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If it’s good, it’ll drag you in.
Nick Tosches, Esquire, 12/12

27. Dezember 2012 11:21 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

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24. Dezember 2012 22:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

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23. Dezember 2012 22:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Sudelbuch 156

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21. Dezember 2012 15:11 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Long Time no see: Demon Seed

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«Rosemarie’s Baby» trifft «I Robot» – diese 1977er Verfilmung eines B-Schockers des Vielschreibers Dean R. Koontz ist alles in allem ein ausgesprochen seltsamer, unwirklicher Film. Streckenweise unfreiwillig komisch, streckenweise psychedelisch, streckenweise body-horror um Dekaden vorweggenommen. Der Londoner Regisseur Donald Cammell ist eine exzellente Wahl für diese exzentrische Mischung, immerhin hatte er zehn Jahre zuvor in seinem bis dahin einzigen Film («Performance») schon einen eher surrealen Kult-Pop-Krimi produziert. Unter seiner Führung wird der plumpe Horrorstoff zu einem gleichzeitig grandios schlechten und schlicht grandiosen Kammerspiel zwischen Julie Christie, Fritz Weaver und Robert Vaughn als Stimme des Computers Proteus IV, der in einer etwas oedipalen Wendung als eigentlich für den militärisch-wirtschaftlichen Komplex unterirdisch konstruiertes Superhirn gegen seinen Schöpfer Dr. Alex Harris auf und schwängert (!) dessen Frau Susan, um selbst – Pinocchio würde es garantiert verstehen – menschliches Dasein erleben und Sterblichkeit begreifen zu können. Ganz à la Frankensteins Braut will Dr. Harris das natürlich nicht unbedingt zulassen, weswegen Proteus sich praktischerweise in das Labor seines Schöpfers hackt und vom dortigen Terminal aus nicht nur zu einer monströsen Metallplatten-Skulptur mutiert, sondern auch noch die gesamte Haustechnik übernimmt und Susan spontan im Keller vergewaltigt, da sie sich trotz bester Argumente Proteus’ freiwillig so gar nicht für eine Mensch-Maschine-Symbiose begeistern kann. Gespickt mit entsetzlichen aber liebevollen Trickeffekten, die teilweise so atemberaubend dreist bei Kubrick gestohlen sind (bietet sich bei einem Film über eine boshafte Künstliche Intelligenz ja auch an), das man ganz hingerissen ausrufen will: «So schlecht und so gut!» Denn trotz oder vielleicht sogar gerade wegen einem Hang zu britischer Skurrilität, seltsamen Wendungen in der ohnehin eher wirschen Handlung, trotz sowohl steifer wie auch hysterischer Darsteller, trotz der genial nebelmaschinenverhangenen Trick ist dem Film in jedem Moment eine ganz eigene Leidenschaft anzumerken, eine besondere Intensität. Und die sorgt tatsächlich für einen unwirklich-alptraumhaften Horror, der sich eben gerade wegen der irrationalen Handlung einstellt. Die Verve, mit der Cammell seinen Zug von der eigentlichen Science-gone-wrong-Schiene entgleisen lässt, verunsichert für den Rest des Films, weil man diesem Film jederzeit jede noch so abstruse Wendung zutraut… und in dieser Erwartung auch selten enttäuscht wird. «Demon Seed» ist seltsamerweise ein Film, der viel will, an den eigenen Ambitionen furios scheitert und gerade deshalb, in seinem Scheitern überhaupt erst gut wird. Ein besserer Film wäre wahrscheinlich insgesamt einfach ein anderer Film, mit plausibler Handlung, einer glaubhaften Motivation für Proteus, mit weniger dreisten Zitaten – wahrscheinlich hätte es den Film dann einfach nie gegeben. Ein nur noch marginal schlechterer Film hingegen wäre als platter Horrorschocker längst vergessen in der Schublade von Filmen, die selbst Corman noch zu peinlich wären. Aber so? Irgendwo zwischen Ballard und Hammer-Studios? So ist «Demon Seed» beunruhigend, verwirrend, bis zum letzten Moment durch und durch anders. Wir finden oft genug Filme gut, weil sie auf amüsante Art «trash», «camp» oder einfach eben genial schlecht sind, aber ein Film, der nur funktionieren kann in dem, was er eigentlich erreichen will, weil er es eben nicht erreicht? Atemberaubend selten! Im Grunde ist «Demon Seed» in seinem Scheitern ein gelungenes Stück Kunst.

09:16 Uhr. Kategorie Film. Tag , . Keine Antwort.

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20. Dezember 2012 22:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Long time no see: Assault on precinct 13

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Allein die Musik im Vorspann ist bereits legendär und schafft die perfekt Endzeitdisco für das nahezu bürgerkriegsähnliche Feeling eines Films, der ohne lange Worte zur Sache kommt. Es gibt kaum einen Soundtrack – Carpenters eigenes «Escape from New York» vielleicht ausgenommen – der so effektiv morbide, beklemmende Stimmung, Zeitdruck und einen Hauch von Science Fiction zusammenfasst. Es ist die elektronische Musik des Proto-New-Wave, zurückgeworfen auf sich selbst… düster, verloren, menschenlos. Für einen Endzeit-Film wie «Assault» könnte man sich keinen besseren Soundtrack wünschen, sie macht viel der Energie des Films aus. Ansonsten sind es im Rückblick natürlich vor allem die Details, die begeistern, diese Hollywood-Nostalgie, die inzwischen eben auch eigentlich recht jüngere, aber bereits seltsam anachronistisch wirkende Filme der 70/80er erfasst. Ein echter Vorspann vor dem Film… und dabei noch so kurz. Autos mit Scheiben, die noch händisch herabgekurbelt werden, manuelle Schreibmaschinen, Telefonanlagen, die verkabelt sind wie Uralt-Moogs, ein altes Motorola-Logo auf einer Funkanlage, Autos aus einer Zeit, in der die erste Ölkrise die Produktion in Detroit noch nicht verändert hatte. Die Technologien einer untergegangenen Epoche der Transistoren, prä-digital, in der die Hand noch das formende Bedienungselement war, nicht der Finger, Epoche einer grobschlächtigeren User Experience, die aus heutiger Sicht rustikal wie eine Hütte im Schnee wirkt – und seltsamerweise auch ähnlich anheimelnd.

Carpenters Handlung ist minimalistisch wie ein John-Cage-Stück: Es ist die erste Arbeitsnacht von Lieutenant Bishop in seinem alten heruntergekommenen Wohnviertel. Er scherzt am Funk, ein Held sein zu wollen und ahnt dabei noch nicht, wie dieser Tag enden wird, der so ruhig im Precint 9, Division 13 beginnt. ZUsammen mit dem Schwerverbrecher Napoleon Wilson trifft, der auf dem Weg zur Todeszelle einen kleinen Umweg macht, weil ein anderer Inhaftierter unterwegs transportunfähig krank wird, und einer Sekretärin der stillgelegten Polizeiwache findet sich Bishop alsbald in einem unmöglichen Kampf gegen eine Gang wieder, die den Polizeimord eines Bandenmitglieds rächen will und dabei einen Miniaturbürgerkrieg anzettelt, der an eine attackierende Zombiehorde erinnert. Carpenters Gang, über deren wahrscheinlich durch politische Korrektheit erforderliche extrem multi-ethnische Zusammensetzung sogar im Film gescherzt wird, ist zunächst noch durch eine Handvoll bitterböser Charaktere umrissen, die aber im weiteren Verlauf einer blinden Horde weichen, die einfach in immer neuen Wellen das Precinct zu stürmen versucht. Das dieser Angriff an einen Indianerangriff auf ein verlassenes Fort erinnert und die langen Schußwechselpassagen des Films sehr bewusst Western-Ästhetik zitieren ist kein Zufall – Carpenter wollte ursprünglich einen Western drehen, wurde aber von der Produktion auf einen aktuellen Film eingeschworen. Dass «Precinct» trotzdem ganz offensichtliche Anleihen bei «Rio Bravo» macht, ist aber nicht zu übersehen.

«Precinct 13» ist der Inbegriff einer cinematographischen Coolness, die Carpenter später nur noch selten so pur erreicht. Alles an diesem Film hat Charisma – die Kleidung der Gangmitgliedern (Proto-Samuel-Jackson), der schwarze Wagen, die seltsame Ballard-artige Kälte der sonnendurchfluteten LA-Ghetto-Straßen, die grauweiße Farbstimmung, die enorm sachlichen und ruhigen Kameraeinstellungen, die heißeisige Kälte der Icetruck-Scene – da kommt keim Remake heran. Der Film profitiert rückblickend von der damaligen längeren Schnittfrequenz, die aus heutiger Sicht ruhiger wirkt, die einzelnen Einstellungen bedrohlich länger wirken lässt, entspannt und gefährlich wie ein zu langer Augenkontakt. Wir sind diese Taktung in einem Film nicht mehr gewohnt und sie ist gerade dadurch überraschend effektiv. Diese eidechenhafte Ruhe macht dann plötzliche Gewaltausbrüche umso erschreckender, zumal wenn sie unangekündigt am hellichten Tage passieren. Die finale Attacke auf die Polizeiwache schwächelt aus diesem Grunde etwas – der Film ist am stärksten, wenn am wenigsten passiert, das damals möglicherweise furiose Shoot-Out-Finale wirkt heute schwächer als der lange ausgehaltene Aufbau der Grundstimmung.

Ein moderner Western, mit einem einsamen Sheriff und einem stillgelegten Fort, einer klaren bösen Übermacht und zwielichtigen Verbündeten… eine Welt, in der du als Vater eben nicht die Polizei rufst, wenn deine Tochter ermordet wird, sondern wie selbstverständlich zur Waffe greifst und dem inneren Lynchmob gehorchst. Carpenter skizziert mit wenigen Strichen ein Anti-Rockwell-Amerika, in dem die Flagge selbstverständlich eingerollt in der Ecke steht oder zerschossen wird, in der das Faustrecht regiert, eine anachronistische Nachmoderne. Ohne Trickeffekte, nur durch das bloße Weglassen, durch Reduktion und Sparsamkeit gelingt Carpenter ein dichtgewobener apokalyptischer Spaghettiwestern mit drei Außenseitern und Anti-Helden, die in ihrer Reduktion auf minimalste Charakteristika die Handschrift des Regisseurs in der vielleicht klarsten Form zeigen.

15:12 Uhr. Kategorie Film. Tag , . Keine Antwort.

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19. Dezember 2012 22:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Sudelbuch 155

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18. Dezember 2012 22:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Long time no see: Soylent Green

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«Soylent Green» ist einer dieser wegweisenden und prägenden Filme für mich, die Sorte, die du als Kind siehst und die sich in eine bestimmte Genre-Ecke bewegen. Weniger Science als Social Fiction hat er mich vor zig Jahren auf eine ganze Flut von Büchern und Filmen gestoßen und zu einem lebenslangen Fan spekulativer Fiktion dieser Art gemacht, weniger Raumschiff, mehr soziopsychologische Experimentierkammer. Aus den Thesen des Club of Rome entwickelt, ist der Film nahtlos in der Tradition von diesen Siebziger-Filmen, die wenig mit dem Weltall und Strahlenkanonen anfangen können und mehr mit der konkreten Alltagszukunft der Menschheit, die eine ehrlichere, direktere Reflektion beziehungsweise Extrapolation gegenwärtiger Tendenzen sind. Oder vielmehr der Ängste ihrer Zeit, wobei nur wenige Filme jener Periode die erwachenden Umwelt- und Wachstumsängste so gekonnt ganz wortwörtlich zu Hobbes »Homo homini lupus« verdichten wie «Soylent Green» und die Kannibalen-Apokalypse beklemmender inszenieren als die meisten Zombie-Filme von heute es könnten.

»Soylent« wirkt dabei an manchen Stellen natürlich ebenso »preachy«, übertrieben und angestaubt wie viele andere ähnliche Werke aus dieser Periode (wie ja etwa selbst «The Sheep Look Up» von Brunner), besticht beim Wiedersehen aber eigentlich sogar durch genau diese Uncoolness. Der Film hat eine Botschaft und ist sich nie zu fein, diese auch mit dem Holzhammer ins Gesicht der Zuschauer zu prügeln. Es ist ja inzwischen eigentlich wohltuend, einem Regisseur bei der Arbeit zuzusehen, der bei allem kommerziellen Ansatz eines SF/Krimi-Films noch versuchte, sein Publikum zu erziehen und dabei recht unzierlich ist. Richard Fleischer, 1973 bereits durch und durch alter Hollywood-Kriegshengst mit fast drei Dekaden Erfahrung, ist in den 60s und 70s auf der Höhe seines Schaffens und als Blockbuster-Lieferant genügend Rang, um einen Film zu produzieren, der einerseits gnadenlos akute soziale Themen aufs böseste ausschlachtet, andererseits genug Vibration erzeugt, um bis heute als Klassiker zu gelten. Tiefe und Gewicht bekommt Soylent dabei vor allem durch «The Book» Ernest Borgnine, dem man die nostalgische Verzückung wegen ein paar Lebensmitteln ebenso abnimmt wie die fast transzendente kontroverse Euthanasie-Szene. Die fein nuancierte Kunst des wunderbar gegen seine eigene Bad-Boy-Schublade anspielenden Borgnines gibt dem Film eine Glaubwürdigkeit, die sich aus Andeutungen zu ergeben scheint, aus Beiläufigkeiten. In einem Film, in dem die Oscarkategorie « Dramatischstes Overacting» bereits vom Hauptdarsteller Heston perfekt abgedeckt ist, liefert der während der Dreharbeiten bereits an Krebs erkrankte (und in der Sterbeszene insofern den eigenen Tod selbst vorwegnehmende) Borgnine eine der Rollen seines Lebens, macht mit einem Augenblick mehr als Heston mit allem Schwitzen, Grunzen und Prügeln. Sein Solomon Roth ist die Figur, an der wir das Elend der gesellschaftlichen Niedergangs tragischer erleben als an den überfüllten Straßen. Es ist Borgnines Verdienst, dass es bei «Soylent Green» eigentlich völlig egal ist, wie die Leiche zu Beginn des Filmes heißt, die als reiner McGuffin die Handlung lostritt (es ist William R. Simonson, Chef der Soylent Green herstellenden Firma). Der wahre Mord, das wahre Verbrechen in diesem Film ist das Leben in einer Welt, in der der Freitod nicht nur gesellschaftlich gewollt, sondern individuell die sachlich bessere Wahl ist, die wirkliche Glücksstrategie in dieser stinkenden engen Welt ist der Selbstmord.

Aber auch Charlton Heston – heute eher als Witzfigur für Michael Moore berühmt als der Kinostar, der er einst war – ist aus diesem Film nicht wegzudenken. Ähnlich wie bereits in «Planet der Affen» und «Omega Man» zeigt er (wahrscheinlich unfreiwillig) gerade in seiner lauten Fast-Parodie des Actionhelden (später nur noch zwischentonfrei von Arnold Schwarzenegger übertroffen) den Macho im Zusammenbruch. Seine körperliche, wütende Aggression, der frustrierte Handlungsdrang – Heston ist ein Cowboy in einer Welt, die er nicht mehr versteht, ein Outcast, ein Mann, der mit seinen Fäusten nicht mehr in der Lage ist, die Komplexität der Realität zu verformen, gefangen im Netz von Sachzwängen und Deals. Wenn er als Polizeidetektiv Robert Thorn den Zuhälter der «Furniture»-Mädchen prügelt, wenn er Lebensmittel stiehlt oder sich an den Edel-Prostituierten aus Simonsons Appartement bedient, dann ist Heston der inkarnierte Jäger und Sammler der Urzeit, Huxleys edler Wilder in der Schönen Neuen Welt. Thorns kleine Ganovereien sind dabei einerseits natürlich absolut funktional in der Nachkriegsstimmung dieser überbevölkerten Mangelgesellschaft, andererseits ist seine Hilflosigkeit im zynischen Geflecht von Politik, Gewinnmaximierung und Sachzwang symbolisch für die Ängste Amerikas in dieser Periode… hier zeigen sich psychologisch tatsächlich tiefere Ängste als die, die man oberflächlich dem Ölschock zuweisen kann. Während Clint Eastwood oder Michael Douglas erst Dekaden später ratlose Tatmenschen verkörpern, ist Heston bereits hier orientierungslos und schlägt wütend, ultimativ wirkungslos, auf die Glaswände seines Gefängnisses ein. Was schließlich ist noch vernünftig, wenn die ganze Welt verrückt geworden ist? Und was wäre eine sinnvolle Alternative zum höflich gebrochenen Kannibalismus, der hinter der Produktion von Soylent Green steckt? Am Ende bleibt nur die Wahl, so legt Fleischer uns nahe, zwischen Thorns furioser, aber letztendlich sinnlos verpuffender Wut und Rothmans resignierendem Sterben. Diese böse Botschaft in einen Film zu verpacken, der dennoch den üblichen Handlungsstrukturen eines Hollywood-Thrillers entspricht, ist beachtenswert.

Denn auch ohne die Öko-Botschaft ist «Soylent Green» ein beachtlicher Film Noir, der hemmungslos bei Chandler klaut und der mit Thorn eine Figur erschafft, die in ihrer Korruption und Aufrichtigkeit so sehr Kind der 70er ist, wie zugleich wegweisend für spätere gebrochene Antihelden. «Blade Runners» Rick Deckart beispielweise hat hier einen eindeutigen Vorläufer, auch wenn die Dystopien sich natürlich grundlegend unterscheiden… jeweils ihr eigenes Jahrzehnt wiederspiegeln. «Soylent» ist auch deshalb so erfolgreich gewesen, weil es einer der ersten deutlichen Genre-Mashups war: Die SF-Elemente dienen hier einerseits nur als Background und ungewohntes Setting einer relativ normalen Krimihandlung à la Philip Marlowe, paradoxerweise macht aber nur diese Handlung den Kern des SF-Frameworks wirkungsvoll und überhaupt verdaulich. Das Zukunfts-Szenario wirkt wie eine Frischzellenkur für die relativ abgegriffene Krimihandlung, aber die Vertrautheit eben dieser Handlung macht die an sich massiv ungenießbare Club-of-Rome-Botschaft überhaupt erst verdaulich und nachhaltend wirksam. Es ist, anders gesagt, ein hochelegantes Film-Design, das hier am Werk ist, das gekonnt kommerzielle Wirksamkeit als Basis einer weiterführenden Intention ausnutzt. Es gibt wenig Filme, die das halbwegs erfolgreich und zugleich ehrlich hinbekommen – die Siebziger gehören zu den etwas besseren Dekaden für diese Art von Film –, und genau deshalb wirkt «Soylent Green» in der Rückschau zwar unweigerlich etwas angestaubt und unentspannt zugleich, überzeugt aber immer wieder durch Mut zum absonderlichen Detail und durch zwei Darsteller, die in Hestons Fall perfekt das eigene Image gegen sich selbst wenden, in Borgnines Fall große darstellerische Qualität in einen eigentlichen B-Movie bringen und diesen dadurch erstrahlen lassen. Am Ende kann sich Soylent nie ganz entscheiden, ob er Dystopia, Krimi, Charakterstück oder Action-Drama sein will… und genau diese dem echten Leben seltsam nahekommende unfreiwillige Unausgeglichenheit, die so seltsam aus dem Handgelenk geschüttelt wirkt, macht den Film auch noch nach fast vierzig Jahren viril.

18:01 Uhr. Kategorie Film. Tag . Eine Antwort.

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17. Dezember 2012 22:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

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14. Dezember 2012 20:19 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

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  • Harmony: for the harmony of the world is made mani­fest­­­ in form and number, and the heart and … http://t.co/MooJqRYL ->;
  • Just got Telefon from Monokrom – very nice warm remix of the Futura-Mold. Lacking SC, but nice OSFs and fair price :-D https://t.co/JDar5z75 ->;

6. Dezember 2012 22:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

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Harmony

for the harmony of the world is made mani­fest­­­ in form and number, and the heart and soul and all poetry of natural philosophy are embodied in the concept of mathematical beauty

d’arcy wentworth thompson

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4. Dezember 2012 22:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

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3. Dezember 2012 21:31 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.


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