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hd schellnack

Werbedisplay im Einkaufszentrum – place your ad here.

28. Februar 2011 17:29 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Löffel

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27. Februar 2011 03:46 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Äste

26. Februar 2011 00:48 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Kabel

23. Februar 2011 23:03 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Eine Antwort.

Lampe

23:02 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Stuhl

23:00 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Strg C Strg V

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Trotz medialer Überflutung zum Doktorarbeits-Thema und keiner Zeit, wirklich was zu schreiben, schnell ein paar flüchtige Gedanken als Spiegelstriche, ums notiert zu haben:

Kann man etwas mit großer Geste zurückgeben, auf etwas verzichten, was einem gar nicht gehört bzw. zusteht?

Reicht das als «Sühne»? Heißt das ergo, dass ich in Zukunft als beim Diebstahl erwischter Bankräuber einfach die Geldsumme zurückgebe («ich verzichte auf das Geld») und damit hat es sich? Oder müsste da nicht eigentlich noch mehr passieren.

In der Musikbranche nennt man das Sampling. Und Hits, die zu 75% aus anderen Songs bestehen, sind da gar keine Ausnahme. Nur: Es fließen heutezutage eben Lizenzgelder.

Man darf gar nicht darüber nachdenken, dass Jürgen W. Möllemann – seinerzeit eines der Vorzeigeexemplare von Karrierepolitiker, die vor Verquickung von Amt und Business keine Angst hatten und durchaus am Sessel zu kleben gedachten – wegen einer Schleichwerbung für die Firma seines Vetters auf dem Briefbogen des Wirtschaftsministeriums zurücktreten musste. Wegen eines Einkaufschips, also. Aus heutiger Sicht wirkt Möllemann, der aufgrund des hohen medialen Drucks auf das Wirtschaftsministerium und die Vizekanzlerschaft verzichtete, damit förmlich hochanständig.

Ablenkung ist die Basis aller Magie. Jeder redet von dem Laien zumindest doch vergleichsweise lässlich erscheinenden Plagiat, keiner redet mehr über die Gorch Fock oder Afghanistan oder Soldaten, die sich warum auch immer gegenseitig abschießen. Die Thematik der Doktorarbeit ist insofern auch ein phantastisches Nebelmanöver – das Thema ist nachvollziehbarer und massentauglicher als komplexe militärische Prozesse, zugleich das Skandalpotential geringer. Vor allem erlaubt der Themenschwenk es dem durchschnittlichen Bild-Leser, sich mit dem Verteidigungsminister zu solidarisieren – «jeder hat doch schon mal abgeschrieben». Schon George Bush wußte, wie wertvoll ein «Aw shucks, IÄm just one of y’all folks» sein kann. Abkupfern lässt sich aus Bürgersicht als Kavaliersdelikt abtun, obwohl genau das freilich eben hier keines ist – und von tatsächlich wichtigeren Themen redet kein Mensch mehr, auch die Medien nicht.

Es geht natürlich nicht ums «Abschreiben». Es geht um das recht durchschnittliche Maß unserer Politiker heute: Mehr Schein als Sein, etwas «Besseres» sein wollen ohne die Substanz dazu, Titelhuberei und vor allem: Nie mehr zugeben als sowieso schon absolut zweihundertprozentig bewiesen ist. Was sich als Ausnahme von diesem Betriebszustand generieren wollte, entpuppt sich nun als der scheinbare Prototyp des Berufspolitikers – und das haben die vielen Leute, die in diesem Beruf mit Herz und Seele dabei sind und sich einsetzen irgendwie nicht verdient.

Muss man seine eigene Doktorarbeit noch einmal «lesen», um zu wissen, wo man ganz eindeutig plump abgeschrieben hat? Also nicht, wo man sich vielleicht hat zu einem eigenen Text inspirieren lassen oder eine Art Idee aufgegriffen hat, sondern wo man 1:1 kopiert und minimal umformuliert hat? Das weiß man doch selbst nach Jahren noch, das ist nämlich keine Unachtsamkeit, sonst würde man sich ja nicht die Mühe machen, den O-Ton durch ein zwei minimale Eingriffe zu «tarnen». Verdienen jetzt denn schon wirklich die Ghostwriter so wenig, dass selbst die schon plagiieren müssen? Und kann man sich den Titel nicht im Zweifelsfall irgendwo in Südamerika billiger besorgen? Ich jedenfalls krieg das permanent nachts per Fax angeboten ;-).

Haben Doktorväter denn wirklich kein Google?

Zugleich enthüllt sich ein Apparat, der auf die Titel wert legt, aber deren «sauberes» Erlangen durch individuelle Überforderung nahezu unmöglich macht. Wenn ein System auf immer jüngere Karrieristen geeicht wird, darf es sich nicht wundern, wenn diese schludern und schummeln müssen. Wenn Karriere das einzige Ziel einer Doktorarbeit ist – also es im den sozialen, nicht intellektuellen Wert des Titels als solchen geht -, dann schlummert hier seit langem ein tieferliegendes Problem, das Bildung und Schule und Universitäten und Abschlüssen per se völlig falsch bewertet. Die schleichende Entwertung von Bildung als Selbstzweck und Wert-an-sich findet in diesem Fall einfach nur eine besonders populäre Galionsfigur.

21:49 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 6 Antworten.

Dayshot

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20:09 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

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18. Februar 2011 18:08 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

Strahler

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17. Februar 2011 17:48 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

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17:29 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

Duran Duran: All you need is Now

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Und noch einmal 80s-Retro. Während der Titel des neuen Albums von Duran Duran «All you need is Now» nahelegt, dass die Band um Simon LeBon hier eben nicht nostalgisch in die Vergangenheit blickt, ist das Album in Wirklichkeit natürlich durchaus ein Rückblick in bessere Tage der Band.

Ich muss sagen, dass ich in den 80ern alles andere als ein Fan von DuranDuran war – mir waren die Herren zu Popper-haft, zu glatt, zu schick. Mit der Zeit und der Altersmilde kann ich inzwischen den ersten drei Duran-Duran-Alben (also bis «Seven and The Ragged Tiger») eine Menge abgewinnen. Die Fusion aus britischem Pop, etwas NewWave und kühlem Funk hat rückblickend einen Sound ergeben, der so prägnant wie bisher unkopierbar ist. Nach «Tiger» haben Duran Duran ihren Karrierehöhepunkt erreicht (finanziell, nicht kreativ), ihre Karrierekrise und sind, freundlich gesagt, unwichtig geworden.

Auf ihrem dreizehnten Album haben sich die beiden Taylor-Brüder (ohne Andy), Nick Rhodes und Le Bon nach drei Jahren Pause den Retro-Soundmeister Mark Ronson als Produzenten gesichert, der sich ja seit einiger Zeit als der Duran Duran-Fan schlechthin generiert. Und so klingt das Ergebnis dann auch. «All you need is Now» ist eine so schamlose wie gelungene Reise zurück an die Wurzeln der Bands und Ronson gelingt es über weite Strecken tatsächlich, die Idee der frühen DuranDuran zu greifen und in modernen Klang zu wickeln. Nichts klingt wirklich nur einfach Retro, die Band lässt klugerweise die Finger von 80s-Synthsounds und murkeligen Drums, aber die Melodien, Harmonien und Arrangements sind so dicht an «Rio», wie man nur kommen konnte nach fast drei Dekaden. LeBons Stimme ist pathetischer, dicker aufgetragen als früher, aber ansonsten scheint kaum Zeit vergangen zu sein, «All You Need» wie das Album, das «Notorious» hätte werden können. Die straighten Beats, die pulsierenden Synthlines, die sich hochschraubende Stimme von LeBon und die immer einen Tick zu polierten und glatten, aber eben sehr typischen Powerrefrains – alles da, alles wie früher und paradoxerweise eben deshalb absolut auf der Höhe der Zeit. Ronson gelingt der Trick, ohne den Nasenring der Nostalgie zu arbeiten, indem er an die Wurzeln des Sounds der Band zurückgeht, aber diesen nicht kopiert, sondern poliert. Völlig wider Erwarten entsteht so ein Pop-Album, das streckenweise phantastischen Pop produziert, shiny und etwas oberflächlich, irgendwie steril und plasticelastic – aber genau dieses Plyester-Feeling ist ja die Essenz von Duran. Ernsthaftigkeit und Erwachsensein, das alles ist verschwunden und die Band scheint einen Heidenspaß an einer Art zweitem Teenie-Dasein als Schickimicki-Lifestyler zu haben, die eine Musik irgendwo zwischen schnellen Autos, Koks und zu langen Nächten am Strand produzieren. Jeder Track is voll von Energie und zu großen Gesten, Pathos und Shiteater-Grinsen – und Ronson gelingt die Fusion von Alt und Neu, indem er den Mix um unerwartete Elemente erweitert: «Blame The Machine» ist ein klassischer Duran-Track, der durch die an We Have Band erinnernde androgyne Gesangseinlage von TV-Moderatorin Nina Hossein eine frische Note gewinnt, während der sexy Blondie-Rap von Scissor-Schwester Ana Matronic auf dem ähnlich auf Hit gebügelten «Safe (in the Heat of the Moment)» dafür sorgt, dass der Song zugleich old-school und doch unerwartet klingt. Die Kunst ist die Einheit von Erwarteten und Unterwarteten, der Bruch, die kleinen Kanten und Schrägheiten, die dem Album das Berechnende, am Reißbrett konstruierte nehmen – was sicher eine Illusion sein muss, denn mehr Reißbrett, mehr gezieltes Entwerfen als bei Ronson ist ja kaum denkbar.

Es ist nicht einfach, als Designer (und Ronson ist, wie Danger Mouse, in erster Linie ein Sounddesigner) etwas zugleich ehrlich und authentisch wieder an die eigenen Essenz zurückzuführen und dabei auf die Höhe der Zeit zu bringen. Ronson hat hier den ideosynkratischen Markenkern der Band herausgearbeitet, alle Modernismen herausgekegelt und dann dezent poliert, bis eine Band, die ein Schatten ihrer Selbst, ein Witz, war, auf einmal ein hochsolides Alterswerk in den Händen hält, das jung klingt, in seiner Zeitlosigkeit irgendwo zwischen Indie und Pop tänzelt, eine schöne egale Haltung hat und genau deshalb Chartpotential hat.

16. Februar 2011 20:14 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Pieter Nooten: Here is Why

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Und noch ein Lebenszeichen aus den 80s: Pieter Nooten ist nicht nur Kopf der um 1985 spannend gewesenen Clan of Xymos, sondern hat vor allem 1987 mit dem kanadischen Ambient-Musiker das phantastische Album «Sleeps with the Fishes» unter dem 4AD-Label veröffentlicht, eine bis heute hinreissend vorsichtige, sich herantastende Einspielung, die ganz wunderbar im Gegensatz zum Waverock von Xymox steht und die Jahre deutlich besser überlebt hat. Sein 2010er Album «Here is Why» knüpft an diesen Klassiker sehr direkt an und lässt Nootens Liebe zu This Mortal Coil in frischem Glanz erscheinen, gebrochen durch die Ambient-Entspannungsmusik-Ästhetik, die Nooten jahrelang verfolgt hat. Insofern ist «Here is Why» oft einen Hauch zu Chill-Out, zu sehr wie ein warmes Bad – aber sei’s drum, andererseits fällt Nooten nie in die Falle, wirklich nach aufgewärmten 80s zu klingen, sondern einen durchaus modernen introspektiven Sound zu fahren, der nicht so sparsam ist wie etwa James Blake, der aber durchaus mit sanftem Minimalismus auskommt, mit einem Moll-Schauer nach dem anderen. «Here is Why» ist kein abwechslungsreiches Album, und die glockigen Synthwolken gehen einem in ihrer Perfektion nach einer Weile auch gern mal auf die Nerven, weil einfach alles zu weich, zu formlos, zu schwebend ist – aber genau diese Trance ist natürlich auch Ziel der Musik, eine Art Suche nach einer hypnotischen Schönheit, einer Art schimmernden Perfektion. Tatsächlich ist Nooten das auf «Fishes» einen Hauch kantiger, unsicherer, unsauberer und insofern natürlich besser gelungen, die Fehler gehören zur Perfektion – paradoxerweise klingt «Here is why» runder und perfekter und genau das ist der Makel des Albums, es ist zu selbstgewiss, es tastet sich nicht mehr im Dunkeln voran, es steht bereits im Licht. Da ist kein Sound zu laut oder leise, kein Gesang im Keller vernuschelt, alles ist geschliffen und digital-genau. Wo er es auf «Fishes» meist geschafft hat, seine Sounds ein bisschen zeitlos klingen zu lassen, erwischt man sich bei «Here is Why» sicher dabei, dass man den Künstler im Studio oder vorm Laptop sitzen sieht und überlegt, welche Soundmodule wohl im Einsatz waren. Abgesehen davon ist «Here is Why» ein sehr fluides, sehr angenehmes Stück Musik, ein geschlossenes und gelungenes Werk, das man sicher nicht in jeder Lebenslage hören kann, so wenig wie einem immer der Sinn nach grünem Tee steht, das aber ohne weiteres geeignet ist, dich aus der Welt zu ziehen, wenn du es brauchst, in Nootens Little Slumberland. Und mehr muss ja vielleicht gar nicht sein.

19:34 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

The Legendary Pink Dots: Seconds Late for the Brighton Line

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Vom Neo-Goth zum alten Gothic – die Legendary Pink Dots um Edward Ka-Spel gehören, 1980 gegründet, haben eigentlich nie wirklich aufgehört, mit ihren Veröffentlichungen in immer wieder wechselnder Besetzung die Grenzen experimenteller Musik auszuloten und irgendwo zwischen New Wave und zutiefst introvertierten, fast krautigen Soundexperimenten ihr Feld zu beackern. Obwohl die Dots in den 80ern sicher zu den New-Wave/Goth-Bands gehörten und mit dem Tear-Garden-Projekt ja sogar recht eindeutig einen Klassiker des Genres produziert haben, sind sie nie in die Falle geraten, ihren alten Sound aufzukochen, sich retro zu verpuppen oder sich nach den «alten Tagen» zu sehnen, sondern sind immer einfach Vehikel der Reisen und Wanderungen von Ka-Spel gewesen. Wie gut das sein kann, beweist «Seconds Late for the Brighton Line», das mit dem 13-minütigen Schlußtrack «Ascension» eine fast harmonische Seite der Dots zeigt, eine Nummer wie aus einem Filmscore. Und überhaupt fühlt sich das Album wie ein Soundtrack an, introspektiv, traumwandlerisch, mit Ka-Spel als Führer durch die schattigen Gärten seiner Neurosen, mit dem gewohnt halb gesprochenen, halb fistelnd hingeflüsterten Texten, Brüchen, Klangexperimenten, fast ohne Beat. Etwas schade ist, dass einen Hauch zuviel mit Synth gearbeitet wird – «Hauptbahnhof 20-10» etwa fehlt ein wenig die Authentizität von einem Song wie dem grandiosen «The Lovers» von 1984, weil das Piano einfach zu schlecht klingt – so sehr der Song ansonsten daran erinnern will oder soll. Abgesehen von solchen Details, der vielleicht einen Hauch zu glatten Produktion, die den Dots etwas die Naivität, die Einfachheit, nimmt – es klingt alles zu gewollt, zu gekonnt, es ist zu sehr am Rechner entstanden, es gibt keine Fehler, Zufälle, Brüche – ist das Album durchgehend gelungen. «No Star too far» zeigt, dass die Dots zwar inzwischen ganz schön elektronisch und «ambient» klingen, aber dennoch immer noch in der Lage sind, Schmerzgrenzen auszutesten oder mit minimalistischen Mitteln einen wunderschönen Song zu erzeugen. Tatsächlich hat «Seconds Late…» oft den Appeal eines Best-of und verbindet Ansätze, die von den Pink Dots kennt, hier ein Hauch von Lisa’s Party, dort ein Anflug von «Geisha Mermaid» oder der kindergeburtstagsartige Gesang à la «Louder After 6», hier ein simpler Appregiator-Groove, der aus «Love Puppets» hätte kommen können, nicht zuletzt sogar eine Textzeile, die «15 Flies in the Marmelade» zitiert. Was keine Kritik ist, sondern nur zeigt, wie bei aller Vielseitigkeit homogen und nach wie vor relevant das Werk der Legendary Pink Dots ist. In diesem Sinne ist «Seconds Late for the Brighton Line» ein mehr als gelungenes Lebenszeichen.

19:14 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Zola Jesus: Stridulum II

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Noch einmal die Rubrik «Verhallter Frauengesang» (die ich ja sehr schätze), aber eine ganz andere Sorte als der Dreampop von Bee’s Garden. Zola Jesus a.ka.Nika Roza Danilova wirkt deutlich verkopfter, die Stimme nicht hingehaucht, sondern in Siouxie-Stimmlagen hochgeschraubt und viel näher an der Ästhetik von Eben This Mortal Coil und Consorten, näher am der Goth-Geste, und nicht ohne Grund mit dem Knife-Soloprojekt Fever Ray auf Tour gewesen. Striudulum II ist ein ambitioniertes Album, das alles andere will, als einlullen. Danilova singt sich nicht selten ihren Schmerz aus dem Körper, über Klanglandschaften, die an XiuXiu oder Bat for Lashes erinnern, aber kühler, entfernter sind, einsamer wirken. Bei der Britin Natasha Khan ist da eben eher ein Hauch von Sehnsucht im Spiel, bei der aus Russland stammenden Danilova eher Schmerz, Einsamkeit, Dunkelheit, Verzweiflung. Stridulum ist entsprechend eine intensive Platte, die nie wirklich «unangenehm» oder unhörbar wird – im Gegenteil, das Album wächst mit jedem Hören -, die Musik wird nie so frostig wie Cold Cave oder Blessure Grave, die 80s-Anklänge sind auch deutlich erträglicher. Es gibt einige echte Höhepunkte auf dem Album, wie etwa Manifest Destiny, und einige etwas nichtsagendere Tracks – «Sea Talk» oder «Tower», die sich zu sehr in Dark-Wave-Synthiewolken verlieren und etwas langweilig hinschleppen, müde sind -, aber alles in allem ist Stridulum eins der besseren NeoGoth-Alben, offensichtlich inspiriert (und nicht immer ganz an das Original heranreichend), aber mit dem Herz am richtigen Fleck.

18:45 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

My Bee’s Garden: Hunt The Sleeper

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Ja, es ist natürlich diese Sorte «niedliche» Pop-Musik, die die 22jährige Melody Prochet hier gemeinsam mit Alex Concato produziert, die sofort an die luftigen und mitunter leicht infantilen Klänge von Airoder Múm erinnert, eine Art durch pinken Weichspüler gezogener Cocteau-Twins-Sound, verhallt, aber eben nicht düster, sondern psychedelisch-träumerisch, mit angehaucht-kindlich-hohen Gesangslinien, die immer eben auch ein bisschen an Stereolab erinnern. Läßt man die Tatsache beiseite, dass hier nicht viel neues produziert wird, ist dieser Hello-Kitty-Pop aber so naiv-schön wie man das von gutem französischem Pop vermuten darf, federleicht, ätherisch, mit Prochets altersloser Stimme, die übergangslos zwischen Nymphe, Sirene und einer eben doch erwachsenen Ruhe wechseln kann. Die Musik von My Bee’s Garden ist angenehm zurückhaltend produziert, hingetupft und sanft, mit sanften Drums, wolkigen Synths und Gitarren, deren lächelnde Naivität mitunter an die mittlere Phase der Neuen Deutsche Welle erinnert, an Rheingold oder an Joachim Witt. «Hunt the Sleeper» wird die Welt nicht verändern, ist aber andererseits die Sorte Musik, wo es nicht wehtut, wenn man drei vier Platten zu viel davon hat.

18:35 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

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17:19 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

Happy Birthday

15. Februar 2011 23:04 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Valentine

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13:43 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Dayshot

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14. Februar 2011 23:40 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

D


Reduziert sieht ALLES besser aus.

22:47 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Laura Lopéz Castro und Don Phillipe: Optativo

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Noch einen Hauch mehr Ruhe fordern Laura López Castro und Freundeskreisler Philippe Kayser auf ihrem dritten Album ein – wie immer mit einem Sound, dem man seine Herkunft nicht mehr anhört, Weltmusik aus dem Wohnzimmer. Trotz langer Gastmusiker-Liste (u.a. Hauschka) und zahlreicher akustischer Störungen, die sich fast erst über Kopfhörer entfalten, dominiert die Stimme der spanischen Sängerin das Album, kontrapunktiert von sparsamer Gitarrenarbeit, daran ändert auch ein Minimum an Rhythmus und Percussion nichts. Optativo ist ein sehr pures Album und nach den Vorgängern ist das auch keine Überraschung. Das surrealistische Feeling, das verschneite Tag-am-Meer-Coverphoto und die Retro-Typographie andeuten, scheint manchmal durch, wenn die Musik zum bitteren Soundtrack nicht gedrehter Filme wird, und generell klingt das Album offener, freier, durchaus auch sperriger als etwa «Mi Libro Abierto». Die Musik schafft zwar immer noch den kommerziell cleveren Spagat zwischen der Lehrer-Weltmusik-Teetrinker-Crowd und einer moderneren, urbanen Cillout-Wellness-Zielgruppe, aber sie ist nicht mehr so «wohltuend» wie früher, nicht mehr so zum «Abschalten» geeignet – und das ist eine gute Sache. Optativo ist im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten einen Hauch anstrengender, einen Hauch trauriger, weniger affirmativ, gereifter und erwachsener. Es gibt deutlich mehr Brüche, mehr Irritationen, mehr Zitate («Sin Miedo»), coolere musikalische Posen und Gesten, mehr Augenzwinkern – und das tut dem Album sehr gut. Es wirkt manchmal fast so, als würden Castro und Kayser ihren eigenen Sound ironisch (auf)brechen und dekonstruieren und die Möglichkeit, die Platte auf zwei komplett verschiedene Arten hören zu können, macht Spaß.

08:20 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Tricky: Mixed Race

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Jedes neue Album von Tricky wird von der Presse als «jetzt ist er aber wirklich wieder gut» gefeiert, da geht es dem Londoner in etwa wie Prince. Wobei wir doch alle wissen, dass er nie wieder so gut sein wird wie auf den ersten beiden Alben. Trotzdem ist «Mixed Race» eine sehr gelungene Platte, die positiver und vielseitiger klingt, weniger introspektiv und moody als die letzten paar Signale aus Trickys Höhle. In der Wundertüte sind tatsächlich einfach nervige und seltsame Tracks, wie etwa «Come to me» oder der schluffige Dancehall «Murder Weapon», Anklänge früherer Grandezza («Ghetto Stars») und durchaus ganz neue Klänge wie «Time to Dance» oder «Bristol to London». Ein Teil des Albums klingt richtungslos, als würde Tricky jeden nur denkbaren Groove aus seiner Plattensammlung durchgehen – etwas Hiphop, etwas Dancefloor, einen Hauch Triphop und seltsame Jazz-Blues-Classics… was ja vielleicht zu einem Album passt, das «Mixed» im Titel trägt. Der Sound ist insgesamt klarer, heller, sehr unmittelbar, wenig verhallt, die Guestvocals holen Tricky aus dem Solipsismus, der sonst oft mal durch seine Alben weht. Trotzdem ist es seltsam, wenn ein Track plötzlich wie eine armselige Kanye-West-Variante klingt oder wenn wirklich miese Raps auf einer Tricky-Plate erscheinen. Also: «wirklich wieder gut» ist das auf keinen Fall, andererseits ist es auch spannend, wenn ein Act, der so lange dabei ist, sich nicht einfach nur immer wieder selbst wiederholt, sondern so beherzt neue Dinge probiert, dass unweigerlich auch mal Müll dabei sein muss. Ich muss leider zugeben, dass ich den düsteren, verhangenen Poeten Tricky mehr mochte als den «Hey, ich hab da noch einen total coolen Track auf meinem iPod, den MUSST du dir anhören» Typen, der hier durchblitzt. Mixed Race will zu viel und erreicht dabei irgendwie zu wenig.

08:05 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

David Sylvian: Sleepwalkers

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Sleepwalkers ist eine Anthologie der Zusammenarbeiten von David Sylvian in letzten Jahren, darunter bereits veröffentlichte Tracks, die zusammen mit Ryuichi Sakamoto oder Nine Horses entstanden sind. Vor allem bei Nine Horses dürfte ohnehin jeder Sylvian-Fan die kompletten Veröffentlichungen haben. Als Sammlung zeigt das Album schön die Bandbreite von Sylvians Arbeit von Sachen, die «fast» Popmusik sind hin zu sperrigen, ambitionierten Konstruktionen aus klassischer Musik und Gesang, der an Rezitation grenzt. In seinen letzten Alben hat sich Sylvian mehr und mehr dem Experiment, dem «Fringe» seiner eigenen Musik zugewandt, ist unzugänglicher geworden, insofern ist Sleepwalkers eine gute Erinnerung daran, wie viel Lebendigkeit und Energie bestimmte Kolloboratoren aus Sylvian herauskitzeln können und wie oft ihm eigentlich die Fusion aus Intensität und Emotionalität gelingt, die auf seinen Soloalben einem kühlen Intellektualismus gewichen ist. Die Bandbreite der Musik, zusammengehalten durch den markanten, unirdisch schönen Gesang, macht Sleepwalkers, selbst wenn man die meisten Tracks schon kennt, zu einer mehr als hörenswerten Compilation und zu einem wichtigen Lebenszeichen von Sylvian. Für Fans ohnehin ein Must-Buy, für Einsteiger neben Everything and Nothing ein Album, das sich gut in jedem Plattenschrank macht.

07:50 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Laetitia Sadier: The Trip

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Stereolab-Sängering Laetitia Sadier bringt nach zahlreichen Seitenprojekten und -trips auf ihrem ersten Soloalbum keine großen Überraschungen. Softe Gitarren, Synths, Drumbeats und der verlorenfrankoanglophoner Gesang über zeitlos schönen Harmonien – im Grunde also eine straightere Version von Stereolab oder Monad. Der Grundsound ist mehr live-orientiert, klingt einen Hauch frischer und weniger narzisstisch als das, was Stereolab inzwischen so machen, was vielleicht an der sehr direkten, mitunter fast billig wirkenden Produktion wirkt, die klingt, als habe sie das Album in der Küche am Laptop eingespielt. «The Trip» klingt intim und bescheiden, mit wenigen Überraschungen («Un Soir, Un Chien»), die dann aber umso schöner sind.

07:45 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Leiter

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13. Februar 2011 13:15 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Tron: Legacy

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Eigentlich wäre «Tron» kein Film, den ich mir tatsächlich ansehen würde. Tron war die gegen die eigenen Fehler siegende, überraschend erfolgreiche Sorte käsiger Disney-Filme, die sich an damalige SF-Konzepte anhängten, wie «The Black Hole» ja auch – gegen Black Hole (das der «Tron»-Regisseur übrigens lustigerweise als nächstes Remake angeht) allerdings konsequenter, einer der ersten «digitalen» Filme mit vielen digital generierten Sequenzen und entsprechender Bedeutung im Cyberpunk-Umfeld 1982, nicht zuletzt durch die Tatsache, dass Moebius und der spätere «Blade-Runner»-Meister-Art-Director Syd Mead die Gestaltung des visuell einzigartigen Films übernahmen. Irgendwie war «Tron» einer dieser 80er-Jahre-Filme mit übler Handlung, schlechten Dialogen und digitalen Effekten, die aussahen wie Bildschirmschoner, während die Backlit-Effekte aus heutiger Sicht geradezu unfassbar antiquiert wirken, gegen die Fritz Langs «Metropolis» (an dem sich Tron nicht selten visuell orientierte) fast herausragend frisch wirkt. Historisch und durchaus auch ästhetisch ist «Tron» ein Momument seiner Zeit, ein wirscher Mix, der Musikvideo- und Gaming-Visuals vorwegnimmt und gleichzeitig an die Stummfilmzeit deutschen expressionistischen Films erinnert. Ein seltsamer Mix aus ambitionierter Videokunst und kommerziellem Kino – mitunter so schlecht wie «Rasenmähermann», dann wieder großartig. Will man sich – zwei Dekaden später – eine Art zweiten Teil ansehen?

Wagner to the rescue
«Tron: Legacy» ist ein atemberaubendes Sequel, dass dem mitunter ja auch peinlichem Charme des Originals ebenso gerecht wird wie den (seinerzeit) atemberaubenden Aspekten. War der alte Film ein neo-expressionistisches Stück Camp, eine Art verquere Antwort auf die Frage, was passieren könnte, wenn Fritz Murnau amerikanischen Science Fiction machen würde, so ist «Tron: Legacy» viel deutlicher ein «normaler» Film, der keineswegs so verstörend und anders ist wie das Original. Vielleicht auch, weil heute CGI einfach längst ein recht normaler Teil der Kinoerfahrung geworden ist in einem Maße, das in den frühen 80ern noch undenkbar war. «Tron» ist sozusagen frühe Kraftwerk, «Legacy» eher moderner Post-Dubstep. Der ästhetische Bruch ist nicht mehr so grundlegend für den Betrachter, wie die ersten groben Vektor-Grafiken und kaleidoskopischen Lineinmuster es 1982 gewesen sein müssen. Dennoch wirkt «Tron: Legacy» keineswegs wie jeder andere Spezialeffekt-Film der letzten Jahre, liefert ganz nicht die üblichen aufgebretzelten Bilder, sondern brilliert in einer ganz eigenen Ästhetik, die weder durch das Original allzu gehemmt ist noch sich an bestehenden Vorbildern orientiert. Kosinskis Lösung ist ein Film, der immer noch campy sein kann, immer noch im doppelten Wortsinn etwas «gay» wirkt, immer noch unfassbar schlechte Momente hat und der sich strukturell fast wie ein Remake anfühlt – der aber wie ein Schwamm vollgesogen ist mit der SF-Kinokultur der letzten Dekaden und dabei nicht zuletzt einen Mythos herbei zitiert, der an Wucht und Grandezza am ehesten Wagner erinnern will. «Legacy» ist kein echter Film und folgt auch keine Sekunde der Logik eines herkömmlichen Films, sondern wir sitzen hier eher in einer postmodernen Art von Spektakel-Oper – das Libretto muss dabei nun einmal keinen Sinn machen, solange die Gefühle nur stimmen, solange die Bilder und die Musik ein Ganzes ergeben.

Daddy was a Rolling Stone
Insofern ist nur logisch, dass die Handlung – oder was man so nennen mag – sich zu einem relativ ironiefreien Mythos-Brei entfaltet, der wahrscheinlich auch nicht ganz unfreiwillig an den Erlöser-Vater/Sohn-Standard erinnert, wie man ihn nur zu gut aus «Star Wars» kennt. Das uramerikanische Motiv der Suche des Sohns nach seinem «verlorenen» Vater, von Anklage und Verzeihen, dominiert die Handlung. Seltsam modern wirkt dabei, dass die stets im Mittelpunkt der US-Films stehende «heilige» Familie hier aus einem Vater besteht, der im Wortsinne ganz und gar in seiner Arbeit verschwunden ist und aus einem Sohn, der gegen den abwesenden Vater einerseits rebelliert, andererseits sein Werk fortsetzen und retten will, dem Schatten des Vaters gerecht zu werden versucht. Fast beiläufig – vielleicht für einen dritten Teil aufgehoben – taucht Edward Dillinger Jr. auf, eine andere Sohn-Figur, die als negative Folie für den «guten» Sohn Sam Flynn dient, der die Firma sabotiert, deren eigener Vorstand er ist, der ziellos wirkt, bis Bruce Boxleitner, der gealterte Alan Bradley, ihn einen Weg zu seinem Vater zeigt. Frauen finden in diesem Film nur als Beiwerk – als «Sirenen», in deutlicher Anlehnung an Homer – statt, oder als posthumanes, androgynes Wesen, das nicht wirklich Mensch, nicht wirklich Programm ist, sondern in jeder Hinsicht zwitterartig wirkt, eine Figur des kommenden Erlösers wie Neo in «The Matrix» oder Luke Skywalker in «Star Wars»- was Jeff Bridges/Kevin Flynn zu Morpheus bzw. Joda machen würde, was dessen Kostüm am Ende des Films tatsächlich auch so widerspiegelt, wenn Bridges als eine Mischung aus Jediritter und Matrix-Zenmeister auftritt. Was andere Filme nur andeuten, wird in der Wagner-Inszenierung von «Legacy» ohne jedes Augenzwinkern mit dem Holzhammer in den Kopf getrieben, wenn Vater, Sohn und Heiliger Geist durch den zur Hölle geworden Himmel fliehen und der Vater seinen Sohn zur Erde schickt. «Legacy» ist die ganz große Mythosmaschine, will ein ganzen Universum bauen wie Lucas und die Wachowski-Brüder auch, nicht zuletzt, weil in solchen Mythologien das große Geld steckt, Franchise-Material für Filme, Bücher, Comics, Videospiele, Merchandise. (Und nichts anderes sollte man von Disney erwarten). Entsprechend wirsch ist mitunter die Handlung, die oft nur den Zweck hat, uns Betrachter in die nächste opulente virtuelle Setbau-Optik zu tragen, die mal vor Symbolismus kaum aufrecht gehen kann – und gerade das erinnert mitunter anstrengend an die letzten beiden Matrix-Teile, die ja auch eher pures Erlebniskino als Kopfkino waren (anders als der erste Teil).

Light and Magic
Aber was für ein Erlebniskino das dann ist. Wie kein Film – eben auch nicht Matrix, auch nicht Star Wars, nichts – seit langem umgeht Tron den Verstand. Wenn Sam Flynn wie Alice durch das Rabbithole in der Welt hinter den Mattscheiben verschwindet und der Film von 2D zu (durchaus angenehm zurückhaltendem, sich nie aufdrängendem) 3D mutiert, zieht es uns Zuschauer ähnlich aus der Wirklichkeit wie es der erste Tron-Film schaffte, nur nicht mehr in eine kalt-minimalistisch-abstrakte und zuweilen unfreiwillig komische Kunstwelt, sondern in eine hyperrenderte Welt, die nur aus Licht und Farbe zu bestehen scheint, das in dem edel monochromen Umfeld Akzente setzt wie LEDs auf einer mattschwarzen Hifi-Anlage. Die «Un-Wirklichkeit» des Films erinnert an eine Pink-Floyd-Lichtshow, ist zu ausnahmslos jeden Moment, jeder Sekunde, jedem Augenblick auf Überwältigung angelegt – dieser Film will dich nicht mitreißen, er will dich zu Boden reißen, er hört nicht auf mit visuellem Overkill auf dich niederzuprasseln, bis du post-orgiastisch aus dem Kinosaal schleichst. «Legacy» ist die pure Achterbahnfahrt, sobald man begreift, dass die Handlung nur ein Potemkinsches Dorf ist, und sich endlich entspannt den Bildern und Tönen hingibt, die wie selten bei einem Film pulsierend und hämmernd aufeinander eingespielt sind. «Legacy» ist ein Konzert, eine Oper – und die massiv an Hans Zimmer erinnernde Bombast-Zuckergußschicht über den einfachen digitalen Riffs von Daft Punk ist, bei aller kompositorischen Einfachheit, in der Lautstärke und zu den Bildern, ergreifend. Wenn am Ende eine digitale Neufassung der legendären Luftkampfsequenzen von Howard Hughes «Hell‘s Angels» als blauorange Lichtorgie die Leinwand in Besitz nimmt, eingebettet in gigantische Sequencer-Streicher-Wogen, erreicht der Film sein reinstes Format, seine reine Existenz als hypnotische Flut von Eindrücken, als sich auftürmendes, aber doch nie ein Zenith erreichendes Monument digitalen Bildzaubers. War «Tron» eher ein Fest der fremdartigen Kargheit früher Computergrafik, stellt sich der Nachfolger als Leistungsschau einer Technologie dar, die bis unterhalb der Wahrnehmungsgrenze operiert, die jedes Pixel unserer Weltansicht perfekt manipulieren kann, die längst die Grenzen der Überprüfbarkeit und eigenen Spürbarkeit überschritten hat. In anderen Filmen ist die hohe Kunst des Trickeffekts, möglichst unsichtbar zu sein, möglichst «real» zu wirken (was immer noch oft misslingt), hier kann das Metier der virtuellen Setbauer aber seine Muskeln spielen lassen und das tun, was es am besten kann: Kunstwelten schaffen, an deren Surrealität Philipp K Dick seine wahre Freude hätte haben dürfen. «Legacy» ist CGI on steroids, ein Feuerwerk von Schaueffekten – und man tut gut daran, sich diesem Rausch der Farben und Klänge einfach hinzugeben und nicht weiter über die Philosophie oder gar die Logik der Handlung des Films nachzudenken. Da kommt man nur auf dumme Gedanken, wenn man sich etwa fragt, warum der Film «Tron» heißt, wenn der Charakter bestenfalls als Nebenfigur auftaucht. Oder hinterfragt Handlungsfetzen, die wahrscheinlich als Vorbereitung für einen nächsten Filmteil implementiert sind. Oder ärgert sich über das abrupte und flache Ende. Die beste Strategie ist, sich einfach der Oper hinzugeben.

A Design for Life
Denn wenn Tron eins liefert, dann das perfekte Design – alles an diesem Film ist trendy, bonbonbunt und trotzdem irgendwie cool, neonschwül und kalt zugleich. Es ist kein Zufall, dass Daft Punk für den Soundtrack gewählt wurden – die Ästhetik des Films ist, als wäre sie direkt aus den Köpfen von Homem-Christo und Bangalter geschält worden. Von Manga bis Bessons «Fifth Element», von Bowie bis Blur, von Kubrick bis Slemane, es ist alles da – so haarscharf an der Grenze von Kitsch und Klassik wie der Soundtrack selbst. Die Fembot-Sirenen, die Barszene, das überstilisiert-weiße Ambiente in Kevin Flynns Haus – das alles könnte so oder ähnlich auch aus Wallpaper, von ungezählten Plattencovern kommen, es ist nicht SF, es ist die Popkultur der Gegenwart. Dass «Legacy» so scheinbar beliebig nahezu jeden kommerziellen SF der letzten drei Jahrzehnte zitiert, ist kein Zufall, sondern ebenso Teil des «oh, it‘s all so postmodern»-Ansatzes des gesamten Films. Die Musik, irgendwo zwischen Justice und Batman-Soundtrack, das Design, die Handlung – alles hat den Touch von Remix, von déjà vu, es ist die filmgewordene Manifestation von Pop heute, die endlosen Stilandeutungen, der Zitatewust, die Selbstreflektion, der Narzissmus, die Tatsache, das mit viel Aufwand unglaublich wenig gesagt wird…. «Legacy» treibt all das auf die Spitze, es ist nicht nur der Triumph des Designs über die Narration, sondern direkt über die Realität an sich. Die beste Popwelt ist die, die komplett aus dem Rechner kommt, im Rechner lebt – nur hier ist die Sorte Perfektion denkbar, die Kunstwesen wie die Pet Shop Boys oder Kylie Minogue überhaupt denkbar macht, die perfekte Fassade, die Illusion, die nahtlose digitale Lüge, die kein Paparazzi mehr zerstören kann.
Wie kein Film seit langem bewegt «Tron:Legacy» das Kino zurück in den Bereich, den Hollywood wie nichts anderes liefern kann: Glamour. Diesmal aber nicht als Starglamour, die Darsteller sind vergleichsweise unwichtig, sondern als Glamour/Magie des digitalen Bildes in Reinkultur, das sich als pures, von nichts mehr beeinträchtigtes Design entfalten kann.

Mirror Mirror
Es ist ja kein Zufall, dass sich Jeff Bridges in diesem Film zweimal begegnet. Da ist einmal der echte, gealterte Bridges, der hier eine seltsame Variation des Hippie-Themas von «Männer, die auf Ziegen starren» gibt, einen cannabis-relaxten Zen-Pazifisten, der sich in der perfekt weißen Designerwelt cocoont, während sein Alter Ego Clu draußen mit kalter neoliberaler Effizienz das «System» optimiert. Clu, gewissenloser digitaler Replikant, Subroutine, kann es nicht besser wissen, ist der in die Kunstwelt entlassene Flaschengeist, den Flynn rief und nun nicht mehr los wird und zu dessen Vernichtung natürlich nur das quasi kathartische Selbstopfer führen kann. Abgesehen davon, dass es fesselnd ist, zu sehen wie grandios die CGI-Puppenspieler Bridges um 30 Jahre verjüngen (mit der gleichen Technologie, die schon in Benjamin Button zum Einsatz kam), ist beachtenswert, dass die kleinen Mängel dieser Technik hier ideal ihren Zweck erfüllen – dass es nicht wirklich glaubhaft ist, die Muskulatur seltsam unwirklich, surrealistisch wirkt, macht Clu erst zu einer so reizvollen Figur, vor allem wenn er im Film Angesicht zu Angesicht mit seinem Schöpfer kommt. Clu ist hier natürlich eine Art Bruder von Flynns «leiblichem» Sohn Sam, der digitale Klon als Sohn-Ersatz, als Kainsversion, zugleich die erschreckende Begegnung mit dem jüngeren Selbst – «das war ich einmal?» – des gereiften Flynn, der so wenig mit dem arroganten Typen gemein hat, den Bridges 1982 gespielt hat. Im Grunde steht hier eine gottähnliche Figur, die aus dem Himmel ihres weißen Appartements herabsteigt, dem Menschen gegenüber, der eigenen Schöpfung, die fehlerhaft und rebellisch ist und nicht funktioniert – oder aber zu gut funktioniert. Flynn erlebt hier in einer an Stanislaw Lem erinnernden Metapher sich selbst im Verhältnis zu seinem Programm Clu, wie sich Gott gegenüber Flynn fühlen muss, der ebenso kopflos durch die Schöpfung hetzt und auch nur versucht, sein «Bestes» zu geben. Wie immer bei solchen Filmen, die beherzt in die Klischeekisten religiöser Motive greifen, wimmelt es in «Legacy» von daumendicken Symbolklötzen, unter denen aber eben umso signifikanter der Subtext hervorlugt, den man aber in dem visuellen Wust des Films vielleicht erst nach dem zweiten, dritten Sehen richtig wird einschätzen können.

Der zweite Teil von «Tron» ist – wie das Original – ein unfassbar schwacher Film mit einer unfassbar grandiosen Ästhetik und der Unterschied zwischen beiden Filmen sagt viel aus über das, was in der Zwischenzeit mit dem Kino, mit uns passiert ist. Kosinski gelingt es, den Grundideen des ersten Teils treu zu bleiben, ohne albern oder antiquiert zu wirken und es gelingt ihm, einen grandiosen Blockbuster aus einer Kult-Anekdote der Filmgeschichte zu machen, eine Art Mutation des Kinos in den Mainstream zu ziehen. Mag sein, dass dies gelingt, weil die Zukunft von «Tron» I längst von uns überholt wurde und wir mehr denn je in einer Videogame-Welt leben, weil die digitale Revolution, die der erste Film noch unbeholfen-futuristisch verklärte, längst Teil unseres Alltags geworden ist. Aber vielleicht ist das auch schon zu viel nachgedacht über einen Film, der in erster Linie Sound and Fury, Schall und Rauch, Nebel und Licht, Donner und Blitz sein will und den man getrost einfach als Drogentrip ohne Nebenwirkungen genießen darf.

11. Februar 2011 18:45 Uhr. Kategorie Film. Tag . Eine Antwort.

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18:14 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

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10. Februar 2011 16:03 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . 2 Antworten.

Schrank Nr.1

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9. Februar 2011 22:23 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Eine Antwort.

Dayshot

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18:35 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

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8. Februar 2011 18:10 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . 3 Antworten.

Sucking Blood

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Gerade wenn man denkt, Edgar Lipkis Masche durchschaut zu haben, wechselt er sie einfach. Während seine grandiosen Hörspiele meist sonst einer Art Pattern folgen, einander bei allen Unterschieden so ähnlich sind, als wären sie Elemente eines größeren, übergreifenderen Werks, ist «Sucking Blood» in fast jeder Hinsicht zunächst völlig anders. Die hypnotische, tranceartige Ruhe von Lipkis Arbeiten weicht hier einem hektischen Beat, einem zuckend nervösen Stakkato von Eindrücken, die auch nach dem inzwischen sechsten Hören kaum zu durchdringen sind, auf dich einprasseln wie Alis Fäuste am Ende in Zaire auf den armen, müde geboxten Foreman, wie Fäuste auf rohes Fleisch. In manischen Bahnen, an der Grenze dessen, was du nachvollziehen kannst, spinnt Lipki Fäden zwischen Kapitalismus und Vampirismus, zwischen Roadmovie und Blues, Pop, Faschismus und Kino. Die vielstimmige Kakophonie erinnert dabei seltsam oft an Schlingensief und Kamerun, an die Lipki sonst so gar nicht erinnert, an die schnell vorbeizuckenden Flimmerschnipsel von deren neongrellen Grotesken – das Verblüffende ist, das LIpki im Zitat die Vorbilder überrundet, besser montiert, freier schneidet, härter mischt, lyrischer schreibt. Im Stroboskopengewitter seiner Worte bist du als Zuhörer seltsam allein und überfordert, so als würdest du zu 280 bpm tanzen sollen, und so löst sich im Rausch der Verwandlung von Worten zu Fetzen der Kontext Hörspiel in etwas ganz Anderes auf… was selten gelingt, wenn ein Hörspiel bewusst durch Musik und Text versucht, dich zu verwirren und mesmerisieren versucht. Meist wird das peinlich – und Lipki schrammt mit seinem Flieger oft verdammt dicht an den Baumwipfeln des zu gewollten, mein Lieber – aber hier kriegt der Autor in seinem halsbrecherischem Tempo immer und immer wieder die Kurve, wenn du denkst, es schmeißt ihn endgültig aus der Achterbahn. Wenn er Kraftwörter benutzt, die im Deutschen seltsam peinlich nach Wollschläger und Wondratschek klingen, nach falsch übersetzem Hollywood, wenn er seinen Roadmovie nach Kamen und Unna bringt, wenn er Schygulla und Vogel und Transvision Vamp (!) auf die Bühne wirft und mit Textzitaten kreuzt, wenn im Blender seiner Hörspiel alles und jedes gnadenlos zerschreddert und vermixt wird, dann müsste das eigentlich am Ende eine ziemlich gequirlte Scheiße sein – und doch ist es das nie. Lipki führt selbst Regie, wie immer kompetent musikalisch begleitet von Joker Nies und Ernst Gaida-Hartmann, und so ist es am Ende eben doch ein Lipki-Stück, nur unter anderen Vorzeichen. Seine Themen sind alle da, die Manie, der Faschismus, die Deutsche Geschichte, Amerika, Media, Simulacra, der kulturkritische Rundumschlag aber diesmal ist das Ergebnis ein manisches Musical. Ein Tanz der Vampire, das überreizte Thema endgültig bis zum Bersten überdehenend, so wortreich, so O-Ton-reich wie Lipki selten war, als sei er von den fast homerecordinghaften Schnipseln seiner ersten Hörspiele nun bei dem großen Gestus angekommen. Die Andeutungen, die Zitate, die wunderbar grinsende coole Klugscheißerei, die Selbstironie und irgendwo tief darunter eben auch die Ernsthaftigkeit – das ist großartig.

Und langfristig? Ehrlich gesagt, hab ich keine Ahnung, ob ich das am Ende so ganz nahtlos/bruchfrei nur gut finden kann. Nicht das Hörspiel an sich, das phantastisch ist, die Richtung… Wo vorher eine unbedingte, unverwechselbare Handschrift, eine Einzigartigkeit da war, klingt es jetzt eben nach anderen Autoren, bis an die Grenze, dass man bei der Jürgen-Vogel-Szene von Herbert Fritsch schon überlegt, wo verdammt noch mal man genau die Stimme fast genau so schon einmal gehört hat. Als Bruch, als Wandel ist «Sucking Blood» grandios, die Art, wie Lipki fast als Handpuppen den Stil zig anderer deutscher Hörspiele auf die Bühne scheucht und jedes Stilmittel der letzten Dekade kurz einmal steppen lässt. Das ist atemberaubend, fast wie eine Reinigung, wie ein Selbstversuch, als wolle der Autor selbst sehen, ob er das kann, ob er’s drauf hat, nicht wie einige, sondern am besten gleich wie ALLE anderen zu sein, gleichzeitig. Und er kann – «Sucking Blood» bedient sich, selbst ein Vampir, am Blut anderer Hörspiele, saugt wie Nosferatu mal hier einen ästhetischen Kniff, mal dort eine Idee, und Gott, wenn das nicht zum Thema passt, was sonst. Auch als Ausbruch aus einer vielleicht zu eng geworden Film, als Rebellion gegen sich selbst, überzeugt das 100%, der Bruch im Oeuvre, der Phasen abschließt und neue Dinge ermöglicht. Kein anderes Hörspiel von Lipki ist so körperlich erschöpfend und zugleich so vieldeutig-eindeutig, so wenig offen für eigene Assoziationen, so brutal und LED-hell. Es wird spannend sein zu sehen, ob Lipki bei diesem neuen Stil bleibt, ob er im Zitatenwald noch ein paar Bäume schlagen will, oder ob die Reise zu seinem «eigenen» Sound zurückführt oder ob das Schiff zu einem ganz anderen Ufer ablegt. Keinen Zweifel aber lässt «Sucking Blood» daran, dass Lipki ein stilistisches Wunderkind ist, mit Texten so dicht, dass man sie sich gedruckt wünschen würde, mit einem Talent, bei dem man sich fragt, warum kein Theater den Mann verpflichtet – ich jedenfalls würde zur Premiere einfliegen.

6. Februar 2011 18:56 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

One Less Drop Kickstarter

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Ich halte Kickstarter ja für eine famose Idee – eine Plattform, die als eine Art Social-Network-Version von Business Angels fungiert und in der das Startkapital für ein Projekt sozusagen durch die ersten Kunden entsteht, ist eine Idee, die wie für das Web geschaffen ist. Und für uns arme Early Adopters die endgültige Hölle darstellt, wo wir von Produkten träumen dürfen, die es vielleicht nie gibt. Nachdem dort bereits die ein oder andere iPod-Nano-Uhr für Furore gesorgt hat, entwickelt sich Kickstarter zu einer relativ ernstzunehmenden Plattform, ich bin gespannt wie das weitergeht.

Mein eigenes erstes Kickstart-Project ist so simpel wie genial: One Less Drop von Dean Heckler. Der einfache Recycling-Aluminiumblock tut nichts anderes als eine Kabelführung für ein oder zwei der üblichen Apple-Kabel darzustellen und ein weiteres Kabel zu fixieren. Das klingt nun wenig spektakulär, wer aber wie ich eigentlich permanent mit vom Schreibtisch herabfallenden iPhone/iPad oder MacBook.Kabeln zu tun hat, wird für die kleine und elegante Form eines postmodernen Briefbeschwerers dankbar sein. So dankbar, dass ich gleich drei «vorbestellt» habe. Dean hat noch 24 Tage um auf die nötige Fördersumme von 12.500 $ zu kommen und ist bereits bei 10.305 $ – wer von euch schon einmal über permanent am Boden liegende oder zertretene Kabel geflucht hat, kann ja mithelfen, die Hürde zu überspringen und ein bisschen Venture-Kapitalist spielen.

Update: Montag und Dean Heckler hat 100% des nötigen Kapitals für seine Kabelklötze zusammen. Nicht schlecht. Bin gespannt, wie die fertigen OLDs aussehen werden.

5. Februar 2011 11:53 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Eine Antwort.


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