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VERKAUFSFÖRDERUNG

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Einfach köstliche Farben.

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PLUTO

The obscure unease that Pluto has always inspired, a dog owned by a mouse, daily confronted with the mutational horror of Goofy. An invisible gas clouds his toughts, exhaust from a bus parked with its engine running in the middle of his brain.

Michael Chabon, The Yiddish Policemen’s Union.

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MUMBAI

Ist man seltsam, wenn man das Gefühl hat, die Realität fühlt sich zunehmend wie ein Buch von JG Ballard an?

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SPEKTAKEL / SIEHT AUS WIE NEU / AM 27.11. IN STUTTGART

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Etwas still im Blog dieser Tage, weil ich selbst zum einen gerade außerhalb des Studios im Auftrag des Herrn arbeite und zum anderen am Mittwoch nach Stuttgart fahre, um bei dieser kleinen und aufregenden Veranstaltung zu sein: «Spektakel» ist eine Veranstaltung, die sich die Studenten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste von Studiengebühr-Resten selbst geschenkt haben. Und anstatt dass zu tun, was man vielleicht erwarten würde, wenn Studenten selbst ein Event planen – Stefan Sagmeister, David Carson  oder Chip Kidd einzuladen :-D (der aber ohnehin schon in Stuttgart war) – haben Sie Namen zusammengestellt, die vielleicht auf den ersten Blick nicht die üblichen Bekannten sind, aber mich zumindest umso mehr gespannt machen. Die Auswahl der Gäste ist so neu wie spannend und passt insofern bestens zum Thema des Ganzen.

Jonathan Puckey /Conditional Design
Jonathan ist einer der neuen Generation von Designern, der zugleich Gestalter und Programmierer ist und den Computer als Designmedium über die Grenzen von Print und Litho hinausbewegt. Die meisten von euch werden sein Tool Scriptographer kennen.

Daniel van der Velden / Metahaven
Daniel war letztens in der Form mit seinem großartigen Design-Blast-Vortrag aus Karlsruhe vertreten. Nicht nur ein perfekter Branding-Profi, sondern auch ein leidenschaftlicher und provozierender Theoretiker, auf dessen Vortrag ich mich sehr freue.

Prof. Dr. Ingrid Loschek / Modetheorie
Ingrid oschek hat ein analytisches, umfassedes lebendiges Wissen über die Vergangenheit, Gegenwart und eben auch Zukunft der Mode un ihrer Ethnologie, einen schnellen, kritischen Geist und einen Lebenslauf und Output, der mehr als beeindruckend wird. Da ich interdisziplinäre Vorträge fast immer mehr mag als die aus unserem eigenen Kommunikationsdesign-Quartier wird dieser hier sicher großartig. Denn das Grafikdesign, leider, folgt der Mode – oder ist in der International-Dekade ab den 90ern Element von Mode geworden.

Prof. Dr. Thomas Friedrich /Designtheorie
Thomas Friedrich darf man getrost als Designphilosoph bezeichnen. Gewappnet mit Philosophie und Politik arbeitete er erst an der Bauhaus Dessau, inzwischen in Mannheim als Professor Designtheorie. Er ubliziert Bücher und Magazine rund um die Designtheorie und seine weite, interdisziplinäre Sicht auf die Thematik dürfte der Veranstaltung auf jeden Fall inhaltliche Tiefe verleihen.

Ben Wilson / Industrial Design
Ben ist das Last-Second-Wunder von Designspektakeln, ein Londoner Industriedesigner, der für nahezu alle großen Brands gearbeitet hat, aber immer auch wieder kleine handgefertigte Weirdness anbietet, die mit einem Bein in der Kunst steht. Bekannt geworden mit seinen ausgefallenen Fahrrad-Designs, baut Wilson auch abstruse Instantmöbel und bringt so Ökologie, Zukunftsvisionen und einen sehr sehr sehr britischen Humor unter eine Kappe.

Eins der Highlights des Symposiums wird die Trendmaschine, förmlich ein Graben in der Veranstaltung, eine interaktive, lebendige Idee, in der die Besucher selbst aktiv die Trends von morgen «basteln» können und dabei live in die Veranstaltung übertragen werden. Die Trendmaschine ist sozusagen die Fusion der unterschiedlichen Studentenideen zwischen Designworkshop und Vortragsreihe und greifbarer Output der feuerwerkenden Crew hinter Designspektakel. Das ganz nebenbei anscheinend in Echtzeit auch eine Publikation entstehen soll und wahrscheinlich noch etliche andere geplante und ungeplante Überraschungen kommen, passt perfekt zum Thema Neu, denn wo Neues entsteht, weiß man nie, was als nächstes passiert.

Mit dem gleichen Mut haben die Studenten mich als Moderator ausgesucht, obwohl doch jeder weiß, dass meine Moderationen länger sind als die dann folgenden Vorträge :-D. Obwohl ich völlig übernächtigt nach Stuttgart fahren dürfte, straight aus einem wunderbaren, aufregenden aber auch im Endpsurt sicher mörderisch anstrengenden  Job, freue ich mich total, Gast bei der Sache sein zu dürfen – das ist immer eine gute Sache, man ist sozusagen gezwungen, zu Events, die man sonst aus Zeitgründen nicht schaffen würde hinzufahren und der Gewinn dabei, den man aus Vorträgen und Eindrücken mitnimmt, ist natürlich unbezahlbar. Vor allem studentenorganisierte Veranstaltungen sind immer wieder Kick-Ass-Fun.

Da mein neues MBP zwar da, aber noch nicht installiert ist, weiß ich nicht, ob es vor Ort mit dem Bloggen klappt – ich hoffe aber, spätestens hinterher ein paar Photos zeigen zu können.

Spektakel findet an der Staatlichen Akademie in Stuttgart statt, im Foyer, der Ausstellungshalle und dem Mehrzwecksaal II, am 27.11.08, ab 9:30 und der Eintritt ist frei.

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MICHAEL CRICHTON: STATE OF FEAR

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Eins der vielen Bücher aus meinem viel zu dicken Muss-noch-gelesen-werde-Stapel, den ich noch habe. Ich habe State of Fear wegen der nahezu vernichtenden Kritiken zu diesem Ökothriller des kürzlich erst verstorbenen Michael Crichton lange vor mir hergeschoben und habe nach dem absolut enttäuschendem Next eigentlich nur mit State angefangen, weil es so ein schönes leichtes Gegengewicht zu einem anderen Buch, das ich gerade lese, zu sein schien. Umso erstaunter war ich, dass State of Fear im Rahmen dessen, was Michael Crichton kann, ein relativ gutes Buch ist.

Wie immer verkoppelt Crichton ein aktuelles Tabloid-Thema mit einer mehr oder minder Hollywood-tauglichen Thriller-Handlung, in der der Anwalt Peter Evans gemeinsam mit dem Agenten John Kenner versucht, eine Reihe von Umweltdesastern zu verhindern, mit der eine Öko-Lobbygruppe namens ELF versucht, Medienaufmerksamkeit, Einfluss und Geld zu bekommen. Zusammen mit Kenners Assistent Sanjong und Sarah Jones (einem der beiden weiblichen stereotypen «potential romantic interest» im Buch) reist Evans durch die halbe Welt, um mehrere dieser künstlichen Naturkatastrophen zu sabotieren. Der Plot ist zwar nicht klüger als ein Roland-Emmerich-Filmund liest sich streckenweise eben tatsächlich wie ein Exposé für einen Techno-Eco-Blockbuster, ist aber an sich spannend genug, um durch die über 700 Seiten des Buches zu kommen.

Tatsächlich spannender ist das Crichton – in einer Direktheit, die er ansonsten eher selten aufweist – das Buch eigentlich nur als Trägerrakete für seine «Botschaft» gebraucht. Kenner, der offensichtlich Chrichtons Alter Ego im Buch ist, hält seitenweise Vorträge über wissenschaftlich-sachlich falsche emotionale Vorstellungen von Peter Evans (der ganz offensichtlich das Alter Ego des Lesers selbst ist, ein gutmütiger, aber fehlgeleiteter Typ, der mehr und mehr die Wahrheit von Kenners Aussagen anerkennt). Crichton nutzt hier nicht das Skalpell, sondern den ganz groben Hammer, um seine Message zu kommunzieren, und mehrere Figuren einsetzt, um im Grunde ein umfassendes Seminar über Umwelt, Mensch, Politik, Medien und Angst zu geben. Dieses Seminar – unabhängig von der Frage, ob Crichton Recht hat oder nicht – ist so spannend erzählt und rhetorisch simpel aber smart aufgebaut, dass die Handlung mitunter eher störend wirkt. Wie sehr Crichton selbst von der Flut seiner Entrüstung mitgerissen wird, merkt man der Story immer wieder an, deren Anfang völlig anders aufgebaut ist – mit einem an einen Bericht gemahnenden Vorwort, fast angerissen wirkendem Foreshadowing, Figuren, die eingeführt werden und später kaum mehr auftauchen, wirkt der Einstieg fast fragmentarisch, während das Ende als straighter, auf eine handvoll Figuren konzentrierter, linearer Actionreisser daherkommt. Die 007-artige Verschwörungstheorie  im Buch lenkt insofern – ebenso wie die oft klischeehaft platte Schreibweise – von dem ab, was Crichton eigentlich sagen will. Und das brennt ihm so auf den Lippen, dass er am Ende der eigentlichen Handlung noch einmal einen Appendix anbietet, in dem er expressis verbis (als würde er der eigenen Erzählung nicht recht trauen) seine eigene Meinung kundtut, dazu ein weiteres Nachwort mit einem Vergleich zwischen der Global-Warming-Theorie und Eugenik-Theorie der 20er Jahren, und einer umfassend kommentierten Literaturliste.

Gerade die immer wieder in Büchern von Michael Crichton auftauchende Literaturliste lässt seine Bücher ein wenig wirken als wäre der Autor ein Halblaie, der sich manisch in sein jeweiliges Thema einliest und aus diesem Semi-Knowhow dann ein Buch heißnadelt, das Ganze wirkt also stets auch etwas streberhaft. Zugleich sind seine Bücher auf eine Peter-Moosleitner-esque Art ja eben auch immer ein niedrigschwelliger Einstieg in ein Thema und genau das macht sicher den Reiz von Crichtons Büchern aus, die ansonsten schriftstellerisch keine Perlen und aufgrund einer oft zu präsenten Dosis Gung-Ho-Wirtschaftsamerikanismus, Machismo und Xenophobie nur schwer verdaulich sind. Im besten Sinne sind Michael Crichtons Bücher aber Einladungen, sich intensiver auf eine Thematik, die ihn als Autor fasziniert, einzulassen, sei es Nanotechnologie, Gentechnik, die japanische Ökonomie oder hier Klimaforschung und Umweltbewegung – und stets gelingt es ihm, diese Themen so reisserisch aufzumachen, dass man tatsächlich verführt wird, tiefer einzutauchen, und das ist per se keine zu verachtende Leistung.

Nun wurde Crichtons Grundthese in State of Fear über die Nichtnachweisbarkeit globaler Erderwärmung nach der Buchveröffentlichung massiv kritisiert, was aus meiner Sicht die eigentliche Botschaft des Buches über die semi-hysterische Emotionalisierung eines per se wissenschaftlichen Themas ohne klare Erkenntnisse eher unterstreicht. Ich bin mir zum einen gar nicht so sicher, dass Crichton hier pauschal jede Theorie von zivilisatorisch verursachten Naturphänomenen pauschal bestreitet, ganz im Gegenteil – die Reduktion auf ein Anti-Gloibal-Warming-Buch ist eher polemisch. Sein Buch wird in den Rezensionen von den beiden Seiten dieses Konfliktes um Pro/Contra Erderwärmung missverstanden und missbraucht. Ich bin als Laie beileibe nicht bewandert genug, zu beurteilen, ob und inwieweit Crichtons Argumente und Fakten stichhaltig sind, obschon sie zumindest plausibel vorgetragen sind (aber gut – überzeugende Rhetorik ist die eigentliche Kunst des Romanciers, das sollte also nichts heißen). Spannender ist der unterliegende verlaufende Themenkomplex, nämlich die Verwebung von Wissenschaft und soziopolitischen Zielen. Crichton doziert in State of Fear, dass die Co-Dependenz von Politik, Interessengruppen, Wissenschaft und Medien inzwischen so weit fortgeschritten ist, dass es keine «neutrale» Wissenschaft mehr geben kann, weil Geld und Eitelkeit inzwischen längst eine tragende Rolle bei der aus dem Elfenbeinturm entflohenen Wissenschaft spielen, die so von den verschiedensten Interessengruppen eingespannt werden kann. Dass die ehemaligen Industriegegner längst selbst zu einer einflussreichen Wirtschaft geworden sind, die sich durch Spenden und Beiträge finanziert und dass hier inzwischen ähnliche Machtstrukturen und -interessen regieren wie in der klassischen Produktionswirtschaft, steht außer Frage, genügend Spendengeld-Skandale belegen das. So unwahrscheinlich es ist, dass Öko-Krieger morgen versuchen, Eisberge freizusprengen, um von einer Klimawandel-Panik zu profitieren, so erstaunlich ist eben doch, dass Al Gores eher rührseliger Film Eine unbequeme Wahrheit einen so erfolgreichen Wechsel in der Politik und öffentlichen Meinung herbeigeführt hat. Crichton – nicht minder emotional – zeigt die Mechanismen und Interessen hinter der Klimapolitik auf, deutet auf die Profiteure in Medien, Politik und Lobbyismus, die von nationalen Angstzuständen über Terror oder Ökokatastrophen existieren. Interessant daran ist weniger die Frage, ob es nun eine CO2-Katastrophe gibt oder nicht als vielmehr, dass State of Fear offenlegt, wie wenig man als Laie de facto über dieses Thema weiß und wieviel man einfach glaubt, wie umstritten die Fakten sind und wie klar und schnell sich die medial aufgeschreckte Öffentlichkeit – und in Folge die Politik – auf pseudowissenschaftliche Panikmache einlässt. Es geht um Fördermittel,  Schlagzeilen, Wählerstimmen, Spenden… genau die richtige Mischung, um einen packenden Thriller zu produzieren, in der Realität aber eine eher erschreckende Kombination.

So ist ein eigentliches Highlight des Buches der Appendix, in dem Crichton die Eugenik-Faszination der zwanziger Jahre und die Angst vor einer Schäwchung des genetischen Potentials und einer Degeneration der Menschheit, der sich sogar die prominentesten Politiker und Wissenschaftler (u.a. Alexander Graham Bell) der USA anschlossen, bevor die Idee einer Begünstigung genetisch gesunder Fortpflanzung im Nationalsozialismus konsequent zu Ende gedacht zum Holocaust führte und man rasch Distanz zu Francis Galtons Ideen suchte. Michael Crichton greift auch mit diesem Vergleich zwischen Genozid und Klimawandelpolitik zum ganz groben Besteck der Polemik – man spürt allein an dieser Analogie die vehemente Emotionalität des Autor, der doch eigentlich der  Neutralität das Wort führen will. Aber es bleibt die Tatsache, dass Eugenik als seriöse Wissenschaft betrachtet wurde und die aus heutiger Sicht bestenfalls krude Vorstellung von minderwertigen Rassen im wahrsten Sinne des Wortes todernst genommen wurde – in den USA und vielen europäischen Ländern wurde bis in die siebziger Jahre hinein bei Kranken und Behinderten eine Zwangssterilisation durchgeführt. Was wir heute als inhuman, dumm und schlichtweg fehlgeleitet betrachten würden, war in seiner Blütezeit ebenso «wissenschaftliches» Mantra wie heute andere Ideen aus dem Bereich der Genetik oder eben die Annahme, dass eine simple Reduzierung von CO2-Emissionen schon irgendwie einen positiven Effekt auf das Klima haben würde. Ob Crichton Recht hat oder nicht ist fast zweitrangig vor dem Hintergrund, dass es unweigerlich richtig ist, solche axiomatischen, an Hysterie grenzenden ppulärwissenschaftlichen Dogmen in Frage zu stellen und die Luft aus dem Ballon zu lassen.

State of Fear sind ex post zahlreiche sachliche Fehler nachgewiesen worden, die das Buch diskreditieren sollen. Dass Crichton nicht alle Fakten hat, nicht alle Fakten richtig darstellt und man hier eben einen reisserisch aufgemachten Thriller vor sich hat, kein Fachbuch zur Klimadiskussion, sollte jedem Leser dabei doch von vornherein klar sein. Denn paradoxerweise profitiert ja ausgerechnet Crichton von dem Phänomen, dass er selbst anzuprangern vorgibt – er setzt (wie immer) auf  Science-Themen mit Boulevard-Potential, strickt ein wenig dünne Fiction dazu und fertig ist ein Bestseller. Das Glashaus ist nicht unbedingt die ideale Position, um mit Steinen zu werfen – und Crichtons Buch hätte sicher von einer ausgewogeneren thematischen Darstellung mehr profitiert als von 800 Seiten kaum verhüllter Tirade und einem fadenscheinigen Plot, in dem absolute Laien zu Weltenrettern mutieren. Aber trotz aller Schwächen, die erzählerisch wie auch von der Intention des Autoren her immer wieder aufkommen, ist State of Fear ein durchaus fesselndes Buch, ein klassischer Pageturner zwischen Wissenschaftskritik und Popcornkino, bei dem man jederzeit weiß, dass man eigentlich Zweifel an der Ideologie und dem handwerklichen Können des Autors hat, aber Gott – man will ja doch wissen, wie es weitergeht.

Den größten Spaß an dem Buch hat mir persönlich gemacht, dass Crichton die Cojones hat, gegen den derzeit gesellschaftlich kleinsten gemeinsamen Nenner für «richtig» zu stürmen. Gegen Hybrid-Autos, gegen Windräder, gegen Solardächer, gegen Anti-CO2.  In den 80er jahren noch verlacht, ist die These der Erderwärmung heute so dominant geworden, dass sie an sich näherliegende Umweltthemen an die Wand drückt. Verseuchte Flüsse, Entgasungen aus Kinderspielzeug, Müllberge und viele andere Bereiche werden vernachlässigt – vielleicht gerade, weil man hier tatsächlich etwas bewirken könnte, weniger bloße Symbolpolitik gefragt wäre -  während die CO2-Reduktion zu einem inzwischen fast ermüdenden Mantra wird, das jede dritte Automobilhersteller-Anzeige schmückt, was wirklich nur die härtesten Zyniker als Fortschritt bezeichnen können, ebenso wie die Tatsache, dass wie zufällig nun ausgerechnet die Atomlobby auf den «grünen» Zug aufgesprungen ist und sich als «saubere» Alternativenergie vermarkten will. Kein Zweifel, es gibt gute Gründe, von fossilen Brennstoffen wegzukommen und sich auf eine energiesparende Lebensweise einzustellen – aber diese Gründe haben relativ wenig mit dem Ozonloch per se zu tun, gegen das die in Kyoto et al geplanten Maßnahmen ohnehin kaum etwas bewirken dürften.  Umweltschutz darf nicht auf ein Thema verengt werden. Dazu kommt die in State of Fear ebenfalls gestellte Frage, inwieweit wir mit Wandel – natürlichem wie den durch Menschenhand verursachten (und insofern eben wieder auch natürlichen, wir Menschen sind Teil des globalen Ökosystems, im guten wie im schlechten) – werden leben lernen müssen. Crichton belegt in mehreren Beispielen, dass Natur einem stetigen Wandel unterlegen ist und die Idee eines linearen Managements gegenüber dieser multikausalen Systemumgebung absurd erscheint – die Welt lässt sich nicht kontrollieren und steuern (hier greift er spürbar auf seine Chaostheorie-Thesen aus Jurassic Park zurück: Natur ist Natur, man sollte sie nicht verniedlichen wollen.) Das ist kein Grund, fatalistisch nichts tun zu wollen – aber es ist auch eine Warnung vor der menschlichen Hybris, sich zum Retter der Welt aufschwingen zu wollen… im Zweifelsfall richten wir dabei guten Willens mehr Schaden an, weil wir nicht wirklich verstehen, was wir tun, in ein ultrakomplexes System eingreifen, dessen Vernetzung wir kaum durchschauen.

Alles in allem, in der Suche nach den Fakten hinter Crichtons Behauptungen, in der Auseinandersetzung mit seinen Ideen und Behauptungen, regt State of Fear trotz der eher platten Geschichte zum Nachdenken über ein Thema an, das längst zum Hintergrundrauschen geworden ist und dass man – nun da selbst die Kanzlerin einer CDU-geführten Regierung zur scheinbaren Umweltaktivistin mutiert – als Meme-Overkill und Marketingmüll abgelegt hat. Das ist für einen simplen Paperback-Thriller keine schlechte Leistung… und auch wenn Michael Crichton sicherlich nicht als einer der geschliffensten Autoren in die Geschichte eingehen wird, gab es kaum jemanden, der wie er massenkompatibel komplexe wissenschaftliche Themen auf Blockbuster-Niveau herunterbrechen konnte. State of Fear ist allein aus diesem Grund überraschend lesenswert.

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HOW TO BURN COMPLETELY

I got some bad news for you, sunshine... Es reicht meist ein Blick in die Branchenmagazine, um zu wissen, ob es einer Branche gut oder schlecht geht. Schau in die Page und du weißt, dass es dem Grafik-Design derzeit gar nicht gut geht. Neben dem spärlichen Stellenmarkt findet man da vor allem eine Anleitung, wie man ideal als Freelancer oder kleine Design-Agentur um Kunden buhlt, mit welchen Tricks man gegen die großen Agenturen eventuell noch überleben kann, dass man Netzwerke braucht, keine Freundschaften, dass alles Ökonomie ist. 

Trübe Aussichten, wenn man Design studiert, oder? Nach einem Studium von dem nach der BA/MA-Trennung selbst die meisten Dozenten kaum noch ernsthaft behaupten, dass es qualitativ prima sei, geht es nahtlos in ein un- oder unterbezahltes Praktikum und dann raus in eine Arbeitswelt, in der einerseits immer mehr von deiner Art unterwegs sind – und oft auch noch alle gleich denken,alle gleich aussehen, alle gleich gut sind – zum anderen die Kunden immer mehr selbst können, oder die Druckereien gleich Design mit anbieten oder jeder dritte Hartz-IV-Umschüler auf einmal Web-Designer wird. Design, das weißt du selbst, ist längst nicht mehr so schmusig wie zu Otl Aichers oder Willy Fleckhaus Zeiten, wo auf einen guten Gestalter ungezählte Anfragen kamen und jemand wie Aicher allen Ernstes eine ganze Olympiade betreuen durfte. Das macht heute ein Global Player wie Wolf Olins mit 180 Angestellten in London und New York. Heute ist die Situation eher umgekehrt. An manchen FHs kommen 100 Bewerber auf einen Studienplatz – und das nimmt eigentlich ganz schön die Relation von Designern zu Kunden vorweg, die Designer umfliegen potentielle Auftraggeber wie Motten das Licht. Das verbiegt, das drückt Preise, das macht aus dem ehemaligen Spielplatz Design zunehmend ein hartes, durch und  durch professionalisiertes Business.

Beschissene Aussicht, oder? Das darfst du durchaus als Chance begreifen. Zum einen natürlich, indem du dich weniger um Kerning und Trapping kümmerst und mehr um dein XING-Netzwerk, die richtigen Leute kennen lernst, die Kunst der Self-Promotion meisterst. Wen du kennst wird wichtiger als was du kannst. Dieses Spiel kann man durchaus mit Freude betreiben und die Selbstvermarktung sollte deshalb eigentlich längst auf jeden Lehrplan gehören. Klar, es gibt die Sorte still im Kämmerlein werkelnder Introvertierter, aber deren Zeit läuft ab. Die Designbranche bricht aus ihrem Kokon und muss lernen, mit der Welt zu kommunizieren. Also raus aus dem Sandkasten und mit den anderen Kindern zusammen spielen.

Auf der anderen Seite sollte die Tatsache, dass du als Designer inzwischen da angekommen bist, wo die Geisteswissenschaftler und Künstler seit Dekaden sind – dem Studium in die  potentielle Arbeitslosigkeit – doch auch ungemein befreiend sein. Während in anderen Fächern wie BWL stramm durchgezogen wird und es vom ersten Semestern an quasi-neurotisch nur um die Karrierechancen geht, nicht um den Spaß am Studium, nicht um Selbstverwirklichung, ist Gestaltung im weitesten Sinne jetzt zunehmend auch die Sorte Studium, in der DU im Mittelpunkt stehst, nicht dein späterer Arbeitgeber. Dein persönliches Glück und Wollen, nicht das Geld – als Designer, so leid mir das tut, verdient man eh nicht allzuviel Geld. Wer Sicherheit und Verdienst will, sollte lieber über eine Beamtenkarriere nachdenken. Noch dazu ist der Design-Job unbequem. Irgendeiner weiß es immer besser, irgendeiner beurteilt dich immer – dein Prof, die Kollegen im Team, irgendeine Jury, die Frau des Kunden, die da auch noch eine Idee hatte. Keiner redet einem Elektriker ins Handwerk, als Designer ist das Alltag. Die Kunden zwingen dich zu kruden Kompromissen, die Peers zerfleischen dich dafür. Es gibt gemütlichere Jobs, wirklich. Landschaftsgärtner zum Beispiel. Sonne, frische Luft und wirklich selten Klienten, die meinen, sie kennen sich besser mit Schattenrasen aus als du. 

Die Frage ist also: Warum studierst du eigentlich ausgerechnet Design? Wie viel bedeutet dir die Sache? Würdest du es studieren, wenn es Geld kostet? Würdest du auch Design studieren, wenn du todsicher im späteren Leben als Taxifahrer dein Geld verdienen müsstest? Die Chancen, keinen oder einen zweitklassigen Job zu kriegen, steigen jedes Jahr. Wer will sich durch ein Studium quälen, das zu diesem Ziel führt.  Das Studium sollte für dich also einen intrinsischen Wert haben, unmittelbar glücklich machen. Du studierst nicht für deine Eltern oder deine Kinder, sondern für dich selbst. Nicht für morgen, für jetzt.

Die Frage ist also: Was bringt dir das, was du machst. Genau jetzt? Fühlt es sich gut an? Ist es wie Schule, nur mehr von dem immer gleichen Zeug, oder fühlt es sich an, als würde jemand deinen Kopf in Brand stecken? Kriegst du den Kopf verdreht, den Horizont erweitert, wie sich das gehört? Lernst du das Leben kennen? Entwickelst du dich? Du solltest nicht weniger von deinem Studium erwarten als dass es dich komplett verändert, mit Feuerzeugbenzin übergießt und anzündet, dich in Verzweiflung und Euphorie stürzt, die ganze Achterbahn. Wenn das nicht ist, wenn du dich durchbeißen musst, steig  an der nächsten Ecke aus, in einen anderen Bus. Als Designer verkaufst du später nicht, dass du in Photoshop pixeln kannst oder in Illustrator Pfade baust – du verkaufst deine Euphorie. Deine Energie, deinen Glauben, deine Leidenschaft. Du bist wie ein Musiker, wie ein Autor, wie ein Künstler – dein Erfolg liegt in dir selbst, in dem, was du zu geben hast. Niemand fängt an, Gitarre in einer Band zu spielen, weil er an die Rente denkt, oder?

Damit ändert sich, was du von deinen Dozenten, deiner Schule willst. Und vor allem ändert sich damit, was du von dir selbst verlangen solltest. Mach keine halben Sachen, mach keine «Hausaufgaben». Vergiss Scheine, vergiss Noten und mach dich auf die Suche nach den Sachen, die dich in Brand stecken. Vergiss die Trennung von Studium und dem «eigentlichen» Leben. Glaubst du, Jimi Hendrix oder Duchamp haben von 9–5 gearbeitet und dann vorm Fernseher gehangen? Sein und Machen ist eins. Das Studium ist nur Teil deines Weges und du solltest so viel daraus ziehen, wie du nur kannst. So, als würdest du in einem Freizeitpark mit voller Wucht jede Achterbahn antesten, jede Wildwasserbahn mitnehmen. Mach Dozenten zu Mentoren und werde vom Student zum Agenten, zum Abenteurer. Entdecke Design als Ausdrucksform, als Selbstverwirklichung… nicht als Job. In Wirklichkeit geht es in Design nicht darum, irgendwann mal Werbung für Zigaretten oder Burgerketten zu machen, sondern darum, dich selbst mitzuteilen, wenn du etwas zu sagen hast – und im Studium kannst du entdecken, OB du etwas zu sagen hast. Und wie du es am besten phrasierst. Design ist mehr als Werbung und mehr als Styling, mehr als Verpackung – Design ist Songwriting, Revolution, Science Fiction.

Das Studium wird damit zum Abenteuerspielplatz, auf dem du herausfindest, ob du zur Selbstentzündung in der Lage bist. Deine Dozenten sollen dich begeistern, aber noch mehr solltest du SIE anstecken, mitreißen, umwerfen. Wenn du nur Aufgaben gut machst, von denen du «begeistert» wirst, stehen dir triste Berufsjahre voraus. Der Trick ist in Wirklichkeit, so lange in die Tristesse der Wirklichkeit zu boxen, bis sie großartig wird. Nicht die Aufgabe, eine Lampe zu designen, muss den Designer begeistern, der Designer muss mit Begeisterung eine Lampe machen. Und die kommt von innen, die kommt aus dir selbst. You gotta kick the darkness till it bleeds daylight. Dich selbst zu begeistern und diese Faszination weiterzugeben wie eine Fackel, das ist dein Job – ein Leben lang. Menschen ergreifen, berühren begeistern, wütend, traurig, lustig machen.

Und es könnte nichts besseres geben, trust me.

veröffentlicht in der Botenstoff 02

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TYPODARIUM 2009

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Für alle, die noch ein typographisches Weihnachtsgeschenk suchen, haben Lars Harmsen und Rabban Ruddigkeit dem eigentlichen Gipfel der Geschmacklosigkeit, den Abreisskalender, erklommen und etwas für Schriftenfreaks vom Berg mit ins Tal geschleppt: Das Typodarium 2009 bringt für jeden Tag eine neue Schriftinspiration, von normalen Satzschriften bis hin zu abgefahrenen Displayschriften, alles komplett mit Informationen und Bezugsquelle der Schrift. Auf 365 tagen kann man eine Menge Schrift unterbringen und vertreten sind 50 Schriftenmacher und -vertreiber:  2Rebels, Avoid Red Arrows, bp Foundry, Caketype, Canada Type,
Cape Arcona, Christian Schwartz, Coma AG, Cubanica, ds Type, Dutch Design, Dutchfonts, eps51, Fontbureau, Fontfarm, Fontfont,
Fountain, Hubert Jocham, Hula+Hula, Kenn Munk, Lazydogs, Lieberungewoehnlich, Lion&Bee, Magma Brand Design / VolcanoType,
Mark Simonson, Martina Hartmann, p22, Parachute, Peter Brugger, Pfadfinderei, Primetype, Smeltery, Sparkytype, Subtitude,
Subcommunication, Typecuts, Type Off, Type Together, Typetype, Typonauten, Typotheque, Underware, urw++, Verena Gerlach, Xplicit, Yanone.

Mit 16,80 Euro noch genau in der Preisliga für Weihnachten…

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KEKSE

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DESIGN IST KEINE LÖSUNG

Es ist beinahe ein Axiom unter Designern, unter Lehrenden und unter Studenten, dass Design darin bestünde, Lösungen für Probleme zu entwickeln. Ohne Briefing, so das Dogma, gibt es kein Design. Hakt man im Gespräch genauer nach, wird schnell unklar, was für Probleme hier eigentlich gemeint sind – und worin die «Lösung» besteht. Selbst im weitesten Sinne gefasst, hat Design (und schon gar nicht Kommunikationsdesign) Krieg, Hunger, Gewalt oder Umweltprobleme «gelöst», im Gegenteil. Es kommen mehr Beispiele in den Sinn, in denen gerade das Grafik Design sich nur zu leicht in den Dienst totalitärer Systeme einspannen ließ oder bis heute blendend als kriegerisches Propagandawerkzeug fungiert. Dazu kommt, dass qua Design Konsumartikel verkauft werden, die oft eher Teil des Problems als der Lösung sind. Mehr verkaufte Hamburger und Autos retten die Welt sicher nicht. Unser Handwerk, im Camouflage der Werbung, füttert den immer neuen Hunger nach Produkten, die als Glückssurrogat den horror vacui des modernen Daseins füllen sollen, und doch nie satt machen. Design ist hier das Styling-Feigenblatt eines Müll produzierenden Überschuss-Systems, das selbst Teil und zugleich Motor globaler ökonomischer und ökologischer Probleme ist. Je länger man hinschaut, um so weniger ist angewandtes Design ein Lösungsmechanismus, sondern eher Steigbügelhalter der Problememacher.

«Es gibt keine Lösung, weil es kein Problem gibt», lautet Marcel Duchamps berühmter Spruch, der Probleme als unsinnige geistige Erfindungen erkannte. Was wir als Probleme bezeichnen, sind polymorphe Lebensprozesse einer Spezies und ihrer Systeme, die man sicher begrenzt steuern und beeinflussen, aber kaum als «Probleme» dauerhaft beseitigen kann. Jede so genannte Lösung birgt zugleich in sich ein neues, anderes Problem – die Vorstellung, dass es eine Art »Endlösung» geben kann, die alle menschlichen Probleme löst, verrät wie kryptofaschistoid diese Denkrichtung faktisch ist. Der mechanistische Denkansatz, dass Design praktische Lösungen zu produzieren habe, ist Nonsens. Die wirklichen Fortschritte (die in sich jeweils, wie gesagt, neues Problempotential bergen) kommen stets aus der Technologie, von Ingenieuren, Biologen, Mediziner, Programmieren, aber nicht von Stylisten, so dass der Versuch, Design zum Fortschrittsmotor zu deklarieren, eher anmaßend wirkt. Designer haben den Stuhl, das Auto oder die Schrift nicht erfunden – sie modulieren nur die Ästhetik des Umgangs mit diesen Erfindungen. Wir sind keine Macher, wir sind Former.

Designer sollten also aufhören, sich zu mehr oder etwas anderem machen zu wollen als sie eigentlich sind. Wir sind keine Anthropologen, Psychologen, Nuklearforscher oder Kybernetiker. Wir forschen nicht, wir spielen. Würde sich ein Autor, ein Musiker, ein Regisseur als Problemlöser verstehen? Diese irrige Selbst-Definition schränkt die Designer in ihrem wahren Potential ein, sie führt uns zunehmend in die Stagnation, die Sackgasse. Design erfüllt sicherlich eine Aufgabe, egal ob bloße Umsatzsteigerung bei kommerziellen Design oder frei selbstgestellte Thematik im konzeptionellen Bereich – aber das ist etwas weit anderes und deutlich freieres als das Beseitigen von Problemen.

Design ist in erster Linie die Erzeugung von Interfaces, von Übersetzungen, von Kommunikationsversuchen. Typographie ist ein Interface für Schrift – Schrift ist ein Interface für Phoneme – Phoneme für Sprache – Sprache für Denken – Denken für Realität. Design schafft also ein engagierendes mediales Anlog von Realität. Das Screendesign eines Betriebsystems gibt der menschenfremd binären Sprache eines Computers ein analoge, für uns User nachvollziehbares Gesicht. Ein Corporate Design gibt einem amorphen Luhmannschen System einer Unternehmung, die aus Geldströmen und Geschäftsprozessen besteht, ein greifbares, den Mitarbeitern und Kunden verständliches Bild. Ob Ikone zum Programmstart oder Logo zum Konsumimpuls – Design gives shape to Black Boxes, wie Norbert Bolz sagt. Design steuert User beim Navigieren auf Oberflächen, es kann sie effizient dirigieren, aber auch elegant verwirren, es kann ebenso laut wie leise, brutal wie sanft sein, es kann träumen und Gefühle wecken. Design kann persönliche Selbstfindung sein, wie ein Gedicht, wie ein Song sein, aber auch eine klare soziale Botschaft haben. Design kann technophile Science Fiction sein oder kritische Revolution, es kann im Gewand des puren Stylings Produkte verkaufen oder anarchisch zur Systemveränderung aufputschen. Unsere Werkzeuge sind so einfach und zugleich vielfältig wie die Musiknote, wie das Wort. Wie für Autoren und Komponisten steht Designern also ein unendliches Feld von Möglichkeiten zur Verfügung, eigenen Ausdruck und gesellschaftliche Ideen, die verschiedensten Ideen, Eindrücke und Ziele in einem ästhetisch überzeugenden Gebilde zu kommunizieren. Designer können – wie Musiker, wie Autoren –, billigen Mainstream-Pop für schnelles Geld ebenso produzieren wie komplexe, undurchdringliche E-Musik für eine atomare Zielgruppe, können Groschenromane schreiben oder den nächsten «Zauberberg». Entsprechend geht es nicht um Lösungen, sondern um Leidenschaften, Mut, Abenteuerlust, ebenso wie um Virtuosität mit dem eigenen Instrument, um Spaß an dem Dialog mit dem Publikum, um die Balance von Unterhaltung und Irritation, um kritische Auseinandersetzung mit dem Jetzt und dem Empfänger, dem Publikum, dem «User».

Erst, wenn sich Typographie und Design aus dem reduktionistischen, engstirnigen Korsett von Ursache und Wirkung befreien und aus diesem Kokon herausschlüpfen, wird sich herausstellen, welches interdisziplinäre und gesellschaftliche Potential überhaupt in unserem Bereich liegt. Wie in anderen kreativen Kulturbereichen wird man Tools entwickeln müssen, um Arbeiten kritisch zu analysieren und zu entwickeln, eine Semantik der Beurteilung von Design erarbeiten, wie wir sie bei Film, Musik, Buch, Kunst oder Theater wie selbstverständlich seit langem verwenden, während wir Designarbeiten fast wortlos gegenüberstehen, und diese öffentlich schon gar nicht kritisch gewürdigt und diskutiert werden. Design kann und muss raus aus dem selbstgewählten Exil zwischen stumpfer Dienstleistung einerseits und pseudo-künstlerischem Diffusat andererseits. Denn es kann Stellung beziehen, kann Herzen berühren, kann Köpfe entfachen. 

Und dann, aber erst dann, könnte Design vielleicht auch tatsächlich Probleme lösen.

erschienen in der Reflektor 1

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BOOKLOVE

Ich habe es recht selten, dass ich noch während des Lesens  eine fast kindhafte Freude und Begeisterung für ein Buch habe, weil nicht nur jeder einzelne Satz, jedes Kapitel und die Charaktere sondern auch die Grundidee dich mit einem anschwellenden Respekt vor der Phantasie, dem Detailreichttum und der Liebe eines Autors entfachen. The Yiddish Policeman’s Union ist so ein Buch. Was sich auf dem Buchrücken noch als  als unlesbarer Plot anhört, entpuppt sich mehr und mehr als eines der atmosphärischsten, dichtesten und besten Was-wäre-wenn-Bücher, eine liebevolle Betrachtung jüdischen Lebens, eine wunderbare Verneigung vor Dashiell Hammett. Großartig. Ich hätte gedacht, Michael Chabon kriegt Kavalier&Clay nicht überboten, aber Policeman’s Union übertrifft es mit Leichtigkeit. Die Sorte Buch, die du zugleich verschlingen und in Zeitlupe lesen möchtest.

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DINGFEST

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Nochmal designkrefeld der Hochschule Niederrhein, man könnte meinen, ich kenne da wen…

Nach Botenstoff und Mappenvorbereitungen stürzen sich die Krefelder Designer nahezu nahtlos unter dem Motto dingfest in die Diplomshow und zwar am Mittwoch den 19.11. ab 18.00 in der Shedhalle.

Nachdem ich den Botenstoff-Release und Reflektor jobbedingt verpasst habe, hoffe ich, es zumindest da mal hin zu schaffen, ich würd mich freuen. Krefeld besticht seit einiger Zeit mit hochmotivierten Studenten und Dozenten als gar-nicht-mehr-so-kleine, aber mehr als feine Einrichtungen, die viele Leute bei den Bewerbungen noch gar nicht auf dem Radar haben und sich erst mal stumpf in Düsseldorf und Co in die Schlange stellen. Ich bin also echt mehr als gespannt, was die Diplome für eine Qualität haben und ob sie den hohen Erwartungen, die die beiden Magazine geweckt haben, gerecht werden. Es ist ja eine sehr überschaubare Zahl von Diplomen – etwas vergleichbar mit dem Output in KD an der Ruhrakademie oder der Folkwang, so here’s hoping for some good stuff :-D

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NONSTOPNERDS

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Nice blog, folks

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FORMAT

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Die Format ist das Magazin der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd. Im Sommersemester hauptsächlich von Studenten des zweiten Semesters erstellt. Wie der Name nahelegt, ist das Magazin sichtbar von Ulmer Einflüssen geprägt, sauber, aufgeräumt, formatiert eben. Kühl, gut lesbar, klar, für junge Studenten eigentlich fast verwirrend unexperimentell, ruhig und professionell – man will fast sagen altersweise. Ein simples, aber solide bespieltes Raster und nur wenige Patzer (stumpfe Einzüge, unsexy Trennungen, ungewollte Trennstriche im Text, typographische Detailfehler wie «20 Prozent», unruhiger Flattersatz, keine Caps und OSF (die die Akkurat aber auch nicht hergäbe… interessant übrigens, dass hier neben der Reflektor schon das zweite Magazin mit dieser Schrift kommt.)

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Die Format ist nahe dran an der ursprünglichen ersten Botenstoff, in Feeling (wenn auch reduzierter), aber auch in Inhalt. Interviews, kurze redaktionelle Essays wie die VVV-Software-Vorstellung, Arbeiten aus dem universitären Bereich, eine Standortbestimmung der Gmünder Gestaltungsphilosophie, die nicht ganz ohne saubere Selbstironie bleibt. Die Hochschule, die sich hier präsentiert, macht sich Gedanken über Design, verortet sich modern an den eigenen Mythos anknüpfend und sucht nach einer neuen Interpretation der Moderne eines Otl Aicher, und überzeugt mit guten Arbeiten.

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Schon die typographischen Plakate aus dem ersten Semester, wenn auch eher Ideen aus den 60s reproduzierend, sprechen eine klare Sprache, die sich in den Bachelor und Diplomarbeiten einen klaren eigenen Charakter dazu erarbeitet und die über die vielen verschiedenen Bereiche – Interface, Produkt, Grafik -  doch eine verbindende «Cleanliness» aufweisen, die die Arbeiten stets ehrlich und auf der Höhe der Zeit wirken lassen. Wilde Experimente sucht man hier vergeblich, die gezeigten Abschlussarbeiten wirken perfekt an der Realität orientiert und fast erschreckend ausgereift. Was keine Kritik ist – ich finde mehr als gut, wenn Hochschulen sich aus ihrer Geschichte heraus eine klare eigene Note geben und diese als Leuchtturm nutzen. Es macht Sinn, wenn ei eine oder andere Hochschule verballert-experimentelles Design sucht, die andere einen pragmatischen, klassischen Designweg geht und in den Vordergrund stellt, kluge, minimalistische und durchdachte Oberflächen zu gestalten.

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Die Format ist an vielen stellen spürbar mit geringem Budget gemacht, kleine Auflage, schlichtes (aber irrsinnig professionelles Design, ich kenne Studenten, die im Diplom nicht so gezielt und beherrscht in den Instrumentenkasten des Designs greifen wie das Team um Jonas, Heuer, Domic Specht, asaad El Salawi und Mareike Graf. Weitab von Selbstdarstellung, weitab von Laut ist dieses Heft ein funktionales, klares Ding, in seiner Schlichtheit so schön wie das Neutral-Diplombuch von Kai Bernau, mit der schwarzweißen Eleganz einer Braun-Hifianlage. Bis auf die Wahl der Rockwell und das ja eben bewusst (aber nicht sehr gelungen) aus dem Rahmen fallende Mittelkapitel :-D ist das Heft ein Musterbeispiel sparsamer Typographie, wunderbar effektiver Bildanordnung und eines klaren, aber dennoch sehr lebendigen Rasters, das zwar auch kleinere fehler aufweist – aber wenn das hier die Erstausgabe ist, habe ich beileibe schon schlechtere Sachen gesehen. Von der Absicht und dem Layout her ist die Format ein wunderbar entspanntes, extrem vorzeigbares Projekt und wenn es wirklich nur von den Studenten selbst initiiert ist, und ohne große professorale Betreuung, schaue ich mehr als gerne über die kleinen Kratzer im Lack hinweg, die die Sache ja letzten Endes vielleicht auch davor bewahren, allzu perfekt zu sein und noch Raum für Verbesserungen und Wachstum lassen. Wenn es eine gute Sache gibt, dann Studenten, die einfach losgehen und selbst etwas auf die Beine stellen – und in diesem Fall sogar nicht einmal für onanistische Designorgien, sondern um ein überraschend offenes, kommunikatives und gekonntest Magazin auf die Beine zu stellen, dass eine saubere Visitenkarte für Christa Salerno und ihre Hochschule ist. wenn in der zweiten Ausgabe die kleinen typographischen Unsauberheiten ausgemerzt sind und vielleicht mehr Budget für besseres Papier und aufwändigeren Druck da ist, um so besser, meist ist der Sprung einer Erstausgabe und der zweiten Nummer beeindruckend. Ich freu mich jedenfalls drauf…

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TEZUGA MANGA MUTATIONS

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PinkTentacle zeigt einige Motive aus der Tezuka Gene – Light in the Darkness Ausstellung in Shibuya, in der 35 japanische Designer und Illustratoren den 80. Geburtstag von Osamu Tezuka mit Re-Interpretationen seiner Figuren feiern.

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SLANTED 06: SIGNS, SYMBOLS, ORNAMENTS

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Obwohl oder vielleicht gerade weil seit Alfred Loos’ «Ornament und Verbrechen»  das Überflüssig-Dekorative im modernen Design einen schweren Stand hat, ist in den letzten Jahren das Pendel massiv zurück geschwungen. In schönster postmoderner Nichtigkeit kann Design sich heute stilistisch-oberflächlich ebenso beim kargen International Style bedienen, aber auch in üppiger retrofloraler oder scifitechnoider Ornamentik schwelgen. Everything goes und selten bedeutet es noch etwas. Die Zeit, wo man sich zwischen Minimalismus und Memphis die Köpfe heiß reden konnte, ist im Säurebad des omnivoren softwarebasierten Designs irgendwie zersetzt worden. Das antidekorative Mantra von Loos – so richtig es in der Zeit war und so richtig es vielleicht auch heute noch sein mag – oder auch, viel plausibler argumentiert, einem Otl Aicher wird dem Drang nach mehr persönlichen Ausdruck im Design vielleicht nicht gerecht, vielleicht wirken  möglichst verschachtelt gebaute Bilder auch einfach eher beeindruckend als minimalistische Lösungen – wie dem auch sei, es schadet nicht, sich dem Thema Ornament, das im englischsprachigen Raum längst gut im Diskurs ist  (vgl Alice Twemlow, The Decriminalization of Ornament), auch in Deutschland mehr zu widmen.

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Und das tut die sechste Ausgabe des derzeit vielleicht emotionalsten typographischen Magazins in aller gebührenden Unruhe. Die sechste Slanted bleibt ihrem etwas irrlichternden, aber immer erfrischend vielseitigen Mix-and-Match-Konzept treu, das auf eine höchstmögliche Bandbreite an individuellen Beiträgen setzt. Dieses recht ungefilterte Verfahren gibt dem Magazin mitunter etwas von der Sturm-und-Drang-Naivität einer Schülerzeitung, sorgt aber eben für eine Nahbarkeit, ein Echtzeit-Feeling, das tatsächlich dem ursprünglichen Blog-Feeling von Slanted.de sehr nahe kommt – das Magazin scheint wie eine Website nicht für die Ewigkeit gemacht, sondern auf der Reise, unterwegs, schnell zu sein, Momentaufnahmen zu liefern – und das ist auch gut so. Denn durch dieses Flair bekommt die Slanted eine Einzigartigkeit, besetzt eine Nische, die die anderen Designmagazine derzeit nicht füllen. Sie ist ein bisschen trashiger, ein bisschen mehr Patchwork und eben darum hoch lesenswert, zumal die Sprunghaftigkeit des Magazins die das Hypertext-Feeling eines etwas treibenden Surfens im Netz gut zu Papier bringt. Die Interviews und gezeigten Arbeiten widmen sich der Creme der Gestalterszene ebenso wie Newcomern, ohne sich dabei immer sklavisch an das Heftthema zu halten, was den Inhalten durchweg gut tut. Musikrezensionen, Buch-, Magazin- und Font-Tipps aus der Slanted-Website und jede Menge liebevolle Details runden das Heft ab, das bei allem Über-Zäune-bicken doch immer wieder zum Kernthema Schrift und Schriftschaffen zurückkehrt.

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Das Ergebnis ist ein impulsives und in dieser stürmischen Art unweigerlich inspirierendes Heft, das sich wohltuend oft einen Scheiß um Hübsch oder Hässlich schert, sondern ganz auf Direktheit setzt. Es gibt immer etwas zu sehen, zu entdecken, anzulesen, irgendwas, was dich zum lachen bringt oder verwundert. Diese Vielfalt ist angesichts des relativ kleinen Teams um Julia Rausch umso verblüffender und schöner.

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Schöner ist ohnehin das richtige Stichwort – nachdem Lars Harmsen mit den ersten Slanted in Kooperation mt Océ einen Marketing-Hattrick hinlegte und die Slanted komplett digital druckte, wird sie jetzt doch in «echtem» Offset gedruckt, man merkt den Unterschied eigentlich auf den ersten Blick kaum, aber das etwas schönere Schwarz veredelt das größtenteils ja einfarbig produzierte Heft unbedingt und nun kommen auch die feinsten der haarfeinen Artwork-Linien, die Marian Bantjes’ Interview begleiten kompromisslos zur Geltung. Die Aufwertung passt zu dem Plan, die Slanted demnächst häufiger, regelmäßig quartalsweise und dann auch konsequenterweise gleich im (superpreiswerten) ABO zu produzieren. Es gibt eigentlich kein (deutsches) Magazin, dass sich so exklusiv dem Gestalten von und mit Schrift widmet und zugleich diesem nur scheinbar engem Themenbereich so viel schillernde, punkige Lebhaftigkeit abgewinnt, die wunderbar im Kontrast steht zu der grauen Bleisatz-Ernsthaftigkeit, die typographische Magazine oft anspringt. Wer Spaß an Schrift hat, kommt an der Slanted also eigentlich gar nicht vorbei.

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