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Wall-E

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Man muss den Machern von Pixar lassen, dass sie auch nach der Fusion mit Disney noch zu Experimenten fähig sind, auch wenn man das nach Ratatouille nicht unbedingt glauben konnte. Wall-E ist zumindest teilweise ein Film, der an die Grenze dessen geht, was ein Animationsfilm heute kann – um dann schließlich an dieser Grenze etwas hasenfüßig umzudrehen und wieder auf Nummer Sicher zu gehen.

Der erste Teil des Films spielt in einer postapokalyptischen Welt, deren monopolistischer Über-Konsumerismus sie offenbar in eine Naturkatastrophe geführt hat. Die Menschen haben die vermüllte Erde verlassen und nur Roboter wurden zurückgelassen, um aufzuräumen. Und von denen verrichtet auch nur noch ein einziger sein Werk – Wall-E, der Turmhohe Müllpakete sauber zwischen den Skyscrapern der Zukuntsmetropole aufstapelt.  Der Roboter, der über die Jahrhunderte offenbar Gefühle entwickelt hat, fühlt sich einsam und verlassen, geht seltsamen Hobbys nach, bis eines Tages eine Roboterdame, Eve, wortwörtlich in seinem Leben landet. Wall-E verliebt sich prompt in die kühle weiße Schönheit und folgt ihr bis ins Weltall, als sie wieder von ihrer erfolgreichen Mission abgerufen wird.

Dieser Sprung von der Erde ins All steht wie ein Riss im Film. Während vorher eine fast dialogfreie Handlung, die weit entfernt von einem reinen Kinderfilm ist, im Mittelpunkt steht, steht der zweite Akt da wie jeder andere Pixar-Film auch. Die erste Hälfte ist ein obskurer Stilmix aus Stummfilm und Dystopia-Genre, ein postmoderner Buster Keaton, der charmant herzgewinnend durch seine Endzeitwelt rollt und der unbeholfen um die Liebe einer unerreichbaren Schönen wirbt. Der erste Akt ist an Brillanz kaum zu überbieten und verschiebt erfolgreich das Machbare im Kinder-Animationsfilm, er ist im Grunde bei allem Humor ernster und poetischer als alles, was Pixar bisher produziert hat. Die CGI-Bilder sitzen hier überzeugend an der Grenze von Phantasie und Realbild in einer seltsam surrealen Welt, die den apokalyptischen Anfang von I Am Legend deutlich in den Schatten stellt, und kaum ein Detail weist noch auf die klassische Zielgruppe von Disney/Pixar-Filmen hin. Der erste Teil des Films ist im Rahmen des kommerziell machbaren, ein Animationsfilm für Erwachsene, trotz allen Merchandise, trotz des Marktzwanges, eine 40-minütige Hommage an den Stummfilm und sicher nicht zuletzt an 2001, den anderen SF-Film, der zur Hälfte ohne echte Dialoge und ohne treibende Handlung auskam. Für lange Momente ist hier das Bewusstsein greifbar, im kommerziellen Kontext eines Disney-Streifens mehr zu wollen als nur Popcorn-Entertainment.

Der zweite Akt, auf dem Raumschiff, mit dem die Menschen die Erde verlassen haben, wo sie nach Generationen der Dekadenz und der robotergestützten Vollversorgung zu dicken monströsen Fleischbergen mutiert sind, ist hingegen leider eher typische Pixar-Kost. Es gibt einen klassischen Telespiel-Plot, wo Dinge von A nach B gebracht werden müssen, es gibt den klassischen Bösewicht, den man auch sofort an seinem HAL-artigen Computerauge erkennt, es gibt eine Wandlung, es gibt Schurken und Helden, Gefahren und Abenteuern und ein Happy-End wider jede Logik. Das alles macht unbedingt Spaß, ist furios und liebevoll umgesetzt, aber wirkt gemessen an dem ersten Teil wie ein Zugeständnis an die Zielgruppe: Okay, ihr wart so langegeduldig, jetzt geht’s rund. Dass der Plot von den Menschen, die mit Schwebesesseln und Vollversorgung degenerieren tatsächlich aus einer Donald-Duck-Geschichte stammt, ist vielleicht nur für mich irritierend gewesen. Die zweite Filmhälfte, so nett sie ist, erinnert eben mehr an Toy-Story und Nemo als an Kubrick. Das ist bei einem solchen Film sicherlich nicht anders zu erwarten – und der Bruch ist narrativ elegant  und zwangsläufig gelöst – aber man darf sich nicht ausmalen, wie ein ganzer Film mit der kreativen Kraft der ersten Hälfte gewesen wäre.

Wall-E ist vor allem der Film, mit dem die Nerds bei Pixar sich wahrscheinlich selbst ein Denkmal gesetzt haben. Von der angedeuteten Brille bis zu seinem Sammeltick ist Wall-E ein Geek. Wer sonst würde einen wertvollen Ring wegwerfen, aber die Packung behalten, einen Rubicks Cube besitzen, Zippo-Feuerzeuge manisch sammeln, Pong auf dem Atari 2600 spielt und alte Musicals wie Hello Dolly lieben? Wall-E ist der liebenswerte Loser aus tausenden von Sitcom-Filmen, der schlecht frisierte Freak aus der letzten Reihe mit den Comics und den Actionfigürchen – und genau diese Nerds regieren das Pixar-Imperium, wo sich ja bekanntermaßen die 3D-Designer ihren Arbeitsplatz à la Star Wars und Co. gestalten dürfen… und im Grunde ist Animation ja das ultimative Actionpuppen-Paradies. Das Wall-E sich wie jeder brave Nerd in den neuesten glatten weißen, und tatsächlich von Apple-Chefdesigner Jonathan Iv stammenden, i-Pod.. äh… EVE verliebt, ist da also nur folgerichtig. Wall-Es leuchtende Augen beim Anblick der Robotersonde, die auf der Erde nach Leben fahnden soll, sind die Augen ungezählter iPhone-Fans beim Schlangestehen vor dem Applestore. Dass Wall-E sogar mit dem Apple-Bootgeräusch quittiert, wenn seine Batterie aufgeladen ist, und natürlich ein iPod seine Filme speichert, sind da nur Randerscheinungen, wie zahlriche andere Apple-Cameos, die wir wahrscheinlich nicht zuletzt der Tatsache verdanken, dass Steve Jobs bis 2005 CEO von Pixar war und heute als Mitglied des Disney-Vorstandes faktisch immer noch mit der Firma verbandelt ist.

Diese Art von Product-Placement wirkt unfreiwillig komisch in einem Film, der so dezidiert flache Kapitalismuskritik anzubieten weiß – vor vielleicht zwei Dekaden wäre die Welt von Wall-E noch die Folge eines atomaren Krieges gewesen, heute braucht die Menschheit keine Bomben mehr, um die Welt zu zerstören, es reicht, wenn wir hemmungslos konsumieren. Wall-Es Welt wird von einer einzigen, alle Lebensbereiche dominierenden Marke geprägt, deren CEO, so deuten es seine Videobotschaften an, zugleich eine Art Präsidentenrolle inne hat. Die Menschheit, so die Botschaft des Films, geht an ihrer eigenen Fauheit und Trägheit zugrunde – wir ruinieren die Erde und selbst wenn wir sie verlassen, um auf einer Art zeitloser Traumschiff-Reise durchs All zu vagabundieren, verkommen wir weiter, zu weichen amorphen Fleischsäcken ohne jeden Wert, die in einer Art De-Evolution den aufrechten Gang aufgegeben haben, und den ganzen tag vor dem Bildschirm sitzen und VideoChats betreiben, während sie Softdrinks aus übergroßen Bechern schlürfen. Letzteres übrigens ein Bild, das gerade im Kino, wo die Leute Cola aus 1-Liter-Bechern saugen, fast subversiven Charakter besitzt. Es ist – kaum noch übertrieben wirkend – das Zerrbild der emergierenden Techno-Gesellschaft, die Schattenseite der in Wall-E gefeierten Nerd-Culture, eine Welt von fetten Otakus, die nicht mehr an die Sonne kommen. Das mag seltsam wirken in einem Film, der ausgerechnet so präsent nach Apple aussieht, aber vielleicht sollen die dicken Weltraumnomaden ja Windows-User sein? I am a PC. Denn auch wenn die Geschichte förmlich mit einem Abstreifen von Technologie endet – im Abspann wunderbar erzählt als Abfolge von historischen Bildern – zurück zu Ackerbau und Viehzucht und Kultur und echtem Leben… bleiben Wall-E und Eve ja immer dabei. Der Roboter mit dem Apple-Bootsound und der MacInTalk-Stimme und die High-Tech-Drone aus den Händen von Jonathan Ive – die beiden Apple-Produkte bleiben also erhalten, nur der böse «Auto»-Roboter, der die Menschen faul und dumm hält, muss besiegt werden. Wer weiß, vielleicht ist der ganze Film nur ein verkappter Werbespot, sich aus den ruinösen Monopolhänden von Microsoft zu befreien, aufzustehen und endlich einen iMac zu kaufen. Neiiiiin, undenkbar, oder?

Letztendlich ist Wall-E auch ein wunderbarer Zitatenfilm, ein Suchspiel, das wahrscheinlich erst bei mehrfachen Sehen alle Rätsel preisgibt. Nicht nur, weil der Film ohnehin die alte Geschichte vom tapferen Zinnsoldaten aufgreift, die unsterbliche Geschichte von der kleinen ängstlichen, unnützen Kreatur, die am Ende zum Helden wird, sondern auch, weil er voller Anspielungen auf die Popkultur steckt, wie so viele Pixar-Filme. Ich war fast überrascht, nicht irgendwo auf dem Raumschiff für einen Sekunde Bender, den Robot aus Futurama zu sehen, oder doch zumindest einen Dalek. neben Anspielungen auf die Stummfilmära von Hollywood, finden sich Liebeserklärungen an zahllose Filme, 2001, ET, Metropolis, Nummer 5 lebt und viele weiter, und der Moment, in dem ein Sputnik durchs Bild fliegt, intakt im Satellitenmüllgürtel, der die Erde umspannt, ist auch sehenswert.

Vor allem aber lebt der Film von der Gabe Pixars, toten Pixeln eine Art Leben einzuhauchen- eine Antropomorphisierung, die hier besonders subtil und schön funktioniert. Mit kleinsten, sparsamen Gesten erzählt der Film zu Beginn seine Geschichte und verzaubert uns inmitten einer kaputten, ausgebrannten Welt mit einer abstrusen Liebe, deren Ironie besonders greifbar wird, wenn Wall-E die inaktive Eve wie einen Ballon an einer Lichterkette hinter sich herzieht. So wie wir uns in die animierten Pixel von Wall-E verlieben, sie vermenschlichen, so vermenschlicht der Roboter seine eigene geliebte Maschine. Für einen Designer ist das eine seltsam einleuchtende Botschaft, das die Liebe aus uns selbst kommt und nur reflektiert wird und man sich faktisch in alles verlieben kann. In Wall-Es Welt können das rostige Löffel ebenso sein wie hochglänzende Roboterdame. In unserer Welt kann das ein rostiger ängstlicher ungeschickter Harold-Lloyd-Roboter sein, der nur drei Worte sprechen kann und sich mühelos in unsere Herzen spielt. Eine fast beängstigende Vorstellung für echte Schauspieler.

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AND ALSO THE TREES CHRISTUSKIRCHE BOCHUM

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And also the Trees gehören zu den etwas unbekannteren, aber um so besseren Bands der achtziger Jahre, in der Gitarrenecke etwa das Gegenstück zu Trisomie 21 in der Elektronik… ein wenig schräger, ein wenig verschrobener, ein wenig mehr Offbeat. Und so wurden Simple Minds oder The Cure zu relativ traurigen Stadionrockern, während die Trees eher eine obskure Band blieben, die mit längeren Pausen (jüngst vor einem Jahr) immer mal wieder ein Album veröffentlichten, sich im großen und ganzen nur marginalst weiterentwickelte, vielleicht, weil der Sound im Grunde bereits ab Virus Meadow kaum noch besser und geschliffener vorstellbar schien, zum anderen sicher auch weil der melodramatische Sprechgesang von Simon Huw Jones nicht allzu viel Variation zulässt. Bis heute präsentieren die Trees einen hochemotionalen musikalischen Soundtrack, der an endlose Landschaften und Einsamkeit erinnert, mit verlorenen, fast mandolinenartigen, fein ziselierten Gitarrenlicks, ruhig pulsierenden Bässen und einem oft grandios vertrackten Schlagzeug – eine Mischung, die entfernt an Dif Juz erinnert und den perfekten Teppich für Jones’ schwermütige und tiefgründige Lyrics ausbreiten.

Für diese Art von Musik ist eine Kirche der perfekte Veranstaltungsort. Die Kälte des Raums, das Echo, die Akustik, das Wissen um die an sich geweihte Natur des Ortes (der insofern natürlich perfekt als Veranstaltungsort des Matrix für Bochums Goth-Szene geeignet ist) – all das ist schon perfekter Background für die filigranen Klangkonstruktionen von AATT, die hier ja bereits 2005 gastierten. Die Band hat das Konzert sauber in zwei Hälften zerlegt – der erste Part besteht fast ausschließlich aus neuen Tracks von The Rag and Bone Man, dichte melodische Stücke, an denen die Zeit seit dem ersten Album von 1984 beinahe spurlos vorangezogen zu sein scheint. Besser produziert, geschliffener komponiert sicher, nicht dichtere Saitenkonstruktionen von Justin Jones und Ian Jenkins phantastische Arbeit am Kontrabass ist atemberaubend, aber im Kern ist die Musik diamantenklar in sich geblieben.

Das wird nach einer kurzen Pause deutlich, nach der die Band nur noch alte Tracks spielt, größtenteils von Virus Meadow, dem für mich vielleicht wichtigsten Werk der Band – ein stellares, überirdisches Album, dessen Aktualität und Druck live besonders klar wird. Drummer Paul Hill verleiht den Tracks auf der Bühne eine frische Dynamik, und treibt die introspektiven Stücke nach vorne, ohne jemals in dem diffizilen Klangambiente der Kirche überdominant oder zu störend zu wirken. Das Publikum ist im zweiten Teil von den Bänken aufgestanden und steht – wenn auch nur in kleiner Zahl – dicht an der Bühne im Altarbereich, tanzt, singt mit. Es ist unweigerlich ein bisschen «Feier deine Jugend» und ein bisschen traurig, wenn fast 40jährige Jungs im Publikum Slow Pulse Boy Zeile für Zeile mitsingen können, aber ich muss zugeben, das hier ist weit weit weg von diesen Melancholie-Konzerten, weit weg von New-Wave-Oldie-Hitparade und Ü30-Party – das hier ist zeitlose Musik, die ganz offenbar mit dem ersten und zweiten Part mühelos zwei Dekaden überspannt und die heute ebenso in den Kopf schießt wie damals. Die für die an sich bescheidene Location exzellente Lichtshow und der sichtbare Spaß der Musiker am Konzert inspirieren, es gibt vier herausragende Zugaben und tatsächlich hat man am Ende das Gefühl, this could go on forever. Die Musik, in der es einzelne Tracks kaum zu geben scheint, in der sich eine Perle nahtlos an die andere reiht, ein einziger Song in immer neuer Variation, in verschiedenen Facetten – man kann greifen, dass AATT nach dem perfekten Lied suchen und nur noch an feinsten Parametern drehen, reduzieren, iterieren, reines Klanggefühl suchen.  Was für Außenstehende vielleicht monoton wirkt, vrdichtet sich am Bühnenrand zu einer klaren Woge, zu einem konzentrierten Strahl von Musik, dessen hypnotischer Wirkung es zu verdanken ist, dass man sich nach weit über zwei Stunden Konzert einerseits hungrig nach mehr Trees, andererseits fast benommen von solch intensiver Musik wieder in die normale Welt zurückbegibt. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Bands aus den frühen Achtzigern zu traurigen Schatten ihrer Selbst geworden sind, sell outs oder has-beens, ist verblüffend, wie intensiv und akut die Band aus Worcestershire geblieben ist- vielleicht weil sie immer schon weit jenseits des Mainstreams operierte.

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JESUS AND NIETZSCHE MEETING ON A TREADMILL

Consider Jesus. Mediating between God and Man stands Jesus, speaking parables that must be interpreted, telling stories that signfiy deeper meanings the way chop in the water implies rock, wind, and current. Graphic designers shoulder a dilemma of identification: how to balance the role of emissary with the role of savior, the fact of servitude with the dream of redemption. We designers can always excuse ourselves by appealing to the temporary nature of our assignments, the urgency of paying today’s bills, the necessity of commercial relationships and the possibility of mutual benefit. But what parables can you come up with and will they have more meat on ther bones than the morsel of one interpretation?

What is needed, to paraphrase Nietzsche, is style. Moral style. Outfit your bad self by developing your desires, values and goals. The lifelong process of challenging convictions to forge new ones revitalizes your imagination, And to hell with a balanced life and a moral compass pointing north to Convention. Word so hard you make yourself sick. Nietzsche did. And Jesus never ate soy burgers, ran on a treadmill, or stayed out of the sun. A balanced life may suffice as a subject for a lifestyle magazine, but if the magazine is laid out well, you can bet the designer is an imbalanced hellcat.

American Mutt, David Barringer, Looking Closer 5.

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ELMORE LEONARD: THE HOT KID

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Elmore Leonards Schreibstil ist auf den Punkt wie kaum ein anderer – über die Dekaden hat er seinen persönlichen, unnachahmlichen Stil so geschliffen, dass kein Wort zuviel fällt in seinen Büchern. Im Grunde schreibt er – bei allen unterschiedlichen Epochen und Szenarien, die er liefert – doch immer eine klassische Gunslinger-Geschichte, die wie ein Dieselzug mit voller Geschwindigkeit auf das Duell hinausläuft.  The Hot Kid ist da keine Ausnahme.  In der US-Wirtschaftsdepression der zwanziger Jahren angesiedelt, setzt Leonard hier den Havanna-Roman Cuba Libre fort, mit Carl Webster, dem Sohn von Virgil Webster, der inzwischen in Oklahoma zu Ölreichtum gekommen ist. Leonard bevölkert sein Buch mit Bankräubern, Gansterbräuten, harten Sheriffs, illegalem Alkohol und jeder Menge Gaunerfiguren aus den Roaring Twenties, wie etwa Bonny und Clyde oder John Dillinger, die am Rande auftauchen. Carl Webster entscheidet sich, nachdem er mit 15 einen Viehdieb erschießt, ein US Marshall zu werden und wird schnell als «The Hot Kid» berühmt, ein cooler, eitler, etwas zu gut gekleideter Detective, der seine Waffe nur zieht, um zu töten. In den Cocktail vermengt Elmore Leonard noch einen einen Reporter, der eigentlich ein Faible für Crime Fiction hat und Jack Belmont, erzogenes Öl-Millionärssöhnchen, der unbedingt Verbrecher werden will, faktisch Carls Gegenentwurf.

Die große Stärke von Leonard ist, wie er ohne große Worte einen abstrusen Mix durchaus glaubhafter, wenn auch nur sparsam skizzierter Charaktere erzeugt und über die Dynamik dieser Figuren seine Handlung in Gang bringt. Man hat glaubhaft das Gefühl, dass Leonard ohne große Vorbereitung in ein Werk stürzt und einfach selbst zuschaut, wie sich das Ganze entwickelt. Dabei ist für das tyische Leonard-Flair der historische Background immer ein wenig irrelevant, die testosteronschwangeren Konflikte gehen immer zurück an die Wurzel des Western-Romans, mit dem Elmore Leonard sein über fünfzig Jahre umspannendes Gesamtwerk begann, und die knorrige Qualität dieser Wurzel ist spürbar. Ob in der Gegenwart, im späten 19. Jahrhundert oder wie hier in den 1920er Jahren,  die Leonard mit zahlreichen Details zum Leben erweckt – die Geschichten wirken zeitlos, die Charaktere nie verstaubt, sondern immer zugänglich und authentisch. Hier ist der fast arrogante Showman Webster, der einen seltsamen Helden abgibt, ein Aufreisser, ein Macho, ein Großmaul, im Kern ein (zu) junger Clint Eastwood, der sich ein bisschen zu stolz in seine ersten Abenteuer wirft.

The Hot Kid verschmilzt Leonards Western-Prosa mit seinen subversiven Crime-Novels zu einem sehr trockenen Cocktail, schnell erzählt, mit Leonards einzigartigem Humor und lakonischen Dialogen, voller schillernder Figuren, die oft so skurril  wie liebenswert sind. Zwischen Depression, Krieg, Ölboom und dem Staub des mittleren Westens inszeniert Elmore Leonard eine brutale Farce voller Monster, Gesetzloser, Neureicher und andere seltsamer Kreaturen, die in diesem Sturm nach oben wollen… ein Buch voller Selbstdarsteller und Emporkömmlinge, die sich oft verdächtig ähneln, und nur fast zufällig auf verschiedenen Seiten des Gesetzes stehen. Leonard, inzwischen 83, geht es greifbar zunehmend weniger um die Action, als vielmehr um die Figuren, ihre oft sinnfreien Motive und Absichten. Seine Bücher scheinen oft eine zeitlang zu driften, bevor sie urplötzlich phantastische Geschwindigkeit entwickeln, um dann wiederzu dekompressieren. Der Nachteil dieser freien Art der Erzählung ist ein etwas hervorsehbarer Höhepunkt, ein oft beliebiges Umherirren zwischen Szenen und Charakteren, denen es mitunter an wirklicher Unterscheidbarkeit und Motivation mangelt. Leonard reduziert seine Charaktere mit der routinierten Handschrift des Altmeisters auf sparsamste Striche, und diese fast Carver-esque Reduktion macht sie natürlich auch austauschbarer, redundanter. Mehr als je zuvor wird Leonard dabei zu jemanden, der im Mainsstream das Ungesagte in den Mittelpunkt zu stellen vermag.

Süffig und zugleich nicht dumm, ein Thriller mit einem über das Genre hinausreichenden dramaturgischen, fast belletristischen Flow und einem Gespür für knarzigen, authentisch klingenden Dialog, ist The Hot Kid eines der besseren aus den vielen guten Büchern des Elmore Leonard, der hoffentlich noch einige viele Geburtstage feiert und in bester Manier jährlich ein kleines seltsames Meisterwerk abliefert.

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HELLO ANDROID…

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Engadget hat den T-Mobile G-1 in den Händen gehabt, das erste Handy mit Googles offenem Mobile-Betriebssystem Android. Symbian, WindowsMobile und das iPhone-OSX bekommen so Konkurrenz. Was eigentlich spannend sein sollte – aber irgendwie nicht ist. Die Hardware sieht altbacken aus, einfach langweilig, die OS-Oberfläche ist schrecklich designed und das ganze fühlt sich an wie Linux-für-Kurzsichtige. Dies könnte ein historischer Moment sein, für Google und die die User-Community, but really… I can hardly contain my indifference. Auch wenn es Open Source ist, auch wenn es sich sicher rasant verbessern wird. Es kommt weder an die HTC-modifizierte Plattform heran, noch an das iPhone. Und irgendwie denke ich langsam, wir brauchen weniger Google, nicht mehr. So praktisch Google ist, wir züchten da ein Monster heran.

Der einzige Vorteil mag sein, dass die zusätzliche Konkurrenz Apple dazu bringt, das iPhone aggressiver und schneller zu entwickeln, die Hardware auf den aktuellen Stand zu bringen und die Software voranzutreiben. Daist viel zu tun, Apple hinkt bei allem Aufholtempo einfach hinterher. Das WinMo7 nun erst Ende 2009 erscheinen wird (und dann bereits veraltetsein wird, unglaublich) gibt Apple aber auch etwas Atempause – wenn Android nicht total einschlägt.

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ADOBE CREATIVE SUITE 4 – WHAT’S NEW?

Adobe hat heute seine neue Creative Suite 4 vorgestellt. Ein kurzer Blick in die bei der Pressekonferenzen vorgestellten PDF zeigt, was das Upgrade liefern wird…

Illustrator

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Mehrere «Artboards» sind jetzt möglich, also endlich die Option, mehrere Seiten zu verwalten (wie in Freehand vor … 15 Jahren oder so).
Dazu passend sind mehrere offene Dokumente jetzt in einer Art Tab-Leiste à la Firefox angeordnet.

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Transparenzen in Verläufen. Jeder definierte Farbpunkt eines Verlaufs kann jetzt auch eine eigene Opazität zugewiesen bekommen. Überhaupt hat Adobe recht beeindruckend an der Funktionalität der Verläufe gedreht – war auch überfällig. Generell soll die neue Arbeitsoberfläche Optionen immer dann anbieten, wenn man sie braucht.

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Blob Brush… eine Art Vektorpinsel-Tool. In der Tat auch nicht ganz neu, andere Applikationen haben längst solche lebendigen Vectorbrushes. Ganz grob ist auch dies ein FH-Feature.

Smart Guides, die etwa beim Rotieren o.ä, sichtbar werden. Auch ein Freehand-Feature, oder irre ich mich? Jedenfalls dürfte das jedem, der mit Keynote oder Pages arbeitet, bekannt vorkommen. Und es ist in der Tat ein hoch brauchbares, wenn auch mitunter mal etwas irritierendes Feature.

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Überarbeitetes Interface. Dazu gehört ein stark zentralisiertes Appearances-Panel, das mehr Optionen und Kontrolle bietet. Auch bessere Transparenzvorschau, bessere Maskenvorschau und Farbseparation-Vorschau (ein Feature aus Indesign CS3, seltsamerweise) sind integriert.

Online. Wie alle CS4-Produkte gibt es neue Online-Dienste, die keiner will und die wir trotzdem zwangsverordnet kriegen. Erinnert sich noch jemand an Adobe Stock Photos? Genau. Diesmal ist es Kuler – Adobes Online Farbklaviatur-Tool, das an sich super ist, aber leider am Bildschirm nicht kalibriert angezeigt wird – und natürlich Acrobat.com, Das File/Screensharing und andere Dienste anbietet und wahrscheinlich kostenpflichtig sein wird. Schöne Idee – wenn es als Teil der CS-Suite einfach gratis oder sehr preiswert wäre. NOCH einen Abo-Dienst… da gibt es einfach zu viele derzeit. (Diese Tendenz ist etwas anstrengend – Mobile Me geht in die Richtung, TomTom geht in die Richtung,, Daylite will demnächst auch eine Art Server-gegen-Gebühr anbieten für die iPhone-Applikationen, Evernote ist ein kostenpflichtiger Online-Dienst…. und alles als einzelne, nicht zusammenhängende Systeme, das ist einfach nicht smart. Und gebündelt einfach zu teuer).

 Flash

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Objektbasierte Animation. Das sollte es gerade Anfängern leichter machen, mit Flash zu arbeiten, unterstreicht aber eigentlich nur, wie unsicher Adobe ist, ob Flash nun eine Programmieroberfläche sein soll, in der man alles via Actionscript macht – oder eine Art Animation-Tool. Irgendwie ist Flash die eierlegende Wollmilchsau. Vielleicht ist das eine Stärke, vielleicht aber auch nicht. Die Tatsache, dass in CS4 Motion Tweens vereinfacht wurden, aber die eigentlich jeder Programmierer die Nase rümpft, spricht dafür, dass Adobe Kunden von Konkurrenzprodukten wie Swish zurückgewinnen will. Aber vielleicht wäre es sinniger, eine eher programmier-basierte Oberfläche zu haben als FlashPro und eine eher animationsbasierte Version für Leute, die nur mal eben schnell was animiertes brauchen…? Wobei das dann wieder zig Versionen wären… als ob wir nicht schon genug Kraut und Rüben bei Photoshop haben :-D.

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3-D-Transformation Tool à la Illustrator.  Ich freue mich jetzt schon auf 100000 Seiten mit dem Effekt, oh jeh :-D.

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Bones. Auch hier wieder die Frage, ob Flash nun eine Animations- oder Programmieroberfläche ist, Websites macht oder Kurzfilmchen… aber Bones ist an sich natürlich als Werkzeug zum Modeln halbwegs natürlicher Bewegungen eine Bereicherung. Nur, wer sowas ernsthaft macht, macht es NICHT in Flash. Und ein ähnliches Modul gab es längst als Plug-In. Super, dass es nun Teil von Flash CS4 ist, aber erderschütternde News sind das nicht.

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Deco-Tool. Ein Werkzeug, mit dem sich lebende, kaleidoskopartige Pattern erstellen lassen. Je nachdem, wie lebendig und wie variabel, könnte so etwas spannend sein – aber im grunde gibt es seit langem Sites, die solche lebendigen Strukturen selbst programmiert aufweisen.

Bessere Integration mit mehr Photoshop/Illustrator/InDesign, mehr AIR,mehr Video. Was nur die – irgendwie eigentlich immer noch relativ spürbare – Brücke zwischen Adobe und Macromedia schließt. Wobei es Sinn macht, Flash und die anderen CS4-Bestandteile enger zu verzahnen. In diesem Sinne sind alle Online-Services eben auch hier, wie in allen CS-4-Modulen vorhanden.

Marian ist sehr heiß auf Flash CS4, also wird es schon was können – aber so rein vom Blick auf die neuen Features ist das alles etwas wenig, oder? Gerade Flash fühlt sich mehr nach einem Aufräumen und Einfügen-in-die-Adobe-Logik an als nach Aufbruch. Wobei es sein kann, dass dort, wo es drauf ankommt, in der Programmierung-Uumgebung, kleine aber feine Sachen passiert sind. Ansonsten klingt es insgesamt nach einem Update, das sich fast eher an Einsteiger wendet… die Adobe eigentlich mit CS3 alle vergrault haben dürfte :-D.

Indesign

Flash-Export. Das mag nett sein für Präsentationen und Pitches, auch wenn die Powerpoint-artigen vorgegebenen Übergänge und die lustigen Buttons, die Adobe beipackt, mich eher am Sinn dieser Übung zweifeln lassen. Zumal man ja längst ganz solide mit PDF präsentieren kann – und auch sehr viel praktischer als mit Flash. Vielleicht sinnvoll, um ganz quick einen Scribble für eine Site zu testen… aber ansonsten bin ich gespannt, ob dieses Feature nicht eher Ballast ist. Wenn die Präsentationen daraus nicht mindestens ebenso smooth und perfekt sind wie die aus Keynote, ist das nur ein Spielzeug, sorry. Wobei es schon mehr als gut ist, dass Adobe eine Brücke zwischen ID und Flash baut. Definitiv ein Feature, dass schon in CS3 hätte vorhanden sein sollen. In der realen Arbeit, da hat Marian Recht, wird es wenig bringen, weil in Flash ohnehin alles von Grund auf neu gebaut werden muss, da es ja programmiert und dynamisch ist.

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Live Preflight. InDesign zeigt jetzt bereits während des Designs an, was alles nicht stimmt. An sich ein sehr schönes Feature, stelle ich mir in der Praxis aber etwas anstrengend vor, wenn es nicht einfach zu deaktivieren ist. Denn gerade in der Scribble-hase stimmen Sachen wie Auflösung oder RGB/CMYK mal so gar nicht – und das WEISS man dann ja eigentlich auch. Sinnvoller wäre also eigentlich ein aufgeräumterer, schnellerer, informativerer Preflight am Schluss gewesen, der etwa ein Fixen von Problemen direkt aus dem Preflight heraus ermöglicht (Datei auswählen, öffnen, modifizieren, speichern, Update sofort im Preflight als behobenes Problem anzeigen, analog Suchen/Ersetzen bei Problemen im Dokument, analog Auto-Repair-Features für bestimmte Probleme mit Hilfe automatisierbarer Vorgänge.)

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Neues Links-Panel. Die Informationen in der neu gestalteten Links-Palette sind jetzt weiterreichend, was sicher eine große Hilfe ist. Aber… mal ehrlich. Ist das ein erwähnenswertes neues Feature? Was kommt in CS5… ein überarbeitetes Druckmenü als Hauptfeature? An sich aber sicher hilfreich, auf einen Blick zu sehen, was Auflösung, Farbraum usw der eingebundenen Bilder so machen. Das man es selbst einrichten kann, ist ein klarer Vorteil. Auch hier wäre eine Automatisierung zu Photoshop sinnvoll, via Script oder Automator.

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Bedingter Text. Adobe hat deutlich an der Textengine von Indesign gewerkelt – und dazu gehört konditionaler Text, den man sich am besten al eine Art Ebenenpalete für Text vorstellt, der – je nachdem ob man eine Ebene ein- oder ausschaltet – mal sichtbar wird oder nicht. Wie das in der Praxis funktioniert und ob das in einem Layout wirklich Sinn macht, müsste man in der Praxis antesten. Klingt ad hoc nicht nach einem wirklich wichtigen Feature für mich, kann aber sicher bei komplexen Dokumenten sinnvoll sein, zumal wenn sie autogeneriert sind.

Verweise.
Indesign kann jetzt Cross-References und damit verbunden auch automatische Updates von verbundenen Texten. Wofür es seit Jahren gute Plug-Ins gibt. Schön, es endlich integriert zu haben, aber seufz… längst überfällig und eigentlich nur ein Aufholen eines Features von Quark.

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Smart Guides.
Wie bei Illustrator die aus anderer Software bereits vertrauten kontextsensitiven Hilfslinien fürs Verschieben und Transformieren von Objekten.

Seitendrehung. Nackenschonend: Endlich kann Adobe eine Seite visuell aber nicht faktisch um 90° drehen, so dass man senkrechten Text besser layouten kann. Auch läääängst überfällig.

Neues Interface. Der N-Up-View aus Photoshop, die App-Bar und die aus Bridge vertraute Möglichkeit, Workspaces zu definieren, ebenso wie die Tabs für Dokumente sind auch in Indesign, wie in PS und Illustrator vorhanden. Die AppBar, muss ich zugeben, sieht auf de ersten Blick eher nervig aus – das GUI von Adobe ist nicht gerade das eleganteste und scheint nur zu versuchen, Windows- und Mac unter einen Look zu bringen, um die Softwareentwicklung plattformunabhängiger zu machen.

Was fehlt? Das ist wirklich ein recht enttäuschendes Update. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wirklich wichtige Features, wie etwa die komplett freie Handhabung von Seitengrößen- und formaten (DAS absolut wichtigste Feature überhaupt, wenn man es einmal hatte, es ist pervers, dass das theoretisch ght, von Adobe aber nicht integriert ist) oder eine History-Palette, schon unter CS3 als Plug-Ins für wenige Euro (DTP Tools) liefen. Und wirklich sinnvolle Integrationen gewesen wären. Ebenso ein smartes PDF-Batching, wie es andere Plug-Ins ermöglichen, oder verbesserte Ausgabeoptionen. Ich hätte gejubelt, wenn es Adobe gelungen wäre, den ansonsten in Photoshop und Lightroom ja halbwegs gemeisterten RAW-Workflow nach Indesign zu ziehen. Heißt: Kamera-RAW ohne Editieren für ein grobes Layout direkt ins Layout ziehen, dann per Doppelklick nach Photoshop oder Lightroom, am Ende durch finale TIFF oder PSD ersetzen. Auch 16-bit-Unterstützung, editierbarer PDF-Import à la Illustrator und zig andere Dinge fielen mir noch ein, die im Alltag Sinn machen würden. Und die es zum Teil als Plug-In gibt, die also in der modularen Architektur von Indesign Sinn machen.

Da bleibt nur zu hoffen, dass Indesign ultrastabil läuft und viel sicherer geworden ist – denn von den Features her ist das Ganze völlig unter meinem Begeisterungs-Level.
Photoshop

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3D. 
Photoshop erlaubt jetzt, auf 3D-Modelle, die in Echtzeit editierbar sind, unmittelbar zu malen und mit einer neuen Raytracing-Umgebung zu arbeiten. Es gab vorher Plug-Ins, die ähnliche Funktionalität aufwiesen. Sicher ein sehr schönes Feature, aber für mich im Alltag eher nichts, was ich brauche, wie ich auch das perspektivische Zeichentool bisher kaum je verwendet habe. Ich denke, professionelle 3D-Producer arbeiten auch eher mit ihren Tools als in PS, also wendet sich Adobe hier eher an Gelegenheits-Macher, die im Grunde nur ein bestehendes 3D etwas veredeln wollen. Ohne damit gearbeitet zu haben, lässt sich hierüber wenig sagen.

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Kontextsensitive Skalierung. Eines der WOW-Features bei den Präsentationen von John Nack in den letzten Monaten. Man muss sehen, ob das auch in der Praxis mit Bildern funktioniert, die nicht endlose Strände haben. Ganz generell ist die Vorstelung, ein Bild um ein paar Pixel strecken oder stauchen zu können und nur die unwichtigen Bildinformationen verschwinden unglaublich sexy – aber ich will das von nahem gesehen haben, bevor ich es wirklich glaube. Das ist eines der Features wie der Healing Brush – wenn es funktioniert, will man nicht mehr ohne arbeiten. Aber erst muß man sehen, ob es praxistauglich sein wird.

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Neue Maskierung. Die Optionen für das Erstellen von Masken sind grundlegend überarbeitet worden. Wie bei allen Sachen, die in Richtung Freistellen gehen, kann man viel versprechen – aber meist sind die Resultate enttäuschend. Es wäre aber schön, wenn PS einige Funktionen der vielen Plug-Ins in diesem Bereich übernehmen würde und selbst das Chaos der verschiedenen Maskiertools – Ebenen, Masken, Alphakanäle, Zauberstab, neuer Zauberstab, Pfade und und und- endlich aufräumen wurde, da hat sich in den letzten Jahren zu viel angesammelt. Sinnvoll wäre etwa, einen kontextsensitiven Pad zu haben, der funktioniert (nicht wie der magnetische Pfad jetzt).

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Bessere Navigation. Die Bewegung durch ein Bild soll schneller und flüssiger geworden sein, auch Rotation der reinen Bildansicht ist möglich, was gerade für Illustratoren eine große Hilfe sein kann, wenn sie mit Wacoms arbeiten.

Bessere Farbkorrektur. Das wäre wirklich überfällig. Abwedeln und Nachbelichten und der Schwamm sind überarbeitet worden. An die Power von Viveza wird PS damit aber wohl nicht herankommen. Ist mir nebenbei ein Rätsel, warum Adobe die u-Point-Idee nicht von nik adaptiert und anstatt in ein Plug-In völlig nahtlos in die Oberfläche integriert. Überhaupt ist es nach wie vor nervig, dass man bei den meisten Plus-Ins noch eine Art Vorschaufenster hat – wieso arbeiten die (und sei es optional für schnellere Rechner) nicht direkt im finalen Bild?

Bessere Integration mit Lightroom. HDR oder Panorama-Erstellung sind erleichtert. An diesem Punkt verstehe ich nicht, warum ein nur 200 Euro teures Tool nicht nahtlos entweder in die CS4-Suite integriert ist (zumal der RAW-Workflow von Photoshop ein Skandal ist) oder man Bridge, Photoshop und Lightroom zu einem griffigen Instrument kombiniert – es wäre überfällig. LR und Bridge haben fast die gleichen Features, und in Lightroom wünsche ich mir immer, dieses oder jenes Photoshop-Feature zu haben und umgekehrt. Eine Applikation, in der ich nahtlos von der Bildauswahl in RAW zu perfekten Bild komme, bitte. Nicht drei, von der ich eine noch dazukaufen muss. Auch strategisch ein Fehler – je weniger LR Teil von CS4 ist, desto mehr überlässt Adobe Apple und PhaseOne das Feld. Riesendummheit. Das Photoshop im Import fast die gleichen Bearbeitungsmöglichkeiten wie LR liefert, macht es eigentlich nur logischer, LR und Photoshop zu einem Tool zu fusionieren - jetzt…  und nicht erst bei CS6  :-D.

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Neues Interface. App-Bar, n-Up-View undWorkspaces, siehe oben bei Indesign. Zudem gibt es eine neue Palette für nondestruktive Bildeditierung – die man bisher eigentlich ja auch hatte, nur eben ohne eine Palette dafür. Es wird demnächst, via Flash, eine Möglichkeit zur Erstellung eigener Paletten geben. Was vielversprechend sein kann – abwarten.

Fazit
In den ersten Vorankündigungen wurde ja schon geunkt, das CS4 wenig Anlass zu Begeisterungsstürmen geben würde – und das bestätigt sich. Anscheinend wurde intern viel Zeit auf den Aufbau eines neuen Interfaces verwendet – das aber weder revolutionär neu ist noch sonderlich wegweisend, sondern einfach etwas pragmatischer, wenn man sich einmal dran gewöhnt hat… hoffentlich. Rein von den neuen Features her wirkt das ganze solide, wie ein gemütlicher Ausbau bestehender Dinge, ohne wirkliche große Sprünge, wie sie die letzten CS-Pakete durchaus boten. Die Integration Macromedia-Adobe ist nicht mal richtig abgeschlossen, da wäre es eigentlich schon an der Zeit, ganz neue eigene Programme zu integrieren (Lightroom, Kuler, andere Neuentwickkungen) und das Ganze wirkt inzwischen mehr und mehr wie ein Sammelsurium von Einzellösungen, die nie so recht zusammenfinden. Wenn Adobe so weitermacht, wird es irgendwann wie Quark enden. Wenn ein 49-Euro-Tool wie Pixelmator nativ mit 64 bit auf Mac läuft, DIE Standardbildbearbeitung Photoshop aber nicht, wenn ein 39 Euro-Plug-In Indesign deutlich erweitert, Cs4 aber nicht, wenn CS4 anscheinend keine Quicklook- und Automator-Funktionalitäten liefert und überhaupt viel zu wenig mit dem OS harmoniert. Adobe hat es nicht geschafft, die auf Plug-In-Ebene und in anderen Oftwares ja durchaus bestehenden Möglichkeiten in die Creative Suite-Programme zu integrieren, oder gar mit etwas komplett neuen, aber unverzichtbaren zu kommen… was gerade bei Indesign schade ist, weil es im Gegensatz zu Photoshop noch nicht an dem Punkt der Glockenkurve ist, wo Verbesserung kaum noch denkbar ist.

Was passieren sollte, ist eine Fusion von Illustrator und Indesign und Acrobat, eine Fusion von Lightroom Bridge und Photoshop, eine Fusion von Dreamweaver und Flash etc. Plus EIN Tool für Audio und Video inklusive Effekte/3D. Weniger Tools, die freier editierbar sind. Schnellere Workflows, mehr Funktionalität. Statt dessen streckt sich Adobe in neue Richtungen – 3D etwa, obwohl es hier professionellere Anbieter gibt, denen man mit Photoshop das Wasser nicht reichen können wird. Niemand wird Maya abschalten, um mit Photoshop zu rendern. Das CS4-Update wirkt insofern seltsam unkonzentriert. Flash kriegt Newbie-User-Features, Indesign kriegt eine seltsame Flash-Export-Komponente, die etwa so sinnvoll oder-los  ist wie ein Powerpoint-Export, Photoshop kriegt ein simples 3D. Und die User kriegen neue Online-Angebote von Adobe aufs Auge gedrückt, ob wir sie nun wollen oder nicht.

Aber wichtige Features bleiben unentwickelt – wo uns Drittanbiter wie nik (Viveza), AlienSkin (Exposure), Andromeda (LensDoc!!!) und DTP-Tools (PageControl, History) erst zeigen, was im Alltag unverzichtbar sein kann. und so werden wir uns wohl weiter mit Plug-Ins und Tricks helfen müssen, bis Adobe es endlich schafft, wieder klare, wegweisende Produkte zu machen.

Bleibt zu hoffen, dass das Upgrade den versprochenen Zuwachs an Tempo bringt und stabiler läuft als der Vorgänger. Den ersten Reviews nach zu urteilen ist das so – und machen wir uns nichts vor, beim Photoshop geht es nur um Tempo, bei Indesign vor allem um Sicherheit. Beides Bereiche, wo man ganz deutlich zulegen könnte. Wenn CS4 hier überzeugt, ist es die Anschaffung sicherlich wert – von den nackten New Features her eher nicht. Das Update von Premium 3 auf Premium 4 wird bei 440 Dollar liegen (was echt fair ist), die volle Suite bei etwa 1700 Dollar.

Und mal ehrlich: holen wird man sich das Update ja ohnehin;-)

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MIRCEA ELIADE: YOUTH WITHOUT YOUTH

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Gemessen an Francis Ford Coppolas Film wirkt die Buchvorlage des rumänischen Philosophen Mircea Eliade auffällig knapp. Eher – in jedem Sinne – eine Novelle als ein Roman, stellt sich das Buch als ebenso angerissen und skizzenhaft dar wie Coppolas Film, der jedoch auf der Ebene der Bildsprache mehr Assoziationen, mehr Vieldeutigkeit, mehr subkutane Inhalte bereitstellt und die Möglichkeiten, die das Buch zur Interpretation bietet, voll ausreizt. Angesichts der unerhört vielschichtigen Verfilmung ist es fast unmöglich,nicht permanent beim Lesen den Vergleich zur Verfilmung parat zu haben. Eliades Buch wirkt trockener, weniger verträumt, weniger phantastisch. Coppola hat nichts hinzuerfunden (lediglich eine Sequenz in Irland weggelassen, die mit der Hauptgeschichte des Buches auch kaum verbunden ist), aber Lücken genutzt. Den Doppelgänger des Dominic Mattei gibt es im Buch nicht, ebenso wenig wie die Wiedererscheinung Lauras in Veronika nicht explizit ist. Sachlicher, aber ebenso atemberaubend schnell vergeht das Buch, das in kafkaesker Traumartigkeit am Leser vorbeifliegt, durch die surrealen Erlebnisse Mateis, die Eliade in trockenen Worten erzählt. Der Mix aus übernatürlichen Elementen und philosophischen Abschweifungen macht die Novelle absolut lesenswert, die Anklänge anderer Werke – Borges, Kafka, Mann – sind geschmackvoll umgesetzt, unterstreichen aber mitunter das Gefühl, Eliade springe von Idee zu Idee, Land zu Land, Episode zu Episode, ohne jemals wirklich etwas substantielles zu sagen. Es unterstreicht die traumhafte Qualität der Erzählung, und im Hinblick auf das Ende des Buches mag all das sogar Absicht sein – während des Lesens aber ist die Art, wie Charaktere und Zeitläufte vorbei preschen mitunter ermüdend. Stilistisch erreicht Eliade sogar so, zu kommunzieren, wie für einen Menschen mit drastisch veränderter Zeitwahrnehmung die Welt sich anfühlen mag, auf den Leser aber wirkt vieles gehetzt. Das Buch ist weder als philosophisches Traktat lesbar, noch als echter Roman und entpuppt sich so als seltsamer Bastard – nicht Science Fiction, nicht Belletristik, nicht Historisch, nicht Liebesroman und doch von allem ein wenig – und genau das macht es so liebenswert. Es ist die Sorte Fabel, die den Leser zwingt, selbst in die Lücken und Breschen der Narration zu springen und die Löcher zuzuspachteln, die der Autor hinterlassen hat… wie es auch Coppola mit seinem Film getan hat. Im Ergebnis ist Eliades Buch insofern einerseits unbefriedigend – da fast skizzenhaft geschrieben – andererseits dynamischer und pulsierender als viele andere Bücher, die vielleicht zu lang an Details verweilen. Bedenkt man Eliades Vergangenheit als Mitglied der rumänischen Eisernen Garde, wirken die Sequenzen während des Zweiten Weltkrieges seltsam doppelbödig und trügerisch, und seine Beschäftigung mit Religion, Mythos und Schamanismus durchtränk nahezu jede Seite – Youth Without Youth ist nicht nur eine Erzählung, sondern eine verklausulierte Rekapitulation von Ideen und Erlebten. Atemlos fliegt die Geschichte vorbei und noch während man sich fragt, was die Sache mit dem indischen Mädchen nun bedeuten mag, schiebt Eliade schon die nächste Kulisse ins Bild. Dass Eliade bestenfalls durchschnittlich schreibt – dadurch jedoch das visuelle Melodrama von Coppolas Verfilmung im Buch völlig absent ist – und zu viel Wert auf seine Botschaft, aber zu wenig auf eine erzählenswerte Geschichte legt, wird dadurch wettgemacht, dass aus dieser Melange es eine seltsam unwirkliche, zugleich schweres und federleichtes Märchen erwächst, das am ehesten an einen David-Lynch-Film erinnert, in einer fast drogenrauschartig fiebernden Eile und Über-Buntheit, die am Ende zu einem zirkulären Verlauf führt, der rätselhafter und befriedigender kaum denkbar wäre. Youth Without Youth ein seltsames Kleinod über Lebensträume, Zeit, Sehnsüchte und ihre Unmöglichkeit und über die Gabe, irgendwann bescheiden zu erkennen, das das wichtige am Leben ist, es gelebt zu haben.

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WANTED

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Eine Woche zwischen Film und Review? God, I must be busy.

Wanted basiert auf einem Comic des schottischen Autors Mark Millar und hat so gut we nichts mit der zynischen, nihilistischen Vorlage zu tun. In Millars zusammen mit J.G. Jones (der Name J.G. Millar taucht als Cameo im Film auf) produzierter Serie haben recht leicht als DC-Superschurken zu erkennende Bösewichte die Weltherrschaft an sich gerissen, das Ganze ist eine What-if-the-bad-guy-actually-won? Geschichte. Entsprechend von düsterem Humor getrieben ist Millars wenig jugendfreie Story, die nicht ohne Grund mit dem Satz endet: This is my face while I fuck you in the ass. Dass der Film deutlich milder ist, merkt man schon an dessen letztem Satz: What the fuck have you done lately? Nicht ganz die gleiche Sache. (Im deutschen übrigens unerträglich lahm übersetzt, was den Schluss des Films irgendwie ruiniert).

Der Vergleich macht deutlich, wie sehr Wanted der Film eine Art Kastration von Wanted dem Comic ist. Timur Bekmambetow, der sich zuvor vor allem mit seinen Matrix-inspirierten Wächter-Filmen einen Namen gemacht hat, weicht mit den vier Drehbuchautoren entschieden von der Vorlage ab und macht aus einem Comic, das eine Menge Insider-Wissen voraussetzt und auch unmöglich aufwendig zu produzieren gewesen wäre, eine relativ straighte amerikanische Popcorn-Action-Produktion. Die sich nicht zu schade ist, massive Anleihen bei Filmen wie The Matrix, Mission Impossible und Fight Club zu nehmen.

Der Film, in Chicago, Prag und Budapest gedreht, beginnt wie der Comic mit dem Weichei Wesley Dodds, einem modernen Peter Parker, unglücklich im Beruf, betrogen von seiner Freundin, ein Loser wie er im Buche steht. Analog zu Edward Nortons Figur in Fight Club lässt uns der innere Monolog von Wesley, kombiniert mit einer furiose Bildmontage,in groben Zügen an dessen inneren Elend teilhaben. Wesleys Welt wird auf den Kopf gedreht, als Fox in sein Leben tritt. Gespielt von Angelina Jolie – die hier erschreckend mager aussieht, aber zugleich mehr denn je an Modesty Blaise erinnert-, weiht die Auftragskillerin Wesley in eine geheime Bruderschaft ein, der schon sein Vater angehörte. Der weitere Verlauf des Filmes folgt auf seltsam perverse Art der Logik normaler Superheldenfilme, indem Wesley in die Geheimnisse seiner ererbten Fähigkeiten eingeweiht und brutalst trainiert wird. Das Ganze erinnert etwas an die Schinderszenen von etwa Rambo und anderen Get-Tough-Filmen, inklusive der finalen raschen Bildmontage, in der Wesley seine inneren Blockaden überwindet und zum echten Überkiller wird. Er tötet im Auftrag einer – im Comic nicht vorkommenden – Bruderschaft unter der Anführung von Sloan (Morgan Freeman, der den Film im Halbschlaf spielt), die auf Tuchweber des 18. Jahrhunderts zurückgeht, die entdeckt haben, dass ihre Webmaschine Ihnen mitteilt, welche völlig anonymen Menschen sterben müssen, damit die «Balance» zwischen Gut und Böse erhalten bleibt. Das ist zugegeben eine der dümmsten Ideen der jüngeren Filmgeschichte, obwohl es Bekmambetow gelingt, der Szenerie des alten Schlosses voller Webstühlen eine seltsam mystische Aura zu verleihen, die dann auch darüber hinwegtröstet, dass die seltsamen Heilbäder, in denen die Wunden der verletzten Killer schneller heilen, ebenso wenig Sinn machen wie die Mission der Weber. Der Plot des Films hängt, sorry, am seidenen Faden. Das im weiteren Verlauf einige wirklich extrem vorhersehbare Dinge passieren, macht es nicht besser.

Wovon der Film lebt, wie jeder gute Actionfilm, ist also weniger seine intrinsische Logik – die man relativ vergebens sucht – als vielmehr seine Bilderwelt. Wo das Comic auf düsteren zähnefletschende Zynismus setzt, in einem Härtegrad, den ein Mainstream-Film kaum erreichen kann, baut Bekmambetow auf überwältigende Stunts und Effekte. Und das mit Erfolg – der Film kann mit atemberaubenden visuellen Effekten über seine erzählerischen Durchhänger hinwegbluffen und macht zu keinem Moment einen Hehl darauf, nicht mehr als ein Popcorn-Blockbuster sein zu wollen. Es ist förmlich greifbar, mit welchem Spaß Tibur Bekmambetow in seinem US-Debut verschiedenste Vorlagen zitiert und in den Eingeweiden der amerikanischen Kino-Bildsprache zu wühlen versteht. Wie ein Kind im Bonbonladen hangelt sich Wanted insofern von einem visuellen Stimuli zu nächsten und das Drehbuch ist nur dazu da, mehr recht als schlecht, die Übergänge zwischen den Actionsequenzen zu schaffen.

Auf der einen Seite ist Wanted insofern wenig mehr als der typische adoleszente Rache/Wunscherfüllungsfilm – der nerdige Verlierer, der sich zum Übermenschen entpuppt, die heiße Braut kriegt, seine früheren Gegner erniedrigt, die bad guys auslöscht und am Ende als cooler Siegertyp dasteht. Da ist wenig neues, das sind Plots, aus denen zahllose Teenagerfilme geschrieben sind, in denen die moderne männliche Kastrationsangst negiert wird. Nicht ohne Grund wandelt sich Jolie von der mysteriösen schweigsamen Too-cool-for-you-Killerin zur Selbtmörderin im Laufe des Films.

Dennoch gelingt es Bekmambetow, den Standardplot mit seltsam kratzigen Details aufzuwerten. Nicht nur die beeindruckenden Kamerafahrten, Stunte und Visuals, seine meisterhaft videoclipartig musikalische Bildsprache, sondern auch zahllose visuelle Details und deren oft liebevolle Inszenierung verleihen dem Film einen Hauch mehr Tiefgang, als die Story vielleicht eigentlich verdient. Er überzieht den Stoff der Handlung mit einem prunkvoll ornamentalen Brokat, einer opulenten Surrealität, die sich durch den Großteil des Filmes zieht. Es gelingt Wanted, die grauen Alltagswelt von Wesley Dodd mit einen unwirklich anmutenden, archaischen Gegenentwurf zu konfrontieren, deren magische Waffen jahrhundertalt und doch hypermodern wirken, wie aus einer Zukunft kommend, die sich nie vom Mittelalter verabschiedet hat. Klöster, Tuchwebereien, Pistolenkugeln die verziert sind wie antike Schwerter, die Tatoos von Jolie – all das verleiht dem Film eine frei flottierende Traumlogik, ein Gegensatz, der den Film seltsamerweise auch zu einem erwachsenen, düsteren Pendant zu Harry Potter macht (dessen Geschichte wiederum nicht allzu weit entfernt ist von eben der des Peter Parker/Spider-Man). Bekmambetow überzieht den Leichnam des amerikanischen Actionsfilms mit einem Damastgewand aus metaphorischen Details, die Wanted sicher sehenswert machen – ebenso wie der halsbrecherische, voller Twists steckende Beat des Film, der John Woo in nichts nachsteht. Wanted ist eine rasante, sinnfreie Achterbahnfahrt voller märchenhafter Bilder jenseits aller Logik – ein durch und durch kommerzieller Hollywoodstreifen, unter dessen Oberfläche der Regisseur sich offenbar mit Freude der verschiedensten Filmzitate bedient und zugleich eine reiche Ader surrealistischer Bildwelten legt. Das alles macht aus Wanted sicher keinen wirklich guten Film – die genretranszendierenden Vorbilder Fight Club und Matrix erreicht er nicht annähernd – aber für eine Tüte Popcorn und einen netten Abend reicht es sicher allemal.

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CLEMENS THEOBERT SCHEDLER

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Clemens T. Schedler hat von Jürgen Siebert das Etch-a-Sketch-Paket bekommen und revanchiert sich bei mir mit einem sehr netten Buchpaket mit eigenen Arbeiten, was mich sehr gefreut hat. Ich kenne Clemens eigentlich eher  als wunderbar hintersinnigen Typo-Moderator und hervorragenden Gesprächspartner, gar nicht als Designer – und war fast überrascht, dann aber doch bestätigt, dass seine Arbeit eine zutiefst entschleunigte,nachdenkliche,typographisch unglaublich präzise Handschrift hat, die sehens- und beachtenswert ist. Man merkt den Arbeiten an, das Clemens ruhig und präzise arbeitet und möglichst hohes Maß an Kontrolle über seine Projekte sucht. Das Buch Strategien des Handwerks ist eine solche liebevoll gemachte Sache, wunderbar layoutet, wunderbar verarbeitet (sehr schöne grau/schwarze Duotone-S/W-Bilder auf MunkenExtra 1,5er Volumen, und plötzlich überraschend mittendrin ein Farbphoto, großartig, auch wenn ich manche Photos nicht ganz so gelungen finde… dafür andere umso mehr, im ganzen beachtliche Dokumentation, die nicht in die allzu lockende Falle der Brand-Eins-Ästhetik tappt. Beachtenswert ist die wunderbare Wiedergabe der Bilder auf dem Munken Print Extra… ich kann Arien singen von Druckereien, die an diesem an sich einfachen Papier immer wieder scheitern, die Druckerei Theiss liefert hier ein makelloses Ergebnis, traumhaft, das Buch ist wunderbar gedruckt und verarbeitet), jedes Detail scheint zu sitzen, ein monolithisches Werk gestalterischer Ruhe und Präzision. Auch das Büchlein «Begleitung» von Florian Fischer ist nicht nur inhaltlich schön – wie das von Hans-Joachim Gögl betraute Strategien-Buch übrigens auch- , absolut lesenswert – sondern mit ähnlich klassischer Liebe zur Buchgestaltung gemacht, erinnert mich etwas an die alten Agfa-Büchlein. Vorsatzpapier, dezenter Umgang mit Farbe und Grautönen, Papierwahl – alles ist zurückhaltend, dezent, ästhetisch, makellos.. und trotzdem nicht langweilig, sondern mit wunderbaren Details. Kurz: Der Clemens kann’s.

Schaut selbst und besorgt euch das Buch.Die Broschüre gibt es vielleicht bei Florian Fischer selbst…

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FORTLAUFENDFOLGENDE

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Schon vor einiger Zeit bei slanted und im fontblog vorgestellt wurde die fortlaufenfolgende Zeitung der Wuppertaler Julia Meer und Sebastian Glück. Zwei Ausgaben gibt es bisher – Pathos und Geschmack, wunderbar auf buntem Zeitungspapier gedruckt und mit viel Liebe zwischen geschmacklos knietschiger und geschmackvoll klassischer Typographie gestaltet – und vor allem, bei aller leichten Konzentration auf den bergischen Lebensraum der beiden Designer, wirklich lesenswert. Die ff ist gratis und eine echte Liebesgabe. Neben Clownfisch das beste, was es umsonst aus Wuppertal gibt – eigentlich verblüffend und sehr schön, das zwei so gute Sachen mit einer free-for-all-Mentalität aus der gleichen Stadt kommen. Ich bin spät dran mit dem Tipp, aber er kommt vom Herzen: Bestellt euch hier eure Ausgaben.

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MAREN THOMSEN BUCH

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Unter dem etwas unhandlichen Titel Grundrisse zu Verarbeitung und Veredelung von Papier und Pappe hat die von mir ja hochverehrte Maren Thomsen GmbH ein rundum sympathisches Buch zur Firmengeschichte, zum Produktportfolio und tatsächlich zu den kreativen Möglichkeiten im Package Design herausgebracht. Das Ganze, wunderhübsch zurückhaltend gestaltet, wie stets bei MT, kommt in firmentypisch grobe Pappe gehüllt daher, und entpuppt sich natürlich vor allem als beeindruckendes Promotion- und Showcase-Buch, aber das in einer so schönen Form, dass man wirklich hingerissen ist. Einziger Wermutstropfen sind die mitunter etwas schlecht ausgeleuchtet und rauschig wirkenden Photos, die aber auch wirklich nur auffallen, weil der Katalog als Ganzes so bibliophil gestaltet ist, dass er weniger wie eine Verkaufspromo wirkt als vielmehr wie die Sorte Buch, dass man auf jeden Fall ins Regal stellt – und so soll es ja auch sein.

Der Katalog ist unter 03088720770 direkt bei Maren Thomsen bestellbar.

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BUG IN 10.5.5

Nach dem Updata auf 10.5.5 haben wir heute auf allen Rechnern Probleme mit Indesign CS3 und Acrobat 8. beim Drucken von PDF aus Dem Druckmenü an den virtuellen Distiller-Drucker überschreibt das interne PDF-Druckmenü von Apple die Einstellungen von CS3. D.h. selbst wenn die Papieroptionen auf Ignorieren stehen, wird die im PDF-Apple-Druckmenü standardmäßige Papiergröße (A4) genommen, nicht die bei Indesign ausgewählte, was vor dem Update aber automatisch der Fall war.
Einziger Workaround bisher, wie ganz ganz ganz früher… eine PS-Datei schreiben, mit AdobePDF als PPD, dann im Distiller umwandeln. Toller Fortschritt – ich hoffe, Apple fixt das recht schnell. PDF aus Indesign ist ABSOLUT Tagesgeschäft und für ordentlichen Print muss es nach wie vor der Umweg über den virtuellen Drucker. Das ist jetzt aber mal das Gegenteil von «It just works».

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MISSION 13 > VOTE

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Mission 12 werde ich die Ersatzaufgabe machen (Seeeemonster), aber lasst uns doch mal sehen, welche Aufgabe ich diese Woche machen muss :-D.

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Etwas spät dran heute, viel zu tun. Hoffe, wir kriegen trotzdem ein paar Vorschläge. Und tut mir den Gefallen, achtet auf Realisierbarkeit,  sonst geht’s uns so wie letzte Woche und die Sache geht gar nicht. Merci :-D
Die Sache
Ich versuche, 25 Wochen lang Aufgaben zu erledigen, die meinen Alltag durchbrechen, die interessant, spannend und möglichst kreativ sind. Die Aufgaben kommen von euch und werden im Blog vorgeschlagen, abgestimmt und dokumentiert. 11 Wochen sind geschafft, 14 to go.

Die Vorschläge
Montags könnt ihr in den Kommentaren  hier Ideen abgeben für die Mission der Woche.

Die Ideen
Gesucht sind kurze «Anweisungen»
- kurz formuliert.
- zeitlich und finanziell realistisch im Büroalltag zu realisieren. Also bitte pragmatisch – keep it short and sweet
- die ein schönes Ergebnis, Bild, Song, Photo, oder eine Aktion ergeben.

Wer kann mitmachen?
Alle.

Das Voting
Den gesamten Dienstag wird online live abgestimmt.

Die Mission
Erledige ich (und die armen anderen Leute hier) von Mittwoch bis Montag und zeige die Ergebnisse im Blog.

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MISSION 12 > FAIL

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Ich habe keine Typberatung gefunden, die unter 100 Euro Beratung machen würde. Und da die Missionen eh ziemlich ins Geld gehen, wäre mir das echt der Touch too much, zumal ich diese Woche für einen laufenden Job  Software kaufen musste :-D.

Insofern wird das leider nichts, es sei denn, ihr findet bis heute abend jemanden, der es für 50 Euro machen würde (oder umsonst – Werbung im Blog :-D). Ansonsten werde ich die B-Aufgabe nehmen und ein Seemonster aussetzen im Laufe der Woche.

Bild via Failblog

PS: Fabian schickt gerade seine persönliche Typberatung und meint, mit dem Look hätte er schon einmal wen in die Charts gebracht…:

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