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Adventures in Bookreading II D

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Und wir sind immer noch auf der Treppe…
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BABEL

Kleine Ursache, große Wirkung.

Nach Amores Perros und 21 Gramm liefert Alejandro González Iñárritu mit Babel einen komplex schillernden Film, der in seiner Episodenhaftigkeit an Robert Altmans Short Cuts erinnert, oder an LA Crash, stilistisch etwas an Fernando Meirelles City of God grobkörnigen Pop angelehnt ist.Babel verwebt vier Handlungsstränge miteinander, die durch ihre erzählerische Kausalität zusammengehören, aber durchaus auch für sich alleine stehen könn(t)en. In der Logik von klassischen Kurzgeschichten à la Raymond Carver verfolgen wir unsere Protagonisten – die Marokko-Touristen Richard und Susan, ihr Kindermädchen Amelia, das japanische taubstumme Mädchen Chieko und die beiden marokkanischen Jungen, die Susan anschießen – durch entscheidene Lebensprozesse und -konflikte. Blanchett und Pitt geben – als einzige prominente Darsteller niemals wirklich im Vordergrund, eher im Gegenteil nahtlos in die Besetzung eingebettet – ein kommunikationsunfähiges Ehepaar, das erst völlig verloren in dem winzigen nordafrikanischen Kaff Tazarine in einer Life-or-Death-Situation zusammenfindet. Adriana Barraza brilliert als mexikanisches Kindermädchen, das seit Jahren in den USA illegal arbeitet und durch eine dumme kleine Entscheidung ihre gesamte Existenz verliert, in deren Mikrokosmos sich der Alptraum zahlloser mexikanischer Schwarzeinwanderer spiegelt und die sinnlose Polizeistaatselbstherrlichkeit der USA an ihrer südlichen Grenze. Die Geschichte der marokkanischen Ziegenhirtenkinter, die durch ihre Spielerei mit einem Gewehr einen internationalen Konflikt auslösen und eine brutale und blutig endende Terroristenjagd lostreten, ist in Wirklichkeit die Geschichte eines Bruderzwistes, von Lust und Neid, die Geschichte eines familiären Mikrokosmos, von Tradition, die in der Moderne zerfällt. Das Eindringen eines modernen Gegenstands in diese simple Welt – in Form eines Gewehres – zersprengt den tradierten Zusammenhalt und erzeugt eine Lavine von Lügen und Gewalt, sich sich explosiv entlädt. Und schließlich, aus meiner persönlichen Sicht der stärkste, wunderbarste narrative Strang, die Geschichte von Chieko, einem japanischen Mädchen, das taubstumm ist und deren Mutter sich mit einem Schuss in den Kopf – vielleicht aus genau dem Gewehr mit dem Susan angeschossen wurde – umgebracht hat. Inmitten der pulsierenden Hypermetropole Tokio – grandioser Gegensatz zur Wüste Marokkos und dem Niemandland an der amerikanisch-mexikanischen Grenze – sucht Chieko nach Körperlichkeit, nach Liebe. In dieser Episode, die den Film zugleich abschließt, erlaubt sich González Iñárritu so etwas wie ein Happy End, einen bittersüßen, schweigenden Erfolg. Chiekos Liebe nach Sex endet in einer Umarmung mit ihrem Vater, der zu Beginn des Films hilflos versucht, mit seiner Tochter nach dem Tod der Mutter zu kommunizieren. Die nackte Chieko auf dem Balkon, der Vater in seinem Geschäftsanzug und die langsame Kamerafahrt aus Tokio heraus schaffen ein kraftvolles Visual für das Ende des Films.

Überhaupt, die Bilder. Babel liefert Kino in großen starken, ausdrucksvollen Bildern, in enthusiastischen Ideen und Gegenschnitten, mutig, trunken von der eigenen narrativen Kraft, die aus den traurigen Geschichten des genialischen Drehbuchs wunderbare Momente melken. Amelia in ihrem roten Kleid in der Wüste. Chieko und ihr Vater. Der Ausdruck in Mikes Gesicht, als Santiago dem Huhn den Kopf abreißt. Die Umarmung von Richard und Anwar. Die grandiose Gegenüberstellung des mexikanischen Hochzeitsfestes und der Disco in Tokio. Die Discosequenz ist an Schönheit ohnehin schwer zu toppen… wie hier die Musik fragmentarisch bei der XTC-Fahrt durch Tokio eingeführt wird, und dann richtig hereinkommt, wenn Chieko den Dancefloor betritt, das Licht, die Cuts zwischen der normalen Wahrnehmung und ihrer stummen Unterwasserwelt aus Licht und Farbe. Für jede der drei Locations spiegelt der Film cineastisch ein Feeling wieder, niemals platt oder aufdringlich (wie etwa bei Traffic, wo ja verschiedene Farbigkeiten den Unterschied zwischen Stadt und Wüste symbolisieren sollten), sondern immer kraftvoll aus der jeweiligen Realität heraus. Die Shootings in Tokio explodieren fast von einem Überdruck an Popkultur, von ultratechnoider, mangaesker Hypervelocity und zeigen, dass inmitten dieser brodelnden City die Wüste eben trotzdem zuhause ist, in den Köpfen der Menschen, die nicht zueinander finden können. Die Paradoxien, die Einsamkeiten, die Mißverständnisse, die kleinen Irrtümer, die Ängste, die Frustrationen… sind global austauschbar. Amelias Angst um die ihr anvertrauten Kinder Debbie und Mike, die sie in der Wüste zurücklassen muss, Richards Wut über die Unfähigkeit, einen einfachen Transport zum Krankenhaus zu bekommen, Chiekos orientierungsloser sexueller Hunger, den sie nicht in Worte fassen kann, nur mit ihrem nackten Körper zum Ausdruck zu bringen versucht und immer wieder zurückgestoßen wird, unverstanden bleibt.

Es ist ein Film über Isolation, über Schmerz, über die Unfähigkeit, miteinander zu reden, über Extreme, über Hunger und Leidenschaft. Er spielt mit Missverständnissen, auch im Kopf des Betrachters. Er führt in die Irre. Babel liefert in wuchtigen Bildern und sanften Nuancen Leid und Größe, einen Mikrokosmos aus Möglichkeiten, Andeutungen, Chancen, Irrläufern. Vom dysfunktionalen Vater-Tochter-Gespräch in Japan bis zur Terroristenhysterie in Marokko, die die Rettung von Susan noch zusätzlich behindert und sie fast das Leben kostet und die schließlich einen harmlosen Kind das Leben kosten wird. Die Eindringlichkeit der Erzählung, die Kombination von Story, Bild und Musik macht deutlich, dass Kino nur dann wirkliche Größe erlangt, wenn es von Original-Drehbüchern ausgeht und nicht versucht, Bücher zu Bildern zu formen. Das der Kern des ganzen – wir Menschen können nicht miteinander sprechen – ein einfacher ist, stört dabei nie, denn dieses Thema steht fast unsichtbar als Wirbelsäule im Hintergrund, wird anhand grandios erzählter Symptome bespiegelt. Im Grunde ist die narrative Struktur selbst wie ihr eigener Plot: Einfache Ursache, komplexe Auswirkungen. Die Basisidee ist eine ureinfache, die Umsetzung ambitioniert, hochkomplex und klug vielverzweigt. Und dabei wird der Film nie wirklich nur düster oder fatalistisch, sondern zeigt auf, wie die Menschen erst in den ausweglosesten Extremen zueinander finden. Amelia umarmt ihren Sohn, der sie – nach Mexiko ausgewiesen – auf der Straße aufpickt. Chieko und ihr Vater. Richard und Susan, der zerüttete Ehepaar, die wieder sprechen müssen, damit so etwas einfaches wie Urinieren gemeinsam gemeistert werden kann. Die Familie als Kern. Erst wenn die Sprache versagt, zeigt Babel, finden die Menschen ohne Prätentionen zusammen. In Gesten, in Stummheit, in der verzweifelten Hilflosigkeit einer Umarmung. Was uns eint, ist die Sprachlosigkeit. In Wirklichkeit ist Babel vielleicht kein Film über die Unfähigkeit, miteinander zu kommunzieren, sondern im Gegenteil ein Film darüber, wie man wirklich zusammenfinden kann, wenn man die Sprache hinter sich läßt. Erst als Chieko alle Hüllen fallen lässt, auf sich selbst zurückgeworfen im kalten Wind der von Tokios Hochhauscanyons, kann sie mit ihrem Vater zusammenkommen… was vorher, in der Flut von Videobildschirmen, Mobiltelefonen, Voicemails und so zahl- wie nutzlosen Worten nie gelang.

Babel ist, wie man es dreht oder wendet, ein grandioser, manischer Film, von der Idee bis zur Umsetzung, von der Musik bis zum letzten Darsteller, voller großer magischer Bilder und kleiner wunderbarer Andeutungen, drei Filme für den Preis von einen und jede der Episoden in ihrer Kraft so entrückend, dass man fast darum trauert, diesen Protagonisten nicht weiter auf ihrem Weg zusehen zu dürfen. Ein Film, der herzzerreissend ist, aber nie kitschig, nie banal, nie vorhersehbar oder einfach. Der irrlichtert und doch eine klare Vision hat. Der herrlich verlogen ist und zugleich ehrlich. Intim und global. Sexy und smart. Der improvisieren kann und zugleich eine markerschütternde kühle Präzison aufweist. González Iñárritu zeigt hier, was sich lange schon abzeichnet: Die Zukunft des Kinos liegt nicht in Hollywood.

Unbedingt ansehen.

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FETISCHIMMOBILIEN

Es ist ja oft in der Werbung so, dass zwischen Bild und Text ein eher loser Zusammenhang besteht. Mal aus mangelnden Möglichkeiten, mal, um die eigene Assoziationen im Betrachter auszulösen.

In diesem Fall geht das eher daneben. Bei den gezeigten Schuhen und Netzstrümpfen denke ich ja an alles, aber sicher nicht ans Häuslebauen. Der Spruch «Wir erfüllen Ihre Träume» verstärkt die Zweideutigkeit noch. Das auf der Rückseite dieses Zuckerbeutels für www.edeluhren.de geworben wird, macht den Gesamteindruck der Sache bei flüchtigem lesen auch nicht seriöse :-D.

Aber immerhin ist es so lustiger als viele andere Werbung. Und sicher in Wirklichkeit alles ganz harmlos.

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HUSSEIN

Sie haben es wirklich getan. Und die Amerikaner, egal ob ein Irakisches Gericht das Urteil gefällt hat, haben es gebilligt, haben es gewollt. Den Tod eines Mannes – egal, was er getan hat – durch den Strick. Willkommen zurück im 14. Jahrhundert, Welt. Das ist so eng dran an Georges Bush Wunsch, ihm den Kopf des Mannes zu bringen, der seinen Vater ermorden lassen wollte, dass man sich einer Gänsehaut nicht erwehren kann. Seit 2001 hat eine Verschiebung im westlichen Denken stattgefunden, die mit «beängstigend» nicht zu beschreiben ist. Wir haben wichtige Werte so schnell, so heftig über Bord geworfen – oder werfen lassen –, dass man sich wie in einem billigen SF-Film aus den Siebzigern vorkommt. Husseins Tod ist eine große Niederlage für die Demokratie, kein Sieg. Eine faire Verhandlung an IGH Den Haag, den die USA ja ohnehin nicht anerkennen, obwohl dieses Projekt zu den wichtigsten Internationalen Standards hätte werden können, und dann nach einem eventuellen entsprechenden Urteil lebenslänglich ins Gefängnis… aber Tod durch den Strick? Barbarisch. Hussein wird so bestenfalls vom 10-Cent-Despoten (und ehemaligen Partner der USA, nicht vergessen, bevor er zum medialen Neo-Hitler aufgebauscht wurde) zum Märtyrer gemacht. Und im Irak wird für diesen Egotrip des Bush-Clans noch viel unschuldiges Blut fließen. Wie Morrisey schon wusste: Barbarism begins at home.

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CHUCK KLOSTERMAN: SEX DRUGS AND COCOA PUFFS

Daß ich in letzter Zeit Chuck Klosterman gelesen habe, hat der ein oder andere ja vielleicht bereits bemerkt. Das Buch des amerikanischen Journalisten und Kolumnisten, der mit Killing Yourself to live ja gerade Furore macht, ist ein Potpourri von allerlei Gedanken zur aktuellen Pop-, TV-, und Sportkultur, die ohne tieferen Sinn und ohne Kontext, wie einzelne Artikelfragmente, auf dich zukommen. Ein zunächst zutiefst unwichtiges und kurzlebiges Buch, denn es dürfte mehr als fraglich sein, dass jemand in 20 Jahren noch Klostermanns Betrachtungen zur MTV-Serie The Real World auch nur ansatzweise nachvollziehen wird können. Und auch so ist die Frage: Muss man der Welt mitteilen, dass man alle Staffeln, alle Folgen dieser Serie gesehen hat? Und alle Teilnehmer nahezu auswendig kennt? Muss man über seine Liebe zum uncoolen Billy Joel schreiben? Muss man über Country-Musik vs. Moby schreiben? Und die Antwort ist nahezu ausnahmslos. Muss nicht, aber man kann ja mal. Unter Titeln wie «The Awe-Inspiring Beauty of Tom Cruise’s Shattered, Troll-Like Face» flanieren wir durch Klostermans Welt und Kopf, durch einen von Popkultur durchsetzen Trashkosmos, in dem Klosterman mit der Geduld eines Goldgräbers auf versunkene Schätze hinweist. Das ist mal oberflächlich, auch mal langweilig – wenn einen das Thema so gar nicht berührt, wie etwa American Football bei mir –, und immer wieder auch tiefgründig. Klosterman findet in den sumpfigen Day-Glo-grellen Gossen der kommerziellen Popwelt immer wieder Fragmente grundlegender Wahrheiten über das menschliche Leben in einer medialisierten Welt.

Als roter Faden emergiert die These, dass mediale Vorbilder das reale Leben überschreiben, dass wir unsere Handlungen, unsere Lebensziele, unsere Ansichten auf Kinofilme, Fernsehserien, Bücher, Songs formatieren, und so zu Von Art imitates Life zu Life imitates Art kommen, wir werden zu Simulationen der Simulation.

Dieser Ansatz wird etwa deutlich, wenn Klosterman darüber schreibt, dass seit etwa den 60er Jahren zunehmend die Suche nach Liebe von künstlichen medialen Idealbildern dominiert wird.
This is why I will never be completely satisfied by a woman, and this is why the kind of woman I find attractive will never be satisfied by me. We will both measure our relationship against the prospect of fake love. … They think everything will work out perfectly in the end… … The main problem with mass media is that it makes it impossible to fall in love with any acumen of normalcy. There is no «normal» because everybody is twisted by the same sources simultaneously. ,, Real people are actively trying to live like fake people, so real people are no less fake.

Über The Sims:
What seemed so new about Seinfeld was that it didn’t need a story to have a plot: Nothing was still something. The Sims forces that aesthetic even further. Nothing is everything.

Über The Real World:
By 1997, the opposite was startng to happen: I kept meeting new people who were like old Real World characters…. If nothing else, The Real World has provided avenues for world views that are both specialised and universal.

Über Tribute-Bands:
These are bands mired in obscurity and engaged in a bizarrely postmodern zero-sum game: If a tribute band were to completely suceed, its members would no longer have personalities.

Über Pamela Anderson:
Pam is the embodiment of modern female sexuality and that embodiment is a Barbie Doll. … She’s never been a person, and I’m glad. Pam doesn’t just have sex with guys, Pam fucks reality. … That’s the weird irony that makes Pam Anderson so essential to our times: She’s not a real person, but she’s still more real than any sexual icon we’ve ever had. Pam Anderson is a mainstream, nonsubversive porn star…

Über Amateur-Online-Pornographie:
We want imperfection and we want heightened reality.

Über Frühstücksflocken:
An inordinate number of cereal commercials are based on the the premise that a given cereal is so delicious that a fictional character would want to steal it. … They’re the first step in the indoctrinations of future hipsters: Cereal commercials teach us that anything desirable is supposed to be exclusionary. … We pursue that which retreats from us. … The desire to be cool is – ultimatively – the desire to be rescued. It’s the desire to be pulled from the unwashed masses of society. … If we can just find that one cool thing that nobody else has… we can be better than ourselves.

Über Star Wars:
The Empire Strikes Back was the seminal foundation for what became «Generation X».

Es macht nur Sinn, wenn Klosterman im weiteren Verlauf auch über die Frage nach Realität anhand von Filmen wie Matrix, Vanilla Sky oder Memento fragt oder die Unmöglichkeit von Authentizität in Zeitungsartikeln, über Journalisten, die völlig in ihrem Musik-Expertentum aufgehen und jeden Realitätsbezug verlieren, in ihrem Pop-Minikosmos verloren trudeln. Womit sich irgendwie ein Kreis schließt, denn Klosterman selbst ist so ein Universal-Experte, der mit einem erschreckenden Schatz an Querverweisen, Deutungshoheiten und Ideen durch die Musikgeschichte und die aktuelle Popkultur wandert und bei dem man schnell merkt, daß ihn diese schillernde Plastikwelt im Kern mehr interessiert als die echte. Chuck spielt mit seinem The-Sims-Chuck, weil er im Grunde ein virtuelles Leben führen möchte, ein reineres, klareres Dasein als reines poppig buntes Pixelbergchen führen will.

Dieser greifbare Wunsch, sich im Low-Culture-Universum aufzulösen wie ein Zuckerwürfelchen hält Klosterman nicht davon ab, smart und witzig und einsichtig über das Leben im berühmten 21. zu schreiben, wie ein Kugelblitz von einem Medium zum nächsten, von einem Genre zum anderen, mit einem gigantischen Cachet an unwichtigsten Fachwissen, einem Lexikon moderner Nichtigkeiten. Es macht Spaß dabei zuzusehen, wie schnell Klosterman von Trivialen ins Fundamentale wechseln kann und den Status Quo des urbanen, durchmedialisierten Lebens verortet. Das er dabei sehr amerikanisch und sehr aus der Sicht der nordwestlichen Kristallpalastbewohner schreibt, versteht sich von selbst… aber eben aus dieser Perspektive heraus ergibt sich eben derzeit die globale kommunikationspolitische Erschließung der Welt und aus dieser Perspektive heraus ist unsere westliche Gesellschaft insofern auch zu deuten. Pamela Anderson mag in einem südafrikanischen Dorf eben nicht der Nabel der Welt sein, aber in Los Angeles – und der westlichen Welt, die an dieser medialen Nabelschnur hängt, ist sie das (gewesen, wie gesagt, solche Texte altern schnell)… und insofern sind solche Betrachtungen aus dem Epizentrum der Mediengenesis wichtig für unsere eigene, stets mit auf den den Schockwellen amerikanischer Kultur reisende Gesellschaft. Und die Transfiguration realen Daseins in eine neue, durch medien figurierte Form von Imitationsleben, die ist hier seit langem auch spürbar als einer der wichtigsten sozialen Trends seit den 80er Jahren und ebenso spannend wie beängstigend. Wir sind sind Sims. Wir wollenm aussehen wie Pam und Britney, wie Brad und Colin. Wir wollen keine echten menschen lieben, sondern fiktionale Perfektion, fake love. Und deshalb scheitern immer mehr Menschen an ihren eigenen, Simulacra-Sehnsüchten. Chuck Klosterman belegt diesen Trend mit klugen Anekdoten und anstatt in das sich hier anbietenden Untergang-des-Abendlandes-Gejammer einzustimmen, krault er uns lieber wohligen, fast behaglichen Schauer aus dem kollektiven Rücken.

Klosterman schreibt schnell und witzig… und dürfte schrecklich für alle sein, die nicht einen kleinen Nerd in sich haben, der zu viel Wissen über unwichtige Filme und schlechte Bands lebenslang mitnotiert und gemerkert hat… aber ansonsten ist das Buch eben von einem von uns für uns geschrieben.

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BODENBUILDING 3

Und weil es so schön war, noch ein Bild aus der Backgroundentstehung der upcoming Meyerhof-Site. Dieses Motiv sieht man nie wirklich – eigentlich schade – es beschreibt nur die Nutzung und ladezeitoptimierte Aufteilung sowie die Fahrwege über den Holzboden im Hintergrund des Traditions-Bereiches.

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WEGEN FONDUE GESCHLOSSEN…

Okay, nachdem ich jetzt von 20:30 gestern bis 14:00 heute mittag mit 15 Leuten (am Schluß noch acht) Fondue und Frühstück gemacht habe und um 20:30 die nächsten etwa zehn Gäste anrollen… und ich bisher keine Sekunde Schlaf hatte und wir gerade fast alle Vorräte, die für zwei Tage reichen sollten, neu gekauft haben, weil sie nach der Orgie gestern einfach weg waren, um jetzt noch etwas aufzuräumen und uns auf die nächsten lieben Leute zu freuen, gibt es heute einfach mal nix im Blog. Sorry… :-D

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CHUCK FRAGT 23

Finale! Die letzte (wieder leicht eingedeutschte) Frage von Chuck Klostermann…

a) Denk’ einen Moment über den hochverehrten TV-Star Horst Tappert (Derrick) nach.
b) Jetzt stell dir vor, Tappert wäre nie wirklich berühmt geworden. Stell dir vor, er wäre nie ein Star gewesen und frage dich, wie seine Persönlichkeit dann wohl gewesen wäre.
c) Jetzt stell dir vor, dass diese Person – der unberühmte Horst Tappert – ein Star in einer Sitcom ist.
d) Soweit okay? Weiter: Du selbst bist auch eine Figur in dieser Sitcom und der nicht-berühmte Horst Tappert spielt deinen Vater in der Serie.
e) Aber: Diese Sitcom ist in Wirklichkeit dein echtes Leben. Anders gesagt: Du lebst in einer Sitcom. Dein gesamtes Leben ist eine fiktive Konstruktion, und mit dabei ist der unberühmte Horst Tappert, der sich selbst in der Rolle deines Fernsehvaters spielt. Aber es ist keine Sitcom. Es ist dein echtes Leben.

Wie würdest du dich dabei fühlen?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

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LOGITECH MX REVOLUTION

Ich liebe Logitech. Im Grunde ist Logitech einer der Gründe, warum ich mich in den Neunzigern für den Umstieg auf das PC-System entschied, denn die ersten kabellosen Logi-Mäuse waren der eintastigen Mac-Mouse so weit voraus, dass einem die Worte fehlten. Bis heute hinkt Mac in diesem Feld Logitech weit hinterher und die Firma ist längst konkurrenzlos der Innovator, wenn es um funktionale und schicke Eingabegeräte für Computer geht. Und dennoch bleibt Logi nicht stehen, sondern versucht stets, der Menge an Me-too-Produzenten eine Nasenlänge vorwegzusein. Mehrtastenmäuse, Bluetooth-Integration, Scrollwheel, Logi war immer vorneweg. Während alle noch mit Gummibällen operierten, stieg Logi auf LED-Technologie um, jetzt, da nahezu jede Maus LED-basiert ist, kommen sie mit Laser-Abtastern. Und wie immer müssen wir Early Adaptors die Kinderkrankheiten des Systems mittragen. Die neue Logitech MX Revolution ist das neue Flaggschiff der Marke, eine kabellose Lasermaus mit einigen interessanten Features und einigen interessanten Schwächen. Ist die MX Revolution wirklich die fortschrittlichste Maus der Welt, wie Logi wirbt? ist sie wirklich so schlecht wie in vielen Tests in Foren zu lesen ist? Hier ein kleiner Review….

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365

Sehr verehrte Frau Mutter… und so sah EINER von unseren Organisationszetteln für euer Geschenk aus. Das war ein lustiger Tag, an dem man voll damit beschäftigt war, jedem Datum im Jahr ein kleines Präsent zuzuordnen, kann ich nur sagen. :-D

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WEIHNACHTSGESCHICHTE

Mir fiel bei der Suche nach Carinas Photo im Archiv auf, dass ich in grauer Vorzeit, nämlich 1997, eine kurze Weihnachtsgeschichte für Thomas Schmitz geschrieben hatte, als es so aussah, als würde ein Autor seiner jährlich erscheinenden weihnachtlichen Short Stories abspringen. Sie ist nicht wirklich besonders gut geworden (und wurde deshalb auch nie veröffentlicht) und ist für meine Verhältnisse ungewohnt… ultraleichte Kost. «Niedlich» schreiben ist nicht meine Stärke, ehrlich gesagt. Ist für das Online-Lesen wahrscheinlich etwas lang, aber das seid ihr ja von meinen Filmkritiken gewohnt ;-D. Also: Nach dem Break kommt die Geschichte und sie heißt…
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HAPPY BIRTHDAY CARINA

Endlich mal wieder ein Geburtstagskind, von dem ich ein Photo habe– wenn auch unglaublich altes, sorry (ich muß mal neue machen, aber die roten Haare finde ich immer noch prima, stelle ich gerade fest). Alles Liebe an eine meiner ältesten Freundinnen, die allmählich in das Alter kommt, wo sie ihr Versprechen, mich durchs Altersheim zu schieben, wohl leider wahr machen muss…

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Nouvelle Vague Bande a’Part

Das zweite Album der französischen Formation Nouvelle Vague habe ich mir ehrlich gesagt nur zugelegt, weil ich auf die salsa-esque Fassung von dem Bauhaus-Meisterwerk Bela Lugosi’s Dead gespannt war und Respekt vor jeder Band habe, die ein Juwel wie Escape Myself von The Sound ausgräbt. Die beiden Tracks schließen nahtlos, vielleicht zu nahtlos, an das Vorgängeralbum an, während der rest der CD zu einem Großteil bereits zeigt, wohin sich Nouvelle Vague anscheinend entwickeln werden: zur 80er-Party im ironischen Jazzgewand. Waren auf der ersten Platte noch mehr New Wave- und Punk-Nummern vertreten, überwiegen hier bereits eher muffige Achtziger-Stiefel wie Dancing With Myself oder Don’t Go. Zwar finden sich auch noch Re-Interpretationen von Cramps, Buzzcocks und A Certain Ratio, aber das ausgerechnet ein NDW-Hit wie Eisbär als Single ausgekoppelt war, ist wohl leider wegweisend.

Nouvelle Vague machen Musik, die in den Achtzigern Punk, Wave und davon inspirierte Chartsmusik gehört haben und sich die ganzen Sachen heute nostalgisch wieder anhören möchten, aber doch bitte auf eine entspannte, weniger anstrengende Art. Musik, kurzum, für die Altgewordenen. Pantoffelnostalgie. Den alten Nummern werden die Verzerrer und die Energie geklaut und alles kommt swingend und loungig daher. Ohne Energie, ohne Zähne, ohne Wut, ohne No-Future. Ohne die Angst und Paranoia, ohne zuviel Make-Up, ohne Tragödie. Und insofern unendlich langweilig und flau, reine Parodie, leeres Zitat. Die ungeheuer flockigen Interpretationen und der französische Charme machen das leicht und insofern verführerisch erträglich, aber im Grunde bleibt doch, dass hier einer energetischen Bewegung die Zähne gezogen werden. Wie der Punk selbst, der heute mit Konsumbands wie Billy Talent und Green Day im Mainstreamradio angekommen ist (wo er ja auch immer hinwollte), sind eben auch die rebellischen Teens von früher dicker und braver geworden, arriviert. Mir ist letztens aufgefallen, wie viele Leute aus meiner Generation stehen geblieben sind, nur noch die Tracks von früher hören wollen. Die Musik, die sie daran erinnert, wie das Leben war, als sie 18 waren. Anstatt die Musik zu hören, die sie hören würden, wenn sie HEUTE 18 wären. Anstelle des Neuen wird das Vertraute gesucht, anstelle der Entdeckung die Erinnerung bevorzugt. Genau diese Nische bedient Nouvelle Vague und genau das macht diese Platte, bei aller Sympathie, bei allem Humor der Re-Interpretation und so nett das alles als Hintergrundmusik bei Parties sein mag, zu einer irgendwie traurigen Sache: Es ist unterm Strich eine Platte für Leute mit Bausparvertrag.

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MERRY X-MAS


Feiert.

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INSTANT SPIEKERMANN

Lustig. Beim Auspacken meiner beiden Bodum-Fondues fiel mir gestern die Bedienungsanleitung und das Rezeptbuch sehr auf, weil es sozusagen alle typischen MetaDesign-Standards der 90er und insofern den klassischen Erik-Spiekermann-Look imitiert. Mea culpa an Erik oder Uli, wenn das Ding tatsächlich von UDN (bzw SpiekermannPartners) oder Meta stammt… aber das kann ich mir kaum denken. Es ist so dreist geklaut, dass es schon fast wieder genial ist. Der angeschnittene rote Balken ist ein Meta-Classic, das Gelb-Schwarz erinnert an Fontshop, die blass hinterlegte Typo ist in den 90s oft bei Erik und Consorten aufgetaucht und die Meta als Schrift haut es dann endgültig in eine Richtung, wo man nicht mehr sicher ist, ob es Homage oder unverschämtes Plagiat sein soll. Eine Marke wie Bodum, die immerhin selbst ein (wenn auch eher preiswerter Mainstream-)Designklassiker ist, sollte mehr Mut zur Eigenständigkeit beweisen dürfen, oder? Das hier ist eine dreiste Kopie, die das 90er-Fontshop-Design mit ein paar anderen (Real)Meta-Zitaten verziert, so viel Me too ist eher traurig für eine größere Marke.

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