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NEW X-MEN

Comics sind als serielles Erzählmedium einen weiten Weg gegangen und haben seit den frühen Achtzigern bewiesen, dass es sowohl im Mainstream- als auch im Independent-Bereich des Mediums Autoren gibt, die die narrativen Möglichkeiten der Kombination von Bild und Text in langen, übergreifenden «Arcs» perfekt ausnutzen können. Nicht ohne Grund sind zahlreiche Filme und vor allem auch die Struktur nahezu aller erfolgreicher neueren TV-Serien an den klassischen Plotaufbau moderner Comics angenähert.

Dennoch ist es eine Ausnahme, wenn in der tiefsten Mitte des Mainstreams, also bei Franchises wie Superman, Batman, Spider-Man oder X-Men, die ihren Inhabern Millionen bescheren und insofern leider meist eher konservativ behandelt werden, auf einmal aufsehenerregendes passiert. Als Marvel Anfang 2000 den eher für subversive Comics wie The Invisibles oder Kill Your Boyfriend bekannten Grant Morrison, der eben erst mit JLA bewiesen hatte, dass er auch sehr wohl Mainstream-Blockbuster schreiben kann, in das Herz der Schatzkammer ließ, um New X-Men zu schreiben, ahnte wohl selbst bei Marvel niemand, wie ernst Grant diese Chance nehmen würde.

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28. Februar 2007 10:43 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

KLASSIK VS DNB

Seit ewig liege ich diversen Generalmusikdirektoren in den Ohren, sich einem neuen Publikum zu öffnen, durch den Crossover von Klassik und moderner anspruchsvoller Musik. Im Elektronika und Indiebereich gibt es einiges, was sich zum Arrangement mit einem großen Orchester anböte.

Auf der anscheinend halbtoten Spex-Site finde ich jetzt den Hinweis, dass endlich endlich endlich einer damit loslegt, direkt um die Ecke sogar.

Apropos Elektronika. Wie mag das klingen, wenn Drum&Bass auf Klassik trifft? Den Versuch wagen die Phoneheads am 14. März. Zusammen mit den Düsseldorfer Philharmonikern werden die Phoneheads-Alter-Egos Philipp Maiburg und Michael Scheibenreiter zu ihrem 10-jährigen Jubiläum ein Konzert in der Tonhalle Düsseldorf geben. Mit insgesamt 45 Musikern! Zur Erinnerung: So wirken die Phoneheads schon alleine.

Feinfein.

27. Februar 2007 13:32 Uhr. Kategorie Musik. 9 Antworten.

STEFFI FRAGT 13

Ich habe noch ein paar Steffi-Fragen gefunden. Und diese passt perfekt zur gerade anlaufen Produktion des Frühjahrs-Katalogen von Kaupp ;-).

Steffi fragt:
Du bekommst 1000 Euro, wenn du einer Person den kompletten Kaupp-Katalog der letzten Auktion vorliest. Du musst allerdings selbst eine Person finden, die das mitmacht. Sobald die Person während des Lesens einschläft, musst du beim letzten Kapitel wieder beginen. Würdest du das versuchen?

12:09 Uhr. Kategorie Stuff. 6 Antworten.

KLAXONS: MYTHS OF THE NEAR FUTURE

Es gibt nichts neues mehr und jetzt kommt der Rave zurück. Wo andere Combos wie die Infadels eher von Acid-treibenden 606-Bässen angetrieben sind, lassen sich die Klaxons eher von den Inspiral Carpets und den Charlatans inspirieren, verweben die Reminiszenz an die 90er aber geschickt mit neuen Einflüssen und schaffen so ein Dancefloor-Rave-Gitarrenpop-Monster, das sich gewaschen hat. Da reiht sich ein fast Chemical-Brothers-tauglicher Track wie Atlantis to Interzone an einen geradlinigeren wunderbaren Augen-zu-und-tanzen-Beat wie It’s not Over Yet. Die smooth perlende Openernummer Two Receivers mit einem schwer Peter-Hook-geschädigten hellen Basslauf wird gekontert von einem surrealen und herrlich selbstironischen Monstertrack wie Four Horsemen of 2012. Myths of the Near Future ist ein durchweg gut gelauntes Album, mit nie langweiligen Songs, die sich für Tanzfläche und Walkman gleichermaßen eignen. Richtig neu ist das alles nicht, aber eine schöne gut gelaunte Ladung Pop mit gerade genug Edge, um nicht langweilig zu werden.

26. Februar 2007 21:59 Uhr. Kategorie Musik. 4 Antworten.

PANS LABYRINTH

Guillermo del Toro hat sich mit Hellboy und Blade 2 als phantasievoller Low-Budget-Visualist empfohlen, aber nicht unbedingt als Storyteller, zumal es sich bei beiden Filmen und bestehende Franchises handelt. Sein neuer Film, Pans Labyrinth von ihm geschrieben, produziert und auch als Regisseur betreut, erzählt die Geschichte der kleinen Ofelia (großartig gespielt von Ivana Baquero), die 1944 nach dem Bürgerkrieg zu Zeiten des Franco-Regimes in Spanien mit ihrer schwangeren Mutter zu ihrem Stiefvater Capitan Vidal reist, der sich schnell als unmenschlicher und grausamer, innerlich durch den Tod seines Vaters verkrüppelter Sadist herausstellt, der nur auf den Sieg gegen die Guerillas und die Geburt seines Sohnes fixiert ist. Sergi López gibt Vidal mit einer seltsamen Intensität, die oft in Richtung Overacting abzurutschen droht, aber nie wirklich lächerlich oder allzu übertrieben wirkt. Der Faschist wird nie zum Räuber Hotzenplotz, und das obwohl die Bösen in del Toros Film eindeutig, nahezu pulp-artig überzeichnet wirken. Ofelia flieht sich vor dieser grausamen Realität, die ihrer Mutter schließlich das Leben kostet, in eine Phantasiewelt von Feen und Dämonen, in der sie eine lang verschollene Prinzessin ist, die sich durch drei Prüfungen der RÜckkehr in ihr Königreich würdig erweisen muss. Oder… ist es nur eine Phantasie?

Die große Stärke des Films ist diese offene Frage, ob Ofelia sich ihre Phantasiewelt nur einbildet oder ob sie real ist. del Toro gibt Hinweise, die beide Möglichkeiten untermauern würden, und so darf der Zuschauer wohl selbst entscheiden. Diese Ambivalenz verhindert, dass Pans Labyrinth allzusehr in einen kitschigen Film über die Kraft der Träume und der Liebe abstürzt. Denn die Realitätsebene, so überzeichnet sie auch sein mag, erzählt eine böse Geschichte ohne Hoffnung, die so ganz und gar nicht an einen der üblichen Fantasy-Kinderfilme erinnern mag. Die Kampf- und Folterszenen, aber auch die Verstümmelung des Capitans durch seine Magd Mercedes, gehen weit über das Maß an Grausamkeit hinaus, dass man in so einem Film erwarten würde. Während auf der anderen Seite die Struktur der Geschichte und die Naivität der Fantasy-Elemente für einen Erwachsenen-Film zu eindimensional geraten sind. Wenn man so will, hat del Toro die Narration eines Kinderfilms mit der Visualisierung eines Erwachsenenfilms gekoppelt. Und so etwas geschaffen, was stellenweise kraftvoll und überraschend und seltsam unwirklich wirkt. Denn die Elemente der Fantasy-Welt, wie etwa die Szene unter dem Baum, das augenlose Monster oder das Blutopfer am Schluss, sind alles andere als sanftmütig. Del Toro lebt sich bildstark in fast McKean-artigen Tableaus aus, die von einem wunderbar unaufdringlichen Score untermalt sind. Es ist eine mitunter verwirrende Mischung aus Brutalität und Naivität, die Pans Labyrinth auszeichnet. Vielleicht hätte dem Film eine etwas erwachsenere Geschichte gut getan, so wie es ist, fühlt sich der Film manchmal an wie Alice In Wonderland as directed by Wes Craven. Die eindeutig märchenhafte Simplizität der Geschichte und die visuelle Verneigung vor dem Horrorgenre ergeben eine Mischung, die im besten Sinne an die Morbidität der prä-Grimmschen Märchenkultur erinnert. Vielleicht kann ein solcher Mix nur als Low-Budget in Mexiko entstehen, wo Märchenwelt und Blut noch enger verwoben sind und wo die Happy-End-Mechanismen Hollywoods nicht weichspülernd eingreifen können.

Pans Labyrinth ist kein großartiger, aber ein sehenswerter Film mit wunderbaren schauspielerischen Einzelleistungen, der die Realität nicht als Ausrede für eine Fantasy-Orgie nutzt, sondern ungewöhnlicherweise deutlich mehr in der realen Welt spielt als in der Märchenwirklichkeit. Tricktechnisch absolut überzeugend, mit unverbrauchten aber fähigen Darstellern und einem angenehm unterproduzierten Flair, empfiehlt sich del Toro hier für größere Aufgaben. This is not your Daddy’s Harry Potter.

12:30 Uhr. Kategorie Film. 3 Antworten.

THE SHINS: WINCING THE NIGHT AWAY

Das dritte Album der Shins zementiert die aus New Mexico stammende Band eindeutig als kommerziellen Riesenerfolg und das zu recht. Die Shins schütteln großartige Riffs und Melodien entspannt aus den Ärmeln und machen Gitarrenpop der Oberliga, wie schon der Openertrack Sleeping Lessons zeigt. Aber auch die normalerweise etwas ruhigeren Tracks, wie der aktuelle Auskoppler Phantom Limb kommt entspannt daher, in etwa wie die ruhigeren Foo Fighter, ohne dabei wirklich jemals in Pathoslangeweile abzurutschen. Es ist verblüffend, wie britisch, wie Smiths-inspiriert die Band klingen kann, um im nächsten Moment die Beach Boys oder straighten US-Grassroots-Rock zu zitieren. Wie bei gutem Kaffee wirkt der Verschnitt der einzelnen Elemente immer gut ausgewogen, niemals forciert. Wenn ein Track wie Sea Legs überraschend elektronisch arrangiert wirkt, beisst sich das keine Sekunde mit der Akustikgitarrenatomosphäre von Black Wave. Wincing the night away ist eine seltsam ausgewogene, niemals langweilige Platte, die mich seltsam an The Church erinnert oder an The Chills, angenehm in der Zeit verlorene Singer-Songwriter-Musik ohne Posertum. Die ausgezeichnete Produktion kleidet James Mercers Stimme in feinsten Samt und verzaubert ihn in den besten Momenten von Songs wie Girl Sailor in einen jammerfreieren Morrisey, entspannter, more laid back, mit weniger Weltschmerz-Pose. Insofern ist Whinicing the night away ist im großen und ganzen der perfekte Soundtrack zu dem beginnenden verregneten Frühling.

25. Februar 2007 15:21 Uhr. Kategorie Musik. 7 Antworten.

DAVE MCKEAN WORKS AT THE CIRCUS

Hier erzählt der von uns allen kollektiv angebetete Dave McKean etwas über seine Arbeit am neuen Box-Set der Circus-Live-CD von Ex-Velvet-Undergroundler John Cale.

24. Februar 2007 17:26 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.

HOT CHIP: THE WARNING

Offensichtlich von Soul und Funk der 70er und 80er geschädigt und von zu viel zu viel Telespiel-Soundtracks geprägt, legen Alexis Taylor, Joe Goddard und der Rest von Hot Chip auf ihrem zweiten Album The Warning von 2006 einen seltsamen Musikmix hin. Breakbeat, D’n’B-Bässe, dazu übelste Synthiepop-Flächen und ein an New Order gemahnender körperloser, von der Musik entfernt schwebender Gesang wehren sich standhaft gegen jede Einordnung in musikalische Schubladen.

Der offensichtliche Hit des Albums ist When I was a Boy from School, eine entspannt-konzentriert nach vorn stampfende Nummer mit herrlich eingehendem Gesang und einem himmlichen Refrain, wie geschaffen für die Heavy Rotation und – leicht remixed – sicher auch für die Clublandschaft. Over and Over hat mit verzergeltem Bass und leicht schräger Gitarre die Indieclubs bereits erobert. Andere Tracks sind weniger zugänglich, wie das stotternde Colours oder das monoton atonale Won’t Wash. Hot Chip schaffen mühelos die Balance zwischen wirklich angenehm hörbaren Pop und Klangstrukturen, die wuchtig, bedrohlich und verunsichernd wirken können. Gerade so, als sei in Zuckerwatte ein giftiger Zyankalikern, der erst noch so köstlich nach Mandeln riecht, das man nicht merkt, was man da eigentlich isst. Haben Hot Chip einmal die Haken in dir, lässt die Musik dich nicht mehr los und unter der Glossyness des scheinbar harmlosen Retro-Synthiepops entdeckt man skurrille und angenehm nerdige Ideen, die das oft eben doch zu weichgespülte Album zu einem insgesamt guten entspannten Trip machen.

10:21 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

GOSSIP: STANDING IN THE WAY OF CONTROL

Hinter diesem unsagbar schrecklichen 80er-Fake-Cover (an dem angeblich Sonic-Youth-Fee Kim Gordon mitgewirkt haben soll, so maybe it’s art) verbirgt sich die aus Arkansas stammende Cobo Gossip, die hier mit diesem von Fugazi-Sänger Guy Piciotto produzierten dritten Album in Deutschland von L’age D’or gesigned wurde – und den Blues hört man der Band an. Sängerin Beth Ditto kann auf einem sparsamen, Strokes-puren Teppich aus Schlagzeug, Bass und Gitarre ihre laszive und düstere Stimme loslassen wie einen Tiger. Selbst ein extrasparsamer Track wie Dark Lines lässt keinen Zweifel an der sumpfigen Südstaaten-Herkunft von Gossip, die sich in den mehr nach vorn gehenden Nummern zu indiechartkompatibler Form hochjazzt. Wer die White Stripes, die Yeahyeahyeahs und andere artverwandte Combos mag, wird sich bei Gossip schnell willkommen fühlen, wer andererseits Patti Smith und Janis Joplin mag, sicher auch. Ein etwas seltsamer, effektiv aber gelungener und durchaus zeitloser Brückenschlag zwischen ziemlich rootsnah gebliebenem erdigen Bluesrock und aktuellen Indie-Charts – wie Jealous Girls oder der Titeltrack Standing in the way of control belegen, die wuchtig und unprätentiös zwischen Punk, Rock und Darkdisco surfen, ohne dabei eine Sekunde auch nur annähernd so zu klingen wie die Flut der derzeit angesagten Indie-Combos. Aufgrund von Dittos ausschweifendem Gesang keine Platte, die man immer und überall hören muß, aber sicher die Sorte Musik, die auf dem Dancefloor und beim zu schnellen Autofahren für den richtigen Spaß sorgt.

23. Februar 2007 21:07 Uhr. Kategorie Musik. 4 Antworten.

LA VIE EN ROSE

Nichts ist derzeit auf den Leinwänden so begehrt wie Künstlerbiographien. In unserer Celebrity-Kultur ist die Mystifizierung des Stars inzwischen an dem Punkt angelangt, wo das Leben besonderer Ikonenfilmstoffreif ist. Das bedeutet für diese Filme zumeist eine Gratwaderung zwischen der nachprüfbaren – und von den Verehrern der Stars geforderten – Authentizität, und der für das Kino nötigen Dramatisierung des Lebenslaufes, denn Direct Cinema soll ein solcher Film dann ja doch nicht sein, sondern massenkompatibles Populärkino. Die meisten Biopix folgen dabei einer recht berechenbaren Struktur (die bei Ray und Walk The Line ja nicht umsonst nahezu identisch ist), und auch La vie en rose gehorcht dieser allzu vertrauten Strategie. Auch hier steigen wir auf einem Höhepunkt der Karriere von Edith Piaf ein, auch hier folgt der Flashback in die traumatische Kindheit, auch hier spielen Drogen und Exzess auf dem Höhepunkt der Karriere eine Rolle. Und dennoch gelingt es Oliver Dahan, nicht ganz an den Stereotypen des Star-Movies kleben zu bleiben, zumindest ansatzweise eine eigene Note zu setzen. Und das obwohl der Flashback in die Kindheit der Piaf zunächst besorgniserregende Nachkriegsklischees zitiert und es mehrere Stellen gibt, wo man mit überaus vorhersehbaren Momenten konfrontiert ist. Aber der französische Hang zur Schnodderigkeit und ausgezeichnete darstellerische Einzelleistungen (Emmanuelle Seigner als fiktionale Hure Titine) reißen den Film immer wieder raus. Während das Drehbuch sich etwas vorhersehbar und oft auch vielleicht zu sehr an Piaf-Kenner wendend, durch die Biographie ackert – die arme Kindheit unter Prostituierten und Zirkusartisten, die Arbeit als singende Anschafferin, die ersten Clubauftritte bis hin zum Weltruhm, zur Drogensucht und zur Krankheit im Alter – und die Regie sich oft auch damit begnügt, in relativ braven zeitgenössischen Bildern zu operieren, lebt der Film vor allem von der atemberaubenden Einzelleistung der Hauptdarstellerin Marion Cotillard. Sind bereits die Kinder- und Jugenddarsteller ausgezeichnet – Manon Chevallier gibt eine kränkliche und blass-aufgedunsene, aber zugleich nahezu magisch wirkende fünfjährige Piaf, während die zehnjährige Piaf, gespielt von Pauline Burlet, aufmüpfiger, energetischer und absolut zum Verlieben ist – so schafft Cotillard es, völlig glaubhaft die erwachsene Piaf bis ins hohe Alter zu verkörpern, in allen Phasen ihres Lebens, von der jungen Frau bis zum alten, kranken Superstar. Wer weiß,wie die 1975 geborene Darstellerin wirklich aussieht, hat eine Ahnung von der hier gebotenen Leistung. Cotillard spielt sich die Seele aus dem Leib und schafft es so, die Balance zwischen Krankheit, Drogenkonsum, Zerbrechlichkeit und Straßenmädchenattitüde der Piaf wunderbar zu erfassen, ohne dabei jemals in allzu auffallendes Overacting zu verfallen – was ein leichtes bei der Piaf wäre -, sondern mit einer seltsam fragilen Balance, die ihrer Rolle unerhörte Kraft verleiht. Und rettet so den Film. Sehr erwähnenswert auch Sylvie Testud als Mômone. Überhaupt ist der Film bis ins Detail wunderbar besetzt.

Oliver Dahan spielt teilweise etwas derb mit den verschiedenen Zeitebenen, was vielleicht verwirrend wirken mag, aber zugleich wunderbare Effekte ergibt. Nahtlose Übergänge und multiple Zeitsprünge erheben den Film über die allzu lineare normale Starbio, auch wenn die grundsätzliche Struktur leider eben doch konservativ bleibt – so wird beispielsweise natürlich am Ende La vie en rose gesungen als (etwas absehbares) emotionales Highlight. Insgesamt bleibt die Regie etwas fahrig, streiflichtartig. Dahan macht nichts verkehrt, aber irgendwie fehlt eine letzte emotionale Note, um aus einem guten Film einen exzellenten zu machen. Wir rasen etwas zu schnell durch die Abschnitte und Tragödien der Piaf, ohne die meisten Figuren um sie herum wirklich kennen zu lernen, ohne wirklich mitfühlen zu kölnne, so als würde uns ein unruhiger Museumsführer hastig durch die Highlights einer Ausstellung jagen, weil das Museum schon bald die Pforten schließt. Etwas mehr Ruhe und Tiefe hätte dem Film einerseits also vielleicht gut getan, andererseits entsteht so auch eine Sogwirkung, die dich kraftvoll und ohne unnötigen Ballast zum Finale zieht. Dahan vertraut (vielleicht zu Recht) absolut seiner Hauptdarstellerin, die alle Zweifel und alle Bedenken gegen die Regie furios an die Wand spielt und den Film letzten Endes zum absolut sehenswerten Erlebnis erhebt.

11:15 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

BEIRUT: GULAG ORKESTAR

Noch ein Album aus 2006 – Zach Condons Beirut-Projekt klingt nach allem, aber nicht nach einer Platte, die in New Mexico eingespielt wurde und erst recht nicht nach einem Solisten, der nur auf einigen Tracks von zusätzlichen Musikern begleitet wurde. Vielmehr klingt es nach einer dieser großartig durchgeknallten melancholischen osteuropäischen oder skandinavischen Combos – und die sehr europäisch anmutenden Songtitel wie Prenzlauerberg oder Bratislava und das aus einem alten Buch herausgerissene Coverphoto unterstreichen diesen Anspruch. Beirut irrlichtert zwischen Volksmusik und Popmusik wie seit Dead Can Dance kaum ein Projekt, mit Ukulelen, Trompeten, seltsam primitiver Perkussion und einer wunderbar entsetzlich klingenden Produktion. Gulag Orkester ist so seltsam wie der Titel des Albums vermuten lässt, eine Platte, deren Surrealität aber aufrichtig wirkt und nicht als bloßer Balkanpop-Hype ankommt, was auch die auf der CD beigepackte Lon Gisland-EP deutlich unterstreicht. Emotional irgendwo zwischen Kaiser Orchestra und Amélie-Soundtrack, aber dreckiger und echter, ist Gulag Orkester ein seltsam beschwingtes und trotzdem trauriges Stück Musik, ein seltsam glücklicher Crossover und die vielleicht unwahrscheinlichste Camouflage-Platte des letzten Jahres.

21. Februar 2007 20:43 Uhr. Kategorie Musik. 5 Antworten.

NINE HORSES: MONEY FOR ALL EP

Was soll ich sagen? Es ist Nine Horses, es ist David Sylvian. Natürlich ist die Sache gut. Sylvian, sein Bruder Steve Jansen und das Kölner Elektronik-Wunderkind «Burnt» Friedmann produzieren eine handvoll neuer Tracks und ein paar hörenswerte Remixes vom Snow Borne Sorrow Album. Wie stets wenn Sylvian im Spiel ist, hast du hier alle Erwartungen bereits am Eingang abzugeben. Selbst für «nur» eine EP überrascht Money for all mit einer Bandbreite von klassischem Songwriting bis zu dichtem Programming, zusammengehalten von Sylvians mitternächtlichweicher Stimme. Das Nine Horses Projekt entzieht sich jeder Kategorisierung, verbindet und überschreitet alle Genregrenzen und ist ganz im Sinne von Sylvians Gesamtwerk einfach nur noch gute Musik, jenseits aller Schubladen. Es ist beeindruckend, wie der Mann über die Jahrzehnte hinweg heterogen und experimentell und frisch bleiben kann und doch unweigerlich in allen Konstellationen eine Handschrift hat, die ein ganzheitliches Oeuvre, eine Textur ergibt, eine Melancholie, die dich wie ein gutes Buch durch die Nacht begleitet. Unbedingt kaufen und das Album direkt dazu.

20. Februar 2007 23:09 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

BLOC PARTY: A WEEKEND IN THE CITY

A Weekend in The City, der zweite Longplayer von Bloc Party, liegt hier auch schon seit Wochen und wartet auf Rezension, wie zig andere CDs auch, die inzwischen eigentlich auch alle nicht mehr so aktuell sind. Silent Alarm war definitiv mein Album 05/06, nachdem Bloc Party mich schon 2004 mit den ersten EPs ungemein beeindruckte. Eigensinnige Kompositionen, die sich einen Dreck um A-B-C-Schemata scheren, ungewöhnlicher Einsatz der Drums und der hochgradig einprägsame Gesang von Kele Obereke, rücken diese Combo für mich in eine Sphäre, die für Bands wie The Smiths reserviert ist. Und wie bei Morriseys Ex-Band ist es auch bei Bloc Party so, dass der Erstling zwar weniger homogen wirkte als die sets schwierige zweite Platte, dafür aber deutlich mehr Pfund und Energie hatte als das zweite Album. A Weekend beginnt fulminant mit Song for Clay und Hunting for Witches und The Prayer ist ein so genialer Brückenschlag zwischen Indie und Pop, das man diesen Song nicht laut genug preisen kann… aber gegen Ende des Albums hat man sich an immer gleichen Strukturen und Ideen etwas satt gehört – ein Effekt, den Silent Alarm keine Sekunde bei mir hatte. Positiv formuliert finden Bloc Party hier also ihren Stil, negativ formuliert landen sie auch in einer Schublade. Wie Meat Is Murder gegenüber Hatful of Hollow zugleich einen Vor- und einen Rückschritt darstellte, so ist auch Weekend berechenbarer, gleichförmiger, präsentiert eine Band, die sich stilistisch gefunden hat und bei der eine hochspannende Suche anscheinend abgeschlossen ist. Harmonien, Rhythmen, Strukturen, Hooks und Gesanglines sind dann doch recht selbstähnlich geworden, glatter. Was bleibt ist großartiger emotionaler Pop zwischen druckvollen Gitarren und moderner Ballade jenseits von Coldplay oder U2 und eine professionelle Produktion, die voller liebevoller und Details steckt, ohne Druck zu opfern. Weekend ist ein absolutes Must-Buy-Album, ein großartiges Stück Musik… aber die zum Niederknien schmerzhafte Ehrlichkeit des Debutalbums und der ersten beiden EPs erreicht es nicht mehr wirklich.

19. Februar 2007 18:55 Uhr. Kategorie Musik. 16 Antworten.

MIRA CALIX: EYES SET AGAINST THE SUN

Chantal Passamonte bezaubert auf ihrem neuen Mira-Calix-Album wieder mit ungewöhnlichen Soundexperimenten, denen man anhört, dass Passamonte mit Sean Booth, einer Hälfte des Autechre-Duos, vermählt ist. Wärmer und ruhiger als jene Band, bezaubern die zehn Tracks von Eyes Set Against The Sun mit akustischen Instrumenten, insektenhaften Flirrgeräuschen, Waldrauschen und lasziven Stimmen, die einen trockenen, hypnotischen Soundtrack ergeben. Wie minimalistische, oft anstrengende Hörspiele dringen surreal-multitimbrale Geräuschkulissen aus den Boxen, die am besten konzentriert, mit geschlossenen Augen, angehört sein wollen, zu Geschichten werden. Wie so oft bei Acts des Rough Trade-Warp-Labels bewegt sich das Calix-Projekt an der Grenze unserer Hörgewohnheiten und bietet im besten Sinne neue Erlebnisse und Stimulationen, die sich nicht einfach so im Hintergrund weghören lassen. Die Musik von Passamont verweigert sich der gemütlichen Konsumation. Die düsteren, scharfkantigen Audioscapes sind nie versöhnlich, immer herausfordernd, mehr moderne E-Musik als Pop. Akustische Harmonien werden aufgebaut und verschwinden in Laptop-Sequencing-Dissonanzen, wirre Kakophonien kippen schlagartig in gesampelte und verdichtete Naturambiencen um. Das beste Wort für die Musik von Chantal Passamonte ist «verschroben», und das im liebevollsten Sinne. Eyes Set Against The Sun ist ein wunderbares zerbrechliches Kunstwerk, ein seltsamer schwebender Grenzgang zwischen Natur und Elektronik, zwischen Absurdität und Melancholie.

18. Februar 2007 19:15 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

DER GUTE HIRTE

Manchmal frage ich mich, warum Stardarsteller bestimmte Stoffe so faszinieren,wenn sie im Regiestuhl Platz nehmen. George Clooney hat mit Confessions of a Dangerous Mind und Good Night and Good Luck zweimal die mediale Historie von Amerika aufgegriffen, und auch Robert de Niros zweite Regiearbeit arbeitet ein Kapitel der Geschichte der USA auf. Und wie bei Clooney gelingt de Niro ein ruhiger, wohltuend unkommerzieller Film, der zeigt, dass hervorragende Darsteller eben auch hinter der Kamera ihre Kollegen zu Höchstleistungen führen können. Vielleicht hilft, dass deNiro vor der Kamera mit den besten Regisseuren seiner Generation zusammengearbeitet hat und auf die Erfahrung von Leuten wie Scorsese oder Coppola bauen kann.

Die auf mehreren Zeitebenen simultan erzählte komplexe Story dreht sich um Edward Wilson, der ausgehend von den Verbindungen seiner Skulls & Bones-Elitestudentengruppe erst den OSS im zweiten Weltkrieg und später die CIA mitbegründet. Wir folgen diesem Großinquisitor der Gegenspionage durch die Jahre des zweiten Weltkriegs bis zum Kalten Krieg und zur Invasion der Schweinbucht in den frühen Sechzigern der Kennedy-Ära. Vor diesem Hintergrund erzählt DeNiro die Geschichte eines introvertierten Lyrikers, der nach und nach zum kalten einsamen Geheimdienstbeamten wird, zum Paranoiker ohne Familie und ohne Freunde. Der seinem Vaterland alles opfert, seine Ehe, seine Gefühle und schließlich auch seinen Sohn. The Good Shepherd erzählt diese Tragödie des Einzelnen in der Maschinerie des Cold War in behutsamen, leisen Bildern, die – wie die von Matt Damon reduziert gegebene Hauptfigur – kaum etwas preisgeben. Die Bedeutung, die Wucht der Ereignisse entfaltet ihre Wirkung als schleichendes Gift, ohne offenbare Dramatik, in Gesten, in Symbolen, in Assoziationen.

Robert DeNiro vertraut auf seine bis ins letzte Glied überwältigend besetzte Crew, die durch die Bank kontrolliert und reduziert spielt, und in deren Pokerface-Agentengesichtern Emotion nur selten, dafür aber um so heftiger durchbricht. Kleine Details erzählen persönliche Tragödien, während wir durch die Jahrzehnte reisen – eine gigantische Narbe an Alec Baldwins Hals, die Art wie Angelina Jolie sich beim Gehen an Stühlen festhält, die Körperhaltung von Damon. Der Film erklärt wenig, drängt nichts auf, der Zuschauer muss selbst hinschauen und entdecken, mitarbeiten, mitdenken. Insofern ist Shepherd auch ein Film, der bei oberflächlichem Betrachten vielleicht langweilig wirken kann, zumal die historischen Hintergründe als gegeben vorausgesetzt, nie erläutert werden. Wer sich also mit der Geschichte der USA und dem russisch-amerikanischen Kalten Krieg der Sechziger nicht auskennt, wird einiges verpassen und einiges vielleicht nicht verstehen, weil DeNiro keine Fußnoten liefert. Dass die CIA bei der Schweinebuchtinvasion mit der Mafia zusammenarbeiteten, wird nur angerissen und wer den Background nicht kennt, ist mit der Szene zwischen Wilson und dem Mafiosi allein gelassen, versteht nicht, dass Wilson hier ein weiteren moralischen Grundpfeiler verliert.

DeNiro gelingt so ein kammerspielartiger, leiser, langsamer, emotional druckvoller Film, dessen Kameraarbeit (von Richard Richardson) eine ungeheure subtile Wucht entfaltet. Es ist das Psychogramm eines Mannes – und anhand von Wilson auch seiner Generation der Kalten Krieger – dessen langsamer Abstieg in seine persönliche Hölle durch das stets regungslose Pokerface des ewigen Bubigesicht Damon umso kraftvoller wirkt. Shepherd ist ein Meisterwerk des Understatement, des dezenten Acting, der Film will ebenso decodiert werden wie eine Geheimbotschaft. Ich habe selten so einen europäisch leisen US-Film gesehen, der mit so wenig Mitteln so viel erreicht. Die einzig wirklich laute Stelle – das übertrieben metaphorische Brautkleid im Wind – stört hier zunächst fast, weil die Regie sich eine offensichtliche cinematographiche Poesie erlaubt und kurz die absolute Zurückhaltung aufgibt. Was die ganze Szene aber im Kontext nur umso effizienter macht. Ebenso wuchtig bricht die gewaltsame Folter des russischen Überläufers Mironov in die Ruhe des Filmes, eine herausragende Szene, deren wahre Kraft darin liegt, dass Wilson und wir WISSEN, wer hier der wahre Mironov und wer der Betrüger ist und dass Wison nur deshalb dem falschen Mironov glaubt, weil er sich mit ihm angefreundet hat und Angst hat, noch einen Halt einer Menschlichkeit zu verlieren. Und wir deshalb wissen,w as es für ihn bedeutet, wenn er den falschen Mironov später doch noch enttarnt.

Die Verwendung von Symbolik und Metaphern ist in Shepherd so klug und dezent eingesetzt, dass man den Film wahrscheinlich zweimal sehen muss, um bestimmte Motive zu verstehen. In literarischer Hochform transzendiert DeNiros Geschichte sich selbst, liefert einen vielschichtigen Plot, der nachdenklich macht und neugierig auf die neuere Geschichte der Vereinigten Staaten. Es ist kein CIA-Skandalfilm, aber ein Film über die menschliche Deformation im Amt. «Am Ende sind wir alle Angestellte», sagt DeNiro als von seiner Diabetes quälend langsam aufgefressener General Bill Sullivan an einer Stelle des Films, und das finale Bild von Wilson ist genau dies… ein Angestellter, Essenz des seelenlosen kafkaesquen Beamten, dem am Ende einerseits die Kraft fehlt, die Träume, die sein Vater für ihn hatte, wirklich zu leben, aber andererseits eben auch die Kraft, am Ende wie sein Vater einen Schlußstrich zu ziehen und Selbstmord zu begehen, der einfach weitermacht, weil es keine Alternative mehr für ihn gibt. Nach Vier Minuten ist es eine Wohltat, so viel emotionalen Impact so dezent und so entspannt präsentiert zu bekommen, ohne falsche Emotionalität, ohne störendes Pseudo-Drama. DeNiro entfaltet seine Geschichte via Vakuum, über das Nichtgezeigte, daß Ungesagte, die Pause. Er schafft einen Film, der zugleich eine große Erzählung amerikanischer Paranoia und Historie ist und doch einen engen Fokus auf die endlose seelische Korruption des Einzelnen setzt. Ein grauer Winterfilm, grobkörnig und depressiv, ohne Wärme oder Hoffnung – und einer der besten Filme dieses Jahres bisher.

17. Februar 2007 16:04 Uhr. Kategorie Film. 11 Antworten.

HASTA LA VISTA

Hier mal ein Blick in die neue Workstation. Mit endlosen Kabelsträngen sieht das Innenleben ziemlich monströs aus, und es ist auch etwas Bastelarbeit, weil es für die Speicherbausteine, die ungekühlt so locker 100°C entwickeln, noch keine solide Kühllösung gibt. SATA und SCSI-RAID vertragen sich auch noch nicht so gut.

Softwareseitig ist Vista, zumal als 64bit-Version, ermüdend. Abgesehen davon, dass ich einfach verdrängt habe, wie mies Windows out-of-the-box ist, wie viel man abschalten muss, wie viel man tweaken muss. Zumal man vieles bei Vista nicht mehr deinstallieren, abschalten und modifizieren kann. So daß das Betriebsystem von Anfang an mit zuviel Ballast aus der Box trabt. Funktionen wie Mail, Kalender, MediaCenter, CD-Brenner und und und lassen sich nicht nachträglich deaktivieren und das kostet Speicher. Die Aero-Oberfläche ist schön, aber braucht auch ordentlich Leistung. An sich bringt Vista derzeit nichts, was mich wirklich begeistert im Verhältnis zu meiner etwas umgestrickten Version von XP. Die meisten Neuerungen, wie die Sidebar, habe ich ratzfatz abgeschaltet, weil mich Widgets einfach nerven und es bessere Freeware-Alternativen zur Win-Sidebar gibt, und wirklich essentiell gute Verbesserungen gibt es kaum. Dafür aber eine neue Struktur der Software und der Ablageorte, die mich in den Wahnsinn treibt :-D. Im Grunde also wie seinerzeit bei XP, in ein paar Monaten lacht man da auch wieder drüber, wenn Skins und Tweaks und Updates verfügbar sind. Aber im Moment nervt es etwas, wenn etwa bestimmte Ordner selbst für Admins einfach gesperrt sind, wenn man Datenablageorte nur recht kompliziert verschieben kann, wenn sich überflüssige Softwarebestandteile nicht entfernen lassen.
Schlimmer noch, aber das ist normal, wenn man früh auf ein neues OS umsteigt und zudem auf die 64bit-Version… laufen alte Programme nicht sauber. CS2 beschwert sich nach gelaufener Installation über fehlende Seriennummern, da scheint Vista und mein RAID irgendwie mit der Aktivierung wieder mal Probleme zu machen. Andere Softwares laufen nur im XP-Kompatibilitätsmodus (zum Beispiel Capture One), wieder andere Sachen laufen GAR nicht, je systemnäher desto unwahrscheinlicher ist eine erfolgreiche Installation. Da hilft wohl nur warten auf Vista-kompatible Versionen. Was bei CS2 aber bedrohlich wäre. Das die Creative Suite nicht läuft, ist sehr bedrohlich.

Das neue Office 2007 ist ungewohnt, vor allem das komplett umgemodelte und anscheinend jetzt eher für totale Laien umgestrickte Word, Outlook ist im Detail gerade bei Kontakten und Kalender optisch aber auch strukturell verbessert. Im Grunde ist es die 200 Euro Upgrade durchaus wert gewesen.

Insofern immer noch Frickelei und dazu noch Grippe, deshalb nicht allzu viel Geblogge in den letzten Tagen. Ich bin eigentlich froh, möglichst wenig an Rechnern zu sitzen und darüber zu grübeln, wie ich dieses oder jenes kleine Problem nun löse.

16. Februar 2007 11:15 Uhr. Kategorie Leben. 5 Antworten.

STRANGER THAN FICTION

Der Finanzbeamte Harold Crick (Will Ferrell) ist im Dasein eines manischen Pedanten gefangen, der seine Schritte, seine Zahnputzbewegungen und die einsamen Minuten zählt. Ein langweiliger Nobody, der seine Träume vergessen hat. Bis er eines Tages eine Stimme hört, die sein Leben kommentiert. Mit Hilfe des koffeinsüchtigen Literaturprofessors Jules Hilbert findet Crick heraus, dass er lediglich ein Protagonist in einem Roman ist, den die ehemalige Starautorin Kay Eiffel schreibt. Während Crick durch die Handlung des Romanes getrieben wird und sich dabei in die steuerhinterziehende aber niedliche Bäckerin Ana Pascal verliebt, entdeckt er den Wert des Lebens und versucht, die Autorin von ihrem Plan, Harold am Ende ihres Romanes sterben zu lassen, abzubringen. Bis er das Ende seiner eigenen Geschichte liest und versteht, dass er vielleicht sterben muss

Stranger Than Fiction
ist ein Amalgam-Film. Marc Forster, unter dessen Regie zuvor unter anderem das ermüdende Finding Neverland entstand, hat hier einen Stoff, der sich anfühlt, als habe jemand versucht, aus Charlie Kaufmanns großartigem Adaption einen etwas massenkompatibleren Film zu schneidern. Die Story weist zudem genug Elemente eines typischen Tom-Hanks-meets-Meg-Ryan-Films auf, so dass Stranger than fiction durchaus auch ein absolut gesichtsloser Romanzenschmonzes hätte werden können. Ästhetisch erinnern die eingeblendeten Zahlen und Grafiken an Fight Club, auch Filme wie The Truman Show, ein Hauch Amelie, reichlich Being John Malkovitch  und so weiter lassen sich entdecken. Aber bei all diesen Quellen bleibt Stranger kein bloßer Zitatenschatz, sondern vermengt all diese Zutaten zu einem unterhaltsamen, aber nie wirklich plumpen Streifen. Und auch wenn der Film am Ende ein Happy End hat – und natürlich als Hollywood-Streifen haben muss - kommentiert Dustin Hoffman dies in seiner Rolle als Literaturprof auch prompt mokant und schafft so einen schönen Subtext. Anna Thompson als ausgebrannte Autorin auf der Suche nach der geeigneten Todesart für ihren Helden ist großartig trocken, Hoffman spielt seine Rolle mit liebevoller kleiner Skurrilität, Ferrell schafft es als Hauptdarsteller, sein übliches Over-the-top-Acting um subtile Zwischentöne zu erweitern und überzeugend in eine Rolle zu schlüpfen, die fernab seiner üblichen Comedy-Schiene liegt.

Und die Frage Komödie oder Tragödie, die sich durch den Film zieht, bleibt nicht zuletzt durch die Qualität der einzelnen Darsteller, bis in die Nebenrollen hinein ausgezeichnet besetzt, eine solide Zeit lang in der Schwebe. Auch das reine Design des Filmes verleiht Stranger einen Hauch von Tiefe, der die Komödie deutlich aufwertet. Da wären erwähnenswert vor allem die Art wie in Zach Helms Story bereits zu Beginn die Elemente von Harold Cricks Untergang gesäht werden, der narrative Gag mit den eingeblendeten Zahlen und Formularen, der uns als visueller Shortcut schnell in Cricks Weltbild einlädt und vor allem die wunderbaren Setbauten, an denen man sich kaum satt sehen kann, weil jeder Raum eine Inszenierung ist, seine eigene Geschichte erzählt und zugleich den Plot vorwärtstreibt, egal ob Aktenlager, Bäckerei, Gitarrenshop oder das umwerfende Arbeitszimmer von Jules Hilbert, in dem herumliegende Bücher und sich stapelnde Kaffeetassen den gesamten Charakter ebenso abbilden wie Hoffmans Darstellung selbst. Es ist selten, dass bei einem Film das Setdesign so bescheiden aber so umwerfend effektiv die Figuren und die Story ergänzt, ohne dabei jeweils aufgesetzt oder künstlich zu wirken. Man kann sich an dem Film kaum sattsehen. Die extrem guten darstellerischen Einzelleistungen, das liebevolle Design, die warmherzige Ironie und das Quentchen Metakontext, das die Erzählerstimme von Anna Thompson in den Film bringt, machen Stranger zu einem Film, der ganz deutlich über die üblichen romantischen Hollywood-Komödien herausragt. Und das, obwohl er nahezu alle dafür nötigen Elemente mit sich bringt, eine Kitsch-Katastrophe zu sein (die Wandlung von Crick vom Loser zum Lover und die Romanze zwischen Harold und Ana sind natürlich geradezu unausstehlich platt, ebenso das Happy End), macht der Film eigentlich von Anfang bis Ende Spaß, weil er ganz postmodern mit dem eigenen Kitschfaktor jongliert. Selbst der Abspann ist noch ein liebevoll gestaltetes Fest für die Augen.

Es ist interessant zu sehen, wie viele Filme sich in den letzten Jahren mit Surrealismus befassen. Ob Purple Rose of Cairo, Nirvana, Truman Show, Memento, Matrix oder A Scanner Darkly, mehr und mehr Streifen bohren Wurmlöcher in die Realität und machen die fiktionale Wirklichkeit im Film seltsam wankend, durchscheinend. Das Kino stellt sich hier selbst in Frage. Stranger than fiction baut auf dieser cineastischen Existenzialismus-Vorarbeit auf und bemüht sich keine Sekunde, verkrampft die Grundvoraussetzung des Plots zu erklären – wie kann die Romanfigur Harold Crick eigentlich lebendig sein und in der gleichen Welt existieren wie seine eigene Autorin? Das Kommerzkino hat von den Independants und von mutigen TV-Konzepten gelernt, wie man das immer schleppender verkaufende eigene Material aufpeppen kann und das man dem Publikum mehr Komplexität anbieten darf und muss als ein Nora-Ephron-Film. Stranger packt so eine per se allzu vertraute Geschichte in wunderbare Bilder und denkt die ganze alte Boy-meets-Girl-Story einfach einmal weiter um die Ecke… und heraus kommen 110 Minuten wirklich solides Entertainment. Mit Einfällen und Momenten, die man in einem Mainstream-Film so nicht erwarten würde (wenn auch lange nicht so abgedreht wie Eternal Sunshine of the Spotless Mind, Zach Helm ist eben doch KEIN neuer Charlie Kaufman). Aber der Diskurs über Vorbestimmung und Freiheit einer fiktionalen Figur bleibt unterschwellig, eingebettet in den schnellen und skurrillen Handlungsverlauf, der immer wieder neue bizarre Wendungen produziert.  Harolds Begegnung mit dem Schicksal in Form eines Baggers ist allein schon das Eintrittsgeld wert.

Das einzig wirklich schreckliche ist also die Eindeutschung des Us-TItels zu Schräger als Fiktion. Das tut schon weh.

10:31 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

BULLY SAYS…



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9. Februar 2007 12:21 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

AUDREY:VISIBLE FORMS

Die aus Göteborg kommende Combo Audrey gehört in die Kategorie der skandinavischen Schwerblüter, Mollharmonien und entrückter Frauengesang, Streicher und Klavier, selbst das Coverartwork erinnert etwas an Múm oder Sigur Rós, auch wenn der Sound ein ganz anderer ist. Wo Múm auf elektronische, Ministeck-komplexe Gebilde setzen, vertraut Audrey auf eine eher ruhige, klassische Mischung aus Piano, Gitarre, Bass, Drums und eben Strings, bleibt zugleich aber deutlich weniger brachial, weniger sakral als Sigur. Im Grunde klassischer ruhiger Indie-Pop mit einer guten Prise glitzernder Dunkelheit. Wer die Cocteau Twins mochte, wird hier schnell zu Hause sein, wenn Audrey auch deutlich akustischer zu Gange sind. Musik, die zu Herbst und Winter wie ein Soundtrack passt, melancholisch, dicht und trotzdem karg. Obwohl die Band seit 2002 existiert, ist Visible Forms das Debut (nach einer Debut-EP) und man hört den Tracks die Arbeit an. Obwohl durch eine gemeinsame Grundstimmung eng verbunden, sind die Tracks fein ausdifferenziert komponiert und musikalische überzeugend kontrolliert gespielt, von dem wunderbar geschachtelten Gesang ganz zu schweigen. Zurückhaltung bis zum Moment der Explosion. Rebecka Kristiansson, Victoria Skoglund, Emelie Molin und Anna Tomlin – die vier Frauen bilden den Kern der Band, plus einiger Gastmusiker – wechseln sich an den Vocals ab und überzeugen als Multiinstrumentalisten – und diese Vielseitigkeit prägt das Maß an Perfektionismus des Albums, wo jeder Ton sinnvoll zu wirken scheint. Ähnlich wie Sigur Rós (aber doch ganz anders) schafft Audrey es, aus einem fast depressiv anmutenden melodischen Grundgerüst im Laufe eines Songs bis hin zur Climax einen elegischen, kathartischen Effekt zu erzielen, der durch hypnotische Wiederholungen, Crecendi und fein ineinandergreifende Instrumentierung funktioniert. Da ist Mut zur Ruhe, da ist Mut zum Herbststurm, da sind gute Texte, da ist eine Einfachheit und Komplexität, die geschliffen ist wie ein Stein, der lange in der Flut gelegen hat. Musikalisch kriegst du hier im Grunde nicht viel neues geliefert, aber das so charmant und für schwedische Verhältnisse so direkt und aufrichtig, so unverspielt, gebracht, das am Ende ein atmosphärisches dichtes, emotional ehrliches Werk entsteht, das einen ganz eigenen Wert hat und für sich stehen kann und einen seltsamen Brückenschlag zwischen skandinavischen und amerikanischen Indiesounds darstellt.

Audrey sind übrigens im Februar auf Tour:
09.02.07 Münster / Amp
10.02.07 Hannover / Feinkostlampe
11.02.07 Berlin / Privatclub
12.02.07 Frankfurt / Cookys
13.02.07 Würzburg / Cairo
14.02.07 Zürich / Rote Fabrik
15.02.07 Wels / Alter Schlachthof
17.02.07 München / Orangehouse

10:45 Uhr. Kategorie Musik. 5 Antworten.

SENSIBLE COLOURS: EXPOSED

Diesmal ein eher unbekannter Track der Duisburger Band Sensible Colours aus den Neunzigern. Exposed, Titeltrack vom gleichnamigen selbstproduzierten Album der Band um den Gitarristen und Sänger Jörg Hahn, ist ein für eine Lokalcombo exzellent gemachter Song, der auf sture U2-artig marschierende Drums, einen störrischen Bass und eine kontrolliert orgiastische Gitarre am Ende setzt, die in ihrer Mischung aus Ekstase und Simplicity irgendwie etwas an A Forest von The Cure gemahnt. Abgesehen davon, dass mich kein anderer Track so sehr an die Jahre in Altenessen zurückbringt, da wir die Sensibles da bei einem Kneipengig quasi in unserem Haus entdeckt haben, ist das Lied eine wunderbar trippige Angelegenheit, ein neuzeitliches Space-Oddity. Jedesmal wenn ich es höre, denke ich, wie ein Astronaut im Nichts zu schweben, ohne Schwerkraft, vorbei an den Sternen. Und der absteigende Bass, die monotone Bassdrum, die wunderbar verhallte Gitarre am Ende, bringen das absolut auf den Punkt. Großartiger, zeitloser Track, der weit weit jenseits von dem ist, was man von einer Duisburger Band erwartet. Diszipliniert, ausufernd, wunderbar monomanisch.

Und weil es die Combo nicht mehr gibt, und ich die Lyrics auch nicht finde, die CD sowieso nur noch als Rarity zu erhalten ist, packe ich den Track kurzerhand mal als MP3 online. Wenn das für die Band oder sonst jemanden ein Copyright-Problem darstellt, einfach kurz melden.

Sensible Colours: Exposed

00:23 Uhr. Kategorie Musik. 5 Antworten.

PARIS IV

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8. Februar 2007 18:56 Uhr. Kategorie Photos. 17 Antworten.

KYLIE – THE EXHIBITION

Noch vor Madonna, wenn auch kurzlebiger, ist Kylie Minogue sehr viel weniger als dünnstimmige Sängerin denn als Zeitsymptom beachtlich, als mediale Inszenierung,ebenso wie ihr männlicher Counterpart Robbie Williams oder die seminalen Prototypen dieser Art von Pop, die Pet Shop Boys. Es scheint also nur sinnvoll, der Frau die die gelernte Logik der Soapopera ins echte Leben gezerrt hat, sich vom Mädchedn nebenan zum Inbegriff des anorektischen neuen Sexsymbols verwandeln konnte, dieser Ikone der Selbstinszienierung, die Musik, Mode, Photographie zu einer postmodernen Gesamtfranchise verrührt hat, eine eigene Ausstellung zu widmen. Von 8. Februar bis 10. Juni läuft Kylie – The Exhibiton im Victoria & Albert Museum in London. Die Ausstellung fokussiert sich vor allem auf die Kostüme des Stars, die Selbstinszenierung, das reine nackte Image, hinter dem die Musik zum reinen Teil des Gesamtproduktes, des Package Designs, wird. Kylie Minogue ist,wie andere Popstars vor und nach ihr, ein reines Designprodukt, eine Reißbrettdiva, die Quintessenz der Industrie.

7. Februar 2007 21:27 Uhr. Kategorie Design. 7 Antworten.

PARIS II

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3. Februar 2007 18:40 Uhr. Kategorie Photos. 8 Antworten.


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