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11-11-30

30. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-11-29

29. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-11-28

28. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

How News are made…

hd schellnack

In den stets lesenswerten Blog von Newspaper-Designpapst Mario Garcia (den man hierzulande u.a. für seine seinerzeit umstrittenes Zeit-Redesign kennt) findet sich ein Link zu einem Text der (Online-) Journalistin und Designerin Lauren Rabaino von der Seattle Times. Der Text befasst sich mit Twitter als News-Quelle, der enormen Redundanz von timeline-artigen Berichten und versucht einige Antworten auf die Probleme zu geben, die diese Art von Nachrichtenerzeugung mit sich bringt, die am Ende in der Idee einer Art News-Wiki mündet und einem Crossover aus verschiedenen Formen von Online- und Offline-Berichterstattung.

Garcia bring es auf den Punkt: «We have said repeatedly that the printed newspaper has lost the time advantage to the digital media.» Wann immer ich in letzter Zeit lokale Tageszeitungen gesehen habe, war ich überrascht, wie «alt» mir die meisten überregionalen und globalen Nachrichten erschienen. Ich kannte sie meist schon aus Tweeds, RSS und Online-Nachrichtenportalen. Gegen diese Medien ist selbst das Fernsehen, der alte Gegner der Printmedien, träge. Die Stärke von Print liegt aber, wenig überraschend, nach wie vor in den regionalen Nachrichten, die online nicht richtig stattfinden und in der Reflektion – dem Essay, dem Interview, der Langzeitberichterstattung und so weiter. Also in Dingen, die die Wochenzeitungen vorleben und die der Echtzeitigkeit enthoben sind, eher allgemein bekanntes noch einmal aufarbeiten, einordnen, differenzieren. Was mir die Hoffnung gibt, dass mehr Zeitungen aus reinem Überlebenswillen wieder zu essayistischen, feuilletonistischen Formen zurückfinden und die Grenzen zwischen «Literatur» und «Journalismus» wieder aufweichen und sich dadurch tatsächlich entschleunigen als Reaktion auf die High-Speed-Online-Medien.

03:44 Uhr. Kategorie Design, Online. Tag , . 6 Antworten.

Visual Narration

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Auf der Suche nach Bildern von Lucien Clergue bin ich auf einem russischen Liveblog über dieses Photo gestoßen, dass wohl von Helmut Newton stammt. Obwohl ich Newton technisch und in seiner Faszination für seine eigenen Fetische hinreissend finde, bin ich oft irritiert von seinem Frauenbild (wiewohl er das ja auch oft genug ironisch bricht und man sich fragen muss, ob seine Models nun voyeuristische Objekte sind oder Prototypen eines neuen «starken» Frauentypus, den Newton weit vorweg genommen hat und früh mit den üblichen Frauenbildern brach) und der gar-nicht-so-subkutan-faschistoiden Tonalität seiner Bilde, ist dieses Photo ein makelloses Beispiel von photographischer Erzählung. Die Farben, das Licht – perfekt. Das fast monochrom-herbstgrünliche Umfeld, so trist und urban-isoliert, zugleich zu leer und zu voll. Der Dreck auf dem Balkongesims. Der umgekippte wunderbare Stuhl. Der Aschenbecher, die Eiswürfel. Das rote Handtuch, das dein Auge unweigerlich ins Bild zu saugen scheint. Die Körperlage, der Kopf, die wunderbaren Haare, der steif angewinkelte Arm, die Balance zwischen Anspannung und Schlaffheit – es ist nicht einfach, so perfekt Beiläufigkeit zu inszenieren. Aber hier gelingt es, uns so erzählt das Bild jedem Betrachter eine andere Story, von tragischen Unfällen oder von Suizid, es stellt unlösbare Fragen… warum bei diesem Wetter nackt auf den Balkon gehen? Warum mit so perfekt gemachten Haaren? Wie konnte sie so fallen, dass der Stuhl auch umkippt, hat sie sich festzuhalten versucht? Unweigerlich, wie immer bei Photographien, springt der Geschichtenerzählter im Kopf an, der aus wenigen Details und Hinweisen – je weniger, desto besser – eine plausible Geschichte zu erfinden versucht, weil das Gehirn anscheinend mit dem Rätselhaften von reinen Standbildern nicht koexistieren kann, das Vakuum füllen muss. Selten ist diese Eigenart so wunderbar ausgenutzt wie hier – ich muss dabei eigentlich auch sofort an Grace Coddington denken, die mit den verschiedensten Photographen ja auch immer wieder ähnliche Tableaux Vivants über die Jahre produziert hat.

00:24 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Zukunft, echt

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Aus dem stets wunderbaren Blog von Christoph Schmidtke und Anja Schöler (a.k.a. Die Zweibeiner), in dem es von echten und wunderbar schlecht gefälschten Fundstücken, Ideen und schönen Texten nur so wimmelt. Hin, hin…

27. November 2011 22:34 Uhr. Kategorie Online. Tag , , . Keine Antwort.

Dakota Suite: The Hearts of Empty

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Chris Hooson und seine Dakota-Suite-Crew produzieren ihre Alben schneller, als man sie kaufen kann. «The Hearts of Empty» ist noch gar nicht so alt, da steht schon «the side of her inexhaustible heart» bereit, wenn auch noch nicht bei iTunes verfügbar. Auf «The Hearts of Empty» präsentieren die Zeitlupenmusiker von Dakota Suite ausgesprochen jazzig, die in nur wenigen Tagen eingespielte Platte weht durch den Raum wie eisiger Wind, verhallt, entfernt und doch schneidend. Die reduzierten, betont einfachen Kompositionen sind dabei allerdings alles andere als echter klassischer Jazz, sondern Jazz gefiltert durch Hoosons Ohren, melancholisch, verloren, eine Art Twin-Peaks-Soundtrack, der niemals verwendet wurde. Die Tracks sind so reduziert, dass sie fast Loops sein könnten, Darlings Cellofragmente etwa, über die fast nur noch die Drums Leben hauchen. Es ist ungemein mesmerisierende Musik, seidig und geschmeidig, wie dahin driftender Schnee oder gefrorene Flüsse, eine Klanglandschaft, die fast nicht vorhanden ist, in der immer wieder vertraute Motive aus dem Nebel ragen, in einer seitlosen, verlorenen Zugfahrt entlang der Küste und durch brachliegende Industrie-Innenstädte, durch Schnee und Regen. Ein Minimum an Elektronik und Ambientsounds reichert die 14 Tracks dieses Slowcore-Soundtracks an, der so ausgesprochen gut zum Wetter draußen passt. «The Hearts of Empty» ist eine wunderbare Platte, ein zu Musik geronnenes Stück Depression, eine Musterübung an Reduktion und Langsamkeit, die «meditativ» zu nennen freundlich untertrieben wäre. Es gibt sicher noch einige weiter verinnerlichte Alben, aber es sind sicher nicht sehr viele.

21:21 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

Dayshot

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20:03 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

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19:31 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

11-11-26

26. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

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13:57 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

11-11-25

25. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

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17:28 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Eine Antwort.

Kate Bush: 50 Words for Snow

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Prägnanter könnte der Gegensatz zu Stings Selbstinszenierung zum 25. Solo-Jahrestag kaum sein: Kate Bush, die auf immerhin rund 33 Jahre seit der Veröffentlichung von «The Kick Inside» zurückblickt, bringt nach rund sechs Jahren ein neues Studioalbum heraus – dicht nach dem «Director’s Cut» alter Tracks von «Red Shoes» und «Sensual World». Nicht ganz so alt wie ihr britischer Kollege, aber immerhin auch über 50, ist Bush eine Figur, ohne die heutige Singer/Songwriterinnen nicht denkbar scheinen. Ob die offensichtliche Epigonin Tori Amos oder auch Zola Jesus oder Florence Welch… die von Bush vorgelebte Fusion von künstlerischer Freiheit und kommerziellen Erfolg war (und ist) wegweisend für Art-Pop oder Pop-Art oder wasauchimmer. «50 Words for Snow» ist vor diesem Hintergrund ein bemerkenswert bescheidenes zehntes Album in einer langen und langsamen Karriere. Während Catherine Bush auf dem phantastischen Doppelalbum «Aerial» mitunter noch die Freuden des Hausfrauenalltags zu besingen schien, hat sie sich auf «Snow» offenbar der Stille und Introspektion verschrieben. Das Album wirkt kammermusikalisch, still. Phantastisches Piano, die unkaputtbare Stimme von Bush, ein Minimum an Percussion, Sounds, Electronic, Backgrounds – mehr braucht es nicht für ein Album, für das eben Tori Amos wahrscheinlich töten würde. Dem Thema angemessen, ist es ein kühles, distanziertes Album, das man sich erobern muss, so weit abseits von Pop, wie Bush vielleicht niemals zuvor war, so nah am Konzeptalbum wie selbst mit «Aerialist» nicht. Denn tatsächlich dreht sich nahezu jeder Song um Schnee und Kälte, um Yetis und verschneite Seen. Es ist das Album zur Jahreszeit und die vielleicht beste Weihnachtsplatte, die man sich wünschen kann. Wunderbar authentisch und makellos aufgenommen, weht ein seltsamer Wind von Brian Eno-artiger Reduktion durch das Album, eine kühle Traurigkeit, perfekte Kopfhörermusik. Mitunter kann das Schneethema auch etwas anstrengen, etwa wenn Elton John (ausgerechnet) als Gast-Vokalist auftritt oder der grandiose Stephen Fry tatsächlich durch 50 fiktive Worte, die Bush sich für Schnee ausgedacht hat, gezwungen wird, wofür die grandiose Instrumentierung aber mehr als entschädigt bei diesem einzigen etwas kräftigeren Titel des Albums, der ein klein wenig an die früheren Parallelen zwischen Peter Gabriel und Bush erinnert. «Snow» ist ein delikates, und mit Sicherheit hochexzentrisches Album, das du entweder haßt oder liebst. Ich liebe es – es ist ein mutiges, konzentriertes, seltsames, schillerndes kleines Meisterwerk völlig außerhalb des Mainstreams, eine Platte die atmet und pulsiert und die zu keinem Moment wirkt als hätte Bush noch Touren oder Charts nötig oder würde einen Dreck um Plattenlabel oder Erfolg geben – mit anderen Worten, es ist reinste, purste Musik ohne doppelten Boden. Was will man mehr?

24. November 2011 20:22 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

Slanted # 16 Bold-Light

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Mit diesem Heft hat die Slanted-Redaktion bei mir leicht gewonnen. Zum einen liebe ich helle und dunkle Schriften im Kontrast, das taucht immer und immer wieder bei mir auf, zum anderen ist Muhammad Ali via Bildern aus dem Corbis-Archiv photographisch heftigste in dem Heft präsentiert, der als Kindheitsidol durchgeht und bis heute vieles was an den 60ern gut und vieles, was verdammt schlecht war verkörpert und der zwar wie ein Schmetterling zu schweben verstand, aber stets eher schwer als «light» war und das in jeder Hinsicht. Davon abgesehen ist das Heft wieder Spielwiese für die Magma-Designer, die hier natürlich experimenteller abgehen können als im Alltagsgeschäft… auch wenn ich zugeben muss, dass ich genau diesen Look, so sehr ich den an sich mag, langsam aber sicher nicht mehr sehen kann, weil es zu viele Magazine und Bücher, zu viele Büros in einer bestimmten Sparte von Design und viel zu viele Studenten gibt, die mal besser mal schlechter diesen etwas hingenöhlten Design-Look fahren, so wie vor 15 Jahren alles nach Carson aussah. Wenn dieser Look aber langsam in den Theater-Spielzeitheften und Massenpublikationen ankommt (wo man sich fragen muss, ob er da überhaupt hingehört) kann und darf die Slanted eigentlich eine andere Richtung einschlagen, wie immer die auch aussehen mag. Den aktuellen Trend zu in-allen-vier-ecken-soll-typo-stecken… hey, vielleicht mag ich den einfach persönlich nicht, weil ich die 80er selbst live erlebt habe :-D.

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Dennoch ist dieses Heft bereits anders als die drei Vorgänger, wieder einen Hauch cleaner bei aller Liebe zum Chaos – und es steht so einem Heft, das keinen tighten roten Faden verfolgt, vielleicht ja auch ganz gut, wenn es etwas Notizblock-haftes hat, zusammengerockt wirkt, den Geruch von Überstunden, Koffein und Abreagieren hat, man den Seiten den Spaß und die therapeutische Wirkung briefingfreien Arbeitens ansehen kann. Schwerer zu lesen ist die Slanted dieses Mal, weil fast durchsichtig dünne Schriftschnitte oder sehr kompresse und fette Sachen wie die Ambrosia Françoise Bold schon auch auf die Augen gehen – andererseits, wer vor 15 Jahren durch dekonstruktiven Kram kam, überlebt das auch und ein bisschen soll es ja eben auch Abenteuerspielplatz für den Leser sein, denke ich. Wie auch die Produktion mit Papierwechseln, Verdelungen, Sonderfarben zeigt, wie weit das Magazin von seinen Kopierwerk-Anfängen gekommen ist. Bei all dem dürfen die Texte nicht zu kurz kommen – obwohl sie das in dem stream of conciousness der Slanted mitunter durchaus tun -, die Interviews (u.a. mit Jost Huchuli) oder die Essays (u.a. von Yves Porchez) – die die Slanted immer wieder zu einem wunderbar nerdigen Faszien für Schriftfreaks machen und ihr einen festen Platz sicher nicht nur in meinem Herzen sichern, weil kein anderes Magazin so unilateral auf Schrift als Medium festgenagelt ist in Deutschland und zugleich so grandios irrlichtern kann und das Thema so unlangweilig präsentiert – obwohl es ja durchaus langweilig sein könnte. Also, wenn ihr noch kein Weihnachtsgeschenk für den freundlichen Type-Geek in eurer Agentur oder in der Wohnung nebenan habt, wist ihr ja jetzt, wie man ihm oder ihr eine Freude machen kann: Mit einem Abo für die Slanted – für 40 € doch perfekt für den Weihnachtsbaum.

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19:24 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

11-11-23

    Jim Shooter: «…people still wouldn't buy un-entertaining, impenetrable, rehashed, derivative masturbatory crap» http://t.co/ZscGluMM

23. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Eine Antwort.

Soleil

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Typetogether stelt gerade die neue Schrift des Österreichers Wolfgang Homola vor, die Soleil, eine gut ausgebaute geometrische Schriftfamilie, die aber weniger steif und unterkühlt wirkt als viele andere Schriftfamilien aus dieser Ecke (obwohl, lieben wir Futura, Nobel & Co nicht gerade wegen ihrer seltsamen und wunderbaren Frackhaftigkeit?). Osteuropäischer Zeichensatz, Türkisch, Pfeile, zahlreiche Dingbats, OSFs, handgebaute Kursive und viele andere hochliebevolle Details zeichnen die Soleil aus, die durch die deutliche x-Höhe und klare, dennoch warme Formen eine Art Lücke zwischen Frutiger/Myriad und Futura/Neutra zu schließen scheint. Die humanistischen Einflüsse machen die Soleil zu einer Art freundlichen Variante der herkömmlichen Geometrischen und lassen sie vor allem auch für Fließtext einsetzbar erscheinen, ohne dass der Leser gleich ein Augenleiden bekommt, während die Versalien ganz wunderbar schlicht und zeitlos im Bahnhof-Look gehalten sind. Exzellenter erster (offizieller) Wurf für Homola und ein weiterer wunderschöner Release von Veronika Burian and José Scaglione.

14:28 Uhr. Kategorie Design. Tag . 4 Antworten.

11-11-22

22. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Sting 25

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CD, aufwendiges Boxset und kostenlose App, die sich Sting zum 25 Geburtstag seiner Solo-Karrire selbst oder seinem Publikum schenkt ist ein seltsamer Trip in die Vergangenheit. Sting ist seit mindestens einer Dekade ein Künstler geworden, dessen aktuelle Platten man sich kaum noch wirklich anhören kann, zu irrlichternd und oft zu aufgesetzt wirkt die Musik, abgesehen von wenigen Highlights, und es ist zumindest für mich immer schwer vereinbar mit der Energie und Subversion, die ich mit The Police in der ursprünglichen Version verbinde, als die Band New Wave, Punk, Jazz und Dub nahtlos zusammenbrachte und über alle Genres hinweg einen ganz eigenen, bis heute unkopierbaren Sound etablierte.

Gordon Sumner – inzwischen runde 60 Jahre alt – feiert sich natürlich auch selbst hier, das ist der Anlass, mit Boxset-Veröffentlichung, App und anderem gewinnversprechenden Gedöns, sicher gefolgt von einem neuen Album und einer neuen Tour, und das ist auch absolut okay. Und ich muss zugeben, ein wenig zeigt gerade die iPad-App auch kondensiert den musikalischen Weg des Briten, der sich vor allen in den letzten Jahren zunehmend aus dem Pop-Schlamassel und dem Niedergang der Musikbranche geflüchtet hat und mit Klassik-Projekten auftrat, oder mit Autobiographie und einem Lyrics-Band am eigenen Vermächtnis zimmerte, was in dem Alter und nach der Karriere wahrscheinlich verständlich ist, dieses Bauen am eigenen Monument. In den Interviews der App tritt der «Jetzt»-Sting ruhig und gereift auf, selbstironisch und humorvoll, immer noch gutaussehend, aber nicht mehr dieser stets einen hauch zu glatte Mix aus Straßenjunge und Aristokrat, der einem im «Damals»-Sting entgegenkommt, etwa bei den Interviews zu Beginn der Solokarriere.

Und es wird klar, wie bedeutsam «The Dream of the Blue Turtles» musikalisch und biographisch war, ein smartes, selbst für einen Riesenstar wie Sting es damals noch war mutiges Album, das aus heutiger Sicht zwar kaum noch wirklich endlos starke Songs hat (absurderweise primär das Selbst-Cover «Shadows in the Rain», das am wenigsten totproduziert wirkt) und mit «Russians» bereits einen Vorgeschmack gab auf das leicht süßliche Zeug, das Sumner später produzierte («Fields of Gold», «Shape of your heart», usw). Dennoch ist in der Retrospektive die Energie und die Freude, die die Befreiung aus der Triostruktur bedeutet, absolut greifbar und macht dieses Album absurderweise ungeachtet der wirklichen kompositorischen Arbeit zu dem vielleicht spannendsten Sting-Album und «Bring on the Night» zu dem besten Live-Album, einfach, weil die Qualität der Musiker so unfassbar ist und sie nicht nur Miet-Mucker für den großen weißen Helden sind, sondern sich entfalten können. Ich habe Sting auf der letzten Police-Tour und auf der Dream-Tour gesehen und es war live greifbar, wieviel intensiver die erste Solo-Tour für Sting war, selbst wenn er als Vollprofi natürlich in Dortmund die gleichen Publikums-Gags macht wie in Milan oder in London oder sonstwo. Die Spontaneität kam nicht von dem Frontmann, sondern aus den Musikern um ihn herum, Kenny Kirkland, Omar Hakim, die den schwächelnden Balladen Herz und Energie einhauchten.

Es gibt nur noch ein Album, dass diese Energie erreicht, aber introspektiver, leiser ist und das die vielleicht besten Kompositionen von Sumner leistet – »Soul Cages», für Stings Verhältnisse vielleicht am ehesten so etwas wie ein Konzeptalbum, nicht nur eine Ansammlung verschiedener Songs. Die Zusammenarbeit mit Miller und Katché und das vielleicht beste Songwriting seiner Karriere setzen sich selbst gegen die etwas zu glatte Produktion des Albums durch und beweisen, das Sting auch «ruhig» sein kann, ohne zu glatt und kalkuliert zu wirken. Folgealben wie «Twelve Summoners Tales» oder «Mercury Falling» wirken dagegen unfokussiert, und obwohl gerade «Summoners» teilweise wunderbare Rhythmusarbeit und Genrefusionen bietet und unter den kommerzielleren Alben das souveränste ist, hat Sting nie wieder die Authentizität als Songwriter erreicht, die «Soul Cages» verspricht, ist zurückgefallen auf die formellen Spielereien, die schon õthing like the sun» so auszeichneten. Er ist, unterm Strich – obwohl handwerklich sicher ein Könner -, einfach nicht sonderlich ehrlich oder glaubhaft. Es ist fast seltsam, dass ein Sänger mit dieser Stimme nicht mehr Seele in seine Produktionen zu legen vermag, nackter, ehrlicher sein kann. Da wirken neue Experimente wie «Symphonicities», «Winter Tales» und «Songs from the Labyrinth» fast wie der Versuch, durch Genreflucht oder den Bombast eines großen Orchesters von dieser Vakanz in der tatsächlichen Musik abzulenken. Was schade ist, denn die Suche nach Inhalt wie auch die schiere handwerkliche Freude am Komponieren und Singen, an der Live-Performance und der Zusammenarbeit mit anderen Musikern, ist Sting in der Rückschau anzumerken. Vor allen in den vielen dokumentarischen Videos, die deutlich mehr Spaß machen als die Promo-Photos. Weil sie etwa körpersprachlich offenlegen, wie unwohl Sting sich mit den Black Eyed Peas fühlt und wie wenig er – seinen Worten zum Trotz – den jungen Rappern abgewinnen kann. Oder wie wenig die umgekehrt mit seiner britischen Arroganz anfangen können. Und weil die Clips aber auch sichtbar machen, wie sehr Sting im gemeinsamen Spiel mit seiner eigenen musikalischen «Familie» verloren gehen kann, so dass ihn nicht einmal ein umfallender Kontrabass oder eine durch das Schloss, in dem die Proben zu Blue Turtles liefen, schlurfende Rentnergang aus dem Konzept bringen können.

Und so wird diese multimediale Show – obwohl sie dies sicher nicht will – nicht so sehr zum Abbild einer erfolgreichen Musikerlaufbahn, sondern auch zur Kurvendiskussion eines Lebens als Profimusiker, der mit Police klein anfing, sich kühl kalkulierend auf dem Höhepunkt des globalen Ruhms zur eigenen Marke ausbaut und auf Solopfade begibt, eine Weltkarriere hinlegt und irgendwann den Punkt hat, wo es ihn spürbar langweilt, als Produkt in der Post-MTV-Welt zu funktionieren und alljährlich eine mehr oder minder ähnliche Jukebox-Platte zu produzieren, um sein mit ihm alterndes Publikum zu bespielen und noch eine Welttournee zu rechtfertigen… der aber eben auch lange genug im Geschäft ist um zu wissen, dass die Branche brutal ist und es am Ende auch um Geld, Charts, volle oder eben leere Säle geht. Sting braucht sich nur zu Andy Summers und Steward Copeland umzusehen, um zu wissen, wie flüchtig Ruhm sein kann.

Letzten Endes darf man eben nie vergessen, das es bei Musikern nie allein um «heute» geht. Dass die Simple Minds heute nahezu unerträglich sind, macht «Cacophony», «Empires» und «Sons» nicht minder zu exzellenten Alben, dass Cure eine Art Selbstparodie geworden sind mit den Jahren, macht das Duo «Faith/Pornography» nicht weniger phantastisch und Robert Smith nicht minder zu einem wichtigen Musiker. Und erst vor kurzen habe ich angesichts der frisch veröffentlichten U2-Deluxe-Alben entdeckt, wie gut sich gerade die unfassbaren naiven, unfertigen Steve-Lillywhite-Stücke anhören, obwohl oder gerade weil sie so unfassbar mies produziert sind, wie phantastisch dieses Unfertige, Rohe bei Edges Gitarrenspiel ist. Bei Sting ist es ähnlich: Man möchte bei jedem neuen Album ein wenig fremdschämen (ist aber dennoch neugierig genug, um es sich zumindest anzuhören, guilty pleasure halt), aber man darf nicht vergessen – und diese Quarter-of-a-Century-Rückschau ruft das ins Gedächtnis -, dass der Mann hier und da und vor allem nun mal leider früher stellare, wichtige Songs geschrieben hat. Lieder, die große Klasse und große Klassiker sind, und wie schwer muss es sein, damit zu leben, dass man vor vielleicht 30 oder 20 Jahren den kreativen Apex hatte und seitdem öffentlich aber eben auch in den stillen Stunden damit leben muss, nurmehr das eigene Erbe zu verwalten. Dieses Spiel mitzuspielen, sich dabei nicht völlig zu verlieren, den Kopf über Wasser zu halten und vielleicht nicht mehr wirklich gut, aber eben auch nicht völlig mies zu werden oder ganz das Handtuch zu werfen, ist vielleicht allein schon eine bemerkenswerte Leistung angesichts der Haifisch-Branche, in der Sting arbeitet. Insofern Glückwunsch zum Geburtstag zum Jubiläum … und ich warte weiter auf ein großes Alterswerk, das nicht mehr in stilistische Spielereien und Grenemasups flieht, sondern tief und ehrlich ist und mich aufrichtig zum Weinen bringt. Auf die nächsten 25 Jahre, Mr. Sumner. Und darauf, dass die Queen endlich den «Sir»-Title rausrückt, verdammt.

19:40 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Dimensions of Stadt

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Wer in der Vorweihnachtszeit sonst nichts vorhat und wer sich für die Schnittstelle von Design und Architektur interessiert, den kann es am 15.12. vielleicht nach Dessau ziehen, wo in der Bauhausaule der Fachbereich Design der Hochschule Anhalt die Konferenz «Dimensions of Stadt – Designer erobern den urbanen Raum» startet. Moderiert von Sandra Giegler geht es vor allem um die Verzahnung von verschiedenen Kreativdisziplinen – Design, Architektur,Stadt- und Landschaftsplanung und Stadtplanern, Kulturwissenschaft usw. – zu einem Gesamtkontext, der eben auch beruflich für den Designnachwuchs hochspannend sein kann, der mit seinem prozess- und lösungsorientieren Denken ideal für die Arbeit an urbanen Eingriffen und Planungsaufgaben qualifiziert ist. Davon ausgehend, wie sehr Designer inzwischen in Kultur und auch Innenarchitektur mitmischen, ist es tatsächlich nur logisch, unsere Art, gestalterisch und kommunikationspsychologisch zu Denken auch in den größeren stadtplanerischen Kontext einzuweben – außerdem ist wahrscheinlich alles gut, was die Flut von Designer, die nach wie vor auf den Arbeitsmarkt drängt, auch in neue Felder und Bereiche zu kanalisieren ;-).

Sprecher sind u.a. Jakob Wolf, Anja Wolf, Steffen Schuhmann, Susann Baldermann, Jan Weber-Ebnet, Cordelia Polinna, Detlef Weitz und Julian Petrin.

Um 9.30 geht es am 15.12. in Dessau los, weitere Infos gibt es hier.

18:31 Uhr. Kategorie Design. Tag , , . Keine Antwort.

11-11-21

http://t.co/phSBL1eq Architecture of Fear – a conversation with Trevor Paglen

Code Cards http://t.co/UkvbauOB#

Villa Ypenburg III: A Modern Waterfront Home by BBVH Architects http://t.co/kEcEbnYV

21. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Mobile Mouse – iPhone zum Diktat

hd schellnack

Dieser Tip ist zu gut, um ihn nicht doch noch einmal zu teilen. Man kann vom iPhone 4S aus problemlos und in Echtzeit auf jeden beliebigen Mac diktieren. Der Trick ist denkbar einfach: Man installiert auf dem iPhone die «Fernbedienung» Mobile Mouse, die viele von euch wahrscheinlich schon haben, um vom iPhone aus einen Laptop bedienen zu können. MobileMouse bietet eine Art Touchpad, dessen Bewegungen durch eine kleine Software namens Mobile Mouse Server, die installiert sein muss und die es gratis im AppStore gibt, an das iPhone übertragen werden. Mobile Mouse kann jedoch nicht nur Mausbewegungen leisten, sondern auch diverse Steuerungsfunktionen übernehmen, etwa Apps starten oder als iTunes-Fernbedienung dienen… oder eben als vollwertige «Ferntatstatur» dienen. Zunächst auf den ersten Blick unspannend, aber wenn man das Mikrophon von Siri aktiviert und in das iPhone spricht, erscheint wie von Zauberhand der gesprochene Text geschrieben am Cursor im Text auf dem Desktop-Mac, im Grunde völlig verzögerungsfrei. Damit wird das iPhone zum Mikrophon für den Mac. Zumindest bis Dragon Express auch auf Deutsch erscheint, ist das eine ideale Zwischenlösung für DIY-Spracherkennung ohne Extrakosten.

(via TUAW)

20. November 2011 23:20 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

11-11-20

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Chuck Palahniuk: Damned

hd schellnack

Chuck Palahniuks zwölfter Roman, «Damned», dient laut einem Interview der Verarbeitung des Todes seiner Mutter. Nicht, dass man davon etwas merken würde. Ganz im Gegenteil: der im Stil an Fynns Hallo-Gott-hier-spricht-Anna und Judy Blumes «Are you there God, It’s me, Margaret» erinnernde Text wirkt ebenso zynisch und sperrig wie alle anderen Werke von Palahniuk auch. Wer hier Trauerarbeit sucht, wird nicht fündig.

Highway to Hell
Die 13-jährige Madison, Tochter eines Jet-Set-Ehepaar, das ein wenig an Pitt/Jolie erinnert, gerät in die Hölle, weil sie angeblich an einem Joint gestorben ist (wir finden erst später heraus, woran sie wirklich starb). Die Hölle ist ein Ort, der uns zu uns selbst zurückführt, scheint es, denn hauptsächlich erinnert und Palahniuk hier daran, wie ekelig der menschliche Körper ist – mit Spermaseen, und Fußnägelfeldern. Aufgrund der im Verlauf der Geschichte zunehmend abstrusen Gründe, in die Hölle verbannt zu werden, ist die Hölle gut gefüllt, vor allem auch mit mit zahlreichen Prominenten der Weltgeschichte. Während der Autor im Rückblick mit gewohnt schwarzem Humor entfaltet, wie tragisch das Leben als Kind reicher Eltern offenbar ist, erleben wir zugleich die Abenteuer von Madison in der Hölle, wo sie unter anderem als Callcenter-Mitarbeiterin arbeitet, oder mit einer offensichtlich direkt aus dem «Breakfast Club» entsprungenen Runde von Mitstreitern die Hölle erkundet.

Ding Dong The Witch is Dead
Wie schon in seinem letzten Roman schreibt Palahniuk hier vergleichsweise halbherzig und verlässt sich zu sehr auf die üblichen Gimmicks und Tricks die er in den letzten Jahren als Autor entwickelt hat. Die Phrasierungen und die rhythmische Wiederholung bestimmter Formulierungen, die Schockeffekte, Mindfucks und Wendungen, die in Rückblenden und Zeitsprüngen enthüllte eigentliche Wahrheit hinter dem, was seine Figuren vermuten oder berichten, das gekonnte Spiel mit postmodern-medialen Versatzstücken, die er dem Leser augenzwinkernd hinwirft… wo Palahniuk sich früher als Autor mit jedem neuen Buch neu zu erfinden schien, greift er mit den letzten zwei oder drei Büchern auf eher vertraute Muster zurück.
Auf diese Art wirkt «Damned» passagenweise ein wenig wie auf Autopilot geschrieben. Vielleicht ist aber auch eine verwöhnte Einstellung, von einem Autor immer wieder zu erwarten, dass er seinen Stil mit jedem Buch völlig neu erfindet. Nur weil Palahniuk genau dies bisher über Jahre hinweg sehr erfolgreich gelungen ist, gibt es keinen Grund für ihn, einem einmal gefundenem «Sound» eine Weile lang treu zu bleiben – andere Autoren schließlich ändern ihr Schreibpattern nie. Palahniuk ist – ähnlich wie ganz wenige andere Künstler, Musiker oder Regisseure – ein Autor, bei dem man sich daran gewöhnt hat, dass er sich mit jedem Buch verändert, weiterentwickelt, revolutioniert. Vielleicht ist diese Erwartungshaltung aber zu begraben. Denn es ist ja durchaus gut, wenn ein Künstler nach langer Suche zu «seinem» Stil findet. Das Problem ist nur: Sobald die stilistischen Gimmicks in den Hintergrund treten, wird der Inhalt, die eigentliche Geschichte wieder wichtiger. Und die schwächelt leider bei dem an sich sehr gut lesbaren, amüsant im Stil eines Jugendroman geschriebenen Buchs, ein wenig. Was aber wenig heißt – ein wie nebenbei geschriebener Palahniuk ist immer noch stärker als andere Autoren in ihren besten Werken.

Pretty in Pink
Insbesondere, da Palahniuk keinerlei Angst vor dem Absurden hat und sich umso wohler zu fühlen scheint, je bizarrer die Situationen im Buchverlauf werden. So lässt er Madison kurzerhand den offenbar in der Hölle gelandeten Hitler K.O. schlagen und den vielleicht berühmtesten Oberlippenbart der Welt als Mini-Skalp ergattern, bevor sie auch noch der französischen Königin Caterina de Medici, Vlad den Pfähler, Caliguladen, Blaubart und anderen historischen Übeltätern den Garaus macht. So entpuppt sich «Damned» als post-mortales coming-of-age-Cabaret, in dem die kleine dicke Maddy Spencer wie in einem Videogame Gegner nach Gegner demütigt, Totems sammelt, eine Armee von Hölleninsassen gewinnt und sich zum zwar immer noch nicht schönen aber glitzernd-gefährlichen Schwan mausert. Es ist ein schwarz schillerndes Gegenstück zum normalen Jugendbuch, wo die jungen Helden ja auch immer wieder kleine Aufgaben und Hürden zu meistern haben, um ihre Ziele zu erreichen und eine Crew um sich sammeln – nur hier ist es halt Mord und Totschlag und die Crew besteht aus toten Soldaten und Söldnern Wie ein frischgeborener Dämon vernichtet Madison die alte Garde und schmückt sich ritualistisch mit den Ikonen des alten, rein irdischen Bösen – metatextuell begleitet von ihrer Erkenntnis, dass sie keine Figur in einem Roman ist, keiner festgelegten Narration folgen muss, sondern aus den Ketten ihrer Charakterisierung springen und sich neu erfinden kann in der Hölle… und dabei stets begleitet von den Einflüsterungen des blauhaarige Punks Archer. Und so mutiert Maddy zu einer politischen Kraft in der Hölle, zu einem menschlichen Teufel, der die Horden von Dschingis Khan und Hitler ebenso kommandiert wie die Kranken, die sie nebenbei als Hotline-Telefonistin from Hell davon überzeugt, dass es in der Hölle doch viel spannender sei als im Himmel und dass sie Maddy besuchen sollten, wenn ihre versagenden Nieren oder Hirntumore sie dahinraffen. Und dabei bitte die Süßigkeiten nicht vergessen, die in der Hölle als Währung funktionieren.
Natürlich gibt es am Ende – in bester Palahniuk-Tradition – neben der Enthüllung das wichtige Annahmen des Buches eine Lüge waren, auch einen Wendemoment, der die gesamte Geschichte kippen lässt. Diesmal erinnert die Sache besonders stark an Palahniuks Debüt «Fight Club», und der Autor zieht der im Buch immer wieder von der Hauptfigur beteuerten Unabhängigkeit komplett den Boden unter den Füßen weg, gibt ihr aber auch zugleich eine neue Aufgabe. «Dammed» endet, fast vorhersehbar, damit, dass Madison in den Kampf gegen Satan persönlich zieht und mit den Worten «to be continued».

A Man of Wealth and Taste
Das dünne Buch kommt, wie schon «Tell-All» davor, fast skizzenhaft schnell daher, liest sich einerseits süffig weg, wirkt andererseits frei improvisiert, mit Entwicklungen, die im Nichts enden und Wendungen die genau da her zu kommen scheinen, während Palahniuk seine Melodien und Motive aus der Tastatur herausarbeitet. Eine Tour de Force galligsten Galgenhumors, lässt «Damned» eigentlich kein Thema ungeschoren davonkommen. Religion, die absurde pseudo-grüne Konsum-Weltverbesserei von Maddy Hollywood-Eltern, der Gesundheitsfimmel, Politik – jeder kriegt hier sein Fett weg. Eine zentrale Botschaft aber ist, die Madison mehrfach wiederholt, dass all unsere Bemühungen, zu leben und am Leben zu klammern, vergebens sind, wir enden ohnehin in der Hölle. Egal wie gesund wir uns ernähren, egal wie viel wir joggen und radfahren, egal, wie oft wir uns nach verdächtigen Knötchen abtasten – am Ende kriegt der Tod uns ja doch alle. Und so steckt «Damned» voller wunderbarer Zeilen, Absätze, Gags und spitzzüngiger Abrechnungen und ist ein Paradebeispiel von Palahniuks Technik der Eskalation ins Absurde durch Wiederholung, aber es wird auch sehr deutlich, dass der Autor sich wegentwickelt von herkömmlichen Handlungsstrukturen und «Geschichten» oder gar «Charakteren» (die bei ihm kaum noch mehr als eine Skizze sind) und sich mehr und mehr auf möglichst bizarre Ideen verlässt, über die er frei improvisieren kann. Es gibt keinen zweiten Autor wie Palahniuk, insofern müssen uns die in vieler schmalen Büchlein, die er derzeit herausbringt, reichen, aber ein klein wenig darf man sehnsüchtig nach älteren Werken schauen, die ebenfalls bizarre und wilde Achterbahnfahrten waren, die aber dadurch intensiver wirkten, dass wir noch tatsächlich mit seinen Figuren mitfühlen konnten, weil sie mehr als reine Chiffren waren, die durch eine eher stenographische Handlung stolpern. Es ist vielleicht ein Kompliment, vielleicht auch ein Fluch, wenn man einen genialischen Künstler immer wieder an früheren Werken misst, aber mal ehrlich: Wer denkt nicht bei jedem neuen Radiohead-Album zuerst an «OK Computer» oder «Kid A» im Vergleich, wer wünscht sich nicht, dass das aktuelle Björk-Album doch vielleicht einen Hauch mehr nach «Homogenic» klingt? Was nicht heißt, dass «Damned» nicht komisch, ekelig, fesselnd, ultrasatirisch und durchaus sehr, sehr gut ist – und vielleicht Palahniuks, wenn auch auf verstörende Art, optimistischstes Buch – bleibt also zu hoffen, wenn es auch unwahrscheinlich scheint, dass es wirklich eine Fortsetzung gibt.

10:55 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

11-11-19

19. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Oben Unten

18:58 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Montserrat

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«The Montserrat Typeface» ist ein Kickstarter-Projekt von Julieta Ulanovsky, die mit einem Set von bis zu 9 Schriften die Alltagstypographie ihres Stadtteils Monserrat in Buenos Aires retten will, mit allen formalen Fehlern und trotzdem digital – und vor allem als Open Source Font. Was man bisher sehen kann, ist sehr vielversprechend und mehr als sympathisch ist die Idee ohnehin – kein Wunder also, dass Julieta längst deutlich über dem zu erzielenden Mindestbudget von 5000 $ ist. Was ja nicht heißt, dass ihr trotzdem nicht ein paar Euro beisteuern könnt ;-).

18. November 2011 22:02 Uhr. Kategorie Design. Tag , , . Keine Antwort.

11-11-18

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

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17. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Licht = gut

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Absolut richtiges Statement von Axel Meise, Geschäftsführer von Occhio in der neuen Ausgabe des CI-Magazins.

18:13 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Andreas Fuhrimann

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Apropos Tycho; Aus Hansens ISO50-Blog kommt dieser Link zu einer atemberaubenden Sammlung von Photos alten 60er- und 70er-Jahre-Produktdesigns von Andreas Fuhrimann, einem hervorragendem Schweizer Architekten. Nicht neu, aber immer noch atemberaubend… Es ist nach wie vor spannend, wie sehr der ja doch sehr verlogene Werkstoff Plastik in seinen Jugendtagen mutiger und schöner war als heute, wo er fast die Welt an sich gerissen hat. In den frühen Plastik-Designs steckt der Geschmack von Aufbruch, von Auflehnung gegen eine Welt aus Holz, Glas, Leder und Metall (nach der wir uns heute zu Recht zurücksehnen) und ein Optimismus und Farbenfreude, die an die frühe Moog-Zeit erinnert und insofern bei aller Eleganz und allem Pop immer auch eine Spur Punkigkeit aufweist, ein Verbrennen alter Brücken und ein Aufbruchsgeist. Daraus kann unendlicher Kitsch werden, oder – in den richtigen Händen – Klassiker, die sich über ihren billigen Werkstoff erheben und auch in Jahrzehnten, jenseits aller Moden und Retrowellen, gut aussehen werden.

11:36 Uhr. Kategorie Design. Tag , , , . Keine Antwort.

Tycho: Dive

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Mit Five legt Scott Hansen alias ISO50 alias Tycho sein neues Album vor – ein atemberaubender, federleichter Longplayer, dessen vorab veröffentlichet Track «Adrift» ein Song für die Ewigkeit ist, mit seinen leiernden, schwingenden Melodien und der seltsamen Ambience, die den Song durchzieht wie arktischer Wind. Der aus San Francisco kommende, aber seltsam wortlos klingende Hansen mixt schwebende Flächen, hypnotische Beats, Gitarrenfragmente und Samples zu einem Sound, den man nicht wirklich post-dubstep nennen darf, der aber sicher einen ähnlichen Geschmack bedient. Nur ist seine Musik weniger fragil und dekonstruiert, weniger «nichts», dafür voller und reicher, aufgeladen mit winzigen, wie atomisierte Kristalle durch die Luft schwebenden Klangfetzen, die eine fast schon esoterische Soundcanvas erwecken. So farbenfroh und zugleich leicht wie Hansens graphische Arbeiten ist auch seine Musik. Wie bei Kim Hiorthøy (wenn auch viel glatter) gibt es eine nahtlose Verbindung zwischen Musik und Design, was die Kritik nahelegt, dass es eben auch Design-Musik ist, die beliebig und «schick» am Rechner zusammengebastelt wird, mit kulturellen Samples angereichert. Was aber in beiden Fällen unsinnig ist – Hansen setzt einfach seine Ideen mit dem gleichen digitalen Werkzeugen (die ja ohnehin immer ähnlicher werden) um, so wie ein Maler ja durchaus auch ein guter Photograph oder Schriftsteller sein kann, ein Regisseur vielleicht ein guter Musiker und so weiter. Wo beim Skandinavier Hiorthøy alles etwas wirsch-verspielt und zugleich verstörend wirkt, simpel und hyperkomplex in einem, liefert Tycho einen wunderbaren, aber nie einfachen und glatten Kopfhörer-Sound, der an Tage und Nächte an der Küste erinnert, durch den immer die Wellen rauschen und in dem der Verkehr gefroren in Zeitlupe endlos über die Highways loopt.

11:14 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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16. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Bear + Potato = Beartato

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Keine Frage, was so wie oben 2005 anfängt und so wie unten 2011 endet, muss eine gute Reise sein: Das Nedroid Bilder-Tagebuch von Anthony Clarke ist, wie so viele Webcomic-Projekte, mehr als einen Besuch wert und gehört fest in den RSS-Feed.

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15:49 Uhr. Kategorie Online. Tag , , . Keine Antwort.

Motivationsmusik

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Läuft ab jetzt nonstop im Büro, wenn jemand gute Arbeit gemacht hat (also natürlich immer): Markus Reyhanis «Das hast du gut gemacht» aus Rubys Wintergarten. Gibt’s hier.

15:35 Uhr. Kategorie Musik, Stuff. Tag . 3 Antworten.

Altes Paar

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Im Wald vor mir geht dieses alte Paar. In diesen seltsamen, eigentlich wunderbaren, monochromen und formlosen Kleidern, die alte Leute noch tragen, zweckmäßig, gemütlich, geerdet. Sie schwanken und wackeln etwas beim Gehen, hin und her, immer zu einander, weil sie im gleichen Takt gehen, seine Schulter berührt kurz ihre dabei, wie ein Spieluhrenpaar, hin und her, in einem schon fast hypnotisch langsamen Rhythmus, der traurig ist und süß und rührend. Von hinten ist schwer zu raten, wie alt sie sind, vielleicht 70, vielleicht 90. Und sie halten Händchen, schunkeln hin und her, und halten Händchen und sind bald um die Ecke verschwunden. Genau so muss man alt werden, denke ich. Hin und her, aufeinander zu schwankend. Und Händchen haltend.

12:52 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Eine Antwort.

Dayshot

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15. November 2011 21:24 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Eine Antwort.

11-11-15

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Mehr als 1000

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Die stets kluge Bildredaktion des Spiegel beweist erneut, dass Photos oft mehr sagen – oder andere Dinge sagen – als Worte und lässt zwei Bilder quasi gegen ein recht unverfängliches Interview mit Linke-Chef Gregor Gysi laufen, die allein durch ihre Körpersprache mehr sagen als der gesamte Text drumherum, über Beziehungen, über Führungskämpfe, über Kommunikationsprobleme. Keine Frage – solche Photos können täuschen und sollen natürlich auch einen bestimmten Zustand suggerieren und gefrorene Momente geben nie wirklich kommunikative Zustände wieder – aber im Hinblick auf Text-Bild-Schere hat der Spiegel hier großartig mit den Bildern aus dem WAZ Pool und von Michael Gottschalk operiert.

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11:47 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , , . Keine Antwort.

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14. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

My dingbats is bigger than your dingbats

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Johannes Erler, frisch gekürt zum Art Director des Sterns (und damit aus meiner Sicht vielleicht die letzte Hoffnung eines etwas darbenden Blattes), zeigt sich großzügig und schenkt der globalen Designergemeinschaft ein flottes Remake der Zapf Dingbats, die er etwas selbstironisch Erler Dingbats nennt. Aufgeräumt und klar, deutlich angelehnt an die FF Dingbats, die auch aus dem Hause Factor Design stammte (als Erler noch dort war), und sicher auch ein kleines bisschen als Freemium-Maßnahme gedacht, um den Leuten Geschmack auf die (ja nun mal wirklich exzellente) FF-Dingbats 2.0 zu machen, ist der Font ein 1:1 Make-Over des Klassikers der Zapf Dingbats aus den Siebzigern mit einer Ästhetik, die – da an die FFDingbats angelehnt – zumindest in mir wiederum eine schöne cleane Spät80er/Früh90er-Assoziation erweckt. Wer die FF Dingbats schon hat, wird die Erler nicht unbedingt brauchen, aber die Idee, diesen etwas in die Jahre gekommenen Zeichensatz komplett zu ersetzen (zumal die Erler als Freefont ja eventuell auch webtauglich ist), ist mehr als sympathisch und zugleich eine sehr charmante und bescheidene Verbeugung vor einem der ganz großen Schriftenmacher, was man in der Musik wohl «A Tribute to…» nennen würde. Was die Frage aufwirft, wie wohl die ZapfDingbats aus den Händen anderer Schriftdesigner interpretiert aussähe? Vor allem ist es auch schön, nicht immer nur Revivals von Helvetica oder Futura zu sehen, sondern hier einmal einen ganz anderen Schriftklassiker neu aufgelegt und poliert zu bekommen.

Auch wenn ich zugeben muss: Der Charme der Zapf Dingbats ist ja nicht, dass man ein Herz oder einen Pfeil zur Hand hat (die baut man sich zur Not rasch selbst), sondern eben der bauchige, weiche Look von Hermann Zapfs Klassiker, der im entsprechenden Umfeld sofort «Vernacular» oder «Retro» wirkt und den man ja ohnehin meist nur ironisch gebrochen einsetzt, weil die Schrift aus heutiger Sicht einen vielleicht zu weichen und blumigen Duktus hat. Dieser Effekt geht natürlich mit der Erneuerung verloren, so wie der New Beetle eben auch kein Käfer ist (aber eben auch schneller fährt). Die sachliche Handschrift des Remakes überzeugt aber absolut und wer weiß, wieviel Arbeit in so einem Dingbats-Fontsatz steckt, wird zu schätzen wissen, dass Johannes Erler und Fontshop die Sache gratis verteilen. Dank an Johannes und Hennig Skibbe!

19:16 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Scan auf iPad und iPhone

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Für den Fujitsu Snapscan S1100 gibt es ein interessantes Update, das ein direktes Senden von Scans, die mit dem Gerät gemacht werden, auf die ScanSnap-App erlaubt. Ehrlich gesagt würde ich so etwas heute über Fotostream lösen, aber die Entwicklung zeigt, das Fujitsu es mit der Weiterentwicklung der ScanSnap-Umgebung bisher relativ ernst meint. Mehr gibt es hier und hier. Dank an Heidi Schall für den Tipp.

12:58 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Blickfang

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Etwas spät komme ich endlich einmal dazu, die Bücher, die sich seit Jahresmitte hier stapeln, durchzugehen.

Für uns Kreativ- und Artdirektoren, auch wenn es bei Photographie einen ungebrochenen Trend zur Inhouse-Produktion gibt, sind gute Illustratoren und Photographen das Salz in der Suppe. Selbst wenn man akut keinen Etat hat, für den man einen Photographen braucht, ist man doch ständig auf der Suche nach visuellen Trends und Trendsettern, mit denen man für den «richtigen Job» zusammenarbeiten könnte. Bei einem kleinen Büro wie nodesign, wo es keinen dedizierten Art Buyer gibt, gehört ein offenes Auge beim Magazin-Lesen, Portfolio-Surfen, Messen wie Bild.Sprachen und so weiter oft zum Alltag. Einen schönen Überblick bietet Blickfang – Deutschlands beste Photographen, quasi das Gegenstück zu den gewohnten Agentur-Annuals, und wie immer ist man etwas neidisch, wie einfach Photographen es haben, ihre Arbeit zu kommunizieren. Da ist ein Bild – und das Bild funktioniert, ob allein oder im Kontrastumfeld einer Serie, basta. Kein Konzept, keine auf einem Photo schwer kommunizierbare typographische Detailarbeit, keine Auftraggeberwünsche, die hier oder dort ein Logo oder einen Störer bedingen – einfach nur ein starkes Bild. Blickfang bietet 726 Seiten davon, komplett mit Interviews und Texten aus der Branche – von der anderen Seite des Marktes also auch ein schöner Blick in die Realität von Photographen. Auch wenn ich mehr und mehr dazu neige, solche Kompendien nicht mehr wirklich im Regal stehen zu haben – wo ich sie meist nicht mehr wiederfinde, sondern digital haben zu wollen, ist dieses edel aufgemachte Buch für 50 Euro allemal einen Kauf wert. Bestellen kann man es hier.

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11:21 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag . Keine Antwort.

Contagion

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Es ist Soderberghs Filmen anzusehen, dass er sich schnell zu langweilen scheint, anders ist die Bandbreite zwischen Ocean’s 11 und Solaris oder Full Frontal und The Informant kaum zu erklären – und auch Contagion fühlt sich nicht erkennbar nach einem typischen Soderbergh an, der Film entwickelt seine Handschrift aus der Sache, nicht aus stilistischen Vorlieben des Regisseurs. Die «Sache», das ist in diesem Fall ein Katastrophenfilm, wie man sie vor allem aus den Siebziger Jahren kennt, die ohne digitale Trickeffekte auskommen mussten und sich insofern primär auf die Charaktere und logischen Spannungsaufbau verlassen mussten, insofern aus heutiger Sicht mitunter auch eine gewisse Langsamkeit aufweisen. In dieser Hinsicht ist Contagion eine Art Anti-Emmerich-Film, der sich der Katastrophe als CGI-befeuertes Achterbahnspektakel komplett verweigert. Während in Filmen wie 2012 größtmögliche Vernichtungsszenarien benötigt werden und en passant ganze Kontinente untergehen müssen, um vergleichsweise banale Charakterwandlungen zu rechtfertigen, es also im pornographischen Sinne um die Action, nicht um die Rumpf-Handlung dazwischen geht, erzählt Soderbergh seine Geschichte ausgehend von dem denkbar banalsten, unscheinbarsten Auslöser.

Keine Alien-Invason, keine Flutwellen, Asteroiden oder neuen Eiszeiten sind nötig, um die gesellschaftliche Ordnung vorübergehend auszuhebeln, es reicht eine erst als Nachgedanke am Filmende enthüllte triviale Handlungsverkettung, um ein globales Bedrohungszenario zu erzeugen. Eine Fledermaus, ein Schwein, die Tierverwertungsindustrie (deren Brutalität Soderbergh fast beiläufig kommentiert), ein winziges bisschen Mangel an Hygiene plus globaler Kapitalismus plus internationaler Massenverkehr = Desaster. Es ist ja fast ein chaostheoretisches Klischee, dass hier der falsche Flügelschlag nicht eines Schmetterlings, sondern einer Fledermaus in Asien für einen (sozialen) Sturm in den USA sorgen kann – aber Soderbergh seziert diesen Prozess so sorgfältig und detailliert, mit so viel Zeit für unwichtige Details und Nebenfiguren, dass man sich an die besten, eher älteren Werke von Michael Crichton zurückdenken muss, an Filme wie Westworld oder an Bücher wie Andromeda Strain und Terminal Man.

Die Verwebung von Wissenschaft, Gesellschaft und Drama bringt Soderbergh auf ein Niveau, das ohne alle Mätzchen auskommt, selbst ohne die, für die man den Regisseur sonst kennt – Contagion ist ein denkbar unaufdringlicher, unprätentiöser Film, dessen Effekte nie Selbstzweck sind, sondern immer der Erzählung selbst dienen, auch wenn der Look keineswegs so minimalistisch ist wie noch in The Informant. Das Überraschende dabei ist, dass aus diesem Mix ein unverschämt spannender Film entsteht, der auf fast altmodische Art und Weise Spannung erzeugt, hier und da sicher unplausibel, aber immer ausreichend glaubhaft ist, weil seine Figuren vielseitig und realistisch wirken. Das Interessante ist daran, dass ein Film, der sich auf Reduktion und Verzicht besinnt, mitreißender ausfällt als Trickeffektorigien mit meterhohen pixelpräzisen Wellen und dass ein gezielt auf «normal» getrimmtes, sehr verhalten spielendes Ensemble glaubhafter und nachvollziehbarer «heroisch» sein kann als die Hollywood-Allzweck-Helden, bei denen die Suspension of disbelief einfach zu viel und zu harte Arbeit ist. Was Soderbergh damit gelingt, ist der Nachweis, dass ein Film fast besser als Thriller gelingen kann, wenn er auf die Blockbuster-Rezeptur weitgehend verzichtet… selbst wenn Soderbergh sich und dem Publikum ein fast schmalziges Happyend gönnt und dabei sogar vor dem verschärften Einsatz von U2 nicht zurückschreckt.

Ganz nebenbei ist Contagion aber auch ein Dominospiel, das dramatisch die Verwebung globaler Prozesse ins Wackeln bringt und methodisch einen Stein nach dem anderen zum Umfallen bringt. In der Camouflage eines Action-Dramas kann der Regisseur nicht nur einen Kommentar über die Angstgesellschaft einbauen, die von einem Schock zum anderen wankt und deren Kreislauf Medien und Politik befeuern, sondern auch die Schattenseite einer globalisierten Wirtschaft aufzeigen. Es fällt nicht schwer, die Virusepidemie gegen wirtschaftliche Zusammenhänge auszutauschen und wahrzunehmen, dass in dem von Steven Soderbergh ins Licht gebrachte Netzwerk weltweiter Kontakte auch jeder einzelne von uns mitgefangen ist, das keine Aktion mehr ohne Reaktion bleiben kann, eine Wirtschaftskrise in Athen Politiker in Peking und Bänker in New York in Schwingungen versetzt. Die Botschaft, die Soderberg durch seine lasziven Kameraeinstellungen auf Tassen, Haltegriffe und andere virenübertragenden Oberflächen also eigentlich kommuniziert hat vielleicht einen tieferen Sinn: Keep you hands clean.

13. November 2011 18:26 Uhr. Kategorie Film. Tag , . Keine Antwort.

and there’s no need to be afraid…

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10. November 2011 15:25 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 3 Antworten.

Blue

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8. November 2011 13:44 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Apocalyptrees

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6. November 2011 00:21 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Grant Morrison: The early years

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Es ist vielleicht gar nicht unbedingt im besten Sinne die Krönung des Nerdtums, wenn man anfängt, tatsächlich Bücher über Comics zu lesen. Und zwar nicht Chip Kidds wunderbare Photobände, in denen er seine eigene Sammlerleidenschaft und damit eben das «Best of Geek Toys» ausstellt, die Shazam Püppchen und die Batmobiles… sondern ein ganz bilderloses und nicht schnell durchgeblättertes Buch, das beim Thema Comic paradoxerweise mehr Worte als Bilder auffährt, als würde es damit nicht sozusagen gegen die eigentliche Zielgruppe des Mediums anarbeiten. Timothy Callahans Buch über die frühen Werke von Grant Morrison – von Zenith bis hin zu seiner Revision der bizarren Heldentruppe Doom Patrol – bietet aber dennoch ebenso viel extrovertierte Geekness wie Kidds Paraphernalia-Orgien. Denn man kann Callahans Text-Exegesen eigentlich kaum verstehen, ohne die jeweiligen Comics oder Graphic Novels zuvor gelesen zu haben, andererseits langweilt aber gerade dann oft die langatmige pure Nacherzählungen der Handlung. Wo es knappe Annotations oder sportive Interpretationen täten, die man jeweils online zu vielen Morrison-Werken ja finden kann, wiederholt der Autor im Stile einer klassischen Deutscharbeit immer wieder auch die Geschehnisse, die er aber eigentlich als gegeben voraussetzen dürfte. Das füllt zwar Seiten, und dient sicher als Gedächtnisstütze, langweilt aber alsbald ungemein. Dessen ungeachtet arbeitet Callahan – wenn eben vielleicht einen Hauch zu unsportiv – wunderbar die verbindenden Motive und Strukturen, Ansätze und Antriebe des schottischen Ausnahmeautors Morrison heraus, der neben seiner Nemesis Alan Moore und vielleicht noch Neil Gaimans Frühwerk zu der kleinen Handvoll von Comic-Schreibern gehören dürfte, die einer literarischen Betrachtung überhaupt wert sind. Vor allem die Analyse von Morrisons ultra-metatextueller Durchbruch-Serie «Animal Man» aus den späten 80er Jahren faßt bis heute greifbare Tendenzen des Autors zusammen – und man hat trotz der ausgedehnten Ausgabe-für-Ausgabe-Durchleuchtung immer noch das Gefühl, Callahan würde der Sache nicht ganz auf den Grund gehen, Echos und Details übersehen, weil Morrisons Schreiben ein kultureller Zitatenstadl ist, ein Spiegelkabinett, in dem man immer etwas übersehen kann. Callahan ist sehr darauf bedacht, die literarische Ernsthaftigkeit des Comic-Autors zu beweisen (und damit en passant auch das eigene Buch zu rechtfertigen) und übersieht dabei etwas den unbändigen Spaß in Morrisons Texten, den quirligen Mix aus Hochkultur und Trasheinflüssen, der Morrison so auszeichnet. Callahan findet die New-Wave-Songzitate ebenso wie die Einflüsse von «albernen» Silver-Age-Comics und Ravepartys oder Acidtrips durchaus, seine Interpretation wirkt aber insgesamt einen Hauch zu ernsthaft für das Ausgangsmedium, reitet einen Tick zu sehr auf dem Offensichtlichen herum, will zu angestrengt beweisen, dass Comics eine Sache für »Grown-Ups« sind – während Morrison sich oft genug durch gekonnte Lücken, Bluffs und kindliche Sprünge genau diesem Zuviel an Ernsthaftkeit immer entzieht, immer eine Selbstironie und Distanz wahrt.

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Dada for the win: Doom Patrol

Es mag an der Phase liegen, über die Timothy Callahan hier schreibt – die frühen Vertigo-Arbeiten Morrisons, in denen der Schotte sich selbst noch im Markt der 80er und 90er Jahre beweisen musste, um überhaupt Jobs zu bekommen, und sich erst langsam freischwimmen konnte. So wirkt der Anfang von «Animal Man» und (aus meiner Sicht) die gesamte «Doom Patrol» seltsam bedeutungsschwanger und aufgesetzt, ein wildes Gebräu aus Einflüssen aller Art und einer «look how smart I am»-Haltung, während die späteren Ansätze in Animal Man eigentlich einen schon viel reiferen Morrison zeigen, der seinem inneren roten Faden – was ist «real» in Fiktion – mit einer Präzision folgt, die manche spätere und formal bessere Arbeiten in dieser emotionalen Reinheit fast nicht mehr aufweisen.

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Animal Man – was passiert, wenn narrative Figuren entdecken, dass sie nicht echt sind…?

In Animal Man entdeckt der B-Superheld Buddy Baker, eine eher unwichtige Figur, die ursprünglich aus den 60ern stammt und nominell die Fähigkeiten von Tieren übernehmen kann, dass er eine rein fiktionale Figur ist und blickt dabei nicht nur von der gedruckten Seite den Lesern – also uns – ins Gesicht («I can see you»), sondern begegnet sogar seinem Autoren, Morrison selbst. Ideen, die später immer und immer wieder in Morrisons Geschichten auftauchen – in kommerziellen Megaprojekten wie «Final Crisis» ebenso wie in den ultrakomplexen «Invisibles» – sind hier in ihrer einfachsten und deshalb vielleicht ehrlichsten Form bereits zu finden… während «Doom Patrol» und «Arkham Asylum» , obwohl auf den ersten Blick erwachsener (auch aufgrund des viel weniger an klassischen Comics orientierten Artworks) dagegen fast wie Camouflage-Übungen wirken.

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Psychedelic Acid Trip ins Irrenhaus – Arkham Asylum

Dennoch gibt Callahans Buch den Blick frei auf einen jungen Autoren, der sich smart den amerikanischen Marktbedingungen anpasst, aber bei der ersten Gelegenheit seinem inneren Kompass folgt und der zu den erschreckend wenigen Autoren im Mainstream-Comic-Bereich gehört, die eigene Faszination, Themen und Motive in ihre Arbeiten einbetten, egal, ob sie auf Angestelltenbasis Superhelden-Abenteuer verfassen oder ihre ganz eigenen Figuren erfinden. Morrison hat in dem von Callahan abgedeckten Zeitraum noch nicht seinen Status als Popstar gefestigt, der für große «Franchises» schreibt und mit Rockbands befreundet ist, aber so wie in den frühen Kurzgeschichten von Philip K. Dick im Grunde bereits alle zentralen Themen verpuppt sind, so bietet auch der frühe Morrison vielleicht sogar klarer und weniger verklausuliert die Motive, die den Autor bis heute auszeichnen und die vor allem auch in kommerziellen Arbeiten wie JLA, X-Men oder aktuell Batman für eine Doppelbödigkeit und Dreidimensionalität suchen, die in diesem Genre ihresgleichen sucht. Grant Morrison beweist, das auch in einem vermeintlichen Trash-Medium wie Comics, eine eigene schriftstellerische Stimme und Sinnsuche Bestand haben kann und man es nicht beim Aufkochen von fünf Dekaden alten Ideen belassen muss, dass man nicht für eine vermeintliche Zielgruppe das Niveau niedrig halten muss. Insofern ist Morrison die Ausnahme von der Regel, so wie Chandler es war, so wie Dick es war, so vielleicht es im puppigeren Bereich der Comics vielleicht sonst nur der deutlich erfolglosere und heute weitab vom Mainstream operierende Alan Moore es für einen kurzen Moment war – allesamt Autoren, die ein belächeltes Genre shanghait und revolutioniert haben. Callahans Auseinandersetzung mit deFrühwerk von Morrison ist in vieler Hinsicht also auch eine Gebrauchsanleitung, mit welchen Strategien der Mainstream mit einer guten Portion Glück unterwandert werden kann und zugleich eine Skizze von Morrisons Leben in den frühen 90ern – eine Skizze, die Grant Morrison später selbst in seiner Autobiographie «Supergods» zu einer seltsamen Fusion aus Gesamtbetrachtung der Comic-Historie und Lebenslauf verdichtet… was sich ja nur anbietet bei einem Autor, der wie kein anderer von Anfang an die Grenze zwischen Fiktion und Realität aufgebrochen hat.

1. November 2011 07:45 Uhr. Kategorie Buch. Tag , , . Keine Antwort.

Modell von 1939

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01:11 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Eine Antwort.

Beat it

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00:06 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.


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