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Nothing More To Take Away

You know you’ve achieved perfection in design, Not when you have nothing more to add, But when you have nothing more to take away.
Antoine de Saint-Exupéry

30. August 2008 09:46 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

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hd schellnack

29. August 2008 18:02 Uhr. Kategorie Leben. Eine Antwort.

Miss Class

The Dutch university system was much like the German one (and unlike the American one): it shied away from anything practical, you had to miss class if you wanted to learn any useful skills.

Jan Middendorp

27. August 2008 18:31 Uhr. Kategorie Design. Tag . 7 Antworten.

Hund am Strand

26. August 2008 22:49 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 2 Antworten.

Kultursymposium NRW Tag

hd schellnack

SYMPOSIUM
KUNSTKULTURARCHITEKTURDESIGN

Wann
Samstag, 30.08.2008

Wo
NRW-Tag Wuppertal
Elba KunstCluster
Friedrich Ebert Straße 119 / Moritzstraße 14
Wuppertal
Eintritt frei

Anfahrtskizze

Was?
Disziplinen treffen aufeinander – Synergien und Probleme, Schnittstellen und Chancen von Architektur, Kunst, Kultur und Design. Während ringsherum
ca. 300 Künstler in den Bereichen bildender Kunst, Musik, Theater, Tanz, Performance, Medienkunst, Design usw. ausstellen, werden Referenten die
bisweilen harten Grenzen zwischen Kunst, Kultur und Design aus ihrer eigenen Sicht durchbrechen und in einer Diskussionsrunde ihre Standpunkte und Erfahrungen aufeinander prallen lassen. Und wir haben Gäste, für die sich die Anreise lohnt.

Wer?

Olaf Bargheer
wurde uns vom Hamburger Schauspielhaus wärmstens empfohlen, kommt aus der Hamburger Kunstszene und betreibt den Scoop Think Tank und versteht sich als Ideengeber an der Schnittstelle zwischen Kultur, Medien und Kreativwirtschaft. Mit seinem Off-Projekten wird dem Hamburger der KunstCluster in der Elba-Halle sicher vertraut vorkommen.

Markus Hanzer
ist eine noch nicht so graue Eminenz der Design-Szene, aber einer der erfahrensten Designer, die man sich einladen kann. Erfahrung als Designer beim ORF, bei SAT1, ARD, Premiere, Deutsche Bank, Bertelsmann, RWE, Allianz, ZDF, Zusammenarbeit mit Neville Brody, Schriftdesign für den Fontshop, Erfolg als Filmer und Photograph, sein eigenes Typo-Museum mit www.stadtgespraeche.com, zahllose Jury/Seminar/Beratungstätigkeiten/Vorträge und seit 2006 mit seiner brandneuen Wiener Firma mira4 erfolgreich.Ich kenne Markus von diversen Typo-Vorträgen und aus dem Fontshop-Beirat und weiß, dass er ALLEIN ein Symposium stemmen könnte. Wo er ist, ist Know-How über die Design-Szene und ein solider Blick über den Tellerrand immer garantiert.

Mad Eagle
Mad Eagle, wurde 1948 geboren und ein künstlerisches Universal-Genie. Musik, Malerei, fotografische und filmerische Arbeit prägt das Oevre dieses Künstlers, dessen Lebensgeschichte zugleich von den zahllosen Begegnungen mit anderen Größen der Kunst- und Musikgeschichte geprägt ist. Das MadEagle nur eine Kunstfigur von Toni Hüning ist, macht die Sache nur umso spannender.

Mason
Der Photograph und Graffiti-Star aus Dortmund beschäftigt sich mit Industriekultur im Ruhrgebiet und ihren verborgenen Schönheiten, er betreibt eine Art urbaner Archäologie. Als einer der Könner kreativer Stadtverschandelung ist Mason auch Kenner der künstlerischen Subkultur der Region, deren Flair längst Musik und auch Design mitprägt.

Chris Rehberger
arbeitet als Designer nicht nur deswegen an der Schnittstelle von Kunst und Design, weil er durch seinen Bruder Tobias Rehberger knietief in der Kunstszene steckt, sondern auch weil viele seine Kunden aus dem Bereich Film, Kultur, Kunst kommen. Dass er nebenbei noch als Musiklabel und Filmaktivist mitmischt und auf der letzten TYPO seine Liebe für künstlerische Einflüsse und die Unperfektion der Ergebnisse von gestalterischer Arbeit im Vortrag verraten hat, macht ihn zum idealen Gast des Symposiums.  Frisch gekürt mit dem Deutschen Designpreis 2007 und dem Lead Award gehört Chris inzwischen zur A-Liga deutschen Designs.

Björn Syffus
kennt als Architekt sowohl die große als auch die kleine Welt des Bauens. Mit RKW Architektur und Städtebau gehört er zu einer Firma mit fünf internationalen Standorten, die vom Centro in Oberhausen bis zum Fußballstadion in Warschau alle nur denkbaren Großprojekte realisiert haben. Mit der Architektengruppe Düsseldorf arbeitet er aber auch an kleinen, privateren Projekten. Björn Syffus betreut bei RKW unter anderem das Corporate Design, Onlineprojekte und Printmedien, ist also genau an der Schnittstelle von Architektur und Marketing zu Hause.

Reinhard Wiesemann
ist der Begründer des Unperfekthaus in Essen, einem hochlebendigen Ort für Kunst und Kultur, das ohne öffentliche Förderung funktioniert und neben großartigen Projekten auch eins der besten Cafés in der Stadt hervorgebracht hat. Der gebürtige Wuppertaler und gelernte IT-Fachmann mit dem bewegten Lebenslauf hat sich inzwischen darauf spezialisiert, Netzwerke aus Menschen zu schaffen – und das mit durchschlagendem Erfolg.  Neben seinem in der ehemaligen Villa Vogelsang entstandenen LinuxHotel  ist das Unperfekthaus ein ideales Labor für Kreative, aber auch Beweis für Wiesemanns unruhige Suche nach dem Neuen – wie sein neues Kulturpaddler-Projekt beweist.

Martin Woodtli
arbeitete bereits bei Stefan Sagmeister und David Carson, bevor er sich in der Schweiz selbständig machte. Der Zürcher Designer hat inzwischen eine eigen, leider vergriffene, großartige Monographie im Gestalten-Verlag, die ihn als einen jenseits der engen Grenzen angewandten Designs operierenden Meister der verspielten und doch klaren Vektorgraphik präsentiert – dabei hat Woodtli durchaus noch mehr auf der Pfanne, als das Buch zeigt. Woodtli gehört zu der neuen Generation Schweizer Designer, die den für die Schweiz so typischen klaren Intenationalem Stil einerseits brechen, andererseits fortentwickeln. Mit deinen ultrapräzisen Arbeiten, denen man die enorme Mühe darin bei aller verspielten Leichtigkeit stets ansieht, ist Woodtli an der Schnittstelle von Design und Kunst – seine wunderbar manischen Pop-Art-Arbeiten kann man sich genau so gut an die Wand hängen wie auf einem Geldschein bestaunen. Auch wenn er wahrscheinlich zu bescheiden wäre, es selbst zu behaupten – Woodtli gehört zu dem neuen Typus Designer, dessen Arbeiten zwar Design sind, aber längst die Grenze zur technologisch erzeugten Kunst überschritten haben.

Moderation: HD Schellnack ;-)

25. August 2008 13:46 Uhr. Kategorie Design, Leben. Tag . 8 Antworten.

The Dark Knight

hd schellnack

Was kann ich über The Dark Knight noch schreiben, was Rain nicht schon in seinem Review gesagt hat? Ein paar Sachen, die vielleicht nicht so direkt mit dem Film zu tun haben…

Mich selbst überrascht, wie sehr Christopher Nolan als Co-Autor und Regisseur die Richard-Donner-Route geht und – wie Donners Superman aus den Siebzigern – seinen Helden fest in der Realität verankert. Wo Tim Burton seinem üblichen Pop-Goth-Stil folgte und Joel Schumacher neongrelle Gay-Musicals ablieferte, ist Nolans zweiter Batman noch spürbar tiefer in der Wirklichkeit verankert und liefert die makellose Ästhetik eines modernen Thrillers ab. Kamerafahrten durch Hochhausschluchten, makellose Stunts, internationale Action, Verfolgungsjagden und High-Tech-Spielereien machen Batman zu einer Art urbanen Rambo mit Anklängen von James Bond, Iron Man und Robocop, ein Neo-Mythos, der zwar mit dem Batman der ursprünglichen Comics nichts zu tun hat, aber in sich so zeitgemäß funktioniert, dass er den leichtfüßigeren Batman der Comicwelt fast zu überschreiben droht. Nolan zitiert Michael Manns Heat als einen Einfluss, und die Art, wie er Gotham selbst mit seinen Medienfiguren, Politikern, Anwälten, Polizisten und der High-Society zu einer lebenden Figur werden lässt, die den Film prägt, ist beachtenswert. Dies ist keine abstrakte Dick-Tracy-Comicwelt, wie sie uns Frank Miller in Sin City präsentierte, dies ist ohne jeden Zweifel der Versuch, Superhelden so real und so authentisch wie nur irgend möglich zu präsentieren, inklusive der Fragestellung, wie diese fiktionale reale Welt auf solche Figuren reagiert. Der Widerspruch zwischen der realen Welt und dem Einbrechen surrealistischer Helden- und Schurkenfiguren zeichnet den Film aus. Schon der Beginn des Filmes ist aus dieser Sicht absolut gelungen.

Auch das Setdesign trägt zu diesem Eindruck von Authentizität bei. Wunderbare Bauten, hyperreale Urbanität, ein klarer Gegensatz zwischen Tag (Wayne) und Nacht (Batman), der Unterschied zu allen vorherigen Interpretationen – inklusive Nolans eigener in Batman Begins – zusätzlich dadurch unterstrichen, dass es die klassische Bathöhle und Wayne Manor nicht mehr gibt, ersetzt durch ein modernes Hochhaus-Penthouse und eine Art High-Tech-Garage. Wunderbare Lichtkompositionen und hypermoderne Architektur lösen die Bat-Franchise erstmals aus den stets wiederkehrenden Pseudo-Gothic-Anklängen und zerren sie tretend und schreiend in die Jetztzeit, eine klirrende, klare Moderne, in der Batman trotz aller Technik wie ein Anachronismus wirkt, ein Cowboy, eben der im Titel angedeutete schwarze Ritter in seiner Kevlar-Rüstung. Das hochwertig wirkende Setdesign an sich hebt The Dark Knight aus dem Genre-Pool der Superhelden und katapultiert den Film in das seriösere Metier teurer Action-Filme.

Der große Unterschied zu diesem Genre bleibt die Hauptfigur, die in bisherigen Filmen nahezu unerträglich an der Grenze zur Peinlichkeit havarierte – und auch Christian Bale gibt Batman wie alle Vorgänger notgedrungen als bewegungsarm, «clunky» und beschwert sich ironischerweise selbst im Film, dass es schön wäre, wenn er mal den Kopf bewegen könnte – analog zu John McLane, der in Renny Harlins Die Hard 2 die Absurdität der eigenen Filmsituation öfters meta-kommentiert. Auch dieser Batman ist nach wie vor von High-Tech-Spielzeugen abhängig – wenn auch der Batmobil-Panzer einem symbolisch leichteren Bat-Pod-Motorrad weicht, aber The Dark Knight liefert uns zumindest einen Hauch mehr vom «echten» Batman, der eben auch Akrobat, Kämpfer und vor allem The world’s best detective  ist. Es gibt immer noch martialische Bat-Gadgets, aber sie wirken mehr auf die Figur zugeschneidert. Selten war Batman selbst so unmittelbar in der Action wie hier, schmaler war der Grat zwischen dem Batman der Comic-Welt und dem der Filme nie, auch wenn das Kostüm nach wie vor eher schlecht ist (endlich ist das Gummi-Cape weg, dafür sieht es jetzt so aus, als habe Batman einen Samtvorhang um die Schultern gelegt).  Nolan umgibt die Surrealität dieser Figur in einer ansonsten völlig real dargestellten Wirklichkeit mit viel Schatten, Bewegung und schnellen Schnitten und schafft es so meist, die an sich lächerliche Figur eines Playboys im High-Tech-Kampfanzug glaubhaft zu machen. Es gibt immer wieder Brüche – Batmans absurd tiefe Stimme, die Regungslosigkeit, der stets leicht nach unten geneigte Kopf – aber es ist um Längen besser als jemals zuvor. Dieser Batman ist erstmals einer, der eben – wie seine Stadt – halbwegs real wirkt. Ein glaubhafter urbaner Vigilante, ein techophiler Dirty Harry, dessen Status als Anti-Held gegen Filmende besiegelt wird.

Auch Batmans Gegenspieler, Joker und Two-Face, sind tiefer als zuvor an die Realität gekettet. Jokers Ursprungsgeschichte bleibt nebulös, zumal er selbst immer wieder widersprüchliche Geschichten erzähl und Heath Ledgers herausragend marottige Interpretation bringt den Joker vom Start weg an einen Punkt, von dem Jack Nichsolsons verspieltere Fassung nur träumen kann. Dieser Joker ist nicht durch einen Chemieunfall entstellt, sondern seine ganz eigene Kreation, ein menschliches Monster mit verschmiertem Make-Up, kein ausgebleichter Freak. Eher Robert Smith als Tod Browning. Ledgers Joker ist ein Anarchist, ein Terrorist, der nicht wie der übliche Comicfilm-Bösewicht Batmans Freundin entführt, wiewohl Rachel Dawnes Rolle schon sehr auf die Damsel in Distress reduziert bleibt, sondern von der ersten Sekunde an mit der Energie eines Die-Hard-Schurken antritt und im Verlauf des Films dem mitunter grob geschnitzten Moralspiel eine metaphysische Note verleiht, gelangweilt von dem nomalen Verbrechen der Mafia, auf der Suche nach einer neuen Qualität von Verbrechen ohne Gier, ohne Verstand – und mit Two-Face als dem ersten Ergebnis dieser aufkommenden neuen «Spezies» von Super-Verbrechern. Der Joker ist Nietzsches Übermensch auf LSD – und seine seltsame, fast liebevolle Beziehung zu Batman wurde zumindest im Film nie so solide analysiert wie hier. Und der Joker ist ein Katalysator, aus dessen Versuch, die Grenzen zwischen Normalität und Wahn aufzubrechen, neue Monster entstehen. Insofern zeigt The Dark Knight den Übergang  von normalen, «kommerziellen» Verbrechen zu den psychopathischen sinnfreien Kriminellen, die sich als Reaktion auf den Batman manifestieren und die andererseits nur durch ihn in Schach gehalten werden können.

Harvey Dent, der weiße Ritter von Gotham City, die erste Hoffnung der Stadt in Dekaden, wird durch den Joker – und durch Batman, der nicht zuletzt seinem romantischen Widersacher Dent das Leben rettet und nicht Waynes Ex-Freundin Rachel Dawes – zum Zyniker, zum leibhaftigen Zerrspiegel der Gerechtigkeit, der wie der Joker das Zufällige und Moralfreie als Norm akzeptiert, den Wurf einer Münze über Leben und Tod entscheiden lässt. Aus dem Kokon des etwas eitlen, medienerfahrenen Staatsanwalt entpuppt sich ein schrecklicher Schmetterling, der Rache über Gerechtigkeit stellt. Wo der Joker eine absolute Qualität hat, das ultimative, absurde Böse darstellt, liefert der Film mit Dent eine etwas üblich-tragische Note in der Geschichte von Freunden, die zu Feinden werden müssen. Zwar sind Dent und Wayne nie wirklich Freunde – Wayne scheint Dent eher als etwas reineres und besseres zu bewundern, als eine weiße Alternative zu seinem schwarzen Ritter (was ihn nicht davon abhält, Dent das Mädchen wegnehmen zu wollen) -, aber der Absturz des Staatsanwaltes zum Schurken gibt eine ideale Folie ab, vor der Nolan Bösewichte und Anti-Helden vergleichen kann. Batman nimmt Rache, Dent nimmt Rache, beide sind Vigilanten, beide sind Outlaws, beide sind Cowboys, die tun können, was das Gesetz nicht kann – wie unterscheiden sich beide voneinander? Die Dreiecksbeziehung Batman/Two-Face/Joker wird so zur Reise durch den Moralkosmos von Heldenfilmen, begleitet von Alfred und Gordon als einer Art griechischer Chor.

Mitunter ist  dieses etwas Wagnereske Thema von weißen Helden und dunklen Helden etwas platt abgeliefert, wenn etwa Commisioner Gordons Sohn am Ende nochmal für die allerlangsamten unter den Zuschauern sagt: «Aber er hat doch gar nichts getan», während Batman die Schuld Harvey Dents auf sich lädt, um den Ruf des Staatsanwaltes posthum wieder herzustellen. Auch das Moraldilemma der beiden Fähren, auf denen sich brave Staatsbürger und Schwerverbrecher gegenseitig in die Luft jagen können, wirkt etwas dick aufgetragen – aber so sind Comics natürlich, griechische Moralspiele in Latex und Leder. Nolan gelingt der Balanceakt, die hypertrophen Dramen der Comicwelt in einer visuell und technisch beeindruckenden Realität, in einem zutiefst menschlichen Umfeld anzusiedeln. Das Batman/Wayne gegenüber den Figuren von Dent und Joker nahezu farblos wirken, liegt in der Natur der Sache – Batman war schon immer langweiliger als seine Gegenspieler, ein Schicksal, dass er mit James Bond teilt. Nolan gibt Wayne – oder vielmehr einem Batman ohne Maske, auch ohne die Maske des gelangweilten Playboys, der seinen Drink heimlich wegkippt – viel Raum (wohl auch, weil ein Mensch Actionszenen eben doch charismatischer geben kann als eine schwarze Maske), aber das ändert wenig daran, dass Wayne als Figur – wie alle DC-Helden – wenig Tiefgang hat. Und so konzentriert sich Nolan im Endeffekt auf eine klassische Struktur des Film Noir – die weiche Grenze zwischen Gut und Böse und die endlose Welt der Grauschattierungen dazwischen. Wenn Batman Monster bekämpft, muss er selbst ein Monster werden, selbst ein Outlaw sein, oder unterscheidet er sich von Dent? Am Ende übernimmt Batman die Verantwortung für Morde, die er nicht begangen hat, aber vielleicht indirekt mitverschuldet und zeigt so, was ihn als Held auszeichnet – die tiefe, strenge, fast puritanische Moral, die seine Entscheidungen prägt. Nolans Batman ist ein tragischer Held, der die Menschen zum Guten inspirieren will und dabei scheitert – dessen Erbe nur Monster, Vigilanten und Tote zu sein scheinen – und der sich am Ende dafür nur selbst bestrafen kann. Im dritten Teil dürfen wir also – neben neuen Schurken – sicherlich den Konflikt zwischen Batman und der Polizei von Gotham City erwarten und ein weiteres Kapitel, in dem Nolan das seltsame Schattenland des Heldenepos auslotet.

24. August 2008 15:14 Uhr. Kategorie Film. Tag , . 2 Antworten.

/ Soapbox / 04 / Sind wir zu Billig?

hd schellnack

Direkt aufbauend auf die Frage, ob wir als Designer organisiert genug sind, folgt natürlich die Frage nach dem Geld, denn darum geht es bei Organisation ja oft.

Design ist zur Massenware geworden – und die meisten Kunden, gerade kleinere Kunden, haben oft das Gefühl, das, was wir machen, eigentlich selbst zu können. Flugs CorelDraw gekauft und losgelegt, noch ein Paket 500-Schriften-für-99-Euro dazu und fertig. Die Geiz-ist-Geil-Mentalität ist längst in unserer Branche angekommen,  in der die Agenturen sich um Etats rangeln und die Drucker ebenso wie Studenten und Rentner ihre Dienste als Mediengestalter anbieten. Während die High-End-Läden noch halbwegs saftige Preise nehmen können von den großen Kunden ist im mittleren und unteren Segment ein blutiger Preiskrieg ausgebrochen – und selbst bei den großen Werbe- und Designagenturen geht längst die Angst um. Nicht ohne Grund war Clemens Schedlers Beitrag zu dem Thema auf der Typo vor ein paar Jahren vielbeachtet und nicht ohne Grund ist es immer wieder ein Thema bei AGD/BDG – Kundenwerbung, Preisverhandlung sind immer wieder bei den Seminarangeboten .

Auf der anderen Seite – soll Design nicht demokratisch sein? Warum sollten wir mehr verdienen als Friseure oder Goldschmiede? Ist es nicht gut, wenn im Konkurrenzdruck die Preise fallen – wir freuen uns ja auch über den Sinkflug von Telefonkosten oder billiger werdende Elektronikgeräte? Warum sollten sich unsere Kunden nicht auch über den gleichen Effekt in der Dienstleistung freuen dürfen? Ist billiges Design in der Wirkung den so viel schlechter als teures?

Was meint ihr? Ist Design austauschbare Billigware? Fühlt ihr euch fair bezahlt? Schaden die Kunden sich mit der Preisdrückerei selbst? Was kann man tun, selbst aber auch als Branche, um den Wert der Ware zu betonen?

Stellt euch auf die Soapbox und lasst in den Kommentaren Dampf ab – raus mit euren Erfahrungen in Verhandlungen.

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Die Soapbox gibt es jeden Mittwoch – eine Frage zum Bereich Design im weitesten Sinne, um die wir uns hoffentlich wortstark streiten können. Steigt auf die Seifenkiste und sagt eure Meinung in den Kommentaren. Wenn jemand einen Vorschlag für ein Thema hat, freue ich mich drauf: schellnack@nodesign.com.

20. August 2008 10:18 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 31 Antworten.

Clownfisch bei Slanted

Das von Christian Hampe und Beate Blaschczok, zwei Ex-Studenten und Freunden, herausgegebene Ausstellung-in-einem-Heft-Magazin Clownfisch ist ja seit einiger Zeit mit der zweiten Ausgabe am Start und geht jetzt richtig in die Verteilung an über 200 Locations, während die beiden schon an der dritten Ausgabe – Schöpfung – werkeln. Völlig zu Recht ist das Mag jetzt auch ausführlich bei Slanted vorgestellt – und ich hoffe, die Publicity bringt die Bestellungen ordentlich nach oben – das Heft ist nämlich klasse :-D. Wer an der dritten Ausgabe mitwirken will, kann sich hier anmelden – oder bei den NRW-Tagen von 29.-31. August in den alten ELBA-Hallen dabei sein.

10:04 Uhr. Kategorie Design. Tag . 2 Antworten.

Micro

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Das Weimar als kultureller Mikrokosmos funktioniert, unterstreicht die von den Studenten der dortigen Bauhaus-Uni herausgegebene Publikation micro, die sich in der aktuellen Ausgabe dem Kosmos und der Musik widmet. Das sechsköpfge Team – Julia Buschbeck, Annett Jahn, Manuela Klaut und Lisa Schreiber in der Redaktion, Karl Badde und Jens Ole Mayer als Layouter – präsentieren ein großformatiges Magazin, das im wunderbaren Violett und Silber gehalten ist, auf dem Cover einen seltsamen Bigbangblob und wunderbar miese 80s-Videospielgrafik zeigt.

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Das Layout im Inneren ist ein seltsamer Balanceakt zwischen modernem Editorial Design und dessen Gimmicks und einer bewussten oder unbewussten Auflehnung dagegen. Insofern weht schon der Geist von Meiré und Lombardo durch die Seiten (warum eigentlich immer die?), aber es gibt auch wunderbar vergrätzte Details, die das Heft durchaus mit einer eigenen Note versehen. Auch die vergnatzten Illustrationen, die den frühen Computercharme der 80er ebenso aufgreifen wie das Cover und die wie das ganze Heft seltsam zeitgeistig wirken (immerhin ist diese Formensprache auf fast jedem Indiecover des letzten Jahres präsent, retro olé), aber dennoch ein eigenes Flair bewahren.

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Die Texte drehen sich munter um ein Orbit aus Musik, Technologie, Kultur, Elektronische Sounds, Kreativität im Kontext des Weltraum Weimars. Der Content ist auch für Nicht-Weimarer durchweg lesbar, die Interviews spannend, die Texte kein reiner Selbstzweck des Designs, sondern eher Grundlage des Heftes, was bei Design-Studenten ja erst einmal nicht ganz selbstverständlich ist. Als Bonus legt die micro-Crew noch eine CD dabei, die den Soundkosmos Weimars, um den es in den Texten des Heftes geht, auch zu Gehör bringt.

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Rundherum eine sehr schöne, gelungene Sache, die handwerklich sauber und ästhetisch chirurgisch präzise an der Schnittkante von Design und Anti-Design, von modern und hässlich, von gelungen und bewusst-scheiße verortet ist und insofern sehr zeitgemäß daherkommt. Da ist ein Gespür für Rhythmus und Leere einer Seite, ein Feeling für Typographie zwischen Old-School und Respekt vor dem Text und gleichzeitiger Verrocktheit, das Spaß macht. Gerade für eine studentische Publikation – die ja manchmal nur als knapp getarntes Portfolio dienen – ist das eine rundum gelungene Sache, die ihr euch sicher bei der Redaktion bestellen könnt.

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09:54 Uhr. Kategorie Design. Tag . 7 Antworten.

Brutto Mehr Netto

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Schon vor einiger Zeit im Fontblog von Jürgen Siebert vorgestellt, ist die FFNetto eine schöne Erweiterung derja nach wie vor trendigen runden Schriften à la Bryant und Co. Die gut ausgebaute OTF-Schrift, die allerdings scheinbar leider ohne Minuskelziffern daherkommt, wirkt bei allen stilistischen Eigenarten für kürzere Texte auch gut lesbar und passt in ihrer monoline-Ästhetik perfekt zu moderner Architektur, wofür sie (angesichts der vielen Airport-tauglichen Icons) scheinbar auch entwickelt wurde. Erinnert auch vielleict nicht von ungefähr stark an Ruedi Baurs Design für den Köln/Bonner Flughafen. Wenn Zeitgeist Schrift sein kann, dann sind es diese sleeken Schriften allemal, die so schön den windkanalgeformten Korpus des späten Kapitalismus wiederspiegeln, die für überstrahlende Lichtdisplays wie gemacht scheinen, so widerstandlos und frei von allen Ecken und Kanten. Und die eben doch stets versuchen, modern, hip und cool zu wirken, anders zu sein und doch zugleich Mainstream. Daniel Utz ist gelungen, diesem Trend eine neue Wendung abzutrotzen, eine moderne DIN zu schaffen, eine Schrift ohne Gesicht, eine Projektionsfläche, ein Versprechen der Junk Space Culture – und eben deshalb so sexy.

19. August 2008 22:27 Uhr. Kategorie Design. Tag . 3 Antworten.

Red Dot Stuff

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Nette Nebenprodukte der Bildproduktion für die Photos im RedDot-Annual. Einmal eine Skizze von Marian, die die Sitefunktion erklärt und die Site als langer Schlauch in einem Rutsch – so als Scope sieht man sie ja eigentlich nie. Und ein Wimmelbild mit einigen Seiten des Saisonbuchs der Philharmoniker.

13:53 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . 3 Antworten.

/ Soapbox / 03 / Brauchen wir mehr Organisation?

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Die Frage diese Woche: Brauchen wir mehr oder bessere Organisation als Designer? Eine Lobby? Die Verbände, die wir haben – AGD, BGD und so weiter – scheinen gemessen an den Kammern der Ärzte oder Architekten und selbst an den starken Gewerkschaften von Angestellten wenig schlagkräftig zu sein. Politisch haben wir Designer kaum Einfluss, ansonsten wären Desaster wie die Freiberufler-Debatte vor einigen Jahren (Scheinselbständigkeit) oder die derzeitige Diskussion um die Zwangsabgabe von Kunden an die KSK undenkbar. Auch in der Öffentlichkeit ist die Wahrnehmung von Design als Leistung bestenfalls diffus, irgendwo zwischen bravem Dienstleister und abgehobener Primadonna. In der Presse, wo Architekten und Dramaturgen regelmäßig in Interviews Stellung zu ihrer Branche und der Gesellschaft als Ganzes beziehen, tauchen Kommunikationsdesigner so gut wie gar nicht auf, die Produkdesigner wenigstens etwas, weil es hier mir Grcic und Starck wenigstens ein paar Stars gibt. Während Architekten bei Wettbewerben Geld bekommen und Publikationsbeiträge gratis sind, ist es bei uns tendenziell umgekehrt: Pitch muss aus Kundensicht am besten umsonst sein, aber eine Award-Publikation kostet ordentlich, selbst die Teilnahme an Wettbewerben ist schon ein Kostenfaktor. Außer Erik und Fons finden Designer kaum in der Öffentlichkeit statt – ein deutscher Sagmeister ist nicht annähernd in Sicht.

Was könen wir tun, um das zu ändern?

Fehlt uns eine klare Lobby in Politik und Wirtschaft, Medien und Öffentlichkeit? Oder reichen die jetzigen Verbände? Wenn mehr passieren müsste -  wie sähe dies aus, und wie würdet ihr das Ganze organisieren, welche Chancen und brachliegenden Potentiale gibt es?

Steigt auf die Soapbox und lasst Dampf ab, sagt eure Meinung, teilt euch mit.

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Die Soapbox gibt es jeden Mittwoch – eine Frage zum Bereich Design im weitesten Sinne, um die wir uns hoffentlich wortstark streiten können. Steigt auf die Seifenkiste und sagt eure Meinung in den Kommentaren. Wenn jemand einen Vorschlag für ein Thema hat, freue ich mich drauf: schellnack@nodesign.com.

13. August 2008 14:03 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 8 Antworten.

Sigur Ros: Palladium Köln

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Was soll man über Sigur Ros noch sagen, was man nicht schon bei anderen Konzerten geschrieben hat? Das Epische, fast Religiöse der Musik, der stets etwas gleiche hypnotische Crescendo-Aufbau von Harmonien und Arrangement, der die monotone Emotionalität der Wiederholung eines Gorecki in die Pop-Rock-Welt hinüberrettet, gebrochen durch die vertrauten frickeligen Uhrspiel-Melodien, die ihre Fugen in das monumentale Gerüst der Musik ziehen.

In Köln überraschen Sigur damit, dass sie extrem wenig Material des neuen Albums präsentieren. Ich hätte gedacht, eine CD die so sehr nach Neu-Definition klingt, nacht Re-Orientierung, hätte auch ein deutlich anderes Konzert bedeutet. Aber keineswegs, Sigur präsentieren vielmehr das vertraute Best-of-Set (Svefn-g-englar, Glosoli, Sé Lest usw), dass man mit leichten Abwandlungen schon von vorherigen Konzerten kennt. Es gibt viele Höhepunkte an diesem Abend, eine simple, aber geschmackvolle Lichtshow, die nicht von der Musik ablenkt, ein minimalistisches Bühnenbild, und kleine wunderbare Gimmicks – wie die bei Sé Lest erstmals auftauchende Bläserkapelle (wie bei der letzten Tour), oder den nicht enden wollenden Konfettiregen, der so simpel ist und doch für einen Moment fast magische Stimmung schafft.

Die Band spielt unprätentiös, wie gewohnt, ohne große Ansagen, ohne großen Pathos (der steckt ja reichlich in der Musik), multiinstrumental, sehr live und mit viel Spaß. Es macht Freude zuzusehen, wie Keyboarder Kjartan Sveinsson den Beat der Stücke massiv mittrampelt, wie Drummer Orri Dyrason den Abend mit einer aufblasbaren Plastikkrone herumläuft und alle sichtloich Spaß haben – und das obwohl die Halle beileibe nicht ausverkauft ist und das Publikum zwar sehr intensiv klatscht, bei den Songs an sich aber kaum mitgeht… was bei der Musik von Sigur sicherlich auch nicht immer möglich ist. Die Zugabe, Popplagið,  ist wie immer ein Epos, ein Gewaltakt, und setzt dem schon phantastischen Gobbledigook, das den egentlichen Konzertteil beendete und von zig Trommeln und dem klatschenden Publikum getragen wurde, noch einmal die Krone auf. Wunderbar brachial sprengt der achte Track des () Albums alle Grenzen des live machbaren und vielleicht erwartet man nach dieser Monumental-Rock-Zugabe einfach, dass die Band Ende macht – Ende machen muss. Hiernach geht nichts mehr. Weswegen eine Menge Leute bereits den Saal verlassen haben, als Jón Þór mit den Bläsern, Bassist Georg Hólm, Keyboard und Bläser noch einmal die Bühne betreten. Ohne sein David-Bowie-esques Bühnenoutfit, seltsam nackt und verletztlich, mit riesig wirkenden Händen an dünnen Armen, die die Noten zu kneten und formen scheinen, singt Jón den Track All Allright, den kontemplativen Schlußtitel des neuen Albums. Und siehe da, nach der Wucht von Popplagið geht eben doch noch etwas – ruhige Einkehr nach dem Wall of Sound. Nach fast zwei Stunden ist dann Schluss und alles ist tatsächlich gut.

Nach dem Break ein paar Pix von Steff…

(weiterlesen …)

12. August 2008 12:47 Uhr. Kategorie Live. Tag . Eine Antwort.

Sichert euch die Matroschka!

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Das PlanetMatroschka-Poster ist in A1 heute angekommen und ich kann alsbald meine Aufgabe 07 beenden. Abgesehen davon, dass ich eine Stunde lang versuchen muss, 50 dieser Plakate für 2 Euro zu verkaufen, bleiben sicher mindestens 50 übrig.
Für 2 Euro plus Porto/Package könnt ihr sie euch sichern. Schickt uns eine eMail an schellnack@nodesign.com, gebt eine Bestellmenge an (maximal 5 Plakate) und ob ihr die Sachen auf A4 gefaltet haben wollte (billiger, aber Falten im Poster) oder per Rolle verschickt (teurer, aber eben ohne die Falten). Ihr kriegt dann, wie bei den nobooks eine Mail mit der Kontonummer, überweist und die Sachen gehen nach und nach raus – mir tun Jan und Bianca jetzt schon leid :-D

8. August 2008 15:18 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 2 Antworten.

Logan’s Run

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Ich bin seit eh und je ein großer Freund der schlichten, aber sehr smarten Arbeiten von Tom Muller. In seinem Blog erzählt Tom etwas über die Entstehung eines Plakates zum grandios trashigen 70s-Film Logan’s Run mit Michael York und der damaligen Sex-Ikone Farrah Fawcett-Majors. Das Ergebnis ist ein fertiges, in seiner 2001-Ästhetik kaum zu überbietendes Plakat und ein Vorentwurf, der ebenfalls phantastisch ist. Ich mag den ersten Entwurf aufgrund seiner Komplexität und dem Verständnis der Storyline sehr, vor allem ist die Grafik einfach gelungen – der perfekte Blend von Komplexität und Simplicity. Aber der finale Entwurf hat in seiner modernen, kühlen und trotzdem klar die Siebziger zitierenden Plastik-Ästhetik und dem surreal wirkenden Bild auch Siegerqualitäten, vor allem passt die Typo auch besser zum Thema. Beide Plakate können das unglaublich großartige ursprüngliche 70er-Style-Plakat nicht toppen – das wollte Tom auch bewusst nicht – zeigen aber, wie «anders», wie modern und inspirierend Filmplakate sein können, wenn sie nicht vom Marketing diktiert werden und ergo eine Star-Kopf-Montage mit viel Trajan sein müssen. Das Plakat gibt es hier in einer limitierten Auflage zu kaufen.

7. August 2008 11:31 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 2 Antworten.

/ Soapbox / 02 / Haben wir zu viele Designer?

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Die Frage diese Woche: Gibt es zu viele Designer? Jedes Semester strömen hunderte von fertigen Kommunikationsdesignern aus den FHs und Privatschulen in Deutschland, mehr oder minder begabt, die alle um die schwindenden Etats kämpfen. Druckereien, Werbeagenturen, Rentner, Studenten, und sogar völlige Laien bieten heute Leistungen an, die vor 20 oder 30 Jahren noch in den Händen weniger Profis gebündelt waren. Otl Aicher und Willy Fleckhaus waren Halbgötter. Heute hat billige Hard-/Software hat das Design demokratisiert, und der Markt, in dem früher wenige Designer einer breiten Kundenschicht gegenüber stehen hat sich gewandelt. Heute hat der Kunde die freie Wahl zwischen Designern, die um seine Etats buhlen und sich gegenseitig unterbieten und anbiedern. Pitches selbst für Kleinstetats werden Alltag, der Profilierungsdruck der Designer wird immer prekärer, weil der Markt überflutet ist und die Kunden nicht wissen, wie man gute von schlechten Designern, Blendern von Könnern unterscheidet.

Auf der anderen Seite… ist es nicht toll, wenn es viele Designer gibt, wenn Design als Werkzeug jedem Laien mit einem PC zugänglich wird? Wird die Welt so nicht besser gestaltet sein – oder zumindest ein weiteres Ausdruckswerkzeug in die Hände der breiten Masse gelegt? Man würde doch auch nie sagen, dass es zu viele Bäcker oder Friseure oder Dachdecker gibt… Konkurrenz belebt das Geschäft und der Kunde profitiert von der größeren Auswahl und dem stärkeren Leistungsdruck.

Wie seht ihr das? Was ist eure Meinung? Haben wir zu viele Designer, oder vielleicht sogar zu wenige? Was sind die Folgen, was sind die Chancen – und was kann man tun in dieser Situation?

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Die Soapbox gibt es jeden Mittwoch – eine Frage zum Bereich Design im weitesten Sinne, um die wir uns hoffentlich wortstark streiten können. Steigt auf die Seifenkiste und sagt eure Meinung in den Kommentaren. Wenn jemand einen Vorschlag für ein Thema hat, freue ich mich drauf: schellnack@nodesign.com.

6. August 2008 13:52 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 39 Antworten.

Alex Toth

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Steve Rude, einer der populärsten Künstler der US-Comicszene (Nexus) wird hier von Alex Toth, einem inzwischen verstorbenen Giganten der Branche, in einem Review förmlich in Stücke gerissen. Obwohl die Zeichnungen und das Storytelling oberflächlich gelungen sind, sieht Toth mit Laserblick die Schwachstellen der Arbeit des 1986 noch relativ unbekannten Steve Rude. An sich nicht weiter erwähnenswert, wäre da nicht die letzte Seite von Toths Reaktion an Rude, die sich zwar eigentlich auch um das Zeichnen von Comics dreht, aber eine tiefere, grundlegendere Resonanz hat, die eben auch sehr viel mit Design – eigentlich aller kreativen Arbeit – zu tun hat.

3. August 2008 19:52 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

David & The Citizens: Until the Sadness is Gone

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David Fridlunds 2002 erschienene CD Until the Sadness is Gone bringt einen fröhlichen EthnoPop, mit leichten Klezmer-Anklängen, englischen Texten und einem relativ durchgehenden Mix aus Gute-Laune-Sommerfeeling und Songs mit mehr als einer guten Prise Melancholie. Trompete, Klarinette und seltsame Percussioninstrumente halten die an sich sehr bandorientierte Indie-Mixtur spannend und lebhaft. Vieles hört sich an wie Get Well Soon mit sehr viel mehr mehr Adrenalin (Graycoated Mornings) oder wie straightere Kaizers Orchestra (Long Days). Es ist fast seltsam, dass der Musik so wenig von ihrer schwedischen Heimat anhaftet, die Musik wirkt global, vermischt die verschiedensten Einflüsse und wird so unverortbar. Wie silbrige Fische durchgleiten die verschiedensten musikalischen Vorbilder und Einflüsse (Belle & Sebastian, Violent Femmes, Jam, Nick Cave und und und) den Soundmix von David & The Citiziens, werden aber nie so dominant, dass es störend wirkt und von dem unverschämten Gute-Laune-Effekt der Band ablenkt, der seinerseits nicht den Blick dafür verstellen sollte, das die Band mehr hergibt als nur fröhliche Power-Pop-Hooklines, sondern auch die eher dramatische Tonlagen bedienen kann (As You Fall). Obwohl die Songs sich in einem klaren konzeptionellen Gerüst bewegen – schrammelnde Akustikgitarren, treibende Schlagzeuge, tanzende Bässe und darüber jede Menge Ethno-Akzente, zusammengehalten von einem unglaublichen Gespür für glasklare Strophen und eingängige Refrains – wird das Album nie langweilig, jeder Song treibt in eine etwas andere Ecke des Folkpop-Spielfeldes und bereichert die Platte, ohne jemals aus dem Ruder zu laufen. Aus jedem Song perlt Lebensfreude – und das obwohl die exzellenten Texte durchaus ernst zur Sache kommen und mit ihrem Schwermut häufig fast kontrapunktisch zur Musik laufen. Keine neue, aber eine extrem feine Platte, die heute so aktuell und frisch klingt wie vor sechs Jahren, jenseits allen Hipstertums, und perfekt in die Jahreszeit passt.

14:49 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Eine Antwort.

The Ting Tings: We Started Nothing

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Das Debutalbum von Drummer Jules de Martino und Sängerin/Gitarristin Katie White erinnert bereits vom Cover her an Blondie. Zeitgemäß übertragen wirken die Ting Tings ebenso wie das NewWave-Pop-Crossover, dass in den Siebzigern Deborah Harry und Chris Stein in New York lostraten. Spätestens seit dem EM-Erfolg des White-Stripes- Seven Nation Army und Bands wie den YeahYeahYeahs dürfte klar sein, das Musik, die nahezu minimalistisch an die Basics von Drums/Guitar/Bass zurückkehrt, absolut charts-tauglich sein kann. Während Jack & Meg White aber zu verstrahlt sind, um wirklich den großen Durchbruch zu wollen und die YeahYeahYeahs zu sperrig für den Mainstream, scheinen die Ting Tings klar auf den Chartserfolg programmiert. Great DJ, That’s not my Name und der iPod-Werbejingle Shut Up and Let me Go sind absolut radiotauglich und sitzen so präzise an der Schnittstelle von Indie, Hipstertum und Mainstream, wie eben auch Blondies Denis (oder später vor allem Heart of Glass) den New Wave für die breite Masse aufkochten. Man kann nur hoffen, dass uns ein Call me-Gegenstück im weiteren Verlauf der Bandkarriere erspart bleiben möge.

Aber auch wenn man bei Shut up and let me go unfreiwillig an Rapture denken muss: Wo Blondie einen fast überbordenden Wall of Sound fuhren, wirken die TingTings sehr aufgeräumt, rauher, direkter, weniger überproduziert, zumal Katie Whites Stimme nicht die honigweiche Qualtät von Debbie Harry hat, sondern eher eine moderne Kühle und Kratzbürstigkeit an den Tisch bringt. Simple, gerade Beats, zackige Gitarren und eine GoGo-Straightness verleihen der Musik eine direkte, fast naive Fröhlichkeit. Songs wie Traffic Light oder Be the One, die sich etwas von diesem Konzept entfernen, zeigen dann auch schnell die musikalischen Grenzen der Band auf – jenseits des Neo-Brit-Wave trägt das Konzept der Ting Tings nicht wirklich, die Musik wirkt dann schnell weich und beliebig. Insgesamt spielt das Album verschiedenste Stile durch, nicht immer überzeugend, aber immer gutgelaunt und nie wirklich langweilig, was bei den reduzierten Möglichkeiten der Band zu vermuten gewesen wäre. The Ting Tings bringen die Rohheit der White Stripes und der YeahYeahYeahs durch einen Gang-of-Four-Fröhlichkeitsfilter in die Charts – und das kann so schlecht nicht sein. Das man mit Bass, Gitarre und Schlagzeug natürlich sehr viel mehr machen könnte – man denke an den dichten Sound, den The Police aus der gleichen Besetzung melkten – ist wohl wahr, aber bei der durchgehend guten Laune, die We Started Nothing verbreitet, irgendwie auch vernachlässigbar. Natürlich sind die Ting Tings ein Reißbrettprodukt – ein Mix aus Indie-Edginess und stoischem Garage-Rock-Minimalismus, ein paar hippe Analogsounds, ein bisschen Girlpower, ein bisschen 80s-Nostalgia und vor allem jede Menge Tanzbarkeit.  Insofern keine Platte, die man haben muss, aber sicher eine, die man haben kann, weil sie ein nettes Stück Pop ist. Zumal ich recht sicher bin, dass sich niemand für das zweite Album interessieren wird.

2. August 2008 10:28 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

Spray

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1. August 2008 15:23 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . 3 Antworten.

Hothothot

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13:09 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . 4 Antworten.


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