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Typo 2008 Tag Eins

Da ich ja alles dabei habe, nur keinen CardReader für die CF-Karte meiner Kamera, gibt es erst später Bilder. Nur vorweg ganz kurz, dass es schön ist, die Typo wieder am alten Ort zu haben, am idyllischen Wasser, bei wunderbarem Sonnenschein, selbst besser ausgeschlafen als 07 und mit bisher wirklich guten Vorträgen, auch wenn ich es schade finde, dass so viele Leute sich offenbar nicht ganz trauen, frei zu reden, obwohl man ja an sich unter Freunden ist. Steve Heller war inhaltlich einfach – wie erwartet  – grandios.  Alison Jackson war eine tolle Überraschung. Der FontFight am Abend war – unerwartet – ein Highlight, aber der etwas surrealen Sorte. Fidel Peugeot, Alexander Branczyk, Erik Spiekermann und Kurt Weidemann auf einer Bühne, das hätte eigentlich hochspannend werden sollen und sah anfangs auch wirklich so aus, zumal Weidemann mit großem Sympathiebonus auf die Bühne kam und sich seinem Graf-Typo-Gedicht in der ersten Runde auch klar die Lacher auf seiner Seite hatte. Ab der zweiten Runde fand ich – persönlich, ich mag mich irren – aber, dass Weidemann etwas  unter die Gürtellinie von Erik und der Typo an sich schlug und etwas unfreundlich und auch persönlich wurde. Ich konnte gut verstehen, dass Erik – der sich sehr zurückhielt und nur seiner Verwunderung Ausdruck gab, er dächte, man sei für einen Fontfight auf der Bühne, nicht für Gedichte und persönliche Attacken – in der letzten Runde von der Bühne bleiben wollte, um sich dem Theater zu entziehen. Man kennt Erik als jemanden, der schon klar seine Meinung sagen kann und auch mal aufbraust – hier war er sichtbar indigniert, aber dabei großzügig und ruhig. Bei der dritten Runde war da eigentlich der Punkt, wo ich als Zuschauer aus dem Raum gehen würde, wäre da nicht Alexander Branczyk gewesen, der sich furios und humorvoll selbst inszenierte und vor allem seine eigene manische Schaffensarbeit an Flyerfonts, Magazinfonts und ja durchaus hochseriösen Arbeiten. Czyks gesamte Präsentation war ein einziger Parforce-Ritt wider Weidemanns Pauschalkritiken, mit dem Höhepunkt, die Corporate ASE als Partyfont zu bezeichnen. Alex hat – gegen das Heimspiel von Erik, gegen den Old-Warhorse-Bonus von Weidemann und gegen Fidels wirklich grandiose, selbstironische Performance – völlig und absolut zu Recht den Titel gewonnen und ist entsprechend gefeiert worden. Boshaft, stichelnd, aber immer humorvoll, mit Selbstironie und ordentlich Drive in der Präsentation – verdienter Sieg für den  Mann, der Weimar das Typogravieh und MehrLicht gebracht hat. Irgendeine A-Liga-Uni sollte sich Alex  unbedingt als Professor sichern, ich wäre gern Student bei so einem Energiebündel. Love!!!
Photos, wenn ich einen Cardreader geholt habe.
Später mehr.

30. Mai 2008 09:12 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 2 Antworten.

Geotagging Artwork

In William Gibsons letztem Buch, Spook Country,spielt Geotagging als Kunstform, also Kunst, die sich GPS-Signale zu Nutze macht, eine zentrale Rolle. Und wie immer ist Gibson nicht bei Science Fiction, sondern einfach auf der Höhe der Zeit. Erik Nordenankar hat mit Hilfe von einem Aktenkoffer mit GPS-Signalgebern sein Portrait auf die gesamte Weltoberfläche gemalt – das größte Bild der Menschheitsgeschichte.

(via Swissmiss)

28. Mai 2008 14:40 Uhr. Kategorie Design. Tag . 10 Antworten.

Was treibt Designstudenten an – Leidenschafft, Erfolg oder Geld?

hd schellnack

Wer mich etwas kennt, weiß, dass ich mich langsam mit der Frage beschäftige, was ich nach der Ruhrakademie so als Dozent mache, und da ich an der RA für mich persönlich (und hoffentlich auch für die von mir betreuten Studenten ;-)) sehr viel erreicht habe von dem, was ich dort im Rahmen der Möglichkeiten erreichen konnte und wollte, stellt sich für mich die Frage: What’s next? Insofern denke ich, wenn mal Freizeit ist, viel darüber nach, was Design in Zukunft bedeutet, für Studenten, aber auch gesamtgesellschaftlich und wie man bestimmte Metaziele, die weit über schicke Diplomarbeiten hinausreichen, erreichen kann.

Dazu passend fand ich im Creative-Review-Blog ist eine Gesprächsrunde zwischen 15 Studenten der LCC, ihren Dozenten und Jonathan Ellery festgehalten, die sich um die Zukunftshoffnungen und -ängste von Designstudenten im soziokulturellen Kontext dreht. Klingt nach sehr motivierte, guten Studenten, einem guten Studium, einer gut ausgerichteten Schule. Sehr interessanter Lesestoff über Design im Spannungsfeld von individuellem Ausdruck und Auftragsarbeit. Sehr spannend auch Nina Kleins Ansatz, dass sie lieber in London als in Deutschland Design studierte,weil sie Design nicht als Handwerk, sondern als intellektuelle Herausforderung lernen wollte.

Hier nur einige Auszüge:

The conversation started, as most conversations about design do, with attempts to define graphic design. Is it now even an obsolete term?

There’s beauty and pleasure in designing something as deceptively simple as a letterhead.

The design community needs to understand its influence and effect in socio-political terms

With neither a brief nor a client, how can this work claim to be graphic design

I chose to study in London, rather than Germany because I knew that I would be taught design as an intellect­ual activity and not as a craft, she said. The briefs I’ve worked on have had very few restrictions and rarely dictated a format for the outcome. I’ve learnt to question everything, to develop strong concepts and to communicate these effectively. With my work, I might not end up selling a product but, instead, give someone a new perspective on a subject they might not have considered before

Courses are not really equipping us with the entrepreneurial skills we need to get out there and make things happen

I love that graphic design encourages me to observe the world more carefully drawing me into territories that I don’t know much about. I think this partly explains why design is so unique and why designers always seem so passionate about their work

A solution is successful if it answers the brief – but the client should be just a little scared to use it.

They’ve seen through the self-initiated, egotistical bollocks that wallpaper the pages of some design magazines and crave a sense of purpose to define their work and, there­fore, in a way, their own moral selves

14:18 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Daniela bloggt

Okay, es ist offiziell: Jeder hat inzwischen ein Blog zum Diplom anscheinend  — ich mag das gar nicht auf ganz Deutschland hochrechnen. Daniela Sattler, die ihr von ihrem DDR-Buch kennt und die eigentlich ihr Diplom bei mir gemacht hätte und jetzt von Jürgen Störr betreut wird, zeigt, was sie macht online … hier

27. Mai 2008 17:50 Uhr. Kategorie Online. Tag . 2 Antworten.

The Center For Vernacular Typography

Wer in Deutschland lebt, hat nicht immer so den idealen Zugang zur verwitterten, irgendwie kruden Alltagstypographie, die die Arbeit von so vielen «grungy» Designern befeuert und vor allem das Werk von David Carson maßgeblich beeinflusst hat – aber in Südeuropa, und geradezu atemberaubend in den USA gibt es eine Flut von solcher folkstümlicher «vernacular typography», dass man kaum hinterherkommt mit dem photographieren. Das Public Design Center in Mississippi hat eine ganze Flickr-Gruppe zu diesem Thema gegründet und sucht Leute, die mitmachen. Amerikanische Großstädte sind ein Schatz von zerkratzter, verwitterter, abgenutzter Schrift, die teilweise bis in die zwanziger Jahre zurückreicht und die ein essentieller Teil des Charmes und der Geschichte dieser geschichtslose, weil ja – im Vergleich zu Paris, Rom oder Wien – relativ jungen Städte ausmacht, eine Art Archäologie der (Post)Moderne. Die Flickr-Group ist noch relativ leer, aber die Idee ist super.

10:15 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 7 Antworten.

Ostern im Mai…

Beim Aufräumen des Archivs haben wir ein rätselhaftes Paket von Kaupp gefunden, das im Layout irgendwie vergessen wurde, weil ich es ursprünglich ungeöffnet für eine Idee des Saisonheftes knipsen wollte, aus der dann aber nichts wurde (weswegen hier auch noch ein Dutzend kleine Hirschgeweihe auf dem Schrank liegen). Ich fand die VORSICHT-Verpackung einfach so super, und im Designstreß mit dem Saisonbuch, dass dann ja in eine ganz andere Richtung ging, wurde sie dann nie benutzt, geschweige denn geöffnet, sondern lag in meinem IN-Korb auf dem Schrank mit einigen anderen potentiellen Photo-Objekten. Jetzt haben wir es aufgemacht und uns total gefreut, weil uns zwei süße Osterhäschen entgegen kamen, die noch für ein Photo posieren dürfen, bevor sie gnadenlos verputzt werden. Danke :-D.

26. Mai 2008 12:49 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 2 Antworten.

The Shifting Realities of Philip K. Dick: Selected Literary and Philosophical Writings

So sperrig wie der Titel vermuten lässt, ist das Buch nicht ganz – aber es ist tatsächlich der Versuch, sich einem der seltsamsten neuzeitlichen Autoren der USA durch seine eigene Reflektion zu nähern. Essays, Vorträge, Briefe und Auszüge aus Dicks langer Reise in die Mystik, Exegesis, ein handgeschriebenes Journal, das Dick nacht um nacht bis zu seinem  Tod 1982 führte, um sich über ein metaphysisches Ereignis von Februar 1974 klar zu werden und das zugleich die zunehmend religiöseren Themen seiner Arbeit, wie etwa in der Valis-Trilogie, widerspiegelt.

Im Grunde liest sich Shifting Realities wie Dicks umfassende literarische Laufbahn en miniature. Das Buch fängt sehr leichtfüßig an, liestsich hochspannend und gibt einen spannenden Einblick hinter die Kulissen von Dicks Leben und Werk, wird dann im späteren Mittelteil eher seltsam diffus und nichtssagend und ist am Ende ein fast undurchdringlich dichter Dschungel aus persönlicher Paranoia, religiösem und in ihrer komplex konstruierten und zugleich fast wahnhaften Art kaum zu durchdringenden Theoriegebäuden. Das letzte Viertel des Buches wird damit ebenso gleichzeitig fast unlesbar und hypnotisch wie eben Valis, Divine Invasion und Timothy Archer. Das Buch spannt einen Bogen von langen Texten, in denen Dick seine eigene Arbeit analysiert oder kommentiert, über Drehbuch-Vorschläge für TV-Serien, die bei aller Kommerzialität immer wieder zu Dicks klassischen Rhemen – was ist real, was ist menschlich – zurückkommen und sich eben tatsächlich sehr nach PKD «anfühlen» bis hin zu den kosmologischen und gnostischen Untiefen, die Dick am Ende seines Lebens beschäftigten und in denen Dick sich als spiritueller Philosoph profiliert, dessen Genie – auch wenn man mt den Inhalten nicht immer übereinstimmen mag und sich immer wieder fragt, welche Drogen Dick wohl genommen hat (angeblich zu dem Zeitpunkt gar keine mehr) – durch jede Zeile blitzt. Shifting Realities zeigt Dick als unsicheren und zugleich mitunter fast arroganten, politisch aufgeweckten und aktiven Counter-Culture-Typus, der seine Drogenexperimente und seine Coolness oft etwas bemüht betont und der am Ende seines Lebens spürbar eine spirituelle Erfahrung hatte, die nur zu gut als Coda zu seinem Gesamtwerk passt. Der Autor, dessen düsteres Gesamtwerk sich stets um die Authentizität von scheinbarer Realität drehte, der wie kein zweiter glaubhafte künstliche Welten und Gesellschaften aus dem Ärmel schütteln konnte, ist am Ende überzeugt, dass unsere alltägliche Welt auch nur eine Illusion ist, hinter der sich vielleicht eine seltsame Parallelwelt versteckt, in der Jesus und seine Gläubigen immer noch ums Überleben in Rom kämpfen. Mit starken Selbstzweifeln geht Dick dieses Thema immer und immer wieder an, und man merkt, wie manisch er sich in den Themenkomplex Religion und Spiritualität einarbeitet, um Bezüge, Referenzen zu finden, die sein individuelles Erlebnis rahmen können, es greibar und verständlich machen. Ob nur Nebeneffekte seiner Drogenexperimente oder echte spirituelle Epiphanie, selbst Dick war sich nie sicher, was es mit 2-3-74 auf sich hatte. Und diese Unsicherheit nährt seine Texte und seine Bücher, macht sie zu zerbrechlichen Attacken wider die Rationalität, gegen die nur scheinbare Sicherheit des Realen.

Gesamt gesehen ist Shifting Realities ein etwas trauriges Monument für einen Autor, der seinen großen Erfolg und seine Mainstream-Anerkennung nicht mehr selbst erlebt hat, der zwischenzeitlich verarmt auf die Hilfe von Kollegen angewiesen war, der wie ein Schreibroboter SF-Bücher herausgehauen hat, um die Miete zahlen zu können, dessen Privatleben in die Brüche ging, der sich vom CIA verfolgt fühlte und der schließlich seinen letzten fragilen Bezug zur Realität zunehmend in Frage stellte. Und zugleich zeigt sich in Dicks Texten ein selbstironischer, humorvoller, hilfbereiter Intellektueller, dessen Glaube an das Gute im Menschen und dessen Hoffnung für die Zukunft der Menschheit immer deutlicher zutage tritt und das Klischee der klassischen gequälten Künstlerseele kontert.

Shifting Realities ist sicher nichts für Gelegenheitsleser, für Hardcore-Dick-Fans aber sicher kluge Sekundärliteratur, die den oft undurchdringlichen Wus von Dicks Texten, Ideen und Konzepten etwas lichtet und den Autor hinter den Texten verständlicher macht als so manche Biographie.

09:36 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . 2 Antworten.

From Russia with Love

Still pretty cool….

08:47 Uhr. Kategorie Design. Tag . Eine Antwort.

Stories of the Erased

Amnesty International und das Slovenische Designstudio Poper erinnern an die fast 20.000 Bürger, die 1992 aus den slovenischen Bürgerregister gestrichen wurden, ohen Benachrichtigung, ohne Prozess, ohne rechtliuche Grundlage, die einfach – soweit es den Staat betraf – unsichtbar wurden. Plakate, Schilder und andere Medien in Lubljana erzählen die Geschichte einiger dieser Menschen.  Mehr hier.

The Erased is the common name for 18,305 individuals who at the time of independence had a registered permanent residence in Slovenia and are mostly of a nationality other than Slovenian. On February 26, 1992, they were unlawfully removed (erased) from the Registry of Permanent Residents of Slovenia. They were not informed of the removal from the registry, which was carried out without any legal procedure. Due to losing the status of permanent residents they were deprived of numerous rights, such as: the right to social security, access to the health system/insurance, the possibility of employment, the right to unemployment protection, the right to protection (arising from the regulated status in Slovenia), access to the educational system and other rights. The Erased are still a stigmatized social group and they encounter various difficulties: from identity to political, economic and cultural. Most of them are members of other nationalities of the former Yugoslavia though Slovenians can be found among them. 

via Osocio

25. Mai 2008 20:40 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Eric Karjaluoto hat sechs Ideen, die uns zu besseren Designern machen…

Der Kopf hinter «Fuck Style» hat sechs Verbesserungsvorschläge für uns.

Find the problem

Don’t be too smart. 

«Sorta» Stealing. 

 Set the bar higher.

Make, save, compare. 

Start. 

Hier…

10:00 Uhr. Kategorie Design. Tag . Eine Antwort.

007 under cover

hd schellnack
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Bei dem legendären Comic-Blog von Bully gibt es einen phantastischen Rückblick auf die Buchcover von Ian Flemings James-Bond-Büchern, von den «pulpy», sehr an Modesty Blaise erinnernden Umschlägen der Anfangsjahre über  kühlen und eher kommerziellen Cover hin zur demnächst erscheinenden Penguin-Edition, die wieder sehr retro und dabei doch sehr modern ist, und dabei – sicher sehr umsatzwirksam – auf die Bond-Girls setzt. Die Typographie auf den neuen Covern wirkt manchmal etwas unbeholfen und das Artwork von Michael Gilette erinnert vielleicht einen Tick zu sehr an Cheesecake-Artwork auf Comics oder von Künstlern wie Vargas, bei den gelungenen Motiven aber ist das ohne Frage eine kommerziell funktionierende und konzeptionell spannende, innovative Möglichkei, einen Umbrella-Look für die Bond-Reihe zu schaffen, der nicht nur sehr verbindlich und doch simpel die Serie umfasst, sondern auch einen gelungenen Brückenschlag zwischen modernem Look und psychedelischen Retrocharme der Serie schafft. Das der Bond-Bezug mit dem in das 007 eingebundene Penguin-Logo überaus dezent ausgefiel, ist ein weiteres Plus. Die Cover gibt es in ihrer ganzen Pracht direkt im Blog von Penguin zu bestaunen. Am 29. Mai erscheint die neue Serie in Großbritannien als Hardcover. Sowas wie das hier wäre so apropos für die Modesty-Bücher ;-).

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24. Mai 2008 10:46 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Iron Man

Die Figur des Iron Man ist natürlich ein Kind des nicht allzu Kalten Krieges, noch vor dem Vietnamkrieg 1963 von Stan Lee und seinem Bruder Larry Lieber gemeinsam mit Don Heck und Jack Kirby erfunden, aber schon deutlich von der Krise dort geprägt. Er verkörpert die Vorstellung eines brillanten Waffenschmiedes in der Gußform von Howard Hughes, ein brillanter und von den Frauen umschwärmter Erfinder im Dienste der USA, der schließlich selbst zur ultimativen Waffe mutiert – zu einem Menschen, der in einer Art eisernen Rüstung zum fliegenden Panzer wird. Wie bei den Silver-Age-Marvelcomics üblich, war der Mann in der Rüstung, Tony Stark, zwar nicht so ein Everyday Man wie Peter Parker, aber eben doch auch alles andere als ein perfekter Held – Lee verpasste Stark ein Herz, das nach einer Granatenattacke ständig davon bedroht war, durch zur Herzwand driftenden Schrappnell zerstört zu werden. Selbst wenn Iron Man der strahlende postatomare Ritter der amerikanischen Fortschrittsgesellschaft der Sechziger war – Tony Stark saß am Ende unglücklich in der Ecke und lud sein im wahrsten Sinne des Wortes gebrochenes Herz an einer Steckdose auf, um nicht zu sterben. Jeder Einsatz als Iron Man konnte seinen Tod bedeuten, und sein Leben als Playboy war kaum mehr als Fassade – und nicht ohne Grund wurde Tony irgendwann fast zum Alkoholiker.

Die Verfilmung der Comicserie greift die Figur nicht in ihrer ganzen Gebrochenheit auf, obwohl er sehr eng an der Ursprungsgeschichte des «goldenen Rächers» bleibt. Jon Favreau verlegt die Geschichte von den Fernen in den Nahen Osten, aber es ist fast erschreckend, wie wenig man ansonsten an der Sache drehen muss, Krieg bleibt eben Krieg. Der Tony Stark im Film ist zu Beginn – deutlicher als der in der Vorlage – ein arroganter, versoffener Womanizer, der sich in seiner eigenen Brillanz langweilt, weil ihm offensichtlich eine Herausforderung, ein Ziel fehlt… und wie so oft in amerikanischen Filmen führt erst der Absturz einer Person, die persönliche Tragödie, und idealerweise der Tod einer nahestehenden Person, zur Ich-Findung des Helden. So auch hier. Die scheinbar willkürliche Entführung durch afghanische Rebellen und das Zusammentreffen mit dem warmherzigen Dr. Yinsen wandeln Tony – während er sich eine eiserne Rüstung für den Körper baut, wird der um sein Herz demontiert. Und ja sicher, das ist Campy. Die Wandlung vom Waffendealer-Saulus zum eisernen Paulus, der die von ihm selbst in die Welt gesetzten Raketen zu vernichten versucht, ist ohne Frage grobhölzern, ebenso veraltet wirkend wie die Moneypenny-ergebene Pepper Potts oder der ab der ersten Sekunde offensichtlich oberschurkige Obadiah Stane – ganz zu schweigen von dem lahmen Endkampf der beiden Antagonisten Iron Man und Ironmonger. Was den Film aber rettet, sogar sehenswert macht, ist Robert Downey Jr., der mit fast traumwandlerischer Sicherheit die Rolle von Tony Stark ergreift und sich zu eigen macht, ohne dabei auch nur für eine Sekunde pathosschwanger zu werden. Downeys selbstironische süffisante und trotzdem ernste Auslegung der Rolle macht die platten Gags erträglich und verwandelt den Film, der bei schlechterer Besetzung sicher elendig krepiert wäre, zum schnellen und humorvollen Popcorn-Actionfilm. Auch Paltrow und vor allem Jeff Bridges legen ihre stereotypen Rollen mit offensichtlichem Spaß an der Nuance aus und so wird es zur Auslegungsfrage, ob Potts wirklich nur das treuherzig ergebene Sekretärinnen-Dummchen ist oder ob es zwischen ihr und Stark nicht eher eine Art Scully/Mulder-Verhältnis gibt. Und Bridges brilliert so in seiner Bad-Guy-Rolle, das man sich wünscht, der Mann würde den Lex Luthor bei Superman Returns gegeben haben.  Marvels Strategie, auf hochkarätige Besetzung zu achten, zahlt sich hier spürbar aus. Iron Man ist – trotz einiger Schwächen – eine der besseren Comicverfilmungen, und hängt die Spider-Man-Trilogie um Längen ab.

Das liegt vielleicht mit daran, dass sich die waffenstrotzende Rüstung des Eisernen besser für computergenerierte Bilder eignet als ein «lebendes» Wesen. Wo der Hulk nur peinlich wirkt wie ein schlechtes Telespiel und selbst die Spiderman-CGI eher plump war, kann sich der Rechner an Iron Man bestens abarbeiten. AlleVariationen des Iron-Man-Panzers sind liebevoll und detailliert umgesetzt und die Posen glaubhaft den Comics entlehnt. Die Designer des Kostüms haben sich mühevoll an Details abarbeitet, und auch wenn die Stimmen der in den Panzern steckenden Menschen auf Dauer nervig verhallt und verzerrt wirken – was den Telespiel-Charakter der Kampfszenen, die fast zur Gänze CGI sind noch verstärkt – machen die Details, wie etwa Starks Stiefel in den Testphasen, absolut Spaß. Der Film – als erster Teil einer Trilogie angelegt – bietet die übliche Heldenentstehungsgeschichte und erinnert insofern an Batman Begins. Nur das Starks Super-Science eben glaubhafter zu schlucken ist als die eher abgehobenen normalen Superhelden-Geschichten, mehr in der SF/Hightech-Tradition des normalen Actionkinos steckt. Das Favreau und sein Team sich von Marvel-Autoren wie Brian Bendis und Mark Millar bei der Story und bei Iron-Man-Artist Adi Granov beim Design der Mark III-Rüstung haben helfen lassen, ist ein Detail, dass zeigt, wie sehr Marvel entschlossen ist, die Filme näher an die Comic-Mythologie heranzurücken. Iron Man ist natürlich trotzdem ein etwas stumpfer Testosteron-Film ohne sonderlichen Tiefgang, aber die Geschichte vom Waffenhändler, der sich wandeln will, passt- vielleicht unbewusst – natürlich ideal zur Zeit und fasst vielleicht besser als lange Traktate die Sehnsucht der USA nach «Change» zusammen. Dass der Film sich dennoch streckenweise anfühlt wie von der US Army gesponsort – neben der fast unerträglichen, aber eben inzwischen ja leider zur Nor gehörenden Prduct-Placement-Werbung, die sich durch den gesamten Film zieht , ist allerdings fast unausweichbar, Iron Man und das Militär gehören schon fast genretechnisch eng zusammen – Tony ist nicht umsonst im Marvel Universum derzeit der Chef des größten Geheimdienstes SHIELD (der im Film ansatzweise bereits auf auftaucht). So bleibt auch Iron Man natürlich ein vorhersehbarer Nerdmovie, aber einer, der aufzeigt, dass im Spandex-Genre mehr drin sein kann als totale Dumpfbackenfilme, wenn man den Darstellern die Möglichkeit gibt, die Pulp-Vorlagen zur Echokammer von aktuellen Ängsten und Träumen zu machen. Liebenswerte Details, wie etwa Downeys zynische präsentation der Jericho-Raketensysteme oder seine antiautoritär im Sitzen abgehaltenen Pressekonferenz nach seiner Wiederkehr verleihen dem Film eine n eue Ebene, die die Entwicklung des Menschen im Kostüm in den Vordergrund stellen – Stark ist wichtiger als Iron Man – und das ist sicher ganz im Sinne von Marvel, hin zum Human Touch, zur Soap, denn hier liegt der Erfolg der Figuren von Stan Lee. Insofern darf man gespannt sein, wie Favreau im zweiten Teil mit Starks Absturz in den Alkoholismus umgehen wird.

22. Mai 2008 17:27 Uhr. Kategorie Film. Tag . 6 Antworten.

Teenage Bad Girl: Cocotte

Schon lustig, wenn man CDs so spät bespricht, dass der Boom, der sie hervorgebracht hat, schon im Abklingen ist – aber trotz des Absterbens der Dancefloorneigung zu französischen Bratzsounds ist das Debut von Guillaume Manbell and Greg Kazubski durchaus nach wie vor sehr hörenswert. Dichter und smarter als die Pioniere Justice, bringen Teenage Bad Girl den Robot Rock melodischer und zugleich härter, eine Art 2.0-Version, der wir nicht zuletzt – full circle – die zunehmende Polarisierung von Justice selbst verdanken. TBG sind insofern nicht ein reiner Rip-Off von Gaspard Augé und Xavier de Rosnay, sondern eher eine Iteration. Der französische Robotrock, bei all seinen Wurzeln in Bands wie Daft Punk und Laurent Garnier – ist ein relativ extremes, sehr zugespitztes Phänomen, eine Art Electro-Antwort auf den Nu Metal und insofern eigentlich relativ überschaubar – zumindest, was die reinen Bands angeht. Acts wie Digitalism, Simian Mobile Disco, Kitsune, Para One, Kavinsky und eine wahre Flut von DJs treiben den Trend binnen kürzester Zeit zu immer neuen Exzessen hoch . Extreme Breakbeats, verzerrte Analogsynths, ein Minimum an Vocals, brutal verarbeitete Samples und CutsCutsCuts, vor denen keine 1 sicher ist – Musik aus einem düsteren digitalen Zeitalter, in denen jeder Sound atomisiert, gesliced, zerlegt und neu zusammengebaut wird. Es ist das musikalische Pendant zum Extrem-Photoshopping und hat damt durchaus eine exhibitionistische Note. Die Sorte Musik – eben wie Metal – die du hörst, um nach außen Härte zu dokumentieren, umd eine Eltern zu schocken, um qua Musik toughness zu gewinnen. Musik an der Schmerzgrenze, die für die Kids heute ebenso identitätstiftend sein dürfte wie seinerzeit die Neubauten, Current 93 oder SPK. Es ist ein posthumaner Sound, der aus einem John-Carpenter-Film entsprungen sein könnte, Elevatormusic from Hell. Anders als Justice bieten die Epigonen von TBG wenig versöhnliche Harmonien oder freundlich-fröhliche Kindergesänge, ihr klang ist urbaner, härter, mehr Banlieues als Seine-Uferpromenade. Man hört der Platte an, dass sie Kind der MySpace-Generation ist, Ergebnis von Tracke, die hin- und hergeschickt werden, von den beiden Musikern selbst immer wieder einem permanenten Remix unterzogen sind. Sie wirkt etwas steriler und mehr out-of-the-box als man Justice im Kopf hat, wobei deren Debuttracks sicher auch reichlich unbedarft daherkamen, kein Vergleich mit der Größe eines Tracks wie Stress. Manbell und Kazubski  liefern den exzessiven Soundtrack für die hyperbeschleunigte Welt, für das Leben auf der Autobahn, für Kopfhörer mitten in der Nacht im Großstadtghetto. TBG verlieren mitunter an Überzeugungskraft, wenn sie versuchen, einerseits im Trend zu sein, andererseits «anders» zu wirken, aber Riffs wie bei Vacuum machen alles wieder gut – da ist viel Aphex Twin, da ist viel 80er Electro, da ist ein Hauch Punk und Wut… Cocotte bietet alles in allem trotz einiger Durchhänger großartige Voodootracks, die auch lange nach dem Abebben der French-Electro-Flut noch Kraft haben werden.

21. Mai 2008 10:06 Uhr. Kategorie Musik. Tag . 2 Antworten.

Nobook Versand

hd schellnack

Wow – Katharina hat alle nobooks fertig für den Versand. 90 Bücher, wobei ich die Bücher und die Stifte schon nachbestellt habe, weil definitiv alles weg ist. 100 Stifte und 100 Bücher – weg und einige Leute müssen schon warten. Womit sich der Kreis schließt… ich habe wieder mehr Bücher und Stifte hier als ich verbrauchen kann. Also: Wer noch will, kann weiterbestellen. Ich sollte vielleicht einen Shop einrichten ;-D.

20. Mai 2008 15:46 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 7 Antworten.

Endlich Nobooks…

19. Mai 2008 23:45 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 6 Antworten.

Apropos Eisenmann…

Größenwahn ist der erste Weg zur Vernunft

Gregor Eisenmann, 2008

14. Mai 2008 22:15 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

EISENMANN BLOGGT

hd schellnack

Jeder bloggt und das ist auch gut so, zumindest im Falle von Gregor Eisenmann, der seine Flut von Arbeiten online stellt. Gregor studiert Design, aber schon anhand der Auswahl von Sachen in seinem Blog – und das ist nur die Spitze der Spitze der Spitze des Eisbergs – sieht man, dass er von Herz und Seele ganz und gar Künstler ist und sein wird. Und wir alle werden sagen dürfen: we knew him when he wasn’t famous.

9. Mai 2008 11:02 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

Lou Rhodes: Bloom

Die erste Minute macht klar, dass Rhodes hier etwas anders auftritt als bei Beloved One, ihrem Debut-Soloalbum. Nach einem kurzen Auftakt in ihrem typischen Stakkato-Gitarrenspiel kommt breit und wuchtig die Band ins Spiel. Ende der Bescheidenheit, Ende der minimalistischen Introspektion – Rhodes bleibt ihrem Sound treu, aber traut sich wieder, episch zu klingen. the rain ist akustischer angelegt als Lamb-Stücke und hat kompositorisch klar ihre eigene, aus dem Meer von Singer/Songwriterinnen herausragende Note, aber ist auch eindeutig nicht mehr so unterproduziert wie die Tracks der ersten CD. Insofern erinnert Bloom an die besten Suzanne-Vega-Alben, die klar VegasStimme und Gitarre in den Mittelpunkt stellen, ohne zuviel Brimborium, die aber zugleich doch mehr bieten als reines New-Folk-Ambiete. Man hlört noch, woe der Song einmal herkam, als er in irgendeinem Hotelzimmer geschrieben wurde, aber man kriegt auch etwas mehr als nur Brot und Wasser – und seien es wie bei Never Loved a Man (Like You) nur minimales Glockenspiel, String Quartett und etwas Percussion. All We Are schwingt sich fast – aber nur fast - zu Lamb-artigem Bombast auf. Lou Rhodes markante Stimme entfaltet ihre magische Kraft auf jedem Song und zieht dich schnell unter die warme Decke, um dir ihre seltsam melancholischen Geschichten zu erzählen. Dabei wird Rhodes nie so kalt und hoffnungslos und metallisch wie etwa Beth Gibbons auf dem neuen Portishead-Album, sondern durchtränkt jeden Song mit einer spirituellen, hoffnungsfrohen Grundstimmung. Rhodes Gefühlsbeben sind dialektisch, Licht und Schatten ziehen wie Wolken vorbei.

Die aufwendigere Produktion ist ein große Geschenk, denn das zweite Album offenbart etwas, was bei Lamb niemals groß aufgefallen ist: Rhodes ist eine relativ einseitige Komponisten. Ihr Gitarrenspiel und ihr Gesang sind großartig, aber nicht wirklich abwechslungsreich. Jeder Song ist für sich genommen ein Gewinn, aber als Album rauschen die Tracks auch etwas vorbei. Die stets gleiche Zupfgitarre, die stets gleichen Harmonien und Phrasen, die gleichen Wendungen zum Refrain hin – so großartig Rhodes sich auf den Punkt bringt, so sehr vermisst man auch etwas Abwechslung, die Songstruktur schlafwandelt immer am Abgrund der Beliebigkeit. Bei Lamb – mit Andy Barlow als Gegengewicht – war Rhodes zum Konflikt, zum Diskurs gezwungen und die elektronischen und perkussiven Elemente von Barlow haben jedes Lamb-Album immer frisch gehalten, auch wenn auf den beiden letzten Alben Rhodes Handschrift deutlich klarer wurde. Auch wenn Rhodes immer noch weitgehend auf elektronische Instrumente verzichtet, tut der geöffnete Sound – und die Zusammenarbeit mit Stephen Junior und Emre Ramazanoglu - dem gesamten Projekt wirklich gut, bringt Dynamik und Abwechslung ins Spiel, und man merkt, dass man ein weiteres Album nur mit Gitarre und Gesang wahrscheinlich auch einfach nicht gebraucht hätte.

Bis jetzt legt Rhodes eine atemberaubende Solokarriere hin – konsequent in der Rückbesinnung auf traditionelle Instrumente und ihren schmerzhaft schönen Gesang, aber zugleich suchend und abwechslungsreich, neugierig. Man darf also gespannt auf diedritte Scheibe sein…

09:34 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Final Crisis

hd schellnack

Obwohl Chip Kidd sich ja in seinen Vorträgen gern über DC Comics mokiert («Gay Superman»), scheint er doch immer noch genug Kind in sich zu haben, um immer wieder gern mal Comicbook-Cover zu designen. So wie den TradeDress für DCs großes Crossover-Spektakel dieses Jahr, Final Crisis, von Grant Morrison geschrieben und von von JG Jones gezeichnet. Der schlichte, ikonischeEntwurf zeigt weiter den «neuen» Chip Kidd, der weniger mit den von ihm vertrauten Retroelementen arbeitet und mehr auf recht direkte visuelle Architektur setzt, fast neomodern wirkt. Bei dem Bild kann man aber auch wenig verkehrt machen …

6. Mai 2008 20:22 Uhr. Kategorie Design. Tag . 2 Antworten.

Baum

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5. Mai 2008 19:55 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 4 Antworten.

landschaft

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3. Mai 2008 22:15 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Rot2

2. Mai 2008 23:59 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Wandkalender



18:34 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 10 Antworten.

Rot

1. Mai 2008 09:35 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 2 Antworten.


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