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2012

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Bei 2012 – oder wie ich ihn nennen würde, Walt Disney’s It’s the End of the World but Hey, Nevermind – weiß man natürlich a priori, worauf man sich einlässt, immerhin ist es ein Roland Emmerich Film, der sich seit Independence Day ja nicht gerade als Meister des intelligenten Plots hervortut. Und der zudem mit The Day After Tomorrow ja bereits einen Weltuntergangsfilm hingelegt hat, der die Ausrottung eines weiten Teils des Menschheit als Folie für eine Familienschmonzette mißbrauchte. Aber all das kann einen kaum für den epischen Fehlschlag von 2012 vorbereiten und macht es umso ärgerlicher, dass Emmerich sich hier zumindest im Namen mit 2001 zu messen versucht. 2012 hängt sich am von vielen Verschwörungstheoretikern und Soft-Mystikern zitierten «Ende» des Majakalenders auf und nutzt dieses als Anlass für einen sportiven Weltuntergang aus der Rendering-Dose. Straßen kollabieren, Berge explodieren, turmhohe Wellen lassen Kontinente absaufen, alles photogen aus dem Rechner gepixelt – was dem Film leider mitunter die Ästhetik eines Videospiels verleiht, wenn etwa allzu blauleuchtender Schnee erkennbar wird oder ein Flugzeugabsturz völlig künstlich wirkt – weil er eben völlig künstlich ist. Es ist ein großes Problem dieser Art von FX-Leistungsschau-Filmen, dass die aus Renderfarmen kommenden Effekte den Betrachter herzlich kalt lassen, weil sie kalt sind. Wenn eine Welt aus Pixeln untergeht, ist nie ein Menschenleben in Gefahr. Vielleicht auch deshalb geht Emmerich entsprechend leichtfüßig mit dem Armageddon-Thema um – vielleicht auch nur, weil die humoristische Überzeichnung die einzig denkbare Reaktion auf das Drehbuch ist, eine Art schulterzuckender Selbstironie. Fangen die ersten drei Minuten des Films noch mit einer Art Michael-Crichton-Feeling an, wird schnell klar, dass es (surprise!) mal wieder um eine Emmerich-typische Story um die US-Suburban-Family, die durch eine externe Krise wieder zusammengeführt geht, wobei diesmal jeder Schwachsinn erlaubt wird. Wer sich über Filme ärgert, bei denen Menschen vor Autos weglaufen können, wird hier auf seine Kosten kommen – hier fährt ein Auto einem Erdbeben davon, immer sauber einen Meter vor der klaffenden Erdspalte, die ansonsten natürlich die ganze Stadt vernichtet – nur eben unsere ausgewählte Familie nicht, die sich damit automatisch für den Rest des Films in Sicherheit wägen darf – ausgenommen natürlich der neue Partner des Ex-Ehefrau unseres Protagonisten, der früher oder später unweigerlich aus dem Weg geräumt werden muss, damit der Reunion nichts im Wege steht. So berechenbar und so dumm beginnend, schafft Emmerich es immer neue Klisches aufzutürmen, von dicken dummen Russen zu erzählen und von heldenhaften amerikanischen Präsidenten, die diesmal keine Kampfjets persönlich gegen Alienattacken fliegen, sondern bis zum Ende in ihren untergehenden Städten bleiben und der tödlichen Flut ein «Dorothy, ich komme!» entgegenzuschmettern. So patriotisch kann wahrscheinlich nur ein Nicht-Amerikaner in Amerika sein, der den Weltuntergang nutzt, um die Aufstehmännchen-Qualitäten der USA zu zelebrieren.

Selbst wer mit der Erwartung eines Low-End-Popcornfilms in 2012 geht, wird über die grenzenlose Faulheit der Inszenierung verblüfft sein. Da kriegen wir die immer gleichen Fluchtsequenzen, nur in steigender Dosis (Auto, Flugzeug, Jumbojet… übrigens völlig glaubhaft gesteuert vom neuen Lover der Protagonistin, der nur eine Flugstunde in einer einmotorigen Maschine hatte), kriegen eine mechanisch abgefrühstückte Eskalation der Naturkatastrophen und unsere Helden immer mittendrin, ohne einen Kratzer. Selbst Harry Potter wirkt dagegen grim-and-gritty realistisch. Die Fluchtsequenzen mutieren zu seltsam federleichten Achterbahnfahrten zwischen zusammenstürzenden Hochhäusern, ein lustiger Thrill Ride durch brennende Städte – sie erinnern ein bisschen an das berühmte Photo der israelischen Partypeople, die sich einen Bombenanschlag aus ihrem Auto ansehen. Ansonsten halten hauptsächlich idiotische Zufälle das Drehbuch zusammen: Der Jumbojet muss mangels Sprit notladen und landet zufällig genau dort, wo unsere Helden hinmüssen, weil ihnen die Welt fast 3000 Kilometer entgegengerutscht ist – und treffen dort zufällig auf den letzten noch fahrenden Wagen der Welt, einen Mönch, der zufällig seine Familie in die großen Archen schmuggeln will, bei denen zufällig sein Bruder arbeitet. Diese Archen sind denn auch – nach einem ziemlich an Roland Neames’ Poseidon Inferno gemahnenden Schatz-ich-ertrinke-Showdown – Emmerichs Antwort auf den Weltuntergang. Ein Schelm, wer sich böses dabei denkt, das schon zu Anfang des Films eine luxuriöse Kreuzfahrtyacht gezeigt wird… denn am Ende ergibt sich genau das: Riesige Schiffe, auf denen die Reichen und Schönen auf ruhiger leerer See in den Sonnenaufgang blicken. Die Schiffe nehmen Fahrt auf in Richtung Afrika – nachdem der Untergang wohl doch nicht so endgültig war wie beworben -, wo eine sozusagen um die Hartz-VI-Schicht bereinigte Elitegesellschaft von Leistungsträgern einem neuen Leben entgegenblickt. Und gottseidank haben wir in einem Anfall von Menschlichkeit eben doch ein paar mehr Leute mitgenommen – irgendwer MUSS ja den Pool saubermachen, oder? So mutiert der Weltuntergang zur Endlösung neoliberaler Prägung, in der eine Art Trickeffekt-Darwinismus für eine Bereinigung der Unterschicht sorgt und ganz nebenbei eine Art Matchmaker-Funktion erfüllt und neue, bessere, stärkere, heilere Familien formt. Das der Weltuntergang zuvor denkbar unblutig – eben Disneyesque – vor sich ging, fast beiläufig und ohne Schmerz und Leid, passt dazu. Emmerichs Drehbuch lässt fast achselzuckend die Weltbevölkerung über die Klinge springen, während unsere leicht dysfunktionale WASP-Familie eine lustige Achterbahnfahrt nach der anderen erlebt – inklusive zotigen Sprüchen, die nun so gar nicht zur Ernsthaftigkeit eines globalen Genozids passen wollen. Emmerich scheint nicht einmal zu merken, wie unpassend sein müde die Standards des Hollywood-Actionkinos abgrasender Blockbuster zu seiner eigenen Thematik passen will, wie latent rassistisch das ganze Vehikel ist (allein schon, weil wirklich jeder hier Englisch spricht, aber auch, weil am Ende natürlich die USA die Welt retten… es ist zum Heulen, dass ausgerechnet ein Deutscher eine denkbare multilaterale Thematik nicht anzubieten vermag).

Alles in allem ist 2012 die Sort Film, die man ab dem ersten Drittel nur noch durch massives Live-Lästern erträgt, einfach verlässt oder eben unter Drogen gucken sollte. Für letztere Variante scheint sich auch John Cusack entschieden zu haben, der geradezu drogenvernebelt durch das Ende des Films schlafwandelt und dem Ganzen – aber durchaus nicht im besten Sinne – eine ganz eigene, surreale Qualität gibt, weil er den All-American Dad als ganz offensichtlich gefühlsparalysierten Psychopharmaka-Schlucker darstellt. Durchaus die richtige Reaktion – wenn man als Zuschauer zum Ticket wenigstens auch ein bisschen Happy-Go-Lucky-Pillen kriegen würde, die das ganze erträglich machen würden. Es gibt Filme, die sind so schlecht, dass sie fast wieder gut sind – und dann gibt es Filme, die über dieses Level hinausgehen und so schlecht sind, dass sie einfach nur schlecht sind. Und in diese letzte Kategorie, weit jenseits des unfreiwillig komischen von Killertomaten und Marsattacken, landet 2012,ein Film, der den Weltuntergang wirklich verdient hat.

30. November 2009 15:40 Uhr. Kategorie Film. Tag . 11 Antworten.

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29. November 2009 21:34 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 2 Antworten.

Vorsicht Glas: Just say No

Auch aus der Rubrik«Wir sammeln alte Texte im Blog» ein Text aus der dmig 02, aus der Glosse «Vorsicht Glas», die ich mal so genannt hatte, weil ich bei der Glosse mit ordentlich Scherben rechne :-D. Und um ein Feedback nach der Veröffentlichung gleich vorwegzunehmen: Natürlich sage ich keine Sekunde, dass kleine Firmen kein Erscheinungsbild brauchen, ganz im Gegenteil. es geht eher um Ehrlichkeit, Transparenz und Angemessenheit und darum, dass Design immer mehr zu einem Aufbläh-Werkzeug wird, was schade ist, weil wir Designer so keine Möglichkeit haben, die echte Identität unserer Klientenzu kristallisieren.

Just say no

Corporate Design ist schon eine seltsame Erfindung. Was als strategisches Ausnahme-Werkzeug zur Sicherung von Unternehmensidentität und -kommunikation großer Marken begonnen hat, ist heute ein verwaschener Allroundbegriff geworden – so sehr, dass es uns nicht selten passiert, von einer Ein-Mann-Firma angerufen zu werden, die ein Corporate Design wünscht. Dass heute jedes Unternehmen, aber auch relativ kleine Kultureinrichtungen und sogar der Teehändler um die Ecke nach «seinem» Corporate Design verlangt, zeigt, wie sehr die Vorstellung von der Notwendigkeit einer visuellen Identität offenbar in den Alltagsgebrauch eingegangen ist. Selbst wenn dieses Bild dann vom Neffen mit CorelDraw und funky Display-Schriften aus den Frühachtzigern am Inkjet umgesetzt wird oder man sich sein Logo von Hunderten von Galeeren-Vektorbiegern per Crowdsourcing umsetzen lässt – was von vornherein mit der gewünschten Individualität rein gar nichts zu tun haben kann.

Natürlich braucht die Deutsche Post ein bündiges Erscheinungsbild, das nicht nur die Kommunikationsprozesse des Unternehmens rationalisiert und bündelt, sondern auch ein zukünftiges Eigen-Wunschbild des Unternehmens nach außen kommuniziert und zugleich als Zielmaßstab nach innen projiziert. Natürlich lässt sich die Effizienz von strategischen Kommunikationsmaßnahmen bis ins Detail auch für kleine und mittelständische Unternehmen plausibel belegen. Corporate Design ist wichtig für Firmen, bei denen der persönliche Kontakt durch eine abstraktere, a-individuellere Kommunikation ersetzt wird. Es ist eine Folge der Managerial Revolution, in der die großen Unternehmen die bekannten Gründerköpfe verloren haben, in der man nicht mehr aus dem Bauch heraus wusste, wer denn nun Krupp oder Siemens leitete, in der Macht und Verantwortung im bürokratisch-arbeitsteiligen Geflecht vieler Führungskräfte, die letztendlich ja auch nur Angestellte sind, unverortbar und gesichtslos wurden. Wenn man nicht mehr weiß, wer wie lange warum und mit welchen Werten ein Unternehmen wie die Post führt, und wenn man nicht mehr den stets gleichen Ansprechpartner vor Ort hat ist es gut, sich als Kunde an etwas gelb-schwarzer Farbe und einem Posthorn festhalten zu können.

Aber CD ist kein Wunderheilmittel, und Designagenturen sind keine reisenden Händler, die Zaubertränke im Wilden Westen verkaufen – oder sollten es zumindest nicht sein. Wir alle wissen, dass das schönste Logo umsonst ist, wenn Produktqualität und Service aus Kundenperspektive dieser Versprechung nicht gerecht werden. Wir alle wissen, dass der beste Imageprospekt nicht den Umsatz heben kann, wenn die Innendienst-Verkäufer sich unhöflich am Telefon melden und den potentiellen Kunden eigentlich als Belästigung betrachten. Es ist eine Banalität des Designalltags, dass sich Scheiße ja nur schwer in Gold verwandeln lässt. Im Idealfall sind CD (und vor allem CI) also Chancen, an den Stellen, die eigentlich gar nichts mit Design zu tun haben, als Designer formend mitzuwirken und eine Firma als ganzes mit zu verbessern, demokratisch als Partner mit zu modellieren, mit der Geschäftsführung und den Mitarbeitern gemeinsam den Laden nach vorn zu pushen. Dabei ist es keineswegs so, dass ein Logo und eine neue Hausschrift diesen Prozess ausmachen oder auch nur abbilden, vielmehr sind sie Anlass, vielleicht sogar Ausrede, um Dinge neu zu denken, zu hinterfragen, zu optimieren – und zugleich das Versprechen, dass die Firma sich gibt: In Zukunft sind wir so gut wie unser neuer Auftritt. 
 Es gibt in der Branche immer wieder eine Diskussion, gerade angesichts von Online-Logo-Anbietern, darüber, dass ja schließlich auch Tante Emma mit ihrem kleinen Laden sich ein Logo leisten müssen könnte, ohne gleich zu einem «arroganten und überteuerten Designer» zu gehen. Dieses Argument birgt einen schrecklichen Denkfehler in sich, es erhebt nämlich das ein «Logo» zu etwas, was Identität und Individualität eines kleinen Laden ausmachen kann – und sei es um den Preis, sich die Bildmarke von 300 völlig Fremden gestalten zu lassen. Der Gedanke ist etwa so abwegig wie die Vorstellung, das aus einem anonymen Pitch mit einem austauschbaren Briefing für zehn oder zwanzig Agenturen so etwas wie eine einzigartige «Identität» entstehen kann. Was Tante Emma wirklich braucht, ist vor allem gute Ware und einen netten Service, Persönlichkeit und Qualität eben, und der Laden brummt. Ein Logo ist hier im Grunde völlig überflüssig, weil sie selbst ja die Identität ihres Ladens verkörpert. Es macht keinen Sinn, wenn ein Blumenladen an der Ecke mit der gleichen Logik zu operieren versucht wie Fleurop, zumal Fleurop via Corporate Design nur von der Tatsache ablenkt, dass es eben gar keine Tante Emma mehr vorzuweisen hat, ergo den persönlichen Bezug zum alltäglichen Kunden verloren hat.

Anders gesagt: Ein Laden, der sich kein Corporate Design leisten kann, braucht sehr oft einfach auch gar keins. Wer aber eine Struktur mit mehreren Angestellten und ein anonymeres Vertriebssystem aufweist, für den sind die Investitionen in ein strategisch gut durchdachtes virtuelles «Gesicht» nicht nur tragbar, sondern absolut überlebenswichtig, da sie den persönlichen Auftritt essentiell ersetzen müssen.

Was nun keineswegs heißt, dass kleine und kleinste Kunden kein Design brauchen – schon ein winziges Café oder ein Geschenkeladen kann von gut gemachtem Design durchschlagend profitieren – aber es geht hier weniger um Logo und Visitenkarten als vielmehr um stimmige Medien, die langfristig glaubhaft zu der eben intimen Essenz passen als eine «Corporation» vorzugaukeln. Klein ist sexy, warum sich also größer machen, als man sein müsste und dabei eine der eigenen Stärken – die unmittelbare Kundennähe – verspielen? Einen guten Designer erkennt man insofern heute manchmal auch daran, dass er sich weigert, seine Arbeit zu machen – und einen schlechten daran, dass seine Antwort auf ein Problem darin besteht, einmal gelernte Pattern blind durchzuziehen – Logo, Visitenkarte, Briefbogen, Broschüre, Homepage. Oft geht hier die Idee einer angemessenen, zweckorientierten Lösung schlicht verloren. Ähnlich wie manche Architekten scheinbar auf jedes Problem mit einem neuen Haus reagieren wollen oder Wissenschaftler auf jede Technik-Krise mit noch mehr neuen Erfindungen – auch, wo es manchmal besser wäre, nichts zu tun oder außerhalb der etablierten Muster zu denken – scheinen Designer naturgemäß in Grafik-Design immer die erste Lösung zu sehen, die man semi-vorgefertigt aus der Aktentasche zieht, egal ob der Anlaß es hergibt oder nicht. Da wir uns inzwischen aber alle Kommunikationsdesigner nennen, sollten wir erkennen, dass weniger Design eben oft im Endeffekt mehr Design ist. In einer von mal mehr mal weniger gut gestalteten Marken durchfluteten Welt, die auf phantasievoll-nervige Kunstnamen und poppige Eyecandy-Logos setzen, ist die Aufgabe des Erscheinungsbildners eben auch, einfach einmal «Nein» zu sagen. Nicht jeder Friseurladen muss nach einer globalen Kette, nicht jedes Café nach Starbucks aussehen. In einer Gesellschaft, in der die technischen Werkzeuge von Design digital entfesselt und demokratisiert sind, in der (vor allem schlechtes) Design also Amok läuft, das oberflächliche Styling überhand nimmt, ist es paradoxerweise vielleicht die Aufgabe der Designer, Türsteher im Club des guten Geschmacks zu sein. Und als solcher schüttelt man eben meist den Kopf, wenn da jemand unschicklich auf dicke Hose machen will.

Nach all den Jahren, wo wir Designer versucht haben, Gestaltung durchzudrücken und in der Corporate Design von der Lufthansa bei Uschis Sonnenstudio angekommen zu sein scheint, ist vielleicht die Zeit, dass wir nicht mehr Design brauchen, sondern weniger. Ganz im gesamtgesellschaftlichen Sinne: Wir müssen die Idee des quantitativen Wachstums zugunsten einer qualitativen Entwicklung aufgeben. So wie ein Bugatti-Spoiler an einem Kleinwagen albern wirkt, ist oft auch ein Corporate-Style-Logo an einem kleinen, sympathischen Betrieb eher peinlich, wären Bescheidenheit und Humor und ein solider «Look» ehrlicher und erfolgreicher. Schon Dieter Rams wußte, dass gutes Design so wenig Design wie irgend möglich ist. Selten war das so wahr wie heute.

6. November 2009 18:20 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 6 Antworten.

Clownfisch – Schöpfung

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Die dritte Ausgabe des von Christian Hampe und Beate Blaschczok produzierten und herausgegebenen Magazins Clownfisch (das eigentlich mehr eine Art Ausstellung in Heftform ist)  ist das Ergebnis eines ambitionierten Projektes, bei dem Hunderte von Blanko-Heften verteilt wurden und aus den zurückgesandten und vollgezeichneten, geschmierten, geklebten und sonstwie veredelten Heften das eigentliche Heft entstand – plus weiterer Inhalte der ständig wachsenden Kreativ-Crew um die beiden Wuppertaler. Gekrönt von einer atemberaubenden Gratis-Ausstellung, die nicht nur die zurückgesandten Hefte zeigte, sondern auch anderes Artwork, eine Riesenparty mit exzellenter Musik anbot, zeigt das Heft einen manchmal wirschen, manchmal hochinspirierenden Fluss von Zeichnungen, Photos, Gedanken, Texten, Einwürfen und Provokationen rund um das Thema Schöpfung, das sich als roter Faden durch das Heft zieht, dessen farbenschillernd fiebernder Inhaltzwischen zwei dezent minimalistischen weißen Deckeln verborgen bleibt. Toll gedruckt und liebevoll (wenn auch hastig) irgendwo zwischen hingerotzt und musengeküsst layoutet merkt man der Clownfisch fast nicht an, dass dies ein Projekt des Guten Willens ist, dass die beiden ohne große Finanzierungshilfen auf die Beine stellen. Also: Hingehen und abonnieren, oder Anzeigen schalten oder mitmachen und fördern… damit die nächste Ausgabe, Utopia, noch berauschender wird. Ihr könnt das Heft direkt bei den Auslagestellen abholen oder bei Clownfisch bestellen und ihr solltet es wirklich tun.

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4. November 2009 10:08 Uhr. Kategorie Design. Tag . 3 Antworten.

Licht

3. November 2009 22:34 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Sundog

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14:54 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . 2 Antworten.

Herta Müller beim Mediacampus

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Wo wir so viel von Büchern reden… die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller war gestern abend in Frankfurt-Seckbach zu Gast im mediacampus frankfurt, um dort aus Atemschaukel zu lesen und sich den Fragen der Auszubildenden dort zu stellen. Wir sind ja nicht nur das Designbüro, sondern auch wirklich große Fans des campus und sind bei jedem Besuch dort von der einzigartigen Stimmung und den umwerfenden Auszubildenden dort begeistert und freuen uns total, dass den Auszubildenden und Seminarbesuchern dort so ein Highlight präsentiert wird. Wobei man sagen muss, dass das von Monika Kolb und ihrem Team aufgestellte Programm dort eh immer wieder super ist. Feine Sache. Wer immer im Buchhandel ausbildet – und nach dem, was ich von den Azubis dort kenne, ist das ein ziemlich cooler Beruf – sollte seinen Chef überreden, an den campus geschickt zu werden. Jedesmal, wenn ich da wegfahre, will ich insgeheim selbst nochmal Buchhändler werden.

Photo von Sigrid Krebs

13:57 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Einzelstücke auf der Buchmesse

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Apropos Buchmesse: Das phantastische Einzelstücke-Team der FH Dortmund war ebenfalls in Frankfurt am Start und hat dort ausgewählte Bücher präsentiert hat. Auch ein toller Stand und eine großartige Aktion! Bilder gibt es hier und hier. Riesenglückwunsch an Sebastian Michailidis, der mit seiner Payback-Arbeit einen RedDot gewonnen hat und mit dem ich über sein Buch angeregte Diskussionen hatte :-D. Und wer sich für Sebastian Möllekens A40-Buch interessiert, kann es bei ihm bestellen. Das Format ist fast A3, Hardcover in limitierter Auflage von 35 Exemplaren für runde  120 € solange der Vorrat reicht. .

12:12 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Ich hinterlasse gern Fingerabdrücke in Büchern

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Der folgende etwas comiclastige Text wurde – mehr oder minder live und ohne Korrekturen – für das phantastische Paperworks-Projekt von Nora Gummert-Hauser und ihren Studenten geschrieben. Da ich meine Texte halbwegs im Blog zusammen haben möchte (und mein Text überklebt wurde auf der Buchmesse :-D), kommt er hier als ungefilterte Wiederholung. Tippfehler usw bitte ignorieren. Ich hätte es wahnsinnig gern live gesehen – das und unsere große Jan-von-Holleben-Photowand für den Vorlesewettbewerb -, hab’s aber leider einfach nicht zur Buchmesse geschafft.

Ich hinterlasse gern Fingerabdrücke in Büchern

Bei Diplomen oder Jurysitzungen werde ich gern – und manchmal entsetzt – gefragt, warum ich die ausgestellten Arbeiten (meist ja nun mal Bücher) stets ohne Handschuhe durchblättere. Die Antwort ist wahrscheinlich, dass ich es aus dem gleichen Grund mache, aus dem ich Filme gern ohne Sonnenbrille anschaue oder Musik ohne Ohropax höre. Ein Buch will gerochen und eben vor allem auch gefühlt werden, die Bindung, die Textur und das Volumen des Papiers, die Laufrichtung, die Art, wie die Papieroberfläche unter deinen Fingern entlang gleitet, wenn du umblätterst. Wie willst du ein Design begreifen, ohne es begreifen zu dürfen? Was immer zu etwas seltsamen Momenten führt, wenn ich eine Weile lang ein Buch mit geschlossenen Augen in den Händen hab und meine Umwelt mich für völlig plemplem abschreibt.

Das mag ein Kindheitsschaden bei mir sein. Ich bin mit alten Comics groß geworden, die ich auf dem Flohmarkt und in Comicshops kaufte. Die Hefte waren natürlich oft einige Jahre alt, gebraucht, eselohrig, speckig, die Seiten fehlten hier und da. Und schon bald habe ich als Kind gelernt, die feinen Unterschiede zwischen den Serien zu bemerken. Da waren die Marvel-Comics, von Williams ab etwa 1974 liebevoll im Stil des Silver-Age eingedeutscht, inklusive Handlettering und sogar mit fast original billigen, gruselig farbaufsaugenden, ungestrichenen Zeitungspapieren. Da war auf der anderen Seite Ehapa – mit Superman, Batman und den anderen DC-Helden – auf glänzend gestrichenem, recht dünnen Rollenoffsetpapier, auf dem die Farben immer einen Tick zu intensiv wirkten für die grellen einfachen Farben, mit denen Comics damals coloriert waren. Ehapa hatte in diesen Heften und auch in den lustigen Taschenbüchern immer eine mechanisch gesetzte Typographie, irgendeine Art von Helvetica-Lichtsatz, die sich lieblos anfühlte und nur selten sauber in die Sprechblasen passte. Von der Übersetzung über die Schrift bis hin zum Papier war mir selbst mit acht Jahren dann irgendwie klar, dass Ehapa hier leider weniger Liebe in seine Hefte steckte als Williams, dass ein viel stärker kommerzielles Reihenprodukt vorlag, während Die Spinne und die Fantastischen Vier wie handgemacht wirkten… trashiger aber eben auch viel liebevoller. Ich weiß noch, wie unglücklich ich als Kind war, als Williams aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen und der hohen US-Lizenzgebühren sein Programm einstellte und der Condor-Verlag ab 1980 Spider-Man veröffentlichte… natürlich auf glänzendem Bilderdruckpapier und mit mechanisch gesetzter Schrift, genau wie Ehapa, und sich auch noch für die bessere Qualität rühmte, obwohl in Wirklichkeit Übersetzung, Cover und Innenleben der Hefte ein wahrer Alptraum waren. Es mag an diesem Wechsel zur Lieblosigkeit liegen – oder daran, dass die Geschichten von Spider-Man nach dem Weggang von Autor Stan Lee und Zeichner John Romita Senior auch tatsächlich eher schlechter wurden – aber etwa genau zu dem Zeitpunkt verlor ich auch den Spaß an Comics. Vielleicht weil ich spürte, dass jetzt auch Marvel genau so eher lieblos publiziert wurde wie vorher die DC-Comics bei Ehapa. Ehapa und Condor brachten übrigens auch Taschenbuch-Sammelbände heraus, in denen nicht nur aufgrund der 50%igen Verkleinerung nahezu kein Platz für Text war, sondern bei denen auch das (hier wieder ungestrichen grobe) Papier schon beim ersten Durchblättern aus der billigen Klebebindung herausfiel. Den Zusammenhang zwischen Papier, Verarbeitung und genereller Liebe zum Detail hat man so selbst als Kind schnell, eben ganz handfest, verstanden.

Aber auch als ich mich später als Teenager mehr oder minder komplett durch die Stadtteil-Bibliothek unserer Schule las, waren Papier und Schrift immer unweigerlich miteinander verbunden, war Papier sozusagen die Art und Weise, wie sich eine Schrift «anfühlt», eine Art selbstverständliche, weitere, eben haptische Dimension von Typographie. Ob gewollt oder ungewollt, Papier und Satz schienen oft zusammenzupassen: von dem groben Werkdruckpapier und der riesigen Pulp-Schrift von Jugendbüchern à la Mark Brandis oder Monitor/Giganto über die viel erlesenere Produktion und feinere Typographie von gebundenen Büchern für Erwachsene (ah, der wunderbare Blocksatz alter Diogenesbüchern oder die alten Penguin Books) bis hin zu den dicken Photobänden mit dem blitzweißen lackierten Bilderdruckpapier, das fast schläfrig langsam umblätterte und bei dem ich mich immer fragte, warum ausgerechnet Papier für Photobände so bösartig blenden muss. So wie es verschiedene Autoren zu entdecken gab, eröffnete sich zugleich ein ganzer Kosmos von Papiersorten und Schriftarten, Satzfinessen und Umschlaggestaltungen – die Sachen eben, die Bücher zu so einem ganzheitlichen Vergnügen machen.

Bis heute ist deshalb Papier für mich kein Selbstzweck, sondern fast symbiotisch mit Lesen, mit Bildern und vor allem mit Schrift gekoppelt. Auch bis heute liebe ich die etwas unfertige, grobe Machart vor allem amerikanischer Massenmarkt-Paperbacks, die mit ungehobeltem Papier und grobschlächtiger Schriftwahl immer etwas rotziges und ehrliches haben – Bücher, die ohne großes Tralala einfach gelesen werden wollen, die klar sagen, wofür sie da sind. Diese Ehrlichkeit suche ich nach wie vor in Sachen Papier.

Ich kann als Designer heute stundenlang über Papierproben sitzen und überlegen, welche Papiersorte ideal zu einem Kunden passt, immer auf der Suche nach Papier, das entspannt sein kann (nicht aufdringlich in den Vordergrund will mit Prägungen und Leinenstrukturen, Wasserzeichen und Effekten) und trotzdem einen kraftvollen Auftritt bringt, die richtige Papiertextur hat, sich richtig anfühlt, ökologisch möglichst korrekt ist und eben eine eigene Ehrlichkeit hat. Und bin immer schrecklich frustriert, wenn es gerade von dem endlich gefundenen perfekten Papier dann natürlich keine gerade benötigten Grammaturen, Formate oder Umschläge gibt (ganz zu schweigen von dem stets prekären Übergang von Stationery-Papier zu Drucksachen). Corporate Paper zu finden ist dementsprechend oft eine frustrierende Angelegenheit, weil es in der Flut von Papieren doch nie das ganz perfekte Angebot gibt – auch wenn man mit den Jahren meist schon irgendwie ahnt, welches Papier passt, so wie man fast schmecken kann, welche Schrift zu einer bestimmten Kunden gehören könnte… und man also eher aufpassen muss, nicht in Routineentscheidungen abzurutschen, neugierig bleiben muss.

Und deshalb trage ich keine Handschuhe, wenn ich in einer Jury sitze, auch wenn es mir natürlich um die möglichen Fingerabdrücke auf den Unikaten immer leid tut. Weil ich das Papier sonst nicht hören kann. Papier spricht – das ist die Lehre aus den Comics meiner Kindheit und den ungezählten Büchern, die seit ich zwölf bin durch meine Hände gegangen sind. Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass Papier als essentieller Bestandteil von Design verstanden, eben «gehört», werden kann, auch von Laien, wenn auch oft vielleicht unbewusst. Papier verhält sich dabei zum gedruckten Inhalt wie nonverbale Kommunikation zum gesprochenen Wort. Was nicht zu unterschätzen ist, wenn man bedenkt, dass nicht-sprachliche Signale über sechzig Prozent der tatsächlichen Kommunikation ausmachen und für Emotionen und Entscheidungen oft viel wichtiger sind als das, was eigentlich gesagt wird. Jeder Leser kann mit den Fingerspitzen eine Beziehung zu einem Briefbogen, einer Visitenkarte, einem Buch, einer Broschüre aufbauen – und was seine Finger spüren (und was seine Nase riecht) kann ebenso wichtig und prägend sein wie das, was seine Augen sehen. Das klingt so selbstverständlich, aber in viel zu vielen Medien, die man im Alltag in die Hände nimmt, wird das ignoriert, vielleicht, weil auch die Entscheider (Drucker, Designer und nicht zuletzt die Kunden) zunehmend verlernt haben, ihrem Papier zuzuhören. Finanzielle und technische Bedingungen diktieren heute oft Papierentscheidungen und durch die mediale Digitalisierung verliert man ohnehin etwas den Bezug zum Papier, vergisst es entweder oder fetischisiert es auf der anderen Seite auch allzuleicht, was oft sogar noch schlimmer ist, weil man hier Papier zum Special Effect macht, zum Bestandteil der Veredelungspornographie. Wie bei so vielen Dingen im Design geht es auch und vor allem beim Papier um die Angemessenheit, und die kann man nur durch Lesen und Anfassen lernen.

Am besten ohne Handschuhe…

08:14 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Botenstoff III

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Zufall ist das Thema der dritten Ausgabe des Designbereich-Magazins der FH Krefeld, diesmal betreut von Silvia Beck, und gestalterisch hauptsächlich von Dirk König und Franz Thues geprägt. Dem Titel entsprechend drehen sich die Artikel um die Rolle des Zu-/Unfalls in der Gestaltung und der kreativen Arbeit. Wo die erste Ausgabe sich sehr auf die Darstellung des hochschulischen Arbeitens fokussierte und im besten Sinne ein Portfolio sein wollte, die zweite Ausgabe eher frei flottierend ein Thema beleuchtete und selbst Kunst/Design war, ist die dritte Ausgabe ein durchaus geglückter Zwitter beider Ansätze, gestalterisch wieder einen Tick konservativer und im Fahrwasser vertrauter Editorial-Visuals anderer Magazine, mit Retroserifen und unterstrichener Sans, weitestgehend souverän durchgestaltet, ohne dabei je zu langweilen. Studentisch wirkt an diesem Magazin optisch nichts mehr, auch die Texte und Artikel sind so geschrieben, dass man auch als Leser, der so gar nichts mit der Krefelder FH am Hut hat, bestens informiert und/oder unterhalten wird. Zufallsexperimente in Illustration und Photographie, nachdenkliches über generatives Design, wilde Experimente, spannende Projekte – und das alles umhüllt von einem Cover, das an sich ein Random-Experiment ist und den Namen Botenstoff jedesmal wieder neu remixed (dazu kommt ein limitiertes, eingelegtes Original-Photo von Ines Werner). Die Bandbreite geht weit über das Design hinaus, streift Musik und Kunst, Augmented Reality. Drogenexperimente und fehlgeschlagene Experimente, die zu weltberühmten Erfindungen wurden. Diese Botenstoff zu lesen macht Spaß – und das wieder auf eine ganz andere Art als die beiden vorherigen Male, was an sich eine Leistung ist, sich zum zweiten mal aus einer Form zu befreien und frisch zu bleiben, ohne beliebig zu werden. Respekt – und weiter so!!!

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2. November 2009 14:03 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 4 Antworten.

Herbst

1. November 2009 14:52 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . 2 Antworten.


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