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29. Dezember 2007 17:42 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

MATT RUFF: BAD MONKEYS

Matt Ruff ist kein schneller Autor, in fast 20 Jahren hat er gerade einmal fünf Bücher produziert. Bad Monkeys von 2007 ist sein neuestes Buch und – aus meiner Sicht – ein durchwachsenes Vergnügen. Klar ist, dass man bei Ruff nie mit einer Erwartungshaltung in das Buch gehen kann, aber zugleich hätte ich doch aus der Vergangenheit einen komplexeren Plot bevorzugt. Bad Monkeys dreht sich um Jane Charlotte, die im «Department for the final disposition of irredeemable persons» arbeitet, die kurz «Bad Monkeys» genannt werden. Diese ist Teil einer noch größeren und ziemlich allmächtig wirkenden Weltverbesserungs-Clique, zu der neben Good Deeds, Catering und Panopticon auch beispielsweise noch andere Suborganisationen namens «Scary Clowns» gehören. Diese bizarre weltumspannende Organisation kämpft gegen das Böse und dieses wiederum hat sich in «The Troop» organisiert, einer kongruenten Anti-Organisation. Beide Gruppen verfügen über bizarrste Waffen, wie die NC-Gun, die Herz- oder Hirnschlag simulieren kann, X-Drugs, die den Nutzern verdächtig Matrix-artige Fähigkeiten geben, Eyes-Only-Überwachungskamers in faktisch allen Bildern oder Photos, die Augen haben, verborgene Botschaften in Kreuzworträtseln, abgehörte Telefone. Janes Betreuer, heißen alle mit Vornamen Robert und haben symbolträchtige Nachnamen wie Love, Wise oder True und ein paar axtschwingende Clowns tauchen eben auch auf…. Jane begegenet den Bad Monkeys schon als Kind wird aber erst als Erwachsene, nach einer ausgeprägten Sex- und Drogenphase, Mitglied. Mit ihr tauchen wir in die seltsame Welt dieser Organisation und ihrer Jobs ein – und der Job ist schlicht und ergreifen, böse Menschen zu töten.

Klingt absurd? Soll es wohl auch. Denn die Frage, ob diese Abenteuer echt sind oder nur Teil eines monströsen Verdrängungsmechanismus bleibt bis zum Schluss offen. Das Buch ist als Kammerspiel konzipiert, wir begegnen Jane in der Psychiatrie eines Krankenhauses in Las Vegas, wo sie einem Arzt ihre verdrehte Geschichte erzählt. Wann immer Dr. Vale versucht, die Fakten ihrer Geschichte zu überprüfen, rennt er in eine Mauer – angeblich, so Jane, weil die Organisation im Hintergrund ihre Spuren verwischt. Die Geschichte von Jane beginnt noch relativ realistisch, steigert sich aber im Laufe des Buches in immer neue absurde Höhen hinauf, bis sie schließlich ihrer bösen Doppelgängerin begegnet (das Serienklischee schlechthin) und es zum blutigen und explosiven Showdown in einem Casino kommt, das geradezu erschreckend an eine der effektüberladenen Sequenzen aus The Matrix erinnert. Auf dem Weg dorthin erzählt Ruff eine zunächst seltsam linear anmutende Actiongeschichte, die ausgesprochen an Filme wie Matrix oder Serien wie Alias erinnert und für oberflächlich streckenweise sogar naiv und sogar studentisch wirkt.

Oberflächlich. Denn natürlich verbirgt sich unter der platten SF-Action-Story ein ganz anderer Subtext. Im Laufe des Buches hebt Ruff mit erfahrener Hand jegliche Verlässlichkeit von Realität auf, und die Frage, ob Jane wirklich für die Organisation arbeitet, oder für die Gegner, oder ob sie einfach nur eine drogensüchtige Obdachlose ist, die einen Knacks weg hat, seitdem ihre Mutter starb und ihr Bruder von einem Serienkiller entführt wurde, wird immer dichter und dichter ineinander verknotet, in immer neuen Twists, in denen Ruff an den Stangen des Käfigs der Plausibilität rüttelt bis man – ganz wie bei American Psycho – selbst entscheiden muss, was real und was irreal ist. Obwohl Bad Monkeys gemessen an Sewer, Gas & Electric nahezu atemberaubend geradlinig erzählt ist, dreht Ruff doch einen enormen Schraubenzieher in den Kopf des Lesers.

Die Auflösung des Buches stellt einfache Antworten auf den Kopf, weil es sich eben keinesfalls herausstellt, dass Jane einfach nur «irre» ist, sondern wir im Kontext der Realität der Bad-Monkeys-Organisation enden und die «Realität» (Dr. Vale und die Psychiatrie) sich als Illusion herausstellt. Am Ende des Buches – so kann, muss man es aber nicht sehen – ergibt sich Jane also ihrer Phantasie… oder alles, was sie vorher beschrieben hat ist eben einfach wahr. Dieses doppelbödige Spiel betreibt Ruff meisterhaft, aber ich frage mich, ob der man als Leser nicht in die Falle trappt, die Story einfach als eindimensionale (und dann auch klischeebehaftete und dumme) Thriller-Agenten-Suppe abzutun. Das es um mehr geht, ist so subtil verpackt, dass man es schon sehen wollen muss und das will man nur, wenn man Ruff kennt und weiß, dass bei ihm nichts so ist wie es scheint. Das Bad Monkeys mit diesem Aufbau leider etwas an eine alte Folge – ausgerechnet – von Buffy the Vampire Slayer erinnert, in der die Protagonistin in einer Gummizelle ist und di Frage aufkommt, ob all ihre Abenteuer nicht nur eskapistische Wahnvorstellungen waren, ist allerdings etwas enttäuschend.

Dennoch: Bad Monkeys ist sicher nicht Ruffs bestes Buch, aber – unter der Prämisse der Doppel- und Vierfachbödigkeit gelesen – auch absolut kein Fehlschlag. Es ist eine gekonnte Hommage an die trashigeren Bücher von Philip K. Dick oder an Robert Wilson und deren Konflikt zwischen objektiver und subjektiver Realität. Es liest sich enorm schnell (zumal es mit 230 Seiten auch eher ein Leichtgewicht ist), ist süffig geschrieben und hat eine Hauptdarstellerin, die einen einnehmenden Sarkasmus versprüht. Bad Monkeys hat die Qualitäten eines Valiumalptraums, eines surrealen Trips, eine traumhafte Qualität, die einen Bogen von Kafka zu Dick zu Stephenson schlägt und ich glaube, gerade das Day-Glo-Pop-Thriller-Konstrukt, gerade die aus anderen Filmen und Büchern genährte Welt der Organisation, für oder gegen die Jane Charlorte vielleicht arbeitet, ist ein sicheres Indiz dafür, dass es hier eben um mehr geht und man zwischen den Zeilen die Hinweise findet zu der wahren Geschichte. Im Endeffekt hat Ruff so den Zaubertrick geschaft, zwei Bücher zu schreiben. Eine comicartige Story, die sicher SF- und Actionfans anspricht und die sich perfekt für einen B-Movie eignen würde auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Geschichte einer Frau, die aus Schuld und Trauer ein abstruses Cocooning betreibt und am Ende im doppelten Sinne ausgelöscht ist.

28. Dezember 2007 11:36 Uhr. Kategorie Buch. 4 Antworten.

TELEFON

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10:26 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

PINSEL

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27. Dezember 2007 14:02 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

AL NOSTRADAMUS BUNDY

Das kam gerade von Marc - wer genau bei diesem Screencap aus der ersten Married.. With Children-Staffel (wieso schaust du dir sowas eigentlich an, Marc?) hinsieht, erkennt, das hier als Ersatz der Kreditkarte VISA einfach VISTA verwendet wurde. Aber von Al Bundy zu Microsoft ist ja irgendwie tatsächlich nur ein kleiner Schritt. Das erklärt vieles an WindowsVista, finde ich ;-D.

26. Dezember 2007 19:33 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

BÜRSTE

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10:28 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

PUDEL

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25. Dezember 2007 09:47 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

TOURISTIN

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06:06 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Frohe Weihnachten

Es ist erstaunlich – und ein Zeitzeichen - von wie vielen Menschen, mit denen man eigentlich recht oft zu tun hat, man keine Postadresse mehr hat. eMails ohne Adresse, IM- und Onlinekontakte, die, wenn man dann eine Adresse braucht, sich plötzlich als ortlos entpuppen. Allen, die unsere kleine Karte nicht erreicht haben, die aber vielleicht trotzdem mal hier schauen: Ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest, seid mit Freunden und Familien und feiert… and pray for snow.

24. Dezember 2007 10:30 Uhr. Kategorie Leben. 11 Antworten.

BÜGEL

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09:38 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

1 MORD FÜR 2

Unter dem denkbar dümmsten Titel 1 Mord für 2 (Lies: Eins Mord für Zwei) läuft Sleuth, der neue Film von Starschauspieler und -regisseur Kenneth Branagh in Deutschland an. Wie man von einem im Hinblick auf den Film schon relativ smarten Titel wie Sleuth (Detektiv) zu etwas kommt, was nach Agatha Christie on Bad Acid klingt, ist mir ein Rätsel. Sleuth jedenfalls ist prominent besetzt, in jeder Hinsicht Banagh hat als Drehbuchautor den Nobelpreisträger Harold Pinter gewinnen können, Michael Caine spielt den Thrillerautoren Andrew Wyke (den in der Orignalverfilmung des Theaterstückes 1972 ursprünglich Laurence Olivier spielte) und Jude Law übernahm Caines frühere Rolle des Milo Tindle – übrigens das zweite Mal, das Law in Caines Fußstapfen tritt, in dem partiell wunderbaren Remake von Alfie spielte er bereits die im Original von Caine gegebene Titelrolle. Pinters Drehbuchfassung weicht entscheidend von demOriginal, das in Deutschland als Kleine Morde unter Freunden lief, ab, so dass man kaum noch von einem Remake sprechen kann, eher von einem Remix. Hochkarätig besetzt, mit zwei absoluten Kult-Darstellern, und von einem für Theateradaptionen und dichte atmosphärische Filme berühmt gewordenen Regisseur, getextet von dem Dramatiker für sozialabsurdes Theater – was kann da noch schief gehen?

Anscheinend jede Menge. Es mag an der Eindeutschung liegen, aber das scharfzüngige Katz- und Mausspiel des egozentrischen Erfolgsschriftstellers und des im Laufe des Films zunehmend geistesgestört wirkenden Teilzeitfriseurs wirkt oft steif, hölzern. Die Dialoge wirken eben wie geschrieben, weit entfernt von Sätzen, wie sie echte Menschen sagen würden. Der Text wirkt gläsern und hohl wie die nahezu menschenfeindlich kalte Innenarchitektur von Wyke’s Haus, die einzige Spur der Frau, die zwischen den beiden Männern steht, aber niemals selbst sichtbar wird. Das Haus selbst wird so zum dritten Darsteller, zur metaphorisch-visuellen Klammer des Films. Als lebendiges Bühnenbild des Kammerspiels dienend, schaffen die Security Cameras die einzige Verbindung zur Außenwelt (leider im Film nicht ganz konsent, irritierenderweise gibt es auch normale Außenaufnahmen), das hypermodern volldigitalisiert in kalten blau und kochenden Rottönen flirrt, je nachdem, was die emotionale Ebene der Geschichte verlangt. Tatsächlich ist dieses Motiv ein wenig zu aufdringlich inszeniert, die permanenten Touren durch das Haus wirken angestrengt, das Symbol, dass der jeweils dominante Charakter die Apple-Fernbedienung für das Haus hält, ist vielleicht etwas offensichtlich. Der Stahl-Beton-Look des Hauses, der eher die Anmutung eines High-Tech-Gefängnisses hat und in denen Wyke – Architektur gewordene Hybris – eine Art Mausoleum seiner eigenen Bücher hat, ist an sich vielleicht auch eben ein zu grobmotorischer Hinweis auf die Kälte und Hyperkommerzialität in Wykes Leben. Aber das Branagh nicht mit feinen Werkzeugen arbeitet, wird direkt zu Beginn des Filmes klargestellt, als sich neben Wykes edlen Daimler der Kleinwagen von Tindle gesellt, die beiden Auto Front an Front, das kommende Duell der ungleichen Gegner vorwegnehmend.

Caine und vor allem Law gewinnen dieser Auseinandersetzung, bei der es schon bald so gar nicht mehr um die Frau, die Scheidung und das Geld geht, sondern um den Balztanz zweier verschiedener Männer, schöne Seiten ab. Caines als eitler Fatzke gegebener Bestsellerautor entpuppt sich in den Zwischentönen, in kleinen dezenten Momenten, die Caine fast am Textgerüst von Pinter vorbei präsentiert, mit Blicken, mit kleinen Gesten, mit müden Gesichtsmuskeln, als einsamer alter Mann, dessen Leben in all dem Reichtum den Thrill, den Sinn verloren hat. Es geht nicht um die Frau, es geht um das Spiel, die Rache, die seinem leeren Edeldasein kurz einen Sinn gibt. Es geht darum, Milo Tingle gegenüber seine Potenz zu beweisen. Law, auf der anderen Seite, zeigt in düsterer Komik eine sehenswerte Wandlung vom eher schlecht gespielten Angsthasen über die albern-erschreckende Verwandlung zu Inspektor Doppler (oh, das Wortspiel, das Wortspiel) bis hin zum Psychopathen, der unter der Fassade lauert. Laws Tingle ist irgendwie schmierig, verrockt, das virile Gegenmodell zum erstarrten Cäsaren Wyke. In einzelnen Sequenzen spielen die beiden sich zu furiosen Höhen auf, und Law brilliert im Zweideutigen und Schlüpfrigen am Ende, in Pinters komplett neuen und hochgradig bizarren Finale des Films, das total vom Original abweicht.

Streckenweise gelingt die Dekonstruktion einer an sich eher leichen Komödie, deren dunkle Untertöne hier kreischend an die Oberfläche gezerrt werden, zu einem abstrus überzeichneten Generationen-Machozweikampf, das in einer grell überzeichneten (und etwas aufgepappt wirkenden) homosexuellen Wendung ohne Happy End endet. Pinter skizziert den Endkampf des alten Löwen gegen den jungen Herausforderer, Weisheit vs. Potenz, an dessen Ende der Cäsar siegreich, aber doch als Verlierer auf dem Schlachtfeld zurückbleibt, ein seltsam neongreller Abgesang auf den Chauvinismus.

Branagh bemüht sich um einen fast science-fiction-artig steriles Ambiente, dessen Varilights nicht ohne Grund an eine Theaterbühne erinnern. Das Haus wird zum klaustrophobischen Theaterkasten, und wie modernes Regietheater dekonstruiert der Regisseur den klassischen Stoff eben, teilweise gelungen, überwiegend aber schwerfällig und angestrengt. Herausragende, wunderbar windschiefe Kameraarbeit, ein stimmungsvoller Soundtrack machen das extrem textlastige Stück trotzdem zu einem cinematograhischen Erlebnis. Was ein dröges Schachspiel sein könnte, eine Dialogorgie, wird bilderverliebt animiert. Es ist ein seltsamer Remix, eine gewagte Adaption, und allein dieser Mut ist zu bewundern. Leider gelingt dem Film nicht, eine durchgehende Spannung und Stimmung aufzuhalten, und die Handlung segelt oft am Rande des unfreiwillig Komischen entlang, das Denouement bleibt unbefriedigend. Sleuth ist nicht Komödie, nicht Tragödie und obwohl alle Zutaten – großartige Textdialoge, herausragende Darsteller, Starregie – stimmen, ist das fertige Gericht leider nicht ganz überzeugend.

23. Dezember 2007 22:27 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

TRITTLEITERHOCKER

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22. Dezember 2007 12:00 Uhr. Kategorie Photos. 3 Antworten.

MUSEUM 102

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10:49 Uhr. Kategorie Photos. 4 Antworten.

MUSEUM 101

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21. Dezember 2007 15:52 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

CHASPER WANNER QUARTETT

Hinter dem großartigen Cover-Artwork von viveletuning (mit ebenso schönem, wenn auch kurzen Innenleben) verbirgt sich einer der spannendsten Schweizer Musiker, der sich hier ganz als Jazzer zeigt. Gemeinsam mit Alex Hendriksen und Wolfgang Zwiauer sowie dem Superstardrummer Danny Gottlieb produziert der Gitarrist Chasper Wanner eine exzellente, klassisch jazzige Platte, die kompositorischer Dichte ebenso wie Freiheit in der Improvisation beweist. Routinierter, meist ruhiger Quartettjazz, der vielleicht hier und da einen Hauch zu kantenlos bleibt, aber dennoch nie wirklich seifig wirkt, sondern feinstens an der Grenze zwischen Kopf und Bauch operiert. Ganz bruchlos gelingt das nicht immer, manches geht fast in Richtung belanglosen Fahrstuhl-Jazz, andere Sequenzen verlieren mitunter ihre Kohärenz, wirken ungeplant. Die Mischung aber wirkt meist unverbraucht, gut hörbar, filigran gebaut und dennoch niemals steif oder seelenlos. Zwiauers charmante Bassarbeit zusammen mit Gottlieb ist besonders hervorzuheben, das Saxophon hingegen wirkt – aber das ist eine persönliche Sache bei mir mit Tenorsax – manchmal etwas anstrengend. Alles in allem eine sehr solide, fats makellose Produktion, die Wanner hoffentlich auch jenseits der Schweiz bekannt macht.

14:15 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

MUSEUM 100

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13:30 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

MUSEUM 99

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09:50 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 98

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20. Dezember 2007 21:18 Uhr. Kategorie Photos. 5 Antworten.

JOSE GONZALES: IN OUR NATURE

Der schwedische Singer/Songwriter mit dem spanisch klingenden Namen präsentiert mit seinem zweiten Album – nach etlichen EPs – eine der Konsensscheiben des auslaufenden Jahres, das mit Down The Line und Teardrop gleich zwei Instant-Hits bietet. Mit einer an Nick Drake (den man leider stereotyp bei dieser Art Musik im Kopf hat) erinnernden minimalistischen Ruhe und Melancholie singt Gonzales die Songs in einfachsten Arrangements zur Gitarre, auf die bare bones abgespeckt. Der Sound ist so einfach, so pur, dass zu den bisherigen Veröffentlichten kein Evolutionssprung stattfindet und tatsächlich wäre jede weitere Produktionsfinesse – Streicher, Drums, Keyboard – auch ein Schritt zurück hinter die intime Einfachheit und Ehrlichkeit des ersten Albums Veneer. Ob in Coverversionen – die Gonzales natürlich anbietet, immerhin ist sein Knife-Covertrack Heartbeats dank Sony ein Welthit geworden, ganz zu schweigen von seiner beschwingt rausgerotzten  Love will Tear Us Apart-Version – oder Eigenkompositionen, Gonzales bringt eine eigentümliche Mischung von leichtigkeit und Schwermut, die ein Neofolk-Zeitphänomen zu sein scheint… es gibt immer mehr Acts, die diesen introvertierte Soundtrack zum Cocooning liefern. All der Hype – und die daraus resultierende Vorsicht im Umgang mit Phänomenen wie Feist oder Gonzales, die nur allzu schnell im Mainstream gelandet sind (Veneer war ein absoluter Bestseller im Jahr 2006)- ändert allerdings wenig daran, dass In Our Nature wie sämtliche EP- und LP-Vorläufer eine grandiose Musik liefert, die zwar stillsteht, an der aber auch nicht mehr oder weniger zu machen, weil sie an sich zu einer schlichten, fast hypnotischen Perfektion geronnen ist, an deren intimer, melodischer Formel zu rühren sicher ein Fehler wäre. Der Erfolg von Gonzales und Co belegt die im Strom elektronischer Musik wachsende Sehnsucht einer ganzen Käuferschicht nach überschaubaren, ehrlich anmutenden Musikstrukturen. Perfekte Kopfhörermusik für die Tage, an denen der Schnee fällt.

17:22 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

MUSEUM 97

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11:30 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 96

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10:18 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 95

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05:58 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 94

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19. Dezember 2007 20:50 Uhr. Kategorie Photos. 6 Antworten.

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14:13 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

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11:34 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

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10:27 Uhr. Kategorie Photos. 3 Antworten.

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00:19 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

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17. Dezember 2007 23:42 Uhr. Kategorie Photos. 13 Antworten.

MUSEUM 88

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20:02 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

AMY HEMPEL: THE COLLECTED STORIES

Über Amy Hempel habe ich ja schon mehrfach geschrieben, im Grunde kann ich mich hier nur wiederholen. Ihre Collected Stories sind eine umfassende Sammlung ihrer bisher erschienen vier dünnen Bücher mit Kurzgeschichten, von denen ich zwei noch nicht kannte und in denen Hempel ihren kompromisslos trockenen Stil fortsetzt. Die beiden fehlenden Sammlungen – the dog of the marriage und at the gates of the animal kingdom – setzen die vielschichtigen, tiefgründigen und wortkargen Short Story fort, die wie schreckliche Splitter aus der Alltagswelt ihrer Protagonisten emporragen und in denen sich der Horror hinter der Fassade nur schleichend, beiläufig entpuppt. Die Chiffrierung, die unglaubliche schwierige Choreographie dieser minimalistischen Geschichten, in denen jedes Wort, jede Pause eine ungeheure Wucht beigeschrieben bekommt und vier Zeilen einen ganzen menschlichen Mikrokosmos abdecken können, zwingt zu mehrfachen Lesen, um die rebusartigen, fraktalen Verschachtelungen zu verstehen. Hempel übertrifft die lakonischen Alltagsgeschichten von Raymond Carver, indem sie sie mit weiblichem Feinsinn einerseits und stählerner Kälte andererseits paart. Hempels Stil ist so eisig und spitz wie ein Stilettoabsatz an deiner Halsschlagader, unterdrückt sexy, unterkühlt poetisch. Die emotionale Gewalt unter den kargen Wortoberflächen entfaltet sich wie ein seltsamer Duftstoff während des Lesens, schleichend, um dann unbemerkt und absolut tödlich herzzerbrechend zuzuschlagen. Amy Hempel ist ein Geschenk.

19:59 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

MICHAEL BIERUT: SEVENTY-NINE SHORT ESSAYS ON DESIGN

Die meisten der in diesem Buch versammelten Texte kennt man schon von dem – von dem New Yorker Pentagram-Partner Michael Bierut mitgegründeten – Blog Design Observer, zu dem seit kurzem übrigens auch wieder Gründungsmitglied Rick Poynor gehört. Bierut gehört zu den profiliertesten und erfahrensten Mainstream-Designer in den Vereinigten Staaten und seine Texte zeichnen sich durch eine kluge Mischung aus Ambition und Realitätsinn aus, die einem stets dazu verleitet, zur Melodie dieser 79 kurzen Songs mitnicken zu wollen. In den kurzen Essays feiert Bierut Vorbilder, kritisiert selbstgefällige Designer, fordert Mut und Bescheidenheit, lob Logos und verdammt Schriften, lacht über Marketingtrends und schimpft über unbezahlte Pitches. Von Architektur bis Politik, von Disney bis IBM, jeder einzelne der Texte ist so lesenswert, dass sich das intensivere, ruhige Lesen, dass ein Buch gegenüber der Online-Fassung ermöglicht, auf jeden Fall lohnt, zumal das Buch schön bibliophil aufgemacht ist und Bierut liebevoll jedem Text eine eigene Schrift zuweist, was bei anderen Designern ein nerviger Gag sein könnte, in seinen Händen aber oft zu einem Metakommentar oder zumindest zu einem gelungenen VisualPun gerät. Bierut entpuppt sich als smarter Autor, der mit cleveren Headlines und anmachenden Textanfängen in den Bann zu schlagen vermag, der ein solides und druckvolles Ende schreiben kann, und der stets in der Lage ist, persönliche Meinung und generelle Anmerkungen zum Stand des Grafik Designs in den letzten drei Dekaden nahtlos zu verbinden, Lebenserfahrung mit Stars wie Kalman und Vignelli und über Jahrzehnte gewachsene Berufsphilosophie wunderbar zu fusionieren. 79 ist mit knapp 250 Seiten ein Buch, das sich unterhaltsam lesen lässt, ungewohnt unwuchtig für ein Designers-on-Design-Textbuch, das aber in keiner Gestalter-Bibliothek fehlen sollte.

12:54 Uhr. Kategorie Buch, Design. 3 Antworten.

MUSEUM 87

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12:06 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 86

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16. Dezember 2007 23:43 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 85

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18:00 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

MUSEUM 84

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15. Dezember 2007 19:51 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 83

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14. Dezember 2007 15:23 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 82

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07:06 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 81

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13. Dezember 2007 16:11 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 80

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13:58 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

PLANETEN = MEME

Da scheint ja echt was in der Luft zu liegen. Die Planetenidee, die wir für das Saisonheft der Bielefelder Philharmoniker verwendet haben, taucht jetzt auch noch bei Nokia auf… produziert ist die insgesamt sehr geniale Site, die aufzeigt, wie sehr Video und Animation das Webdesign inzwischen beeinflussen, natürlich von group94. Interessant, wie diese Idee von zwei französischen Hobbyknipsern viral die Runde macht. Kommentar von Marian und Raffael war allerdings, dass der Planet nicht optimal gebaut ist, sondern eher nach Spherize aussieht ;-D. Der Zoom allerdings ist sehr schön gemacht und die Idee an sich wunderbar kommuniziert.

13:25 Uhr. Kategorie Online. 12 Antworten.

MUSEUM 79

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12:58 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

TYPOSCHLUMPF

Steffi kämpft immer noch um Freikarten zur Typo 2008.


Genau, das ist der hier…

12. Dezember 2007 20:46 Uhr. Kategorie Stuff. 5 Antworten.

MUSEUM 78

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20:20 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

BITTE KEINE SELBSTZERSTÖRUNG

Wer von euch schon immer mal einen schicken Vorschlaghammer haben wollte: hier ist eure Chance. Christian Hampe hat für die zweite Clownfisch-Ausgabe «Zerstörung», die unter anderem sein Diplom zum gleichen Thema begleitet, einen Sticker produziert, den ihr einfach auf etwas Zerstörenswertes pappt, ein Photo davon macht, bei Clownfisch hochladet und dann habt ihr die Chance, beim Release des Magazins im Februar einen wunderbaren handlichen Vorschlaghammer zu gewinnen. Good luck.

16:28 Uhr. Kategorie Stuff. 6 Antworten.

OSTERMANN

Und in dem Paket war dann unter anderem das hier:

15:57 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

GLANZHUNDE



Waren auf einem ganz lieben Weihnachtspaket – soooo niedlich.

15:12 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Museum 77

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12:09 Uhr. Kategorie Photos. Tag . 4 Antworten.

MUSEUM 76

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10:43 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 75

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11. Dezember 2007 23:54 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

MUSEUM 74

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08:07 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 73

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10. Dezember 2007 12:41 Uhr. Kategorie Photos. 3 Antworten.

MUSEUM 72

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9. Dezember 2007 21:16 Uhr. Kategorie Photos. 4 Antworten.

BILL FRISELL: FLORATONE

Floratone ist das Produkt einer Aufnahmesession von Ausnahmegitarrist Bill Frisell und Schlagzeuger Matt Chamberlain, der zu den bekanntesten Studio-Drummern der Welt gehört und nicht nur in der Popwelt, sondern auch im Jazz eine Größe ist. Während die meisten Jazz-Alben live oder zumindest als Ensemble eingespielt track by track werden, haben Frisell und Chamberlain die Session-Aufnahmen an die Produzenten Tucker Martine und Lee Townsend übergeben, die aus den Improvisationen ein eigenständiges Album gebastelt haben, zusätzliche Instrumente (unter anderem den schlichtweg unglaublichen Bass von Viktor Kraus, dem man wirklich keine Sekunde anmerkt, das er nachträglich eingefügt wurde, so nahtlos fügt er sich in die Kompositionen) und Effekte beimengten und dabei ein überraschend dichtes und überzeugendes Ergebnis erzielt haben, auf das Frisell in einem weiteren Schritt dann selbst wieder aufbaute und die Songs weiter anreicherte, indem er etwa Streicher und Bläser arrangierte oder zusätzliche Gitarren einspielte. Ein seltsames Prozedere, ein permanenter Remix, eine Kommunikation und insofern ein ungewohnt modernes Vorgehen, in der die Produzenten nicht hinter Glas die Musik einfangen, sondern selbst Teil des Ganzes werden, mitimprovisieren können. Man darf Floratone insofern keineswegs als «echtes» Bill Frisell-Album sehen, es wirkt gemessen an anderen Veröffentlichungen vielleicht weniger innovativ, weniger gewollt, eher beiläufig. Aber genau das, der zurückgelehnte Charme, macht das Album aus. Auf Frisells nicht endenwollender Suche, in seinen vielen Kooperationen, ist Floratone eben eine weitere interessante Seitenstraße. Der Einsteigstrack lässt keinen Zweifel daran, dass Floratone einen Fuß im Pop-Genre hat, wie ein emotional dichter Soundtrack wirkt, sumpfig, schwül, verhallt und hypnotisch. Dichte vielschichtige Rhythmen, Samples, Loops, freie Improvisation schaffen einen schwer zu kategorisierenden Sound zwischen Melancholie und Groove. Langsame, schwere effektlastige New-Orleans-Dub-Ambience kommt bei diesen Soundsklupturen auf, die Martine und Townsend aus den Session-Schnipseln geformt haben. Jazz-Puristen werden bei diesem Album verzweifeln, aber Floratone ist ein mutiges, gewagtes Studioprojekt, eine Kollaboration ganz neuen Stils und vor allem einfach absolut wunderbar anzuhören.

20:08 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

MUSEUM 71

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19:45 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 70

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8. Dezember 2007 17:20 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

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16:56 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 68

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11:31 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 67

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7. Dezember 2007 22:00 Uhr. Kategorie Photos. 6 Antworten.

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19:24 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

TERRY PRATCHETT: MAKING MONEY

Making Money ist der zweite Roman um die Discworld-Figur Moist von Lipwig, der in Going Postal vom zum Tode verurteilten Trickbetrüger zum Kopf der Post von Ankh Morpork aufstieg. Inzwischen von der doch recht gut laufenden Behörde gelangweilt, lehnt er dennoch das Angebot des Patriziers Lord Vetinari der Stadt ab, sich um die hoffnungslos verlotterte Royal Bank zu kümmern. Nur schade, dass ihm die seltsam plötzlich verstorbene Vorsitzende 49% posthum der Bank überlässt – die anderen 51% gehen an ihren Schoßhund, um dessen Leib und Wohl sich Moist zu kümmern hat, nicht zuletzt weil die Verstorbene die Assassins Guild beauftragt hat, ihn umzubringen, wenn dem Hund etwas zustoßen sollte. Die Familie der Verstorbenen, die mit Moists seltsamen Ideen – wie etwa der Erfindung von papiergeld – nun wirklich nicht einverstanden sein kann, hat ihn und den Hund auf dem Visier und schreckt vornichts zurück, um die Macht über die Bank zurückzuerobern. Im Keller der Bank bordelt eine seltsame Maschine, die die Finanzen der Stadt abbildet – oder kontrolliert sie sie vielleicht magisch? Als ob dieses Chaos noch nicht reichen würde, hat Moists Verlobte – Adora Belle Dearheart – die verschollenen Golems der Stadt Um entdeckt, die geschlossen in der Stadt aufmarschieren – unbezwingbare Humanoide aus purem Gold. Mit Langeweile ist es in Moists Leben (oder dem kurzen Rest davon) also vorerst wirklich vorbei.

Routiniert produziert Terry Pratchett einen weiteren Roman seiner Discworld-Serie, die er wie ein Uhrwerk Jahr um Jahr ohne allzu sichtbare Ermüdungserscheinungen fortsetzt. Das nach der wahren Flut an Discworld-Büchern eine gewisse Selbstähnlichkeit auftritt, ist völlig normal… und so erinnert Making Money nicht nur vom namen her an Going Postal, der Plot ist weitestgehend identisch. Was nicht schadet, wie Going Postal ist Making Money ein eher kurzes, schnell wegzulesendes Buch, mit einer interessante Hauptfigur und einer Handlung, die nun wirklich nicht über die Komplexität von Shrek hinausreicht. Pratchett macht einige witzige Anmerkungen über die generelle Absurdität von Geld, aber vielleicht kann man dem Thema nicht allzuviel neue Absurditäten abgewinnen, und Papiergeld ist nun inhaltlich nicht wirklich so weit weg von Briefmarken. Dass Moist in einem nächsten Band anscheinend dann die Steuerbehörde von Ankh Morpork übernimmt, scheint nur folgerichtig. Pratchett ordnet seinen Figuren immer auch Funktionalität zu – ob Pratchett Fantasy, Shakespeare, Hollywood oder wie in diesem Falle eben generelle gesellschaftliche Trends aufs Korn nehmen will, oder ihm nach etwas Krimi ist… er hat immer die passenden Figuren zru Hand, oder erfindet von zeit zu Zeit neue Charaktere, die seine Bühne bereichern. In den letzten Jahren ist Pratchett – dankbarerweise – weg von der reinen Fantasy-Schiene und nutzt das Setting seiner Discworld, um sich den feineren Abstrusitäten der Zivilisation zu widmen. Making Money ist hier keine Ausnahme, und obwohl der Roman sich streckenweise etwas auf Autopilot geschrieben anfühlt und einzelne Elemente nicht immer sauber zusammenkommen, ist natürlich selbst ein nicht-so-guter Pratchett immer noch lesenswert. Die Bücher der Reihe unterscheiden sich nur in Nuancen und ähneln sich in ihrer Swiftesquen Tonalität doch sehr, an Money stört vielleicht ein wenig der konstruiert wirkende Versuch, alle nur denkbaren Zielgruppen mit filigranen Wortspielen hier und andererseits derbem Slapstick dort abgedeckt zu haben. Manches davon ist gelungen, manches nicht. Unterm Strich sind Pratchetts Bücher aber immer die Sorte Sorglos-Literatur, wo man weiß, dass den Protagonisten ohnehin nichts schlimmes passieren kann und ein Happy End in Sicht ist. In warme Ironie getaucht, sind seine Bücher eine regelmäßige Stippvisite bei Charakteren, die sich kaum verändern, aber doch manchmal weiterentwickeln. Insofern ist die Discworld an sich eine Art Serienkonzept, wie man es auch von Filmen oder Fernsehserien kennt. Nicht jede Simpsons-Folge ist brillant, aber das macht die Serie nicht weniger gelungen. Making Money ist nicht die beste «Folge», aber trotzdem eine gelungene Fortschreibung der Abenteuer von Moist von Lipwig und solide Unterhaltung, die man kaum aus den Händen legen mag.

17:18 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

MUSEUM 65

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15:42 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MUSEUM 64

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12:09 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

RÓISIN MURPHY: OVERPOWERED

Das zweite Soloalbum der Moloko-Stimme entpuppt sich als das, was ich beim ersten Album ursprünglich erwartet hatte. War Ruby Blue entgegen meiner Erwartung ein ausgesprochen unkommerzielles Album, von Matthew Herbert zu einer Klangcollage geschliffen, die sogar herausfordernder wirkte als Moloko, so ist Overpowered der strategisch geplante Sprung in die Charts. Kommerzieller hat Murphy nie geklungen, airplay- und discokompatibler waren selbst Moloko nie. Global produziert, hört man dem Album die weite Reise von Murphy leider nie an, alles klingt ein bisschen nach Wohnzimmer, alles klingt nach Management und Mainstream. Hochpoliert und sauber auf die Tanzflächen ausgerichtet, zeigt Murphy hier ihre zweite Seite, nicht mehr die extreme Klangtüftlerin, die verschrobene Künstlerin, nicht mehr auf Björks Pfaden, sondern eine Discoqueen par excellence, eine soulige, treibende Seite, die fast getrieben die verschiedensten Tanzmusikrichtungen abdeckt. Aber wo das Debut vielen vielleicht einen Tick zu abgedreht war, ist das zweite Album eben zu brav. Oft am Rande des Seelenlosen schippert diese MS Dancefloor an uns vorbei, und nichts bleibt hängen. Gute Radionummern sind nicht immer gute Albumsongs, und so ist es auch hier. Nahezu jeder Track hat Auskopplungs-Format, aber keiner lädt zu einem vertiefenden zweiten Hören ein. Du willst diese Songs mal im Radio hören, vorbeidudelnd, aber du willst nicht in sie einsteigen.

Murphy nähert sich so dem kommerziellen Erfolg sicher an, aber für diesen Erfolg opfert sie den Mut, die Innovation, die man von ihr gewohnt ist. Aus einer exaltierten, stolzen Diva ist ein Kylie-Klon geworden, mit etwas billig anmutenden Sounds, die alle nicht retro genug sind, um Retro zu sein, und nicht hip genug für den Edbanger-geprägten Dancefloor von Heute. Wer Moloko nur von Dlugosch-Remixen her kennt, mag sich hier wohl fühlen, alle anderen werden von der hausbackenen Normalität der Tracks, die eingängig aber nicht einprägsam sind, schnell genervt sein. Overpowered ist Discobrei ohne zweiten Boden, mutlos und brav. Vielleicht gelingt auf dem dritten Album die Mischung zwischen Pop und Experiment besser, aber bisher hat Ròisin Murphy ihre Mitte nicht gefunden. Niemand will von ihr Moloko2.0 erwarten, aber so deutlich unter ihrem Potential sollte sie auch nicht fliegen müssen.

6. Dezember 2007 20:57 Uhr. Kategorie Musik. 5 Antworten.

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20:21 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

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20:10 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

SNAPSHOTS

Weil ich Dienstag gerade die Kamera in der Ruhrakademie hatte und das 3. Semester eine kleine Überraschungsaufgabe erledigen durfte, konnte ich fix ein paar Schnappschüsse aus dem Seminar machen.  Die Übung, binnen 60 Minuten in Teams etwas konkretes zu gestalten, ist in diesem Semester erstmals einigermaßen gut gelaufen, was daran liegt, dass die Studenten Laptops, Webzugang, Kameras und sogar einen Printer am Start hatten. Design ist heute in der Umsetzung ein technischer Job und die Vorstellung, das eines Tages all unsere Studenten gleich ausgestattet sind und einen Laptop, Programme, Schriften haben und man im Unterricht nicht mehr abstrakt, sondern sehr konkret arbeiten kann, weil alle sicher die gleichen Voraussetzungen haben, gefällt mir nach dem Dienstag mehr und mehr… ich scheue reale Workshop-Arbeiten im Unterricht meist, weil nicht alle Studenten Equipment haben. Aber wenn das Equipment da wäre, kämen da, glaube ich, wirklich großartige Ergebnisse heraus. Schön war auch, die Studenten mit zwei Stunden endloser Bildbesprechung einzulullen und dann SMACK, mit dieser Aufgabe zu kommen. Auf den Moment habe ich mich schon seit Wochen gefreut. Und das Sofa für den Raum ist auch in Arbeit, feinfein…

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16:49 Uhr. Kategorie Stuff. 4 Antworten.

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5. Dezember 2007 23:58 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

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19:48 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

2!

:-D

18:16 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

OBERRHEINISCHES RHINO

Mit diesem Logo hat die Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ganz frisch einen Wettbewerb um ein Logo der Region Oberrhein für sich entscheiden können.
Ich hoffe wirklich, das da jemand vorher mal mit Benedict Stampa vom Konzerthaus Dortmund gesprochen hat…

Denn dessen  Logo sieht ja nun einmal so aus:

Wobei das Konzerthaus-Logo ästhetisch und inhaltlich die deutlich absolut gelungenere Variante ist – abgesehen von der Wortmarke, die ich bei beiden Logos eher mau finde.
Wir haben uns Ende 2005 über das Logo ja Gedanken machen dürfen, als wir um den Konzerthaus-Etat gepitcht haben, und das Nashorn stand für uns nie in Frage. Obwohl es mir in vielerlei Hinsicht visuell nicht so sehr gefällt, funktioniert es inhaltlich gut, ist durch den kognitiven Bruch von schwer und leicht eben gut einprägsam und in der Stadt dank kongenialer PR-Maßnahmen wunderbar implementiert. Gegen eine so stark implementierte Marke wirkt das «Rhino» vom Oberrhein etwas schwächelnd, leider.

Dank an Markus Brendel für den Hinweis…!

12:34 Uhr. Kategorie Design. 7 Antworten.

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11:50 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

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4. Dezember 2007 08:23 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

NORBERT BOLZ: BANG DESIGN

Norbert Bolz ist nicht für seine Zurückhaltung bekannt und bezeichnet sein Buch Bang-Design denn auch mal gleich als «Design Manifest des 21. Jahrhunderts». Was vielleicht ein wenig hochgegriffen ist, zumal es sich um ein Buch handelt, in dem nur jede zweite Seite überhaupt bedruckt ist, das seitenlange, leider irgendwie doch mehrwertfreie Kapitelopener aufweist und von dessen verbleibenden knapp 80 Seiten reinem Text mindestens ein Drittel der Medizin gewidmet ist. Anscheinend ist die Zeit wieder richtig für Manifeste, und Bolz ist nun seit eh und je der Mann für Statements, die sich ohnehin gut als Manifest hergeben.

In BANG-Design widmet Bolz sich, im Auftrag von von Peter Wippermanns Trendbüro, den Zukunftsräumen bio, atom, nano und gen und ihrer Konvergenz untereinander sowie mit den soziopsychologischen «weichen» Disziplinen. Er spannt den Bogen von Heideggers Metaphysik zu den neuen fast materielosen Wissenschaften, und springt souverän durch die Geschichte des Designs als formalrhetorischen Integerprozess der technischen Evolution. Vom Jugendstil bis zu Post:-Aicher spannt er den historischen Bogen auf zum Design als kybernetischen Faktor in einer modularen Entscheidungsmatrix, und stellt die Frage, was Design heute, da die reine ehrliche Sichtbarmachung technischer Prozesse eben nicht mehr ausreichen kann -da diese unverständlich, ergo «unsichtbar» sind – für die moderne Zivilisation leisten kann.

Emotional Design, folgert Bolz, muss dem User Vertrauen in die undurchschaubaren technoiden Black Boxes geben, Design muß den emotionalen Konnex zwischen Mensch und Technik herstellen. In dieser Funktion durchdringt Design heute unsichtbar längst alle Lebensbereiche – hier liegt die Hypothese vom Ubiquitous Design, die auch Bruce Mau in Massive Change deutlich hervorhebt. Design wird in erster Linie zur Interfaceleistung, zum gezielt gestalteten Kommunikationsakt, gleich welcher Art. Folgt man dieser Logik, wird Design vom aufklärerischen Moment bei Aicher zu einer Art intelligenten Illusionsakt, zur soziopsychologischen Hypnoseleistung, der digital-unverständliche hyperkomplexe Technologien zurück in die analog-begreifbare Domäne des Menschen bringt, quasi semiotisch tieferlegt.

Diese akute Ausprägung von postfunktionalistisch-sinnspendendem Design findet Bolz in der Anwendung von Nanotechnologien, in der Erstellung neuer Hightechmaterialien, in hypertextualen, virtuellen sozialen Analysemodellen, in neuromorphischen Mensch-Maschine-Interfaces, in non-invasiver moderner Medizin, in Bioinformatik, in AI und in anderen Bereichen, in denen Ingenieurs- und Designleistung nahtlos verschmelzen. Bolz zeigt die Chancen, aber auch ansatzweise die ethischen und sozialen Risiken dieser Tendenzen auf und folgert, dass die Rolle von Designern in Zukunft eine Art «Hirte des Seins» sein müsse.

An vielen Stellen des Buches, wie auch am etwas pathetischen Ende, it man geneigt, Widerspruch einlegen zu wollen. Bolz wirkt unbeschadet von jedem kritischen Anflug, sein Technikglaube wirkt frei von Zweifeln. Ökologische und soziale Krisen, Ungerechtigkeit, Ausbeutung scheinen sich – hinter den Kulissen – durch eine Art unsichtbare Hand des Fortschrittes zu regeln. Als Technoprophet predigt Bolz bis zu einem gewissen Maße die Lösung von durch Fortschritt verursachten Problemen durch eben weiteren Fortschritt.

Ganz so einfach, ganz so unkritisch geht das natürlich nicht und für ein «Design-Manifest» beleuchtet Bolz eben nur – dies aber fulminant – die eine Seite der Bedeutung von Design. Design wird zum schöpferischen, Emotionsspender-der Wissenschaften – und diese Definition greift etwas zu kurz. Es ist sicher richtig, dass das Design von Morgen enger und funktionaler mit der Technik kooperieren muss, sich den Möglichkeiten des Fortschrittes öffnen sollte. Aber man sollte zwei Schritte weiter denken: a) Design kann, darf und muss einem künstlerischen Imperativ zur Rebellion folgend eben auch antitechnokratisch sein, eine Rückkehr zur Natur, zur Authentizizät, zum Echten einfordern. Im Sinne des Situationismus als die Oberfläche punktieren, durch Pranks und Guerillagags, durch Cleverness und Engagement den Status Quo in Frage stellen. b) Design kann und darf auch Science Fiction sein. Nicht der Technik als eine Art Adjudant beiseitestehen, sondern selbst akut Impulse geben. Design sollte ökonomisch, strategisch, visionär und ganz pragmatisch Zukunft träumen und ihr eine Form geben, sollte Science Fiction sein. Diese beiden Trends – die sich beide mit dem Status Quo auseinandersetzen, indem sie ihn entweder kritisieren oder in die Zukunft projiziert auflösen wollen – sind die derzeit spannendsten Möglichkeiten, über Design zu denken. Bolz Buch, obwohl am Ende vielleicht zu sehr im technokratischen steckenbleibend, ebnet den Weg zu einem solchen Denkansatz von Design und ist insofern unbedingt lesenswert.

3. Dezember 2007 21:12 Uhr. Kategorie Buch, Design. 6 Antworten.

RATATOUILLE

Die Ratte Rémy hats nicht leicht, nicht nur, weil die Familie seinen Hang zur Haute Cuisine nicht nachvollziehen kann, sondern vor allem, weil er dieser Neigung nur als Draht (oder besser Haar-)zieher nachgehen kann. Unter der Kochmütze des etwas belämmerten und völlig talentfreien Juniorkochs Linguini zaubert die Ratte die besten Gerichte heraus, die am Ende sogar den oberkritischen Gourmet und Franz-Müntefering-Lookalike-2007-Preisträger Anton Ego becircen. Nebenbei gibts einen disneytaglich bösen Bösewicht,  kurvenreiche Liebesgeschichte, jede Menge etwas amerikanisch geprägtes Frankreich-Flair (das sich manchmal mehr nach Las Vegas als nach Paris anfühlt) und einen der besten Abspanne, die man sich wünschen kann. Ratatouille ist ein Film mit weniger Tiefgang als eine Scholle, ist aber durchweg schnell und leichtfüßig erzählt, meist überzeugend animiert und – obwohl bei weitem nicht so gelungen wie The Incredibles – einer dieser typischen Pixar-Filme, die Erwachsene sich ebenso gut ansehen können wie Kinder. En passant versteckt sich in dem Stoff die ein oder andere wohlmeinende Botschaft über Junk Culture, wahren Genuss, die Freude des Selber-Kochens und der Kreativität aus dem, was man gerade zur Hand hat -  allerdings so federleicht, dass die Sache niemals moralinsäuerlich wirkt.

Absurd scheint angesichts der Kritik an Junk Food und dem Plädoyer für echte Handarbeit aber die technische Umsetzung des Films. Ich weiß nicht, wie es anderen Leuten geht, und ich kann mir denken, dass es die erste Generation von Filmzuschauern gibt, die einen normal realisierten 2D-Film nicht mehr zu goutieren wüssten, aber persönlich fängt 3D zunehmend an, in mir Langeweile auszulösen. Die immer gleichen Versatzstücke aus dem Texturenkabinett, die ewig gleich wie Marmor glänzenden Augen, die entnervend in den Handlungsmittelpunkt gestellte Perfektion bei der Animation von Wasser und Haar, die entfesselten Kamerafahrten… all das sind sicher nur Tools, die genau die gleiche Geschichte erzählen wie die alten Animations-Zeichner-Armeen bei Disney, die inzwischen eben durch Serverfarmen ersetzt sind, und am Inhalt der Geschichten sollte das nicht ändern, aber dennoch wird man das Gefühl nicht los, das erst die Technik steht, und dann die Plotidee den aktuellen Möglichkeiten angepasst wird. Den Filmen fehlt – bei allem Charme – das Ungehobelte und Unperfekte. Umso charmanter wirkt die Schlusssequenz – auch wenn die wahrscheinlich ebenfalls via CGI entstanden ist. Aber es ist an der Zeit, das computergenerierte Bilder eine Bandbreite, eine erzählerische Dichte bekommen und die visuelle Form der Geschichte folgt und es nicht nur um eine Art State-of-the-Art-Spektakel geht. Ratatouille ist insofern, wie die meisten 3D-Filme,optisch beeindruckend, doch hängen bleibt überaus wenig. Und so ist ausgerechnet ein Film, der Gourmet sein möchte, ein McMovie. Was ganz sicher schade ist, den kindlichen Spaß an der rasenden Rattenoperette aber nicht wirklich trübt.

17:56 Uhr. Kategorie Film. 8 Antworten.

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12:42 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

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2. Dezember 2007 23:52 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

1937 – PERFEKTION UND ZERSTÖRUNG

1937 ist das Jahr der Bombardierung Guernicas im April, das ein Europa, eine ganze Welt im Umbruch zeigt. Faschismus und Sozialismus bauen in Europa und der Sowjetunion ihre Macht aus, Trotzki ist auf der Flucht, Speer beginnt seinen architektonischen Größenwahn, in Deutschland beginnt die massive Hetzjagd gegen Künstler und Intellektuelle, die Emigrationswelle läuft, die Pariser Weltausstellung steht im Zeichen des erdrückenden Pathos spanischer, deutscher und italienischer Allmachtsphantasien. Und zugleich ist die Mitte der dreißiger noch geprägt von der Moderne, von Bauhaus und abstrakter Kunst, die in der Emigration erst recht gegen die Regimes und ihre erstickende Denkart angehen. Musik, Kunst, Photographie stehen plötzlich entweder als Werkzeuge auf Seiten der Diktatoren und werden instrumentalisiert – oder funktionieren als subversiver oder offensiver Protest. Picassos Guernica, das noch im gleichen Jahr in Paris im spanischen Pavillon gezeigt wird, ist nur ein Beispiel für die brennende Lebendigkeit, die Kunst in diesem Klima von Angst und Unterdrückung gewinnt, als Widerstand gegen das Konzept der – in München als Ausstellung gezeigten – «entarteteten Kunst» und fast aberwitzig vielseitig und leidenschaftlich, wie eine Art letztes Aufbäumen auf der Schwelle zum 2. Weltkrieg.

Die Kunsthalle Bielefeld zeigt in einer atemberaubend dichten, mit einem einzelnen Besuch fast nicht zu ergreifenden Ausstellung, eine Momentaufnahme der Kunst jenes Jahres. Die Bandbreite, die hier von Thomas Kellein mit zusammengetragen wurde, rund 400 stolze Leihgaben, die eine ganze Bandbreite von Werken – Zeichnungen, Photo, Skulptur, Malerei – abdecken, ein breites Spektrum von zeitgenössischen Ansätzen präsentieren und vor allem mit Namen aufwarten, die in dieser Häufung als umwerfender Erfolg für Bielefeld gesehen werden dürfen – Picasso, Rothko, Magritte, Miro, Tanguy, Riefenstahl, Breker, Rodchenko, Ernst, Arp, Dali… die Liste der Namen liest sich wie ein Who’s Who der wichtigsten Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Und da es eben moderne Kunst ist – zudem so oder so, affirmativ gegenüber den totalitären Ideologien oder diese ablehnend -, im höchsten Maße erzählerisch und politisch aufgeladen, geradezu nach Exegese schreiend, so dass jedes Werk nicht einfach wegkonsumierbar ist, sondern jeweils Zeit und Reflektion einfordert. Die künstlerische, historische Dichte und Reichhaltigkeit der Kunstwerke – ihre «Kalorien» sozusagen – sind der historischen Relevanz der Epoche angemessen, die Werke sind in der Gesamtschau ein bedrückendes und zugleich beflügelndes Diorama, das die Rebellion des Künstlergeistes in Zeiten der Unterdrückung zeigt, genau in jener rasiermesserklingendünnen Sekunde, in der in der kollektiven Empörung gegen das Regime, in der Wut der zivilisierten Welt, noch so etwas wie vorsichtige Hoffnung auf einen Wechsel greifbar ist, und dennoch stets die Angst in den Arbeiten durchschimmert. Diese Mischung aus Wut, Furcht, Resignation, Hoffnung, Rebellion und Trauer verleiht den Arbeiten eine immense emotionale Wucht, neben der vieles der Kunst von heute blutleer, brav und kopflastig anmutet. Die Ausstellung, der man die Liebe zum Detail und die wahrscheinlich kaum vorstellbare logistische Mühe hinter der Organisation der Leihgaben, wirklich im besten Sinne anmerkt, läuft noch bis zum 13. Januar 2008 und man sollte sie unbedingt zumindest einmal gesehen haben. 1937 beweist, wie relevant, wie akut, wie brennend Kunst sein kann. Nicht als abstrakte verkopfte Masturbation, sondern als relevanter Ausdruck der Hoffnungen und Ängste ganzer Nationen, als brennendes Symbol.  Es ist wohl immer so, dass in schlechten Zeiten die besten Werke entstehen.

Am Montag gab es im Rahmen der Ausstellung zudem ein Philharmoniker-Solistisch-Konzert der Bielefelder Philharmoniker, die hier wieder einmal beweisen, wie nahtlos sie in das Kulturleben der Stadt gehören. Der große Museumssaal war so derart ausverkauft, das zusätzliche Stühle bereit gestellt werden mussten und sogar die Treppe voll besetzt war. Charmant und informativ von Helene Sommer begleitet, führt das – von den Musikern selbst zusammengestellte – Programm wie eine wildgewordene Sinuskurve durch die Bandbreite der Musik von 1937. Von naiven Kindermelodien aus der inneren Emigration bis hin zu Eislers frühen revolutionären Zwölftonwerken, von minimalistischen Violine/Violoncello-Mosaiken bis hin zum wuchtigen Bläserquintett von Hartmann. Die Auswahl passt perfekt zur Ausstellung- entartete Musik zu entarteter Kunst -. und die begeisterte Reaktion des Publikums zeigt, dass die Zuhörer anstregende, kluge, spannende Klassik wollen. Das auch die E-Musik eben ernst sein kann und darf und soll. Und nicht zum akustischen Kuschelbad verkommen darf. Es ist – mit Blick auf die Ausstellung, aber auch auf das Konzert – nahezu erschreckend, wie viel reicher, avantgardistischer, engagierter und mutiger die Kultur ausgerechnet in diesen repressiven Jahren auftrat. Der Unterschied zu heute ist so frappierend, dass man sich fragt, ob in unserer Verwöhngesellschaft noch Kunst in dieser brennenden, intensiven Form denkbar ist, brutal nach vorne gehend, engagiert und voller Risiko. Nicht umsonst hat die Kunsthalle Bielefeld sich Magrittes Entdeckung des Feuers als Key Visual ausgesucht – hier zeigt sich Kunst in ihrer brennendsten, schmerzhesten und doch berührendsten Form. Unbedingt hingehen, solange es noch geht.

14:31 Uhr. Kategorie Live. 2 Antworten.

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11:53 Uhr. Kategorie Photos. 4 Antworten.

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Für immer im Wettlauf…

1. Dezember 2007 14:48 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

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10:44 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.


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