Archiv
NODAL POINT STATIV SELFMADE




Da die Panorama-Stativköpfe von Manfrotto, die die Kamera am im Objektivinneren liegenden Nodal Point drehen und so parallaxenfreie 360°-Aufnahmen ermöglichen, etwas hochpreisig sind, hat Marian kurzerhand selbst eins gebaut. Sieht krude aus, funktionierte aber bei den Aufnahmen in Bielefeld, die Marian und Raffael Dienstag und Mittwoch bis zur Erschöpfung von Sonnenaufgang bis in die Nacht gemacht haben, offensichtlich einwandfrei, die Aufnahmen sind prima geworden. Die kleine Gradscheibe ermöglicht es, recht präzise in drei Reihen (Himmel, Bildmitte, Boden) zu arbeiten und die Kamera, die mit der Schraube an der aus dem Stativ sitzenden Konstruktion befestigt ist, wird so gedreht, dass der Mittelpunkt der Drehung exakt im Nodal Point liegt, also im wirklichen Rotationspunkt des Bildes. Ich find absolut gut, wie Lo-Fi die Konstruktion ist – das ist so großartig backstage. Es gibt anscheinend echt nichts, was Marian nicht kann… grandioses Detail ist übrigens, dass die Winkelscheibe in der FF DIN und mit Minuskelziffern gesetzt ist :-D.
Keine Kommentare
ATOMA NOTIZBUCH

Auf der Suche nach einer Alternative zu Moleskine bin auch auf die Atoma Notizbücher bei Manufactum gestoßen. Bei den Moleskine hat mich gestört, dass man wiederkehrende Elemente immer wieder selbst von Hand eintragen musste und ich suchte nach etwas, das ich selbst vordrucken und dennoch als einigermaßen schickes Notizbuch nutzen konnte.


Die Bücher des belgischen Herstellers Atoma arbeiten mit einem Ringbuchprinzip, bei dem die Ringe allerdings nicht wie sonst geöffnet werden und gelochtes Papier entnommen wird. Die Ringe sind solide Scheiben, in die das Papier einfach eingehängt ist. Die Blätter sind einfach nach oben zu entnehmen, aber beim Blättern halten sie bisher erstaunlich gut. Insofern kann man sehr einfach neu sortieren, zusätzliche Blätter einfügen, Blätter bedrucken und wieder einhängen, auch kleinere Notizen einhängen und so weiter.


Die Atoma-Version von Manufactum ist insofern bemerkenswert als dass Manufactum anstelle der sonst verwendeten Plastikringe auf mattierte schwere Aluminium-Ringe setzt und das Cover aus Texon ist, einem Lederersatzmaterial, das wasserabweisender und widerstandsfähiger sein soll als normaler Karton. Manufactum bietet die Notizbücher un verschiedenen Formaten von A7 bis A4 an. Durch die schweren Aluringe lässt sich das Notizbuch auch perfekt als Notiz- oder Skizzenblock benutzen, wenn man es anders herum hält. Ob Buch oder Block – das liegt hier einfach an den Wünschen des Benutzers, beides geht. Das Papier gibt es liniert, kariert und auch blanco. Die Bücher sind relativ preiswert und die Nachfüllpacks wirklich – gerade für Manufactum-Verhältnisse – absolut fair.

Kleine Kritikpunkte an dem ansonsten überzeugenden Notizbuch: Ich finde, das 90g-Papier ist trotz etwas Volumen zu dünn, 135 g wären einfach netter gewesen. Auch die Coverdeckel hätten mehr Dicke vertragen, das Heft wirkt mir insgesamt zu flexibel und weich, vor allem im Vergleich zu den ja sehr massiven Moleskine-A5-Büchern. Ein großes Manko ist darüber hinaus, dass die Blätter sich nicht in Reihe bedrucken lassen. Die Ösen, mit denen die Blätter eingehängt sind, verhaken sich ineinander, so dass im Papiereinzug des Druckers sofort Papierstau entsteht, wenn man mehr als ein einzelnes Blatt einlegt. Etwas schade, aber immer noch schneller als von Hand schreiben zu müssen.


Ich selbst nutze die Atomas als Dozenten-Kursbuch an der RA und konnte mir Studentenprofile für die Punktevergabe und Anwesenheitslisten und ein generelles Protokoll so schnell und effizient vordrucken und für jedes Semester dann schnell neu aktualisieren. Ich bin gespannt, ob das Buch in der praxis beim Hin- und Herblättern hält oder ob es nicht doch auseinander fällt. Zudem benutzen wir die Atomas jetzt auch im Büro als normale Notizblöcke, weil man zugleich ein Buch hat, in dem alles merkenswerte bleiben kann, aber zugleich auch einen schnellen Abreißblock – ideale Kombination also. Und sie sehen auf dem Schreibtisch gut aus :-D.
11 Kommentare
CHKCHKCHK LIVE GEBÄUDE 9 KÖLN

Es ist tatsächlich etwas seltsam, das Konzert zu bloggen, bevor ich das Album- das seit Wochen hier rumliegt – besprochen zu haben, aaaaber sei’s drum. Das Album schiebe ich dann nach :-D.
Die Intro hat im Gebäude 9 drei Bands versammelt, die verschiedener kaum sein könnten. Khaela Maricich von The Blow lieferte ihre knapp 45 Minuten Gig solo, ohne Partnerin Jona Bechthold, erzählte kleine Stories zu den Songs, wippelte in Socken über die Bühne und sang zum Playback, was trotz der guten Songs natürlich wenig mitreißt. Die Tracks weichen keinen Millimeter von der Albumversion ab und bei allem Respekt davor, sich einfach so vor ein Publikum zu stellen und allein auf einer großen Bühne loszuperformen…«live» stell ich mir eben mit etwas mehr Leben vor.
Kissogramm, die mit If I had known this before ja keine Unbekannten mehr sind, und deren Debut Meisterfinger Gonzales produziert hat, legen live einen seltsam enttäuschenden Gig hin. Irgendwie sehr deutsch, sehr steif, sehr gewollt. Die beiden Jungs – Jonas Poppe und Sebastian Dassé – machen halt so charmanten Homerecording-Pop, der irgendwie nicht laptoptronica genug ist, nicht unperfekt genug, nicht perfekt genug, irgendwo zu sehr in der Mitte. Jeder musikalische Stil wird mal angerissen, Shuffle, Walzer, 80s-Wave, Pop… und in dieser Melange bleibt leider alles eigenständige und einzigartige irgendwie verschwunden, trotz teilweise wunderbarer kleiner Synth-Soli. «Geht mal aus euch raus» ruft jemand aus dem Publikum und so völlig verkehrt ist der Tipp nicht. Mehr Dreck, mehr live, mehr Energie und das ganze würde 300% mehr Spaß gemacht haben.
Den Unterschied zwischen deutscher Steifheit und Stageparty machen dann !!! deutlich. Während bei den beiden ersten Bands das Gebäude 9 nur zu etwa 40% gefüllt war, ist die Halle schlagartig berstend voll, und während The Blow und Kissogramm auf Elektronik setzen, kommt bei !!! erst einmal Drummer Jerry auf die Bühne und fängt an einen stumpfen, treibenden Beat in sein Drumkit zu prügeln, bei dem die gesamte Halle anfängt den Hintern zu bewegen. Und damit haben wir die nächsten rund 90 Minuten ganz gut zusammengefasst. Es gibt keine ruhige Nummer, keine Pause, keinen Stillstand bei !!!, die Band rockt durch alle Stilarten zwischen Indie, 70sDisco, Dub, Acid, Funk und Frontmann Nic geht bis an die Grenzen des körperlich machbaren, um die Menge anzuheizen. Der Mann ist permanent in Bewegung, ultimative Rampensau, glorreiches Partyanimal und ich habe selten ein gräßlicheres Bühnenoutfit gesehen als seinen Camping-Macker-Look aus Muscleshirt und Satin-Boxershorts. Respekt.
Die Tracks des aktuellen Albums Myth Takes, schon auf CD absolut großartig, werden hier bis an die Grenze ausgelotet, lauter, härter, schneller, psychedelischer. Die Platte wirkt danach verhältnismäßig brav. Live bauen !!! einen derart babylonischen Tower of Power, getrieben von Drums und Percussion, Justins treibenden Funkbasslines, und umringt von Bläsersätzen, TB303-Sounds, und zwei so nahtlos ineinandergreifenden Gitarren, das es in toto schlichtweg atemberaubend ist. Die Songs gehen derart ekstatisch in die Höhe, dass man irgendwann einfach Schreien muss, um den inneren Druck loszuwerden. Gitarrist Tyler verbingt den halben Gig am Boden vor seiner Effektgerät-Sammlung und sorgt für umwerfend psychedelische Echo-Sounds und Delaywände. Das Publikum geht nicht ganz so ab wie bei den Klaxons (und damn, habe ich mir gewünscht, das wir die Bühne stürmen würden, das wäre das perfekte Ende gewesen), aber die Party ist trotzdem im Saal, es wird geschrien, geklatscht, gesungen, getanzt, gesprungen und gemosht, was das Zeug hält. Das Klischee von «Der Saal kocht» trifft es echt echt noch am besten. Die Audience ist völlig frenetisch und die Band so gegen halb eins auch völlig am Ende. Das letzte Lied wird gegen den Protest des Drummers gespielt, der sichtlich völlig ausgelaugt ist. Nic zieht gegen Ende sein Shirt aus und wringt es über sich aus, und das Teil ist so durchnässt, dass er im eigenen Schweiß duscht. Frenetisch wird das Level des machbaren mit jedem Track nach oben gepusht, Gorman und Allan wechseln rasend zwischen Percussion und Bläsersätzen oder ackern gemeinsam am Keyboard. Ich habe selten eine Band so hart, so intensiv arbeiten gesehen, so voll am Limit. Oben auf der Bühne stehen am Ende acht völlig ausgepowerte Männer und eine Frau, unten ein Publikum, das kaum weniger fertig ist. Meine Klamotten waren total durchnässt, Steffi ausgepowert, Chris hat als erstes sein Shirt ausgezogen und saß nackt im Wagen und freute sich auf eine Polizeikontrolle.
Bonus des Abends war, daß wir so gegen 1 noch in einer Pizzaria, die eigentlich schon geschlossen hatte, noch Wein, Calzone und Grappa bekamen und eine solide Stunde unter lauem Nachthimmel quasseln konnten. Jesus, und in Essen bist du froh, wenn du um 23.00 noch irgendwo überhaupt etwas zu essen bekommst :-D. Tausend Dank.
Definitiv bisher das beste Konzert des Jahres, da hat Chris recht.
Nach dem Break Bilder von Steffi. Die sind nicht verwackelt, der Sänger stand nur nie still… und das Publikum eben auch nicht. :-D
Weiterlesen…
5 Kommentare
IDENTITÄT

Eines der Grenzen-Ausstellungs-Projekte war Gregor Eisenmanns Identität-Buch. Neben einigen anderen wirklich sehenswerten Ergebnissen, die ich aber nicht hier habe, ist dieses Buch eine hoch individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema «Wer bin ich?» und dem mit der Semesteraufgabe verbundenen Trip nach Berlin. Photographie, Illustration, Photoshop, Handschrift vermischen sich hier zu einem vielschichten Etwas, das etwas jenseits von normalem «Design» funktioniert, ein seltsam anarchisches, persönliches Statement, dem man ansieht, wieviel Arbeit und Liebe Greg hineingesteckt hat.
17 Kommentare
FULL METAL VILLAGE

Einen «Heimatfilm» nennt die gebürtige Koreanerin Sung-Hyung Cho ihre Dokumentation über das nördlich von Hamburg gelegene 2000-Seelen-Dorf Wacken, das für Metalfans weltweit zum Inbegriff eines der größten Festivals der Szene geworden ist, das jährlich gut 60.000 Besucher anlockt. In Wirklichkeit, das legt das Szenario nahe, ist es natürlich ein Katastrophenfilm, und wie jeder guter Film dieses Genres folgt die Regisseurin einer handvoll von Protagonisten durch den Sturm. Das Festival selbst nimmt dabei im Film einen vergleichsweise geringen Raum ein, die Ruhe vor dem Sturm scheint es Cho deutlich mehr angetan zu haben und – tatsächlich, den Gegensatz zwischen Metalheads und Bauern braucht es eigentlich gar nicht. Die Wackener öffnen sich der seit knapp zwei Dekaden in Deutschland lebenden Südkoreanerin mit einer an Naivität grenzenden Offenheit und entblößen sich als verschrobene, schreckliche, bemitleidenswerte, liebenswerte Menschen.
Da ist der Multibauer Uwe Trede, meisterhafter Kettenraucher und Dorf-Dagobert, der sich in seiner Eigen-Inszenierung als jovialer Geldsack mit losem Mundwerk verheddert und fast nahtlos zur Witzfigur mutiert. Da ist seine Frau, der die Kamera subtil entlockt, wie gefangen und einsam sie in ihrer Ehe ist. Da ist der Milchbauer Plähn, stoisch-ruhiges Oldschool-Bauer-Gegenmodell zu Trebe, mit seiner kranken Frau, die wir kurz vorm Abspann großartigerweise noch sehen, der bescheiden, fast naiv und doch leicht hinterfotzig auftritt, und dem Cho – man glaubt kaum, was man da sieht – mit der Frage, was für ihn Liebe bedeutet, fast Tränen entlockt. Man merkt schnell, wie dünn die bürgerliche Schicht ist und welche Abgründe dahinter warten, besser als es jedes Theater, jeder inszenierte Film könnte. Wenn Kathrin Schaack, die wir anfangs beim Möchtegern-Model-Training mit ihrer Paris-Hilton-Klon-Freundin erleben, als Vorbereitung auf die Bewerbung bei einer kaum seriös wirkenden Agentur, vor laufender Kamera gesteht, ihr größter Wunsch sei es, im Zweiten Weltkrieg gelebt zu haben, weil sie so vom Dritten Reich und dem Führer begeistert ist, wenn ihre Großmutter Irma von der Vertreibung aus Ostpreußen berichtet oder sich beim Gebet am Bett filmen lässt… mit fast beiläufiger Ruhe entlarven sich die Wackener hier vor Cho selbst, als sei die Kamera ein Beichtstuhl, als würden sie von der Kamera Absolution erbitten. Nicht umsonst beendet Trede jeden zweiten mit «Ne?». Auch Norbert Trenohr, einer der Miterfinder des Festivals, der aber wegen Frau und Kindern und Finanzgründen dereinst ausgestiegen ist und heute arbeitslos, während seine Ex-Kumpel das große Geld machen, gibt einen fast voyeuristischen Blick auf Schmerz und Neid frei und lässt vor der Kamera Ausfälle gegen polnische und russische Gastarbeiter ab, die den deutschen die Arbeitsplätze wegnähmen. Es scheint, als enthemme das Objektiv, als würde die Dokumentarfilmcrew die Bürger animieren, sich selbst zu inszenieren, sich selbst in Stories zu casten, die einer RTL-II-Reality-Soap entsprungen sein könnten.
Das Full Metal Village aber eben nicht bei einem Trash-Sender im Vormittagsprogramm nudelt, sondern auf Arte und im Kino, liegt daran, dass die Inszenierung stets behutsam und leise ist, ein Auge und ein Ohr für Zwischentöne hat, und bei allem grellen Humor, der immer zu fast hysterischem Lachen zwingt, zur Rührung fähig ist. Village ist ein brüllkomischer Film, und schafft es zugleich, sich niemals über die Subjekte des Films wirklich lustig zu machen. Wenn der örtliche Priester zunächst voller Toleranz und Nächstenliebe den Black Methal… äh Metal-Fans bescheinigt, dass sie gar nicht so schlimm seien wie ihr Ruf, um wenig später im Film seine Familie ins Auto zu setzen und die Flucht zu ergreifen, dann ist das komisch, ehrlich und entblößend zugleich. Und die Abgründe, die man hier sieht, daran kann kein Zweifel sein, würden sich in jedem Dorf in Westfalen, Baden-Würtemberg, Bayern wiederfinden… und einen ähnlichen Film könnte man sicher auch über urbane Stadtteile drehen. Die ländliche Idylle erweist sich – ebenso wie die urbane Hipness – als dünnes Makeup, unter dem jederzeit die Narben, die Akne und der dünne Schweißfilm des stinkenden Lebens erahnbar bleibt. Frustrierte Hoffnungen, gescheiterte Träume und die Erkenntnis, das es keinen Weg zurück gibt, um sich noch einmal anders zu entscheiden. Was bleibt, universell, ist Seufzen. Um so grandioser, dass Cho es schafft, uns an der Dorfjugend vorzuführen, wie sinnlos und absurd diese Träume heute geworden sind. Wenn Kathrin und ihre Freundin sich zwischen Heu und Dreck Schminktipps an die Wand heften und auf einem Bauchtrainer à la Ottoversand an der Modelfigur arbeiten, dann wird die ganze Tragik dieser Generation und ihrer Luftblasen deutlich, und auch, wie unwahrscheinlich sich die Welt geändert hat zwischen dem, was Kathrin will und dem, was ihre Großmutter erlebt hat.
Die Invasion der Metalheads – mit allerlei Zeichen und Omen inszeniert, eben ganz im Stil des Katastrophenfilms – ist dann an sich natürlich ebenfalls ein Clash of the Cultures, der komisches Potential birgt. Die Zeltinseln, der exzessive Alkoholeinkauf, der Look und die permanenten «WACKEN»-Shoutouts. Aber auch hier zeigt sich wieder die Reaktion des Dorfes als das spannendere Moment. Ein altes Paar, das stocksteif neben einem Verkaufsstand sitzt. Uwe Trebe, der zum Bonanza-Chaf mutiert und mit Bierstand und Trecker-Quadbike die Organisation der Freiwilligen übernimmt. Mit einer soliden Mischung aus Gier und Verwirrung setzt sich Wacken mit dem Einfall der «Teufelsanbeter» auseinander, versucht zu überleben und dabei möglichst viel Geld verdient zu haben. Das ganz normale Leben also.
Village schafft alles, was sich andere Filme nur vornehmen. Lustiger als alles an deutschem Comedy-Output zusammengenommen und zugleich mit mehr Tiefgang als jeder beliebige deutsche Problemfilm, hat Cho ganz im Stile eines Michael Moore gearbeitet und ihre Dokumentation zu einem keineswegs trockenen, sondern hochunterhaltsamen, nach allen Regeln der Dramaturgie geschnittenen Pop-Event gemacht, das zunächst wie Zuckerwatte schmeckt und dann einen vergifteten Kern enthüllt, bei dem man sich ständig fragt, ob den Leuten vor der Kamera eigentlich bewusst war, was sie da so sagen. Die verblüffende Leistung von Full Metal Village dabei aber ist nicht nur der richtige Mix aus dadaistischer Komik und tragischer Ehrlichkeit, sondern vielmehr, dass der Film niemals auf Trash-Doku-Soap-Format abrutscht, sondern immer auf eine stille Art liebevoll, ruhig und sanft mit den Menschen vor der Kamera umgeht. Als wäre Cho bewußt, daß gerade, die, die sich hier der öffentlichen Lächerlichkeit preisgeben, eine tiefere, wahrere innere Größe aufweisen.
9 Kommentare
UND NOCH’N PLANET
Kleiner Test für die Bevölkerung von Planeten. Es gibt noch etwas Probleme in Räumen, weil wir kein Stativ haben, das sauber um den Nodal Point der Kamera dreht. Marian bastelt vielleicht etwas. Dienstag und Mittwoch geht jedenfalls die Photographie in Bielefeld los und das Wetter wird gut… perfekt.
7 Kommentare
KÖRPERKRIEGE

Der Traum von Schönheit durchzieht Gregor Webers Tanzperformance Körperkriege, eine episodenhafte, unstete Auseinandersetzung mit Körperkult, Unsicherheit, Schmerz, Häßlichkeit und eben… Schönheit. 17 Tänzer/innen und Schauspieler und zwei grandiose Live-Musiker, Mundharmonika-Magier Eric Zeiler und Michael Braun am akustisch-elektrischen Drumkit, schaffen im Kölner Arkadas-Theater eine bewundernswerte Gratwanderungzwischen absurder Komik und tatsächlich anrührenden Momenten.
Dabei ist Tanztheater stets ein Pokerspiel. Ein bißchen zu viel und es wird platt und aufdringlich, ein bisschen zu wenig und es bleibt inkommunikabel, verwabert. Und sicher gibt es auch in Körperwelten, gerade weil es fast wütend zwischen Tanz und Performance, Comedy und Aktionskunst oszilliert, auch den einen oder anderen Durchhänger. Die furiose Showeinlage mit dem ominös bayrisch-wienerischen Akzent der Schauspieler Isabell Brenner und Robert Christott wirkt seltsam albern und comedygeschädigt, während ihr Dialog über Bodymorphing und Schönheitswahn – «Ich bin für alles offen» – die richtige Balance zwischen funny und bitter trifft. Aber alles in allem gelingt dem Butoh-Tänzer, Choerographen und Regisseur Weber hier eine überzeugende, nie langweilige Mischung aus Improvisation und Inszenierung, an der vor allem der Mut zur Grenzüberschreitung beindruckt. Performancetanz ist mehr und mehr ein Abtasten des Möglichen geworden und so darf natürlich auch hier eine Interkation mit dem Publikum nicht fehlen – die aber so furios abgeht, das man einfach Spaß dran haben muss. Kaum aus dem Ei geschlüpft und nach den ersten unsicheren Schritten über die Bühne finden sich Paare anhand ihres ähnlichen Looks zusammen und werfen sich – was sonst – direkt in die erste Gameshow des Lebens, in die Peer-Pressure, ins Bodystyling, in die Liebe (oder doch zumindest den Sex). In einem wilden Mix aus klassischem Tanz, Performance, Showeinlagen arbeitet sich Webers Truppe zu einem bizarren Finale empor, das wie ein Wunschkind von David Lynch und Michael Ninn wirkt. Eine der Darstellerinnen wird nackt, mit verhülltem Kopf, in einen Holzrahmen gefesselt und mit Wäscheklammern malträtiert. Nichts, was man nicht von einem gemütlichen BDSM-Nachmittag kennen würde, aber die Transformation von pornographischen Körperfetisch zu Tanzkunst funktioniert durch die großartige Musik und die Surrealität des Bühnenbildes. Als Schockmoment wirkt das Ganze gemessen an realen Bondage- und SM-Inszenierungen fast etwas schwach, zu wenig ritualisiert, brav… im Kontext eines Tanzstückes, das sich mit Körperkult, mit der gesellschaftlichen Vorstellung von «Schön» und «Abstoßend» befasst, macht die Einlage durchaus Sinn. Und wenn es den ein oder anderen braven Kulturkonsumenten doch schockt, umso besser.
Überhaupt beweist Webers Konzept Willen zum Abseitigen. Nicht nur, weil mit Leslie Mader und Andrea Eberl zwei blinde Schauspielerinnen/Musikerinnen auf der Bühne mitmachen und perfekt in die Inszenierung eingebunden sind, sondern auch, weil seine Performer keine perfekten Körper haben. Wenn sich die bodyincrises-Mannschaft im Finale entblättert und wie in Zeitlupe langsam nackt mit dem Rücken zum Publikum an die Wand des Theaters positioniert – unfreiwillig an die Kommune 1 erinnernd -, wird tröstlich klar, dass auch die Körper von Schauspielern und Tänzern nicht makellos und und unverwundbar sind, die Performer, die durch alle Altersgrenzen gehen, zeigen – aus der Mitte von groß nach klein gestaffelt – eine seltsame Landkarte menschlicher Körper, eine Zeittafel von Verfall und Verwundbarkeit. Und aus dieser Nacktheit gelingt es ihnen, mit etwas Licht, mit angespannten Muskeln und rein durch die Inszenierung der Masse von Körpern – ein letztes Schaubild, ein Monument aus Körpern zu errichten im ultravioletten Licht gebadet, eine Impromptu-Skulptur aus Fleisch, in der der einzelne mit seinen individuellen Makeln untergeht, Teil einer Welle wird. Das dieses letzte Bild zugleich eine Videoclip-Ästhetik bedient, das etwas berechenbar imposante Bild einer verzweifelten Woge aus Menschen, die sich gegen eine undurchdringliche Wand auftürmen, sei’s drum. Tanztheater Post-Bausch lebt nun einmal von Inszenierungseffekten dieser Art und bedient sich unweigerlich aus dem Pool von Bildern und Ideen, die in anderen Medien präsent sind.
So bietet Körperkriege nichts wirklich neues oder ungesehenes, aber in dieser Kombination einen überraschend schnellen, nie kopflastigen, immer überzeugenden Ensemble-Auftritt, den man sich am 22.04. wirklich noch einmal im Arkadas-Theater anschauen sollte.
Keine Kommentare
KNOW
We insist that students be absolutely motivated and dedicated to their work, with a lot of initiative. The most important thing is not to know, but to know how to know.
…
Katherine McCoy
(Rick Poynor: Design without Boundaries)
Keine Kommentare
DRIFT
The Thing that I think is most interesting about technology is not having a result in mind, to suspend making judgements about things, to use it as a watery, intuitive, playful form of primary consciousness… to drift and float…
April Greiman
(Rick Poynor: Design without Boundaries)
Keine Kommentare
BE SILLY
If people never did silly things nothing intelligent would ever get done.
Ludwig Wittgenstein
Keine Kommentare
FAST FRIDAY
In letzter Zeit zeig ich im Blog nicht mehr so viel akute Arbeiten, weil ich es etwas langweilig finde, sich nur selbst online so zu hypen, ist nicht der Sinn der Sache hier. Aber heute sind – nachdem wir ja lange durchgehend an einem Projekt gearbeitet haben und zwei andere größere langfristigere Sachen in Vorbereitung sind – wirklich schön schnell zwei Sachen aus mir heraus, das war einfach nice. Und das tolle ist, beide lassen sich online kaum darstellen :-D.


Zum einen eine kleine Einladungskarte, 1/4c… ich habe aber den Text auf der Rückseite entfernt, damit nicht plötzlich jeder zu der Party will :-D. Ich mag den Font, Victor, sehr, der geht echt schön auf die Augen. Auch wenn das online kaum gut kommt, weil die Schärfe durch das Antialiasing leidet. Im print ist das besser. Damit – oder mit etwas ähnlichem – mache ich sicherlich noch einmal was «richtiges». Hat etwa eine Stunde gebraucht.









Und ein erster Entwurf für die Fifo-2007-Einladung, noch mit Blindtext. Gedacht als 2c, Schwarz und Gold, Glossy Paper, 12 x 12 cm Broschüre (CD-Booklet-Format), wenn ich das Budget kriege mit transparentem Acetat-Folien-Cover. Hat etwa zwei bis drei Stunden gebraucht, auch wenn Marian natürlich fast drei Tage an Wireframe und Zerlegen des Motors gesessen hat.
6 Kommentare
SARAH KUTTNER IST MEINE KLEINE SCHWESTER!
Jedenfalls klingt sie in der letzten April-Neon irgendwie so…
«Aber mir wird ja auch viel schneller langweilig als allen anderen Menschen.»
«Ich würde jederzeit vier Stunden Umleitung in Kauf nehmen, um eine Stunde im Stau zu vermeiden.»
«Ich habe generell ein Problem mit Langsamkeit. Und ich bin impulsiv.»
«Ich hab mir oft vorgenommen, langsamer zu reden, aber… der Sprachtrainer meinte, bei mir sei nichts zu machen.»
«Ich tippe nur mit zwei Fingern und ständig daneben. Aber das verdammt schnell.»
«ich denke beim Reden nach.»
«Ich benutze nur mehr Worte als andere, um dasselbe zu sagen. Das nervt vielleicht, aber es kann auch unterhaltsam sein.»
«Ich verfüge über körpereigene Drogen.»
«Ich kann mich wahrscheinlich darauf verlassen, dass auch künftig in meinem Leben nicht alles glatt und sauber und vernünftig laufen wird. Weil ich so schnell bin, dass ich mir früher oder später immer selbst im Weg stehe. Aber genau dann wird’s auch oft lustig.»
Und sie hat einen soliden Männergeschmack :-D. Welcome to the Family.
Das ganze Interview in der Neon, der Brand Eins für alle Lesefaulen.




