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Mistral

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Wir hatten ja heute eine kleine Diskussion im Büro, bei der ich meinte, im Zuge des Revivals nahezu jeder schlimmen 90s-Schrift müsste man doch auch wieder die frühen Bitstream-CorelDraw-Unsagbarkeiten aus der Kiste holen, etwa die Mistral. Die überraschenderweise kaum jemand hier kannte und als ich sie online zeigte, hab es betretenes Schweigen. tatsächlich habe ich an die Mistral warme Erinnerungen – sie ist eine dieser Plakatschriften deren Name allein schon französische Urlaubsgefühle aufkommen lässt… und tatsächlich gehört sie ja in die Riege der Excoffon-Antifonts, die derzeit wieder en vogue sind, wie auch die Choc. Es ist die Signatur einer untergegangenen Werbeepoche – und für mich seltsamerweise auch der achtziger Jahre – und weil es keine schlechten Schriften gibt, habe ich sie wieder herausgekramt. Zwei Minuten Arbeit, Photo ein Work-Screenshot von Phillp Ottendörfer…, alles durchaus ironiefrei zusammengebaut… und ich finde, die Mistral geht irgendwie tatsächlich auf diesem fiktiven Buchcover. (Das Design geht natürlich nicht, ist aber nur fix zusammengebaut). Ich muss mal wieder die alten Corel-CDs herauskramen :-D. Und mehr Buchcover machen, anscheinend – eigentlich sehr nett, mal in fünf Minuten etwas zusammenzubauen anstatt an langen Projekten zu sitzen. Designer-Quickie, so ein Buch. Tatsächlich vergessen wir aber oft angesichts der ernsten und funktionalen und reduzierten Schriften, mit denen wir alltäglich alle arbeiten, wieviel Spaß die wenn auch etwas wirsche Schriftenvielfalt am Anfang des digitalen Zeitalters gemacht hat – als die Fonts noch mies waren und uralte Zeitgeist-Displayschriften massenweise auf den Markt kamen bzw in den neunzigern diese grandios schlechten Techno-Schriften aufkamen. All das macht auch einen Teil des Spaßes an der Arbeit mit Schrift aus.

(Und sorry für die zwei Wochen Sendepause, so much to do)

29. April 2011 19:58 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Dogs Die In Hot Cars

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16. April 2011 20:39 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Fritz J. Raddatz: Tagebücher 1982-2001

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Auf dem Rücken des 900 Seiten schwellenden Tagebuchbandes von Fritz J. Raddatz kündigt ausgerechnet Frank Schirrmacher das Buch als den «großen Gesellschaftsroman der Bundesrepublik» an. Und obwohl Raddatz Notizen in seinem Tagebuch sicherlich eine spannende Periode kultureller Erlebnisse im Niedergang des 20. Jahrhunderts abbilden, so entsteht natürlich in Wirklichkeit zu keinem Moment ein Roman, entsteht keine Erzählung schon gar keine «große». Das ist nicht der erste sich zu reinem Hype ergreifende Cover-Blurb, der den Umsatz ankurbeln soll, aber man fragt sich unwillkürlich ob Raddatz sich von solchem Kirmesgeschrei geschmeichelt fühlen mag oder sich zu Recht verarscht fühlen darf – ein Tagebuch ist ein Tagebuch und diese Tautologie, eigentlich diesen Genre-Unterschied darf man ruhig beherzigen. Raddatz Tagebücher sind nicht Der «Mann ohne Eigenschaften», aber das wären Musils Tagebücher eben auch nicht. Raddatz Erzählungen sind als Romane erschienen – dies ist kein Roman und er dreht sich auch nicht wirklich um Gesellschaft, schon gar nicht um die große Gesellschaft, wenn auch mitunter um die gehobene. Es geht vielmehr um den Raddatzschen Mikrokosmos, bestehend aus den Künstlern, Autoren, Freunden und vor allem Feinden, die ihm als Zeit-Feuilletonchef, Autoren und Mensch so über den Weg laufen. Das hier immer wieder über Jahre hinweg die gleichen Namen erscheinen, darf niemanden wundern, ebenso wenig die Tatsache, dass Themen wie Tschernobyl, AIDS oder Irakkrieg nur eine Art Randnotiz abgeben, individueller Selbstzweifel, ein Nicht-in-die-Welt-passen und eine Art permanenter Schwanzlängenvergleich mit seinem künstlerischem Umfeld aber enormen Raum bekommen und nahezu erschreckend gleichförmig über diesen großen Zeitraum immer sogar in ähnlichem Wortlaut wiederkehren, gerade so, wie die Zungeja auch immer wieder an den schmerzenden Zahn findet. Und das darf auch so sein, denn es geht eben nicht um Gesellschaft, oder gar um Wirklichkeit, sondern um Raddatzsches Innenleben.

Das, an sich, aber eben unzweifelhaft eine spannende Lektüre abgibt. Rasiermesserscharf, ehrlich, zynisch und humorvoll zugleich, analysiert er die Eitelkeiten seines Umfeldes, die Schwächen und Fehler, und enthüllt dem Leser so eine ganz seltsam intime Sicht auf die intellektuelle High Society deutscher Kunst aus zwei Dekaden. Wie eine seltsame Art Anti-Boulevard-Klatschformat spiegelt sich in Raddatz eine Kulturlandschaft, der es anscheinend wenig um das Machen geht, mehr um den Erfolg, die Titel, die Ausstellungen, das Geld. Es ist ein seltsamer Schattenkapitalismus der Kunst, der sich hier entfaltet, ein Versailles mit Intrigen, Mißgunst, Neid und einer wunderbar atemberaubenden Verlogenheit, derer der Autor selbst sich zwar geniert, aber ebenso bedient.

Zugleich ist interessant wie sehr sich Raddatz an seinen Peers misst. Was er anderen Autoren, etwa Hans Mayer, vorwirft, die eitle Egozentrik der Künstlerseele, die immer nur über eigene Erfolge plappern kann, bemerkt er an sich selbst scheinbar kaum, wenn er über Rückschlägen gekränkt ist oder literarische Anerkennung aufsaugt, wenn er seitenweise darauf verweist, dass eben er doch jenen oder diesen gefördert und entdeckt hat und dass er doch jenes oder dieses bewegt hat (stets ohne Dank natürlich) oder wenn er sich etwas kühn selbst neben Grass, Böll und Konsorten als «Stimme seiner Generation» verortet. Die Kaltschnäuzigkeit, mit der Raddatz auf den stets so wahrgenommenen Mangel an Manieren, Wissen, Mobiliarsqualität, Gastfreundlichkeit, selbst noch die offenbar lieblose Weinwahl seiner Umwelt einprügelt und die Härte, mit der vernichtende Urteile fällt, bildet einen seltsamen Gegensatz zu der sanften Selbstliebe und der permanenten Frage, warum er nicht als wunderbarer Mensch akzeptiert wird. Vielleicht, weil die Umwelt eben doch nicht so blöde ist, die kalte Verachtung, die aus Raddatz Worten emporsteigt, zu riechen und zu erwidern.
Schaut man in die Seele eines solchen Egozentrikers, der aber zugleich ein kluger und durchaus stets auch gebender Mensch zu sein scheint, ahnt man bald, dass die drastische Abwertung nahezu jeder Person in seinem Umfeld die kaum verklausulierte eigene Unsicherheit mit zum Ausdruck bringt, Schutzmechanismus ist, man andere eben noch einen Hauch mieser finden darf als sich selbst. Es ist ein Mechanismus, den die meisten Menschen irgendwann nach der Pubertät ablegen.

Und dieser Mechanismus macht die Tagebücher schwer verdaulich, man schaut fast täglich in den Abgrund der Raddatzschen Unzufriedenheit und möchte den Mann bereits nach den ersten zweihundert Seite aus einer Zeitmaschine zaubern, durchschütteln und ihn bitten, sich zu entspannen, glücklicher, offener zu sein, den Misanthropen einzumotten. Denn in den Momenten, in denen in den Einträgen Glück und Zufriedenheit durchblitzen (und zugegeben, wer führt schon ein Tagebuch über die kleinen guten Momente? Tagebücher sind ja doch eher Orte der Selbstzerfleischung), zeigt sich ein grandioser Beobachter mit einen unfassbaren Auge für kleinste Sinnhaftigkeiten und Symbole, der mit wenigen Kohlestrichen eine Landschaft, eine Situation, einen Menschen erfassen kann. Es ist dieses Talent, trotz aller Redundanzen auf den 906 Seiten, die das Buch lesenswert macht – der Einblick, wenn auch gefiltert, in die Seele eines Egozentrikers, eines paradoxen Menschen, der im Mittelpunkt steht und sich doch ausgeschlossen zu fühlen scheint.

Insofern sind die Raddatzschen Tagebücher eben kein Gesellschaftsroman, sondern Charakterstudie eines Kulturschaffenden, der mit sich hadert, ständig Existenzangst zu haben scheint und selbst in relativer Abgesichertheit noch unter monetärem Vertigo zu leiden scheint. Es ist eine Langzeitstudie des Kreativen zwischen Selbstvermarktung und Selbsthass, in der sich wahrscheinlich viele andere Autoren, Musiker und Künstler wiederfinden werden. Und zugleich ist es ein oft unschöner Einblick in einen subjektiven Ekel vor der Mediengesellschaft, den Raddatz fast ausnahmslos angesichts seiner Umwelt verspürt. Ob Gräfin Dönhoff, Schmidt, Augstein, ob Brasch oder Hochhuth, sie alle kriegen ihr Fett weg, wenn Raddatz sich über die Zeit-Redaktion, die Frankfurter Buchmesse oder die Autorenwelt im allgemeinen ausläßt. Selbst Balzac wird gebeckmessert, was umso bizarrer wirkt, als das Raddatz sich furchtbar aufregt, wenn andere Lordsiegelbewahrer die Giftspritze auspacken, wie etwa Peter Zadek.
Es ist ein wunderbares, oft auch anstrengendes, mitunter nervendes, gottlob immer wieder eben auch sehr lohnendes Gebirge, durch das man dem Reiseführer Raddatz hier folgt und es ist vielleicht Symbol seiner seltsamen Mischung aus Eitelkeit, Größenwahn und eben doch Ehrlichkeit (und Mut zu oft aus heutiger Sicht etwas naiv wirkenden homoerotischen Altherrenphantasien) und tatsächlicher Größe, das dieses Buch noch zu Lebzeiten erscheint, viel Freunde macht man sich mit solcher Offenheit wahrscheinlich nicht.

Es ist kein großer Gesellschaftsroman, der hier entstanden ist – und die Entscheidung des Autoren oder des Rowohlt-Verlages, nur die Tagebücher zu veröffentlichen, die irgendwie aber dazu gehörenden anderen Essays in der Zeit und andere, spezielle Tagebücher nicht zu publizieren (was dann aber endgültig im Umfang eine Bibel ergeben hätte) macht das Werk ganz im Gegenteil eher etwas löchrig, weil immer wieder Kontexte und Inhalte fehlen, die man sich zusammensuchen muss (was man oft nicht unmittelbar kann). Aber es ist trotz des Volumens und der eher mäßigen Typographie ein wunderbares kleines und oft intimes Buch, das einen starken Sog entwickelt, das man oft nicht «wegen», sondern «trotz» liest und doch nicht aus der Hand legen mag. Und das allein ist schon eine große Leistung für diese Tagebücher eines offenbar bewegten und bewegenden Lebens.

15. April 2011 19:36 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . Keine Antwort.

Auerberg

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Wie zur Klärung der Frage, ob gutes Design gut fürs Geschäft ist flattert heute ein Produktbüchlein von Auerberg bei uns auf den Schreibtisch und sagt souverän: Natürlich verkauft Design. Das von den Münchener Kollegen Kochan und Partner liebevoll gestaltete und zudem wunderbar produzierte Buch macht Lust auf die Produkte darin, die man in weniger wertigem Umfeld keines zweiten Blickes gewürdigt hätten und deren wunderschöne elegante Schlichtheit erst in diesem Rahmen richtig aufblüht. Eine solide Homepage macht aus dem Interesse schnell und reibungslos einen Kaufakt – gut gestaltet, einfaches Warenkorb, einfaches Payment – und so zeigt sich Christoph Bönigers Start-Up knapp ein Jahr nach der Gründung in extrem vielversprechender Form. Auch wenn hier gutes Design natürlich gutes Design verkauft und insofern der Luxus eben Luxusprojekte inszeniert – an der Grundregel ändert sich nichts. Gute Photos, ansprechende Texte, die Mühe, die Designer einzeln zu portraitieren PLUS die Grundtatsache eines spannenden Produktkanons mit einer überzeugenden Idee dahinter – all das zusammen ergibt (hoffentlich nicht nur bei mir) Erfolg. Das Ganze scheint nicht so puristisch wie Vitra, nicht so verspielt wie Moormann, nicht alles, aber einiges hat einen Hauch von Bill oder Aicher, wirkt jetzt schon zeitlos, ehrlich in der Materialität. Einzige Schwachstelle ist vielleicht das Logo, das etwas zuviel will – seltsamerweise finde ich den Namen einfach in der verwendeten InfoOffice gesetzt viel reiner und überzeugender, passender zum schlichten Charme der Produkte. Aber das ist wirklich nur ganz ganz leise angemerkt angesichts eines phantastischen Auftritts!

Wer mehr wissen will, kann Auerberg hier entdecken – und ich bin gespannt auf mein Büchertablett.

13. April 2011 18:45 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Wald

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12. April 2011 16:40 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . Keine Antwort.

Freiwild Cases

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Derzeit arbeitsbedingt etwas still im Blog, aber ganz kurz ein wenig Werbung für die Filzcases von Freiwild – Julia Osters Freiwild-Hüllen für iPad, iPhone, 13″ und 15″ Notebooks und – hier im Bild – die beiden Airmodelle – sind wie ja fast alles aus Filz eine augenweide. In der grauen, rauen Variante machen die Cases am meisten Spaß, sie passen ideal und auch wenn Filz an sich natürlich nicht gerade das pflegeleichteste Material ist, bietet es einen ausreichenden Schutz für die Geräte unterwegs. Der dicke Schafsfilz ist solide vernäht, das Ganze wirkt trotz des recht kleinen Ladens nie studentisch «handmade» oder fragil, sondern strahlt den Charme eines hochsoliden professionellen Produkts aus, dem man seine Hardware gern anvertraut. Ich muss zugeben, da ich das Air in einer Tasche transportiere (allerdings für 15″) ist das Case gar nicht SO nötig (außer um das Air zusätzlich zu schützen, zumal das iPad meist im gleichen Fach der Kuriertasche mitreist) – aber wer kann bei so einem tollen Produkt nein sagen?

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15:35 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 4 Antworten.

Dayshot

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5. April 2011 19:46 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

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19:13 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

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1. April 2011 13:12 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.


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