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BABEL

Kleine Ursache, große Wirkung.

Nach Amores Perros und 21 Gramm liefert Alejandro González Iñárritu mit Babel einen komplex schillernden Film, der in seiner Episodenhaftigkeit an Robert Altmans Short Cuts erinnert, oder an LA Crash, stilistisch etwas an Fernando Meirelles City of God grobkörnigen Pop angelehnt ist.Babel verwebt vier Handlungsstränge miteinander, die durch ihre erzählerische Kausalität zusammengehören, aber durchaus auch für sich alleine stehen könn(t)en. In der Logik von klassischen Kurzgeschichten à la Raymond Carver verfolgen wir unsere Protagonisten – die Marokko-Touristen Richard und Susan, ihr Kindermädchen Amelia, das japanische taubstumme Mädchen Chieko und die beiden marokkanischen Jungen, die Susan anschießen – durch entscheidene Lebensprozesse und -konflikte. Blanchett und Pitt geben – als einzige prominente Darsteller niemals wirklich im Vordergrund, eher im Gegenteil nahtlos in die Besetzung eingebettet – ein kommunikationsunfähiges Ehepaar, das erst völlig verloren in dem winzigen nordafrikanischen Kaff Tazarine in einer Life-or-Death-Situation zusammenfindet. Adriana Barraza brilliert als mexikanisches Kindermädchen, das seit Jahren in den USA illegal arbeitet und durch eine dumme kleine Entscheidung ihre gesamte Existenz verliert, in deren Mikrokosmos sich der Alptraum zahlloser mexikanischer Schwarzeinwanderer spiegelt und die sinnlose Polizeistaatselbstherrlichkeit der USA an ihrer südlichen Grenze. Die Geschichte der marokkanischen Ziegenhirtenkinter, die durch ihre Spielerei mit einem Gewehr einen internationalen Konflikt auslösen und eine brutale und blutig endende Terroristenjagd lostreten, ist in Wirklichkeit die Geschichte eines Bruderzwistes, von Lust und Neid, die Geschichte eines familiären Mikrokosmos, von Tradition, die in der Moderne zerfällt. Das Eindringen eines modernen Gegenstands in diese simple Welt – in Form eines Gewehres – zersprengt den tradierten Zusammenhalt und erzeugt eine Lavine von Lügen und Gewalt, sich sich explosiv entlädt. Und schließlich, aus meiner persönlichen Sicht der stärkste, wunderbarste narrative Strang, die Geschichte von Chieko, einem japanischen Mädchen, das taubstumm ist und deren Mutter sich mit einem Schuss in den Kopf – vielleicht aus genau dem Gewehr mit dem Susan angeschossen wurde – umgebracht hat. Inmitten der pulsierenden Hypermetropole Tokio – grandioser Gegensatz zur Wüste Marokkos und dem Niemandland an der amerikanisch-mexikanischen Grenze – sucht Chieko nach Körperlichkeit, nach Liebe. In dieser Episode, die den Film zugleich abschließt, erlaubt sich González Iñárritu so etwas wie ein Happy End, einen bittersüßen, schweigenden Erfolg. Chiekos Liebe nach Sex endet in einer Umarmung mit ihrem Vater, der zu Beginn des Films hilflos versucht, mit seiner Tochter nach dem Tod der Mutter zu kommunizieren. Die nackte Chieko auf dem Balkon, der Vater in seinem Geschäftsanzug und die langsame Kamerafahrt aus Tokio heraus schaffen ein kraftvolles Visual für das Ende des Films.

Überhaupt, die Bilder. Babel liefert Kino in großen starken, ausdrucksvollen Bildern, in enthusiastischen Ideen und Gegenschnitten, mutig, trunken von der eigenen narrativen Kraft, die aus den traurigen Geschichten des genialischen Drehbuchs wunderbare Momente melken. Amelia in ihrem roten Kleid in der Wüste. Chieko und ihr Vater. Der Ausdruck in Mikes Gesicht, als Santiago dem Huhn den Kopf abreißt. Die Umarmung von Richard und Anwar. Die grandiose Gegenüberstellung des mexikanischen Hochzeitsfestes und der Disco in Tokio. Die Discosequenz ist an Schönheit ohnehin schwer zu toppen… wie hier die Musik fragmentarisch bei der XTC-Fahrt durch Tokio eingeführt wird, und dann richtig hereinkommt, wenn Chieko den Dancefloor betritt, das Licht, die Cuts zwischen der normalen Wahrnehmung und ihrer stummen Unterwasserwelt aus Licht und Farbe. Für jede der drei Locations spiegelt der Film cineastisch ein Feeling wieder, niemals platt oder aufdringlich (wie etwa bei Traffic, wo ja verschiedene Farbigkeiten den Unterschied zwischen Stadt und Wüste symbolisieren sollten), sondern immer kraftvoll aus der jeweiligen Realität heraus. Die Shootings in Tokio explodieren fast von einem Überdruck an Popkultur, von ultratechnoider, mangaesker Hypervelocity und zeigen, dass inmitten dieser brodelnden City die Wüste eben trotzdem zuhause ist, in den Köpfen der Menschen, die nicht zueinander finden können. Die Paradoxien, die Einsamkeiten, die Mißverständnisse, die kleinen Irrtümer, die Ängste, die Frustrationen… sind global austauschbar. Amelias Angst um die ihr anvertrauten Kinder Debbie und Mike, die sie in der Wüste zurücklassen muss, Richards Wut über die Unfähigkeit, einen einfachen Transport zum Krankenhaus zu bekommen, Chiekos orientierungsloser sexueller Hunger, den sie nicht in Worte fassen kann, nur mit ihrem nackten Körper zum Ausdruck zu bringen versucht und immer wieder zurückgestoßen wird, unverstanden bleibt.

Es ist ein Film über Isolation, über Schmerz, über die Unfähigkeit, miteinander zu reden, über Extreme, über Hunger und Leidenschaft. Er spielt mit Missverständnissen, auch im Kopf des Betrachters. Er führt in die Irre. Babel liefert in wuchtigen Bildern und sanften Nuancen Leid und Größe, einen Mikrokosmos aus Möglichkeiten, Andeutungen, Chancen, Irrläufern. Vom dysfunktionalen Vater-Tochter-Gespräch in Japan bis zur Terroristenhysterie in Marokko, die die Rettung von Susan noch zusätzlich behindert und sie fast das Leben kostet und die schließlich einen harmlosen Kind das Leben kosten wird. Die Eindringlichkeit der Erzählung, die Kombination von Story, Bild und Musik macht deutlich, dass Kino nur dann wirkliche Größe erlangt, wenn es von Original-Drehbüchern ausgeht und nicht versucht, Bücher zu Bildern zu formen. Das der Kern des ganzen – wir Menschen können nicht miteinander sprechen – ein einfacher ist, stört dabei nie, denn dieses Thema steht fast unsichtbar als Wirbelsäule im Hintergrund, wird anhand grandios erzählter Symptome bespiegelt. Im Grunde ist die narrative Struktur selbst wie ihr eigener Plot: Einfache Ursache, komplexe Auswirkungen. Die Basisidee ist eine ureinfache, die Umsetzung ambitioniert, hochkomplex und klug vielverzweigt. Und dabei wird der Film nie wirklich nur düster oder fatalistisch, sondern zeigt auf, wie die Menschen erst in den ausweglosesten Extremen zueinander finden. Amelia umarmt ihren Sohn, der sie – nach Mexiko ausgewiesen – auf der Straße aufpickt. Chieko und ihr Vater. Richard und Susan, der zerüttete Ehepaar, die wieder sprechen müssen, damit so etwas einfaches wie Urinieren gemeinsam gemeistert werden kann. Die Familie als Kern. Erst wenn die Sprache versagt, zeigt Babel, finden die Menschen ohne Prätentionen zusammen. In Gesten, in Stummheit, in der verzweifelten Hilflosigkeit einer Umarmung. Was uns eint, ist die Sprachlosigkeit. In Wirklichkeit ist Babel vielleicht kein Film über die Unfähigkeit, miteinander zu kommunzieren, sondern im Gegenteil ein Film darüber, wie man wirklich zusammenfinden kann, wenn man die Sprache hinter sich läßt. Erst als Chieko alle Hüllen fallen lässt, auf sich selbst zurückgeworfen im kalten Wind der von Tokios Hochhauscanyons, kann sie mit ihrem Vater zusammenkommen… was vorher, in der Flut von Videobildschirmen, Mobiltelefonen, Voicemails und so zahl- wie nutzlosen Worten nie gelang.

Babel ist, wie man es dreht oder wendet, ein grandioser, manischer Film, von der Idee bis zur Umsetzung, von der Musik bis zum letzten Darsteller, voller großer magischer Bilder und kleiner wunderbarer Andeutungen, drei Filme für den Preis von einen und jede der Episoden in ihrer Kraft so entrückend, dass man fast darum trauert, diesen Protagonisten nicht weiter auf ihrem Weg zusehen zu dürfen. Ein Film, der herzzerreissend ist, aber nie kitschig, nie banal, nie vorhersehbar oder einfach. Der irrlichtert und doch eine klare Vision hat. Der herrlich verlogen ist und zugleich ehrlich. Intim und global. Sexy und smart. Der improvisieren kann und zugleich eine markerschütternde kühle Präzison aufweist. González Iñárritu zeigt hier, was sich lange schon abzeichnet: Die Zukunft des Kinos liegt nicht in Hollywood.

Unbedingt ansehen.

15:42 Uhr. Kategorie Film. Eine Antwort.

Fetischimmobilien

30. Dezember 2006 11:38 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

CHUCK KLOSTERMAN: SEX DRUGS AND COCOA PUFFS

Daß ich in letzter Zeit Chuck Klosterman gelesen habe, hat der ein oder andere ja vielleicht bereits bemerkt. Das Buch des amerikanischen Journalisten und Kolumnisten, der mit Killing Yourself to live ja gerade Furore macht, ist ein Potpourri von allerlei Gedanken zur aktuellen Pop-, TV-, und Sportkultur, die ohne tieferen Sinn und ohne Kontext, wie einzelne Artikelfragmente, auf dich zukommen. Ein zunächst zutiefst unwichtiges und kurzlebiges Buch, denn es dürfte mehr als fraglich sein, dass jemand in 20 Jahren noch Klostermanns Betrachtungen zur MTV-Serie The Real World auch nur ansatzweise nachvollziehen wird können. Und auch so ist die Frage: Muss man der Welt mitteilen, dass man alle Staffeln, alle Folgen dieser Serie gesehen hat? Und alle Teilnehmer nahezu auswendig kennt? Muss man über seine Liebe zum uncoolen Billy Joel schreiben? Muss man über Country-Musik vs. Moby schreiben? Und die Antwort ist nahezu ausnahmslos. Muss nicht, aber man kann ja mal. Unter Titeln wie «The Awe-Inspiring Beauty of Tom Cruise’s Shattered, Troll-Like Face» flanieren wir durch Klostermans Welt und Kopf, durch einen von Popkultur durchsetzen Trashkosmos, in dem Klosterman mit der Geduld eines Goldgräbers auf versunkene Schätze hinweist. Das ist mal oberflächlich, auch mal langweilig – wenn einen das Thema so gar nicht berührt, wie etwa American Football bei mir –, und immer wieder auch tiefgründig. Klosterman findet in den sumpfigen Day-Glo-grellen Gossen der kommerziellen Popwelt immer wieder Fragmente grundlegender Wahrheiten über das menschliche Leben in einer medialisierten Welt.

Als roter Faden emergiert die These, dass mediale Vorbilder das reale Leben überschreiben, dass wir unsere Handlungen, unsere Lebensziele, unsere Ansichten auf Kinofilme, Fernsehserien, Bücher, Songs formatieren, und so zu Von Art imitates Life zu Life imitates Art kommen, wir werden zu Simulationen der Simulation.

Dieser Ansatz wird etwa deutlich, wenn Klosterman darüber schreibt, dass seit etwa den 60er Jahren zunehmend die Suche nach Liebe von künstlichen medialen Idealbildern dominiert wird.
This is why I will never be completely satisfied by a woman, and this is why the kind of woman I find attractive will never be satisfied by me. We will both measure our relationship against the prospect of fake love. … They think everything will work out perfectly in the end… … The main problem with mass media is that it makes it impossible to fall in love with any acumen of normalcy. There is no «normal» because everybody is twisted by the same sources simultaneously. ,, Real people are actively trying to live like fake people, so real people are no less fake.

Über The Sims:
What seemed so new about Seinfeld was that it didn’t need a story to have a plot: Nothing was still something. The Sims forces that aesthetic even further. Nothing is everything.

Über The Real World:
By 1997, the opposite was startng to happen: I kept meeting new people who were like old Real World characters…. If nothing else, The Real World has provided avenues for world views that are both specialised and universal.

Über Tribute-Bands:
These are bands mired in obscurity and engaged in a bizarrely postmodern zero-sum game: If a tribute band were to completely suceed, its members would no longer have personalities.

Über Pamela Anderson:
Pam is the embodiment of modern female sexuality and that embodiment is a Barbie Doll. … She’s never been a person, and I’m glad. Pam doesn’t just have sex with guys, Pam fucks reality. … That’s the weird irony that makes Pam Anderson so essential to our times: She’s not a real person, but she’s still more real than any sexual icon we’ve ever had. Pam Anderson is a mainstream, nonsubversive porn star…

Über Amateur-Online-Pornographie:
We want imperfection and we want heightened reality.

Über Frühstücksflocken:
An inordinate number of cereal commercials are based on the the premise that a given cereal is so delicious that a fictional character would want to steal it. … They’re the first step in the indoctrinations of future hipsters: Cereal commercials teach us that anything desirable is supposed to be exclusionary. … We pursue that which retreats from us. … The desire to be cool is – ultimatively – the desire to be rescued. It’s the desire to be pulled from the unwashed masses of society. … If we can just find that one cool thing that nobody else has… we can be better than ourselves.

Über Star Wars:
The Empire Strikes Back was the seminal foundation for what became «Generation X».

Es macht nur Sinn, wenn Klosterman im weiteren Verlauf auch über die Frage nach Realität anhand von Filmen wie Matrix, Vanilla Sky oder Memento fragt oder die Unmöglichkeit von Authentizität in Zeitungsartikeln, über Journalisten, die völlig in ihrem Musik-Expertentum aufgehen und jeden Realitätsbezug verlieren, in ihrem Pop-Minikosmos verloren trudeln. Womit sich irgendwie ein Kreis schließt, denn Klosterman selbst ist so ein Universal-Experte, der mit einem erschreckenden Schatz an Querverweisen, Deutungshoheiten und Ideen durch die Musikgeschichte und die aktuelle Popkultur wandert und bei dem man schnell merkt, daß ihn diese schillernde Plastikwelt im Kern mehr interessiert als die echte. Chuck spielt mit seinem The-Sims-Chuck, weil er im Grunde ein virtuelles Leben führen möchte, ein reineres, klareres Dasein als reines poppig buntes Pixelbergchen führen will.

Dieser greifbare Wunsch, sich im Low-Culture-Universum aufzulösen wie ein Zuckerwürfelchen hält Klosterman nicht davon ab, smart und witzig und einsichtig über das Leben im berühmten 21. zu schreiben, wie ein Kugelblitz von einem Medium zum nächsten, von einem Genre zum anderen, mit einem gigantischen Cachet an unwichtigsten Fachwissen, einem Lexikon moderner Nichtigkeiten. Es macht Spaß dabei zuzusehen, wie schnell Klosterman von Trivialen ins Fundamentale wechseln kann und den Status Quo des urbanen, durchmedialisierten Lebens verortet. Das er dabei sehr amerikanisch und sehr aus der Sicht der nordwestlichen Kristallpalastbewohner schreibt, versteht sich von selbst… aber eben aus dieser Perspektive heraus ergibt sich eben derzeit die globale kommunikationspolitische Erschließung der Welt und aus dieser Perspektive heraus ist unsere westliche Gesellschaft insofern auch zu deuten. Pamela Anderson mag in einem südafrikanischen Dorf eben nicht der Nabel der Welt sein, aber in Los Angeles – und der westlichen Welt, die an dieser medialen Nabelschnur hängt, ist sie das (gewesen, wie gesagt, solche Texte altern schnell)… und insofern sind solche Betrachtungen aus dem Epizentrum der Mediengenesis wichtig für unsere eigene, stets mit auf den den Schockwellen amerikanischer Kultur reisende Gesellschaft. Und die Transfiguration realen Daseins in eine neue, durch medien figurierte Form von Imitationsleben, die ist hier seit langem auch spürbar als einer der wichtigsten sozialen Trends seit den 80er Jahren und ebenso spannend wie beängstigend. Wir sind sind Sims. Wir wollenm aussehen wie Pam und Britney, wie Brad und Colin. Wir wollen keine echten menschen lieben, sondern fiktionale Perfektion, fake love. Und deshalb scheitern immer mehr Menschen an ihren eigenen, Simulacra-Sehnsüchten. Chuck Klosterman belegt diesen Trend mit klugen Anekdoten und anstatt in das sich hier anbietenden Untergang-des-Abendlandes-Gejammer einzustimmen, krault er uns lieber wohligen, fast behaglichen Schauer aus dem kollektiven Rücken.

Klosterman schreibt schnell und witzig… und dürfte schrecklich für alle sein, die nicht einen kleinen Nerd in sich haben, der zu viel Wissen über unwichtige Filme und schlechte Bands lebenslang mitnotiert und gemerkert hat… aber ansonsten ist das Buch eben von einem von uns für uns geschrieben.

29. Dezember 2006 16:08 Uhr. Kategorie Buch. 2 Antworten.

BODENBUILDING 3

Und weil es so schön war, noch ein Bild aus der Backgroundentstehung der upcoming Meyerhof-Site. Dieses Motiv sieht man nie wirklich – eigentlich schade – es beschreibt nur die Nutzung und ladezeitoptimierte Aufteilung sowie die Fahrwege über den Holzboden im Hintergrund des Traditions-Bereiches.

12:09 Uhr. Kategorie Leben. 3 Antworten.

CHUCK FRAGT 23

Finale! Die letzte (wieder leicht eingedeutschte) Frage von Chuck Klostermann…

a) Denk’ einen Moment über den hochverehrten TV-Star Horst Tappert (Derrick) nach.
b) Jetzt stell dir vor, Tappert wäre nie wirklich berühmt geworden. Stell dir vor, er wäre nie ein Star gewesen und frage dich, wie seine Persönlichkeit dann wohl gewesen wäre.
c) Jetzt stell dir vor, dass diese Person – der unberühmte Horst Tappert – ein Star in einer Sitcom ist.
d) Soweit okay? Weiter: Du selbst bist auch eine Figur in dieser Sitcom und der nicht-berühmte Horst Tappert spielt deinen Vater in der Serie.
e) Aber: Diese Sitcom ist in Wirklichkeit dein echtes Leben. Anders gesagt: Du lebst in einer Sitcom. Dein gesamtes Leben ist eine fiktive Konstruktion, und mit dabei ist der unberühmte Horst Tappert, der sich selbst in der Rolle deines Fernsehvaters spielt. Aber es ist keine Sitcom. Es ist dein echtes Leben.

Wie würdest du dich dabei fühlen?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

27. Dezember 2006 11:10 Uhr. Kategorie Stuff. 14 Antworten.

Nouvelle Vague Bande a’Part

Das zweite Album der französischen Formation Nouvelle Vague habe ich mir ehrlich gesagt nur zugelegt, weil ich auf die salsa-esque Fassung von dem Bauhaus-Meisterwerk Bela Lugosi’s Dead gespannt war und Respekt vor jeder Band habe, die ein Juwel wie Escape Myself von The Sound ausgräbt. Die beiden Tracks schließen nahtlos, vielleicht zu nahtlos, an das Vorgängeralbum an, während der rest der CD zu einem Großteil bereits zeigt, wohin sich Nouvelle Vague anscheinend entwickeln werden: zur 80er-Party im ironischen Jazzgewand. Waren auf der ersten Platte noch mehr New Wave- und Punk-Nummern vertreten, überwiegen hier bereits eher muffige Achtziger-Stiefel wie Dancing With Myself oder Don’t Go. Zwar finden sich auch noch Re-Interpretationen von Cramps, Buzzcocks und A Certain Ratio, aber das ausgerechnet ein NDW-Hit wie Eisbär als Single ausgekoppelt war, ist wohl leider wegweisend.

Nouvelle Vague machen Musik, die in den Achtzigern Punk, Wave und davon inspirierte Chartsmusik gehört haben und sich die ganzen Sachen heute nostalgisch wieder anhören möchten, aber doch bitte auf eine entspannte, weniger anstrengende Art. Musik, kurzum, für die Altgewordenen. Pantoffelnostalgie. Den alten Nummern werden die Verzerrer und die Energie geklaut und alles kommt swingend und loungig daher. Ohne Energie, ohne Zähne, ohne Wut, ohne No-Future. Ohne die Angst und Paranoia, ohne zuviel Make-Up, ohne Tragödie. Und insofern unendlich langweilig und flau, reine Parodie, leeres Zitat. Die ungeheuer flockigen Interpretationen und der französische Charme machen das leicht und insofern verführerisch erträglich, aber im Grunde bleibt doch, dass hier einer energetischen Bewegung die Zähne gezogen werden. Wie der Punk selbst, der heute mit Konsumbands wie Billy Talent und Green Day im Mainstreamradio angekommen ist (wo er ja auch immer hinwollte), sind eben auch die rebellischen Teens von früher dicker und braver geworden, arriviert. Mir ist letztens aufgefallen, wie viele Leute aus meiner Generation stehen geblieben sind, nur noch die Tracks von früher hören wollen. Die Musik, die sie daran erinnert, wie das Leben war, als sie 18 waren. Anstatt die Musik zu hören, die sie hören würden, wenn sie HEUTE 18 wären. Anstelle des Neuen wird das Vertraute gesucht, anstelle der Entdeckung die Erinnerung bevorzugt. Genau diese Nische bedient Nouvelle Vague und genau das macht diese Platte, bei aller Sympathie, bei allem Humor der Re-Interpretation und so nett das alles als Hintergrundmusik bei Parties sein mag, zu einer irgendwie traurigen Sache: Es ist unterm Strich eine Platte für Leute mit Bausparvertrag.

25. Dezember 2006 02:54 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

MERRY X-MAS


Feiert.

24. Dezember 2006 17:13 Uhr. Kategorie Leben. 5 Antworten.

CHUCK FRAGT 22

Du arbeitest in einem Büro und bist im allgemeinen ziemlich beliebt bei deinen Kollegen. Du findest aber heraus, dass aktuell zwei Gerüchte über dich im Umlauf sind. Nach dem ersten Gerücht warst du auf der Büro-Weihnachtsfeier betrunken und hast mit einem oder einer verheirateten Mitarbeiter(in) geschlafen. Dieses Gerücht entspricht übrigens voll und ganz der Wahrheit, die meisten Leute glauben allerdings nicht daran. Laut dem zweiten Gerücht hast du im Werte von mehreren hundert Euro Büromaterial geklaut und verkaufst es, um Spielschulden zurückzuzahlen. Dieses Gerücht ist zwar erstunken und erlogen, aber die meisten Kollegen glauben absolut daran.
Welches dieser beiden Gerüchte besorgt dich mehr?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

23. Dezember 2006 14:37 Uhr. Kategorie Stuff. 8 Antworten.

CHUCK FRAGT 21

Stell dir vor, du wärest wieder fünf Jahre alt und erlebst den Rest deines Lebens noch einmal – und würdest dabei bereits alles wissen, was du jetzt als Erwachsener weißt. Du erlebst deine gesamte Teenagerzeit noch einmal und besitzt dabei sowohl die kognitiven Fähigkeiten als auch alle Erinnerungen aus deinem «vorherigen» Leben.
Würdest du deine Jungfräulichkeit eher früher oder eher später verlieren? (Und um wieviel Jahre?)

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

10:18 Uhr. Kategorie Stuff. 10 Antworten.

Anja Garbarek: Briefly Shaking // Smiling and Waving


Und noch eine berühmte Tochter. Diesmal vom Star-Jazzer Jan Garbarek, von dem Anja vielleicht den Hang zum Soften ebenso wie die Vorliebe für skurrille Klangfusionen geerbt haben mag. Wo Vater Jan eher mal einen Fuß in Richtung Klassik streckt, ist Tochter Anja eher im eher soften FemPop unterwegs. Das sie dabei kaum weniger eigenartig als etwa (die frühe) Tori Amos, wenn auch komplett anders. Die Stimme rauchiger, leiser, weniger Sirene, mehr Katze, ganz eigen. Noch am ehesten mit der grandiosen Stina Nordenham verbunden. Polyrhythmisch, synkopisch, ist die Musik weniger auf das Piano aufbauend, irrlichtert zwischen Jazz, Chanson, Pop. Unterm Strich ist Anja Garbareks Musik, wie so viel Musik zwischen Jazz und Pop mit Frauengesang, ultimativ irgendwie harmlos. Musik, die man wunderbar anhören kann, die gut im Hintergrund perlt, die grandios ist, um Sonntags den ganzen Tag eng umschlungen zu verbringen. Aber man kann sich keinen Track wirklich merken. Dennoch liefert Garbarek nicht den typischen Girliepop-Kaffeehaus-Jazz, sondern  Sie hat ihre kleinen avantgardistischen Anflüge. Die Spieldosen-Sounds, die Background-Geräusche, die gerade bei Smiling & Waving spürbare düstere, eben norwegische Stimmung in der Musik, die Anleihen aus Jazz und Klassik, die kleine Kakophonie hier und da, die atmosphärischen Texte. Die Mischung, so soft sie zunächst wirkt, bleibt oft schwer zugänglich, seltsam unkommerziell, und fordert zur Auseinandersetzung auf. Es ist eine kluge Melange, die Garbarek da anbietet, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

21. Dezember 2006 19:46 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

TYPOBERLINVIDEO


In der Musikindustrie hat man stets Angst, zu teilen, bim Fontshop ist das anders. Bereits ein halbes Jahr nach der ja nicht völlig billigen (aber preiswerten) Designkonferenz TYPO in Berlin sind einige der Highlight-Vorträge gratis online verfügbar. Nun war die letzte Typo auch so derart gerammelt voll, dass man vielleicht auch einfach entspannt das Richtige tun kann und die Informationen reisen läßt, ohne sich um drei oder vier Tickets Sorgen zu machen. Die Strategie des Draufsitzens hat sich ja für die Musikbranche auch nicht bewährt, die des Teilens (in der Indie-Szene) aber sehr wohl. Wer gratis gibt, erntet oft Erfolg. Anyway, ich hoffe, es ist genialer Hype für die 2007er Typo und auf jeden Fall ist es schön, dass Leute, die finanziell oder durch die rein räumliche Entfernung nicht nach Berlin kommen konnten, jetzt die Höhepunkte genießen können, auch wenn die Videos nur einen Bruchteil des echten Erlebnisses wiedergeben. Feine Idee vom Fontshop, as usual.

Neben dem etwas älteren Neville-Brody-Beitrag von der 2005er Change-Typo finden sich hier von 2006 zunächst Kalle Lasn und Chip Kidd und damit meine zwei besonderen Highlights der letzten Typo. Lasn steht derzeit für mich wie kein zweiter für die Zukunft des Designs, für das, was passieren muss. Kidd stellt als Retrofuturist ersten Ranges den gegenwärtigen Stand intelligenten Designs dar. Beide verkörpern zugleich auch, was entsteht, wenn Designer frei arbeiten. Lasn ist eigentlich ja kein klassischer Designer, aber er und sein adbusters-Team haben sich ohne Druck frei und evolutionär an einen bestimmten Punkt heranarbeiten können, dito Kidd, der zwar unter hochkommerziellen Bedingungen arbeitet, aber offensichtlich ein gerüttelt Maß an kreativem Freiraum genießt, weil seine Arbeit dem Niveau der literarischen Inhalte gerecht werden muss (und weil Kidds Design sich einfach auch gut VERKAUFT – Erfolg macht frei).

Einfach hier ansehen…

20. Dezember 2006 10:26 Uhr. Kategorie Design. 14 Antworten.

CHUCK FRAGT 20

Aus irgendeinem Grund erscheinen zwei unauthorisierte Filme über dein Leben. Der erste ist ein Low-Budget-Indie-Dokumentarfilm und besteht hauptsächlich aus Interviews mit Menschen, die dich kennen besteht und aus insgeheim gedrehten Material. Kritiker beschreiben den Film als «brutal ehrlich und erbarmungslos fair». Gleichzeitig hat Columbia Tri-Star einen Big-Budget-Film über dein Leben gedreht, mit berühmten Hollywood-Stars in den Hauptrollen. Obwohl der Film auf Fakten basiert, haben sich die Drehbuchautoren ziemliche Freiheiten mit den Tatsachen erlaubt. Die Kritiker sind über den künstlerischen Wert des Films ziemlich uneins, aber das Publikum liebt den Film offensichtlich.
Welchen Film würdest du dir lieber ansehen wollen?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

19. Dezember 2006 17:35 Uhr. Kategorie Stuff. 20 Antworten.

THE COOPER TEMPLE CLAUSE LIVE STOLLWERCK KÖLN

Auf der Visions-X-Party im Kölner Bürgerhaus Stollwerck traten neben den mehr als spielfreudigen Mother Tongue – die mit ihrer Oldschool-Hardrock-Schiene das Publikum zum Toben brachten – auch The Cooper Temple Clause auf. Die rissen, obwohl Headliner des Mini-Festivals, das Publikum bei weitem nicht so von den nicht vorhandenen Sitzen wie Mother Tongue, der Saal leerte sich sogar spürbar, so dass man bis an den vorderen Bühnenrand spazieren konnte, was vorher absolut undenkbar war. Vielleicht liegt es daran, dass das LineUp des Konzertes nicht auf die gleiche Zielgruppe zugeschnitten hat und man vielleicht zu mutig auf breiteren Musikgeschmack gesetzt hat. Ich selbst mochte beide Bands und sehe das Problem nicht, aber Tatsache ist, dass TCTC vor leereren Rängen spielten. Die Briten zogen trotzdem trocken und betont cool ihr Set durch. Neben dem typischen Oasis-meets-Hardcore-Indiepop-Mix der Band war überraschend überzeugend, wie gut die Combo elektronische Elemente auch live in ihren Sound einbringt. Der Preis, wie stets bei MIDI, ist allerdings ein etwas steriles, am Klick orientieres, Songtempo und ein Drummer, der unter seinen Kopfhörern steckt und nie wirklich aus sich herausgeht. Die Liveshow von TCTC erinnert mich tatsächlich etwas an Oasis, nur als jüngere, hippere Version. Nicht nur, daß Daniel Fisher eben stark nach Gallaghers heiserem Timbre klingt, auch seine Posen und sein Kleben am Mikro-Ständer sind very Oasis. Der Rest der Band tut den Job, aber nach einer orgiastischen Livecrew wie Mother Tongue wirkt das etwas verbissen und wenig. Sehr guter Sound, völlig überzeugende Einzelleistungen, solides Set und sehr guter Indiepop, aber auch kein Konzert, das dich wirklich mitreisst.

Nach dem Break wieder Bilder von meiner unersetzlichen, hauseigenen und charmanten Konzertphotographin…

(weiterlesen …)

13:45 Uhr. Kategorie Live. 3 Antworten.

CHUCK FRAGT 19

Dein bester Freund schlummert auf deinem Wohnzimmerboden plötzlich ein. Und auf einmal stehst du vor einem bizarren existentiellen Problem: Dieser Freund wird sterben, wenn du ihm/ihr nicht mit aller Kraft, so fest du nur kannst, in die Brust trittst, Wenn du ihn oder sie nicht in den Brustkorb trittst, wird er/sie sterben. Du wirst dies aber niemals nachträglich erklären können. Wenn du auch nur versuchst, zu erklären, dass du sein/ihr Leben mit diesem Kick gerettet hast, wird dein Freund oder deine Freundin ebenso sofort sterben. Kurzum: Du musst einem guten Freund oder einer gute Freundin im Schlaf in die Brust treten und wirst ihnen niemals erklären können, WARUM du es getan hast.
Da du nicht die Wahrheit erzählen kannst, welche Story wirst du erfinden, um diese scheinbar sinnlose Attacke zu begründen?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

18. Dezember 2006 19:12 Uhr. Kategorie Stuff. 13 Antworten.

BACK TO MINE: NEW ORDER TRICKY LAMB

Wird Zeit, endlich meinen CD-Stapel fürs Blog abzuarbeiten. Fangen wir mit was leichtem an. Die Back to Mine-Serie ist seit langem ein Favorit von mir, da es immer inspirierend ist, zu hören, was Musiker, deren Arbeit du schätze, so selbst als Inspirationsquelle sehen. In allen Fällen sind die Back-Compilations immer überraschend, vielseitig und im besten Sinne kapriziös. Mal ist es wie bei New Order eher eine reine Compilation von Lieblingstracks, mal steuern die Musiker, wie bei Tricky und Andy von Lamb, auch eigene eher unbekanntere Tracks bei. Aber alle drei Scheiben ergeben eine durchweg spannende, hörenswerte Mischung, die man fix mit Gästen oder bei Parties laufen lassen kann, in die man aber auch konzentriert einsteigen kann und die – vor allem dank der Liner Notes – auch einen winzigen Einblick in das Denken der Compilation-Zusammensteller geben. Am sicherlich besten ist Andys CD, weil Tricky einfach mit Cure und Kate Bush etwas eher platte Ausreißer hat und ansonsten sehr viel eigene, New Order profitieren von einem durch Jahrzehnte gereiften Indie-Musikgeschmack, der wunderbar exzentrisch ist.

Gute Mixtapes sind Liebesbriefe. Diese drei sind zum Heiraten.

14:36 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.

THE DEPARTED

Ein.

Gottverdammtes.

Meisterwerk.

17. Dezember 2006 23:35 Uhr. Kategorie Film. 16 Antworten.

I HEART GLOOMY BEAR

Den muss man doch einfach liebhaben dürfen

12:37 Uhr. Kategorie Stuff. 5 Antworten.

Album 067

02:08 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Spongebob saves the Christmas Doggie

klicken

16. Dezember 2006 17:47 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

SMALL THINGS

The small but real pleasure in life of finding an object that is the absolute best of its kind for you and subsequently knowing that you don’t need to look for others anymore because you’ve found THE one. The right coffee, the right rollerball pen, the right notebook, the right underwear, the right diner, the perfect cheeseburger. In many ways life is an ongoing (and sometimes unconscious) series of searches for big things and small. Happiness, a partner, peace, the perfect cheeseburger. As we all know, actually finding the big ones are rare; impossible much of the time. But the small ones are sometimes attainable if we are lucky. How satisfying it is when we come across something that perfectly fits the curve of our desire.

Jonathan Carroll

11:51 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

CHUCK FRAGT 18

Du hast ein Preisausschreiben gewonnen. Er hat zwei Gewinne zur Auswahl und du kannst dich nur für einen davon entscheiden, nicht für beide. Du kannst entweder ein Jahr in Amerika verbringen, mit einem monatlichen Stipendium von 2000 €. Die zweite Wahlmöglichkeit ist: zehn Minuten auf dem Mond.
Wofür wirst du dich entscheiden?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

09:37 Uhr. Kategorie Stuff. 24 Antworten.

Spiegel

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03:23 Uhr. Kategorie Photos. 5 Antworten.

CHUCK FRAGT 17

Du sitzt in einer leeren Bar in einer Stadt, in der du nie zuvor gewesen bist, und trinkst dort einen Bacardi mit einem eher sanftmütigen, ruhigen und vor allem flüchtigen Bekannten, den du kaum kennst. Nach einer Stunde betritt ein dritter Mann den Laden und setzt sich allein an die Bar. Du fragst deinen bekannten, wer dieser Neuankömmling sei und er antwortet: «Hüte dich vor diesem Mann, er hat eine Vergangenheit.» Ein paar Minuten später kommt eine vierte Person in die Bar und auch dieser Mann setzt sich alleine an die Theke. Du fragst deinen Bekannten wieder, wer dieser Typ nun wieder sei und bekommst zur Antwort: Vor dem solltest du dich auch hüten, er hat keine Vergangenheit.»
Welchem dieser beiden Männer würdest du weniger vertrauen?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

15. Dezember 2006 00:57 Uhr. Kategorie Stuff. 19 Antworten.

BODENBUILDING 2

14. Dezember 2006 17:53 Uhr. Kategorie Arbeit. 13 Antworten.

ERLEUCHTUNG

klicken

13. Dezember 2006 20:25 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

CHUCK FRAGT 16


Jemand baut eine Art optisches Portal, das es dir ermöglicht, einen Blick in deine Zukunft zu werfen (im Grunde handelt es sich um eine Kristallkugel, die einen eher zufällig ausgewählten Moment deines Lebens in zwanzig Jahren zeigt). Du kannst nur 30 Sekunden lang durch dieses Portal in die Zukunft blicken. Als du dich endlich entschließt,einen Blick zu riskieren, siehst du dich selbst in einem Wohnzimmer, zwei Dekaden älter als heute. Du schaust dir ein griechisches Fußballspiel an und wirkst dabei hochglücklich. Du trägst ein Fanshirt von Olympiakos Piräus und um dich herum liegen Bücher und Magazine, die die griechische Profiliga promoten, an deinen Wänden hängen Spielerposter und Wimpel. Du bist alleine im Raum und murmelst während du das Spiel siehst freudig über die großen Momente der griechischen Fußballgeschichte vor dich hin. Keine Frage: aus irgendeinem unbekannten Grund bist du in der Zukunft geradezu besessen vom griechischen Fußball. Und diese Zukunft ist fix, absolut garantiert, sicher und absolut – völlig egal, was du tust, dieser Moment WIRD kommen. Die Kristallkugel irrt sich niemals. Diese Bestimmung lässt sich nicht ändern.
Am nächsten Tag zappst du durch die Fernsehkanäle und stößt zufällig auf ein Spiel zwischen Panathinaikos Athen und AEK Athen. Angesichts deiner unausweichlichen Zukunft… wirst du dir dieses Spiel ansehen?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs
(leicht europäisiert, sorry Chuck)

10:34 Uhr. Kategorie Stuff. 17 Antworten.

BITTE NICHT…

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12. Dezember 2006 09:11 Uhr. Kategorie Photos. 3 Antworten.

CHUCK FRAGT 15

Du hast einen Gehirntumor. Obwohl es dir im Moment absolut gut geht, wird dieser Tumor dich ohne jeden Zweifel innerhalb von sechs Monaten töten. Dein leben kann (und wird) allerdings durch eine Operation gerettet werden. Der einzige Nachteil ist, dass es sich dabei um einen ziemlich brutalen Einschnitt in deinen vorderen Stirnlappen handeln wird. Nach dem Eingriff wirst du dadurch spürbar weniger intelligent sein. Du bist nach wie vor ein ganz normaler «funktionierender» Erwachsener, aber du wirst weniger logisch denken können, dein Gedächtnis wird schrecklich sein, und das Begreifen komplexer Konzepte oder schwieriger Ideen wird dir sehr schwerfallen. Die Operation findet in zwei Wochen statt.
Wie verbringst du die nächsten vierzehn Tage?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

11. Dezember 2006 19:08 Uhr. Kategorie Stuff. 13 Antworten.

YOYO


15:11 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.

Made with FontFont

Frisch auf dem Markt ist ein Buch, das nach der FIFTEEN-Ausstellung nun auch in Printform das Phänomen Fontshop unter die Lupe nimmt. Und weil Jan Middendorp und Erik Spiekermann nicht nur exzellente Buchmacher sind, sondern auch aus erster Hand wissen, wovon sie sprechen, ist das Buch ein faszinierender, mitunter inhaltlich etwas zu nüchtern geratener, dafür gestalterisch umso wilderer Ritt durch die Geschichte der FSI-Foundry, die mit ihren FontFonts seit den späten 80ern eine deutsche Ausnahmeerscheinung war.

Wie fast kein zweiter Schriftanbieter – vielleicht mit Ausnahme von Emigre – hat FSI die digitale Revolution begleitet und mitgestaltet – von experimentellen Fonts wie der FUSE-Serie von Brody und Wozencroft bis zu modernen typographischen Klassikern wie Meta und Thesis, die einige klassische schöne Details der Schriftgestaltung, wie etwa Minuskelziffern, SmallCaps oder Ligaturen wieder im modernen Gewand zurück in Gebrauch brachten. Ob als «Abfallprodukt» der Auftragsarbeiten von Eriks «realem» MetaDesign, wie etwa die Transit oder die Meta selbst, oder später zunehmend als eingereichte Original-Entwürfe: Die Synopse der Arbeit von FSI macht klar, dass Schrift ein Motor von Design ist und enthüllt zugleich überraschenderweise, wie enorm europäisch geprägt die Font-Designs sind, in denen oft niederländisches oder britisches Flair auf deutsche Klarheit trifft. Wenn es so etwas wie ein europäisches Design gibt, manifestiert es sich hier. Rückblickend ist überraschend, wie transeuropäisch die Fontsfonts anmuten und wie oft sie auch einen Hauch ihrer jeweiligen Zeitgeschichte in sich tragen, und das gilt nicht nur für die Ampelmännchen oder die Straßenschildschriften. Neben den zeitloseren «typographic» Schriften gab und gibt es bei FSI immer Schriften, denen man im Rückspiegel anmerkt, wann und warum sie entstanden sind, wie zuletzt etwa Henning Krauses Trivia (die keine echte FSI-Schrift war, sondern vom Distributor Fontshop Deutschland, aber so what…), die die in der Luft liegende Ästhetik der WM zitierte und weiterentwickelte.

Wenn es heute eine Foundry gibt, um die man einfach nicht herumkommt, wenn man zeitgenössisches Grafik Design machen will, wenn es einen Anbieter gibt, dessen Gesamtbibliothek man sich irgendwann zulegen möchte… dann ist das sicher Fontshop International. Und dieses Buch gewährt nicht nur einen wunderschönen Blick auf die Gestaltungsarbeiten mit den weit über 2000 Schriften, die FSI in den letzten eineinhalb Dekaden veröffentlicht hat, sondern wirft auch Streiflichter auf die Entstehung der Schriften. Obwohl auf den ersten Blick kein offensichtliches Must-Have-Buch, ist es ein informativer historischer Rückblick auf einen wichtigen und revolutionären Zeitraum des Kommunikationsdesigns aus der Perspektive des ultimativen Tools der Printkommunikation – der Schrift. Von den wilden Anfängen bis zum heutigen Corporate-Design-forever-Standard. Und allein als solches Zeitbarometer ist Made With FontFont den Preis auf jeden Fall wert ;-D

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11:32 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag . 11 Antworten.

300 Trailer

Der zweite Trailer des auf Frank Millers Comicbook basierenden Sparta-Epos 300 ist ein weiterer Schritt hin zur Konvergenz von Film und VR-Gaming. Was in zahlreichen anderen Filmen bereits angedeutet ist, kann man hier fast greifen: Film und Video-Spiel verschmelzen technologisch und ästhetisch zu einem Medium. 300 greift visuell vorweg, was in einigen Jahren der Standard im Gamingbereich sein dürfte: ein unwirklicher Mix aus Virtueller Umgebung und digitalisierten Realdarstellern. Das Ergebnis sind interaktiv steuerbare Filme – und diesen Möglichkeiten scheinen die Spielemacher nach wie vor etwas hilflos gegenüber zu stehen. Hier deutet sich die Möglichkeit einer komplett neuen Vorstellung narrativer Strukturen an, verzweigt, dynamisch, diskursiv multitextual, explorativ, die unsere bisherigen Vorstellung von Erzählung, von Autorenschaft etwa so verändern dürften wie der 12″-Remix in den 80ern die Vorstellung von einem «Song» erodiert und revolutioniert hat. Es gab plötzlich nicht mehr den «einen» Song, sondern Variationen, Iterationen und man konnte sich – wenn auch nur aus einer vorgegeben Auswahl – seinen Favoriten auswählen. Oder, inzwischen, selbst tätig werden und Songs remixen, wie vor einigen Jahren eine phantastische Fan-Page bewies, die sich faktisch jedes Björk-Lied gleich mehrfach rekonstruktiv zur Brust nahm.

Ich hatte mit Marian kürzlich das Gespräch, dass ich denke, wir haben inzwischen mehr als genug Spiele, die an die untersten Instinkte der Käuferschaft appellieren. Adrenalin und explizite Gewalt engen die Konsolenspiele auf eine zu kleine Zielgruppe ein, und sozial weisen sie nicht in die richtige, positive Richtung. Wir brauchen Spiele, die anregen, die kreativ machen, die den Spieler nach oben ziehen und bereichern. Bisher ist aus meiner Sicht ausnahmslos das Buch das Medium, das dich klüger, weiter, reicher macht. Gefolgt, mit einigem Abstand von Film und Musik, die beide schon eher emotional sind, niemals so in die Tiefe gehen können wie Buch, niemals die Reichhaltigkeit an Textur hergeben. VR-Spiele, wie sie sich oben andenken ließen, könnten diese Tiefe erreichen und überbieten, indem sie aus der hierarchischen Struktur fest vorgegebener Autorenstrukturen herausbrechen. Ein Buch hat einen festen Verlauf, in einem Spiel könnte ein Autor mehreren Verlaufssträngen parallel folgen, verschieden Charakteren usw. Solche neuen Formen von Erzählung könnten zugleich – über soziale Netzsoftware – von mehreren Onlineautoren weiterentwickelt werden, digitale Facfiction im Rahmen einer Spielumgebung. All dies existiert im Ansatz bereits und wartet nur auf den technologischen, aber vor allem auch den gesellschaftlichen Durchbruch.

10. Dezember 2006 23:03 Uhr. Kategorie Technik. 2 Antworten.

CHUCK FRAGT 14

Aus unerklärlichen Gründen können Katzen plötzlich auf dem Niveau eines durchschnittlichen Abiturienten lesen. Sie können zwar nicht sprechen oder schreiben, aber sie können still vor sich hinlesen und den Text tatsächlich verstehen. Die meisten Katzen lieben diese neue Fähigkeit, weil sie jetzt endlich etwas zu tun haben, während sie den ganzen Tag faul im Haus herumliegen. Allerdings werden ein paar Katzen auch depressiv, weil das Lesen sie dazu bringt, die engen Grenzen ihrer eigenen Existenz zu erkennen, ganz zu schweigen von der massiven Frustration, sich nicht auch selbst aktiv ausdrücken zu können.
Von all dem ausgehend… würdest du sagen, die durchschnittliche Katze mag den Comicstrip Garfield? Oder würden die Katzen diesen Cartoon eher als ärgerliche Beleidigung ansehen?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

13:06 Uhr. Kategorie Leben. 9 Antworten.

STUART IMMONEN

Von dem immer bestinformierten Martin Kretschmer kommt ein Webcomic von Stuart Immonen, den ich bisher nur als Artist im Printbereich kenne und der als Comic-Zeichner durch einen extrem wandlungsfähigen und doch stets eigenen Stil überzeugt, wie er gerade mit Warren Ellis bei Nextwave beweist. Sein kleines Webcomic ist zeichnerisch wunderbar, aber vor allem narrativ weit entfernt von den üblichen witzigen kleinen Online-Stories, sondern eher an Dave McKeans Cages erinnernd, kurze Skizzen mit einer an Raymond Carver erinnenden größeren Resonanz, die großartig und leicht von einer Figur und Szene zur nächsten weiterwandern. Ausgezeichnet und mit extrem hohem Suchtfaktor.

11:32 Uhr. Kategorie Online. Eine Antwort.

Album 066

8. Dezember 2006 23:43 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Terrorschlumpf

17:34 Uhr. Kategorie Stuff. 13 Antworten.

BODENBUILDING


16:22 Uhr. Kategorie Arbeit. 9 Antworten.

MARK HADDON: A SPOT OF BOTHER

Völlig anders als Mark Haddons erstes Buch, widmet sich A spot of bother einer eher durchschnittlichen britischen Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs. Das ist ganz wörtlich zu nehmen, den der pensionierte Vater George entdeckt eines Tages einen seltsamen Fleck auf seiner Haut und obwohl sein Arzt ihm versichert, es handele sich nur um ein harmloses Ekzem, ist George überzeugt, dass er am Krebs sterben wird und beginnt, methodisch seinen Selbstmord zu planen. Seinem Geisteszustand ist nicht unbedingt zuträglich, dass sein schwuler Sohn eine Beziehungskrise hat, seine Tochter Katie einen Mann heiratet (oder auch nicht) den sich nicht liebt (oder eben doch) und dass seine Frau ihn mit seinem Ex-Arbeitskollegen David betrügt, wobei er die beiden leider auch noch im eigenen Bett erwischt.

Georges Drift in den milden Wahnsinn, sein Versuch, sich seinen Krebs wegzuschneiden und die natürlich doch stattfindende Hochzeit von Katie und ihrem Freund Ray bilden das Gerüst des Buches, das Haddon ruhig und solide wegerzählt, 399 Seiten lang, die zwar amüsant, aber nur selten tiefgehend sind. Das Buch schafft die ein oder andere schöne Beobachtung, fühlt sich aber ansonsten an wie Nick Hornby light, und das will ja schon was heißen. Von der manischen Energie, die Curious Incident größtenteils verströmte, merkt man in Spot of bother nichts mehr, das Buch nieselt vor sich hin wie britischer Sommerregen und am Ende war eigentlich nichts, außer ein bisschen Trouble in einem Mittelstandshaushalt. Haddon gelingt anhand dieser Familie weder ein Portrait unserer Zeit, noch eine Auseinandersetzung mit Problemen der britischen Mittelschicht schlechthin, es gibt kaum Stellen, in denen der Text mehr ist als einfach nur eine chronologische Berichterstattung mehr oder minder unspannender Erlebnisse. Das alle Figuren im Buch auf ihre Art und Weise gebrochen sind und Georges Kurztrip in den Irrsinn paradoxerweise zum Katalysator all dieser kleinen Alltagskrisen wird, ist gelungen, aber die Resonanz der Figuren und ihrer Probleme, denen man schon tausendmal begegnet ist und mit denen man sich ein wenig langweilt, ist einfach zu gering. Ein Homosexueller mit Bindungsängsten, eine Frau vor der Hochzeit mit Liebeszweifeln, eine Gattin, die nach zig Jahren der monotonen Ehe das Abenteuer sucht – das ist eher der Stoff für laue Fernsehserien, nicht für ein solides Buch. Und so wirkt A Spot of bother wie ein Buch für die alle, die gerne mal mit einem Buch in der Straßenbahn gesehen werden möchten, aber insgeheim eigentlich lieber Sex & The City gucken. Auch, wenn es bei Haddon nicht viel Sex und noch weniger City gibt. Am Ende des Buches habe ich mich dabei erwischt, wie ich die Kapitel nur noch überflogen habe, weil die Geschehnisse so déjà vu waren, dass man sie eigentlich kaum noch konkret zu lesen braucht. Das Buch ist amüsant und kurzweilig genug geschrieben, um dir ganz sicher einen verregneten Nachmittag oder zwei zu verzuckern, aber gemessen an Incident ist es eine erschreckend lahme Nummer.

10:23 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Album 066

00:18 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

CHUCK FRAGT 13

Jeder Mensch, mit dem du jemals geschlafen hast, ist zu einem Festessen eingeladen, bei dem du der Ehrengast bist. Niemand außer dir, dem Catering Service und eben dieser Ansammlung früherer Liebhaber wird zu Gast sein. Nach dem Essen wirst du gebeten, vor den versammelten Gästen eine kleine, etwa fünfzehnminütige Rede zu halten.
Worüber wirst du sprechen?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

7. Dezember 2006 18:43 Uhr. Kategorie Stuff. 20 Antworten.

PROBLEMS

I’ve always thought that problem solving is highly overrated and that problem creation is far more interesting.

Chuck Close

16:26 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

Perfection

I am going for a level of perfection that is only mine… most of the pleasure is in getting the last little piece perfect.

Chuck Close

16:15 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

LITTLE MISS SUNSHINE

Das Plakat, kein Zweifel, ist großartig. Oder wäre es, wenn oben nicht so viel Text wäre. So viele Lobeshymnen. Die Leute wie mich ins Kino locken sollen. Und es auch schaffen. Leider.

Die Familie ist die eine Grundsäule der amerikanischen Medienwelt. Der quintessentielle Hort von Konflikten einerseits und Geborgenheit andererseits, letzter sicherer Hafen in einer rauhen Welt. Gesellschaft im Mikrokosmos. Eine andere Säule ist das Outsidertum, die Pioniersituation. Amerika ist gegründet von Einzelgängern und ganzen Familien, die Outsider waren, die aus Europa wegen ihrer Religion, ihrer kriminellen Vergangenheit, aus blanker Not oder Gier oder aus zig anderen Gründen geflohen sind, in das unbekannte Amerika.

Little Miss Sunshine kombiniert diese beiden Faktoren und handelt von einer Familie von Outsidern. Jonathan Dayton und seine Partnerin Valerie Faris, die bisher meist Filme über Bands wie REM, Weezer oder die Chili Peppers gedreht haben, kommen mit einer Familienstruktur, die einer Folge von «Married with Children» entsprungen sein könnte. Al Bundy würde stolz sein auf die Hoovers. Opa schnieft Heroin, der Hänfling Dwayne versucht ein Übermensch zu werden, Richard ist ein Motivationstrainer ohne Erfolg, Bruder Frank ist ein schwuler suizidaler Proust-Kenner, Mum ist hysterisch und die kleine Tochter Olive will Beautyqueen werden, sieht aber entsetzlich aus mit Kugelbauch, klischeehafter Nerd-Brille und den grellsten Klamotten seit The Adventures of Priscilla.

Und genau diese Olive ist der McGuffin des Films, da die Familie kurzerhand gezwungen ist, von Albuquerque nach Redondo Beach in Kalifornien zu fahren, damit Olive an dem filmnamensgebenden Kinder-Schönheitswettbewerb «Little Miss Sunshine» teilnehmen kann. Und natürlich fährt die Familie in einem völlig verrotteten, aber hochsympathischen und visuell pittoresken gelben VW-Bully. Wie niedlich. So niedlich, dass wir im Film eigens eine Szene brauchen, in der Olive mit einem Smiley-Puzzle spielt und wir etwas später auf das «Gesicht» der Frontpartie des Busses schneiden. Süüüüüüüß.

Der Bus, ganz Deus Ex Machina, kriegt im ersten Drittel des Films eine Kupplungspanne, der die Familie zwingt, den Bus gemeinsam anzuschieben und dan nin laufender Fahrt aufzuspringen. So wird der Bus nun endgültig zur Metapher der klassischen Kutsche, mit dem unsere dysfunktionale (aber natürlich nette) Siedlerfamilie gen Westen reist. Und er wird obendrein zum Deus Ex Machina, der die Familie eint. Nur gemeinsam kriegt man die Karre in Gang. Jedesmal, wenn die Hoovers den Bus anschieben sollte ein kleines Logo auf der Leinwand erscheinen: ACHTUNG SYMBOLISCH!!!!

Ähnliches gilt für das Finale in der Redondo Suite, den Gegensatz zwischen der natürlichen unbeholfen aber hübschen, noch echt kindlichen Olive und den aufgemotzten, geairbrushten Model-Kids, die den Wachträumen eines Pädophilen entsprungen zu sein scheinen. Der Unterschied zwischen Olive und all den kleinen Britneys und Janets ist zwar sicher komisch und sagt sicher auch etwas über die amerikanische (und damit unsere) Wirklichkeit aus, macht dies aber so offensichtlich und platt, das es einfach keinen rechten Spaß macht. Die gesamte Szene mutiert zum Slapstick.

Und ansonsten ist da wenig. Der kleine Roadmovie eint die Familie, wie zu erwarten. Es gibt keine bis kaum Überraschungen, die vielleicht schönste Sache ist noch, dass es keine echte Form von Happy End gibt. Es gibt keine Wendung zum Hollywood-Guten, keinen allzu platten Sieg der kleinen Leute. Am Ende ist das bittersüße Fazit, dass die Hoovers zwar weiter Loser sind, aber als Familie zusammengefunden haben, ihren Frieden miteinander und mit ihrer Position im Leben gemacht haben.

Das ist die Botschaft des Films und sie ist nur auf den ersten Blick tröstlich. Es ist ein Film, gemacht für die Verlierer eines Systems mit der etwas zweifelhaften Message, dass man sich als Verlierer ja immerhin noch in den kuschelig warmen Bauch der Familie zurückziehen kann. In Zeiten von Hartz IV sicher eine Botschaft, die Politiker gerne hören werden. Wenn die sozialen Systeme versagen, wenn deine Chancen in der Gesellschaft unfair sind: Hey, du hast ja immer noch deine Familie. Diesen Rückzug von der systemischen Verantwortung für den Einzelnen, von der Chancengleichheit, feiert Little Miss Sunshine als Sieg der familiären Enklave gegen das Establishment. Die neurotische Familie wird zum Hort, zur Selbsthilfegruppe. Es ist okay, wenn man zu den Verlierern gehört, wenn man sich doch gegenseitig hat. Stop fighting. Ich bin sicher, Cracauer hätte an dem Film und seiner «Bleib wo du bist»-Moral seine beissende Freude gehabt.

Das ist eine Moral von der Geschichte, die man anzweifeln kann, die man vor allem aber schon tausendmal zuvor gehört hat. Sie ist einfach nicht neu. Und sie wird in Little Miss Sunshine, wiewohl liebenswert, einfach auch nicht neu erzählt. Der Film bewegt sich, visuell wie narrativ, einfach in sehr sicheren Gewässern. Er schwankt etwas unentschieden zwischen Komödie und Familiendrama, ohne jemals wirklich beides zu sein, vor allem aber ohne beide Genre zu transzendieren und etwas Neues zu schaffen. Er versucht, ein wenig europäisch, ein wenig Indie auszusehen, aber im Grunde bewegt er sich selten bis nie über ein Terrain hinaus, das man aus Sitcoms oder Soaps auch kennt. Daran ändern auch die großartigen darstellerischen Leistungen, allen voran von Steve Carell und Alan Arkin, nichts.

Insofern ist Little Miss Sunshine ein wirklich sehenswerter kleiner Film mit einer einfachen aber positiven Botschaft, über die man nicht allzulang nachdenken sollte. Mit einfacher Handlung und etwas stereotypen Charakteren, aus denen die Schauspieler aber ein absolutes Maximum an Nuanciertheit herausholen. Der Film ist hochsympathisch, aber ohne echten Tiefgang, lecker, aber nicht sättigend. Schön, aber wird dem Hype nicht wirklich gerecht. Mit tollen Momenten, aber ohne großen Bogen. Also: unbedingt ansehen, aber nicht zuviel erwarten ;-D.

13:17 Uhr. Kategorie Film. 3 Antworten.

CHUCK FRAGT 12

In der Innenstadt von Chicago trifft du einen Zauberer. Der Zauberer verspricht dir, dass er dich gegen Bezahlung deutlich attraktiver machen könne. Auf die Frage, wie das denn funktionieren solle, weist dich der Zauberer auf eine beliebige Person auf der Straße hin. Du blickst zu der Person herüber und der Zauberer sagt: «Ich werde diesen Menschen jetzt einen Dollar hübscher machen.» Er wirbelt seinen Zauberstab und augenscheinlich scheint sich die Person nicht zu verändern, soweit du es beurteilen kannst, bleibt sie völlig unverändert. Aber irgendwie wirkt diese fremde Person auf einmal ein bisschen ansprechender. Für das bloße Auge ungreifbar, läßt sich doch nicht absprechen, daß die Person irgendwie vage sexier geworden ist. Aber der Zauberer hat eine etwas seltsame Regel: Du kannst ihn nur EINMAL bezahlen. Du kannst ihm also nicht einfach weiter Geld geben, bis du mit deinem Look zufrieden bist, sondern mußt vorweg einen Gesamtbetrag zahlen.
Wieviel Bargeld gibst du dem Zauberer?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

5. Dezember 2006 20:29 Uhr. Kategorie Stuff. 19 Antworten.

1


I love you…

07:56 Uhr. Kategorie Leben. 9 Antworten.

Album 065

4. Dezember 2006 22:48 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

CHUCK FRAGT 11

Du siehst dir in einem vollen Kinosaal einen Film an. Obwohl die Handlung eher durchschnittlich ist, bist du überraschenderweise ziemlich von den Special Effects begeistert. Etwa 20 Minuten vor dem Ende des Films überfällt dich plötzlich ein unweigerliches Horrorgefühl. Du bist absolut sicher, dass deine Mutter gerade eben gestorben ist. Es gibt keinen logischen Grund dafür, aber du bist dir absolut sicher. Dich überschwemmt ein irrationales, fast metaphysisches Gefühl, dass gerade eben – wo auch immer – deine Mutter ums Leben gekommen ist. Aber es handelt sich dabei wirklich nur um ein amorphes, rein intuitives Gefühl, für das es keinerlei Beweis gibt… und deine Mutter war in letzter Zeit nicht einmal krank.
Würdest du sofort den Kinosaal verlassen oder den Film zu Ende sehen?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

15:41 Uhr. Kategorie Stuff. 9 Antworten.

CHUCK FRAGT 10

Die ist ist der Auftakt von Jay McInerneys Buch Bright Lights, Big City: «Du bist nicht die Sorte Typ, die um diese Zeit morgens eigentlich an einem Ort wie diesem hier wäre.» Denk über diesen Satz im Kontext des gesamten Buches nach (sofern du es gelesen hast). Jetzt holst du aus deiner CD Sammlung Das Little Queen-Album von Heart,. (sofern du es besitzt) und hörst dir den Riff am Anfang des Songs «Barracuda» an.
Welcher von diesen beiden Auftakten stellt für dich die höhere Kunstform dar?

Chuck Klostermans Sex, Drugs and Cocoa Puffs

18:21 Uhr. Kategorie Stuff. 7 Antworten.

Album 064

00:19 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

BIG WHEELS IN SHANTYTOWN

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1. Dezember 2006 18:17 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.


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