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The Return of the Scriptfont

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Eine Opentype-bedingte Renaissance von Schreibschriften gibt es ja nun schon seit einiger Zeit, aber bei der Sneaker Script, die ich heute morgen im neuen Fontshop-Newsletter entdecke, frage ich mich langsam, ob diese Fonts nicht in wenigen Jahren etwa so unbrauchbar und kitschig wirken wie heute die duften Scripts à la Corel-Draw-Schriftpaket (Mistral und Konsorten). Ist es die Sehnsucht nach weicheren Formen in harten Zeiten, der typographische Kuschelrock-Faktor, der solche Entwürfe populär macht? Ich kann mir solche Schriften natürlich grandios in ironischer Brechung vorstellen, oder ganz unironisch auf Katjes-Tüten, aber ganz generell ist der Trend zu digital gefälschter echter Handschrift irgendwie beängstigend. Ich mag Emulationen und Simulationen – aber es gibt kaum eine digitalisierte Typo, die auch nur näherungsweise an echte Kalligraphie (oder meinethalber auch an die übelste Selbstkrakelei) herankommt. Sie ist einfach entweder zu clean oder zu gewollt «inkblob»-Grungy.

31. März 2010 14:22 Uhr. Kategorie Design. Tag . Eine Antwort.

Philipp Nykrin: Common Sense

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Philipp Nykrin hat ja qua Geburtsort – Salzburg – die Musik sozusagen schon fest im Blut und mit Common Sense jetzt sein zweites Album vorgelegt, gemeinsam mit seinen Kumpanen Herbert Pirker am Schlagzeug, Andi Tausch an der Gitarre und Jojo Lackner am Bass. Es ist schwer, der klassischen Jazzquartett-Besetzung noch neue Facetten abzugewinnen, aber Nykrins Kompositionen merkt man bald an, dass der Pianist auch in Soul- und HipHop-Formationen Erfahrungen sammeln konnte und dass vor allem auch Tauschs Gitarre in diesem Kontext fast unsichtbar funktioniert, alles andere als die übliche Jazzgebimmel-Softness abliefert, sondern fast wie ein Synthesizer fungiert, dezent das zentrale Trio unterstützend. Nykrin und Co holen aus ihren Möglichkeiten ein Maximum an Bandbreite heraus, klingen streckenweise wie drei vier verschiedene Bands. Brooklyn Bound etwa wippt federleicht groovend vorwärts, gibt vor allem Pirker Raum für charmante Shuffle-Details uns schöne HiHat-Details. Überhaupt nutzt das Trio die Möglichkeiten der kleinen Besetzung exzellent aus und schon im Intro macht Lackner mit tief brummenden Bass-Sounds (unterstützt von minimalistischen Synth-Details) klar, dass er eine ganz eigene Stimme in dieser Besetzung entwickelt, ebenso wie Pirker dazu neigt, sich Nykrins Vorgaben zu eigen zu machen und zu reinterpretieren. Der Titeltrack ist dann eine ganz sparsame, fast klassische Jazznummer, die sich leicht nach vorn tastet, aufbaut und einen wunderbaren Reichtum entwickelt, thematisch zu mehrfachen Hören einlädt. Einen Hauch von E.S.T., aber gebremst, salonfähiger, kann man da durchhören. Not Yet beginnt als hingehauchte Klavierskizze, so simpel wie Nykrins Portrait auf dem Cover, HipHop in E zeigt dafür eine grandios sperrigere Seite, mit einem recht stumpfen Beat, leichten Synthtupfern, und einem rhythmisch faszinierenden Piano/Bass-Geflecht, das nur noch dem Namen nach HipHop ist, aber auch keineswegs mehr reiner Jazz – was immer das sein sollte. Nykrin und seine beiden Mitstreiter fusionieren also ganz postmodern, wie sich das für guten Jazz ja gehört, ihre Einflüsse, ihre Inspirationen und Inputs, zu etwas Neuem, das glücklicherweise zugleich smart und intelligent klingt, keineswegs nur reines Jazzgeklimper ist, andererseits aber auf der Höhe der Zeit und mit genügend Pop getränkt, um einfach auch Spaß zu machen. Die dekonstruktiven Breaks in den Stücken, die architektonisch-experimentelle Konstruktion der Tracks sind keine selbstverliebten Experimente, sondern erschaffen die Musik scheinbar in Echtzeit und dienen ihr stets, halten die Dinge in einem Schwebezustand, wo hinter jeden neuen Ecke eine andere Überraschung warten kann. Das Ergebnis ist ein zeitgemäßer Jazz, der weder zu verkopft noch zu banal ist, sondern genau die richtige Mischung für verdammt gut hörbare Musik abliefert.

13:07 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Max fragt 02

Wem wären Sie lieber nie begegnet?
Max Frisch, Fragebogen.

09:48 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 4 Antworten.

Hearts No Static: Motif

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Das Stockholmer Trio Hearts No Static liefert mit Motif ein Debut an, das sich anhört wie bei anderen Bands die vielleicht zehnte Veröffentlichung, wenn die Band sich blind kennt und vertraut, so nahtlos greifen die drei Musiker in den ausgedehnt wirkenden, tatsächlich aber sehr kompakten Kompositionen ineinander. Was John Roger Olsson, Jens Pettersson und Otto Johansson an Improvisation mit zahlreichen Gitarren, Schlagzeug, Bass und einem Minimum an anderen Instrumententupfern an Postrock fabrizieren, erinnert nicht von ungefähr an die Soundmalereien von Mogwai oder an die Red Sparrows – wenn auch die verhallten, krautigen und in endlosen Schleifen variierten Monsterakkord-Tracks deutlich kürzer ausfallen. In tiefen düsteren Hallgewölben erzeugen Hearts No Static etwa auf dem Titelstück einen auf einer langsam dahintreibenden Drumsynkope fundierten Wall of Sound, der hypnotisch und berührend ist, zeigen aber bei Strait of Malacca sofort, dass sie auch kaltblütig genug für eine zeitlupigen Art von Minimal Music sind. Es ist sehr schwer, aus dem epischen Post-Progrock noch etwas neues zu gewinnen, aber Hearts no Static schaffen eine seltsame Fusion von Vielseitigkeit im Gestus, verbunden mit einem dennoch sehr homogenen Flair der Musik, so dass das Album niemals nervt und immer angenehm zwischen Rock und Fast-schon-Jazz oszilliert, mal konkret fast groovy daherkommt, mal zu bewegungsloser Stille gerinnt, um dann gegen Ende der Platte doch für drei Tracks die Effektgeräte auszupacken und mit Happy Holidays, Hovering und Knick-Knacks die große laute Geste zu feiern, gekontert von einem akustisch eingespielten Epilog, der fast ländlich-ruhig, zugleich aber kaum weniger raumgreifend und ausladend-sperrig wirkt.

Motif ist so anstrengend wie lohnend, nicht unbedingt die Platte für den Frühling (wir sind auch immer noch bei meinen Alben von 2009 ;-)), war aber perfekt für die Kopfhörer, um tanzenden Schneeflocken zuzusehen und durch verschneite Straßen zu stapfen. Und der nächste Winter kommt ja bestimmt.

30. März 2010 18:14 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

Typographie und iPad

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Einer der traurigen Aspekte des iPads – und aller eBook-Readers – ist, dass die Typographie von den Händen des Gestalters in die des Users überwechselt, und die des Hardware-Herstellers, in dessen System eben nicht Sabons und Bembos, sondern Verdana, Arial, Times und bestenfalls Georgia angeboten werden. Nimmt man dazu falsche Kapitälchen, Blocksatz und einen fluiden Umbruch, der den Text den jeweiligen Bildschirmbedingungen anpasst, ist das Ergebnis ein typographischer Alptraum. Gerade als Leser amerikanischer Bücher ist man ja nicht allzu verwöhnt, und viele neue Bücher aus Deutschland haben teilweise auch einen Blocksatz und Umbruch aus der Hölle, aber die «Bücher» auf dem iPad ähneln eher schlecht gestalteten Homepages aus den frühen 90ern. Ich hoffe, dass es bald Möglichkeiten geben wird, in eBooks verbindliche Schriften einzubingen und typographische Opentype-Features zu nutzen. Denn so, wie das auf Apples Preview-Video aussieht, ist das bestenfalls eine Kompromisslösung, nichts, was mir beim Lesen Spaß bereiten würde.

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14:40 Uhr. Kategorie Design, Technik. Tag , , . 3 Antworten.

Max fragt 01

Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert? Warum?

09:57 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Eine Antwort.

Freu!

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Auf die Gefahr hin, hier öffentlich eitel zu wirken – jeder, der mich etwas kennt, weiß, dass ich auf Komplimente normalerweise eher mit einem «Naja, aaaaber…» reagiere – hat uns diese liebe Karte besonders gefreut, weil sie so liebevoll auf verschiedenem Papier, mit perforierter Schrift und mit ganz liebevoll bunter Handtypographie ankam. Und weil es um ein Projekt ging, mit dem wir alle selbst intern eher kritisch sind und uns alle umso mehr gefreut haben, wenn es von jemand, dessen Meinung wir absolut respektieren, ein Lob gibt, das jetzt auch nicht nur nach reiner Höflichkeit klingt. Wir haben uns, kurz gesagt, alle tierisch gefreut – vielen Dank dafür!

29. März 2010 17:38 Uhr. Kategorie Arbeit, Leben. Tag , . Keine Antwort.

Polaroid: Mission Impossible?

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Von ehemaligen Mitarbeitern betrieben, bietet das Impossible Project, oft in streng limitierten Editionen, Kameras und spezielle Filme direkt im Online-Shop an, die den Genuss des Analogen in den Mittelpunkt stellen und den stets etwas unsicheren und seltsamen Polaroidfilm nicht als Verwackelbild-Kompromiss aus den 70ern, sondern als Kunstgenerator sehen – dafür sprechen nicht zuletzt die vielen Filme im Type100-Format, die eher für Rückenteile (und natürlich die Holgaroid) konzipiert sind und sich an Profis wenden. Aber auch für Retro-Nerds, die Filme für ihre SX-70 suchen, ist reichlich kreatives Filmmaterial (zu selbstverständlich horrenden Preisen) vorhanden. Die Tatsache, dass anscheinend der halbe Shop derzeit «Out of Stock» ist, mag da ja einiges an Hoffnung machen, dass der etwas hippere und deutlich besser gestaltete Ansatz funktionieren dürfte. Ich drücke die Daumen!

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16:43 Uhr. Kategorie Design, Technik. Tag , . 2 Antworten.

Canterbury: Thank you

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Seltsamerweise habe ich dieses Album tatsächlich gekauft – obwohl es online gratis zum Download verfügbar ist, wie ich später erfahren habe. Das Geld ist dieses Debut der Band aus Hampshire aber allemal wert, auch wenn die Produktion von Track zu Track nicht immer überzeugt. Canterbury mischen verschiedene Gitarren-Indie-Pop-Genres durcheinander, klingen dabei mal garage-härter, mal etwas radioorientierter, bis hin zu psychedelischen Tracks (Accident) und lupenreinem Pop wie Diver. Es wirkt, als würde die Band mit ungezähmter Energie verschiedenste Strömungen und Möglichkeiten durchspielen, um sich selbst zu entdecken. Wie so oft bei Debütalben – und gerade hier, auf einer Zusammenstellung die klingt, als sei sie aus Monaten und Jahren von Demomaterial zusammengestellt – macht gerade diese Inkohärenz die Platte an sich spannend, weil die verschiedenen Stimmungen in einer Band greifbar sind, die Diskussionen im Proberaum über die Identität zwischen härteren Sounds einerseits und Massenappeal andererseits. Das die Band dabei so jung ist, dass manche der Songs noch aus Schultagen stammen, hört man dabei keine Sekunde – das Album wirkt vom Fleck weg so ausgereift und gekonnt, dass man eher das Gefühl hat, das dritte oder vierte Album einer Band zu hören, die sich auf langen Touren zu einer festen Gang zusammengeschmiedet hat, die anscheinend Freude daran hat, mal swingenden Groove à la The Kooks rauszuhauen, um in der nächsten Sekunde wie Screamo-Garage zu klingen – die Jungs klingen so, als würden sie einfach ihre eigene Playlist durchgehen und fröhlich ihren Helden nacheifern – und das so gut, dass sie mit dem Erstling schon reifer klingen als manche Band, die seit Jahren dabei ist. Thank You ist in mehr als einer Hinsicht ein seltsames Album – geschmacklich völlig frei flottierend, aber in jedem Song dabei überzeugend, unpoliert, aber energiegeladen… und völlig gratis, was nicht nur cleveres Marketing ist, sondern auch zeigen wird, ob sich ein solcher Schritt nur für Bands wie Radiohead lohnt oder auch für unbekanntere Acts einen Gewinn abwirft. Bleibt zu hoffen, dass der Schritt zu «verschenkter» Musik Canterbury jede Menge Konzerte, Fans und genügend Geld für ein zweites Album beschert.

09:57 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

50%

28. März 2010 18:24 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Schauspielhaus Bochum: Superstars

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Don’t fall in love with a marketing man…
Manchmal ist es gut, unvorbereitet in ein Theaterstück zu gehen – denn wie so oft hätte ich «Superstars» im Schauspielhaus Bochum allein aufgrund der Beschreibung im Spielplan wahrscheinlich tatsächlich eher gemieden – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass einem die Bochum-Homepage den Kartenkauf nun wirklich nicht gerade einfach macht, wenn man etwa bis zu einer Stunde warten muss, bis das miserabel laufende Java-System von Eventim ein einfaches Passwort mailt. Umso schöner, trotzdem in den Kammerspielen Frank Abts aktuelles Stück gesehen zu haben.

Nach der Vorankündigung hätte ich eine Parodie auf die Casting-Gesellschaft, ein kurzzeitiges, bissiges Parodiestück erwartet, und um die Wahrheit zu sagen, ist Coldplay nicht wirklich das, was mich in einen Theatersaal zieht. Wie so oft auch hier das Phänomen, dass Dramaturgen intern ihre Stücke unglaublich gut kommunizieren können, in der Außendarstellung aber die tatsächliche Kraft des Stücks in den Worten, im Marketing, untergeht. Rückblickend also gut, dass ich im Grunde die Vorankündigung kaum gelesen habe…

Alles, nur nicht Musical
Und tatsächlich beginnt Abts Inszenierung mit einem Flair von TV-Superstar-Casting-Shows, wenn die Hauptdarsteller Jele Brückner, Stephanie Schadeweg, Marco Massafra, Cornelius Schwalm und Torsten Kindermann im weißen Bühnenbild auf großen TFT-Displays in die Videokamera blinzeln, scheinbar unbeholfen, und über ihre Gefühle vor den Proben zu diesem Stück zu berichten scheinen. Was so unbeholfen und naiv wirkt wie, tatsächlich sogar ehrlicher und purer als ein Casting bei DSDS und Co, schafft aber zugleich subkutan den Rahmen des Stücks, wenn die Darsteller über ihre letzte Saison am Bochumer Haus berichten – Jele Brückner geht nach einer Dekade unter Hartmann und Goerden – und Hoffnungen, große Ziele und ein bisschen Versagensangst offenlegen. Wer angesichts der aufgebauten Instrumente auf der kahlen aber wunderbar mibil bespielbaren Bühne, die zugleich die «Backstage» in das Stück einbezieht, einen Musikabend erwartet, wie ihn all zu viele Theater immer öfter im Repertoire haben, darf sich getäuscht fühlen. Im Gegenteil: Dies ist keine Musiknummer mit etwas Schauspiel, kein Musical, sondern umgekehrt, ein waschechtes Schauspiel, dass die Musik als Stilmittel einbezieht und mit der Handlung verzahnt. Tatsächlich findet erstaunlich wenig Musik auf der Bühne statt, und wenn, dann mit Effet.

Musiktherapie
Denn Superstars fühlt sich weniger wie eine Casting-Parodie an, sondern mehr wie eine Musik-Therapiegruppe für gescheiterte Existenzen. In einem grandiosen Bluff betritt zunächst Thorsten Kindermann die Bühne, bei dessen persönlichen Background man zunächst glauben mag, er berichte authentisch aus seinem Leben, und dessen Monolog tatsächlich noch die Castingthematik aufgreift. Schnell und hart nimmt Abt die Träume dieser Figur auseinander, die von den hochfliegenden Castingträumen beim Gesangsunterricht für Schulkinder angekommen ist, und die jede Niederlage noch zum Sieg umzumünzen versucht, sich vergeblich an die rutschige Stange klammert, an der sie herabsaust in die Bedeutungslosigkeit. Kindermanns Figur setzt dabei den Standard für die weiteren Protagonisten, für Brückners zweifelnde Schauspielerin in der frühen Midlife-Karriereknick-Krise (die sich immer noch semi-authentisch anfühlt und von Brückner beängstigend dreidimensional gespielt ist), für Cornelius Schwalms grandios überzeichneten, aber niemals klischeehaften Ruhrgebiets-Taubenzüchter, der in seinem bizarren Mikrokosmos immer mehr Erfolg will und am Ende nur noch Mittelmaß hat, für Marco Massafras Versicherungs-Vorständler, der in die Kasse des eigenen Konzerns greift, um seinen Lifestyle und seine teure Frau finanziert, und hinter Gitter landet wo er berechenbarerweise zu Gott findet und der so von der einen Illusion in die andere wandert, und für Stephanie Schadeweg, die ihre Figur zunächst bizarr in einem Schwimmbad beginnt und ihren Monolog dann so tieftraurig und ergreifend enden lässt, dass sie nicht ohne Grund am Ende des Stücks gesetzt ist mit ihrer umwerfenden Performance.

Wir sind alle Verlierer
Denn mehr noch als alle anderen Figuren macht Schadewegs Doppelrolle als Demenzärztin, die fast nahtlos übergeht in die Frau eines Demenzkranken, dessen letzter Sieg im Alltag der Weg zum Briefkasten ist, klar, wie hoffnungslos das Stück am Ende ist. Wir mögen lachen über die Loser-Parade von mehr oder minder charmanten Figuren, die zu hoch hinauswollen und sich die Flügel verbrennen, die leeren Träumen wie Schmetterlingen hinterher jagen und sich dabei im Dschungel verirren… aber mit Schadewegs Figur(en) macht Abt klar, dass man im Spiel des Lebens mit steigender Wahrscheinlichkeit am Ende immer der Verlierer ist, dass Verlust ein Grundpattern des Lebens ist, auswegslos, rätselhaft, unkontrollierbar. Ruhig und endgültig hämmert Schadeweg herzergreifend den Verlust von Liebe, das Verschwinden eines ganzen Menschen auf die Bühne, mit einem schlichten Understatement, das ein gekonnter und wohltuender Kontrast zu Schwalms phantastischem Hamming ist. Dass die Monologe von Abt auf echten Interviews des Journalisten Dirk Schneider basieren, eine bittere Montage von Selbstbetrug und Trauer darstellen, macht sie um so ergreifender zu Minikosmen, zu einem Panoptikum gescheiterter Existenzen, in denen wir alle uns nur zu gut widerspiegeln können, und in die Abt geschickt die Ängste und Unsicherheiten einer Darstellermannschaft vorm Intendanzwechsel einwebt und so die Idee nahelegt, dass sich in jeder Biographie die jeweils eigene reflektiert, dass die Darsteller sich in in ihren Figuren wieder entdecken und die Zuschauer in den Darstellern, in einer Art kaleidoskopischer Wirklichkeitsmaschine.

Lights will guide you home
Mag es bittere Ironie sein oder ein Ausdruck menschlichen «Trotz-allem», Abt setzt die Musik im Stück grandios ein, um eine fein dosierte Mischung aus Pathos einzuweben. Es ist ein gelungener Kunstgriff, dass die «Band» das Ergebnis ihrer Proben in der Mitte des Stücks setzt – eine durchaus überraschend gute Version von Coldplays Fix You. Nachdem vorher bereits durch eine deutsche Übersetzung der Texte klar ist, dass dieses Stück das metakontextuelle Gegengewicht ist, die eben immer auch etwas alberne Hoffnung, die zuletzt stirbt, bringen die Darsteller die Nummer effektvoll auf die Bühne, und auf einmal hat der an sich stets etwas herzlose Coldplay-U2-Stadionpathos durch die Unperfektheit der Nummer und durch sicher sitzende Brüche etwas glaubhaftes im Kontext des Stückes, wird zum rettenden Floß für die Figuren auf der Bühne, die zuerst unsicher und dann immer kraftvoller den Song performen, um danach diesen Erfolg, Rückschlag zu den Big-Brother-Shows dieser Welt, selbst vor der Kamera zu kommentieren – wieder auf den Videowänden, endgültig alle Grenzen zwischen Darstellern und ihren Figuren verwischend. Wer spricht da jetzt, der Schauspieler, der sich über eine gelungene Probe vor der Premiere freut, oder der Protagonist, der das gerade gehörte Stück kommentiert? Als es im Stück weitergeht, mit einem kurzen, endgültig alle Regeln brechenden Auftritt der gealterten Jeanne Moreau, wächst die Angst, dass das Highlight des Stückes dann eine zweite Performance auf der Bühne ist, dass Abt uns ein abgeschmacktes Ende gibt – wie ja überhaupt die ganze Zeit die Kunst des Stückes ist, permanent am Rande des Peinlichen zu navigieren und die Fettnäpfchen permanent eleganz zu umtanzen, niemals «zu viel» zu sein. Wie schnell hast du das mit einem beschissenen Ende ruiniert. Und gottseidank – Abt beweist das Fingerspitzengefühl, nicht so offensichtlich zu sein, sondern noch eins drauflegen zu können, das offensichtliche zu umgehen, um zu überraschen und anzurühren. Am Ende tritt die Band, ohne Schlagzeugerin auf, aber auf einer Bühne jenseits der Bühne, während Schadewegs zweitem großen Monolog, bei dem wir durch die geöffnete Bühne und mit den Videowänden die üblichen Vor-dem-Auftritt-Riten beobachten können: Zickigkeiten, Nervosität, dann die große Umarmung vor, schließlich das Sichselbstfeiern nach dem Konzert.

Wortlos, fast beiläufig setzt Abt so Triumph in seiner ganzen Kurzzeitigkeit und Verlust am Lebensende nebeneinander, und anstatt die Band noch einmal Fix You spielen zu lassen, schließt er am Ende den Kreis zum Anfang… die Figuren sitzen auf der Bühne und betrachten ihre Darsteller auf den Displays, die unter Kopfhörern getrennt voneinander zu Fix You mitsingen, schief, pathetisch, nur sparsam begleitet von Kindermann am Klavier. Nach und nach blendet ein Display nach dem anderen ein, aus den einzelnen unsicheren und gebrochenen Stimmen wird unmöglicherweise ein Chor, ein ganzes gemeinsames Lied, das sich durch die reine Überlagerung ergibt. Bis beim Refrain die Bühne abdunkelt und in einer großen Projektion die weißen Wände des Bühnenbilds wieder zur Leinwand umgenutzt werden, auf denen sich langsam Mitarbeiter des Hauses versammeln und wie zum Abschied den Refrain mitsingen, das Stück von dem gebrochenen Headphone-Gesang eines einzelnen Schauspielers zu einem beeindruckenden Choral erheben. Du musst ein Herz aus Stein haben, wenn Abt dich nicht hier spätestens mit einem Kloß im Hals und geröteten Augen erwischt. Der ganze grässliche Pathos von ausgerechnet Coldplay ist hier für wenige Sekunden zum Guten gewandelt und funktioniert, das kalte Plastikgefühl der Band, der plumpe Optimismus bekommt im Kontext von Abts Stück eine Aufwertung, die im Wortsinne ergreifend, pathetisch ist. Dann gehen die Chorleute in ihrer Projektion etwas unsicher in verschiedenen Richtungen von der Bühne, die Darsteller gehen ab, die Bildschirme blenden aus. Abt wirft uns zurück aus seiner montierten Schwindelwirklichkeit in die «echte» echte Welt, die sich nach seinem Stück ein wenig anders anfühlt, anders schmeckt. Mehr kann ein Theaterstück kaum liefern wollen.

Photo: Birgit Hupfeld

13:36 Uhr. Kategorie Live. Tag . Eine Antwort.

Lichter

00:59 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Red Light

00:42 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Miss Platnum: The Sweetest Hangover

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Ruth Maria Renner legt als Miss Platnum ihr drittes Album vor, im Breitwand-Sound produziert von der The-Krauts-Crew von Peter Fox, und verlässt die eindeutige Balkan-Beat-Schiene von «Chefa», um einerseits Charts-kompatibler, andererseits individueller zu werden. Größtenteils von stampfenden Beats, flirrender Percussion, Bläsern. Orchester und Renners energetischem Gesang vorangetrieben, löst sich Platnum ein wenig von der absterbenden Ethnowelle und präsentiert sich als Big-Beat-Diva, die auf der Auskopplung «She’s Moved In» auch ganz ohne Polka-Feeling bewährt und stattdessen deutlich elektronischer und härter klingt. Im Kontext dessen, was sich in Deutschland im Airplay und bei einer jungen Zielgruppe bewähren muss, leisten Monk, Illvibe und Platnum einen gelungenen EthnoElectro-Balanceakt, der aus der Masse deutscher Pop-Produktionen nicht immer, aber oft genug überzeugend heraussticht. Mal gefühlig mit Soul-Feeling, mal als schiere Partymusik angelegt fusioniert Renner die verschiedensten Stile, ohne jemals gänzlich kalkulierend dabei zu wirken, tobt, jodelt, kreischt und wispert sich durch die Songs, die so überbordend sind wie es Osteuropa-Musik-Klischees eben zulassen. Wieviel härter und mutiger das im Original klingen kann, wie viel weiter rumänischer und ungarischer Pop sein kann, steht außer Frage – aber für eine (leicht verwässerte) deutsche HipHopSoulEthno-Melange, die Bläsergruppen, wirbelnde Derwischbeats und große Gefühle zurück in die deutschen Hitparaden bringen will, ist The Sweetest Hangover eine gut gelungene Melange und Einstiegsdroge in die Weltmusik.

27. März 2010 12:11 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Robert J. Sawyer: Flashforward

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Das 1999 geschriebene Buch Flashforward des Kanadischen SF-Schriftstellers Robert J. Sawyer ist die Basis der ursprünglich von David Goyer und Marc Guggenheim erdachten gleichnamigen TV-Serie – und es ist überraschend, wie wenig Buch und Serie gemeinsam haben. Selbst das grundlegende Konzept, nach dem alle Bewohner der Erde in einer Art globalen Blackout eine kurze Vision der Zukunft erblicken, ist grundlegend anders. Während der Ausblick in die Zukunft bei Sawyer 21 Jahre überspannt, ist es in der ABC-Serie nur ein Zeitraum von sechs Monaten, was der Serie die Chance gibt, sich tatsächlich in «Echtzeit» an diesen Zeitpunkt heranzuarbeiten.

Sawyers Buch ist auch ansonsten bis auf einige wenige Namen kaum als der Fernsehserie zugehören zu erkennen. Wo die TV-Show den unter anderem von Lost mitbegründeten Trend zur großen Besetzung folgend Agenten, Ärzte, Wissenschaftler und zig andere Protagonisten auffährt, fokussiert sich Sawyer auf Lloyd Simcoe, seine Verlobte Michiko Komura und seinen Partner Theo Procopides, die praktischerweise alle drei am CERN an einem Teilchenbeschleunigerexperiment arbeiten. Das Experiment geht scheinbar schief und langsam entfaltet Sawyer seine Vision einer Welt, in der jeder seine vermeintliche Zukunft zu kennen glaubt, in der Beziehungen ruiniert werden, weil man schon weiß, dass man in 21 Jahren nicht mehr zusammen sein wird, in der Theo versucht, einen Mordfall zu lösen, bevor er eigentlich passiert, um sein eigenes Leben zu retten. Und ähnlich wie bei Crichton wirkt es stets etwas unbeholfen, wenn in den eigentlichen Plot ausgedehnte semi-theoretische Passagen eingedübelt sind, in denen die Protagonisten nur noch scheinbar einen Dialog miteinander haben, in Wirklichkeit aber wissenschaftliche Theorien, wie etwa Frank Tiplers Omega-Punkt-Theorie, von verschiedenen Seiten beleuchten, als reine Sockenpuppen dienen. Religiöse Aspekte und der bei dieser Thematik unvermeidliche Diskurs über Quantentheorien nehmen einen weiten – und durchaus spannenden – Bereich des Buches ein, während die CERN-Wissenschaftler versuchen, hinter das Geheimnis des Flashforwards zu kommen.

Science Fiction ist ein schwieriges Gebiet, vor allem, wenn sie nicht sozial, sondern wissenschaftlich daherkommt, nicht wie etwa bei Phillip K. Dick die Zukunft und ihre Technik nur als Background nutzt, sondern mehr in den Schuhen von Jules Verne wirklich versucht, Prognosen zu treffen. Wenn schon im ersten Teil des Buches, 2009 angesiedelt, also zehn Jahre in der relativen Zukunft des Autors und ein Jahr in unserer realen Vergangenheit, eine Mitarbeiterin am CERN ihren «dreidimensionalen» Desktop von Windows 2010 aufruft, dann merkt man recht früh, wie unsicher solche Vorhersagen sind. Umso schwieriger, dass Sawyer sich im zweiten Teil des Buches ins Jahr 2030 begibt, um zu sehen, was aus der 2009er Prophezeiung denn wirklich geworden ist. Und spätestens hier verliert das Buch an Kraft und verliert sich in einem etwas schwurbeligen Terroranschlag-Plot, der entsetzlich angepappt wirkt und dem an sich vielversprechenden Murder-Mystery-Plot um Theos Ermordung sämtliche Energie nimmt. Die Diskussion um freien Willen und die Frage, ob die Zukunft unveränderbar ist, löst sich zudem in eine allzu phantastische Erklärung rund um eine Gruppe von Menschen auf, die unsterblich werden will. Nach einem ausgezeichneten Start endet das Buch so an einem Punkt, der im Leser eher Achselzucken als Begeisterung auslöst.

Alles in allem muss man fast erschreckenderweise zugestehen, dass die Serie es besser macht, indem sie zum einen weitestgehend auf Zukunftsprognosen verzichtet, die Handlung in der Gegenwart ansiedelt, den Zeitraum drastisch verkürzt (was alle schrägen Prophezeiungen von fliegenden Autos unnötig macht) und zugleich der Handlung eine breitere Basis gibt und sie auf deutlich mehr Protagonisten verteilt – denn das spannende an Sawyers Idee ist die Frage, was ein solcher Blick in die Zukunft – egal ob 21 Jahre oder sechs Monate – mit den Menschen anstellt. Während diese Frage bei Sawyer fast versackt und nur drei oder vier Personen umfasst, weitet die Serie die Perspektive und gibt so der Grundidee mehr Resonanzmöglichkeiten. Obwohl die ABC-Serie insofern etwas platt ist, als dass sie versucht, nahezu alle anderen Serien einzuvernehmen, indem sie Ärzte, Agenten, Wissenschaftler und nahezu jede andere TV-taugliche Gruppe vereint, ist diese Bandbreite durchaus auch eine Stärke. Die Fragestellung, wie die Menschen ihr Leben um diese Zukunftsversion arrangieren, wie sie mit dem Vorgeschmack umgehen, ob sie dagegen ankämpfen oder eine self-fulfilling prophecy anstreben… dies ist die zentral spannende Thematik – und bei Sawyer geht sie recht schnell verloren in einem eher wirschen Krimi-Plot, der mit auf Laienniveau geschriebener Quantentheorie gespickt ist.

Interessanterweise ist 42 von Thomas Lehr ja auch ein Buch, das sich streckenweise recht ähnlich anfühlt – CERN-Experiment, Fehlschlag, Zeitstörungen – und Lehr zeigt, wieviel mehr Kraft in diesem Stoff stecken kann, wenn man nicht auf der Ebene einer reinen «harten» Science Fiction stecken bleibt, sondern sich den Menschen zuwendet und ihrer Reaktion auf die Veränderung in ihrem Leben. Bei Sawyer ist es leider umgekehrt: Die Menschen dienen nur als Staffage für semi-metaphysische Ruminationen, im Mittelpunkt steht die Wissenschaft. Bei Lehr bietet die Wissenschaft nur den Deus Ex Machina, der die Handlung (oder in Lehrs Falle die Nicht-Handlung) lostritt, vor deren Folie die menschliche Komödie stattfinden darf. Und so zeigt sich Sawyers Buch als seltsamer Hybrid, der weder die reine Action-Orientierung einer einfachen Fernsehserie erreicht noch die Tiefe und Schärfe von Lehrs spürbar literarischerem Werk. Freilich, Flashforward ist nur ein Massmarket-Paperback, die Sorte Wegwerfbuch, die als erstes sterben wird, wenn wir alle nur noch vor unseren iPads sitzen werden – und als Bahnhofs-Mitnehm-Roman ist es sicherlich fesselnd genug, um sein Geld wert zu sein, insbesondere in der ersten Hälfte des Buches. Es ist insofern fast ironisch, wenn ein Science-Fiction-Buch schlechter wird, je weiter es in die Zukunft blickt – und die Mutlosigkeit, mit der Sawyer dies tut, sagt vielleicht mehr über die Gegenwart aus, als uns lieb sein darf.

10:50 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . Keine Antwort.

Die Magie der Mechanik

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Wir werden es in den kommenden Jahren mehr und mehr vergessen, aber das prä-digitale Zeitalter mechanischer Meisterwerke zwischen dem ersten Weltkrieg und den siebziger Jahren hat atemberaubende, wunderschöne Kunstwerke praktischen Designs hervorgebracht, in denen nicht Steuersignale und Platinen, Software und Code, sondern Rädchen, Knöpfe, Relais und Scharniere die Morphologie der Geräte bestimmte. Geräte, die noch Geräusche machten, Geräte, die sperrig und unfunktional waren und die vor allem eine eigene Oberfläche und Haptik aufwiesen, die feine Zahnung von Einstellschrauben, die matte Oberfläche von Plastik, warmes Leder. In wenigen Jahren werden solche Geräte – es beginnt schon längst – Fetische sein, so wie heute Füllfederhalter oder Uhren, ebenfalls Vermächtnisse dieser untergehenden Zeit. Wir werden uns darüber wundern, dass die Dinge abnutzen und kaputtgehen können, zustauben oder verklemmen, nicht durch ein Software-Bugfix wieder ins Laufen kommen, durch ein Firmware-Upgrade erneuerbar und modernisierbar sind, sondern wie wir selbst zu altern scheinen. Und wir werden dieses Alter in einer Welt voller alterungsloser Software lieben lernen – wir werden wie Statussymbole alte Kameras – echte natürlich – benutzen, für die jeder Film ein Vermögen kosten wird. IBM-Schreibmaschinen, alte Braun-Hifianlagen, analoge Uhrensysteme, Revox-Bandmaschinen – was früher in fast jedem Wohnzimmer steht, wird bald eine fast museale Aura erfahren: Relikte aus einer Vergangenheit, in der wir die Dinge noch mit unseren Händen gebaut und bedient haben.

Photo: Wikipedia

10:35 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 2 Antworten.

Little Boots: Hands

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Zu Little Boots braucht man kaum noch etwas sagen, die Ex-Dead-Disco-Stimme Victoria Hesketh war nun wirklich das Phänomen des letzten Jahres, erst bei Youtube, dann mit ihrem Debutalbum auch in den Charts. Ähnlich wie Imogen Heap ist Hesketh ein Online-Erfolg und ähnlich wie Heap produziert sie einen zuckerwatteleichten Elektropop, der scheinbar mühelos zwischen Kylie Minogue und Indie-Disco balanciert. Nur: Was bei Imogen Heap nach wie vor Spaß macht und fein austariert ist, wirkt bei Little Boots gründlich misslungen.

Wer den etwas härteren Sound von Dead Disco mochte, wird um das verlorene Potential des exzellenten Trios trauern, denn trotz einiger erstklassiger Stücke ist Hands oft hart an der Grenze zur Weichspülermusik. Es ist fast etwas beängstigend, dass die von Youtube bereits bekannte Version von Meddle mit Tenori-On und Piano, in ihrer ganzen Schlichtheit, zu den schönsten Tracks des Albums gehört. Der Rest wirkt überproduziert, übergeschliffen, kantenlos, Teflonmusik eben. Für wirklich große Popmusik ist das Album einfach etwas zu synthetisch und süßstoffig, der Gesang zu weich, die Tracks zu smooth, einen Song wie Tune Into My Heart hätten auch StockAitkenWatermann nicht schlechter hingekriegt. Das Phil Oakey von Human League auf dem zuckerwatteklebrigen Symmetry singt, schafft endgültig den Bezug zu einer Phase von soften Synthpop in den 80s und 90s, den Little Boots augenzwinkernd erneuern zu wollen scheint. Lediglich die Auskopplungen Meddle und New In Town verbreiten so etwas wie Energie – der Rest ist zwar als Metapop vom Coverdesign bis zur Selbstinszenierung durchaus zu verstehen, macht aber dennoch weniger Spaß als so manche andere Pop-Produkte ähnlicher Bauart, wie etwa Robyn oder La Roux, deren Modell hier einfach noch einen Tick näher an den Mainstream herangetragen wird. Hands hätte nach allen Vorzeichen wirklich großartig werden können, ist am Ende aber weniger brillanter Pop als vielmehr oft hart an der Grenze zur Ibiza-Disco-Muzak, ein Erfolg à la Lady Gaga dürfte also absolut vorprogrammiert sein.

26. März 2010 21:54 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Robert Haslbeck

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Schlicht wunderbare Arbeiten präsentiert der aus Halle kommende Designer Robert Haslbeck auf seiner Site, die mit einem an Nils Holger Moormann erinnernden Humor und Materialmix daherkommen, aber moderner, bunter, sperriger wirken. Die vielseitigen Projekte und Ideen sind leider oft nicht serienproduziert oder zu kaufen – sehr schade, es wäre toll, diese inspirierenden Ideen in den Läden zu sehen. Einige ausgewählte Produkte von Haslbeck sind unter anderem bei Das Rote Paket online zu kaufen.

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20:36 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Memory Tapes: Seek Magic

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Obwohl Seek Magic Dayve Hawks erstes volles Soloalbum ist, hat der aus New Jersey kommende Musiker schon in reichlich Projekten unter ständig wechselnden Namen Erfahrung gesammelt – und das hört man dem seltsamen Psychofolkelektronik -Mix des Debüts auch mehr als an. Da zitiert er in Bicycle nach einem mehr als abwechslungsreichen Track gegen Ende in fast in einer hingeworfenen Geste großartige New-Order-Hooks, die sich zu einem fulminanten Ende formen. Dass der Song in seinen fünf Minuten gleich mehrfach die Form wechselt und wie ein Chameleon in immer neue Farbstimmungen übergeht, fällt vor lauter Freude über die gelungene Popnummer kaum auf. Überhaupt ist das permanente Morphing der Songs ein Markenzeichen des Albums, das fast unstet wirkt, den Gesang in weiten Hallräumen versteckt und dafür Drums und Bass trocken nach vorne schiebt, die in immer neuen Iterationen die Thematik der Arrangements ändern, sich umschichten, unruhig neue Formationen annehmen und den Tracks etwas von einem hyperaktiven Homerecorder verleihen, der sich nicht auf eine finale Form einigen konnte und seine eigenen Songs sozusagen schon remixt, während sie noch entstehen.

Dabei überschüttet Hawks seine Zuhörer förmlich mit weiten, psychedelischen Klängen, naiven Folksong-Melodien und tanzbaren Rhythmen. Das Ergebnis ist eine seltsam verschrobene Schlafzimmer-Produktion voller kleiner Überraschungen, wie etwa dem fast vier Minuten langen hochverdrogten Pink Stones oder der seltsamen Rock-Dekonstruktion Plain Material, in dem die Logik normaler Produktionen auf den Kopf gedreht scheint und das nahtlos von zuckrigem Pop zu seltsamen Rockriffs und zurück flirrt, und oft meilenweit vom Hörer entfernt scheint, nebulös, ungreifbar wirkt, eine Popwolke, in der Hi-Hats klarer sind als Vocals, deren Texte mehr wie ein entferntes Instrument wirken, unwichtig in der Melange von Klängen und Eindrücken, nur eine weitere Zutat, nur ein Hauch von Idee.

So wirkt Seek Magic weitestgehend hochgradig fröhlich, aber auf eine entfernte, distanzierte Art, erinnert hier an dieses, dort an jenes, zitiert, verfremdet, entlehnt, ohne je greifbar zu sein. Am ehesten ließe sich diese Platte passend zum Cover-Artwork sicher als holographisch bezeichnen, als Fata Morgana, als eine Art musikalischer Zuckerwatte, die doch absolut sättigend ist, bei der man als Hörer kaum sagen kann, ob diese Platte nun traurig oder fröhlich machen soll oder will. Es ist, in vieler Hinsicht, Musik gewordene Unentschiedenheit, Unsicherheit – und dabei doch so treffsicher wie wenig andere elektronische Pop-Produktionen der letzten Zeit.

19:40 Uhr. Kategorie Musik. Tag , , . Eine Antwort.

Sneak Preview: Abril

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Typetogether stellen in ihrem aktuellen Newsletter einen hochspannenden Preview vor – die Abril. Wie so viele Fonts der letzten Zeit, unter anderem ja auch die Ingeborg der Typejockeys, ist die Abril ein moderner Remix einer alten Form, mit modernen Features, die Veronika Burian und José Scaglione bei Flickr zeigen. Was der Fontfeed ganz zu recht mit dem NewBeetle, dem neuen Fiat500 oder dem Mini vergleicht – vertraute Formen, die fast nostalgisch machen und sofort vertraut sind, und doch ist da ein Touch von Design und Features, der es durch und durch in der Jetztzeit verankert. Abril sieht vielversprechend aus und hat die Eleganz der aktuellen Typographie der Zeit. Man darf gespannt sein und sich vorfreuen – trotzdem gibt es bei mir manchmal eine leise Stimme, die eigentlich auch mal schön wäre, wenn es neben den ganzen Revivals auch mal Schriften zur Zeit gäbe, die ganz und gar ihren eigenen Flair haben. Manchmal ist es etwas schade, dass die Zeit der Experimente mit der Fuse anscheinend beendet war. Es war gut, Schrift so mutig auch jenseits der Anwendbar- und Lesbarkeit als Medium erforscht zu sehen…

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14:14 Uhr. Kategorie Design. Tag . Eine Antwort.

ComicZeal auf dem iPad

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Bitolithic, die Macher der genialen iPhone-App ComicZeal (dem besten Comicreader bisher) preschen vor und haben ComicZeal bereits für das iPad umgebaut, ohne das Gerät tatsächlich in den Händen zu halten. Sie stellen es auf ihren Blog vor – und es sieht absolut phantastisch aus. Ich denke mehr noch als Magazine und Zeitungen oder Bücher werden Comics auf dem iPad einfach Spaß machen, und dieser Preview zeigt, wie sinnvoll ein iPhone mit Mehr Bildschirm einfach sein kann. Vorbildlich scheint mir, dass es so klingt, als würde bei Bitolithic langfristig ComicZeal für iPad und iPhone als eine Applikation für beide Geräte verkaufen. Da ich die Idee nicht besonders mag, mit dem iPad für alle Applikationen in Zukunft doppelt zu bezahlen, finde ich diesen Ansatz einer kombinierten App wegweisend.

12:08 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 2 Antworten.

Tanner

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Dieser Video
zeigt sehr schön, was mit der Canon EOS 5D Mark II in Sachen Video gehen kann. Was der Kamera noch fehlt ist ein ordentlicher Audiosync, um mehrere Bildquellen mit einer Audiospur absolut verlässlich zusammenzubringen. In Sachen Flair und Atmophäre ist die 5DII vielen DV-Kameras jedoch weit voraus. Ich sage einen Boom an preiswert gemachten aber tollen Videos voraus – die Plattformen dafür sind online da, die Software schon lange, die Hardware jetzt auch in bisher unvorstellbaren preissegmenten – alles was jetzt noch fehlt sind engagierte Macher mit Phantasie und zuviel Zeit, die einfach rausgehen und tolle Filme machen. Was die digitale Revolution der späten 80er und frühen 90er fürs Design bedeutete, dürfte jetzt beim Bewegtbild kommen. Ich bin gespannt.

via Marc.

11:52 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 4 Antworten.

Swanko Lab

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Die Macher der inzwischen ja hochgradig phantastischen Hipstamatic-App für das iphone haben etwas neues ausgeheckt: Swankolab. So wie die Hipsta eine alte Kamera emuliert, ahmt Swankolab offenbar eine komplette virtuelle Dunkelkammer nach, komplett mit Chemikalien, Timer und allen anderen Details. Dabei dürften am Ende wahrscheinlich auch nicht andere Effekte herumkommen als mit normaleren Filtern, das bearbeiten dürfte aber – eben analog zum Feeling der Hipstamatic – einen spielerischen Aspekt bekommen. Aussehen tut das Ganze jedenfalls absolut phantastisch, erscheinen soll es im April – ich bin gespannt. Immerhin mal jemand, der nicht wegen des iPad nahezu jede Weiterentwicklung für das iPhone auf Eis legt, sondern mit einer großartigen neuen Idee kommt. Ich kann alle Leute verstehen, die das «echte Analoge» für unersetzbar halten, aber so wie ich auch Emulationen alter Drummachines und Synthesizer im Westentaschenformat mag, so ist auch diese Idee ausgesprochen witzig.

10:47 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . Keine Antwort.

Bringt Glück

25. März 2010 21:25 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Eine Antwort.

Frühling

21:16 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Muss sowas sein?

In der Sache ohne Frage ja schön und gut, nicht alles in China herstellen zu lassen, sondern vor Ort Arbeitsplätze zu schaffen –  aber dieser Aufkleber ist an sich so eine Sache, die mich eher von einem Kauf abhalten würde.

24. März 2010 11:34 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 8 Antworten.

Licht

02:25 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Tegan and Sara: Sainthood

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Die kanadischen Zwillinge traumwandeln seit Jahren zwischen Pop und Alternative, so auch auf dem sechsten Longplayer, dem man durch die erneute Unterstützung von Howard Redekopp und Chris Walla (von Death Cab for Cutie) eine beschwingtere, mainstreamtauglichere Note gegeben hat. Mit Hell und Alligator sind sogar zwei hochgradig radiotaugliche Auskopplungen, wobei insbesondere Hell die etwas kraftvollere Grundrichtung des Albums unterstreicht, das einen straighten Band-Charakter aufweist, über dessen strammes Bass-Schlagzeug-Gerüst, poppigen Gitarren und gelegentlichen Analogsynthesizer-Sounds die Quinn-Schwestern ihren gewohnten energetisch-nasalen Gesang legen. Die Zeiten des ätherisch-fragilen sind bei Tegan and Sara schon seit längerem vorbei, aber das flott-sportive Sainthood lässt endgültig wenig Zweifel daran, dass das Duo die großen Hallen füllen will und kann. Dabei ist das Album insgesamt rockiger, heavier geworden, klingt mehr nach einer guten 90ies Girlie-Alternativeband – ein Sound, der durch andere Bands ähnlicher Bauart inzwischen ja auch durchaus mehr als Mainstream-kompatibel geworden ist. Dabei gelingt den Schwestern der Kunstgriff, gleichzeitig lupenreinen Gitarrenpop zu produzieren und diesen simultan zu dekonstruieren, und in seine Einzelteile zerlegt gegen sich zu wenden. Über den Tracks schwebt bei aller Tanzbarkeit immer eine an Roxy Music erinnernde gewollte Lässigkeit, eine betonte, fast schwüle Kälte, die gemeinsam mit den intensiven Texten weit über das normale Frauenpop-Ding hinausreicht. Der seltsame Gesamteffekt ist, dass Tegan and Sara einerseits zugänglicher, sogar tanzbarer geworden sind und gleichzeitig andererseits sperriger, dorniger, strenger, härter, künstlerischer, reifer, mutiger. Sainthood vereint alles, was man vor allen an den beiden letzten Alben der Quinns gut finden durfte und konzentriert es zu einem Album ohne Durchhänger, ohne Fett, das auch in zehn Jahren noch exzellent hörbar sein dürfte. Und mich würde nicht wundern, wenn nach dieser Energieexplosion das nächste Lebenszeichen der beiden eine ganz andere Orientierung haben dürfte…

23. März 2010 16:22 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Eine Antwort.

Mond

14:18 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Eine Antwort.

Stapel

09:42 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Pretty in Pink

01:32 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Keith Jarrett: Testament

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Keith Jarrett lebt – durchaus nicht im negativen Sinne gemeint – seit Jahren im Schatten seiner legendären Köln-Konzerte, die ein frühes Testament seiner unglaublichen Improvisationsgabe ist, die ihn über zwei Stunden zum Kapitän eines im Kurs grundsoliden und doch in diesem Kurs recht freiflottierendes musikalisches Dampfers macht, mit einem staunenden Publikum an der Reling, das die Sehenswürdigkeiten bewundern darf. Obwohl Jarrett seit 1976 einen umfassenden und wahrhaft inspirierten Output hatte, wird er nach wie vor an diesem Konzert gemessen – und mag entsprechend diesen Vergleich mit der Vergangenheit gar nicht, wollte das Album gar einstampfen lassen.

Nach der großartigen Einspielung Radiance und dem Carnegie Hall Concert legt Jarrett nun ein umfangreiches Dokument von zwei Konzerten vor, die unter dem Eindruck der Trennung von seiner zweiten Frau Rose Anne entstanden (für die er erst vor wenigen Jahren The Melody at Night with you einspielte), und die vor allem «Testament» des Überlebenswillens dieses Ausnahmemusikers sind, der zunehmend so klingt, als würde er sich mit jedem Konzert höhere Ziele setzen, historischer denken.

Das fast dreistündige Einspielung zeigt Jarrett in großer Form, suchend, sinnierend, tobend, jeden Ton auskostend, stets balancierend zwischen mitunter ans Süßliche reichender Harmonie und assoziativer freier Klangfolgen, wobei diese beiden Gegensätze so nahtlos verzahnt sind, dass in einer einzigen Sequenz Sehnsucht und Schmerz greifbar wird, eine weiche Harmoniefolge unerwartet im Raum gefriert, in dystopische Schwärze getaucht wird, in klirrenden Einzeltönen zerspringt und sich in der Einsamkeit des Konzertsaals verliert. Jarrett irrlichtert zwischen fast neutönenden Experimenten, baut aber ebenso lustvoll babylonisch pompöse Türme auf, so glatt und gekonnt, dass einem manchmal Zweifel an der Improvisation kommen mögen. Die Arbeit, die in einem solchen Konzert stecken muss, körperlich wie emotional, ist im Laufe der beiden Sessions deutlich hörbar, die Energie und Konzentration, die Jarrett hier bändigt, ist mehr als beeindruckend, ebenso wie die Bandbreite von Einflüssen aus Klassik, Jazz, Folkmusik und Popharmonien, die sein Spiel befeuern.

Das vielleicht atemberaubendste an diesen Live-Aufnahmen ist – am ehesten vergleichbar mit Live-Aufnahmen von Jimi Hendrix – einem Ausnahmemusiker und Virtuosen beim Eintauchen in seine intimste Essenz beiwohnen zu dürfen, einem ungemein eleganten, fast makellosen und dabei hochexplosiven und persönlichen Ausloten eigener Grenzen, einem grandiosen Stream of Consciousness in Form von Musik. Zugleich macht Testament deutlich, wie sich Keith Jarrett eben sei dem Köln Concert weiterentwickelt hat, vielseitiger, raffinierter geworden ist. Die Konzerte in London und Paris mögen nicht so legendär werden wie Köln, ausdrucksstärker, intensiver, anstrengender, vor allem auch narrativer sind sie allemal. Jarrett ist von einem reinen Virtuosen zu einem Poeten geworden, der am Instrument seine eigenen Dämonen exzorziert, um das eigene Weitermachen kämpft und dabei eine so fesselnde Klavieraufnahme produziert hat, dass jeder «herkömmliche» Pianist an dieser alle Meßbarkeit und Einordnung sprengenden Individualität und Sperrigkeit scheitert. Andere mögen besser spielen, aber niemand ist so bei sich, so expressiv, so eigen wie Jarrett – der wieder beweist, dass die Personalunion von Komponist und Pianist (und dies in einer ad hoc Situation) kaum zu übertrumpfen ist.

22. März 2010 18:38 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Shutter Island

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Seekrank?
Um es vorsichtig zu formulieren, ist Shutter Island ein mutiger Film von Martin Scorsese. Es erscheint mehr als wahrscheinlich, dass Kritiker und auch ein gehöriger Teil des von em sehr reißerischen Trailer angelockten, einen eher normalen Action-Blockbuster erwartenden Publikums den Film nicht mögen, vielleicht auch nicht verstehen mag, weil Scorsese vielleicht einfach zu kunstvoll, ein byzantinesques Spiegelkabinett der Zitate, Doppelbödigkeiten und Verunsicherungen konstruiert hat. Shutter Island zwingt den Betrachter von der ersten Sekunde weg in einen seltsamen Strudel der Verunsicherung, macht uns ebenso seekrank wie Teddy Daniels gleich zu Beginn ist, weil uns wie ihm der sichere Boden unter den Füßen entzogen ist.

In meisterhaften, oft an die klaustrophobische Ader von David Fincher erinnernden Aufnahmen, die das Flair von 1954 in perfekten, bis ins Detail von Hitchcock und Zeitgenossen inspirierten Bildern einfangen, entführt Scorsese seinen von Leonardo di Caprio von der ersten Sekunde an als Mann am Rande einer Klippe präsentierten Protagonisten auf eine Insel der Schrecken, deren Dr. Moreau Ben Kingsley meisterhaft zwiespältig präsentiert. In einem Film, der so auf Ambivalenz und Doppelbödigkeit setzt, so auf Andeutungen und Grauzonen, sind Darsteller, die auf diesem schmalen Grat balancieren können, und Kingsley, der Folterer ebenso spielt wie Propheten, schafft es meisterhaft, seiner Figur eine mephistophelische Aura zu verleihen, ohne jemals zu weit zu gehen oder seine Karten offen auf den Tisch zu legen.

Wo andere Filme Nazigreuel nur als dekorativ-psychologischen Background für ihre Helden missbrauchen, schafft Scorsese einen eleganten Bogen von Dachau zu den angeblichen Experimenten auf Shutter Island, wo im Namen der Geheimdienste Deutsche Ex-Naziverbrecher (großartig: Max von Sydow) psychologische Kriegsführung planen, und sich in Foltertechniken, Lobotomie und Gedankenkontrolle probieren. Obgleich in der Vergangenheit angesiedelt, reicht dieser Themenstrang bis in die heutige Zeit, wo genau diese seinerzeit in der Psychologie erforschten Schock-Techniken in der Folter Verwendung finden – und Scorsese verleiht dieser modernen Verflechtung von Medizin und Militär mit dem Bezug zu Dachau und den Experimenten in KZs einen moralischen Kontext, der zwar offensichtlich ist, aber hier so dezent eingesetzt, dass es dem Film dient – zumal im weiteren Verlauf Daniels Erlebnisse (oder eingebildete Erlebnisse) im Krieg als zentrale Motivation dienen, überhaupt erst auf die Insel zu kommen.

Die entglittene Wirklichkeit
Während die «Realität» von Shutter Island auf eine oft verblüffende Art wunderbar an die aus heutiger Sicht oft billig wirkende Ästhetik von Hitchcock anknüpft – eine perfekte Fusion von Form und Funktion, da Shutter Island in vieler Hinsicht eine Verbindung zu Spellbound und anderen Hitchcock-Filmen aufweist –, sind Daniels Traumsequenzen eher dem Oevre von Stanley Kubrick entsprungen und erinnern besonders intensiv an The Shining, einem anderen Film über einen Ort, dessen böse Energie fatale Auswirkungen auf die geistige Gesundheit des Hauptdarstellers hat. Dieser Bruch, der die Traumsequenzen oft realer wirken lässt als die scheinbar realen Vorkommnise, weil ihre Ästhetik uns filmchronologisch sozusagen näher, vertrauter ist, nicht so abstrakt gebrochen, eröffnet, wie klug Scorsese nahezu jedes Detail, dass ihm als Regisseur zur Verfügung steht, einsetzt, um dem Film, das Wort fällt im Film nicht ohne Grund, eine «Kafkaeske» Grundstimmung zu verleihen. Welches Medium wäre besser geeignet als der Film, in dem Realität und Surrealität so einfach und leicht zu verweben sind, um die Frage «Was ist real?» grundlegender zu stellen. Vielschichtig konfrontiert Scorsese uns mit einem wahren Arsenal an Symbolen, und es ist die Stärke dieses Films, dass das, was auf den ersten Blick billig oder «fake» wirkt den tieferen Sinn hat, eben auch wirklich falsch oder fragwürdig auszusehen. Wenn die Leichen im KZ in ihrem Arrangement aussehen wie Schaufensterpuppen, wenn die Hinrichtungs- und Blutsequenzen so unpassend zum Rest des Films überzogen werden wie einem Sam-Raimi oder Dario-Argento-Film entsprungen, so ist hier halt die Verlässlichkeit der Erinnerung oder die Festigkeit von Realität selbst in Frage gestellt und ebenso ist es kein Zufall, dass in einem Ort der Erleuchtung – dem Leuchtturm – zum einen die eventuelle Heilung von Daniels stattfindet, zum anderen aber eben auch eventuell düstere Experimente vollzogen werden. Von der wunderbar atonalen Musik (u.a. von Ligeti und Penderecki), die von Anfang an eine unwirkliche Spannung, ein Unwohlsein, erzeugt, bis hin zu kleinsten Details wie dem Pflaster an Teddy Daniels Schläfe, von Wasser bis Feuer, Blut bis Licht, von der ersten bis zu letzten Dialogzeile, ist Shutter Island ein Film, der mit den Mitteln des Films, mit seinen Schnitten und Trickeffekten, seiner Musik und dem grundsätzlich Un-Realen des zweidimensionalen Films spielt, um den Betrachter durchgehend in einem Schwebezustand zu halten. Nach einer Weile hinterfragt man – stets zu Recht – jedes Detail des Films und wird in der Paranoia des «Detektivs» mitgefangen, kann Realität und Nicht-Realität kaum noch unterscheiden, wenn vor allem Daniels Frau, ebenso real oder un-real wird wie die tatsächlichen Insassen und Psychologen der Anstalt, wenn die Identität der meisten Figuren zweifelhaft wird, wenn die Insel gleichzeitig klaustrophobisch und isoliert wirkt, und natürlich, wenn die Handlung mehrfach derart furiose Haken schlägt, dass einem schwindelig wird.

In vieler Hinsicht erinnert der Film deshalb stark an Philipp K. Dicks Ringen mit den Fragen von Identität und Realität – und Scorsese entzieht sich am Ende einer einfachen Auflösung, aber dies so dezent, mit so viel gekonntem Understatement, dass es fast schon Auslegungsfrage ist, wie der Film endet. Nachdem der «geheilte» Teddy Daniels scheinbar rückfällig wird und sich entscheidet, lieber in seiner Illusion als rechtschaffener Mann zu sterben, anstatt als «geheilter» Mörder weiterzuleben, wird er zu seiner Operation fortgeführt, bedrohlich beflankt von zwei Wärtern, die ihn fortschaffen – und als letzte Einstellung wechselt Scorsese vorm Abspann zum Leuchtturm zurück. Wer will – und in diesem Film ist zu diesem Zeitpunkt alles eine Frage von Entscheidungen des Betrachters – darf sich hierin die Auflösung eines doppelten Bluffs vorstellen, der die scheinbare Auflösung negiert und uns signalisiert, dass Daniels nur auf einen sehr smarten Psychotrick reingefallen sein könnte, und mit seiner Paranoia stets richtig lag.Ob die Auflösung also so einfach ist wie bei Dr. Caligari, darf man zumindest anzweifeln – vielleicht gibt es auch einfach keine Auflösung und Daniels ist einfach in der von Rachel in der Höhle skizzierten Psychofalle gefangen, an die er schlussendlich selbst glaubt, in der, ist man einmal als krank definiert, jedes Verhalten, jedes Indiz als Beweis für die Krankheit herangezogen werden kann. So wie die moderne Psychoanalyse ihre Patienten in die Ecke drängt und nach einem Anfangsverdacht nicht mehr loslässt, so wird auch der Zuschauer verunsichert, bis er nicht einmal mehr dünnes Eis, sondern nurmehr Wasser unter den Füßen hat und eben seekrank wird. Wer mag, darf darin durchaus auch eine Kritik an der modernen Psychotherapie lesen, die zu schnell und zu eilfertig diagnostiziert und verurteilt, um dann zur chemischen Therapiekeule zu greifen.

Quantenhafte Schwebung
Grandioserweise ist der Film mit genügend Andeutungen und Widersprüchlichkeiten gespickt, um jede endgültige Theorie darüber, ob Daniels nun Polizist oder Patient ist, zu verbieten. Für fast jedes Argument in eine bestimmte Richtung findet man ein «Ja-aber»-Detail, dass die Theorie zerspringen lässt, ein Gegenargument, das nicht schlüssig sein kann. Diese enorme Ambiguität des Materials, in der jeder Kommentar, jede Szene je nach Auslegung eine andere Bedeutung haben kann, ist eine ungeheure Leistung, und verleiht dem Film deutlich mehr Kraft als sie One-Trick-Filme wie etwa Sixth Sense oder The Others aufweisen, die von einer einzelnen Enthüllung abhängen, die die bisherige Handlung «kippt». Shutter Island scheint dies auch zu tun, aber tatsächlich ist auch die scheinbare Auflösung und Erklärung der Handlung von Daniels/Laeddis als Patienten, der in einem Rollenspiel geheilt werden soll, nur eine weitere Illusionsschicht, die kaum weniger glaubhaft ist als eine andere mögliche These, nämlich, dass auf der Insel tatsächlich geheime Experimente stattfinden und Daniels Opfer eines grandiosen Tricks wird. Vom ersten seltsam feindseligen Verhalten der Insassen und Wärter bei Daniels Ankunft bis zu Patricia Clarksons großartigem Auftritt in der Höhle als Rachel – nahezu jedes Detail lässt beide Fassungen zu und viele Details widersprechen konsequent jeder Lösung. Wie die Wirklichkeit, schwebt das Ende dieses Films in einer Dunstzone der Unsicherheit, in einem Quantenzustand ohne finale, filmgerechte, einfache Antworten – ob Zustand A oder B real sind, liegt im Ermessen des Rezipienten.

Das Ergebis ist ein Film, der auf mutige Art den Zuschauer ohne Antworten lässt und der sicher für Enttäuschungen sorgen dürfte. Wer hier einen dumpf gestrickten, unlogischen und vorhersehbaren Thriller wie Verblendung sucht, dürfte sicher nicht fündig werden – gottseidank.

Und so ist Shutter Island ein weiteres Juwel in der Reihe der Scorsese/diCaprio-Kooperation. So unterschiedlich die Filme der beiden seit Gangs of New York stilistisch auch sind, so herausragend sind sie auch. Von dem Tarantino-Veteranen Robert Richardson grandios inszeniert, gelingt es Scorsese wie schon bei Aviator (ebenfalls von Richardson als Kameramann gedreht), tief in den Zitatenschatz der Filmgeschichte zu greifen, um ebenso wie eben Tarantino die Metaphorik des Kinos und seiner Bilder meisterhaft gegen den Zuschauer zu wenden und zur Waffe zu machen, die am Ende eher eine Art Meta-Film ergibt, einen Film über Kino. So mutiert – intensiver noch als zuletzt David Finchers Sieben – der Thriller zu einer philosophischen Meditation über die Unschärfe von Wirklichkeit und Wahrheit, die nirgendwo besser gestellt sein könnte als in einem Medium, das seit jeher in einer Art kontrolliertem Irrsinn mit gelogenen Bildern so tut, als würde es Wirklichkeiten zeigen.

21. März 2010 16:26 Uhr. Kategorie Film. Tag . 8 Antworten.

Radio

20. März 2010 12:49 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Wasser

12:26 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Spiegel

10:22 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Eine Antwort.

Terry Pratchett: Unseen Academicals

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Eigentlich unglaublich, dass ein einzelner Autor sich an die magische «40» bei den Buchveröffentlichungen einer einzelnen Reihe annähert. Unseen Academicals ist Pratchetts 37. Discworld-Roman, und damit liefert der britische Superstar eine Publikationsdichte, die selbst gute Pulp-Autoren kaum leisten, und der Preis für diese Produktivität ist eben wie im Pulp-Genre auch, dass Pratchett nahezu auf Autopilot nach einem rigiden Pattern schreibt – nahezu jeder Discworld-Roman ist inzwischen wie der andere. In Unseen steht im Mittelpunkt der Parodie diesmal der Fußball, ein ur-englisches Thema, um den herum Pratchett die Geschichte von vier neuen Figuren vorantreibt. Während die Zauberer der Unseen University entdecken, dass sie aus Budgetgründen einer alten Tradition nach an einem Fussballturnier teilnehmen müssen, das vom Patrician dezent dazu missbraucht wird, diesem recht brutalen Straßensport ein paar Manieren und Regeln beizubringen, entspinnt sich die Geschichte um Trev, Sohn einer Fußballerlegende; Juliet Stollop, Ankh-Morpocks erstes Supermodel, Glenda Sugarbean, die resolute Kuchenbäckerin aus der Nachtküche der Universität und Mr. Nutt, der eigentlich dafür sorgt, das die Kerzen ordentlich magie-gerecht dramatische Wachsspuren aufweisen, der aber eine ziemlich mysteriöse Vergangenheit und eine spannende Zukunft hat. Aus diesen Zutaten mischt Pratchett das übliche Gericht, das wie immer neben den reichlich vorhandenen Lachern und literarischen Anspielungen die Liste der spannenden Discworld-Protagonisten mit Mr. Nutt auf jeden Fall um einen neuen exotischen Charakter erweitert. Die spannendste Figur, die inzwischen zur Seele der letzten Bücher geworden ist, auch wenn sie nur am Rande auftritt,ist aber der Patrician -Discworld wird mehr und mehr zu einer Narration über Politik und Gesellschaft und, vielleicht nur für einen Briten denkbar, zu einer Reflexion über die Möglichkeit und Unmöglichkeit eines «gutmütigen Diktators». Was in der realen Welt undenkbar erscheint, liefert Pratchetts magische Spiegelwelt – den unfehlbar smarten Politiker Vetinari, der so gnadenlos wie zielstrebig ist und der zum Wohle seiner Stadt und gegen die verschiedensten Partikularinteressen dem Moloch Ankh Morpork die Zivilisation beibringt. Gerade in den letzten Jahren ist die Discworld so für Pratchett zu einer Art Simulation geworden, in der wir – stets an verschiedenen Orten und stets gut unterhalten – die «Gentrification» dieser Parallelwelt erleben, die mit jedem Buch mehr und mehr zu einem satirischen Spiegelbild unserer Welt wird und kaum noch etwas mit der Discworld der ersten Bücher gemein hat. Mit zunehmenden Alter scheint Pratchett weniger Interesse an Zwergen und Zauberern zu haben, sondern mehr und mehr zu einem modernen Jonathan Swift zu werden, der das Fantasy-Gerüst nur noch bemüht, um schneller ans Ziel zu kommen. Pratchetts Satire ist dabei niemals beißend, sonden eher «mildly amused», ironisch-elegant die Abstrusitäten des modernen Lebens bespiegelnd. Man darf fast gespannt sein, wie er mit der Bankenkrise umgehen würde. Dass Pratchett dabei stets unterhaltsam ist und auf mehreren Ebenen so leichtfüßig funktioniert – im Sinne einer Fantasy-Persiflage, im Sinne von Humor, im Sinne einer in sich kurzweiligen Erzählung, im Sinne von Charakterisierung, im Sinne von Parodie und Satire, nicht zuletzt aber auch im Sinne einer fast 40-teiligen durchgehenden Serienpublikation, die sich immer noch nicht abgenutzt hat. Sicherlich wird man bei Discworld-Romanen nicht ganz das Gefühl los, dass die Serie still steht und eine gewisse gleichförmige Beliebigkeit entwickelt, aber allein die Tatsache, dass der Autor seiner Konstruktion immer noch neue Geschichten und spannende Wendungen entlocken kann, ohne dabei im geringsten das Kernkonzept aufgegeben zu haben ist eine bewundernswerte Mischung aus Kontinuität und Evolution, die immer noch nicht langweilt.

19. März 2010 07:31 Uhr. Kategorie Buch. Tag . 2 Antworten.

BassJump

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Eines der großen Probleme mit dem MacBook und MacBookPro ist der relativ schlechte Klang des Gerätes. Seit meinem uralten Toshiba-Laptop gab es eigentlich kein Laptop mehr, egal ob Windows oder OS X, das an sich einen halbwegs brauchbaren, klaren, lauten und halbwegs mit Bass versehenen Klang abgibt. Das bedeutet leider, dass man etwa bei Präsentationen teilweise ein komplettes externes Speakerkit mitbringt, um Video und Klang halbwegs druckvoll aufführen zu können. Das MacBookPro etwa hat einen grässlich höhenzergeligen Klang, der an sich kaum zu ertragen ist und mit dem man auf Reisen nicht mal ein Hotelzimmer beschallen mag. Das alles ändert absolut nachhaltig der BassJump von Twelvesouth.

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Das Gerät wird einfach, ohne Stromanschluß, mit einem normalen USB-Minikabel angeschlossen und funktioniert auch über die USB-Weiterleitung des speziell auf das MacBook zugeschnittenen 24″-Displays einwandfrei. Im Grunde versteckt sich in dem Aluminiumgehäuse nichts weiter als ein Subwoofer, der über eine spezielle Weichen-Software angesprochen effektiv ein 2.1-System ergibt, bei dem Bass-Signale aus dem BassJump kommen, Höhen und Mitten aus den beiden Speakern am MacBook.

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Die einfach zu installierende Software bietet einige Optionen (Lautstärke, Frequenztrennung) und ist nach kürzester Einstellung ideal abgestimmt für den eigenen Geschmack (die Presets sind eher schlecht, wie ich finde) und der drastische Soundunterschied kann in Echtzeit wahrgenommen werden, indem man in den Systemeinstellungen oder via Menüleiste den durch einen kleinen VU-Meter angezeigten Treiber aktiviert oder deaktiviert. Um es ganz klar zu sagen: Der Klangunterschied ist beeindruckend. Zwar ersetzt der kleine Subwoofer sicherlich kein teures Logitech-System mit großem Basswürfel, aber für eine Lösung, die in jede bessere Tasche passt, ist der Gewinn an Klarheit, Tiefe, Bass, Dimension und Zeichnung der Musik unglaublich. Für Reisen, Präsentationen, ein bisschen Musik unterwegs und so weiter – ist der Bassjump die absolut beste Lösung, um das Macbook zu erweitern. Dass man dabei auf eine Softwarelösung setzt und die Hardware somit nur auf eine spezifische Plattform abgestimmt ist, mag zunächst beunruhigen, aber für 79 Euro muss es ja auch nicht die Lösung für immer und ewig sein. Elegant, mobil und mit einem ordentlichen Kick in den Frequenzen, die am MacBook sonst verloren gehen, ist der BassJump die Sorte Zubehör, die man sich unbedingt näher anschauen (und -hören) sollte.

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17. März 2010 14:31 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 2 Antworten.

Alice in Wonderland

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Eine Paarung wie Lewis Carrolls Alice-Stoff und Tim Burton scheint auf den ersten Blick so kongenial, so naheliegend, dass es fast verwundert, wie lange es gedauert hat, bis Tim Burton sich des Themas annehmen durfte. Schließlich war sein Edward Scissorhands ja bereits eine Art Anti-Alice, eine wie einem magischen Königreich entsprungene Figur, die zwar nicht durch den Kaninchenbau in ein unterirdisches Underland entgleitet, sondern in eine LSD-bunte und doch kreuzbiedere Suburbia-Realität – wenn man so will eine Umkehrung von Carrolls Idee. Rund zwanzig Jahre später nun darf Burton an den legendären Zeichentrickfilm von Disney anknüpfen und schafft damit die immerhin 25. Adaption des Buches, die dann auch prompt mehr sein will. Denn anstatt Alice im Wunderland oder Alice hinter den Spiegeln zu verfilmen, setzt die an Lion King, Beauty and the Beast und Mulan rundgeschliffene Disney-Autorin Linda Woolverton auf eine ganz eigene Geschichte – und die, man muss es so klar sagen, kann dann eben selbst ein Tim Burton nicht mehr retten. Woolvertons Alice ist ein 19-jähriger Teenager mit auffallend moderner Girl-Power-Attitude, der sich in der viktorianisch-strengen Reglementwelt (samt aufgezwungener Zwangshochzeit mit einem kinnlosen Unsympath) nicht zurechtfindet und für die Woolverton aus Carrolls paradoxer Spiegelwelt eine Art Instant-Emanzipations-Soße melkt, eine ernüchternd dämliche «Empowerment»-Geschichte, an deren Zweidimensionalität auch die 3D-Effekte des Films eben nichts ändern können. So ist es zwar der Produktion und dem nachträglich aufgepropften 3D-Look geschuldet, dass die Figuren wie ausgeschnittene Pappcharaktere in der hyperpoppigen Computerlandschaft umherstehen, aber es ist zugleich auch ein womöglich unfreiwillig-subbewusstes Unterstreichen der eben komplett fehlenden Charakterisierungen und Inhalte des Films. So gelingt dem Film das Kunststück, zugleich hektisch- orientierungslos zu wirken und eine einschläfernde Langatmigkeit auszustrahlen – etwa wenn Alice mehrfach ihre Größe wechselt oder Burton die Kamera allzu schwelgerisch über den zugegeben oft hochgelungenen digitalen Setbau gleiten lässt.

Nun steht über dem Titel des Films eben «Disney» als Absender und nicht «Tim Burton» – und es ist anzunehmen, dass selbst eine (wenn auch nicht immer kommerziell erfolgreiche) Regiegröße wie Burton bei der Arbeit an einer Franchise (und nichts anderes ist Alice für Disney) dieser Größenordnung große Kompromisse eingehen muss. Insofern ist vielleicht nicht verwunderlich, dass insbesondere Klimax und Denouement des Films eher wie ein Fantasyfilm von der Stange wirken, der Jabberwocky ebenso gut in Harry Potter oder Narnia hätte erscheinen können und Alice sich damit fatalerweise einreiht in die steigende Flut gesichtsloser Fantasy-Effekt-Filme.

Was Burton bleibt, ist eine Art subversiver Oberflächen-Look, kleine Details, die dem Disney-Marketing anscheinend entgangen sind und die er in die Textur des Filmes zu verstecken vermag. Etwa die Tatsache, dass Anne Hathaways steife Schaufensterpuppen-Interpretation der Weißen Königin deutlich unsympathischer und künstlicher wirkt als Helena Bonham Carters Red Queen, die zwar einen digital vergrößerten Kopf hat, ihre Rolle aber so stumpf und neurotisch spielt, dass man sie fast bemitleiden möchte und sich fragt, wo hier den «gut» und «böse» sein soll. Bonham gelingt es als einziger Darstellerin neben Johnny Depp, überhaupt halbwegs durch die Flut digitaler Effekte durchzudringen und ihrer Figur einen Hauch von Leben zu verleihen. Depps Mad Hatter ist – vor allem in seiner ersten Szene – denn auch ein (wenn auch etwas wattschwacher) Lichtblick, und überhaupt ist es überraschend, wie nahtlos Depp und die anderen Darsteller sich in die virtuelle CGI-Welt um sie herum einfügen, wie wenig man als Zuschauer noch zu merken scheint, dass die «echten» Darsteller im Grunde nur vor einem leeren Green Screen interagieren und der Rest des Films um sie herum erzeugt wird. Vielleicht aber ist eben dass der Grund, dass sich nie so etwas wie Chemie oder Interaktion einstellen will und alles ein wenig herabgespielt wirkt, herausgespielt ohne Echo, ohne Antwort, alles mit einem Fragezeichen versehen, alles fragmentarisch, nie zusammenkommend. Depp scheint den Anti-Scissorhands-Hutmacher sichtbar zu genießen, vielleicht so sehr, dass sein Mad Hatter – wie fast alle Figuren des Films – einen Tick zu fröhlich und harmlos wirkt, einen Hauch zu generisch (und eben auch einen Hauch zu sehr «Johnny Depp»-Standardverrückt) – vor allem im dritten Akt, der in seiner berechenbaren Plattheit den Film endgültig aus der Bahn wirft. Während Burton zuvor zumindest visuelle Elemente seiner Handschrift unterbringen kann und einen großartigen Sinn für Design beweist – wenn auch nicht so grandios wie bei Charly und die Schokoladenfabrik- ist das Ende ein energieloses Trauerspiel, ein bürokratisches Fertigwerden… der letzte macht das Licht aus. Dennoch, in den besten frühen Momenten des Films entsteht eine Art Meskalin-Dystopie, ein grelldüsteres Underland, in dem Alice über Leichenköpfe balanciert, in der die Ordnung der Unordnung aus den Fugen geraten ist, in der die Teegesellschaft des Mad Hatters an einem gänzlich ruinierten Tisch vor faulig wirkenden Essensresten hockt… das Underland, in dem Alice seit ihrer Kindheit nicht mehr war, scheint an dem Mangel an Phantasie und Glaube zugrunde zu gehen, und wirkt dabei auf charmante Weise anarchisch, unserer Zeit entsprechend, verrockt. Für wenige brillante Sekunden gelingt es Burton, einen postapokalyptischen Kinderfilm anzureißen, der ohne Zeigefinger Spaß aus der Verrücktheit, Freude aus dem Chaos zieht… aber leider versinkt der Ansatz nur zu bald in Disney-esquer Zuckergussschmonzette, in der Alice zur (ein klitzkleinbisschen an Brazil erinnernden) Ritterin im billigsilbernen Gummirüstung-Disco-Outfit mutiert, die einen der phantasielosesten CGI-Drachen seit Man in Black besiegen muss, Ray Harryhausen würde im Grab rotieren.

Wer also Carrolls Wortspiele und Paradoxien, Symbolismen und Surrealitäten sucht, oder wer Burtons grandiosen Sinn für visuelle Opulenz, für feinste Designdetails, für Pop-Surrealismus im Grellen wie im Düstersten möchte… der ist hier absolut im falschen Film, aber das gilt ja nun auch schon für das Zeichentrick-Original – nur dass im Remake die Handlung noch einen Hauch sinnfreier und zufallsgeneriert scheint und die Unschuld des reinen Kinderfilms eben gänzlich verflogen ist. War der «echte» Disney-Alice wenigstens noch für junge Zuschauer gemacht und hatte diese gewisse dazugehörige Unschuld alter Disney-Klassiker, so lässt der Aufguß wenig Zweifel daran, dass er sich an die Harry-Potter-Zielgruppe wendet und eigentlich nur verkaufen möchte. Das vielleicht traurigste an dieser unnötigen Fortsetzung ist, dass sie keinerlei Wunder oder Erstaunen zulässt, keinerlei Emotionen freisetzen kann, sondern den Zuschauer am Ende mit einem aufgepappten Selbstverwirklichungs-Fazit (ich darf gar nicht an diese abgelutschte Schmetterlingsmetaphorik denken, aus welchem Poesiealbum zieht Wolvertoon ihre Ideen?) ratlos allein zurücklässt, gefolgt von einem ebenso unpassend und lieblos wirkenden der Abspann. Wo Burton sonst in Vor- und Abspann durch liebevolle Details seine Zuneigung zum makellosen Gesamtwerk verrät, ist hier von der Schriftwahl über die Musik bis zum stumpfen Runterspulen der Credits bestenfalls nur noch die bloße Pflicht abgearbeitet und man wird den Verdacht nicht los, der Regisseur würde am liebsten einen «Alan Smithee» anstelle seines eigenen Namens eingesetzt haben. Es ist deprimierend, zu spüren, wie unzufrieden der Regisseur selbst anscheinend mit diesem Film ist.

Denn jeder, der seine Kreativität und seinen Stil für Geld verkauft, ob als Designer, Photograph, Autor oder Filmemacher, kennt das Gefühl, wenn eine an sich gut geplante Arbeit im Prozess durch Gremienentscheidungen, «Sachzwänge», Management-Entscheidungen und Marketing-Irrläufer in einem Ergebnis mündet, das auf erschreckende Art und Weise noch wenige Spurenelemente der eigenen Handschrift trägt, dabei aber so verzerrt und beschädigt ist, dass man sich am liebsten effektiv davon distanzieren möchte, weil man die Sache am Ende eben auch nicht mehr retten konnte gegen die Zugriffe und Wünsche des Auftraggebers. Vielleicht ist das Ende deshalb so offensichtlich schlecht, vielleicht ist hier Burtons Weg, einen am Ende so unerträglich plititüdenhaften Film zu machen, dass auch dem blindesten Zuschauer klar wird, dass Burton hier fast an die zuckrige Ironie des Endes von Mars Attacks anknüpft, dass hier nur noch die nackte zynische Satire zu sehen ist. Da ist dieses Gefühl im Raum, das man selbst kennt, wenn ein Auftraggeber eine Arbeit mehr und mehr entstellt, dass man es vielleicht gleich so schlecht machen sollte, dass es wenigstens auffällt und jeder halbwegs gescheite Mensch ahnt, warum das Ergebnis so miserabel ist. Ähnlich muss es Burton hier gegangen sein, der dann eben wahrscheinlich unfreiwillig seinen vielleicht schlechtesten Film abliefert, gegen den selbst seine frühen Filme und selbst der hochkommerzielle Planet of the Apes bündig und gelungen wirken. Wo die Schokoladenfabrik zeigt, zu welcher Meisterhaftigkeit sich Burton aufschwingen kann, wie surreal und bildgewaltig und bedrohlich er einen Kinderstoff ausbreiten und dreidimensional machen kann, bleibt dieser Film frappant flach und öde, eben ein echter Corporate Movie. Wo der düstere Edward Scissorhands einen vergleichsweise simpleren Film abgibt, der aber emotional berührender und glaubhafter ist, wirkt der fröhlichere Alice in seltsamer Umkehr wie eine stumpfe Animatronic, die eigentlich schon gar keine menschlichen Darsteller mehr brauchte – eine reine Effektleistungsschau, die das abgestumpfte Publikum kaum noch begeistern kann. Ein Film wie Coraline zeigt dabei in einer deutlich bescheideneren, aber enorm viel liebevoller (hand)gemachten Geschichte, wie es auch gehen könnte, wie es auch hätte sein müssen. Dass Gaimans offensichtliches Carroll-Derivat Coraline, verfilmt von Burtons Ex-Kumpan Henry Selick, sich mehr nach Tim Burton anfühlt als der eigentliche Burton-Film macht erst deutlich, in welchem Umfang Alice tatsächlich eine vertane Chance darstellt.

Man darf nur darüber spekulieren, wie ein echter Tim-Burton-Alice ausgesehen hätte – in dieser Fassung hier aber passiert nichts, was Tiefgang oder Poesie hätte, das Disney-Marketing hat einen gänzlich blutleeren, ängstlichen Film abgeliefert, der nicht anecken will, aber auch nicht mitreisst, der formelhaft Versatzstücke aus dem Original-Alice-Zeichentrick als zuckrige Nostalgie anbietet und ansonsten bei abgegriffenen Genre-Fantasy-Klischees bleibt. Das Ergebnis ist ein Film, der weder Burton noch Carroll ist, sondern eben nur ein Vehikel, um Puppen, Spielzeug, Telespiele und McDonalds-Mahlzeiten zu verhökern. Es ist ein düsterer, trauriger Film, der zwischen den Zeilen das langsame Verwesen der Phantasie im kommerziellen Filmbusiness erahnen lässt.

Man kann Burton sicher keinen Vorwurf machen – shit happens im Laufe eines Projektes und vielleicht war auch à priori bereits klar, dass mit Disney-Cashcows wie Alice in Wonderland eben nicht viel kreativer Spaß zu haben ist. Was nicht erklärt, warum der Film an sich so unendlich schlecht sein muss. Bleibt zu hoffen, dass Burton mit dem Geld aus dieser Produktion die Freiheit hat, ein paar Filme zu machen, die deutlich mehr seine eigene Handschrift haben und die anzusehen es sich wieder lohnt.

14. März 2010 19:15 Uhr. Kategorie Film. Tag . 3 Antworten.

Müll

10. März 2010 10:21 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Das Viech ist da

hd schellnack

Brutal klingende Headline… Kiras handgemachter Schlüsselanhänger war gestern in der Post und ich freu mich. Befürchte, der wird bei mir nicht allzulange halten, aber dann kann ich ja einen neuen bestellen ;-). Danke, Kira!

4. März 2010 11:31 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Steven Wilson: Insurgentes

hd schellnack

Die Arbeitswut von Steve Wilson muss unendlich sein. Neben Procupine Tree und zahllosen Nebenprojekten wie Blackfield oder No-Man, die ohnehin markant seinen Stempel tragen, publizierte er fast zeitgleich mit dem letzten Porcupine Tree-Album auch noch ein erstes «echtes» Soloalbum, dass sich nicht von ungefähr wie ein siamesischer Zwilling zu The Incident anhört, was vielleicht daran liegt, dass zum einen Gavin Harrisons hyperpräsentes Drumming auch diese Platte mit prägt, zum anderen daran, dass selbst hypernamhafte Gastmusiker wie Jordan Rudess recht wenig am Grundsound von Wilson ändern. Der Opener Harmony Korine könnte sogar fast nahtlos auf jedem PT-Album seinen Platz finden, ansonsten aber schafft sich Wilson – ohne seinen üblichen Rahmen völlig zu verlassen – ein breiteres Spielfeld, das seiner Hauptband eigentlich auch gut zu Gesicht stehen würde. Abandoner ist so ruhig wie düster, eher gemalte Musik, Soundtrack ohne Film. Die Mischung aus Introvertiertheit und fast selbstverletzender, wütender Härte prägt auch das acht Minuten lange Salvaging, das nach 4:40 aufs wunderbarste episch zusammenbricht und sich vom stoischen Gitarre-Drum-Dialog in eine bitterweiche Streicherwolke verwandelt. Mit ähnlichem Mut zur Abwechslung geht es weiter: Veneno Para Las Hadas ist ein sechs Minuten langes Instrumental mit minimaler Bewegung, No Twilight Within the Courts of the Sun könnte stilistisch hingegen am ehesten von PTs Metanoia-Album stammen und geht in eine improvisierte Jazz/Pro-Rock-Fusionsecke, mit einem schier atemberaubenden Aufbau. Insgesamt klingen die meisten Tracks nicht so, dass man das Gefühl hat, Wilson müsse etwas grundsätzlich anderes machen … Significant Other beispielsweise könnte fast nahtlos aus einem der letzten drei Alben von Porcupine Tree stammen – aber innerhalb seiner eben doch gleich gebliebenen Farbpalette fügt Wilson auf Insurgentes einige Farbtupfer hinzu, die seine Bandbreite erweitern, die ambitionierter und intimer wirken als die inzwischen hart an der Grenze zum musikalischen Bombast schiffenden Tracks der Hauptband selbst. Twilight Coda ist so eine verletzliche kleine Komposition. Natürlich ist Wilson nicht die Sorte Musiker, die wirklich «weniger» macht, auch die ruhigeren Tracks wie der Titelsong Insurgentes sind fast überproduziert perfekt atmosphärisch, und der manische vorletzte Track Get All You Deserve treibt das Spiel mit dem Crescendo sogar bis auf die undenkbare Spitze, in einem immer intensiver, bis zur Unerträglichkeit gesteigerten Track, aber Insurgentes wirkt zugleich reicher und sparsamer als das letzte PT-Album, wütender und experimenteller und zugleich intimer und trauriger. In vielerlei Hinsicht kehrt der «Aufständige» Wilson hier zu seinen psychedelischen Sky-Moves-Sideways/Up the Downstairs/Voyage 34-Floyd-Wurzeln zurück, aber mit den kompositorischen und musikalischen Muskeln, die er sich in den letzten Dekaden erarbeitet hat. Obwohl von einer weltweiten Suche nach Inspiration geprägt, scheint das Album introspektiver zu sein als viele PT-Veröffentlichungen der letzten Jahre, und zugleich auf eine fast verzweifelte Art wütend, noisy, die für einen Mann von Wilsons Alter fast ungewöhnliche Haltung des Albums ist die eines Nietzsche-esquen Teenagers, der zwischen arroganten Wutanfällen und Depression zu schwanken scheint, zwischen erschlagenden Noisewänden und kleinlauten Pianoechos. Es scheint nicht ganz einfach, Steve Wilson zu sein – auf brillante Art und Weise ist Insurgentes der Soundtrack zum manisch-depressiven Lifestyle.

Insgesamt fühlt sich Insurgentes an, als sei es eine Art persönliche Coda zu The Incident – nicht nur, weil die Cover farblich so schön zusammenpassen, sondern auch weil sich die Alben wie bei der Geburt getrennte Zwillinge anfühlen. Es mag überinterpretiert sein, aber nach der Stagnation von Fear of a Blank Planet wirken The Incident und Insurgentes frisch und lebendig, gefährlich schillernd und giftig, wobei vor allem das Berg-und-Tal-Abenteuer des Soloalbums zwar nicht den Druck der Musikermusik von Porcupine Tree entfaltet, dafür aber länger und nachhaltiger im Kopf bleibt. Wilson reizt hier seine bisherige Arbeit in verschiedenen Bands, seine eigenen verschiedenen Ansätze, bis ins letzte aus, rekonstruiert sich selbst mit dem Mut zum Scheitern, und schafft so ein Fazit, eine Standortbestimmung und womöglich eine Neuorientierung in seinem Schaffen, das so sperrig wie wohltuend, so schwierig wie hoffnungsvoll ist. Vor der Folie von Wilsons ohnehin unglaublichem Gesamtoutput ist dieses Album eine Art Manifest, ein Konzentrat – und zugleich voller Extreme, die so kompromisslos noch auf keinem anderen Wilson-Album zu hören waren, wenn etwa klare Noiserock-Anklänge oder Ambient- und Shoegaze-Elemente durchscheinen. Wollen wir hoffen, dass es nicht das letzte Soloalbum des Angry Man Wilson ist.

2. März 2010 05:43 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.


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