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300 Trailer

Der zweite Trailer des auf Frank Millers Comicbook basierenden Sparta-Epos 300 ist ein weiterer Schritt hin zur Konvergenz von Film und VR-Gaming. Was in zahlreichen anderen Filmen bereits angedeutet ist, kann man hier fast greifen: Film und Video-Spiel verschmelzen technologisch und ästhetisch zu einem Medium. 300 greift visuell vorweg, was in einigen Jahren der Standard im Gamingbereich sein dürfte: ein unwirklicher Mix aus Virtueller Umgebung und digitalisierten Realdarstellern. Das Ergebnis sind interaktiv steuerbare Filme – und diesen Möglichkeiten scheinen die Spielemacher nach wie vor etwas hilflos gegenüber zu stehen. Hier deutet sich die Möglichkeit einer komplett neuen Vorstellung narrativer Strukturen an, verzweigt, dynamisch, diskursiv multitextual, explorativ, die unsere bisherigen Vorstellung von Erzählung, von Autorenschaft etwa so verändern dürften wie der 12″-Remix in den 80ern die Vorstellung von einem «Song» erodiert und revolutioniert hat. Es gab plötzlich nicht mehr den «einen» Song, sondern Variationen, Iterationen und man konnte sich – wenn auch nur aus einer vorgegeben Auswahl – seinen Favoriten auswählen. Oder, inzwischen, selbst tätig werden und Songs remixen, wie vor einigen Jahren eine phantastische Fan-Page bewies, die sich faktisch jedes Björk-Lied gleich mehrfach rekonstruktiv zur Brust nahm.

Ich hatte mit Marian kürzlich das Gespräch, dass ich denke, wir haben inzwischen mehr als genug Spiele, die an die untersten Instinkte der Käuferschaft appellieren. Adrenalin und explizite Gewalt engen die Konsolenspiele auf eine zu kleine Zielgruppe ein, und sozial weisen sie nicht in die richtige, positive Richtung. Wir brauchen Spiele, die anregen, die kreativ machen, die den Spieler nach oben ziehen und bereichern. Bisher ist aus meiner Sicht ausnahmslos das Buch das Medium, das dich klüger, weiter, reicher macht. Gefolgt, mit einigem Abstand von Film und Musik, die beide schon eher emotional sind, niemals so in die Tiefe gehen können wie Buch, niemals die Reichhaltigkeit an Textur hergeben. VR-Spiele, wie sie sich oben andenken ließen, könnten diese Tiefe erreichen und überbieten, indem sie aus der hierarchischen Struktur fest vorgegebener Autorenstrukturen herausbrechen. Ein Buch hat einen festen Verlauf, in einem Spiel könnte ein Autor mehreren Verlaufssträngen parallel folgen, verschieden Charakteren usw. Solche neuen Formen von Erzählung könnten zugleich – über soziale Netzsoftware – von mehreren Onlineautoren weiterentwickelt werden, digitale Facfiction im Rahmen einer Spielumgebung. All dies existiert im Ansatz bereits und wartet nur auf den technologischen, aber vor allem auch den gesellschaftlichen Durchbruch.

10. Dezember 2006 23:03 Uhr. Kategorie Technik. 2 Antworten.

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