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Iron Man 2

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Es gibt Filme, denen vergibt man die Tatsache, dass sie offenbar keine Handlung haben oder sich die Mühe machen, zu verbergen, dass die Hauptdarsteller sich im Kern nur selbst spielen und kaum je wirklich «schauspielern», sondern vielmehr augenzwinkernd miteinander und mit dem Publikum den stillschweigenden Deal haben, einfach nur sich selbst zu geben, und das reicht doch bitte auch. Solche Filme sind beispielsweise die Oceans-11-12-13-Serie von Steven Soderbergh, die bestenfalls der Form halber «Heist»-Filme sind, eigentlich aber Vehikel für eine große Neo-Rat-Pack-Sause, an der alle Beteiligten sichtbar viel Spaß hatten – was ja durchaus auch beim Zusehen Freude machen kann, wenn die Chemie stimmt.

Jon Favreaus Iron Man 2 ist leider aber eben nicht so ein Film, obwohl er es sicher gern wäre. Favreau hat mit Iron Man einen der bisher überzeugendsten Superhelden-Genrefilme vorgelegt, vielleicht weil sowohl Hauptdarsteller als auch FX-Technologie sich für diesen ohnehin schon immer sehr nach einem Videogame-Charakter aussehenden Comiccharakter ideal anbieten, vielleicht, weil die Figur unbekannter ist und nicht so vorbelastet wie etwa Batman , wer weiß. Der Nachfolger hat wie viele Cape-Movies das Problem, das in Teil 2 eine der wichtigsten Komponenten des Genres – die Transfiguration vom Normalo zum Übermenschen, die Mutation, Verwandlung oder in Tony Starks Fall sogar das ganz handfeste Experiment der eigenen Neuerfindung zur Menschmaschine – bereits abgeliefert ist. Iron Man 2 fällt in das gleiche Loch, in das nahezu alle Sequels fallen. Zum einen, weil Favreau versucht, das übliche «Mehr» zu liefern – mehr Action, mehr Materialschlacht, mehr Effekte, mehr Charaktere –, zum anderen weil der Film im Endeffekt vor allem weniger liefert – weniger Humor, weniger Herz, weniger Glaubwürdigweit, weniger Handlung, weniger Charakter.

Eines der greifbaren Hauptprobleme dieses Films ist, das niemand, aber auch niemand bei der Sache ist – der Dreh war offenbar eine Riesenparty, bei der die Frage, ob dabei am Ende möglicherweise ein Film herauskommt, sekundär war. Anders ist etwa Sam Rockwells bizarre Performance nicht zu erklären, wenn er den Waffenhersteller Justin Hammer auf einer Pressekonferenz herumtänzeln lässt wie einen zugekoksten Jim Carrey. Anders ist nicht zu erklären, dass Scarlett Johansson als Black Widow ohnehin leicht fehlbesetzt, den kompletten Film mental abwesend zu sein scheint und nur in einer stark bei Matrix entlehnten Scene durch Spezialeffekte überhaupt erst in so etwas wie Bewegung versetzt wird. Anders ist kaum zu erklären, dass die Handlung des Films einfach mitten im Film komplett weggeworfen wird, weil anscheinend allen Beteiligten klar wurde, dass der Plot eh nicht viel taugt, und man schlagartig in einer Art Street Fighter IX mit Stahlanzügen landet. Denn nachdem der reichlich sinnfreie und an den Haaren herbeigezogene Handlungsfaden, ob Tony Stark nun an Lithium-Vergiftung stirbt oder nicht – der scheinbar nur dazu dient, Robert Downey Jr. seine Figur Tony Stark als Vollekel zu geben -, löst sich das Problem völlig belanglos, nahezu im Vorübergehen durch einen dreisten Deux Ex Machina in Wohlgefallen auf, damit Marvel und Favreau sich voll und ganz dem Big-Boss-Endkampf zwischen War Machine und Iron Man widmen können, einer müden Animationsschlacht, die wieder einmal klar macht, dass es einfach nicht mitreisst, wenn Pixel sich prügeln. Vor allem dann, wenn War Machine – nicht umsonst eine der wüsten Ausgeburten der 90er – sozusagen nur existiert, um zu zeigen, dass Stark so schlimm doch gar nicht ist. Lieber die exzessive Party des kapitalistischen Risikojunkies mit dem schwachen Herzen als eine überzüchtete Militärdiktatur, das ist die Message – und sei es nur, weil die Rüstung des ersteren einfach besser designed ist.

Highlight des ersten Filmes war vor allem die Marvel-typisch gebrochene Figur von Tony Stark, einer Art bereinigtem Howard Hughes. Im zweiten Teil bleibt der Protagonist allerdings ohne nennenswertes Charakterwachstum den ganzen Film über ein Unsympath, der nur dadurch zum Helden taugt, weil alle anderen Darsteller noch skrupelloser sind. Ob nun der Wall-Street-inspirierte Geschäftskonkurrent Hammer oder Mickey Rourkes Eastern-Promises-inspirierter Klischeerusse oder Don Cheadles Top-Gun-inspirierter G.I. Joe, Stark ist nur der charmanteste Unsympath in diesem Film. Tatsächlich würde der Iron-Man-Stoff durchaus einen Film abgeben, der sowohl Action als auch Tiefgang hergäbe, indem man etwa wie im Comic Starks Alkoholsucht thematisiert, und sicher gibt auch die Verbindung Business und Rüstung etwas her – aber die politischen Andeutungen Favreaus bleiben oberflächlich und wirken fast nur der Form halber eingeworfen. Die Chance über das Vehikel des Heldenfilmes etwas über die reale Welt widerspiegeln zu können, interessiert den Regisseur weniger, vielmehr liefert er eine Art McG-Redux ab und setzt auf Machoklassiker wie Hardrock, schnelle Autos (aufdringlichstes Audi-Productplacement) und Iron-Man-Bunnies, liefert also Modelkino für männliche Teenager ab, die vielleicht selbst davon träumen, in einer Art Rüstung von ihren Alltag abgeschirmt zu sein. Was dabei völlig untergeht, ist dass selbst McG in seinen wenigen guten Momenten (sprich Charlie’s Angels I und II) in gekonnt lässiger Selbstironie inszenieren kann und Bubblegum-Kino im besten Sinne macht, bei dem sich der offenbare Fun-Aspekt aller Beteiligten an der Kindergartengeburtstagsfeier von der Leinwand eben auch auf den Betrachter überträgt. McG kann eben auf eine smarte Art dumm sein. Favreau gelingt das hier nicht ansatzweise, die Charaktere sind keine Spur ironisch, sondern schlichtweg bizarr, die Inszenierung ist nicht leichthändig und locker, sondern einfach komplett abwesend, das Ergebnis nicht schaumig-sexy, sondern dumpf und tumb, wahrscheinlich selbst für die Teenie-Zielgruppe zu braindead.

Zugleich ist Iron Man 2 vielleicht so schwach, auch wenn dies nur eine Fußnote sein kann, weil er den steten Technikglauben der USA verkörpert, der gerade vor der Küste von Mexiko im Öl versinkt, aber der schon lange angegriffen und moribund ist. Der alte Glaube, Technik sei die Lösung aller Probleme – auch der Probleme, die die Technik überhaupt erst hervorbringt – ist am Ende. Ebenso abgezählt steht das Heilsversprechen eines Wirtschaftssystems im Ring, das lange Zeit glaubhaft machen konnte, der exzessive Erfolg der wenigen sei zugleich für alle gut – ein gesellschaftlicher Vertrag, die der ungezähmte und scheinbar unzähmbare Kapitalismus des Computerzeitalters, der ganze Nationen an den Rand des Ruins spekuliert, nicht mehr hergibt. Insofern wirkt Iron Man doppelt deplaciert, als Technologiefilm wie auch als Wirtschaftsfilm. Tony Stark, der Waffenbauer, der Techniknerd, der Playboy – all das wirkt seltsam muffig, nicht nur, weil die Figur ursprünglich aus den 60er Jahren kommt. Ganz im Gegenteil: Martin Scorsese hat in Aviator bewiesen, wie sich aus dem Hughes-Templates des getriebenen Genies, das Maschinen liebt und Menschen fürchtet, das Großes leistet, weil es sich klein fühlt, eine intensive Geschichte formen lässt. Favreau hätte diesen Ansatz problemlos folgen und modernisieren können, zum Popcorn-Kino umwandeln und vereinfachen. Favreau hätte dem Vorbild von Matt Fractions sensibler und zugleich fesselnder Dekonstruktion des Iron-Man-Mythos im derzeit aktuellen Comic folgen können. Statt dessen hetzt Favreau von Szene zu Szene, ohne dass sich jemals eine Geschichte entblättert – ein Paradebeispiel dafür ist nicht zuletzt, wie Rourkes im Kern vielversprechende Figur den halben Film zahnstocherkauchend vorm Rechner sitzt und vor sich hin nuschelt, sinnlos vergeudet, um dann am Ende in drei Sekunden besiegt zu werden. Selbst nach den Regeln des affirmativen Actionkinos ist das schlechtes Handwerk.

War Iron Man 1 ein charmanter Cocktail, ein wirscher Mix aus Kapitalismus-is-just-a-party und Frankensteins Monster mit einer Prise 50er-Jahre-SF-Paranoia, so ist der zweite Teil ein ärgerliches und lautes Vehikel, das an keiner Stelle wirklich überzeugen kann und dabei niemals den straßenjungenhaften dreckigen Charm aufbringt, der am Ende alles gut machen könnte. Filmen wie Oceans 11, oder sogar Crank verzeiht man gerne, dass sie völlig hirntot sind, weil sie mit den Händen in den Taschen vor dir stehen, Zahnstocher im Mund und dich dreist angrinsen. Filme, bei denen man stolz ist, sich für sie zu schämen. Iron Man 2 scheitern nicht, weil er mehr sein will, als er sein könnte, er scheitert, weil er von vornherein nichts sein will und dieses Ziel dann auch absolut konsequent erreicht. Es ist interessant zu sehen, dass es offenbar so viel Trickeffekt-Perfektion braucht, um zu verdeutlichen, dass es eigentlich nichts mehr zu sagen gibt.

30. Mai 2010 22:38 Uhr. Kategorie Film. Tag . Eine Antwort.

Foals Köln Luxor

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Es ist eins dieser Konzerte bei denen Bier und Schweiß von der zu niedrigen Decke tropfen, weil zu viele Leute in einem zu engen Raum zu viel Bewegung machen, bei denen du irgendwann aufhörst mitzusingen, weil sich die Angst einschleicht, was eigentlich mit deiner Zunge passiert, wenn dir plötzlich ein Ellenbogen unters Kinn schlägt, bei dem die Besucher am Ende verschwitzt und müde und glücklich wirken wie nach einem Besuch im «Fight Club». Die Foals hätten in Köln offensichtlich auch eine deutlich größere Venue gefüllt und verwandeln das Luxor in einen Käfig, der zu einem Drittel nur noch aus Mosh Pit besteht.

Und verdientermaßen – die Band, die schon auf den Alben einen bisher unerreichten Sound abliefert, ist live noch um einiges präsenter. Härter, schneller, sehr viel lauter, mit einem Sound, den ich so im Luxor bisher nicht gehört habe und der gegen Ende des Konzerts auch sicher bis an die oberste Leistungsgrenze der PA geht, und der vor allem psychedelischer, experimenteller, freier wirkt als im Studio. Einerseits werden so die etwas sanfteren Songs von Total Life Forever deutlich näher an die Songs des Debutalbums herangerückt, zackiger, tanzbarer, tougher – andererseits wächst ein Liveklassiker wie Two Steps Twice so zu einem Wall-of-Sound-Monster heran, das gegen Ende genauso gut aus dem Frankensteinlabor von Mogwai hätte kommen können. Und so wird der Mix aus alten und neuen Songs zu einer überzeugenden Reise durch die massiven Upbeatgefühle von Hits wie Olympic Arirays oder French Open einerseits und der unfassbaren Euphorie, die Tracks wie Spanish Sahara beim Hören auslösen andererseits. Es ist beeindruckend, wie Jimmy Smith live den unglaublich dichten Gitarren- und Delayteppich der Studioaufnahmen scheinbar lückenlos nachbildet, und Drummer Jack Bevan wirkt auf der Bühne fast wie entfesselt, bringt die Stücke mit seiner Energie auf eine völlig neue Ebene, kleidet die bei allem Tempo eben doch stets leicht krautigen, trancigen, cannabisschwangeren Produktionen in neue, geradlinigere Rhythmusarchitekturen, denen der hallfreiere, direktere Sound tatsächlich gut steht. Eine Band, die schon im Studio so großartig ist wie die Foals und die ihre Livefähigkeiten in einer gnadenlosen Ochsentour durch Festivals und Clubs geschliffen hat, hätte mit dem zweiten Album eigentlich einen deutlich größeren Club als das Luxor verdient und angesichts des rammelvollen Ladens wohl auch relaxt etwa die Live Music Hall gefüllt. Auf der anderen Seite, nach zwei verpassten Konzerten in Köln und Amsterdam, für die ich zwar Tickets, aber keine Zeit hatte, ist es natürlich auch großartig, die Band endlich nah und direkt gesehen zu haben, in einer kleinen Venue die authentische, echte und intensive Konzerte garantiert, bei denen dir noch drei Tage später jeder Knochen im Leib wehtut.

12:41 Uhr. Kategorie Live. Tag . Keine Antwort.

e3e

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24. Mai 2010 23:23 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Panda

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23. Mai 2010 17:44 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Christians Tisch

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19. Mai 2010 00:47 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Eine Antwort.

Ist TV-Land abgebrannt?

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Es wirkt in den letzten Monat etwas verzweifelt, wie die TV-Sender ihre Shows canceln und neue Konzepte herankarren und wieder absetzen – eins der neuesten Opfer bei ABC ist beispielsweise David Goyers Flashforward. Die zum Teil aufwendig produzierte offensichtlich langfristiger angelegte Serie, die Lost beerben sollte, endet nicht nach den geplanten drei oder vier Staffeln, sondern inmitten offener Handlungsstränge. Andere Opfer der letzten Zeit gibt es reichlich, die Liste umfasst 35 Sendungen. Darunter zahlreiche Shows, die einige mehr oder minder erfolgreiche Seasons hinter sich haben. Woran liegt dieser Einbruch?

Er zeugt nicht nur von wirtschaftlichen Problemen – Instantshows und Trash-TV sind einfach billiger, selbst American Idol dürfte weniger kosten als ein Pilot einer guten Serie -, sondern auch vom Ende eines TV-Zeitalters (oder zumindest einem sehr gravierenden Umbruch). Während Sendungen wie American Idol (und all die anderen Casting Shows) noch vom Live-Faktor leben, ähnlich wie Sport-Events, vom Mit-Abstimmen oder von dem Informiertsein / Mitredenkönnen am nächsten Tag, funktionieren die relativ komplexen Serien, die auf dem Season-Konzept aufbauen, wie es Twin Peaks (eigentlich die erste Revolution im TV), X-Files oder auch Buffy etabliert haben und das Lost oder Breaking Bad perfektioniert haben, durchaus auch dann gut wenn nicht sogar am besten, wenn man sie in einem Rutsch schaut – also am Ende einer Staffel. Ein Echtzeit-Sehen ist also nicht notwendig. Während einerseits TV-Serien sich in den letzten Jahren als extrem gutes Erzählformat bewiesen haben, gerade weil sie längeres Format haben und differenzierte Charaktere und langfristige Handlungsbögen erlauben (gegenüber der 3-Stunden-Grenze im Kino, das einfach mehr verdichten muss), verlieren diese anspruchsvolleren Formate den «casual viewer», der einfach nur mal ohne große Vorbereitung 45 Minuten etwas Entertainment will. Für diese Gruppe von Zuschauern reicht die Krimifall-der-Woche-Serie, die relativ statische Charaktere durch immer wieder andere, aber selbstähnliche Konstellationen jagt, eine Serie mit der Dichte von Twin Peaks oder Lost dürfte hier eher abschreckend sein und spricht eher eine spezifische Fan-Audience an. Die aber ist zum einen global, meist eher vorm Rechner als vorm Fernseher anzutreffen und zum anderen von der Jetztzeitigkeit des Webs auf «Ungeduld» programmiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zielgruppe, bei der Hunderttausende von Teilnehmern bei Lost etwa an einem Alternate-Reality-Game online teilnahmen, die finale Staffel überhaupt noch zur Sendezeit im TV schaut, ist mehr als gering. Die Einschaltquoten von Lost liegen hinter American Idol, und dennoch ist es die meist heruntergeladene Serie weltweit im Moment. Nur hilft das ABC wenig.

Solange die Sender solche «Mythos»-Serien aber weiter nach Einschaltquoten und Nielsen-Ratings beurteilen, werden diese Fanbase-orientierten Serien scheitern, da die TV-Entscheider einen zentralen Paradigmenwechsel der Konsumgewohnheiten ihrer früheren Zuschauer verpassen. Ein Blick auf die Websites nahezu aller US-Sender verrät, wie hilflos der amerikanische Fernsehmarkt mit dem Fernsehen umgeht. Während im Schatten der Serie Lost eine verwobene und verwirrende Wiki rund um die Serie von Fans betrieben wird, bleibt es bei ABC bei Rückblicken und etwas Flash-Gedöhns. Dabei ist Lost, mit ARG-Ansätzen und J.R. Abrams genereller Tendenz zu multimedialer Verwebung seiner diversen Projekte noch durchaus Leitstern, während andere Serien noch stiefmütterlicher behandelt werden. Für FOX, CBS, ABC und Co ist der Zuschauer immer noch das Pantoffeltier vor dem Fernsehbildschirm – das spiegelt ganz wunderbar akut wieder, wie ungelenk viele andere Branchen mit dem medialen Wechsel der letzten Dekade umgehen. Tatsache ist: von der wahrscheinlich großen globalen (und illegalen) Zuschauerschaft hat eine Serie wie Flashforward oder Dollhouse beim jeweiligen Sender gar nichts – und zwar, weil der Sender diesen Zuschauern keine Chance gibt, gezählt zu werden.

Kurzfristig ist der erste Schritt, auf der eigenen Homepage aktiver zu werden und das Web als Kanal zu begreifen. Ob Werbefinanziert oder gegen (moderate) Bezahlung – die Sender sollten den Download aktueller Folgen und alter ganzer Staffeln anbieten. Warum das ganze Geld nur iTunes geben? Staffelpässe mit Extras, eine solide Betreuung der Serie und der Fanbase, eigene Blogs und Wikis, sind erste Möglichkeiten, sich auf das Web einzustellen. Denn wenn erst Technologien wie WiMax/LTE mobiles Internet auf VDSL-Tempo bringen, sollte man vorbereitet sein – ab diesem Zeitpunkt wird es kein Fernsehen, wie wir es in den letzten Jahrzehnten kannten, mehr geben.

Zugleich birgt dieser Umbruch enormes Potential für die Sender, das sie derzeit verschleudern. Wenn «Mythos»-Serien, zudem weltweit, Fans binden, ergeben sich hier Wertschöpfungsketten, die bisher weitestgehend brach liegen, weil es im engen Fernsehraum zwei Probleme gibt: Sendezeit und Produktionskosten. Ersteres ist im Web non-existent, da jeder Zuschauer sich seine Sachen selbst zusammenstellt. Letzteres ist eine Entwicklungsfrage – es kann keinen Zweifel daran geben, dass die Produktion von Film in den nächsten Jahren unglaublich billiger wird. Noch ist es eine bemerkenswerte Ausnahme, wenn die 5DII für den Dreh eines Staffelfinales eingesetzt wird – aber der Einsatz von preiswerteren digitalen Kameras sowie der Preisverfall bei computergenerierten Effekten dürften die Produktionskosten von Serien deutlich senken. Zumal inzwischen eine Zuschauergeneration heranwächst, der Stars weitestgehend egal sind bzw. die ihre Stars selbst generiert.

Warum also nicht in Zukunft – analog zu Direct-to-DVD – in einem direkt für das Web produzierten Format arbeiten? Warum hier nicht weg von dem System, Serien so lange laufen zu lassen, wie es eben geht… was entweder zu abrupten Absetzungen führt oder – schlimmer noch – im Erfolgsfall zu endlos in die Länge gezogenen Formaten, die längst über ihren eigentlichen Spannungsbogen hinweg künstlich am Leben erhalten werden? Warum das Internet nicht als eigenständiges Medium begreifen und entsprechend arbeiten? Warum, kurz, also nicht Geld mit der globalen Fangemeinschaft von Figuren und Serien verdienen anstatt sich an ein anonymes TV-Publikum mit dem kleinsten geringen Nenner zu verheizen und in endlosen Zugeständnissen an die Marketingleute von Großsendern das Herz der ursprünglichen Geschichte zu verkaufen? Vielleicht hätten wir dann auch wieder mehr als nur Cop- und FBI-Shows (plus Mystery-Element bitte) mit möglichst vielen Explosionen und mehr grandioses Format wie eben Breaking Bad, das in der Tat vergleichsweise preiswert zu produzieren wäre.

Online ergibt sich die Chance, auch mit kleinen, feinen Formaten und einer relativ überschaubaren Zielgruppe langfristig stabile Formate zu etablieren, die unabhängig von Quotendruck trotzdem Geld verdienen – zudem eventuell ohne Druck durch die Werbeindustrie. So ließe sich – was bei Lost ja erstaunlich gut funktioniert hat – ein Vorgehen denken, bei dem die Länge eines Stoffes von vornherein grob festgelegt ist und eine Geschichte in dieser längeren Narrationsform vollendet werden kann, um dann als Gesamtwerk abgeschlossen zu sein. Anfang, Mitte, Ende. Zugleich wären auch Mini-Serien denkbar – wie dereinst von Wild Palms vorgemacht. Der Stoff, die Story bestimmt den Umfang, nicht umgekehrt. Was HBO noch im TV weitgehend erfolgreich vormacht, wird im Web deutlich einfacher und zugleich umfassender realisierbar – nicht nur für die großen Sender, sondern vor allem auch für Kreative selbst. Dave Sim hat vor einigen Dekaden begonnen, das creator-owned-publishing von Comics vorzuleben, das Web und die modernen Produktionstechnologien ermöglicht es jetzt den Autoren, Regisseuren und Machern selbst, mit eigenen Produktionsfirmen als Start-Up zu eigenen Online-Sendern zu mutieren, sei es über Deals mit iTunes oder direkt über die eigene Site. Hier ist die Chance, sich auch im Langformat einer Serie vom Moloch TV zu lösen und – wie im Film – zu einer Trennung von «großen» Produktionsfirmen und «Indies» zu kommen, die die besseren, mutigeren Stoffe mit weniger Budget aber mehr Freiheit realisieren… und wie im Filmbereich dürfte auch hier ein reger Crossover zwischen beiden Bereichen herrschen. Schaut man sich an, dass viele Cash-Cows der Filmindustrie bereits heute ihr Handwerk in TV-Serien erlernt haben, wird einem schnell klar, wie lebhaft sich Film und Indie-Web-Serien gegenseitig befruchten dürften.

Das Seriensterben in den USA bringt eine der wenigen halbwegs nativen Kulturleistungen der USA ins Wanken – die Langzeitnarration in Form von Comics und TV-Serien. Aber tatsächlich ist es kein Aufbruchssignal, über bestehende Kommunikationsstrukturen nachzudenken, bevor die Symptome noch ernsthafter werden. Endlose Casting- und Trash-Shows sind kein Ausweg. Ein Ausweg wäre aber, wenn die Leute, die eine Geschichte zu erzählen haben, sich neuer Wege bemächtigen, diese zu vermitteln. Man stelle sich vor, ein Bryan Fuller, ein JJ Abrams oder ein Joss Whedon würden mit einer guten Crew online loslegen (erste Ansätze gibt es ja inzwischen), ordentlich vorfinanziert, als Crossoverprojekt aus (Web)-Serie, Comic, Merchandise, Film, Buch und und und… um ganz ohne Kompromisse der eigenen Vision folgend im großen Stil Geschichten erzählen zu können. Es wäre die nächste Evolutionstufe – und zugleich die Vorbedingung für den nächsten Schritt, ein vollwertiges, interaktives, dynamisches Erzählmedium, das kollektive Gruppennarration, Einwirken in die Erzählung, also Teilhabe zulässt, eine neue und offene Struktur von Storytelling, die mehrere Enden und Bifurkationen zulässt. Bei Lost ist diese Teilhabe – in Form eines komplexen Dialogs zwischen Autoren und Zuschauern und einer wahren Deutungsorgie von Hinweisen in der Serie – bereits in Gang, die tatsächliche Leistung der Serie ist, dass sie primär nicht mehr an sich unterhält, sondern selbst Anlass zur Unterhaltung schafft, anregt statt abstumpft, kaleidoskopisch statt eindimensional ist – im Grunde ist Lost bereits längst mehr ein Onlinephänomen als eine herkömmliche TV-Serie. Die Frage ist nur, wie man den Enthusiasmus der Fans in Geld umwandeln kann, eine Transformation, die aber nicht mehr über herkömmliche TV-Kanäle funktionieren kann, sondern (auf ganz unterschiedlichen Wegen) perfekt über das Internet (oder als jeweilige Kanal-App fürs iPad usw bzw über einen eigenen Sender-Bereich bei iTunes). Mittelfristig, keine Frage, lassen sich hier Summen verdienen, an die jetzige TV-Serien werbefinanziert nicht heranreichen. Und zugleich lassen sich preiswert kleine Konzepte entwickeln, als «Playground» für den kreativen Talente-Nachwuchs.

Gute Aussichten also, wenn nur jemand endlich den ersten wirklich erfolgreichen Schritt auf den neuen Kontinent machen würde.

Vielleicht sollte David Lynch sich eben doch noch mal an Twin Peaks setzen und ein zweites Mal eine Revolution stiften.

18. Mai 2010 20:07 Uhr. Kategorie Online, Stuff, Technik. Tag , , . 3 Antworten.

Ulrike Haage: Le Pianoscope

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Was ich zunächst an diesem Album absolut nicht verstehe ist das Artwork. Ulrike Haage hat vor gut 12 Jahren mit dem grandiosen Cover von Hunger (zusammen mit Katharina Franck) so guten Geschmack bewiesen, warum ist Le Pianoscope jetzt die Sorte Kitschbild, die ich eher mit einer Meditations-CD für 4,99 € assoziieren würde? Niemals hätte ich diese Platte nach dem Cover gekauft. Dabei ist das 2009er Album von Haage keineswegs so spoken-poetry-meets-samples-modern wie Hunger oder andere Alben von ihr, aber auch keineswegs der Kaffee-und-Kuchen-Kitsch, den das Cover befürchten lässt. Die 27 für Film erstellte Skizzen auf dem Album, allesamt zwischen kaum einer bis zu drei Minuten lang, sind so großartig wie man das von einer der kreativsten deutschen Musikerinnen und Komponistinnen erwarten würde – und vor allem wieder anders und unerwartet. Da flirrt eine Harmonie aus Casablanca durch den Raum, da greifen einsame Töne nach Luft, da flirrt eine jazzige Hookline an dich heran und ist wieder weg – alles wirkt luftig, lyrisch, ein bisschen allein. Haage, die von Mainstream-Pop bis zum fast unzugänglichen Alternative alle Stilarten durchhat, Hörspiele produziert hat, kommt hier mit einem angenehm an Keith Jarrett erinnernden Sound, der von sorgsam gefügten Kompositionen bis zu fast frei improvisierten Fragmenten reicht, die weder so recht echt Klassik noch Jazz sein wollen, die mal am einsam im Raum stehenden Klavier eingespielt scheinen, mal elektronisch-minimalistisch, mit Spieluhren und E-Piano-Sounds. So gelingt ihr der Balanceakt eines abwechslungsreichen und durchaus spannenden Albums, das zugleich fast stillzustehen scheint, fast meditativ ruhig ist. Wie viele Pianoalben von Musikern, die nicht vollwertige Klassik-Solisten sind, ist auch Le Pianoscope keine Parforcejagd durch die Möglichkeiten des Instrumentes, ganz im Gegenteil scheint das spielerische Können fast unwichtig, zentral ist die Lässigkeit, die Leere, die Stille zwischen den Tönen. Es gibt sicher Alben, in denen sich der Musiker noch mehr zurücknimmt als hier, aber es sind nicht viele. Anders, aber im Endeffekt ähnlich wie David Sylvian bei Approaching Silence, erfindet Haage hier eine Form, in der sie zugleich unsichtbar, oder doch transluzent zu werden scheint und dabei gleichzeitig intensiver denn je im Mittelpunkt steht. Sie entdeckt in der Naivität die Weisheit, im Schweigen die Andeutung von Vielsagendem – und nähert sich so, ohne jemals Kitsch zu produzieren, einer wirklich lyrischen Erzählform, einer Klangpoesie – so abgegriffen der Begriff ist -, die mehrfaches Hören belohnt und wieder eine neue und doch vertraute Facette dieses Multitalents zeigt.

10:07 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . 5 Antworten.

Comics iPad Copyright

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Die Comicbranche ist im Umbruch. Und nimmt, weil es ein schnell lesbares, «burst»-Medium ist, ein Zwitter zwischen Bild und Text, wie gemacht für eReading, die Entwicklung, die Büchern und Zeitschriften bevorstehen könnte, exemplarisch und hyperbeschleunigt vorweg…. Newsarama hat ein paar Stimmen dazu eingefangen – und zeichnet ein Bild, das so vielversprechend wie düster ist.

«I think they’re going to face the same sad fate of many small book stores, CD shops, and movie rental places». .. «Some will survive, that’s clear, but I think most won’t. I can’t see how trends of this size get reversed.» … «There is a market for this stuff, and it’s being served… “The real problem here is that it’s being served illegally and Marvel and DC (and many, many smaller publishers) are missing out on that money.»

Mehr hier.  

17. Mai 2010 14:14 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 13 Antworten.

Design Made in Germany 4

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Die vierte Ausgabe des immer weiter wachsenden Design-Made-in-Germany-Magazins von Patrick Marc Sommer und Nadine Rossa ist online, diesmal zum Thema «Webdesign». Beim ersten Durchblättern wimmelt es mir schon zu oft von «Usabilty» (meinem persönlichen Haßbegriff der Woche), aber die Interviews und Texte sehen spannend aus. Eigentlich seltsam, dass meine zunehmend wirscher werdenden (und so ja auch als langwerdende FlashWriting-Form geplanten) Texte noch in ein so gut werdendes Blatt dürfen. Mit Information Architects und Iconwerk hat das DMIG-Team zwei tolle Interviews am Start, Christophe Stoll und Johannes Schardt denken über die Zukunft von Print im Web nach, die wir in Form von Spiegel und Zeit-Relaunch auch gleich erklärt kriegen… klingt alles spannend. So spannend, dass man das Heft eigentlich langsam am liebsten gedruckt mitnehmen möchte ;-D.

13:24 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Lali Puna Live Gebäude 9

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Die musikalische Struktur von Lali Puna ist eigentlich so, dass ein Live-Konzert nicht nur selten ist, sondern auch unwahrscheinlich wirkt oder zumindest wenig vielversprechend. Die ruhige, kontemplative, vielschichtige Klangwelt von Valerie Trebeljahr, Markus Acher, Christian Heiß und Christoph Brandner sollte auf einer Bühne kaum funktionieren dürfen oder zumindest so hypersteril wirken wie die von Kraftwerk. Von steril kann keine Rede sein, die Bühne im Gebäude 9 wirkt eher wie ein Proberaum, mit improvisierten Tischen, zahllosen Mikrophonen und Synths, Kabeln und Amps – aber tatsächlich suchst du Showeinlagen hier natürlich vergebens, Trebeljahr wird seltsamerweise immer dann am lockersten, wenn etwas schiefgeht und ein Song falsch losgeht oder sich einer der Musiker verspielt, und während Mastermind Heiß und die deutsche Indie-Legende Acher sichtlich Spaß an ihrer Sache haben, sind sie halt meist mit ihren Instrumenten beschäftigt oder sorgen für den perfekten Sound. So wundert es fast nicht dass Brandners Schlagzeug vorne am Bühnenrand steht – die Musiker sind sozusagen entgegen dem typischen Bandaufbau alle gleich wichtig positioniert -, denn in Sachen Action dominiert er das Konzert… traditionelle Instrumente haben halt live doch ihre Vorteile. Gerade in einer recht kleinen Venue ist der Mix von synthetischen Sounds und echten Drums eine Herausforderung, an der viele Konzerte scheitern, aber Brandners geradezu stoisches, geradliniges, kontrolliertes und trotzdem druckvolles Spiel fügt sich größtenteils auf den Punkt in die Soundstrukturen ein, die Heiß vorgibt. Mehr noch: Nach einer Weile erinnern die Drums in ihrer straighten nüchternen Art massiv an Holger Czukay, den großen Can-Trommler, der wie kein zweiter mit elektronischer Musik verwobenes Akustikschlagzeug liefern konnte. Und so überrascht es vielleicht nicht, dass die besten Tracks die sind, bei denen Lali Puna sich aus möglichst weit aus dem Morr-Music-Flair ihrer Alben herauslehnen und eine Art Neo-Krautrock spielen, der in seinen besten Momenten hypnotisch und fesselnd ist, in immer gleichen Harmonieschleifen mit druckvollen Drums und immer neuen Klangschichten minutenlang einfach vorwärts läuft und bei dem man sich wünscht dass die Songs die gebührenden 30 Minuten dauern würden, anstatt einfach irgendwann aufzuhören. Gerade die letzte Zugabe, der Klassiker Fast Forward von dem 99er Album Tridecoder, entwickelt sich am Ende zum reinen Monstertrack. Live verlieren Lali Puna so die leicht sterile, zu cleane, zu perfekte Notwist-artige Überproduktion und Geschliffenheit und tauscht die sanft fließende Magie der Platten gegen eine rauhere, rohere Fassung, die durchaus mehr Energie hat und mehr Spaß macht und bei der man sich wünscht, dass die Studioalben mehr von dieser Direktheit haben würden.

(weiterlesen …)

10:01 Uhr. Kategorie Live. Tag . Eine Antwort.

Sputnik

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15. Mai 2010 09:43 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Lampe

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02:29 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Blumenbank

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14. Mai 2010 15:15 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Stop Eating Animals

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So einfach kann Guerilla sein…

13:27 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

On the Sleeve…

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Klar, jeder weiß, das Albumcover – als es sie noch gab – der große Abenteuerspielplatz für Grafik Designer waren? Aber reine Industrie-Sleeves, die reine Schutzhülle ums Vinyl? Anscheinend schon, wie dieses Blog mit teilweise wunderbar sparsamen Retro-Designs zeigt: Record Envelope.

13. Mai 2010 15:11 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Blau

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09:49 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Eine Antwort.

Sicherheit

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12. Mai 2010 19:07 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Eine Antwort.

Gestaltentreffen Gruppenausstellung

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Der vielen von den Buch-gegen-Photo-Aktionen aus dem letzten Jahr (wo ich, hoppla, immer noch Bücher versenden muss, mea culpa!) sicher noch in bester Erinnerung verbliebene Tobalo ist einer der Aussteller, wenn es ab dem 15. Mai in der Kampstraße 44 im Freien Kunst Territorium Bochum die 5. Gruppenausstellung gestaltentreffen gibt.

Zwölf Photographen und Künstler aus ganz Deutschland zeigen ihre Arbeiten in verschiedensten Techniken und Sujets – zur Vernissage und Finissage gibts ordentliche Musik und sogar eine Lesung. Klingt spannend, wird es sicher auch. Weitere Infos rund um das gestaltentreffen gibt es hier.

13:56 Uhr. Kategorie Design. Tag . 2 Antworten.

Kasabian: West Ryder Pauper Lunatic Asylum

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Das dritte Album von Kasabian kündigt bereits mit den ersten Tönen an, dass sich einiges geändert hat und man sich doch treu geblieben ist– der Gitarrenriff klingt gnadenlos nach Primal Scream, der Track an sich nach einer Triphop-beeinflußten besseren Gallagher-Nummer. Keine Frage, Kasabian sind immer noch Oasis für Leute, die Oasis nicht mögen. West Ryder Pauper Lunatic Asylum ist eine Art Konzeptalbum über ein (tatsächlich exitierendes) psychatrisches Obdachlosenasyl, und so sind die Tracks immer wieder durch Soundtrack-artige Einlagen gestört, die zu den spannenderen Elementen des Albums gehören, dass – Konzept hin oder her – vor allen aus guten Popnummern besteht, die man gnadenlos auskoppeln könnte. Where did all the Love go, Underdog, Fast Fuse sind die Hauptkandidaten, aber nahezu jeder Song hat etwas treibendes, selbst eher ambitionierte Nummern wie das sperrigsparsame Swarfiga, das wie Vlad the Impaler einen Trip in elektronische Dancegrooves macht, während andere Arrangements wie etwa West Ryder Silver Bullet etwas in Richtung Country und Folf driften. Wenn man so will, versuchen Kasabian – erfolgreich – Soundtrack-Einflüsse in ihre Musik einzusaugen, hier ein wenig Dust Brothers, dort ein bisschen Ennio Morricone, man sieht Serge Pizzorno und Tom Meighan förmlich vorm Fernseher sitzen, seltsame Filme schauen und komponieren. Musikalisch fließen dabei ordentlich 60s-Inspirationen mit ein, und alles in allem dürften auch ein paar Drogen im Spiel gewesen sein – das Ergebnis ist auf doppelte Art Retro, eine Mischung aus Screamadelica-60s und eben 90s, und doch eine ganz eigene Sache, sicher das spannendste, was Kasabian bis dato abgeliefert haben. Obwohl immer noch straighte Rockmusik, tänzelt das Quartett hier fast auf dem gleichen schmalen Grat, auf dem Radiohead mit OK Computer waren (wenn auch nicht ganz so grandios und zeitlos wie Radiohead), ein Nachgeschmack des Vertrauten und ein Vorgeschmack von etwas gänzlich Neuem. Kasabian hätten sich für immer auf ihrem Me-too-Status als Gallagher-Epigonen ausruhen können, zeigen hier aber entspannt (und durchaus immer noch Mainstream-kompatibel), dass das dritte Album auch dafür da sein kann, seine eigene Nische zu finden. Andere Bands versinken hier in Langeweile und «ihrem» Sound, aber Kasabian schaffen das Kunststück, sich neu zu erfinden und ein Art Zitate-Anthologie-Album zu schaffen (was durchaus zu der Konzeptidee des Albums passt), ohne bei allem Pop-Eklektizismus dabei wirklich allzu anders zu wirken oder ihre Herkunft zu verleugnen. Die Stärke des Albums ist die Zusammenschau der Songs, von denen einzeln keiner wirklich herausragend ist, aber die Art und Weise, wie sich die verschiedenen Stile aneinander reiben, bringt die Platte eben doch zum Glänzen.

11:16 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

It’s gonna rain…

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11. Mai 2010 19:04 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . 2 Antworten.

Spiegel

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10. Mai 2010 15:30 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Gleise

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09:05 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Should I stay or Should I Go…

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… oder auch «Come In and Find Out.». Gemein, ich weiß – aber das ist schon arg pragmatische Stadtplanung, oder?

9. Mai 2010 21:59 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Eine Antwort.

Mark Brandis: Bordbuch Delta VII

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Ach, die Kindheitserinnerungen. Tatsächlich ist überraschend, dass Nikolai von Michalewskys deutsche SF-Serie auch mit deutlichem Abstand und auch deutlich veraltet im großen und ganzen gut dasteht. Was wahrscheinlich daran liegt, dass Michalewsky trotz der Ich-Erzähler-Form einen eher nüchternen Stil nutzt, der Science-Fiction nur als Rahmen nutzt und ansonsten genau so gut auch auf einem U-Boot oder Kriegsschiff spielen könnte, die phantastischen Elemente werden bloß der Genreform halber beigeliefert, es geht dem Autoren greifbar um Fragen von Gehorsam und freien Willen, Disziplin und Kameradschaft und die Zusammenarbeit an Bord. All das verwundert vor dem Hintergrund von Michalewskys Biographie wenig, zumal er von SF nach eigener Aussage wenig Wissen hatte – der Serienautor hat also ganz offenbar seine eigenen Erfahrungen 100 Jahre in die Zukunft gedacht und sich dabei einen fröhlichen Dreck um wissenschaftliche Fakten geschert, weswegen die von der diktatorischen Erde flüchtenden Crew-Mitglieder der Delta VII ausgerechnet auf der Venus landen – obwohl dort selbst unter höchsten Anstrengungen keine menschliche Kolonialisierung denkbar wäre. In einem Jugendbuch, finde ich, sollte man als Autor solche Fakten vielleicht mitliefern, Information und Entertainment etwas sorgfältiger verquicken als in einem reinen Pulp-Roman, aber andererseits ist der mehr als lässige Umgang mit der Astronomie ein Markenzeichen der offenbar ziemlich schnell herabgeschriebenen Bücher, deren Atemlosigkeit eben zugleich auch ihre Kraft ist. Michalewskys Figuren wirken bei aller scheinbaren Internationalität wie eine zusammengeschweißte, aber eben aufgrund dieser Enge beileibe nicht konfliktfreie Gruppe wie aus einem klassischen Soldatenfilm – geleitet von dem fast preußisch-trockenen Überprotagonisten Brandis, dem Idealtypus des Generals, der sich innerlich hinterfragt und an sich zweifelt, nach außen seine Mannen aber nahezu irrtumsfrei und selbst zuvorderst voranstürmend ins Feld führt. Der durchaus bereits in den siebziger Jahren leicht irritierend positiven Darstellung von Militarismus steht ein klarer Antifaschismus gegenüber, der sich in Band I und den Folgebüchern vor allem an der Figur von Gordon B. Smith abarbeitet, der die Erde mit allen typischen Bösewicht-Methoden in den Griff zu kriegen versucht, etwa durch Gehirnwäsche oder Implantante, mit denen er unter anderen in Bordbuch Delta VII den ehemaligen Präsidenten der Erde Samuel Hirschmann «umdreht» oder zombieartige Soldaten heranzieht. Man mag sich innerlich an Michalewskys Logik von «guten» Soldaten, die gegen «böse» Soldaten kämpfen, reiben – hinter dieser sehr dem Kalten Krieg geschuldeten Sicht auf die Welt steckt aber ein deutlich greifbarer Humanismus des Autors, den seine Figur den jungen Lesern deutlich und (nach wie vor) spannend vermittelt.

Es ist das Kreuz aller altgewordenen Science-Fiction-Arbeiten, nicht zuletzt auch der Bücher aus den fünfziger und sechziger Jahren, dass sie technologisch wie inhaltlich erschreckend veralten. Das Ergebnis ist eine seltsame Alternativzukunft, die nicht selten schon fast wieder in unserer tatsächlichen Vergangenheit liegt, weil die Autoren nur 30 oder 50 Jahre nach vorne gerechnet haben, die mit unserer Realität erschreckend wenig gemein hat, aber meist ein interessantes Spiegelkabinett der Ängste und Hoffnungen der Entstehungszeit abgibt. So auch hier, und wie üblich gerade bei der pulpigen, billigen Serienliteratur und Auftragsarbeit, die der Autor seinerzeit ja nicht ohne Grund unter Pseudonymen veröffentlichte (er wollte seine unter dem eigenen Namen erscheinenden eher historischen Romane vor der Literaturkritik schützen), nicht ahnend, welchen Erfolg er mit dieser Figur haben würde. Der Weltenbummler Michalewsky zeigt mit seiner Spiegelwelt eine Zeit von Kaltem Krieg und UN-Hoffnungen, geprägt vom Blockdenken der 60er Jahre, so sehr, dass man die Revolten jener Zeit kaum im Text des ersten Bandes spürt (obwohl die Brandis-Bücher im weiteren Verlauf sehr zeitnah werden und etwa die Rasterfahndung, die Angst vor einem Überwachungsstaat oder die Club-of-Rome-Berichte thematisieren), sondern vielmehr einen Diskurs über die politischen Blocksysteme des Kalten Krieges, Nato und Warschauer Pakt und die Hoffnung auf ein Ende der politischen Absurdität der Aufrüstung. Es ist vielleicht verständlich, dass Michaelewsky vor allem im weiteren Verlauf der rund 30 Bände umfassenden Serie immer mehr die Realität als Ideengeber einbezog. Der erste Band, noch deutlich geprägt von einer Unsicherheit mit dem Genre und den Figuren, gehört zu den besten der Serie, gerade weil man hier ahnt, wie der Autor sich den Handschuh seiner neuen Figur überstreift und Szenen frei jeder Abgebrühtheit entstehen, die dem eher dünnen Plot um tapfere Helden und böse Protofaschisten einige Momente bescheren (wie etwa die Schlagzeugeinlage von Antoine Ibaka), die auch heute noch größer sind, als man es bei einer Jugendbuchreihe eigentlich erwarten würde.

16:44 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

Tür

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8. Mai 2010 21:44 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . 2 Antworten.

Federn

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7. Mai 2010 22:49 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Schlechte Nachrichten…

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Schlechte Nachrichten für die Bekleidungsindustrie!

22:29 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

Sad Fishes

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00:04 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Wurzel

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6. Mai 2010 18:59 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . 2 Antworten.

Lost in Translation?

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Ich werde nie verstehen, wie deutsche Buchtitel entstehen… Ratespiele im Dunkeln? Würfeln? Im Spiegel sagte die die Grande Dame der Übersetzung, Swetlana Geier, eine gute Übersetzung zeichne sich neben dem Spaß am Lesen vor allem durch «richtige Begriffe» aus. Nun heißt das Original von Steve Toltz wildem Debüt aber nun einmal A Fraction of the Whole, also «Ein Teil des Ganzen», ruhig auch volksnah «Ein Teil vom Ganzen», wenn man es bodenständiger haben will. Der Titel ist mehr als gut gewählt für das Buch, passt exzellent zum Inhalt und zum Subtext des Ganzen. Und vor allem: Er stupst den Lesern nicht stupide darauf, hier ein hohoho-lustiges Buch zu erwarten. Fraction ist durchaus irre lustig, aber eben nicht «hohoho». Anscheinend glaubt der deutsche Verlag aber, ein seriöser Titel macht nicht deutlich genug, dass man ein lustiges Buch verkaufen will und deshalb muss ein völlig frei erfundener Titel her. Wirklich, ich verstehe es nicht. Abgesehen davon ist das Cover so nah dran an Jonathan Safran Foer (und damit an gray318), das ich mich frage, warum man nicht einfach auch hier das doch sehr schöne Original-Cover verwendet hat, zumal ich die Krone gerade überhaupt nicht verstehe, die das deutsche Cover ziert – sehr wohl aber die Mischung aus Suburban Tristesse und manischer Lochererei des Originals…
Die erste Regel des Übersetzens: Do no harm. Wieso ist das so schwer?

17:59 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

Ryuichi Sakamoto: Playing the Piano

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Daran, dass Sakamoto einer der ganz großen Musiker und Komponisten unserer Zeit ist, steht längst außer Frage – ob Yellow Magic Orchestra oder seine Zusammenarbeiten mit zahlreichen internationalen Stars, ob remixed, mit Orchester oder wie hier in der minimalsten aller denkbaren Formen nur am Klavier… das japanische Multitalent überzeugt fast immer. Auf Playing the Piano interpretiert Sakamoto eigene Werke (Hauptsächlich Soundtracks, , irgendwo zwischen jazziger Lässigkeit und klassischem, fast romantischem Timbre, das in der leisen, aber hochpräzisen Aufnahme perfekt eingefangen ist. So reduziert wie das Cover, allerdings weniger kantig, eher beiläufig, fast schluffig, nie versucht, sich als Pianogröße zu profilieren (die Sakamoto einfach auch nicht wäre) wirkt die Einspielung, die eine «Greatest Hits»-Collection der ganz anderen Art zeigt. Eher wirkt es, als würde Sakamoto für sich, privat, einige seiner Favorites durchspielen, zwischen Klimpern und Analyse, zwischen Warmup-Fingerübung und Meditation. Es ist spannend, vor allem im Vergleich, wie Ryuichi Sakamoto aus seinen Arrangements die Luft herauslässt, den orchestralen Gestus oder elektrische Exoskelett ablegen kann, und doch durch und durch klare Kompositionen wiedererkennbar bleiben. Dabei erweist sich die Aufnahme als seltsam doppelbödig: Beiläufig aus den Boxen perlend wirkt die Musik fast wie Tafelwasser – unauffällig, unaufdringlich, ein bisschen fad vielleicht, konsumiert und fast wieder vergessen. Mit mehr Konzentration aber, zumal unter Kopfhörern, entwickeln die sparsamen, meditativen Tracks ein Eigenleben, das begeistert. Wobei ohne Frage das grandiose Riot in Lagos der essentielle Track dieses Albums ist, eine mehrspurig aufgenommene, mitreissende Dekonstruktion dieses fast drei Dekaden alten grandiosen elektronischen Songs, der hier filigran und zum Weinen schön wiedergeboren wird. Allein diese eine Nummer wäre den Kauf des Albums wert und neben der schieren Größe dieser Nummer wirken die anderen Songs leider fast ein wenig brav und herkömmlich, was aber eher für Riot spricht und weniger gegen das Album als Ganzes, das durchweg eine reine Freude ist.

5. Mai 2010 21:52 Uhr. Kategorie Musik. Tag , , . Keine Antwort.

Karton

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20:58 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Baum

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15:19 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Wald

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14:56 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

David Bowie: A Reality Tour

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Keine Frage: David Bowie ist durch sein Lebenswerk – eigentlich sogar schon nur durch die drei in Berlin entstandenden Platten Low, Lodger und Heroes –im Grunde völlig unangreifbar geworden, und sämtliche musikalischen Fehltritte sind im Grunde als dauerhafte, ruhelose Suche dieses Mannes zu deuten. Das Live-Album zur Reality-Tour, im Grunde ein Re-Release des 2004 bereits auf DVD gezeigten Tourmaterials – zeigt Bowie als postmodernen Stadionrocker, der sich nach seinem letzten rebellischen Aufbegehren gegen ein Dasein als menschliche Jukebox mit dem phantastischen 1st Outside-Album und der dazugehörigen, auf jegliches Hitmaterial verzichtenden Tour, nun scheinbar damit abgefunden hat, seine mannigfaltigen Konzepte und Positionen, Häutungen und Facetten relativ wahllos nebeneinander herunterzurocken. Und so steht hier fast so etwas wie eine Art Synopse des Schaffens von Bowie an, Höheflüge wie Rohrkrepierer, und in der lauten, glattgeschliffenen Livefassung darf man sich dann nicht wundern, wenn so verschiedene Tracks wie die von Bowie dereinst selbst so abgelehnten 80s-Koks-Kommerznummern Under Pressure, China Girl, aber auch Klassiker wie Life on Mars und auch das Trent-Reznor-inspirierte Hello Spaceboy nahtlos nebeneinander stehen, und auch in dem Jukebox-Rock-Feeling des Livesets nebeneinander völlig ahistorisch zu funktionieren scheinen. Rausgelöst aus den Konzepten früher Alben, rausgelöst aus dem ratlosen Popabsturz der 80er, rausgelöst aus dem phönixhaften Comeback Ende der 90er und dem vielleicht etwas zu smarten Selbstzitat, das Bowie seitdem mit jedem neuen Album (wie er selbst zugibt) produziert, wirken die Tracks allerdings etwas kraftlos, den wie so viele der wirklich stellaren Musiker war Bowie nie seine «Hits». Bowie war nie «Changes» oder «Fame» oder auch nur «Let’s Dance», ebensowenig wie The Police «Every Breath You Take» sind. Insofern ist es vielleicht ein wenig schade, wenn Bowie zur Human Jukebox mutiert und mit routinierten Sessionmusikern die ihn größtenteils schon seit den 90s begleiten (darunter Sterling Campbell und Gail Ann Dorsey), seriös seiner Arbeit nachgeht und die Nostalgie seines Publikums so solide bedient, wie es die Stones oder AC/DC scheinbar schmerzfrei bereits seit Dekaden tun. Von Bowie hätte man vielleicht mehr Sperrigkeit, mehr Abneigung gegen das reine Funktionieren als Popstar erwartet, aber vielleicht ist es auch legitim, wenn ein Star am Ende seines Wegs auch einfach mal Applaus und schnelles Geld sucht. Das Live-Album bietet insofern etwas schweinerockende und laute Fassungen einer als Best-of-zu betrachtenden Hitsammlung von Bowie, in der die wirklichen Hits natürlich fehlen, die Lieder für die man Bowie lieben gelernt hat. Und dennoch ist es natürlich großartig, auf Reality Tour jemanden wie Bowie vital und kraftvoll live zu hören und alte Songs in neuen Fassungen zu hören – und andere Bands mit ähnlich langer Geschichte haben ihre eigene Historie sicher noch mehr, noch entschlossener ausverkauft als ausgerechnet David Bowie. Mehr Respekt hatte ich vor Bowie allerdings tatsächlich Mitte der Neunziger, als er der Indieszene noch einmal zeigte, wie der Hase läuft und ein kluges, sperriges Album rausbrachte und die entsprechende Live-Attitude dazu bewies, die quasi seine ganze eigene Geschichte über Bord warf und einen kompletten Neuanfang darstellte. Wer weiß, vielleicht hat Bowie auch nur seinen Frieden gemacht mit sich selbst und seiner Patchwork-Karriere, mit den verschiedenen Identitäten und der rastlosen Suche nach musikalischem Ausdruck. Aber so ganz wird man eben das Gefühl nicht ganz los, Bowie und jemand wie Robbie Williams könnten auch gut ein Bier zusammen trinken. Und vielleicht ist Bowies Legende inzwischen sogar so groß, dass auch das irgendwie vertretbar wäre.

09:09 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Max fragt 06

Was bewundern Sie an Frauen?

Max Frisch, Fragebogen.

4. Mai 2010 18:53 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Erland and the Carnival

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Der Ex-Verve-Gitarrist Simon Tong hat eine bunte Karriere hinter sich und sein Handwerk unter anderem bei Damon-Albarn-Projekten wie Blur, Gorillaz und The Good, The Bad & The Queen gelernt. Da darf nicht verwundern, dass sein eigenes Projekt Erland & The Carnival ähnlich konzeptionell seltsam ist wie die von Albarn. Die Musik, die Tock zusammen mit dem Ex-The-Fireman-Drummer Nick Tong produziert, lässt sich am ehesten noch als ein Mix aus Mogwai-Psychedelia mit Folkelementen, 60s Einflüssen und schweren Drogenexzessen beschreiben. Der Ansatz, alte britische Folksongs, Gedichtfragmente und andere Einflüsse neu zu interpretieren, zu remixen, zu verschmelzen und auseinanderzunehmen ist in der fast schon nicht mehr ganz gegenwärtigen Neo-Folk-Welle schon fast mit einem ironischen Unterton zu sehen, die tatsächlich an reisende Kirmesmusiker erinnert – im Grunde der perfekte Soundtrack zu einem Film wie Das Kabinett des Dr. Parnassus . Prächtig produziert, sind die Songs abwechslungsreich, trocken-humorig, und auch jenseits des wahrscheinlich nur für Briten voll verständlichen bizarren Experiments einfach wunderbar anzuhören, torkelnde, hypnotische Kompositionen und Arrangements, die mal sparsam, mal hyperpsychedelisch daherkommen und dabei deutlich weniger bierernst in den Folktopf gucken als etwa Bands wie The Decemberists. Wenn etwa Disturbed this Morning gegen Ende in einen grandiosen leisen Noise untergeht, oder Love is a Killing Thing sich zu postrock-artigen Soundtürmen hocharbeitet, schafft das ein grandioses Gegengewicht zu den etwas geradlinigeren Songs des Albums, die zum Teil eine mehr als kuriose Mischung aus 80s/90s Alternative und 60s-The-Doors-on-Stereoids-Flair haben, manchmal gar White-Stripes-Momente oder Einflüsse von den Kinks bis zu Clash aufblitzen, stets mit wechselnden Gefühlen, Beats, Instrumenten, Gesangsflairs, musikalischen Einflüssen – man hat selten eine Platte gehört, die so postmodern einen Hexenkessel von Einflüssen und Ideen zu einem Zaubertrank verrührt, in den jeder kleine Gallier nur zu gerne reinhopsen würde. Langweilig, wie so viele neuere Indiefolk-Sachen, ist diese Zirkustruppe jedenfalls keine Sekunde.

09:46 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Friska Viljor: For New Beginnings

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Schweden ist in Sachen Indie-Folk stets stark vertreten und das Sextett um Daniel Johansson und Joakim Sveningsson macht da keine Ausnahme. Das dritte Album von Friska Viljor hat zwar den Neuanfang im Titel, setzt aber im Grunde die vielinstrumentale Musik zwischen Kinderzimmer und Ausnüchertungszelle fort, ein seltsam zwielichtiges Album zwischem Polkarhythmen und Bluesgefühl, mit einem mitunter etwas nervig gequetscht-schiefgezimmerten Gesang, der die grandios irrlichternden Songs zusammenhält, die wie Road-Movie-Songs aus dem Album kullern und danach betteln, entweder unter kopfhörern feinst gewendet und gedreht zu werden, oder aber im Vollrausch ausgetanzt zu werden. Wenn Kaizers Orchestra morgen eine Jazzband würde (und Janove Ottesen eine schreckliche Stimmbandkrankheit bekäme) , könnte der Sound nicht anders sein. Wohlwill, Hamburgische Suffhymne, ist ein wunderbare, explosiver Gute-Laune-Song, der aufs feinste die feine Balance zwischen Sonnenschein (Manwhore) und Wehmut (Should I Apologize)in diesem Album fast – ob es Zufall ist, dass ausgerechnet der «deutsche» Song auch ein klein wenig nach alten Element of Crime klingt? Beim Hören des Albums fragt man sich, wieso eigentlich so viele skandinavische Bands bei aller Verschiedenheit im Detail doch sehr deutlich eine Art gemeinsamen Nenner haben sei es eine gewisse naive Verspieltheit oder einen Hang zu bestimmten «handmade» Sounds oder bestimmte Harmoniefolgen… und ob es so eine stilistische Klammer auch etwa bei deutschen Bands gibt, man aber zu nahe dran ist und nicht merkt, wie diese Gemeinsamkeit sich wohl anhören mag. For new Beginnings schliddert mitunter gefährlich am Kneipen-Folkrock (Sunny Day), und torkelt auch mal unelegant in Richtung von Upbeat-Mainstream-Poprock (Lakes of Steep und das fast an The Cure erinnernde If I Die Now), macht aber zwischen diesen Polen vielleicht gerade wegen des schlingernden Kurses verdammt viel Spaß. Bleibt zu hoffen, dass die Leber von Johansson und Sveningsson auch ein viertes und fünftes Album hergibt.

3. Mai 2010 20:41 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Orange

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19:25 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Nobody Move

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Sehr schöne Zeile – und bisher ein recht exzellentes Buch, nebenbei, sehr Elmore-Leonard-meets-Coen-Bros, mit wunderbaren kleinen Blackouts in der Handlung.

18:56 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

Bügel

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13:12 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Eine Antwort.


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