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Dayshot

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Man sollte dann auch eigentlich täglich einen Shot machen bei dem Titel, aber dazu komm ich gerade nicht. Trotzdem schön, das Next Level in die zweite Runde geht…

30. Mai 2011 18:33 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

Sparrow

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Was als minimalistischer Gmail-Client angefangen hat, mausert sich bereits in der zweiten Überarbeitung zu einem überraschend guten generellen IMAP-Mail-Werkzeug. Sparrow erinnert stark an Reeder (oder umgekehrt) und ist insofern ähnlich intuitiv und angenehm zu bedienen, überzeugt mit vielleicht unnötigen aber ja dennoch schönen Animationen, die ja eben doch auch Teil des Gesamteindrucks sind, und unter der schönen Oberfläche – gegen die das ja auch schon nicht unschöne Mail von Apple relativ altbacken wirkt – wimmelt es von durchdachten Details, die auch auf den zweiten Blick das Arbeiten effizienter machen. Tastatur-Shortcuts bis ins kleinste Details, per Mouse-Geste oder Shortcut zuschaltbare Fensterelemente, eine smarte Nutzung von IMAP-Ordnern als «Label» – unter der schicken Fassade haben sich die Entwickler spürbar Gedanken gemacht, wie eine sehr schmale aber sehr leistungsfähige Mail-Verwaltung funktioniert, die Mail tatsächlich nicht vollständig ersetzt, aber im Alltag für Read-and-Reply mehr als perfekt ist. Mail selbst hat deutlich stärkere Filter-Features, ist sehr viel stärker im Sortieren von Inhalten und beim lokalen Archivieren von Mails – Sparrow fühlt sich dagegen eher so an wie ein iPhone-Client, klein und immer zur Hand. Per Tastaturkürzel steht Sparrow immer für eine neue Mail zur Verfügung, ohne in das Programm selbst wechseln zu müssen – und auch die Quick-Reply-Lösung wird schnell zur festen Angewohnheit, zumal das Zitieren von Mail-Inhalten durch die Arbeit in nur einem Fenster deutlich schneller von der Hand geht. Der Konversations-Modus, wie man ihn im Ansatz schon von Mail selbst oder besser von Postbox kennt, ist hier zwar nicht völlig ideal umgesetzt (warum sind zitierte Stellen und selbst die neuste Mail «eingeklappt»?), aber schon nach kurzer Eingewöhnung die beste Form, um in Dialogform Mails zu schreiben – gerade in der Arbeit an Projekten ein echter Bonus. War Sparrow bis 1.2 eigentlich aus meiner Sicht keine sonderlich überzeugende Lösung, hat das Update die Software überraschend gereift. Eine einheitliche Inbox und zig Details machen das Tool mit wenigen Ausnahmen sehr, sehr alltagstauglich. Die Facebook-Einbindung mag für manche Nutzer Sinn machen, ist aus meiner Sicht aber eher für private Mails sinnvoll, zumal ich die Anzeige von Profilbildern ohnehin deaktiviert habe und ich – ob das nun Paranoia ist oder nicht – möglichst wenig Apps Zugriff auf FB gebe, man muss sich ja nicht freiwillig zu sehr mit der Datenkrake vernetzen. Sparrow setzt auf Übersichtlichkeit und Minimalismus und ist deshalb sicher nichts für jemanden, der massiv mit der Möglichkeit, direkt auf dem IMAP-Server Ordner anzulegen arbeitet, denn diese sind nicht so direkt zugänglich wie etwa in Mail. Andererseits ist die Nutzung eben solcher Ordner als «Labels» eine gute Idee – es wäre nur schön, wenn der Zugriff besser ist. So kann man etwa aus der «Unified Inbox» nicht auf auf die Labels bzw IMAP-Ordner zugreifen, weil diese ja einem bestimmten Account zugeordnet sind. Das sollte man ändern, ebenso wäre es gut, wenn bestimmte Ordner einfach wie gesendete Mail, Papierkorb in die Seitenleiste aufgenommen werden könnten, entweder im Kontext der einzelnen Accounts oder sogar unabhängig davon – zumal unter den Accounts ja noch reichlich Platz bei den meisten Usern sein dürfte. Vielleicht bringt das für 1.3 angekündigte neue Label-Management da ja eine Besserung. Sehr schön gelöst ist der Favoriten-Stern, der im Grunde der «Flag» in Mail entspricht. Mit einem Stern versehene Mails haben einen eigenen Folder im Account und sind so schneller wiedergefunden als mit der dezenten Flagge in Mail (was man im Mail freilich mit einem Smart Folder auch lösen kann). Es wäre fast schön, wenn dieser Stern mehr könnte – etwa farbliche Dringlichkeitsstufen – aber im Grunde ist es so simpel ja auch sehr handlich. Sparrow zeigt den üblichen Kampf zwischen Features und Minimalismus und entscheidet sich überwiegend für letzteres. Einfach gesagt sind Mail oder auch Postbox deutlich bessere Werkzeuge für das Verwalten von Mail, fürs Suchen, Archivieren, Dokumentieren – wo Sparrow sich durchsetzt ist das fast Instant-Messenger-artige Interface, das das Schreiben und Beantworten von eMails enorm beschleunigt. Man kann darüber diskutieren, wie gut das an sich ist – Effizienzexperten raten ja etwas weltfremd oft dazu, nur zwei- oder dreimal am Tag eMails zu beantworten – aber für Nutzer, die relativ viel über Mail kommunzieren ist ein schnelleres und auf Dialogstrukturen optimiertes Mailprogramm natürlich ein Segen. Und Sparrow – trotz aller kleiner Fehler und trotz der Tatsache, dass man dennoch nicht um Mail herumkommt – entwickelt sich kontinuierlich in diese Richtung, wird durch recht viele individuelle Optionseinstellungen minimalistisch und funktional.

29. Mai 2011 09:40 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 7 Antworten.

Terry Pratchett: I Shall Wear Midnight

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Terry Pratchetts neuester Discworld-Roman ist nominell ein «Young Adults»-Roman, aber um die Wahrheit zu sagen kann ich abgesehen vom Alter der Protagonistin keinerlei Unterschied zu den «normalen» Romanen feststellen. Ganz im Gegenteil – für ein auf junge Zielgruppe zugeschnittenes Buch hat I shall wear Midnight einen recht handfesten Drang zum zweideutigen Altherrenhumor, wenn dieser auch auf eine britisch-trockene Art durchaus erträglich bleibt. Die Geschichte der jungen Hexe Tiffany Aching, die hier bereits im vierten Band ihren Auftritt hat, folgt der gleichen Logik aller Discworld-Romane in dieser schwer zu beschreibenden Mixtur aus durchaus spannender Handlung, Humor und einer Prise Tiefsinn, die kaum ein Autor so verlässlich hinbekommt wie Pratchett. Selbst die Tatsache dass der an Alzheimer erkrankte Sir Pratchett hier erstmals das Buch per Diktaphon eingab, was bei Strukturierung und Organisation des Plots sicherlich nicht hilfreich ist, wird beim eigentlichen Lesen kaum spürbar – die komplexe Handlung läuft trotz einiger Umwege und Irrfahrten schnurstracks auf ein befriedigendes, alles baumelnden Fäden säuberst zusammenspinnendes Ende hinaus, und obwohl ich nicht unbedingt ein großer Fan von Happy Endings bin, kommt man aus diesem Buch unweigerlich mit guter Laune heraus, ohne dass dabei das Gehirn beleidigt die Arme verschränken und genervt mit dem Fuss tappen muss. Es ist fast verwunderlich, wie leichtfüßig Pratchett die Aussenseiter-Thematik, die Basis jedes Teenager-Romans ist, auf mehreren Ebenen bespielt – Tiffany ist sowohl gegenüber normalen Mitmenschen als auch bei ihren «Peers» (den anderen Hexen) ein Misfit, will nicht richtig reinpassen, ihre Hilfe wird gebilligt, aber wirklich angekommen scheint sie nicht. Aching folgt einer Art moderner Aschenbrödel-Lifestyle, all work and no fun, die sich als dörfliche Hexen-Pflegekraft für andere aufreibt, kaum schläft und als Dank für diesen Magie-Altruismus auch noch den Jungen, den sie zu lieben meint, nicht kriegt, dafür aber eine Art mystische Hexenjagd in Form des düsteren Cunning Man an der Backe hat. Wie Pratchett seine junge Heldin effizient erst knietief in die Misere jagt und dann besser als zuvor daraus aufsteigen lässt, daran kann sich die Harry-Potter-Saga fast eine Scheibe abschneiden, zumal Pratchett jede Fuge, in die sich Zweifel an der Wasserdichtigkeit der Handlungslogik einschleichen könnte (wie etwa bei dem doch arg aus dem Nichts herbei geschriebenen neuen Love Interest für Tiffany) mit so viel Ironie und Humor verschließt, dass sich auch dieses Buch dem Vergleich zu den meisten anderen und meist unerträglichen Fantasy-Werken völlig entzieht. Die Discworld-Serie hat sich längst von der Parodie zu einem einzigartigen Erzählwerkzeug gemausert, das in seiner einzigartigen Schwebung zwischen Heiterkeit und Ernst seinesgleichen sucht, eine Balance, die vielleicht noch am ehesten von Douglas Adams Dirk-Gently-Romanen erreicht wird. Es ist selten, dass ein Young-Adult-Buch sich so angenehm erwachsen anfühlt. Mag sein, Pratchett hat diese Form als Sicherheitsnetz für seinen ersten nur diktierten Roman gewählt, mag sein, dass die Discworld-Serie ohnehin nicht allzu «erwachsen» daherkommt – sicher ist, das I Shall Wear Midnight ein absolut vollwertiges Mitglied der Pratchett-Familie ist und ein verdammt unterhaltsames noch dazu.

28. Mai 2011 15:33 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Eine Antwort.

Steve Martin: An Object of Beauty

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Musiker, Schauspieler, Comedian und offenbar Kunstsammler – Steve Martin ist scheinbar ein Multitalent und hat sich als solches ein großes Thema mit seinem 2010er Roman «An Object of Beauty» vorgenommen: die Kunst und den Kunstmarkt. Eingewickelt in einen verfilmungsfreundlichen Plot rund um Lacey Yeager, an deren Seite wir die New Yorker Up- und Downtown-Kunstszene der 90er und 00er Jahre durchlaufen, von Sotheby’s über den internationalen Kunstmarkt bis hin zur eigenen Galerie. Lacey ist eine Art moderne Holly Golightly, smart, etwas weniger wirsch als Capote’s Figur, sexuell klarer karriereorientiert, eins dieser Up-and-Coming-Mädchen, die es in New York zuhauf gibt und die eine pinkfarbene Version des amerikanischen Traums mit einer guten Prise Sitcom vermengt. Es wäre etwas gemein zu sagen, «Object of Beauty» ist Sex&The City in der Kunstwelt, und auch nicht ganz zutreffend, aber eben auch nicht ganz falsch. Die Rahmenhandlung, die auch fast beiläufig geschrieben wirkt, niemals wirklich so etwas wie eine greifbare Richtung entwickelt und erratisch über die Jahre zu springen scheint, dient Martin aber auch nur als Ausrede, über Kunst im Allgemeinen, die Kunstszene im Speziellen und ausgesuchte Künstler im Oberbesonderen zu fabulieren. Lacey ist sozusagen nur ein McGuffin, dem wir nachjagen, um in die verschiedenen Aspekte der Kunstwelt einzutauchen, von den geweihten Hallen des Auktionshauses, in dem Kunst zum Geschäft wird bis hin zur «Contemporary» Szene, wo nie ganz klar ist, ob man Kunst oder einen kryptischen Witz für Eigeweihte vor sich hat, und wo das Sammeln zum Hochrisikosport mutiert, weil niemand mehr die Szene überblicken kann. Martins satirische, aber liebevolle Seitenhiebe auf die Kunstszene gehören zu den Highlights des Buches, das eine schöne Textur der Kunstmarktentwicklung der letzten Dekaden bietet und anreißt, wie 9/11 oder die Finanzmarktkrise nicht die Kunst als solche, sondern den Handel berührt haben. Denn interessanterweise scheint sich der Sammler Martin weniger für die Kunst per se, als vielmehr für den Rummel drumherum zu interessieren. Was ja durchaus Trend ist – Sammler, Kuratoren, Galeriebetreiber, die Vermarkter, Katalysatoren und Trüffelschweine des Marktes scheinen heute wichtiger denn je zu sein, (Selbst-) Vermarktung zum Keyword der Kunstszene mutiert zu sein. Mit Lacey Yeager liefert uns Martin so eine Art Hans-Ulrich Obrist mit Brüsten, man sieht förmlich schon Anne Hathaway in der Rolle auf der Leinwand – «Object of Beauty» nutzt die Kunstszene so als Background wie manche Krimisendungen mit jeder Folge in eine andere Subkultur untertauchen, um dort ihren Fall zu lösen. Die Crux des Buches ist, dass es weder ein echter Roman noch eine echte journalistische Betrachtung der Kunstbranche der letzten Dekaden ist – der Hybrid, der im Ansatz immer wieder spannend zu werden verspricht, scheitert am Ende… das Buch könnte kaum nichts sagender enden. «Object of Beauty» gelingt weder eine beißende Charakterstudie der Profiteure und Karrieristen im Kunstmarkt noch ein an sich spannender Roman über Manhattanites-in-Love. Nicht Fisch, noch Fleisch verläuft sich die Handlung im Sande und Martin gelingt es nicht, die Magie zu schaffen, die es uns ermöglicht, mit einem an sich unsympathischen Charakter mitzufühlen. Je weiter sich das Buch hinschleppt, umso unsympathischer wird die Hauptfigur, desto schleppender wird ergo das Buch.

Für Kunstinteressierte ist das Buch natürlich dennoch spannend, in der gleichen Art wie Crichton-Bücher einen Hauch Chaostheorie in eine Hollywod-kompatible Rahmenhandlung einbetten, wird hier halt der Kunstmarkt und seine Besonderheiten als Plot-Background gebraucht – nur trägt der Plot an sich nicht und dient selbst nur als Background, um über den Kunstmarkt zu philosophieren. Dieser seltsame Kurzschluss in der Konstruktion des Buches macht aus «Object of Beauty» eine seltsam unbefriedigende Reise, auch wenn die vorbeiziehenden Betrachtungen, Gags und Einsichten das Lesen durchaus mehr als rechtfertigen. Das Buch ist scharfzüngig, oft scharfsinnig, es schlägt mit einem warmherzigen Grinsen auf die US-Sammlerszene ein und könnte tatsächlich ein ausgezeichnetes Buch gewesen sein, wenn Martin sich die Mühe gemacht hätte, nebenbei auch noch eine Art Handlung zu entfalten. So endet es aber als eine mal mehr mal weniger gelungene Aneinanderreihung einzelner Szenen die aber eben kaum ein großes Ganzes ergeben.

18. Mai 2011 19:55 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

William Gibson: Zero History

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Während unzählige Bücher mehr und mehr versuchen, die Gegenwart zu verstecken und spürbare Schwierigkeiten damit haben, Belletristik für eine Welt mit Smartphones, Facebook und Google zu schreiben, ist William Gibson einer der wenigen Autoren, der nicht in in romantische Vampir-Fantasien oder introspektive Charakterstudien ausweicht, sondern die Welt von vitalem Marketing, Pop und Hightech förmlich umarmt, um daraus seine komplexen Geschichten zu handwerken. Dabei gelingt ihm eine neue Form von Erzählung, die schon längst kein Genre mehr bedient, in der «normalen» Literatur ebenso zuhause ist wie im SF, im Krimi oder auch im Agentengenre. Und während eben all diese Genre (paradoxerweise allen voran eben die Science Fiction) an der hochtechnisierten Gesellschaft scheitern, betritt sie bei Gibson die Mitte der Bühne. Wer sich erinnert, wie oft etwa bei den X-Files zum passenden Zeitpunkt das Mobilfunknetz ausfallen musste, damit der Plot nicht in sich zusammen brach oder wer sich fragt, wie Chandlers Art von rabenschwarzer Detektiv-Erzählung heute, in Zeiten von Google, funktionieren soll, wird in Gibson die Antwort finden. Wo andere Autoren vor der technisierten Realität flüchten, war Gibson schon immer in ihr daheim – nur muss er heute nichts mehr mit Science Fiction ummanteln – seine Realität ist längst SF geworden, oder umgekehrt: Die Wirklichkeit hat seine Bücher eingeholt. Wenn Gibson heute von silbrig schimmernden fliegenden Pinguinen und Mantas schreibt, die als Ballons lautlos in der Luft schweben, vom iphone ferngesteuert, und als Überwachungssysteme funktionieren, ist man mit einigen Google-Klicks schnell bei Festo gelandet und stellt fest, dass hier nichts erfunden ist, sondern Gibson nur die etwas seltsameren Momente von Gegenwart für sein Buch nutzt, vernetzt und zu einer neuen Gestalt formt. Smartphones, Flughäfen, die internationale Kunst- und Modeszene, Celebrity-Leben, das Post-9/11-AgentenRevival, Twitter, Anti-Branding und virales Marketing sind nur einige der vielen Zutaten unserer Zeit, die Gibson virtuos zu einem Spiegelbild unserer Wirklichkeit amalgamiert, das über diese Wirklichkeit hinausweist und sie zugleich präzise abbildet. Gibsons Bücher funktionieren wie diese verzerrten Kirmes-Spiegel, wir sehen unseren Alltag seltsam verzerrt und verwirrend darin, sie ziehen uns den Boden unter den Füßen weg und finden die Dystopia nicht im großen gesamtgesellschaftlichen Untergang sondern vielmehr in den Abstrusitäten des spätkapitalistischen Alltags. Gibsons Leistung ist, dass wir uns in diesem Spiegelbild klarer und wirklicher sehen, dass seine Verzerrung ehrlicher ist als jeder normale Spiegel es sein könnte, konzentrierter und klarer.

«Zero History» darf nach dem dem etwas maueren «Spook Country» als ein meisterhaftes Buch gesehen werden, das die Energie und Komplexität, das globale und federleichte von Gibsons vielleicht bestem Werk, «Pattern Recognition», mühelos aufgreift. Tatsächlich ist das Buch gerade zu Anfang ein Genuss, weil man beim Lesen deutlich spürt, dass der Autor kein Ziel im Sinne hat, keinen Plot, keine Handlung im engeren Sinne, sondern einfach nur Konstellationen auf seinem Spielbrett erzeugt und selbst überrascht wirkt, als die Handlung sich aus dieser Figuration wie von selbst ergibt. So wirkt «Zero History» anfangs etwas unfokussiert – gerade dadurch aber brillant -, um im letzten Drittel dann derart Fahrt aufzunehmen, dass man sich (ganz Gibson-untypisch) in einem Hollywood-Thriller wähnt. Alle Charaktere sind so glaubhaft, so detailliert gezeichnet, bei aller Extravaganz, das man auch nicht aus der Kurve geworfen wird, wenn plötzlich der Hollis Henrys Ex Garreth auftaucht, der sich beim Hochhaus-Diving fast ums Leben gebracht hätte und der nun dine Art Hightech-Kur für Seinfeld Bein durchläuft. Die Kunst des SF-Autors ist vielleicht, die Abstrusitäten des modernen Lebens entspannt-plausibel beschreiben zu können, weil er das bereits an der noch einen Hauch absurderen Gesellschaft von Büchern wie «Count Zero» oder «Mona Lisa Overdrive» üben konnte. Wahrscheinlich brauchen wir einen Schriftsteller, in dessen Phantasie virtuelle japanische Popstars aus 3D-Druckern in die echte Welt rübermachen, um eine plausible Gestalt aus der Gegenwart zu destillieren. Man fragt sich, ob nicht auch Philip K Dick heute längst lieber über den Wahnsinn in der Normalität schreiben würde, anstatt über Parallelwelten.

Bei Gibson wird insofern greifbar, dass wir längst in einem Science-Fiction-Szenario leben – und manche seiner direkt aus den News gezogenen Details – wie etwa der Sammler-Boom im Bereich Vintage Clothing – wirken kaum weniger bizarr als Dicks seltsame und konsequente Gedankenexperimente mit Welten in denen die Zeit rückwärts läuft oder höchste politische und wirtschaftliche Entscheidungen mit dem I Ging getroffen werden. Das latente Gefühl, in einer hochgradig bizarren Wirklichkeit angelangt zu sein, ist bei der Lektüre von «Zero History» manifest. Umgekehrt ist man entsprechend wenig schockiert, wenn SF-Dystopiaschocker-Material wie eine tote Strahlungszone rund um ein nukleares Desaster fast schulterzuckend zur Normalität wird und man zur Tagesordnung übergeht. Strange Days.

«Zero History» ist unter diesem Aspekt – aber nicht nur unter diesem – ein herausragendes Buch. Gibson ist ein begnadeter Beobachter, der fast poetisch-nüchtern aus kleinen Details eine Textur, eine spürbare Vorstellung von Komplexität erschaffen kann und der dieses hyperrealistische Bühnenbild dann mit faszinierenden, schillernden Charakteren, die so outlandish wie glaubhaft sind bevölkert. Eine Welt voller Ex-Agenten, Extremsportler, Has-Been-Popstars, einer Gilde von Motorradkurieren, Technokraten und Vermarktern. Also wahrscheinlich die Welt, in der sich Gibson selbst oft genug bewegt, und die wir eigentlich jeden Tag entdecken können… wenn wir nur die Augen aufmachen.

16. Mai 2011 18:47 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . 2 Antworten.

Katzenjammer live Zeche Bochum

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Es ist für mich immer wieder überraschend, wie unberechenbar voll oder leer Konzerte sind. bei Bands, wo ich mit ausverkauftem Haus rechne, ist man unter sich, bei anderen Acts ist die Bude überraschend gerammelt voll – so auch hier bei Katzenjammer, in einer recht ausverkauft wirkenden Zeche, in der sich ein Publikum tummelt, das ich so gemischtesten gesehen habe. Vielleicht ist dieser Mix der Grund, warum das Publikum zwar frenetisch applaudiert, mitsingt und offenbar bester Laune ist, aber im Grunde kein bisschen tanzt oder mosht, obwohl ich das durchaus schon bei Bands erlebt habe, wo die Musik weniger zum gegenseitigen anrempeln einlud als hier. Vielleicht liegt es auch daran, dass man so von den Treiben auf der Bühne hypnotisiert ist, dass man nicht durchs Tanzen wertvolle Sekunden aus dem Blick verlieren will, denn das norwegische Quartett liefert eine Art «Reise nach Jerusalem mit Instrumenten» ab, wodurch nahezu jede der Musikerinnen jedes Instrument einmal spielt, nur Anne Marit Bergheim bleibt dem Schlagzeug fern, das meist dann doch von Solveig Heilo bedient wird, die sich charmanterweise dabei jedes mal die hochhackigen Stiefel an- und ausziehen muss und die am Schlagzeug meist nebenbei mindestens noch in zweites Instrument mit bedient, sei es Glockenspiel, Akkordeon oder Trompete. Bei so viel Multi-Instrumentalismus wird trotz Musikstudiums natürlich nicht jedes Instrument mit der gleichen Virtuosität bespielt, aber das tut dem Soundmix der Katzenjammer Kids keinen Abbruch, im Gegenteil, das Unperfekte, dafür aber umso energischere passt perfekt in den musikalischen Reisekoffer der Band. Denn das Spektrum kann im Konzertverauf durchaus mehr beeindrucken als das ja ohnehin schon überzeugende 2008er Debüt «Pop» vermuten lässt. Neuere Tracks wie God’s Great Dust Storm und Lay Marlene zeigen die Combo jenseits der reinen Gutelaunemusik als herausragende Sängerinnen, die mit den geringste Mitteln Gänsehautstimmung erzeugen können oder Swamprock-Stimmung herbeizaubern können, um im nächsten Moment Country oder Balkangrooves heraufzubeschwören.

Das alles geschieht mit einer wirbelwindigen Freude an der Arbeit und einer so gekonnten Animation des Publikums, das man fast Angst hat, auf ein zweites Konzert zu gehen, denn so gut wie beim ersten Mal, wo alles noch echt und gestellt und spontan wirkt, ist es dann ja nie mehr wieder. Was die Sache aber über alle Maßen glaubhaft macht ist das jedes Mitglied der Katzenjammercombo von Anfang bis Ende ein breites Grinsen im Gesicht batike tatsächlich spürbar gern auf der Bühne steht, was man ja beileibe nicht über jede Band sagen kann, die sich oft genug nur noch von Gig schleppen und ihr Publikum insgeheim oder offen verachten. Es ist vor allem diese Freude, die die herausragende musikalische Arbeit durchdringt und überstrahlt und ehrlich macht – das hier, so will es scheinen, ist Popmusik in diesem magischen Moment vor dem Ausverkauf, bevor es nur noch um Singles und Charts und Interviews geht und bevor die bleierne Müdigkeit der Tour sich über alles legt, bevor man in der Enge eines Nightliners entdeckt, dass man sich eigentlich nicht riechen kann. Das hier ist der magische Moment einer jungen Band in einem fremden Land vor einem vollen Haus und der Glaube daran, dass man mit der eigenen Musik andere Köpfe in Brand stecken kann. Das hier ist also das, was wir sehen und erleben wollen, wenn wir zu einem Live-Konzert sehen

Bemerkenswert ist dabei vor allem auch der unfassbare Klang der Band. Ich kenne Bands, die – egal wie groß oder klein die Venues sind, in denen sie auftreten – nahezu verlässlich beschissen klingen und das über Jahre hinweg und ich kenne Bands, deren Sound gerade mal so «serviceable» ist, aber wenig mehr, in denen der Soundman während des Konzerts nicht stattzufinden scheint. Nicht so hier. Schon nach wenigen Klängen des Warm-Up-Act Unni Wilhelmsen, die zum grossen Finale noch einmal mit auf die Bühne kam, ist klar, dass der Tonmann weiß, was er tut und die einzelne Dame auf der Bühne mit geschickten Delay- und Halleffekten perfekt «gross» klingen lässt. Und auch in dem wilden Klanggewusel von Katzenjammer, in einer Flut von analogen Instrumenten, einem permanenten Wechsel von Sounds, verliert der Sound nie den Überblick, alles bleibt transparent und klar, Effekte kommen perfekt auf den Punkt und die Einzelleistungen summieren sich zu einem enorm kraftvollen Klang, den man so nur live fühlen und hören kann und den man auf keiner Aufnahme der Welt einfangen kann, wo jeder Basston dich trifft und vier Stimmen zu einer werden.

Ein interessanter Aspekt der Überalterungsgesellschaft ist das im Publikum teilweise Leute stehen, die deutlich über 50 oder 60 sind (und es auch ein paar Kinder gibt). Ich denke, das wird seltsamerweise normaler werden. Die Leute, die in den 70ern Postrock oder Punk gehört haben oder in den 80ern Wave und Goth steigen ja nicht alle auf Robbie Williams und WDR2 um, sondern werden auch heute noch Alternative hören und entsprechend zu Konzerten gehen. Ich sehe das in letzter Zeit immer öfter und es ist ein spannender Trend, weil gesellschaftlich ja eigentlich kam ausgetestet ist, was es bedeutet, wenn Rockkultur «alt» wird. Hier, zu dieser Musik, die sich auf alte Wurzeln berufen kann und die zugleich so naiv-jung-frisch klingt, passt genau dieser Brückenschlag perfekt, es ist die Musik zu der ältere Damen ihre goldarmbandbehängten Arme in die Luft werfen nach etwas Wein und zu der Kids herumhüpfen, Musik die keine LED-Wand und keine Lasershow braucht und die vielleicht gerade als Kontrast zu der gleichzeitig in Düsseldorf laufenden Riesenproduktion, die ja eher gänzlich ohne musikalischen Inhalt auskommt, daran erinnert, worum es bei der ganzen «Live»-Sache eigentlich geht… um Menschen, die zusammenkommen um zu feiern.  

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18:37 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

Azuro

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Adriano Celentano wird es freuen – endlich gibt es die Schrift zu seinem größten Hit, wenn sie auch nicht aus Italien kommt. Die für die Lesbarkeit an Montioren unter verschiedenen Betriebssystemen und für Mobilgeräte optimierte Familie mit den vier bürofreundlichen Standardschnitten Regular, Italic, Bold und Bold-Italic stammt von Georg Seifert, den Schriftfreunde als Schöpfer der leicht an TheSans erinnernden, zeitlos schlichten Serifenlosen Graublau Sans kennen. Die neue Schrift hat Seiffert mit seiner eigenen Font-Software Glyphs gestaltet, und das Ergebnis ist ein freundlicher Office-Font, der hier und da genetische Restspuren von Spiekermann-Ästhetik in sich trägt, aber durchaus über eigenen Charakter, kleine Eigenarten und eine klare Optik, die Freude macht. Seifert sieht den Font als Ersatz für die üblichen Screen-Standards wie Arial, Verdana oder Lucida Grande, wobei das wahrscheinlich wie stets an der Verbreitung scheitern dürfte (Arial ist ja nun mal überall), zum anderen muss die Praxis zeigen, ob die Ästhetik der Azuro nicht einen Hauch zu viel Charakter hat, am Bildschirm mit der Zeit also vielleicht nicht «unsichtbar» genug ist. In den vom Fontshop verschickten Beispiel einer Mail-Ansicht muss ich zugeben, dass mir die Verdana besser gefällt, luftiger und nicht so beengt wirkt und auch die Glyphen weniger sperrig sind als die der Azuro, die mit allerlei eigenwilligen Buchstabenformen und seltsamen Kontrasten und Serifen aufwartet.

Mit SmallCaps, dezenten Minuskelziffern und einer Flut an internationalen Glyphen ist der Font aber auf jeden Fall exzellent ausgebaut und es gibt ihn sowohl in der normalen Office-OTF-Variante, als auch als Webfont, so dass er sich zB für den Einsatz mit Typekit eignet. Insofern eignet sich die Schrift sicher für mehr als nur für die gelegentliche E-Mail, sondern kann wahrscheinlich sogar für kleine CD-Aufgaben eingesetzt werden.

Das beste aber ist der Einstiegspreis, mit dem Fontshop die Schrift als zweite Veröffentlichung nach Erik Spiekermanns Excel-Font Axel herausbringt: die Office- und die Web-Familie kosten jeweils nur 20 Euro, und das ist für eine Schriftfamilie dieser Qualität ein Nicht-denken-sofort-kaufen-Preis.

12. Mai 2011 10:31 Uhr. Kategorie Design. Tag . 4 Antworten.

Wasserpistole

11. Mai 2011 18:36 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Scream 4

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Achtung – Spoiler!

«Scream» ragte bereits in seinen frühen Teilen aus den endlosen Slasher-Film-Serien heraus, vielleicht einfach, weil die Filme im Kern am Horror kein Interesse haben und selbst das Whodunnit-Element bestenfalls nachlässig behandeln und eigentlich zu jeder Zeit beliebig einen Täter aus dem Hut zaubern können, da in bester Edgar-Wallace-Manier jederzeit jeder irgendwie verdächtig wirkt. Statt dessen waren vor allem Teil 1 und 2 selbstreferentielle Selbstgespräche eines versierten Genrefilmers über die Grenzen und Möglichkeiten des Horrorfilms und über die Vermarktungsstrategien von Hollywood im Allgemeinen. So wie es Bands gibt, die zugleich eine reale Band sind und eben aber auch als (vielleicht unfreiwillige) Parodie auf das Musikbusiness funktionieren – Scooter oder die Bloodhound Gang kämen in den Sinn -, so ist die Kunst von Wes Cravens Scream-Serie seit jeher, als Horrorfilm eher schlecht denn recht zu funktionieren, vor allem aber eine Art Metabetrachtung zu sein, ein Film, in dem sich Film spiegelt.

Auf der Wippe, auf der Kippe…
Im Grunde ist das natürlich nichts besonderes mehr – Film und Fernsehen sind längst sich permanent selbst fütternde Maschinen geworden, die sich gegenseitig widerspiegeln, nicht nur durch eine Art visuelle Sprache und durch konsistente stilistische «Looks», sondern auch durch Zitate, Parodien, Kommentare. Filme sind Dialoge zwischen Filmen, Filmemachern und natürlich Zuschauern – man denke nur daran, wie sich die Matrix-Bullet-Time in zig anderen Filmen als Zitat wiederfindet. Aber kaum eine Serie hat dieses Spiel so dreist getrieben wie die «Scream»-Serie, die dabei zugleich niemals die Grenze zur Parodie oder Satire völlig überschreitet und zum reinen «spoof» wird. Das Kunststück des vierten Teils, der elf Jahre nach dem eher schlechten Ende der Trilogie erscheint, ist, dass der Film dem eigenen Mythos treu bleibt, sich keinen Millimeter aus dem eigenen Pattern herausbewegt, ergo völlig ernsthaft «funktioniert», zugleich aber diese eigene Funktion völlig aushebelt, indem selbst die eigenen Metakommentare auf eine weitere, höhergelegene Ebene, in der genau diese Eigenart von «Scream» wieder kommentiert wird, gehoben ist. Abstrakt schwer zu fassen, gelingt Craven und seinem Hauüt-Drehbuchautor Williamson diese Übung federleicht, wenn etwa eine Protagonistin plötzlich ausruft «Wie meta ist das denn bitte jetzt?» oder wenn bereits zu Anfang des Films die klassische Ghostface-Anruf-Sequenz gleich dreimal als Dream-within-a-Dream inszeniert ist, wo uns Zuschauern immer wieder der Teppich weggezogen wird, um erneut von einer Filmebene in die nächste zu stolpern, weil wir als reale Zuschauer von «Scream4» den fiktiven Darstellerinnen der Film-im-Film-Serie «Stab7» dabei zusehen, wie sie den fiktiven Darstellerinnen des Films-im-Film-im-Film «Stab6» dabei zusehen, umgebracht zu werden und dabei über Horrorserien herziehen. Alles klar? In seinen besten Momenten liefert sich der Film unentwegt solche selbstironischen Eiertänze und zeigt einen Autoren, der sich offenbar bestens mit den Filmnerds auf der Leinwand identifizieren kann, in Höchstform.

Ein weiterer gekonnter Aspekt ist, dass es «Scream4» gelingt, nicht «moderner» als die immerhin über eine Dekade alten Vorgänger zu wirken und dennoch moderner zu sein. Das grobkörnige, analog wirkende Filmmaterial, die fast hingeschludert wirkende Kameraarbeit, die handwerklichen Erschreckungsmechaniken eines unschuldigeren Horrorkinos aus den 80er/90er Jahren vor Saw und Japan-Boom (ein Umstand, auf den der Film selbstverständlich selbst ganz explizit eingeht), die vor Nachwuchstalenten aus allen Nähten berstende Teenie-Film-Besetzung, das alles ist nahtlos «classic». Zugleich aber haben Williamson und Craven – oft eher der Form halber – Facebook,Twitter, iPhone und Blogs in den Film integriert, oft etwas unelegant, oft etwas überflüssig, aber es ist immerhin der Versuch erkennbar. Sicher, ob die Teenager kurz vor ihrem Tod nun ein iPhone oder ein altes Festnetz-Wireless am Ohr haben ist weitestgehend egal und ob der Slasher nun via Telefon oder per Facebook seinen Opfern nachsetzt, ist wahrscheinlich auch nur ein kosmetisches Detail – aber es ist fast wohltuend, wie unwichtig für den Horrorfilm solche kleinen technologischen Unterschiede eigentlich sind, wenn man sie nur souverän genug so einbaut, dass sie keine Rolle mehr spielen. Was verblüffend ist, denn «Scream» war immer schon ein Film, der ja seinen Reiz darin hat, des Teenagers liebstes Spielzeug – das Telefon und heute eben Smartphones und Social Media – zu «vergiften» und zum Mordwerkzeug umzudichten, wie ja generell in dieser Serie die klassisch-reaktionäre Moral des Genres noch ihren Kopf stolz hoch hält und Teenies für sexuelle und andere Freiheiten gnadenlos abstraft. Insofern sind moderne Gadgets nur eine Art Dekoration, die Autor und Regisseur recht lose um eine im Kern sehr zeitlose Fabel von der verdorbenen Jugend gelegt haben, die vielleicht gerade zwei alten Männern so gut von der Hand gehen kann wie hier. Die Kunst hier ist freilich, diese so widersprüchlichen Zutaten – modern und reaktionär, selbstironisch und dead(pan)-serious – in einer vernünftigen «postmodernen» Balance zu halten. Was «Scream» freilich nicht immer (und fast immer entgleitet, sobald Courtney Cox ins Bild kommt), aber für einen immerhin vierten Teil doch vergnüglich genug für einen Popcorn-Film gelingt.

Deine fünfzehn Sekunden Ruhm sind vorbei…
Zu diesen Doppelbödigkeiten gehört beispielsweise, dass Neve Campbell, die post-«Scream» ja nun keinerlei nennenswerte Karriere hingelegt hat, im Film sozusagen ein doppeltes Comeback hinlegt, die Darstellerin, aber eben auch die Figur, die nach Woodsboro als Autorin nach 15 Jahren zurückkehrt und zu einer seltsamen Berühmtheit gekommen ist, eine Agentin hat und wie ein B-Sternchen ihre Lesereise macht, von Interview zu Interview , kleiner Buchhandlung zu kleiner Buchhandlung. Kein Leben, auf das neidisch zu sein sich lohnen würde – aber dennoch reicht bereits der Neid auf dieses Quentchen «fame», um die Ereignisse des Films in Gang zu treten. Williamson (und Kruger) schaffen eine Tragödie aus Neid, Liebe und Familienzwist im Gewande der Teenie-Horrorkomödie, die sich zutiefst um zerbrochene Träume dreht. Von Dewey Riley, dem Kleinstadt-Cop mit der zickigen Frau Gale Weathers, die ihrerseits vor den Trümmern ihrer Autoren- und Journalistenkarriere steht bis hin zu Charlie Walkers nicht (oder tragisch zu spät) erwiderter Liebe zu Kirby Reed (großartig postfeministisch-nerdy gespielt von Hayden Panettiere) hin zu Jill Roberts Neid auf den «Opferruhm» ihrer Cousine Sidney – «Scream4» liefert ein Panoptikum von zerbrochenen American Dreams. Gewalt als kürzester Weg zu Liebe oder zu Ruhm, das gnadenlose Abmetzeln der Konkurrenz – das spannende an diesem Film ist, dass sich unter dem offensichtlichen Subtext – Horrorfilm als Spiegel von Genreregeln und -abstrusitäten – eine weitere hermeneutische Schicht finden lässt, in der sich wie in jedem guten Horrorfilm latente Zustände der Gegenwart tummeln, der giftige Kern in der Zuckerwatte. Nichts, aber nichts ist in diesem Film beängstigender als das geliftete, verzerrte Gesicht von Courtney Cox, die leibhaftige Fratze der Sehnsucht nach ewiger Jugend und ewigem Erfolg… dich gefolgt von dem leicht müden, aufgedunsenem Gesicht von Neve Campbell, die mit Scream 1 als junges Talent viel versprach und von der nie wieder bedeutendes gehört wurde, die in Hollywood, an Hollywood gescheitert ist, was ihre Rolle in diesem Teil so wunderbar hungrig und echt macht. Die Tatsache, dass die fiktive Meta-Ebene im Film inzwischen zu einer realen wird, und die Filmbranche als Mechanismus, die Gier nach Star-Sein so direkt körperlich sichtbar wird, ist ein phantastischer Bonus. Denn als Slasher-Film ist «Scream4» trotz eines höheren Härtegrades, der sich etwas den in der letzten Dekade eskalierten Sehgewohnheiten angepasst hat, natürlich eher milde und bei weitem kein wirklicher «Horror».

Die Angst vor der Angst…
Zumal der Film am Ende Angst vor dem eigenen Mut bekommt. Indem Jill Sidney und ihren Mordsgefährten Charlie scheinbar umgebracht und sich selbst in einer wunderbar kraftvollen Sequenz selbst zum Opfer von Ghostface zerschunden hat und sozusagen als Opfer und Täterin zugleich auf der Bahre in den weißen Fade hinausgeschoben wird, hat der Film ein unverschämt kraftvolles und mutiges Ende gewagt, das mit dem Alten abschließt und ein phantastischer Neuanfang der Serie gewesen wäre, eine Verschiebung des Fokus, die man ganz klar als für das Genre einzigartig bezeichnen darf. Es wäre sicher spannend gewesen, «Scream5» mit Jill als «Heldin» zu sehen, es wäre eine Neudefinition im Wortsinne gewesen, ein Rollenwechsel, weg vom vertrauten Pattern der Serie hin zu einer neuen Form, mit Ghostface als zentraler Figur, der Täter im Mittelpunkt, nicht mehr das/die Opfer. Zu mutig offenbar, denn kurz darauf entscheidet sich der Film für ein im höchsten Maße angepappt wirkendes Ende, das den ersten Showdown zwischen Jill und Sidney umkehrt und die Protofamilie Sidney/Gale/Dewey in die Siegerrolle hievt – the empire strikes back, die Überalterungsgesellschaft schafft sich quasi die Jugend vom Hals. Traurigerweise besiegelt Wes Craven hier die Berechenbarkeit seiner Serie, friert das Gut/Böse-Schema ein und gewährleistet damit, das «Scream» nie mehr werden kann als ein mäßiger Whodunit-Thriller mit sanften Horrormomenten und etwas Comedy. Es ist fast schade, dass der Film sich offenbar an die Marketingmechanismen halten muss, die er selbst permanent verspottet, und sich nicht zutraut, das Star-Trio zugunsten einer neuen Besetzung zu opfern, geschweige denn das eigene Konzept so drastisch zu redefinieren. Wobei gerade solche Salto-Mortale-Momente die Qualität von Serien und Filmen ausmachen, der Mut, die Zuschauererwartungen auf großartige Art in die Irre zu führen, zu unterlaufen, zu enttäuschen und zu überbieten. «Scream4» scheitert an dieser Stelle und bleibt so trotz vieler schöner Ansätze und einer sehr soliden Darstellerleistung eben doch nur solides Popcorn-Kino, das vor allem deshalb als intelligenter Horrorfilm auffällt, weil es von diesen so verblüffend wenig gibt. Von einer «neuen Dekade» und «neuen Regeln» aber ist nichts zu merken, leider.

15:47 Uhr. Kategorie Film. Tag . Keine Antwort.

Adobe goes iPad

hd schellnack

Ganz generell ist man ja schon fast dankbar, dass Adobe das iPad überhaupt zur Kenntnis nimmt. Jenseits einer eher mauen Photoshop-Express-Version, deren Funktionsumfang nur durch das «Gratis»-Preisetikett zu rechtfertigen ist, scheint der Zwist zwischen Adobe und Apple so tief zu gehen, dass Adobe hier anscheinend einen ganzen Markt verpennt, in dem andere Firmen mit Bildbearbeitung, Filtern und auch den ersten Vektor-Zeichentools durchaus Fuß fassen. Zwei Jahre nach dem Release des iPad gibt es nichts ernsthaftes in Sachen Creative Suite, was auf dem iPad funktioniert – obwohl ich es für durchaus denkbar halte, via Dropbox eine App mit Indesign so zu verzahnen, dass man zumindest Texte und leichte Grafikkorrekturen machen könnte.

Als ersten Schritt in Richtung Apple kommen nun drei Apps von Adobe, die eigentlich ebenso gut auch eine App hätten sein können, dürfen und vielleicht müssen, mit denen man nun ein bisschen Fingermalen darf, Farben anmischen kann und eine Art rudimentäre Fernbedienung für die Werkzeugleiste. Die ersten beiden bringen mir ehrlich gesagt relativ wenig – zumal das Malen mit bloßen Fingern auf dem iPad vielleicht bei David Hockney zu guten Ergebnissen führt, bei mir ist der Finger als Werkzeug nur bei kühlen klimatischen Bedingungen ein geeignetes Mal- und Schreibwerkzeug, wobei das ja mit dem Stift umgehbar ist… nur kann ich dann auch direkt mit dem deutlich überlegenen Intuos direkt in PS arbeiten.

Was «Nav» angeht, so ist inzwischen der Wow-Effekt der Kommunikation zwischen einer Desktop-Applikation und einer iOS-App via WLAN relativ verflogen in Zeiten, wo ich über 3G von jedem beliebigen Ort per Screens meinen ganzen Rechner fernbedienen kann. Das User Interface ist grässlich, die Funktionalität erinnert an eine Amateur-AIR-App. Und was es tatsächlich bringt, abgesehen von einem rasant leergesaugten Akku, ist minimal, weil ein Switch zwischen Werkzeugen oder das Öffnen von Bildern zumindest bei mir schneller und natürlicher über die Tastatur stattfindet – oder zur Not auch per Maus, die man ja eh in der Hand hat und auch in der Hand haben muss, weil «Nav» wirklich nur den Wechsel zwischen Tools erlaubt, nicht aber ihren touchscreenbasieren Einsatz (à la Wacom Cintiq). Der Zusatznutzen von «Nav» eröffnet sich mir insofern eher nicht.

Und hier zeigt sich ein Wandel, den es seit einiger Zeit spürbar gibt, den aber der App Store sehr greifbar und konkret macht – das Ende der großen Software-Anbieter. Ungeachtet der Logistik-Stärken, die eben das Internet als Vertriebsweg zunehmend unwichtig macht, ungeachtet der gefüllten Kriegskassen für Zukäufe von bestehenden Firmen… Microsoft, Adobe und Konsorten schwächeln angesichts eines ätherisierten Verständnisses von Software, das so völlig anders ist als noch vor zehn Jahren. Apple ist die eine noch bestehende Ausnahme, weil sie durch eine glückliche Fügung so viele Standbeine haben, dass die Software halt mitlaufen kann beziehungsweise von den Spielbeinen beflügelt wird, etwa durch die Präsenz im Appstore, und weil die Firma mit Produkten wie Garageband oder Pages/Keynote relativ schnell auf das ja eben eigene Produkt iPad reagieren konnte, während es immer noch kein «Office 2011» für iPad gibt, außer indirekt eben von Drittanbietern. Wobei man sich nichts vormachen darf – nahezu alle Software-Launches der letzten Zeit von Apple hatten Probleme, die auf die Firmengröße rückführbar sind.

Aber generell hat das Web – und die Appstores – die Vorteile großer Softwareanbieter weggewischt, egalisiert. DVD-Brennwerke, Packagedesign – alles egal. Mit einer passablen Website, etwas Eigen-PR via Twitter und den üblichen Gadget-Blogs, Mundpropaganda und gutem Support kann eine gute Software von einer winzigen Firma über Nacht zum Erfolg werden und Standards setzen (und genau so schnell durch die nächstbessere Lösung obsolet gemacht werden). Die Applikationen, die ich auf dem iPad, aber eben auch auf dem Desktop-Rechner zunehmend verwende, stammen von kleineren Anbietern, oft Ein-Mann-Firmen. Das ist ein großer Umbruch in der Entstehung und im Vertrieb von Programmen, der mir derzeit auch unumkehrbar scheint. Und er macht Sinn, wenn man sich die Preise ansieht. Adobe und Microsoft nutzen eine – vor allem bei MS schwindende – Monopolstellung, um überzogene Preise durchzusetzen, und verpassen dabei, wahrzunehmen, wie sehr ihr Monopol wankt. Längst wirkt die Creative Suite so überfrachtet, unnötig kompliziert und schlecht zusammenpassend (während an anderer Stelle wieder an bestimmten Features durchaus eher fehlen), dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, bis bessere Alternativen emergieren, so wie Indesign Quark ersetzt hat. Die Entscheidung, iPad-Publishing mit einem hohen Preis als Online-Modell zu realisieren, wird sich hier langfristig als großer Fehler erweisen, ebenso die schlechte Content/Form-Verzahnung bei Indesign. Adobe reagiert nur langsam und schlecht auf Veränderungen im Webdesign und hat Dreamweaver und Flash förmlich verkommen lassen und schlägt selbst aus der Tatsache, mit PDF und SWF zwei grandiose Formate in der Hand zu haben, kein großes Kapital mehr, was an ein Wunder grenzt. Microsoft hat es in zehn Jahren nicht geschafft, aus dem Dauerbrenner Powerpoint auch nur näherungsweise ein vernünftiges Präsentationswerkzeug zu machen, es fühlt sich immer noch an wie Textverarbeitung 1990.

Auf der anderen Seite bieten namenlose Firmen smarte, sehr gut programmierte Tools an, die verblüffend liebevoll gemacht sind und im Alltag exzellente Arbeit leisten. Von welchem Ende der Welt diese Programme dann kommen, ist fast egal, und es ist fast egal, ob es iOS oder OSX-Programme sind, zumal diese künstliche Trennung in den kommenden Jahren sicherlich zunehmend verschwinden wird. All diese kleinen und großen Programme – Reeder, Writings, Byword, FocusWriter, Drops, Forklift, Omniplan und -focus, ComicZeal, iThoughts, TotalFinder, Alarms, GrandTotal, Frizzix, Saldomat, CopyPaster, iOutbank, Screens und und und – stammen von kleinen Firmen und selbst Größen wie Dropbox oder Evernote fühlen sich «klein» an gegen Microsoft und kommen eben mit wachsender Größe an bestimmte Grenzen. Denn gerade bei den kleinen Apps wird klar, wie schnell und reaktiv Updates sein können. Wenn etwa ein Zevrix-Plug-In wie LinkOptimizer ein wichtiges Feature vermissen lässt, reicht eine freundliche Frage und das nächste Update zwei Tage später kann’s. Es ist ein fast surreales Erlebnis in Sachen Service, wie freundlich und offen kleine Firmen für Anregungen sind – und wie klar sie aber auch wissen, was für sie nicht machbar oder gut wäre. Es ist ein extrem faires Modell – und zugleich übrigens der beste Schutz gegen Raubkopie. Von anonymen Großfirmen überteuerte Software «klauen» ist ja vielleicht eine Sache – aber bei kleinen Machern ist schnell klar, dass nur über Verkauf und faires Miteinander eine Pflege und ein Fortbestehen des Programms gegeben ist. Es entsteht so eine vergleichsweise faire, aber kleinere Mikrostruktur, die ein wenig an den Selbstvertrieb von Musik erinnert und es ist nicht ohne Grund, dass Kickstarter auch für Software eine Plattform sein kann. Während es für Monolithen wie Microsoft strukturell fast undenkbar war (und ist), halbwegs direkt mit Endverbrauchern in Kontakt zu kommen, suchen die jüngeren Entwickler diesen Kontakt vom ersten Moment an. Man muss kein Prophet sein, um in diesem Modell ganz generell eine Zukunft für kreative Leistungen aller Art zu entdecken – Musik, Bücher, vielleicht sogar Design und Architektur. Weg von den Moloch-Strukturen, hin zu projektgerechten und engagierten Größen, die ein one-on-one ermöglichen. Ich habe beispielsweise nie verstanden, warum so viele Auftraggeber in der Architektur mit Foster zusammenarbeiten, wo doch klar ist, dass Sir Norman mit der Firma, die seinen Namen trägt, nicht mehr allzuviel zu tun hat und man eigentlich einen Finanzdienstleister beauftragt, dem es primär ums Geld geht und dessen große Struktur man schlicht mit bezahlt. Entsprechend habe ich mich gefreut, dass Google mutig genug war, anders als Apple, nicht auf die übliche Foster-Lösung zu setzen, oder einen der sehr großen US-Architekten zu nehmen, sondern das vergleichsweise kleinere Büro Ingenhoven zu beauftragen, wo eine viel individuellere Zusammenarbeit machbar ist. Das ist eine richtige Entscheidung. Analog bin ich immer geknickt, wenn wir in Pitches gegen Metadesign oder JvM verlieren – Büros, die gar nicht in Pitches gegen uns bzw wir gegen sie spielen dürften -, durchaus auch bei Jobs, wo das Budget solche Großagenturen gar nicht hergibt. Nicht, weil uns ein Auftrag entgeht (es kommt ja immer etwas anderes rein), sondern weil es für den Auftraggeber, mit dessen Problemen und Zielen man sich ja intensiv identifiziert hat im Rahmen einer Lösungsfindung, die falsche, nur vermeintlich «sichere» Lösung ist. Entsprechend mies ist das, was dabei meist am Ende rauskommt.

Der traurige Stand der Dinge bei Adobe belegt, dass ein Ende der «Big is beautiful»-Ära präsent auch in der Softwarebranche angekommen ist. In Zukunft werden sich große Strukturen zunehmend fragen müssen, ob man sie noch braucht. Digitaler Direktvertrieb und das Internet machen es möglich, klein anzufangen und nach Bedarf atmend zu wachsen, sich selbst zu vermarkten. Auf diesen Power Shift in dem Verhältnis zwischen Musikern und Labels (die ja inzwischen mehr Kreditgeber sind) oder Autoren und Verlagen, zwischen Programmierern und Salesmen, ist die Industrie offenbar kaum vorbereitet, auch wenn ich sicher bin, dass in den Strukturen smarte Leute längst die Alarmglocken läuten. Was soll einen Autor noch abhalten – ob Newcomer oder Bestsellerschreiber – seine Werke mit geringer Startinvestition direkt via iBooks oder als App zu vertreiben? Sobald Apple den «Independants» die Tore öffnet wird es den größten Umbruch in der Verlagswelt geben, den man sich vorstellen kann. Mit dem AppStore ist dieser Umbruch – prägnanter noch als in der letzten Dekade per Direktverkauf online – längst im Softwarebereich vollzogen. Größe spielt (fast) keine Rolle mehr, Service, Tempo, Qualität sind entscheidend – und gute Bewertungen, die daraus resultieren.

Adobe täte gut daran, sich schnell und konsequent auf diese neuen Verhältnisse einzustellen, kleiner, fairer, schneller zu werden und sich vom Marketing wieder auf die Programmierung zu refokussieren – denn die Marktmacht des Giganten wird zunehmend unwichtig. Die ja immer noch recht gute Softwarebasis gilt es aufzubauen, auszubauen, reaktiver zu bekommen und für neue Plattformen umzusetzen. Ansonsten wird der Tag kommen, an dem der Preisunterschied zwischen Photoshop und sagen wir Pixelmator nicht mehr zu rechtfertigen ist. Und sich die Frage stellt, ob man iPad-Newsmags wirklich noch mit Indesign layouten will oder ob es nicht eine integrierte, viel bessere Lösung eines kleinen Anbieters gibt, die im Endeffekt besser funktioniert. Und auf diese Frage hat Adobe derzeit keine überzeugende Antwort, leider.

10. Mai 2011 17:32 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 2 Antworten.

Dayshot

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13:14 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Brauchen Menschenrechte ein Logo?

Auf dem Fontblog, dass ich ja noch lese, ist eine seltsame Debatte um eine Marketeing-Aktion des Crowdsourcing-Designanbieters jovoto entbrannt. Einfach als Memo an mich selbst will ich fix ein paar Eindrücke notieren, die das ganze ausgelöst hat.

Marketing vs. Blog
Fontblog ist eine Marketingplattform für Fontshop und damit für Erik Spiekermann. Deshalb werden dort natürlich oft Projekte und Leistungen von Erik und seinem Umfeld – Ex-Metadesignern etwa – und aus dem Netzwerk von TypoBerlin und Fontshop publiziert und auch die Arbeiten von MetaDesign der Öffentlichkeit vorgeführt, oder vielleicht aufgrund der geschichtlichen Beziehung zwischen Meta und Erik, auch leicht süffisant vorgeführt, da bin ich mir nicht immer so sicher. Das ist völlig okay so, aber manchmal würde ich mir wünschen, es wäre mehr als eine Art Presseplattform, oder zumindest in dem Sinne, dass ich dort auch von KMS oder Mutabor oder Borsche usw. lesen würde. Entweder hält man sich damit zurück, jedes dritte CD von Meta zu zeigen und jede (stets verdiente) Ehrung von Spiekermann zu promoten, oder man muss die Bandbreite erhöhen und auch mal außerhalb der eigenen Buddy-Liste Arbeiten zeigen. Ansonsten ist mir schleierhaft, warum das BOEV-Logo von Meta vorgestellt wird, aber nicht ein Logo, das meinetwegen Magma oder Hesse gerade gemacht haben. Andere Blogs kriegen das ja auch hin. Hier ist ein Blog, das eine lebendige Chance auf Designdiskurs hat und irgendwie mutiert es aus meiner bescheidenen Sicht mehr und mehr zu einer sehr subjektiven und sehr eng definierten Sache, was ich persönlich etwas schade fände.

Diskurs vs. Rechthaberei
Für mich persönlich hat das Fontblog als Diskussionsplattform, die mir Spaß macht, und die ich lange gegen Kritik von Kollegen verteidigt habe, etwas an Bedeutung verloren, als der Betreiber mich persönlich als «Fanatiker» bezeichnete, weil ich es in einer Sachfrage für richtig hielt, eine andere Meinung zu vertreten als er. Warum eine Plattform für Meinungspluralismus betreiben und dann zutreten, wenn der Diskurs nicht zur Bestätigung des eigenen Weltbilds wird? Dann lieber gleich die Kommentare ganz abschalten. Gleiches haben wir jetzt bei der HumanRights-Debatte, wo nicht Jürgen persönlich, sondern Erik von «nöhlenden» und «beleidigten Leberwürsten» spricht – und damit die Kommentatoren des Blogs meint, die ja immerhin seit Jahren eine recht kleine Gemeinde sind, in aller Regel auch Kunden seines Unternehmens. Ich bin ein großer, fast unkritischer Fan von Spiekermann, der einer der Leute war, die mich zu diesem seltsamen Beruf inspiert haben und der im Hinblick auf Persönlichkeit und Lebensleistung sicher völlig zurecht das Alphatier des deutschen Anwendungsgrafikdesigns ist, aber so blank dürfen die Nerven dann ja doch nicht sitzen, finde ich. Es ist das gleiche Pattern – Diskurs wird durch Diffamierung abgewürgt. Ich nenne das für mich selbst meist die George Bush Technik («Wenn du nicht für mich bist, bist du gegen mich»), aber historisch geht dieser Ansatz natürlich deutlich weiter zurück. Im Sinne des Streamlinings von Meinungen (vulgo: Maulkorb) funktioniert diese Technik, im Sinne eines lebendigen Ideenaustauschs ist die ein Zeichen von Schwäche. Argumente und Austausch sind gut, Beschimpfungen von Menschen mit abweichenden Meinungen sind ein Diskursabwürger und schaden am Ende nur dem, der diese Waffe zur Hand nimmt – er hört auf zu lernen und sich an abweichenden Meinungen zu entwickeln. Kurzfristig mag man so kosmetisch «Recht» bekommen – ohne Recht zu haben – langfristig stagniert man, wird kritikresistent. Ich glaube nicht, dass Erik diese Art Mensch ist, umso erschreckender finde ich diese Art von ungeduldiger und rechthaberischer Geste. Im Kontext von «Menschenrechten» in dieser leicht diktatorischen Form in einem Blog aufzutreten, dass Erik im Grunde gehört und in dem er out of the box ganz andere Positionierungschancen hat als die reinen Kommentatoren ist zumindest etwas «mixed message», finde ich.

Human Rights = Crowdsourcing?
Die Entwicklung eines Menschenrechtslogos und die Einberufung einer namhaften Jury ist für den Betreiber ohne Zweifel eine Marketing-Maßnahme, um die Möglichkeiten seiner Crowdsourcing-Plattform profiliert zu kommunizieren. Das ist richtig gedacht und professionell umgesetzt – schade ist aber, wenn auf diese Strategie unkritisch reingefallen wird. Da wird ein Goodwill-Thema gesucht, bei dem Stardesigner wie Minister gerne den Termin «wahrnehmen» (im doppelten Sinne: Sie gehen hin, jurieren und gehen wieder weg, werden eben aber auch selbst im Kontext eines positiven Themas «wahrgenommen», profitieren also von einem Imagetransfer ebenso wie das ausrufende Unternehmen) und eine PR-Maschine angeworfen. Wenn Erik dann fragt, wer sonst als eine CS-Plattform einen solchen Wettbewerb ausrufen und durchführen kann, weil andere Agenturen ja schon bei der Recherche zehntausende von Euro verbraten würden, muss damit leben, wenn sich demnächst auch Industriekunden fragen, ob sich bei Jovoto nicht Geld sparen lässt. Wer als Designer denkt, dass eine Bildmarke entsteht, indem hunderte und tausende von Menschen unbezahlt visuelle Ideen an die Wand klatschen, darf sich nicht wundern, wenn dieser Masse=Klasse-Denkansatz dann irgendwann auch die eigenen Klienten erreicht. Es ist interessant zu sehen, dass Erik hier im Namen des vermeintlich Guten die Grundsätze, die er seinem eigenen Laden verpasst hat, fröhlich über Bord wirft. Bin ich nun zynisch und nörgelig, wenn ich einen solchen Wettbewerb in jeder Form für verkehrt halte? Die großen Bewegungs-Logos sind ja tatsächlich als «Graswurzel»-Ding entstanden… oft nicht von Profi-Designern gemacht. Aber: Sie stammen nicht aus Reißbrett-Wettbewerben, deren primäres Ziel Eigenmarketing ist, sondern sind aus der Bewegung selbst entstanden. Würde also eine Sekretärin bei AI ein Logo entwerfen, das sich im Laufe der Zeit durchsetzt, wie die Anti-Atom-Sonne, perfekt – besser kann es nicht gehen. Eine gute Marke braucht nicht unbedingt Profis, sie muss sich nur durchsetzen. Aber ist eine Castingshow globaler Illustrator-Künste hier wirklich der Ansatz? Selbst wenn etwas durchkommt – welche Rückendeckung kriegt denn ein Logo durch eine (zudem national besetzte) Jury wirklich? Keine – ebenso wenig wie eine Castingshow-Jury ein Garant dafür ist, dass ein Sänger wirklich gut ist. Die Jury – ein Gremium und wir alle wissen, was Gremienentscheidungen für Designergebnisse bedeuten – gewährleistet nur, dass etwas gewinnt, auf das sich alle einigen können. Unter uns: Selbst wenn Barack Obama, Gott und Vignelli am Tisch säßen, um sich auf ein Logo zu einigen, wäre es am Ende kein globales Logo für eine globale Idee. Es ist vermessen, sorry, ein Gegenstück zum «Peace»-Signet im Rahmen eines solchen Wettbewerbes zu finden. Es findet sich, wenn nötig, von selbst. Es gibt einen Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht und es gibt Dinge, die man nicht tun sollte, selbst wenn es eine gute Absicht gibt. Ich unterstelle allen Beteiligten die besten Absichten – oder einen Mix aus Eigennutz und guter Absicht -, aber wäre es nicht vermessen zu denken, dass am Ende wirklich DAS Logo für weltweite Menschenrechte entsteht? Oder soll da am deutschen Wesen wieder die Welt genesen? Warum entsteht das Logo nicht woanders? Und man darf natürlich die Frage stellen, inwieweit ein Außenminister, der in Lybien wie in China in genau der Thematik zeigt, dass er zu laut brüllt und dann zu kurz springt, hier nicht eher Malus als Bonus in einer Jury ist, wenn es um die Frage der Legitimierung geht.

Brauchen Menschenrechte ein Logo?
Seien wir doch mal ganz ehrlich: Nein. So Sachen gehen doch schief. Ich will kein Logo für Gender-Mainstreaming, kein Logo für Netter-sein-zu-Ausländern und so weiter. Es gibt einige Signets, die sich etabliert haben und die funktionieren – das berühmte Hakenkreuz, das in den Abfalleimer geworfen wird, die Powersonne der Anti-AKW-Bewegung usw – aber die sind nicht gemacht, die sind gewachsen… von unten nach oben, nicht umgekehrt. Und sie sind aus einer Zeit, in der wir nicht ohnehin in Logos und Signets nahezu ertrunken sind. Logos sind die moderne Heraldik von Unternehmen – und machen als solche Sinn – und in einigen wenigen Ausnahmen haben sich ein Slogan und ein Bild auch als «Logo» für eine Sache etabliert. Es ist schon ein Denkfehler, das katholische Kreuz oder den Davidstern als «Logos» mißzuverstehen… und ebensowenig ist eion Peace-Zeichen ein «Logo». Diese Zeichen als so zu betrachten verknappt und verengt die historische Narration, die hinter solchen Symbolen steht – ein Kreuz ist kein Nike- oder Apple-Logo und es «verkauft» nichts. Es ist immer wieder erstaunlich, dass Designer diesen Unterschied zwischen «gemacht» und «gewachsen» so unterschätzen, zumal die «gemachten» Signets ja aus der Lehre der über Jahrhunderte gewachsenen Wappen und Zeichen gewachsen sind. Logographie, wie Sprache, braucht dieses Wachstum (auch das Nike-Logo hat ja inzwischen eine gereifte, in der Zeit gewachsene Komponente) – ein «richtiges» Logo wird nicht von Designern gemacht, sondern von den Nutzern akzeptiert. Das ist ein haarfeiner Unterschied – denn diese langfristige Akzeptanz zu erzeugen ist ja die Aufgabe guten Designs – aber es ist der Unterschied zwischen lauwarmen Reißbrett-Clusterfuck und dem zeitlos Gutem, das bleibt und wächst und gedeiht, sich verändert und dennoch bei sich bleiben kann, es ist der Unterschied zwischen statischen und dynamischen Systemen. Insofern ist die Idee, dass ein Logo für eine Bewegung, demokratisch und nicht durch eine Agentur entsteht, durchaus richtig – aber es darf eben auch nicht in einem Wettbewerb entstehen, sondern es wird von selbst und sui generis entstehen, wenn die Zeit dafür da ist. Es wird einfach da sein, es braucht keine Geburtshelfer. Dass es fast zynisch ist, wenn ausgerechnet eine hochkapitalistische Plattform in der Urform des kapitalistischen Aussortierens – dem Casting-Wettbewerb – für «Menschenrechte» ein Signet entwickeln will, wenn doch genau diese Menschenrechte unter eben diesen Mechanismen leiden, ist da fast nur die Fußnote, eine fast an Münchhausen erinnernde Volte. Ich finde die Idee Crowdsourcing und «Menschenrechte» in einem Atemzug jedenfalls grandios realsatirisch.
Tatsächlich brauchen die Menschenrechte kein Logo, sie brauchen Menschen und Rechte. Sie brauchen Informationsfreiheit und politischen Druck, sie brauchen mutige Menschen, Journalismus, Zeit und Geld. Aber keinen schmissigen Begriff und kein funky logo, egal wie gut oder schlecht es sein mag. Man darf das nicht mit der Frage verwechseln, ob Design sich nicht in den Dienst der guten Sache «Menschenrechte» stellen kann, durch Plakate, Anzeigen, Magazine, Bücher und und und. Und wer weiß, vielleicht entsteht bei diesem Contest wirklich ein Logo, das global dem guten Zweck dient (was ja toll wäre). Aber intuitiv würde ich vermuten, jeder der Beteiligten könnte sich besser – wenn auch unsichtbarer – für die Menschenrechte engagieren, wenn er es anders täte als durch diese Aktion.
Ich glaube zunehmend nicht daran, dass «Ideen» ein Logo brauchen – entweder es entsteht eins aus der Idee an sich, professionell begleitet oder auch nicht, oder aber es braucht kein Signet. Die Idee, dass alles und jedes ein Logo, am besten noch eine Hausfarbe und -schrift braucht, ist ein seltsamer Ordnungsanfall, und wenn man historisch ansieht, wie undemokratisch die Genese von Zeichen dieser Art ist, darf man sich vielleicht sogar um jede Bewegung freuen, die so bunt und so vielfältig ist, dass sie sich nicht unter einem einzelnen Zeichen versammeln mag und kann.

Heilt Design die Welt?
Design ist komplex und ganzheitlich und im höchsten Maße sozial – da wundert es nicht, wenn Designer sich für mehr verantwortlich fühlen als ihren eigenen Bereich, sondern immer das Große Ganze wollen. Es geht nicht um die Broschüre, es geht um die Philosophie, es geht nicht um die Visitenkarte, es geht ums Denken, die Vision… wir neigen alle dazu, uns immer furchtbar konzeptionell zu überschätzen, nicht das Handwerk zu machen, sondern die große Rede zu schwingen. Ich packe mich an dieser Stelle sehr gern an die eigene Nase – ich neige da auch zu und diese Neigung ist an sich auch gut. ich glaube, dass gutes Design darin besteht, über MEHR nachzudenken und MEHR zu machen, zu nerven, zu bohren, nein zu sagen, zu quengeln, zu streiten und zu verführen, bis es möglichst gut wird. Und wenn ich sehe, wie Arbeit aussieht, die durch Jasager entsteht, finde ich diese (für alle Beteiligten enorm anstrengende) Strategie eigentlich immer goldrichtig. Den Fehler, den ich aber nie mache, ist der Umkehrschluss. Ich glaube, dass gutes Design eine gute Wirkung (langsam und langfristig) entfaltet, aber ich war nie der Meinung, dass Design die Welt besser macht. Der Welt ist Design zu Recht völlig schnuppe. Uns Designern darf die Welt nicht schnuppe sein, aber ich käme nie auf die Idee, ein Signet für den Umweltschutz würde TATSÄCHLICH dem Umweltschutz helfen. Wir arbeiten seit Jahren immer wieder pro Bono für zahlreiche Sozialprojekte, aber das tun wir, weil ich es selbstverständlich finde, bei guten Sachen auf kleine Art meinen Beitrag mit dem zu leisten was ich und mein Team halt gut können. Idealerweise ist so etwas langfristig und macht beiden Seiten Spaß, aber ich lebe nicht in einer Realitätsverzerrung, in der ich denke, dass das, was wir da tun wichtig ist. Wichtig sind die Leute, die wir unterstützen, wichtig sind Ehrenämtler und engagierte Menschen, die etwas bewegen. Wenn wir denen helfen können, ihre Kommunikation erfolgreicher zu machen – und nur darum geht es – dann mache ich das gerne und hoffe aufs Beste. Aber ich glaube nicht, dass ein neues Logo für die Suchthilfe Essen auch nur einen Hauch tut, um die Junkies von den Straßen zu kriegen. It’s just windowdressing. Ein langfristiges, strategisches Design (plus etwas Budget plus generell gute Bedingungen) kann sicherlich einen Unterschied machen, weniger an sich als vielmehr durch die damit verbundenen Ideen, Prozesse und Austauschmomente – und natürlich hilft es, wenn eine Broschüre gut gemacht und fein gedacht ist oder ein Plakat die Chance hat, aufzuwecken. Aber Design löst keine Probleme, auch wenn das der Mythos ist. Ein Logo macht keine Menschenrechte, ebenso wenig wie Political Correctness soziale Ungerechtigkeiten löst. Wir leben in einer politsch immer «korrekteren» Welt, und haben eine wirtschaftliche Ungleichheit wie seit Jahrzehnten nicht mehr, mit den gleichen Barrieren wie eh und je – nur ist der Stacheldraht heute rosa angepinselt. Ein Logo ist insofern reine Symbolpolitik – es ist insofern nur verständlich, dass hier ein Minister gern in ein Juryamt wahrnimmt -, die nichts bewirken kann und auch nichts bewirken will, es ist so wirkungsvoll, als würde man die Putzfrau zur Facility Managerin umdefinieren, natürlich ohne Gehaltserhöhung oder sonstige faktische Änderungen. Aber um die Realität, nicht um den Symbolkosmos in dem wir Designer uns bewegen, geht es nun einmal. Wer etwas für die Menschenrechte tun will, sollte nicht Illustrator anschmeißen und Linien zeichnen, sondern sich beim Amnesty International seines Vertrauens erkundigen, wie er aktiv werden kann. (Ja, ich weiß, dass man auch AI kritisch betrachten kann als Spendensammelverein, es ist nur ein Beispiel.)
Natürlich kann Design sozial und politisch sein. Designer wie Bruce Mau, Tibor Kalman oder lokaler Sandy Kaltenborn beweisen ja, dass aus einem bestimmten Denken auch eine Haltung und Handlung enstehen kann und darf, Design nicht a-sozial oder unpolitisch sein muss oder man (wie in der Werbung so oft) gegen das eigenen Gewissen arbeiten muss. Der richtige Weg hier ist aber ausnahmslos die Strategie der kleinen, eigenen Schritte. Wer sich als Designer engagieren will, wird nicht bei Jovoto ein Wegwerflogo mit zig anderen Leuten in die Runde werfen, sondern seine Zeit vielleicht besser investieren, um der lokalen Kirche oder einer Protestgruppe unter die Arme zu greifen – oder sich Projekte größeren Maßstabes suchen, wo er sich einbringen kann. Ansonsten ist dieser Logo-Wettbewerb so inhaltslos und folgenarm wie einen «Like»-Button unter einem Facebook-Aufruf zu drücken. Design wird die Welt nicht im großen Heilen – und das ist auch gut so. Design in komplexerer Form – als Propaganda, als System von Bildern, Memen, Texten, als Gärtnertätigkeit im Treibhaus der Kommunikation, kann langfristig sehr wohl Wirkung entfalten… aber das ist eine ganz andere Nummer als ein Logo-Casting, das ist ein lebenslanger Prozess, das ist Otl Aicher, nicht Crowdsourcing.

Also bitte, liebe Kollegen – wenn ihr Gutes in eurem Job tun wollt, bitte tut das. Ich finde es essentiell für ein Designbüro – und nicht nur für Designbüros – das man etwa 10%-15% der jährlichen Arbeitsleistung in ein pro-bono-Projekt steckt, und zwar nicht, um mit einem krassen Anti-Tierversuch-Plakat beim ADC einen Nagel zu kriegen, sondern um mit den bescheidenen Mitteln, die man hat, etwas zurückzugeben. Insofern ist die Erfolgsrate, die persönliche Befriedigung und der Spaß ganz zu schweigen von der Wirkung höher, wenn man nicht einem Zweck, der kein Logo braucht, eins verpassen will, sondern sich lokal umsieht, wo man mit einem Plakat, einem Flyer oder eben auch einem Logo ganz handfest helfen kann. Es bringt einfach mehr – und vor allem hilft es den richtigen Leuten.

  

5. Mai 2011 17:37 Uhr. Kategorie Design. Tag . 9 Antworten.


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