HD Schellnack /// Kontakt Twitter iPhoto pointandshoot Typographie Alternative Pop Licht nodesign Aktionen Zitat Natur Photographie Denken Fail ScienceFiction Apple Studium Belletristik Comics Dayshot Vernacular Scratchbook Werbung Fragen Winter Software Medien Fun Retro Gesellschaft Farbe Print Electronic Magazine iOS Zukunft Web Drama Frühling Jazz Sommer Kitsch Kunst Sachbuch Hardware Fantasy Klassik Herbst Thriller Emma

12-03-31

31. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-30

30. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Paper

hd schellnack

Was von Null zur App der Woche wird, muss schon etwas besonderes sein. »Paper by FiftyThree« ist das zumindest ansatzweise. Es fällt irgendwo zwischen die Notizbuch- und Zeichenapps, die es für das iPad gibt, kommt aber an die besten Vertreter beider Gattungen nicht wirklich hundertprozentig heran. Notebook-Apps wie Bamboo Paper, Noteshelf oder Penultimate können längst Photos importieren, haben variable Stiftgrößen, können zum Teil direkt Texteingabe und sind mitunter an Evernote und Dropbox angebunden und erlauben so einen sehr flüssigen Workflow mit handschriftlichen Notizen. Auf das reine Zeichnen am iPad kaprizierte Apps hingegen bieten volle RGB-Farben, multiple Brushes, Pan und Zoom, Ebenen und höhere Auflösungen. In beiden Bereichen kann »Paper« nicht wirklich mithalten, im Gegenteil. Ist die App dennoch die rund 8€ wert, die sie am Ende kostet, wenn man per In-App-Kauf die kompletten Stifte aktiviert hat?

Jein. »Paper« hat ein herausragendes Interface, mit dem eine Art Moleskine-Skizzenbuch mit einem Bamboo-Stift erstmals wirklich aufkommt. Wie man die Bücher mit einem Pinch öffnet, darin blättern kann, mit einem weiteren Pinch auf der Seite ist – hervorragend gelöst und phantastisch animiert. Der Flow der simulierten Tinten, Bleistifte und Wasserfarben lässt alle anderen Notizbuch-Applikationen (wenn auch nicht SketchBookPro) alt aussehen. Es macht Spaß, in »Paper« zu arbeiten, selbst wenn ich die skeomorphe Werkzeugpalette zu aufdringlich finde. Die Ergebnisse, selbst schnellste Skizzen, können sich sehen lassen und die verschiedenen Werkzeuge und Farben reichen allemal, um Ideen festzuhalten ohne (wie bei reinen Malprogrammen) den User gleich im Overkill der Optionen zu frustrieren oder in der Arbeit zu bremsen. Unter dem Aspekt finde ich die eingeschränkte Farbpalette des Programms fast positiv. Die Rewind-Geste zum Rückgängigmachen bzw. Wiederherstellen ist gegenüber den sonst üblichen Undo/Redo-Buttons ein Geniestreich, so wie Gestensteuerung von »Clear« ja auch ein Gamechanger ist.

hd schellnack

Auf der anderen Seite fehlt es »Paper« an vielem. Der Output ist – obwohl das Programm sich »retina«kompatibel nennt, nur 1048×768 Pixel, also nur halbe Retina-Auflösung, das ist einfach zu wenig. Auch ist es kompliziert, Bilder zu exportieren – ich würde dankbarst auf Twitter und Facebook verzichten, wenn die App wenigstens direkt in die Camera Roll speichern könnte. Aber bisher ist der einzige Weg, Bilder zu exportieren, sich selbst eine PDF zuzuschicken. Von Dropbox oder Evernote keine Spur, obwohl beides gerade für Skizzenbücher enorm Sinn machen würde. Dazu passt leider nur zu gut, dass man nur Einzelseiten als JPG, kein gesamtes Buch als PDF exportieren kann – eigentlich ein Standardfeature in anderen Notizbuchprogrammen. Auch die Fähigkeit, in das »Blatt« zu zoomen und somit etwas feiner arbeiten zu können, sollte eigentlich gegeben sein, und wäre ideal im Kontext mit höherer Bildauflösung. Dagegen ist schon fast ein Detail, dass man beim Umblättern – obwohl das insgesamt schön intuitiv gelöst ist – andauernd unfreiwillig Striche in die Zeichnungen »malt« oder das beim Schreiben am unteren Seitenbereich immer wieder die riesige Werkzeugpalette hochfährt, wodurch dieser Bereich etwas unbrauchbar wird. Zu diesem etwas unfertigen Feeling passt auch, dass es keinen hochformatigen »Portrait«-Modus gibt (wobei man aber, da es ohnehin keine mittlere Trennung der »Doppelseite« gibt, auch im Hochformat malen kann), sondern die App nur quer funktioniert. Schade ist auch die Tatsache, dass es bislang nur unliniertes und unkariertes Papier gibt – wobei ich denke, dass ein Anbieter, der sich jeden Pinsel bezahlen läßt, auch bald auf die Idee kommen wird, zusätzliche Papiere zum Kauf anzubieten.

hd schellnack

Insgesamt hat »Paper« soviel Potential wie Probleme. Interface und Inkflow sind grandios, der Spaßfaktor Ist zweifellos hoch, die einzelnen Notebooks und ihre Cover sehen phantastisch aus, dagegen wirken Bamboo und Noteshelf spontan unattraktiv. Dennoch bringt der schönste Spaß nichts, wenn der Output nicht stimmt. »Paper« braucht vor allem höhere Auflösung, bessere Exportoptionen und dann mehr Werkzeuge und Optionen, um vom Spiel- zum Werkzeug zu werden. Wenn FiftyThree in den nächsten Versionen soviel Detailliebe und Perfektion an den Tag legt wie mit dem Debüt, darf man gespannt sein und auf eine funktionale Einlösung des Versprechens hoffen, dass »Paper« hier abliefert.

hd schellnack

29. März 2012 21:51 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

12-03-29

The (Semi)Skeuomorphism http://t.co/ApvHt6it #
Amen – Lion's Auto Save vs. Save As http://t.co/aglfX1o4 #
Nothing Says I'm Drunk Like Bellowing Queen's Bohemian Rhapsody In a Police Car [Video] http://t.co/3qKPweQp #
In Brief: Dilbert on Logos http://t.co/bUNDWglJ #
(Seufz). Offener Brief: "Tatort"-Autoren beklagen falsch geführte Urheberrechtsdebatte http://t.co/SzoSNLzO #
A Gorgeous Look at How Books Are Made [Video] http://t.co/vEyy5xSG #
A Series of Clicks http://t.co/hMdL7xRB #

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-28

Wunderbar oldfashioned – Kunst von Per Kirkeby http://t.co/2Oj9agxD #
Oh please no — Twitter Is Trying to Patent "Pull to Refresh" http://t.co/CGususwW #

28. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Poliça: Give you the Ghost

hd schellnack

Das Jahr ist jung und es ist gefährlich, noch vor April schon ein «Album des Jahres» für sich selbst zu benennen, aber dieses Debüt legt die Latte für andere Platten sehr, sehr hoch. Die Ex-Roma di Luna-Folkpop-Stimme Channy Leaneagh ist nur auf den ersten Blick das markanteste an dem Sound dieses Projektes – ihre Stimme, die auf Liveaufnahmen makellos ist und keinerlei Korrektur bräuchte, ist durch ein an Autotune erinnerndes TC Helicon Voicelive 2-Effektgerät geschickt, und wird so selbst zum dominanten Soloinstrument der Musik, die ansonsten auf Ambiente Synthloops, Bass und vor allem auf zwei wunderbar tight zusammenspielende Drummer setzt. Die Verfremdung der Stimme nimmt ihr die sonst übliche Rolle, bricht die «Lead-Sänger»-Funktion auf, durch Delay und forcierte Modulation werden die Vokals eher zu einem instrumentellen Faktor, der sich nahtlos in die Musik einbettet. Auch die Abwesenheit klassischer Songstrukturen und Hooklines unterstreicht diesen irgendwo zwischen Jazz und frühem Trip-Hop anzusiedelnden Ansatz.

Das Gesamtergebnis bricht stilistisch mit vielen Grenzen, erinnert an Dub, Triphop, Pop, an die frühen Cocteau Twins oder Red Snapper, und doch an nichts davon. Die Tracks sind hypnotisch, sofort eingängig und doch alles andere als einfach. Sie drehen ein musikalisches Konzept auf den Kopf – der Gesang wird zum einlullenden, fast loop-artigen Werkzeug und die Drums gewinnen die Rolle der Druckmacher – wo sonst Gitarren für epische Momente sorgen, sind es hier die Schlagzeugpassagen, die beweisen, wie viel Dynamik sich aus zwei Drumkits dreschen lässt. Das alles klingt aber nie nach einem Gimmick oder einer aufgesetzt «anderen» Idee, sondern homogen, erwachsen, völlig wasserdicht und zugleich so selbstverständlich, als habe es diese Musik immer schon gegeben. «Lay your Cards Out» ist eine Klang gewordene Skulptur, eine kaum in Worte zu fassende Fluidität, wie aus einer anderen Welt und zugleich perfekte Weiterentwicklung von dem, was Elisabeth Fraser und Co vor Dekaden angefangen haben, gepaart mit einer aus dem Jazz stammenden Innerlichkeit, und «Amongster» zeigt die Härte, die hinter dieser hypnotischen Oberfläche schläft. Es ist Musik an der Grenze zur Selbstauflösung, in der nahezu alle Instrumente (mit Ausnahme des Basses) nicht mehr tun, wofür sie eigentlich gedacht sind, die zwischen Chaos und Wiederholung schwankt,

Der Klang ist immer in Bewegung und doch mesmerisierend ruhig, wie eine DNA-Helix, die sich in Zeitlupe um die eigene Achse dreht, von einer atemberaubenden Tiefe und klanglichen Skulptur, am ehesten vergleichbar mit den Best-of-the-Best von Massive Attack in dieser geschmeidigen Sexyness, aber dabei weniger geschliffen, weniger totproduziert, sondern ganz im Gegenteil von einer erfrischenden Direktheit, die gerade auch live absolut überzeugt. Es ist eine Musik, die eine funkelnde, schillernde, vielfarbene Düsternis projiziert, die so tanzbar wie smart ist, die nach dem ersten Hören dein Freund ist und nach dem hundertsten Hören nicht nervt, die atmet und bei der man jetzt schon ahnt, wie dieser Sound auf dem folgenden Album noch zu wachsen in der Lage sein kann, weil hier nichts eng und alles möglich ist. Immer wenn du denkst, an neuer Musik passiert nichts spannendes mehr, kommt eine Platte wie diese um die Ecke und beweist dir das Gegenteil. Bleibt die Hoffnung, dass die Band erfolgreich genug ist, um in Deutschland zu touren – es dürfte live ein absoluter Ohren- und Augenschmaus werden, denn unfassbarerweise ist die Combo auf der Bühne scheinbar noch besser als im Studio.

18:17 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

Clemens J. Setz: Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

hd schellnack

Nach dem 700 Seiten umfassenden Monolith »Die Frequenzen« beweist der junge Grazer Clemens J. Setz, dass er sich ebenso gut, wenn nicht besser, auf die kurze Form versteht. Short stories sind eine etwas aussterbende Gattung, Warschauer ist, zumal sie vor allem im Web aufblühen sollten. In aller Regel hängt hier die Messlatte enorm hoch – Hemingway, Poe, Carver, Kafka, Hampel haben jeweils in ihrer eigenen Art die Kürze zur Kunst gemacht. Franz Kafka ist dann auch nicht von ungefähr ein Name, der bei der Lektüre von »Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes« aufblitzt, weil Setz in fast altmodischer Pracht an die Kraft der Worte glaubt und auch weil sich bei seine Kurztexten eine ähnliche Mischung aus Beklemmung und Berührung einstellt.

Der Vergleich mit Kafka ist kein geringer, zudem inflationär gebraucht, aber es ist schwer bei der Titelgeschichte, der letzten im Buch, nicht an K.s Besuch des Gerichtes in »Der Prozess« zu denken, wenn Kiril das Treppenhaus beschreibt. Ähnlich wie Kafka versteht es Setz, seine Worte, wie harmlos sie auch zunächst wirken mögen, zu schwarzen scharfkantigen Kristallen zu polieren, die dir noch lange nach dem Lesen im Fleisch stecken bleiben. Auch die Liebe zu fast unsichtbarer, erst unter UV-Beleuchtung schlagartig erkennbarer Metaphorik, dieses phantastische Kippen von Entwicklungen im letzten Moment, wenn du als Leser zurücktrittst und merkst, wie konsequent der Schreiber dich fast hypnotisiert-eingelullt auf vergiftete Pfade geführt hat, um dir erst am Ende der Reise das Tuch von den Augen zu reißen, teilen die Autoren, wie sie beide lachend da stehen, während du über den Abgrund ausrutschst. Aber in diesem Vergleich steckt natürlich auch eine Gemeinheit, denn Setz ist alles andere als ein Kafka-Klon, er äfft ihn nicht nach, schreibt vielseitiger und farbenfroher, seine Schläge sind moderner, weniger diffus, härter, kälter und mit einer Tendenz zum Tritt in die Eier, die sich der prüdere Kafka niemals getraut hätte. Setz ist viel mehr in der durchpornographisierten Gesellschaft angekommen, in der selbst das konservativere Buchpublikum inzwischen gelernt hat, Charlotte Roches Softcore als Belletristik mißzudeuten oder in der wir dank »American Psycho« seit zwei Dekaden eine Verschiebung des Härtegrades in der Literatur haben – und in der du als Autor einfach sehr viel härter zutreten muss, bis beim Publikum Ekel oder zumindest Konsternierung eintritt. Was Setz aber mit »Die Blitzableiterin oder Education Sentimentale« mühelos gelingt, einer Geschichte, die sich in einer gekonnten Eskalation vom Nachtrennungssex zur Kindesmißhandlung hochreitet. Überhaupt ist die Entgleitung, Entfessselung, das Verrutschen der Zivilisationsmaske ein wiederkehrendes Thema in den Kurzgeschichten, so weit gefächert sie thematisch und stilistisch auch sein mögen und so gerne der Autor genau im Moment abblendet, wo hinter der Maske etwas ganz anderes zum Vorschein kommt, wo die Dominosteine, die Setz so minutiös in Schwingung bringt, endlich und unwiderruflich fallen. Wir als Leser sehen aber nur noch, wie der Winkel der Steine bedrohlich steil wird, die Kettenreaktion findet nur noch in unserer Phantasie statt, Setz macht den Leser zum Ko-Autor, und unsere Vorstellung ist wie immer schlimmer als das, was ein Autor, der es bis zu dieser Eskalation gebracht hat, noch enthüllen könnte.

Ob ein Vulkan unterdrückter Gewalt unter Jugendlichen eskaliert, hinter urbaner Nachbarschaft der aus dem zu engen Zusammenleben geborene Hass auflodert, aus den Visitenkarten einer Karrierefrau stinkende Beulen kommen, die sich wie Krebszellen apokalyptisch vermehren, ob der Astronaut, der sich einen Roboter baut, um mit ihm über seine geliebte klassische Musik sprechen zu können oder die Frau, die im Riesenrad lebt und vereinsamt… Setz’ Buch ist ein Kaleidoskop von vielen, teils wunderbar kurzen, und immer unterschiedlichen, tiefen, lohnenden Ideen, die sich niemals verknappt oder hingenuschelt anfühlen, eal wie skizzenhaft kurz der Autor sie reduziert.

Die Kunst von Clemens J. Setz ist dabei, anstrengend im besten Sinne zu sein und dabei doch immer so magisch, so schnell, dass man nicht gelangweilt von der Mitarbeit abwinkt. Im Gegenteil – ob halbe Seite oder komplexere Kurzgeschichte, die experimentellen Erzählformen, die flirrenden, bizarren Ideen, die suggestive Macht – all das kombiniert macht enorm Spaß. Ob in Kunst, Film, Musik, Theater oder eben Literatur – die größte Meisterschaft aus meiner Sicht ist es nicht, unverständlich Kopfkonzepte schwurbeligster Natur herauszuklotzen und sich in die arrogante Pose des »Ihr versteht es sowieso nicht, nyahnyah…« zu sichern, sondern Werke zu produzieren, die engagieren, fesseln, verzaubern, aufwecken, aufregen, dich einen gesunden Hauch überfordern oder aus der Komfortzone drücken, aber die nicht onanistisch sind, sondern offensichtlich die Kommunikation wollen. Solipsismus kann jeder. Bei aller Bewunderung, die letzten drei David-Lynch-Filme hätte jeder in ihrer Traumlogik-Bildschwurbel-Beliebigkeit produzieren können, Jaco von Dormaels »Mr. Nobody« nicht, es ist einer der wenigen Filme, bei denen du sichelst Zuschauer fragst, wie der Regisseur diesen Wust an Konzepten gleichzeitig so elegant chaotisch undifferenziert und doch so präzise fokussiert halten konnte. Eine sehr ähnliche Bewunderung stellt sich bei Setz ein, dem man als Autor eine Bewunderung für Mathematik und (das Versagen von) Ordnung anspürt, ebenso wie eine Faszination für klassische Nerdthemen, Gaming oder Science-Fiction etwa.

Es ist eine Mischung, die vor allem international zu Vergleichen einlädt, aber in dieser Form eben doch unvergleichlich ist, in Deutschland ohnehin mehr als bemerkenswert, da Setz diese deutschen Büchern oft anhaftende gewisse Unsicherheit mit der eigenen Sprache, die zu gestelzten oder pseudo-realistischen Ergebnissen führt, fast gänzlich abgeht. Lediglich seine Dialoge wirken zwischen den wuchtigen Prosasätzen oft etwas deplaciert, mal zu sehr, mal zu wenig aus dem Leben kommend (dieses Gefühl mag bei mit aber daher rühren, dass ich zu viel englische Literatur lese, deren Dialoge sich gegenüber deutscher Belletristik immer echter, mehr auf den Punkt anhört.)
»Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes« ist ein Ausnahmebuch, jede der kurzen Geschichten ist ein Juwel und in dieser Schatzkammer flirrt das Versprechen eines ganz großen Talentes von fast im modernen Buch vergessenen Format, das mich mehr an Musil oder Mann erinnert und weniger an das, was heute in den Bestsellerlisten ist, dabei aber hochmodern und alles andere als oldschool wirkt. Gerade im Minaturformat entpuppt sich hier ein großer Autor, den es hoffentlich auch in Zukunft nicht nur zu dicken Buch-Brettern sondern häufiger auch zu solchen eher leichten und tänzerischen Textsammlungen treibt.

17:33 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

12-03-27

27. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Enno Bunger: Wir sind vorbei

hd schellnack

Das zweite Album des Trios um das Nordlicht Enno Bunger setzt weiter auf die Trio-Besetzung, baut diese aber durch Bläser und Streicher und Gitarren aus, die vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn es eine Extraportion Pathos braucht. Vielleicht liegt es daran, vielleicht am Kettcar-erfahrenen Produzenten Tobias Siebert, dass die Tracks oft einen Hauch «too much» sind, in dem nicht ganz so negativen Sinne, in dem auch die späten Blumfeld oder eben auch die ruhigeren Kettcar-Songs ein wenig zu episch sind und waren. Ich bin nicht sicher, ob die Texte von Bunger das immer wirklich vertragen, die ohnehin durch Wortspiele – und unweigerlich eben durch die deutsche Sprache – lyrisch-poetisch daherkommen und durch die dickere Produktion mitunter bedrohlich in Richtung Kitsch wanken. Man kann sich vorstellen, wie Gisbert zu Knyphausen klänge, wenn die Produktion zu viel will. Du bist nie ganz sicher, ob das noch große Klasse ist, oder schon auf Reinhard-May-Kurs ist, Musik, die nicht mehr weit von der Gefühligkeit von Schlagern entfernt ist. Wenn bei »Leeres Boot« auf einmal in der letzten Minute die Chöre und das große Gefühl kommt, ist das einfach zu viel, das macht das tolle leise Ende und das vergroovte Aussterben der letzten Takte nicht ganz wett.

Gegen diese Tendenz ist das immer wieder die Ruhe, die gottseidank die reduzierte Besetzung bringt, das phantastische Schlagzeug, das jazzige Klavierspiel, der sonor alles beieinander haltende Bass. Die Wahrheit ist, mehr braucht man nicht, mehr kämpft ehrlich gesagt gegen die Stärken der Band und überwältigt den erzählerischen Gesang von Enno Bunger, dessen neutraler Tonfall ebenso wie die Klarheit der Musik hilft, die Wucht der Texte in Bann zu halten. Insofern sind die Tracks, die sich am Riemen reißen, die besten. «Regen» fällt da auf, beileibe kein Text mit schmalen Schultern, und eine Komposition, die jederzeit droht, in Coldplay-Pathos umzukippen, aber die musikalische Kontrolle hält die Balance, die Stimme hebt sich nie, die Kraft ist sauber und gezielt – eben keine Streicher, keine Himmelsposaunen, nur ein Crescendo von Gitarrenlärm – und Bang, das ganze funktioniert auf den Punkt, der Track geht durch Sparsamkeit unter die Haut.

Irgendwo zwischen Singer/Songwriter-Musik, Jazz und Radiopop, zwischen ganz ganz großartig und schon einen Tick zu dick aufgetragen, ist »Wir sind vorbei« eine Frage, die dich auf Achterbahn schickt, mal begeistert, mal fragst du dich, ob du jetzt auch das neue Mia-Album gutfinden würdest oder sogar Grönemeier oder sowas. Es ist eben nicht so sparsam wie Nils Frevert, auch nicht ganz so wasserdicht getextet, nicht so verpeilt-beiläufig wie Knyphausen oder Licht – aber dafür hast du Musik, die eigentlich immer mal wieder großartig im Jazz-Flair steht, atemberaubende Drums hat, gekonnte Harmonien, und einen Sänger, der es nicht drauf anlegt, der nicht angeben muss.

Wie es ist, balanciert die Band souverän über diesen Abgrund. Dem einen wird es zu viel Pathospop sein, dem anderen zu wenig Glätte, zu wenig gerader Pop. Keine Ahnung, aber diese Balance hat ihren Reiz, wenn sie in den Moment passt. Man kann dem Endergebnis nicht absprechen, dass es mitunter zwar peinliche Momente hat, aber doch berührt, mitreißt – anders, aber in dieser Hinsicht ein bisschen wie Kettcar, ein bisschen wie Tomte, und das obwohl Bunger viel talentierter ist als diese beiden Bands. Und so klingt »Die Flucht» enorm nach einem Kettcar-Groove, »Roter Faden« geht auch so als Radio-Single durch, »Ich möchte noch bleiben…« ist gefährlich auf Clueso-Kurs, und so weiter. Und dann scheißt du auf deinen Kopf und die Musik ist eben doch gut, die Songs sauber konstruiert, die Sache macht Spaß und wie der Gesang hier und da eine Zeile dröge vernuschelt, fallen läßt wie alte Bauklötze, das hat dann doch großes Format, großes Versprechen. Du wirst diese Platte lieben oder dich fremdschämen – vielleicht beides zugleich – aber sie ist nicht wirklich langweilig oder schlecht, im Gegenteil. Es ist eine Platte, die ich in letzter Zeit gern und oft höre, deren Details mir mal missfallen und die mir dann im Ganzen sehr gefällt, oder deren Ganzes mir mal nicht liegt, und dann begeistern mich die Details. Vielleicht ist das mit deutscher Musik einfach so – die hat es nicht so einfach, muss mehr schuften, um durchzugehen.

Unterm Strich ist »Wir sind vorbei« ein sehr sehr gutes Album, vielleicht gerade, weil es – wie eben das erste Mia-Album oder das zweite noch teilweise – dieses unsichere Element hat, diese flirrenden Musik-Isotopen, die dich mal annerven, mal begeistern. Es gibt schlechteres, als genau an diesem Punkt zu stehen, auf diesem Seil zu schwanken. Und es ja durchaus so, dass der letzte Track – Präludium – der nicht nur auf Gesang sondern auch auf jeden Schnickschnack verzichtet, beweist, wie grandios diese Combo ist, zusammenkommt, wie wenig Produktion eigentlich nötig wär. Der Song braucht keinen Gesang, aber die anderen Songs auf dem Album bräuchten diese Sparsamkeit in der Aufnahme, diese Reduktion. Auch die Unplugged-Fassung von »Roter Faden« läßt wenig Zweifel daran, dass die Pathos-Maschine eigentli ch gar nicht wirklich so nötig ist, und weniger (wie so oft) mehr ist. Es ist ein wenig wie das Cover – Nebel von Überproduktion lassen in der Ferne eine vielversprechende Landschaft erkennen, aber so ganz sicher bist du bei all dem Rauch eben nicht. (Apropos Cover – bei so wenig Text auf einem für Musiker immer noch zentralen Marketingwerkzeug wie einem CD-Cover, wäre da so etwas wie ordentliches Kerning nicht einfach eine tolle Sache gewesen?)

Aber egal wieviele Streicher und Hörner, Echo und Chöre in Berlin über die ostfriesische Kargheit der Kompositionen gekippt sind – die Qualität darunter bleibt greifbar und begeistert. Man spürt, dass diese Band am Scheideweg ist – entweder bringt dieser Sound Erfolg und die nächste Scheibe wird noch kommerzieller, was recht schlimm wäre (nicht der Erfolg, das Kommerziellere), oder aber die Band kommt zum Purismus, in dem der eigentliche Sound wirklich strahlen kann, und wird dafür vielleicht weniger im Bügelradio laufen, aber ganz große musikalische Höhen erklimmen können. Ich bin gespannt.

26. März 2012 18:29 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

EiEiEi

20120326-162022.jpg

15:20 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Hang On

20120325-225930.jpg

25. März 2012 21:59 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

12-03-24

24. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

The Descendants

hd schellnack

Im Gründe ist »The Descendants« zwei Filme. Der eine Film verfolgt, wie sein Vorgänger »Sideways« eine eher banale Midlife-Crisis-Geschichte. George Clooney gibt her knautschgesichtig den Erfolgsmenschen, dem das Leben entgleist und der erst in diesem Systemversagen seine wahren Werte (und die des Lebens) entdeckt. Das alles weitgehend berechenbar, diese Rückbesinnung auf Familie als uramerikanischen Wert per se. Umso schlimmer ist dabei, dass Clooney zwar als ewiger Sonnyboy zwar stets zwar zu überzeugen weiß, in stilleren, ernsthaften Rollen – ähnlich wie sein Kollege Brad Pitt – stets daran scheitert, dass er gegen sein eigenes Naturell anspielt, unglaubhaft wirkt und vor allem durch enorm typische Körpersprache, kleine Gesten und Ticks, Mimik und Haltung, einfach immer und vor allem Clooney ist, sich niemals wirklich in der zu spielenden Figur aufgibt. So erlebt man in »The Descendants« niemals wirklich einen Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs, sondern immer einen im Kern gut gelaunten Clooney, der so tun muss, als sei er vage traurig. Ich halte Clooney für einen talentierten Darsteller, aber hier reißt er dich als Zuschauer aus der Pseudorealität des Films, weil da irgendwie spürbar immer George Clooney im Bild ist, ein Umstand, den die betont »authentische« Kamera eher verschlimmert. Der Hollywoodstar als Fremdkörper akzentuiert die in allzu klare Akte aufgeteilte, unnatürliche, jederzeit völlig antizipierbare Handlung. Das ist die Crux des Kinos – je näher es sich an das echte Leben zuschmiegen versucht, umso offensichtlicher wird die Künstlichkeit, mit der es eigentlich arbeitet. Denn die Wirklichkeit kennt keine abgeschlossene Geschichte, keine Wendungen, keine Denouments, keine »character arcs«.

Diese Dissonanz ist umso trauriger, als dass unter dem Oscar-Nominierungsspektakel ein zweiter Film verborgen liegt, der wahrscheinlich beim Großteil des Publikums, das um des Hauptdarstellers wegen ins Kino kommt, unverstanden bleiben oder für Irritationen sorgen dürfte. Denn unter dem »Sideways«-Derivat versteckt sich ein Hauch von Paynes früherem, sehr viel stoischerem Film, »About Schmidt«. Da gibt es zu verschleppte, träge Kameramomente, zu frühe und zu späte Schnitte, da gibt es Momente, in denen wenig Dialog nötig ist, um die Handlung zu tragen oder, besser, in denen die Drehbuch-Norm ihre Zwanghaftigkeit verliert und der Film einfach bei sich sein kann, einfach nur ist. Dieser unter dem Hollyvoodvehikel freizulegende zweite Film ist ein Juwel, ein wunderbarer Film über Sprachlosigkeit, Wut und Trauer, ein Film von Sterben und Abschied und natürlich über die Liebe – und in diesem Film spielt Clooney bestenfalls die Nebenrolle. Die Hauptrolle spielt die Kamera, die die Zeit einfrieren kann und wie ein gutes Photo das Ungesagte und Ungesehene hervorholt, und daneben dominiert Shailene Woodley, die die Teenager-Tochter Matt Kings mimt und dabei den Tonfall zwischen bratzigem Teenie, Ersatzmutter und junger Frau makellos trifft. Dieser Moment, in dem sie in das Krankenhauszimmer kommt, wo ihre komatöse Mutter liegt, die die Tochter erstmals in diesem Zustand sieht. Das kurze Entsetzen, kaum da, nur in den Augen, dann ein kurzer Beat, in dem sie sich sammelt, und dann sitzt die adoleszente Maske aus Coolness und Generation-Gap-Wut wieder, glitzern die Augen fies und ist jedes Mitleid erfolgreich subsumiert unter egozentrisches Beleidigtsein. In jeder Szene – nur stark getrübt durch die viel zu quietschige Synchronstimme – ist Woodley keine Mimin, sondern immer ganz und gar Alexandra King, eine Figur, die zu mögen schwer fällt. Überhaupt bestechen die Nebenrollen in diesem Film, bis hinab zu Altstar Beau Bridges, der, als Darsteller schon fast vergessen, hier phantastisch lässig-lebensfroh-gierig agiert und zeigt, dass auch namhafte Darsteller sich unsichtbar machen können, wenn sie es nur können.

Der Film-im-Film, die kleinen Brüche und Pausen, die atemberaubende Kameraarbeit und Montage, die Momente im Krankenzimmer, die Absurditäten in der Handlung und die herausragenden Nebendarsteller machen den Film trotz seines dumpfen Drehbuchs sehenswert. Irgendwo unter der Selbstfindungsschmonzette brodelt hier ein sehr wahrer Film über das Sterben, der nicht so quirlig und smart wie »Beginners« ist, aber dafür ehrlicher und stiller. Es sind leider nur Momente, vielleicht 20% des Streifens, aber dieser kleine Anteil hat die Kraft, den Film zu tragen und die bleierne Beliebigkeit der anderen 80% vergessen zu machen. Nicht auszudenken, wie gut »The Descendants« sein könnte, wenn er mehr Mut zu diesen Momenten gehabt hätte, weniger erklärt, weniger verklärt hätte und stattdessen die bittere kollektive Hilf- und Sprachlosigkeit im Angesicht des Todes konzentrierter grau-in-grau eingefangen hätte, die bittere Farblosigkeit des Sterbens im Paradies Hawaii. In seinen besten Momenten ist »Descendants« ein rührender, ganz und gar nicht rührseliger Film, dessen Kraft aus dem kommt, was nicht gezeigt, nicht gesagt, nicht getan wird, der aus Pausen und Schnitten, Verzicht und Verlangsamung ein Mosaik von Versagen und Verlust zusammensteckt, wie man es sich kaum besser wünschen kann. Leider überwiegen die allzu gewollten Szenen, in denen George Clooney auf den Oscar schielt, in denen Trauer verbalisiert werden muss, in denen die eher anämische Handlung um jeden Preis vorangetrieben werden muss, deren Ende so derart vorhersehbar ist, dass sie den ganzen Film-unter-dem-Film korrumpiert und sich auf Heimatfilm- und Schlager-Niveau verzettelt. Am Ende des Tunnels … Hauptsache die Familie … Ende gut alles … und so weiter. Wenn ein Film sich derart in typischen Drehbuch-Klischees verfängt, untergräbt das die Glaubwürdigkeit, die Alexander Payne mit der exzellent beiläufigen Kameraarbeit eigentlich heraufbeschwören möchte und die ihm mit weniger egozentrischem Hauptdarsteller und weniger Groschenroman-Psychologie sicher auch gelungen wäre, wenn auch sicher um einen vielleicht zu hohen Preis an der Kinokasse. Wie bei »Sideways« die Wein-Metaphorik widerlich aufgeplustert war, so stößt hier die Wandlung vom Businesstypen zum Familienvater, auch größeren Kontext die Verantwortung gegenüber Ahnen und Heimat lernt, so ab, dass man als Zuschauer fast konzentriert arbeiten muss, um die versteckteren exzellenten Momente und Ironien des Films genießen zu können, die unter dem Panzer des Blockbuster-Zuckerguss versteckt sind. Aber – keine Frage, die Arbeit lohnt sich. Es wäre nur schöner, wenn Payne sie uns erspart hätte.

19:23 Uhr. Kategorie Film. Tag . Keine Antwort.

12-03-23

23. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Eine Antwort.

12-03-22

22. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Tree/Forest

20120321-232139.jpg

21. März 2012 23:21 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

12-03-21

    Jahrelange Recherche, viel Knowhow und eine Schriftfamilie, die sich «ultimativ» nennt und gute Argumente liefert http://t.co/jDJYFh8X #
    Explore Einstein's Brain Through His Notes and Letters [Past Perfect] http://t.co/Pcatnrpg #

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-20

20. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Hugo Cabret

hd schellnack

Martin Scorsese ist nicht unbedingt der Regisseur, der für harmlose Kinderfilme bekannt wäre. Im Gegenteil,von »Taxi Driver« bis »The Departed« sind seine Filmen meist ebenso blutig wie realistisch. Wer aber das Interview mit Scorseses phantastischer Cutterin Thelma Schoonmaker in der Zeit kennt und dort gelesen hat, dass der Starregisseur beim Schnitt seiner Filme gern alte Hollywoodschinken als Inspiration nebenbei laufen lässt, oder wer bei »The Aviator« ein Auge für Scorseses mehr als liebevollen Umgang mit der Glanzzeit Hollywoods hatte – der so weit ging, dass der Film sogar die jeweils zur Erzählzeit passenden alten Farbtechnologien digital emulierte -, der dürfte von der fast barocken Pracht von »Hugo Cabret« kaum verwundert sein. Die fast verspielte, kindliche Liebe zum Detail und zum Historischen, der der Regisseur auch in seinem Pilot von »Boardwalk Empire« ausgiebigst fröhnte, kommt tatsächlich gerade durch den Verzicht auf die sonst üblichen Crime- und Mafia-Themen besser zum Vorschein. Das Ergebnis ist ein von einem phantastischen Ensemble gespielter Kinderfilm, der in jeder Hinsicht erwachsen ist, ohne seine eigentliche Zielgruppe jemals zu verraten.

Augmented Reality
»Hugo Cabret« ist ein phantastischer Film, ein Film mit Augmented Reality im Wortsinne, mit einer Art von magischem Realismus, der ganz quintessenziell nicht nur die Idee des Films an sich, sondern die von Kino an sich umfasst. Man kennt diese Art von filmischen Surrealismus von anderen Filmen – Jeunets »Amélie« blitzt hier auch recht deutlich durch -, aber niemals war sie so immersiv, so glaubhaft und unglaublich zugleich. »Hugo« verdankt dies natürlich der 3D-Technologie, die selten zuvor so meisterhaft eingesetzt wurde. Obwohl auch Scorsese natürlich auf dreidimensionale »Wow«-Momente setzt und der (eher flüchtigen) Sexyness der neuen Tiefenwirkung zum Opfer fällt, ist er einer der ersten Filmemacher, der die Technik als erzählerisches Werkzeug begreift und chirurgisch präzise einsetzt, nicht nur um zu beeindrucken und mit Effekten von der eigentlichen Geschichte abzulenken, sondern um diese gekonnt aufzuwerten. Der Mix aus Realbild und von der Realität längst nicht mehr zu unterscheidender Computeranimation schafft hier eine Wirklichkeit, die zugleich in ihrer Tiefenwirkung so authentisch wirkt wie selten im 3D-Kino bisher (weil hier Realfilm bisher nur furchtbar nachbereitet in die Tiefe gebracht wurde und ansonsten eher der Trickfilm dieses Genre dominiert), die zugleich aber atemberaubend unwirklich ist – schwebend und unwirklich erscheint, als wäre die Membran zwischen Realität und Sur-Realität nicht nur dünn, sondern gänzlich zerfetzt. So ist der Hund der Bahnhofvorstehers zugleich absolut »echt« und eben doch allein durch die unwirklichen dreidimensionalen Effekte eine inszenierte, künstliche, fast metaphorische Figur, wie sie einem Disney-Animator kaum symbolisch überzeichneter hätte entsprungen sein können. So wird die Architektur von Paris remixed und komprimiert, bis eine phantasmagorische Traumstadt entsteht, die ebenso unecht ist wie das Jeunetsche Paris, vor dem Scorsese sich hier spürbar verneigt. Jean Pierre Jeunet, vielleicht der wahre Erbe von Georges Méliès, der zentralen Figur von »Hugo«, hat vor allem in »Delicatessen« und seiner »Stadt der verlorenen Kinder« das Kino als Traummaschine hochgradig unwirklicher Bildeindrücke genutzt, die er in »Amélie« von düster-skurril zu mainstreamtauglicher Phantasie zu wandeln verstand. Scorsese geht diesen Weg in »Hugo« weiter und erschafft eine künstliche Welt, die ein unentwirrbarer Hybrid zwischen Hyperrealität und simultaner hochgradiger Unwirklichkeit ist, dabei aber selbst in bedrohlichen Momenten ihre Magie und Liebenswürdigkeit nie verliert. Es ist eine Welt, die für ein Kinder-/Jugendbuch perfekt ist, und deren Naivität fast davon ablenkt, dass wir alles andere als einen normalen Kinderfilm vor uns haben.

Denn tatsächlich bleibt Scorsese ein Filmemacher, dem bei aller Beschwörung von Naivität das erwachsene Flair in der Narration nicht verloren geht. Es gibt in jedem Kinderfilm Klischees und berechenbare Wendungen, und »Hugo« vermeidet sie nahezu alle erfolgreich. Zwar sind sicherlich einige Figuren trotz des dreidimensionalen Looks eher zweidimensional angelegt, und durchlaufen Charakterwandlungen, die auf jeden Fall vorhersehbar sind (und dies auch sein dürfen in diesem Genre), und Scorsese macht Gott sei Dank keinerlei Anstalten, dies zu verschleiern, wenn etwa die Liebesgeschichte um den Bahnhofsvorsteher fast vom ersten Moment des Films determiniert ist. Und dennoch ist »Hugo« in keinem Moment ein Chris-Columbus-Film. Die Handlung nimmt völlig unerwartete Wendungen, scheinbar vorhersehbare Entwicklungen bleiben aus und werden durch völlig andere Handlungsfäden ersetzt, Klischees umspringt der Regisseur mit einer Leichtigkeit, die verblüfft. Wer eher geradlinigere Geschichten mag, wird hierdurch sicher enttäuscht sein. Jeder andere mag sich daran erfreuen, dass die Regie falsche Fährten legt und virtuos mit den Erwartungen des Zuschauers spielt, um einen hochgradig liebenswerten und verspielten Film zu produzieren, der von Mut und Phantasie in einer Art und Weise erzählt, von der Filme à la »Harry Potter« nur träumen können. Es ist Kino mit dem großen Hollywood-Budget der Franchise-Stangenware, aber produziert mit dem Herz eines Künstlers, der mühelos Kinogeschichte und Literatur zitiert, mit leichter Hand E.T.A. Hoffmann, Fritz Lang und Lemony Snicket verwebt. Es ist Indie-Kino auf Blockbuster-Niveau, ein Geschenk von Scorsese an sich selbst.

Die doppelte Unwirklichkeit
Und »an sich selbst« bedeutet auch an den Filmemacher und den Filmliebhaber. Wenn der Kinoprojektor dreimensional in das Publikum strahlt – und damit der Film in den Film projiziert wird – wird deutlich, dass es bei diesem Film in erster Linie nicht um die Handlung, sondern um das Thema Film geht. Nicht nur vordergründig gegen Verhandlungen um den legendären französischen Regisseur Méliès, sondern auch viel allgemeiner, als Hommage an die eskapistische Funktion das Mediums, das als vielleicht einziges unsere Träume sichtbar machen kann. Scorsese zitiert dabei einen großen Teil der frühen Filmgeschichte, von der berühmten Bahnhofseinfahrt in La Ciotat bis hin zu den frühen Stummfilm-Slapstick-Filmen von Buster Keaton oder Harold Lloyds, und das seltsamerweise gleich doppelt – als Film-im Film-Ausschnitt, aber auch als Widerhall dieser Filmszenen in der künstlichen Wirklichkeit des Films, in den die Kunstwelt zweiter Ordnung sozusagen überschwappt. Wir sehen in dreidimensionaler Unwirklichkeit einen Film, in dem Schauspieler Filme sehen (und machen), die für uns eindeutig erkennbar die Wirklichkeit der Schauspieler formen, Life Imitates Art. Dahinter steckt (wahrscheinlich unbewusst) die Erkenntnis, dass Ideen und Konzepte, die aus der Wrklichkeit gepflückt und in Filmen hyperstilisiert werden, zurück in die Wirklichkeit Strahlen – genau wie Scorseses Kinoprojektor in unsere Wirklichkeit strahlt – und diese ganz konkret verändern. Wenn Harold Lloyds legendäre Uhr-Szene aus »Safety Last« nur kurze Zeit wieder ihr Echo in Hugos eigenen Abenteuern findet oder der Film die Zugeinfahrt der Gebrüder Lumières zitiert, wird Scorseses Glaube an die dünne Membran zwischen der magischen Realität der Filme und der Realität sichtbar – nur, dass unsere Realität hier selbst ein Film ist, dessen Echoeffekte eben wieder eine Stufe höher in unsere »echte« Realität hinaufhallen, wobei interessanterweise die fiktiven Figuren von Hugos Parallelwelt die gleiche Filmhistorie haben wir unsere Welt. Eine Realitäten-Schichttorte, an der ein Stanislaw Lem sicher seine Freude gehabt hätte. Die magische Fähigkeit von Celluloid, die Wirklichkeit zu (ver)formen, hat Scorsese schon in »The Aviator« aufgezeigt, in dem die Grenze zwischen Howard Hughes schwindelerregenden Film-Projekten und seiner realen,fast größenwahnsinnigen Leistung als Flugpionier kaum vorhanden ist. Hughes war in seinem eigenen Leben nur eine Art Darsteller, so wie DiCaprio für uns, er lebte seine Hollywoodträume (und -Alptraume) auch real aus.

In »Hugo« zeigt Scorsese noch klarer und unverstellter diese magische, transformierende Kraft der bewegten Bilder. Méliès, dem der Krieg diese Macht entreißt, als seine Filme eingeschmolzen werden, mutiert ohne sie zum Schatten seiner selbst, erst mit der Restaurierung seiner Filme gewinnt er auch selbst wieder an Vitalkraft und innerem Licht, ohne seinen Lebensborn Kino verwelkt er zur grauen, leeren Hülle. Ein Schelm, wer hierin den Regisseur selbst entdeckt, wenn Méliès am Ende vorm Publikum steht, obwohl wir Scorsese sicher ebenso in Hugo Cabrets staunenden Augen im Kino wiederfinden, den jungen Marty, der dem Kino seine Kindheit verdankt und seinen Lebensinhalt. Wie nahezu jeder Filmemacher, der seit Dekaden erfolgreich arbeitet, atmet, denkt und lebt Scorsese Kino, ist Film ist für ihn zum Paradigma, zum alles umgebenden Rahmen geworden, zur Metapher für das Göttliche im Menschen, die Fähigkeit etwas aus dem Nichts zu erschaffen.
Und so wird der Film und seine Geschichte zur Bühne für Scorseses eigene Faszinationen, seine Liebe für alles Mechanische, vom Rattern des Filmprojektors über die schier endlosen Uhrwerke, die gigantisch in den Zuschauerraum hineinragen, von den kleinen Spielzeugen des vom Createur zum Reparateur degenerierten Méliès bis hin zum Hoffmanschen »mechanischen Türken«, in dem sich von »Metropolis« bis Spielbergs »A.I.« der die Dekaden überspannende Traum von der perfekten Illusionsmaschine manifestiert. Und wie dankbar bist du als Zuschauer, wenn die Kamera am Ende mysteriös auf dieses Kunstwesen zufährt, Scorsese der Versuchung widersteht, den mechanischen Homunculus blinzeln zu lassen wie sein Erbauer im Film immer wieder ins Publikum zwinkert- ein so naheliegender Gag, den ein schlechterer Regisseur vielleicht gebracht hätte. Scorsese aber lässt der magischen Maschine ihr Geheimnis, das aus der sphinxhaften, reflektierend-spiegelnden Oberfläche des künstlichen Gesichtes zu uns zurückstrahlt, in der wir – wie in jedem Film eben – nur uns selbst entdecken können.

13:13 Uhr. Kategorie Film. Tag . Keine Antwort.

12-03-19

    Thomas von Steinaecker: To-Do-Listen fürs ganze Leben http://t.co/WCmhtu6Y #
    Digitale Bücher: Das Buch der Zukunft hilft uns beim Denken http://t.co/mRmwNjug #
    Schöner Zufall – WDR 5 eingeschaltet, und das erste was läuft, ist ein kleines Feature zur Transfer Korea-NRW. Nice. #
    Autodesign: Ewig gültige Proportionen http://t.co/0J8dPanx #

19. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

hd schellnack

15:29 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag , . Keine Antwort.

12-03-18

    Uhm – CJK Spam is weird…「人妻とのSEXは気持ち良い!!!」 #
    Photographer Hacks an Almost 100-Year-Old Lens Onto His Canon 5D Mark II http://t.co/HnBZn02S #

18. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Wacom Bamboo Pen & Touch

hd schellnack

Auch von Wacoms Einsteiger-Tablett Bamboo ist eine neue Generation erschienen, die vor allem optisch deutlich erwachsener wirkt als die Vorgängerserie. Wenn auch längst nicht so reduziert und professionell wie die Intuos-Serie, wirkt die aktuelle Baureihe der Bamboo-Geräte nicht mehr wie Spielzeuge, auch wenn Namen wie Pen & Touch Fun dies nahelegen (Fun bezieht sich eigentlich nur auf das Softwarepaket).

hd schellnack

Es gibt von der Bamboo-Serie mehrere Varianten, darunter Pads, die nur Stifteingabe oder Stift und Touch-Bedienung unterstützen, zwei Größen beim Fun (small und das etwas größere medium) und verschiedene Softwareausstattungen. Da ich die Software nicht brauche und für die mobile Arbeit am Air als Gegenstück zum Büro-Intuos eher die handlichere Größe bevorzuge, ist das knapp 90 € teure Pen & Touch, dessen dezentes Schwarz mir eher liegt als das Pseudo-Apple-Alu-Plastik, die ideale Wahl gewesen. Das Gerät kommt mit einer neongrünen Kontrastfarbe für die Stiftlasche und die Rückseite, für meinen Geschmack etwas zu poppig, aber der Look unterstreicht den Freizeitcharakter und soll das preiswerte Gerät wohl deutlich von der Profi-Hardware unterscheiden.

hd schellnack

Wobei das kaum nötig wäre. Verarbeitung des Tabletts und vor allem das Feeling und die Responsivität des Stiftes sind mit dem Intuos kaum zu vergleichen. Wer die Arbeit mit einem Eingabetablett am Bamboo kennenlernt, wird sich vielleicht nie wirklich für ein Intuos entscheiden, denn der Unterschied ist so dezent wie entscheidend. Beide Geräte liefern Stifteingabe, aber wo das Intuos instinktiv, nahtlos und völlig natürlich reagiert, fühlt sich das Bamboo steifer und künstlicher an, ausreichend für »on the road«, aber beileibe kein Vergleich. Ich bin nicht mal sicher, ob es nicht vielleicht ein Marketingfehler ist, so eine Einsteigerklasse anzubieten… es verdirbt den Spaß am Tablett. Was nicht heißt, dass das Bamboo seinen Preis nicht wert wäre – es ist vielmehr so, dass der fast fünffache Preis für das Intuos eben absolut gerechtfertigt ist.

hd schellnack

Das Bamboo verfügt über weniger Programmiertasten als das Intuos und hat bei Toucheingabe im Groben die gleichen Probleme wie der große Bruder – die Oberfläche des Pads ist zwar größer als die des MacBooks, (allerdings deutlich kleiner als das Bamboo insgesamt vortäuscht und dabei drastisch reduziert im Vergleich zum Verhältnis passive/aktive Flächen beim Intuos – beim Bamboo ist die aktive Fläche irgendwo zwischen A5 und A6), aber auch weniger geschmeidig und »natürlich« und dabei anfälliger für Staubablagerungen. Dennoch ist das Bamboo für den kleinen Preis ein absolut überzeugendes Gerät – ideal für Retuschen unterwegs und durch die Toucheingabe etwas flexibler. Zahlreiche schöne Designdetails wie die eisschollenartige Struktur der Express Keys, die Stiftlasche (die ich mit am Intuos auch wünschen würde), der besser ins Gerät versteckte USB-Anschluss und vor allem die totale Mobilität des kleinen Pads überzeugen durchweg. Es ist der perfekte Kompagnon, wenn man auch unterwegs zumindest ein »Intuos Light« dabei haben will oder muss.

hd schellnack

Ein gerade mobil überzeugendes Feature ist die Wireless-Option von Wacom. Während mit das zumindest für meine Zwecke beim Intuos, das relativ fest am Schreibtisch seinen Platz hat, nicht sinnvoll erscheint, kann es beim mobile Arbeiten schon Sinn machen, wenn man kein störendes Kabel zwischen Notebook und Pad hat oder wenn man mit dem aufgeladenen Pad-Akku die Laufzeit des MacBooks etwas schonen kann, indem kein Strom via USB abgezogen wird. Das Wireless-Kit kann für verhältnismäßig moderate 40 € nachgerüstet werden – happig in Relation zum Bamboo, preiswert relativ zum Intuos (wo es aber eben weniger Sinn macht) – und ist mit zwei Handgriffen eingebaut, indem man den Akku und den Sender in die dafür vorgesehenen Slots schiebt. Über die Akkulaufzeit kann ich aus Erfahrung noch wenig sagen, laut ersten Tests kann sie bei wohl bis zu sechs bis acht Stunden liegen, was absolut ausreichend erscheint – aber eben nur für ein Bamboo.

hd schellnack

Ein Intuos bräuchte nämlich eigentlich eher eine Art Schreibtisch-Ladestation und Sender à la Logitech, um im Büro wireless Sinn zu machen. Denn ein großer Schönheitsfehler der kabellosen Freiheit ist, dass an einen dezidierten Empfänger an einen USB-Port anschließen muss. Heißt eigentlich also: Man braucht einen USB-Port für das Laden des Pads und einen als Empfänger, wenn man sozusagen frei zwischen Kabel und Wireless wechseln will. Aber selbst beim Bamboo ist es keine gute Entscheidung, am Air einen der zwei USB-Slots für einen Empfänger draufgeben zu müssen, wenn WLAN und Bluetooth eigentlich vorhanden sind und als Standards genutzt werden könnten. Ich kann mir nicht denken, dass die Daten so komplex sind, dass man sie nicht via 2.1er BT oder eben WLAN senden könnte – und sei es nur als Option (die aber im Handbuch nicht erwähnt ist, leider, und das Pad wird nicht vom System-Bluetooth erkannt). Das ist ein großes Manko, weil man dann eigentlich nicht von Einschalten-und-Loslegen sprechen kann, sondern eher wie früher bei Logitech Tastaturen und Mäusen immer wieder diese Dongle-Steckerei vorher machen muss. Es sollte eher so »gedankenlos« gehen wie das nutzen eines normalen Trackpads, das – einmal verbunden – nach dem Einschalten sofort verfügbar ist, ohne dass ich noch etwas an der Hardware machen müsste. Da hilft es leider auch nichts, dass im Gehäuse ein Platz für den Empfänger vorgesehen ist, so dass das kleine Gerät nicht verloren geht. Ich habe zumindest in der Kürze der Zeit noch keinen Workaround gefunden, Tablett und Air über das normale Bluetooth zusammenzubringen, obwohl der Empfänger-Dongle sehr deutlich macht, dass hier eine BT-Technologie verwendet wird. Was schade ist, denn beim Intuos 4 ging es mit dem «Onboard»-Bluetooth. Keine Frage, ein eigener Dongle macht es für den Nutzer einfach – einstöpseln, fertig – aber es sollte eine Pairing-Option geben, die den eigenen Empfänger überflüssig macht.

hd schellnack

Alles in allem ist das Bamboo für unter hundert Euro ein guter Einstieg in die Arbeit mit einem Pen-Tablett, obwohl jeder, der halbwegs ernsthaft am Rechner graphisch arbeitet, sorgenfrei auch den Mehrpreis für das Intuos investieren sollte, und eine phantastische Mini-Lösung für das Arbeiten unterwegs. Es funktioniert so zuverlässig wie man das von Wacom kennt – ich jedenfalls hatte keinerlei Probleme mit Hard- oder Software (obwohl ich persönlich finde, dass die Treiber von Wacom sich inzwischen in zu viel einmischen, weil sie mit ihren eigenen Gestendefinitionen ins System gehen, anstatt sozusagen einfach auf die normalen Trackpad-Gesten aufzusetzen. Less is more – so wie es ist, fühlt es sich leider mehr und mehr nach Logitech an). Wünschenswert wäre eigentlich nur eine nahtlose echte WLAN/BT-Anbindung (was fast via Firmware-Upgrade machbar sein sollte) und auf diesem Weg vielleicht eine Möglichkeit, Bamboo und iPad zusammenzubringen, was nicht so abstrus ist, wie es zunächst klingt… denn so könnte man die nuancierte Arbeit mit dem Stift auf dem Wacom auch mit dem iPad nutzen.

hd schellnack

13:22 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Baum

20120318-085253.jpg

08:53 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

12-03-17

17. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-16

mackauf | Hände drauf! Das neue iPad http://t.co/28bykfEX #
Das mit Thomas Steinaecker und Leipzig ist schon sehr schade – hoffentlich next Time… Jetzt muss ich Sand lesen, sehen ob es besser ist. #
http://t.co/cqo7qVpI Is a Black and White-Only Digital Camera a Great Idea? #

16. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Das neue iPad

hd schellnackIn Wirklichkeit etwas schärfer: Das neue iPad

Die technischen Neuerungen zum «neuen» iPad sind ja inzwischen gut und abdeckend bereits anderenorts beschrieben und mit dem iPad 2 verglichen und ich kann mich kurz den meisten Meinungen anschließen nach dem ersten Tag herumspielen damit.

Das Retina-Display ist phantastisch, sofern die App es unterstützt und wird sehr schnell sehr nervig, wenn nicht. Medien, die nicht hoch aufgelöst wird, sind ein Alptraum, weil die schlechte Qualität gnadenlos entblößt wird. Apple hätte unbedingt ein 128 GB ipad anbieten müssen, denn mit diesem iPad wirst du Apps, Filme, Magazine und Comics in höherer Auflösung brauchen, bei 1400 px für einen Comic-Scan war man bisher gut dabei, diese Zeiten sind vorbei, das gleiche gilt mit Blick auf SD/HD-Video. Dieses iPad wird sehr viel speicherhungriger sein. Wer kurzsichtig ist und ohne Brille liest, wird dennoch weiter Pixel erkennen, aber die Qualität der Darstellung macht einen absoluten Quantensprung nach vorn. Es ist übrigens verblüffend, dass diese Verbesserung sich schon nach wenigen Minuten völlig selbstverständlich anfühlt, so, als hätte bisher das Gehirn die »Pixellöcher« in der Wahrnehmung von Büchern auf dem alten iPad ausgeblendet. Bücher jedenfalls sehen phantastisch aus. Aber wie das so ist – die letzten 5% sind die schlimmsten. Die jetzt fast an Papier heranreichende Qualität, weit entfernt von normalem «Bildschirm»-Feeling, macht nur noch umso deutlicher, wie viel schärfer echtes Papier eben doch ist und wie anders sich ein Buch letztendlich anfühlt. Gerade die neue Perfektion der Simulation lässt so etwas wie Nostalgie nach dem 100% Echten aufkommen. Das gleiche gilt für die skeuomorphen Interface-Elemente wie Holz, Leder, Stoff usw. Die sahen absurderweise in der niedrigen Auflösung glaubhafter aus als in HD – die bessere Auflösung lässt der Phantasie weniger Raum, Lücken zu füllen und zeigt die Mängel des digitalen Renderings deutlich sichtbar. Der Holzhintergrund von iBooks sah nie so billig aus wie jetzt. Für Interface-Designer wird die 2048er-Auflösung eine echte Herausforderung. Auch wirkt das angeblich kontrastreichere Display schnell einen Hauch zu hell, um dann schlagartig einen Tick zu dunkel zu sein, sobald sich das Umgebungslicht ändert. Es mag seltsam klingen, aber ich fand es schwieriger in wechselnden Lichtverhältnissen die richtige Einstellung zu finden. Nach wie vor bleibt das Pad ein Indoor-Gerät, das im hellen Sonnenlicht nicht funktioniert. Nachts ist es, obwohl sich das Display schon sehr herunterdimmen lässt, einen Touch zu hell, in der Sonne im Freien kann es sich nicht durchsetzen. Für den Strandurlaub also immer noch echte Bücher einplanen. Auch das neue iPad ändert also wenig an der grundsätzlichen ergonomischen Überlegenheit von Papier als Medium (Lesemedium, nicht Speichermedium… in Sachen Vielseitigkeit und Archivierung ist das iPad natürlich weit voraus, in Sachen augenentspannender Lesespaß immer noch weit zurück.) Auffällig ist zudem, dass das Display deutlich kühler eingestellt ist als das iPad 2. Direkt nebeneinander ist das alte iPad eher magentafarben, das neue iPad eher einen Hauch in Richtung Cyan. Nach einer Weile fällt das nicht mehr auf, aber dennoch ist seltsam, dass mit jeder Generation die Farbigkeit so sichtbar schwankt. Dazu kommt, dass zumindest Fabian ja ein Lightleak im Gehäuse hatte, so wie ich bei der ersten Fuhre von iPads 2 – sowas darf einmal passieren, bei der folgenden Generation eigentlich nicht mehr.

hd schellnack

Close-Up: iPad 2

hd schellnack

Close-Up: Das neue iPad. Der Unterschied ist frappierend.

Alte Apps sehen auf dem neuen iPad übrigens bedenklich schlecht aus. Ich hoffe, es dauert nicht wie beim iPhone ewig, bis die diversen Anbieter Updates liefern. In den letzten Tagen hagelt es Updates, aber obskurere Applikationen werden ja häufig nicht mehr richtig gepflegt – und das wäre jetzt schade.

Die 50 Gramm mehr Gewicht merkt man tatsächlich, so albern es klingt, vor allem, wenn man das Bad an der Seite festhält und das volle Gewicht in den Fingerspitzen trägt. Hält man beide Geräte in der Hand, so ist das neue iPad spürbar schwerer. Den Hauch mehr Tiefe des Gehäuses allerdings spürt man eher nicht. Der Formfaktor ist nahezu identisch und da ich das iPad beim Lesen im Bett nach wie vor auf der Brust »abstelle« würde ich mir immer noch einen sanfteren Übergang von Screen zu Body wünschen, das war beim dickeren iPad 1 tatsächlich angenehmer, weil weniger scharfkantig.

hd schellnack

Nur marginal dicker trotz der für den Bildschirm nötigen höheren Systemleistung.


Bei der Geschwindigkeit habe ich keinerlei wirklichen Sprung nach vorn feststellen können (und auch nicht erwartet), ganz im Gegenteil, manche OS-Animationen neigen fast zu gefühlter Langsamkeit. Das Pad wird außerdem sehr schnell spürbar warm an der linken Seite, selbst wenn der Prozessor nicht wirklich belastet ist, in einer Art, die ich vom iPad 2 so nicht kenne. Das bisherige iPad war selbst bei Hintergrundprozessen und gleichzeitiger Arbeit bisher niemals spürbar derart warm geworden. Generell scheint die höhere Leistung des Bildschirms die Ressourcen des Gerätes also voll aufzubrauchen – von der Verdopplung des RAM, der GPU-Beschleunigung, dem neuen Prozessor merkt man als Nutzer außer der abfallenden Wärme eher nichts. Ob der gigantisch gewachsene Akku ohne LTE ein paar Stunden mehr Laufzeit bringt oder auch komplett von dem Killer-Display leergesogen wird, muss man abwarten. Er scheint auf jedenfalls zumindest an USB-Ports merkbar langsamer nachzuladen.

hd schellnack

Rotblau – das neue Display ist zumindest frisch out of the box erst einmal deutlich kühler als das vom iPad2

Die »Light«-Version von Siri funktioniert auch gemessen am bisherigen DragonDictation für das iPad ausgezeichnet. Vorzüglicher in das Keyboard integriert als beim iPhone, macht Spracherkennung beim iPad enormen Sinn und mich würde nicht wundern, wenn das auch in OSX nicht sehr bald ein wichtiges Feature wird. Dass das Assistentensystem Siri es selbst nicht auf das iPad geschafft hat, halte ich für keinen großen Verlust. Das iPad ist weniger ein Hands-Free-Gerät und ich merke selbst beim iPhone, dass ich Siri eher selten benutze, etwa beim Autofahren, weil die Fehler/Irrtümer gegenüber der Nützlichkeit doch sehr frustrierend sind. Die Diktatfunktion nutze ich hingegen auch am iPhone verblüffend oft (zumindest wenn ich alleine bin) und denke, dies wird auch beim iPad der Fall sein. Tatsächlich macht ein System wie Siri auf dem iPad (noch) wenig Sinn, auch wenn es eventuell trotzdem über kurz oder lang darauf laufen wird – vermissen würde ich es derzeit sicher nicht. Siri ist deutlich mehr als ein Gimmick, wenn aber das simple Versenden einer SMS vier Anläufe braucht, bis alles stimmt, ist dieser Interface-Ansatz einfach noch zu unausgereift für das iPad.

Die neue Kamera ist ein Lichtblick, vor allem, weil die bisherige einfach so unverschämt schlecht war. Obwohl immer noch nicht an der Qualität der 4S-iPhone-Kamera angelangt und ohne Blitz, ist das iPad war sicher (und zurecht) keine sinnvolle Kamera (das iPhone eigentlich auch nicht), aber für schnelle Schnappschüsse von Notizen bei Meetings und für einen schnellen Klick reicht es jetzt absolut – das eröffnet dem iPad neue Möglichkeiten, als Datenerfassungsgerät vollwertiger zu funktionieren. Nicht zuletzt ist die Videoqualität besser und das iPad ist gerade durch seinen größeren Formfaktor dem iPhone eigentlich als Video-«Kamera» fast überlegen, man hält das Gerät einfach ruhiger mit beiden Händen und der gigantische High-Res-Bildschirm macht Video-Aufzeichnungen zu einer Erfahrung, mit der eigentlich kein einzig vergleichbares Gerät derzeit mithalten kann.

hd schellnack

Fast die einzig sichtbare Erneuerung des ansonsten für Laien identischen Gerätes ist die größere Kameralinse.

Generell macht das Wegfallen der Kennziffer im Namen des iPad deutlich, was seit längerem bei Apple deutlich ist: Wie bei den Desktop-Geräten geht es auch bei den Mobilgeräten inzwischen um eine langsame, stetige Verbesserung, nicht um revolutionäre Leistungssprünge. Beim iMac haben wir uns daran gewöhnt, dass es neue Prozessoren, größere Festplatten und schnellere Grafik gibt, und ab und zu mal ein Update von Gehäuse oder Monitorgröße. Selbst drastische Innovationen wie etwa Thunderbolt sind in der Evolution der Geräte von wenig Hype begleitet. Die meisten Desktopgeräte von Apple sind in ihrer Entwicklungsgeschichte an einem Punkt, der stetige Verbesserung, aber keine drastischen Entwicklungen verspricht. Das ist eine smarte Strategie, die gewährleistet, dass der Wertverlust alter Geräte in der Entwicklung relativ stabil bleibt. Der eine mag seinen alten iMac entsorgen, weil SSD und Thunderbolt wichtig sind, der andere bleibt mit seinem Vorjahresmodell absolut zufrieden und wird vielleicht erst in zwei drei Jahren die Akkumulation an Neuerungen haben, die ihn zum Update bewegt, zumal Apple ja doch regelmäßig den Formfaktor so ändert, dass nach drei bis vier Jahren spätestens der Alterungsprozess auch sichtbar wird und ein Kaufimpuls gesetzt ist. Gemessen an der Vielfalt von Modellen und dem stetigen, unruhigen Wechsel in der Windows-PC-Welt ist diese Politik der ruhigen Hand eine sinnvolle Strategie, die jetzt eben auch das iPad und ab Herbst sicher auch das iPhone einholt. Gottseidank, denn ein iPad 18 wäre ein Unding und die Versionsnummern züchten eine Erwartungshaltung, die Apple bald schon nicht mehr wird einhalten können. Schon vor dem Release dieses iPads geisterten unhaltbare Gerüchte von taktilen Displays durch die Blogs, und nach jeder Keynote scheint es zunehmend um das zu gehen, was die Firma nicht geliefert hat. Es macht Sinn, diese Erwartungshaltung aufzugeben und sich mit einem langsamen, stetigen Prozess anzufreunden, wie Apple ihn auch seit Jahren bei der Software fährt. Jeder weiß, wo die Reise hingeht – iOS und OSX werden eins, Retina-Touchscreens auch bei den (ohnehin aussterbenden) Desktops, mehr Leistung bei den mobilen Geräten, über kurz oder eher über lang vereinfachtes 3D und so weiter – aber wer sich eine Weile in einen Apple Store stellt und den durchschnittlichen Neukunden zuhört, der weiß, wie klug die Strategie des Unternehmens ist, tropfenweise und langsam mit solchen Neuerungen zu kommen, nicht nur finanziell, sondern auch, weil die Nutzer so langsam in die Innovationen hineinwachsen können. Schon heute dürfte der Sprung vom Nokia-Handy zum Iphone 4S für einen unbedarften User eine Herausforderung sein: systemweite Gesten, die aber in einigen Apps anders belegt sind, eine grundlegende Betriebssystemlogik, Einstellungen, die richtig vorgenommen sein sollten, wenn man seinen Akku mag, eine Sprachsteuerung, die komplett erlernt sein will. Wer mit dem iPhone 1 oder 2 angefangen hat, dürfte all dies peu à peu gelernt haben und niemals überfordert gewesen sein, wer »kalt« einsteigt, hat als Laie eine durchaus steile Lernkurve vor sich. Apple ist also gut beraten, die Lernkurve an der iOS-typischen Einsteiger-Zielgruppe zu orientieren und sowohl Hardware als auch Software biologisch und langsam wachsen zu lassen. Dafür spricht auch der an sich ja ungewöhnliche Split zwischen Updates der Soft- und Hardware (iOS selbst wird ja immer erst im Herbst mit dem iPhone erneuert).

In einer von keiner anderen Firma so praktizierten Methode – vielleicht weil niemand anders Hard- und Software und sogar Medieninhalte auch nur ansatzweise so einheitlich anbietet wie Apple – entsteht hier eine Art »Sippe« von Geräten, die nahtlos miteinander verzahnt sind und in einer Art sanften infrastrukturellem Übergang von iPod bis MacPro modular verschiedenste Nutzungsszenarien zulassen, die immer durch multiple Geräte profitieren. Dass dabei iOS im Vordergrund steht ist allein durch den Umsatz der mobilen Geräte selbstverständlich. Ein selbst marginal erneuertes iPad wird in Zeit, Spiegel und FAZ zum Thema, ein iMac oder MacPro keineswegs. Wenn Apple also vom Post-PC-Zeitalter spricht, so ist dies eigentlich irreführend – denn durch schnelle Datennetze und leistungsstarke mobile Endgeräte *wird* der Computer überhaupt erst persönlich, er rückt uns auf die Pelle. Auf dem Weg zu neuen Interfaces ist das neue iPad nur ein kleiner Schritt, im Verbund mit der Gesamtstrategie Apples aber werden wir in wenigen Jahren zurückblicken und uns wundern, wie schnell das alles ging. Apple hat seit Mitte der letzten Dekade die Art wie wir über Computer denken, grundlegend geändert (und exzellent daran verdient) und die in Bewegung geratene Lawine vernetzter, tragbarer, immer «realer» werdender Geräte, die mehr und mehr als technische eigene Entitäten nicht mehr wahrnehmbar sind, sondern sich in das verwandeln, was die Software uns jenseits der Pixel-Wahrnehmungsgrenze des Auges vorspiegelt (denn nach 2048 ist 4096 doch nur eine Frage der Zeit und dann kannst du gar nicht mehr so kurzsichtig sein, noch irgendwelche Pixel zu sehen) ist bereits so schnell und immersiv geworden, dass wir fast gelangweilt auf den Fortschritt blicken. Dabei ist es ein kleines Wunder, dass wir nur ein Jahr nach dem iPad 2 jetzt bei gleicher Akkulaufzeit ein Display mit doppelter Auflösung – mit faktisch bisher unerreichter Pixeldichte – in den Händen halten, das zudem noch potentiell höchste Datenraten zulässt. Wer will da noch den Fortschritt nach Hardware-Verbesserungen oder «neuen Features» bemessen, den es eigentlich längst im systemischen Verbund der kleinen Einzelverbesserungen zu entdecken gibt, in der ein photorealistisches Display eben nur ein weiterer Mosaikstein ist.

20:55 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

12-03-15

15. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Baum

hd schellnack

15:35 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Sparrow auf dem iPhone

hd schellnack

Ihr kennt es wahrscheinlich – manchmal möchte man sich seine Software wie Frankenstein aus verschiedensten Elementen bestehender Software zusammenstückeln dürfen. Das war immer so, wird immer so sein. Die jeweils neuere Version kann dieses oder jenes besser, oder A bietet einfach ein Feature, dass Programm B seit Jahren nicht näherungsweise hinkriegt. Ich würde mir beispielsweise viele Details von Pixelmator in Photoshop wünschen, aber Pixelmator kann Photoshop nie ersetzen, weil eben entscheidende Features komplett fehlen. Es gibt Programme, bei denen man denkt: Super, aber XYZ kann dieses eine Ding echt besser, ist aber ansonsten schlechter… Und genau so geht es mir seit Jahren mit Mailprogrammen wie AppleMail, Postbox und Sparrow. Ich nutze alle drei (für verschiedene Zwecke), was nicht gerade effektiv ist, und würde mir längst wünschen, Apple würde in das Standardprogramm einfach die guten Features der beiden Konkurrenzangebote aufnehmen. Aber es passiert einfach nie. Und das dürfte auch ein Problem für Sparrow auf dem iPhone werden, weil es eine typische «Eigentlich super, aber…»-Software ist.

hd schellnack

Nicht perfekt gelöst, aber guter Ansatz ist die ausfahrende Action-Leiste bei Mails.

Sparrow ist auf dem Mac seit einiger Zeit eine phantastische Alternative zu Apples eigenem Mail-Programm. Obwohl die Suchfunktionen lange nicht so ausgefuchst sind und mich nach wie vor einige Details an Sparrow ärgern, ist vor allem die Quick-Reply-Funktion und die Leichtigkeit der Software insgesamt, herausragend. Die Integration in die Menüleiste, die systemweiten Shortcuts für neue Mails, die sinnvolle Integration von Tastenkürzeln und Gesten, nicht zuletzt das sehr an iOS-Apps angelehnte Flair des minimalistischen (wenn auch nicht immer ganz konsequenten) Interfaces machen einfach Spaß.

Es ist also nur folgerichtig – und seit einiger Zeit in Entstehung – eine von iOS inspirierte Minimal-Applikation auch auf iPhone und iPad zu bringen. Und während es Sparrow für das iPad noch nicht gibt und auch die iPhone-Variante etwas wie ein Schnellschuß wirkt, ist Sparrow auch auf dem iPhone eine zumindest ansehenswerte Alternative zu Apples hauseigener Lösung.

hd schellnack

Nervig: Die Adressauswahl vor dem Schreiben einer Mail und das schlechte Handling von eMail-Adressen, die zudem alle entweder gleiche oder auch mal gar keine Bilder zugeordnet haben.

Der Nachteil, dies vorweg, ist beim iPhone allerdings, dass Mail nahtlos ins System integriert ist, immer »on« ist, entsprechend einigermaßen PushMail kann und den User über neue Mails benachrichtigt. Sparrow nicht. Das ist, ehrlich gesagt, ein Shoot-Out-Grund, die Software nicht zu benutzen. Sie doppelt weitestgehend bestehende Funktionen in einem Ökosystem, das zu klein für Redundanzen ist. Sparrow wäre sinnvoller, würde es Mail *komplett* ersetzen, aber in einer sowohl-als-auch-Lösung, bei der Mail auch nicht komplett deaktivierbar ist, muss man sich schon fragen, warum man zwei Lösungen parallel laufen lassen möchte. Zumal eine der Lösungen auf deinem Startbildschirm und im Notification Center integriert ist, von jeder anderen App via API als Haupt-Mailprogramm genutzt wird usw. Anders gesagt – Sparrow leidet auf dem iPhone an ganz ähnlichen Problemen wie auf dem Desktop. Es kommt nie ganz an das perfekt in die Infrastruktur eingebettete Mail-Programm an, das zB Adobe und andere Anbieter immer automatisch nutzen, wenn man eine PDF verschicken will. Auf dem iPhone ist das absolut genau so. Sparrow reduziert sich damit, auch wenn das für 2,99€ sicher okay ist, zu einer Art Experiment oder Spielzeug.

Umso schlimmer, dass die Erfahrung mit Sparrow damit beginnt, dass man seine Accounts, die Apple eigentlich zentral verwaltet, erneut eingeben muss. Apple erlaubt Sparrow keinen Zugriff auf die in der Systemsteuerung gespeicherten Mail-Einstellungen, da kann das Team um Hoa Dinh Viet, Dominique Leca und Jean-Marc Denis nichts dran ändern. Und so toll es ist, dass Sparrow quasi die mit erste Applikation ist, ein so systemnahes Programm von Apple «ersetzen» darf, merkt man hier, dass es alles andere als einfach ist, ein so verzahntes Angebot von Apple zu ersetzen. Zumal man auf die Validation der Accounts ziemlich lange warten muss bei Sparrow, zumindest bei meinem Mailserver.

Einmal installiert – und abgesehen von der »splendid Isolation«, zu der Sparrow durch Apple verdonnert ist, macht die Software spontan Spaß. Das kurze Bedienungs-Tutorial braucht es eigentlich kaum, das Interface ist durch Twitter und Facebook eigentlich vertraut, mit den sich überlagernden Schichten. Inkonsequent ist allerdings, das im UI sichtbare Bereiche funktional nicht durch Touch zu aktivieren sind. Wenn ich einen «Fächer» sehe, will ich ihn auch sofort benutzen können, und nicht sozusagen erst den Bereich dazwischen aktivieren müssen. Ebenso unlogisch ist, dass die mich von Accounts zu Foldern zu Mails führenden Swipes in den Mails selbst auf einmal nicht funktionieren – und ich bin sicher, die Funktionsleiste in den Mails selbst (für Löschen, Archivieren, Markieren usw.) lässt sich besser lösen als es jetzt der Fall ist… es ist zwar viel dezenter und effizienter als bei Mail selbst, hängt aber z.T. in der Schrift und sieht irgendwie auch störend aus, unschön.
Auch ansonsten ist zunächst einiges vielleicht ungewohnt bei Sparrow – etwa, dass man nicht in rechter Richtung über Mails swiped, um sie zu löschen, sondern nach links (dafür aber mit mehr Möglichkeiten belohnt wird), oder die tatsächlich nicht nur gewöhnungsbedürftige sondern hochgradig doofe Trennung von Adresseingabe und Texteingabe bei neuen Mails. Sparrow zwingt dich, zuerst die Empfänger auszuwählen aus einer Art Kontaktliste, bevor du schreiben kannst. Manchmal will man aber auch einfach nur mal schnell schreiben und DANN überlegen, an wen eigentlich. Die Adresslisten-Lösung hat etwas unschön bürokratisches und gehört überdacht, ebenso wie der komplett furchtbare Ansatz, dass Sparrow längere Zeilen schreibt als das iPhone hergibt und dabei den Content dynamisch mitverschiebt. Das macht hier und da Sinn weil man nicht in winzig kurzen Zeilen schreibt, sondern gefühlt normalere Formatierungslängen hat, da die Software aber auch mal das »Mitrutschen« auch mal verpasst und man gar nicht sieht, was man schreibt, ist das insgesamt eher verwirrend.
Weniger schlimm finde ich, dass es keinen Landscape-Modus gibt, weil ich eMails meist ohnehin im Portrait-Modus schreibe, und auch Bold/Italic sind kein Beinbruch, wiewohl ich diese Formatierungen bei Mail, seitdem auf dem iPhone (wenn auch viel zu umständlich) verfügbar, durchaus gern nutze, es hilft einfach, Texte besser zu strukturieren. Wann können eMails eigentlich einfach durchgehend Markdown?

hd schellnack

Gute Idee, in der Praxis manchmal irritierend: Die Zeilen sind länger als das Display beim Schreiben.

Positiv bemerkenswert an Sparrow ist das aufgeräumte Interface, das allerdings statt dem facebookblauen eigentlich ein graues Chrome vertragen könnte, die besser ausgenutzten Gestenmöglichkeiten, die in vielen kleinen Details effektiver sind. Schon nach kurzer Nutzung wird deutlich, dass Sparrow zum durchgehen von Mails, zum Archivieren/Löschen/Markieren und auch fürs fixe Beantworten dem eigentlichen Mailclient von Apple weit überlegen ist. Details wie die Vogelperspektive bei Mail-Dialogen sind so einfach und selbstverständlich, dass man sich spontan fragt, warum Apple selbst so etwas nicht anbietet, ebenso die Mehrfachauswahl von Aktionen in der Mailübersicht, die bessere Übersicht bei Accounts und Ordnern (die bei Apple selbst unerträglich gelöst ist auf dem iPhone) oder Kleinigkeiten wie Pull-to-Refresh, die Anhangsverwaltung durch Swipe, die Möglichkeit, per einfacher Swipe-Geste von der Inbox zu markierten oder ungelesenen Mails zu wechseln… Sparrow steckt voller smarter Ideen, die man sich spontan in der eigentlichen Mail-App wünschen würde. Und hat gleichzeitig Mankos, die eine «richtige» Nutzung fast unmöglich machen.

Anders gesagt: Es ist ein ausgezeichnetes, sogar überlegenes Mail-Programm, das leider im Gegensatz zum Original nicht annähernd ausreichend in das OS eingebettet ist. Du kannst aus iPhoto keine Bilder per Sparrow versenden, du kriegst keine Info über neue eMails (außer über absurde Umwege via Boxcar usw.).
Unter diesen Umständen, die Apple wohl kaum gravierend ändern wird, ist Sparrow ein tolles Experiment, ein hochspannendes Spielzeug, im Einzelfall auch durchaus sehr brauchbar, aber eben kein vollwertiger Ersatz für Mail, kein alltagstaugliches Werkzeug, weil es noch zu viele Umwege verlangt und weil man am Ende eben doch wieder und wieder bei Mail.app landet und nicht bei Sparrow. Und da Mail sowieso installiert ist, nicht deinstalliert werden kann und auch permanent aktiv ist, muss jeder selbst entscheiden, ob es das braucht. So wie man sich fragen darf, ob man eher Twitter oder Tweetbot nutzen mag, nur gravierender. Als Studie darüber, wie gut ein Mailprogramm auch auf dem iPhone sein könnte, wenn es konsequenter auf die Möglichkeiten der Gestensteuerung setzt und im Detail liebevoller durchdacht ist, ist Sparrow aber unbedingt ein Gewinn. Bleibt zu hoffen, dass sich mit zukünftigen Versionen nicht nur die vielen kleinen Interface-Ungereimtheiten von Sparrow legen und neue Features dazukommen, sondern vor allem auch die Systemintegration besser wird. Wobei das selten vom Anbieter anhängt und bei Sparrow auf dem Mac seit Jahren in entscheidenden Stellen auch nicht wirklich besser wird, so dass es bis heute trotz umwerfender Funktionalität immer noch nicht DER Standardclient für Mails sein kann. Was eigentlich schade ist…

14:49 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

12-03-14

14. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Wacom Intuos 5

hd schellnack

Das neue Wacom Intuos5 Pad ist seit Anfang letzter Woche auf dem Markt und obwohl es von 3 zu 4 bereits kaum so nennenswerte Verbesserungen gab, dass man upgraden musste, sind wir natürlich Wacom-Junkies genug, um das neue Fünfer-Pad ins Büro zu holen und eins der alten einzumotten.

Die neue Generation ist wie der Vorgänger schwarz, allerdings ist aus dem eher glänzenden Plastikgehäuse eine Art mattes Gummi geworden. Ich sag ja – matte Oberflächentexturen sind die (nähere) Zukunft. Es ist nicht wirklich Gummi, fühlt sich aber samtiger und griffiger an als das vorherige hochglänzende Finish. Auch die Funktionstasten – die ich zugegebenermaßen so gut wie nie benutze – haben sich drastisch geändert. Das ins Gehäuse integrierte LED-Display an den Tasten ist verschwunden, was etwas schade ist, weil das schon schick & praktisch war, und statt dessen wird über die Wacom-Software eine Art HUD im Bildschirm angezeigt, sobald man die Tasten an der linken Seite des Zeichenpads berührt. Dieses HUD ist allerdings ziemlich durchwachsen – während es für den Touchring, der vierfach belegt ist und wie alle Tasten einigermaßen frei konfiguriert werden kann, eine eher dezente Darstellung gibt, wird Touch AUS/AN so groß eingeblendet, dass es wahrscheinlich noch die Nachbarn auf der anderen Straßenseite lesen können. Hier müsste noch mal etwas Screendesign-Politur stattfinden.

hd schellnack
Die neuen Touch-Tasten, jetzt ohne eigenes Display.

Während das Intus 4 durch zwei USB-Eingänge so konzipiert war, dass die Zusatztasten links oder rechts sein konnten, habe ich beim 5 bisher keine Möglichkeit gefunden, die Orientierung zu ändern. Was ebenso schade ist wie die Tatsache, dass das Kabel rechts außen ist – es links anzubringen würde weniger Kabelsalat über meinen Schreibtisch laufen lassen, ergo die Reichweite erhöhen und sähe zugleich eleganter aus. Man kann sagen, dass dies keine Rolle spielt, da das neue Pad mit einem knapp 40 € teuren Wireless-Kit ausgestattet auch ohne Kabel auskommt (dazu später mehr beim Bamboo-Review), aber die Tatsache ist, dass der Akku so kurzlebig ist, dass ich das Intuos auf jeden Fall weiter per Kabel betreiben werde – und die Lösung beim 4er eigentlich gelungener fand, zumal auch der USB-Stecker etwas dezenter gelöst war. Der neue L-Stecker ist eine seltsame Fortsetzung der Entwicklung, dass der Anschluss von Wacom-Zeichentabletts mit jeder Generation etwas klobiger wird, denn tatsächlich waren die fest im Gehäuse verankerten alten Kabel weniger sperrig als die (die ansonsten ja sinnvollen) auswechselbaren heutigen Kabel mit ihren dicken Steckern.

hd schellnack
Die Funktionstasten sind weitgehend frei belegbar.

Die große Neuerung des Intuos ist, dass es zugleich ein «normales» Touchpad ist, etwa wie das Trackpad von Apple. Auf dem Papier ist das ein Must-Buy-Grund, die Idee ein A4-großes Touchpad zu haben, das Trackpad wegzustellen und das Intuos sowohl als Zeichentablett wie auch als Mausersatz nutzen zu können, klingt enorm verlockend. Und tatsächlich – die Software von Wacom lässt viele Einstellungen zu, die die Trackpad-Funktionalität von Apple abdecken, wenn es auch an entscheidenden Stellen ein zwei seltsame (und insofern ergonomisch ungewohnte, weil Gestensteuerung viel über motorisches Gedächtnis läuft) Abweichungen gibt… nicht, dass Apple hier besser wäre, die nach wie vor Trackpad, Mouse und iPad nicht wirklich kongruent haben. Bisher spielt zumindest bei mir (und wenn ich dem Wacom-Forum glauben darf auch bei manch anderen Nutzern) die Software einige Streiche… die Touch-Funktion streikt gelegentlich ganz oder verhält sich erratisch und ist nur durch Abziehen und wieder Anstecken des USB-Anschlusses wiederherzustellen. Irritierender aber ist, dass die Plastik-Oberfläche des Intuos nie ganz die perfekte Glattheit und widerstandsfreie Geschmeidigkeit des Trackpad erreicht. Wo bei Apple deine Finger wunderbar über die Touchoberfläche gleiten, ruckelt man beim Intuos eher über das Plastik, das sich zumindest bei mir aufgrund der geraden und großen Fläche auch sehr schnell sehr »staubig« anfühlt, egal wie oft man am Tag saubermacht und drüberwischt. Durch die Form des Intuos liegt zudem der Arm anders auf dem Schreibtisch als beim Trackpad, das ja meist eher neben der Tastatur steht – was zumindest bei mir früher zu Ermüdungserscheinungen in Hand und Arm aufgrund der weniger ergonomischen Haltung führt. Also kein vollwertiger Trackpad-Ersatz, aber jede alternative Eingabemöglichkeit hilft ja, weniger repetitiv und belastend zu arbeiten. Dazu kommt, dass das Pad via USB an einem MacPro das vielleicht mit letzte Non-Bluetooth-Eingabegerät ist, was Gold wert sein kann, wenn etwa das furchtbare BT am MacPro mal wieder spinnt und man so zumindest noch grundlegende Dinge (etwa einen BT-Explorer-Reset oder Neustart) vornehmen kann. Phantastisch ist übrigens, dass das Tablett die gleichzeitige Arbeit mit Stift und Touch zulässt – in Photoshop ist damit Zoomen, Drehen und Panning durch ein Bild ein Kinderspiel, man kann im Wortsinne erstmals völlig perfekt mit dem Tablett »auf dem Schoß« arbeiten und braucht Maus oder Tastatur immer weniger. Ich bin kein Zeichner – aber jeder, der am Rechner illustriert, wird diese Generation einfach lieben.

hd schellnack
Praktisch zum Kabelaufwickeln, ansonsten zu klobig: Der USB-Stecker.

Kurzum – wer noch kein Intuos hat, dem gibt die fünfte Generation eine Menge gute Gründe, endlich dieses für Designer mehr oder minder unverzichtbare Werkzeug zu kaufen. Es ist ein mit wenigen Ausnahmen wunderbares Stück Design, technologisch eigentlich inzwischen so ausgereift (schon seit einigen Jahren), dass Wacom kaum noch etwas wirklich drastisches daran verbessern kann, die Basics sind seit Ende der 90er perfekt, die noch größte Revolution war der Switch zu USB-Ports vor gut zehn Jahren. Entscheidend bleibt nach wie vor der Stift, die natürliche, superfeine Arbeit in Photoshop. Mir ist nach wie vor ein Rätsel, warum man mit der Maus in Photoshop retuschieren oder effektiv freistellen will, wenn es ein Werkzeug gibt, das so viel fluider und natürlicher arbeitet und so viel mehr kann als nur «binär» zwischen geklickt / nicht geklickt zu unterscheiden. Wer mit dem 4er oder 3er-Intuos arbeitet und damit zufrieden ist, hat keinerlei Grund, umzusteigen, es sei denn Touch oder Wireless-Option sind aus speziellen Gründen wichtig. An der Basis-Funktionalität des Wacom hat sich kaum etwas geändert, der Stift ist bei diesem Modellwechsel sogar ausnahmsweise gar nicht überarbeitet worden (was ich eher begrüße). Das Intuos ist ein phantastisches, wenn auch nicht unbedingt preiswertes Stück Hardware, das im Grunde an keinem Arbeitsplatz fehlen darf. Mir tut Wacom eigentlich etwas leid, weil ihr Kernprodukt seit Jahren so makellos ist – und so solide -, dass man es kaum auszutauschen braucht. Durch das 5er wird hier im Büro eines der ersten USB-Intuos frei, eins der frühen Modelle, die noch keinen gummierten Stift hatten (ein Sondermodell aus transluzent grauem Plastik, das optisch auf die alten G4 aus grauem Kunststoff abgestimmt war, da sieht man wie alt das Tablett ist)… und selbst dieses vielleicht älteste Stück Hardware im Büro ist nach all den Jahren, in denen hier bereits drei oder vier Rechnergenerationen ausgetauscht wurden, immer noch völlig makellos und in den Kernfunktionen (also: Stifteingabe) genauso gut wie die neueste Modellgeneration. Es ist nicht einmal wesentlich unschicker (anders als die Beigen Modelle davor), und die Stiftspitzen sind sogar etwas solider als in heutigen Intuos-Pads. Es ist selten, dass ein technologisches Werkzeug so zeitlos gut ist – und das neue Intuos 5 setzt diese Tradition hoffentlich fort. Die Kabelführung und die noch etwas wackeligen Treiber sind etwas schade und dass eine Plastikoberfläche nicht diese handschmeichlerische Perfektion des Apple-Trackpads erreicht ist wahrscheinlich nur normal… in der Praxis aber ist das 5er eine Evolution von der Vorgängerversion, die das Geld durchaus wert ist, schließlich arbeitet man ja nahezu jeden Tag damit und es gibt kein näherungsweise so »symbiotisches« Interface-Gerät wie das Intuos, das wie ein Stift auf Papier zur Schnittstelle mit der Arbeit wird, ohne Ruckeln, ohne Gesten, ohne Denken. An dieser Perfektion kann Wacom nichts verbessern und gottseidank hat die Firma den Stift nicht mit mehr Buttons oder anderen Schnickschnack modifiziert, sondern vielmehr mit der Touch-Option eine komplett neue Nutzungsschicht über die bestehende gelegt. An der Touch-Funktionalität gibt es sicher einiges zu verbessern in den kommenden Jahren, und das ist ja auch nur gut so – aber insgesamt ist das fünfte Intuos eine hervorragende Symbiose aus Innovation und Bewährtem.

hd schellnack
Glow-in-the-Dark: Dezente Lichtmarkierungen begrenzen die Touch-Zone (Der Stift nutzt hingegen die gesamte Tablettoberfläche).

19:10 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 2 Antworten.

Byword iOS

hd schellnack

Nach Writer setzt jetzt auch das andere «einfache» Schreibprogramm Byword auf iCloud. Neben einem Update für die Mac-Applikation gibt es eine brandneue iOS-Version, universell für iPhone und iPad, die die Texte über Dropbox und iCloud abgleichen kann. Gegenüber Writer verfügt Byword vor allem auf dem Desktop über einige nette Features (Rich-Text-Unterstützung und wunderbar einfacher HTML-Export in die Zwischenablage), die iOS-Version, die allerdings natürlich auch »jünger« ist als Writer, bietet weniger Leistung – insbesonderej fehlt die Sondertastatur-Leiste mit den gebräuchlichsten Sonderzeichen. Update: Doch, die Leiste gibt es, aber etwas versteckt durch einen Swipe auf dem Zeichen/Wortzähler. Leider ohne Guillemets;-). Abgesehen von diesen kleinen Unterschieden sind beide Programme in ihrer Einfachheit natürlich weitestgehend identisch. Seltsam ist, dass Byword kein RTF anbietet, obwohl das inzwischen in iOS unterstützt wird und die Desktop-Variante der Software Rich Text beherrscht. Durch Markdown vielleicht inzwischen weitestgehend egal, aber dennoch hat Metaclassy hier vielleicht eine Distinktionschance vertan. Tatsächlich entkoppelt sich ein Text automatisch und etwas verwirrend von der iCloud, sobald man ihn in formatierten Text umwandelt… man muss ihn komplett neu speichern und kann dies nicht mehr in iCloud tun.

Auf dem Desktop angelegte neue Texte müssen, wie bei Writer, auch zunächst lokal gespeichert und dann in die Wolke «verschoben» werden. Ich kann nur hoffen, dass Apple diesen Humbug mit Mountain Lion systemweit ändert. Es ist nur ein Detail, aber gerade beim spontanen Schreiben ein nicht ganz unnervendes. Auch der Sync neu angelegter oder das synchronisieren gelöschter Dateien zwischen den Geräten ist relativ schleppend – vielleicht eine Kinderkrankheit.

Mein Fazit: Insgesamt hat der Writer etwas die Nase vorn. Ich mag das unverschämt cleane Interface, die Zusatzbuttons vor allem bei iOS, und die Nitti als Typeface (obwohl man die bei Byword, sofern man den richtigen Font besitzt, natürlich auch einstellen kann auf dem Desktop). Byword ist auf dem Mac durch die Möglichkeit zu RTF zu wechseln und die deutlich reicheren Export-Angebote einen Hauch besser und auch durch den Nutzer feiner «einzustellen». Konkurrenz belebt das Geschäft und ich freue mich, durch zwei nahezu identische Apps sozusagen an zwei Texten simultan, durch Applikationen getrennt, arbeiten zu können – und bin gespannt, welcher der beiden Anbieter mit den nächsten Updates noch mehr überzeugt.

15:37 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Dayshot

20120314-020309.jpg

02:03 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag , . Keine Antwort.

12-03-13

    When an episode of Battlestar Galactica almost makes you cry, you just mayyyyybe should worry about your emotional integrity. #
    VOTED “@MMFlint: When I am President, the first directive I'll sign will grant free HBO for everyone.” #
    Liebe Verlage – bringt Bücher, die im Feuilleton besprochen werden doch entsprechend in den iBooks-Store. Könnte Wunder wirken. #
    Auch schön nach so einer Kritik der Kulturförderung ein Interview mit Gursky/Ruff zu setzen, die (mit) durch diese Förderung Stars wurden. #
    … viele Konjunktive gegenüber, die schwammig bleiben. Die kommunale Sparpolitik wird nur den Imperativ hören, liebe Autoren. #
    Das größte von vielen Problemen am «Die Hälfte»-Artikel im Spiegel – er setzt einem Imperativ (50% Einrichtungen schließen)… #

13. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Lost Glasses

20120312-225556.jpg

12. März 2012 22:55 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

12-03-12

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Was sagt Thea dazu?

hd schellnack

12:54 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

12-03-11

11. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Der Writer und die Datenwolke

hd schellnack

In dubio pro Wolke
»Seamless creation« dürfte aus meiner Sicht eines der Zauberworte der nächsten Jahre werden. Nachdem man das Wort »cloud« ja langsam schon kaum noch hören kann, abgegriffen, bevor die Technologie noch richtig funktioniert, überholt Apple mit icloud zumindest in einem Aspekt den großen Favoriten Dropbox: Die nahtlose Synchronisierung von Dateien zwischen Geräten in der Apple-Ökosphäre ist, wenn Apples Server mal keinen schlechten Tag haben, ein Traum. Während bereits Applikationen wie DayOne, die iWork-Suite, iLife und viele andere iCloud nutzen, ist das Vorzeigeprojekt für die Vorteile dieser Art von geteilten Daten aus meiner Sicht derzeit iAWriter, der gerade auch als Universal App das iPhone als Plattform nutzt und damit Desktop und iOS komplett abdeckt. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Datenmenge, mit der der Writer operiert, geht der Sync enorm flüssig – so schnell sogar, dass man dabei zuschauen kann, wie sich Texte in Echtzeit auf dem iPad aktualisieren, wenn man sie auf Desktop oder iPhone umschreibt.

Arbeit to go
Obwohl der Writer mit einigen Features gegen Programme wie Byword oder Writings nicht mithalten kann, macht ihn dieses «Schreib, wo du willst»-Denken zur derzeit besten Lösung, um Texte zu verfassen. Es ist weniger die sehr ansehnliche visuelle Reduktion, weniger das wunderbar praktische Markup (das Byword nach wie vor besser löst, etwa mit Export der HTML in die Zwischenablage), nicht einmal die großartige, die für mich inzwischen fast unverzichtbare Keyboard-Ergänzungszeile in iOS (mit nach wie vor falschen Guillemets für mich), sondern vielmehr die Möglichkeit, völlig nahtlos zu schreiben. Menschen, die ihr Geld mit dem Verfassen von Texten verdienen, müssen diese Möglichkeit lieben, aber selbst so ist es eine Freude, jederzeit an Ideen schreiben zu können, spontan und egal, wo man gerade ist und vor allem – völlig unabhängig von der Hardware. Writer und iCloud und die reduzierte Anforderung von reinen Textdateien hebeln die Frage, womit man eigentlich schreibt, völlig aus. Natürlich lässt es sich am Desktop besser schreiben als am iPad und dort besser als mit der Winzigtastatur der iPhone – aber abgesehen hiervon begleitet dich der Text auf jedes Gerät, ist immer up-to-date, ohne dass man noch über manuelles Abgleichen (wie etwa bei Dropbox meist nötig) nur noch ansatzweise nachdenken muss. Man mag – zu Recht! – ganz sicher darüber sinnieren, ob es nicht auch Schattenseiten hat, wenn Arbeit einen so ubiquitär verfolgen kann, aber für uns armen Glücklichen, die zwischen »Privat« und »Arbeit« ohnehin eher eine Drehtür oder hauchdünne Membran haben, ist dieses Mitwandern von Daten ein Segen, weil Ideen genau dort festgehalten oder bearbeitet werden können, wo sie entstehen oder wo die Zeit gerade richtig dafür ist. Bis dieser Ansatz auch mit komplexeren Applikationen so richtig funktioniert, wird es sicher eine Weile dauern, aber Apple zeigt seine Ambitionen bereits damit, dass Garageband ab vorgestern nun auf gleiche Art funktionieren soll.

Faul = funktioniert
Was Writer dabei absolut richtig macht – und es sich damit durchaus einfacher macht als so manche Konkurrenten -, ist, gnadenlos auf das etablierte iCloud-API zu setzen. Andere Anbieter werkeln an eigenen Serverlösungen… und das Ergebnis ist nicht nur ein für den Nutzer unüberschaubares Terrain von Sync-Lösungen, Passwörtern und Datenaustauschplattformen, sondern vor allem auch Ansätze, die eben nicht nahtlos ins Betriebssystem verankert sind. Writer wird so zwar von Apples Stimmungsschwankungen zumindest vorläufig etwas abhängiger, hat aber eine cloud-Plattform out of the box lauffähig und problemlos parat, ohne große Mühe, wo andere Anbieter sich seit Monaten abarbeiten und immer noch keine wirklich funktionalen Lösungen jenseits von Alpha– oder Betastatus vorweisen können. Die information architects binden so nicht nur weniger Ressourcen als CulturedCode, Omni und die vielen anderen Softwareschmieden, die auf Insellösungen bauen, sondern weisen auch den Weg zu einem integrierten Dateisystem online, das von Apple sicher in Zukunft noch deutlich ausgebaut werden muss, da die sich hier bisher abzeichnende Sandbox-Mentalität eher aus Nutzsicht zur Zeit nach hinten losgeht. Sie ist sicher, einfach, portabel, aber leider für alles, was nicht «casual work» ist, völlig unbrauchbar. Fehlendes Dateimanagement wird, je mehr man mit iPad und iPhone »richtig« arbeiten kann, zu einem der größten Mankos von iOS mutieren… ist es, wenn man sich das neue iPhoto anschaut, eigentlich jetzt bereits, der permanente Daten-Roundtrip nervt, das allgegenwärtige «Open in» ist heute schon so anstrengend wie überflüssig. Ein vereinfachter Finder wäre eine gute, überfällige Sache.

Dennoch – iCloud ist in seiner Einfachheit, als unsichtbare Infrastruktur im Hintergrund, der richtige Weg. Zwar hat man vom Desktop aus (noch) keinen direkten Zugriff auf iCloud, was ein großes Manko ist, iAWriter aber relativ mit dem Verschieben von einmal gespeicherten Dateien in den entsprechenden Ordner in der Library elegant umgeht. Auch, dass iCloud anders als Dropbox nicht sichtbar im User-Ordner arbeitet, sondern relativ versteckt ist (wahrscheinlich, um magischer zu wirken), ist für professionellere Anwendungen ein Manko, im Falle von Writer aber eine vernachlässigbare, vielleicht sogar angenehme Sache – es sei denn, man will Text mit einem anderen Programm bearbeiten, dann fangen die Probleme an, weil es eben keinen offenen Zugriff auf die Ressourcen gibt. Was mir für Design und Bildbearbeitung derzeit noch zu hermetisch und user-feindlich scheint (auch wenn Adobe anscheinend ja wiederum selbst an einer Cloud-Lösung arbeitet), macht aber für reine Texte durchaus absolut Sinn, zumal wenn wir vom Schreiben zum Diktieren via Siri kommen.

Hase vs Igel
Als ich vor rund 15 Jahren eine Art Hybridlösung zwischen Computer und TV aus Basis eines ThinClient-Konzeptes im Kopf hatte, dass die verschiedenen Formen interaktiver/multimedialer Daten aus dem Internet über eine dezentrale Serverstruktur bezieht und die so »schwimmenden« Daten absolut mobil und mitnehmest macht, hätte ich nicht erwartet, dass der Weg dorthin so lang sein würde und sich zugleich so viele andere Parameter ändern würden – von soziale Plattformen wie Twitter oder Facebook war damals nur indirekt über Rollenspiel-Plattformen und BulletinBoards ein Vorgeschmack vorhanden, der Kapitalismus war noch rheinisch und nicht neoliberal und Apple war ein Unternehmen auf absteigendem Ast. Mit cloud-Lösungen à la Writer zu arbeiten, Passworte immer dabei zu haben, einen Song auf dem iPhone anzufangen und auf dem MacBook feinzuschleifen – all das fühlt sich insofern weniger revolutionär an, sondern im Kern überfällig. Es bringt uns vor allem einen wichtigen Schritt weiter zur nächsten Entwicklung – der Ablösung des Internets als Ort, in den man sich »begibt« (wie früher durch Modemeinwahl oder heute noch symbolisch durch Browsernutzung) durch einen Informationsäther, in dem man immer schon ist, der vorgelagerten, exoskeletären Charakter hat. Ob das am Ende ein zentraler Anbieter ist – und wer zuckt heute nicht unwillkürlich bei Apples 1984-Spot zusammen, der so ironisch die heutige Wandlung der Rebellen zum Big Brother kommentiert -, ob es viele, wechselnde dezentrale Anbieter sind oder ob wir unsere eigenen Server nutzen werden… Es ist nur noch eine Frage von Speicherplatz und Transferraten, bis unsere Daten im Äther schwimmen und uns wie ein Mantel jederzeit umgeben, immer greifbar sind. Noch ist es ein Unding, dass ein Backup von 4 TB zu Backblaze Wochen in Anspruch nimmt – sind wir hier aber erst einmal bei Stunden angekommen, wird die lokale Festplatte wie die Cassette, wie die CD und der USB-Stick zum toten Medium werden. Es ist verblüffend, dass ein lapidar-minimalistisches Textprogramm wie Writer trotz aller kleineren Mängel einen Vorgeschmack darauf gibt, wie vielversprechend diese Entwicklung sein kann, wenn kreative «Arbeit» nicht mehr durch ein Werkzeug oder spezifische Orte und Zeiten definiert ist, sondern dich immer da erwartet, wo du gerade bist: »Ick bün al dor…«

17:32 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Eine Antwort.

Licht

20120311-111222.jpg

11:12 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

12-03-10

10. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

3D2D

Liebe Kinobetreiber,
Ist es wirklich – wirklich – wirklich eine gute Idee für die neue dreidimensional aufgebügelte Zweitverwertung von «Titanic» in einem stinknormalen 2D-Trailer zu werben? Weil… So richtig anders sah das jetzt nicht aus.

9. März 2012 23:17 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

12-03-09

    Piracy is not a pricing signal http://t.co/9L2l0NGQ #
    Fina-wonderfu-lly, iA Writer is universal as of today. With iCloud that means simple&synched writing on Desktop, iPad and now iPhone. Yay!!! #
    Disappearing Toner Lets This Copier Re-Use Office Paper [Video] http://t.co/BQnp2VYS #

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Pink Floyd: The Wall Experience Edition

hd schellnack

»The Wall« ist eines dieser biographisch wichtigen Alben, wie wahrscheinlich jeder zwei oder drei hat. Gibt es so etwas heute noch? Werden die Teenager von heute in 20 Jahren an Katy Perrys «Teenager Dream» zurückdenken und der Musik einen einschneidenden, charakterformenden Aspekt abgewinnen können? Man darf das wahrscheinlich bezweifeln – nicht nur ist Musik an sich in den letzten Dekaden beliebiger geworden, sie ist auch unambitionierter. Es gibt deutlich mehr Bands und Soloacts als in den Siebzigern, aber keine wichtigen Giganten mehr, Musik insgesamt ist (noch) kommerzieller und austauschbarer geworden, weil sie in großer Menge verfügbar ist, am Fließband industriell produziert entsteht, wegkonsumierbar ist und gezielt für diesen schnellen Konsum produziert wird. Es gibt nur noch wenige Bands, die eine musikalische Evolution wie die Beatles oder Pink Floyd vorweisen können, in namhafter Größe fiele mir bestenfalls Radiohead ein, deren Erfolge und Ambitionen aber nicht vergleichbar sind, die die Brücke zwischen Welterfolg und musikalischem Größenwahn nicht ähnlich souverän beschreiten. Es wäre heute unwahrscheinlich, dass eine Band, die zu ihren Anfangseiten bestenfalls von einem Indie-Radio-DJ wie John Peel gespielt wurde, später mit »Dark Side of the Moon« eins der erfolgreichsten Alben aller Zeiten produzieren würde. Wie nahezu jede kulturelle Erscheinung, ist heute auch Musik fragmentierter, vielseitiger aber nicht mehr so verbindend, so einzigartig. Viele Hügel, kein Gebirge.

Anyway, Pink Floyd. Das Album habe ich förmlich kaputtgehört, Alan Parkers Film wahrscheinlich seinerzeit dreimal im Kino und seitdem sicher noch dreimal gesehen, so dass Bob Geldorf (der die Band seinerzeit übrigens absolut hasste) für mich eher mit Pink Floyd assoziiert ist und deutlich weniger mit den Boomtown Rats. Ich kann bis heute jeden Text des Albums auswendig. Und kann insofern nur zu der gerade bei iTunes erschienen Experience Edition raten, die neben dem wundervoll vom damaligen Co-Produzenten James Guthrie remasterten Originalen auch Studiodemos und Teile der «Is there anybody out there»-Liveeinspielung des Earl’s-Court-Konzertes der 80er-Tour zum Album enthält. Die Livetracks klingen überraschend frisch, mit wunderbar druckvollem Bass, und machen vor allen in den Passagen Spaß, in denen sich die Band vom Studiokonzept löst und etwas freiere Solos spielt, um auf Konzertlänge zu kommen. Es geht mir bis heute beim Hören der (zuvor ja bereits separat veröffentlichten) Liveaufnahmen dieses legendären Konzertes so, dass ich mich frage, wie das wohl als Publikum gewesen sein muss, wenn die berühmteste Band der Welt erst Doppelgänger-Musiker auf die Bühne schickt und dann nahezu die Hälfte eines Gigs hinter einer »Mauer« spielt. Diese Mischung aus Verweigerung (»Wall« ist ja eine direkte Folge von Waters Frustration über die geänderte Rolle von Künstler und Publikum auf der »In the Flesh«-Tour) und Genialität, die Projektionen, der makellose Sound, die für ein Livekonzert nach wie vor bemerkenswerte Komplexität, die sämtliche Grenzen zwischen Rock, Operette und Multimediainstallation wegfegt… Das ist bis heute unerreicht. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es gewesen sein muss, mehr oder minder unvorbereitet in Dortmund nach Willi Thomczyks Ansage diese Show gesehen zu haben, in deren Qualität die beigefügte BBC-Videodokumentation einen kleinen Einblick gibt.

»The Wall« selbst ist wunderbar remastert, Guthrie hat der Versuchung widerstanden, das Material allzu sehr aufzupumpen oder moderner klingen zu lassen, statt dessen ist es einfach eine klarere, selbst als mp3 deutlich kraftvollere Version des Origials, die die vielen Schichten der Produktion und auch die wunderbaren der Produktion geschuldeten Fehler des Originals bestens zur Geltung bringt. Michael Kamens epische Arrangements, Bob Ezrins Synthieatmosphären und Waters seltsame Audioschnipsel – alles wunderbar deutlich, so gut hat man die verwirrte Telefonistin wahrscheinlich nie zuvor verstanden. Nur rückwärts abspielen kann man das ganze nicht mehr so einfach wie früher auf Vinyl.

Aus heutiger Sicht, gemessen an den Neurosen, die aus einem durchschnittlichen Tricky-Album tropfen, ist die autobiographische Geschichte des Rockstars Pinks, der sich zunehmend isoliert und schließlich katatonisch wird, relativ einfach gestrickt. Dennoch beeindruckt bis heute die zyklische Natur des Albums, das am Ende zum Anfang zurückkehrt, die Zeitsprünge in der »Narration«, die doppelbödige Natur vieler Lyrics, die Motive und Variationen, die dem Album mehr als allen anderen PF-Platten eine phantastische Homogenität verleihen, nicht zuletzt die Tatsache, dass die Band hier einerseits eindeutig den Sprung zur straighteren Rockmusik schafft, sich vom Progressive-Sound abwendet, und zugleich doch viele Ideen aus vorhergehenden Alben (und auch späteren) so treffsicher auf den Punkt bringt wie nie zuvor und nie mehr wieder.

Denn so gut »Animals« auch sein mag und so gut manche Kritiker »Final Cut« finden mögen – »The Wall« überragt seine diskographischen Nachbarn haushoch, es ist neben »Dark Side« sicher das »Pet Sounds« oder das »White Album« der Floyds. Es ist ein Album, das aus jeder Pore Einsamkeit und Trauer, Wut und Verzweiflung schwitzt, das eben im Grunde nicht verkopft ist und nicht abstrakt, das an den Stangen des Käfigs der musikalischen Fähigkeiten von Waters rüttelt, weit über sich selbst hinausweist, nicht zuletzt eine der vielleicht depressivsten Platten schlechthin.

Und es ist natürlich die perfekte Ironie, dass dieses Album über einen Musiker, der sich von der Welt zurückzieht, zwischen Isolation und Wahnvorstellungen oszilliert, zu jeder normalen Kommunikation mit der Außenwelt unfähig wird, dass ausgerechnet dieses Album von einer Band kommt, die ihren ganz eigenen Communication Breakdown hatte, nur noch getrennt tagsüber oder nachts an den Audiospuren werkelte, über jedes Detail verstritten war, von Misstrauen und Größenwahn geprägt operierte… Wenn man drüber nachdenkt, ist es eines dieser Tipping-Point-Alben, die es in der Rock-und Popmusik immer wieder gibt. Platten, die im Streit entstehen, untereinander und mit dem Plattenlabel, die die Frustration mit der Maschinerie des Musikerlebens verarbeiten, die tiefer und ehrlicher sind als die anderen Platten der gleichen Band es vorher und nachher so sind. Eine Flaschenbotschaft aus der Hölle. Manche Bands lösen sich nach einem solchen Album konsequenterweise gleich ganz auf, andere machen weiter, werden aber Selbstkopien, die vom Geld zusammengehalten werden. Bei Pink Floyd ist weder Waters allein jemals wieder richtig hörenswert gewesen, trotz einiger guter Momente aus »Amuse« und »Hitchhiking«, kreativ hat er die Bodenhaftung bereits mit »Final Cut« weitgehend verloren und seine Soloalben sind noch eitler, pompöser, aber inhaltlich keinen Deut neuer oder stärker. Nicht ohne Grund tourt er heute wieder mit »Dark Side« und »Wall«, Museumswärter des eigenen Mythos… was Gilmore und Mason vom ersten Post-Waters-Album an schon waren, autistisch-akustische Hülle ohne jeden Funken Lebensenergie, die Selbstparodie von all dem Starkult und Bombastrock, gegen den sich »The Wall« so erfolgreich auflehnte. Seltsamerweise waren es Ende die entwurzelten, steuerflüchtigen, verstrittenen Incommunicado-Floyds, die ihren gewohnten Soundengineer verloren, weil er emotional ausgebrannt war, die in der Lage waren, ihren etablierten Sound neu zu erfinden, das »Dark Side«-Template zu zerschlagen und eine der größten Rockopern aller Zeiten zu schaffen. Vielleicht das erste Album, dass so übergangslos arbeitet, Hörspielcharakter hat, narrativ auf mehreren Ebenen schlafwandelt, zugleich persönlich und intim für Waters war und doch mit «Another Brick in the Wall part 2» eine Art Hymne für eine ganze Generation abgab, eine glaubhafte Reaktion auf die Punk-Bewegung und eine trotzige Antwort auf den paradoxerweise zugleich neoliberalen und autoritären Thatcherismus.

»The Wall« ist ein Monolith in der Musikgeschichte, wie es ihn vielleicht nur wenige Male gibt und die meist tatsächlich oft an kreativen Bruchstellen einer Band entstanden sind. Pink Floyd war genau an dieser Bruchstelle. Der Erfolg der vorangegangenen Alben und der kreative Druck, der auf jeder Konzeptband dieser Größe liegt, ganz zu schweigen von dem Management, das nach einer Veröffentlichung für Weihnachtsgeschäft und einer möglichst discotauglichen Single verlangte. Dazu die interpersonellen Spannungen, nicht nur zwischen Waters und Gilmore, sondern auch rund um Richard Wright, der mit diesem Album eigentlich zum bezahlten Tour-Musiker degradiert wurde. Die Drogen, die Geldprobleme, die Hassliebe zum Publikum, die Zentrifugalkräfte zwischen Freunden, die einander nicht zu brauchen glaubten. Immer die gleiche Geschichte, eigentlich – gute Kunst kommt aus schlechten Zeiten.

Insofern darf man sich freuen – auch für die Bandmitglieder, die sich durch den Re-Release sicher zumindest teilweise eines goldenen Lebensabends erfreuen dürfen -, dass es eine erneute Fassung des Albums gibt (wahrscheinlich auch nicht die letzte) die den Staub von diesem phantastischen Stück Musikgeschichte wischt und beweist, dass dieses Album frei von jeder Nostalgie auch heute noch überragend und modern ist.

11:52 Uhr. Kategorie Musik. Tag . 2 Antworten.

Birdy

hd schellnack

11:44 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Klebrig

20120309-014058.jpg

01:42 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

12-03-08

8. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-07

    «new»? What, S, HD and 3 were all claimed by the pundits, so Apple opted for – nothing instead? Smooth :-D #
    RT @DamonLindelof: The new iPad can HELP THE ANGRY BIRDS REALIZE THEIR ANGER IS JUST SADNESS IN DISGUISE!!! #LiveBloggingiPad #
    Oh, looking forward to iAWriter for iPhone. With iCloud, this software really is fun. Would love me my «» back… #
    No time to write a full review so far, but the new Wacom Intuos V is well worth your money! #
    RT @StephenWacker: ArtsBeat: The 'Mad Men' Season That Almost Wasn't http://t.co/ewxL65Zr #
    As usual before ANY Apple event, the speculation before is much more interesting than what actually happens. #
    Jesus – Clemens Setz «Die Liebe zu Zeiten des Mahlstädter Kindes» ist phan-tas-tisch. Gar nicht überlegen, sofort kaufen ;-) #
    Why You Have Your Best Ideas When You're Least Productive [Science] http://t.co/YL86IfLS #

7. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-06

    Always amazing just HOW bad Bluetooth is on a new MacPro. Just gave up and bought a BT dongle. #
    I mean, at least they're good for a laugh. #
    On third attempt the registration of LR4 worked, and Adobe thanked me for registering a MACROMEDIA PRODUCT. #
    And all this from a company that will go for «cloud» and rental software? Doesn't look good. #
    Registering a product online also doesn' work due to a coldfusion error. Jesus. #
    Praise the lord they had a account-link on the receipt. #
    Jesus Adobe – printing the receipt closes the site with the download link. And with Flash, going BACK won't work. #
    So, please – get on the MacAppStore, Adobe. #
    Also, a-ma-zing that the whole buying process is based on FLASH, Adobe. #
    And in great, classic Adobe tradition Lightroom 4 is more expensive as download than the CD-Package. Very 80s. #
    Ten One Design Announces iPad 3 Pressure-Sensitive Stylus Powered by Bluetooth 4.0 http://t.co/N1vltOo3 #
    David Mazzucchelli Hopes People Don’t Buy Batman Year One http://t.co/CoJ0hxk7 #

6. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-04

    …dieser Ton von Blau, den ich tagsüber nirgends erblicken konnte … Clemens Setz #

4. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-03

3. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-02

2. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-01

1. März 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-03-01

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.


Creative Commons Licence