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Trick or Treat…

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Happy Halloween

31. Oktober 2008 15:32 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Dimensions of Heimat

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Da ich letztes Jahr  ja selbst Gast bei Dimensions of Fake war, kann ich nur sagen, dass es sich für jeden, der in der Nähe des schönen Bauhaus Dessau ist und Zeit hat, dort vorbeizuschauen, wirklich lohnt, diese Veranstaltung mitzunehmen. Von den Studenten des FB Design der Hochschule Anhalt selbst gestaltet und organisiert, dreht sich in diesem Jahr alles um das Thema Heimat -  seltsamerweise ein Thema, das gerade in Zeiten von globalisierter Wirtschaft und Auswanderer-Fernsehshows immer öfter auftaucht und insofern wichtig scheint, vielleicht weil man gerade versuchen muss, jenseits des neoliberalen Globalisierungsdrucks und der permanenten medial vermittelten Anwesenheit an jedem beliebigen Ort der Welt das Gefühl von «Zuhause» hinterfragen und (re-)definieren muss.

Der Mix der Vortragenden klingt sehr spannend, finde ich, zumal mit einer Psychologin und einer Anthropologin auch mal Leute vertreten sind, die nicht mit der Designerbrille auf das Thema blicken, sondern einen anderen Horizont haben.

Prof. Katrin Androschin / Designerin
Ulrike Brückner / Designerin und Helga Kurzchalia / Psychologin
Gunter Klötzer / Fotograf
Barbara Knorpp / Anthropologin
Udo Schäfer / Designer
Prof. Axel Müller-Schöll / Innenarchitekt (und Hg. des hervorragenden Manuskrpt-Buches)

Moderation: Sandra Scheer | FB Design Dessau

11:24 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

Poladroid

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In Zeiten digitaler Photographie wird das analoge Flair mehr und mehr zu etwas, das nur noch simuliert besteht. Aus der binären Rohmasse schaufeln Filter und Effekte wahlweise ein Holga-, ein Lomo oder eben ein Polaroid-Photo. Daran kann man sich etwas puristisch abarbeiten (zumal keine dieser digitalen Kopien bisher glaubhaft den Look der Originale erreicht) oder einfach Spaß an der plötzlichen Biegsamkeit und Verformbarkeit der einst so heiligen unverfälschbaren Bilder haben.

Poladroid macht diese Verwandlung am lustigsten möglich. Die Magie des echten Sofortbildes, die man einfach nicht imitieren kann, wird zumindest lustig simuliert. Ein Beliebiges Bild kann in ein Polaroid verwandet werden, mit recht wenig einstellbaren Parametern (mehr wird die Poladroid-Pro-Version bringen), aber abgesehen vom etwas zu starken Bildvignetteeffekt recht schön. Am lustigsten an der Standalone-Applikation für Mac ist allerdings, dass man die Bilder schütteln kann , damit sie schneller trocknen und das – ganz oldschool – pro Sitzung nur 10 Bilder machbar sind, danach ist die Kassette eben leer. Nicht ganz authentisch, aber visuell spannend: Man kann man den Entwiclungsprozess jederzeit zwischendurch als JPG speichern. Fehlt eigentlich nur nach das man – à la Peter-Gabriel-Cover – mit dem Finger die Emulsion verschmieren darf. Bis auf das zu moderne Kameramodell eine sehr, sehr liebevolle Hommage ein ein sterbendes – faktisch eigentlich schon gestorbenes – Medium.

Und auch wenn die Auflösung für professionelle Zwecke viel zu klein ist, ist der Poladroid auch eine schöne Vorstufe, um eher Holga-artige Bilder zu faken.

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24. Oktober 2008 17:58 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

Heute ab 10: Workshop auf Zollverein

Die wichtigste Nachricht als erstes: ich war doch beim Friseur :-D. Außerdem noch so bis 1 auf der Geburtstagsfeier der wunderbaren Beate Blaschczok und seit 6 wieder am Rechner, also entsprechend müde, was immer zu recht unterhaltsamen Zuständen bei mir führt.

Es gibt gerade eben genug Voranmeldungen, um den Workshop zu machen, der Termin unter der Woche scheint subideal gewesen zu sein, sorry. Ich glaube, ich habe mehr Mails mit dem Tonus «Ich würd so gern kommen, aaaber nicht an dem Tag…» als alles andere. Aber dafür auch ganz spannende Anmeldungen von Leuten, die ich gar nicht kenne und auf dich ich mich freue. Vielleicht kommen auch noch ein paar Leute spontan. 10 Uhr, Zollverein Schacht XII, Gelsenkirchener Straße, Halle 6. Vielen Dank übrigens an dieser Stelle an Sabine Dienemann, die die Halle zur Verfügung stellt und  alles organisiert hat – super :-D

Es lohnt sich übrigens, Bastelzeug mitzubringen. Pappe, Schere, Klebe, Malzeug, Feuerzeug….

Bis gleich!

23. Oktober 2008 07:43 Uhr. Kategorie Leben. 6 Antworten.

Morgen ab 10: Workshop auf Zollverein

Morgen ab 10:00 beginnt der Design-Workshop in der Halle 6 auf Zollverein Schacht 12, . Ich hoffe, es kommen ein paar Leute. Richtig Spaß macht es mit 30 Leuten, bis jetzt sind so 10 oder 12 angemeldet – es ist also noch PLATZ! Ob es am Über-Killer-Angebot von Essens Kreative Klasse liegt, am Mitten-in-der-Woche-Termin oder an mir, keine Ahnung. Also: Anmelden oder unangemeldet vorbeikommen, damit es ein bisschen rummelig wird auf Zollverein. Und da ich es heute nicht mehr zum Friseur schaffe, gibt es zudem die spannende Frage, ob ich mit viel zu langen kurzen Haaren oder kurzerhand mit frischausrasiertem Kopf komme :-D. Wer kann da zuhause bleiben?

Als kleines Dank an alle, die mitmachen, bringen wir die übrigen Matroschka-Plakate und die Etch-a-Sketch-Plakate und Broschüren mit.
Wer kommt und mitmacht und ein Plakat und/oder Booklet will, kann sich also gerne morgen eins mitnehmen.:-D

22. Oktober 2008 14:31 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

Close///Open

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Es ist sicher etwas geeky, Plakate zu machen, die nur Apple-User verstehen und ausgerechnet mit den Command-Tastaturkommandos der Mac-Tastatur zu arbeiten, aber Christopher David Ryans 5×7 Zoll große Prints machen diesen Touch von Nerdism durch ihren schlichten und klaren Look wieder weg.

(via The Apple Blog)

19. Oktober 2008 18:04 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

Infadels Köln Luxor

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Keine Photos diesmal, wir hatten weder Kamera noch Handy dabei. Wozu hat man Technik, wenn man sie nicht benutzt :-D? Das Photo hier stammt also von Popmonitor.

Das ist das dritte Infadels-Konzert, dass ich sehe, und vielleicht ist man deshalb weniger enthusiastisch dabei als die wenigen versammelten Leute im Lxor, dass nicht ganz leer ist, aber auch nicht annähernd so voll wie bei den Klaxons oder sogar bei den Rakes. Die Stimmung der Fans vorne vor der Bühne, wo es reichlich leer ist, ist trotzdem gut, was aber vielleicht auch am Alkohol liegt, eine Gruppe wirkt etwas arg angetrunken und macht – ganz auf japanischen Tourismus gebügelt – permanent Photos von den einzelnen Leuten vor der Bühne mit der Band im Bildhintergrund.  MySpace olé – die Mutti photographiert sich vor dem Eiffelturm, der Sohnemann eben vor Bnann Watts.

Die Band selbst wirkte angesichts der kleinen Venue und des überschaubaren Publikums etwas gedämpft in Vergleich zu anderen Auftritten, auch wenn Bnann immer wieder «Cologneeee» rief und uns versicherte, dass die Stadt rockt – da fragt man sich spontan, wie leer es in anderen Städten so vor der Bühne ist. Die Infadels spielen einen lockeren Mix aus den beiden Alben, wobei leider die neuen Songs etwas überwiegen, die allerdings live größtenteils deutlich besser wirken als in der überproduzierten Sterilität des Albums – etwas Dreck tut den Songs gut, mit Ausnahme von Free Things for Poor People, das einfach so oder so nicht zu retten ist. In den Händen der Smiths wäre das vielleicht eine passable B-Seite aus der müden Endphase der Band gewesen, aber bei den Infadels schleppt sich der Song live wirklich nur gruselig durch. An diesem Abend fällt auch extrem auf, dass der sonst brauchbare Drummer Alex Bruford (übrigens der Sohn von Legende Bill Bruford) an diesem Abend ein Schwachpunkt der Band ist, die in grimmigem Joker-Make-Up und -Outfit über die Bühne rast. Die Songs wirken – obwohl oft von Richie Vernons Sequenzern getrieben – seltsam schleppend und kommen selten wirklich nach vorne, was auch am Sound liegt, der einfach extrem schwach ist – das Schlagzeug kann sich kaum durchsetzen in der Klangsuppe.  Das Circus of the Mad-Motiv rundet ein grandioser Superheld im Wrestler-Outfit ab, der zwischen zwei Songs die Bühne betritt und das Publikum anheizt. Passt perfekt zu dem Mädchen im Publikum, dass im Glücksbärchen-Kostüm herumtanzt (gab’s freien Eintritt mit Kostüm?) und sauber Spaß an dem Gig hat, vor allem als die Infadels bei Can’t get enough, der einen Zugabe, die Leute auf die Bühne holen. Stagecrowding gehört im Luxor irgendwie dazu, oder?

Die Infadels touren derzeit im Tages-Ochsentour-Takt durch Europa – und Gigs vor kleinen Crowds sind da kein Highlight, die Bühnenarbeit mutiert zu einem Mix aus echter Arbeit und gedämpften Drogenexzess.Das alles ist aber echt keine Entschuldigung, von allen Liedern auf der Erde nun ausgerechnet Sweet Dreams von den Eurythmics zu covern – eine gruselige Ü30-Nummer, von der man einfach die Hände lässt, es sei denn, um sie zu demontieren. Bei nicht selbst komponierten Songs fällt oft auf, ob eine Band wirklich virtuos ist oder nicht, und die Frage beantworten die Infadels leider mit einem überzeugenden Nein und schrammeln sich durch Dave Stewarts Song, kaum besser als eine miese Schul-Partykapelle beim Abiball. Dass dafür andere Songs vom ersten Album unters Messer kommen ist etwas bizarr. Vielleicht passend, denn Dave ist ja selbst auf diesem Niveau angekommen und verwurstet seine eigenen alten Songs noch einmal auf dem Songbook-Album:-D.

Mit dreimal so viel Publikum, mehr Alkohol, vernünftiger PA und einer deutlich besser gelaunten Band wäre der Gig natürlich großartig gewesen – wenn die Infadels gut drauf sind und laut und es heiß und eng ist, herrscht Party. So ist das hier nicht der Circus of the Mad, sondern eine leere Tanzfläche mit semibetrunkenen Leuten, die sich etwas traurig anpogen, vor einer Band, die angestrengt versucht, den Abend zu überstehen.  Eigentlich schade, denn die Infadels können definitiv ein Publikum und eine Show wirklich nach oben treiben – aber so wie das neue Album eher schlechter als das erste ist, wirkt auch die Liveshow einerseits geplanter und gewollter, aber eben alles in allem weniger ausgelassen, weniger energetisch, weniger echt, weniger Rock’n'Roll.

09:16 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

Workshop Zollverein 23.Oktober

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Wie entsteht eigentlich Design? In welchen Kommunikatonsprozessen zwischen Designer und Kunde, im Team, im Wettbewerb, manifestiert sich Design-Denken? Ist Design nur Gestaltung oder eine bestimmte Struktur von Kommunikation, ein Ermitteln von Bedürfnissen? Wie entsteht Lösungskompetenz im Design?

Locker basierend auf Petr van Bloklands großartigem Designprozess-Workshop auf der Typo2006 in Berlin mache ich ein Workshop/Spiel am 23.Oktober 2009 in Halle 6 auf dem Gelände Zollverein Schacht XII, das diesen Fragen leichtfüssig nachgeht. Virtuelle Agenturen im virtuellen Streit um virtuelle Etats mit virtuellen Kunden ergeben echte Lerneffekte auf beiden Seiten, weil das Spiel so unfair wie die Wirklichkeit ist. Ich habe den Workshop bereits mehrfach gegeben – zuletzt in Dessau – und es macht jedesmal eine Menge Spaß.

Es geht um 10.00 los, der Eintritt ist frei, wer zuerst kommt, mahlt zuerst, wer sich bis 23. anmeldet, bekommt einen Platz reserviert. Reservier dir deinen Platz mit einer an schellnack@nodesign.com.

Der Workshop richtet sich an alle Kreativen – Designer, Architekten, Art Directors, Marketingmacher und natürlich Studenten. Designvorkenntnisse sind absolut nicht nötig. Also, keine Angst – einfach kommen. Ich habe etwas Angst, dass Essens Kreative Klasse mit 140 Veranstaltungen ein derartiger Mega-Event wird, dass niemand kommt.

Es lohnt sich so oder so, am 23. auf Zollverein zu sein, weil direkt im Anschluss beim Klartext-Verlag erklärt wird, wie ein Buch entsteht :-D.

Zum Workshop suche ich noch drei Designer, die Zeit und Lust haben, die Kunden beim Workshop zu geben. Es ist die perfekte Chance, mal die Seiten zu wechseln und zu sehen, wie sich ein Pitch von der anderen Seite anfühlt. Ich war selbst Kunde 2006 und es macht eine Menge Laune und hat tatsächlich einen Effekt – man versteht danach, wenn man konzentriert und ehrlich mitspielt – die eigenen Kunden irgendwie besser. Eine ArtDirektorin aus Düsseldorf fragte irgendwann in der ersten Runde: «Mein Gott, sind wir Designer wirklich so doof?» und allein schon diese Erkenntnis ist doch Gold wert :-D.

Hier gibt es dem Flyer von Jan und Bianca zum Download, den auch auch prima gedruckt hoffentlich bald in Verteilung gibt.
Hier geht’s zu Essens Kreative Klasse, eine atemberaubende Leistung des Organisationsteams und ein Riesenevent, der Essen zehn Tage busy halten dürfte.

Ich freu mich auf euch, seid dabei!

15. Oktober 2008 13:37 Uhr. Kategorie Design. 7 Antworten.

APPLE RUMORS

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Wenige Stunden vor der Oktober-Keynote rund um dieApple-Notebooks kocht die übliche Gerüchtekoche hoch. Gibt es eine CinemaDisplay/MacBook-Dockinglösung? Gibt es iLife 09? Gibt es ein Glas-Trackpad mit iPhone-Touch-Funktionalitätals zweitem MiniDisplay? Gibt es ein aus einem Aluminiumblock gefertigtes Gehäuse? Kommt 18″? Wird es bessere SSD geben? DualCore oder Quad? Wie kommen die NVIDIA-Grafikchips zum Zuge? Wird es Blu-Ray geben? Und und und…

Das Bild oben, von Gizmodo, kommt der Realität wahrscheinlich am nähesten. Kein Glastrackpad, leider – das hätte ich absolut großartg gefunden. Tatsache ist natürlich, keine Firma kann den Wünschen, die sich in solchen Gerüchten, Fake-Bildern und Mythen niederschlagen, überhaupt gerecht werden? Oder ist die Enttäuschung – wie beim iPod Let’s Rock-Event, wo vorher von iTunes-Flatrates und anderen Sachen phantasiert wurde – dann nicht unweigerlich vorprogrammiert? Wer ein Glaspad wollte, ist vielleicht vom normalen Touchpad enttäuscht, wer auf einen Quadcore hoffte, von normalen Duocores abgeschreckt.

Spannend ist die Gerüchteküche um Mac-Produkte aber tatsächlich unter dem Gesichtspunkt, dass die User hier quasi gratis einer Firma Marktforschungs- und Produktentwicklungshilfe leisten, bis hin zu dem Punkt, wo komplette Konzepte entwickelt und visualisiert werden. Keine schlechte Sache, wenn die Kunden vor Events so deutlich – und in solcher Masse, dass man einfach zwischen signifikanten und wneiger wichtigen Kundenwünschen selegieren kann – sagen, was gerade auf ihrer Wunschliste steht.

14. Oktober 2008 12:31 Uhr. Kategorie Technik. 11 Antworten.

Herrrrbst…

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13. Oktober 2008 12:16 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 5 Antworten.

Gute Idee…

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09:38 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Iphone = Lomo

Keine Frage, die Kamera am iPhone ist der letzte Müll. Es sei denn man macht sich die Not zur Tugend und – virtuell, mittels Software – eine Holga, Lomo oder s/w-Kamera daraus. Dabei helfen einige Apps, die für wenig Geld etwas mehr Spaß mit der Kamera erlauben (wenn sie auch leider noch nicht in Echtzeit funktionieren, aber zumindest ist man der digitalen Holga so einen Hauch näher :-D), Hier sind drei, die ich mag (ToyDigi fand ich nicht so überzeugend)

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Camerabag – sicher das vielseitigste der Tools mit recht sehenswerten Ergebnissen.

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HiCon – macht ziemlich feines S/W aus dem Digitalmüll. Everything looks better in black and white.

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GothPix – vielleicht etwas Overkill und für Portraits unbrauchbar, aber trotzdem witzig.

Alle Photos via Flickr

12. Oktober 2008 21:45 Uhr. Kategorie Technik. Eine Antwort.

Roomba

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Ladies and Gentlemen, wir sind an dem Punkt angekommen, zu dem ich über meinen Staubsauger blogge – please fasten your seatbelts. Ernsthaft, da ich selbst über Blogs auf die Idee gekommen bin, ist es nur fair, die Liebe weiterzugeben.

Der Roomba 560 ist ein Staubsaugerroboter, der automatisch durch einen Raum fährt, durch diverse Sensoren geleitet und … staubsaugt. Die Reaktion von allen Leuten, die das bisher gehört und dann erlebt haben, war ausnahmslos: «Was für ein Quatsch….» (Anschauen, was der Roomba so macht) «…Ich will auch einen!»

Denn es ist natürlich Nerdsville, sich einen Staubsauger-Roboter anzuschaffen, aber wenn man auf drei Stockwerken wohnt, einen Hund und keine Zeit hat, greift man irgendwann zu seltsamen Ideen. Ich habe das Ding in John Byrnes Forum kennengelernt, ein paar Youtube-Videos gesehen, und spontan bei Amazon geordert (ich habe gestern gesehen, dass es ihn inzwischen auch bei Cairo gibt, Synchronicity).

Die Sache ist: Das Ding funktioniert bestens. Man muss den Boden Roomba-sicher machen, also Kabel etwas aus dem Weg bringen (weil er sich trotz anders lautender Werbeversprechen des Herstellers absolut darin verhakelt), und allzu leichte Sachen etwas aus dem Weg räumen, ansonsten findet der Roomba seinen Weg völlig allein durch den Raum, saugt eine Stunde vor sich hin und schnurrt wieder zu seiner Ladestation zurück. Die Saugkraft ist eher schwach, vielleicht mit einem guten Tischstaubsager zu vergleichen (dessen Lautstärke der Roomba auch in etwa hat) und insofern für einen Akku-Sauger, der über 60 Minuten durchsaugt, auch angemessen, aber durch die außenliegende spinnenartige Rotationsbürste und die beiden Bürsten unter dem Roomba ist die Reinigungsleistung trotzdem sehr beachtlich, weil das Gerät sich sehr effektiv den Dreck in die Saugdüse bürstet. Dazu kommt, dass der Roomba mit eben roboterhafter Geduld und Gründlichkeit durch den Raum saust, die kein Mensch so aufbringen würde, und zudem durch seine geringe Bauhöhe auch unter Betten und Sofas saugen kann, und das mit der gleichen Ruhe und Präzision wie über all sonst auch. Er lässt keine Ecken aus, die man selbst gerne mal vernachlässigt und durch die Redundanz seiner Programmierung ist das finale Saugergebnis fast erschreckend – wenn man die Saugkammer ausklopft sieht man etwas entsetzt, wie dreckig ein an sich sauber wirkender Boden in Wirklichkeit war.

Durch die eingebaute Zeitschaltuhr kann man Roomba problemlos von selbst starten lassen und auch wenn der kleine Roboter sich ab und an mal verklemmt, verkabelt oder auf etwas drauffährt und abschaltet – im großen und ganzen sind die Ergebnisse beeindruckend, was umso mehr überrascht, als dass der Roomba der preiswerteste seiner Art ist – der kleine 530 beginn bei 299, der 560 kostet 399 – während Modelle von Siemens oder Kärcher bei um die 1000 Euro liegen. Das Ergebnis nach schon einer halben Woche sind deutlich saubere wirkende Räume und – das mag ein Placebo-Effekt sein – eine reiner wirkende Luft. Für mich als Hausstauballergiker so oder so eine großartige Sache, weil gerade der Staub, der sich in Ecken oder unter Möbeln ansammelt rigoros weggesaugt wird

Der Roomba wirkt so, als müssten relativ regelmäßig die Bürsten und Filter gewechselt werden – das Gerät sieht schon nach einigen tagen Drecksarbeit nicht mehr sehr ladenneu aus – aber die Wartungskits sind bei iRobot (kriegt Asimov eigentlich Lizenzgebühren für die Verwendung dieses Namens?) relativ preiswert zu erstehen, das sollte kein schwerwiegendes Problem sein, solange Nachschub verfügbar ist. Der Roomba ist dabei laut Handbuch komplett demontierbar, so dass jedes einzelne Bauteil angeblich problemlos austauschbar ist. Oh, und man kann ihn auch hacken, wenn man will…

Mit im Paket sind zwei sogenannte Virtual Lighthouses, die den Roomba von einem Raum zum anderen weisen und auch als Virtual Walls dienen können und den Roomba bestimmte Bereiche ignorieren lassen. Beides bei uns zunächst nicht so nötig, insofern habe ich die Lighthouses noch nicht getestet. Die Bedienungsanleitung braucht man fast nicht, weil die Bedienung zum einen wirklich kinderleicht ist, zum anderen eine Computerstimme auf bestimmte Probleme hinweist und den Roomba erläutert. Nur für komplexere Fehlermeldungen braucht man dann das Handbuch vielleicht.

Im Roomba sind Technologien verarbeitet, die iRobot für taktische Robots im militärischen und polizeilichen Dienst entwickelt hat (u.a. als Bombenentschärfer) – und ehrlich gesagt, macht es einfach Spaß, dem mit einigen Humor programmierten Maschinchen bei der Arbeit zuzusehen. Der launige Countdown vor dem Start aus der Ladestation (die den Robot in drei Stunden wieder auf Grün hat), die manchmal unfreiwilligen Irrfahrten zurück in die Ladestation, die Art, wie der Roboter vor Treppen stoppt oder sich aus Ecken herausnavigiert, ganz zu schweigen davon, dass es Emma natürlich absolut fasziniert, was da auf dem Boden herumschwirrt und dreisterweise ihre schönen gemütlichen Haare entfernt.

Ein Staubsauger-Roboter ist irgendwie die Mischung aus Kindheitstraum und der Sorte Einkauf bei der man selbst an seinem Verstand zweifelt, während man noch bestellt,weil die Idee an sich so bizarr ist. Bei weiterem Nachdenken ist es aber nichts anderes als eine Spülmaschine oder ein Staubsauger an sich, der ja auch nur ein Besen mit Motor ist – nur kann der Besen jetzt etwas besser seine Umwelt sehen. In Form von Navigationssystemen, iPhones und solchen Haushaltsrobotern kommt immer mehr Technologie in unseren Alltag, die man einerseits sicher immer kritisch hinterfragen kann, deren praktischer Nutzwert in der Entbindung von dusseligen, zeitfressenden, unkreativen Arbeiten aber kaum wegzudiskutieren ist. Wer einmal mit einem TomTom-System durch eine fremde Stadt gefahren ist, wird sich nicht unbedingt nach verzweifelten Suchen auf Falkplänen zurücksehnen – und wer eine Weile dem Roomba bei der Arbeit zusieht, fragt sich, warum man das nicht viel früher angeschafft hat.

09:31 Uhr. Kategorie Technik. 6 Antworten.

Hart aber Paul…

Da erfahre ich in einer eMail im Nebensatz vom Kunden, dass er im Fernsehen auftritt :-D. Heute abend 21:45 ist Stefan Paul von der Ruhr Uni Bochum und Bankenprofi des ikf° zum Thema Bankenpleite bei Frank Plasbergs Hart aber Fair. Und ich hab keinen Fernseher… werde es also im Webarchiv sehen. Good Luck, Prof Paul!!!

8. Oktober 2008 21:17 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Elmore Leonard: Up In Honey’s Room

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Up in Honeys Room knüpft an The Hot Kid an und damit an die Karriere des inzwischen verheirateten US Marshal Carl Webster, der hier allerdings fast eine Nebenfigur ist. Elmore lässt seine Handlung diesmal in den Wirren des späten Zweiten Weltkriegs stattfinden – Webster verfolgt zwei Nazis, die aus einem Kriegsgefangenenlager und landet im 1944er Detroit, eine Stadt, die an Sleaze kaum zu überbieten hat. Leonard lässt den stoischen Webster, der hier deutlich weniger Flair hat als in The Hot Kid, auf ein fast undenkbares Panoptikum absurder Charaktere treffen: Walter Schoen, ein langweiliger deutscher Metzger, der sich für Himmlers heimlichen Zwilling hält und plant, den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zu ermorden, weil das seine Berufung ist, seine Ex-Frau Honey Deal, die gerne mal halbnackt vor Webster herumstolziert, die ukrainische Spionin Vera und ihr Diener Bohdan, der seinerseits eine transvestitische Ader hat, dazu jede Menge deutsche und amerikanische Nazis verschiedenster Bauart, darunter  Otto Penzler und Jürgen Schenk, der mit 26 noch relativ jung ist, unter Rommel Panzererfahrung gesammelt hat, eigentlich tief in seinem Herzen aber vor allem ein Cowboy sein möchte. Diese bizarre Grundkonstruktion füllt Leonard mit knackigen Dialogen, Alkohol, Sex und Crime und seinen Trademark-Charakteren, die nie ganz rein und nie ganz dreckig sind, sondern immer versuchen, durchzukommen. Honey’s Room folgt Leonards Trend zu fast bizarren Geschichten, die einen trockenen Humor mit Crime verbinden, wobei gerade hier eigentlich fast keinerlei echte Handlung mehr statt findet. Wir folgen den oft überzeichneten Charakteren durch das Buch, aber in Wirklichkeit findet denkbar wenig statt, manche Entwicklungen werden sogar nicht fortgeführt (vielleicht in einem nächsten Buch), und trotzdem führt Elmores Gespür für Dialog und Authentizität den Leser souverän durch die vond en verschiedenen Charakteren wechselnd erzählte Geschichte, obwohl die Nazis meist eher lachhaft als bedrohlich wirken, mit Ausnahme eben der zunächst am lächerlichsten wirkenden Figur, Bohdan Kravchenko. Wie so oft bei Leonard lachen wir über die Clownerien der verlorenen und verwirrten Charakter, bis sie in einer explosiven Gewaltentladung plötzlich immer noch unbeholfen und lächerlich wirken – aber dabei eben zugleich tödlich sind.

Up in Honey’s Room ist nach dem recht starken The Hot Kid eher ein durchschnittlicher Leonard, lesenswert, aber nothing to write home about. Mit Honey Deal hat Leonard einen Vorläufer des harten Mädels Jackie Brown geschaffen, die selbstbewusst und sexy und sensibel zum eigentlichen Kern des Buches wird und deren Amusement über Webster und die Nazi-Posse wir meist teilen. Sie stiehlt dem eigentlichen Protagonisten des Buches, Webster, mühelos die Show und es wäre nicht übel, wenn Leonard ihr noch einmal einen Besuch abstatten würde…

10:44 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Applaus

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Vom 10. bis 12. Oktober präsentieren Studentinnen und Studenten der Studiengänge Produkt-, Interface- und Kommunikationsdesign der Fachhochschule Potsdam der Universität und Fachhochschule Potsdam ihre ausgezeichneten Abschlussarbeiten unter dem charmant bescheidenen Titel Reife Leistung erntet Applaus im Schaufenster der FH  in der Friedrich-Ebert-Straße. 4 in Potsdam. Aber Applaus ist auch ein Event: eröffnet mit der Feier zum fünfjährigen Bestehen des Studiengangs Interface Design, komplett mit Konferenz, Workshop «Pics&Tags», unter anderem mir Harun Farocki.

7. Oktober 2008 14:47 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

Design Discussion 16

Prof. Erik Schmid vom Krefelder FB Design diskutiert mit Professor Richard Jung und der WDR-Pfarrerin  Kerstin Hanke über Branding, CI und Religion, Markenbewusstsein, Konsumverhalten, Glaubensfragen, Werte und Images.

Donnerstag, 16.10.08, 20 Uhr
Krefeld, Fabrik Heeder, Studiobühne II
Virchowstraße 130

13:31 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.

Freistil Black

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Rabban Ruddigkeit bringt die vierte Ausgabe seines Freistil-Illustrations-Magazins an den Start. Zur Black Issue schreibt er:

Die Illustration feiert ein Comeback. Seit einigen Jahren entstehen immer neue Medien, Agenturen und Foren für Illustration. Und – immer mehr junge Menschen studieren das Zeichnen. Das führt zu immer mehr Bildern, immer mehr Reizen und irgendwann dann auch zu einer Beliebigkeit, die die Illustration schon fast wieder bedroht.

Deshalb haben wir uns entschlossen, mit dem nächsten Freistil etwas zu wagen. Wir rufen Illustratoren auf, uns aus schließlich Arbeiten in schwarz und weiss zu senden. Dies können Freie und Auftragsarbeiten sein, Illus im Raum und in der Bewegung, Mischformen, Collagen und natürlich Bleistift-Zeichnungen…

Diese neue und einmalige Darstellung macht die Arbeiten vergleichbar. Und hebt die Unterschiede noch besser hervor. Und weil das Buch dennoch in 6 Farben (CMYK + Extraschwarz + Lack) gedruckt wird, haben die Teilnehmer die Möglichkeit, alles aus schwarz und weiss – und dem, was dazwischen liegt – herauszuholen.

Freistil wird so zu einem Buch, das es weder als Website noch bei den üblichen Kataloganbietern geben kann. Und das den Blick auf Illustration heute einmal mehr schärfen wird.

Die call for entries sind online. Bewerbungsschluß ist der 31. Oktober 2008. Das Buch erscheint im Frühjahr 2009 im Verlag Hermann Schmidt Mainz (www.typografie.de). Für Rückfragen stehen wir jederzeit gern zur Verfügung.

6. Oktober 2008 12:55 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.

Covers that make me buy Books

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via fwis

5. Oktober 2008 09:29 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

Mario Perniola: Wider die Kommunikation

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Mario Perniola zählt zu den namhaftesten Vertretern der modernen italienischen Philosophie und es wundert angesichts seiner Tätigkeit als Professor für Ästhetik an der Tor Vergata in Rom wenig, dass sich «Wider die Kommunikation» wenig um die Kommunikation und eben doch viel mit der Frage der Ästhetik befasst.

Für mich persönlich beginnen die Probleme schon mit dem sicher beabsichtigten Paradox, auf einem Kommunikationsmedium gegen die Kommunikation zu stürmen – das erinnert ein wenig an Carsons END OF PRINT als Titel ausgerechnet auf einem Buch. Was zunächst neugierig macht und sicher verkaufsfördernd provokant wirkt, entpuppt sich aber leider als tatsächlich das Buch durchziehender Fehler – Perniola spricht von Kommunikation, ohne diesen Begriff jemals wirklich zu definieren, und verwendet entsprechend in seinem Essay stets nur Scherben, Fragmente des Begriffes, die sich meist aus einer situationistisch-kritischen Betrachtung der Massenkommunikationsgesellschaft ergeben. Anschließend an Debord und Baudrillard kritisiert Perniola – streng vereinfacht – die nivellierende Wirkung einer Gesellschaft, in der jeder alles sagen kann, in der alles ein Spektakel ist, in der alles ökonomisierbar und neoliberal ist und in der nichts mehr tatsächlich passiert. Wo alles zerredet wird, wo jede Meinung medial gleichgeschaltet wird, gibt es keine Meinungen mehr. Neue Ideen gehen in der Vortex von Trends und Gegentrends einfach unter. Die Sache und ihr Gegenteil werden von der quasi-totalitären Kommunikationsgesellschaft demokratisch-gleichwertig behandelt. Das klingt wie eine klüger geschriebene Ausgabe von Adbusters – und so ähnlich liest es sich auch. Und obwohl ungleich wortreicher als die Adbusters, vergreift sich Periola hier in der Tonlage. Kalle Lasns Magazin ist ein offensichtlich poppiges Kampfblatt wider den neoliberalen, undemokratischen, einseitigen Kommunikationsweg der Industrie – plakativ, provokant und sich zugleich stets der Tatsache bewusst, dass man selbst mit den gleichen Mitteln arbeitet wie der «Gegner». Lasn spielt ein wenig David gegen Goliath, schwing sich aber eher selten zum Welterklärer auf, auch wenn er (zu) oft mit einer nebulösen kommenden Revolution hantiert – irgendwie muss man die Kids ja inspiriert kriegen.

Perniola hingegen ist Wissenschaftler, kein Magazinmacher. Und ein so schwammiger, im Inhalt gleichsam beliebiger Umgang mit der Kommunikation ist schmerzhaft. Perniola wettert – auf hohem Niveau, aber mit wenig Inhalt – gegen die Talkshow und Buzzword-Gesellschaft, zieht teilweise logisch nicht ganz nachvollziehbare Schlüsse und übersieht, dass die von ihm gezeigten Tendenzen bestenfalls nur als Teil von Kommunikation betrachten lassen – wenn man unbedingt will als Pathologie der Kommunikation, aber sicher nicht als DIE Kommunikation. Das ist einfach Unsinn, zumal Perniolas Gegenentwürfe – und schon sein Buch an sich – ebenfalls Teil von Kommunikationsprozessen sind. Man kann, der Watzlawick wird nicht umsonst so oft bemüht, eben nicht nicht kommunizieren… und wenn Perniola sein Fachgebiet, die Ästhetik etwas berechenbar als einzige Rettung vor der alles überschwemmenden Kommunikationssuppe hochjazzt, dann übersieht er geflissentlich, das Ästhetik nur via Kommunikation (in welcher Form auch immer) vermittelt werden kann. Auch neuere Entwicklungen der Kommunikationsgesellschaft im engeren Sinne bleiben weitestgehend unberührt. Man teilt im weitesten Sinne ja Perniolas Meinung und Sorge, aber so platt, so schemenhaft hat man so wenig Neues selten gelesen. Perniola selbst zitiert Neil Postman und macht damit nur überklar, wie wenig neu sein Kulturpessimismus an sich ist. Nur, dass Postman klarer, zeitnäher und lesbarer war.

Perniola jagt parforce über das Terrain der multimedialen Gesellschaft, zitiert, verbindet, denkt vieles an und wenig zu Ende, verhaspelt sich im Nebulösen und das ist um so schrecklicher, als er gegen etwas anschreibt, was seiner Meinung nach die Geister eintrübt – sollte man hier dann nicht zu klareren Worten greifen? Rettung gegen das drohende Böse bietet einzig und allein die Kunst, die interessierte Interesselosigkeit ist, und hier die Ästhetik. Man fragt sich, ob Perniola sich den Kunstmarkt der letzten Dekade einmal näher angesehen hat – neoliberaler geht es nun kaum, sowohl auf Nachfrage-, als eben auch auf Produzentenseite. Wie die Kunst die Welt retten soll, scheint mir rätselhaft. Perniola skizziert vage einen dritten Weg, durchaus mit zitierenswerten Sätzen, der an der Realität zerschellt. Wer wirklich glaubt, dass Wissenschaftler, Künstler oder Freiberufler noch interesselos, also quasi without interest, ergo zinsfrei, ohne ökonomischen Hintergedanken handeln, denkt wunderbar optimistisch, muss aber dringend mal aus dem Elfenbeinturm austreten. Zumal Perniola ja selbst etabliert – Baudrillard folgend – dass das System bereits immer auch die syteminhärenten Gegenpositionen mitbesetzt hat. Es gibt keine Subversion, die nicht vermarktbar wäre. Wo Perniolas ästhetisch-oblique Limbo-Blase, ganz nebenbei, dann entstehen soll, bleibt schleierhaft. Dass sein Buch an sich eben auch Teil der alle Meinungen aufsaugenden Mediendemokratie ist, wird verschleiert – Perniola gibt sich als Rufer vom letzten nicht von der Flut betroffenen Gipfel, der die Noah die letzten ihrer Art zu sich ruft… und übersieht dabei geflissentlich, dass seine Meinung, sein Output, seine Existenz eben auch Ergebnis der weichen, pluralistischen Gesellschaft ist. Wo – auch das eine offene Frage – letzten Endes das GELD für die ästhetischen Künste herkommen soll, wovon seine Bohémes leben wollen (auch und vor allem wenn ihnen Geld egal ist), lässt Perniola offen – funktionieren muss seine Idee von Gesellschaft offenbar nicht.

Dabei schreibt Perniola durchaus wunderbare Dinge über den Raum der Ästhetik als einer Art Limbo zwischen reiner moralischer Kunsthaftigkeit einerseits und dem neoliberalen Effizienzdruck andererseits. Anklänge von Dandytum und Bohéme huschen durch seine Texte, eine arme aber sexy Kunstelite, die sich wie die tapferen Gallier gegen das Imperium der Sprechblasen stellt. Diese Dandys verortet Perniola irgendwo zwischen Krieger, Mönch und Kurtisane – Erotik, Selbstbeherrschung und eine Gleichgültigkeit gegenüber Geld zeichnen diese Vertreter der Schönen Künste aus. Schaut man sich um, findet man solche Konstellatonen natürlich wirklich in der Welt – Entrepreneure, die in der Kunst jonglieren, denen Machen wichtiger Moneten sind, und die die Mittel der Kommunikationsgesellschaft nutzen, um etwas zu schaffen. Das war immer so, das wird auch (hoffentlich) immer so bleiben, das rechtfertigt nur leider kein Buch, vor allem nicht, wenn der Autor sich clandestin selbst zu dieser kulturellen Kaffeehaus-Clique rechnen möchte, die in der Wirklichkeit aber auch tief mit Medien, Geld, Sponsoren, Presse und anderen allzu weltlichen Dingen vernetzt ist. Was Perniola, unterm Strich, generiert, sind überalterte Klischees vom Künstlerleben, dass sich der gleichmachenden grauen Welt mutig und unbestechlich entgegenstemmt. Die nach Bewunderung und Staunen ruft, jenseits von Wirksamkeit und Return on Investment. Das ist schön und auch absolut richtig – erinnert aber nicht ohne Grund an zig andere Bücher und Filme. Wortgewaltig tritt Perniola mit Hohlkörpern vor uns, Blasen, die leider wenig Neues verkünden und das auch noch weniger mitreissend, weniger mutig, einfach mit weniger Testosteron als seine Vorläufer.

Perniolas Wider die Kommunikation ist ein durchaus lesenswerter Trip über die Oberfläche des Diskurses über die neoliberale Massenkommunikation seit 1920 – nicht ohne Grund wird mehrfach Walter Benjamin, ebenso wie Baudrillard bemüht -, der auf knapp über 100 Seiten wirkt wie ein aus mehreren Elementen zusammengewürfelter Essay, der kurzweilig und fast atemlos durch die Manege getrieben wird, ein paar Kunststücke aufführt, die man vage bereits kennt, um dann wieder zu verschwinden. Die Ironie des Buches ist, dass es wider die massenmediale Gleichmacherei anschreibt, in der Meinung und Gegenmeinung äquidistant zu sein scheinen, und zugleich selbst unwirklich kantenlos wirkt, ein Buch, dass eben ganz anders als Benjamin oder Baudrillard oder Debord nicht aufregt, nicht begeistert, nicht zu Widerspruch oder Zustimmung befeuert, sondern am Ende nur ein vielleicht etwas genervtes Schulterzucken bewirkt – ein Text, der für 2004 unwahrscheinlich altbacken wirkt und eher sehnsüchtige Rückschau als Blick nach vorn liefert. Die guten und richtigen Goldnuggets im Essay, die der Auseinandersetzung durchaus wert sind und die mehr Raum verdient hätten, gehen in dem Whoooosh von Perniolas Rundumschlag, der Kommunikation mit allem und jedem in Verbindung bringen will, leider etwas unter.

Perniola ruft uns wenig Neues zu – den Tod der Kreativität und der radikalen Meinung in einer alles breiig-gleichschaltenden, langweiligen Gesellschaft mit zu viel toter Zeit – und fordert wenig Neues – den Habitus des Dandys als Lebensmodell jenseits der grauen Massengesellschaft. Da ist – weil man diese Argumentationspattern schon so sehr von anderen Autoren kennt, dass man die Botschaft sogar durch Mario Perniolas nebulöse Satzkonstruktionen hindurch versteht – viel dran, worüber sich nachzudenken lohnt. Bei Perniola jedoch wird es zu einem arroganten Lament, das mit einer gewissen Verachtung auf die normalen Menschen herabschaut, die im Teig der Kommunikationsgesellschaft gefangen nur  vegetieren und roboten, während die Künste, die Wissenschaften und die Freiberufler – wieso eigentlich? – sich um die Ästhetik verdient machen können. In all der einigermaßen richtigen und bekannten  Dekadenz-Theorie der westlichen Kultur mischt Perniola also eine vergiftete Antwort, die sich der Dekadenz nicht entgegenstemmt, sondern ihre stolzesten Früchte als Heilmittel verkaufen will. Man kann ohne weiteres ebenso schnell argumentieren, dass Kunst eben ein Merkmal der Dekadenz ist, ebenso wie Wissenschaftler, die sich – anstatt mit ihren Händen Brotteig zu kneten oder Brücken zu bauen – mit der Ästhetik als abstraktem Ding beschäftigen können, oder Freiberufler, die Wohnzimmer dekorieren oder Visitenkarten nach den Regeln des Goldenen Schnittes o.ä. einrichten. All das sind dekadente Tätigkeiten, Kirschen auf der Sahne einer Gesellschaft, die industriell und finanziell einigermaßen abgesichert ist und sich den Luxus von staatlich finanzierten Professoren, Theatern und Opernhäusern eben leisten kann.  Und deren teigig-grauer Pudding von Daily Soaps und Talkshows (und ähnliche platte Vergnügungen gibt es seit jeher, nicht erst im 20. Jahrhundert) überhaupt erst den Fond ergibt, vor dem sich Kunst und Kultur abheben können. Perniola versucht also einen Gegensatz – ganz im Sinne seines Buches – zu konstruieren, der sachlich keiner sein kann. Künstler und Dandys, Bohéme und Kulturschaffende sind – im besten Sinne – Parasiten des egalitären Konsumsystems. Versorgt, können sie sich um Gedichte, Liedharmonien oder Farbstimmungen sorgen, anstatt um 6:00 Uhr in der Fabrik oder auf dem Felde stehen zu müssen, oder im Krieg ihr Leben zu lassen. Tatsächlich ist das aufkommen von immer mehr selbsternannten Künstlern vielleicht sogar ein Phänomen der Verwöhngesellschaft. Jungen und Mädchen, die nicht mehr etwas produzieren wollen, denen Mathematik oder Biologie ebenso egal ist wie Schreinern oder Elektronik, sondern die sich lieber «verwirklichen» und «ausdrücken» möchten. Da ist ein Hauch kultureller Weichheit, der – wenn nicht mehr wenige, sondern zu viele diesen Weg wählen – eine Gesellschaft insgesamt, aber eben auch ihre Kunst- und Kulturszene, auffressen kann. Mach man sich nichts vor, ein guter Bäcker ist wichtiger als 100 schlechte Künstler, ein guter Maurer wertvoller als 1000 schlechte Grafik-Designer. Auf einer einsamen Insel gestrandet, wären wir Designer, Künstler, Musiker und Kulturtreibende reichlich wertlos – die Metzger, Gärtner, Bauern und Schiffsbauer aber wertvoll.

Die ästhetische Blase, von der Perniola schwärmt, ist also Ergebnis der Kulturgesellschaft und im architektonischen Sinne ein unweigerlicher, parasitärer Aufbau au die Grundkonstruktion, eine bunt schillernde Sphäre auf dem grauen Industriegebäude. Aufgabe und Funktion dieser Sphäre ist sicher, gegen die Gesellschaft als solche zu stürmen, sie zu attackieren und zu kritisieren und in diesem Sinne als Feedback-Schleife beständig zu verbessern. Künstler und Kulturschaffende sind für eine funktionierende Gesellschaft wie Kundenfeedback für ein Unternehmen – und beide Seiten sollten sich auf diesem Niveau respektieren. Die Produktion von Ästhetik als Sammelbegriff für eine kreative Sphäre, die sich den massenmedialen Vakuum entgegenstemmt, die Idee einer wie auch immer gearteten Dandy-Schicht, die in Musik, Kunst und Kultur als Szene operiert und sich von Marktzwängen zu befreien versucht, einen dritten Weg sucht – die ist absolut zu unterschreiben und längst und seit langem Fakt. Aber zu postulieren, dass diese Blase ein Gegenteil des Systems sein, ja dieses sogar besiegen und ersetzen könne, ist ein großartiger Irrtum, weil Dandys einfach kein Brot backen und keine Kraftwerke bauen.

3. Oktober 2008 11:18 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

Milk Again

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Sebastian Pitz schickt mir aus Basel ein schickes Photo von Milch bei marqt in Amsterdam.

09:56 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.

Weihenstephan Alpenmilch Remixed

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Neu und alt nebeneinander…

Kaum hat Pril sich offenbar von dem Trend der letzten Jahre zu Wurstfinger-Typographie verabschiedet, springt ausgerechnet Weihenstephan auf den eigenlich doch längst abgefahrenen Zug auf und verpasst sich ein neues Design.

Wobei man sich fragen darf, ob ein neues Design gelungen ist, dass man eigentlich selbst erst bemerkt, weil man zufällig zwei Milchflaschen nebeneinander auf dem Tisch stehen hat und ansonsten – abgesehen von einem Remix des Logos – im Großen und Ganzen nur die Schrift ausgetauscht wurde, die Laudatio gegen etwas, was aussieht wie die Barmeno von Berthold oder Sari von FSI. Leider macht das Ganze weder einen nennenswerten Unterschied noch ist es eine Verbesserung, im Gegenteil. Die Typographie der alten Milchtüte war zwar altbacken, aber im Grunde passte sie deutlich besser zu der Vorstellung von Alpen und Tradition als die pseudo-funky Spülmittel-Typo, die jetzt auf der Milch prangt. Ich kann diesen Trend zur Schrift ohne Ecken und Kanten, die Daxifizierung der Typographie, ohnehin kaum verstehen, aber hier scheint es mir ein besonders übler Fehlgriff. Dass das r bei «Frische» jetzt völlig seltsam IN das i hineinragt, macht die Sache nicht schöner. Bei der alten Typographie  mochte ich immer sehr, wie die p-Unterlänge von Alpen und das i von Milch zusammenkommen. Das beide Tüten Alpenmilch ohne Trennstrich schreiben, ist grammatikalisch natürlich ein Alptraum (Deppen-Trennstrich), aber visuell hätte ich es zugegeben nicht anders gemacht, Trennstriche sind einfach nicht schön.

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Das alte Wappen

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Das neue Wappen

Das Logo ist auch überarbeitet worden, vielleicht, damit es besser in kleinen Verwendungsgraden funktioniert und klarer lesbar wird, was rein technisch löblich ist. Ästhetisch allerdings ein Griff in die falsche Schublade. Aus dem glaubhaft komplexen Wappenform ist eine Art Kindergarten-Version geworden. So sieht es aus wenn der kleine Klausi das Wappen aus dem Kopf nachmalt. Aus dem wunderbaren heraldischen Wappenlöwen ist eie Art Wuschelbärchen geworden, der mehr aussieht wie ein Löwe auf einer Spielzeugverpackung, aber sicher nicht auf einem Wappen. Ohne Not wurde aus dem an sich doppelschwänzigen Löwen ein einfacher Schweif verpasst, der sich zudem offenbar in der Mähne verheddert hat. Auch das vorher angenehm komplexe Schild ist deutlich kastriert worden, weg mit der Krone, her mit einer Art Fußbal-Verein-Look. So stellt sich der kleine Klausi also ein Wappen vor. Als wolle man diese Fehlleistungen wieder wettmachen, hat man einen schrecklichen Swoop unter der Logo geknallt, eine Art Photoshop-Kreidestrich, der wohl Frische und Milch sagen soll, aber nur aussieht wie diese seltsamen geschwungenen weichen  Formen, mit denen derzeit jede dritte Food-Marke herumexperimentiert und die alle idiotisch aussehen. Das abstruserweise im Wappen aber nicht die runde Fingerfood-Typo verwendet wurde, sondern bei der alten Schrift weitestgehend geblieben wurde, unterstreicht, wie falsch die neue typographische Wahl auf der Milchtüte eigentlich ist. Was nicht zum Wappen passt (Alt/Neu-Kontrast), passt auch nicht zur Milch, so einfach kann das sein.

Kurzum:Don’t fix what isn’t broken. Und: Wenn ein Re-Design, dann bitte eins, dass auch wirkt. Und vor allem bitte keine Verschlimmbesserungen. Hier wird ein klassischer, zeitloser Look, der in der bunten Vielfalt der anderen Anbieter positiv durch eine knorrige Unmodernheit auffiel, aufgegeben zugunsten von Zeitgeisthascherei, nur, dass der Zeitgeist, der hier bemüht wird, leider schon wieder ganz woanders ist. Es hätte mehr Sinn gemacht, die Milchverpackung insgesamt zu entrümpeln – aber statt dessen ist sie jetzt noch um den Hinweis auf Bayern München als Sponsoring-Partner (who cares?) und um einen dicken roten Hinweis auf den praktischen Frischeverschluss (den es auch vorher schon gab und den jede dritte Mlch inzwischen hat, warum also noch drauf hinweisen) ergänzt worden. Dafür geht 1 Liter jetzt blau auf blau im Fond der Packung unter und die Schrift ist – obwohl mit schönerem Zeilenabstand gesetzt – schlechter lesbar geworden, vor allen in der Nährwert-Tabelle… in die man übrigens ruhig mal wirklich etwas Liebe hätte stecken können, die müssen doch nicht immer aussehen wie aus Word kommend, oder?

Weihenstephan ist eine tolle Milch – sofern man bei diesem hochsubstituierbaren Produkt von «toll» sprechen kann – und profitiert voneinem zurückhaltenden, klaren Auftritt, der gerade durch seine Ruhe förmlich aus dem Regal ins Auge springt. Schade, dass die Molkerei diesen Weg zu verlassen scheint. Aber die Milch ist gottseidank natürlich immer noch lecker :-D.

1. Oktober 2008 09:04 Uhr. Kategorie Design. 9 Antworten.


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