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Wald

30. April 2008 12:14 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 2 Antworten.

Zweige

29. April 2008 11:25 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 3 Antworten.

Ast

28. April 2008 21:45 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 19 Antworten.

Spaceman

Das hat man davon, bei uns Praktikum zu machen: Katharina war letzte Woche zwei Tage in ganz Bielefeld unterwegs, um Photos für das nächste Saisonheft der Philharmoniker zu machen. So wie es sich anhört – im Kostüm steckte übrigens ihr Freund André Braun bzw. dessen Freund Nils – sorgte die Sache schon im Vorfeld wohl für einiges Aufsehen und viele gezückte Handykameras. Vielen Dank, Kath!

10:33 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 3 Antworten.

Spaziergang

27. April 2008 10:42 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 2 Antworten.

Pockybox

Die von mir über alle Maßen verehrte Maren Marmulla hat ihre Site online, noch nicht voll ausgebaut, aber schon ganz wunderbar im Retro-Gamestyle. Total nah dran an einer Idee, die – ich glaube – Fabian und ich einmal für die Ruhrakademie-Site hatten und insofern nett, es so grandios und phantasievoll von einer Ruhrakademie-Studentin gemacht zu sehen. Richtig super animiert wäre es noch schöner, aber die Idee, die kleinen Gags und das Feeling eines 80s-Telespiels (die ich ja noch live miterleben musste) ist kick-ass. Die Frau wird mal was ganz großes (ist sie eigentlich schon).

25. April 2008 10:49 Uhr. Kategorie Online. Tag . Eine Antwort.

A

08:43 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 2 Antworten.

Baum 2

24. April 2008 02:11 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Baum

23. April 2008 21:45 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Design is like Songwriting

Gestern spät abends bis nachts ganz ganz lieben Besuch meiner Diplomanden – und von zwei Leuten, die im Herbst Diplom bei mir gemacht hätten. Neben einer Kuchen, Sekt, guter Laune, einer New-Kids-On-The-Block-12″ (you GOT it), einem ausgezeichnet-Button, einem brandneuen Zerstörungsbuch und Danielas Projektbuch zur DDR (morgen mehr) gab es auch ein super T-Shirt. Mit einem Spruch, den ich wohl ein paarmal zu oft gebracht habe. Die Story dahinter ist, dass ich bei der Vorpräsentation der Diplome lang und breit bei einem Diplom erklärte, wie wichtig ich es finde, dass die Studenten ihren eigenen Ausdruck finden, und eine Geschichte erzählen, wie mit einem Film, wie mit einem Gedicht, wie eben mit einem Song, fiel dieser legendäre Satz. «Design is like Songwriting.» Und in Natalies Trailer zu ihrem Diplom-Film über die Ruhrakademie kam  ich eben auch vor, mit einem einzigen Satz und der war – ausgerechnet -: «Design is like Songwriting.» Wunderbar peinlich :-D.
Aber abgesehen davon stehe ich zu dem Spruch. Und jetzt kann ich ihn relaxt auf der Brust vor mir hertragen.

Ganz ganz tolle Idee, vielen Dank!

21:35 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 11 Antworten.

Details

Es ist sehr wichtig, dass alles so ist, wie es sein soll. Immer vorausgesetzt, die Vision stimmt – dann lohnt es sch, viel Arbeit in die Details zu stecken. Denn am Ende sind sie es, die ein Werk überleben lassen.

Adrian Utley, Portishead. Spex  Mai/Juni 2008. 

22. April 2008 11:38 Uhr. Kategorie Design. Tag . 2 Antworten.

Die Ferien des Monsieur Hulot


Ich liebe es, alte Filme im Kino zu sehen – und ich liebe Jacques Tati, dessen Playtime zu den grandiosesten Filmen aller Zeiten zählt – was also liegt näher, als sich Sonntags bei strahlendem Sonnenschein in das überraschend volle Eulenspiegel zu setzen, um Die Ferien der Monsieur Hulot zu sehen? Die Sondervorstellung – eine wunderbare Hommage an einen verstorbenen Onkel, der mit Spitznamen Hulot genannt wurde – lief gottseidank ohne den zuvor angedrohten möglichen Filmriss ab und zeigt, das Tati schon 15 jahre vor Playtime in seinem zweiten Film der gleichen Thematik folgte, wenn auch hier mit deutlich weniger subtilem Humor und weniger künstlerischer Ambition. Wie es sich für einen trainiertenPantominen gehört, ist Les Vancances ein seltsam stummfilmartiges Vehikel, in dem Sprachfetzen, Radiostimmen, Musik gleichermaßen eher einen Klangteppich ergeben als eine nachvollziehbare Handlung, vielmehr verfolgen wir Alltagsszenen, die eine grobe Rahmenhandlung durchflechten, in der Tatis Figur Hulot unsicher durch die modernen Zeiten tapert. Eindeutig inspiriert vom großen amerikanischen Stummfilm, von Keaton und Chaplin, von den Marx Brothers und Harold Lloyd, hat dieser Film noch eine oft groben Humor, den Hulot später zunehmend ablegen sollte, aber auch leise Zwischentöne, die an sich tausendmal zeitloser, komischer sind. In wunderbarem Schwarz-Weiß – nur im letzten Moment wird der Film für einen kleinen augenblick wunderbarerweise farbig -  ist vor allem überraschend, wie zeitlos die Bilder wirken, bewegte Photos aus einer Welt mitte der Fünfziger, als alles noch seltsam naiv war und zugleich die Modernität von Autos, Radio und Jazz, nicht zuletzt von internationalen Touristen, allen vorweg die Deutschen, seltsam bizarr wirkt, so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.  In dem Film steckt ein naives und zugleich sarkastisches Staunen über den Tourismus, über die Gäste, die den ganzen Tag im Hotel sitzen, in Bussen anreisen, deren Verhalten im Film befremdlich und alien wirkt in der kargen Schönheit des bretonischen Urlaubsortes, in den einzig Hulot als seltsam lauter Störfaktor einfällt. Selbstironisch und zugleich liebevoll bespiegelt Tati die Modernen Zeiten, und es wirkt befremdlich, hier vorweggenommen Loriot, Monthy Pythons und Benny Hill nebenbeiander zu sehen, die sich allesamt bei Tati bedient haben, aber den Kern seiner Arbeit weggelassen haben – die deutlich inszenierten, aber eben deshalb so echten Szenen aus dem Alltag, die Surrealität kleiner Gesten und Momente, die brillante Kreativität, die jeden Moment des Films durchzieht und ihn der Komik enthebt (ohne ihn jemals unkomisch zu machen) und zu einem Kunstwerk macht, das einen Vorgeschmack auf die spätere atemberaubende Genialität von Playtime gibt.

21. April 2008 20:12 Uhr. Kategorie Film. Tag . 3 Antworten.

Amusement

It’s always the idea of «amusement» which causes me to do things…

Marcel Duchamp

09:54 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Blumen

00:34 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 8 Antworten.

Himmel

20. April 2008 16:34 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Stuhlkleben








16. April 2008 20:06 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 12 Antworten.

Going Down South

Christoph Wilde macht sein an der Ruhrakademie von  Hendrik Lietmann betreutes Photodiplom in Südafrika, der bestdenkbare Ort, um sich dem Thema «Sicherheit» anzunehmen. Ein Land von Armut, Unruhen und Angst geschüttelt, in dem sich die Superreichen in Gated Communities verstecken, das hat einen Hauch von Zukunft à la J.G. Ballard. In seinem Blog kann man die Reise und die Entstehung der Photoarbeiten nachvollziehen – ich bin mehr als gespannt drauf.

14. April 2008 20:12 Uhr. Kategorie Online. Tag . 5 Antworten.

Get Well Soon Live FZW Dortmund


Es ist die Krux des kleinen Saales und des großen Klangs – Konstantin Groppers Get Well Soon zelebrieren auf ihrem Debutalbum einen dichten Wall of Sound, den man sich ohnehin nur schwer 1:1 auf der Bühne vorstellen kann, geschweige denn auf einer so kleinen wie der des absolut vollgepackten FZW. Wo Rock und Punk durchaus erdig und pur wirken, ist die schwerelose melancholische Musik der jungen Band einfach zu sehr geerdet, aus dem Orbit von Hall und Überproduktion auf die kalte Erde herabgezogen. Der Sound ist sehr schwierig, Teile der Instrumente dominieren die Halle schon von Bühne aus  – allem vorweg die Drums und die Bläser – während andere Instrumente sich kaum durchsetzen können, wie etwa die Keyboards oder der Bass. Das Soundgerüst ist eher das einer schlechten Schülerband – und das entzaubert gewaltig. Aus elegischen, sphärischen Soundkonstruktionen werden so sich etwas bleiern hinschleppende Songs, die nie wirklich nach vorn kommen, aber auch nie wirklich erhebend, hypnotisch wirken. Die Band gibt sich redlich Mühe, die meisten Musiker spielen relativ brav aber engagiert ihre Parts herunter, einzig der Drummer versucht sich an mutigen Fills und Breaks – die mal wunderbar gelingen, mal aber auch einfach nur die Songs zerstören und mitunter etwas aufgesetzt, einfach overplayed wirken.

Get Well Soon spielen die Tracks des Albums relativ 1:1, sogar in der Reihenfolge der Platte, herunter, ohne großen Freiraum für Improvisation oder Spiel, was angesichts der kompositorischen Dichte der Stücke verständlich ist, aber auch schade wirkt – ein mittlerer Block von unbekannten Stücken, von denen Gropper sagt, sie kämen aus seiner Mottenkiste, wirkt druckvoller und mehr für Live ausgesucht als die Stücke von Rest now Weary Head… , die nun nicht unbedingt zum Tanzen einladen, sondern eher zum hinhören. Entsprechend ruhig ist das Publikum, das eher versonnen hin und herswingt und sich der Musik hingibt, die im Verlauf der Konzertes an Souveränität und Kraft gewinnt und sich zwischendurch zu wunderbaren Höhen aufschwingt, die in ihrer Breite an Sigur Ros erinnern.

Irgendwie bleibt es ein Konzert, das nie richtig abhebt und stellar wird, das aber auch nie mies ist – die Musiker wirken, als hätten sie auch auf der Bühne mit Soundproblemen und schlechtem Monitoring zu kämpfen und ackern sich insofern etwas unentspannt durch die Tracklist. Insgesamt die Sorte Konzert, bei der man sich wünscht, dass die Combo etwas mehr Erfahrung miteinander sammelt und somit souveräner im Spiel wird – und vor allem ganz einfach den Sound und das Licht, den die Musik verdient. Und ich denke, dann können Konzerte von Get Well Soon aber mal so ganz, ganz großartig werden. Und dann kann man sagen, wie geil es war, die schon gehört haben,. als sie noch in kleinen Clubs gespielt haben und wie sehr man sich diese Zeiten zurückwünscht :-D.


19:48 Uhr. Kategorie Live. Tag . 3 Antworten.

Welcome Duaflex

10. April 2008 08:49 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 14 Antworten.

Niels Frevert: Gebäude 9 Köln

«Na, denkt ihr schon darüber nach, was ihr gleich im Internet schreiben wollt?», fragt Frevert mitten im Konzert das Publikum und überlegt, dass wahrscheinlich alle darüber schreiben, wie oft er seine Gitarre stimmt im Laufe des Konzerts. Live 2.0, wo du als Künstler schon immer das im Internet geronnene Feedback deines Publikums vorwegfürchten oder besser einfach ignorieren musst, die endlos hochgereckten Mobiltelephone und die Besucher, die zu Kritikern mutiert sind.

Und das sind nicht wenige, in der Konzerthalle vom Gebäude 9 ist es angenehm voll, obwohl man eigentlich vermuten sollte, dass kein Mensch Niels Frevert noch kennt, der sechs Jahre nach seinem letzten Album – und über zehn Jahre nach Nationalgalerie – wieder nicht nur mit einer Gitarre, sondern mit einer ganzen Band. Und obwohl die mit Stefan Will am Piano, Stephan Gade am Bass, und Tim Lorenz an den Drumseingespielte kurze CD eher besinnlich daherkommt, ist das Konzert nur teilweise ruhig. Vor allem gegen Ende wird es kraftvoller, energetischer – mit Dopppelgänger sogar kurz richtig rockig. Im Großen und Ganzen geht es, wie bei der Paul Dimmer Band, die den Abend einleitet und deren Track Pausen Nils fürs Tapete Label ja vor einem jahr erst gecovert hat, irgendwie moderat zu…ein gemütlicher Mitsingabend für Menschen, die ein wenig zu verdächtig nach abgeschlossenem Pädagogikstudium aussehen und die schon die Songs vom neuen Album auswendig können. Es ist ein bisschen Wohnküchenflair, und das klingt vielleicht böser, als es gemeint ist. Aber es ist befremdlich, dass Freverst Publikum so eine freundliche Gemütlichkeit ausstrahlt, fast so als wäre man bei einem Element of Crime Konzert, ein Vergleich zu dem die Musik teilweise inzwischen einlädt, wo dich seine Texte viel zu sperrig fürs kuschelfeeling sind, nicht mitgesungen, sondern gehört werden wollen. Aber vielleicht geht es darum live nicht – also schwingen die Pärchen im oft jazzig verwaschenen Groove des Abends und auf der Bühne steht dieser Mann, nach 20 Jahren immer noch so seltsam am Anfang seiner Karriere zu stehen scheint, in kleinen Clubs, mit einer Musik und  Kapelle, die nicht sooo anders klingt als Nationalgalerie, mit dem gleichen – gealterten – studentischen Wuschelflair, der gleichen Unsicherheit als Frontmann, die andere nach der langen Erfahrung längst abgelegt haben müssten und die im Laufe des Abends gottseidank etwas aufweicht, bis so etwas wie Kommunikation zwischen Sänger und Publikum und Sänger und Band stattfindet. Vielleicht tatsächlich bedingt durch die langen Stimmpausen, die von Niels und dem hervorragend smoothen Basser Stephan Gade ausführlich selbst zum Running Gag gemacht werden – früher war alles anders, da gabs nur eine Gitarre. Aber selbst wenn Frevert heute mehr Gitarren hat als 1995, so würde man ihm doch auch einen Roadie gönnen, der die Gitarre stimmt, und eine größere Bühne, und mehr Publikum, und mehr Ruhm und Ehre und all that shit. Aber wahrscheinlich funktioniert das so einfach nicht, wahrscheinlich kann man dankbar sein, dass Frevert nach all der Zeit immer noch da ist und nicht Websites programmiert oder sowas. Insofern schaut man irgendwie einem gealterten Boxer zu, der sich durch ein Best-of der letzten drei Soloalben maneuvriert, oft zu großer Form aufläuft, mitunter nah am Schlager vorbeischrammt – aber gut, «Du musst zu Hause sein» war auch 1997 schon ein Song, den ich nicht verstehen konnte. Muss an mir liegen. Auf der anderen Seite gibts Polyacryl, Einbahnstraßen, Einwegfeuerzeugstichflamme und andere Songs, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet habe und um so besser, dass die kommen. Wenn ich mich nicht irre, gibt es nichts von der Galerie und das ist seltsam, aber wirklich gut – Evelyn hätte mir vielleicht den Abend verdorben. Die Band verleiht den alten Tracks ein neues Flair, ohne sie entstellen oder zu Coverversionen zu mutieren, bettet aber auch die lauteren Songs sanft in den relaxten Grundtonus des Konzertes ein. Vor diesem nivellierenden Grundsound wird klar, wie bündig Freverts Werk eigentlich ist – das durch die sehr unterschiedlichen Produktionen der Alben sehr unterschiedlich wirkt, wobei ich Seltsam öffne mich als das gelungenste unter drei exzellenten Alben betrachte – wie logisch die Entwicklung von dem noch sehr krachenden Nationalgalerie-Sound (der ja auch zunehmend introspektiver wurde) zu den Miniaturen von heute.

Frevert und die Band werden von dem kleinen aber feinen Publikum der Seltenheit solcher Auftritte und der Bedeutung von Frevert entsprechend gebührend und ausgiebig abgefeiert, zu Recht, bevor nach drei Zugaben Schluss ist, damit die Leute noch die letzte U-Bahn nach Hause kriegen und darüer nachdenken können, was sie in ihr Blog schreiben und die ersten Vdeos zu YouTube laden…

00:07 Uhr. Kategorie Live. Tag . 2 Antworten.

Niels Frevert: Du kannst mich an der Ecke rauslassen

Eine neue Platte von Niels Frevert ist jedesmal eine Ausnahmeerscheinung, publiziert der Hamburger doch mit der Geschwindigkeit des Kontinentaldrifts. Seltsam öffne mich, seine brillante letzte Scheibe, ist immerhin schon von  2003, der Vorgänger, Freverts erstes Soloalbum nach der Zeit mit Nationalgalerie von 1997. Nils erklärt die langen Pausen in einem aktuellen Spex-Interview mit der Zeit, die er braucht, um seine Texte zu verdichten zu kürzen und zu streichen, bis die Essenz bleibt. Und das Ergebnis ist ein Album, das gerade einmal eine halbe Stunde umfasst – eine hochintrospektive Platte, die kammermusikartig konzentriert ist, ein jazziges Minimum an Schlagzeug/Bass, dezente Streicher … eigentlich ein Mann und seine Gitarre mit einem Minimum an Produktion drumherum. Alles sehr akustisch, sehr unplugged, sehr viel weniger eingängig, sehr viel weniger Pop als die beiden Vorgänger. Eine Nummer wie Doppelgänger oder Einwegfeuerzeugstichflamme suchst du hier vergebens. Wie so viele andere Singer/Songwriter kommt auch Frevert an den Punkt, wo er seine Musik so pur wie möglich präsentiert, ohne viel Blingbling. Das macht Du kannst mich an der Ecke rauslassen zu dem Intimsten , was Niels bisher publiziert hat. Zugleich wirkt das Album leider so nach innen gewandt, dass es nie wirklich aus dem Quark kommt, eine irgendwie eben nette Platte, die so vor sich hinperlt, die aber niemals wirklich Druck entwickelt oder an die Größe herankommt, die man von Frevert gewohnt ist. Das Album wächst von Hören zu hören, die Songs haben unter der simplen Oberfläche einen schönen Tiefgang und sind – im besten Sinne – eher Chanson als Popmusik, und das ist nur konsequent für Niels Freverts Entwicklung, die ihn zunehmend in die Richtung von Nick Drake, Neil Halstead und anderen Songwritern bringt. Du kannst mich an der Ecke rauslassen ist eine Platte, die Frevert in Rohform zeigt, kondensiert, geronnen, ein perfektes, fast kantenloses Juwel, das danach verlangt, in Ruhe gehört und verstanden zu werden. Frevert erzählt in einzelnen Zeilen seiner Texte so viel wie andere Musiker auf drei Konzeptalben, die fragmentarischen, seltsam alltäglichen Texte, die sich bei ihm immer wieder um die gleichen Dinge drehen und diesen immer näher kommen, nur minimalistischer, klarer. Frevert ist auf dem Weg zum Alterswerk, zum dieser luziden Reinheit, wo du alles weglässt, was nicht mehr wichtig ist.

Diesem Purismus wird leider das musikalische Feeling, der Spaß am Pop, an der Inszenierung, etwas geopfert, und so ist Niels weiuter auf dem Weg weg vom Mainstream – und das paradoxerweise in einr Zeit, in der die Nachfolger von Nationalgalerie (Kettcar, Tomte et al) die Charts erobern. Anstatt diesen Erfolg mitzunehmen, ist Frevert auf seiner ganz eigenen Reise längst schonan der nächsten Haltestellen – mit zum Sterben schönen Texten, und einer Musik, die irgendwie seltsam melancholisch und berührend ist, manchmal fast hauchzart an der Grenze zum Kitsch herumstolpert. Die neuen Songs werden nicht jedem gefallen, der den «alten» Niels mochte, aber nach sechs Jahren Pause wirkt diese Platte nur zwangsläufig, unausweichlich. Umso trauriger, dass man eventuell bis 2014 warten wird müssen, bis wieder etwas Neues kommt…

7. April 2008 11:44 Uhr. Kategorie Musik. Tag . 3 Antworten.

Kaizers Orchestra E-Werk Köln

So leer habe ich das E-Werk selten gesehen – die Herren Kaizer haben offenbar treue, aber leider nicht wirklich so überragend viele Fans in der Region. Nachdem der großartige Warm-Up Geoff Berner nach einem furioswitzigen Set von der Bühne tritt, kommen die sechs Herren in schwarzen Anzügen und weißen Hemden auf die Bühne und spielen sich sauber durch ein fast nahtloses Set von neuen Maskineri-Tracks und Classics, fast schon zu routiniert. Die wenigen Pausen füllt Janove Ottensen mit etwas Small Talk mit dem Publikum, der teilweise auch klingt wie eine Marketing-Umfage (Woher kennt ihr uns? Radio, TV oder Freunde?). Insgesamt unterscheidet sich dieser Gig gegenüber dem vor zwei Jahren in Bochum durch eine gewisse Blutarmut. Die Band ist super, das Publikum gegen Ende völlig aus dem Häuschen, ich hab selten eine 3/4 volle Halle so abgehen sehen (und zu Recht), aber die Show wirkt irgendwie einen Hauch professioneller, geschliffener, weniger überdreht. Die Sache ist ingesamt nüchtener, etwas inszenierter und kalkulierter – vielleicht eine logische Folge, wenn man eine Band mehrfach sieht. Du achtest enfach auf andere Dinge. Auf Øyvind Storesund beispielsweise, der am Kontrabass wunderbare Arbeit leistet. Die Musik ist der übliche MarchingGypsySwampSouthRockEastFolkPunk-Mix – nicht ohne Grund läuft Beirut beim Rausgehen – wobei die Band die neuen Songs fast nahtlos in das bestehende Material zu integrieren versteht… und live dabei sehr viel mehr überzeugt als auf dem tatsächlichen Album.

Auf Wunsch einer einzelnen Dame, die 320 Photos gemacht hat, kommen nach dem Break… ein paaaaar Photos…  die sich hauptsächlich auf ein Bandmitglied konzentrieren. Lalala…

(weiterlesen …)

6. April 2008 17:02 Uhr. Kategorie Live. Tag . 6 Antworten.

Architektur als Pornographie

Warum ist Paris Paris – und nicht etwa Dubai ? Warum ist London nicht New York? Warum ist Düsseldorf nicht Singapur? Jede Stadt, egal ob Megapolis oder Dorf, hat ihren eigenen Geist, ihren spezifischen Atem – und es ist genauso schade, wenn eine Kleinstadt eine gewachsene Struktur ad hoc durch «Unser Dorf soll schöner werden» dem roten Klinker opfert, wie wenn europäische Städte amerikanischen – oder fernöstlichen – Potenzwahn verfallen. Schaut man sich zum Beispiel die Finalisten des von der EPAD ausgerufenen Wettbewerbs um den Tour Signal im Pariser Busisnessviertel La Defense an, so fällt auf, das der der Geist der gigantomanischen Viagra-Architektur zunehmend auch wieder – nach einer Pausenphase – in Paris Einzug hält. Die Finalisten – darunter Schwergewichte wie Foster, Libeskind oder der frisch Pritzker-preisgekrönte Jean Nouvel – gehören zur absoluten Crème internationaler Architekten, aber dennoch stoßen ihre Entwürfe seltsamerweise unisono auf Befremden. Es ist ein seltsames Gefühl von deja vu, das sich einschleicht – gerade so als habe jeder beteiligte Architekt weniger über den Ort nachgedacht, als vielmehr einfach nur blind dem Zwang seiner gestalterischen Handschrift und einem Hang zur Größe gehorcht. Fosters Entwurf sieht aus wie die Londoner Swiss-Re-Gurke Remixed, Libeskind Entwurf erinnert frappierend an seinen WTC-Entwurf und Nouvel hat überraschenderweise einen eher langweiligen Kasten produziert, den ein gigantischer oben aufgesetzter Big-Brother-Bildschirm wohl retten soll – mehr Times Square als Place Pigalle. Alle Entwürfe scheinen seltsam losgerissen, skulptural, haltlos – sie könnten ebenso in Dubai wie in Moskau stehen, in Los Angeles wie in Düsseldorf. Dazu noch gleichen sich die Skyscraper an sich inzwischen untereinander so sehr, dass man die Architekten kaum mehr auseinanderhalten kann – da wird gedreht und zugespitzt, verformt und gebogen und das Gebäude am Rechner in immer neue Kontorsionen gezwungen, als wolle man beweisen, das Beton und Glas endlich auch real so modelbar sind wie die virtuellen Vektoren und Pixel, mit denen die Büros ihre – ebenfalls immer gleicher werdenden – Renderings und Animationen erstellen.

Es ist insofern vielleicht symbolisch, das Fosters Entwurf – an Englishman in Paris – frappant an einen riesigen goldenen Vibrator gemahnt, fast unwillkürlich irnosch wirkendes Mahnmal eines nach 9-11 seltsam wirkenden Größenwahns. Architektur mutiert hier zur Pornographie – zur Leistungsschau, in der lauter, höher, schneller, weiter und vor allem härter die Maßregel ist. So wie die aufgedunsenen Penise und Brüste der Sexindustrie überzeichnete Fetisch-Karikaturen sind, legt sich hier eine Branche als dem reinen Schaueffekt, der bloßen BlingBling-Oberflächlichkeit verfallen da. Wo Thom Maines Büro Morphosis mit dem Tour Phare in La Defense wenigstens eine düstere vulkanische Science-Fiction-Dekonstruktion in das Stadtbild zimmert und man sich – bei aller Kritik daran, dass hier ein fast 20 Jahre alter Trend anscheinend im Mainstream aufgekocht wird – zumindest freut, das ein solch offensichtliches unverschämtes Monster einen Wettbewerb gewinnt und Paris zur Skyline aus einer Mischung von BladeRunner und Herr der Ringe verwandelt (wenn der Tour Phare doch nur schwarzes Glas wäre)… vermisst man beim Tour Signal diese konzeptionelle Ironie des SCI-Arc-Mitgründers und generellem Branchen-Bad-Boy Mayne. In dröger Fröhlichkeit wuchten sich die fünf Finalistenzu immer größeren Kunststücken hervor, und versuchen Paris im Wettbewerb mit London, Dubai und anderen Brand-Cities aufzupolieren. Und verpassen dabei ein wichtiges Detail…

Paris ist eben nicht Dubai. Paris ist nicht New York oder Singapur oder Peking. Paris ist eine europäische Stadt, und die Versuche, in La Defense – wie schon in den siebziger Jahren – eine Art amerikanische Betonwüste zu implementieren, einen Skyscraper-Irrgarten mit sechsspurigen Straßen und als Alibi hinzugefügten krümeligen Grünflächen, wird zwangsläufig fehllaufen. zwar retuschieren die Architekten in ihre Renderings gern geschäftig umherwimmelnde Menschen ein, doch realiter sind die Bauten natürlich menschenfeindlich. Die virtuellen Kunstmenschen sehen nicht ohne Grund aus wie aus der Apple-Werbung entstiegene Yuppie-Zombies, die entweder mit Aktentaschen und Laptops busy sind oder nach der Arbeit noch schnell ein paar schicke Cocktails und etwas Party brauchen. Spielende Kinder, einkaufende Mütter wirst du in diesen Phantasiewelten nie finden – und die sähen eben auch etwas seltsam aus vor gigantischen goldenen Penisfaksimiles. Tour Signal vertut – wenig überraschend – die Chance, den Trend zu absurden Comic-Phantasien zu durchbrechen und Architektur zu schaffen, die auf den Ort, auf den Menschen zugeschnitten ist. Die man sieht und sagt: Dieses Gebäude kann nur in Paris funktionieren, für den Geist dieser Stadt.

So sehr ich mutige, skulpturale, narrative Architektur-als-Selbstzweck-Gebäude liebe, sie dürfen nicht zu einem stagnativen Wiederholen inzwischen vertrauter Formen, die aus dem freien Morphen von Pixeln am Bildschirm, also in Folge der beim Entwurf verwendeten Technologie, resultieren. Keiner der fünf Finalisten zeigt einen wirklich mutigen, neuen, frappierenden, das Denken erweiternden Ansatz – im Grunde sind die Architekten seltsam brav und bieder geblieben, zwar zeitgenössisch schick, aber irgendwie unweigerlich kitschig – eine Art hyperrealer postmoderner Twist des Gelsenkirchener Barocks. Es fehlt die visionäre Kraft des ähnlich gigantomanischen Bauens der Sechziger und Siebziger, das immerhin noch schlimmstenfalls nach Buck Rogers, bestenfalls nach Kubrick und Zarathustra klang. Aber hier – humorlose Entwürfe, die bierernst wie mittelalterliche Schlösser und wie Pharaonengräber wirken und einer ähnlichen Großmannssucht folgen. Es ist natürlich bezeichnend, dass heute die höchsten Häuser der Welt die Zentralen des Geldes sind, so wie früher zu den Kirchtürmen aufgeschaut werden musste – aber diese Architektur der Macht ist alt und langweilig und niemand ist mehr beeindruckt, ganz im Gegenteil, diese Form der Zurschaustellung bringt nur den wachsenden Gegensatz zwischen Managern und Kunden, Vorständen und Angestellten, in eine symbolisch greifbare Form. Man hat nach 911 nicht wirklich erwarten dürfen, dass diese Inszenierung von Geld, dieses seltsame neureiche Zeigen-Müssen, aufhört und das jemand darüber nachdenkt, warum ausgerechnet diese Attacke solche Symbolkraft hatte. Aber es wäre schon gewesen, wenn die Creme der Internationalen Architekten umdenken würde, anstatt sich stumpf selbst überbietend im Feature-Wahn zu versinken, trunken von der eigenen kreativen Kraft, unfähig zu hinterfragen, was und warum man seinen Job tut, eingefangen im täglichen Flow immer größer werdender Projekte. Wie die as Droge funktionierende Pronobranche auf der Suche nach immer neuen Kicks Jahr um Jahr zu extremeren Mitteln greifen muss, um ihre Konsumenten noch zu erregen, verfällt auch die Architektur in den Gangbang-Modus. More is More.

Was Paris gebraucht hätte, ist eine bescheidene Geste – nicht noch ein Highlight in einer Cityscape, in der sich die Hochhäuser längst um Aufmerksamkeit prügeln. Ein flaches, offenes Gebäude – nicht wie hier Ideen, denen man schon im Rendering anmerkt, das es faktisch ken echtes Erdgeschoss gibt, keine Kommunikation nach aussen. Der Tour Signal soll Business, Hotel, Shopping und Wohnen koppeln – aber wer will im Bauch dieser kühlen Monstren wohnen? Es wäre schön gewesen, wenn die Entwürfe die Authentizität, das Verwuselte, das Kleine und Lebendige von Paris eingefangen hätten, wenn es einen Europäischen Entwurf gegeben hätte, der au die Märkte, die kleinen Cafés, die Bäckereien, die Bars der Stadt eingegangen wäre, anstatt auf eine Hochhauslandschaft zu setzen, die genauso auch anderenorts denkbar ist. Solche Bauten als Highlight zu setzen, als Kontrapunkt zum Charme des Altgewachsenen, ist eine grundrichtige Strategie – ansonsten verstaubt die Stadt – aber solche modernen Highlights lassen sich nicht wie Salzkrümel wahllos auf einen Brezel streuen, sie müssen erzählerisch sparsam und und visuell aufregend sein. Maynes Tour Phare erfüllt das ansatzweise – und eben darum brauchte es beim Tour Signal einen Counterpoint, einen warmen und bescheidenen, einen wachsenden und für die Menschen gedachten Ansatz. Die Oase zu Morphosis’ Dark Tower.

Die Gleichförmigkeit der Entwürfe, die Homogenität der Ideen – nicht zuletzt folgend aus zu starker Konzentration auf dem Markt der Superstars und der allzu gleichen Werkzeuge – zieht sich seit mindestens gut ein oder zwei Dekaden hin.In einer Zeit, in der der Megakapitalismus seine Konsenskraft verliert und man wieder ernsthaft darüber nachdenken sollte, wie man Demokratie erfahrbar und bewahrbar macht, wirkt es seltsam anachronistisch, wenn ansonsten kluge und kritische Architekten unreflektiert weiter die spiegelnden Kathedralen des Konsums in die Städte stemmen, die ebenso gut in jede Diktatur passen würden. was in die Skyscape von Dubai passt, ist in Paris nämlich eben genau aus diesem Grunde falsch – auch wenn Nicolas Sarkozys an Bling-Bling-Stil der Politik vielleicht das Gegenteil vermuten lässt. Die Architektur wirkt heute oft zu autistisch, aufgebläht, egozentrisch – und inzwischen viel zu nahe an einer Großmannssucht von Albert Speer gemischt mit der Ästhetik eines Hugh Hefner. Retuschiert, bereinigt, glossy, hyperperfekt. Und doch seltsam altbacken.

Das Hochhaus ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Das 1885 erbaute Home Insurance Building in Chicago – mit nur zehn Stockwerken aus heutiger Sicht eher flach – macht klar, wie sehr sich das Hochhaus als Art Wabenstruktur für den Bienenschwarm des seinerzeit emergierenden Angestelltentums anbot – eine krude Biokybernetik für die damaligen Versuche, das Arbeiten vieler Menschen an einem Ort (bei gleichzeitig hohen Grundstückspreisen) zu organisieren. Aus heutiger Sicht wirkt dieses Baumodell zunehmend unsinnig – Webanbindung, HomeOffice, Chat- und Videomodule und eine zunehmende Orientierung von Arbeitsprozessen in überschaubare Teams und Gruppen lassen die anonymen und kalten verwaltungstrutzburgen eher abschreckend wirken. Von außen betrachtet tun dir die Menschen leid, die in 300 Meter hohen Gebäuden arbeiten müssen, Ameisen im Labyrinth. Modulare, distributive und – und hier stoßen Architekten an ihre Grenzen – eben nicht mehr gebaute Kommunikationslösungen, die dezentral und funktional, biologischer und dynamischer erdacht sind sollten zum Modell der Stadtpanung und Architektur im 21. Jahrhundert werden, um den mobilen und höchstfluiden Lebensstil unserer Zeit wider zu spiegeln. Die Zeit der Dinosaurier in der Architektur sollte zu Ende gehen – und ein Denken, das mehr mit DNS, mehr mit Molekülen und Genen, Nanotechnologie und Entmaterialisierung zu tun hat, aufkommen. Der Tour Signal zeigt, abgesehen von stilistischen und handwerklichen Verzierungen, dem stets in Zeiten inhaltlicher Leere aufkommenden Hang zum Ornament eben, keinen erzählerischen Fortschritt gegenüber Gebäuden von Anfang des 20. Jahrhunderts. Das bedeutet, am Ende von 100 Jahren, das Spektakel und schiere Größe, ergo Pornographie, anstelle realer Fortschritte und Lösungen gekommen sind.

Es wäre doch spannend, wenn sich das ändern würde…

4. April 2008 08:55 Uhr. Kategorie Design. Tag . 2 Antworten.

Das Gegenteil von gut gemacht…

… ich versuchte mich aber auf das Geschehen vor mit zu konzentrieren, eine Inszenierung, die mild als «klassisch» bezeichnet werden konnte, weil sie niemanden wehtat, und wieder drängte sich mir die Frage auf, warum es Theater eigentlich noch gab, wenn alle Beteiligten so offensichtlich lieber Kino gemacht hätten, nicht nur wegen der Videowände und Rückprojektionen, der Musik und dem ganzen anderen Zinnober, der eingesetzt an einem Ort, der sich wie kein zweiter zur Konfrontation mit elementar Menschlichem eignet, auf rührende Art unbeholfen wirkte. …

Stefan Beuse, Zeit, 27-03-08.

2. April 2008 18:03 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.


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