HD Schellnack /// Kontakt iPhoto s90 Typographie Pop Alternative Aktionen nodesign Twitter Licht Apple Photographie Denken Natur Fail Fragen Dayshot Belletristik Winter Studium Software Medien Vernacular Fun Comics Werbung Gesellschaft Farbe Web Print iOS ScienceFiction Electronic Zukunft Jazz Frühling Magazine Hardware Retro Klassik Kitsch Drama Sommer Zitat Herbst Sachbuch Kunst Fantasy Emma Organisation Kultur

WALD

30. April 2008 12:14 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

ZWEIGE

29. April 2008 11:25 Uhr. Kategorie Leben. 3 Antworten.

AST

28. April 2008 21:45 Uhr. Kategorie Photos. 19 Antworten.

SPACEMAN

Das hat man davon, bei uns Praktikum zu machen: Katharina war letzte Woche zwei Tage in ganz Bielefeld unterwegs, um Photos für das nächste Saisonheft der Philharmoniker zu machen. So wie es sich anhört – im Kostüm steckte übrigens ihr Freund André Braun bzw. dessen Freund Nils – sorgte die Sache schon im Vorfeld wohl für einiges Aufsehen und viele gezückte Handykameras. Vielen Dank, Kath!

10:33 Uhr. Kategorie Leben. 3 Antworten.

SPAZIERGANG

27. April 2008 10:42 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

POCKYBOX

Die von mir über alle Maßen verehrte Maren Marmulla hat ihre Site online, noch nicht voll ausgebaut, aber schon ganz wunderbar im Retro-Gamestyle. Total nah dran an einer Idee, die – ich glaube – Fabian und ich einmal für die Ruhrakademie-Site hatten und insofern nett, es so grandios und phantasievoll von einer Ruhrakademie-Studentin gemacht zu sehen. Richtig super animiert wäre es noch schöner, aber die Idee, die kleinen Gags und das Feeling eines 80s-Telespiels (die ich ja noch live miterleben musste) ist kick-ass. Die Frau wird mal was ganz großes (ist sie eigentlich schon).

25. April 2008 10:49 Uhr. Kategorie Online. Eine Antwort.

A

08:43 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

BONUS TRACK: DANIELA SATTLER «MADE IN DDR»

Kein Diplom, sondern «nur» eine Semesterarbeit für einen Projektschein, aber ich habe es vorgestern erst bekommen und es ist eine nette Coda für die Diplom-Bildorgie. Daniela Sattler hat aus Artefakten der DDR eine Collage gemacht, die das regime nur auf den ersten Blick zu verniedlichen scheint, mit Trabant und Sandmännchen als Quasi-Sympathieträger. Auf den zweiten entlarvt sich aber trotz des fröhlichbunten Designs die DDR als irgendwie doch auch recht piefiges Land, das für einen Diktatur irgendwie seltsam onkelig, seltsam spießig daherkommt. Insgesamt aber streift Daniela wie ein Kind durch einen Gemischtwarenladen, stopft sich die Taschen voll mit den visuellen Restwerten der Vergangenheit und spielt unbefangen und dreist damit herum, remixt eine Welt, die lange Zeit so vertraut und doch irgendwie fremd wirkt – ein seltsames Paralleluniversum deutschen Muffs. Und zugleich erzählt Daniela eine ganz persönliche Familiengeschichte dabei…

Diese Fingerübung lässt ahnen, was im Herbst zu erwarten ist, wenn Daniela sich etwas weiter in die Vergangenheit bewegt und sich der Genesis-Schöpfungsgeschichte annimmt und aufarbeitet, was Beate in ihrem Diplom auf drei Millimetern unter einem Populationsberg vergraben musste.

Mehr nach dem Break, dank an Katharina für die Pix…

(weiterlesen…)

24. April 2008 20:00 Uhr. Kategorie Design. 8 Antworten.

BAUM 2

02:11 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

BAUM

23. April 2008 21:45 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

DESIGN IS LIKE SONGWRITING

Gestern spät abends bis nachts ganz ganz lieben Besuch meiner Diplomanden – und von zwei Leuten, die im Herbst Diplom bei mir gemacht hätten. Neben einer Kuchen, Sekt, guter Laune, einer New-Kids-On-The-Block-12″ (you GOT it), einem ausgezeichnet-Button, einem brandneuen Zerstörungsbuch und Danielas Projektbuch zur DDR (morgen mehr) gab es auch ein super T-Shirt. Mit einem Spruch, den ich wohl ein paarmal zu oft gebracht habe. Die Story dahinter ist, dass ich bei der Vorpräsentation der Diplome lang und breit bei einem Diplom erklärte, wie wichtig ich es finde, dass die Studenten ihren eigenen Ausdruck finden, und eine Geschichte erzählen, wie mit einem Film, wie mit einem Gedicht, wie eben mit einem Song, fiel dieser legendäre Satz. «Design is like Songwriting.» Und in Natalies Trailer zu ihrem Diplom-Film über die Ruhrakademie kam  ich eben auch vor, mit einem einzigen Satz und der war – ausgerechnet -: «Design is like Songwriting.» Wunderbar peinlich :-D.
Aber abgesehen davon stehe ich zu dem Spruch. Und jetzt kann ich ihn relaxt auf der Brust vor mir hertragen.

Ganz ganz tolle Idee, vielen Dank!

21:35 Uhr. Kategorie Leben. 11 Antworten.

DETAILS

Es ist sehr wichtig, dass alles so ist, wie es sein soll. Immer vorausgesetzt, die Vision stimmt – dann lohnt es sch, viel Arbeit in die Details zu stecken. Denn am Ende sind sie es, die ein Werk überleben lassen.

Adrian Utley, Portishead. Spex  Mai/Juni 2008. 

22. April 2008 11:38 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

DIE FERIEN DES MONSIEUR HULOT


Ich liebe es, alte Filme im Kino zu sehen – und ich liebe Jacques Tati, dessen Playtime zu den grandiosesten Filmen aller Zeiten zählt – was also liegt näher, als sich Sonntags bei strahlendem Sonnenschein in das überraschend volle Eulenspiegel zu setzen, um Die Ferien der Monsieur Hulot zu sehen? Die Sondervorstellung – eine wunderbare Hommage an einen verstorbenen Onkel, der mit Spitznamen Hulot genannt wurde – lief gottseidank ohne den zuvor angedrohten möglichen Filmriss ab und zeigt, das Tati schon 15 jahre vor Playtime in seinem zweiten Film der gleichen Thematik folgte, wenn auch hier mit deutlich weniger subtilem Humor und weniger künstlerischer Ambition. Wie es sich für einen trainiertenPantominen gehört, ist Les Vancances ein seltsam stummfilmartiges Vehikel, in dem Sprachfetzen, Radiostimmen, Musik gleichermaßen eher einen Klangteppich ergeben als eine nachvollziehbare Handlung, vielmehr verfolgen wir Alltagsszenen, die eine grobe Rahmenhandlung durchflechten, in der Tatis Figur Hulot unsicher durch die modernen Zeiten tapert. Eindeutig inspiriert vom großen amerikanischen Stummfilm, von Keaton und Chaplin, von den Marx Brothers und Harold Lloyd, hat dieser Film noch eine oft groben Humor, den Hulot später zunehmend ablegen sollte, aber auch leise Zwischentöne, die an sich tausendmal zeitloser, komischer sind. In wunderbarem Schwarz-Weiß – nur im letzten Moment wird der Film für einen kleinen augenblick wunderbarerweise farbig -  ist vor allem überraschend, wie zeitlos die Bilder wirken, bewegte Photos aus einer Welt mitte der Fünfziger, als alles noch seltsam naiv war und zugleich die Modernität von Autos, Radio und Jazz, nicht zuletzt von internationalen Touristen, allen vorweg die Deutschen, seltsam bizarr wirkt, so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.  In dem Film steckt ein naives und zugleich sarkastisches Staunen über den Tourismus, über die Gäste, die den ganzen Tag im Hotel sitzen, in Bussen anreisen, deren Verhalten im Film befremdlich und alien wirkt in der kargen Schönheit des bretonischen Urlaubsortes, in den einzig Hulot als seltsam lauter Störfaktor einfällt. Selbstironisch und zugleich liebevoll bespiegelt Tati die Modernen Zeiten, und es wirkt befremdlich, hier vorweggenommen Loriot, Monthy Pythons und Benny Hill nebenbeiander zu sehen, die sich allesamt bei Tati bedient haben, aber den Kern seiner Arbeit weggelassen haben – die deutlich inszenierten, aber eben deshalb so echten Szenen aus dem Alltag, die Surrealität kleiner Gesten und Momente, die brillante Kreativität, die jeden Moment des Films durchzieht und ihn der Komik enthebt (ohne ihn jemals unkomisch zu machen) und zu einem Kunstwerk macht, das einen Vorgeschmack auf die spätere atemberaubende Genialität von Playtime gibt.

21. April 2008 20:12 Uhr. Kategorie Film. 3 Antworten.

AMUSEMENT

It’s always the idea of «amusement» which causes me to do things…

Marcel Duchamp

09:54 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

BLUMEN

00:34 Uhr. Kategorie Photos. 8 Antworten.

DIPLOME: PS…

Mann, völlig vergessen, und bis Freitag abend war ich auch nicht sicher, ob die Noten noch so bleiben wie sie in der Dozentenkonferenz eigentlich verabredet waren -  aber die Frage nach den Noten für die sieben Diplomanden kam per Mail, deshalb fix nachgereicht.

Die Noten der Diplome sind:

Beate: 1
Andrea: 1
Christian: 1 mit Auszeichnung
Anna: 1
Karoline:1
Justyna und Jacqueline: 1 mit Auszeichnung.

Glückwunsch euch allen, absolut korrekt verdient. Ich hab totalen Spaß mit euch gehabt – und freu mich total für euch. Müssen wir unbedingt auch noch feiern, wenn ich mit nodesign etwas weniger Burn habe, irgendwann im Mai also :-D.

20. April 2008 21:47 Uhr. Kategorie Leben. 13 Antworten.

HIMMEL

16:34 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

DIPLOME: JACQUELINE SCHEIBEL UND JUSTYNA HARONSKI «YOU ARE ALWAYS ON MY MIND…»

Und das letzte der von mir betreuten Diplome in diesem Semester – zugleich mein letztes Diplom an der Ruhrakademie überhaupt ;-). You are always on my mind ist eine gemeinsame Arbeit von zwei Studentinnen – Justyna Haronski und Jacqueline Scheibel – und wurde von Kurt Schrage als Photodozent co-betreut (danke Kurt!!!). J&J sind für diese Arbeit durch Deutschland und die Niederlande gereist, haben ein Jahr lang Festivals, Partys und Events besucht, waren in Bars, Läden und Szenetreffs und haben versucht. den Lifestyle der Rock’n'Roll-Szene zu dokumentieren. Das Ergebnis der Arbeitswut der beiden war eine Flut von Photos, in die Kurt und ich eintauchen durften. Ich erinnere mich an einen Nachmittag wo in meinem Lehrraum jede nur denkbare Fläche, Boden, Tische – alles – mit 10×15-Abzügen zugepflastert war, so viele, dass man bei der gemeinamen Auswahl hinter fast blind war, unmöglich, gute und schlechte Bilder auseinanderzuhalten.

Das Buch liefert Portraits von Szenegängern, die sich in ihren eigenen Worten vorstellen und Einblick in ihr Selbstbild geben. Zugleich tauchen Jacqueline und Justyna mit neugierigen Augen in eine Subkultur ein, die sich durch Musik und visuelle Ikonographie der 50s und 60s, aber oft postmodern gebrochen, zugespitzt definiert. Es ist eine auf den ersten Blick bizarr anmutende Gegenwelt, deren Bewohner liebevoll die Vergangenheit konservieren, die fast wie in einer Art Zeitkapsel zu leben scheinen, die Sehnsucht nach Vergangenheit, auch nach den Werten der Vergangenheit scheint greifbar. Es ist komischer Mix aus Rebellentum und gleichzeitig oft unmodern wirkenden Ansichten.

Da ist viel Männlichkeitsritual im Spiel – die dicken Autos, die Südstaatenflagge, der ganze letzte Gestus einer Lonesome-Cowboy-Gesellschaft, und doch wirken die sexy aufgebretzelten Damen wenig untergebuttert, sondern selbstbewusst und individualistisch – die Szene wirkt so fraktal, so holographisch wie jede Subkultur und entzieht sich jeder einfachen, platten Deutung. J&J gleiten durch die vershciedenen Splittergruppen – Teds, Rolls, Psychos -, und geben sich photographisch der Faszination der Außenseiterkultur hin: Tattoos, Klamotten, US-Musclecars, wilde Haartollen, Posen.

Die Bilder wirken aber nur auf den ersten Blick so, als würden sie lediglich die Szene ablichten. J&J schaffen den nicht leichten Spagat, die Rock’n'Roll-Kultur nicht vorzuverurteilen. Es bleibt dem Betrachter überlassen, ob er die Szene in diesem ober jenen Bild «cool» findet oder ob man «Freaks» sieht. Es gibt subtile Details in den Bildern, im Composing der Bildzusammenstellung, Andeutungen, fast laszive Gesten von Design, die großen Freiraum für eigene Interpretationen lassen.

Das Layout des Buches – neben dem Buch haben die beiden auch einen Video auf DVD, Postkarten, Sticker, Plakate und vile andere Medien produziert und zu ihrem Diplom sogar die meisten Mitwirkenden des Buches zusammengetrommelt, unter anderem einen US-Diner-Imbisswagen und eine Rock’n'Roll-Kapelle – ist clean und simpel, wie ein edles Coffeetable-Book gedacht. Die Bodoni als Typographie scheint seltsam passend-unpassend zum Thema und verleiht dem in roten Same eingebundenen 500-Seiten-Riesenwälzer eine Leichtigkeit und Eleganz, dieim direkten Widerspruch zu den oft harten, grobkörnigen und lebensnahen Photos steht.

J&J hatten am Anfang des Diplomprozesses Bedenken, ob ein so simples Layout nicht «zu wenig» sei und man nicht doch mehr wilde Grafikenbraucht, aber ich war mehr als froh, ein ruhig layoutetes Gegengewicht zu den oft wild collagierten anderen Diplomen zu haben – vielleicht das einzige Objekt, das etwas meinem eigenen «Stil» entspricht. Und tatsächlich haben die beiden herausgefunden, dass gerade das «Wenige» oft unglaublich viel Mühe macht, die Choreographie der Bilder und Seiten, das für ein Diplom recht penible Feinlayout der Texte ebenso viel Arbeit macht wie wilde Photoshop-Zauberei.

Das Ergebnis ist ein Schmuckstück, dem man die darin steckende Liebe – und die bis an die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit gehende Arbeit an diesem Projekt – immer wieder anmerkt. Es macht Spaß, den roten Samteinband anzupacken und das Buch fast religiös durchzublättern, und bei 500 Seiten gibt es jede Menge zu entdecken in den Photos, die eine lebendige, hoch lebensfrohe Szene zeigt, die man im Alltag kaum bemerkt, die aber – wenn sie sich versammelt – einen ganz eigenen, familiären Kosmos abbildet.

You are always on my mind stellt zugleich die Reise von zwei jungen Frauen in eine neue Welt dar, und man wundert sich nicht, dass die beiden genau dort Freunde gefunden haben – das Gefühl, die beiden Autorinnen werden förmlich eingesaugt von der Retroenergie der Rockabilly-Szene, ist im Buch immer wieder greifbar.

Nach dem Break nochmal ein Photostream aus dem Innenleben des Buches – der wie immer dem realen Feeling des Buches beim besten Willen nicht gerecht werden kann :-D. Schon, weil der Streicheleinband fehlt.

(weiterlesen…)

19. April 2008 21:57 Uhr. Kategorie Design. 15 Antworten.

WAITING FOR NOBOOK…

Alle lieben Leute, die auf ihr Nobook warten – habt noch etwas Geduld. Abgesehen vom Diplomendspurt und den psychisch sehr anstrengenden letzten beiden Wochen an der Ruhrakademie sitzen wir bei nodesign an massiven Jobs und das Verschicken der Notebooks musste etwas zurückstehen. Da blieben sogar eMails unbeantwortet, weil ich letzte Woche wirklich nur noch vergeblich versucht habe, an der RA zu retten, was zu retten war und das für mich neben den akuten Jobs hier die höchste Priorität hatte, weil es auch um die Zukunft meiner Studenten ging. Ich hoffe, nächste Woche komme ich zum Beantworten der Mails, verschicke die Kontodaten und dann kriegt ihr endlich die Bücher – es ist nicht vergessen. Vielen vielen Dank für das massive Interesse an dem Buch, wir freuen uns wahnsinnig. Und danach geht’s spannend weiter, Ehrenwort :-D

10:01 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

DIPLOME: ANNA HUNOLD «HERZSTICH»

Anna Hunolds Diplom ist ein sehr handfestes Buch, auch wenn das Cover schmuseweich ist. Ihr Ratgeber zu allen Liebeslagen des Lebens ist in einen flauschigweichen Einband verpackt, der zum drauf kuscheln einlädt. Von einem Knopf verschlossen, weist nur ein Etikett auf den Titel – Herzstich – hin, der Programm ist. Anna verknüpft das Thema Liebe geschickt mit der Metapher des Nähens.

Auf über 200 Seiten spinnt sie ihr Thema durch die verschiedensten Bereiche – Flirten, Date, frisch verliebt, echte Liebe, Trennung und so weiter… und gibt dabei tatsächlich handfeste Ratschläge, wie man zu und durch eine Beziehung kommt. Was passiert in den ersten fünf Sekunden, in denen man einander sieht, wie schreibt man Liebesbriefe – wie lange wartet man mit dem Rückrufen, wie hält man eine Beziehung frisch – Anna plaudert aus dem Nähkästchen und hat die Antworten.

Das Buch ist ein ideales Geschenk, egal ob für Singles, Verheiratete oder Frischgetrennte – es passt einfach immer. Perfekt zum Selbstkaufen und als Mitbringsel, zumal das Buch einfach alles andere als bierernst daherkommt. In überbordend lebendigen Collagen, in denen Spielzeug, Handzeichnung, Retrophotos und jede Menge Knöpfe, Stoff und Nähte aufeinander treffen, illustriert Anna ihre Themen mal  hyperkitschig, dann wieder konzentriert und klar, aber immer voller liebenswerter Details, die jede Doppelseite zu einem Erlebnis machen, bei dem es viel zu entdecken gibt.

Der Datenumfang hat sich als echter Laptopkiller erwiesen – Anna hat im Verlauf des Diploms ihr armes 13″ Macbook fast endgültig überfordert. Die digitalen Composings, bei denen die Objekte erst freigestellt und dann zu neuen Bildern in Indesign arrangiert wurden, fressen halt Speicher. Dass das Endergebnis in seiner verspieltem, an ein Poesiealbum erinnernden Optik dann doch wunderbar handgemacht aussieht, spricht für Annas Augenmaß – immer bewahrt sie die prekäre Balance zwischen Kitsch und Kühle, die nüchterne Pica-Schreibmaschinentypographie kontert die fröhlich-surreale Welt aus Toysoldiers und Nähkissen, grobzackige Outlines schaffen unerwartet einen knackig harten Ton, wo es eben noch plüschig war… und überall wimmelt es von kleinen liebevollen Einfällen, die süchtig machen.

Ich wünsche mir immer bei Diplomen, dass am Ende ein Objekt entsteht, dass man selbst unbedingt haben möchte – bei Herzstich hätte ich am liebsten zwanzig Exemplare – dann wären die nächsten Geburtstage von Freunden und Bekannten gesichert. Obwohl ich befürchte, wenn dieses Buch (hoffentlich) einmal real an den Markt geht, dass kein Verlag dieses wunderbare weiche Kissencover wirklich produzieren kann – so etwas geht nur in liebevoller Handarbeit.

Nach dem Break eine wahre Flut von Bildern, weil Katharina in diesem Buch besonders viele Details gefunden hat, die man einfach mal knipsen musste :-D

(weiterlesen…)

18. April 2008 20:02 Uhr. Kategorie Design. 6 Antworten.

DIPLOME: KAROLINE DLUGOS «GIVE ME BACK MY VIRGINITY»

Bei Karoline Dlugos muss ich mich fast entschuldigen. Ich mache allen Diplomanden Druck, aber keine hat so Feuer gekriegt wie sie. Bis zum Schluss habe ich Karo in dem Glauben gelassen, ich sei nicht sicher, ob sie das Diplom im April schaffen würde – obwohl ich es natürlich besser wusste – weil ich wollte, dass gerade Karo, die recht spät gestartet war, weil sie einen großen Theorieteil vorzuleisten hatte, richtig aus den Puschen kommt. Und, finde ich, es hat funktioniert. Neben eigenen Aufklebern, drei Sorten Packtape, großen Plakaten, beklebten Äpfeln zeigt Karo ein 500 Seiten starkes Diplombuch rund um das Thema Sticker, das es in sich hat. Schon auf dem Cover ist der Titel mit selbstklebenden Buchstaben aufgepapt, die man abziehen und erst mal in der richtigen Reihenfolge anbringen muss, bis der Titel sich enthüllt – Give me back my virginity… schließlich verliert ein Sticker ja seine Jungfräulichkeit, wenn man ihn abzieht.

Das dicke Hardcover überrascht mit Aufklappseiten, die zu Plakaten mutieren, mit dutzenden von eingeklebten Stickern, mit interaktiven Inhalten, wenn man etwa mit Selbstklebebuchstaben selbst layouten soll – und mit jeder Menge fundiertem Inhalt. Karo hat mit der größten Aufklebersammlerin Deutschlands ebenso Interviews geführt wie mit dem Sticker-Designer Christian Hundertmark, sie war selbst in Barcelona und London, um Streetart-Sticker zu kniopsen und hat sich via Flickr-Partnern gezielt Material aus Tokio, Wien, Paris, New York und und und zukommen lassen – in diesem Buch werden die Straßen der Metropolen zu Museumsgängen. Dazu kommt ein auf einem anderen Papier gedruckter Sachteil, der die Drucktechnik und die Geschichte des Stickers dokumentiert, ein Trip durch die Geschichte der Aufkleber von den 80s bis heute – und nicht zuletzt ein großer Teil, in dem Karoline selbst sich an den verschiedensten Klebemedien auslässt und frei improvisierend damit spielt.

Es gibt fast kein Register, dass sie in diesem Buch nicht zieht. Photoshop-Trickserei, Vektorartwork,  Handschrift, Computertypographie, komplexe Composings, grobe Montagen, alles verbunden durch Karolines ganz eigenen grandiosen Humor, der das Buch zu einem visuellen Abenteuerspielplatz macht. Kaum eine Seite, die nicht voller gags steckt, die man manchmal auch erst mal verstehen muss.

Mehr Bilder nach dem Break – wobei man immer sagen muss, das selbst Kathrinas super Photos dem Umfang und der Deteilfreude des Artworks keine Gerechtigkeit zukommen lassen können… es ist einfach zu viel guter Stuff, man müsste jede der 500 Seiten abbilden und dazu noch ein zwei Details… too much einfach :D. Bleibt zu hoffen, dass Karo einen Verlag für das Buch findet und wir es alle kaufen dürfen :-D.

(weiterlesen…)

17. April 2008 14:40 Uhr. Kategorie Design. 7 Antworten.

Stuhlkleben

Das Viktor-Frankl-Zitat hat mir so gut gefallen, dass ich es unbedingt an der Wand haben wollte – ich habe selten etwas gelesen, was den kreativen Prozess mehr auf den Punkt bringt als das. Da Beate in ihrem Diplom rote ablösbare Wandfolie verwendet hat, kam ich auf die Idee, den brennenden Stuhl an die Wand zu kleben… was zwar ziemlich frickelig war, aber nice aussieht. Immerhin eine gute Sache heute.

(weiterlesen…)

16. April 2008 20:06 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 13 Antworten.

GREGOR EISENMANN STARTET IN 10… 9… 8…

Obwohl sich erst am Mittwoch entscheiden wird, ob ich an der Ruhrakademie bleibe(n kann) und ob ich weiter Diplome berate, fängt einer der Leute bereits mächtig an, in den Herbstspurt zu gehen. Am 26.04.08 startet Gregor Eisenmann bei sich in der Wohnung eine ReleaseParty und startet sein Diplom mit einem Bang, einer riesigen 13-qm-Rauminstallation, die uns allen die Köpfe verdrehen wird. Dass heißt, Greg hat noch zehn Tage Zeit, um eine völlig geisteskranke Konstruktion zu bauen – und jeder, der ihn kennt, weiss, dass es auch klappen wird. Ich habe bei jedem Studenten ein klares Gefühl für das Potential, das in ihm oder ihr liegt – und wenn die Leute nur wollen, liege ich auch meist richtig. Bei Gregor ist es so, dass der Mann einmal ein wirklich wirklich unglaublicher Künstler sein wird, ohne jeden Zweifel. Ich kenne kaum jemanden, der so energiegeladen, irrlichternd, wild, kreativ und ganz einfach unbremsbar wunderbar ist. Egal, ob ich das Diplom noch betreue oder nicht – ich freue mich voll auf den Kickoff am 26. Und ihr solltet auch da sein. 26. April 2008. Querstraße 19, 44139 Dortmund. be there or be square.

15. April 2008 23:39 Uhr. Kategorie Design. 19 Antworten.

DIPLOME: CHRISTIAN HAMPE «ZERSTÖRUNG»

Christian Hampes Diplom Zerstörung ist tatsächlich der bewusste Kontrapunkt zu Beate Blaschczoks Schöpfung. Nicht nur thematisch, auch gestalterisch könnten die beiden Bücher – trotz ihrer beidesmal roten Einbände – kaum unterschiedlicher sein. Wo Beate einen ruhigen, am Zeitstrahl strikt disziplinierten Stil pflegt und fast minimalistische Großzügigkeit gelten lässt, ist Christians Diplom ein rauschender stream of conciousness, eine Wanderung durch ein Museum, die vielleicht erst mit einem Guide so richtig Sinn machen, die man aber auch so durchwandern und bestaunen kann. Es ist ein furioses, wütendes, meisterhaftes Zeugnis eines jungen kreativen Mannes, der fast didaktisch mit einem Thema anfängt und dann immer freier, assoziativer, rätselhafter. Es ist ein großartiger, beneidenswerter Ritt durch die eigene Seele, ein Trip vorbei an den eigenen Magnet-Themen, ein Buch, das am Ende weit weg ist von dem, was man bei dem Thema vielleicht zunächst erwartet. Christian exzerziert im besten Sinne eine Fusion von Kunst und Design, die für einen Designer Mitte Zwanzig zugleich wunderbar naiv wirkt und trotzdem atemberaubend abgeklärt, ruhig, zurückhaltend wirkt.

Zum Diplom gehört neben dem 484 Seiten starken Buch auch das Clownfisch-Magazin, die Werbemedien dafür – Postkarten, Plakate, Sticker, Weblog -, mehrere Ambient-Media-Aktionen, eine große Releaseparty im Wuppertaler Museum, ein CD-Sampler mit verschiedenen Acts und eine Videodokumentation. Aber hier kann ich nur das uch vorstellen – und das allein ist schon ein Bilderregen – die Clownfisch bekommt ihr direkt hier bestellt – es lohnt sich.

Das rote Cover des riesigen Buches ist ein einziges Stempelkissen – sobald man draufpackt, sind die Finger von roter Farbe getränkt. Wer das Buc hliest, zerstört es also zugleich. Christian setzt so die in allen Medien inhärente Idee des interaktiven Mediums – Plakate zum Selbstgestalten, Postkarten, die Spiegeln, Sticker zum Selbst-Ausfüllen usw – weiter.


For you – schon über der Widmung wartet eine echte Rasierklinge auf hastige Umblätterer.
Nach dem Break ungezählte Bilder, die an sich nur einen Bruchteil des Buches wiedergeben, von dem ich nur hoffen kann, dass es eines Tages real gedruckt wird.

(weiterlesen…)

20:10 Uhr. Kategorie Design. 11 Antworten.

RUHRAKADEMIE DIPLOME FRÜHJAHR 2008 – PHOTOS TAG 1

Zwar deutlich weniger Bilder als vom zweiten Tag, aber hier nachgereicht die Photos, die Verena Grimm vom ersten Tag der Diplome geschossen hat… leider fehlt da auch was, ich muss mal sehen, ob Debbie mir ihre Photos noch zukommen lässt.

(weiterlesen…)

00:21 Uhr. Kategorie Leben. 5 Antworten.

GOING DOWN SOUTH

Christoph Wilde macht sein an der Ruhrakademie von  Hendrik Lietmann betreutes Photodiplom in Südafrika, der bestdenkbare Ort, um sich dem Thema «Sicherheit» anzunehmen. Ein Land von Armut, Unruhen und Angst geschüttelt, in dem sich die Superreichen in Gated Communities verstecken, das hat einen Hauch von Zukunft à la J.G. Ballard. In seinem Blog kann man die Reise und die Entstehung der Photoarbeiten nachvollziehen – ich bin mehr als gespannt drauf.

14. April 2008 20:12 Uhr. Kategorie Online. 5 Antworten.

RUHRAKADEMIE DIPLOME FRÜHJAHR 2008 – PHOTOS TAG 2

Vom ersten Diplomtag habe ich leider keine Photos, weil ich die Kamera, aber keine CF-Karte dabei hatte. Ich hoffe, irgendjemand schickt mir  mal die Pix von Verena Grimm. Diese Bilder vom Freitag hier hat Gregor Eisenmann in einem fantastischen Rausch gemacht – fast 400 Bilder. Nach dem Break also rund 12 MB Eindrücke vom Frühjahrs.Diplomfinale. Die anschließende Party mit RocknRoll, die so bis 3 ging (jedenfalls bin ich um die Uhrzeit losgefahren) hat Greg nicht photogaphiert, weil er die Hände frei haben wollte, um mehr zu feiern. Richtige Einstellung.

(weiterlesen…)

12. April 2008 20:00 Uhr. Kategorie Stuff. 10 Antworten.

GET WELL SOON LIVE FZW DORTMUND


Es ist die Krux des kleinen Saales und des großen Klangs – Konstantin Groppers Get Well Soon zelebrieren auf ihrem Debutalbum einen dichten Wall of Sound, den man sich ohnehin nur schwer 1:1 auf der Bühne vorstellen kann, geschweige denn auf einer so kleinen wie der des absolut vollgepackten FZW. Wo Rock und Punk durchaus erdig und pur wirken, ist die schwerelose melancholische Musik der jungen Band einfach zu sehr geerdet, aus dem Orbit von Hall und Überproduktion auf die kalte Erde herabgezogen. Der Sound ist sehr schwierig, Teile der Instrumente dominieren die Halle schon von Bühne aus  – allem vorweg die Drums und die Bläser – während andere Instrumente sich kaum durchsetzen können, wie etwa die Keyboards oder der Bass. Das Soundgerüst ist eher das einer schlechten Schülerband – und das entzaubert gewaltig. Aus elegischen, sphärischen Soundkonstruktionen werden so sich etwas bleiern hinschleppende Songs, die nie wirklich nach vorn kommen, aber auch nie wirklich erhebend, hypnotisch wirken. Die Band gibt sich redlich Mühe, die meisten Musiker spielen relativ brav aber engagiert ihre Parts herunter, einzig der Drummer versucht sich an mutigen Fills und Breaks – die mal wunderbar gelingen, mal aber auch einfach nur die Songs zerstören und mitunter etwas aufgesetzt, einfach overplayed wirken.

Get Well Soon spielen die Tracks des Albums relativ 1:1, sogar in der Reihenfolge der Platte, herunter, ohne großen Freiraum für Improvisation oder Spiel, was angesichts der kompositorischen Dichte der Stücke verständlich ist, aber auch schade wirkt – ein mittlerer Block von unbekannten Stücken, von denen Gropper sagt, sie kämen aus seiner Mottenkiste, wirkt druckvoller und mehr für Live ausgesucht als die Stücke von Rest now Weary Head… , die nun nicht unbedingt zum Tanzen einladen, sondern eher zum hinhören. Entsprechend ruhig ist das Publikum, das eher versonnen hin und herswingt und sich der Musik hingibt, die im Verlauf der Konzertes an Souveränität und Kraft gewinnt und sich zwischendurch zu wunderbaren Höhen aufschwingt, die in ihrer Breite an Sigur Ros erinnern.

Irgendwie bleibt es ein Konzert, das nie richtig abhebt und stellar wird, das aber auch nie mies ist – die Musiker wirken, als hätten sie auch auf der Bühne mit Soundproblemen und schlechtem Monitoring zu kämpfen und ackern sich insofern etwas unentspannt durch die Tracklist. Insgesamt die Sorte Konzert, bei der man sich wünscht, dass die Combo etwas mehr Erfahrung miteinander sammelt und somit souveräner im Spiel wird – und vor allem ganz einfach den Sound und das Licht, den die Musik verdient. Und ich denke, dann können Konzerte von Get Well Soon aber mal so ganz, ganz großartig werden. Und dann kann man sagen, wie geil es war, die schon gehört haben,. als sie noch in kleinen Clubs gespielt haben und wie sehr man sich diese Zeiten zurückwünscht :-D.


19:48 Uhr. Kategorie Live. 3 Antworten.

ZWEITER DIPLOMTAG

Heute ab 11:30 beginnt die zweite Diplomrunde an der Ruhrakademie. Unter anderem zeigen dabei auch am späten Nachmittag drei der allerersten Filmleute an der Akademie ihre Diplomarbeiten, auf die ich wahnsinnig gespannt bin (und die müssen spannend sein, ich habe drei Stunden Schlaf gehabt und einen langen anstrengenden Tag vor mir…) Wer Zeit und Lust hat kann an der Hagener Straße 241 in den Wald fahren, ein bisschen auf dem Schloß herumspazieren, sich mit den Studenten unterhalten und hoffentlich gute Arbeiten sehen – und wenn ich mich nicht ganz irre, dürfte es ab 20:00 etwas Party geben :-D.

11. April 2008 09:37 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

DIPLOME: ANDREA MINKLER «EMANNZIPATION»

Als Andrea Minkler mit ihren ersten Diplomideen zu mir kam, war ich etwas skeptisch… kann man dem Thema Emanzipation, dem Wechsel der Rollenverteilung von Mann und Frau, dem langsamen Wandel von der maskulinen zur femininen Gesellschaft und den eben dennoch scheinbar langanhaltenden Stereotype von Mann und Frau überhaupt noch etwas abgewinnen? Totgeritten von den Neo- und Post-Feministinnen und inzwischen bei Ursula von der Leyen und Eva Hermann angekommen, sollte man meinen, dass man einfach keinen Spaß mehr mit dem Sujet haben kann.

Denkste… Andrea stellt in ihrem knallpinken überformatigen Buch schon auf dem Cover die Geschlechter auf den Kopf, mit einem Lentikular-Wackelbild, das zwischen den klassischen Symbolen für Maskulin und Feminin ebenso unruhig hin- und herflirrt wie ihr ganzes Diplombuch, dass mit dem Extra-n im Titel Emannzipation vorwegnimmt, was der an sich simple Clou des Buches ist: Andrea macht Rollentausch. Sie erzählt das alte Thema, aber sie klebt die Köpfe um, sie ändert Namen und Rollen. Aus Jesus wird Jesaja, statt Neil Armstrong hinterlässt Nina Armstrong Stöckelschuhabdrücke im Mondstaub, und bei Adel Hitler durfte der Schäferhund mit im Bett schlafen. In weniger begabten Händen hätte so ein Rollentausch zur simplen und absolut unkomischen Nummer werden können, Andrea macht einen wilden, energiegeladenen bubblegumrosa Punk-Ritt durch die Geschichte, durch Relgion und Politik und durch unseren Alltag.

Schon ganz zu Anfang wird klar, dass die Karten hier anderes gemischt sind. Andrea eröffnet mit einem Kopf-Röntgenbild und einem folgenden Text der keinen Zweifel dran macht, das Männer ein kleineres Hirn haben und deshalb nicht so gut denken können. Sie verschiebt Symbole und Chromosomen, und auf einmal ist SHE HE und umgekehrt, Frauen gewalttätig und Männer sanftmütig, weinen Männer fünfmal so oft, schauen zu viel Dirty Dancing, gehen nur zu zweit aufs Klo, und gestehen, abgetrieben zu haben… während die Frauen sich perfekt im Verkehr auskennen, auf liebevoll von ihren Männern gestrickte Weihnachtspullis pfeifen, und Angst haben, ihre Vagina sei zu klein. Das liebevoll mit Collage, eigenem Artwork, verstümmelter Typographie und absichtlich grob modifizierten Bildern gestaltete Buch bleibt graphisch und inhaltlich auf jeder Seite spannend, oft rätselhaft, oft saukomisch, immer anregend. Es wimmelt von Penissen, Dildos, zerschlagenen Eiern, Rasierklingen, und jeder, aber wirklich jeder (und jede) kriegt dabei Fettspritzer ab, egal ob Papst, Angela Merkel oder Madonna. Religion, Politik, Androgynismus, die Auflösung von Geschlechterrollen, Emanzipationskampf, Sex, Schön- und Eitelkeit gewinnen auf einmal einen frischen Glanz, wenn man sie im absurden Zerrspiegel von Andrea Minkler betrachtet. Der visuell anarchische, derbe und zugleich makellose Stil der Arbeit passt geschliffen zum respektlosen und frechen Sound des Buches, das immer wieder scheinbar mühelos von ausgelassener Albernheit zu tieferen Strukturen der Mann/Frau-Rollenverteilung gelangt und so längst selbstverständlich gewordenes auf den Kopf stellt, in Frage stellt, veralbert.

Das Emannzipation-Buch ist im besten Sinne ein Hofnarr, ein unglaublich schnelles, unterhaltsames Ding, das nie mit dem Zeigefinger auf irgendetwas stößt und eben deshalb umso prägnanter die Frage zurücklässt, warum die Rollen eigentlich so verteilt sind wie sie sind und ob das nicht alles auch realiter etwas absurd und künstlich ist. Andreas durcheinandergewirbelte, immer neue Kreise schlagende Geschlechtervertauschungen, in die unter anderem eine wunderbare Kinderbuchpassage eingebaut ist, in der man etwas befremdliche Mann/Frau-Berufsklischees entdecken kann, verunsichert zunehmend. Gerade durch den groben sichtbaren Bruch in Andreas Manipulation der Wirklichkeit wird ein «Was wäre wenn», ein Science-Fiction-Element spürbar, das durch absurde, kunstvolle Komik erreicht, was all die ernsten Bücher zum Thema längst nicht mehr erreichen: Ein Nachdenken über die Ursachen und Auswirkungen von Rollenverteilungen in der Gesellschaft. Und das alles so federleicht, so unterhaltsam und eben deshalb so effektiv, dass es zu einer der bestdenkbaren Liebeserklärungen an die Männer… ööööhh… Frauenbewegung wird.

Ganz nebenbei ist das Buch auch visuell ein Schmuckstück – weiß, pink und schwarz sind auf den riund 500 Seiten als Grundfarben sauber durchgehalten, ohne dass es je langweilig wird, die Typo ist ausgerechnet und idealerweise die pokergesichtige Helvetica, die Andrea gegen die zahllosen modifizierten Ausrisse aus Beauty- und Modemagazinen, Büchern, Zeitungen ins Rennen schickt. Das Ergebnis ist ein visueller Trip, bei dem man nie weiß, ob man rasch weiterblättern will, um fix die nächste, spannende Seite entdecken zu können, oder ob man sich in eine Seite einliest, um die Texte und Bilder zu durchdringen. Die liebevolle Verarbeitung, das Wackelbildcove, der grellpinke Buchschnitt, das riesige, wuchtige Format – einfach umwerfend. Girl Power halt. Ich beneide jetzt schon den Verlag, der sich dieses Buch sichert (und dann leider die Rechtefrage an den Textausrissen klären muss ;-D). Es ist eins der passendsten Bücher zu einer Zeit, in der ernsthaft von «Gender Mainstreaming» geredet wird… nämlich ein kraftvolles und wunderbar unernstes Manifest gegen die Gleichschaltung und Langeweile.

Nach dem Break jede Menge Bilder aus dem Innenleben:

(weiterlesen…)

00:17 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.

WELCOME DUAFLEX

Heute kam meine Kodax Duaflex II. Obwohl noch gar nicht umgebaut, habe ich sofort durch den Sucher ein Photo gemacht – denn dafür ist die da, für Throughtheviewfinder-Bilder. Unhandlich wie sonstwas – und durch das spiegelverkehrte Bild, das von der Sichtplatte der Zweiaugenkamera in der normalen Spiegelreflex ankommt, wird einem wirklich schwindelig, aber die Bilder sehen bereits völlig unbearbeitet schon wunderbar analog aus :-D.

10. April 2008 08:49 Uhr. Kategorie Photos. 14 Antworten.

DIPLOME: BEATE BLASCHCZOK «SCHÖPFUNG»

Es ist etwas schade, dass ich hier aus dem aktuellen Diplom an der Ruhrakademie nur «meine» Diplomanden vorstellen kann – es sind auch wirklich absolut zeigenswerte, tolle Arbeiten dabei, die zum Beispiel Andreas Darda oder Thomas Hilbig betreut haben, oder Sachen aus anderen Bereichen – Film oder Animation etwa – die sich völlig ohne Zweifel neben jeder FH-Arbeit sehen lassen können. Es ist eigentlich absolut schade, dass die RA aus welchen gründen auch immer so gar keine Werbung für die Diplomschau macht – wie im Grunde jede FH, die alle kapiert haben, dass hier Leistungsshow ist, für Arbeitgeber, aber eben auch für das Lehrinstitut selbst, dass ja guten Nachwuchs anlocken will. Es ist im Grunde schade, das nur Jury und ein paar Studenten und Eltern sich das alles anschauen, eine vertane Chance für die RA. Die anderen Arbeiten kann ich leider nicht zeigen – weil ich sie nicht habe. Sehr schade ist in dem Kontext irgendwie auch, dass wir nicht so eine Art Annual rausgeben, in dem die Diplome und andere Arbeiten «speichern». Ich lasse mir von meinen Diplomanden inzwischen immer eines des Bücher oder Projekte geben – einfach als Erinnerungsstück – aber es wäre toll, auch von den anderen Diplomen noch mementos zu haben :-D. Aber vielleicht wäre es auch auf meinem Blog seltsam, die Arbeiten anderer Dozenten vorzustellen und sie mir anzueignen. Insofern kann ich nur sagen: Die Sachen, die ich hier zeige, sind nur ein Beispiel für die Qualität der Diplome, die eben bei allen Dozenten entstanden sind. Und das freut mich mehr, ehrlich gesagt, als die Ergebnisse meiner eigenen Leute – und auf die bin ich, wie ihr noch lesen werdet, absolut absurd stolz.


Weil es sehr umfangreiche Arbeiten sind und das Photographieren (die Photos sind von Katharina Mönkemöller, unserer neuen Praktikantin, die leider viel zu kurz hier bleiben will, um dann ihr eigenes (super spannend klingendes) Diplom an der FH Dortmund anzugehen) auch recht lange dauert, mache ich es so, dass ich jeden Tag eins der sechs von mir betreuten Diplome vorstelle. Den Start macht Beate Blaschczoks «Schöpfung», ein über 600 Seiten dicker roter Lederband im Überformat, der sämtliche existenten Schöpfungsgeschichten auf einen Zeitstrahl bringt, der 50 Millionen Jahre pro Doppelseite umfasst. Diese einzigartige Synopse, die sozusagen verschiedene Schöpfungstheorien übereinanderlagert, beginnt mit dem Big Bang, der sich über endlos viele Seiten dahinzieht, landet dann bei der hinduistischen Schöpfungssaga, bei der Evolutionsgeschichte und schließlich – auf dem letzten Drittel der allerletzten Seite – beim Aufkommen der Menschheit. Ein Clou des Buches, vielleicht sogar eine bescheiden machende Botschaft, ist, dass alle anderen Schöpfungsgeschichten zu kurz und zu klein sind, um sichtbar zu sein. Die christliche Schöpfungsgeschichte – soweit man sie datieren will, und das wollen die Kreationisten ja, beginnt etwa 15.000 Jahre vor Christus – zu wenig, um auch nur sichtbar zu sein in dem sich auftürmenden Berg der Menschheitspopulation, wäre keinen Finger breit. Die Unterschiede zwischen den Religionen, um die Kriege geführt werden, verblassen sichtbar vor der unendlichen Dauer der Entstehung der Erde und des Lebens darauf, eine Skala, auf der selbst die menschliche Entwicklung vom Homo Sapiens bis heute nur wenige Zentimeter einzunehmen vermag.

Dem wunderbar strikten Dogma des Zeitstrahls folgend, der das Buch und seine Gestaltung einer klaren Seitenaufteilung unterwirft, ergeben sich seltsame Atemeffekte. Es gibt endlose Phasen von fast meditativem Stillstand, hunderte von Seiten, auf denen fast wie in einem Animationsfilm nur schleppend langsam was passiert, so dass man fast gewillt ist, mehrere Seiten auf einmal umzublättern – und plötzlich, auf einer oder zwei Doppelseiten, passieren die Dinge in rasanter Schnelle, Planeten rasen ineinander, Meteoriten rotten die Dinosaurier aus. Das gibt dem Buch eine ungewöhnliche Strenge und innere Spannung, die kein Film – bei allem filmartigen Flair der Doppelseiten, die ot wie Frames einer Animation anmuten – erreichen kann, da nur die Doppelseite als Rahmen, als Paradigma, als klares «Es passierte in diesem Zeitraum» der Geschichte den Reiz gibt. Auf einen Blick, auf einer Doppelseite hat man einen starren zeitraum überblickt – und dieses starre Exosklett macht nachvollziehbar, in welcher majestätischen Ruhe etwa sich der Big Bang vollzog. Als Film wäre das «nur» eine langsame Animation – als Buch ist es eine Geduldsprobe. Und das macht es so wunderbar.

Beates Buch ist ein Monolith. Überformatig, in geprägtem roten Leder mit Kapitalband, auf Buchdruckpapier gedruckt, in grellem Rot (Gold ließ sich leider im Digitaldruck nicht verwirklichen, wäre aber sonst erste Wahl gewesen), ist es eigentlich kein Buch, sondern eine Skulptur. Es geht nicht darum, einzelne Seiten zu bewundern – obwohl die feingliedrigen Vektorzeichnungen, die Beate von Hand in Freehand mit tausenden und abertausenden von Kurvenpunkten angelegt hat, wirklich dazu einladen, mit der Lupe hinzuschauen und man in dem Mosaik immer neuer Flora und Faune aus dem Staunen nicht herauskommt über die Faszination einer Blume oder einer Muschel  -, es geht um ein Statement über die Zeit. Wie Kubricks schwarzer Monolith in 2001 steht dieser riesige rote Klotz, der den Buchbinder vor eine Probe seines Könnens gestellt hat, vor dir, eine Art Anti-Bibel, ein Manifest, das ohne Worte auskommt, ein Objekt zum Anfassen, zum In-der-Hand-Haben, es ist Form gewordene Arbeitszeit und Mühe.  Der physikalische Eindruck dieses Buches – der Geruch von Leder, das Gewicht, die Mühe, die übergroßen Seiten umzublättern – lässt sich leider nicht in Photos einfangen. Dem finalen Werk sieht man die zwälf Monate, die an Einlesen, Planen, Umwerfen, Entwickeln und schließlich manischem Vektorgefrickel eingeflossen sind, wirklich an.

Das Buch bleibt rätselhaft und der Clou will erst einmal verstanden, gedeutet werden – so simpel und schlicht die Sache ist (man liebt es oder hasst es sofort, glaube ich), so unterkühlt und subtil ist die Botschaft. Wie ein Zen-Rätsel eröffnet Beates «Schöpfung»-Buch mehr und mehr Fragen, je mehr man über die mögliche Antwort nachdenkt. In vielerlei Hinsicht ist es Anti-Design, oder Kunst mit den Werkzeugen eines Designers. Wo andere ihre Botschaften gerade in unserem Metier unsubtil und laut verkünden – bigger, bolder, black – wird Beate trotz der provokativ roten Farbe still, fast unsichtbar. Das Buch hat sie nichtumsonst in einem riesigen leeren weißen Raum auf drei weißen Klötzen, die fast altarartig wirken, präsentiert. Es ist eine Einladung zur Meditation, zur Ruhe, zum Versinken, das erst dann richtig hypnotisch wird, wenn man sich zwingt, jeder Seite wieder eine bestimmte fixe Betrachtungszeit zu geben, also sich zwingt, etwa pro Minute nur eine Doppelseite zu betrachten und dann – egal, ob sie langweilig wird oder man länger verweilen will – umzublättern. Es ist die Sorte Buch, die man als Objekt einfach im Regal haben will.

Mehr Seiten aus dem Buchinneren nach dem Break…  wobei man dem Buch wirklich nicht gerecht wird, weil man einfach nicht jede Seite abbilden kann und sich die Magie erst aus allen Seiten gemeinsam ergibt :-D.

(weiterlesen…)

07:25 Uhr. Kategorie Design. 14 Antworten.

NIELS FREVERT: GEBÄUDE 9 KÖLN

«Na, denkt ihr schon darüber nach, was ihr gleich im Internet schreiben wollt?», fragt Frevert mitten im Konzert das Publikum und überlegt, dass wahrscheinlich alle darüber schreiben, wie oft er seine Gitarre stimmt im Laufe des Konzerts. Live 2.0, wo du als Künstler schon immer das im Internet geronnene Feedback deines Publikums vorwegfürchten oder besser einfach ignorieren musst, die endlos hochgereckten Mobiltelephone und die Besucher, die zu Kritikern mutiert sind.

Und das sind nicht wenige, in der Konzerthalle vom Gebäude 9 ist es angenehm voll, obwohl man eigentlich vermuten sollte, dass kein Mensch Niels Frevert noch kennt, der sechs Jahre nach seinem letzten Album – und über zehn Jahre nach Nationalgalerie – wieder nicht nur mit einer Gitarre, sondern mit einer ganzen Band. Und obwohl die mit Stefan Will am Piano, Stephan Gade am Bass, und Tim Lorenz an den Drumseingespielte kurze CD eher besinnlich daherkommt, ist das Konzert nur teilweise ruhig. Vor allem gegen Ende wird es kraftvoller, energetischer – mit Dopppelgänger sogar kurz richtig rockig. Im Großen und Ganzen geht es, wie bei der Paul Dimmer Band, die den Abend einleitet und deren Track Pausen Nils fürs Tapete Label ja vor einem jahr erst gecovert hat, irgendwie moderat zu…ein gemütlicher Mitsingabend für Menschen, die ein wenig zu verdächtig nach abgeschlossenem Pädagogikstudium aussehen und die schon die Songs vom neuen Album auswendig können. Es ist ein bisschen Wohnküchenflair, und das klingt vielleicht böser, als es gemeint ist. Aber es ist befremdlich, dass Freverst Publikum so eine freundliche Gemütlichkeit ausstrahlt, fast so als wäre man bei einem Element of Crime Konzert, ein Vergleich zu dem die Musik teilweise inzwischen einlädt, wo dich seine Texte viel zu sperrig fürs kuschelfeeling sind, nicht mitgesungen, sondern gehört werden wollen. Aber vielleicht geht es darum live nicht – also schwingen die Pärchen im oft jazzig verwaschenen Groove des Abends und auf der Bühne steht dieser Mann, nach 20 Jahren immer noch so seltsam am Anfang seiner Karriere zu stehen scheint, in kleinen Clubs, mit einer Musik und  Kapelle, die nicht sooo anders klingt als Nationalgalerie, mit dem gleichen – gealterten – studentischen Wuschelflair, der gleichen Unsicherheit als Frontmann, die andere nach der langen Erfahrung längst abgelegt haben müssten und die im Laufe des Abends gottseidank etwas aufweicht, bis so etwas wie Kommunikation zwischen Sänger und Publikum und Sänger und Band stattfindet. Vielleicht tatsächlich bedingt durch die langen Stimmpausen, die von Niels und dem hervorragend smoothen Basser Stephan Gade ausführlich selbst zum Running Gag gemacht werden – früher war alles anders, da gabs nur eine Gitarre. Aber selbst wenn Frevert heute mehr Gitarren hat als 1995, so würde man ihm doch auch einen Roadie gönnen, der die Gitarre stimmt, und eine größere Bühne, und mehr Publikum, und mehr Ruhm und Ehre und all that shit. Aber wahrscheinlich funktioniert das so einfach nicht, wahrscheinlich kann man dankbar sein, dass Frevert nach all der Zeit immer noch da ist und nicht Websites programmiert oder sowas. Insofern schaut man irgendwie einem gealterten Boxer zu, der sich durch ein Best-of der letzten drei Soloalben maneuvriert, oft zu großer Form aufläuft, mitunter nah am Schlager vorbeischrammt – aber gut, «Du musst zu Hause sein» war auch 1997 schon ein Song, den ich nicht verstehen konnte. Muss an mir liegen. Auf der anderen Seite gibts Polyacryl, Einbahnstraßen, Einwegfeuerzeugstichflamme und andere Songs, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet habe und um so besser, dass die kommen. Wenn ich mich nicht irre, gibt es nichts von der Galerie und das ist seltsam, aber wirklich gut – Evelyn hätte mir vielleicht den Abend verdorben. Die Band verleiht den alten Tracks ein neues Flair, ohne sie entstellen oder zu Coverversionen zu mutieren, bettet aber auch die lauteren Songs sanft in den relaxten Grundtonus des Konzertes ein. Vor diesem nivellierenden Grundsound wird klar, wie bündig Freverts Werk eigentlich ist – das durch die sehr unterschiedlichen Produktionen der Alben sehr unterschiedlich wirkt, wobei ich Seltsam öffne mich als das gelungenste unter drei exzellenten Alben betrachte – wie logisch die Entwicklung von dem noch sehr krachenden Nationalgalerie-Sound (der ja auch zunehmend introspektiver wurde) zu den Miniaturen von heute.

Frevert und die Band werden von dem kleinen aber feinen Publikum der Seltenheit solcher Auftritte und der Bedeutung von Frevert entsprechend gebührend und ausgiebig abgefeiert, zu Recht, bevor nach drei Zugaben Schluss ist, damit die Leute noch die letzte U-Bahn nach Hause kriegen und darüer nachdenken können, was sie in ihr Blog schreiben und die ersten Vdeos zu YouTube laden…

00:07 Uhr. Kategorie Live. 2 Antworten.

NIELS FREVERT: DU KANNST MICH AN DER ECKE RAUSLASSEN

Eine neue Platte von Niels Frevert ist jedesmal eine Ausnahmeerscheinung, publiziert der Hamburger doch mit der Geschwindigkeit des Kontinentaldrifts. Seltsam öffne mich, seine brillante letzte Scheibe, ist immerhin schon von  2003, der Vorgänger, Freverts erstes Soloalbum nach der Zeit mit Nationalgalerie von 1997. Nils erklärt die langen Pausen in einem aktuellen Spex-Interview mit der Zeit, die er braucht, um seine Texte zu verdichten zu kürzen und zu streichen, bis die Essenz bleibt. Und das Ergebnis ist ein Album, das gerade einmal eine halbe Stunde umfasst – eine hochintrospektive Platte, die kammermusikartig konzentriert ist, ein jazziges Minimum an Schlagzeug/Bass, dezente Streicher … eigentlich ein Mann und seine Gitarre mit einem Minimum an Produktion drumherum. Alles sehr akustisch, sehr unplugged, sehr viel weniger eingängig, sehr viel weniger Pop als die beiden Vorgänger. Eine Nummer wie Doppelgänger oder Einwegfeuerzeugstichflamme suchst du hier vergebens. Wie so viele andere Singer/Songwriter kommt auch Frevert an den Punkt, wo er seine Musik so pur wie möglich präsentiert, ohne viel Blingbling. Das macht Du kannst mich an der Ecke rauslassen zu dem Intimsten , was Niels bisher publiziert hat. Zugleich wirkt das Album leider so nach innen gewandt, dass es nie wirklich aus dem Quark kommt, eine irgendwie eben nette Platte, die so vor sich hinperlt, die aber niemals wirklich Druck entwickelt oder an die Größe herankommt, die man von Frevert gewohnt ist. Das Album wächst von Hören zu hören, die Songs haben unter der simplen Oberfläche einen schönen Tiefgang und sind – im besten Sinne – eher Chanson als Popmusik, und das ist nur konsequent für Niels Freverts Entwicklung, die ihn zunehmend in die Richtung von Nick Drake, Neil Halstead und anderen Songwritern bringt. Du kannst mich an der Ecke rauslassen ist eine Platte, die Frevert in Rohform zeigt, kondensiert, geronnen, ein perfektes, fast kantenloses Juwel, das danach verlangt, in Ruhe gehört und verstanden zu werden. Frevert erzählt in einzelnen Zeilen seiner Texte so viel wie andere Musiker auf drei Konzeptalben, die fragmentarischen, seltsam alltäglichen Texte, die sich bei ihm immer wieder um die gleichen Dinge drehen und diesen immer näher kommen, nur minimalistischer, klarer. Frevert ist auf dem Weg zum Alterswerk, zum dieser luziden Reinheit, wo du alles weglässt, was nicht mehr wichtig ist.

Diesem Purismus wird leider das musikalische Feeling, der Spaß am Pop, an der Inszenierung, etwas geopfert, und so ist Niels weiuter auf dem Weg weg vom Mainstream – und das paradoxerweise in einr Zeit, in der die Nachfolger von Nationalgalerie (Kettcar, Tomte et al) die Charts erobern. Anstatt diesen Erfolg mitzunehmen, ist Frevert auf seiner ganz eigenen Reise längst schonan der nächsten Haltestellen – mit zum Sterben schönen Texten, und einer Musik, die irgendwie seltsam melancholisch und berührend ist, manchmal fast hauchzart an der Grenze zum Kitsch herumstolpert. Die neuen Songs werden nicht jedem gefallen, der den «alten» Niels mochte, aber nach sechs Jahren Pause wirkt diese Platte nur zwangsläufig, unausweichlich. Umso trauriger, dass man eventuell bis 2014 warten wird müssen, bis wieder etwas Neues kommt…

7. April 2008 11:44 Uhr. Kategorie Musik. 3 Antworten.

KAIZERS ORCHESTRA E-WERK KÖLN

So leer habe ich das E-Werk selten gesehen – die Herren Kaizer haben offenbar treue, aber leider nicht wirklich so überragend viele Fans in der Region. Nachdem der großartige Warm-Up Geoff Berner nach einem furioswitzigen Set von der Bühne tritt, kommen die sechs Herren in schwarzen Anzügen und weißen Hemden auf die Bühne und spielen sich sauber durch ein fast nahtloses Set von neuen Maskineri-Tracks und Classics, fast schon zu routiniert. Die wenigen Pausen füllt Janove Ottensen mit etwas Small Talk mit dem Publikum, der teilweise auch klingt wie eine Marketing-Umfage (Woher kennt ihr uns? Radio, TV oder Freunde?). Insgesamt unterscheidet sich dieser Gig gegenüber dem vor zwei Jahren in Bochum durch eine gewisse Blutarmut. Die Band ist super, das Publikum gegen Ende völlig aus dem Häuschen, ich hab selten eine 3/4 volle Halle so abgehen sehen (und zu Recht), aber die Show wirkt irgendwie einen Hauch professioneller, geschliffener, weniger überdreht. Die Sache ist ingesamt nüchtener, etwas inszenierter und kalkulierter – vielleicht eine logische Folge, wenn man eine Band mehrfach sieht. Du achtest enfach auf andere Dinge. Auf Øyvind Storesund beispielsweise, der am Kontrabass wunderbare Arbeit leistet. Die Musik ist der übliche MarchingGypsySwampSouthRockEastFolkPunk-Mix – nicht ohne Grund läuft Beirut beim Rausgehen – wobei die Band die neuen Songs fast nahtlos in das bestehende Material zu integrieren versteht… und live dabei sehr viel mehr überzeugt als auf dem tatsächlichen Album.

Auf Wunsch einer einzelnen Dame, die 320 Photos gemacht hat, kommen nach dem Break… ein paaaaar Photos…  die sich hauptsächlich auf ein Bandmitglied konzentrieren. Lalala…

(weiterlesen…)

6. April 2008 17:02 Uhr. Kategorie Live. 6 Antworten.

ARCHITEKTUR ALS PORNOGRAPHIE

Warum ist Paris Paris – und nicht etwa Dubai ? Warum ist London nicht New York? Warum ist Düsseldorf nicht Singapur? Jede Stadt, egal ob Megapolis oder Dorf, hat ihren eigenen Geist, ihren spezifischen Atem – und es ist genauso schade, wenn eine Kleinstadt eine gewachsene Struktur ad hoc durch «Unser Dorf soll schöner werden» dem roten Klinker opfert, wie wenn europäische Städte amerikanischen – oder fernöstlichen – Potenzwahn verfallen. Schaut man sich zum Beispiel die Finalisten des von der EPAD ausgerufenen Wettbewerbs um den Tour Signal im Pariser Busisnessviertel La Defense an, so fällt auf, das der der Geist der gigantomanischen Viagra-Architektur zunehmend auch wieder – nach einer Pausenphase – in Paris Einzug hält. Die Finalisten – darunter Schwergewichte wie Foster, Libeskind oder der frisch Pritzker-preisgekrönte Jean Nouvel – gehören zur absoluten Crème internationaler Architekten, aber dennoch stoßen ihre Entwürfe seltsamerweise unisono auf Befremden. Es ist ein seltsames Gefühl von deja vu, das sich einschleicht – gerade so als habe jeder beteiligte Architekt weniger über den Ort nachgedacht, als vielmehr einfach nur blind dem Zwang seiner gestalterischen Handschrift und einem Hang zur Größe gehorcht. Fosters Entwurf sieht aus wie die Londoner Swiss-Re-Gurke Remixed, Libeskind Entwurf erinnert frappierend an seinen WTC-Entwurf und Nouvel hat überraschenderweise einen eher langweiligen Kasten produziert, den ein gigantischer oben aufgesetzter Big-Brother-Bildschirm wohl retten soll – mehr Times Square als Place Pigalle. Alle Entwürfe scheinen seltsam losgerissen, skulptural, haltlos – sie könnten ebenso in Dubai wie in Moskau stehen, in Los Angeles wie in Düsseldorf. Dazu noch gleichen sich die Skyscraper an sich inzwischen untereinander so sehr, dass man die Architekten kaum mehr auseinanderhalten kann – da wird gedreht und zugespitzt, verformt und gebogen und das Gebäude am Rechner in immer neue Kontorsionen gezwungen, als wolle man beweisen, das Beton und Glas endlich auch real so modelbar sind wie die virtuellen Vektoren und Pixel, mit denen die Büros ihre – ebenfalls immer gleicher werdenden – Renderings und Animationen erstellen.

Es ist insofern vielleicht symbolisch, das Fosters Entwurf – an Englishman in Paris – frappant an einen riesigen goldenen Vibrator gemahnt, fast unwillkürlich irnosch wirkendes Mahnmal eines nach 9-11 seltsam wirkenden Größenwahns. Architektur mutiert hier zur Pornographie – zur Leistungsschau, in der lauter, höher, schneller, weiter und vor allem härter die Maßregel ist. So wie die aufgedunsenen Penise und Brüste der Sexindustrie überzeichnete Fetisch-Karikaturen sind, legt sich hier eine Branche als dem reinen Schaueffekt, der bloßen BlingBling-Oberflächlichkeit verfallen da. Wo Thom Maines Büro Morphosis mit dem Tour Phare in La Defense wenigstens eine düstere vulkanische Science-Fiction-Dekonstruktion in das Stadtbild zimmert und man sich – bei aller Kritik daran, dass hier ein fast 20 Jahre alter Trend anscheinend im Mainstream aufgekocht wird – zumindest freut, das ein solch offensichtliches unverschämtes Monster einen Wettbewerb gewinnt und Paris zur Skyline aus einer Mischung von BladeRunner und Herr der Ringe verwandelt (wenn der Tour Phare doch nur schwarzes Glas wäre)… vermisst man beim Tour Signal diese konzeptionelle Ironie des SCI-Arc-Mitgründers und generellem Branchen-Bad-Boy Mayne. In dröger Fröhlichkeit wuchten sich die fünf Finalistenzu immer größeren Kunststücken hervor, und versuchen Paris im Wettbewerb mit London, Dubai und anderen Brand-Cities aufzupolieren. Und verpassen dabei ein wichtiges Detail…

Paris ist eben nicht Dubai. Paris ist nicht New York oder Singapur oder Peking. Paris ist eine europäische Stadt, und die Versuche, in La Defense – wie schon in den siebziger Jahren – eine Art amerikanische Betonwüste zu implementieren, einen Skyscraper-Irrgarten mit sechsspurigen Straßen und als Alibi hinzugefügten krümeligen Grünflächen, wird zwangsläufig fehllaufen. zwar retuschieren die Architekten in ihre Renderings gern geschäftig umherwimmelnde Menschen ein, doch realiter sind die Bauten natürlich menschenfeindlich. Die virtuellen Kunstmenschen sehen nicht ohne Grund aus wie aus der Apple-Werbung entstiegene Yuppie-Zombies, die entweder mit Aktentaschen und Laptops busy sind oder nach der Arbeit noch schnell ein paar schicke Cocktails und etwas Party brauchen. Spielende Kinder, einkaufende Mütter wirst du in diesen Phantasiewelten nie finden – und die sähen eben auch etwas seltsam aus vor gigantischen goldenen Penisfaksimiles. Tour Signal vertut – wenig überraschend – die Chance, den Trend zu absurden Comic-Phantasien zu durchbrechen und Architektur zu schaffen, die auf den Ort, auf den Menschen zugeschnitten ist. Die man sieht und sagt: Dieses Gebäude kann nur in Paris funktionieren, für den Geist dieser Stadt.

So sehr ich mutige, skulpturale, narrative Architektur-als-Selbstzweck-Gebäude liebe, sie dürfen nicht zu einem stagnativen Wiederholen inzwischen vertrauter Formen, die aus dem freien Morphen von Pixeln am Bildschirm, also in Folge der beim Entwurf verwendeten Technologie, resultieren. Keiner der fünf Finalisten zeigt einen wirklich mutigen, neuen, frappierenden, das Denken erweiternden Ansatz – im Grunde sind die Architekten seltsam brav und bieder geblieben, zwar zeitgenössisch schick, aber irgendwie unweigerlich kitschig – eine Art hyperrealer postmoderner Twist des Gelsenkirchener Barocks. Es fehlt die visionäre Kraft des ähnlich gigantomanischen Bauens der Sechziger und Siebziger, das immerhin noch schlimmstenfalls nach Buck Rogers, bestenfalls nach Kubrick und Zarathustra klang. Aber hier – humorlose Entwürfe, die bierernst wie mittelalterliche Schlösser und wie Pharaonengräber wirken und einer ähnlichen Großmannssucht folgen. Es ist natürlich bezeichnend, dass heute die höchsten Häuser der Welt die Zentralen des Geldes sind, so wie früher zu den Kirchtürmen aufgeschaut werden musste – aber diese Architektur der Macht ist alt und langweilig und niemand ist mehr beeindruckt, ganz im Gegenteil, diese Form der Zurschaustellung bringt nur den wachsenden Gegensatz zwischen Managern und Kunden, Vorständen und Angestellten, in eine symbolisch greifbare Form. Man hat nach 911 nicht wirklich erwarten dürfen, dass diese Inszenierung von Geld, dieses seltsame neureiche Zeigen-Müssen, aufhört und das jemand darüber nachdenkt, warum ausgerechnet diese Attacke solche Symbolkraft hatte. Aber es wäre schon gewesen, wenn die Creme der Internationalen Architekten umdenken würde, anstatt sich stumpf selbst überbietend im Feature-Wahn zu versinken, trunken von der eigenen kreativen Kraft, unfähig zu hinterfragen, was und warum man seinen Job tut, eingefangen im täglichen Flow immer größer werdender Projekte. Wie die as Droge funktionierende Pronobranche auf der Suche nach immer neuen Kicks Jahr um Jahr zu extremeren Mitteln greifen muss, um ihre Konsumenten noch zu erregen, verfällt auch die Architektur in den Gangbang-Modus. More is More.

Was Paris gebraucht hätte, ist eine bescheidene Geste – nicht noch ein Highlight in einer Cityscape, in der sich die Hochhäuser längst um Aufmerksamkeit prügeln. Ein flaches, offenes Gebäude – nicht wie hier Ideen, denen man schon im Rendering anmerkt, das es faktisch ken echtes Erdgeschoss gibt, keine Kommunikation nach aussen. Der Tour Signal soll Business, Hotel, Shopping und Wohnen koppeln – aber wer will im Bauch dieser kühlen Monstren wohnen? Es wäre schön gewesen, wenn die Entwürfe die Authentizität, das Verwuselte, das Kleine und Lebendige von Paris eingefangen hätten, wenn es einen Europäischen Entwurf gegeben hätte, der au die Märkte, die kleinen Cafés, die Bäckereien, die Bars der Stadt eingegangen wäre, anstatt auf eine Hochhauslandschaft zu setzen, die genauso auch anderenorts denkbar ist. Solche Bauten als Highlight zu setzen, als Kontrapunkt zum Charme des Altgewachsenen, ist eine grundrichtige Strategie – ansonsten verstaubt die Stadt – aber solche modernen Highlights lassen sich nicht wie Salzkrümel wahllos auf einen Brezel streuen, sie müssen erzählerisch sparsam und und visuell aufregend sein. Maynes Tour Phare erfüllt das ansatzweise – und eben darum brauchte es beim Tour Signal einen Counterpoint, einen warmen und bescheidenen, einen wachsenden und für die Menschen gedachten Ansatz. Die Oase zu Morphosis’ Dark Tower.

Die Gleichförmigkeit der Entwürfe, die Homogenität der Ideen – nicht zuletzt folgend aus zu starker Konzentration auf dem Markt der Superstars und der allzu gleichen Werkzeuge – zieht sich seit mindestens gut ein oder zwei Dekaden hin.In einer Zeit, in der der Megakapitalismus seine Konsenskraft verliert und man wieder ernsthaft darüber nachdenken sollte, wie man Demokratie erfahrbar und bewahrbar macht, wirkt es seltsam anachronistisch, wenn ansonsten kluge und kritische Architekten unreflektiert weiter die spiegelnden Kathedralen des Konsums in die Städte stemmen, die ebenso gut in jede Diktatur passen würden. was in die Skyscape von Dubai passt, ist in Paris nämlich eben genau aus diesem Grunde falsch – auch wenn Nicolas Sarkozys an Bling-Bling-Stil der Politik vielleicht das Gegenteil vermuten lässt. Die Architektur wirkt heute oft zu autistisch, aufgebläht, egozentrisch – und inzwischen viel zu nahe an einer Großmannssucht von Albert Speer gemischt mit der Ästhetik eines Hugh Hefner. Retuschiert, bereinigt, glossy, hyperperfekt. Und doch seltsam altbacken.

Das Hochhaus ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Das 1885 erbaute Home Insurance Building in Chicago – mit nur zehn Stockwerken aus heutiger Sicht eher flach – macht klar, wie sehr sich das Hochhaus als Art Wabenstruktur für den Bienenschwarm des seinerzeit emergierenden Angestelltentums anbot – eine krude Biokybernetik für die damaligen Versuche, das Arbeiten vieler Menschen an einem Ort (bei gleichzeitig hohen Grundstückspreisen) zu organisieren. Aus heutiger Sicht wirkt dieses Baumodell zunehmend unsinnig – Webanbindung, HomeOffice, Chat- und Videomodule und eine zunehmende Orientierung von Arbeitsprozessen in überschaubare Teams und Gruppen lassen die anonymen und kalten verwaltungstrutzburgen eher abschreckend wirken. Von außen betrachtet tun dir die Menschen leid, die in 300 Meter hohen Gebäuden arbeiten müssen, Ameisen im Labyrinth. Modulare, distributive und – und hier stoßen Architekten an ihre Grenzen – eben nicht mehr gebaute Kommunikationslösungen, die dezentral und funktional, biologischer und dynamischer erdacht sind sollten zum Modell der Stadtpanung und Architektur im 21. Jahrhundert werden, um den mobilen und höchstfluiden Lebensstil unserer Zeit wider zu spiegeln. Die Zeit der Dinosaurier in der Architektur sollte zu Ende gehen – und ein Denken, das mehr mit DNS, mehr mit Molekülen und Genen, Nanotechnologie und Entmaterialisierung zu tun hat, aufkommen. Der Tour Signal zeigt, abgesehen von stilistischen und handwerklichen Verzierungen, dem stets in Zeiten inhaltlicher Leere aufkommenden Hang zum Ornament eben, keinen erzählerischen Fortschritt gegenüber Gebäuden von Anfang des 20. Jahrhunderts. Das bedeutet, am Ende von 100 Jahren, das Spektakel und schiere Größe, ergo Pornographie, anstelle realer Fortschritte und Lösungen gekommen sind.

Es wäre doch spannend, wenn sich das ändern würde…

4. April 2008 08:55 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

THIS SHOULD BE INTERESTING…

David Rockwells und Bruce Maus Spectacle versus Guy Debords Society of the Spectacle - dürfte ein interessanter Gegensatz sein. Und – sollte ich in einem Jahr evtl. noch an Ruhrakademie sein – auch ein spannendes Semester—

07:07 Uhr. Kategorie Buch. 5 Antworten.

DAS GEGENTEIL VON GUT GEMACHT…

… ich versuchte mich aber auf das Geschehen vor mit zu konzentrieren, eine Inszenierung, die mild als «klassisch» bezeichnet werden konnte, weil sie niemanden wehtat, und wieder drängte sich mir die Frage auf, warum es Theater eigentlich noch gab, wenn alle Beteiligten so offensichtlich lieber Kino gemacht hätten, nicht nur wegen der Videowände und Rückprojektionen, der Musik und dem ganzen anderen Zinnober, der eingesetzt an einem Ort, der sich wie kein zweiter zur Konfrontation mit elementar Menschlichem eignet, auf rührende Art unbeholfen wirkte. …

Stefan Beuse, Zeit, 27-03-08.

2. April 2008 18:03 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.


Creative Commons Licence