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Zu verschenken 22: Die Photos

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Benjamin

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Johannes

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Philipp

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Markus

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Stefan

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Tobalo

Und halbwegs pünktlich gepostet eure Bilder für das Willberg-Buch. Obwohl ich Philipp und Tobalo  auch sehr genial find, geht das Büchlein an Markus :-D, auch wenn ich nicht glaube, dass du daraus noch so viel lernen wirst.  (Für den Zweck empfehle ich Indra’s Buchstaben kommen selten allein).

29. April 2009 06:46 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 3 Antworten.

Zu verschenken 22: Wegweiser Schrift

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Neue Woche, neue Runde: Diesmal Hans Peter Wilbergs legendäres Typo-Einsteigerbuch Wegweiser Schrift aus dem Hermann-Schmidt-Verlag. Also: Wer mir bis morgen  das schönste Photo fürs Blog per Mail zuschickt, kriegt die Bücher und trägt nur das Porto selbst.

27. April 2009 08:21 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Fever Ray: Fever Ray

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Es ist schon seltsam, wenn jemand mit einer so markanten Stimme wie Karin Dreijer Andersson diese ausgerechnet auf ihrem Solo-Debut so derart pitcht und verzerrt, dass man sie kaum wiedererkennt. Nach dem enormen Erfolg als Teil von The Knife und Gast-Vokalistin bei zahllosen erfolgreichen Projekten ist diese Suche nach einer anderen Facette im Gesang (die ja bei The Knife bereits spürbar ist) vielleicht auch verständlich. Wie ein dunkler Zwilling der kühlen The-Knife-Ästhetik wirkt das Fever Ray Album, beklemmend, eng, trotz des großzügig verwendeten Halls trocken, eingetaucht in 80er-Synth-Sounds, psychedelische Flächen, introspektiv, kafkaesk wie das Coverartwork. Dreijer Andersson gelingt das Kunststück eines schwarz schillendern unterkühlten Bombast, in der ihre Stimme, gedoppelt, gepitcht, gestreckt und elektronisch gefoltert zu einem surrealistischen Chor wird, der durch die Festung der Einsamkeit führt. Im Hintergrund erzeug analoges Synth-Vogelzirpen, unwirkliche Percussion und Harmoniefolgen, die auf jedem Goth-Sampler aus den Mid-80s daheim wären eine Art Post-Trip-Hop-Melancholie, gegen die Portishead geradezu fröhlich wirkt. In der Suppe von New-Wave-inspirierten neuen Bands (ob nun Gitarre oder Synth-basiert) schafft Dreijer Andersson es, den Nebelsound der Vergangenheit nicht einfach abzuschöpfen oder schlimmer noch rein nostalgisch zu imitieren, sondern ihn sich ganz und gar zu eigen zu machen und zu mutieren, gekreuzt mit dem modernen Sound von The Knife und vielen ganz eigenen, unverortbaren Versatzstücken zu koppeln. So liefert ihr Debut melodisch sehr einfache Songs, oft ein absolutes Minimum an Musik, zusammengehalten von schlicht-vertrackten Beats, die wie die Musik eigentlich nur die staubige Bühne für den unwirklichen Gesang liefern, der auch melodisch oft kaum wie das Singen einer einzelnen Persn erinnert, sondern eher an surrealer Chormelodien oder eigene Instrumentenstimmen, breiter und zugespitzter, deutlich weniger individuell als Gesang normalerweise wäre. Dreijer Andersson ist damit weit weg vom ansonsten ja stets so niedlichen skandinavischen Sound, vom frickeligen und irgendwie natürlich klingenden Klang à la Múm, der immer etwas nach Wald und Weite klingt, sondern vielmehr in einem zu engen und verdunkelten Raum, einem Krankenzimmer, wo nur Halblicht durch die Vorhänge dringt und wo sie morphiumvernebelt und isolationsdepressiv ihre schleppenden Walzermelodien und fragilen Balladen spinnt. Fever Ray ist – vielleicht unerwartet beim Solodebut einer im Pop so erfolgreichen Gastvokalistin, die Royksopp immerhin den großen Durchbruch beschert hat – alles andere als eingängige, leichte Kost, sondern ein anstrengendes, ein irgendwie immer etwas unangenehmes Album, das sich hier zu eng und dort zu weit anfühlt, scharfkantig und amorph zugleich, immer irgendwie verkehrt und deplaciert. Ein dunkel schillerndes Konzeptalbum also, das perfekt zu Karin Dreijers Anderssons Selbstinszenierungen auf der Bühne passt und weniger den nächsten großen Hit produzieren soll/wird, als vielmehr ganz definitiv die Sängerin als ernstzunehmende Künstlerin etablieren dürfte, die ähnlich exaltierte und fesselnde Musik produziert wie Björk, ohne dabei auch nur für eine Sekunde nach der Isländerin selbst zu klingen, die nie so dystopisch, so zeitlupig war. Fever Ray ist der perfekte Soundtrack zu einem nie gedrehten Horrorfilm mit zu schwarzen, zu langen Schatten und flackernden Taschenlampen, in denen das Grauen nie gezeigt wird, aber jede Sekunde greifbar ist.

08:15 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Erik Johansson

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Der Schwede Erik Johansson vermischt Photographie und Photoshop zu oft surreal-wunderbaren Motiven, mitunter auch etwas banalen Montagen, die aber eher nach Auftragsarbeit aussehen, so dass die Idee vielleicht vom Kunden kam. Die guten Sachen des gerade mal 24-järhigen sind absolut sehenswert…

26. April 2009 16:32 Uhr. Kategorie Online. Tag . Keine Antwort.

The Long Hard Road to Minimalism

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Der Buchcover-Designer Henry Sene Yee beschreibt in seinem Blog den Weg zu diesem phantastischen Cover des Buches Columbine von Dave Cullen, dass sich um den mittlerweile 10 Jahre zurückliegenden Amoklauf von Eric Harris und Dylan Klebold dreht. Aus seinen Ausführungen wird schnell klar, dass der Weg zu diesem exzellent aufgeräumten fertigen Cover im Grunde ein skulpturales Arbeiten, ein Wegnehmen von Material ist, bis nur noch das allernötigste übrigbleibt und eine angemessen bedrohliche und zugleich spießig-enge Stimmung entsteht. Interessant daran ist, dass die Typo sich ab dem zweiten Entwurf kaum noch ändert und die ruhige, weiße Klarheit der Schrift am Ende sich auch auf der Bildebene durchsetzt. Was das Cover gut und mutig macht ist die weiße Schrift auf dem fast weißen Background und das Photo, tatsächlich ein ganz normales Pressephoto, auf dem die Schule aber wirkt wie eine Erziehungsanstalt. Exzellent.

24. April 2009 07:24 Uhr. Kategorie Leben. Tag . Eine Antwort.

:-D II

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22. April 2009 17:59 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 6 Antworten.

:-D

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17:26 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

House of Mystery

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House Industries gehören mit ihrem pop-artigen, oft auf Comics und den Werbelook der 60s zurückgehenden Vernacular Style verdient seit Jahren zu den Stars der Designszene und haben den feuchten Traum jedes Schriftschaffenden längst erreicht: den Crossover in die Popkultur. Anstatt nur digitale Fonts zu zupfen, geben Sie Konzerte, verkaufen Möbel und Mode (und nicht nur bedruckte T-Shirts), die dann wiederum von Popstars getragen wird, sie entpuppen sich als Meister der Selbstvermarktung und finden immer neue Wege, Spaß, Kreativität und soliden amerikanischen Sinn fürs Geschäft zu verzahnen.

Einen für deutsche Verhältnisse fast unvorstellbaren Zwischenstopp auf den Weg in den Designolymp haben die Herren Roat und Cruz inzwischen mit der Gestaltung des aktuellen WIRED-Covers erreicht. Das komplett von Alias/Fringe/Lost-Kopf und Star-Trek-Regisseur JJ Abrams als Wunderkind der Stunde und Obernerd zusammengestellte Heft kommt im Look einer Sixties-Werbung, wie man sie vielleicht auf dem Rücken eselsohriger Marvel-Comics finden konnte und erinnert sofort an X-Ray-Specs und geheime Tricks, um am Strand mit Muskeln aufwarten zu können, ein Stil, den auch Chip Kidd immer wieder gern zitiert, an den mich dieses Cover vor allem auch wegen des gelben Backgrounds sehr erinnert. Es ist verblüffend, nach all den Jahren – US-Retro ist ja nun wirklich kein neues Ding – wie gut dieser Pastiche-Look funktioniert, wenn er sauber gemacht ist… und hier ist er sehr sauber gemacht.

Vor allem aber ist es phantastisch, dass ein derart führendes Magazin – wieviel Magazine werden schon bei den Simpsons veräppelt? – sich so umfassend von einem Designteam umstricken lässt, inklusive neuem Titellogo und der Verwendung von House-Schriften im Innenteil. Man stelle sich vor, der Stern ließe Fons Hickmann völlig freie Hand an einem Cover oder die Neon würde sich von Hort komplett durch die Mangel ziehen lassen. Die positive Verzahnung von Design und Popkultur, von Konsum und Gestaltungsspaß, das «Angekommen-sein» im Mainstream ist in den USA sehr viel weiter als hier, vielleicht weil die USA durch die massive Werbekultur der Nachkriegsjahre und den aus dieser Zeit stammenden Designapproach, der ja inzwischen fast den Charakter einer Kunstepoche genießt, eine ganz andere, fröhlichere, unbeschwertere Einstellung zu bestimmten Aspekten von Design haben, während wir Deutschen es ja eher eine kühle, verkopfte Otl-Aicher/Dieter-Rams-Denke haben, die rationaler ist und sich deshalb nie so tief in der kollektiven Seele eines ganzen Volkes verankern konnte, weil wir aus Angst vor Kitsch und Heimeligkeit (die es in der Dekade nach WWII ja auch im teilweise allergruseligsten auch hier gab) eher auf ein emotionsfreies, abgehobenes, intellektuelles Design gesetzt haben. Absolut verständlich – und mit grandiosen Ergebnissen – aber manchmal frage ich mich, wie hoch der Preis für diese «High road» heute ist, da gut gemachtes Design in Deutschland nie Teil des Alltags geworden ist. Auch wenn die frühen Factor Design oft einen Bezug zu einer Werbesprache der Sechziger Jahre fanden, und dieser Look unglaublich oft kopiert wurde, fehlt uns absolut jeder Bezug zu einer naiven, fröhlichen aber dennoch eindeutig durchgestalteten Design-Sprache, wie sie die Amerikaner haben – oder?

07:09 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Zu verschenken 21: Die Photos

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Benjamin

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Ina

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Lars

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Markus

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Philipp

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Rafael K.

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Raffael S.

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Tobalo

Man, I missed this, I really did. Tolle Bilder, Benjamin und Tobalo schicken einfach durchgehend schöne Sachen. Wenn Ben nicht gerade eben was gewonnen hätte, wäre er es auch – aber so ticke ich in Richtung Philipp. Das wäre ein ausgesprochen schönes Buchcover-Motiv, finde ich. Alle anderen sind aber auch toll.

06:08 Uhr. Kategorie Leben. Tag , . 5 Antworten.

Zufallsbild

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21. April 2009 17:24 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 2 Antworten.

Funched

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Immer einen Link wert: Die Arbeiten von Peter Funch, der ohne Zweifel zu den besten Bildmanipulatoren seiner Zunft gehört. Für Babel Tales hat er in langen Sessions an den gleichen Locations in New York immer wieder Menschen photographiert und daraus Kompositionen à la Gurski gebaut, die aus dem zufälligen Menschengewimmel sehr gezielte Ergebnisse gewinnen, indem etwa nur Raucher oder nur Latte-Trinkerinnen auf den Bildern versammelt sind, die aber dennoch aussehen wie echte, wenn auch inszenierte Photo. Meisterhaftes Photoshopping ergibt Bilder, die weit über normale Photographie hinausgehen. Recht ähnlich ist übrigens Simon Hogsbergs (den ich ja ohnehin seit langem mag) 100m-Bild We’re all gonna die, das in Berlin entstand und auch eine Montage aus zig Einzelbildern darstellt.

10:42 Uhr. Kategorie Design. Tag . 3 Antworten.

One suite to rule them all

John Nack spekuliert in seinem stets lesenswerten Blog über den Ansatz, die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, aus Adobes Creative Suite eine einzige dokumentenorientierte Applikation zu machen:

« What if we leveraged these to provide the feel of being in one “CreativeSuite.app(.exe),” where each application is a module? Photoshop would be the image-editing mode of Illustrator; Illustrator would be the vector-editing mode of InDesign; etc».

Na, da wäre ich aber mal für zu haben.  :-D

08:26 Uhr. Kategorie Technik. Tag . Keine Antwort.

The color of the internet

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Nicht ganz neu, trotzdem einen Link wert, ist der neueste Output von Antrepo4, einer in Istanbul arbeitenden Designgruppe rund um Mehmet Gozetlik, die zwei Trends aufzeigt: Zum einen, dass Design immer mehr an die Grenze von Kunst geht im Hinblick auf Entstehung und Vermarktung (selbst gestellte Projekte, die dann präsentiert, ausgestellt und eventuell verkauft werden), zum anderen, dass man Design weniger und weniger ein Herkunftsland ansieht – die Arbeiten von Antrepo4 könnten ebenso aus London oder Japan kommen. Gozetliks Team begeistert seit einiger Zeit  immer wieder mit smarten Ideen, die so verspielt wie erwachsen, so farbenfroh wie inhaltlich kritisch sind – und die Analyse der dominanten Farben des Internets anhand von zig Sites  – so unnachvollziehbar diese Analyse natürlich dann im Detail ist :-D – bildet da keine Ausnahme. Antrepo4 zeigen, dass Dada auch minimalistisch aussehen kann.

08:14 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Gran Torino

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Nach Changeling präsentiert Clint Eastwood erneut einen Film der sich – wenn auch auf völlig andere Art – mit amerikanischen Werten auseinandersetzt, diesmal direkter und in der Gegenwart. War Changeling im Kern ein Film über die Verquickung von Polizeistaat und Psychologie, so steht im Zentrum von Gran Torino das moderne Amerika als Melting Pot vor dem Scherbenhaufen alter Werte und mit der Hoffnung auf einen Neubeginn.

Eastwood selbst hat nicht nur produziert und Regie geführt, sondern gibt mit dem verbitterten Ex-Koreasoldaten und Fordarbeiter Walt Kowalski auch eine inoffizielle Fortsetzung seiner legendären Dirty-Harry-Figur zum Besten. Obwohl es nicht einmal angedeutet wird, ist es für den Zuschauer nur zu leicht in dem steingesichtigen wortkargen Pensionär wider Wille Eastwoods letzten Abgesang auf seine Macho-Rolle zu sehen, die er hier zur letzten Konsequenz und Ruhe bringt – ein seltsamer Luxus für einen Darsteller, der hier sozusagen eine Art eigene Coda auf eine mit ihm identifizierte fiktionale Figur präsentieren kann, einen Nachklang, nicht zuletzt auch einen Twist, der die Figur als solche in Frage stellt und den Mythos Dirty Harry  – und all seine endlosen Epigonen – ge- oder vielleicht auch missbraucht, um den amerikanischen Machtmythos in Frage zu stellen.

Kowalski lebt als letzter «Weißer» in einem von Afroamerikanern, Hispanien und Vietnamesen – H’mong – besiedelten, ziemlich heruntergekommenen Viertel.Wo er täglich seinen Rasen mäht, muss er zusehen, wie bei den Nachbarn der Garten verkommt, die Dachrinne fast abfällt, missmutig betrachtet der frisch gebackene Witwer, wie bei der H’Mong-Familie direkt gegenüber die Gäste ein- und ausgehen, während er selbst mit seinen beiden verweichlichten Söhnen und ihren Punk-Kindern wenig anfangen kann. Walt kann mit der Kirche nichts anfangen, mit seiner Familie, mit seinen Nachbarn, mit der heutigen Zeit – er ist das Musterbild des angry white man, den wir zu hassen lieben. Er ist fröhlicher Rassist – obwohl er selbst ein Pole ist -, er ist oberflächlich, er ist ein Waffenfreak, er liebt außer seinem 1972er Gran Torino eigentlich nichts auf dieser Welt. Kowalski ist also genau die Sorte Typ, die wir als Nachbar ausgiebigst hassen würden. Erst als er Thao und Sue, die beiden Kinder der Nachbarsfamilie kennenlernt und vor der Gang von Thaos Cousin Spider zu beschützen beginnt, entfaltet sich – teilweise auch etwas schmalzig – eine Art Übergabe-Erzählung, bei der Walt, fast schon zu sinnbildlich, Thao seine Werkzeuge (und schließlich sogar den Ford GT) überlässt, ihn schult, ihn in die Arbeitswelt einführt und «adoptiert».

Hier spiegelt sich eine Neuentdeckung der Idee der USA als Melting Pot der Nationen recht deutlich, wenn sich Einwanderersöhne wie der Pole Walt mit seinem italienischen Friseur über die Ausländer aufregt oder ein offensichtlich irischer Pfarrer Walt zu betreuen versucht, zeigt uns Eastwood eine längst etablierte Welle von Einwanderern in die USA, die längst Establishment, Rückenmark, des Landes geworden sind. An einer Stelle sagt Sue zu Walt: «Aber Sie sind Amerikaner…» und hier nagelt Eastwood den Witz fest – es gibt keine Amerikaner (außer einer Handvoll Indianer in Reservaten), Amerika ist seit je her das Einwanderungsland, Walt ist nur deshalb Amerikaner, weil er einer geworden ist, weil er im Schmelztiegel des amerikanischen Traums aufgegangen ist. Streiflichtartig kursiert der Film über die verschiedenen Einwanderergruppen in Walts Ghetto und zeigt die seltsame Isolation der neuen Einwanderer, die sich in Gangs zusammentun und gegeneinander kämpfen, die sich als Iren wie schwarze Hiphoper geben, die – wie Thao -  seltsam gefangen zwischen Tradition und Neubeginn sind und ihre Identität zwischen Familie und einer neuen, amerikanischen Existenz am unteren Rande der Gesellschaft suchen müssen. Mit der toughen, sarkastischen Sue und dem stets bemühten Thao zeigt Eastwood einen Gegenentwurf zu den satten, gierigen Enkelkindern Walts, die das Erbe der Großvatergeneration lediglich verschleudern wollen – und im Film wird bald deutlich, dass nicht nur Walt persönlich die beiden bald mehr ins Herz schließt als seine eigenen Kinder, sondern dass auch hier mehr Zukunft für Amerika zu erwarten ist als bei den «eigentlichen» Amerika, das Eastwood bei einem Teil der Neuankömmlinge mehr Hunger und mehr Energie, mehr ursprünglichen American Spirit vermutet. Die Immigration als Hoffnungsquelle eines Landes ist kein neues Thema – und in Deutschland quasi zum Dauerhit geworden – aber so unverblümt, so deutlich und energetisch gab es selten im Film eine Staffelübergabe von der WWII-Nachkriegsgeneration des US-Wirtschaftsbooms zu einer neuen Generation. Es ist ein fast enthusiastischer Aufruf, ein Aufrütteln, ein Mahnen an die Werte, die Amerika (vorgeblich) groß gemacht haben. Den Autoren Schenk und Johannson gelingt im Rahmen von Gran Torino – nicht umsonst ein Muscle Car als Symbol der großen Autoindustrie der 50er-70er Jahre, die inzwischen von Fernost-Windkanal-Eiern ruiniert wurde – eine mal treffende, mal etwas platte Meditation darüber, was eine Nation wie die USA groß macht oder machen konnte… die Idee des Neubeginns. Die vereinfachte Botschaft: So wie früher die Juden, Iren, Italiener, Polen und Weltkriegsflüchtlinge, so müssen jetzt die Schwarzen, Hispanier und Asiaten zu einer neuen Identität verschmelzen, aufhören zu versacken und hart arbeiten und dabei neue amerikanische Traditionen und Größe bewirken, aufbauend auf ihrer eigenen Kultur und den Werten des Landes, in das sie gekommen sind. Platt ist das allemal, aber eingedenk der starken magnetischen Kraft dieses American Dream dennoch keine dumme oder falsche Botschaft, die hier angenehm kratzig, ohne großen Kitsch oder Leitkulturthematik daherkommt. Es ist eine Staffelübergabe, es ist eine politische Botschaft (die durchaus auch nach Erziehung und Förderung ruft), es ist ein Ritterschlag für eine neue Immigrantengeneration – ihr seid jetzt dran.

Da passt es, dass Eastwood in diesem Kontext zugleich den eigenen Abgesang auf seinen Beitrag zum American Dream zelebriert. Sein Kowalski ist nicht zuletzt auch die eher unbeliebte Fratze Amerikas – waffenvernarrt, zynisch, engstirnig, borniert, hitzköpfig, triggerhappy. Er verkörpert in einer seltsamen Mischung all das,was wir an den Vereinigten Staaten nicht mögen, aber dennoch irgendwie nicht umhin kommen, zu bewundern. Wenn Kowalski als einziger unter zig Zuschauern eingreift und eine Gang vertreibt, spiegelt sich hier sicher auch das Selbstverständnis der USA als globaler Polizist wieder – und bei allem Abscheu darüber, dass  Walt eine ganze Kiste Waffen im Haus hat, ist man irgendwie auch froh, wenn einer überhaupt für Recht und Ordnung sorgt. Der Walt zu Beginn des Films ist insofern eine Fortschreibung des Vigilante-Mythos der Dirty-Harry-Filme (und ungezählter anderer Filme), des Cowboy-Feelings des starken Mannes mit der größeren Waffe und der schnelleren Hand.

Umso bezeichnender, wenn Walt im Laufe des Filmes erkennt, das Gewalt keine Lösung ist, sondern eine eskalierende Spirale, dass seine Versuche, Thao vor der Gang zu schützen nur dazu führen, dass die Jugendlichen Thaos Schwester Sue übel zurichten und vielleicht sogar vergewaltigt haben. In einem Wutanfall demoliert Walt sein Wohnzimmer, wütend nicht auf die Gangmitglieder, sondern auf sich selbst, weil er erkennt, dass er selbst indirekt für Sues  Zustand verantwortlich ist. Jeder weitere Schritt des Films baut im Zuschauer dier Erwartung auf, dass sich der (vermutlich) krebskranke Walt auf seinen großen, letzten Showdown vorbereitet, sein eigenes Wikingerbegräbnis. Beichte, maßgeschneiderter Anzug, ein paar letzte weise Worte, ein Testament – und Kowalski scheint auf dem Weg zum letzten großen Feuergefecht. Statt dessen erlaubt Eastwood seiner Figur – und damit auch Harry Callahan – eine Lösung von solchen konservativen Handlungsmustern. Walt, befreit durch seinen ohnehin bevorstehenden Tod, scheint sich aus der Eskalationspirale zu befreien und opfert sich für Thao. Er provoziert die Gang, und als er ein Feuerzeug aus der Tasche zieht, wird er von Kugeln durchlöchert – vor genug Zeugen, um die Gang ins Gefängnis zu bringen. Was etwas wenig vorhersehbar im Rahmen des Films auch ein klein wenig inszeniert/unglaubwürdig wirkt (woher weiß man, dass die Zeugen auch die Polizei rufen? Seit wann verlässt Walt sich auf die Justiz? Gab es keine andere Möglichkeit mit weniger Melodrama? ), macht auf der Metaebene durchaus Sinn – es ist die Abkehr von Don Siegels kalter Weltsicht, ein Ende des Zynismus und der Gewalt. Kowalski/Callahan müssen sozusagen sterben, damit ihre Sicht auf die Welt auch untergehen kann. es ist ein Requiem auf die Seventies, auf Muscle Cars, auf den Detroit-Mythos von Amerika als starkem Mann der Welt, ein Abgesang auf Ideen, die unter Bush zu ihrer endgültigen Perversion gefunden haben und zu einem ängstlichen, überbewaffneten Amerika geführt haben. Mit Walt Kowalskis Suizid, der zugleich seine persönliche Schuld und seine Einsamkeit beendet, greift Eastwood erneut die Thematik von Unforgiven auf und treibt ein Lebenswerk als Schauspieler zugleich auf die Spitze und in die Negation. Auch wenn Gran Torino mitunter vor allem im Mittelteil etwas sülzig und der gesamte Plot etwas absehbar ist (was kaum auffällt, weil es so viel Spaß macht, Eastwood als grumpy old man zu sehen), gelingt Eastwood hier ein beachtenswertes Alterswerk, dass einen eleganten Bogen zwischen seinen alten, oft brutalen Filmen als Darsteller und seinen eher introvertierten und sensibleren Filmen als Regisseur spannt und einen eleganten und klugen Abschluss auf seine eigene Legende setzt.

07:28 Uhr. Kategorie Film. Tag . 2 Antworten.

Zu Verschenken 21: Praktische Typographie

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Etwas älter, aber die meisten typographischen Fakten altern ja eigentlich ganz gut, ist dieser Bestseller von Ralf Turtschi, eine liebevolle Einführung in die Grundbegriffe von Typographie und DTP.

Der Deal: Wer mir bis morgen  das schönste Photo fürs Blog per Mail zuschickt, kriegt die Bücher und trägt nur das Porto selbst.

20. April 2009 06:58 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 2 Antworten.

Zu Verschenken 20: Die Photos

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Benjamin

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Raffael

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Timo

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Tobalo

Lang lang ists her, und es waren auch nicht viele Photos (waren es echt nur vier – oder habe ich durch die Zeitverschiebung Photos übersehen beim Kramen in der eMail? Sagt Bescheid). The winner is Benjamin.

06:55 Uhr. Kategorie Leben. Tag , , . Eine Antwort.

Coming Soon: Pygmy

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Chuck Palahniuks neues Buch – jetzt vorbestellen :-D.

06:41 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

R.I.P. JG Ballard

Gerade kam von Thomas die Mail -  mit einem dicken :-( überschrieben -, dass J.G. Ballard tot ist. Einer der wenigen Autoren, denen man ein Adjektiv zugeschrieben hat («Ballardian»), leben wir längst in einer Welt, die Ballard fiktional beschrieben hat – die kleinen Übertreibungen und Zuspitzungen und Surrealitäten in seinen Romanen sind Alltag geworden. Wenn du hörst, dass jemand seine Tochter für Dekaden in einen Keller sperrt, wenn du hörst, was nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans (übrigens bis heute) passiert, wenn du von Amokläufern an Schulen läufst, wenn du über den seltsamen Fetisch Auto nachdenkst, der in der für diese Branche überfälligen Branche künstlich am Leben erhalten wird, weil wir anscheinend eine Gesellschaft ohne Autp unvorstellbar finden, wenn du von Terrorattacken in Mumbai hörst… dann sind das alles typische Ballard-Themen – und entsprechend seiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Leben in der (Post)-Moderne gehört Ballard zu den wenigen Autoren, die Künstler, Musiker, Filmemacher und sogar Philosophen inspiriert hat. Ballard starb gestern im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

06:36 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . Keine Antwort.

Kompetenz 3000

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Kam gerade via Thomas Junold, geknipst von «Manni»: Achtet auf das Wort neben Lichtwerbung.

19. April 2009 14:54 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 4 Antworten.

Sebastian Van Den Akker

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Es ist schon frappierend, wie viel ungemein gute Photographen es gibt, allein hier in der Region. Jedes Jahr perlen aus den FHs Talente, die sich nach und nach von ihren Vorbildern lösen und wunderbare Bildinszenierungen oder Streetbilder abliefern und den ohnehin großen Pool visueller Eindrücke, Stimulationen und Faszinationen bereichern. Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, ob so viel Talent den Markt – ähnlich wie bei den Designern – nicht irgendwie völlig ruiniert, aber es ist als Betrachter faszinierend, wie bei Autoren und Musikern, immer wieder auf ein Talent zu stoßen, dass einfach toll ist. Es gibt Tage, da frage ich mich, ob wir nicht verweichlichen, mehr Ingenieure und Handwerker brauchen, und es gibt Tage, da finde ich es fast utopisch, dass wir zu einer Gesellschaft werden, in der so viele Menschen einen inneren künstlerischen Ausdruck suchen und sich mit der Welt und den Menschen darin auf so unterschiedliche Weise befassen.

Sebastian van den Akker kenne ich paradoxerweise schon einige Zeit über Publikationen und Präsentationen, wenn ich sein Portfolio durchgucke, erinnert man sich schon wieder an den Eindruck, den bestimmte Bilder beim ersten Sehen hinterließen – aber gestern hat mich unsere Praktikantin Yvonne noch einmal auf ihn gestoßen, aus akutem Anlass, und die Arbeiten sind definitiv einen Link und einen Tipp wert. Inzwischen mehrfach preisgekrönt, wird Sebastian von Gunda Patzke vertreten und wenn jemand einen herausragenden kühlen, sachlichen und doch unglaublich hinterfotzigen Bildinszenierer sucht, seid ihr hier richtig. Also: Bucht den Mann!

17. April 2009 10:38 Uhr. Kategorie Design. Tag . 2 Antworten.

Helene Grimaud: Bach

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Das hier wird nicht leicht – normalerweise lasse ich die Finger davon, öffentlich aufzuschreiben, was ich zu meinen Jazz- und Klassik-Sachen denke. Pop ist so viel einfacher, weil ich da auf einen Hintergrund zurückgreifen kann, Verbindungen verstehe, Fäden sehe. Klassische Musik, und eigentlich auch Jazz, sind fremde Orte für mich, unerlernte Orte, die ich zwar seit Jahren besuche, wo ich mich aber immer wieder verlaufe und kaum auskenne. Ich höre alle Musik wie Pop – also intuitiv. Und das ist für normale Musik okay, aber selten für Klassik-Reviews. Ich will das ein wenig ändern, weil ich sonst selbst hier – und das Blog ist ja wenig mehr als ein Notizbuch – meine Erinnerungen verzerre und mir selbst die Chance nehme, eben auch über die Klassik-Scheiben nachzudenken… und das tut man seltsamerweise, wenn man darüber schreibt, ganz anders, als wenn man nur hört. Im Formulieren entdeckt man bewusst andere Seiten der Musik. Warum sollte ich das nur mit Popmusik tun? Im vollen Bewusstsein, mich gründlich zu blamieren und meiner Ignoranz auch noch eine öffentliche Bühne zu geben – mehr als sonst schon -, werde ich also ab jetzt vorsichtig auch ein paar Klassik/Jazz-Sachen hier reinpacken. Es ist – wie beim Pop auch – alles andere als ein echter Review, sondern einfach nur ein persönliches Reagieren auf Musik und insofern, in diesem Falle nur eben noch mehr, fehlerhaft.

Seit einigen Jahren wird der kommerzielle Klassikmarkt, fest in den Händen weniger großer Label aufgeteilt, wie Pop behandelt. Zwar süßlicher, kitschischer verpackt als Rock und Pop, eben vermeintlich zielgruppenaffin, aber doch mit klaren Starstrukturen, gut aussehenden jungen Talenten, die mit enormen Marketingaufwand gepusht und dann in die großen Arenen gezogen werden – ob diese Verwertungsstrategien der Musik als solches oder gar den Stars selbst wirklich gut tun, sei dahingestellt. Als Musiker hast du in der Klassik nicht die gleichen Möglichkeiten wie in den anderen Bereichen, dich zu entwickeln, selbst zu komponieren, dich auszudehnen. Im Pop ist es eher normal, eigene Kompositionen zu spielen, in der Klassik eher nicht – und so werden die Starpianisten, -streicher und -sänger durch das verkaufbare Repertoire gehetzt, spielen sich durch die Werkskataloge, um für die Backlist und für die Tourneen Material zu haben. Hélène Grimaud ist eines dieser fast beängstigenden Hypertalente, trotz inzwischen 38 Jahren hochphotogen,  die von der Universal-Tochter Deutsche Grammophon so perfekte Marketingpolitur erhält, dass man sich scheut, sie ernst zu nehmen. Umso wütender und entschlossener klingen ihre Bach-Einspielungen, fast gehetzt jagt sich Grimaud durch die legendäre c-Moll-Prélude und -Fuge. Furios wütende Spannungen zwischen laut und leise und ein dabei paradoxes, fast Gould-esques Flair mechanischen und etwas gefühlslosen Spiels, bei dem man das Gefühl nicht los wird, einem dampfbetriebenen Spielautomaten zuzuhören, der mit dem Stakkato eines Stummfilmpianisten die zu schnell ablaufende Handlung eines Harold-Lloyd-Films begleitet. Positiv formuliert also ist Grimaud trotz etwas halligem Sound und gerade in den leisen Passagen einem Gefühl von zuviel Pedalarbeit seltsam respektlos vor Bach, schält eine innere Härte und Mathematik der Musik heraus, entmystifiziert und säkularisiert und arbeitet so aus dem vermeintlich Sakralen und Erhabenen der vertrauten Kompositionen (die zum großen Teil aus dem Wohltemperierten Klavier stammen) eine moderne Kälter heraus, die wenig dazu einlädt, sich unter Kopfhörern zu kuscheln. Zwar gibt es «weiche» Nummern, wie etwa das C-Dur-Präludium, aber selbst hier setzt Grimaud klirrende, rasante Akzente, die allerdings noch verträglich sind zu der wütenden Geschwindigkeit, in der sie das d-Moll-Präludium zerpflückt. Wo andere Pianisten – was ja durchaus auch schön sein kann – auf weiche Akzente und Gefühl setzen, baut Grimaud eine Leistungsschau auf, in der Anschläge präzise wie computergesteuert sitzen und in der eine lichte klare Härte die Musik durchdringt – eher Le Corbusiers Sainte-Pierre als die Bach-Kirche in Arnstadt. Atemlos und stählern, hallig und dennoch stumpf wie ein Faustschlag wirken die Präludien und Fugen unter Grimauds Händen – sicher ungewohnt, sicher kalt, aber nach etwas einhören vielleicht gerade dadurch frisch und unpiefig, zumal Grimaud sich durch einen irgendwie ungebürstet und etwas willkürlich erscheinenden Katalog von Bachs eigenen Bearbeitungen, aber auch Interpretationen von Busoni, Rachmaninow oder Liszt arbeitet. Das verleiht dem Album einen etwas sprunghaften Eindruck, der umso seltsamer wird durch den plötzlichen Gegensatz zu den etwas süßlicher wirkenden d-Moll-Konzert für Klavier und Orchester, fast transluzent zurückhaltend eingehüllt von der Kammerphilharmonie Bremen, die Grimaud präzise und überaus unaufdringlich begleiten. Auf Busonis Chaconne in d-Moll fährt Grimaud von extrem schlanken, fast pointillistischen Tontupfern zu monströsen stählernen kantigen Klangskulpturen auf und so gewinnt die Romantikexpertin auch Bach ein Gefühl der gequälten Seele ab, ein fast wütendes Suchen nach dem ursprünglichen Klang in Bachs Musik. Das gibt dem Album eine Strenge, die weitab von besinnlicher Schmuse-Wellness-Klassik ist (als die man das wohltemperierte Klavier zu oft hört) und schält einen skulpturalen, filigranen und doch aus solidem Stahlbeton bestehenden Entwurf heraus, der nicht immer gefällt – und auch nicht gefallen will – aber auf jeden Fall meist beeindruckt. Für eine kommerzielle Starpianistin immerhin ein bemerkenswerter Ansatz, Bach und seine Interpretationen juxtapositioniert zu re-interpretieren, zu dekontextualisieren, neu zusammenzusetzen, Brücken zu bauen und eine allzu vertraute Musik schreiend und klirrend in die Gegenwart zu zerren, urban zu machen. Das unmögliche Unterfangen, etwas Neues in Sachen Bach zu liefern, ist hier vielleicht nicht durchgehend gelungen, aber zumindest engagiert versucht.

10:12 Uhr. Kategorie Musik. Tag . 7 Antworten.

Robyn: Robyn

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Robyn ist das, was du «guilty pleasure» nennen darfst. Obwohl du zumindest befürchten darfst, dass Robyn vielleicht im Grunde eine Trittbrettfahrerin ist (immerhin hat sie in den 90ern eher glattgebügelten Pop produziert, andererseits war sie da fast noch ein Teen) und – wenn sich mit ihrem aktuellen Sound kein Erfolg einstellen würde – sofort irgend etwas anderes machen würde, vertraust du ihr und ihrem Konichiwa-Plattenlabel irgendwie trotzdem. Obwohl ihr Sound nicht gerade sonderlich neu oder provokat ist, bohren sich Track wie Cobrastyle mit ihrer stupiden 1-Pattern-Sequenzerlogik in deinen Kopf. Obwohl die Tracks auf «Robyn»nicht gerade homogen sind, und von einer seltsamen skandinavisch-kalten Fassung von GwenStefani/Missy-Elliot-Feeling (Konichiwa Bitches) über seltsam Prince-artige Tracks (Should have Known) bis zu chartskompatiblen Mainstream heruntergehen (With every Heartbeat), ist das vierte Album der Schwedin nach über fast vier Jahren (das Album erschien 2005 in Schweden) immer noch überraschend frischer Pop, der sich besser gehalten hat als so manches ambitioniertere Album. Das liegt vor allem an der Rotzigkeit, mit der Robyn die Platte produziert hat, die immer ein wenig roh und unfertig wirkt, eine seltsame Melange der Britney-Spears-Einflüsse der vorherigen Robyn-Alben, mit einem Schuss HipHop und etwas Electroclash. Die Melange, die natürlich hochkommerziell an vor zwei Jahren in den Clubs drehende Trends anknüpft, entpuppt sich nach mehrfachen Hören als Popalbum, das gerade genug Ecken und Kanten hat, um nicht seifig zu wirken. Die aggressiven pseudotaffen Text, die etwas mißlungene und gerade deshalb großartig parodistisch gelungene Art-Pop-Pose des Covers und des Gesamtstylings des Albums, die wirklich liebenswert-miserablen Raps, der unterkühlte Antisex der Stimme – das ist Pop, wie er sein muss. Ein wenig zu pompös, ein wenig zu zitatenlastig, ein wenig zu Mix-and-Match, aber auf eine seltsame Art eben doch perfekt in der Balance. Zu cool, zu posernd st die Scheibe und trotzdem so niedlich, dass du sie mit nach Hause nehmen und mit Hooklines aus der Dose füttern willst. Robyn entpuppt sich als seltsames Wunschkind von Robert Görl und Kylie Minogue, ihre vierte CD seltsamerweise als ein Hybid aus einer Art Debutalbum, dass sich anfühlt wie ein Best-of-Album, vielseitig, schillernd, oberflächlich, tief und vor allem ein Riesenspass – und viel mehr als die grinsende Fröhlichkeit und All-Night-Long-Attitude, mit der Robyn sich hier präsentiert, braucht es vielleicht auch nicht, um das Album zu lieben.

15. April 2009 08:45 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . 2 Antworten.

Baum

6. April 2009 08:31 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . 3 Antworten.

Franz Ferdinand: Tonight

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Mehr Disco, haben die schottischen Art-Britpopper um Alex Kapranos anscheinend gedacht – und um jeden Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses Ansatzes beiseite zu fegen, haben Franz Ferdinand ihrem dritten Studioalbum nach vier Jahren Pause gleich ein Dub-Remix-Bonusalbum beigelegt, auf die eigentlichen Tracks bis zur Unkenntlichkeit dekonstruiert werden und das im Grunde mitunter spannender daherkommt als das Mutterschiff Tonight, das sich eben in reguläreren Song-Gewässern bewegt. Denn trotz der Selbstsicherheit, mit der Franz Ferdinand ihren Gitarrensound ausbremsen, langsamer werden, konzentrierter, auf Synths und Drumcomputer zugreifen, bleibt Tonight absolut ein Franz Ferdinand-Album. Tanzbar, smart, ein bisschen unsicher wie der Typ an der Bar, der versucht, cool zu posen und doch nervös wirkt. Es wirkt mitunter, als sei über eine Art Ferdinand-in-Zeitlupe-Sound ein Tortenguss aus dicken Retro-Synths gelegt worden, der echte Richtungswechsel, als der Tonight angekündigt war, ist das nicht, der Moshbeat ist immer noch in den Stücken – gottseidank, eigentlich. Die zackigen Highspeed-New-Wave-Beats von You could have it so much better und Franz Ferdinand sind durch ein Downer-Bad gegangen, runtergebremst, Zeitlupe, raus aus den Londoner Clubs von 1979, rein in die New Yorker Studio-54-Discos der 80s, mehr Gel in den Haaren, mehr Glam, mehr Blondie, mehr Talking Heads, mehr Roxy Music. Die Synths von Songs wie Twilight Omens oder Live Alone sprechen Bände. Kapranos sieht auf dem Weegee-artigen Cover ja nicht ohne Grund ein bisschen wie Bryan Ferry. Bei alledem geht das enorme Talent der Herren aus Glasgow für Hooklines nie verloren, es ist nur verfeinert. Ulysses dürfte insofern die Band endgültig in den Mainstream heben und auf zukünftigen Best-Of-Alben ebenso vertreten sein wie No Girls. Tatsächlich wirken nahezu alle tracks auskoppelbar, wenn auch mal an der Grenze der Belanglosigkeit (Send him away). Mit studentischer Gründlichkeit wird der Dancefloor der frühen bis mittleren 80er analysiert und neu mit dem eigentlichen Sound von Franz Ferdinand amalgiert. Das Ergebnis ist eine Musik, die tatsächlich frisch und etwas anders klingt, und sich doch treu geblieben ist – eine Hürde, an der viele Bands scheitern, die entweder ihrem eigentlichen Sound nie ganz entwachsen oder sich in Experimenten verlieren und den magischen Funken verlieren. Von beidem kann hier keine Rede sein, die Souveränität und zeitgleiche Spielfreude, Direktheit ist immer greifbar. Tonight wirkt fast wie ein Konzeptalbum, der Soundtrack der urbanen Jugend, die sich mit Musik für die Nacht aufputscht, tanzt, zu viele miese Drogen und gepantschte Biere trinkt, bis zuletzt mit den Armen in der Luft Party macht (Can’t Stop Feeling und das wie ein Drogenrausch verebbende TB606-Ende von Lucid Dreams), bis die Musik abgedreht wird und man einsam und betrunken durch die flüsterndmagische Nacht heimgeht (Dream Again) um am Ende verkatert beim Come-Down am nächsten Nachmittag Johnny Cash zu hören (Katherine Kiss Me).  Die eigentliche Leistung des Albums ist aber, dass es darunter eine seltsame Trockenheit hat, eine Oberflächkeit, ein (hoffentlich) ironisches Posertum, eine aufgeschminkte Attitude, die Suggestion von Drogen und Sex und durchgemachte Nächten, aber ebenso offensichtlich inszeniert wirkt wie das Albumcover, ein hämischer Selbsthass, der die Teenieindiepophymnen durchwebt. Dieser Mix aus pulsierender Energie und Frustration, zwischen dem ausgeputschten Sextrieb und Leere, zwischen Discobeats und verhallter Gitarre, zwischen Egotismus und Selbstverachtung, bringt ultimativ das Pop-Lebensgefühl einer hedonistischen und zugleich allein gelassenen MySpace-Hipster-Generation auf den Punkt. Eine Müdigkeit, ein Abfinden damit, dass man den eigenen Sound nicht ändern kann, nur noch Einflüsse neu re-arrangiert wie Möbel in einer zu großen Loft, Zitate in einem Hypertext, der alles zulässt und nichts ermöglicht. Unter der Lebensfreude des Albums gähnt eine entsetzliche Leere, und ich möchte zumindest hoffen, mit Absicht – es würde die Platte vom reinen Popalbum zum Statement veredeln. Das allein, ob beabsichtigt oder nicht, ist eine Leistung, die nicht jedem Album gelingt. Es ist, als fände unterhalb der eigentlichen Tracks, noch eine zweite Story statt, die bitter und zynisch die scheinbare Lebensfreude der Songs kommentiert. Mag aber sein, dass ich mir das nur einbilde oder Franz Ferdinand zu viel Absicht unterstelle – vielleicht ist Tonight auch einfach nur ein Album voller Dancefloor-Knaller mit zwei drei ruhigen Nummern und fertig.

Die Bonus-Disk Blood remixt die Tracks von Tonight zu drogenumnebelten African-Beat-Dub-Versionen mit einem ordentlichen Touch Glitch oder mal einem Schuss New Order/Joy Division (The vaguest of feelings, einem der vielleicht besten Zitat-Tracks beider Scheiben), die einen ordentlichen Tick soundtrackiger und moderner wirken als das eigentliche Album. Blood wirkt weniger wie ein Zusatz oder Nachgedanke, sondern wie das eigentliche Experiment, bei dem die Fragmente von Kapranos Gesang oder die maueren Remixe (wie Feeling Kind of Anxious oder  Katherine Hit Me) oft fast störend wirken. Wenn Tonight der Soundtrack einer Nacht ist – so wie das Buch, nach dem der Track Ulysses benannt ist einen Tag umspannt – ist Blood der nebelige Second Dancefloor, wo die härtere Musik läuft und die härteren Leute rumhängen.Ehrlich gesagt, auch wenn Blood ganz offenbar eine Beigabe zu sein scheint, wäre es vielleicht schöner gewesen, Blood als das Hauptalbum zu veröffentlichen und Tonight als Bonus.Wo Tonight nur die Einsicht dokumentiert, dass FF ihren eigenen Sound nicht ändern, nicht entwickeln, nur modifizieren und ironisch brechen können, zeigt Blood das genaue Gegenteil – hier wird das Retrozitat aufgebrochen, mit anderen Einflüssen durchmixt und wirkt tatsächlich recht modern und weit weg von den Leuten, die wahrscheinlich bei No You Girls fröhlich mithüpfen und sich bei dem Dubhallnebel von Feel the Envy seltsam fühlen würden. Tonight ist die lebensmüde, wunderbar hochglänzende Dandypose der Band, Blood zeigt aber den dringenden flirrenden 5-a.m.-Wunsch, mehr zu sein, als man eigentlich ist, aus dem eigenen Kokon zu entkommen, sich selbst zu überwinden. Mehr davon, bitte.

3. April 2009 05:57 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

So sieht’s aus

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04:36 Uhr. Kategorie Leben, Stuff. Tag . Keine Antwort.


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