liegen, also gar nicht sonderlich schnell daherkommen, wird in der Moshpit getobt als gäb es kein Morgen mehr. Mag sein, dass ich von einigen Nachtschichten, den ChemBros und acht Studen Dozententum noch etwas ausgelaugt war, aber kürzer hab ich es selten an der Bühnenfront ausgehalten, das war Terror. Tatsächlich steht die extreme Fanreaktion etwas im Widerspruch zur Band selbst, die eher relaxt, fast gelangweilt-professionell durch die komplexem Songstrukturen spielt. Den meisten (sichtbaren) Spass strahlt Johnny Marr aus, der fast unsichtbar im Klangkorsett der Band verschwindet, und für einen Mittvierziger enorm lässig aussieht. Es ist einfach prima zu sehen, dass so ein großer und wichtiger Musiker nicht wie so viele einfach versackt ist, sondern mit Modest Mouse einen neuen Hafen für seine Ideen gefunden hat. Isaac Brock singt, schreit und wimmert sich durch die Songs, die - je weiter der Abend fortschreitet - immer besser und druckvoller werden, zumal die Band die ruhigeren Songs eher in der Mitte des Sets spielt und sich am Ende auf orgiastisch ausgestreckte Classics beschränkt. Gemessen an anderen Live-Acts - etwa den musikalisch ähnlich gelagerten Kaizers Orchestra - wirken Modest Mouse etwas wenig show-orientiert, vielleicht brav, aber die Musik, die Stimmung im Publikum und die reine Energie, die sich während des Konzertes aufbaut, ist den Eintritt mehr als wert. […]
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[…] kennt ihr uns? Radio, TV oder Freunde?). Insgesamt unterscheidet sich dieser Gig gegenüber dem vor zwei Jahren in Bochum durch eine gewisse Blutarmut. Die Band ist super, das Publikum gegen Ende völlig aus dem Häuschen, […]
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Die Jungs knallen live einfach super rein. Sehr zu empfehlen.
Habe 2005 und 2008 auch ein paar Bilder gemacht, wer Lust hat, einfach Oben anklicken, sonst zu finden unter www.rockthecam.de
Grüße
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