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Booooak

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29. Juli 2009 14:28 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . 6 Antworten.

Zu verschenken 29: Satztechnik Typographie

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Und noch ein Typographie-Klassiker aus dem Restbestand: Der erste Band der Reihe Satztechnik und Typographie.
Wer mir bis Freitag das schönste Photo fürs Blog per Mail zuschickt, kriegt das Buch.

27. Juli 2009 15:53 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Zu verschenken 28: Die Photos

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Benjamin

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Daniela

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Dominique

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Felix

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Peter

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Simone

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Tobalo

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Marcus

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Peymaneh

Auch wenn sonst gerade nicht viel im Blog passiert, schaffe ich immerhin das Giveaway. Die letzten vier Bücher gehen heute in die Post und hier sind brandneue Bilder. Die ich alle sehr mag, aber nach langem hin und her zwischen Peter und Felix kriegt Felix diesmal den dicken Wälzer.

15:42 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . 7 Antworten.

Zu verschenken 28: Typo Wann Wer Wie

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TYPO von Friedl, Ott und Stein stellt schön bebildert und umfangreich Menschen, Werkzeuge und Chronologie der Typographie vor.
Wer mir bis Freitag das schönste Photo fürs Blog per Mail zuschickt, kriegt das Buch.

20. Juli 2009 18:38 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

Zu verschenken 27: Die Photos

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Denny

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Jann

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Johannes

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Paul

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Philipp

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Tobalo

Und hier die Photos zu diesem Buch… Gewinner ist dicht gefolgt von Denny, Tobalo – ein absolut perfektes Buchcover (Front und Rückseite), nebenbei gesagt. Alle deine Bilder sehen aus, als würden sie Fundstücke aus der Vergangenheit sein, sehr schön.

18:34 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . 5 Antworten.

Harry Potter und der Halbblutprinz

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Eine Vorbemerkung: Ich frage mich immer noch, warum die deutschen Übersetzung des Titels so falsch sein muss. The Half-Blood Prince ist eben nicht Der Halbblutprinz, sondern Das Halbblut «Prince» («Prince» bezieht sich auf den Namen von Eileen Prince, der Mutter von Severus Snape, das «Halbblut» auf die Tatsache, dass sein Vater ein Muggle ist). Solche gravierenden Übersetzungsfehler sind schade.

Der sechste Teil der Harry-Potter-Filmsaga lässt sich eigentlich auf einen Moment reduzieren, in dem Dumbledore seinem Studenten Potter darauf hinweist, dass er sich einmal rasieren müsse. Als wäre es nach den hormongeladenen Minuten zuvor, in denen zwischen Ginny und Harry, Ron, Hermione und Lavender Brown sowie diversen anderen Teenagern die Funken sprühen, Liebestränke ausgetauscht und Schulhofkämpfe ausgefochten werden und auch ansonsten Teenags Kicks aller Art stattfinden, noch nötig gewesen, ausdrücklich darauf hinzuweisen, bringt Dumbledore den Film auf den Punkt: Harry Potter wird erwachsen. Tatsächlich ist es ja fast schockierend, wie sich die Darsteller seit der ersten Verfilmung verändert haben (ein surreales Portrait des Erwachsenwerdens), und der Film muss darauf vielleicht intensiver reagieren als das Buch, wo der Alterungsprozess nicht so offen sichtbar ist, sondern im Kopf des Lesers weichgezeichneter bleibt.

Insofern macht es vielleicht Sinn, das Steve Kloves sich in seiner Adaption des sechsten Harry Potter-Buches von J.K. Rowling auf die im Buch eher gleichgewichtig wenn nicht nebensächlich abgehandelten Liebeseskapaden stützt – um die Tatsache zu verarbeiten, dass die Besetzung des Films so  erschreckend erwachsen geworden ist und auf der Leinwand viel mehr als im Buch so gar nicht mehr in die (dementsprechend zunehmend pseudo-)magische Phantasiewelt zu passen scheint. An sich wäre das auch sicher kein Problem, wenn der Film darüber nicht so ganz und gar vergessen würde, was seine eigentliche Aufgabe ist: Als vorletzter Film (rechnerisch nicht, da das letzte Buch in zwei Filme verpackt sein wird) den großen Konflikt zwischen Voldemort und Harry vorzubereiten. Aber das Gefühl einer schleichenden Bedrohung, eines schleichend, aber doch fast komplett von Voldemorts Death-Eaters übernommenen politischen Systems, stellt sich beim Betrachten des Films keinen Moment ein. Selbst wenn Regisseur David Yates aus X-Men III eine Brückenzerstörung entlehnt, um etwas popcornkomaptibles Emmerich-Desaster auf die Leinwand zu bringen, wird man das Gefühl nicht los, hier eher Voldemorts Handlanger wie eine Meute wildgewordener Teenager einen Joyride veranstalten zu sehen, zumal einer Form, an der man sich bei jedem beliebigen Actionfilm sattgesehen hat. Die Chance, ein Gefühl von echter Bedrohung aufzubauen, das Dunkle vor dem Licht wirklich machtvoll zu inszenieren und den Kampf, den Potter vor sich hat, als ungewinnbar zu stilisieren, wird vertan. Nicht einmal in der fast geschlossen wirkenden düsteren Diagonalley stellt sich ein Gefühl von Ernsthaftigkeit ein, weil der Film auch hier sofort durch lustige Magie-Clownereien im Weasley-Shop kontern muss, und dabei dem Potential, erwachsener geworden zu sein, auf der Handlungsebene nicht gerecht wird.

Es ist fast interessant, dass Kloves und Yates die Chance, eines der düstersten Exponate der Reihe zu produzieren, die große Verzweiflung vor dem finalen Konflikt auszukosten, das Stars Wars II der Potter-Reihe zu sein, so konsequent umschiffen und sich statt dessen auf ein Teenie-Drama konzentrieren. Etwas wenn Draco Malfoy (der inzwischen wie eine Mischung aus David Bowie und Eminem aussieht, eher popstar-cool als angsteinflößend) dick aufgetragen emotional wie ein Soapdarsteller auf dem Balkon steht und tragisch in die Nacht blickt oder wenn Ron und Lavender kichernd herumknutschen. Als Warner-Brothers-Film tut HP VI natürlich einiges, um modern düster auszusehen und den den Erfolg von Dark Knight anzuknüpfen, fährt aber eigentlich nur oberflächlich einige düstere Gothic-Bauten und Trickeffekte auf, unter dem schwarzen Emo-Make-Up schimmert stets im Grunde High-School-Musical durch.

Diese Betonung reiner Soapelemente ist umso bemerkenswerter, als dass sie auf Kosten entscheidender Momente der Vorlage und damit der tatsächlichen Handlung geht. Es fehlen zahlreiche Details – zu viele, um sie hier aufzuzählen, aber durchaus zentrale Szenen, die nicht nur die Handlung dieses und des nächsten Buches determinieren, sondern auch für viele Figuren eine Art letzter Auftritt darstellen  – die wichtiges Setup für den nächsten Teil wären, aber es fehlen auch zentrale Bausteine wie der Kampf um Hogwarts, Dumbledores Beerdigung oder das abschließende Gespräch von Ginny und Harry. Was also fehlt, am Ende des Films, ist das Bewusstsein, aber vor allem auch die Begründung für Harrys Entscheidung, im siebten Band zunächst ganz allein gegen Voldemort kämpfen zu wollen und sich vorübergehend von Ginny zu trennen, um sie zu schützen. Ein desaströser Kampf um Hogwarts, das am Ende des Films in Ruinen hätte liegen können (wenn man das Weasley-Burrow abbrennt, wäre diese Freiheit sicher auch denkbar gewesen), hätte ein ganz anderes Ende, eine viel stärkere Motivation ergeben als das tatsächliche Ende des Films, das zu keinem Moment deutlich macht, warum Harry nun nach langem Warten gegen Voldemort ankämpfen will. Dumbledores Tod kann die Motivation kaum sein – er findet bestenfalls als Randnotiz statt. Und auch der Konflikt mit Tom Riddle kann es kaum sein – der Film verpasst die Chance, den im Buch ausgiebig vorgestellten Gegenspieler zu portraitieren und belässt es bei einigen wenigen Passagen, die eher unglücklich an Omen III erinnern als Riddle wirklich Aura zu verleihen.

Was der Film liefert, wahrscheinlich unfreiwillig, ist Subtext. Wenn Ron als Torhüter auf seinem erigierten Stab unsicher herumrutscht, wenn am Ende die jungen Zauberer mit ihren kleinen Stäben in der Hand weiße Energie in die Wolken sprühen, zahlreiche andere Szenen, die – hoffentlich unbewusst – etwas geschmacklos das Thema Sexualität metaphorisch anschneiden, aber etwa so unpassend wirken wie der homosexuelle Camp-Unterton in den Batman-Comics der 60er Jahre. In ihren Büchern greift Rowling immer wieder die typisch britische Internatsliteratur auf, die man hierzulande bestenfalls als Schloss Schreckenstein kennengelernt hat, das Zusammensein mehrerer Jugendlicher beiderlei Geschlechts unter einem Dach und die daraus resultierenden Spannungen untereinander beziehungsweise mit den Lehrern, den Wettkampf zwischen Nerds und Jocks, die romantischen Verflechtungen, die Eifersüchteleien, diesen ganzen Mikrokosmos von Gesellschaft portraitiert anhand typisch britischer Lerneinrichtungen, komplett mit Wappen, Uniformen und skurrilen Lehrern. Es im Subtext nun aber derart zugespitzt zu sehen, kann eigentlich nicht im Interesse der Autorin liegen. Selbst auf dieser Ebene vertut der Film die Chance, über Erwachsenwerden und Ausbrechen zu räsonieren, den Untergang von Hogwarts als Bild für den Verlust von Unschuld zu nutzen, zugleich als Ausbruch in das Erwachsenwerden, die Dialektik zwischen Teenagerrebellion und Anpassung auszuloten. Stattdessen bleibt es bei leicht klebrig und unfreiwillig komischer Metaphorik, die den Film eher herabzieht als ihn aufzuwerten.

Es ist seit jeher die Crux allen Kinos, dass Bücher in ihrer Tiefe und Breite unverfilmbar sind, und erneut beweist die Harry-Potter-Serie erfolgreich, dass dies auch schon im Jugendbuchbereich zu stimmen scheint. Umso schlimmer, als dass Rowling zunehmend kinokompatibel geschrieben hat und ihren Büchern sehr bewusst zwischen leinwandtauglichem Handlungsfaden und Pufferelementen unterscheidet, die relativ schmerzlos als Bonus-Material für eine DVD verfilmt werden, im Kino aber überflüssig sein dürften. Interessanterweise geht der sechste Teil der Verfilmung den umgekehrten Weg, verzichtet auf zentrale Handlungselemente des Buches – darunter auf zwei drei wirkliche Höhepunkte, die vielleicht als Flashback in Teil VII integriert werden – und fokussiert sich auf die Füllelemente des Buches, die unterm Schneidetisch hätten landen müssen. Das Ergebnis ist ein relativ geschwätziger und fahriger Film, der sprunghaft wirkt, dessen Handlung keinerlei Erklärung mehr hat (die Horcrux-Idee ist schon im Buch schwierig und etwas deus ex machina, im Film aber ist sie 100% unverständlich), der neue unnötige Elemente hinzuerfindet und der mit einer fast erfreulichen Frische dem Publikum und der Buchvorlage den Mittelfinger zeigt und statt dessen zielstrebig den Vermarktungsstrategien von Hasbro-Filmen folgt. Harry Potter ist damit endgültig, leise aber sicher, dort angekommen, wo alle Franchise-Verfilmungen von Star Trek bis GI Joe früher oder später landen, in einem seltsamen Spagat zwischen einem filmischen Zitatenspiel für die Fans, denen es reicht, Elemente «ihres» Kosmos verfilmt zu sehen und denen die Insidergags fast wichtiger sind als die große Linie, und reinem Popcornkino für die breite Zielgruppe der 12-20-jährigen, die zunehmend weniger eine Handlung oder Erzählung wollen als vielmehr eine lose Aneinanderreihung von «big moments», von eruptiven emotionalen Bildern, die kontextfreien Eskapismus ohne Reflektionsaufforderung  erlauben, die den visuellen Charakter von Konsolenspielen haben und zugleich deren assoziative, nonlineare Handlungsfreiheit aufgreifen. Potter, insofern, ist ein weiterer Schritt in der Verzahnung der Gefühls-Ästhetik von Kino und Gaming – unterstrichen durch den zunehmenden Anteil an 3D-Trickeffektspektakel – unter völligem Verzicht auf scheinbar sinnlosen Ballast wie Kohärenz, Inhalt, Aussage. Es ist ein Kino der Eskalation, der großen Bilder – die an sich aber leider zunehmend abgegriffen, ausgeleiert wirken, weil sie in jedem Film aus der stets gleichen Software generiert sind, in einer Art Spiegelkabinett der digitalen Selbstzitate, nur technisch immer weiter verfeinert, näher an die Wirklichkeit gerückt. Es ist Realfilm, der zunehmend den Regeln des Cartoons und des Comic gehorcht, der basaler, primitiver, pornographischer wird, sich mehr und mehr dem Stammhirn zuwendet, ein rohes, verdummendes Stück Kino, dass aber kommerziell natürlich hervorragend funktioniert… nicht nur im Sinne von Box Office und DVD-Verkauf, sondern im Kontext der gesamten Vermarktungskette, die einen Franchise-Kosmos auszeichnet. Insofern kann man es Potter VI nicht vorwerfen, eine schlechte Buchverfilmung zu sein – es ging stets nur darum, ein guter Soldat in der Reihe von Spielzeugen, Plakaten, Bettwäschen und McDonalds-Incentives zu sein. Dass ein Film mit dieser Primärfunktion sich von der für das vom Marketing angestrebte Publikum bei aller Einfachheit des Buches immer noch zu komplexen Vorlage lösen muss und sich auf das Niveau einer Teeniekomödie mit einigen Explosionen begibt, ist nur zwangsläufig. Die Düsternis, die die Werbeplakate für den Film verbreiten, darf der Film nicht einlösen, er würde sein Publikum vergraulen, das hier im Banalen den fröhlichen Eskapismus sucht. Nicht umsonst ging durch das Publikum ein «Ahhhh… » als bei den Trailern der nächste Twilight-Film angekündigt wurde, der sich zum Thema Vampir in etwa so verhält wie Potter zu Fantasy.

Harry Potter ist sicher keine komplexe Weltliteratur, sondern eine schlichtgemütige Jugendbuchreihe, die nur durch eine Art Grassroots-Effekt zu vielleicht dem erfolgreichsten Buch der letzten Dekaden geworden ist – zu vielleicht dem letzten Buch, auf das man sich genereationenübergreifend einigen konnte,  gerade weil es keine großen Inhalte und Aussagen traf, weil es ein relativ einfaches, handlungsorientiertes, durch schmale Handlungsbögen ausgezeichnetes Gebräu aus diversen eigentlich ja bereits existierenden Ideen ist, niemanden herausfordert. Es hätte ein leichtes sein sollen, diese Serie zu verfilmen. Vielleicht nicht so sehr als Kinofilme, sondern eher als TV-Serie – jedes Buch eine Staffel. Die nötigen Trickeffekte sind heute längst für TV-Produktionen umsetzbar und der Alterungsprozess der Darsteller wäre nicht irritierend, sondern Bestandteil des Konzeptes gewesen, der Stoff hätte mit seiner Balance aus Soap und Action hier eine ideale Umsetzung finden können(ein gutes Team vorausgesetzt) und Warner hätte am Ende wahrscheinlich auch nicht weniger Geld verdient.

Wie die Dinge stehen, geht es einem mit der Filmserie ein wenig wie mit den Büchern – man hat es angefangen und wird jetzt sicher auch den letzten Teil noch mitnehmen, aber die Luft ist raus, die Magie verflogen, beim Film unvorstellbarerweise noch stärker als bei der Vorlage, die sich gegen Ende auch nur noch an Insider wandte und hinschleppte, unweigerlich die Leichtigkeit der ersten Bände verloren hatte, um sich in eine Art metaphernüberladener, nicht sonderlich gelungener Tolkien-Kopie zu verrennen. Große Hoffnung auf einen siebten (und «siebeneinhalbten») Film darf man also vielleicht nicht hegen.

11:42 Uhr. Kategorie Film. Tag . 6 Antworten.

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19. Juli 2009 00:01 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Mandela Day

Heute ist Nelson Mandelas 91. Geburtstag. Um den legendären Anti-Apartheid-Aktivisten, der fast 30 Jahre inhaftiert war, zu feiern, veranstaltet die nach seiner Gefangenennummer 46664 benannte weltweite Anti-AIDS-Kampagne der Nelson Mandela Stiftung heute online ein Make-an-Imprint-Event. Du kannst dich online registrieren, auf dem «Handwall» einen Abdruck hinterlassen und 67 Minuten dieses Tages stiften, um etwas besonderes zu tun. Hier.

18. Juli 2009 09:27 Uhr. Kategorie Leben. Tag . Keine Antwort.

Stern

08:56 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Eine Antwort.

Schauraum III


Wir haben heute in Dortmund unserer neuen Mitarbeiterin Katharina Mönkemöller geholfen, ihre Diplompräsentation vorzubereiten. Denn ab morgen gibt es an der FH Dortmund Schauraum III, jede Menge Diplom aus Design und Photo zu sehen. Wenn alles klappt gehe ich Samstag mal schauen und zeige Photos.

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16. Juli 2009 21:32 Uhr. Kategorie Design. Tag . 5 Antworten.

9 to 5 – Days in Porn

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Ich erinnere mich noch gut, mit Hendrik Lietmann beim Clownfisch-Schöpfungsrelease über Dokumentarfilm an sich gesprochen zu haben. Ich glaube, dass der Dokumentarfilm – für die Ruhrakademie im besonderen, aber auch ganz allgemein in Deutschland – mehr Chancen hat und auch besser zu produzieren ist als «echter» Spielfilm. Die meisten deutschen Spielfilme, vor allem die aufwendig produzierten, lassen mich überraschend kalt, weil sie narrativ oft nur amerikanische Muster wiederkäuen und keinen eigenen Stil gefunden haben, ganz abgesehen davon, dass es in Sachen Produktion und Ästhetik im Internationalen Vergleich oft einen ziemlichen Durchhänger gibt. Ausnahmen, es gibt natürlich grandiose deutsche Spielfilme, bestätigen die grobe Regel. Was auch kein Diss ist gegen den deutschen Spielfilm, sondern eher die Erkenntnis, dass sich Dokumentarfilme mit kleinerem Budget und einer guten Idee viel kleiner und mobiler realisieren lassen und trotzdem im höchsten Maße kinotauglich sind, wenn sie – im Stile der post-Michael-Moore-Ära – Unterhaltung und Neugier gut mischen. Ob Full Metal Village oder Comeback, deutsche Dokumetarfilme die den Sprung ins Kino schaffen, überzeugen meist mehr als Spielfilm. Und ich glaube, die FHs und Akademien tun gut daran, diesen Trend zu fördern. Nicht nur, weil Produktionskosten und Vermarktungschancen wahrscheinlich potentiell etwas besser sind, sondern auch, weil das echte Leben oft spannender und sehenswerter ist als der reine fiktionale Eskapismus. Der Dokumentarfilm hat lange Zeit ein verwaistes Dasein im TV gespielt und ich glaube, er wird im Kino, aber vor allem auch im Internet durch die neuen technischen Möglichkeiten, mit einfachsten Mitteln zu filmen (DSLR, iPhone usw) einen ganzen Trend zum Dokumentarischen geben, der zugleich auch den Wunsch des Publikums, gute «Reality-Fiction» zu sehen, trifft. Dass dabei selbst kleinste lokale Themen einen guten Film abgeben können, zeigte seinerseits beispielsweise Julia Butterwegges Diplom über eine WG, in der über zwei Generationen auf drei Etagen zusammen gewohnt haben. Gerade für Studenten ist der Dokumentarfilm eine Chance, relativ schnell, mit überschaubareren finanziellen Mitteln (aber meist höherem persönlicherem Aufwand) einen Film zu produzieren, der ein größeres Publikum bannen kann und keine Sekunde Gefahr läuft, sich mit den Trickeffekten von Transformers 2 messen zu müssen.

Der Clou des Dokumentarfilms ist natürlich oft, dahin zu gehen, wo es wehtut, voyeuristisch zu arbeiten, einen Einblick in eine verborgene Sphäre zu gewährleisten oder aus dem Banalen und Vulgären etwas besonderes zu melken. Der Münchener Regisseur Jens Hoffmann ist mit 9to5 einem Thema nachgegangen, dass einerseits banal ist, andererseits anscheinend nach wie vor genug im Schatten liegt, um ausgeleuchtet werden zu können. Man sollte meinen, dass nach zig RTLII-Dokus über Pornographie keine Luft mehr für einen dokumentarischen Film über einen von Amerikas größten Wirtschaftszweigen wäre, aber Hoffmanns Film hebt sich wohltuend von jedem reißerischen oder voyeuristischen Ansatz ab. Fast elegant schafft er es auch beim Draufhalten auf Sexsszenen, so zu filmen, dass es nie um reine Fleischbeschau geht, sondern immer um die Gesichter, um die Darsteller, an denen seine Kamera minutiös klebt. Mit kleinster Crew gedreht – nur zwei Leute – und in höchster Nähe zu den US-Porndarstellern, bei denen Hoffmann teilweise über die fünfjährige Produktionszeit während seiner Zeit in LA gelebt hat, erzählt 9to5 eine Geschichte, die zeigt, welche Kraft in Dokumentarfilmen liegt, wenn sie sich Zeit lassen. Die Tatsache, dass Hoffmann in bestimmten Abständen immer wieder die gleichen Protagonisten besucht und man Zeuge ihrer Entwicklung wird, verleiht dem Film seine Kraft. Mehrfach gelingt Hoffmann eine kühle Dekonstruktion der Träume der Darstellerinnen, entweder durch geschickte Gegenschnitte von Statements oder einfach durch die schiere Degeneration der Actors. Wenn etwa Audrey Hollander im Verlauf der Films immer mehr abrutscht und vor laufender Kamera die Crackpfeife im Mund hat, wenn Otto Bauers Statements kaum Zweifel am Zustand seiner Beziehung zu Audrey lassen, wenn Mia Stone vom optimistischen Do-It-Girl zur depressiven verletzlichen nackten jungen Frau wird, die nach einer Szene frustriert und einsam auf dem Bett liegen bleibt, wenn Katja Kassin fröhlich sächselnd anscheinend kaum mitkriegt, wie sie sich vor der Kamera ihren eigenen Niedergang von der XXX-Darstellerin zur «Hostess» schönredet – dann legt Hoffmann still und präzise im Mikrokosmos der Pornbranche eigentlich den gesamten Mechanismus von Hollywood bloß, der hier nur fokussierter, intensiver ist als bei normalen Filmdrehs, aber kaum weniger zynisch.

Nun ist es sicherlich keine neue Erkenntnis, dass die Pornobranche einfach nicht nett ist. Sie ist wie keine zweite Industrie eine Bündelung des schieren Kapitalismus, eine fleischverarbeitende, harte, zynische Branche, in der Menschen Ware sind und die unter hohem Zeit- und Gelddruck qualitativ minderwertige Ware auf den Markt wirft, die – daran lässt der Film drastisch keinen Zweifel – immer härtere und brutalere Filme produziert, in denen die Grenze zwischen Sex, Fetisch-Parodie und Vergewaltigung längst ausgelöscht ist. Obwohl er sich der Falle bewusst zu sein scheint, dass es nur zu leicht ist, die Darstellerinnen in der Branche als Opfer darzustellen (und die meist männlichen Agenten, Produzenten und Regisseure als «Täter») rutscht 9to5 genau in diese Falle hinein. Abgesehen von der denkbar offensichtlichen Schwäche, dass wir kein «male Talent» jemals so intensiv kennenlernen oder verfolgen wie die weiblichen Darstellerinnen, obwohl es sicherlich spannend gewesen wäre, zu sehen, ob die Männer in der Branche genauso abgeschliffen werden wie die Frauen, neigt Hoffmann mehrfach dazu, die Narration eines Drehbuches zu wollen – und das schreit natürlich nach Opferrollen. Der Film kontert das durch Figuren wie Sasha Grey und Belladonna, die ihre eigene Karriere mal weniger mal mehr bewusst im Griff zu haben scheinen, wobei Hoffmann  bei Grey durch einen Kommentar von Sharon Mitchell wenig Zweifel daran aufkommen lässt, dass die junge Darstellerin vielleicht einfach noch unerfahren ist. Als einzig halbwegs positive Figur kommt Belladonna weg, die ein halbwegs normales Leben zu führen scheint – verheiratet, ein Kind – ihre Filme selbst produziert und ungeachtet des erschreckenden Härtegrades ihrer Filme relativ normal wirkt und eine klare Vorstellung ihrer Karriere vor und hinter der Kamera zu haben scheint. Obwohl ästhetisch weit weg vom Stil der Skandalreportage, kann sich Hoffmann nicht ganz von der Suche nach dem Elend lösen und verpasst so oft die Chance, tiefer in den Mechanismus der Branche einzusteigen.

Im Film wird die Dichotomie zwischen Amerikas Prüderie und der Tatsache, dass in den USA zugleich der größte Anteil der weltweiten Pornoproduktion stattfindet, angerissen. Leider verpasst der Film die Chance, diesen nur scheinbaren Gegensatz weiter aufzulösen und zu untersuchen, inwiefern eigentlich das Pornbiz die eigentliche Einlösung des American Dreams ist, die pure Essenz der Idee hinter McDonalds und Wall Street. Die extreme Verrohung der Filme und der Branche, das hohe Maß an Gonzo – und Hoffmann bewegt sich mit seinem Film nicht im Bereich Glamour-Porn, sondern eben eindeutig im unappetitlicheren Segment des Gonzofilms -, die Klarheit mit der Human Ressources ausgebeutet werden, müsste für einen Dokumentarfilm, der versuchen würde, Verbindungslinien über die reine Branche hinaus zu ziehen, ein Fest sein. Rick Poynor berichtet in Designing Pornotopia ausführlich über die Pornographisierung der «normalen» Gesellschaft, über das massive Einsickern von exploitativer Ästhetik in den Alltag, insofern darf die Frage gestellt werden, ob die Mechanismen dieser Branche nicht – ebenso verzerrt und comichaft überzeichnet wie der Sex selbst – nicht die Mechanismen unserer Wirtschaft und Gesellschaft als solches widerspiegeln.

Diese nicht so unspannende Frage reißt Hoffmann leider nur kurz an, um sofort wieder zu zeigen wie Otto Bauer bekifft und betrunken mit dem nackten Hintern in seinem Herd bemitleidenswert-ekelig ein Model vögelt – und verpasst so die Chance, sein Thema in einen größeren Kontext einzufügen. Was kein Vorwurf an den Film sein kann, der sicher bewusst diese menschliche Perspektive gewählt hat, aber eben schade ist, wenn man bedenkt, wie beispielsweise eben Moore es (oft zu polemisch) schafft, vom Besonderen zum Allgemeinen zu gehen und aus dem Columbine-Massaker ein Statement über den Gesamt-Geisteszustand seines Landes zu machen. Es wäre spannend gewesen, das hier mit der Ruhe und der Energie, die Hoffmanns Film jederzeit ausstrahlt, zu sehen. (Interessant ist bei diesem Aspekt auch, dass die Rolle von eingeflogenen osteuropäischen Darstellerinnen oder billigeren Produktionen in Osteuropa weitestgehend ausgeblendet ist – obwohl sich eben auch hier im Mikrokosmos Porn ein Mechanismus des gesamtwirtschaftlichen Überbaus, des neoliberalen Globalisierungsmechanismus, ganz großartig dekonstruieren ließe).

Man kann Jens Hoffmann aber natürlich auf keinen Fall vorwerfen, einen Film gemacht zu haben, der im Kleinen, bei den Darstellern und Produzenten bleibt, denn das ist offensichtlich seine Absicht und diese Bescheidenheit stellt vielleicht eine verpasste Chance dar, verleiht dem Film aber zugleich eine Einfachheit und Unambitioniertheit, die an sich auch wohltuend ist. Fast lapidar filmt Hoffmann seine Protagonisten ab, lässt ihre Lügen an der Realität zerplatzen und überlässt es oft dem Publikum, zu entscheiden, was es glauben will oder nicht, wenn etwa Mark Spiegler sich als wohltätiger Samariter portraitiert oder wenn Sharon Mitchell das Business kritisiert, sich aber offensichtlich klar an dessen L.A.-Schönheitsideal heranoperiert hat. 9to5 steckt voller solcher kleiner Wahrheiten und kleiner Lügen und sucht die Realität hinter der Illusionsmaschine. Das man bei dieser Suche manchmal scheitert, wenn es hinter der Illusion für die Individuen, die der Film zeigt, gar keine Realität mehr geben kann, sondern sie in einen Kokon von Selbstlügen eingespinnt sind, ist vielleicht die größte Erkenntnis dieses Films, der herrlich wie seit langem kein Film Lebenslügen auf zugleich sardonische und sanfte Art einfängt.

15. Juli 2009 07:00 Uhr. Kategorie Film. Tag . 3 Antworten.

Supermodel Death Dive

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Eine Headline wie aus einem J.G.-Ballard- oder William-Gibson-Roman.
Außerdem ein idealer Name für eine Postpunk-Band.

via Amy&Pink.

12. Juli 2009 09:08 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . 3 Antworten.

Zu verschenken 27: Erste Hilfe Typographie

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Willberg und Forssmans Standardwerk Erste Hilfe in Typographie war eines der vielen vielen Typobücher, die ich mit Anfang 2002 in Vorbereitung auf meine Dozentur in Typographie an der WAM zugelegt habe – und entweder habe ich oder ein Student, der daraus einen Vortrag hielt, auch einiges an Spuren hinterlassen. Für Einsteiger wie ich finde immer noch ein lesenswertes Buch.

Wer mir bis kommenden Freitag das schönste Photo fürs Blog per Mail zuschickt, kriegt das Buch.

08:55 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

Zu verschenken 26: Die Photos

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Benjamin

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Jann

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Judith

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Klaus Javier

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Marco

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Philipp J.

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Philipp P.

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Tobalo

Ach, schön mal wieder so viele Bilder zu bekommen – der Troxler hat es euch anscheinend angetan.
Nennt mich berechenbar, aber obwohl ich die anderen Bilder auch wirklich schön finde (Phillpp Jadke ist total covertauglich, Janns Bild ist toll, Tobi wie immer druckreif…  und und und), kriegt Marco das Buch.

08:45 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 4 Antworten.

Feld

11. Juli 2009 17:49 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

FH Dortmund: Buchmesse Frankfurt 09

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Ich habe die wirklich große Freude gehabt, neben Sabine an Huef (FH Dortmund), Dirk Fütterer (FH Bielefeld) und Silke Löhmann/René Weynand (Oktober Design) die Bücher mitauswählen zu dürfen, die die FH Dortmund auf der kommenden Frankfurter Buchmesse präsentieren wird. Es gab viel schönes zu sehen, eine tolle Vorbereitung durch das Studententeam (in dem nicht zufällig Schatzsucher und Reflektor-01-Macher auftauchen… die engagierten Leute sind immer die gleichen, oder? Klasse!), eine konstruktive Diskussion am Ende und vielleicht war am Ende alles einen Hauch schnell vorbei, aber nächste Woche ist ja schon wieder FH Dortmund (Diplomshow), dann sieht man sich hoffentlich wieder.

Hier gibts übrigens bessere Photos von der Jurierung auf dem Blog der Studenten.

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16:59 Uhr. Kategorie Design. Tag . 13 Antworten.

Freies Kunst Territorium Bochum

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Ihr alle kennt Tobalo schon als grundguten Photographen aus den Giveaway-Aktionen… und anscheinend macht er jetzt ein Projekt, dass ein wenig wie eine Mischung aus Clownfisch und Unperfekthaus klingt, also absolut sympathisch. Tobi schreibt:

Man nehme sechs beherzte Künstler aus Polen , Deutschland und Spanien; eine Fabriketage in einem ehemaligen Lager für Sanitärbedarf im kultigen Bochumer Westend, ein paar Eimer Farbe und einen netten Vermieter: fertig ist das neue Atelierhaus. Eröffnungsausstellung für alle Menschen, die solche Projekte lieben und unterstützen wollen:
Sa 11. Juli ab 16h
So 12. Juli  ab 11h
Diekampstraße 44, Bochum

Mehr Info unter: http://fktbo.blogspot.com/

9. Juli 2009 20:12 Uhr. Kategorie Design. Tag . 5 Antworten.

Slanted 08

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Die neue Slanted ist da. Ich muss mich wirklich erst an das Vierteljährliche gewöhnen, ich war völlig überrascht.

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Die Slanted steigt in die zweite und dritte, vielleicht sogar die vierte Dimension der Schrift hinauf, unter anderem mit Arbeiten von von Edhv, Klein Dytham architecture , den famosen Pixelgarten, Maxime Buechi, Ina Saltz, Erwin Bauer und Interviews mit Sabrina Tibourtine, Christoph Dunst, Sipho Mabona, Gemma O’Brien und David Carson. Ihr merkt schon: Da haben Julia Rausch und ihr Heer von Beitragenden wieder echte Perlentaucherei in Sachen Typographie unternommen und das Leitthema 2d3d  tief auf fast 200 Seiten ausgelotet. Also: Ab zur Slanted-Site und bestellen :-D.

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18:25 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Über den Umgang mit E-Mails

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So gut geölt kann ein Verlag sein – in einem kurzen Telefonat macht Karin Schmidt-Friderichs einen Scherz darüber, dass ich bei meinen langen Mails vielleicht den E-Mail-Knigge von Scholz&Friends gebrauchen könnte, und anstatt es dabei zu belassen, kommt das Buch von KSFs rechter Hand Jutta Schober einige Tage später tatsächlich auf meinen Schreibtisch. Das ist beneidenswert gut organisiert und vor allem wirklich charmant mitgedacht – ich habe mich sehr gefreut. Und nutze die Chance, mich zu revanchieren, indem ich das Buch zumindest kurz – nicht so lang wie Retrodesign – vorstelle:

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In Über den Umgang mit E-Mails stellt die Werbeagentur Scholz&Friends anscheinend vor allem erst einmal für interne Zwecke grundlegende Regeln für den elektronischen Postverkehr auf. Das erklärt wahrscheinlich auch die erste Regel, nach der nicht gesendete Mails gleich die besten sind – schließlich kostet elektronische Kommunikation (Mail, ICQ, Twitter) von Mitarbeitern ja auch wertvolle Zeit. Aber ob primär firmeninterner Leitfaden oder nicht, das von FAZ-Karikaturist Alfred Schüssler absolut wunderbar illustrierte kleine Brevier gibt zehn klare Regeln für die gepflegte E-Mail-Korrespondenz vor, die alte Briefkultur und Höflichkeit in die Neuzeit retten sollen und wollen.

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Ob das immer treffend ist, und ob Emoticons nicht eben doch in einem modernen Kommunikationskanal genutzt werden dürfen und können, muss jeder Leser für sich entscheiden. Sicher inspirierend ist aber vor allem die Anregung, sich als Firma Gedanken über einen bündigen virtuellen Außenauftritt auch in Form von E-Mail-Nachrichten zu machen und diesen so liebevoll und verführerisch – und damit eben auch allgemein gültig – zu bebildern.  Das in Berlin produzierte Buch ist ein schönes bibliophiles Objekt, insofern auch ein treffendes Geschenk,das man fast selbst nicht weggeben mag.

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Wer mitschenken will: Das Buch gibt es natürlich bei Amazon oder direkt beim Verlag. Oder natürlich binnen 24 Stunden beim Buchhändler eures Vertrauens vor Ort…

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14:14 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

WAS IST TYPISCH FÜR SCHWEDISCHES DESIGN?

Aus der Page 8/09. Ich mag Janssons trockene Antwort (und die Arbeit von Forsman & Bodenfors ist natürlich legendär gut).
Ich frage mich übrigens, ob es in Schweden auch so Diskussionen um «typisch…» gibt wie wir sie hier bei der Design made in Germany erlebt haben, oder ob die ein lässigeres Umgehen mit sich selbst und den Klischees haben. Man darf’s hoffen.

8. Juli 2009 12:29 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

Warum der Kunde eben doch auch oft Recht hat

Es ist im Design sicher nicht immer so wie beim Autoverkauf, dass der Kunde immer allein durch den Akt des Bezahlens recht hat. Aber der Fiktion, dass wir Designer verkannte Genies sind, die unter ignoranten Kunden zu leiden haben – ergo die Kunden an der schlechten Werbung schuld sein sollen, weil die Agenturen nicht so dürfen wie sie wollen – halte ich für eine absolut falsche Aussage. Weil im Fontblog gerade anlässlich des Ausverkaufs des rejected2-Buches mit abgelehnter Werbung eine Diskussion dazu lief, fiel mir ein ganz aktuelles Beispiel dafür ein, dass abgelehnt nicht immer besser heißt, und um meine Kommentare im FB zu untermalen, kann ich ja mal kurz etwas hinter die Kulissen schauen lassen. Ist ja auch lange her, dass ich mal wieder was aus der Arbeit gezeigt habe – insofern hoffentlich keine Eitelkeit, auch wenn der Pressetext etwas dick aufträgt.

Für das Saisonbuch 09/10 der Bielefelder Philharmoniker haben wir eine Reihe mit Portraits gemacht, dieaus dem Heft heraus den Betrachter direkt ansehen. Bei der langen Suche nach einem guten Cover kamen wir auf die Idee, dass es doch toll wäre, wenn das geschlossene Buch sozusagen dreidimensional würde, also den Kopf von OBEN zeigt, den man beim geöffneten Buch entsprechend von VORN sieht.
Im Grunde ergab das zwei Varianten:

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Im Web ist der Text schlecht lesbar, im Original ist das besser. Die Philharmoniker haben diesen Entwurf resolut abgelehnt, fanden es einfach zu langweilig und zu wenig «Hingucker»…. und haben uns – sicher unabsichtlich – damit in eine schwere Krise geworfen, weil wir eigentlich gar kein Material für ein anderes Cover hatten.

Und aus den 80 Gesichtern, die wir in Bielefeld aufgenommen hatten, wollte ich keins wählen – wer wäre wichtig (oder besser: unwichtig) genug, um über 10.000-mal durch die Stadt zu gehen, auf Plakaten und großen Saisonstart-Mailings präsent zu sein? Kann man das jemand zumuten, so auf dem Präsentierteller zu sein – und umgekehrt: Wäre es nicht Schleichwerbung, wenn man etwa Herrn Stahlberg genommen hätte oder eine andere stadtbekannte Person?

Unter den Testbildern fürs Blitzen fand ich dann ein Bild von Katharina Mönkemöller, die aus Bielefeld kommt, an der FH Dortmund gerade frisch nächste Woche ihr Diplom präsentiert und letztes Jahr Praktikum bei uns gemacht hat, um in diesem Juni fest angestellt zu unserem Team zu kommen. Da Katharina von Bielefeld nach Dortmund zog fand ich es wenigr schlimm, sie zu zeigen, außerdem war sie im Heft davor auch kurz zu sehen (mit André, ihrem Freund, der den Astronauten gegeben hat), insofern eigentlich eine schöne Brücke, und noch dazu ja sehr witzig, ein nodesign-Crewmitglied aufs Cover zu hieven, sehr Hitchcockian.

Das finale Cover sah also so aus:

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Und keine Frage, das ist deutlich klarer, deutlich werberischer und ansprechender als die erste Version von uns und passt auch nahtlos in das Heftkonzept. Aber die nagende Frage blieb dann doch: War das Haar nicht besser, smarter, designeriger?

Bis ich von Frank diesen Artikel aus der Neuen Westfälischen bekam:

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Und mir schlagartig klar wurde, dass die Philharmoniker natürlich recht hatten. Nie im Leben hätte die Zeitung einen haufen Wuschelhaare so prominent zweispaltig abgebildet – und zwar, weil es im Zeitungsdruck einfach nur unansehnlich gewesen wäre. Ein nettes Frauengesicht ist natürlich viel, viel pressetauglicher. Ich hatte einfach die werberische Funktion eines Covers aus Begeisterung an der eigenen verqueren Haar-Idee vergessen.

Und genau dafür braucht man Partner als Korrektiv, als Redakteure. Auch wenn Ablehnungen am unmittelbaren Tag der Ablehnung wirklich nicht sonderlich glücklich machen, sondern dich als Designer eher in das schwarze Loch der Verzweiflung werfen… am Ende ist eine gemeinsam gefundene Lösung, mit der beide Seiten glücklich sind (oder zumindest gut leben können), die ausgehandelt und erklärt, argumentiert und begründet ist, immer und unweigerlich die bessere Lösung. Nicht zuletzt, weil es bei Design immer auch um eine gezielte Wirkung geht, nicht um den eitlen Selbstzweck.

Insofern ist es für uns zumindest immer so, dass die Diskussion auf Augenhöhe und die gemeinsame Suche nach einer guten Lösung das ist, was die Arbeit am Ende so genial macht. Design, dass im Vakuum entsteht, interessiert mich irgendwie nicht.

12:01 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . 6 Antworten.

Zu verschenken 26: Students & Niklaus Troxler

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Wenn wir nicht zwei davon aus Stuttgart mitgenommen hätten, würde ich es nicht rausgeben, aber so habe ich ein wunderbares Exemplar des Buches von Niklaus Troxel und seinen Studenten zu vergeben, das nicht nur zeigt, was der Altmeister des illustrativen Posters, der vor allem für seine künstlerischen Willisau-Plakate berühmt ist, gemacht hat und macht, sondern auch, wie er die nächste Generation inspiriert.

Wer mir bis Sonntag das schönste Photo fürs Blog per Mail zuschickt, kriegt das Buch.

11:23 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Zu verschenken 26: Die Photos

Direkt hinterher die Bilder für das Typo-Design-Buch.

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Arno

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Jann

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Tobalo

Bei drei Bildern nicht ganz so schwer, Jann gewinnt :-D.
Und gleich, Wunder über Wunder, ein neues Zu-Verschenken.

11:07 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

ZU VERSCHENKEN 24: DIE PHOTOS

Zeichen und Wunder. Nur zwei Monate nach diesem Giveaway zeige ich auch die Photos. Bin ich ein Held? Nächste Woche kümmern wir uns auch endlich mal um den Versand des zweiten Satzes Bücher, hoffe ich. Sorry, es ist einfach gut  – und gut -  zu tun und das Blog leidet halt ebenso wie die Konzertbesuche, es ist derzeit irre, wie die Zeit vergeht, weil man so viel Spaß und Arbeit hat.  Danke für die Geduld, wie es an jeder guten Autobahn heißt. Entsprechend der Unregelmäßigkeit der ganzen Sache nimmt natürlich auch die Einsende-Frequenz ab, aber umso größer wird die Gewinnchance für die, die mitmachen.

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Benjamin

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Felix

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Philipp

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Tobalo

Da Philipp mir Keulenprügel angedroht hat, geht das 4-Farben-Buch (das nicht mehr so aktuell ist, wenn dich die Thematik interessiert, kann ich dir aber Well done, please aus dem Hermann-Schmidt-Verlag ans Herz legen oder natürlich den kostenfreien Download in Sachen Farbmanagement und PDF-Erstellung bei Cleverprinting) an ihn. Und wenn Tobalo weiter so großartige Bilder schickt – warst du bei irgendeinem Giveaway NICHT dabei – gibt es wirklich einen Extrapreis, nicht nur für Hartnäckigkeit, sondern auch für durchgehend wirklich großartige Bilder!

11:02 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Licht

6. Juli 2009 15:15 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . 2 Antworten.

Achim Böhmer & Sara Hausmann: Retrodesign

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Nachdem im Fontblog bereits ausgiebig und kontrovers über Achim Böhners und Sara Hausmanns Retrodesign diskutiert wurde, und das Buch in der Form von dem sicher nicht zu leichtfertiger Kritik neigendem Markus Zehentbauer recht kritisch beleuchtet wurde, habe ich ganz besonders über ein Rezensionsexemplar aus dem Hermann-Schmidt-Verlag gefreut, um mir selbst ein Bild machen zu können. Das folgende ist – wie immer bei mir – kein «echter» offizieller Review, sondern die Sachen, die mir beim Durchlesen und -blättern durch den Kopf gingen, spontan und wie immer unredigiert.

01: Preis-Leistung
Wer 89 € für ein Buch dieses Umfangs, dieser Verarbeitungs- und Veredelungsqualität und nicht zuletzt der Recherche, die darin steckt, für überteuert hält, dem fehlt vielleicht ein Einblick in normale Verlagskalkulation oder er/sie ist schon von der Wirtschaftskrise mental erfasst– denn wenn man das Buch in der Hand hat, kann kein Zweifel an dem Preis aufkommen. Retrodesign ist vielleicht nicht ein Buch, dass sich jeder kaufen will und wird, weil es ein spezielles Thema dekliniert, aber wer sich für diesen Themenbereich interessiert – ob als Student, Dozent oder Profi -, kann wenig Zweifel daran haben, dass dieser Überblick eine Menge Zeit und Liebe gekostet hat und jeden Pfennig wert ist. Allein die Organisation der verwendeten Bilder in druckreifer Auflösung und mit den nötigen Abdruckrechten muss eine enorme Zeit gekostet haben – anders als bei den meisten anderen Designbüchern kann man ja hier nicht mal eben einen lustigen Mail-Aufruf an Büros und Agenturen starten, sondern muss gezielt nach Material fahnden, die Rechteinhaber aufspüren, eventuelle Lizenzen und VGBildkunst-Kosten tragen. Insofern ist allein – und das ist ja nur ein Teil dieses Buches – die Bilderflut schon den Preis wert. Anders als große Verlage wie etwa Taschen kann Schmidt sich (wahrscheinlich) nicht komplett durch Querfinanzierungen behelfen und muss insofern einen realistischen Preis für ein Buch wie dieses nehmen (zumal man vorher ja nie weiß, welches Buch ein Bestseller wird… wäre sofort klar, dass Retrodesign sich grandios verkauft, könnte man es wahrscheinlich sogar tatsächlich preiswerter kalkulieren, but you never know), und die Veredelung (die durchaus nicht so unnötig pompös ist, wie im Fontblog behauptet, sondern durchaus stimmig – erinnert mich übrigens ganz entfernt aber durchaus positiv an Beate Blaschczoks «Genesis»-Bibel und will vielleicht eben ein wenig eine «Style-Bibel» sein, insofern passt der Look schon) ist in Sachen Preis sicher nicht der ausschlaggebende Faktor, macht das Buch aber im Regal deutlich stabiler als ein Paperback und auch sehr viel schöner… und das darf bei Design doch bitte ruhig ein Faktor sein. Nicht zuletzt dürfte es den Machern auch mehr Spaß bereiten, ein «schönes» Buch zu machen als ein «sparsames». Man kann Sara und Achim absolut nicht verdenken, einfach auch ein bibliophiles Buch machen zu wollen, im Gegenteil – es würde uns allen doch auch so gehen :-D. Und den Spaß an der Sache, am Retrodesign ebenso wie an der Möglichkeit, ein großes Buch zu diesem Thema auch ordentlich zu gestalten, spürt man dem Buch an vielen Stellen an.

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Edel in rotem Kunstleder und mit schwarzem Schnitt: Die Retro-Bibel.

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Aufwendige Package: Das Cover stellt das Ordnungssystem des Buches vor und besticht mit zahlreichen Finessen.

02. Das Buch
Das Buch, man merkt es schnell beim Lesen, versucht den Spagat zwischen «Schau»-Buch/Inspirationsquelle und Sachbuch, bis hin zur Gestaltung ist es insofern unweigerlich recht ähnlich mit anderen Büchern aus dem Schmidt-Verlag, die Lust und Lernen verbinden, etwa Strichpunkts fff-Buch oder auch Kribbeln im Kopf. Diese Schnittkante zwischen Information und Entertainment ist dünn und man scheitert schnell auf einem der beiden Gebiete, die kaum ein Autor gleichermaßen fundiert und elegant bespielen kann (mit Ausnahme des großartigen The Art of Thinking Sideways). Was durchaus keine Schande ist, manchmal ist der Versuch das eigentlich Wichtige und Retrodesign scheitert ja keineswegs. Ein trockenes wissenschaftliches Buch über appropriatives Design wäre einerseits zudem sicher ebenso langweilig wie andererseits eine reine Bildsammlungsflut – dafür reicht oft auch ffffound.com. Retrodesign besticht durch eine wahre Sammelwut von Arbeitsbeispielen quer durch alle Epochen, die ohne jeden Zweifel den Zweck des Schaubuches absolut erfüllen – es gibt reichlich zu gucken und viel zu entdecken. Glaubhaft, vielleicht nach einer Weile etwas vorhersehbar, wenn man das Konzept einmal erfasst hat, belegen die Autoren, dass Design appropriativ arbeitet, d.h. neue Gestaltungen oft Remixe alter Ideen sind. Mit feiner Akribie sind durch alle wichtigen Stilepochen Beispiele aufgeführt, die dem heutigenDesign Rückgriffe in die Vergangenheit nachweisen. Diese Detektivarbeit klappt natürlich mal eher besser, mal eher schlechter – mitunter bringen die Autoren in der Jetztzeit einfach auch ganz eindeutig als Zitat gemeinte Arbeiten als Beleg, aber dass Zitat-Design, dessen eigentlicher Sinn ja nun einmal eben genau die Rückbezüglichkeit ist, eben auch unweigerlich «Retro» sein muss, ist eigentlich eher tautologische Beweisführung.

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Böhmer und Hausmann gelingen dabei immer wieder schöne «Swipe-File»-Beispiele, und insgesamt ist diese Strecke, die ja mehr zeigen und überwältigend beweisen als erklären will, durchaus sehenswert, auch wenn sich beim Lesen irgendwann beim ein oder anderem vielleicht ein Hauch von Fleißübung einstellen mag.  Seite um Seite belegen die Autoren, dass ganz postmodern nahezu jede wichtige Stilepoche heute in Architektur, Design, Illustration und Alltag widergespiegelt und aufgegriffen ist. Obwohl wichtige Beispiele fehlen – beispielsweise vermisse ich Peter Saville komplett, nicht nur ein wichtiger Designer per se, sondern vor allem zu Beginn seiner Laufbahn wirklich der Großmeister des Stil-Klaus (und zugleich jemand, der heute ironischerweise selbst permanent zitiert wird, nicht mehr als Rückgriff auf Savilles Quellen (Tschichold, Expressionismus usw), sondern meist als 80s-Zitat) – ist der Effekt oft frappierend gelungen, wenn etwa Renaissance-Architekturelemente auf modernen Plattencovern wieder auftauchen oder fernöstliche Majolika-Porzellanmalerei 2006 eine Absolut-Anzeige zu inspirieren scheint. Es ist ein wahrer Bildersturm, und es schadet der Theoriebildung nur geringfügig, wenn die Autoren von Achta-Design einige Male ihre eigenen Arbeiten featuren. Was bei fff noch okay war – der Mix aus Theoriewerk und einer kleinen Prise Eigenwerbung -, weil Strichpunkt ja ganz einfach in Deutschland sehr sehenswerte und insofern bei aller Bescheidenheit zeigenswerte Geschäftsberichte macht, hinkt hier etwas, weil es ja gerade darum geht, neutrale Beispiele für einen selbst behaupteten Trend zu finden… da eignen sich eigene Arbeiten eigentlich weniger, zumal gerade das eigene Beispiel im Klassizismus auch nicht so wirklich funktionieren will und eigentlich keine volle Doppelseite rechtfertig. Nichts gegen Self-Promotion, das gehört bei dieser Art von Büchern irgendwie einfach dazu, aber es unterminiert genau hier einfach die Ausgangsposition des Buches ein wenig, wenn das einzige Beispiel, das man anführt, von einem selbst kommt. Wobei man ganz klar sagen muss, dass die Autoren sich mit eigenen Arbeiten weitestgehend vorbildlich zurückhalten, das Einschmuggeln eigener Projekte habe ich schon viel schlimmer gesehen. In einem Buch, dass den theoretischen Anspruch aber etwas höher hängt – kunsthistorisch ja viel höher als etwa fff  – fällt es eben doch etwas auf, wenn die Beispiele nicht 100% «neutral» sind. Der Freude an der Sammelleidenschaft und der visuell überzeugenden Präsentation der Similaritäten über Jahrhunderte hinweg tut das aber keinerlei Abbruch.

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Das Buch wird von einer schön gegliederten Übersichtsseite eröffnet und bietet in einer Art Intro/Preview, das im Grunde das folgende weitestgehend zusammenfasst und zugleich gut einleitet. Was ist Retrodesign, was ist Redesign, was ist Revival – all diese Begriffe, die durch den Design-Äther schwirren werden hier kurz (und mitunter, wahrscheinlich aus Platzgründen, etwas unkritisch) definiert, so dass man gut gerüstet in den Hauptteil des Buches geht.

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Ordnung muss sein: Das Buch gliedert Retrodesign klar nach «Epochen» mithilfe verschiedener Icons für jede Einflussperiode, die auf den einzelnen Beispielseiten wieder auftauchen und die Navigation erleichtern. Bei der Flut von Zeitströmen können die Icons aber nie so klar und eindeutig sein, so dass doch nocheinmal daneben steht, welche Periode behandelt wird (was, zugegeben, die Icons etwas redundant macht ;-)).

Das Buch ist zudem immer wieder durch mitunter vielleicht etwas fragwürdig gestaltete Zitatseiten gebrochen (jeder weiß, ich bin kein Freund sinnloser floraler Dekoration, aber  beim Thema Retrodesign kann es ja nicht ohne gehen, dennoch hätte ich mir hier vielleicht etwas weniger eigenes Design gewünscht, als vielleicht eher noch mehr passendes Material anderer Quellen – bei diesem Thema hätte die eigene Gestaltung noch einen Hauch zurückhaltender ausfallen dürfen…. kein Manko, aber ein spontaner Eindruck, den ich persönlich hatte. Aber siehe oben: Spaß an der Gestaltung :-D)

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Zitatseite: Seltsamerweise taucht diese Art von Seite nur einmal auf, dabei wären mehr Stellungnahmen von Designern zum Thema Retro sicher spannend gewesen.

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Typographie: Vielleicht etwas zu sehr auf Klischees reduziert ein visueller Überblick darüber, welche Schrift zu welchem Stilcluster passt.

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Talent borrows, Genius steals: Retrodesign wartet mit einer wahren Flut von Beispielen für «entliehenes» Design auf.

Im Schlußteil wird im Kapitel Retro Style ein kurzer informativer Trip durch die verschiedenen Einflußcharakteristika geboten. Reich bebildert mit Beispielen aus Layout, Kunst, Objektkunst/-design, Typographie und Architektur der vorgestellten Periode, ordnen die Autoren von dekonstruktiv bis organisch verschiedene designhistorische Perioden von der Renaissance bis zum Dekonstruktivismus und versuchen so eine Art einfache Matrix von Stilelementen und -möglichkeiten zu bilden. Dieser Teil bildet vielleicht mehr als der mitunter etwas zu groß bebilderter Mittelteil des Buches ein wirkliches Herzstück von Retrodesign und ich hätte mir gerade hier mehr gewünscht – mehr Bilder, mehr Theorie, mehr Quellen, mehr Tiefgang. In der gegebenen Kürze liefern Hausmann und Böhmer eine sehr solide, gerade für Studenten als Einstieg geeignete Synopse verschiedener Design-Epochen, eine Art Parforce-Ritt durch die Gestaltungsgeschichte, interessanterweise rückwärts gefasst von der (De-)Konstruktion zur eher organischen Formensprache der Vergangenheit. Obwohl rund 150 stark, kann hier natürlich kein kunsthistorisch umfassender Abriss geleistet werden – muss auch gar nicht. Wenn dieses Kapitel es schafft, die Leser auf eine bestimmte Epoche neugierig zu machen, oder neue Verbindungen zu entdecken, dann reicht das ganz einfach an dieser Stelle. Tiefer gehende (und oft dann eben weniger ansprechend gestaltete oder geschriebene) Literatur gibt es ja – und auf diese wird im Anhang auch verwiesen.

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Natürlich wird man hier immer Löcher finden oder Oberflächlichkeiten, je nachdem, in welcher Epoche man sich bewegt (im Dekonstruktivismus fehlen mir beispielsweise hier  wichtige Namen und Strömungen wie etwa Morphosis oder vor allem die Cranbrook Academy aber auch Hard Werken usw. Aber wie gesagt: jeder hat seine Steckenpferdepoche und wer sich hier mehr interessiert, kann ja Poynors Design Without Boundaries lesen :-D.) Der Überblick ist klar gegliedert, flüssig zu lesen und als Einstiegsreferenz wiederum ein beachtliches Stück liebevollster Sammelarbeit. Im Retro Review werden die Epochen dann – doppelt genäht hält besser – nicht als Überblick dargestellt, sondern etwas vertieft. Zusammengenommen kann man bei einem Buch dieser Art, dieses Preises eigentlich kaum mehr verlangen – für 90 Euro ist das insgesamt ein sehr umfassender, sehr liebevoll gemachter Blick über die Design/Kunst/Schriftgeschichte der neueren Vergangenheit.

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Überblick: Retro Style und Retro Review vertiefen und gliedern die Stileinflüsse.

03. Retro = Zukunft?
Die erste Doppelseite des Buches stellt dem Werk ein «Retrodesign ist Zukunft» voran. Einige Seiten später folgt «Retrodesign ist Styling». Nun mag es an der persönlichen Definition des Wortes liegen – Styling bedeutet für mich ausnahmslos inhaltsfreies, rein oberflächliches Gestalten ohne Tiefendenken – aber so ganz kriege ich diese Thesen nicht zusammen. Wobei ich mich mit der zweiten, treffenderweise nach meiner eigenen negativen Definition von Styling, sehr anfreunden kann, mit der ersten so gar nicht. Denn ja, Retrodesign ist Styling, oberflächlich, oft das Verwenden historischer Halbwertsverfallreste, Recycling, oft ohne jedes Verständnis für die hinter den kopierten Elementen liegenden Bedeutungen. Wer Helvetica verwendet, weil sie «cool» aussieht oder Blümchenranken, weil sie «emotional» sind, betreibt natürlich kein Design, sondern eben «nur» Styling und reagiert damit eher oberflächlich (sprich: laienhaft) auf sozusagen herumliegende visuelle Stimuli. Retrodesign ist insofern erschreckend oft vor allem gedankenloser Kitsch, Nostalgie am Nasenring, Zitatenstadl.

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Je weiter zurückliegend, ergo verklärter die zitierte Phase ist, umso gräßlicher und dümmer oft das Zitat. Während ich im Aufgreifen von Elementen der Postmoderne und des Dekonstruktivismus wenig reines «Retro» entdecke, sondern eine (dia)logische Weiterentwicklung von Trends der letzten Dekade (so wie die 90s ja auch Entwicklungen der 80s weitergeführt bzw. gekontert haben), so ist das Zitat von Elementen aus den (meist) Amerikanischen 50s oder des Rokoko inhaltlich meist nicht fundiert, sondern (oft) reines Oberflächen-Design. Das als «Zukunft» zu bezeichnen, die reine Rückwendung, den Kitsch, das permanente Zitat, das sich bestenfalls durch Mix/Match oder eine deutliche Prise Ironie und gewollter Coolness aufwertet, ist eher traurig. Es ist eher bezeichnend für die Tristesse des immer noch andauernden fin de siècle, dass wir kollektiv in einer Falle stecken, in der der Blick nach vorn so unmöglich zu sein scheint, dass man nur in der Kiste der Vergangenheit kramen kann. Wie ein verlassener Liebhaber, der sich seufzend alte Photos der Verflossenen ansieht, anstatt rauszugehen und sich frisch zu verlieben – und genauso pathetisch ist auf Dauer betrachtet auch das anhaltende Retrodesign. Ist es gefällig? Sicher – der Mini, der Beetle, der Fiat 500, der Einfluss von Braun bei Apple, der Britpop 3.0… zahllose andere Kulturobjekte, keine Frage: Retrodesign ist Emotion. Retrodesign ist zum guten Teil sicher Teil der Gegenwart – Konsumimpuls durch emotionalisiertes Design, Stimulanz von Kindheitsfragmenten und kollektivem Unbewussten.

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Aber Retrodesign ist eben nicht Zukunft. Jedenfalls hoffentlich nicht. Es sei denn, die Zukunft IST die Vergangenheit. Es wäre traurig, sich so bereitwillig dem neoliberalen Ende der Geschichte, dem Ruf nach preiswerterem und dozilerem Immerwiederaufkochen von Vergangenheit hinzugeben, die Hoffnung fallen zu lassen, dass es etwas originär Neues – beziehungsweise eine evolutionäre Fortschreibung der (Kunst-)Geschichte -  geben könnte. Es ist als Grundhaltung eine Müdigkeit, die falsch ist für jedes Handwerk. Es ist nicht zuletzt der Wunsch bestehender Systeme, sich sozusagen selbst memetisch-kulturell als «unveränderbar», als (r)evolutionsresistent zu definieren… wenn Design und Kunst nur noch aus Rückgriff bestehen, wenn keine Visionen für Morgen oder Utopien für andere Gesellschaftsformen mehr bestehen, dann ist politisch auch die «Gefahr» für einen politischen und sozialen Paradigmenwechsel eben gering – insofern, überspitzt gesagt, ist Retrodesign eben auch die hübsch bestickte Kuscheldecke eines reaktionär-konservativen Wellness-Kapitalismus. Was man nicht denken kann, was Kunst und Kultur als Entwurf (als Design also) gar nicht erst vordenken, das kann man auch gesellschaftlich nicht umsetzen. Insofern ist Retrodesign durchaus so kritisch zu betrachten wie die in Orwells 1984 aufgezeigte Restriktion sprachlicher Codes durch «Neusprech». Design sollte nicht Tiefkühlkost sein, die aus Fertigbestandteilen aufgewärmt wird… im Gegenteil, Design sollte der brennende Hunger auf Morgen sein. Ob im kleinen, etwa beim Auftritt eines Unternehmens oder im großen, gesamtgesellschaftlichen Kontext: Gutes Design ist Wandel, Veränderung, Restrukturierung, Optimierung, Infragstellung des Status Quo. Was wir also brauchen – als Designer aber auch als Gesellschaft – ist natürlich der Wille zu Wandel und Aufbruch. Gerade Designer als Agents of Change, als Wegbereiter und Boten des positiven Wandels, sollten sich nicht rückwärts definieren. Retro darf Design nur insofern sein, dass wir auf den Schultern der Designgeschichte stehen – und bewusst der Möglichkeiten, die sich hier bieten – nach vorn sehen. Da sind die Architekten durchaus weiter als wir – die zitatenlastige, wenig moderne  Reimagination des Adlon-Hotels in Berlin wurde nicht ohne Grund ebenso angegriffen wie der billige Ansatz, den Schlossplatz in Berlin einfach historistisch zu rekonstruieren.

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Derartige – im Kern ja eigentlich ahistorische, weil Geschichte nicht als fortlaufenden und thermodynamisch einmaligen Prozess verstehende – Geschichtsverkleisterung sieht die Branche zu Recht als anachronistisch und altbacken an – Architektur will zeitgenössisch sein, modern, mit dem Gesicht der Zukunft zugewandt, auch wenn der Wind da etwas rauher ist. Stilzitate ja, aber eben weitergedacht, umgewandelt und als Element einer an sich stets fortschreitenden ästhetischen, experimentell und mitunter gern auch avantgardistischen Profession. Aus der Vergangenheit lernen, aber für die Zukunft gestalten. Wir Designer dürfen uns das ruhig abschauen – die Leidenschaft für hypermoderne Technik und Materialitäten, den bei Architekten bereits eher angekommenen Umweltgedanken (wo ist der LEED-Standard für das Grafikdesign?), das städtebaulich-strategische Denken, den Wunsch nach urbaner Transformierung, den Schimmer von Futurismus. Retro ist in der Architektur keine Tugend und kann es auch für Grafikdesign eigentlich auch nicht sein. Retro funktioniert als kurzfristiger Push-Button der Kindheitserinnerungen, der emotionalen Fragmente – und somit am besten in der Werbung (zugegeben, die Trennung zwischen Design und Werbung wird immer dünner). Wer Prilblumen lustig als grafisches Element zitiert – und vergisst, wie die Rollenverteilung der Geschlechter in der ursprünglichen Prilblumen-Zeit aussah, oder warum die tristen Küchen mit bunten Stickern etwas Individualität brauchten – dringt nicht in die potentielle Tiefe von Design, sondern bleibt an der illustratorischen Oberfläche, bei reinen visuellen Effekten. Das ist bedrückend wenig für eine Branche, die sich «Kommunikation» (und nicht «Grafik») an ihre Türen schreibt, oder?

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Insofern ist der jugendliche Optimismus, den die Autoren mit Retrodesign verbinden – aber dies ist natürlich nur meine persönliche Meinung – nicht in dieser Form angebracht und reduziert Design auf das Zitat, den Remix, das Mash-Up kultureller Fragmente. Tatsächlich lese ich Retrodesign eher als Warnung, nicht andere kunsthistorische Epochen zu klonen, sondern selbst eine eigene klare, frische und zeitsymptomatische Semantik in Kunst, Architektur, Objekt- und Mediendesign hervorzubringen.

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Und was will man mehr als von einem Buch – auch wenn die Autoren es vielleicht gar nicht primär beabsichtigen – als die Sinnlosigkeit und den Stillstand von Design über Jahrhunderte und Dekaden hinweg eben Seite um Seite gezeigt zu bekommen: Beispiele für ein Designverständnis, dass nichts anderes tut als alten Wein in neue Schläuche zu füllen? Retrodesign ist es allein schon wert, gelesen zu werden, um mit eben Retrodesign als gestalterischer Strategie bitte ein für alle Mal aufzuhören.

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Zugleich macht das Buch aber auch klar, dass es zum einen für einen Designer nicht schaden kann, einen zumindest kursorischen kunsthistorischen Überblick zu haben – den genau Retrodesign auch sehr gut vermittelt. Gut gegliedert vermag das Buch dem vielleicht ziellosen Herumzitieren gerade vieler Studenten ein Wissensfundament zu verleihen, Bewusstsein zu schaffen für die Grenzen und Möglichkeiten des Zitatenstadls. Mit dieser kritischen Haltung im Hintergrund, auch das vermittelt das Buch, kann der Stilmix und das Zitat, natürlich auch gezielt eingesetzt werden und – vom Kitsch zum provokativen Angriff auf die Bastion ewiger Werte gewendet – kommunikative Speerspitze sein oder auch einfach auch nur mal Spaß machen – es ist sicher nicht die Zukunft des Designs, aber eben auch nicht der Untergang des Abendlandes, sondern eines der vielen, vielen Mittel zum Zweck, einer der vielen Pfeile im Köcher des Designers. Es ist ein assoziativer, spielerischer Umgang mit kulturellen Prefabs, die in fähiger Hand ja durchaus zu überzeugenden neuen Lösungen zusammensetzbar sind – und zugleich arbeitet jeder Mensch natürlich unweigerlich mit der Fülle seiner Erinnerungen und Eindrücke, also muss und darf unweigerlich die Vergangenheit und ihre Ausdrucksformen in die Arbeit von Design einfließen.

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Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, daran lässt Retrodesign keinen Zweifel aufkommen und gibt zugleich Inspiration, vielleicht mehr als stets die gleichen stockphoto-artigen Ranken und Blumen und 50s-Assoziationen zu benutzen und nach anderen Inputs zu suchen. Wobei ich zugeben muss, dass ich das mit Mitte 20 auch anders gesehen habe, die Kritik am Recycling-Design kommt mit dem Alter und der Langeweile am Wiedergekäuten, der reinen Oberfläche. Den beiden Autoren ihre Begeisterung für «Styling» vorzuwerfen ist insofern vielleicht deplaciert – sie haben die Ennui mit Oberflächendesign vielleicht einfach noch vor sich und können sich noch für den «Style» mehr begeistern als für die Substanz, das schicke »Wie ist es gemacht)» wichtiger finden als das trockenere «Was soll es sagen?»… was ja bis zu einem gewissen Grade eben auch in Ordnung ist, man durchläuft ja unweigerlich Phasen im Leben eines Gestalters. Dass ich selbst mit 40 Substanz und Aussage, Klarheit und Effizienz suche und mir eigentlich erscheint, dass die visuelle Umsetzung sich dann fast zwangsläufig aus einer überlegten strategischen Betrachung der Aufgabe ergeben wird, muss und darf und sollte nicht unbedingt das Denken von 20jährigen Jungdesignern prägen, die natürlich bitte Sturm und Drang machen sollten, ansonsten hätte es Cranbrook und damit später eben den im Buch oft zitierten David Carson nicht gegeben.

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Zugleich ist auch klar, auch den Autoren selbst, so scheint mir, dass hier nur ein Teilbereich schaffenden Designs beleuchtet wird – die Aufgabe eines Buches mit dem Titel Retrodesign kann und soll ja nun mal nicht sein, Design jenseits des Zitates vorzustellen. Es ist sozusagen ein Design-Genre-Buch, wie auch Western, SF oder Horror und Belletristik nur Genre der Literatur darstellen. Die Schlussfolgerung, dass alles Design unweigerlich Retro sein kann/darf/sollte, wäre insofern sicherlich falsch und sicher auch nicht von den Autoren beabsichtigt. Im Gegenteil, Retrodesign lässt keinen Zweifel daran, dass es vor allem darum geht, die Wandelbarkeit, den Reichtum der Ausdrucksmöglichkeiten schöpferischer Arbeit zwischen Kunst und Dienstleistung zu feiern.

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04. Fazit
Von einem Buch – selbst aus dem Hermann-Schmidt-Verlag – darf man keine Wunder verlangen. Insofern ist Retrodesign natürlich unweigerlich nicht in der Lage, eine Jahrhunderte überspannende kulturelle Entwicklung wirklich detailliert auszuleuchten. Anlass zur Kritik wird es also immer an einigen Stellen geben können, weil der Mut zur Lücke unweigerlich eingebaut sein muss – ansonsten kann man ein solches Buch kaum angehen und muss in stocksteifer Respektstarre vor der historischen Wucht verharren. Obgleich ich persönlich das Design des Buches etwas unausgewogen finde – die rein sachlichen Seiten mag ich sehr, aber die eher gestalterischen Doppelseiten weniger, manches ist schon an der Grenze zum reinen Selbstzweck – ist es eine bisher so nicht dagewesene Querschau bisheriger Stileinflüsse und ihrer Protagonisten, mit einer bewundernswerten Sammlung herausragenden Materials. Als jemand, der selbst im Bereich Typographie einen historischen Abriss vom Art Deco bis in die 90er als Vortrag verfasst hat, weiß ich, wie schwer an exzellentes Bildmaterial zu kommen ist, und allein hierfür gebührt den beiden Autoren unbedingter Applaus.

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An einer final überzeugenden einheitlichen Ordnung und vertiefenden kritischen Haltung zu «Retro» mangelt es hier unweigerlich, aber das ist die logische Konsequenz eines Buches, das sicher weniger dem wissenschaftlichen Diskurs als vielmehr der Inspiration und Übersicht dienen will, dass zu Recht den Spaß an der Sache über die Substanz stellt. Dass die Autoren selbst sich für Retrodesign begeistern, kann und sollte man ihnen nun wirklich nicht vorwerfen wollen – wer das Stilzitat ablehnt, würde wohl kaum so viel Zeit in ein so liebevoll kuratiertes Buch stecken wollen.

Letztlich ist das Buch trotz einiger Kritikpunkte in den Details für unter hundert Euro einfach prachtvoll gemacht, liebevoll zusammengestellt, geschrieben und gestaltet – ganz deutlich sichtbar das Ergebnis harter und begeisterter Arbeit, gut zu lesen, wunderschön anzuschauen und insofern ein Buch, dass man, wenn man sich mit Design beschäftigt und nicht völlig frei von Zitatanflügen arbeitet, zu diesem Preis eben absolut selbstverständlich in sein Regal stellen darf und muss. Es ist ein schönes Manifest, das Debatten anregen dürfte, gerade weil es Design etwas unkritisch als rückblickende Tätigkeit betrachtet.

Aber wie sagen Karin und Bertram Schmidt-Friderichs in ihrem Verleger-Vorwort so schön: «Rückblicke sind nötig, um vorausschauen zu können.» Insofern darf und kann man hoffen, dass ein Kompendium wie Retrodesign den Blick frei macht für die Möglichkeiten, Zukunft zu gestalten.

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Retrodesign:Stylelab gibt es unter anderem bei Amazon, im Shop des Verlages, und idealerweise direkt beim kleinen Buchhändler eures Vertrauens. Think local :-D

4. Juli 2009 16:22 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag , . 9 Antworten.

:-)

3. Juli 2009 20:41 Uhr. Kategorie Stuff. 6 Antworten.

Schaum

2. Juli 2009 02:25 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.


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