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Baum

29. Oktober 2009 17:54 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Blatt

08:23 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

The Dark Knight

24. Oktober 2009 21:38 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

Ja Kitsch

21. Oktober 2009 08:56 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . 2 Antworten.

Irgendwo schüttelt Steve Ballmer seine Gigantischen Fäuste…

hd schellnack

Der iMac von 2008 war einer der Gründe, warum wir den Switch zurück von Windows zu Mac gemacht haben. Nach Jahren von eher etwas albern anmutenden Plastikkisten (wobei der Stanley-Kubrick-iMac sicher nicht unschick war auf seine seltsam retrofuturistische Art)  hatten Jonathan Ive und sein Team hier so gründlich eine reduzierte, klare Version von PC vorgestellt, die mit 10.5 auch zudem ein verglichen mit Vista ziemlich gutes Betriebssystem anbot, das ich zumindest neugierig wurde. Noch 2008 haben wir im Büro komplett mit fast allen Rechnern (bis auf einen) auf Mac umgesattelt – und ich bin bis heute sicher, dass ich nicht der einzige bin, den Vista derart verstört hat, dass er oder sie zu Apple wechselt.

2009 ist Windows kurz davor ein neues Vista vorzustellen, dass zwar immer noch aussieht wie ein japanisches Autoradio, aber zumindest solide laufen soll – und nennt es deutlich bescheidener einfach Windows7. Und ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Apple nicht ganz zwei Tage vor dem Release der diversen Windows-Softwares einen ganzen Kanon von Mac-Produkten auf den Markt wirft, die sich fast unisono an Einsteiger wenden. Ein ziemlich gut gemachtes Plastik-Unibody-MacBook ab 999 Euro, ein 21″-iMac in der gleichen Preisliga und sogar noch den schon totgesagten MacMini in einer Server-Variante. Bemerkenswert dabei ist vor allem das Flaggschiff-iMac-Modell, das mit stolzen 27″Display  aufwartet, einem i7-Nehalem, bis zu 16 GB RAM und bis zu 2 TB Festplatte… und das alles für etwas über 2000 Euro und mit einer Maus, die sich zwar erst wird bewähren müssen, die aber vom Konzept her derzeit einzigartig am Markt sein dürfte. Damit ist der iMac absolut kein Spielzeug mehr, sondern dringt in die Workstation-Klasse vor, mehr als genug Power für jeden Heimanwender und der vielleicht kompakteste Rechner, den man sich derzeit mit so viel Leistung, einem so großen Display, ohne jedes Kabelwirrwar (immer wieder toll ist die Frage: «Und wo ist der Rechner?») und komplett mit einem stressfreien OS kaufen kann. Abgesehen davon, dass der neue iMac mit dem durchgehenden Glas, dem Alurücken (endlich) und der schmaleren Silhouette definitiv besser in ein Wohnzimmer passt als irgendein PC derzeit auf dem Markt, von Büros ganz zu schweigen. Ich selbst habe einen MacPro und einen deutlich überlegenen Quato-Bildschirm und schaue trotzdem manchmal neidisch zu den Kollegen, die keinen Rechner mehr unterm Tisch stehen haben, sondern nur noch ein schmales Nichts vor sich (leider sind iMac-Screens nach wie vor nicht hardwarekalibrierbar, obwohl es gerade bei den iMacs als integrierte Lösung doch so einfach sein könnte). Die Strategie, Kunden mit iPod und iPhone auf Mac neugierig zu machen und dann mit solchen Einstiegsdrogen auf der Computerebene abzuholen, scheint aufzugehen. Bei allen Problemen, die Apple in letzter Zeit hat (Bugs in Snow Leopard,MobileMe-Launch, ein iPhone, das drei Generationen braucht, um alltagstauglich zu werden, Appstore-Verirrungen und und und), scheint der Siegeszug von Steve Jobs fast unaufhaltbar.

Und das ist natürlich etwas beängstigend – denn jede gute Firma braucht auch eine starke Konkurrenz, die sie mobil hält. Und da Apple zu kleinen Sonderbarkeiten neigt und gerne mal technische Standards komplett ignoriert (BluRay, Flash, eSata usw) oder ad hoc neu definiert (DisplayPort), ist das essentiell auch für Apples R&D selbst – wo keine Herausforderung mehr ist, werden die Controller ansonsten die Forschung und Entwicklung ausbremsen, um den Profit zu maximieren.

Und es ist verwirrend. Denn schließlich ist Apples Erfolg relativ leicht nachvollziehbar und auch plausibel, insofern lässt sich deren Strategie leicht auf andere Bereiche, aber eben auch auf das Computer/Entertainment-Geschäft selbst anwenden. Umso seltsamer, dass offenbar keine andere Firma – und wir reden hier ja von Weltkonzernen – in der Lage scheint, diese Strategie zumindest nachzuahmen. Geschweige denn eine eigene, bessere Option zu entwickeln.  Microsoft hat mittlerweile nur noch desaströse Software und nahezu keine Hardware im Angebot, Dell und Sony ihrerseits keine ernstzunehmende Software – integrierte und nahtlose Lösungen, die (wie bei Apple) mit jedem hinzugefügten Baustein mehr Sinn machen, können so nicht entstehen. Es wäre an der Zeit, dass ein großer Player der Branche ein eigenes Betriebssystem entwickelt – offener, schneller, kompatibler als alles bisherige – und eine ganze Reihe von nahtlos darauf abgestimmter Hardware. Ich glaube auch nicht wirklich, dass Apples Erfolg nur an der «architektonischen» Vision von Steve Jobs liegt und insofern nicht wiederholbar ist. Mit der gleichen Logik dürfte es auch nur einen Marc Newson oder nur einen Norman Foster geben – in Wirklichkeit wimmelt es aber von exzellenten Produktdesignern und Architekten. Warum also nicht von Plattformanbietern?

Wie die Dinge derzeit stehen, möchte man nicht in Steve Ballmers Haut stecken, der ohnehin ein zwei extrem frustrierende Jahre hinter sich haben dürfte und dem entsprechend mangels eigener Argumente zunehmend nur noch die Option bleibt, die Konkurrenz anzugiften, die ihm nicht nur wenige Wochen vor Win7 ein komplettes OS-«Upgrade» (Snow Leopard lässt sich auch ohne 10.5 komplett installieren, ist also mehr als nur ein Upgrade) für 29 € vor die Nase setzt und damit zeigt, wie überteuert Windows vergleichsweise ist, sondern jetzt auch noch wenige Tage vorm Start eine komplette «Hey komm rüber zu uns»-Attacke startet, die so kurz vor Weihnachten auch sicher fruchten könnte. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Studenten und Heimanwender auf ein MacBook oder einen iMac wechseln werden.

Es ist entsprechend krude, wenn man anfängt, mit MS so etwas wie Mitleid zu entwickeln – keine Firma hätte das weniger verdient als diese -, und sich wünscht, irgendjemand würde diesen Koloss wieder sportiv und aggressiv kriegen und endlich mit Inhalten und Ideen füllen… wir alle würden davon profitieren.

08:21 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 6 Antworten.

Licht

19. Oktober 2009 20:55 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Trisomie 21: Black Label

hd schellnack

Nach fünf Jahren Pause ist Black Label das zweite «neue» Album der französischen Ausnahme-New-Wave-Band Trisomie 21. Die Gebrüder Lomprez bestachen vor allem Mitte der achtziger durch bestechend kalte, entrückte, später oft hochgradig vielschichtige und unberechenbare Tracks, die stets von Philippes schwebend-nöhligen Gesang gerade eben ein melodisches Gerüst verliehen bekamen. Anders als viele andere Mid-80s-Kapellen waren T21 nicht unbedingt aggressiv oder tanzbar, nicht vorhersehbar, sondern präsentierten Alben, die oft seltsam vage, analog, experimentiell und offen wirkten – und die gerade wegen dieser Unschärfe ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Zeitgenossen bis heute ausgezeichnet hörbar geblieben sind.

Es ist schade, dass gerade dieses Kennzeichen der Musik – das Oszillierende, die flirrenden, unsicheren Drummachine-Beats, die fast unkontrolliert über die mitunter an New Order erinnernden Bass/Gitarre-Hooks liefen, der tastend-autistische Gesang, die Verweigerung herkömmlicher Strophe-Refrain-Strukturen, das oft rein Skizzenhafte der Songs – auf Black Label völlig verloren ist. Statt dessen wirken die Tracks berechnet, sauber, herkömmlich, fast band-artig arrangiert. The Camp, der Opener-Track, weist zwar einen gerade zu magischen Retro-Bass-Sound von T21, der fast an Logical Animals erinnert, auf, aber insgesamt wirkt die Sache zu gerade, zu linear, zu gekonnt, und gerade in Sachen Drums zu langweilig – es klingt fast, als würden da nur zwei Pattern laufen. Auch bei den folgenden Tracks wirkt die Musik zu fett, zu unelektronisch und – so paradox es klingen mag – mitunter zu trip-hoppig in den Beats. In fast jedem Lied wird Philipps ätherischer Gesang von digital verzerrten Gitarren erdrückt, die Drums versuchen immer dick zu klingen – der Sache fehlt die Unschuld, das Unfertige, das absonderlich naive der alten Tracks. Was man, zugegeben, vielleicht auch nicht mehr einfangen kann, nach über 30 Bandgeschichte ist man einfach nicht mehr naiv. Und so wundert es vielleicht nicht, wenn T21 mitunter dem Eigenzitat anfallen, aber auch mal seltsam nach den Sisters of Mercy klingen (Shakespeare) und die Platte irgendwann eher langweilig wird. T21 haben nie eine große Ausdrucksbandbreite gehabt, aber immer den Mut, auf kompositorische Konventionen zu pfeifen. Von der spielerischen Leichtigkeit, der fast gelangweilten Spielerei mit den eigenen Möglichkeiten, die Plays The Pictures noch aufwies, ist auf Black Label nichts zu finden, hier wird eher stramm altherrendurchgerockt, so sehr, dass teilweise nur doch das monoton stampfende Schlagzeug elektrisch klingt. Es ist etwas seltsam, dass eine so leichte und federnde, stets eher elektrische Band sich zu einer Art GothRock-Kapelle versteigt, andererseits ist dieser Wechsel an sich bei einer experimentellen Band wie  Trisomie 21 nur sinnfällig. Insofern mag man hoffen, das die Lomprez-Brüder bald wieder Lust auf modernere, offenere Sounds haben und sich nicht an düsteren Gitarren und sturen Drumbeats verbeissen. Black Label ist an sich keine schlechte Platte, erreicht aber nicht näherungsweise die Komplexität und Tiefe alter Werke.

08:03 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Eine Antwort.

Letzter Aschenbecher

17. Oktober 2009 19:18 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . 2 Antworten.

Betreten Verboten

19:12 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Eine Antwort.

Bio

14:30 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Eine Antwort.

Tschechow

… aus dem aktuellen Zeit-Magazin.

16. Oktober 2009 16:42 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

iPod 1950

hd schellnack

Sehr süß.

Via Macenstein

16:30 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Photo Apps für das iPhone

hd schellnack

Hier wie versprochen eine kleine schnelle Übersicht Photo-Apps fürs iPhone, die ich benutze:

ZoomLens
Beileibe nicht perfekt ist diese Digital-Zoom-Software fürs iphone, aber solange es keine – à la Sony – in das Gehäuse integrierte optische Zoomfunktion gibt, ist es manchmal besser, ein hochskaliertes Photo zu haben als gar keins. Für 0,79 € tut Zoom Lens, was es kann und das recht stabil und schnell. Aber eher ein App, das man sehr selten brauchen kann.

Quad Camera
Die Auflösung der erzeugten Bilder ist, wie bei vielen iPhone-Photoapps, einfach gruselig schlecht. Trotzdem macht QuadCamera schon Spaß, wenn der Vierfach/Achtfach-Lomo-Spaßkamera-Effekt sich natürlich extrem schnell abnutzt. In der Praxis nutze ich QuadCamera so gut wie nie.

Camera Bag

Der Klassiker unter den Filter-Tools fürs iphone simuliert schnell, glaubhaft und in voller Auflösung verschiedene Spaßkameras wie die Holga, die Lomo, Crossentwicklung oder Leica-artigen s/w-Photographie und darf auf keinem iPhone fehlen. Schön wäre hier – wie bei den meisten Apps – wenn man in das Bild hineinzoomen könnte, um den Filter besser beurteilen zu können, oder wenn man auf die Parameter des Filters mehr Einfluss nehmen könnte. In Sachen Quick&Dirty ist CameraBag aber absolut klasse und der Holga-Effekt ist – vor allem gemischt mit anderen Apps – wirklich brauchbar.

CinemaFX
Dieses App von Nexvio ist ein weiterer Klassiker. Schnell, solide, exzellentes Interface und einprägsame, wenn auch nicht immer sinnvolle, Effekte plus die Möglichkeit, das Bild aufzuhellen, den Kontrast zu ändern, zu drehen und zu beschneiden machen CinemaFX zu einem sinnvollen Werkzeug, um Bilder schnell aufzuwerten. CinemaFX speichert die Bilder in voller Auflösung und bietet einige Effekte, die viele andere Tools in dieser Form nicht anbieten.

PhotoFX
Tiffen ist eigentlich als Hersteller von Objektivfiltern für Spiegelreflex-Kameras bekannt, produziert aber auch Photoshp-PlugIns (die allerdings wenig berauschend sind) und iPhone-Filter. PhotoFX ist vergleichsweise teuer, liefert aber auch professionelle Ergebnisse (sofern man das von einer Handy-Applikation überhaupt behaupten kann und will): Die Filter speichern in voller Auflösung, sind in Grenzen editierbar und lassen sich kombinieren. PhotoFX hat eine reiche Auswahl verschiedenster Filter, von denen sich ab der neuesten Generation einige zusätzlich als In-App-Kauf dazu erwerben lassen.

CoolFX
Die kleine Schwester von PhotoFX für 0,79 € liefert einen abgespeckten Umfang, aber durchaus andere Filter als die PhotoF-Sammlung, so deutlich mehr Schwarzweiß- und Noise-Effekte, interessante Lichtdiffusion und feiner abgestufte BleachingBypass-Filter.

HiCon
HiCon war eines der ersten und trotz zahlreicher Abstürze und Softwareprobleme besten Schwarzweiß-Apps und ist immer noch ein ausgezeichnetes Tool, das im Grunde nur eine einzige Sache kann und keinerlei Eingriff zulässt, aber ziemlich gute Ergebnisse zeitigt. Nicht ganz so unberechenbar, aber mitunter auch nicht ganz so dramatisch wie Spica, ist HiCon immer noch ein klasse Tool um etwas Leica-Flair auf das iphone zu bringen. Den Farbfilter kann man, meiner Meinung nach, völlig vergessen.

Spica
Spica ist eine relativ neue B/W-App, die in der neuen Fassung nicht nur live gemachte Photos, sondern auch Bilder aus der Photoroll bearbeiten kann. Im Dunkeln gemachte Bilder werden teilweise extrem rauschig und aufgehellt, aber es gibt derzeit keine App die unter den richtigen Bedingungen sehr dramatischere Schwarzweißmotive erzeugen kann. Spica hat ein ziemlich zufälliges Element – manche Bilder sind regelrecht unbrauchbar und kommen aus anderen Anwendungen deutlich besser, aber andere Bilder werden umwerfend.

Effects Lab
Exzellentes kleines Programm, das relativ normale Bearbeitungsmöglichkeite – Helligkeit, Sättigung, Histogramme, Gamma usw. – liefert und insofern ideal ist, um ein Bild jenseits von Effekten zu optimieren. Die Filter lassen sich kombinieren, Effects Lab arbeitet in voller Auflösung und bringt einen Haufen recht brauchbarer Fertig-Effekte mit.

Photo Forge
Photo Forge ist am nähesten an einer Art Pocket-Photoshop. Trotz des eher gewöhnungsbedürftigen Interface ist der Funktionsumfang mit Pinseln, Retusche, Filtern, Crop usw hervorragend. Auch hier gibt es fertige Filter, aber wichtiger sind die sehr umfangreichen Möglichkeiten, ein Bild an sich zu optimieren.

iFlash Ready

Eines der vielen vielen Pseudo-Blitz-Tools für das iPhone. Die alle an sich nicht viel bringen – dunkle Bilder kann man damit kaum retten, bei an sich guten Bildern aber durchaus, je nach Bild, einen interessanten Effekt erzeugen. Speichert in voller Auflösung.

CameraKit
CameraKit mochte ich zunächst gar nicht, weil es ein hochgradig unintuitives Interface hat und nicht gerade schnell ist, aber die Effekte sind relativ einzigartig und überzeugend – und in der Kombination durchaus überraschend und unkalkulierbar. Dem Look einer Spielzeugkamera, den anderen Tools versprechen, kommt CameraKit überzeugend nahe.Vignettierung, Überbelichtung, Falschfarben und B/W,  Push-Process – mit einer ganzen Reihe von individuellen Einstellungen erzeugt CameraKit am Ende ein meist überzeugendes Bild (nur sollte das Ausgangsbild hell genug sein).

Edwin
Edwin macht eigentlich nur Rahmen um Bilder und wendet einen leichten Effekt an.Nett, aber kein Must-Have-Tool, zumal nur einer der Rahmen brauchbar ist und die Rahmen an sich immer gleich bin, es also keine Variation gibt – womit das Tool leider ein ziemliches One-Hit-Wonder ist.

Lomo
Verspricht, was Camera Kit besser hält – die Lomokamera im iPhone. Eigentlich eine App, das ich kaum noch benutze, die aber bei manchen Bildern (die allerdings ordentlich hell sein müssen) schon gute Effekte bewirkt, ohne dabei aber je an das echte LomoFlair zu kommen. Ist übrigens schade, dass kein Tool wirklich glaubhafte Lomo/Holga-Lichteinstreuungen machen kann. Die App, die ziemlich umfangreiche Lomo-Filter bietet, die man als User aber in keiner Form beeinflussen kann, verschiebt etwas die Farben und dreht am Kontrast, arbeitet auch mit Bildern aus der Photoroll  und ist vor allem als Vorstufe für Weiterbearbeitung in anderen Filtertools gut brauchbar.

Polarize
Polarize hät, was es verspricht – es wandelt iphone-Bilder in Polaroids um. Allerdings ohne den Charme des echten, sehr zufallsbasierten Ergebnisses. Im Grunde scher auch eher eine One-Hit-App, wobei schon erstaunlich ist, wie sinnvoll ein Polaroidrahmen um die schlechten iphone-Pix wirkt.

Naked Touch
Naked Touch hat ein seltsames Konzept, es speichert Bilder in einer eigenen Gallerie, die von der Roll unabhängig ist. Es liefert – sehr schön umgesetzt – die üblichen Bildbearbeitungstools (Farbbalance, Helligkeit, Sättigung, Kontrast/Helligkeit), ibt dem User sehr umfangreiche Farbmanipulationsmöglichkeiten an die Hand, arbeitet in voller Auflösung, und zudem die Möglichkeit, die bearbeiteten Bilder zu facebook, flickr, tumblr oder via Mail zu versenden.

Mill Colour
Und noch eine App, die – sehr fein abgestuft – Manipulationen an Helligkeit, Sättigung, Kontrast, Gamma usw zulässt und auch einige vorgefertigte Filter mitbringt (Crossentwicklung, s/w, Bleached usw). Die Editiermöglichkeiten sind in Vergleich zu anderen Tools etwas eingeschränkt und teilweise so fein unterteilt, dass die Arbeit mit Mill Colour etwas nerven kann, zumal eigene Begriffe wie Gain oder Lift nicht auf den ersten Blick einleuchten. Auf der positiven Seite kann man in die Bilder hineinzoomen und so recht fein entscheiden, ob der gewünschte Effekt erreicht ist.

Best Camera
Best Camera kann eigentlich nicht sonderlich viel, vor allem wenn man von den Photosharing/Social-Web-Funktionen der Software keinen Gebrauch macht, liefert aber durchaus sehr geschmackvoll Out-of-the-Box-Effekte, die sich zwar kombinieren, aber nicht vom Benutzer verändern oder abstufen lassen. Es gibt aber durchaus hässlichere Instantfilter und meist liefert BestCamera ganz solide Ergebnisse.

Perfectly Clear
Perfectly Clear ist eines der zahllosen Bildoptimierung/Aufhell-Tools, die versuchen, den iphone-Bildern den Grauschleier auszutreiben. Wie alle Tools entsteht dabei oft ein stärkeres Rauschen, aber Perfectly Clear ist mit seinen fein einstellbaren Filtern und der sehr smarten Vorher/Nachher-Ansicht eines der besseren Angebote und rettet manche Photos wirklich.

LoMob
LoMob ist eine etwas seltsame App. Auch LoMob wischt nur mit vorgefertigtem Filter über die Bilder und ist langfristig sicher eher ein One-Hit-Wonder, aber eine krudere Versammlung von Lofi-Filtern gibt es derzeit im Appstore wohl kaum. Diverse Effekte und Rahmen, leider ohne große Variationsmöglichkeiten, aber durchaus erfinderisch gemacht – wie etwa neben dem üblichen Lomo/Pola-Sachen auch mit Transfereffekten und TTV-Looks – nutzen sich sicher schneller ab als ein guter, effektvoller und irgendwie ehrlicherer S/W-Filter, machen aber für 1,50 auf jeden Fall lang genug Spaß, um die Investition zu lohnen… außerdem lassen sich aus der Kombination mit anderen Filtern durchaus spannende Effekt erzielen.

Photoshop.com mobile
Was soll ich sagen? Der Klassiker der Bildbearbeitung kommt endlich auch in Deutschland aufs iphone und der erste Eindruck ist: Too little, too late. Wo andere Softwares schon fast Funktionen des «echten» Photoshops simulieren, ist Adobes eigene App eher eine Spar-Bildbearbeitung, fast eher ein Beta-Konzept als eine vollständige Software. Das Interface, bei dem einfach durch Slide-Bewegung auf dem Bild die Werte geändert werden und das generelle Handling ist absolut 1a und professionell, aber die etwas seltsam unstrukturierte Ansammlung recht beliebiger Instant-Effekte und die andererseits sehr begrenzte Auswahl von Editing-Möglichkeiten wirken fahrig und (noch) konzeptlos. Auch die Begrenzung auf die Adobe-eigene Gallery-Plattform wirkt etwas unzeitgemäß, Facebook, Twitter und Flickr dürften hier eigentlich nicht fehlen. Hier wirkt Adobe ein wenig hinter der Zeit – aber wir reden hier von der Firma, die immer noch 32-bit in Sachen Bildverarbeitung auf dem Mac anbietet und bei 3,7 GB den RAM-Riegel vorschiebt ;-). Andererseits ist das App gratis, etwas unerwartet bei Adobe, und wer will da meckern?

Hipstamatic
Diese Simulation einer alten analogen Kamera macht es einem eigentlich schwer, sie zu mögen – Effekte müssen als In-App-Kauf extra bezahlt werden, die Rahmen sind nicht abschaltbar, man kann keine Bilder aus der PhotoRoll  nachträglich bearbeiten, die Einstellmöglichkeiten sind fast nicht vorhanden, es dauert ewig, bis ein BIld gespeichert und bearbeitet ist, und die ersten Versionen des Programms sind eigentlich permanent abgestürzt. Mit anderen Worten: Hipstamatic ist genauso unsicher und unkontrollierbar wie echte alte analoge Photographie. Ohne, dass ich wirklich sagen könnte, warum, ist dieses Programm in den letzten Monaten die Software geworden, mit der ich am meisten Photos mache. Zum einen, weil die Bilder wirklich ordentlich verändert werden und man in der Kombination von Film, Linse und Blitz eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Bildveränderung hat, zum anderen, weil sie bei allem Frust eben auch phantastischen Spaß macht. Und darum geht’s ja.

Plastiq
Die Plastiq Kamera ist ebenfalls eine Simulation, allerdings weniger konkret als Hipstamatic – und obwohl an sich userfreundlicher, macht sie alles in allem keinen Spaß. Unter den vielen Effekt-Apps, die es inzwischen im Appstore gibt, ist dies leider eine der schwächeren. Recht interessant ist das Feature, dass Bilder im Background bearbeitet werden, während man weiter photographieren kann. Man kann sogar die App verlassen und beim nächsten Start werden die Bilder weiter durch den «Darkroom» gezogen. Leider sind Effekte  - s/w, Sepia, Posterize, Lomo, Holga usw – alle schon bei Tools wie CameraBag oder CameraKit deutlich besser vorhanden.

Retro Camera
Einen etwas anderen Weg als die meisten anderen Photoapps geht Retro Camera, bei dem ein Bild sukzessive vom Benutzer nach und nach mit verschiedenen Rahmen und Overlays, Grains und anderen Effekten auf Alt trimmen lässt. Tatsächlich ist hier etwas Geduld gefragt und die Ergebnisse sind nicht immer das, was man eigentlich erwartet, sondern eher ein wenig Kitsch-as-Kitsch-can. Aber grundsätzlich wenigstens einmal ein Programm, das etwas völlig anderes versucht. ich glaube, mit viel Fingerspitzengefühl lassen sich hiermit eigentlich ganz nett auf Alt getrimmte Photos machen, wenn man so etwas braucht.

MonoPhix
Es ist unweigerlich so, dass im Appstore mehr und mehr kleine Programme das im Grunde gleiche leisten – und die Entscheidung, welches davon nun das jeweils Beste ist, wird immer schwieriger. MonoPhix liefert im Kern die gleichen Ergebnisse wie CoolFX, Spica oder HiCon, erlaubt aber dabei eine gewisse Kontrolle der Veränderung von Licht und Dunkelheit in den Bildern. Die Bilder werden nicht ganz so genial wie die gelungenen Spica-Photos, sind aber im Zweifelsfall auch nicht so rauschig-schwarzweiß-zerstört wie Spica es eben oft liefert. Die Oberfläche ist gestalterisch ein Greuel und die Bilder werden etwas matschiger, unschärfer, als ich gut finde – aber die Einstellmöglichkeiten machen das mitunter etwas wett.

15. Oktober 2009 14:23 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . 9 Antworten.

Baum

14. Oktober 2009 19:53 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . 2 Antworten.

Hochspannung

19:49 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Parkplatz

13. Oktober 2009 19:24 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Chuck Palahniuk: Pygmy

hd schellnack

Man kann Chuck Palahniuk vorwerfen, was man mag, langweilig ist der Mann nicht. Obwohl es in seinem Schreibstil gewisse Elemente gibt, die eben «typisch» für ihn sind, rüttelt kaum ein anderer Autor so entschlossen an den Käfigstangen seiner Kreativität. Egal ob die Geschichte an sich oder die Stilmittel, Palahniuk ist Grenzgänger des Machbaren. Nachdem Snuff gegenüber seinem grandiosen vorletzten Buch Rant nahezu normal war – sofern man ein Buch über einen Selbstmordversuch qua Gangbang «normal» finden will – ist Pygmy stilistisch wieder völlig befremdlich. Kurz gefasst erzählt es die Geschichte einer Gruppe von Kinderterroristen aus einem nicht näher bezeichneten aber fernöstlich anmutenden Staat, die in Amerikas scheintote Vorstadtwelt eingeschleust werden, aus der Sicht eines der Terroristen in Spe, der wegen seiner Körpergröße nur Pygmy genannt wird. In einem an Everything is Illuminated erinnernden, dabei aber deutlich weniger elegant verstümmelten Englisch, das oft an die Grenze des Verständlichen geht. Es ist in erster Linie ein sprachliches Experiment, das einerseits nach klaren sprachlichen Regeln zu funktionieren scheint, andererseits ablative Sprünge in der Sprachentstehung zulässt, wodurch ein seit Clockwork Orange nicht mehr so verwirrender restringierter Sprechcode entsteht, der an Boshaftigkeit und Bissigkeit kaum zu übertreffen ist. Durch diesen kleinen Kunstgriff gelingt es Palahniuk, die vertraute Suburban Reality zu brechen, zu rephrasieren, neu zu entdecken und was wir in der Sprache des Fremden über uns selbst herauslesen, ist erschreckend – Palahniuk liefert den Soundtrack eines verwesenden Landes, das bizarr und fremd wirkt wie aus der Twilight Zone gezerrt.

Das es dem Autor dazu gelingt, ein seltsam fragiles Buch über das Erwachsenwerden, die erste widerwillige Liebe, widerborstige Teenager und Leistungsdruck in der Schule zu formulieren, mithin die Zutaten von Peter Parker, Spider-Man modern zu remixen und aus dem «anderen» Helden eben einen «anderen» Schläfer-Terroristen zu machen, ist bewundernswert – das Buch liest sich als hätten Stan Lee, Kierkegaard, Nietzsche und Mao sich eines nachts im LSD-Rausch eine Comicfigur erdacht. Dazu passt, dass Pygmy seine Berichte wie ein Blog oder wie ein monatliches Abenteuerheftchen nach Hause an den Staat schickt, der sich in der Rückblende als seltsam stählener, elternmordender Gegenentwurf zum Individualismus entpuppt, vor dessen Folie Pygmys harsche Kritik am American Way of Life, an der Familie, an Walmart und an der Religion einen surrealen Schattenwurf bekommt, weil ihr ein Gegenmodell fehlt (und so verwundert es nicht, das Pygmy im Verlauf des Romans etwas weicher und menschlicher wirkt und in seiner dysfunktionalen Adoptivfamilie ankommt).

Gekonnt wie immer verpackt Palahniuk seinen Blick auf die Freakshow des Lebens in ein neues Format und bliebt sich so zugleich treu und doch frisch. Die Thematik des Buches, die Art, wie Palahniuk mit Motiven, Dopplungen, Phrasierungen und anderen Tricks meisterhaft eine sprachliche Melodie entwickelt, sind vertraut – und dennoch schafft der Autor es, in seinem immerhin zehnten Buch keine Langeweile, keine Stagnation aufkommen zu lassen. Palahniuk scheint unter dem Druck zu stehen, sich und uns immer und immer wieder beweisen zu müssen, dass er kein One-Trick-Pony ist. Und entsprechend schraubt er auch die Geschmacklosigkeit und Absurdität des Buches in immer neue Höhen – mit einer umwerfend geschmacklosen Vergewaltigung, mit einer Gastfamilie, wie man sie sich bizarrer kaum vorstellen kann, mit einer Schule, die eher wie ein Freakzirkus scheint… Palahniuk erreicht hier sicher nicht die schwindelerregend turmhohe Surrealität, die Rant zum Meisterwerk macht, aber Pygmy wirkt in jeder Hinsicht weniger barock als Rant, mehr wie eine kleine, trotz 250 Seiten enorm schnelle Satire, die vor allen Dingen immer wieder abenteuerlich komisch ist, selbst wenn der Humor mitunter auch mal schmerzhaft derb wird. Unrealistisch, durchgeknallt, eine perfide Achterbahnfahrt durch die Gelüste und Unsicherheiten eines Teenagers im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ist Pygmy schwer zu lesen, pädophil, gewalttätig, voller Dildowitze, hysterisch, verdrogt, geschmack- und respektlos und doch voll zarter, zerbrechlicher Momente, die immer wieder kurz durchblitzen, eine Tour de Force, die sicher manchen Leser vergraulen dürfte – aber die tatsächlich jede Sekunde ein Genuss ist.

12. Oktober 2009 19:10 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

Ryan Hughes’ Iron Man

hd schellnack
hd schellnack

Star-Typograph und Illustrator Rian Hughes macht mir immer besonders viel Spaß, wenn er im Comic-Segment aktiv wird – unvergessen bis heute seine Designs für Grant Morrison’s Invisibles. Als neuesten Coup hat er den Trade Dress der Iron Man Comic Serie neu gestaltet. Das Ergebnis sieht mehr nach Magazin oder nach alten Buchklassikern als nach klassischem Comic aus, ist ungewöhnlich graphisch, aufgeräumt und dürfte auf jeden Fall auffallen. Großartig, auch wenn ich auf die Clipart-Kringel sicher hätte verzichten können. Der Rest ist farblich und typographisch eine Wohltat gemessen an anderen Comic-Book-Covern.

via Matt Fraction & Kevin Church

10. Oktober 2009 21:14 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Zur Buchmesse…

hd schellnack

Ich hatte vor einiger Zeit einen sehr schönen Anlass, mir ganz kurz zur Zukunft des Buches und der Buchbranche Gedanken zu machen. Womit ich als großer Leser natürlich viel Freude hatte – und wahrscheinlich mit meinen Annahmen auch oft gruselig daneben liege. Dennoch: Anlässlich der Buchmesse und um solche Sachen im Blog-Zettelkasten aufzubewahren hier leicht gekürzt der Text…

warum spielt das buch für die zukunft
eine wichtige rolle in der gesellschaft?

das buch ist mehr als nur papier
Das «Buch» ist mehr als ein Trägermedium, mehr als nur Papier mit zwei Pappdeckeln. Das Buch ist die Idee von Autorenschaft, von Ideenverbreitung, von Austausch und Kommunikation. Diese Idee ist älter als die Gutenberg-Galaxie und sie wird auch einen Wechsel zu digitalen Medien nicht nur überleben, sondern dadurch langfristig gestärkt werden.

die branche wird wachsen
Die Verlags- und Buchhandelswelt steht vor den größten und spannendsten Umbrüchen seit Jahrzehnten. eBook, digitale Buch-Vertriebskanäle, neue Medien, ein verändertes Konsumentenverhalten, der starke Drang zur Filialisierung und Marktverdichtung sowie die Frage nach den Überlebenschancen der Buchpreisbindung gehen wie ein Waldbrand durch die Branche und verunsichern viele Menschen.
Auf der anderen Seite schafft ein Waldbrand aber auch Raum für neues Wachstum und bringt Energie und Frischluft in das System­ – wobei man die Umbrüche in der Buchbranche beileibe nicht mit den Folgen eines Waldbrands vergleichen kann, denn die Branche hat anders als der Wald die Chance, sich vorzubereiten und proaktiv zu handeln, die Revitalisierungseffekte zu nutzen ohne dabei aber die katastrophalen Folgen zu erleben.  Dem Buchmarkt (und allem, was dazugehört: Verlage, Druckereien­, Agenturen, Vertrieb, Grossisten, Übersetzer und so weiter) steht ohne Frage die spannendste Dekade seit langer Zeit bevor. Gewohnte Marken werden verschwinden und neue entstehen. Die heute noch für viele kleine Sortimenter vermeintlich so bedrohlich wirkenden Filialketten werden vielleicht mehr unter dem Digitalisierungsboom leiden als die Longtail-Händler, die sich schneller und kundennäher spezialisieren können. Es werden neue Verlagsmodelle entstehen und neue Mischbuchhandlungen – es wird viel Innovatives wachsen. Denn vor allem bringt die Übertragung der Buchidee auf zahlreiche Medien­ erweiterte Möglichkeiten für den Absatz und die Bedeutung des Buches, das einerseits moderner und frischer als je zuvor dastehen wird, andererseits mehr denn je auch ein Genussmedium wird. Es wird gesellschaftlich klar werden, dass das «Buch» und die Autorenschaft kulturelle Quellen sind, aus der sich Musik, Theater, Film, Spiele, Comic, Kunst, Fernsehen und nahezu alle anderen Medien bedienen. Ohne Autoren bleiben Wertschöpfungsketten ohne Anfang. Denn: Ohne Autoren keine Geschichten. Und Geschichten wird es immer geben – sogar mehr denn je, da die Branchenumbrüche eher mehr als weniger kreative Inhalte an den Tag bringen werden.

mehr als vinyl
«The end of print» hat David Carson schon 1995 provokativ verkündet. In einem Buch, ausgerechnet. 15 Jahre später ist Print immer noch nicht tot. Bei Informationsmedien wie Zeitung, Kochbuch, Reiseführer o.ä. ist es aber mehr als denkbar, dass die klassischen Medien durch Online-Medien sehr starke Konkurrenz bekommen werden, da diese in Vernetzung und Interaktivität, Aktualisierung und vor allem auch Produktionskosten eindeutig im Vorteil sind. Im Bereich des Genuss­lesens, in der Literatur, aber auch im Magazin-/Photobuch-Bereich bleibt das gedruckte Buch haptisch, auratisch, von der Lesbarkeit und generellen Usability eben die Killerapplikation gegenüber allen digitalen Medien. Wer den ganzen Tag am Bildschirm gearbeitet hat, wird abends lieber ein Buch als ein «Display» lesen wollen. Und nicht zuletzt ist das Buch nach wie vor das Medium mit der höchsten Autorität, dem besten (bildungs­bürgerlichem) Image. So wie Fernsehen das Theater nicht verdrängt hat und der Laptop das Notizbuch nicht ersetzt, werden sich analoge und digitale Buchformate, Hörbuch, MotionComics, eBook, Onlineangebote, iPhone und klassische Printformate vernetzt ergänzen und gegenseitig stärken. Die Branche als Ganzes kann und wird davon profitieren – von der Vielfalt und den facettierten Möglichkeiten, Inhalte zielgruppengerecht zu vermarkten und anzubieten. Während MP3 die Vinyl-Schallplatte fast völlig verdrängt hat und nur noch DJs und Audiofans zur alten Schallplatte greifen, hat das Buch deutlich universellere Überlebenschancen.

das buch als bildungsträger
Während in der Bildung in Schule und Universität das Internet und multimediale Medien das klassische Schulbuch nicht verdrängen, aber zumindest ergänzen werden, bleibt das Buch eines der wenigen Medien, das sich nicht unter Quotendruck oder Produktionsbedingungen einem kleinsten gemeinsamen Nenner beugen muss. Nirgendwo sonst ist ein generationenübergreifender Dialog, ein Austausch von Ideen so rein und unverfälscht möglich. Kein anderes Medium kann zugleich so gut unterhalten und geichzeitig en passant einfach klüger machen. Kein anderes Medium hat die Ruhe und die Zeit für Tiefe. Das ist ein unersetzbarer Wert – und jeder, der liest weiß, dass allein die Tätigkeit «Lesen» nicht nur Zeitvertreib, sondern auch ein Aufladen ist. Ein Eintauchen in fremde Welten und Kulturen, in andere Leben, ein empathischer Prozess, der den eigenen Horizont erweitert und lebenslanges Lernen zum Spaß macht. Wer mitreden will, wer informiert sein will, wer eine intellektuelle Bandbreite und Tiefe will, der wird auch in Zukunft Bücher lesen. Nicht zuletzt, weil das Lesen am Display fahriger und beiläufiger ist – weniger vertieft. Wirkliche Information verankert sich nach wie vor besser und glaubwürdiger über Print.

den wandel genießen
Selten war die Buchbranche so aufregend, im Guten wie im Schlechten, wie derzeit. Mit der wachsenden Bedeutung von Autorenschaft, mit der Explosion von Onlinekanälen als Vertriebsmedium, wird die Frage nach Urheberrechten und deren Wahrung zentraler als je zuvor – und die Buchbranche kann hier von den Fehlern der Musik- und Filmindustrie lernen. Mit dem kommerziellen Umbruch im Handel gibt es viele Ängste in der Branche, aber auch völlig neue Potentiale für innovative Modelle. Ob Verlage, Filialen oder niedergelassene Sortimenter­ – mit der Beschaulichkeit ist es vorbei, durchaus auch im besten Sinne. Das Buch als Kulturidee hat nicht nur eine starke Vergangenheit, sondern auch eine große Zukunft vor sich, auch wenn diese Zukunft sicher ein völlig anderes Antlitz haben kann. Es gibt keinen Grund zum Pessimismus – und viel zu tun. Freuen wir uns darauf…

8. Oktober 2009 16:05 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . 3 Antworten.

Abend

7. Oktober 2009 20:36 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , , . Keine Antwort.

Baum

18:58 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Kaffee

6. Oktober 2009 10:24 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 4 Antworten.

Naomi Klein: The Shock Doctrine

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Naomi Kleins The Shock Doctrine klingt vielleicht nicht ganz unschuldig nach Alvin Tofflers Future Shock. Tofflers in den 70er Jahren formulierte Theorie eines hyperbeschleunigten gesellschaftlichen soziotechologischen Wandels, der die Menschen überfordert, wird von Klein zwar nicht explizit aufgegriffen, aber als gezielte Technik zur Erreichung politischer und wirtschaftlicher Ziele neu interpretiert.

Klein entpuppt sich dabei als eine Art schreibender Michael Moore, sie schreibt polemisch und mit furioser Wut, sammelt akribisch Daten und setzt aus diesen ein medienwirksam erschreckendes Gesamtbild zusammen – und wendet so als Autorin bewusst oder unbewusst die gleiche Schocktherapie an, die sie dem neoliberalen Wirtschaftsvertretern vorhält. Geschickt (und etwas sensationalistisch, weil inhaltlich nicht ganz haltbar) verbindet sie zwei narrative Stränge – die Entwicklung von Elektroschock, Isolationstechniken und anderen «psychologischen» Methoden als Techniken der Informationsbeschaffung bzw. Willensbrechung von Geheimdiensten einerseits, andererseits die moderne Globalisierungswelle im Zeichen eines von Milton Friedman und seinen Studenten geprägten Monetarismus. Auf großartige erzählerische Art und Weise und mit Dutzenden von Belegen verknüpft sie das an der Universität von Chicago entwickelte ultraliberale Wirtschaftsmodell mit den Terrorregimes in Südamerika, mit CIA-Foltermethoden, mit den Umbrüchen in Russland und Polen, mit China und erzählt so eine Gesamttheorie der globalökonomischen Entwicklung der letzten 30 Jahren als Kombination von amerikanischem Jingoism plus einer Wirtschaftstheorie, die die gesamte Welt als Labor betrachten kann. Die Ergebnisse dieser Mischung – selbst wenn man an manchen Stellen des Buches diese Mixtur etwas marktschreierisch empfindet und Klein mitunter etwas in den Bereich der Verschwörungstheorie kippt – ist im höchsten Maße fesselnd und erschreckend, spannend wie ein Krimi und mindest ebenso blutig. Auf Kleins Leinwand verschwimmen vom Pinochet-Regime bis zum Irak Krieg alle Kriege, Diktaturen und selbst Naturkatastrophen zu einem Werkzeug der «Friedmanites», die über die Kontrolle der Weltbank und anderer amerikanischer Einrichtungen nach und nach eine bestimmte Geschmacksrichtung kapitalistischen Denkens weltweit durchsetzen und aus der Schumpeterschen «Kreativen Zerstörung» eine gezielte Methode zur Erreichung politischer, vor allem aber großwirtschaftlicher Interessen entwickelten. Friedman, und im weiteren Verlauf des Buches Jefferey Sachs, können mit Unterstützung einer neuen Welle von Politiker wie Thatcher, Reagan, Jeltzin und im Zuge von einer dominosteinartig losgetretenen Veränderungswelle in der Welt soziale Ausnahmezustände und die dadurch resultierende Verwirrung, das politische Vakuum, nutzen, um ihre marktliberalen Modelle in der Praxis zu testen – mit oft verheerenden Folgen für die Bevölkerung – und an dieser Stelle kommt für Klein die ökonomische Schocktherapie und die herkömmliche Foltertechnik wieder zusammen, weil die protestierenden Bürger mundtot gemacht werden müssen.

Obwohl Klein oft zu überdramatisierenden Mitteln greift – die entsprechend häufig kritisiert wurden – und oft allzu offensichtlich eine Art linke Verschwörungstheorie von «Big Money», CIA und den Vereinigten Staaten heraufbeschwört, die insgesamt ein wenig zu vertraut, zu bekannt, zu abgegriffen klingt, gelingt ihr ein überzeugendes und hochspannendes Buch zur Zeit, das an vielen Stellen wahrscheinlich sogar zu eng denkt, zu wenig in die Verstrickung von Geld und Politik einsteigt – vielleicht auch, weil diese Vernetzung komplizierter und feingewebter ist als Kleins grobe Theorie erlaubt. Dennoch ist The Shock Doctrine ein wichtiges, ehrlich empörtes und wütendes Buch, das durchaus emotional und insofenr bewegend Wirtschaft nicht als abstrakte Theorie, sondern als angewandte Politik, als Machtkampf spürbar macht. Keynes und Friedman sind bei Klein keine Denkschulen, sondern konkurrierende geopolitische Meme, und in Kleins Buch wird der Siegeszug der «Free Market»-Anhänger zu einem sinistren Durchmarsch dunkler Neocon-Kräfte – etwa so als habe Dan Brown Marx’  Kapital neu umgeschrieben. Shock Doctrine beschreibt, wie ein modernes Feudalsystem von Oligarchien aus Politik und Wirtschaft weltumspannend entsteht, das auf Schocksysteme fast wartet – und diese teilweise auch gezielt herbeiführt -, um die eigene Position auszubauen und eine ungerechte Verteilung von globalen Wohlhaben zementiert. Es ist ein Buch, das mit dem Mythos, der Kapitalismus brauche Demokratie, aufräumt und nur zu deutlich macht, dassein ungebremster «freier» Markt unfrei wird und nahezu unweigerlich in totalitären Polizeistaaten mündet, in denen streikende Arbeiter, protestierende Studenten und unliebsame Journalisten einfach verschwinden. Der von Klein aufgezeichnete Desaster-Dreiklang – natürliche Schockzustände durch Katastrophen, künstliche politisch oder wirtschaftlich herbeigeführte Ausnahmezustände und schließlich der Schock von Polizeiknüppel und Wasserwerfern -, die oft kompromisslose politische Durchsetzung wirtschaftlicher Zielvorgaben. die zu enge parasitäre Symbiose von Wirtschaft und System (bei der nicht mehr ganz klar ist, wer eigentlich das Wirtstier ist), in der jede Form sinnvoller Kontrolle und Steuerung unmöglich wird… all das wirkt vor der Folie des zweiten Irak-Krieges aber auch der aktuellen Finanzkrise nahezu prophetisch.

Dabei ist die Erkenntnis vom bösen Kapitalismus natürlich so neu nicht, Klein kann sich da mit Rosa Luxemburg die Hand geben, sondern eher eine Reinterpretation, eine Modernisierung und zugleich eine mitunter fast persönlich wütend wirkende Abrechnung mit Friedman.Man nimmt Klein dabei jederzeit die glaubhafte Empörung ab, auch wenn man immer wieder beim Lesen denken muss, dass die Welt beileibe nicht so simpel und schwarzweiß ist, wie Klein sie skizziert und auch keineswegs so steuerbar. Dass aber – und auch lange vor Milton Friedman und seinen Chicago Boys, auch lange bevor es den Begriff «Kapitalismus» gab – seit Menschengedenken immer wieder Profiteure Krieg und Leid zu ihrem eigenen Vorteil nutzen oder auslösen, ist keineswegs neu. Was Klein beschreibt, sind lediglich die modernen Mechanismen einer Welt, die schon immer ungleich war – und es wahrscheinlich leider immer bleiben wird – in der die 10% der Mächtigen mit den 90% der Machtlosen paradoxerweise machen können, was sie wollen, weil jede noch so undenkbare und bizarre Handlung offenbar ohne Konsequenzen bleibt. Niemand hat Thatcher für Falkland vor Gericht gestellt, und auch für Bush, Rumsfeld et al wird der Irak-Krieg 2.0, der unverbrämt wie nie ein großer moderner Krieg seit Jahrzehnten zuvorderst dem nackten Gewinnstreben diente, keinerlei böses Nachspiel haben – trotz mangelnder Kriegsgründe, trotz Terrorlage, trotz dreckiger Bomben, trotz Folter. Man muss kaum erwähnen, dass auch die Finanzspekulanten, die mit ihrem Spiel die Volkswirtschaften tief in die roten Zahlen getrieben haben, keine Sekunde befürchten müssen, als gesamtes, als System, abgestraft zu werden. Ganz im Gegenteil ist im Kontext von Kleins Theorie natürlich auch die Finanzkrise nur ein «Schock», den sich neoliberale Kräfte langfristig zu Nutze machen können. Ob richtig oder falsch – Klein leistet sich den Luxus einer Überzeugung, und das ist selten genug geworden.

Was Klein also beschreibt – und auch nur holographisch, in Form von Splittern und Teilaspekten – ist die Organisation der modernen Welt unter den Aspekten von Gier und Habsucht. Ich bin nicht sicher, ob ich ihr darin folgen will, dieser Organisation eine Art gezielten Gesamtwillen, eine Art Kabale der Neokonservativen, innewohnend zu sehen… oder ob es nicht doch nur so ist, dass der Kapitalismus an sich eine Art amorphe Gesamtgestalt für den Egoismus jedes einzelnen ist, die Summe der Teile vieler kleiner einzelner Fälle von sinnloser Raffgier und Machmissbrauch, die sich wie ein Tangram zu einer sinnvoll erscheinenden Gesamtfigur zusammenlegen lassen. Wo Klein eine weltumspannende Intrige sieht, die es aufzudecken und zu bekämpfen gilt, sehe ich einen Ausdruck menschlicher Natur, eine Kumulation und Großschreibung ganz alltäglicher menschlicher Unzulänglichkeiten. Es hat seinen Grund, dass wir von Ägypten über Rom über das Dritte Reich und Stalin bis heute in deutlich diffuserer Form in Systemen leben, die einen kleinen reichen Kern selbsternannter Anführer haben und einen großen Mantel von Angeführten. Es mag eben seinen Grund haben, dass wir Millionen von Arbeitslosen haben – und weltweit eine unerträgliche und unnötige Not- und andererseits der im Wirtschaftssystem stets postulierte Mangel als Basis von Verteilungsungerechtigkeiten kaum noch haltbar ist, da wir lokal im Überschuss als in einem Mangelsystemleben und auch global längst gerechte Umverteilungsmodelle denkbar wären… und eben dennoch nichts passiert. Anders gesagt ist der Kapitalismus wahrscheinlich einfach nur die (post)moderne Ausführung einer Art von gesellschaftlicher Gliederung, die relativ stabil die Jahrhunderte überdauert, die eventuell nie verschwinden wird und die vielleicht, wenn auch auf eine durchaus zynische Art, ihre Berechtigung hat.

Aber dieser etwas abstrakte Aspekt hat natürlich wenig mit der Entrüstung und Wut zu tun, die The Shock Doctrine beim Lesen auslöst – und das ist durchaus gut. Es ist in Zeiten einer«Linken» in der Gesellschaft, die in Funktionärstum oder Selbstzerfleischung gefangen ist, wohltuend zu lesen, wieviel Klarheit und Kraft zum einen ein klares (wenn auch eben mitunter bedenklich klares) Feindbild und eine positive Gegenvision in den Händen einer geschickten Autorin entfalten können. Während es bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein nahezu einen Kampf von systemischen Ideen gab und Demokratie, Kommunismus, Faschismus sowie Kapitalismus in seiner fastnoch-Manchester-Ausprägung um die Köpfe und Herzen der Menschen kämpften, gibt es heute keine offizielle Alternative mehr zu dem inzwischen global etablierten ökonomischen Marktsystem, das an sich auch kaum noch als «echter» Kapitalismus zu bezeichnen ist – und das durchaus, was Klein ausblendet, neben Elend auch viel Wohlstand gebracht hat, wenn vielleicht auch nur in bestimmten Regionen der Welt. In den kommenden Jahrzehnten wird sich zeigen müssen, ob ein System wirklich zivilisatorisch zielführend ist, dass das Wohlergehen des Einzelnen so eindeutig vor die Interessen der Vielen stellt, das auf Wachstum und nicht auf Saturation abzielt, das aber vor allem insofern systemisch blind ist, als dass es nur in ökonomischen Begriffen denken kann und entsprechend alles in diesem Paradigma betrachtet – Bildung, Gesundheit, die Qualität von Leben und Tod. Man merkt dem modernen Kapitalismus einen Hauch von fin de siècle an, ein letztes Abräumen des Buffets, die Reparaturversuche an einer längst defekten Maschine. Zugleich ist der Kapitalismus aber auch nicht abzuschreiben – er ist wie Jazz, er kann mit allem. Demokratie, Diktatur, links, rechts – Hauptsache es gibt einen Gewinn zu machen. Insofern ist nicht zu unterschätzen, dass eine Autorin an der Selbstverständlichkeit, der Axiomität dieses Systems kratzt und die Frage nach den Kosten stellt – und zugleich klar und verständlich, weit entfernt von großen Systemwechsel-Allüren, ein Gegenmodell entwirft, das eine fairere und direktere, nivelliertere Gesellschaft mit einem erstarkten (Wohlfahrts-)Staat skizziert (und natürlich entsprechend grob auf Keynes basiert). Die Leistung von Klein liegt in der Synthese verschiedenster Puzzleteile zu einem (subjektiven) Gesamtbild, in der Wut und Empörung und der schieren Energie, die die Autorin ausstrahlt. Das ihr dabei Neokonservative, Marktliberale, Großunternehmen und Politiker zu einer undifferenzierten Suppe verkochen, dass sie nicht selten historische Ereignisse gezielt auswählt um ihre Theorie zu stützen (und andere Ereignisse ausblendet), dass sie an keiner Stelle psychologisch ordentlich auf die Grundlagen der Schocktherapie oder wirtschaftswissenschaftlich auf Friedmans Theorien eingeht, sondern stets sehr oberflächlich bleibt, tun dieser Energie an sich keinen Schaden – wohl aber der Botschaft des Buches, das eben spannend und fesselnd und ergreifend ist, aber auch oberflächlich und einseitig. Das Naomi Klein aber Wirtschaftstheorie und Machtpolitik spannend wie einen Krimi verbindet und damit beweist, dass Politik keineswegs langweilig und schaumgebremst sein muss, sondern ordentlich brennen kann, ist der große Verdienst des Buches.

4. Oktober 2009 07:32 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . Keine Antwort.

Paperworks

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Nora Gummert-Hauser ist zusamen mit fünf Studenten der FH Krefeld – und einer ganzen Reihe von namhaften Künstlern und Designern wie Klaus Staeck, Fons Hickmann, Andreas Uebele, Uwe Loesch, Markus Hanzer und vielen anderen, die sich auf die eine oder andere Art und Weise mit Papier befassen – auf eine Reise in die Welt der Papiere gegangen, die alle Grenzen sprengt. Das Ergebnis ist eine monströse 1200 Seiten umfassende, fast fünf Meter große Buchinstallation,  die das Paperworks-Team an Stand N24 in Halle 4.1 auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren wird. So wie die Dinge derzeit aussehen, werde ich es wohl nicht auf die Buchmesse schaffen – obwohl ich wirklich gern dort wäre – aber ihr solltet alle allein schon wegen Paperworks dahin, oder z.B. auch wegen der «Einzelstücke» der FH Dortmund. Ich weiß aus Erfahrung, wie schwer solche Projekte mitunter sein können und 1200 Seiten klingt nach einem fulminanten Ergebnis, auf das Nora und ihre Studenten (Michel Holzky, Julia Pardon, Sebastian Steinhoff, Kai Tusar und  Miriam Unger) ordentlich stolz sein können und hoffentlich auch sind.

3. Oktober 2009 08:46 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Edward St. Aubyn: Some Hope

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Edward St. Aubyns semi-autobiographische Patrick-Melrose-Trilogie Some Hope ist ein zurecht von der Kritik gefeiertes Buch – das bittere, zynische und zugleich hochkomische Portrait einer Jugend, die durch Mißbrauch gezeichnet wird, die schließlich in den Drogentrip und zu einer Art von Läuterung führt, ist kalt, luzide und analytisch. Und ließ mich dennoch überraschend kalt. Vielleichtist mir der Stoff zu britisch, zu stiff, abgehandelt, vor allem das erste Buch Never Mind liest sich stellenweise wie ein etwas braverer Tom Sharpe, wenn auch die Bosheiten und Wortgefechte brilliant getimed sind. Vielleicht auch nur, weil es mir nie gelang, zu einer der Figuren eine Beziehung aufzubauen, selbst zum jungen Patrick nicht, weil sie grell flirrende Grosz-Karikaturen bleiben, die der Autor in kurzen Vignetten ein- und ausblendet und nur mit grober Kohle zu Papier bringt. Das zweite Buch, Bad News zeigt die Folgen von Akt I, einen suizidalen, im Wortsinne lebensmüden Patrick, der sich gelangweilt zwischen Restaurants, Hotels und der Drogenbeschaffung die Zeit vertreibt und eine Irvine-Welsh-esquen Trip erlebt. Der dritte Teil schließt den Kreis und kehrt zum episodenhaften Erzählstil von Never Mind zurück und zu den oberflächlichen Petitessen der Upper Class, diesmal mit feinem Bleistift statt mit Kohle festgehalten, mit mehr Graunuancen und feineren Details – und einer schreikomischen Princess Marger. Das Problem ist, das man die Ennui und Leere der (britischen) Oberschicht und die Frage nach der Existenzberechtigung einer Gesellschaftsklasse, die so ausgebrannt und zynisch ist, dass ihr Lebensinhalt die jeweilige gegenseitige mehr oder minder elegante Demütigung zu sein scheint, bereits mehrfach und zum Teil beileibe auch nicht schlechter gelesen hat – so dass man beim Lesen der Trilogie immer wieder eine Art lähmendes Deja Vu zu haben scheint. Das gilt insbesondere für Bad News, vielleicht weil die nihilistische Mischung aus New York, urbanen Lifestyle und Drogen erschreckend an eine Art verwässerten, milderen Bret Easton Ellis erinnert. In einem Buch voller egozentrischer und verbogener Charaktere fällt es dem Leser schwer, eine Identifikationsfigur zu finden, zumal vor allem Patrick Melrose selbst oft in die Rolle der Nebenfigur gedrängt ist und die Bühne frei machen muss für die schillernde Snobshow der High Society, deren Figuren aber selbst oft oberflächliche Pappcharaktere bleiben, die einander demütigen und übereinander lästern, ohne dass eine grundlegende Motivation für das Verhalten der Figuren erkennbar ist – anscheinend reicht dem Autoren schon allein die Zugehörigkeit zum Geldadel, um Menschen zynisch und kalt werden zu lassen. Bei aller Bewunderung der grandiosen Dialoge und der scharfen Beobachtungsgabe von St. Aubyn, mutieren seine Figuren beim Lesen nach und nach zu Kasperlefiguren, denen der Puppenspieler nur seltendie Illusion echten Lebens einhauchen kann. Wodurch zugleich auch die Empathie mit Patrick Melrose ausbleibt, der kein Mitleid auszulösen vermag, sondern wie ein gequältes Insekt unterm Mikroskop ausgestellt bleibt, irritierend, fremd. Dazu kommt, dass der dritte Teil nach dem furiosen Bad News seltsam sanft und ausgebremst wirkt, vielleicht passend, um das Lebensgefühl eines geläuterten Ex-Junkies zu reflektieren, sicher aber kein Höhepunkt einer Trilogie, sondern mehr ein Nachgedanke.

2. Oktober 2009 08:52 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

Bunnies!

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via Tiny Titans 20.

05:23 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.


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