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PUMALOVE

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Wie absurd, dass einem ein Puma-Schuhkarton fast mehr Spaß macht als der Laufschuh darin. Die Package ist schlicht, aber souverän gestaltet – und nahezu jede Seite der Verpackung strotzt vor Witz und Humor, hochsimpel gestaltet, aber grandios gedacht. So toll, so unterhaltsam, so wunderbar spaßig kann Design sein. Etwas rot, etwas weiß, etwas DIN, ganz schlichte Piktogramme im schlichtestdenkbarem Layout ergeben zusammen einfach großartige Gestaltung. Ich weiß nicht, wer dafür verantwortlich zeichnet, aber es ist so humorvoll wie die Arbeiten von karlssonwilker, nur etwas straighter. Es heißt immer, ich mäkele an allem herum. Hier ist ganz ohne jedes Meckern die Verbeugung vor grandioser Arbeit, die Sorte Job, die man gern selbst gemacht hätte. Ganz großes Kino.

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/ SOAPBOX / 01 / WAS TAUGT DIE AUSBILDUNG?

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Bevor im Blog vor lauter Missions-Eifer das Design untergeht, ein neues Experiment: Die Soapbox.

Ein Design-Gespräch über Fragen, die ich oder ihr vorschlagt (email an schellnack@nodesign.com). Das können generelle Themen sein, oder wir besprechen ein Design, ein Magazin, ein Plakat oder ein Logo ausführlicher – was uns an dem Tag halt gerade durch den Kopf geht und wofür gerade die Zeit ist. Immer am Mittwoch, damit der Freitag für den Fontblogzoff frei bleiben kann :-D. Bin gespannt, ob wir das gemeinsam ans Laufen kriegen. Diskussion, Fragerunde, Streit, Review – alles geht. Gastfragestellungen sind mir mehr als absolut willkommen.

Da es brandneu ist, mache ich den Anfang mit einer Fragestellung zu Thema Ausbildung:

Wie steht es eurer Meinung nach die Ausbildung zum Designer?
Passieren da spannende neue Dinge oder stagniert das, ist BA/MA ein Fortschritt oder ein Rückschritt, was ist entscheidend, um an Jobs zu kommen, sind die Dozenten auf den Wandel in der Branche vorbereitet, sollte man weniger Studenten zulassen, um den überfüllten Markt zu beruhigen, ist das Studium zu lang/zu kurz, wie sähe euer Traumstudium aus, wie wichtig ist Praxiserfahrung und und und…

Alles rund ums Studium also.
Ich hoffe, irgendeiner schreibt was  – solche Experimente machen mich immer Bange.
(Und ja, Irrlicht geht auch bald weiter… :-D)

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THE NOTWIST: THE DEVIL, YOU + ME

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Die Pause nach Neon Golden scheint ewig, und doch scheint keine Zeit vergangen zu sein. Die Indie-Titanen haben sich auf The Devil, You & Me weiterentwickelt, ohne sich verändert zu haben. Die Songs wirken weniger console-like, sind trotz Marzin Gretschmanns klarer Präsenz wieder akustischer, homogener, weniger zerfrickelt. Markus Achers Stimme trägt die Songs wie eh und je, mit jedem Album mehr von der «Stimme» zum Sänger wachsend. Die große Überraschung ist, dass The Notwist mehr als zuvor auf klassische Instrumente setzen, sogar auf Streicherkaskaden, die gegen Gretschmanns gewohnt wunderbar dekonstruierte elektronische Klangwelten ankämpfen und die Musik teilweise an die Grenze von Múm vs. Sigur Ros bringen, ohne jemals wirklich an eine dieser beiden Bands zu erinnern. Es mag daran liegen, dass Drummer Mecki Messerschidt die Band verlassen hat, aber die Songs wirken (noch) introvertierter, von jedem harten klar verortbaren Groove befreit, eine Mischung aus akustischen Gitarren, Glockenspielen, Streichern, Pianos, Trompeten und den unverwechselbaren Elektroklangwolken, eine Art sphärischer Neo-Folk. Jeder Song ist zugleich in seiner harmonischen Struktur von verblüffender, hypnotischer Einfachheit, in der Strukturierung, den Klangfragmenten, die die Musiker wie Pixel arrangieren, jedoch verblüffend.

Insgesamt wird deutlich, dass Notwist weg wollen von der digitalen Hyperperfektion des Vorgängers und bei allem dekonstruktivstischen Umgang mit Tonschnipseln im Hintergrund mehr von den Lagerfeuer-Folktönen eines José Gonzales oder von der Leichtigkeit vieler neuer FolkPop-Produktionen fasziniert scheinen, in denen eine Gitarre, etwas Rhythmus und Ambience und eine faszinierende Stimme einen ganzen Song tragen können. So entsteht eine seltsame Melange, eine Platte, die man über Boxen durchweg als softes Popalbum hören kann, die über Kopfhörer aber eine Welt hinter den einfachen Melodien eröffnet und mit großer Detailliebe verblüfft, die aber – anders als beim Vorgänger – niemals so weit nach vorne dringt, dass die Kompositon davon überwältigt werden könnte. So gesehen ist The Devil, You + Me eine aufwendigst unterproduzierte Platte, die alles tut um bloß nicht «designed» zu wirken, was – wie wir alle wissen – der schwerste aller Tricks ist. So perlt eine fröhliche Naivität aus den Boxen, ein fast improvisiert wirkendes Flair, das bei aller Melancholie der Songs durchkommt. Nach den zahlreichen Soloprojekten (Console, Ms John Soda usw. ) und einem nur inoffiziell veröffentlichtem Zwischenalbum 13 &  God kommen Notwist zum Kern der Sache zurück. Es fehlt das Flair eine Hits wie Chemicals oder Pilot, sicher, aber dafür ist die Platte vielseitiger, erwachsener und profitiert hörbar von den Erfahrungen, die die einzelnen drei Mitglieder in den vergangenen sechs Jahren gesammelt haben. Das Album dokumentiert die ruhige Unruhe, die das ganze Oevre der Band durchströmt, und könnte kaum besser ausgefallen sein. Kein Meisterwerk, aber eine ruhige, souveräne Evolution – man darf nur hoffen, dass die nächste Scheibe nicht wieder sechs Jahre auf sich warten lässt.

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MISSION 07 > AUFGABE

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DESPERATE TIMES…

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Es scheint so,als sei die Windows-Welt derzeit etwas verzweifelt. Während Microsoft User in ein Wüsten-Workcamp einlädt, um Ihnen angeblich in der Mojave ihr nächstes Betriebssystem vorzustellen und Statements sammelt, es sich aber in Wirklichkeit – haha – um Windows Vista handelt, versucht Dell einen iMac-Killer an den Start zu kriegen. Vista wird nun aber leider auch im Blindtest und durch schlichte Nutzer-Irreführung nicht besser, ein bisschen rumspielen an etwas, was man für eine Beta halten darf, ist nicht zu vergleichen mit einem echten Test einer Software – und Vista ist und bleibt B-Ware. Dells Hybrid Studio mag den Vergleich mit dem (eventuell bald auslaufenden Mac Mini bestehen), aber als Set mit Monitor sieht es so aus, dass man schlechtere und weniger integrierte Hardware für mehr Geld kauft. Ein Dell Hybrid mit 24″ Monitor  und 4 GB RAM, an den 320 GB Harddisk und der unbefriedigenden OnBoard-Grafik kann man nichts ändern, schlägt mit 1914  zu, das schicke Bambus-Gehäuse kommt nochmals mit 130 Euro extra zu Buche. Ein 24″ iMac mit gleicher Festplatte, 4 GB, aber besserer Grafikkarte liegt bei 1759 €. Und ist generell das integriertere, bessere Gerät. Hat da jemand bei Dell nicht aufgepasst?

Microsoft muss schummeln, um sein OS besser dastehen zu lassen? Dell, der größte PC-Anbieter auf dem Markt, kriegt keinen ordentlichen Rechner hingestellt, der dem iMac den Garaus machen könnte? Es ist schon absurd, dass Marktführer es nicht hinkriegen, ein vergleichbares Produkt auf die Beine zu stellen, obwohl das doch eigentlich machbar sein sollte.

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MISSION 07 > VOTE

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Los gehts – ab jetzt könnt ihr bis morgen früh abstimmen, welche Mission diese Woche dran kommen soll. Bitte denkt bei der Abstimmung auch daran, ob eine Mission sich dazu eignet, gut dokumentiert zu werden usw.

{democracy:8}

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SIGUR ROS: Með suð í eyrum við spilum endalaust

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With a buzz in our ear we play endlessly, so lautet grob übersetzt der Titel des fünften Studioalbums von Sigur Rós, von U2/Depeche-Mode-Starproduzenten Flood auf die Wege gebracht und in vieler Hinsicht auch das kommerziellste, was man seit einiger Zeit von Jon Thor und seinen Mannen gehört hat. Vielleicht sinnvoll, hatten die Isländer ihren vertrauten Sound doch schon auf Takk in eine Form gebracht, die sich kaum weiter voran treiben ließe. Obwohl Tracks wie Festival sicherlich an den hymnischen Sound von Sigur anknüpfen, wirkt das Album insgesamt – immer im Kontcxt des Soundkosmos der Band – etwas kraftvoller, rockiger und zugleich frickeliger, weniger episch. Schon am Cover, das mit Ryan McGinleys Highway-Photo und einer hingerotzt wirkenden Handschrift weniger ätherisch, verspielter wirkt und sogar deutlich lesbar den Bandnamen preisgibt, statt sich in Pink-Floyd-Ästhetik zu hüllen, scheint eine Umorientierung ablesbar.

Ob diese Kurskorrektur nun gut oder schlecht ist, weg vom gravitätischen, hin zum fast humorvoll beschwingten, raus aus den Winterwäldern, rein in den Swimmingpool – wer weiß? Nach dem eher introvertierten Hvarf-Heim ist dieses Album jedenfalls beschwingter, kippt oft in stampfende Beats, die fast etwas polkahaftes haben, einen Hauch Dorffest, dieses emporziehende, mitreissende, euphorisierende Feeling von Volksmusik. Selbst Tracks we das entsetzlich U2-geschädigte Gódan daginn wirken in diesem Kontext nicht so deplaciert, wie sie auf wirklich jedem anderen Sigur-Album gewesen wären. Oft hat die Platte die Kraft des ersten Polyphonic-Spree-Albums, eine energetische Explosion aus Farben und Tönen, die man mehrfach hören muss, um sie überhaupt sortieren und verarbeiten zu können, eine Lautmalerei, dir nur oberflächlich kakophonisch anmutet. Obwohl schneller produziert als alle Sigur-Alben zuvor wirkt die Produktion zwar luftiger, aber keineswegs weniger tief als zuvor. Nur sind die Schattierungen heller, pastelliger, oft ekstatischer.

Und doch: Kein Track auf diesem Album bleibt kleben. Nun schreiben Sigur Rós keine glatten Mitsing-Hits, aber es gab auf jedem der bisherigen Alben Melodien und Songs, die so subkutan wirkten, dass sie unvergesslich sind – diese monomanische Emotionalität bringt hier kein einzelne Song, auch nicht bei mehrfachen Hören. Mit einem Bein verdächtig oft im seichten Wasser stehend, plätschern die Songs dahin, oft schrecklich nah an postmoderner Fahrstuhlmusik, am Esoterischen. Vielleicht ist mir das Album einfach zu fröhlich.

Alles in allem ist Með suð í eyrum við spilum endalaust der unbedingte Wunsch nach Wachstum, nach Evolution anzuhören. Andere Produktionsbedingungen, anderer Producer, anderes Land. Das hier ist eine Band, die mit allen Mitteln versucht, sich neu zu erfinden, ohne sich gänzlich untreu zu werden, die sich ins Fast-Nichts (Straumnes) ebenso vorwagt wie ins Fast-Zuviel (�?ra bátur) und sich neu konfiguriert, sich mutiger an den Mainstream-Appeal heranwagt, ohne dabei jemals aber eine Coldplay-hafte Kommerzialität zu entwickeln. Fast jeder Song hat – stets zusammengehalten durch eine endogene Melancholie – einen anderen Touch, untersucht andere Gefühle. Es wirkt als hätten Sigur sich auf dem Weg in die kreative Sackgasse gefühlt und einfach einmal mit Lust etwas komplett Neues machen wollen. Ob besser oder schlechter als andere Alben, dieser Impuls ist sicher der richtige und begrüßenswert. Und so ist das fünfte Album der Isländer Testament einer Band, die international angekommen, musikalisch an ihre Grenzen und darüber hinaus gegangen ist – ganz sicher die Sorte Platte, die man wieder und wieder hören und entdecken kann.

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SCHATZJAGD DIE DRITTE

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Rain verarbeitet ein Trauma…das Comic ist so gut, vielleicht sollte René mal Missionen erfüllen müssen :-D.

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ELBAGRILLEN

Rund um den Clownfisch-Beitrag zum NRW-Tag in Wuppertal entsteht ein Grillkult, der jetzt auch Christoph Wilde eingefangen hat. Dabei kam unter anderem dieses schöne Photo zustande, von einem (wahrscheinlich nicht echten) Eames Chair vor der Industriewand.

Christian Hampe und Beate Blaschczok von Clownfisch suchen immer noch Designer und Künstler aller Art, die Lust haben sich am Designmarkt oder an der Ausstellung zu beteiligen, ganz zu schweigen von der nächsten Clownfisch, die noch Artwork und Texte VON EUCH brauchen kann – Thema der Ausstellung und des nächsten Kulturmagazins ist Schöpfung. Meldet euch HIER, es wäre toll, wenn ihr dabei seid.

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MISSION 07 >28.07.-04.08.

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Ich bin gerade ein bisserl krank und die Wochen ist scheinbar vorbeigerast – es kommt mir seltsam vor, dass schon wieder Montag ist und wie schon wieder Aufgaben suchen und ich schon wieder etwas Angst haben muss vor dem Ungewissen :-D. Freu mich auf eure Ideen…

Die Sache
Ich versuche, 25 Wochen lang Aufgaben zu erledigen, die meinen Alltag durchbrechen, die interessant, spannend und möglichst kreativ sind. Die Aufgaben kommen von euch und werden im Blog vorgeschlagen, abgestimmt und dokumentiert.

Die Vorschläge
Montags könnt ihr in den Kommentaren  hier Ideen abgeben für die Mission der Woche.

Die Ideen
Gesucht sind kurze «Anweisungen»
- kurz formuliert.
- zeitlich und finanziell realistisch im Büroalltag zu realisieren. Keep it short and sweet
- die ein schönes Ergebnis, Bild, Song, Photo, oder eine Aktion ergeben.

Wer kann mitmachen?
Alle.

Das Voting
Den gesamten Dienstag wird online live abgestimmt.

Die Mission
Erledige ich (und die armen anderen Leute hier) von Mittwoch bis Montag und zeige die Ergebnisse im Blog.

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HAUTBERATUNG

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Ein PS: Diese tote Fliege hing tatsächlich genau so im Schaufenster einer Apotheke. Titel des Posters: Jetzt: Gratis-Aktion: Hautberatung.

Scheint zu spät.

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MISSION 06 > OBJECTS ON YOUR REARVIEWMIRROR MAY APPEAR CUTER THAN THEY ARE

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Ich hätte bei der sechsten Mission gern auch die Eigner einiger Autos abgelichtet, zumal man schnell anfängt, über die Marken, Besitzer usw. zu spekulieren, wenn es darum geht, wer seinen Rückspiegel verziert oder unverziert lässt. Aber einerseits ließ sich fast niemals jemand finden, und bei den beiden Gelegenheiten, wo die Chance bestand, schauten die Leute so derart paranoid, dass ich sie lieber in Ruhe ließ. Anscheinend wirkt es beunruhigend, wenn man mit einer Kamera auf Parkplätzen und Innenstädten in Autos hineinphotographiert :-D.

Ich hätte vor allem meinen Polfilter mitnehmen sollen, teilweise sind die Objekte wegen des strahlenden Sonnenscheins und der Reflektionen in den Windschutzscheiben etwas schlecht zu erkennen, aber das regt ja vielleicht die Phantasie des Betrachters an. Weiterlesen…

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INFADELS: UNIVERSE IN REVERSE

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Das Londoner Quintett um Sänger Bnann legt das stets schwierige zweite Album vor – und scheitert am eigenen Erfolg. Wo die erste Platte einen schönen tanzbaren Mix aus Gitarre und Spätachtziger Rave-Sounds hatte, recht simples aber beherztes Songwriting mit einer guten Ladung Dreck aus den Boxen rotzte und live auch absolut überzeugte, wirkt die zweite Plate seltsam überproduziert und zugleich lahm. Die blubbernden Roland-Acid-Sounds sind mehr Klavier und bombastischer Produktion gewichen, die Songs wirken geradliniger, mehr Stadionrock als Dark Disco.

Es ist eine kritische Sache für eine Band, ihren Sound weiterzuentwickeln – zu wenig und die Fans werfen dir Stagnation vor, zu viel und du vergraulst sie direkt. Aber es gibt Entwicklingssprünge, die respektierst du als Zuhörer, weil die Band sich offenbar entfaltet und weiterentwickelt – sie fordern viel von dir und verschrecken vielleicht sogar, aber zugleich ist klar, dass hier eine Neudefinition, eine Spektrumserweiterung stattfindet und du mitgehen kannst. Universe in Reverse ist das genaue Gegenteil. Das erschreckende an diesem Album ist, dass es die typische zweite Produktion ist, auf der das Management und/oder die Band einfach einen Hit wollen. Das Ergebnis ist straighter Indierock ohne Ecken und Kanten, Mitsing-Refrains und Frankenstein-Melodien, die man irgendwie irgendwo alle schon mal gehört hat. Nicht selten erinnert diese Melange aus Rockpop und Bnanns ja durchaus markanter Stimme dann frappierend an einen härteren Robbie Williams – beileibe nicht die Sorte Assoziation, die man haben will, wenn man eine Indie-CD einlegt. Was vorher nach engen heißen Clubs klang, ist jetzt für die große Bühne, den großen Pathos umgestrickt – und dabei erreicht nicht ein einziger Song auch nur näherungsweise das Niveau des Debuts, wobei Code 1 noch am nähesten dran ist. Schon das Debut war kein großes Abum, aber immerhin die Sorte Platte, die du ganz durchhören kannst und die mit Love Like Semtex und Jagger67 zwei großartig tanzbare Songs vereint.

Während also der Erstling dem Britpop 3.0 ewas halbwegs neues mit auf den Weg gab, diese seltsame Mischung aus Elektro und Indiepop, ist Universe in Reverse die Sorte Platte, die beim ersten Hören ein Kopfschütteln kriegt und die man auch so bald wirklich nicht wieder herauskramen wird, weil sie unehrlich wirkt und mehr auf Kommerz, Open-Air- und Radiotauglichkeit ausgerichtet als auf die natürliche musikalische Weiterentwicklung einer Band. Das Ergebnis ist einfacher Haudrauf-Prolorock für Menschen, die auch Fury in The Slaughterhouse gut finden dürften. Schade drum.

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THOMAS MANN: DER ZAUBERBERG

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Thomas Manns Zauberberg gehört zu den wenigen Büchern, dass ich nie ganz gelesen habe, obwohl ich es wollte – Gödel Escher Bach von Douglas Hofstadter ist das andere, allerdings aus völlig anderen Gründen. Beim Zauberberg ist es so, dass die literarischen Andeutungen, die thematische Dichte, die sprachliche Gewalt und der schiere Umfang des dazu noch nicht ideal lesbar gedruckten Taschenbuchs mich irgendwann einfach ermüdet und man nach einer Pause mit einem anderen Buch kaum mehr in Manns Textfluss hineinfindet. Nach zwei Anläufen mit dem Buch und einem dritten in der Planung, habe ich mich zwischendurch spontan entschieden, dem Hörbuch eine Chance zu geben. Ich bin anscheinend nicht der einzige, der den Buchberg nicht überwunden hat und insofern beim Audiobook gelandet ist, wenn man den Amazon-Kommentaren glauben darf.

Nun ist es so, dass ich normale Hörbücher – also mit nur einem Sprecher, der das Buch einfach vorliest – eher wenig ansprechend finde. Zum einen, weil die Stimme nicht «meine» Stimme ist, und insofern alle Charaktere falsch klingen, zum anderen weil ich es medial langweilig finde,  einfach ein Buch vorzulesen, das ist keine echte Übersetzung in ein anderes Medium. Und aus dem Alter, meine Bücher vorgelesen bekommen zu müssen, bin ich irgendwie heraus. Mt Hörspielen verhält es sich anders. Die oft sehr experimentellen Hörspiele von WDR und BR beweisen, dass man in diesem Medium hochkreativ einen Stoff dramaturgisch bearbeiten und erweitern kann und eine wirklich neue Inszenierung leistbar ist.

Die von Valerie Stiegele und von Ulrich Lampen 2000 für den Bayrischen Rundfunk produzierte Fassung vom Zauberberg kommt auf beeindruckenden zehn CDs daher, mit einem üppigen Sprecherensemble, subtiler Musik- und Geräuschkulisse und ist absolut liebevoll produziert – der enorme Aufwand, die Logistik, die dieses Epos gefordert hat, wird der Arbeit Manns an dem  tausendseitigen Werk im Umfang sicher mehr als gerecht.

Unweigerlich, selbst bei diesem Umfang von fast zehn Stunden, muss das Buch beschnitten gestrafft, gekürzt sein – aber Stiegele gelingt das Kunststück, dem dichtgewobenen Werk Fleisch abzutrotzen, ohne wirklich an Substanz zu verlieren. Die philosophischen Betrachtungen von Settembrini und Naphta, die komplexe Darstellung der Vorkriegsgesellschaft, die fein ziselierten Dialoge bleiben erhalten und die Hörlandschaft, die sich hypnotisch ruhig entfaltet, getragen von Udo Samels schläfriger Erzählerstimme, zieht den Hörer ebenso in den Bann wie das Berghof-Sanatorim Hans Castorp für sieben Jahre verschlingt. Dabei ist der Zauberberg eigentlich ein undankbarer Hörspielstoff, da das Buch weniger auf eine lineare Handlung oder gar einen Spannungsbogen setzt, als vielmehr auf metatextuelle Andeutungen, Anspielungen, Exkursionen – eine wahre Symphonie literarischer Art. Das herauszunehmen verlangt Mut, ist aber zugleich nicht unmöglich. Stiegele gelingt liebevoll die Kunst, dem Buch eine Zugänglichkeit zu verleihen, ohne die Dichte herauszunehmen. Der Figurenkanon wird wunderbar übersetzt, die grundsätzliche gesellschaftliche Debatte gestrafft und entschlackt, aber in den Grundfesten bewahrt, bis die tatsächliche Handlung – und der Stillstand auf dem Zauberberg – wunderbar emergiert, ohne dass die Substanz des Buches leidet. Es ist eine wahrhaft gelungene Übersetzung in ein Hörmedium, die dem anderen, weniger versunkenen Wahrnehmungsmöglichkeiten des Ohres gerecht wird. Die Inszenierung verlangt in  ihrer Art ebenso eine Vertiefung wie das Buch selbst, läuft aber zugleich fluide und logisch voran, stets so strukturiert, dass man als Zuhörer gebannt und hungrig bleibt, gefangen von dem Netz der Geschichte und ihrer Hintergründe.

Langsam, gravitätisch entfaltet sich die Geschichte von Hans Castorp, der sieben Jahre lang in die Krankheit, aus dem Leben des Flachlandes flüchtet, in eine moribunde Welt, in der Krankheit und Tod Freiheit bedeuten, eine entrückte Verwöhngesellschaft der ständig Klagenden, der heutigen Zeit gar nicht so unähnlich. Die Liebesgeschichte zu der von Karina Krawczyk wunderbar katzenhaft-verschlafen gesprochenen Clawdia Chauchat (übrigens schon so ein Ding des Hörspiels, dass mich die Andeutungen und Namensspielereien Manns, die oft aus dem Text reißen – wieso wird bei dieser Figur so vehement auf die Katze verwiesen?, im gesprochenen Text weniger stören, natürlicher wirken), die andere Liebe «in der elften Stunde» zum charismatischen Mynheer Peeperkorn, das schließlich als Schwätzerei entlarvte, aber tödlich endende Duell zwischen Freimaurer Settimbrini (großartig: Felix von Manteuffel) und Kommunist Naphta, schließlich der Donnerschlag, der den Zauberberg-Siebenschläfer aufweckt und das blasse Bürgersöhnchen Castorp als Kanonenfutter an die Front zwingt  – all das gewinnt im Hörspiel neben der intellektuellen Dimension der durch den Raum fliegenden Allusionen und Doppelbödigkeiten die spannende Triebkraft eines Krimis  – und das ist ein Kunststück, wenn man bedenkt, dass es doch eigentlich darum geht, dass nichts passiert, dass Stillstand und Trägheit herrschen. Die Hörspielfassung nimmt dem Buch die manchmal selbstverliebte, mitunter geschätzige Ausschweifigkeit, ohne es jedoch zu verstümmeln, setzt indirekte Berichterstattung in direkten Dialog, fokussiert und bündelt die Geschichte, und das mit Erfolg – die zehn Stunden vergehen wie im Flug, fast zu schnell.

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AKTE X – JENSEITS DER WAHRHEIT

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I want to believe ist der US-Originaltitel des zweiten X-Files-Films, abgeleitet von Fox Mulders legendärem UFO-Poster und sicherlich der Kernsatz der neunteiligen Mystery-Serie aus den Neunzigern, und glauben möchte man tatsächlich, dass es Frank Spottnitz und Serien-Erfinder Chris Carter, der hier für Regie und Co-Drehbuch verantwortlich zeichnete, gelingt, den Mythos der X-Files erneut zu entfachen. Nach den mehr als entäuschenden letzten beiden Staffeln, die aufgrund des ausscheidenden David Duchovny das Serienkonzept umstellen und verwässern mussten, und nach dem mehr als irritierenden Serienfinale, das mit Logik einfach nichts mehr zu tun haben wollte, wäre es eine schöne Coda einer ursprünglich einmal so wegweisenden TV-Serie, ohne deren Kreatitivät und Mut es sicherlich moderne Formate wie Lost oder Heroes nicht gäbe, gewesen, einen glaubhaften, gereift zum Kern der X-Files-Mythos zurückkehrenden Film zu produzieren.

So viel Konjunktiv weckt den Verdacht, dass der Film hätte, aber nicht hat – und tatsächlich gelingt es Carter nur punktuell, einen Film für X-Philes zu machen. Es gibt kleine Freuden: Mulders Bleistifte in der Decke, Sonnenblumenkerne, die immerhin beiläufige Erwähnung von William, Die Namen von Ex-X-Files-Produzenten John Shiban und Vince Gilligan auf Mulders Kurzwahlliste, Skinners Cameo im dritten Akt, Mulders Arbeitszimmer, sein Bart (auch wenn das per se ein Klichee ist,der bärtige Has-Been, der mit dem Akt des Rasierens wieder in den Sattel steigt.) Ansonsten aber strengt sich Chris Carter an, einen Film zu machen, der sich so wenig nach X-Files anfühlt, wie eben möglich. Bildsprache, Dynamik der beiden Hauptdarsteller, Plot, selbst die Musik ist anders. Das ist an sich lobenswert und ein guter Ansatz nach sechs Jahren Pause – einen neuen zeitgemäßen Einstieg finden, die gereiften Figuren anders präsentieren, als Handlung etwas anderes als die von der Serie vertraute Monster-of-the-Week oder Mythology-Schiene zu fahren. Es wäre ein lobenswerter Versuch, und am Anfang des Films schaut es danach aus, als würde es gelingen. Die erste Viertelstunde ist vielversprechend, verwirrend, vielschichtig, und durchaus mit Tempo inszeniert. Aber eine solide Viertelstunde macht keinen guten Film.

Die Geschichte, um die es eigentlich geht, ist im schlimmsten Sinne hanebüchener Unsinn, der auch niemals wirklich aufgelöst oder erklärt wird. Spottnitz und Carter schnitzen einen wackligen Thriller aus beliebigen Versatzstücken, aber die Geschichte wird niemals sinnvoll, die Handlung wird durch abstruse Zufälle und Sprünge überhaupt erst vorwärts getrieben, die Auflösung ist eher lachhaft albern. Wieso ein exilrussischer Schneepflugfahrer versucht, mit Hilfe russischer Ärzte, seinem homosexuellen Freund den Kopf auf einen neuen (Frauen-)Leib zu nähen, bleibt komplett nebelhaft und auch woher er die Mittel für die Operation hat, und welche Hintergründe das Ganze hat, wird nie erklärt. Dass es keinen Sinn macht, wenn hauptsächlich Frauen entführt werden, wo es doch eigentlich um die OP an einem Mann geht und der Täter als Homosexueller eigentlich wahrscheinlich auch einen Männerkörper bevorzugen dürfte – egal. Dass die Auflösung also den Aufbau des Falls negiert und die Fragmente nicht zusammenpassen – egal. Dass Father Joes hellseherische Begabung (das einig halbwegs X-Files-artige Element dieses ansonsten eher diffus an Se7en oder Schweigen der Lämmer erinnernden Plots) in keinerlei sinnvoller Beziehung zum Fall steht (abgesehen davon, dass der Mann mit dem abgetrennten Kopf von dem Priester dereinst als Messdiener misshandelt wurde) – egal.

Es ist vielleicht symbolisch zu verstehen, dass in diesem Film im Stile von Dr. Frankenstein Glieder aneinandergenäht werden, die nicht zusammenpassen wollen und ein abgehakter Arm hier und ein abgetrennter Kopf dort auftauchen – dies spiegelt tatsächlich das generelle Flair des Drehbuchs wider, das sich ähnlich nach Patchwork anfühlt. Der Fall an sich wirkt bereits wie aus drei Ideen und anderen Büchern zusammengeklaut, das gesamte Ambiente des Films ebenfalls (Wer muss bei den im Schnee herumstampfenden Agenten nicht an Fargo denken?), und eigentlich käme der Film bestens ohne Mulder und Scully aus und würde ebenso gut – oder besser ebenso schlecht – auch als normaler Thriller mit generischen Agenten funktionieren, vielleicht sogar besser.

Denn die Dynamik des X-Files-Duo im Film ist nicht logischer oder kohärenter als die mitunter langatmige Filmhandlung selbst. Anscheinend wohnen Mulder und Scully nach der Flucht vor dem FBI zu Ende der neunten Staffel gemeinsam, Scully arbeitet als Ärztin an einem katholischen Krankenhaus, Mulder hockt in seinem Arbeitszimmer und sammelt Zeitungsausschnitte. Sie hat sich von den X-Files verabschiedet und lebt ihr Leben weiter, er anscheinend nicht, wie ein Photo von Samantha an der Tür und das I WANT TO BELIEVE-Poster (wo kommt das eigentlich her – sollte es nicht noch im Keller des FBI hängen?) beweisen. Wieso Mulder nach wie vor vom Verschwinden und Tod seiner Schwester besessen ist, nachdem die Serie den Fall bereits völlig aufgeklärt hatte, SamanthasEntführung und ihr Tod geklärt und Mulder sogar zu unsagbar kitschigen Geigenklängen seinen Frieden mit dem Geist seiner Schwester machen durfte bleibt etwas rätselhaft. Hat Carter das schlichtweg vergessen oder – wahrscheinlicher – verdrängt?

Die beiden Figuren operieren – wie zu den schlimmsten Zeiten der Serie, als Termine und persönliche Antipathien die berühmten Folgen ergaben, an denen Fox und Dana mehr telephonierten als gemeinsam Fälle lösten – im Film weitgehend aneinander vorbei. Es gibt zwei komplett eigene Handlungsstränge: Während Mulder versucht, den Fall der verschwundenen FBI-Agentin zu lösen, sitzt Dana Scully am Fall eines kranken Jungen, den sie eventuell mit einer Stammzellentherapie heilen kann. Scully und Mulder verfolgen ihre jeweiligen Plot-Elemente völlig unabhängig voneinander und begegnen sich eigentlich nur, um sich zu streiten. Erst am Ende greift Scully aktiv in Mulders Fall ein.

Scullys Teil der Geschichte fühlt sich etwas an wie ein abgelehnter Plot für Emergency Room – und ist zudem von politischen Obertönen der in den USA nach wie vor grassierenden Debatte um de Stem Cell Therapy geprägt. Es passt zu Carters klarer positiver Haltung zur Gentherapie, die von denrechtskonservativen Politikern in den USA strikt auf religiöser Basis abgelehnt wird, wenn vor dem Portrait von George W. Bush in der FBI-Zentrale kurz und prägnant die X-Files-Pfeifmelodie ertönt, so als sei es die größte X-Akte aller Zeiten, dass dieser Mann Präsident der USA hätte werden können. An sich ein schöner Gag, aber zusammen mit der unglaublich platt aufgelösten Handlung rund um Scullys Patienten eher unnötig. Dass Scully sich mal eben via Google zur Gentherapeutin entwickelt, ist absurd – ebenso wie die Tatsache, dass sie dabei zufällig auf den entscheidenden Hinweis auf Mulders Fall stößt. Ein weiterer Deus Ex Machina in einem Film mit einem ganzen Pantheon dieser falschen Theatergötter.

Der Zwist zwischen Mulder und Scully erinnert unangenehm an ein altes Ehepaar, das routiniert einen längst vergessenen Streit durchspielt – und die Argumente nur noch müde vorträgt. Dass Scully die Nase voll hat von der «Dunkelheit» die Mulder in das gemeinsame Leben bringt, wirkt unglaubwürdig. Scully hat neun Jahre lang die absurdesten und lebensgefährlichsten Situationen mit Mulder durchstanden und ist im Laufe der Serie von der Zweiflerin zur treuen Mit-Kreuzzüglerin geworden. Bei diesem relativ harmlosen Fall nun einen solche Grundsatzdebatte zu führen, wirkt eher albern, ebenso wie die Tatsache, dass Mulder Scully in einer Szene ad hoc mitten im Schnee alleine stehen lässt, um seinen Täter zu jagen. Mulder ist hyperfokussiert, sicher, aber lange nicht so. Man nimmt den Figuren dieses Nebeneinander nicht ab. Ab dem Moment, an dem Mulder seinen Bart abnimmt, mutiert er zur Karikatur des getriebenen Kreuzzug-Mulders

Auch Scullys neuerlicher Zweifel an Gott ist eher langweilig, ein Thema, das Carter in der Serie mehrfach durchgekaut hat und das des Aufkochens nicht bedarf, nur weil ein pädophiler Priester und ein krankes Kind auftauchen. Die inneren Konflikte der Figuren wirken komplett unglaubwürdig und berühren insofern den Zuschauer nicht, ebenso wie der abrupte Tod von Amanda Peet kalt lässt -  einfach, weil diese Figur niemals wirklich dreidimensional eingeführt wurde.

Insgesamt also jagt Carter zwei kaum wiedererkennbare Figuren (und das liegt nicht nur an Mulders neuer Synchronstimme, ein echter Faux Pas des deutschen Verleihs) durch eine Geschichte, die weder richtig X-Files-Feeling aufkommen lässt, noch an sich lohnenswert ist. Das Label X-Files wird hier wahrhaft nur missbraucht, um eine Kreatur ins Kino zu hieven, deren Drehbuch anderenfalls nie ein Grünes Licht gesehen hätte.

Es wäre ein leichtes gewesen, einen guten Film daraus zu machen. Die gealterten aber vertrauten Figuren eignen sich per se für eine «Whatever happened to…»-Geschichte zu erzählen, eine gereiftere Version der Serie mit zynischeren, müderen Helden. Der bärtige Einsiedler-Mulder, die Augenringe der verhärmten Gillian Anderson – da steckt Potential drin. Anderson wirkt hier noch genervter als gegen Ende der Serie, zur Randfigur degradiert,  und in dieser Müdigkeit und der gleichzeitigen Unausweichlichkeit eines Lebens mit dem Übernatürlichen wären so viele schöne Momente zu fischen – fast widerwillige Helden, die nicht nur mit dem akuten Fall, sondern auch mit sich und den Behörden zu kämpfen haben.

Es wäre leicht gewesen, war es anscheinend aber nicht und so zeigen Spottnitz und Carter ein weiteres Mal, dass der Krug nicht nur so lange zum Brunnen geht, bis er bricht, sondern auch noch darüber hinaus versucht, zum Wasser zu humpeln. Bereits die Serie hätte mit der siebten Staffel enden sollen, und dieser zweite Film tut dem Mythos X-Files keinen Gefallen, ganz im Gegenteil. X-Files: I want to believe ist ein überflüssiger, langweiliger, überfrachteter Film, vor dessen Folie es umso beeindruckender wirkt, wie gelungen Carter und Co seinerzeit in nur 45 Minuten mit deutlich begrenzteren Mitteln und unter hohem Zeitdruck spannende, berührende und mutige Geschichten erzählen konnten und die Relation der beiden Hauptfiguren zugleich weiterentwickelt haben. Aus heutiger Sicht mögen viele Folgen der Akte X etwas angestaubt wirken – und der Film verleiht der Serienformell rein visuell tatsächlich einen zeitgenössischen Facelift – aber inhaltlich war die Serie vor zehn Jahren weiter als der Film 2008. In diesem Fall versetzt der Glaube eben leider keine Berge.

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