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PAKET NICHT TÖTEN

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31. Oktober 2006 08:57 Uhr. Kategorie Photos. 5 Antworten.

STIRB, GOLDFISCH, STIRB

Goldfisch bei Kunstausstellung getötet – Justiz eingeschaltet

BREGENZ – Der Fall eines bei einer Kunstausstellung im österreichischen Dornbirn getöteten Goldfischs beschäftigt die Justiz. Nach einem Bericht des Österreichischen Radios ORF wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Das Tier war während einer Schau des dänischen Künstlers Marco Evaristti von einem Besucher getötet worden. Evaristti hatte im Frühling in der Ausstellung “Zerstörte Welten und die Utopie der Rekonstruktion” in zehn Standmixern jeweils einen Goldfisch schwimmen lassen.

Er überlies das Leben der Tiere dem Wohlwollen der Besucher. Diese konnten selbst entscheiden, ob sie die Geräte einschalten oder nicht.

Einer der Besucher konnte der Versuchung nicht widerstehen und schaltete einen Mixer ein, der darin schwimmende Fisch starb. Daraufhin erstattete der Österreichische Tierschutzverein Anzeige gegen den Künstler wegen Tierquälerei.

Ob sich der Künstler vor einem Richter verantworten muss, steht noch nicht fest. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, man habe die Vernehmung Evaristtis beantragt. Erst in einigen Monaten werde darüber entschieden, ob Anklage wegen Tierquälerei erhoben oder das Verfahren eingestellt wird.

Wegen der Schau von Evaristtis war es bereits im Mai 2003 zu einem Prozess in Dänemark gekommen. Damals waren zwei Goldfische getötet worden. Der angeklagte Museumsdirektor wurde vom Vorwurf der Grausamkeit gegen Tiere freigesprochen.

17:32 Uhr. Kategorie Stuff. 63 Antworten.

JEANS

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11:16 Uhr. Kategorie Photos. 20 Antworten.

ALTE FRAU

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29. Oktober 2006 23:56 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

Eiskrem


17:48 Uhr. Kategorie Leben. 18 Antworten.

SUPER

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15:30 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Eiskrem

28. Oktober 2006 20:20 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

WHO IS WHO

27. Oktober 2006 19:34 Uhr. Kategorie Arbeit. 10 Antworten.

WHO IS…

09:51 Uhr. Kategorie Arbeit. 5 Antworten.

A Long Way Home

























































26. Oktober 2006 13:25 Uhr. Kategorie Leben. 22 Antworten.

Album 060

25. Oktober 2006 19:06 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

LIGHTEN UP

What do you say we ah… lighten things up and talk about abortion.

Bill Hicks: Love all the people, p 212.

24. Oktober 2006 07:55 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

GUTE AUSSICHTEN

In der aktuellen Spex 11/2006 liegt (zumindest bei meinem Abo) ein kleines Heft-im-Heft bei, das «Gute Aussichten» heißt und das einige Photographen der gleichnamigen Ausstellung vorstellt. Die Spex zählt ohnehin in jeder Hinsicht zu den kaufenswertesten Publikationen die es so gibt, aber jetzt habt ihr noch einen guten Grund mehr, denn die gezeigten Photographien sind größtenteils sehenswert, folgen dem derzeitigen Trendverlauf zwischen Alltagstrash, Retro und surrraler digitaler Manipulation und machen insgesamt Lust auf mehr…

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23. Oktober 2006 13:46 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

EGON

22. Oktober 2006 20:27 Uhr. Kategorie Design. 5 Antworten.

Afterdark

Haruki Murakami ist ein Autor, von dem noch zwei Bücher in meinem Bücherstapel auf mich warten – Kafka und Wonderland –, insofern war es eine tolle Idee von Christoph, mich ins Schauspielhaus Bochum zu schleppen, um zusammen mit Fabian, Christian und Beate die Bochumer Theaterfassung von Murakamis Afterdark zu erleben.

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14:58 Uhr. Kategorie Live. 12 Antworten.

Zollzeichen


Ausgerechnet in einer großen Buchhandelskette in riesiger Schrift an einer Wand entdeckt.

21. Oktober 2006 19:30 Uhr. Kategorie Design. 5 Antworten.

STEIN

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20. Oktober 2006 14:52 Uhr. Kategorie Photos. 9 Antworten.

Zadie Smith: The Autograph Man

Alex-Li Tandem, Sohn eines chinesischen Vaters und einer jüdischen Mutter, verkauft Autogramme. Seine Welt ist die der Sammler, der obskuren Wünsche und Lex eigener sehnlichster Wunsch ist ein rares Autogramm der 50er-Jahre-Hollywood-Diva Kitty Alexander, der er seit 13 Jahren jeden Tag einen Brief schreibt. Alex-Li erwacht in The Autograph Man von einer seltsamen Drogeneskapade, bei der er sein Auto und seine Beziehung geschrottet hat und findet ein Autogramm eben jener Kitty Alexander. Ist es echt? Ein Fake – immerhin ist Alex selbst der Großmeister, wenn es um gefälschte Autogramme geht. Wer sagt, dass er die Unterschrift nicht selbst im Tablettenrausch gefälscht hat? Und so beginnt Alex’ Reise durch die (fiktive) Suburbia von Mountjoy, durch London, bis hin nach New York, wo er schließlich gemeinsam mit der für einen Star-Blowjob berühmten Zen-Prostituierten Honey Smith die echte Kitty Alexander trifft und sie durch Tod und Wiederauferstehung begleitet und reich macht. Begleitet von seinen Freunden –, Rabbi Rubinfine, Adam den kiffenden Zen-Juden, Esther, Alex Freundin, deren Herzschrittmacher-Auswechsel-OP ansteht, an genau dem Tag, an dem Alex doch eigentlich mit ihr nach NY wollte, Boots, mit der Alex ab und zu schläft, Joseph, von dem Alex denkt, er sei ein Konkurrent um Boots und/oder Esther und womit Alex aber mal sowas völlig von daneben liegt –, wirbelt uns Alex durch eine Welt, die von Medienkonsum und der Jagd nach Ruhm, auch nur nach Papierfetzen von Ruhm geprägt ist.

Zadie Smith gelingt hier ein Buch, das man wahrscheinlich nur hassen oder lieben kann. Ein kunterbunter Mischmasch aus Popkultur-Anspielungen, Zitaten, lässig hingeworfenen Beobachtungen, ein Buch wie eine CD-Compilation. In einem überbordenden aber stets entspannt wirkenden Mix aus Beobachtungen, Anspielungen, Junk, Tiefgründigem, Witzigem, Ernstem, wirbelt sich Smith durch Buddhismus und Judaismus, sinniert über Flugzeuge und Hotels, über Ruhm und den Tod von Alex Vater, mit dem das Buch beginnt und der wie ein unsichtbarer Schatten über Alex-Li Tandems Leben liegt. Erst gegen Ende kommt das allerwichtigste Autogramm, das Alex je bekam, an den richtigen Ort, aber bis wir dort sind, gehen wir gemeinsam mit Alex durch einen Wirbelsturm der postmodernen Gegenwart. Man mag das Buch als einen sinnlos zusammengepackten Kindergartenkoffer voller unwichtiger Kleinigkeiten und Beobachtungen und Randnotizen halten, zudem mit einem eher diffus unsympathischen ich-fixierten Loser als Helden – aber genau deshalb liebe ich das Buch. Es ist JETZT. Als Generation sind wir doch alle seltsam egozentrisch und schwimmen in einer Suppe aus Popschnipseln, die unserer minimalen Aufmerksamkeitsspanne gerecht werden, verwöhnt, eingelullt, ängstlich auf der Suche nach einem tieferen Sinn, der sich uns immer mehr entzieht, je näher wir ihm kommen. Wir alle sind Alex-Li. Smith schreibt ein hippes, schnelles, kluges Buch, voller kluger Aphorismen, sexy, smart und unglaublich witzig, jedenfalls wenn man über die richtige Art von Humor für dieses Buch verfügt. Leute, die das Buch kritisieren, weil man Alex-Li als Protagonisten zwar gerne mögen MÖCHTE, aber nicht kann, haben den Humor wahrscheinlich einfach nicht. Look into the fucking mirror, guys!

So lebendig durcheinander wie das Buch selbst ist auch das Layout. Das englischsprachige Original ist durchsetzt mit Zeichnungen, wildesten typographischen Mischungen, in Kasten abgesetzten Witzen und Informationen. Die erste Hälfte des Buches beginnt jedes Kapitel mit einer Kurzzusammenfassung à la Erich Kästner, die zweite Hälfte bietet uns kleinen Titelvignetten. Der gesamte Look des Buches ist so überbordend und sprudelnd wie Smiths Schreibstil selbst, der atemlos und hyperbeschleunigt durch die Handlung peitscht, uns an allerlei obskuren und witzigen Charakteren vorbeischiebt und niemals enttäuscht. Nick Hornby wäre froh, wenn er nur halb so gut schreiben könnte. Die Dialoge sind smart und pistolero wie bei einer guten Screwball-Comedy oder einer wirklich wirklich guten Sitcom. Die Handlung, postmodern komplex, aber für den normalen Leser sicherlich noch ausreichend linear angelegt, wirkt niemals platt oder eindimensional, gerät nie ins Stocken, verzweigt, atmet, bewegt sich fluide, wartet mit Twists und Überraschungen auf, bezaubert so sehr, dass die teilweise auffälligen Plot-Fehler (prüft niemand Todesanzeigen nach?) im Grunde lächelnd hingenommen werden. Und zugleich gibt es eine tiefere Resonanz hier, eine Auseinandersetzung über Spiritualität und Glauben in der Popgesellschaft, über Freundschaft, Herkunft, Liebe, Gott und – natürlich – den Tod. Denn es gibt ja einen Grund, warum Alex-Li den Tod in Form von Autogrammkarten in kleine Plastiktütchen zu schieben versucht, die Vergangenheit konserviert, warum unsere Gesellschaft mehr und mehr museal wird. Das großartige an Zadie Smiths Buch ist, dass es als «normales» Buch bereits perfekt funktioniert, energiegeladen, mit liebenswerten Figuren und wunderbaren Gags (die Beckhamschen Rabbi Green und Rabbi Darvick) aber darüber hinaus einen Schatz an Interpretationsmöglichkeiten, an Subtext eröffnet und so zu einer hellsichtigen Bestandsaufnahme unserer müden todesängstlichen westlichen Zivilisation wird – einer Welt, die sich längst nur noch indirekt, in Form ihrer symbolischen Repräsentanten und Gesten, erfährt. The Autograph Man ist schnell, witzig und vor allem klug – was willst du von einem Buch noch? Mit seiner Fixierung auf den jüdischen Glauben ist es nicht überraschend, daß es Zadie Smith gelingt, das gesamte Buch zu einer Art von jüdischem Witz zu machen – lustig, aber im Kern lehrreich.

Aber Achtung: In der deutschen Version (Taschenbuch) ist nicht nur die Übersetzung, höflich formuliert, etwas anders, es fehlt auch direkt zu Beginn eine absolut wichtige Grafik, das Kabbalah of Alex-Li Tandem, die einen absolut zentralen Schlüssel zu den Kapiteln und zum gesamten Buch darstellt. Die Zeichnung verbindet die einzelnen Kapitel der ersten Buchhälfte, erklärt, warum Lennon, Ali, Bette Davis, Jimmy Stewart, Ludwig Wittgenstein und andere permanent wie ein Running Gag in den Kapiteln vorkommen und – aus meiner Sicht – ist absolut unerlässlich für die finale Auflösung des Buches. Mir ist unverständlich, warum der deutsche Verlag einen Teil eines Gesamtwerkes einfach herausstreicht.

11:27 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

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00:44 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

Knöpfe

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19. Oktober 2006 11:55 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

Licht

ich bin ein bus

18. Oktober 2006 19:53 Uhr. Kategorie Photos. 12 Antworten.

LOVEBUS

17. Oktober 2006 22:08 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

EISBÄR

16. Oktober 2006 18:46 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

Alphaville

15. Oktober 2006 22:18 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

Album 059

13. Oktober 2006 22:31 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

09:29 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

SPAM = ART

Purple times
Yellow red
then exit
leaving of lit
Push restore power
Blue click
nexus.

Bowel tracker spot
machine part
well
am latter crevice
or bother trying
into.

Nearest sparks
fixes later in alcove
come a
enter

am

Brinks body
Clisk cannister
room fossil
remember

water
run.

von edxzmxbofk@williamskeepers.com

(Absätze von mir :-D)

12. Oktober 2006 16:08 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

AIRPLANE

Alex sits in the plane, imagining himself from the perspective of a bored child sitting in a car, looking up. They should swap; this plane is designed for the very young and the very bored. All Alex is required to do for the next six and a half hours is eat and watch television and fall asleep for a while. All this is so earnestly wanted for him, OF him. No one has desired his comfort and sleept this badly since he was a baby.

Everything possible is done to make him feel that nothing momentous, like flight, is occurring. At no point does anyone suggest that he and three hunded other strangers of unknown mental health status are trapped in a four-hundred-ton aircraft flying thrity thorusand feet up in the air relying on equatons of energy and velocity that no one aboard could sketch out in even their most basic form. Everything in this plane is an interface, like the windows on his computer. Nothing in this plane has anything to do with flying, just as his desktop doesn’t have anything to do with the processing of information. Pretty, pretty pictures.

Zadie Smith: The Autograph Man, p 184

16:03 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

Wurzel

10:41 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

GLAS

11. Oktober 2006 17:09 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

SHIRT

10. Oktober 2006 09:09 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

GLOW

9. Oktober 2006 23:02 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

BLACK DAHLIA



Eigentlich, eigentlich.

Eigentlich ist Black Dahlia von James Ellroy ein gutes Buch. Ellroy, noch nicht in der Hochform von White Jazz, American Tabloid oder Cold Six Thousand, noch nicht der reine Literat, aber schon im Anlauf dahin, geschrieben in der Los-Angeles-Trilogie-Phase. Wie ein Schwergewichtsboxer, der sich grimmig warmkämpft, wütend die 90er-Korruption der Polizei von Los Angeles in die Forties und Fifties überträgt. Ellroy, der Autist, der für seine Copgeschichten lebt, der den Fall der Schwarzen Dahlie Elisabeth Short mit seiner verschwundenen Mutter identifiziert und hier eins der wichtigsten und besten Bücher seines Lebens produziert. Ellroy, der Chandlers LA kickend und schreiend in die Neuzeit zerrt. Ellroy, der uns Cops zeigt, die sich mit Tabletten pushen, bestechen und bestechlich sind, Verbrecher auf beiden Seiten des Gesetzes. Ellroy, der seine verwundeten gebrochenen Antihelden durch eine korrupte und korrumpierende Glitzerstadt jagt, in der es kein Happy End geben kann.

Eigentlich ist Brian de Palma ein Könner. Zeit seiner Karriere der große Hitchcock-Kopist, hat er sich trotzdem zu einem eleganten Stilisten entwickelt, der immerhin seit den sechziger Jahren aktiv ist, auf eine sehr wechselhafte Karriere mit extremen künstlerischen Ups and Downs zurückblicken kann und dessen letzter Film Femme Fatal zwar keinerlei nachvollziehbare Handlung hatte, aber für einen inzwischen 65 Jahre alten Mann eine Erotik und ein Flair hatte, das eben nicht mehr nur Hitchcok bloß zitiert, sondern ihn in die Postmoderne zerrt. Eurotrashlesbosleaze meets Grace Kelly. In Mission Impossible I hat er eine oder zwei der berühmtesten Szenen der neueren Filmgeschichte geschaffen und eine fast tote Franchise wiederaufleben lassen. Nimmt man dazu noch seine Erfahrung mit Filmen wie Scarface und The Untouchables doch eigentlich DER Mann, wenn es darum geht, den richtigen Mix aus Retro-Americana und 90er-Trash zu finden?

Aber, aber.

Aber leider ist Ellroy natürlich komplett unverfilmbar. Seine Bücher sind Konvolute, dicke Schwarten, komplex wie russische Altmeister, undurchdringliche Netze aus verwobenen Handlungen, surrealen Charakteren und historischem Lokalkolorit, dabei schnell und dreckig hingerotzt und schon beim reinen Lesen eine Herausforderung. Seine Prosa experimentell und stilistisch so eng mit der Erzählung verwoben, dass die Geschichte ohne Ellroys kalte knappe Worte wohl albern wirken würde. Unnachahmlich, unverfilmbar. Spätestens ab American Tabloid gilt das ohne Abstriche und absolut, aber es das Dogma der Unverfilmbarkeit greift eigentlich auch bereits für die älteren Bücher, wie LA Confidential ja bereits eindrucksvoll und erschreckend belegte. Black Dahlia hätte einen sehr soliden Sechsteiler bei HBO abgegeben, wäre sogar ideal für eine TV-Serie geeignet, aber sicher nicht für einen 120-Minuten-Film. Ganze Handlunsgstränge scheinen unerklärt aus dem Nichts zu kommen und verschwinden dort auch wieder, die Konstruktion des Falles bleibt undurchsichtig, verborgen hinter de Palmas schwülstigem Gefühlskino. Der Fall interessiert den Regisseur sichtbar nicht und wird damit auch für die Zuschauer nie interessant.

Aber leider geht Brian de Palma auf Nummer Sicher. Anstelle des wild taumelnden exzessiven Films (den das Buch verident hätte) gibt er uns einen müden Film-Noir-Aufguss, der sich in sepiafarbenen Weichzeichnerbildern selbst feiert und uns mit schniekem Setdesign blenden will. Wobei das Setdesign dabei so derart aufdringlich ist, dass noch die letzte Uhr, die letzte Zeitung, der letzte Hut ins Bild geschoben wird, kein Detail darf ungezeigt bleiben. Wie in deutschen Filmen über die dreißiger Jahre, wo das Bühnenbild so irre stolz auf sich selbst ist, das die Zurschaustellung gefälschter Authentizität schon zu reichen scheint für den ganzen Film. Als ob es schon genug ist, wenn ein paar alte Autos an der Kamera vorbeigleiten. Das Flair des Films hat oft etwas künstliches, wie ein Theaterstück. Und selbst das könnte noch großartig sein, könnte an Arthur Miller erinnern, wenn de Palma auch nur eine Sekunde Lust auf diesen Film hätte. Wach wird er nur zweimal: beim Boxkampf zwischen Lee Blanchard und Bucky Bleichert und bei KD Langs (lynch-esquen) Auftritt in der Lesbenbar. Scheint, als könne sich de Palma nur noch für die Inszenierung von Fleisch begeistern. Der Rest des Films plätschert. Blanchards im Buch mitreißender dreckiger komplexer Trip in den Irrsinn, getrieben von Korruption, Schuld, Verantwortung. Liebe und Benzedrin, wird im Film fast zur Nebenhandlung, weil de Palma es wichtiger findet, uns Scarlett Johansson im Mohairpulli zu präsentieren. Wo ein bisschen David-Fincher-Flair gut getan hätte, Dreck und Erde und Blut, oder etwas von Roman Polanskis gleissendklarem Neo-Chandlerismus in Chinatown, bleibt de Palma damit beschäftigt, genau GEGEN den Stoff zu arbeiten. Ellroy entlarvt das Nachkriegs-LA, de Palma zelebriert es. Ellroy reißt es in den Dreck, de Palma will es zum Glitzern und Leuchten bringen. Alles in diesem Film will gut aussehen, will sich im Spiegel betrachten. Wo das Buch Anti-Kitsch ist, suppt und de Palma mit seufzenden Geigen, glitzernden Bildern und einem atemberaubend platten Happy End zu. Bombast ohne Inhalt.

In all dem Glamour geht leider der Film komplett unter. Der Plot will zuviel und erreicht zuwenig. Die Dreierliebesgeschichte geht unter. Die Beziehung von Mr. Fire und Mr. Ice geht unter. Die Faszination des bis heute ungelösten Falles der Schwarzen Dahlia versackt. Mia Kirshner (spielt Elisabeth Short die Black Dahlia) und Hillary Swank (die komplett aus The Long Sleep entstiegene sexhungrige Tochter aus gutem Haus, Madeleine Linscott) ähneln sich im Film rein optisch überhaupt nicht, was im Buch, wo sich die Figuren eben wie Zwillinge ähneln, ein absolut unverzichtbarer, elementarer Plotbestandteil ist – allein das macht die Handlung etwas unverständlich. Aufbau und Auflösung des Falls bleiben albern, wirken an den Haaren herbeigezogen, während die Konstruktion im Buch, der langsame Weg von des Immigrantensohns Dwight Bleichert durch den Dschungel von LA, glaubhaft und authentisch wirkt.
Gut sind einzig die Einzelleistungen von Darstellern. Josh Hartnett als Bucky Bleichert generiert sich als moderner Marlon Brando, mit weltmüde zugekniffenen Augen, zu langsam für die Welt um ihn herum (was ihn leider mitunter auch wenig mitreißend macht). Hillary Swank ist zunächst sinnlos im Film, dann aber durchaus überzeugend als sexy böse femme fatale. Aaron Eckhart zeigt hier nach Thank you for smoking erneut, was er kann. Rachel Miner, Madelines Schwester Martha, ist zwar nur kurz zu sehen, aber schön maliziös und gelangweilt. Auf der anderen Seite: Johansson enttäuscht auf ganzer Linie als Neo-Grace-Kelly, platt und müde, Mia Kirshner, die als Auftragskillerin in 24 – Day 4 durchaus mitreißend irre war, wirkt hier wie nachträglich in den Film gedrückt, völlig überflüssig und einfach falsch für die Rolle. John Kavanagh als Immobilienbaron Linscott ist zu nett, zu bärig, zu pathetisch, Fiona Shaw als seine Frau Ramona ist anfangs dämlicher comical relief, am Ende eine der – sicher unfreiwillig – absolut albernsten Momente des Filmes.

Nichts an diesem Film ist auch nur annähernd gut. Zweidimensional, kitschig und nicht einmal unterhaltend dabei wird er dem Buch nicht nur nicht gerecht, sondern arbeitet tatsächlich aktiv gegen das Flair von Ellroys Romanvorlage. Ein blinder Achtjähriger hätte einen besseren Film produzieren können.

17:24 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

NO FUTURE

08:19 Uhr. Kategorie Photos. 20 Antworten.

Schweinebauch

7. Oktober 2006 20:12 Uhr. Kategorie Photos. 3 Antworten.

FUSSGÄNGER

01:33 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Album 058

01:24 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

LOU RHODES: BELOVED ONE

A wise an said to me: Don’t underrate simplicity. Die ersten Zeilen des Soloalbums Beloved One der Ex-Lamb-Vokalistin Louise Rhodes sind zugleich offensichtlich das spirituelle Motto ihrer neuen Songs. Nach der Trennung von ihrem Mann, ihrer ehemaligen Band und damit dem Erfolg von Lamb hat sich Lou offensichtlich auf die einfachen Dinge im Leben konzentriert und kehrt zu ihren Hippie-Wurzeln zurück. Die ätherische TripHop-Fee präsentiert sich als gereifte Frau, die ihre Erfahrungen und Hoffnungen in fast anorektisch magere Songs packt. Gitarre, ein absolutes Minimum an Percussion, Streicher (beigesteuert von von Chi2Strings, die auch schon auf Between Darkness and Wonder vertreten waren) und natürlich Rhodes markante Stimme, mehr braucht es nicht mehr. Drumcomputer, Samples, Basslines, Orchesterarrangements und Andy Barlows markante Percussionorgien sind verschwunden.

Es ist fast seltsam, auf wie breiter Front derzeit dieser «pure» Folksound in die Musik zurückkehrt – daß unter anderem ja auch Beth Gibbons von Portishead und Emiliana Torrini auf ihren aktuellen Alben nicht mehr auf Samples, sondern auf etwas Gitarre, etwas Streicher und ihre Stimme vertraut. Vielleicht findet hier eine neue Verletzlichkeit, eine neue Verinnerlichung Ausdruck, eine Art musikalisches Cocooning. Musik in Zeiten des Krieges, zurück zur Poesiestunde mit Akustikgitarre am Lagerfeuer. Erstaunlich viele weibliche Acts klingen heute ähnlich verinnerlicht klingen wie Suzanne Vega zu Beginn ihrer Karriere.

Und obwohl auf Beloved One mit dem oberflächlich radikalen Soundwechsel scheinbar so vieles anders ist als bei Lamb, schließen die Melodien und die ausdrucksstarken Vokalriffs von Louise doch nahtlos da an, wo die Band aus Manchester am Ende der Entwicklung von Drum’nBass-Crossover zu Melncholiepop aufgehörte: dicker Pathos, großes Gefühl, sperrige Emotion. Nur hier eben ohne dick, sperrig und groß, sondern alles etwas enger, näher, kleiner. Beloved One hört sich insofern nicht ohne Grund an wie Lamb unplugged. In der Kammermusikgeste findet Rhodes ihren eigenen Stil, unterproduziert, bewußt ganz weit entfernt von Barlows Mischpultakrobatik, aber kaum weniger mit großer Geste geschrieben als ihre Songs bei Lamb.

Ihre Stimme ist einen Hauch rauher geworden, kratziger, eben auch näher und authentischer. Delay und Hall wie noch bei Gorecki sind hier undenkbar, die Stimme versteckt sich nicht mehr hinter Echoeffekten. Lediglich auf Why, einem noch zu Lamb-Zeiten gemeinsam mit der Band geschriebenen Song, findet Rhodes zu offenen lauteren Gesang zurück. Ansonsten hat diese neue Inkarnation auch eine neue Stimmlage, die ernster ist, lässiger, vertrauensvoller. Vielleicht, weil sie nicht mehr gegen Maschinenpark und Orchester durchdringen muss.

Mutig von Lou Rhodes, aus einer zunehmend kommerziell erfolgreichen Band auszusteigen und dann – anders als viele andere Sänger auf Solopfaden – derart unkommerzieller zu werden und sich wahrscheinlich konsequent von den Hitparaden zu verabschieden. Ich hoffe, ein sicher erreichbares Potential von Lamb-Fans und Freunden ihrer neuen Musik wird trotzdem Beloved One kaufen und ihr den verdienten Erfolg bescheren.

Beloved One ist eine spirituelle, federleichte Platte, weniger pathetisch als man es von Lamb kennt. Den Stücken wohnt eine gebremste Kraft inne, fast würde man sich oft mehr Instrumentierung wünschen – es ist befreiend, wenn auf Why endlich endlich einmal etwas Schlagzeug kommt -, aber Rhodes stellt hier beeindruckend unter Beweis, dass Andy für Rhythmus und Druck, Komplexität und Partyfeeling bei Lamb verantwortlich war, sie aber für die Seele. Und die ist auf dieser Platte reichlich vorhanden.

6. Oktober 2006 13:02 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

HELLOKITTYOFSHINYDEATH

Erinnert sich noch jemand an die surreal multiplizierte goldene Winkekatze von der Big-Eden-Schlussparty der Typo 2006?
Die gute taucht im brandneuen Dr. Strange-Comic als Portal zu einer anderen Dimension auf :-D.

via Daily Scans

5. Oktober 2006 10:37 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

LOU RHODES LIVE KÖLN

Das ist schon Synchronizität, oder? Nach über zwei Monaten entscheide ich mich, endlich mal die Lamb-Remixed-CD zu bloggen und stelle dabei fest, daß Ex-Lamb-Stimme Louise Rhodes nicht nur ein erstes Soloalbum am Markt hat, sondern genau am nächsten Tag in Kölner «Stadtgarten» auftritt. Wenn mich jemand fragen würde, welche zehn CDs ich mit auf eine einsame Insel nähe, wären etwa vier (von vier) Alben von Lamb dabei. Da ich Lamb aber noch niemals wirklich live gesehen habe, war der Kölntermin – kurzfristig hin oder her – also Pflicht.

Es ist ein kleines Konzert und die unwillkürliche Frage ist: Warum zur Hölle gibt Lou den ja doch relativ signifikanten Erfolg von Lamb auf, um vor nicht einmal 100 Leuten auf einer kargen Bühne irgendwo in Köln aufzutreten? Vor einem Publikum, das größtenteils nicht so aussieht, als wäre es auf den Drum’n'Bass des ersten Albums sonderlich eingestiegen. Und während des Konzerts wirkt Rhodes auch oftmals so, als würde sie sich irritiert fühlen von der intimen und doch irgendwie gehemmten Stimmung in dem bestuhlten Saal, in dem die Leute zwar laut und artig klatschen, wo aber meist eben doch ruhig, versunken, der Musik zugehört wird, wo während der Songs einfach Stille ist, der Rhodes alleine mit Stimme und Gitarre, nur begleitet von Co-Gitarrist Stephen Junior, entgegentreten muss.

Lou Rhodes ist eine dieser Figuren, die ich niemals wirklich kennen lernen könnte. Ich bin Stars und Idolen gegenüber unglaublich scheu und Rhodes ist mir einerseits als hochintensive Stimme so vertraut (ich habe wahrscheinlich kaum ein Album öfter über Kopfhörer gehört als Lamb, das erste Album der Band), andererseits empfinde ich sie als so fragil, ätherisch und irgendwie alien, dass sie einem kaum als realer Mensch vorkommt. Für mich ist Lou Rhodes eine der ganz wenigen realen Menschen, die mir wie eine Figur von Jonathan Carroll vorkommen, diese smarten, schönen, magischen, brillianten Menschen, in du dich bei Carroll immer wieder und sofort verliebst. Die Tatsache, daß sie von Hamburg nach Köln mit der Bahn gefahren ist, ist zu viel für mein Gehirn. Irgendwie bewegt sich Louise Rhodes in meinem Kopf wahrscheinlich nur in permanente John-Woo-Zeitlupe :-D. Selbst auf der winzigen Kölner Bühne des Stadtgarten, auf der jede andere Frau mit Gitarre wahrscheinlich albern und verloren aussähe, schafft sie es noch, seltsam entrückt, völlig in Kontrolle, magisch zu wirken. Ganz im Gegensatz übrigens zu Stephen Junior, der im Grungelook und mit phantastischem Gitarrenspiel eine halbe Band ersetzte und sichtbaren Spaß an dem Auftritt hatte.

Und so waren es vielleicht auch die Songs, bei denen Rhodes nicht selbst Gitarre spielte, sondern Stephen Junior sich entfalten konnte und Lou sich auf den Gesang konzentrierte, die am stärksten waren. Nicht abgelenkt durch die Gitarre, war die Stimme prägnanter, druckvoller, präsenter, weniger verhalten. So gerieten ausgerechnet die Lamb-Tracks «Gabriel» und «Lullaby» zu den emotionalsten Tracks des Abends, weil sie aus dem engen Korsett von Lous Fähigkeiten an der Gitarre befreit waren, Stephen frei improvisieren konnte (anstatt Louise zu begleiten) und der Gesang mit einer glasklaren Präsenz und Wucht im Raum stand, die die Lamb-Albumversionen nicht annähernd erreichen. Bei den Songs von Beloved One wirkt die Duo-Besetzung hingegen oft zu dünn, man sehnt sich nach etwas Percussion oder Streichern, irgendetwas, was den Zupfgitarrensound anreichert, bereichert. Insgesamt aber reißt die Stimme, die schiere unirdische Präsenz von Louise Rhodes aber alles heraus, die Lady könnte auch komplett ohne jede Begleitung singen und es wäre herzschmelzend. Es gibt für mich im Grunde keine andere Stimme, die zugleich so intim und so hymnisch, so mellow und predigend, so melancholisch und hymnisch zugleich ist. Ich habs wirklich nicht so oft, dass ich in einem Konzert wirklich seriös Gänsehaut bekomme. Und ich glaube, eine Dame in der Reihe hinter uns hat tatsächlich geweint.

Zu den neuen Tracks an sich sage ich nicht viel, weil ich die mit den neuen Album besprechen will, daß ich mir anläßlich des Gigs gleich vor Ort gekauft habe, schöne limitierte Promo-CD mit Unterschrift (ich bin SO ein Fanboy, oder?). Live fehlt den Tracks der letzte Druck, ich würde mir da wirklich etwas mehr Druck wünschen. Für eine Tour ist diese persönliche Singer-Songwriter-Atmosphäre perfekt, aber Gott, ich habe permanent mitgetrommelt, weil es mit mehr Band im Rücken einfach so perfekt gewesen wäre. Die Songs verdienen mehr Arrangement als zwei Gitarren bieten können, manchmal ist weniger eben doch nicht mehr. Dennoch, die Chance, die Stimme von Lamb in so kleinem Rahmen, so intensiv zu erleben und zu bestaunen, wie Rhodes sich als Sängerin weiterentwickelt hat, wie ihre Stimme intimer und rauher geworden ist, wie sie so pur ideal zur Geltung kommt und durch dich durchfließt… unglaublich.

02:38 Uhr. Kategorie Live. 2 Antworten.

Thank You For Smoking

Von der ersten Sekunde an ist Thank you for Smoking ein Gewinner. Jason Reitmans Film beginnt mit einer Titelsequenz, die die Namen der Schauspieler typographisch auf Zigarettenschachteln bannt. Fast erotisch langsam gleitet die Kamera dabei von (fiktiver) Marke zu Marke und das Design imitiert phantastisch den Glamour von Packungsdesign der 40er bis frühen 80er Jahre. Typographisch und gestalterisch die reine Magie, verspricht der Opener nicht zu viel: Reitman liefert über die gesamte Distanz einen witzigen, satirischen, boshaften Film ohne Durchhänger ab. Dabei ist die Story so, wie in tausend anderen Hollywood-Komödien. Sinnkrise eines Yuppies, der erst durch die Liebe zu seinem Sohn wieder zu sich selbst findet. Der Haken: «zu sich selbst» heißt zurück in die Tätigkeit als Lobbyist und Spin-Doctor für die amerikanische Tabakindustrie. Denn Nick Naylor (charmant gespielt von Sunnyboy Aaron Eckhardt) ist keiner von den Guten, im Gegenteil. Sein Job ist es, wissenschaftlicher Forschungen über den Zusammenhang von Krebs und Nikotin in Zweifel zu ziehen, in Talkshows Nebelbomben gegen Gutmenschen zu zünden, den krebskranken Marlboro mit Schweigegeld mundtot zu machen und gegen strengere Gesetzvorlagen vorzugehen. Der Trick des Films ist, dass wir mehr und mehr dem zynischen Spinster die Daumen drücken. Er und seine Freunde von der Alkohol- und Tabakindustrie wirken in ihrer fröhlichen Boshaftigkeit, in der sie ihre jährlichen Leichen vergleichen, viel sympathischer als der verkrampfte Käsesenator Ortolan K. Finistirre (wunderbare Name und atemberaubend grellhysterisch gespielt von William Macy). Der Film geht so – wie Harald Schmidt in seinen besten Momenten – an der hauchdünnen Bruchstelle entlang, an der wahrscheinlich die Tabaklobby dem Film ebenso abgewinnen kann wie die Anti-Raucher-Lobby. Denn obwohl die gallige Satire stets erkenntlich bleibt, greifen die Argumente von Naylor ja durchaus. Waren Filme nicht viel cooler, als noch geraucht wurde? Ist es nicht Bevormundung, wenn die Gesundheitslobby Rauchen verbietet? Beide Seiten dieser Debatte kriegen im Verlauf des Filmes ordentliche Seitenhiebe ab, ohne das Reitman jemals platt auflösend zu einer der beiden Fronten überlaufen würde.

Bestechend sind vor allem die liebevollen kleinen Gags, wie der Name der Schule von Naylors Sohn (St. Euthanasia) oder der deutsche Wissenschaftler der Tabaklobby, der die Krebsvorwürfe widerlegen soll und dabei auf Stichwort einen Kasten voller Ratten mit Nikotin vollgast. Die Gags werden komplett deadpan gespielt, lässig wie im Pokerspiel auf den Tisch geknallt, niemals auf den schnellen Lacher zielend, aber immer treffsicher in Timing, der Humor so schwarz und trocken wie Raucherlungen. Die exzellenten Darsteller machen es möglich: Selbst die kleinsten Nebenrollen sind ungewöhnlich glaubhaft und stark gespielt. Sam Elliot als krebsverseuchter Marlboro-Cowboy Lorne Lutch bringt den Gewissenskonflikt dieser Figur mit minimalen Gesten auf den Punkt, selbst seine Ehefrau, die nur für kurze Augenblicke auf der Leinwand ist, wirkt hunderprozentig in ihrer Abscheu und Wut glaubhaft. William Macy, der stets grandiose Robert Duvall und J.K. Simmons bringen ihre fast operettenhaften Charaktere solide auf den Boden, verankern sie, facettieren die Stereotype. Adam Brody besticht als angeberischer Yuppie, Rob Lowe als Workaholic-Zen-Anhänger, der scheinbar Mühelos Philosophie und Geldgier in der Balance hat. Keine dieser Rollen ist allzu laut gespielt, ihre Gier und ihre Verwicklung in das System entpuppt sich spielerisch, beiläufig. Das Reitman zudem noch stilistisch experimentiert und zum Beispiel den Trip nach Los Angeles mit einer billigen Videokamera-Ästhetik und Splitscreens arbeitet, um subkutan das Urlaubs-Trip-Feeling zu kommunzieren… großartig. Und in einem Film, in dem aufs böseste über Product-Placement gelästert wird mitten drin ein fettes Placement von Coke zu haben, das an Dreistigkeit kaum zu toppen ist… da weiß man nicht mehr, ob es noch echtes Placement ist oder ein Gag am Rande, der so entspannt daherkommt, dass man ihn vom real thing nicht mehr zu unterscheiden weiß. Der Humor ist so doppelbödig, dass der Film sich zunehmend im gleichen moralischen Vakuum befindet, indem wir auch kollektiv als Gesellschaft täglich längst umhertapern.
Es ist beachtenswert, wie der Film die narrativen Plot-Klischees von Hollywoods Stangenware gegen den Mainstream wendet. Und so zugleich ein großartiges Stück Popcorn-Unterhaltungsfilm abgibt, aber auch ein düsteres Statement über Beziehungen, über Unternehmenskultur, über Politik, über Medien, über die sich selbst längst selbst fressende Spin-Gesellschaft,, in dem jede Wahrheit relativierbar und somit argumentierbar geworden ist. Was übrigens bestens zum Spiegel dieser Woche paßt. Reitman verkauft diese Erkenntnis nicht resigniert, nicht zeigefingerwedelnd, sondern mit einem fröhlichen Endzeitzynismus. der wahrscheinlich die einzig akzeptable Geisteshaltung dieser Zeit ist.

Kurz: Absolut, absolut sehenswerter Film, ohne jeden Abstrich.

4. Oktober 2006 17:35 Uhr. Kategorie Film. 13 Antworten.

LAMB: REMIXED

Da Lamb sich ja mehr oder minder aufgelöst haben, bleiben einem nur noch Collections wie diese Remix-CD, die direkt einem Best-of-Album folgte (hohoho), vielleicht in Zukunft noch ein Live-Album oder eine DVD mit den exzellenten Videos. Seufz. Wenn das so weitergeht ist Lamb bald ebenso wie Police eine jener Bands mit mehr Best-of als tatsächlichen Alben. Und wie bei Police, fehlt den Soloarbeiten einfach die Synergie… wie etwa bei Lou Rhodes erstem eigenen Album, dem einfach Barlows irrlichternde Kreativität am Computer fehlt. Lamb Remixed versammelt natürlich die verschiedenen Variationen, die die verschiedensten DJs Lamb-Songs angetan haben. Die Songs variieren von Klassikern, die oft bekannter sind als die ursprüngliche Version (wie etwa K&Ds Trans-Fatty Acid …ein Schicksal, das Lamb übrigens vor allem mit Moloko teilen) bis hin zu eher uninspirierten Disco-Krachern, vor allem aus der späteren Phase des Duos stammten, als man weniger einer der Groundbreaker des TripHop war, sondern mehr und mehr (durch aber auch exzellenten) Pop produzierte und (leider) auch gut genug für einen Opel-Commercial war (Gabriel). Den späten Remixes fehlt insofern der typische Mix aus Drum’n'Bass-Rhythmen mit Jazzelementen, die Leichtigkeit von Lamb. Andrew und Louise, das ist das eigentliche Highlight der Doppel-CD, kommentieren die Remixes und scheuen auch nicht davor zurück, Missfallen auszudrücken. Das schöne an Lamb Remixed ist, dass man all die Tracks, die man vorher größtenteils nur digital besitzen konnte, weil sie zum Teil aus raren Quellen stammen, nun schön sauber versammelt auf einer Doppel-CD hat. Ein paar Tracks, wie etwa den grandiosen AphexTwin-Remix, hatte ich auch zum Beispiel noch gar nicht. Und die Songs von Barlow und Rhodes sind so großartig, daß auch komplette Reworkings ihnen nichts anhaben können, sondern nur (vor allem zu Beginn der Karriere von Lamb) meist gelungene Alternativen entstehen, die – wie etwa bei Cottonwool – komplett eigenständige Songs ergeben.
God, I miss this band.

3. Oktober 2006 12:30 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.

Album 057

11:34 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Album 056

2. Oktober 2006 00:00 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.


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