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Rad

30. Dezember 2008 18:57 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 2 Antworten.

Tankstelle

29. Dezember 2008 23:36 Uhr. Kategorie Leben. Tag . Eine Antwort.

Flower

28. Dezember 2008 16:49 Uhr. Kategorie Leben. Tag . Keine Antwort.

Battle Field Eye

hd schellnack
Edgar Lipki hat mich – zusammen mit seinen Mitstreiter Joker Nies und Ernst Gaida-Hartmann – bereits mit Civil Landing mehr als begeistert, das Stück ist nahezu zwei Jahre später immer noch immer dabei, wenn ich unterwegs bin. Gestern auf langer Fahrt habe ich sein etwas älteres Battlefield Eye gehört, nach Massai Hitler das dritte Stück von Lipki, dass ich kenne. Alle drei folgen einer exakt gleichen Konstruktion, die mit hoher Selbstähnlichkeit eine enge Verbundenheit der drei Werke suggeriert, die schon bei den jeweils aus zwei Worten bestehenden Titeln beginnt, aber auch mit der größeren Thematik Krieg und Ästhetik, die die drei Hörspiele wie eine Klammer umgibt. Wie Civil Landing arbeiten Lipki/Gaida-Hartmann und Nies auch bei Battlefield Eye von 2001 mit einer reduzierten Musik aus Bass, Schlagzeug/Drumcomputer, Gitarre und etwas Keyboard, die einen emotionalen und hypnotischen Teppich für die von Leslie Malton und Friedhelm Brebeck eingesprochenen Texte. Saint-Exupery, Jünger und die fast zerfleischenden Texte eines Kriegsberichtserstatters, konterkariert von Bildbeschreibungen einer angreifenden Rakete, und Wortfetzen, die einzelnen Passagen wiederholt, zwischen den beiden Sprechern wechselnd, mesmerisierend, mit wunderbar 3-2-1 angezählten Brüchen, mit Stille und Ekstase  – all das schafft einen Klangteppich, der so verstörend wie betörend ist, ein Patchwork, das durch Wiederholungen, Rhythmisierung, durch Pausen und bewusste Brüche besticht und so eine tiefere emotionale Wahrheit kommunuziert als es ein reiner Text – etwa Sontags Regarding the Pain of Others – jemals könnte. Wie eine Schleife durchlaufend, ohne Anfang, ohne Ende – und als Loop auch ideal mehrfach hörbar – ist Battlefield Eye ein vielschichtiges und trotzdem luzides Werk zwischen moderner Popkultur und dem zeitlosen Gestank verwesenden Fleisches. Das gewagte Experiment, eine an sich visuelle Story ausgerechnet in Töne zu verpacken, in der es nicht zuletzt um das von der Kamera nicht zu erfassende geht, Gefühle und Gerüche. Brebecks O-Töne haben eine Wucht – die Formulierungen, die Pausen, die kunstvolle Sezierung der Sprache am Rechner in immer wieder neu rekonstruierte Satzbausteine, teilweise gespiegelt und gebrochen von Maltons Stimme, von Verzerrung, von Delay, immer kommentiert von der Musik – die weit über ein plattes Angreifen der Kriegs-Medienkultur hinausgeht. In Lipkis Spiegelkabinett der O-Töne, in dem Meer aus Schleifen und Fragmenten eröffnet sich keine moralische Botschaft, so naiv wäre Lipki nicht, sondern eine chiffrierte Meditation über ein Thema, ein dramaturgischer, endlos weiterdenkbarer, unterkühlter Zettelkasten. Im Gegensatz zu den beiden anderen Stücken, die öffentlich bisher meines Wissens nicht verfügbar sind, kann man Battlefield Eye auf einer auch ansonsten mehr als hörenswerten Sammlung von EinsLive-Hörspielen kaufen.

25. Dezember 2008 17:36 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Morsmors

06:44 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Eine Antwort.

Frohe Weihnacht


Feiert schön…

24. Dezember 2008 23:51 Uhr. Kategorie Leben. Tag . Eine Antwort.

The Violent Creator

The violent one, the creative one who sets forth into the unsaid, who breaks into the unthought, who compels what has never happened and makes appear what is unseen – this violent one stands at all times in daring… There fore the violence-doer knows no kindness and conciliation (in the ordinary sense), no appeasement and mollificaton by succes or by prestige and by their confirmation.

Martin Heidegger, aus: Slavoj Zizek: Violence.

13:28 Uhr. Kategorie Design. Tag . Eine Antwort.

Red

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23. Dezember 2008 23:17 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 2 Antworten.

Stachel-Typo

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Ich weiß, es soll die Tauben im urbanen Kriegsschauplatz von den wertvollen Logos an den Hauswänden fernhalten – aber von weitem sieht es aus, als würden dem Logo Haare wachsen, oder vielmehr Stachel. Sehr anheimelnd.

21. Dezember 2008 19:04 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 6 Antworten.

John Barclay: Talks About Money

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Abgesehen davon, dass es apropos ist, wenn ein Autor namens Barclay (gemeinsam mit Linda van Deursen)  ein Buch über Geld macht, ist Talks about Money  vor allem ein lesenswert verspieltes Dokument der Ratlosigkeit unserer Branche in Sachen Geld. Die Interviews, die Barclay mit etablierten Designern aber auch Newcomern und Freelancern führt, zeigen auf, wie wenig Anfänger aber auch Profis eigentlich wirklich von Preisgestaltung wissen und wie unterschiedlich die Strategien der Kommunikation von Gestaltungskosten am Markt sind. Aus Kundensicht eigentlich ein Horror, diese völlig verschiedenen Ansätze, eine doch relativ gleiche Leistung zu beziffern. Den kurzen und kurzweiligen Inhalt verpacken die beiden Autoren sehr charmant in Sprechblasen, die das Buch zu einem der schlecht gestaltetsten Bücher über Design machen dürften :-D.

Am Ende des Buches weiß man eigentlich selbst nicht viel mehr über die Art, wie man abrechnen sollte, über den idealen Stundensatz oder die goldene Strategie, Klienten den Wert von Design zu verkaufen, aber man hat eine Ahnung, dass man nicht allein ist mit den Problemen, die man im Alltag hat zwischen Kunden, die am liebsten eine Webpage für 150 Euro haben möchten, und Kollegen, die für ein paar Zeilen Text und zwei Musterseiten fünfstellige Beträge verlangen. Was man mitnimmt ist das Gefühl, dass die Lizenz-Tarif-Ansätze im Stile von BDG und AGD auch für die meisten Kollegen im Buch nicht funktionieren und Stundensatz plus ein gesundes Augenmaß dafür, was die Klienten zahlen können, noch am ehesten machbar sind. Du lernst, dass Stundensätze wild zwischen 75 und 300 Euro fluktuieren, und verstehst, dass wir vielleicht wirklich eine Art Architekten- oder Ärztekammer bräuchten, die diese Unsicherheit von oben herab zumindest etwas mildert.

Geld ist für Designbüros ein seltsames Thema. Die großen Studios, bei denen vor allem die «nette» Gestaltungsseite und die eher unfreundliche Kalkulation personell völlig getrennt sind, können horrende Stundensätze und -mengen durchsetzen, die kleinen Freelancer beuten sich oft selbst gnadenlos aus (was dann eben oft bedeutet, dass die großen Studios die Jobs an die selbstausbeutenden Freelancer abgeben und sich die Differenzsumme einstreichen, so dass der Kunde eigentlich auch direkt zum Studenten X hätte gehen können, der das eigentliche Logo entworfen hat :-D). Auch beim Kunden fehlt ein Gespür für die richtige Dimension – trotz sich an Endverbraucher wendender und insofern gegenüber den AGD-Preislisten zumindest halbwegs realistischer Preislisten wie Rotstift -, die gleichen Leute, die mit dem riesigen BMW vorfahren, wollen für ihre Gestaltung, die doch eigentlich zentrales Kommunikations- und Erfolgswerkzeug ist, nur Peanuts ausgeben und entwickeln ausgerechnet in diesem sensiblen Bereich eine ruinöse Geiz-ist-Geil-Mentalität. Klare, pragmatische Regeln wären also eigentlich für beide Seiten eine wichtige Entwicklung. (Und bitte ohne Lizenz-Gedöhns, niemand versteht das. Wenn man einen Rechner entwickeln muss, der regionale und zeitliche Faktoren multipliziert, wird es unkommunikabel . . . und ich weiß selbst, dass ich vor Photographen zurückschrecke, die neben dem Tagessatz auch noch Lizenzen wollen, nicht, weil ich es aus Prinzip nicht mag, sondern weil es ganz schnell und ganz kräftig alle Budgets sprengen kann und unflexibel ist. Ich verstehe, wieso die Lizenzen eine gute Einrichtung sind, aber in der Praxis sind sie oft abstruser Käse und jeder weiß das.)

Die Frage, die Studenten am häufigsten stellen, wenn sie anfangen, nebenbei kleinere Jobs zu machen, ist: Was kann ich dafür nehmen? Das Kalkulation und BWL nicht im Designstudium so integriert ist, das man praktisch nach dem Abschluss weiß, wie die Business-Seite des Grafik Designs aussieht, ist sehr schade. Talks about Money schließt diese Lücke nicht, macht aber auf sehr spaßige Weise zumindest klar, dass man mit seinen improvisierten Strategien nicht allein ist, im Gegenteil.

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09:09 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag , . 2 Antworten.

2 Kilo Of Kesselskramer

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Ein Buch, das ich verliehen hatte, nie wieder bekam (das ist ne lange Liste inzwischen), dann lange nicht kriegen konnte und jetzt endlich wieder habe, ist das legendäre Ziegelstein-Buch der Amsterdamer Agentur Kesselskramer (nicht von der Site verwirren lassen, reloaden und Spaß haben :-D), das exemplarisch zeigt, wie weit vorn die Niederländer (die inzwischen auch in London tätig sind) sind, nicht nur in Sachen  Design, sondern auch bei ganz normaler kommerzieller Werbung, etwa für Mobiltelefonie-Anbieter. Es ist weniger das (durchaus exzellente und oft bewusst trashige) Design von Kessselskramer, sondern vielmehr die immer vorbildlich anderen Ideen, mit denen sie ihre Klienten beglücken – und diese unglaublichweise irgendwie an scheinbar extrem mutigen Marketingentscheidern vorbeikriegen.

Bei Fake im letzten Jahr fragte Gesine Grotrian- Steinweg die versammelten Studenten, ob sie KK kennen, und niemand kannte es. Nichts schlimmes, man kann ja echt nicht jeden kennen. Aber dies ist eure Chance, diese Wissenslücke  zu schließen – es lohnt sich. Oh, und bestellt das hier und jenes hier doch gleich mit :-D.

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20. Dezember 2008 16:01 Uhr. Kategorie Design. Tag . 3 Antworten.

Q&A

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If you owned a store, what would you sell there?
Stuff. Antiques, and New Design Stuff, Objet Trouvées. Old Toys. Camera, vintage watches and old fountain pens. Music and Books. Stuff I buy second hand, restore and re-sell. Should be quite an interesting shop, with hopefully nice and interesting customers.

If you owned a restaurant, what sort of food (cuisine) would you serve?
Probably classic German Stuff, maybe with a hint of humor and irony. There’s not enough of that going around, we either got lots of foreign restaurants (which are all quite good, except for the fact that there is a flood of turkish and italian fast food stuff and not that much else besides), or German restaurants which either try to opt for nouvelle cuisine (and mostly fail) or take themselves too serious. Old-fashioned and funny, delicious and maybe not too much heavy stuff, less meat, less fatty. Feel-good food. Also, once upon a time I really thought it would be keen to open up a Fondue-Restaurant. You just provide the ingredients and the customers basically cook for themselves – and it should be interesting to see what kind of people come to a restaurant like this, where you cannot munch down your dinner, but rather have to take time, talk, enjoy the evening.

If you could speak another language perfectly, what would it be?
Dutch. I’m really kinda jealous of Markus in that regard (well, not only in that).

If you were a doctor, what would be your specialty?
Psychology, I think.

If you could have your dream job, what would it be?
Kinda like the one I got, probably with the usual addendums: More clients, more creative freedom, more money and all that jazz. Well, yeah, everybody wants that.
And of course all kinds of jobs closely related to what I already do – working in architecture, music, theatre, maybe writing. Also, lecturer on design in a good school would be cool :-D.

If you could have your dream partner what two qualities must they have above all others?
Humour and a strange blend of passion and patience.

Pretty inspirational questions found on Jonathan Carrols Blog
(Answers by me, obviously ;-))

17. Dezember 2008 11:13 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Michael Chabon: The Yiddish Policemen’s Union

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Wie auch in The Final Solution versucht sich Chabon in The Yiddish Policemen’s Union erfolgreich an Genreliteratur, in diesem Fall an Hard Boiled Crimefiction à la Dashiell Hammet oder auch Raymond Chandler. Ein Genre, dass zugegebenermaßen eigentlich keine weiteren Epigonen braucht, die den ohnehin ausgetretenen Pfad noch breiter trampeln. Würde man für jeden angeblichen «nächsten» Chandler einen Euro kriegen, man wäre ja mehr als reich.

Das Ding ist nur: Chabon ist wirklich gut. Wirklich gut. Zum einen, weil er seine kleine schwarze Geschichte in ein völlig wunderbares, historisch mehr als surreales Setting setzt, zum anderen, weil er die Ticks und Tricks von Hammet und Chandler nicht einfach nachahmt, sondern versteht und liebevoll-ironisch wendet. Es ist faktisch die Sorte, bei der dir jedes Kapitel, jede Seite mindestens einmal Respekt vor der schieren Phantasie oder dem handwerklichen Können des Autors abfordert.

Chabons Erzählung spielt vor dem hintergrund einer fiktionalen alternativen Geschichtsentwicklung, in der die jüdischen Flüchtlinge am Ende des zweiten Weltkriegs nie nach Israel gingen, sondern – einem tatsächlichen historischen Vorschlag von Harold Ickes folgend, der in unserer Wirklichkeit nie vollzogen wurde – nach Alaska gingen. Der historische Dreh- und Angelpunkt ist ein Autounfall des Kongressabgeordneten Dimond, der in der echten Welt die Ansiedelung der Juden verhinderte, in Chabons Realität aber gemütlicherweise stirbt. Vor dem Hintergrund dieses einen Todes ändert sich die Welt drastisch – der zweite Weltkrieg verläuft anders, Kennedy wird nie ermordet, der Nahe und Ferne Osten sehen komplett anders aus. Chabon reißt die Alternate History nur an, und widersteht meisterhaft der Versuchung, mit Autorenstolz auf die andere Zeitleiste immer wieder zu verweisen, Referenzen auf die veränderte Geschichte werden nur beiläufig gemacht, mit einer reduzierten Trockenheit, die zum einen andere Autoren dieses What-If-Genres niemals so absolut meistern (mit der möglichen Ausnahme von Dicks The Man in the High Tower) und insofern mit einer absoluten Überzeugungskraft. Chabons Welt fühlt sich vom ersten Moment an real an – was vielleicht daran liegt, dass er diesen Roman im Grunde zweimal geschrieben hat, die erste Fassung mit komplett anderer Handlung und aus der Ich-Perspektive erzählt, so dass er im grunde schon zu Beginn der Revision fst im Sattel seiner fiktionalen kleinen Welt sitzt.

Die «Frozen Chosen» landen in der eisiggrauen Welt von Sitka, wo sich die verschiedenen Gruppierungenin ihren Vierteln niederlassen und nicht die hebräische Sprache, sondern Yiddish sich als Umgangssprache etabliert – was dem Buch einen Touch von Clockwork Orange verleiht, das smarte Spiel mit Fragmenten einer mutierten Sprache. So wie Burgess in Clockwork russische Sprachelemente verballhornt in seine fiktionale Sprachwelt eingebaut hat, hat Chabon die europäisch geprägte jüdische Sprache mutiert und in einen modernen, zudem slanggeprägten Noir-Umfeld angesiedelt und so eine ganz neue Sprache für einen Krimi erfunden. Was zunächst seltsam klingt – und tatsächlich mitunter einen Blick in das beigefügte Glossar nötig macht – entwickelt sich bald sprachlich zu einem komplett überzeugenden linguistischem Camouflage, das die Illusion von Chabons veränderter Welt perfekt abrundet. Der Alaska-Lösung steht zudem vor dem Aus, nach fünfzig Jahren wird die «vorübergehende» surreale Heimat der Juden aufgelöst, deren ganzes Volk die europäische Shtetl-Kultur nahtlos in die Eislandschaft Alaskas transferiert hat, wird durch einen Federstrich der USA heimatlos.

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Geschichte des Polizisten Meyer Landsman, der ganz im klassischen Noir-Stil am Ende seiner Nerven ist, getrennt von seiner Frau Bina Gelbfish, die inzwischen seine Vorgesetzte ist, alkoholabhängig, in einem abgewrackten Hotel wohnend, in dem ein Mord passiert und der Junkie Mendel Shpilman, der sich unter dem Namen Emmanuel Lasker eingebucht hat, tot aufgefunden wird, neben sich Heroin und ein ungelöstes Schachproblem. Obwohl ihm der Fall bald entzogen wird, taucht Landsman zusammen mit seinem getreuen Partner  Berko Shemets immer tiefer in den Fall hinein, tritt auf die richtigen falschen Füße, gerät in Lebensgefahr und wirbelt durch einen Plot, der sich – weit über normalen Crime hinausgehend – schon recht bald um Weltpolitik, Intrige, jüdische Geschichte und den Messias dreht. Und natürlich, wie so oft bei Chabon, um Väter und Familie. Mit brillantem Understatement schreibt sich Chabon durch einen rasanten, keine Sekunde langweiligen und vor allem hochkomplexen Plot, der immer wieder mit Chandleresquem Humor aufwartet, selbst kleinen Nebenfiguren eine emotionale Tiefe verleiht, und der – und das ist ein kleines Wunder – am Ende nicht in einer Enttäuschung endet, was angesichts des sich auftürmenden Plotmonstrums im letzten Drittes des Buches nahezu undenkbar scheint. Das Meyer am Ende einen bescheidenen, nur bittersüßen Sieg heimfährt und das Ende als solches offen bleibt, ist dabei die Kirsche auf der Sahne – so und nicht anders muß dieses Buch enden, vielleicht bei einem Comic-Nerd wie Chabon nicht ganz zufällig stark erinnernd an das Finale von Alan Moores Watchmen. Chabon beginnt in den tiefsten Tiefen des menschlichen Daseins, führt uns an Landsmans Hand zu welterschütternden Veränderungen und möglicherweise zu der Frage, ob es einen Gott gibt, um dann am Ende wieder auf das menschliche Maß hinabzugleiten, nahtlos, überzeugend, glaubhaft. Was anderen Büchern so sanft und bruchlos niegelingt – etwa Smillas Gespür für Schnee – ist hier eine Achterbahnfahrt, deren fröhlich-irnoischer Umgang mit Chandlerismen (Chabon kürzt hier etwa seine sonst ausufernde Prosa deutlich ein, um den knochentrockenen Flair Chandlers besser hinzukriegen, außerdem tauchen gerade im Mittelteil des Buches vertraute Settings aus Chandler-Büchern auf), mit übertriebenen Metaphern etwa, die helle Freude ist. Nie hat jemand Chandler so weiterentwickelt, so zweckentfremdet, so ironisch gebrochen und zugleich eine so handwerklich meisterhafte Verbeugung hingelegt. Wo andere simulieren und imitieren, schmilzt Chabon Hammet und Chandlers, aber eben auch Burgess und Dicks, Werkzeuge ein, amalgamiert sie mit überraschenden und stimulierenden neuen Komponenten und zieht mit komplett neuen, wenn auch vage wiedererkennbaren Waffen ins Feld. Die schiere Ich-will-in-die-Hände-klatschen-vor-Freude-Begeisterung angesichts dieses meisterhaften Umgangs mit Sprache, mit Plot, mit Charakteren, gegen die all die endlosen Serienschreiber blass und fade wirken, macht Policemen’s Union sicher mit Abstand zu einem der besten Bücher, die ich 2008 gelesen habe (neben Rant, Austerlitz  und No one belongs here more than you). Fast schade, dass es keine Fortsetzung geben wird, die Figuren hätten es mehr als verdient.

14. Dezember 2008 13:26 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . 5 Antworten.

Visual Storytelling

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Design von Isaac Tobin.

via fwis

13. Dezember 2008 14:24 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 2 Antworten.

Jonathan Carroll: The Ghost In Love

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Was kann ich über Jonathan Carrolls neuestes Buch schreiben, was nicht schon zu Glass Soup gesagt wurde? Wenig. Mehr und mehr scheint es, Jonathan Carroll ist in einem Loop gefangen, gezwungen, immer und immer wieder die gleichen Wege zu gehen, die gleichen Runden, wie ein Tiger im Käfig. The Ghost in Love liest sich wie ein Resampling alter Bücher von Carroll, bis in kleinste Details hinein. Sogar die Tatsache, dass es grandios beginnt und im weiteren Verlauf zunehmend enttäuscht, ist ein Markenzeichen seiner letzten Bücher gewesen. Das erste Drittel des Buches ist voll der typischen wunderbaren Figuren, die aus Carrolls Kopf entspringen und so greifbar und dreidimensional, mit ihren kleinen Ticks und Flairs auf die Seite kommen. Wie kann man einer ersten Zeile wie «The ghost was in love with a woman named German Landis» widersehen? Leider wird aus der Geschichte um der den Carroll-übloichen seltsamen Frauennamen tragenden German, ihrem kürzlich verstorbenen aber noch quicklebendigem Freund Ben Gould, seinem Geist Ling und seinem sprechenden Hund Pilot recht schnell eine verquaste Gut-gegen-Böse-Fabel, in der vieles wirkt, als würde Carroll einfach rauflosschreiben, was ihm gerade in den Kopf kommt. Es gibt durchaus gelungene Wendungen und wie immer bei ihm herausragende Sequenzen, aber alles in allem wirkt die Handlung einfach zunehmend absurd  bis an den Punkt, wo man als Leser einfach nicht mehr engagiert ist. Schicht um Schicht häuft Carroll Fantasyideen übereinander, und die schiere Kreativität der Konzepte an sich wird durch ihre Masse ertränkt. Am Ende hat man das Gefühl, ein Treatment für einen teuren Hollywood-Effekt-Fantasy-Film zu lesen, eine Geschichte, die eine bloße Aneinanderkettung von Highlights ist, die ohne jede Konsequenz und Bedeutung aufeinandergeschichtet werden, zusammengekittet von einem Hauch Esoterik,  so dass im Grunde nie wirklich eine Erzählung entstehen kann. Dass die Bösewichte der Geschichte wie aus einem King-Roman übriggeblieben wirken, und dass die ganze Story am Ende irgendwie zu einer sinnlosen Antiklimax kommt, macht die Sache nicht besser.

The Ghost in Love zeigt den Autor in der Sackgasse seines Genres angekommen. Ich meine, wie oft kann man von dem Mensch gewordenen Tod und Geistern, von Fabelwesen, Wiedergeburt und sprechenden Hunden schreiben? Im Sinne der Eskalation von Carrolls lebhafter Phantasie ist dieses Buch sicher ein Höhepunkt – selten hat der Autor so ohne jede Rücksicht seinen Magic Realism bedient, in dem die Realität freilich kaum noch stattfindet, nur noch einen kurzen Korridor bildet in eine Welt, in der Carroll seinen seltsamen Fetischen fröhnt und immer wieder, wie in einer gigantischen Echokammer, die gleichen Ideen präsentiert, minimal verwandelt. Das Surreale, in seinen alten Büchern ein hinter der echten Welt pulsierendes, formendes Etwas dominiert inzwischen sein Schreiben fast komplett und obwohl die Idee, in ein zunehmend absurdes Geisterspiel einzutauchen eigentlich reizvoll klingt, gelingt es Carroll nicht, der Sache Drive zu geben. The Ghost in Love ist eine reine Eskalationsstudie, etwa so spannend wie ein Videogame, in dem jedes Level identisch ist, nur eben … mehr, dichter. Carroll entwickelt einige seiner Ideen weiter – die Verz-Wesen tauchen wieder auf, und aus einzelnen sprechenden Hunden wird hier eine ganze Legion der Superhunde – aber mehr ist nicht immer besser, und die eigentliche Geschichte um den Geist Ling tritt im Verlauf des Buches aufs Absurdeste in den Hintergrund, man kann als Leser förmlich spüren, wie mit Carroll die Gäule durchgehen bzw wo er ins Stocken gerät.

Es ist zum Verzweifeln. Carrolls Kunst ist es, aus Alltagsbetrachtungen, aus kleinsten Details, Magie zu weben. Er kann das wie kein zweiter. Wer sein Blog liest, weiß, das Carroll die Gabe eines großen Schriftstellers hat und in wenigen Zeilen eine enorme Tiefe erreichen kann. Hingeworfene Skizzen zufälliger Begegnungen erhalten bei ihm eine Resonanz, die phantastisch ist. Aber in seinen Büchern fokussiert er mehr und mehr auf entrückte Hollywood- Special-Effect-Plot und weniger und weniger auf das, was ihn lesenswert macht: Glaubhafte Charaktere und Situationen, die irgendwann ins leicht Unwirkliche kippen. Diese prekäre Balance macht Outside the Dog Museum zu einem so unglaublich wirksamen Buch – der langsame Slide, die ruhige Hand beim Übergang von Realismus zur Surrealismus. Davon ist bei Ghost in Love nichtsmehr zu spüren, man ist als Leser ab dem ersten Kapitel bereits jenseits der Realität und ganz in Carrolls Obsessionen.

Carroll hat Humor, Tiefe, Melancholie und Beobachtungsgabe – aber es mangelt ihm hier greifbar an einer erzähenswerten Geschichte, und darüber tröstet auch schichtenweise «Weirdness»nicht wirklich hinweg. Ich bleibe dabei, es ist an der Zeit, das angestammte Wasser und das sichere Genre zu verlassen, um nicht zur Selbstparodie zu werden. William Gibson und James Ellroy sind zwei Beispiele für Autoren, die ihre jeweiligen Stützräder abmontiert haben und sich in Richtung Belletristik freigefahren haben -  und mit Pattern Recognition bzw American Tabloid  kleine Meisterwerke geschaffen und sich komplett neu definiert haben. Es wäre vielleicht an der Zeit, dass Carroll den gleichen Weg geht, bevor er zur Selbstparodie mutiert.

14:16 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . 2 Antworten.

Construction / Decoration

It’s okay to decorate construction but not to construct decoration.
Denise Scott Brown

09:58 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

POLARKREIS 18: THE COLOUR OF SNOW

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Es ist ein Phänomen, das ich vor allem bei deutschen Bands habe – dieses Gefühl, ein Album folgt in seiner Logik nicht nur dem künstlerischen Willen der Band, sondern stets auch dem Vermarktungsdruck der Plattenfirma. Es gibt dieses Feeling sicher auch bei britischen und amerikanischen Pop- und Independent-Acts, hier und da blitzt eine sehr gewollte Hookline auf oder die unvermeidliche Weihnachtssingle, aber nie habe ich das Gefühl geplanten Marketings so spürbar wie bei Bands aus Deutschland. Da ist der Kracher für die Charts, die Ballade als dritte Auskopplung, da wird man das Gefühl nicht los, dass A&R und die Band selbst sich einem massiven Erfolgsdruck aussetze, so greifbar einen Durchbruch haben müssen. Selbst Bands ohne Plattenvertrag beginnen bereits im Proberaum, zu überlegen, wie sie ihren Sound biegen können, um Erfolg zu haben, emulieren Erfolgsrezepte anderer Bands, sind bereits von Anfang an unentspannt. Musik ist längst ein Beruf geworden und anstatt der musikalischen Suche nach einem eigenen Ausdruck zu folgen, versuchen viele Bands – bewusst oder unbewusst, mit oder ohne Druck des Labels – kommerziellen Erfolg zu haben. Und wer will ihnen das verdenken? Größere Venues, volle Hallen, bessere Hotels und Busse und nicht zuletzt anständig Geld sind ja durchaus Argumente. Und kreativ werden – die Beatles haben es vorgelebt – kann man ja auch noch werden, wenn man die Nr.1 in den Charts ein paar Mal geknackt hat. Insofern ist die auf dem CD-Sticker denn auch als «Hitsingle» deklarierte Auskopplung Allein Allein vielleicht der Versuch der Dresdener, die nicht immer einfache, stets etwas kopflastige und mit Felix Räubers andogynem Gesang ja auch nicht zu eingängige Musik von Polarkreis 18 für ein breiteres Publikum zu öffnen. Das Ergebnis, ein erschreckend an Wolfsheim erinnernder perlender Popsong absoluten Radioformats, der es aber wunderbarerweise schafft, der im Text gelieferten Einsamkeit des Individuums in der Masse und gegenüber dem Universum einen mitreißenden Gute-Laune-Ohrwurm-Refrain zu verpassen, ein Paradox, den ideal das Detail unterstreicht, dass die Refrainzeile Wir sind allein – allein, allein von einem Publikumschor mitgesungen wird. Dieses Detail – das ein ganzer Chor vom Alleinsein in der Masse singt – versöhnt ungemein mit dem Lied und unterstreicht die – bewusste oder unbewusste – Cleverness von Polarkreis.

Der Clou an der Sache ist, dass die «Hitsingle», mit sich Polarkreis denn auch auf Platz 1 der Charts katapultieren konnten, sich zugleich wunderbar störend und doch passend in The Color of Snow einfügt, denn das zweite Album von Polarkreis 18 öffnet sich (wie so viele zweite Alben) einem breiten musikalischen Spektrum, in das die Single sich einerseits als Experiment in Richtung Heppner einfügt, zum anderen den teilweise schweren Pathos der anderen Tracks mit poppiger Leichtigkeit kontert. Tracks wie Prisoner, die mit wuchtigem Orchester eingespielt sind, und andererseits Untitled Picture mit einem an Sigur Ros erinnernden Flair (und beide Strömungen zusammen dann in River Loves the Ocean), bilden den Rahmen für druckvollere Popsongs wie The Color of Snow oder Rainhouse, die eher geradlinig funktionieren.Wie so viele zweite Alben versucht sich die Band zu entdecken und zu strecken – und das Ergebnis ist unweigerlich eine gewisse Beliebigkeit, eine Art von Konsensmusik.Was bei Pop ja kein Vorwurf sein muss. Alles in allem erweist sich das zweite Abum als trojanisches Pferd, mit dem die Band sich dank einiger auskopplungsfähiger Tracks in die Wohnzimmer eines neuen Publikums schmuggelt, um dann Musik zu entfalten, die dem großartigen ersten Album nichts nachsteht und dieses oft sogar übertrifft. Polarkreis legen etwas den Weilheim-Sound ab, der noch Somedays Sundays auf dem Debut prägte, und werden… epischer. Der Mut zum Pathos, zur großen Geste ist einer deutschen Band eigentlich immer hoch anzurechnen, denn die Gefahr ist immer präsent, rasch uncool zu wirken. Die orchestrale Breite von Songs wie Happy Go Lucky, diese feine Balance zwischen aufgetragenem Kitsch und glaubhafter Emotinalität, ist immer prekär und die meisten Bands scheuen vor dieser Hürde – nicht so Räubers Mannschaft. Das Album beginnt mit sphärischen Synthgeräuschen und endet mit einer einzelnen Stimme, die immer wieder so lucky singt… und auf diesem rasierklingendünnen Paradox von pathetischem Zuviel, und von reduzierter Introspektion bewegen sich Polarkreis auf ihrem zweiten Album sehr bemerkenswert erfolgreich. So erfolgreich, dass man nur hoffen kann, dass der massive Erfolg von Allein Allein der Band nicht die Experimentierlust nimmt und auf den Weg des geringsten Widerstandes führt.

12. Dezember 2008 18:36 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

Blitztest

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6. Dezember 2008 10:53 Uhr. Kategorie Stuff. 9 Antworten.

SPEKTAKEL

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Spektakel war eine Veranstaltung, die Studierende der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart von übrig gebliebenen Studiengebühren organisiert haben. Für Konzept und Organisation des Ganzen war die kleine, aber feine Mannschaft um Leonie Hosoda, Carolin Lintl, Katrin Koch, Jonas Beuchert und Wolfgang Koppensteiner zuständig, die eine ganze Crew von Studenten zu den verschiedensten Events inspirierte. So entstand nicht nur live während der Veranstaltung durch Benjamin Kivikoski und Michael Allocca eine eigene Dokumentationsbroschüre, sondern es gab auch eigens angefertigte Möbel, die den Flair des Tangram-Logo von Spektakel aufgriffen, es gab eine liebevoll gemachte Trendmaschine, in der die Besucher selbst kreativ werden konnten und neue Trends basteln konnten, die dann sofort in der Fotobox festgehalten und per Beamer projiziert wurden, es gab ein großartiges Dinner für die Redner als Kick-Off und eine ziemlich dicke Party am Schluss. Mehr geht nicht. Und obwohl die Spektakel-Crew permanent mit Terminänderungen, eilends abreisenden Gästen und allerlei anderen außerfahrplanmäßigen Sachen konfrontiert war, lief der Event für die Gäste so smooth und professionell ab, als würden die Stuttgarter die Sache schon seit Jahren machen – dabei war Spektakel ein Debut.

(weiterlesen …)

2. Dezember 2008 20:16 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.


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