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NOTHING TO DECLARE

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31. Juli 2007 15:38 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

ROTGELBBLAU

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13:48 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

KIND

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10:54 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

TOURIST

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Mein altes Faible: Menschen beim Photographieren photographieren. Interessant, wie uns Digitalkameras die Welt erneut in Form eines Bildschirms darstellen, in Videoästhetik.

30. Juli 2007 20:49 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

SIMPSONS – DER FILM

Matt Groening und Co haben sich ja angeblich lange bitten lassen zu diesem Film, weil ihnen eine adäquate Geschichte, die einen Film rechtfertigt, fehlte. Wenn man sich den fertigen Simpsons-Movie ansieht, kann ich diese Bedenken verstehen. Das Ganze fühlt sich – im Guten wie im Schlechten – an wie eine etwas gestreckte Doppelfolge der TV-Simpsons. Auf komplette Neueinsteiger wird nur minimalst Rücksicht genommen – wobei der Simpsons-Kosmos aber generell Newcomer-freundlich ist, da es ja keine echte Continuity gibt -, aber viele der zahllosen etablierten Nebenfiguren kommen ohnehin nur recht nebenbei vor, so dass man auch als Anfänger schnell drin ist in diesem neuen Abenteuer aus Springfield. Im besten Sinne haben die Macher im Verhältnis zur Serie kaum etwas geändert, es gibt sogar einen ironischen Fortsetzung folgt-Teaser mittendrin, auch einen TV-Werbestörer und fast den Original-Vorspann aus der Serie. Näher geht kaum. Und so spiegelt der Film den aktuellen Stand der postmodernen Simpsons wieder: Er ist schnell, witzig, etwas oberflächlich in Sachen Plot, medienironisch, hat den inzwischen zur Routine geronnen Spritzer Politikverdrossenheit und und und. Wer die Serie, die in ihrem jetzigen 18-jährigen Zustand eine sehr feste, vielleicht festgefahrene Form gefunden hat, mag, wird den Film lieben. Ein paar alte Gags und Handlungsideen werden leider aufgewärmt, ein paar neue Sachen kommen dazu, alles in allem ein saukomischer (im Wortsinn) und auch wie stets sehr niedlicher Film (Maggie!!!!), aber irgendwie auch nothing to write home about – der Film bleibt in sehr berechenbaren Bahnen und überrascht nicht einmal, vielleicht einfach, weil er es in der Logik der Serie eben gar nicht kann. Was leider etwas fehlt, ist der Sarkasmus und Zynismus, der ab und zu die TV-Serie durchtränkt und vielleicht das halsbrecherische Tempo, mit denen mehrere Plotideen aufeinandergestapelt werden, so dass in der Serie eine Geschichtemeist völlig anders beginnt als sie sich dann weiterentwickelt. gegen die Serie wirkt der Film seltsam linear und der Humor etwas zu sehr auf Slapstick getrimmt. Man merkt also schon an einigen Stellen recht deutlich die Zugeständnisse an den Massencharakter eines Kinofilms, ein paar der subtileren Nuancen gehen einfach unter, die prekäre Balance, die die Simpsons zwischen Merchandise-Massenartikel und Kultphänomen haben, ist nicht so GANZ gewährleistet, der Film kippt schon eher in Sachen kleinster gemeinsamer Nenner.  Aber papperlapapp….irgendwie auch alles völlig egal, immerhin darf man so eine ziemlich okay-e neue Doppelfolge der besten Serie der Welt einfach einmal ordentlich groß im Kinosaal genießen. Was will man mehr? P.S.: Unbedingt den gesamten Abspann ansehen.

18:39 Uhr. Kategorie Film. 10 Antworten.

DEATH PROOF

Es wäre sicher ein Fehler, diesen Film als «echten» Tarantino zu betrachten, da er als Tail des Grindhouse-Projektes von Quentin Tarantino und Roberto Rodriguez eben bewusst als Junk angelegt ist, als Hommage an die billigen Double-Feature-Filme aus der Jugend der beiden Regisseure, die billigen B-Movies, Action, Horror und Sexploitation, deren Spurenelemente man in den Werken beider Regisseure ohnehin immer wieder findet. Es ist ein Fehler des Verleihs, auch wenn wir so in Deutschland eine etwas längere Filmfassung zu sehen bekommen, den Film als vollwertigen Tarantino zu vermarkten, der Film funktioniert so einfach nicht wirklich. Denn während vollwertige Filme wie Kill Bill oder Jackie Brown spürbar mit Handlung und Tiefe aufgeladen sind, bleibt das Grindhouse-Projekt ganz greifbar ein schneller Spaß, ebenso wie Tarantinos Four Rooms oder die Folgen von ER/CSI, bei denen er Regie geführt hat. Ein bisschen Junkyard-Spielplatz, im Grunde ein QT-Fetisch-Film, in dem sich Tarantino so pur wie nie zuvor – ohne jede Ablenkung durch einen realen Plot – seinen Hauptthemen widmet: Filme, Autos, Gewalt und Frauen.

Filme
Ex-Videothekar Tarantino erweist sich auch hier als wandelndes Filmlexikon zwischen High und Low Culture, der scheinbar übergangslos Jean Seberg, Sam Peckingpah, John Hughes, Kris Kristofferson, Steve McQueen, Burt Reynolds und Barry Newman aneinanderkettet. Death Proof erweist sich als fast erschlagender kultureller Zitatenschatz, ebenso vollgepackt mit Filmzitaten, Songs, Plakaten und anderen Restbeständen aus Tarantinos Kosmos, ein eklektizistisch glitzernder Cocktail, in dem fast jeder trashige Roadmovie eine Ehrensalve erhält, und Tarantino sogar mehrfach seine eigenen Filme zitiert (am auffälligsten mit der Farbe von Kims Wagen, mit den Big Kahuna Burgers, mit dem aus Kill Bill I stammenden Ringtone Twisted Nerve, mit dem großartigen Gastauftritt von Sherrif Earl McGraw (Kill Bill & Dusk Til Dawn) und und und). Auch dass mit Kurt Russel ein Schauspieler in der Hauptrolle präsent ist, der mit einem absoluten Junkmovie (John Carpenters Escape from NY) seine Filmkarriere begann und der hier die kaputte Coolness von Snake Plissken karikieren darf, macht deutlich, wie sehr sich Death Proof gegenüber anderen Tarantino-Filmen als quick & dirty abhebt, aber eben doch deutlich die Handschrift des Regisseurs zeigt. Die massive (Selbst-)Referentialität zeichnet ja auch Filme wie Pulp Fiction oder vor allem Kill Bill aus, ist hier aber noch greifbarer als in Kill Bill. Death Proof ist auf diesem Level ein Filmnerd-Festival, bis hinab zu den Nummernschilder ein alle Level des Films durchziehender Trip durch die Amerikanische Road-Movie-Geschichte mit klaren und auch sehr versteckten Andeutungen, die den gesamten Film zu einer Art Quiz werden lassen. Von der Ente auf Kurt Russels Motorhaube bis zum letzten T-Shirt, alles deutet auf etwas anderes hin, was den Film, der selbst fast ohne Handlung auskommt, noch mehr als Metamedium erscheinen lässt, als einen Film über Filme. Wo Kill Bill auf eine Flut von Western, Anime, Horrorfilme, sowie auf japanische und chinesische Kultmovies eingeht, konzentriert sich Death Proof auf meist amerikanische Muscle-Car-Movies. Dass Tarantino in der stilistischen Kopie schlechter B-Movies sogar so weit geht und Schnittfehler, Dialogdoppler, Farbsprünge, Anschlussfehler und so weiter, bewusst einbaut und so bereits rein optisch an die amerikanischen und italienischen Trashklassiker der Seventies anknüpft, ist da nur konsequent.

Autos
In einer der deutlicheren Filmreferenzen wird Gone in 60 Seconds genannt – «Das Original, nicht dieser Angelina Jolie Bullshit». Dahinter steckt mehr als nur eine Verneigung vor H.B. Halickis Granddaddy aller Autojagd-Filme, nämlich auch eine sehr greifbare Antipathie gegenüber neuen Autos. In Dominic Senas Remake mit Nic Cage und Angelina Jolie stehen primär moderne Muscle Cars im Vordergrund, nicht mehr die klassischen amerikanischen Dreamcars aus der Zeit vor der Ölkrise. Autos wie der 1971er Ford Mustang oder der Dodge Challenger. Getunte V8-Motoren, an denen jeder Zentimeter Blech nach Machismo und American Dream aussieht – und die auch nur auf den endlosen Highways in den USA wirklich Sinn machen. Liebevoll umkreist Tarantinos Kamera im staubtrockenen Licht von Texas diese Dinosaurier, Überbleibsel aus einer Zeit, in der man noch in Bars rauchen durfte und bei denen Autobauer noch nicht an Klimaschutz und Hybridmotoren dachten, sondern an Sexappeal. Das Auto ist ein Fetisch der US-Gesellschaft, ein Aphrodisaikum, ein Turn-On wie es am besten J.G. Ballard in Crash beschrieb. Und QT feiert diese Sehnsucht nach dem prä-digitalen Zeitalter, der analogen, mechanischen Welt, in der Detroit noch Mittelpunkt der Autokultur war, in der nicht windkanal- und marketinggetestete Kleinwagen auf den Highways unterwegs waren, sondern kraftvolle, böse, unsichere Maschinen mit harten Lenkrädern, riesigen Sitzen und ohne Airbags und anderen Schnickschnack. In der Autofahren noch ein gefährlicher Sport war. In der finalen Jagdsequenz zwischen Stuntman Mike und Kim, Zoe und Abby rasen die beiden Dodge über den Highway, im weißen Challenger sitzen die Helden, im schwarzen Charger der Schurke, so einfach kann die Welt sein. Während dieser Autoverfolgung rammen die Old-School-Muscle-Cars mehrere Mittelklassefahrzeuge und SUVs aus dem Weg, fast achtlos in die modernen Fahrzeuge rasend, die prompt ins Schleudern geraten und von der Straße trudeln. Besser kann man die Verachtung für moderne Autos, für die heutige Kultur, für ein verwöhntes, verweichlichtes Zeitalter, vielleicht nicht in Bilder packen. Die Dinosaurier, die metallene Haut längst rissig und verbeult, nehmen sich neben den modernen Lutschbonbon-Autos immer noch aus wie ledergesichtige Kriegsveteranen, wie Cowboys inmitten einer Gesellschaft, die ihr Fleisch im Supermarkt kauft. So wie Russels Knautschgesicht den Männermythos einer vergangenen Zeit heraufbeschwört – und sei diese Zeit auch nur 40 Jahre her – so sind auch die Autos selbst Abgesang einer härteren, ehrlicheren, dreckigeren Welt.

Gewalt
Death Proof ist kein Film fürs erste Date. Die Gewalt ist kurz und hart und blutig und wie Stuntman Mike zuerst Pam und dann Shanna, Arlene und Julia umbringt, ist schöner, ehrlicher Splatter. Denn schließlich ist Death Proof nicht nur irgendein Car-Chase-Movie, sondern ein Crossover mit Elementen aus Splatter/Serienmörder-Filmen. Wie in jedem guten Film dieses Genres erfährt man dabei wenig über den Täter, außer, dass er durch eine Narbe entstellt ist und seine mäßige Karriere als Stuntman irgendwann vor 15 Jahren beendet war. Kurt Russels fast opernhaft angelegter Stuntman Mike ist die Quintessenz desFilm-Slashers, der sein Mordinstrument, und was wäre phallischer als ein Auto, als Penisersatz benutzt und die Frauen, die er niemals ins Bett kriegen kann, umbringt. Eine Figur, die nahtlos anschließt an Genre-Proto/Stereotypen Freddy Krueger, Michael Myers oder Jason Voorhees und doch zugleich tiefer geht. Die Gewalt in Death Proof hat etwas Suizidales, Mike schrottet in der ersten Filmhälfte seinen Chevy Nova und landet selbst schwer verletzt im Krankenhaus. Russel schafft es, der Figur einen seltsamen surrealen Vibe zu geben, hinter die coole Fassade hängt er eine emotionale Tiefe, die sich in Mikes Gespräch mit Arlene im ersten Filmdrittel zeigt. Russel kann je nach Bedarf tödlich cool wirken, oder abrupt lächerlich, bedrohlich oder am Ende zum feige winselnden Verlierer mutieren, der von der Mädchenbande ganz im Stile eines Kungfu-Shaw-Brüder-Films vermöbelt wird. Anders als in bisherigen Tarantino-Filmen wirkt die Gewalt hier aber nie surreal überzeichnet oder gar ironisiert, nach der stilisierten Over-the-top-Blutorgie Kill Bill scheint Death Proof sogar relativ wenig Brutalität aufzuweisen. Aber wenn sie kommt, kommt sie frei von jeglichem Sarkasmus, hart, trocken und böse. Die Climax der ersten Filmhälfte ist so unerwartet, so grandios geschnitten, dass sie deutlich emotionaler wirkt als andere Filme, die vergleichsweise exhibitionistischer mit Verstümmelung umgehen.

Die Gewalt steht hier noch deutlicher im Gegensatz zu den lang ausgestreckten Dialogsequenzen als bisher bei QT. War schon Kill Bill nahezu in einen Sprech- und einen Actionteil untergliedert, so wird diese Tendenz bei Tarantino hier vollends manifest. Der Anfang beider Filmhälften liefert scheinbar belang- und endlos wirkende Small-Talk-Fetzen aus dem Leben der beiden Girlgruppen. Kulturelle Anspielungen, gespräche über Figuren, die im weiteren Verlauf nie wichtig werden und andere Gimmicks hauchen den Figuren Leben ein und machen als postmoderne Fingerübung einfach Spaß. So wie Tarantino schon in Pulp Fiction eine Fallhöhe zwischen Small Talk (die berühmte Viertelpfünder-Passage von John Travolta etwa) und Ultragewalt herzustellen vermochte, lullt auch Death Proof den Betrachter effektiv ein, bis die Alltäglichkeit abrupt gestört wird. Ganz à la Elmore Leonard ist dabei Russel der fast albern wirkende Gernegroß im Satinjäckchen, der nur so lange eine Witznummer ist, bis er die ersten Leute auf dem Gewissen hat. Das dabei im zweiten Teil des Filmes die Handlung der ersten Teils nahezu spiegelbildlich stattfindet und Mike vielleicht zu schnell auf eine ebenbürtige Truppe von Tough Chicks trifft, ist der Dialoglastigkeit des Filmes geschuldet, die dem Film das Slasher-übliche Tempo nimmt.

In ihrem Gespräch mit Mike antwortet sein späteres Opfer Pam auf die Frage, wie denn ihrer Meinung nach tödlich wirkende Stunts in Filmen gemacht werden, bei denen sich Autos mehrfach überschlagen und in Brand gehen: «Ähm.. CGI?» Die Verachtung des durch die Computertechnologie arbeitslos gewordenen Stuntman-Losers scheint Tarantino zu teilen. Wie bei den Autos, ist er auch bei den Effekten Traditionalist, Death Proof ist rein visuell eine Verbeugung vor der klassischen Stuntarbeit, nicht umsonst spielt Uma-Thurman-Stuntdouble Zoe Bell sich selbst in einer der Hauptrollen spielt. Es ist eine Hommage an das Unperfekte, das Grobschlächtige, das letztendlich Brutale im Film. Eine Sehnsucht nach einer Zeit also, paradoxerweise, in der Frauenhasser wie Stuntman Mike noch am Drücker waren. Womit wir beim letzten Fetisch wären…

Frauen
Bei Death Proof agiert Tarantino nicht nur als Autor, Regisseur und vor der Kamera, sondern auch erstmals als Kameramann. Mehr Auteur-Kino geht kaum. Während seinen älteren Filme stets Männerfilme sind und Themen wie Ehre, Macht, Gewalt und anderes Alpha-Male-Gehabe zentral sind, ist Death Proof wie schon Kill Bill ein Frauenfilm. Nicht ganz in dem Sinne eines Meg-Ryan-Filmes, aber Tarantino präsentiert starke, selbstbewusste Frauen, die den Männern den Rang abgelaufen haben in Sachen Sexualität und Durchsetzungsvermögen. Während «The Bride» in Kill Bill noch fast herkömmlichen Rollenklischees folgte (Heirat, Kinder), wird bei Death Proof bereits zu Anfang klar, dass die Girls das Sagen haben. QT huldigt in Death Proof auf fast verschwenderische Art und Weise seinem Fuß- und Hinternfetisch, degradiert die Mädchen also im klassischen Exploitation-Film zu eindeutigen Sexobjekten, lässt die Kamera genüsslich und voyeuristisch an den Körpern seiner weiblichen Hauptdarsteller entlanggleiten, nutzt sie ebenso als Fetischobjekte wie die Rundungen der Autokarossen. Death Proof fehlt in manchen Sequenzen nicht mehr viel zu einem sehr sehr soften Pornofilm.

Auf der anderen Seite sidn QTs Mädchen Powergirls im besten Spice-Girl-Sinne. Ihre Sexualität nutzen sie als Machtquelle, Jungs sind in ihren Gesprächen mitunter zu reinen Sexobjekten degradiert, sie tragen Waffen und lassen sich auf Motorhauben festschnallen und werden trotzdem Gaga, wenn sie eine italienische Vogue in die Hände bekommen können. Die Frauen in Death Proof sind nicht die kristallharten entmenschlichten Killermaschinen wie wir sie aus Kill Bill kennen, und die sich im Falle von The Bride erst wieder rehumanisieren müssen, aber sie sind auch alles andere als hilflose Opfer. QT beweist ein gutes Ohr für Frauentalk in den Dialogsequenzen und entwirft zugleich eine Gesellschaft, in der sich die Rollenklischees von Mann und Frau aufgelöst haben, in der Machismo-Typen wie Stuntman Mike mit ihren Anmachsprüchen ausgedient haben und nur noch naive Opfer-Mädels wie Pam abschleppen können, aber von Frauen wie Abby und Co eben den Hintern versohlt kriegen. Es ist ein – nicht sonderlich mitfühlender – Abgesang auf einen Männertypus, der in einer zunehmend von Frauen dominierten Welt ausgedient hat. QT baut hier auf einem Heldentypus auf, der in Alien, Schweigen der Lämmer, Single White Female und anderen Filmen bereits etabliert wurde, aber selten so viel «machismo» hatte, so selbstverständlich war. Death Proof ist sicher nicht der erste postfeministische ilm, aber der erste, der den neuen Rollen-Status-Quo mit QTs cinematographischen Appeal flirrend heiß und lässig auf die Leinwand bringt. Wo der normale Slasher-Flick auf das last girl setzt, das zum Täter mutierende Scream-Girl-Opfer – Jamie Lee Curtis hat’s in Carpenters Halloween vorgemacht -, emergiert hier eher eine aus einem Russ-Meyer-Film entsprungene Truppe von Supervixens, die sich von vorneherein nichts gefallen lässt und gar nicht erst zum Opfer wird, sondern sofort mit breitem Grinsen zur Jagd auf den Killer ansetzt. Der Killer wird zur Beute.

Insgesamt ist Death Proof beileibe nicht an Kill Bill, Pulp Fiction oder Jackie Brown zu messen. Es fehlt an Tiefe, an Polyvalenz, an Handlung. Und dennoch ist er eine Studie von Tarantinos Faszination en miniature. Ein kleiner dreckiger Film – der gerade im Autokino wirklich absolut perfekt war – dessen totales Fehölen voN Handlung, wie auch die großartigen Edit-Fehler, keinen Zweifel dran lassen, dass er hingerotzt, low-budget, trashig sein SOLL. Death Proof ist ein Spaghetti-Western erster Güte, eine wunderbare Verbeugung vor einem sterbenden Genre, vor einem Punk-Denken über Film an sich. Nicht umsonst hebt Rodriguez Grindhouse-Beitrag auf das Erbe der Zombie-Filme ab, die ihre ganz eigene Trashlegende sind. Tarantino schließt mit diesem Film an sein Oevre als Kultregisseur (und -autor) an, als jemand, der wie David Lynch ohne falsche Rücksichten seiner ganz eigenen Vision von Kino-Erzählungen folgt und der sich in Death Proof seltsam pur wie selten zuvor zeigt. Die Frage ist, ob QT sich mit der Rolle des Meta-Filmers zufriedengibt und den Rest seiner Karriere Hommage betreibt, oder ob er (wieder) an den Punkt kommt, wo er auf der Basis seines enormen Know-Hows über die Filmhistorie wieder eigene Geschichten zu erzählen vermag. So oder so gibt es derzeit keinen zweiten Tarantino, und jeder seiner Filme ist an sich ein kleines Meisterwerk jenseits von Gut und Böse, insofern darf man auf Inglorious Bastards, den nächsten «echten» QT schon jetzt gespannt sein.

18:19 Uhr. Kategorie Film. 12 Antworten.

HAFEN II

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15:02 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

HAFEN

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Weitwinkelaufnahme, ich finde verblüffend, wie sehr das ganze nach Mittelmeer aussieht.

29. Juli 2007 12:02 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

MILCH

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28. Juli 2007 16:21 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

BJÖRK: VOLTA

Nach Medulla dachte ich, Frau Guðmundsdóttir hätte meinen musikalischen Kosmos etwas verlassen. Obwohl als Experiment beachtenswert, wenn auch bei Camille deutlich besser gelungen, zeigte Medulla noch deutlicher als bereits Vespertine eine gewisse kreative Abnutzungserscheinung, die sich paradoxerweise in immer hochgestocheneres Experimenten ausdrückte. Stimmlich, von der vokalistischen Ausdrucksmöglichkeit, längst und früh an ihre Grenzen gekommen, war Bjork greifbar verzweifelt auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Bandbreite zu erweitern und Medulla war für mich möglicherweise Ausdruck eines Scheiterns dieses Versuchs. Kopflastig, überproduziert, auf einer einzelnen, zudem seit Herbert Matthew auch nicht sonderlich neuen a-capella-Idee – die menschliche Stimme als Allroundinstrument – basierend, zeigte Medulla einerseits eine Björk, die sich seit Debut nur mäßig weiterentwickelt hat, zum anderen aber mehr und mehr dem eigenen Marketingansatz als «Künstlerin» (nicht Musikerin) anheim gefallen war.

Das mittlerweile sechste Studioalbum, macht einen Bogen zurück. Wie viele Musiker, die bis an die äußeren Grenzen der Experimentierfreude gegangen sind, macht Björk sich wieder auf den Weg zu ihren Wurzeln. Volta klingt seltsam abgeklärt, geht zurück an die Popwurzeln von Debut und Post, ohne dabei wirklich Björks Freude am Verspielten zu opfern. Aber es ist eindeutig wieder kommerzieller als Medulla. Und dennoch schafft Björk es, sogar einen Produzenten wie Timbaland, der nahezu immer übersmoothen Highgloss-Pop produziert, nach eben… Björk klingen zu lassen. Dem Opener Earth Intruders merkt man nicht sonderlich an, dass Herr Mosley ansonsten für Beyoncé, Nelly Furtado, Aaliyah und andere Soul/Rab-RnB-Diven produziert.

War auf Medulla die Stimme das Instrument, das gebeatboxt, gesampelt und verfremdet wurde, so stehen diesmal scheinbar mehr klassische Instrumente auf der Speisekarte. Exotische Zupfinstrumente, stark verfremdete Bläser, Strings lagern sich schichtweise über die kraftvollen und komplexen Beats des Albums. Wanderlust gerät in dieser Mischung zu einem der stärksten, dichtesten Björk-Songs seit einiger Zeit und wirkt ebenso wie The Dull Flame of Desire, Pneumonia und Vertebrae to Vertebrae fast wie eine Fingerübung für eine Kooperation mit einem Symphonieorchester. Björk und ihre zahlreichen Produzenten (unter anderem auch wieder Mark Bell) schicken vor allem die Bläsersektion durch immer neue Effekte und Loops und bauen stark auf die obertonreiche schwebende Magie von Flügelhornsektionen und Trompeten klängen, die so nahtlos zum Sirenengesang von Björk passen und sie wie ein surrealer Chorgesang umschwimmen. Die Mischung von Elektronik und Klassik, die stark an Homogenic erinnert (nur, dass es bei Homogenic eher die Streichersekion war, auf die Björk zurückgriff), wird gekontert von dem einem Track wie Innocence, der – wie auch Declare Independance - spürbar die Brücke zwischen dem ja fast naiven Dancefeeling von Debut und dem Vokalpurismus von Medulla baut. Überhaupt wirkt Volta seltsam abgeklärt, fast ein Resümee der bisherigen Karriere von Björk, ein retrospektives Album, in dem sich die isländische Sängerin zugleich seltsam roh und verletzlich, aber auch entspannt und fast kommerziell präsentiert. Der exaltierte Gesang, der Eklektizismus in der Wahl der Instrumentierung steht diesmal im Dienste eines ganzen, ist kein reiner Oberflächeneffekt mehr. Björk scheint nicht mehr als craziest motherfucker on earth beeindrucken zu wollen, sondern lehnt sich mehr in den Sound zurück, und dieses Unangestrengte, Leichtere tut dem Album und den Songs gut.

Volta ist immer noch kopflastig – bei Björk nicht anders denkbar -, aber auf eine spannende, abwechslungsreiche Art, ein spürbar durchgeplantes Album mit konzeptionellem roten Faden, aber verspielter, witziger. Nicht ohne Grund ist Björk auf dem Cover als schrilles Huhn inszeniert, nachdem sie auf Medulla nahezu ganz in schwarzweiß mit einem schuß bleicher Haut präsentiert war. Die Brücke zwischen Art Direction und Musik ist bei Björk immer wichtig… das feuerrote Cover, die brennend tanzende Björk im Booklet, der verspielt-dysfunktionale Aufkleber… wie die Klangwelt auf dem Album ist auch das Artwork von Volta wieder lebendiger, lustiger, greller, organischer als der Vorgänger, weniger puristisch, weniger kopflastig. Das Ergebnis, insgesamt, ist ein Album, das organischer, wilder ist – das stampft und wütet und im nächsten Moment introspektiv und poetisch wird.

Wer Björk nervig findet, wird auch dieses Album nervig finden. Und ganz zurück zur Struktur und Dancehallorientierung der Zeit zwischen Debut und Post oder gar zur Größe von Tracks wie Jóga oder Hyperballad kommt Björk sicherlich nicht ganz, aber Volta ist mit Abstand die spannendste Platte von Björk seit einigen Jahren, wieder am Puls der Zeit und doch zeitlos, ganz Björk-typischer Wahnwitz und doch hochgradig hörbar, fast kommerziell, optimistisch, nach vorn gehend. Ganz spürbar auch eine Platte, die für die Bühne gemacht wurde, die live gespielt werden will.

Björk ist damit wieder etwas mehr im Mainstream angekommen. Aber anstatt – wie andere alte Pop-Helden – zu langweilen und berechenbar zu werden, befruchtet sich der Crossover von Popattitude und Björks experimentierfreudiger Materialschlacht. Und obwohl vieles auf diesem Album wie eine Reminiszenz an alte Alben wirkt, schafft es die Sängerin, ihr extrem begrenztes stimmliches Ausdrucksvermögen etwas zu erweitern, indem sie sich ab und an zurücknimmt und einfach nur ganz ruhig ihr Lied singt, ohne sich beweisen zu müssen. Volta ist – kurzum – die erste Alterswerkplatte von Björk.

24. Juli 2007 09:25 Uhr. Kategorie Musik. 4 Antworten.

ENTHUSIASMUS

Der Enthusiasmus präsentiert sich als eine Meta-Kompetenz bei der Ergreifung des Wirklichen, er will das Medium sein, das die Botschaft ist, und das zu Recht, denn wer begeistert ist, ist am meisten davon begeistert, dass er begeistert ist. Der Enthusiasmus empfiehlt sich als das Vermögen, die Wirklichkeit mit Schönheit anzustecken; – ich erlaube mir zu notieren, dass hundertfünfzig Jahre Ernüchterungsarbeit vonnöten waren, bevor der operative Teil dieses Programms wieder imstande war, auf die Tagesordnung zurückzukommen – diesmal unter dem Titel Design.

Peter Sloterdijk: Der ästhetische Imperativ

23. Juli 2007 17:27 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

(TYPE)FACING THE TIMES

Pentagram haben dem neuen Gebäuder der New York Times eine verblüffende Fassadenbeschriftung verpasst, in der der Schriftzug der Zeitung in 10.116pt Schriftgröße verwendet wird, ohne dass die dahinterliegenden Räume verdunkelt werden. Die aufwendige Konstruktion aus Keramik-Stäben dient zugleich als Wärmeisolation und Sonnenschutz und passt sich nahtlos dem leichten, transparenten Look des italienischen Stararchitekten an. Mehr hier

10:45 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

RICK POYNOR: DESIGNING PORNOTOPIA

Rick Poynor gehört zu meinen Favoriten, wenn es um Texte über modernes Design geht. Design without Boundaries ist ein (wenn auch etwas zusammengewürfelter) Klassiker, wenn es um den Aufbruch des postmanuellen Grafikdesigns in den 80er und 90er Jahren geht und Obey the Giant ist – neben Aichers Welt als Entwurf - eines meiner meistzerlesenen Bücher. Die 2006 erschienene Textsammlung Designing Pornotopia hat im Grunde wenig mit Pornographie zu tun und wandert – vor allem gegen Ende – teilweise auch in Bereiche, die mit dem durch den Titel signalisierten roten Faden nahezu nichts mehr zu tun haben. Poynors Texte über die australische oder tschechische Designszene, oder über W.G. Sebald sind kaum noch mit dem Kernthema des Buches assoziierbar.

Dabei ist die These durchaus interessant und weiter verfolgenswert. Was Poynor wahrscheinlich zu Recht konstatiert ist das Eindringen visueller Einflüsse und Tendenzen aus dem pornographischen Gewerbe sowie die Osmose exhibitionistischer in den Alltag und in das normale Produkt- und Grafikdesign. Poynor beschreibt eine Welt, die zunehmend von glattgezogenem Design geprägt wird, von Marketing, in der Shoppen alles und Alles shoppen ist. In der der Junk Regime hält. Und er beschreibt die Rebellen, die gegen diesen Trend (seiner Meinung nach) angehen. Hyphenation Nation, der Auftakttext, ist grandios und per se den Preis des Buches wert, andere Texte liefern eher Mosaiksteine der These, etwa das Gespräch mit Rem Kolhaas oder die Betrachtung des Virgin-Bordmagazin Carlos. Einzelne Analysen, wie etwa die Auseinandersetzung mit dem Coverdesign von Frauen- und Männerzeitschriften, sind bei näherer Betrachtung etwas banal, aber durchaus lesenswert und liefern anhand von Grafikdesign als Trendmesser eine treffende Analyse gesellschaftlicher Mißstände. Poynor liefert in seinen Stichproben aus dem Alltag von Werbung, Design, Medien und Hype ein frustrierendes, aber im Detail auch ermutigendes Bild einer Branche, deren Methoden und Mittel zum großen Teil an einen fin de siécle-Zustand geraten sind, ausgebrannt, ausverkauft, längst Teil der Werbemaschinerie geworden.

Es ist einiges dran an Poynors These der Pornographisierung von Gesellschaft. Wir leben in einer übersexualisierten, überstimulierten Gesellschaft, in der der Körper längst Fetisch-Charakter gewonnen hat. Das Styling und das Zurschaustellen des eigenen Fleisches hat das Auto-Tuning abgelöst, die gleichen Leute, die vor 15 Jahren Spoiler an ihre Opel geschraubt haben, editieren heute ihre Körper mit Piercings. Tattoos, Tunnels und Brandings, die dadurch zugleich ihre Berechtigung als Kennzeichen einer dekadenten Bohéme verloren haben. Die pornographische Idee, dass der Mensch primär Körper, primär Fleisch ist, dass Liebe in Form von Sex konsumabel ist, prägt unser tägliches Konsumverhalten bis in die tiefsten Schichten hinein. Nicht nur im oberflächlichen Sinne, dass Medien und Werbung heute bedenkenloser mit einer technoerotischen Bildsprache hantieren, die unsere Großeltern als zutiefst schamlos empfunden hätten, sondern auch in einem tieferen Sinne, der das soziale Verhältnis von Mann und Frau zueinander aber auch zu sich selbst erschüttert. Wenn Houellebecq Recht hat und Pornographie eine abstumpfende Sucht ist, die nach immer höheren Dosen verlangt – also zu einer Normalisierung immer härterer sexueller Spielarten-, so sind wir gesellschaftlich auch in diesen Karussell von Stimulus, Abstumpfung und erneutem, härteren Stimulus gefangen. Wenn TV-Shows wie DSDS nicht mehr reichen, um Menschen öffentlich bloßzustellen, kommt eine Show wie Vivas Are u Hot daher, Kinofilme wie Hostel zeigen eine graphische Gewalt, die vor zehn Jahren sofort indiziert worden wäre, gegen den NuMetal von heute wirkt der frühe SpeedThrash von Metallica geradezu kindisch. Diese Eskalation lässt gerade im medialen Bereich in der Rückschau vieles brav und langsam wirken, weil wir uns an die Enthemmung, die Beschleunigung gewöhnt haben, an das Spektakel.

Poynor enthüllt in seinen Skizzen eine dysfunktionale Gesellschaft, die sich mit immer grelleren Dosen von Bildern und Designfetischen antreibt, und hinter deren hochglänzender Fassade zunehmend Unsicherheiten, psychologische Defizite verbergen. In der Produkt-Branding die Liebe ersetzt, in der Konsum die letze Funktion des Individuums ist. Die Designer sind in diesem eskalierenden Prozess beteiligt, entweder als Mit-Täter, die die high-gloss Produkte und Werbung entwerfen, oder als eine Art kleines gallisches Dorf, in der ausgesuchte Individuen an der Schnittstelle von Kunst und Design versuchen, sich gegen diesen Prozess zu stemmen, auch wenn ihnen letzten Endes auch oft nur ein Lavieren, ein Durchwursteln, ein Arrangement mit dem alles überdeckenden ökonomischen Prinzip bleibt. In seinen Fragmenten und Texten beleuchtet Poynor Phänomene der pornographisierten Gesellschaft, die Pseudo-Hardcore-Bilder von eBoy, JG Ballards Schockerroman Crash, TV-Shows wie The Swan. Aus dem Mosaik seiner Beschreibungen entwickelt sich das Bild einer utrabeschleunigten Gesellschaft, eine überblitzte Momentaufnahme einer dekadenten, überreizten und zugleich stumpfen westlichen Hemisphäre, deren Mischung aus Müdigkeit und aufgedonnerter Geilheit frappierend an die zwanziger Jahre erinnert. Eine Welt, die auf der Suche nach immer härteren Kicks jede Grenze austestet, jede Grenze letztlich verschiebt, bis die Frage bleibt, wie weit man dieses Spiel wohl treiben kann. Es ist das Bild einer dekadenten, richtungslosen Endzeitgesellschaft, ohne jeden moralischen oder sozialen Kompass, ohne Ziele, eine Gesellschaft im Endzustand, in der nur noch die Konsumption von Luxus, von Stimulus im Vordergrund steht, die Befriedigung der einfachsten Gelüste.

Es mag protestantisches Spießertum sein, das Poynor antreibt, diesen Zustand des dekadenten Glaspalastes so anzuprangern. Aber natürlich weiß Poynor, dass Gesellschaften auf diesem Dekadenzlevel an ihrem individuellen Tipping Point sind, jederzeit kippen können. Was keine Vorwärtsentwicklung mehr hat,wird abgelöst. Das ging Rom so, das ging dem Feudalismus so, selbst die schrillen Twenties wurden mit Black Friday und etwas zeitverzögert auch in Berlin mit Hitler beendet. Die implizite Frage Rick Poynors ist also berechtigt, ob man diesem Prozess der Selbstabschaffung einfach zusehen möchte, oder ob man als Individuum versucht, neuen Sinn aus dem Überangebot, aus der Flut zu schöpfen und Methoden zu finden, die gesellschaftliche globale Entwicklung mitzugestalten. Die Frage ist beileibe nicht neu, und nicht umsonst taucht gleich mehrfach Tibor Kalmans Name in Designing Pornotopia auf.

Poynor gibt keine direkte Antwort auf die von ihm aufgezeigte Problematik, aber seine Plädoyers angesichts der Designszene von Australien und Osteuropa, sich auf eine eigene Identität, auf die eigenen Wurzeln, auf das eigene Innere zu besinnen anstatt der gleichmachenden nihilistischen Helvetica-Optik der Globalisierung anheimzufallen, sprechen eine klare Sprache. Für Poynor ist die Antwort eine Besinnung auf authentisch-ehrlichere, einfachere Formen von Leben und Gestalten, auf das krude und handgemachte, auf Tiefgang statt Schaueffekte, auf Essenz statt Masse. Das ist, zugegeben, eine denkbar simplizistische Antwort, eine Art Pop-Zen für Designer. Sie entzieht sich größerer Kontexte, sie entzieht sich politischer Verantwortung, und bis zu einem gewissen Grade predigt sie den Rückzug ins Private. Aber angesichts der überproduzierten visuellen Weltkultur, die Poynor in Designing Pornotopia an die Wand projiziert,
ist es in der Tat zumindest eine folgerichtige Antwort auf die Frage, was Design im 21. Jahrhundert bedeuten kann.

09:50 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

WERKHAUS PHOTOWAND

Es gibt ja inzwischen viele Methoden, die Wände mit eigenem Artwork oder anderen Bildern schick zu kriegen. Zum Beispiel große Gemälde, einfache Folienplots (Walltattoo) oder die wunderbaren, auf Keilrahmen aufgezogenen Blaukauz-Prints. Eine weitere Methode sind die Photowände von Werkhaus, die eine Größe bis zu 1,50 mal 1,50 m erreichen können. Werkhaus, auch bekannt für wunderbar simple Holzkonstruktionen fürs Büro und Wohnen, zerlegt das Motiv in einzelne abgerundete stabile Pressholzelemente, die zudem mit einer Schutzschicht laminiert sind, so dass die einzelnen Elemente fast so aussehen wie eine Art bedrucktes Frühstücksbrettchen.

Die Brettchen sind auf der Rückseite so bezeichnet, dass man das Bilderpuzzle sie nach einer einfachen, beiliegenden Montageanleitung zusammensetzen kann.

Einfache S-Häkchen halten die Bilder dann zusammen, die so ausgedruckt sind, dass der optisch fehlende Bereich auch wirklich im Bild ausgespart bleibt. In der Vertikalen kann man die Bilder von Hand an der Schiene, mit der die einzelnen 5 Spalten aufgehängt sind, verschieben, bis man eine 5×5-Matrix hat. Einziges Manko der ansonsten schönen Lösung ist die Schiene, die aus zwei Alu-Elementen besteht. Eine durchgehende Schiene wäre einfach etwas schöner und leichter zu montieren gewesen.

Der ganze Spaß kostet 199 Euro, was angesichts der Qualität echt absolut okay ist. Schade ist eigentlich nur, dass man keine individuellen Größen machen kann, also 7×7-Matrix oder 5×10. Das würde die Einsatzmöglichkeiten noch einmal deutlich erweitern. Und zumindest bei mir machte der Online-Shop gehörig Zicken, sowohl beim Bildupload als auch beim Bezahlen. Das alles mindert aber nicht den Spaß beim Aufhängen der Bilder und beim Angucken des fertigen Frühstückbrettchen-Puzzles.

22. Juli 2007 17:39 Uhr. Kategorie Stuff. 10 Antworten.

CLOVERFIELD PREVIEW

J.J. Abrams, Spiritus Rector hinter Alias und Lost, ist weiter in Hollywood aktiv und hat gerade mit Paramount einen Vertrag unterzeichnet, nach dem man wohl noch einiges von ihm hören dürfte. Nach dem durchwachsenen Mission Impossible III produziert er nun zunächst einen schwer gehypten Film namens Cloverfield, der nach einer Mischung von Blair Witch Project und Armageddon aussieht, eine Art Reality-Soap-Weltuntergangs-Film. Die Spekulationsmaschine ist im vollen Gange – wahrscheinlich wird wird der mit 30 Millionen Dollar recht preiswert produzierte Film sich um eine Art Monster drehen. Das HomeVideo-Konzept an sich ist nach wie vor relativ neu (obwohl natürlich prinzipiell als Idee seit Orson Welles Radio-Fake-Dokumentation von 1938, War of The World, bekannt… ), man darf gespannt sein, wie die Geschichte an sich wird.  Der Trailer ist jedenfalls einladend. Cloverfield an sich ist ein Beispiel dafür, wie sehr Abrams bei Lost die Kunst des viralen Marketings gelernt hat, der Hype um den Trailer und die Site erinnern stark an das wegweisende  Alternate Reality Game The Lost Experience, mit der der Sender ABC die Lost-Fans zwischen Staffel 2 und 3 bei der Stange hielt und in dessen atemberaubenden Verlauf entscheidende Elemente des Lost-Backgrounds, teilweise auch der Zukunft der Serie, preisgegeben wurden. The Lost Experience ist ein fast bahnbrechendes und vor allem hocherfolgreiches Interaktions-Experiment gewesen in seiner Mischung aus Online, TV-Inhalten und realen Elementen, mich würde wundern, wenn die Marketingmaschine Hollywood nicht davon lernen würde. Jedenfalls tauchen rund um Cloverfield, wie bei Lost Experience eben auch, bereits gefakte Websites und Blogs auf, die vielleicht mit dem Film in Verbindung stehen.

PS: Wer The Lost Experience nicht kennt – hier ist eine Übersicht und einiges an Links.

15:46 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

LESS IS MORE

Volvo wirbt damit, dass der S40 ein Musterbeispiel skandinavischer Designprinzipien ist. Nur schade, dass ausgerechnet der S40 eben alles andere als ein gut designtes Fahrzeug ist, sondern eins der Paradebeispiele für neuer globaler Fahrzeugproduktion. Basierend auf einer Ford-Basis ist der S40 einfach eher ein umgestyltes Weltauto, bei dem die eher auf den Mittelklassefahrer zielenden Marke Ford seit Ende der 90er Jahre mittels Marketingstrategien und etwas Produktdesign auf eine höhere Zielgruppe in der unteren Oberklasse umgelabelt wird. Mit anderen Worten: Design, das nicht vom Produkt und seinem SEIN herkommt, sondern reine Augenwischerei betreibt. Wer einen Volvo kauft, hat in aller Regel – ähnlich wie übrigens bei Mazda und zum Teil bei Jaguar – einen Mondeo oder Focus unterm sogenannten Designerblech, ebenso wie unter einer digitalen Leica eben meist nur Panasonic steckt. Der S40, wie überhaupt Volvo in den letzten Jahren, ist insofern leider kein Beispiel für Premiumdesign, sondern für den Niedergang einer einst wirklich bahnbrechend schönen Automarke, die bis in die sechziger Jahre hinein tatsächlich Fahrzeugdesign-Geschichte geschrieben hat mit Buckelvolvo, Duett oder Amazon. Das Ford Volvo zunächst auf die Weltautostrategie eingenordet hat und jetzt erwägt, sich von der schwächelnden Marke trennen will, ist Musterbeispiel für die Hire-and-Fire-Mentalität von Firmenkäufen. Ein eher gesichtsloser Weltkonzern kauft sich einen einst großen Markennamen aus Renoméegründen, erstickt bei der Remodellierung des Unternehmens unweigerlich alles, was es früher einmal ausgezeichnet hat, und trennt sich schließlich frustriert wieder.

So wie die Marke derzeit steht ist Volvo solide, attraktive, ultimativ aber irgendwie gesichtslose Mittelklasse für Leute, denen Mercedes zu konservativ, BMW zu aggressiv und Audi zu kalt ist… ein Auto für all jene, die glauben, allein qua Kauf dieser Marke zu Individualisten zu werden, weil das Volvo-Marketing das ja (neben der Sicherheit der Marke) auch aggressiv promoted. In Wirklichkeit ist das angeblich so individualistische Gefährt allerdings nur ein Brand-Spinoff, der gleiche Quark wie bei Ford unter anderem Namen, mit etwas anderem Design, mit etwas anderer Werbung. Was in vielen anderen Bereichen ja gang und gäbe ist, dass eine Marke ihre Artikel mit leicht veränderter Präsentation noch einmal verkauft, einfach um den Markt abzugrasen und den Konzernanteil am Markt auszubauen. (Anders lässt sich etwa Saturn/Mediamarkt wohl kaum erklären). Insgesamt eine Tendenz, die Marken verwässert (sowohl Ford als auch Volvo), und die eher aus den Hirnen von Controllern als von Designern kommt. Volvo ist insofern heute Testament einer Marke, die ausverkauft, vergewaltigt und schließlich entsorgt wurde, entkernt, geopfert auf den Globalisierungs- und Effizienzträumen von Managern, die als reine Bürokraten vergessen haben, worum es bei den ihnen anvertrauten Firmen ursprünglich einmal ging, die keinen Gründergeist mehr besitzen.

Less is more, damit beginnt der schick gemachte Werbeclip von Volvo. Vielleicht brauchen wir auch einfach ein paar weniger Automarken. Oder wieder mehr Marken, die sich auf sich selbst besinnen, auch wenn sie dann vielleicht nicht mehr global player sind.

via 37signals

11:32 Uhr. Kategorie Design. 10 Antworten.

MUTE AUDIO DOCUMENTS

Das Label Mute hat ohne jeden Zweifel Geschichte geschrieben. 1977 von dem damaligen Twen Daniel Miller als Selbstvertrieb gegründet, um seinen Homerecording-Hit Warm Leatherette zu vertreiben, ist Mute (neben 4AD) legendär geworden, was die Geburt des britischen New Wave angeht. Daniel Miller öffnet jetzt mit Mute Audio Documents das Acrhiv seines Labels und veröffentlicht frühe und rare Tracks von The Normal, DAF, Fad Gadget und Depeche Mode, die die Gestationsphase einer neuen populären elektronischen Musik skizzieren. Mit den billiger werdenden elektronischen Musikgeräten wird das elektronische Instrumentarium aus den Händen von Soundesoterikern wie Klaus Schulze oder Klan-Ingenieuren wie Kraftwerk entrissen und der Punk-Generation in die Hände gedrückt, die mit dem gleichen Drei-Akkorde-Feeling nicht mehr nur Gitarrenmusik, sondern auch elektronische Tanzmusik produziert, deren Minimalismus und Aggressivität für das Lebensgefühl einer neuen Generation stand.

Mute Audio Documents deckt mit fünf Doppel-CDs den Zeitraum 1978 bis 1984 ab, die den prekären Balanceakt zwischen relativ unkommerziellen Acts wie Fad Gadet, Liasons Dangereuses und Chartsstürmern wie Depeche Mode, Yazoo abbilden, der vor allem gegen 1984 immer mehr zugunsten des Megacts Depeche Mode kippt. Der vielleicht größte Vorwurf an dieser Collection ist, dass man mehr oder minder ein best-of der Singles von Depece Mode bis 1984 in die Hände kriegt, die man aber längst und auch besser verfügbar hat (etwa in den großartigen Maxi-Remix-Boxsets von Depeche, in denen die klassischen 7″ und 12″ gesammelt sind). Die Rarities-CD bringt Live-und BBC-Session-Tracks von Boyd Rice, The Normal, Fad Gadget, Depeche und leider arg reichlich Yazoo.

Trotz dieser Einschränkungen und trotz der Tatsache, das viel Material der erfolgreicheren Acts (Yazoo, Depeche, Tovey) einfach schon längst in anderen Compilations vorliegt, ist die Mute Audio Documents ein Set, dass du einfach haben musst, wenn du auf Frühachtziger-Elektro stehst. Das Beiliegende Booklet liefert zu allen Tracks Liner-Notes, Original-Cover (etwas klein abgebildet ;-)) und Zeitungsschnipsel, Daniel Miller hat also ganz eindeutig sein Archiv geplündert. Mute ist nicht weniger als Stück Musikgeschichte, ein Stück Demokratisierung von Popkultur, letzlich auch ein Beispiel für die Kommerzialisierung von Independant – 4AD, Rough Trade und SomeBizarre ging es ja nicht anders, aber Mute hat halt das Glück/Pech den bis heute erfolgreichsten Act im Programm zu haben. Soft Cell hatten nie die Chance, so ein extremer Sellout zu werden wie Depeche Mode ;-D. Und ob Andreas Doraus «Fred vom Jupiter» eher ein Fehlgriff oder geniale Voraussicht war – immerhin sind wir hier schon auf dem Weg zur Verseichtung der Neuen Deutschen Welle, die Mut selbst mit DAF vorangetrieben hatte – sei mal dahingestellt. Es lohnt sich einfach schon, die Box zu kaufen für das unsterbliche Gefühl TVOD und Warm Leatherate in perfekter Qualität zu hören. Warm Leatherate ist einer DER Songs des letzten Jahrhunderts, eine Epochensingle, Quintessenz des Crash-Feelings einer ganzen generation, sexy, lasziv und nicht umsonst zigmal gecovert, noch mit am tiefgründigsten in der NYC-Discofassung von Grace Jones. Daniel Miller ist mit Mute gelungen, wovon viele Label träumen: Mit einem mutigen und eindeutigen musikalischen Bekenntnis wirklich erfolgreich arbeiten zu können. Bis heute prägt der frühe NW-Sound von Mute die Independant-Musik und viele aktuelle Tracks wären ohne diese Pionierarbeit nicht denkbar. Also: Ab ins Regal mit dem Boxset.

21. Juli 2007 07:25 Uhr. Kategorie Musik. 5 Antworten.

Besser so als andersrum…

;-)

20. Juli 2007 16:47 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

ANATOMIE EINES LOGOS

Auf seinem Blog erklärt der von mir hochgeschätzte Designer und Comic-Fan Tom Muller die Entstehung eines Logos für eine Comic-Anthologie namens 24SEVEN. Ich muss zugeben, ich mag Ashley Woods allerersten Vorschlag auch sehr, aber Mullers Entwicklung des finalen Artworks ist sehenswert…

05:23 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

IT’S GONNA RAIN

René Siepmann kenne und verehre ich schon seit langem als Menschen und Bildermacher. Und ich hatte das Glück, dass er eine Zeit lang bei mir studiert hat und außerdem hier gearbeitet und mit uns einige schöne Projekte gemacht hat. Er ist einer dieser Leute, bei denen ich absolut hoffe, dass sie einen ganz großen Durchbruch à la Flix, Moers oder König hinlegen, einfach, damit er all die brillianten Ideen aus seinem Kopf ungestört zu Papier bringen und auch verkaufen kann, damit ich auf jeden Fall immer etwas von ihm zu lesen habe. Auf dem Weg dahin beglückt er uns mit einem kleinen Blog mit alten und neuen Bildern, die ihr nicht verpassen solltet.

19. Juli 2007 22:59 Uhr. Kategorie Online. 8 Antworten.

HARRY POTTER UND DIE VERZAUBERTEN BUCHSTABEN

Drüben beim Design-Oberserver schreibt Jessica Helfland gut aufgelegt darüber, dass es im letzten Harry-Potter-Film eine neue Art von Darsteller gibt: Die Buchstaben in der magischen Zeitung «Daily Prohet» der Potterwelt. Die tatsächlich ja zum entscheidenden Handlungsträger werden, kommentieren, auch typographisch zum Ambiente des Films beitragen und nicht selten lebhafter wirkten als die realen Darsteller. Der Daily Prophet – obwohl wie eine Art Westernzeitung aussehend, mit grungy-burned wirkenden Lettern – wirkt wie die ultimative Boulevard-Zeitung und ist im Film neben den Katzentellern von Dolores Umbridge das mit unterhaltsamste Element, zumal die Kamera (oder das CGI) in wunderbar stürzenden atemberaubenden Fahrten über die Lettern saust, in die Bilder eintaucht, dreidimensional hindurchfährt und wieder aus der Kunstwelt der Zeitung herausfliegt. Der Prophet – in den bisherigen Teilen gerne noch in einer Frakturschrift gesetzt – sieht jetzt moderner aus, als wäre er ttsächlich durch die Hände eines Designers, nicht eines reinen Produktionsausstatters gegangen. Obwohl die Assoziation von westernartigen Slabserifs mit der Welt der Magie nicht viel befriedigender ist als Blackletter, so ist schon klar, dass eine «magische« Zeitung sich dem Retro-Look der auffallend technologiefreien, computerlosen Potterwelt visuell zu subsumieren hat, eine Welt, in der Eulen statt eMails verwendet werden, Kristallkugeln statt Internet, Besen statt Düsenjets. Und dennoch wirkt das Design, vom Logo-Head der Zeitung bis zum Satz der einzelnen Textblöcke, befriedigend real. Und tatsächlich sind wir von den Möglichkeiten solcher «lebender» Zeitungen nicht mehr allzu weit entfernt, E-Paper sei Dank. Die noch in den Kinderschuhen steckenden flexiblen, papierdünnen Displays, auf denen stromsparend zunächst in schwarzweiss, zukünftig sicher auch in Farbe, Buchstaben gespeichert werden können und die in Zukunft in Auflösung und Feeling von herkömmlichen Buchseiten kaum unterscheidbar sein dürften, werden wahrscheinlich unsere Lesegewohnheiten grundlegend verändern, vielleicht auch die Art, wie wir News wahrnehmen. Ich denke, es macht schon ökonomisch Sinn, wenn man in Zukunft vieleicht nicht mehr auf Papier druckt, sondern Bücher auf ein buchähnliches multimediales tragbares Gerät herunterlädt, das von der Handhabung her nahtlos an das vertraute Buch anschließen kann, aber auch für Surfen, Notizen, Audio, Video und so weiter dienen kann – eine Art echtes «iBook», ein Art multimedialer Moleskine. Und in solchen Medien ist Typographie, sind Bilder eben nicht mehr fixiert wie auf Papier.  Bereits jetzt ist Spiegel Online ja von stillsehenden Bildern mehr und mehr zu Video gewechselt, bereits jetzt ersetzt vloggen den Podcast. Der Daily Prophet ist also keineswegs Zukunftsmusik, sondern lediglich mediale Vorwegnahme – wie Minority Report – der Medien von morgen. Die Gutenberg-Galaxie bekommt Flügel.

11:51 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

THE SHAPE OF THINGS TO COME

18. Juli 2007 22:04 Uhr. Kategorie Leben. 9 Antworten.

THINK BIG

Wenn Jan Esche von Architekturmarketing spricht, weiss er, wovon er redet. Der Mann hat – unter anderem – für Architekten wie von Gerkan und Marg, Ingenhoven, Henn und für eines der umsatzstärksten deutschen Architekturgroßbüros, RKW, gearbeitet und nicht selten mitgeholfen, aus begabten Talenten internationale Stars zu machen. Zugleich ist Jan selbst ein faszinierender Denker, der wie kein zweiter intuitiv und rational einzigartige Marketingstrategien entwickeln kann, mit einer unverwechselbaren Mischung aus Erfahrung und Impuls.

Seit einiger Zeit ist er nun mit der Ex-Henn-Grafikdesignerin Christine Bernard als freiberuflicher Berater, als Dozent an der FH Salzburg und als Verlagsmacher am Start, und Think Big ist eines der Ergebnisse dieser Arbeit – ein kleines, handliches Büchlein, das Querschnitt seiner Erfahrungen und VBisitenkarte zugleich ist. Obwohl es – wie die meisten Bücher dieser Art – natürlich nicht wirklich viel verrät (Jan will ja auch Aufträge bekommen und nicht gleich alles preisgeben), ist es nicht nur als Portfolio-Büchlein, sondern auch tatsächlich als kleiner Leitfaden für das Marketing von großen und kleinen Architekturbüros geeignet, und nicht nur für Architekten, sondern auch für Designer, Photographen und andere Kreativberufe, die an der Schnittstelle zwischen künstlerischer Arbeit und kommerziellen Erfolg operieren. Think Big konzentriert sich dabei stark auf die Architekten, bei denen Jan seine Erfahrung gesammelt hat – und beinhaltet insofern auch einige Arbeiten, die wir gemeinsam mit Jan realisieren durften -, aber dennoch hat man selten für so kleines Geld so einen schnellen Überblick über den visuellen Look zahlreicher Architekturbüros in Deutschland gehabt.

Also: Hingehen und kaufen.

17. Juli 2007 21:58 Uhr. Kategorie Design. 7 Antworten.

PLAY

16. Juli 2007 15:08 Uhr. Kategorie Online. 23 Antworten.

DACTYLOADAPTER

Für Leute, die ab und zu mal gern die Finger in die Steckdose stecken, aber leider zu große Finger für die zierlichen Löcher haben, hat der russische Designer Art Lebedev (Erfinder des Optimus-LED-Keyboards) eine wunderbare Lösung: Den Dactyloadapter. Gibts preiswert bei ThinkGeek. Passt prima in die Grillsaison.

13:00 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

46 HOURS

Zürich–London–Tokyo–Sydney–Singapore ist die Reiseroute, die der Züricher Designer Thierry Blancpain vor sich hat, allein 46 Stunden on the plane. Thierry hat sich vorgenommen die ganze Sache zu bloggen. Und Reiseblogs sind immer super, also schaut ab und zu mal rein…

12:02 Uhr. Kategorie Online. 4 Antworten.

ON THE BOARD

09:54 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

EiN PAAR HALBWEGS ABSCHLIESSENDE MEHR ODER MINDER UNGEORDNETE GEDANKEN ZU VISTA

Nach einiger Testzeit – ich habe in den letzten Wochen zwei Rechner 64 und 32 bit mit Vista eingerichtet und gemoddet, zeitgleich zwei Rechner mit XP – kann ich sagen, dass man als XP-User eigentlich (noch) keinen sonderlichen Grund für ein Update hat. Mit Skins wie dem Brico-Vista-Inspirat-Pack, mit Object Dock Plus und Yahoo/Konfabulator Widgets und Exposer für XP und Switcher für Vista (den ich visuell sogar noch etwas besser finde als Exposé) und natürlich etwas Zeit lassen sich beide Systeme oberflächlich nahezu identisch machen, abgesehen von dem Glas-Effekt von Aero. Im grunde ist das Endergebnis – wie Vista an sich ja auch – nahe dran an einer Art sleeken, schwarzen Apple-Skin. Nach wie vor etwas schade, dass Apple stets die Interface-Sachen entweder erfindet oder genial von Freeware integriert und Windows dieser Entwicklung immer etwas hinterherhinkt (und das – im Falle der Sidebar – auch noch schlecht). Ich denke, mit der Zeit werden sich aber für die sehr flexible Aero-Oberfläche zahlreiche exzellente Mods finden. Wie immer ist Windows out of the box ein saumiserables System, das aber langfristig ein Hochmaß an Flexibilität bietet, einfach weil es binnen kurzer Zeit mit diversen Tools umstrickbar wird :-D.

Grandios ist für alle Vista-Installateure das Tool vLite, mit dem man schon von Start weg unwichtige Bestandteile des OS aus der Installation weglassen und zugleich eigene wichtige Treiber einbinden kann. Einfach zu handhaben und hochwirksam – allein das Entfernen fernöstlicher Sprachmodule spart auf der DVD 1,4 GB. Warum Microsoft dem User bei der Installation solche Entscheidungen nicht einfach selbst lässt, ist mir allerdings ein Rätsel. Ist aber im Trend. Bei Office 2003 konnte ich noch weitestgehend selbst konfigurieren, was installiert wird, bei Office 2007 sind meine Optionen spürbar eingeschränkter. Mehr und mehr Software installiert sich stillschweigend wie die Anbieter es wollen, CS3 ist auch so ein Beispiel. Das soll kundenfreundlich sein… ist es aber in Wirklichkeit nicht.

Vista lässt sich mit etwas Einsatz sehr gut zurückschrauben zu einem halbwegs soliden, halbwegs schlanken OS mit dem sich sehr gut arbeiten lässt. Einige Features sind ziemlich großartig, andere Sachen nerven eher und waren unter XP einfacher, cleaner gelöst. Vieles bedarf bei XP weniger Nerverei als bei Vista, weil Vista versucht, sicherer zu sein. Es mag ein Sicherheitsfeature sein, dass du auch als Admin einige Dateien und Ordner nicht manipulieren darfst… aber es ist im Vergleich zu XP eher ein Rückschritt im Alltag. Ich frage mich schon, wie ein unerfahrener User Office installiert, wenn er – selbst als Admin – die dazu nötigen Dateien nicht überschreiben kann. Es gibt natürlich einen Workaround, aber… solche Sicherheitsfeatures sollten sich global (wie ja zB das UAC und Defender auch) deaktivieren lassen und fertig. Windows ist immer noch zu sehr an IT-Menschen orientiert.

Würde ich heute einem Einsteiger ein System empfehlen müssen, so würde ich ihn zu Apple raten. Einfach, weil Apple keine Computer verkauft, sondern Videorekorder. Fertige Hardware, fertige Software, aus der Kiste, einschalten, fertig. Don’t think. Nicht ganz mein Ding, ich würde wahrscheinlich sofort auch beim Apple rumwerkeln (mich machen zig Sachen an OSX madig… alles an OSX out of the Box missfällt mir, auch die Hardware (Mighty Mouse zum Beispiel) ist ein Alptraum. Ich hab am WE zehn Minuten an der MM gearbeitet und kam mir vor wie behindert. Das Ding sieht stylish aus, aber liegt schlecht in der Hand, ist dysfunktional und kann de facto mal nichts im Vergleich mit selbst den einfachsten Logimäusen, gegen eine MX Revolution hat man so eine Art Steinzeit-Feeling an der MM. Wer arbeitet freiwillig mit sowas?), aber für nen Anfänger… perfekt. Das ist bei Microsoft einfach nicht mehr der Fall. Als blutiger Laie bekommst du ein überladenes OS, als Power-User musst du halt sozusagen gegen das System an sich arbeiten, um dann am Ende aber ein relativ schönes OS stehen zu haben. Die dazu nötige Zeit würde ich einem Anfänger aber sparen wollen. Apple ist anfängerfreundlicher, weil ein closed system. genau die Sachen, die mich nerven, sind hier für Anfänger solide durchdacht und gemacht und stringenter als bei Microsoft. Ich denke, die hermetische Ankoppelung von Hard/Software und ein stark in Richtung Computer-sind-Haushaltsgeräte driftendes Denken bei Macintosh dürften der Marke, neben dem überzeugenden Design und dem überragend schlauem Marketing, ein Wachstum eröffnen, das Microsoft sogar in einigen Segmenten alt aussehen lassen wird. Vista ist, muss man ganz klar sagen, Microsoft Eigentor schlecht hin – es GIBT keinen besseren Grund, zu Mac zu wechseln. Das OS fühlt sich fast bis ins Detail wie ein Apple-Nachbau an, ist aber ohne Feintuning deutlich klobiger und uneleganter und unintuitiver gemacht. Warum also nicht gleich zum Original greifen? Wenn bei MS irgendwer irgendwie halbwegs mitdenkt, sollte es sehr schnell einen Nachfolger geben, der eigene Akzente setzt, der sich deutlich einfacher für Laien anfühlt und deutlich modularer und offener auf Profis zugeht. 98 und XP waren sehr solide Betriebssysteme, Vista ist alles, aber eben NICHT der Wow-Effekt.

Dabei ist Vista derzeit weder stabiler noch schneller als XP, und – vorausgesetzt, man installiert auf beiden Systemen Norton 360 oder eine andere Sicherheitslösung – auch nicht sicherer… und auch nur einen Hauch schöner :-D. Ein großer Wurf, nach der langen Wartezeit, ist das alles nicht. Mir wäre deutlich lieber, es gäbe ein modulares, sehr leichtes OS, das sich mit offenen Modulen erweitern lässt und dem Pro-User ein Maximum an Spielraum gibt. Vista entfernt sich von dieser Denke eher, Microsoft und Apple werden sich hier immer ähnlicher, orientieren sich an Onkel Otto und Tante Agathe. Macht ja auch Sinn, der Markt wird dorthin gehen.

Vista ist insofern etwas wie Quark XPress, der letzte Schrott, wenn man es auspackt, aber mit zig Plug-Ins und Modulen ganz schön in den eigenen Workflow zu integrieren. Ein paar Bugs hab ich dem System IMMER noch nicht ausgetrieben, aber das sind Kinderkrankheiten, das wird schon noch. Man darf auch nie vergessen: Microsoft hat es sehr viel schwerer als Apple. OSX ist für ein relativ fixes Hardwaresystem gebaut. Windows muss in zigtausend möglichen offenen Konfigurationen, fast hardwareunabhängig, funktionieren. Das ist ein gigantischer Vorteil für den User, ein Geschenk an Freiheit, aber eben auch Balast für die Software, die viel flexibler sein muss und insofern schon vorn vorne herein mit viel mehr Treibern und anderem Ballast daherkommt. Dazu noch ist die Firma – wie viel zu viele Softwareanbieter, auch Apple und Adobe – inzwischen marketingorientiert, nicht mehr entwicklungsorientiert. Was in allen drei Fällen ein ziemlicher Rückschritt ist. Jede neue Version dieser drei Anbieter scheint etwas weniger neue brauchbare Features zu bieten, aber in anderer Hinsicht oft auch Rückschritte darzustellen. In CS3 sind im Detail solche Rückschritte greifbar, bei Vista ist nahezu kein FORTschritt zu verzeichnen. Die Firmen sind zu vorsichtig.

CS3 läuft übrigens allerdings unter Vista bereits – gerade unter MultiCPU – spürbar fixer als unter XP. Ich denke, neue Softwares werden einen Grund bringen, umzusteigen. Und in ein oder zwei Jahren wird es von Mods und Skins für Vista so wimmeln, dass man bedenkenlos switchen kann.

Einstweilen aber würde ich dazu raten, bei XP zu bleiben. Ist Vista bereits installiert – auf einem Laptop o.ä. – würde ich es MASSIV abspecken und rekonfigurieren. Mit einer Ausnahme: Ich selbst habe Aero – obwohl Speicherfresser – nicht abgeschaltet, ich mag den Glasslook einfach :-D. Aber auch hier wäre es schön. wenn der User mehr Einstellungsmöglichkeiten hätte… Aber abgesehen von der neuen Oberfläche und marginalen Verbesserungen, merkt man kaum eine Art von Quantensprung zwischen XP und Vista, im Gegenteil. Microsoft hat sich erschreckend streng an XP orientiert und keine wirkliche Weiterentwicklung der IDEE von Betriebssystem geliefert. Bei Apple gab es einen – schmerzhaften – Sprung von System 9 und der alten Denke hin zu UNix und OS X, der sich jetzt langsam wirklich auszahlt. Leopard liefert anscheinend noch KEINE Überarbeitung der unsagbar augenkrebsigen Aqua-Oberfläche, im Gegenteil, alles wird noch bunter. Aber wenn die Site und das iPhone einen Vorgeschmack geben, findet anscheinend ja in Cupertino langsam ein (zu vorsichtiges) Umdenken in Sachen GUI statt, hin zu cleaneren, ruhigeren Strukturen.

Ich denke, langfristig sind beide OS keine Lösung, aber die Open-Source-Angebote (meist Linuxbasiert) sind bisher auch bestenfalls halbgar und haben – eben anders als Windows – nicht den Vorteil des nahezu unerschöpflichen Softwareangebotes. Trotzdem. Ein schlankes OS, modbar, kompatibel, offen, schnell, leicht und mit einem schnellen, schicken Interface… vielleicht mit dem Flair von Native-Instruments-GUIs… man muss ja mal träumen dürfen. Ich verstehe bis heute nicht, warum niemand von MINI lernt, das offene, flexible User-Konfigurierbarkeit ein klarer Marktvorteil sein kann. So wie man bei MINI Dachfarbe und Spiegelfarbe und zig andere Module einzeln konfigurieren kann und so – für einen industriellen Anbieter – zu einem relativ individuellen fahrzeug kommt, so sollte man als Rechneruser auch in der Software möglichst viele Details personalisieren dürfen. Ohne Hacks, sondern als Standard.

Fakt ist aber, Apple UND Microsoft werden sich weniger und weniger für den Rechnermarkt interessieren und mehr und mehr in Nebenbereiche (Entertainment, Webangebote, Mobile) einsteigen, weil im Consumersegment einfach mehr Geld steckt. Was vielleicht aber bedeutet, über kurz oder lang, dass irgendwelche smarten Programmierer aus der Not eine Tugend machen. Wäre ja nicht das erste mal… oder arbeitet wirklich noch jemand mit Internet Explorer :-D?

Die wirklichen Verbesserungen bringen dementsprechend eher kleine Entwicklungen aus Free- oder Sharewaresegment, die sich unglaublich professionalisiert haben. Mit Hilfe von Widgets und anderen Tools lassen sich Betriebssysteme inzwischen – unabhängig vom Ausgangs-OS – völlig umstricken. Der Yahoo-Microplayer ist in den Background eingebettet, minimal, und tut genau so seinen Dienst wie der Mediaplayer, nur schöner, leichter, smarter. Und das, denke ich, ist ein Signal für die Zukunft: Minimales, schlankes, offenes OS. Und darauf aufbauend modulare Skins und Tools. Die hinter den Widgets steckende Idee von einem hochgradig individualisierbaren Patchwork-Betriebssystem ist die Zukunft, hoffe ich.

08:03 Uhr. Kategorie Technik. 10 Antworten.

CHKCHKCHK: MYTH TAKES

Auch so eine Platte, die seit Februar aufs bloggen wartet. Postpunkfunkacidravemarchingband70spsychedelicphillydiscosweatboxerbeat ist die noch beste Kategorisierung, die sich für ChkChkChk anbietet. Und vor dem Live-Gig hätte ich die Platte sich noch besser gefunden, aber gegen die surreale Wucht der Band auf der Bühne stinkt die Studioversion stets etwas ab. Dennoch ist das dritte Album der US-East/Westcoast-Band ein Meisterwerk. Polyrhythmisch, unfassbar dicht gewoben, dabei immer tanzbar, etwas so verwirrend und komplex wie das Coverartwork, mit mehr Einflüssen als man aufzählen kann und dennoch absolut straight ins Blut gehende Live-Tanzmusik.

Die Bandmitglieder sind größtenteils Multiinstrumentalisten und das merkt man dem Eklektizismus der Kompositionen auch jederzeit an. Blasinstrumente, flirrende Electronics, lärmende Gitarren sorgen über den brutal treibenden Bass/Drum-Grundgerüst (das Album ist nicht umsonst vom Bassisten co-produziert) für fast voodooartige Stimmung, tiefe tribale Dschungelstimmung, durch die sich Nic Offers seltsamer Sprechgesang/Vocals-Mix oft kaum durchdrücken kann. Der Gesamteffekt ist eine Druckwelle von Musik, deren Zitatvielfalt keine Sekunde davon ablenkt, dass es um Party geht.

Im Grunde klingen ChkChkChk so, wie die Red Hot Chilli Peppers wahrscheinlich gerne klingen würden – eine moderne Funkmusik, die so dicht, so grell, so flirrend, so neon, so explosiv sind, dass man unweigerlich an dichtgepackte Dancefloors in viel zu engen Räumen denkt, in denen der Schweiss von der Decke tropft. Gerade die Hits wie Must be The Moon oder Heart of Hearts wirken wie musikgewordenes Koffein.

Schade ist eigentlich nur, das die Produktion, so tight und professionell sie auch sein mag, hinter dem extremen Wall-of-Sound-Feeling der Liveauftritte zurückbleibt, etwas zu steril und professionell wirkt, etwas zu smooth, oft auch an der Dichte der Instrumentierung versagt. Aber das ist bei den meisten guten Liveacts unweigerlich so – die Bühnenpräsenz ist durch nichts zu ersetzen, die mehrspurige Aufnahmetechnik im Studio macht die Package professioneller, slicker, glatter… aber eben auch ohne Ecken und Kanten und Spielfreude. Bei ChkChkChk klingt das Album oft zu sehr nach Drumcomputer, zu wenig nach Livedrums, zu straight, zu kontrolliert. Dessen ungeachtet eine CD, die man – gerade weil die Musik eingängig, aber nicht einfach ist – immer und immer wieder hören kann.

15. Juli 2007 02:50 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

A GOOD NIGHT

I need a good night’s sleep. I need a good night without sleep.

Stephen Wright, Going Native

14. Juli 2007 12:38 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Audrey Niffenegger: The Time Traveler’s Wife

Vorweg: The Time Traveler’s Wife ist ein SF-Roman. Der grundsätzliche Twist, dass der Protagonist Henry DeTamble (ein vielleicht etwas grobes Wortspiel… Tamble erinnert an «tumble», und Henry stolpert ja tatsächlich durch die Zeit) durch einen genetischen Defekt in Stressmomenten hilflos durch die Zeit geschleudert wird, ist sicherlich grundsätzlich eine Science-Fiction-Idee, wenn auch Zeitreise längst eine auch im Mainstream verbreitete Vorstellung ist, aber das Buch an sich ist alles andere als SF im engeren Sinne. Niffeneggers Roman-Debut ist vielmehr eine tragische Liebesgeschichte, die durch das Zeitreise-Gimmick eine zusätzliche Tiefe und Resonanz gewinnt. Clare Abshire lernt ihre große Liebe Henry erstmals mit sechs Jahren kennen, als Henry, 36, nackt in einer Lichtung am Anwesen ihrer Eltern erscheint. Bei ihrer Heirat ist Clare 22, Henry ist 30… also sechs Jahre, bevor er Clare erstmals getroffen haben. Als die beiden sich 1991 in Echtzeit erstmals treffen – Clare ist 20, Henry 28 – hat dieser Henry Clare niemals zuvor gesehen, während sie ihn bereits seit 14 Jahren kennt und bereits mit ihm geschlafen hat. Die Timeline des Romans ist komplex gewoben und selbst wäre der Roman per se durchschnittlich, würde dieser narrative Kniff Spaß machen. Aber Niffenegger liefert auch jenseits des Gimmicks eine kraftvolle Geschichte ab. Der Roman nutzt die Idee der Zeitreise auf mehreren Ebenen als cleveres Erzählmittel – beispielsweise wenn Henry Clare schwängert, nachdem er sich hat sterilisieren lassen oder am Ende, wenn Henry sein eigenes Todesdatum weiß, oder in der Art und Weise, wie Henrys Tod bereits relativ zu Beginn des Buches stattfindet -, begeistert darüber hinaus aber auch als «normale» Belletristik. Die Geschichte von Henrys Eltern, die Tragödien, die Henry und Clare durchmachen, der Tod von Clares Mutter sind der Stoff, aus dem tragische moderne Romane gestrickt sind – und Niffenegger gibt all diesen Events einen eigenen, distinktiven Tonfall, der gerade dem, was Clare und Henry gegen Ende des Buches passiert emotionale Wucht verleiht. Die Baby-Träume und die Fuß-Träume der beiden sind ein seltsames Stilmittel, ebenso die Gedichte, die Clare von ihrer Mutter findet, und schwächere Autoren wären auf diesem dünnem Eis eventuell gescheitert, aber Niffenegger bringt uns souverän durch das Tragische ebenso wie durch das Euphorische ihres Romans. Es hilft sicher, dass Clare und vor allem Henry coole, liebenswerte Menschen sind, die ihre Zeit mit Iggy Pop und den Violent Femmes verbringen, und sich mit Aktienbetrug, Kunst, Taschendiebstahl und viel Sex durchs Leben schlagen. Es ist schwer, die beiden nicht zu mögen und so steckt man schnell tief in der Geschichte, die – metaphorisch dünn mit dem SF-Konzept ummantelt – im Kern die Geschichte einer Liebe im Angesicht einer tragischen Krankheit ist, deren Verlauf unweigerlich tödlich enden wird. Schon früh im Roman deutet Niffenegger an, wie Henry sterben wird und die Unweigerlichkeit seines Todes, dessen Datum lange Henry lange vor seinem tatsächlichen Ableben kennt, macht die verbleibende Zeit der beiden, um so wertvoller. Unter der Geschichte des Zeitreisenden steckt die Story einer wartenden Frau, die sich mit der Krankheit ihres Geliebten arrangiert und selbst nach dessen Tode weiter wartet, bis zum wunderbaren Schlussmoment des Buches. Henry ist ein Zeitreisender, aber er könnte ebenso gut Epilepsie oder Schizophrenie haben, es würde für die emotionale Wucht des Buches keinen Unterschied machen. Niffenegger überzeichnet nur ein Element, macht die Idee der Zeitreise als genetischen Defekt sehr real und greifbar, und entwickelt von da aus mit präziser Logik ihre Geschichte.

The Time Traveler’s Wife steckt voller grandioser Szenen, die oft an Fermata erinnern, aber weniger detailvernarrt geschrieben sind. Niffenegger gelingt trotz der Komplexität der Geschichte, die immer wieder in einzelnen Fragmenten ineinandergreift und zu sich selbst zurückführt, eine schnelle, niemals zurückblickende Schreibe, die trotzdem nie vereinfacht. Aus den philosophischen Konsequenzen ihres Plots – gibt es einen freien Willen oder ist die Zukunft vorbestimmt – entwickelt Niffenegger einen mutigen Fatalismus für Henry, der schnell merkt, das er seine Zukunft zwar nicht wirklich verändern, aber durchaus sein Leben bestimmen kann. Was passiert, passiert, weil es passieren muss – und gemeinsam mit Clare wächst Henry an dieser Feststellung.

Dicht gewoben, ohne überladen zu wirken, sprachlich kompetent und so unterhaltsam wie tiefgründig, ist The Time Traveler’s Wife (übrigens ist der Titel, vielleicht zufällig, eine schön Verbeugung vor The Astronaut’s Wife) bei allen tieftraurigen Momente ein liebevolles Buch, bittersweet und ehrlich – bleibt zu hoffen, dass Audrey Niffenegger bald die Zeit findet, ihr zweites Buch fertigzustellen.

10:44 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . 2 Antworten.

REAL FAKE

It looked phony it was so real.

Stephen Wright: Going Native

08:09 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

HARRY POTTER UND DER ORDEN DES PHÖNIX

Im Grunde hätte es dieser Film bei mir leicht haben können. Nachdem ich bis etwas Band 4 ein wirklicher Anhänger von JK Rowlings Juniormagier war, fand ich Band 5 und 6 relativ schlecht – handlungsarm, zögerlich, ein Rückschritt hinter Band 4 -, so dass ich mich an Order of the Phoenix kaum noch erinnern kann. Da war die vage Erinnerung an einen bedeutungslosen Tod und daran, dass die gesamte Handlung im Grunde nicht anders verlaufen wäre, wenn Harry und Co. NICHTS getan hätten, was für ein Buch etwas seltsam ist, man möchte als Leser ja schon, dass die Helden etwas bewirken. An mehr kann ich mich kaum erinnern, insofern bin ich fast neutral an den fünften Film der Potter-Reihe herangegangen, ohne mich allzu sehr an das Buch zu erinnern. Und so war es ausnahmsweise mal eher Stefanie, die sich am Ende des Films über die zahllosen Ungereimtheiten, Auslassungen und Abweichungen vom Buch ärgerte, ich selbst hatte die Details einfach vergessen. Aber auch ohne den direkten Vergleich mit der Buchvorlage ist Potter V ein denkbar unspannender Film geworden, der trotz der Länge atemlos durch die Handlung hechelt und trotzdem immer wieder Abkürzungen nehmen muss, die die Textur der Vorlage verwischen. Charakterentwicklung und das Gefühl von Authentizität, die die Bücher stets prägten, sind im Film aus reinen Gründen der Straffung nicht denkbar. Harrys wütende Teenager-Phase, die widersprüchlichen Gefühle von Isolation, Wut, Liebe… bleiben im Film nur anskizziert und gehen im Gewusel von Figuren und Spezialeffekten unter. Die tatsächliche Leistung der Buchvorlage – eine Serie von Coming-of-age-Büchern anzubieten, die einer jungen Zielgruppe literarisch verpackt in einen Mix aus Internats- und Abenteuerroman die Probleme des Erwachsenwerdens veranschaulicht – fällt insofern dem Medium Film, das sich am kleinsten gemeinsamen Nenner orientieren muss, zum Opfer.

Denn für Zwischentöne hat das Bildmedium keinen Raum, alles muss in emotionalen Bildern und Tönen auflösbar sein, nicht erklärt werden, sondern visualisiert. Zwangsläufig muss es einem Blockbuster mehr um eindrucksvolle Bildsprache gehen als um die Evolution von Charakteren – zumal die Veränderung eines Charakters nahezu diametral den Bedürfnissen von Warner Brothers an die Marke «Harry Potter» entgegensteht. Die Idee eines möglichst realen, sich wandelnden, wachsenden Charakters ist das Gegenteil der Idee eines niedlichen Kindermagiers mit Blitznarbe und Strubbelfrisur, den man auf zahllosen Merchandiseprodukten verkaufen kann. Diese unweigerliche Verkürzung ist bei jedem medialen Wechsel von Buch – ein Medium, das genau von Charaktertiefe, Echtheit und narrativer rationaler Evolution lebt – zu Film – ein Medium, das von Bildimpulsen, emotionalen Affekten lebt – fast unvermeidlich und mitunter auch spannend. Es gibt icht umsonst wenig gute Verfilmungen und nicht ohne Grund ist FIlm immer dann am überzeugendsten, wenn er auf ein Original-Drehbuch, also auf eine für den Film geschriebene Story aufsatteln kann. Adaptionen sind immer kritisch.

Bei der Potter-Reihe aber, immerhin die vielleicht meistgelesensten nicht-religiösen Bücher weltweit, verwundert dieser laxe Umgang. Es muss den Machern klar sein, dass der fünfte Teil einer Reihe nur von Hardcore-Fans konsumiert wird, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Großteil der Zuschauer auch Band 5 gelesen haben wird, liegt also nahe. Unter diesen Umständen so hart von der Vorlage abzuweichen, ganze Inhaltsstränge zu verwerfen, Handlungen und Motive zu verändern und komplett neue Handlungselemente frei zu erfinden, scheint mir da etwas gewagt. Es ist mir ein Rätsel, warum Warner nicht einfach zwei Filme pro Buch macht, dann aber der Dichte der Vorlage möglichst treu zu bleiben versucht. So, wie es jetzt ist, reduzieren die Filme die Buchvorlage – an sich ja nicht unbedingt literarische Meisterwerke – auf Kirmes-Special-Effects, auf eindimensionales Heldenepos zwischen Kapuzenpulli und Zauberstab.

Der Film an sich bietet Mainstreamware an und fühlt sich von den Trickeffekten und dem strukturellen Aufbau allzu vertraut an. Es ist Effektkino-Film, als eigenes Genre betrachtet, und erinnert narrativ und visuell frappierend an Spider-Man, Superman und die zahllosen anderen Filme, mit etwas mehr Herr-der-Ringe-Flair. Derart auf eine Formel reduziert und recht lieblos heruntergefilmt bleibt wenig von der ohnehin Rost ansetzenden Magie der Buchvorlagen. Potter V hat dementsprechend mehr als Zeit für einen – wenig atemberaubend und dabei zugleich arg touristisch wirkenden – Zauberbesen-Ritt durch London als für die visuell wenig beeindruckenden Feinheiten der Vergangenheit von Harrys Eltern oder des Ordens oder für die Tatsache, das Neville Longbottom ja durchaus auch der Auserwählte sein könnte. Und so kommt nahezu alles zu kurz, was den Kanon der Rowlings-Saga vorwärtstreibt und die Komplexität der Geschichte ausmacht. Am Ende bleibt ein Film, der sich anfühlt wie eine Mischung von Fantastic Four und Fünf Freunde. Das in der Verfilmung zudem ein Liebe-besiegt-das-Böse-Ende, das es so im Buch gar nicht gibt, frei erfunden anmontiert wird, ist frappierend. Wenn Potter bereits im fünften Film im direkten Konflikt mit Voldemort gewinnt… wofür brauchen wir dann noch einen siebten Film? Im Buch ist Harry hilflos – im Grunde sind Band 5 und 6 in vielerlei Hinsicht Übungen in Frustration für Harry – im Film jedoch ganz hollywoodkompatibel der Held. Wie es das Kino eben braucht, wird überzeichnet. Dolores Umbridge wird zum pinken Pudding, die Dursleys verkommen endgültig zum Mutantenstadl (seltsam, dass der Film fast kryptofaschistoid die «Muggles» so ekelig aussehen lässt, die Dursleys sind – weit mehr als im Buch auch visuell – Menschen zweiter Klasse), jede Nuance der Figuren – bei Snape und Dumbledore unersetzlich wichtig, aber auch bei Harry selbst kaum im Film vorhanden – wird abgeschliffen, bis ein handliches Klischee bleibt, das man einigermaßen in die atmosphärische Bildkulisse schieben kann. Denn Potter V lebt hauptsächlich von der irgendwo zwischen Tim Burton und Peter Jackson gelagerten CGI-Orgie, bei der nicht umsonst bei früheren Filmen Dave McKean als Art Director zur Seite stand.

Schade nur, dass der Film dadurch als solcher nicht besser oder spannender wird. Selbst der Trailer zu Philip Pulmanns Der Goldene Kompass (und diese Verfilmung dürfte ihre ganz ähnlichen Probleme haben wie die Potter-Serie ;-)) wirkt visuell beeindruckender und hat in drei Minuten mehr Punch als Potter V in zwei Stunden. Es ist die Crux der computergenerierten Effekte, dass sie abnutzen, dass der WOW-Effekt mit jeder Wiederholung nachlässt, dass sie – anders als die handgemachten Effekte – eher ein Schulterzucken hervorrufen. Das Publikum hat verstanden, dass am Rechner alles möglich ist und bleibt eben von dieser Unbegrenztheit der Mittel wenig berührt. Insofern ist CGI längst pornographisch geworden, ein Marathon von noch pulsierenderen Schaueffekten, die zugleich immer weniger Reaktion beim von all dem Bombast eher gelangweilten Publikum. Zumal, wenn die so been-there-done-that daherkommen wie hier. Am reizvollsten funktionieren die visuellen CGI-Gags, wenn sie am Rande stattfinden, eine leichte Beiläufigkeit haben, sie versagen völlig, wenn sie verblüffen oder gar begeistern sollen. Die Tatsache, dass immer mehr Blockbuster auf CGI setzen, dürfte zu einer absolute Überreizung führen. Niemand mag achtmal hintereinander die mehr oder minder gleiche Achterbahn fahren. Auch nicht die minderjährige Zielgruppe, auf die sich solche Filme mehr und mehr einschießen und für die der zunehmend nahtlose Übergang zwischen computergeneriertem Film und der ohnehin gerenderten Virtualität von Computerspielen vielleicht zur ästhetischen Normalität wird.

Unterm Strich ist die Potter-Kinoserie insofern uninspiriertes Reißbrettkino, professionell und windkanaltauglich produzierte  Franchise-Blockbuster, deren erzählerische Struktur und visuelle Umsetzung nichts auch nur ansatzweise Neues zu bieten haben. Aber wenn man bedenkt, dass die Chance, die Buchserie noch einmal anständig zu verfilmen, bei fast Null liegt und wenn man bedenkt, wie frenetisch die Fangemeinschaft der Rowling-Bücher ist, kommt man nicht umhin, zu bedauern, dass niemand sich die Mühe macht, die unzweifelhafte Magie der gedruckten Vorlage auf die Leinwand retten zu wollen.

Bleibt zu hoffen, dass der finale Band der Serie nicht nur besser ist als die beiden vorangegangenen Bücher, sondern vor allem auch als die Verfilmungen…

12. Juli 2007 20:08 Uhr. Kategorie Film. 7 Antworten.

ZOO

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Supersonnenwettersonntag. Und nicht nur wir, sondern das halbe Ruhrgebiet geht in den Zoo. Ich hab selten so viele Kinder auf einmal gesehen. Spannender als die meist nicht sichtbaren Tiere im Dortmunder Zoo waren allemal die Besucher, ein superschöner Querschnitt durch alle möglichen Formen von Sozial- und Familienstruktur.

Nach dem Break unsagbar niedliche Dia-Abend-Terweltphotos von mir und Stef :-D.

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9. Juli 2007 14:42 Uhr. Kategorie Leben. 7 Antworten.

DIE HARD 4.0

Den Originaltitel Live Free or Die Hard hat uns der deutsche Verleih erspart und – dem Hacker-Thema des Films entsprechend eine .0 an den Titel des vierten Teils der Stirb-langsam-Serie gehängt. Und tatsächlich ist dieser Software-Versionsnummer-Style sehr verräterisch, denn genauso fühlt sich Die Hard eben auch an: wie ein moderates Upgrade eines sehr vertrauten Standardprogramms. Kleine optische Verbesserungen, keine Überraschungen, irgendwie enttäuschend. Der Plot des Filmes fühlt sich entsprechend hochgradig wohlvertraut an, nicht nur aus der Die-Hard-Reihe selbst, sondern auch aus zahllosen anderen Filmen, wie etwa Password Swordfish, The Transporter und zahlreiche andere Filme des Testosteron-Kinos, wie es Willis und McTiernan im ersten Stirb-Langsam-Film eigentlich erst begründet haben.

Das Problem von Die Hard ist sicherlich, dass der erste Teil ein neues Genre begründet hat, das Märtyrer-Kino, bei dem der Protagonist durch eine fast biblisch anmutende Flut von Schmerzen gejagt wird, bevor er sein Ziel erreicht. Es gab selten zuvor einen Film, in dem der Good Guy ein so sadistisches Maß an Leid über sich ergehen lassen musste, bevor er im finalen reinigenden Rachemoment den Oberbösewicht, der seine Familie bedroht, ausschalten darf. Nach dem ersten Stirb Langsam gab es eine Flut von Filmen, die präzise diesem Muster folgten, so wie auch Seven eine Flut nahezu identisch aufgebauter Filme zeugte. Der mokante Obermacho Willis wurde bei einigen der Kopisten durch weniger grobschlächtig gezeichnete Figuren ersetzt, aber im Kern hat der erste Die Hard das moderne Helden-Kino grundlegend verändert und strahlend-lässige Supermänner à la James Bond durch einen harten, aber spürbar menschlicheren, verletzbareren Heldentypus ersetzt. Ab Die Hard hatten die meisten Actionhelden im Finale eben nicht mehr nur das Blut der Gegner am Hemd, die Tage eines lässigen Gentleman-Heroen, der im Anzug die Welt rettet, waren gezählt und nicht ohne Grund ist die aktuelle Fassung von Bond optisch wie inhaltlich eine Art John McLane, den die britische Regierung gegen seinen Willen in einen Smoking gestopft hat. Über die Jahre haben so viele Filme und Tv-Serien die Grundrezeptur von Die Hard übernommen und zum Teil verfeinert, dass das Original dann umgekehrt verblüffend an die Kopisten erinnert. McTiernan selbst hat das Genre in Schwarzeneggers Last Action Hero zur grässlichen Parodie hochgeschraubt.
Es hilft angesichts dieser Vorbelastung kaum, dass das Drehbuch von Die Hard 4 denkbar uninspiriert ist. Fast auf Autopilot wird eine generische Bedrohung inszeniert, kurz McLanes Status Quo vorgestellt, die entscheidenden Figuren zusammengebracht und los geht’s mit den genretypischen Explosion und Verfolgungsjagden. Die Hard 4 ist ein ungenierter Testosteron-Film, überraschend Sarkasmus- und Ironiefrei im Verhältnis zum ersten und zweiten Teil inszeniert, mit einer Grundstory, die man so schon tausendmal gesehen hat. Der Plot greift wie viele andere Filme Amerikas latente Angst vor dem Computerzeitalter auf, vor einem Angriff auf das fragile Cyber-Netzwerk – und so hat auch dieser Film die standardmäßigen bleichgesichtigen Hacker mit Bluetooth-Kopfhörern und TFT-Displays als Bösewichte anzubieten. Eine denkbar langweilige Konstellation, zumal die Hacker jenseits aller Logik alles lahmlegen und kontrollieren… selbst Bereiche, die gar nicht über Computer vernetzt sind. Ein Mausklick, schon stürzt irgendwo ein Aufzug ab. Es fällt schwer, einen solch dummen Grundplot zu verdauen, da hilft auch ein genialer Kevin Smith als typischer Hacker-Nerd wenig. Der Film zitiert gekonnt alle bereits bekannten Hacker-Nerd-Klischees, vom Alienware-Laptop, über ComicBooks bis hin zu zitierten Bands… und bietet dabei kaum mehr als ein Recycling bereits etablierter Ideen. Selbst der Look des Films, in harten Bleaching-Process-Kontrasten und ausgebluteten Farben, erinnert an ungezählte andere Filme. Die Verfolgungsjagd auf dem Highway zitiert Matrix II (der wiederum Terminator II zitierte). Vor allem aber ist Die Hard 4 selbstreferentiell. Willis kriecht durch Luft- und Aufzugsschächte, robbt durch Glas, selbst die Yippie-Yay-Kay-Motherfucker-Zeile aus Die Hard 2 wird (gemildert) aufgegriffen. Ganz wie bei einem Band-Revival alter Pop-Heroen wird auch hier eben nur ein Best-Of gespielt, denn wer will schon neue Songs hören? Kurzum: es gibt nichts ansatzweises Neues in diesem Film zu sehen. Ganz im Gegenteil, Die Hard 4 ist FSK 16 und somit deutlich hinter dem – damals relativ hohen – Härtegrad der ersten Teile zurück. War John McTiernans erster Teil ein seinerzeit für einen kommerziellen Film grenzverschiebend brutaler und blutiger Film Rouge, wirkt der letzte Franchise-Teil vor der Folie aktueller Gewaltfilme seltsam fade, farblos.

Was vielleicht auch an der Story liegt. Ein Cyber-Angriff auf die USA, den man als Betrachter zu einem Großteil auf TFT-Displays mitkriegt, ist einfach nicht spannend. Jeder Bankraub hat mehr Action. Die Gegenspieler bleiben – mit Ausnahme von Maggie Q – völlig unspektakulär, Timothy Olyphant als frustrierter Verteidigungsministeriums-Angestellter auf Rachefeldzug ist etwa so spannend wie Farbe, die an der Wand trocknet. Irgendwie sind die Schurken von heute nicht mehr so spannend wie früher…
Was apropos erscheint, inszeniert sich Die Hard 4 doch als Generationskonflikt-Film. McLane als schlechtgelaunter alter Mann, der nicht nur den Freund seiner Tochter ganz à la Al Bundy schikaniert, sondern auch dem Hacker Matt Farrell mit seinem Musikgeschmack (Creedence Clearwater Revival) und dem Früher-war-alles-besser-Gerede auf die Nerven geht. Willis wirkt fast verloren in dieser digitalen Welt, ein Steinzeitmensch. In der Krise zeigt der 52 Jahre alte Ledernacken McLane dann aber natürlich der verweichlichten Cybergeneration ordentlich, was echte Männer sind. Das wirkt fast metafiktional, so als bräuchte das US-Kino die alten Helden (Stallone, Schwarzenegger, Willis), weil ein Mangel an jüngeren Macho-Superhelden herrscht, weil die neue Generation von Darstellern zu androgyn, zu weich ist. Wortkarg und übellaunig kämpft sich Willis durch genau die Sorte Film, die er nach Die Hard 3 eigentlich nie wieder machen wollte… einen klassischen Actionfilm nach den Rezepten der 80er Jahre, bei dem sich selbst die Spezialeffekte altmodisch handgemacht anfühlen. Die Hard 4 ist ein seltsamer Flashback, in dem die Vergangenheit über die Gegenwart triumphiert. Für die Amerikaner, die sich nach einfacheren Zeiten, simpleren Wahrheiten, weniger Komplexität, mehr Schwarz-Weiß sehnen, muss dieser Streifen geradezu Balsam sein.

Sehenswert ist Die Hard 4 trotz müder Story, uninspirierter Regie und teilweise farblosen Darstellern vor allem wegen Willis selbst, der hier fulminant gegen sein Alter ankämpft, und natürlich wegen der grandiosen Non-Stop-Actionssequenzen, denen sich auch nie so etwas wie eine Handlung in den Weg zu stellen wagt. Leider – wie Teil 3 – überzieht der vierte Die Hard hier extrem. Teil 1 und 2 lebten davon, dass die Action sich so gerade eben am Rande des Möglichen entlangbewegte. Als Willis in Teil 1 barfuß durch Glasscherben ging, litt man als Zuschauer mit, weil dieser McLane noch ein Mensch war, ein Everyman, einer von uns. In Die Hard 4 aber schießt Willis einen Helikopter mit einem Auto ab und kämpft mit bloßen Händen gegen einen F35-Militärjet. Die Action ist so derart überzogen, dass man oft keine emotionale Bindung zum Protagonisten auf der Leinwand mehr aufbauen kann, McLane ist einfach zu übermenschlich, zu unverwundbar, zu sehr ein glatzköpfiger Terminator. Auf diesen MacLane kannst du ein Gebäude, eine Brücke, ein Auto werfen, er schüttelt sich zweimal kurz und trappt unaufhaltbar seinem Ziel weiter entgegen, mit einem lässigen Spruch auf den Lippen. Das Gefühl von Authentizität der ersten beiden Teile, die Realität, die Ironie, die Trockenheit… all das stellt sich bei Die Hard 4 keine Sekunde ein, der Film bleibt ein effizientes, virtuoses, hochglänzend poliertes und durchkalkuliertes Stück Kommerzkino ohne jeden eigenen Herzschlag. Was zurückbleibt, ist ein billiger Nachgeschmack, wie nach dem Besuch eines Freizeitparks, wo man zwar Spaß hatte, aber doch klar sieht, dass man hier nur durchkalkulierte Entertainment-Massenware erlebt hat.

6. Juli 2007 20:03 Uhr. Kategorie Film. 11 Antworten.

FLASH

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5. Juli 2007 19:53 Uhr. Kategorie Photos. 8 Antworten.

MODEST MOUSE LIVE MUSIC HALL KÖLN

Nach der sound- und bildgewaltigen Show der Chemical Brothers wirken Modest Mouse am Dienstagabend in Köln seltsam normal. Einfach sechs Jungs, die nach etlicher Wartezeit auf die Bühne kommen, ihre Instrumente umschnallen und loslegen, mit recht langen Pausen zwischen den Songs, mit etwas verpeilten Ansagen und mit einem eher gewöhnlichen Rock’n'Roll-Lichtset, ohne besondere Features. Pure Musik also, nach vorne getrieben von Joe Plummer und Jeremiah Green, die mit zwei Percussion/Drumkits für Druck sorgen. Bei manchen Stücken sind die beiden nicht 100% synchron, was den Sound oft etwas matschig wirken lässt, aber der schiere Druck, den die Band bei manchen der härteren Songs entfalten kann, lebt spürbar von der Mischung aus Drums, Percussion und live gespielten elektronischen Sounds. Auf dieser Druckwelle surfen entspannt die anderen Bandmitglieder, allen vorweg Multiinstrumentalist Tom Peloso, Ex-Smiths-Gitarrenwunderkind Johnny Marr und natürlich Sänger Isaac Brock, der mit dem natürlichen Charme eines Serienmörders durch den Abend führt. Die Mods spielen natürlich Tracks vom neuen Album und haben mit dem Oberhit Dashboard sofort die vollgepackte Halle im Griff, aber auch Klasisker wie Doin’ the Cockroach oder Spitting Venom. Obwohl die meisten Tracks ja eher in der Americana-Mid-Tempozone liegen, also gar nicht sonderlich schnell daherkommen, wird in der Moshpit getobt als gäb es kein Morgen mehr. Mag sein, dass ich von einigen Nachtschichten, den ChemBros und acht Studen Dozententum noch etwas ausgelaugt war, aber kürzer hab ich es selten an der Bühnenfront ausgehalten, das war Terror. Tatsächlich steht die extreme Fanreaktion etwas im Widerspruch zur Band selbst, die eher relaxt, fast gelangweilt-professionell durch die komplexem Songstrukturen spielt. Den meisten (sichtbaren) Spass strahlt Johnny Marr aus, der fast unsichtbar im Klangkorsett der Band verschwindet, und für einen Mittvierziger enorm lässig aussieht. Es ist einfach prima zu sehen, dass so ein großer und wichtiger Musiker nicht wie so viele einfach versackt ist, sondern mit Modest Mouse einen neuen Hafen für seine Ideen gefunden hat. Isaac Brock singt, schreit und wimmert sich durch die Songs, die – je weiter der Abend fortschreitet – immer besser und druckvoller werden, zumal die Band die ruhigeren Songs eher in der Mitte des Sets spielt und sich am Ende auf orgiastisch ausgestreckte Classics beschränkt. Gemessen an anderen Live-Acts – etwa den musikalisch ähnlich gelagerten Kaizers Orchestra – wirken Modest Mouse etwas wenig show-orientiert, vielleicht brav, aber die Musik, die Stimmung im Publikum und die reine Energie, die sich während des Konzertes aufbaut, ist den Eintritt mehr als wert.

Bilder nach dem Break…

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12:07 Uhr. Kategorie Live. Eine Antwort.

STEAMPUNK

Sehr nettes kleines Magazin.  Die Gestaltung ist irgendwie gruselig, passt aber grandios zum Titel und das Mag an sich ist phantastisch surreal.
http://steampunkmagazine.com
via Sean

4. Juli 2007 16:02 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

Mc24

Wieso gibt es eigentlich diesen Trend, dass man sich durch einen Namenszusatz eine Art Qualität an den Namen schraubt? Mc-plus-Irgendwas ist besonders billig, 24+irgendwas ist besonders schnell. Scheint, als sei in Zeiten, wo der Kunde sich nicht mehr persönlich von den Qualitäten einer Firma überzeugen kann, solche Zusätze irgendwie ein Marktvorteil, eine Art griffiges Geiz-ist-Geil-Kürzel, ein Me-too-Branding, eine Einordnung in die Kaste der Billigen und Willigen. Das solches Branding, zumindest anfangs, funktioniert, ist ein Zeichen dafür, wie hilflos wie Konsumenten geworden sind, wenn wir auf solche Oberflächeneffekte setzen. Die, natürlich, nicht überprüfbar sind. Heute war vor mir auf der Landstraße ein Truck mit großer 24 im Namen. Er fuhr 40.

3. Juli 2007 10:01 Uhr. Kategorie Leben. 9 Antworten.

CHEMICAL BROTHERS DÜSSELDORF PHILLIPSHALLE

Was ist mit der Phillipshalle los? Erst Freitag Daft Punkt, wo wir nicht waren, wo es laut Chris, Seán und Freddy aber grandios gewesen sein soll, und heute die Herren Rowlands und Simons, die quasi das britische Pendant zu Daft Punk sind… inzwischen fast Pioniere der neueren elektronischen Musik, immerhin seit 1995 dabei, ohne wirklich Staub angesetzt zu haben. Die Big-Beat-Brüder spielen vor einer überraschend leeren Halle, die zudem noch teilweise abgehängt ist. Das Publikum hätte man gemütlich auch ins Palladium oder sogar E-Werk gekriegt. Vorteil: Auch als notorischer Zuspätkommer landet man butterweich in der allerersten Reihe. Nachteil: So richtig richtig Rave-Stimmung kommt nicht auf. Es ist zu luftig, zu leer, und obwohl das Publikum exzellent gelaunt ist, fehlt es in den Kategorien, Eng, Heiß, Verschwitzt. Rein von der Location her hat man mehr das Gefühl, man ist in einer Großraumdisco um 5 Uhr morgens. Die Phililipshalle ist einfach keine gute Konzerthalle, basta.

Und diesem Flair wird der Sound – im besten Sinne allerdings – auch wahrhaft gerecht. Die Chemical Brothers rollen mit einer simplen aber umwerfenden Lichtidee an, die zwar dreist bei Massive Attack geklaut ist, aber immer wieder schön. Hinter der Bühne steht ein gigantisches vierfarbiges Display, auf dem überlebensgroße Animationen und Videos laufen. Die Wand an sich reicht fast als gesamte Lightshow, abgerundet von Laser, weiteren LED-Strahlern und einigen wenigen normalen Varilights. So bombastisch wie die Optik ist auch der Sound: Ich habe selten bei all den Konzerten der letzten Zeit einen derart extremen Bass gehört, die Bassdrum und vor allem tiefe Subbass-Sounds drohen jederzeit, die Eingeweide zu zerquetschen. Überhaupt drehen die Brothers während des Konzerts mehr und mehr an der Lautstärke, bis eine fast ohrenbetäubende Druckwelle aus den Boxen kommt, die dem Live-Maximal-House der beiden den richtigen Rahmen gibt. Die Musik der Chemical Brothers lebt von endlos langstreckten Teaser-Beats, nervmarternd lang hingezogenen Crescendi, die immer und immer wieder in noch größere Drumorgien führen. Live halten sich die beiden unscheinbar wirkenden Briten, die hinter ihren Mischpulten, Synths und Expanders fast unsichtbar werden, nicht lange mit dem etwas weichgespülten Sound der letzten Alben auf und treten eine zweistündige DJ-Session an, die die eigenen Songs dekonstruiert, neu zusammensetzt und in ein hartes, modernes Techno-Feuerwerk verwandelt. Es gibt grandiose Breakdowns, in denen nur noch zwitschernde Sequencer und firpende Analogsounds zu hören sind, aber im großen und ganzen dominiert der Beat, ein von gnadenlosen, atemberaubenden Übergängen geprägtes perfektes Soundgefüge, das dich binnen weniger Minuten auch in der wenig vollen Halle schweissgebadet dastehen lässt. Die surreal unruhige Bildershow, die an Härte kaum zu toppenden Bässe, die unermüdliche Drummachine, die immer wieder sanfte Beats anbietet, um rasch wieder bei gnadenlosen 4/4 anzukommen… das ist richtig altmodischer Dancefloor irgendwo zwischen Techno und House. Und es ist eine großartige, fast in Trance hineinreichende Klangerfahrung, die die beiden im Laufe des Konzertes wie Meisterpianisten steuern, von Buildup zu Breakdown, von Climax zu Anticlimax, durch die verschiedensten Stilrichtungen des Dancefloors, um am Ende mit furiosen bösartigen Analog-Knöpfchendreh-Sounds zu enden. Ein fast verstörend brutaler, wunderbar tanzbarer, hypnotischer Auftritt, der in Sachen Ekstase nicht ganz an ChkChkChk herankommt, aber in einer kleineren, volleren, heißeren Halle sicherlich bei vielen zum Kreislaufkollaps geführt hätte. Exzellent.

Nach dem Break einige Bilder von Stef, die die Vielfalt der Videoscreens einfangen…

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03:10 Uhr. Kategorie Live. 11 Antworten.

Porcupine Tree: Fear Of A Blank Planet


Mal wieder Zeit, ein paar Alben abzuarbeiten.
Das Porcupine-Konzert in Köln habe ich ja letztens verpasst, weil wir bis spät abends eine akute Rechner-Krise zu lösen hatten (Danke Acronis True Image, danke, danke, danke), aber immerhin kurz ein paar Worte zum aktuellen Album von Porcupine Tree. Fear of a blank Planet schließt nahtlos da an, wo Deadwing aufhört – aus dem psychedelischen Pink-Floyd-Kopisten Steve Wilson ist, da die Band inzwischen zum festen All-Star-Gefüge gewachsen ist, eine der handwerklich besten Progressive-Rock-Bands auf dem Planeten geworden. Musicians’ Musicians, die ihre Instrumente so beängstigend perfekt im Griff haben, dass jeder Track ebenso zum Showcase individuellen Könnens gerät wie zugleich eben auch Wilsons Händchen für seine eigenartige Mischung aus fast NuMetal-artigem Druck und ruhigen Akustikpassagen aufzuzeigen. Leider ist diese Mischung zunehmend statisch. Deadwing, In Absentia und auch Fear of a blank Planet folgen einer festen Rezeptur, die sich zunehmend weniger weiterentwickelt, die vielleicht hier an Pathos, dort an Härte gewinnt, aber im Kern etwas auf der Stelle tritt. Es ist etwas bezeichnend, dass Metanoia, immerhin nur eine reine Studiosession, zu den beeindruckendsten Porcupine-Alben der letzten Jahre gehört. In Absentia war bereits ein Musterstück an Pop-Pomp, handwerklich grandiose Mini-Spektakel, die den Trend von In Absentia zu deutlich härteren Klängen weiterentwickelten und Fear hat dem eigentlich nichts Neues hinzuzufügen, im Gegenteil. Fear of a blank planet, der Opener, ist die übliche Uptempo-Nummer, My Ashes der gewohnte ruhige, orchestral-schwelgende Track, der diesmal bedenklich nahe am Kitsch entlangschrammt. Herausragend ist Anethesize, eine mit 17 Minuten episch lange Nummer, die früher mal eine eigene Vinylseite beansprucht haben dürfte und die den Kern des Albums bildet. Aber auch hier wiederholen Porcupine altgewohnte Tricks, die Übergänge zwischen Ruhe und Power, das hypermonströse, alles an die Wand bretternde Schlagzeug, die vertrackten Rhythmen, die furiosen Wechsel, die den Song zu einer kleinen Rockoper mutieren. Anethesize verkörpert und summiert alles, was an den Porcupine der letzten Jahre herausragend ist… und schafft so hoffentlich als Apex einen Anlass, etwas neues zu beginnen. Nach diesem Track gibt es nur noch Selbstkopie oder einen Aufbruch zu neuen Ufern. Und tatsächlich dümpeln Sentimental und Way Out of Here spürbar vor sich hin, wirken wie ermüdet nach dem fast 20-minütigen Monster, nur Sleep Together bekommt noch einmal so etwas wie eine bedrohliche Atmosphäre, einen düsteren Wall of Sound hin.

Fear of a blank Planet liefert zuwenig Neues von einer Band, die uns in den letzten Jahren vielleicht zu sehr mit Experimenten und kreativer Sprunghaftig verwöhnt hat… die Scheibe klingt nach konservativen, soliden Tracks, die live den ein oder anderen Song ersetzen können, inhaltlich aber klingt alles ein wenig zu vorhersehbar, berechenbar. Mag sein, dass Porcupine jetzt einen klaren, kalkulierbaren, vermarktbaren Zielgruppensound entwickeln, um in immer grösseren Hallen spielen zu können, raus aus der Nische, rein in den Markt. Was etwas schade wäre. Denn vielleicht sollten Wilson und Co. Porcupine weniger als schon fast kommerzielles Allstar-Projekt sehen und ihre kreative Energie weniger in Nebenprojekte schaufeln und sich wieder einfach mehr austoben, neue Ziele anvisieren. Nachdem die letzten drei Alben die Band weitgehend redefiniert haben, wäre musikalisch ein neuer Quantensprung vielleicht wieder an der Zeit.

2. Juli 2007 13:42 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

HD SIMPSON

Unter www.simpsonsmovie.com kannst du deinen eigenen Sim(pson) bauen. Danke für den Tipp :-D.

10:48 Uhr. Kategorie Leben. 9 Antworten.


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