Für alle, bei denen die Mail nicht angekommen ist, auch noch mal fix via blog:
Hallo Leute
Ihr seid alle eingeladen zu unserer ganz informellen Geburtstagsfeier am
18.11.2006
20:30 Uhr
in der
Mintropstraße 61
45239 Essen.
Für Food, Wein und Bier und Softdrinks sorgen wir, härtere Getränke bitte selbst mitbringen.
Richtig toll wäre es, wenn ihr uns zwei Sachen bis 3. November kurz durchsagt, damit wir entsprechend passend einkaufen usw….
A) ob ihr kommt oder nicht.
B) ob ihr hier übernachten wollt. Platz ist genug, im Zweifelsfall vielleicht Schlafsack oder so einpacken.
(Eigentlich hoffen wir ja eh, daß es zum Einschlafen nicht so richtig kommen muß…)
Ihr könnt natürlich noch Leute mitbringen (laßt uns vielleicht vorher vage wissen, wie viele ;-)), wir freuen uns drauf…
08:20 Uhr. Kategorie Leben. 26 Antworten.

Nachdem ich heute im Heinz-Magazin das offizielle Motiv gesehen habe, glaube ich, kann ich guten Gewissens unsere Fassungen des Eins-Live-Krone-2006-Plakates zeigen.
02:43 Uhr. Kategorie Arbeit. 13 Antworten.
Obwohl ich die beiden Plakate zur Eins Live Krone 2006, die dann doch nicht realisiert wurden, noch nicht zeige, also auch noch nicht die Goldfische im Mixer, kann man ja anlässlich der schönen Goldfisch-Meldung ein paar Photos von den Fischen im Mixer an sich zeigen, die wir eher nur so nebenbei gemacht haben…
30. Oktober 2006 21:03 Uhr. Kategorie Photos. 15 Antworten.
Fand ich im Hinblick auf unsere Eins-Live-Krone-2006-Plakatmotive sehr witzig:
Goldfisch bei Kunstausstellung getötet – Justiz eingeschaltet
BREGENZ – Der Fall eines bei einer Kunstausstellung im österreichischen Dornbirn getöteten Goldfischs beschäftigt die Justiz. Nach einem Bericht des Österreichischen Radios ORF wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
Das Tier war während einer Schau des dänischen Künstlers Marco Evaristti von einem Besucher getötet worden. Evaristti hatte im Frühling in der Ausstellung “Zerstörte Welten und die Utopie der Rekonstruktion” in zehn Standmixern jeweils einen Goldfisch schwimmen lassen.
Er überlies das Leben der Tiere dem Wohlwollen der Besucher. Diese konnten selbst entscheiden, ob sie die Geräte einschalten oder nicht.
Einer der Besucher konnte der Versuchung nicht widerstehen und schaltete einen Mixer ein, der darin schwimmende Fisch starb. Daraufhin erstattete der Österreichische Tierschutzverein Anzeige gegen den Künstler wegen Tierquälerei.
Ob sich der Künstler vor einem Richter verantworten muss, steht noch nicht fest. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, man habe die Vernehmung Evaristtis beantragt. Erst in einigen Monaten werde darüber entschieden, ob Anklage wegen Tierquälerei erhoben oder das Verfahren eingestellt wird.
Wegen der Schau von Evaristtis war es bereits im Mai 2003 zu einem Prozess in Dänemark gekommen. Damals waren zwei Goldfische getötet worden. Der angeklagte Museumsdirektor wurde vom Vorwurf der Grausamkeit gegen Tiere freigesprochen.
Dank an Kirsten für den Tipp.
17:32 Uhr. Kategorie Stuff. 63 Antworten.

Das mochten schon unsere Eltern? Klingt, als stünde ein Gammel-Eis-Skandal kurz bevor.

Das ist so etwas, was ich nie verstehen werde. Diabetiker sollten GAR KEINE Cappuccino-Schnittchen essen, sondern sich gesund ernähren und versuchen, ihren Zuckerhaushalt halbwegs natürlich in Grenzen zu halten. Warum lockt man die mit solchem Zuckerersatzzeug, das ohnehin schrecklich schmeckt? Vielleicht verstehe ich das erst in ein paar Jahren, wenn ich selbst Diabetiker bin, aber trotzdem nicht auf Süßwerk verzichten will :-D.
Noch dazu falsche Rechtschreibung in der Überschrift.
17:48 Uhr. Kategorie Leben. 18 Antworten.

Nochmal Werbung aus dem Briefkasten. Ich vermisse hinter der hochwertigen Pudelmütze die Ergänzung (Nicht Eiskrem). Auf jeden Fall auch so schon wunderschön DAU-kompatible Werbung.
28. Oktober 2006 20:20 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.
Die fertigen Photos für Who is Who in German Design Vol 3. Uff, endlich… jetzt hoffe ich nur noch, dass das Designzentrum sie akzeptiert, auch in dem gedachten Layout (im Rahmen des vorgegebenen Rasters) und das es im Druck gut wird.




27. Oktober 2006 19:34 Uhr. Kategorie Arbeit. 10 Antworten.

Frisch aus der Druckerei, «Die Zeit, ein Sonderbar Ding». Ganz frei von Uhren.
12:36 Uhr. Kategorie Arbeit. 2 Antworten.

Kleiner Schnappschuss vom Bildermachen für Who is Who in German Design. Wir quälen die wirklich großartig hilfsbereite Dijana Milentijevic da wirklich mit immer wieder verschobenen Deadlines, weil unsere Idee, so 15-20 winzige Detailbilder zu nehmen, nicht ins Buchkonzept passt, das nur vier große Motive per Doppelseite zulässt. Also haben wir jetzt eine Menge altes Zeug auf den Boden geworfen und werden einfach reinknipsen. Wobei sich einfach als recht kompliziert herausstellt. Bin gespannt, ob es heute klappt, zumal gleichzeitig zig andere Dinge laufen. So hat man die Sachen wenigstens für die Homepage-Photos alle schon mal aus den Kisten geholt. Sehr lustig, das alles so auf einem Haufen zu sehen.
09:51 Uhr. Kategorie Arbeit. 5 Antworten.

Neben zig anderen total süßen Sachen, die ich heute nacht zum Geburtstag von Steffi bekam, war eine Sache dabei, die ich nicht nur unglaublich toll und rührend fand, sondern auch teilen will. Everything MUST be blogged. Das eigentliche Geschenk ist eine ugly doll – inspiriert durch Sebastian Rühls geniales WAM-Diplom über die etwas anderen Puppen (das, umgesetzt, den Verkauf dieser süßen Viecher in Deutschland verzehnfachen würde, so sieht’s einfach aus) – aber der Knaller war die Photostory von Wedgeheads Irrfahrt zu mir. Zusammen mit Nina und Katrin undercover in Köln photographiert, extrageheim mit Hubsis Kamera, unter abenteuerlichen Umständen bei Kafaii in Düsseldorf als kleines Booklet gedruckt, ist das ganze so niedlich, das geht aber mal gar nicht mehr. Die besten Geschenke sind die, für die es keine Preisschilder gibt. Aber seht selbst:
26. Oktober 2006 13:25 Uhr. Kategorie Leben. 22 Antworten.
Die Form hat einen Coverwettbewerb ausgerufen, bis zum 6. Januar können Studenten das Cover der Jubiläumsausgabe designen und wer den Wettbewerb gewinnt, holt 1000 Euro. Infos unter www.form.de/titelkampf. Die Form, nebenbei, ist ein Must-Read für Studenten und unter Gerrit Terstieges Führung neben Page und Novum noch stärker auf den Grafik-Bereich zugegangen, dabei aber auch Offen für Industrial Design, Architektur usw und insofern – wie der Design Report – ein gutes Blatt, um eine Vorstellung von Design als interdisziplinären Prozess zu bekommen. Außerdem gibt es eine stets launige Spiekermann-Kolumne, diesmal grandioserweise über meine persönliche Hass-Brause Cola Zero. (Wobei… sorry, Erik, ich mag die FFDIN, Wenn es nach der Regel overused = bad geht, ist die Meta automatisch eine der schlimmsten (weil bestverkauften) moderneren Schriften schlechthin, das willste doch auch nicht, oder?)
Zurück zum Thema: ich lade meine Studenten aus dem 3.-7. Semester ein, mitzumachen. Im Rahmen von «Projekt K&L» gibt es dafür je nach Leistung einen Schein, im Rahmen des 3. Semesters 0-40 Sonderpunkte je nach Optik. Abgabetermin bei mir ist der letzte Dienstag vor den Winterferien, verbindliche Anmeldung nächsten Dienstag bei mir, dann Korrekturen an der Ruhrakademieund via eMail. Wer mir nicht mindestens zwei Korrekturen schickt, macht nicht mit.
Haut rein.
12:16 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.
Da ich für so viele Leute die Materialien für den Design-Workshop nicht organisieren und transportieren kann, bringt ihr bitte selbst zum Workshop folgendes mit:
Reichlich Bastelpappe (kann alter Karton sein oder Tonpapier oder Pappe aus dem Bastelbedarf)
Schere
Klebe und/oder Tesa
Bleistifte und Malstifte (Copics o.ä.)
13:18 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.
Eure Aufgabe zum 07.11.06:
Erarbeite ein Design (Plakat Din A1, vierfarbig) mit allen gestalterischen Mitteln deiner Wahl (Photo, Typographie, Graphik, Illustration, Malerei, Collage, handmade, digital, was auch immer du magst in jeder beliebigen Mixtur….) mit etwas, was ich noch NIEMALS zuvor gesehen habe und NIEMALS mehr vergessen werde.
Abgabe reicht analog, also nur auf Papier. Nach Möglichkeit keine zusammengeklebten Zettel mehr (4 x A4 und ein Meter Tesa), sondern handwerklich überzeugend auf einem Stück A1 präsentiert, entweder als Ausdruck oder in Handarbeit.
Ich fand bei der ersten Präsentation die A1-Sachen noch zu billig zusammengehauen. Ich hoffe, wenn das Format an SICH einen Aufwand bedeutet (handwerklich oder finanziell), hat man auch den persönlichenEhrgeiz, es aufwendiger zu gestalten. Bei der ersten Präsentation sah mir einiges nach ein bis zwei Stunden Arbeit aus, das sollte sich idealerweise ändern.
11:46 Uhr. Kategorie Stuff. 13 Antworten.

Die erste von Chip Kidds The Cheese Monkeys entlehnte «Koan»-Aufgabe für den Konzeption & Layout-Kurs im Wintersemester 2006 war:
Ihr erstellt in Form eines A1-Plakates eine Gestaltung, die EUCH SELBST verkauft. Es muss nicht schön sein, es muss nicht smart sein, es muss nur funktionieren.
Die Gestaltungsmittel sind völlig frei, aber: das Plakat ist nur schwarzweiß und nur typographisch angelegt. Die Plakate werden dem Kurs vorgestellt und dann praktisch getestet.
ZUSÄTZLICH MITBRINGEN: Ein weiteres weißes A1 Blatt. Schwarzer dicker Edding. Bei schlechtem Wetter wetterfeste Kleidung.
Mysteriös, mysteriös.
00:09 Uhr. Kategorie Stuff. 47 Antworten.
What do you say we ah… lighten things up and talk about abortion.
Bill Hicks: Love all the people, p 212.
24. Oktober 2006 07:55 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

In der aktuellen Spex 11/2006 liegt (zumindest bei meinem Abo) ein kleines Heft-im-Heft bei, das «Gute Aussichten» heißt und das einige Photographen der gleichnamigen Ausstellung vorstellt. Die Spex zählt ohnehin in jeder Hinsicht zu den kaufenswertesten Publikationen die es so gibt, aber jetzt habt ihr noch einen guten Grund mehr, denn die gezeigten Photographien sind größtenteils sehenswert, folgen dem derzeitigen Trendverlauf zwischen Alltagstrash, Retro und surrraler digitaler Manipulation und machen insgesamt Lust auf mehr…
23. Oktober 2006 13:46 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Apropos Vernacular Design. So schön und direkt kann gute Werbung aussehen.
Und sogar handpersonalisiert…

12:34 Uhr. Kategorie Design. 6 Antworten.

Freitag bei Nina vor der Tür gefunden. Ich liebe diese Suchzettel. Plakatgestaltung in ihrer reinsten, dringlichsten, ehrlichsten Form. Vernacular Design in Reinkultur.
22. Oktober 2006 20:27 Uhr. Kategorie Design. 5 Antworten.

Ich schlage mich seit einiger Zeit mit dem Versuch herum, möglichst neutral, fair und transparent Noten vergeben zu können, die mir Spielraum für individuelle Begeisterung für einzelne Studenten und ihre Arbeit geben, zugleich aber den Studenten ein vorhersehbares Pattern geben, wie man welche Note erreicht. Nachdem ich einige Jahre mit normalen Mitarbeitsnoten gearbeitet habe, bin ich in diesem Semester bei einem Punktesystem angekommen, das wahrscheinlich eine Menge logistische Arbeit für mich bedeutet und wo ich noch nicht ganz sicher bin, ob ich es wirklich durchhalten kann, Chaot der ich bin. Das Ganze ist also ein Experiment und die Angaben hier und ich muss sehen, wie die hier vorgestellte Systematik sich in der Praxis noch ändern wird. Aber im Kern ist es ein solider Ansatz, um bestimmte Leistungsaspekte zu gewichten und zu benoten, von dem aus ich ein Punktesystem weiterentwickeln kann. Und so funktioniert es im Wintersemester 06/07
(weiterlesen…)
16:44 Uhr. Kategorie Stuff. 30 Antworten.

Haruki Murakami ist ein Autor, von dem noch zwei Bücher in meinem Bücherstapel auf mich warten – Kafka und Wonderland –, insofern war es eine tolle Idee von Christoph, mich ins Schauspielhaus Bochum zu schleppen, um zusammen mit Fabian, Christian und Beate die Bochumer Theaterfassung von Murakamis Afterdark zu erleben.
14:58 Uhr. Kategorie Live. 12 Antworten.

Etwas deprimierend ist das schon, wenn ausgerechnet in einer großen Buchhandelskette wie der Mayerschen in riesiger Schrift an einer Wand das Zollzeichen als Anführungszeichen dient. “ steht für Inches oder eventuell noch für Sekunden, nicht für das deutsche Gänsefüßchen. Eine Buchhandlung, deren Design von Meiré und Meiré stammt(e), sollte es besser wissen… bibliophil wirkt so etwas jedenfalls nicht. Das die Anführungsstriche nicht ausgerückt sind, wie es sich für einen ästhetischen Randausgeleich gehört und das das Kerning mehr als seltsam wirkt… ist da ja fast schon Ehrensache, wenn solche komplett laienhafte Typographie daherkommt. Zum Heulen. In einer Fischbude, gott, damit haste dich ja abgefunden… aber in einer BUCHHANDLUNG???
Erik Spiekermann hat vielleicht recht, irgendwann werden die Duden-Macher nicht mehr anders können und die Deppen-Anführungszeichen als legitimes Zeichen für wörtliche Rede aufnehmen müssen. Aus Notwehr.
21. Oktober 2006 19:30 Uhr. Kategorie Design. 5 Antworten.

Ganz kurz ein Finale zum Thema kleine mobile Digitalkamera. Dank dem fast schon unglaublich freundlichen und geduldigen Herr Krause bei Foto Frankenberg konnte ich die D-Lux 3 und die Fuji F30 auch noch jeweils etwa 30 Minuten im Laden testen.
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19:14 Uhr. Kategorie Technik. 7 Antworten.

Alex-Li Tandem, Sohn eines chinesischen Vaters und einer jüdischen Mutter, verkauft Autogramme. Seine Welt ist die der Sammler, der obskuren Wünsche und Lex eigener sehnlichster Wunsch ist ein rares Autogramm der 50er-Jahre-Hollywood-Diva Kitty Alexander, der er seit 13 Jahren jeden Tag einen Brief schreibt. Alex-Li erwacht in The Autograph Man von einer seltsamen Drogeneskapade, bei der er sein Auto und seine Beziehung geschrottet hat und findet ein Autogramm eben jener Kitty Alexander. Ist es echt? Ein Fake – immerhin ist Alex selbst der Großmeister, wenn es um gefälschte Autogramme geht. Wer sagt, dass er die Unterschrift nicht selbst im Tablettenrausch gefälscht hat? Und so beginnt Alex’ Reise durch die (fiktive) Suburbia von Mountjoy, durch London, bis hin nach New York, wo er schließlich gemeinsam mit der für einen Star-Blowjob berühmten Zen-Prostituierten Honey Smith die echte Kitty Alexander trifft und sie durch Tod und Wiederauferstehung begleitet und reich macht. Begleitet von seinen Freunden –, Rabbi Rubinfine, Adam den kiffenden Zen-Juden, Esther, Alex Freundin, deren Herzschrittmacher-Auswechsel-OP ansteht, an genau dem Tag, an dem Alex doch eigentlich mit ihr nach NY wollte, Boots, mit der Alex ab und zu schläft, Joseph, von dem Alex denkt, er sei ein Konkurrent um Boots und/oder Esther und womit Alex aber mal sowas völlig von daneben liegt –, wirbelt uns Alex durch eine Welt, die von Medienkonsum und der Jagd nach Ruhm, auch nur nach Papierfetzen von Ruhm geprägt ist.
Zadie Smith gelingt hier ein Buch, das man wahrscheinlich nur hassen oder lieben kann. Ein kunterbunter Mischmasch aus Popkultur-Anspielungen, Zitaten, lässig hingeworfenen Beobachtungen, ein Buch wie eine CD-Compilation. In einem überbordenden aber stets entspannt wirkenden Mix aus Beobachtungen, Anspielungen, Junk, Tiefgründigem, Witzigem, Ernstem, wirbelt sich Smith durch Buddhismus und Judaismus, sinniert über Flugzeuge und Hotels, über Ruhm und den Tod von Alex Vater, mit dem das Buch beginnt und der wie ein unsichtbarer Schatten über Alex-Li Tandems Leben liegt. Erst gegen Ende kommt das allerwichtigste Autogramm, das Alex je bekam, an den richtigen Ort, aber bis wir dort sind, gehen wir gemeinsam mit Alex durch einen Wirbelsturm der postmodernen Gegenwart. Man mag das Buch als einen sinnlos zusammengepackten Kindergartenkoffer voller unwichtiger Kleinigkeiten und Beobachtungen und Randnotizen halten, zudem mit einem eher diffus unsympathischen ich-fixierten Loser als Helden – aber genau deshalb liebe ich das Buch. Es ist JETZT. Als Generation sind wir doch alle seltsam egozentrisch und schwimmen in einer Suppe aus Popschnipseln, die unserer minimalen Aufmerksamkeitsspanne gerecht werden, verwöhnt, eingelullt, ängstlich auf der Suche nach einem tieferen Sinn, der sich uns immer mehr entzieht, je näher wir ihm kommen. Wir alle sind Alex-Li. Smith schreibt ein hippes, schnelles, kluges Buch, voller kluger Aphorismen, sexy, smart und unglaublich witzig, jedenfalls wenn man über die richtige Art von Humor für dieses Buch verfügt. Leute, die das Buch kritisieren, weil man Alex-Li als Protagonisten zwar gerne mögen MÖCHTE, aber nicht kann, haben den Humor wahrscheinlich einfach nicht. Look into the fucking mirror, guys!
So lebendig durcheinander wie das Buch selbst ist auch das Layout. Das englischsprachige Original ist durchsetzt mit Zeichnungen, wildesten typographischen Mischungen, in Kasten abgesetzten Witzen und Informationen. Die erste Hälfte des Buches beginnt jedes Kapitel mit einer Kurzzusammenfassung à la Erich Kästner, die zweite Hälfte bietet uns kleinen Titelvignetten. Der gesamte Look des Buches ist so überbordend und sprudelnd wie Smiths Schreibstil selbst, der atemlos und hyperbeschleunigt durch die Handlung peitscht, uns an allerlei obskuren und witzigen Charakteren vorbeischiebt und niemals enttäuscht. Nick Hornby wäre froh, wenn er nur halb so gut schreiben könnte. Die Dialoge sind smart und pistolero wie bei einer guten Screwball-Comedy oder einer wirklich wirklich guten Sitcom. Die Handlung, postmodern komplex, aber für den normalen Leser sicherlich noch ausreichend linear angelegt, wirkt niemals platt oder eindimensional, gerät nie ins Stocken, verzweigt, atmet, bewegt sich fluide, wartet mit Twists und Überraschungen auf, bezaubert so sehr, dass die teilweise auffälligen Plot-Fehler (prüft niemand Todesanzeigen nach?) im Grunde lächelnd hingenommen werden. Und zugleich gibt es eine tiefere Resonanz hier, eine Auseinandersetzung über Spiritualität und Glauben in der Popgesellschaft, über Freundschaft, Herkunft, Liebe, Gott und – natürlich – den Tod. Denn es gibt ja einen Grund, warum Alex-Li den Tod in Form von Autogrammkarten in kleine Plastiktütchen zu schieben versucht, die Vergangenheit konserviert, warum unsere Gesellschaft mehr und mehr museal wird. Das großartige an Zadie Smiths Buch ist, dass es als «normales» Buch bereits perfekt funktioniert, energiegeladen, mit liebenswerten Figuren und wunderbaren Gags (die Beckhamschen Rabbi Green und Rabbi Darvick) aber darüber hinaus einen Schatz an Interpretationsmöglichkeiten, an Subtext eröffnet und so zu einer hellsichtigen Bestandsaufnahme unserer müden todesängstlichen westlichen Zivilisation wird – einer Welt, die sich längst nur noch indirekt, in Form ihrer symbolischen Repräsentanten und Gesten, erfährt. The Autograph Man ist schnell, witzig und vor allem klug – was willst du von einem Buch noch? Mit seiner Fixierung auf den jüdischen Glauben ist es nicht überraschend, daß es Zadie Smith gelingt, das gesamte Buch zu einer Art von jüdischem Witz zu machen – lustig, aber im Kern lehrreich.
Ah, genug geredet. geht einfach hin und kauft es euch.
Aber Achtung: In der deutschen Version (Taschenbuch) ist nicht nur die Übersetzung, höflich formuliert, etwas seltsam, es fehlt auch direkt zu Beginn eine absolut wichtige Grafik, das Kabbalah of Alex-Li Tandem, die einen absolut zentralen Schlüssel zu den Kapiteln und zum gesamten Buch darstellt. Die Zeichnung verbindet die einzelnen Kapitel der ersten Buchhälfte, erklärt, warum Lennon, Ali, Bette Davis, Jimmy Stewart, Ludwig Wittgenstein und andere permanent wie ein Running Gag in den Kapiteln vorkommen und – aus meiner Sicht – ist absolut unerlässlich für die finale Auflösung des Buches. Absolut. Mir ist schleierhaft, warum der deutsche Verlag einen Teil eines Gesamtwerkes einfach herausstreicht. Erinnert mich an die deutschen Übersetzungen von Büchern, bei denen dann mal fix ganze Kapitel gestrichen wurden, um auf eine druckereifreundliche Seitenzahl zu kommen. Ugh. Kauft euch also lieber das Random-House-Original :-D.
11:27 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.


Es gibt zwei Dinge, die ich eigentlich seit der WAM jedes neue Semester mache. Ich lasse meine Studenten Fragebogen ausfüllen und Photos von sich machen. Erstere, um sie etwas besser kennen zu lernen (fairerweise gibt es auch einen Bogen von mir, siehe oben), letzteres, um Namen und Gesichter besser zusammenzukriegen. Mein Namensgedächtnis ist unglaublich schlecht, mein visuelles Recht gut. Eine ganze Zeit lang gebe ich also Noten eher dem «Gesicht» als dem Namen und mit Hilfe von Photos kann ich ganz schnell zuordnen und außerdem auswendig lernen, wer wer ist. Trotzdem hat man gerade an der Ruhrakademie mit der eher weichen Kursdisziplin in Sachen Anwesenheit am Ende des Kurses nicht alle Leute wirklich auswendig im Kopf. Ich befürchte manchmal aber auch, es ist vielleicht auch bezeichnend, wer «merkenswert» ist und wer untergeht, weder besonders gut noch schlecht auffällt, sich nicht beteiligt, vielleicht öfters fehlt, selten mit mir spricht. Die Photos sind nicht von mir, sondern von einer Studentin aus dem Kurs gemacht. Ich hoffe, man kann die Bögen in 500 px Breite lesen. Lasst ich wissen, wenn ich Namen falsch mitgekriegt habe usw. Eigentlich wäre es cool, wenn die RA so etwass wie OpenBC oder StudiVZ hätte, dann könnte man dort viel einfacher solche Sachen machen, wiel ja jeder selbst sein Bild und Namen usw. hochlädt und sich «profiled». Eine Social-Networking-Software, die zugleich als Netzwerk/Forum, Stundenplan und als Unterrichtsorientierung für Dozenten und Studenten dient…
Die Bitte, Bäume zu zeichnen, sorgt immer für verwirrte Gesichter. Aber einmal abgesehen davon, dass es ja tatsächlich ein (etwas zweifelhafter) Assessment-Test ist, sieht man hier auch sehr schön, wie sich tatsächlich die unterschiedlichen Charaktere manifestieren und wie einige Studenten aus der (wie bei mir ja stets) albern wirkenden Aufgabe wunderbare Ideen zaubern.
Ich hoffe sehr, wir haben Namen sind richtig gelesen und auch Bild-Fragebogen richtig zuordnen können, das war nicht immer ganz so einfach. Meldet euch, wenn etwas nicht stimmt. Sonst kriegt am Ende noch Maren die note für Anna oder sowas.
Danke an Seán für die Scans!!!
Und los:
18:01 Uhr. Kategorie Stuff. 36 Antworten.
Amazon ist schon ein im besten Sinne seltsamer Laden. Nachdem ich mein Qtek S200 zur Reparatur einsandte (da es mir immer und immer wieder die Akkus komplett entleerte), hat Amazon mir den kompletten Kaufbetrag in zwei Chargen zurücküberwiesen. Was ich eigentlich gar nicht wollte, ein Austauschgerät oder eine Reparatur wäre völlig in Ordnung gewesen. Was aber natürlich die schnellste und drastischste und im Kern mit kundenfreundlichste Art ist, eine solche Sache abzuwickeln. Ich überlege nur, daß im Grunde das S300 und HTC Trinity auch sehr bald anstehen und ich dann vielleicht lieber ein zwei Monate wieder mit dem alten Phone auskomme und die nächste Generation abwarte, die dann endlich UMTS haben wird. Nur leider ist das alles nicht bei Amazon erhältlich, denen ich jetzt eigentlich gerne den Gefallen täte, wieder dort einzukaufen. Ich muß sagen, bisher (und so etwas kann sich ja immer ändern) hat mich die Umtauschkulanz von Amazon mehr als positiv überrascht. Einen nach dem Auspacken defekten Radiowecker bekam ich sogar neugeliefert BEVOR ich das alte Gerät überhaupt zur Post bringen konnte. Respekt…
09:52 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

So, bevor ich heute den ganzen Tag gar nichts blogge, weil ich von morgens bis abends an der Ruhrakademie bin, noch ein etwas aktuellerer Flashback. Ein paar Photos, recht extreme Detailaufnahmen, von den Konzeptboards des Grenzen-Projekts aus dem letzten, vierten Semester. Bei Grenzen ging es darum, dass meine Studenten eine persönliche Grenzerfahrung machen, diese dokumentieren und anhand dieser Erfahrung ein dazu gehörendes Thema gestalterisch umzusetzen, als Daumenkino, als Musikpackage, als Objekt, als Buch und so weiter… Ich hoffe, die meisten Leute, die es so weit geschafft haben, gehen auch die letzte Meile und haben ihre Grenzerfahrung bis jetzt erfolgreich gemacht und können etwas zu ihrem Grenzthema gestalten. Gregor, Fabian und Chris klangen so, als seien ihre jeweiligen Themen (Identität, Exzeß/Askese und Sterbekultur) bisher ziemlich anstrengend, aber auch lohnend gewesen.
00:33 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.
Mir fehlen immer noch Scheine von Teilnehmern des dritten Semesters (Wintersemester 05/06). Wollt ihr die etwa nicht?
All diejenigen, die bereits abgegeben haben, können sich an hoffentlich netten Noten morgen im Sekretariat erfreuen oder sie bei mir abholen.
Ins Sekretariat lege ich auch die Pappen von Grenzen sowie andere Materialien, die ich noch gefunden habe.
Den Schein fürs 4. gibt es wie folgt:
Grenzen findet direkt VOR oder NACH den Weihnachtsferien statt, als Mini-Ausstellung. Ich hoffe, es sind noch ausreichend Leute bei dem Semesterprojekt am Start. Mein neues 3. Semester wird die Ausstellung promoten und das Designd dafür übernehmen, das 4. Semester aus dem Sommersemester 06 stellt die Arbeiten fertig und aus. In Pausen und nach 16:30 mache ich Gruppen/einzelberatung zu den Grenzen-Arbeiten.
Ich würde die Arbeiten gern so haben, dass man am Tag der offenen Tür vielleicht auch wieder etwas davon zeigen kann. Ich weiß, das Projekt war hart und anstrengend und ich hoffe, ihr habt entsprechend wunderbare Arbeiten gezaubert. Ab morgen läuft die Beratung dazu. Ich fand es so besser, als euch in der Präsentationswoche NOCH eine Präsentation aufs Auge zu drücken und ich dachte mir, so haben auch Nachzügler noch eine letzte Chance, ich weiß wie dankbar ich selbst immer für letzte Chancen bin :-D.
14:50 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Während ich so die letzten beiden Semester aufarbeite, finde ich diese Arbeiten zum Thema ICH-AG. Schöne Ansätze dabei, aber der Hang zur grob handgemachten Collage und das noch sehr Unfertige, Unerfahrene in der Arbeit am Rechner bestärken mich schon darin, dass wir in Zukunft die Studenten ab dem ersten Semester an Rechner kriegen müssen und zwar mit Vollgas. Design ist heute ein Computer-Aided-Job, ohne die Skills in den entsprechenden Programmen einfach undenkbar, und wir müssen stärker Akzent darauf setzen, ohne die «handwerklichen» Aspekte dabei zu vernachlässigen. Die Studenten müssen, wenn sie im dritten Semester ankommen, in der Lage sein, ihre Ideen am Rechner souverän in Bilder umsetzen zu können. Ansonsten beherrscht der Computer sie, nicht umgekehrt. Oder schlimmer noch, sie haben Ideen, aber nicht die Mittel, sie visuell umzusetzen. In beiden Fällen ist Frustration vorprogrammiert.
12:40 Uhr. Kategorie Stuff. 36 Antworten.
Zu Evelyn Kwasnys Diplom an der Ruhrakademie, bei dem es ganz vereinfacht gesagt um einen zukünftigen Exodus der fiktiven chinnesichen Firma Canglong zum Mars geht, bei dem (ganz im Sinne typischer dystopischer/protofaschistoider SF-Klischees) nur wenige Auserwählte dabei sein dürfen, gehört unter anderem eine Art Fragebogen. Und ich kann doch nicht an einem Fragebogen vorbei, ohne ihn auszufüllen. Leider ist er nur mit JA und NEIN zu beantworten, was für die meisten (bewußt recht Scientology-ähnlich anmutenden) Fragen nicht annähernd reicht. Zudem fehlt Kontext und die Wortwahl ist oft zweideutig. Ich versuche, möglichst streng mit Ja und Nein zu beantworten, aber kann natürlich nicht umhin, meinen Senf dazuzugeben. Here we go:
Wollen Sie sich verbessern?
Ja.
Wenn Sie gebeten würden, eine Entscheidung zu treffen, würden Sie durch Ihre Zuneigung bzw. Abneigung zu der Person, die daran beteiligt ist, beeinflusst?
Ja.
Beabsichtigen Sie, zwei oder weniger Kinder in Ihrer Familie zu haben, obwohl Ihre Gesundheit und Ihre Einkommen mehr erlauben?
Ja. (Seltsame Frage in einem chinesischen Fragebogen, sehr deutsche Frage.)
Wären Sie lieber in einer Stellung, in der Sie nicht die Verantwortung tragen, Entscheidungen fällen müssen?
Nein. (An manchen Tagen will das wohl jeder, generell nicht.)
Denken Sie, dass mehr Geld für soziale Sicherheit ausgegeben werden sollte?
Ja. (Es kommt nur drauf an, wie.)
Ist Ihre Stimme eher gleichbleibend als abwechslungsreich im Tonfall?
Nein. (Kann man das selbst beantworten?)
Sind Sie normalerweise über die Notwendigkeit, Ihre Gesundheit zu schützen, besorgt?
Nein.
Glauben Sie, dass Sie mehr wert sind als andere Menschen?
Nein.
Sorgen Sie sich noch über Ihre vergangenen Fehlschläge?
Ja. (Nicht übermäßig.)
Nehmen Sie es anderen übel, wenn Sie versuchen, Ihnen zu sagen, was Sie tun sollen?
Nein.
Haben Sie eher einen kleinen Kreis von engen Freunden, statt viele Freunde und flüchtige Bekannte?
Ja.
Würden Sie lieber Befehle geben als empfangen?
Ja. (Wobei «Befehle» vielleicht das falsche Wort ist.)
Könnten Sie strikter Disziplin zustimmen?
Nein.
Würde Sie die Idee, nochmals ganz neu zu beginnen, sehr beunruhigen?
Nein.
Glauben Sie, dass es Leute gibt, die Ihnen unfreundlich gesinnt sind und gegen Sie arbeiten?
Nein. (Zwei Fragen in einer: Es mag eventuell Leute geben, die mir unfreundlich gesinnt sind, was im Alltag oft unumgänglich ist, aber ob Sie gleich aktiv gegen mich «arbeiten»? In der Frage geht es schwuppdiwupp von normal zu paranoid.)
Würden Sie eingestehen, im Unrecht zu sein, nur «um des lieben Frieden willens»?
Nein. (Es sei denn, ich bin mir meines Rechtes nicht wirklich sicher und ein Kompromiss ist sinnvoll und ehrenhaft.)
Gibt es nur wenige Leute, für die Sie wirklich Zuneigung empfinden?
Nein.
Sind Sie selten glücklich, außer Sie haben einen besonderen Grund dafür?
Nein.
Treffen Sie vernünftige Vorsichtsmaßnahmen um Unfälle zu vermeiden?
Nein.
Haben Sie oft das Gefühl, dass Leute Sie beobachten oder hinter Ihrem Rücken über Sie sprechen?
Ja. (Wieder zwei Fragen, normal und leicht paranoid. Alle Leute beobachten alle Leute. Dafür sind Augen da. Ich weiß, dass Leute mich beobachten, weil sie mich ja ansehen. Ich denke auch, dass «Leute» sich über mich unterhalten, auch wenn ich zugegen bin. Das wäre ganz normal, das tue ich ja auch. Die Frage ist ein bisschen à la «Glauben Sie, dass die Sonne scheint?»)
Haben Sie einen bestimmten Hass oder eine bestimmte Angst?
Nein. (Unbestimmte frei flottierende Angst vielleicht, aber «bestimmt» eher nicht. Finde die Kopplung von Hass und Angst in einer Frage wieder bedenklich. Eine bestimmte Angst haben viele, vor Spinnen vielleicht, aber gleich Hass?)
Ziehen Sie eher das Wohl aller in Betracht als Ihre eigenen persönlichen Vorteile?
Ja.
Wenn Sie einem Vortragenden zuhören, haben Sie manchmal das Gefühl, dass der Sprecher ausschließlich Sie meint?
Nein.
Sind Sie normalerweise über alltägliche Angelegenheiten auf dem Laufenden?
Ja. (Außer in Stressphasen.)
Glauben Sie, dass der moderne Strafvollzug mit «Gefängnissen ohne Gitter» zum Scheitern verurteilt ist?
Nein.
Neigen Sie dazu, nachlässig zu sein?
Ja.
Erholen Sie sich schnell von den Auswirkungen schlechter Nachrichten?
Ja. Nein. (Kommt auf die Auswirkungen und die Nachrichten an, oder? Von der schlechten Nachricht «Schatz, die Butter ist alle» erholt man sich recht schnell, von der Nachricht «Sie haben noch zwei Wochen zu leben» nie mehr wirklich.)
Hat gefühlvolle Musik eine ziemlich starke Wirkung auf Sie?
Ja.
Verurteilen Sie jemanden voll und ganz, weil er in einem Bereich in seinem Verhältnis zu Ihnen ein Rivale oder Gegner ist?
Nein.
Sitzen Sie oft da und grübeln über Tod, Krankheit, Schmerz und Kummer nach?
Nein.
Gehen Sie lieber den Wünschen anderer nach, als zu versuchen, Ihren eigenen Willen durchzusetzen.
Ja. Nein. (Wieder kontextabhängig. Wenn in der Situation die Wünsche anderer plausiblen Vorrang haben, oder wenn es mir einfach egal ist, habe ich eventuell keinen «eigenen» Willen, der anderen oder einer Gruppe zuwiderläuft. Die Wünsche anderer sind in den eigenen immer zu berücksichtigen und zu respektieren, man sollte sich nicht dagegen «durchsetzen» müssen, sondern gemeinsame Ziele finden, so dass alle ihre Wünsche möglichst weitgehend realisieren. Bin ich von etwas überzeugt, versuche ich es aber meist durchzusetzen.)
Wenn wir in ein anderes Land eindringen würden, hätten Sie Mitgefühl für die Kriegsdienstverweigerer in diesem Land?
Ja. (YeahbuhWHAT??? Was ist das für eine Frage? Ich hätte auch Mitgefühl für die Soldaten in diesem Lande. Und die Zivilisten. Und wieso marschieren wir überhaupt irgendwo ein? Wir sind kriegsmüde Europäer, wir führen nur noch Krieg, wenn die UN uns losschickt.)
Geht Ihnen manchmal ein einzelner Gedanke tagelang nicht aus dem Kopf?
Nein.
Würden Sie anhalten und herausfinden, ob jemand Hilfe braucht, auch wenn er Sie nicht direkt darum gebeten hat?
Ja. (Außer ich komme mal wieder zu spät zu einem Termin.)
Glauben Sie, dass Sie viele gute Freunde haben?
Nein.
Würden Sie ein zehn Jahre altes Kind körperlich züchtigen, wenn es sich weigerte, zu gehorchen?
Ja. Nein. (Weiß ich real nicht. So etwas weiß man erst in der konkreten Situation. Ich glaube, real hat man eine sehr weite Palette von Sanktionen, bevor man ein Kind schlagen muss. Ich habe keine Ahnung, ob ich mein Kind, das ich ja liebe, gezielt und angekündigt körperlich strafen könnte. Ich bin aber inzwischen auch etwas weg von meiner früheren These, dass man Kinder gar nicht schlagen darf. Das ist einfach Quatsch. Verabscheuungswürdig bleibt aber das Schlagen von Kindern als bloßes Ventil eigener Frustration und Erziehungsunfähigkeit.)
Ziehen Sie in einem Club oder einer Organisation, der Sie angehören, eine passive Rolle vor?
Nein. (Kommt ja sehr auf den Club an…)
Würden Sie einen einmal eingeschlagenen Weg ohne weiteres aufgeben, wenn er Ihnen beträchtliche Unannehmlichkeiten bereiten würde?
Nein. (Solange der Weg richtig ist und die Unannehmlichkeiten nicht einfach Zeichen dafür sind, dass man sich einfach verrannt hat und auf falschem Kurs ist.)
Misstrauen Sie den Handlungen anderer selten?
Ja.
Würde es Ihnen eindeutig Mühe machen, Selbstmord in Erwägung zu ziehen?
Nein. (Aber ihn zu begehen schon.)
Sind Sie für Rassenunterschiede und Klassentrennung?
Nein.
Führen Sie zugewiesene Aufgaben normalerweise prompt und systematisch aus?
Nein.
Fühlen Sie sich in einer unordentlichen Umgebung sehr behaglich?
Nein. (Außer als Gast bei anderen, manchmal ist unordentlich auch gemütlich.)
Fühlen Sie sich oft deprimiert?
Nein.
Sind Ihre Interessen für Sie so wichtig, dass Sie nur wenig Zeit für etwas anderes haben?
Ja. Nein. (Die Frage ist unklar, was sind meine «Interessen» und was das «andere»?)
Würden Sie ein Tier töten, um es von Schmerzen zu befreien?
Ja.
Fällt es Ihnen schwer, eine Sache in Angriff zu nehmen, die getan werden muss?
Ja. Nein. (Hängt von der «Sache» ab, oder?)
Denken Sie oft über Ihre eigene Unterlegenheit nach?
Nein.
Schlafen Sie gut?
Ja.
09:39 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

Okay, das Photo ist ziemlich schrecklich, but it’s all I have :-D.
Alles Liebe zum Geburtstag noch einmal…
12:55 Uhr. Kategorie Leben. 3 Antworten.

Am dritten Tag der Ruhrakademie-Diplome im Oktober 2006 bin ich dank eines Unfalls auf der A40 eine Stunde zu spät gelandet und habe so die ersten zwei drei Arbeiten verpasst. An diesem Freitag waren die Arbeiten sehr gemischt, einige wirklich sehr schöne Sachen dabei, aber auch einige Rohrkrepierer, so dass der Rundgang bei der Zeigung genügend zum Staunen und zum Aufregen abgab. Die Tendenz, an einem einzigen Tag drei oder vier Arbeiten zu sehen, die wirklich richtig klasse sind, eigensinnig angedacht und gekonnt umgesetzt, ist aber etwas, was Schulinhaber Jürgen Störr ordentlich stolz machen dürfte. Ich hoffe, die Schule schickt die besten Arbeiten dieses Diplomjahrgangs fleißig via Presseabteilung an Novum, Page, Art und den Rest der Welt, von Studentenaward-Einreichungen bei den namhaften Designshows mal ganz zu schweigen. Das muss einfach automatisch passieren. Die besten der gezeigten Arbeiten können mit Design-FH-Niveau entspannt mithalten und würde dort auch sehr gute Noten kassieren. Wer an die FH Dortmund will, sollte dreimal nachdenken und sich die RA in aller Ruhe ansehen. Schade war nur, dass einige der allerbesten Arbeiten am allerschmalsten präsentiert waren. Das gezeigte Niveau der Arbeiten hätte einfach vielleicht etwas mehr Liebe in der Präsentation verdient.
Die Bilder wie immer nur grob ausgewählt, unbearbeitet und mit ISO 3200, also noisy. Es geht ja auch um Schnappschuss, nicht um schick. Wenn ich im nächsten Semester, wie grob angedacht, auch noch den Unterricht knipse, werd ich echt noch zum Akademiepaparazzi, da hat Andreas Darda recht… Wenn ich bei den nächsten Diplomen wieder in der Jury sein sollte, schreibe ich auch was zu den Arbeiten, aber so wie es jetzt ist, kenne ich nicht einmal die Namen der Diplomanden und kann euch nur ganz voyeuristisch einen Bilderstrom bieten…
Und los…
14. Oktober 2006 09:22 Uhr. Kategorie Stuff. 13 Antworten.
12. Oktober 2006 18:01 Uhr. Kategorie Arbeit. 13 Antworten.
Purple times
Yellow red
then exit
leaving of lit
Push restore power
Blue click
nexus.
Bowel tracker spot
machine part
well
am latter crevice
or bother trying
into.
Nearest sparks
fixes later in alcove
come a
enter
am
Brinks body
Clisk cannister
room fossil
remember
water
run.
von edxzmxbofk@williamskeepers.com
(Absätze von mir :-D)
16:08 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.
Alex sits in the plane, imagining himself from the perspective of a bored child sitting in a car, looking up. They should swap; this plane is designed for the very young and the very bored. All Alex is required to do for the next six and a half hours is eat and watch television and fall asleep for a while. All this is so earnestly wanted for him, OF him. No one has desired his comfort and sleept this badly since he was a baby.
Everything possible is done to make him feel that nothing momentous, like flight, is occurring. At no point does anyone suggest that he and three hunded other strangers of unknown mental health status are trapped in a four-hundred-ton aircraft flying thrity thorusand feet up in the air relying on equatons of energy and velocity that no one aboard could sketch out in even their most basic form. Everything in this plane is an interface, like the windows on his computer. Nothing in this plane has anything to do with flying, just as his desktop doesn’t have anything to do with the processing of information. Pretty, pretty pictures.
Zadie Smith: The Autograph Man, p 184
16:03 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

Dass die Photodesign-Studenten an der Ruhrakademie Photoawards gewinnen, ist ja inzwischen fast Alltag. Diesmal ist es eine Studentin von Hendrik Lietmann, Elisa Nissha Dietrich, die den ersten Platz beim Deutschen Jugendfotopreis in ihrer Altersklasse gewonnen hat.
Allerdings ein Sieg, der wahrscheinlich mit gemischten Gefühlen für Elisa kommt. Denn die Photos dokumentieren den Tod ihrer Schwester Valeska, deren Erkrankung an der Fanconi Anämie uns ja bereits im Dezember 2005 an der Akademie zu einer aufsehenerregenden und wunderbaren Spendenauktion in der Rohrmeisterei Schwerte gebracht hat, zu der Dozenten, Studenten und andere liebe Menschen Kunstwerke, Bücher und andere schöne Dinge beitrugen.
Leider vergebens, da nicht einmal eine Knochenmarktransplantation Valeska retten konnte.
Das Elisa die Kraft und den Mut hatte, die letzten Tage ihrer kleinen Schwester in Bildern festzuhalten, die zudem noch in ihrer Intimität und Nähe Splitter und Fragmente dieses seltsam nüchternen Schmerzes des Sterbens im Hospital einfangen, ist atemberaubend und selten und für uns Betrachter ein Geschenk. Ich bin mir nicht sicher, ob ich selbst das gekonnt hätte, ob ich mir nicht voyeuristisch vorgekommen wäre. Diese Hürde zu nehmen und die eigenen inneren Grenzen zu überschreiten, um aus der intimen eigenen Erfahrungen – die ja tausende von Menschen jeden Tag anonym teilen – ein Stück lebendiger Kunst zu machen, ist das Merkmal einer inneren Größe und zugleich das kraftvollste memento mori, das Elisa für und von Valeska hätte machen können. Respekt und Glückwunsch.
12:45 Uhr. Kategorie Stuff. 21 Antworten.
Sebastian Kadhim war heute kurz hier, um etwas improvisiert Bilder für seine Bewerbungen bei diversen größeren Agenturen in Hamburg zu machen. Und es stellt sich wieder heraus, dass ich in so was nicht so richtig gut bin – aber ich glaube, Seán hat etwas Nettes geknipst. Solche Bewerbungsbilder sind irgendwie immer ein bißchen tot, oder?

Kadhim ist übrigens einer meiner alten WAM-Studenten aus meinem letzten Studiengang, hatte mich also eigentlich nur drei oder vier Einheiten, und hat den richtigen Mix aus Selbstbewusstsein und Können – da bin ich sehr gespannt, was noch von ihm in Zukunft kommt. Das er an der WAM «nur» eine 1,3 als Note gekriegt hat, finde ich etwas schade, seine Diplom-Arbeit für 3M Post-It war mit umfangreicher Print-Kampagne, zwei komplett auf Film gedrehten Werbespots, einer prima Guerilla-Maßnahme und einer schnieken Homepage sicher eine 1,0 wert. Außerdem sah schon die Präsentation an sich super aus. Jede Agentur, die sich Sebastian als AD sichert, holt sich definitiv einen guten Mann ins Haus.
Aber worum es eigentlich ging, ist dieses wunderbare Unfallphoto, das ich viel schöner finde als die «richtigen» Bewerbungsbilder. Mit so einem Bild wär man bei mir jedenfalls schneller angestellt ;-).

11. Oktober 2006 21:50 Uhr. Kategorie Leben. 14 Antworten.

Den ersten Tag der Diplompräsentationen an der RA habe ich ja verpasst, einfach weil ich nicht wusste, dass sie stattfinden. Gestern waren wir dann alle vor Ort – Steffi, Seán Marian und ich –, und ganz brav habe ich auch wieder Photos gemacht. Da ich diesmal keinen Diplomstudenten hatte, bin ich nicht in der Jury, mußtr also auch nicht allzusehr auf die gezeigten Arbeiten achten und hatte so schön die Hände frei für ein zwei Bilder :-D. Aus dem gleichen Grund habe ich aber leider auch keine weiteren Informationen, also Namen der Diplomanden oder Hintergrund-Informationen zu den einzelnen Arbeiten. Die Bilder sind alles, was ich liefern kann. Sehr schade fand ich, dass Kurt Schrage nicht da war… der wahrscheinlich beschäftigt mit der Vorbereitung seiner Straight Photography-Ausstellung in Herne war. ich hoffe, ich sehe dich Freitag, Meister.
Die Photos sind aufgrund des schlechten Lichts mit 3200 ISO gemacht und im Hinblick auf die reine Menge an Bildern einfach völlig unbearbeitet, wie aus der Kamera. Sie sind auch nicht sonderlich ausgewählt, also auch seltsame oder etwas unscharfe Motive dabei. Nach dem Break also rund 220 unkommentierte Photos von den Diplomen an diesem Tag, am Freitag ist der dritte und letzte Präsentationstag, mit Cocktails und allem Drum und Dran. Dann natürlich auch wieder Photostream, wobei ich dann vielleicht auch mal mehr auf die Akademie selbst achten kann, diesmal sind es doch sehr viel Photos von den Arbeiten an sich. Aber darum geht es ja auch.
12:52 Uhr. Kategorie Stuff. 6 Antworten.

Eigentlich, eigentlich.
Eigentlich ist Black Dahlia von James Ellroy ein gutes Buch. Ellroy, noch nicht in der Hochform von White Jazz, American Tabloid oder Cold Six Thousand, noch nicht der reine Literat, aber schon im Anlauf dahin, geschrieben in der Los-Angeles-Trilogie-Phase. Wie ein Schwergewichtsboxer, der sich grimmig warmkämpft, wütend die 90er-Korruption der Polizei von Los Angeles in die Forties und Fifties überträgt. Ellroy, der Autist, der für seine Copgeschichten lebt, der den Fall der Schwarzen Dahlie Elisabeth Short mit seiner verschwundenen Mutter identifiziert und hier eins der wichtigsten und besten Bücher seines Lebens produziert. Ellroy, der Chandlers LA kickend und schreiend in die Neuzeit zerrt. Ellroy, der uns Cops zeigt, die sich mit Tabletten pushen, bestechen und bestechlich sind, Verbrecher auf beiden Seiten des Gesetzes. Ellroy, der seine verwundeten gebrochenen Antihelden durch eine korrupte und korrumpierende Glitzerstadt jagt, in der es kein Happy End geben kann.
Eigentlich ist Brian de Palma ein Könner. Zeit seiner Karriere der große Hitchcock-Kopist, hat er sich trotzdem zu einem eleganten Stilisten entwickelt, der immerhin seit den sechziger Jahren aktiv ist, auf eine sehr wechselhafte Karriere mit extremen künstlerischen Ups and Downs zurückblicken kann und dessen letzter Film Femme Fatal zwar keinerlei nachvollziehbare Handlung hatte, aber für einen inzwischen 65 Jahre alten Mann eine Erotik und ein Flair hatte, das eben nicht mehr nur Hitchcok bloß zitiert, sondern ihn in die Postmoderne zerrt. Eurotrashlesbosleaze meets Grace Kelly. In Mission Impossible I hat er eine oder zwei der berühmtesten Szenen der neueren Filmgeschichte geschaffen und eine fast tote Franchise wiederaufleben lassen. Nimmt man dazu noch seine Erfahrung mit Filmen wie Scarface und The Untouchables doch eigentlich DER Mann, wenn es darum geht, den richtigen Mix aus Retro-Americana und 90er-Trash zu finden?
Aber, aber.
Aber leider ist Ellroy natürlich komplett unverfilmbar. Seine Bücher sind Konvolute, dicke Schwarten, komplex wie russische Altmeister, undurchdringliche Netze aus verwobenen Handlungen, surrealen Charakteren und historischem Lokalkolorit, dabei schnell und dreckig hingerotzt und schon beim reinen Lesen eine Herausforderung. Seine Prosa experimentell und stilistisch so eng mit der Erzählung verwoben, dass die Geschichte ohne Ellroys kalte knappe Worte wohl albern wirken würde. Unnachahmlich, unverfilmbar. Spätestens ab American Tabloid gilt das ohne Abstriche und absolut, aber es das Dogma der Unverfilmbarkeit greift eigentlich auch bereits für die älteren Bücher, wie LA Confidential ja bereits eindrucksvoll und erschreckend belegte. Black Dahlia hätte einen sehr soliden Sechsteiler bei HBO abgegeben, wäre sogar ideal für eine TV-Serie geeignet, aber sicher nicht für einen 120-Minuten-Film. Ganze Handlunsgstränge scheinen unerklärt aus dem Nichts zu kommen und verschwinden dort auch wieder, die Konstruktion des Falles bleibt undurchsichtig, verborgen hinter de Palmas schwülstigem Gefühlskino. Der Fall interessiert den Regisseur sichtbar nicht und wird damit auch für die Zuschauer nie interessant.
Aber leider geht Brian de Palma auf Nummer Sicher. Anstelle des wild taumelnden exzessiven Films (den das Buch verident hätte) gibt er uns einen müden Film-Noir-Aufguss, der sich in sepiafarbenen Weichzeichnerbildern selbst feiert und uns mit schniekem Setdesign blenden will. Wobei das Setdesign dabei so derart aufdringlich ist, dass noch die letzte Uhr, die letzte Zeitung, der letzte Hut ins Bild geschoben wird, kein Detail darf ungezeigt bleiben. Wie in deutschen Filmen über die dreißiger Jahre, wo das Bühnenbild so irre stolz auf sich selbst ist, das die Zurschaustellung gefälschter Authentizität schon zu reichen scheint für den ganzen Film. Als ob es schon genug ist, wenn ein paar alte Autos an der Kamera vorbeigleiten. Das Flair des Films hat oft etwas künstliches, wie ein Theaterstück. Und selbst das könnte noch großartig sein, könnte an Arthur Miller erinnern, wenn de Palma auch nur eine Sekunde Lust auf diesen Film hätte. Wach wird er nur zweimal: beim Boxkampf zwischen Lee Blanchard und Bucky Bleichert und bei KD Langs (lynch-esquen) Auftritt in der Lesbenbar. Scheint, als könne sich de Palma nur noch für die Inszenierung von Fleisch begeistern. Der Rest des Films plätschert. Blanchards im Buch mitreißender dreckiger komplexer Trip in den Irrsinn, getrieben von Korruption, Schuld, Verantwortung. Liebe und Benzedrin, wird im Film fast zur Nebenhandlung, weil de Palma es wichtiger findet, uns Scarlett Johansson im Mohairpulli zu präsentieren. Wo ein bisschen David-Fincher-Flair gut getan hätte, Dreck und Erde und Blut, oder etwas von Roman Polanskis gleissendklarem Neo-Chandlerismus in Chinatown, bleibt de Palma damit beschäftigt, genau GEGEN den Stoff zu arbeiten. Ellroy entlarvt das Nachkriegs-LA, de Palma zelebriert es. Ellroy reißt es in den Dreck, de Palma will es zum Glitzern und Leuchten bringen. Alles in diesem Film will gut aussehen, will sich im Spiegel betrachten. Wo das Buch Anti-Kitsch ist, suppt und de Palma mit seufzenden Geigen, glitzernden Bildern und einem atemberaubend platten Happy End zu. Bombast ohne Inhalt.
In all dem Glamour geht leider der Film komplett unter. Der Plot will zuviel und erreicht zuwenig. Die Dreierliebesgeschichte geht unter. Die Beziehung von Mr. Fire und Mr. Ice geht unter. Die Faszination des bis heute ungelösten Falles der Schwarzen Dahlia versackt. Mia Kirshner (spielt Elisabeth Short die Black Dahlia) und Hillary Swank (die komplett aus The Long Sleep entstiegene sexhungrige Tochter aus gutem Haus, Madeleine Linscott) ähneln sich im Film rein optisch überhaupt nicht, was im Buch, wo sich die Figuren eben wie Zwillinge ähneln, ein absolut unverzichtbarer, elementarer Plotbestandteil ist – allein das macht die Handlung etwas unverständlich. Aufbau und Auflösung des Falls bleiben albern, wirken an den Haaren herbeigezogen, während die Konstruktion im Buch, der langsame Weg von des Immigrantensohns Dwight Bleichert durch den Dschungel von LA, glaubhaft und authentisch wirkt.
Gut sind einzig die Einzelleistungen von Darstellern. Josh Hartnett als Bucky Bleichert generiert sich als moderner Marlon Brando, mit weltmüde zugekniffenen Augen, zu langsam für die Welt um ihn herum (was ihn leider mitunter auch wenig mitreißend macht). Hillary Swank ist zunächst sinnlos im Film, dann aber durchaus überzeugend als sexy böse femme fatale. Aaron Eckhart zeigt hier nach Thank you for smoking erneut, was er kann. Rachel Miner, Madelines Schwester Martha, ist zwar nur kurz zu sehen, aber schön maliziös und gelangweilt. Auf der anderen Seite: Johansson enttäuscht auf ganzer Linie als Neo-Grace-Kelly, platt und müde, Mia Kirshner, die als Auftragskillerin in 24 – Day 4 durchaus mitreißend irre war, wirkt hier wie nachträglich in den Film gedrückt, völlig überflüssig und einfach falsch für die Rolle. John Kavanagh als Immobilienbaron Linscott ist zu nett, zu bärig, zu pathetisch, Fiona Shaw als seine Frau Ramona ist anfangs dämlicher comical relief, am Ende eine der – sicher unfreiwillig – absolut albernsten Momente des Filmes.
Nichts an diesem Film ist auch nur annähernd gut. Zweidimensional, kitschig und nicht einmal unterhaltend dabei wird er dem Buch nicht nur nicht gerecht, sondern arbeitet tatsächlich aktiv gegen das Flair von Ellroys Romanvorlage. Ein blinder Achtjähriger hätte einen besseren Film produzieren können.
17:24 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

Nachdem Juli und Jürgen und ja schon über die skandalösen Zustände beim vom Rat für Formgebung und dem Wirtschaftsministerium ausgelobten Deutschen Designpreis 2007 aufgeklärt haben und ich naiver Mitmensch immer noch voller Hoffnung auf das Gute im Menschen war, jetzt das böse Erwachen. Es ist wirklich ein Skandal. Denn: Der RfG hat mir heute meinen Beitrag zurückgeschickt. Sogar mit einem netten Formbrief. Aber ohne Porto. Zum einen wollte ich das Saisonheft 2004/5, das nominiert war, gar nicht wieder haben, ich habe es noch ein zweimal. Es ist eigentlich bei Wettbewerben die Norm, das man seine Beiträge nicht zurück erhält. Eigentlich leider. Ich fände, bei 100 bis 200 Euro Teilnahmegebühr wäre etwas Rückporto mit drin und einfach eine freundliche Geste (insofern freue ich mich über die Rücksendung an sich sogar) Zum anderen wäre es eben schon nett gewesen, einfach die drei Euro auf den Brief zu kleben. So hatte ich jetzt 12 Euro Nachgebühr, was schon etwas unerfreulich war. Vor allem für den Postboten, denn ich hatte nur noch Kleingeld im Haus :-D.
10:57 Uhr. Kategorie Leben. 3 Antworten.

Nachdem wir hier und hier ja schon die Kamera-Debatte hatten, und nach den Erfahrungen mit meiner Sony Cybershot T3 beim Konzert mit Lou Rhodes, habe ich mich am Freitag und Samstag einmal nach einer mobilen Kamera umgeschaut.
Zur Erinnerung: Wenn ich wirklich ein Photo brauche, benutze ich die Canon EOS 5D mit drei L-Objektiven, so daß es beim Kauf einer neuen Kamera jetzt weniger um eine professionelle Digitalkamera ging, sondern darum, einen möglichst kleinen mobilen Knipskasten zu haben, der immer dabei ist, aber trotzdem relativ souveräne Schnappschüsse ermöglicht. Der Nachteil aller Ultrakompakt-Digitalkameras ist, dass sie aufgrund ihrer geringen Größe einfach unweigerlich sehr viel stärker verwackeln als etwas größere Kameras, die man mit beiden Händen greift. Da ich mit diesen Kleinkameras auch sehr oft einhändig oder im Gehen Drive-by-Shooting betreibe, war die T3 – die abgesehen von diesem Manko eine wirklich prima Digitalkamera war, extrem klein und unauffällig mit Inner-Body-Zoom, mit einem völlig vertretbaren Bildrauschen und einer guten Optik – einfach nicht mehr in jeder Situation zu gebrauchen, weil ich in aller Regel ohne Blitz photographiere, selbst mit diesen Minikameras, deren Lichtstärke schon bei Raumlicht oft Probleme bereitet.
Und los:
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8. Oktober 2006 02:12 Uhr. Kategorie Technik. 28 Antworten.

A wise an said to me: Don’t underrate simplicity. Die ersten Zeilen des Soloalbums Beloved One der Ex-Lamb-Vokalistin Louise Rhodes sind zugleich offensichtlich das spirituelle Motto ihrer neuen Songs. Nach der Trennung von ihrem Mann, ihrer ehemaligen Band und damit dem Erfolg von Lamb hat sich Lou offensichtlich auf die einfachen Dinge im Leben konzentriert und kehrt zu ihren Hippie-Wurzeln zurück. Die ätherische TripHop-Fee präsentiert sich als gereifte Frau, die ihre Erfahrungen und Hoffnungen in fast anorektisch magere Songs packt. Gitarre, ein absolutes Minimum an Percussion, Streicher (beigesteuert von von Chi2Strings, die auch schon auf Between Darkness and Wonder vertreten waren) und natürlich Rhodes markante Stimme, mehr braucht es nicht mehr. Drumcomputer, Samples, Basslines, Orchesterarrangements und Andy Barlows markante Percussionorgien sind verschwunden.
Es ist fast seltsam, auf wie breiter Front derzeit dieser «pure» Folksound in die Musik zurückkehrt – daß unter anderem ja auch Beth Gibbons von Portishead und Emiliana Torrini auf ihren aktuellen Alben nicht mehr auf Samples, sondern auf etwas Gitarre, etwas Streicher und ihre Stimme vertraut. Vielleicht findet hier eine neue Verletzlichkeit, eine neue Verinnerlichung Ausdruck, eine Art musikalisches Cocooning. Musik in Zeiten des Krieges, zurück zur Poesiestunde mit Akustikgitarre am Lagerfeuer. Erstaunlich viele weibliche Acts klingen heute ähnlich verinnerlicht klingen wie Suzanne Vega zu Beginn ihrer Karriere.
Und obwohl auf Beloved One mit dem oberflächlich radikalen Soundwechsel scheinbar so vieles anders ist als bei Lamb, schließen die Melodien und die ausdrucksstarken Vokalriffs von Louise doch nahtlos da an, wo die Band aus Manchester am Ende der Entwicklung von Drum’nBass-Crossover zu Melncholiepop aufgehörte: dicker Pathos, großes Gefühl, sperrige Emotion. Nur hier eben ohne dick, sperrig und groß, sondern alles etwas enger, näher, kleiner. Beloved One hört sich insofern nicht ohne Grund an wie Lamb unplugged. In der Kammermusikgeste findet Rhodes ihren eigenen Stil, unterproduziert, bewußt ganz weit entfernt von Barlows Mischpultakrobatik, aber kaum weniger mit großer Geste geschrieben als ihre Songs bei Lamb.
Ihre Stimme ist einen Hauch rauher geworden, kratziger, eben auch näher und authentischer. Delay und Hall wie noch bei Gorecki sind hier undenkbar, die Stimme versteckt sich nicht mehr hinter Echoeffekten. Lediglich auf Why, einem noch zu Lamb-Zeiten gemeinsam mit der Band geschriebenen Song, findet Rhodes zu offenen lauteren Gesang zurück. Ansonsten hat diese neue Inkarnation auch eine neue Stimmlage, die ernster ist, lässiger, vertrauensvoller. Vielleicht, weil sie nicht mehr gegen Maschinenpark und Orchester durchdringen muss.
Mutig von Lou Rhodes, aus einer zunehmend kommerziell erfolgreichen Band auszusteigen und dann – anders als viele andere Sänger auf Solopfaden – derart unkommerzieller zu werden und sich wahrscheinlich konsequent von den Hitparaden zu verabschieden. Ich hoffe, ein sicher erreichbares Potential von Lamb-Fans und Freunden ihrer neuen Musik wird trotzdem Beloved One kaufen und ihr den verdienten Erfolg bescheren.
Beloved One ist eine spirituelle, federleichte Platte, weniger pathetisch als man es von Lamb kennt. Den Stücken wohnt eine gebremste Kraft inne, fast würde man sich oft mehr Instrumentierung wünschen – es ist befreiend, wenn auf Why endlich endlich einmal etwas Schlagzeug kommt -, aber Rhodes stellt hier beeindruckend unter Beweis, dass Andy für Rhythmus und Druck, Komplexität und Partyfeeling bei Lamb verantwortlich war, sie aber für die Seele. Und die ist auf dieser Platte reichlich vorhanden.
6. Oktober 2006 13:02 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.
Robert Anton Wilson, unter anderem Autor der Illuminatus-Trilogie, und neben dieser Satire einer der ganz großen seltsamen visionären sprituellen Autoren, die wir haben, einer der Pioniere der Konspirationstheorie und der Gegenkultur, braucht eure Hilfe. Wilson ist ein echter Querdenker und eine der grißen Inspirationsquellen von anderen Schreibern wie Grant Morrison oder Douglas Rushkoff. Rushkoff, selbst ein wunderbarer Roman- und Sachautor (u.a. Coercion), berichtet in seinem Blog-Eintrag von Wilsons Krankheit und seinen finanziellen Schwierigkeiten. Damit der bettlägrige Wilson überhaupt gepflegt werden und seine Miete zahlen kann, bittet Rushkoff um Paypal-Spenden an olgaceline@gmail.com. Und der Bitte schließe ich mich an. Auch wenn ich in diesem Monat schon dem Schauspielhaus Bochum und Lea Hernandez Geld geschickt habe, Bob Wilson ist ein großartiger Autor und er sollte nicht verarmt und krank enden, wenn wir es ändern können. Schickt Geld, egal wie wenig es ist…
5. Oktober 2006 13:44 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

Heute sind meine Eneloop-Akkus von Foto Köster angekommen.
Die Sanyo Eneloop soll laut Aussage des Herstellers ein neues Batteriekonzept sein, dass die Vorteile von Akku und Batterie miteinander verbindet. Sofort zu 75% aufgeladen, deutlich geringere Selbstentladung (90% nach sechs Monaten) und bis zu 1000fache Wiederaufladbarkeit zählen zu den Highlights der Akkus, deren Preisniveau nicht wirklich spürbar über normalen wiederaufladbaren Akkus liegt. Die Eneloop können in jedem herkömmliche Akku-Ladegerät aufgetankt werden, das firmeneigenen Ladegerät ist also nicht wirklich nötig. Durch die extrem geringe Selbstentladung können die Eneloop eigentlich in jedem Bereich, in dem Akkus bisher Probleme hatten, weil der Stromverbrauch zu gering war (Fernbedienungen usw.) zum Einsatz kommen.

Ich selbst werde sie aber auch in den extrem stromhungrigen Logitech-diNovo-Sets verwenden und bin gespannt, ob die Eneloop-Idee in der Praxis überzeugen kann. Falls die versprochenen Produktinnovationen von Sanyo greifen, dürfte sich hier tatsächlich das Ende der herkömmlichen Batterien (sowie der bisherigen Akkus) andeuten – was man schon aus rein ökologischen Gründen nur hoffen kann.
12:45 Uhr. Kategorie Technik. 19 Antworten.
Erinnert sich noch jemand an die surreal multiplizierte goldene Winkekatze von der Big-Eden-Schlussparty der Typo 2006?
Die gute taucht im brandneuen Dr. Strange-Comic als Portal zu einer anderen Dimension auf :-D.

via Daily Scans
10:37 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Das ist schon Synchronizität, oder? Nach über zwei Monaten entscheide ich mich, endlich mal die Lamb-Remixed-CD zu bloggen und stelle dabei fest, daß Ex-Lamb-Stimme Louise Rhodes nicht nur ein erstes Soloalbum am Markt hat, sondern genau am nächsten Tag in Kölner «Stadtgarten» auftritt. Wenn mich jemand fragen würde, welche zehn CDs ich mit auf eine einsame Insel nähe, wären etwa vier (von vier) Alben von Lamb dabei. Da ich Lamb aber noch niemals wirklich live gesehen habe, war der Kölntermin – kurzfristig hin oder her – also Pflicht.

Es ist ein kleines Konzert und die unwillkürliche Frage ist: Warum zur Hölle gibt Lou den ja doch relativ signifikanten Erfolg von Lamb auf, um vor nicht einmal 100 Leuten auf einer kargen Bühne irgendwo in Köln aufzutreten? Vor einem Publikum, das größtenteils nicht so aussieht, als wäre es auf den Drum’n'Bass des ersten Albums sonderlich eingestiegen. Und während des Konzerts wirkt Rhodes auch oftmals so, als würde sie sich irritiert fühlen von der intimen und doch irgendwie gehemmten Stimmung in dem bestuhlten Saal, in dem die Leute zwar laut und artig klatschen, wo aber meist eben doch ruhig, versunken, der Musik zugehört wird, wo während der Songs einfach Stille ist, der Rhodes alleine mit Stimme und Gitarre, nur begleitet von Co-Gitarrist Stephen Junior, entgegentreten muss.

Lou Rhodes ist eine dieser Figuren, die ich niemals wirklich kennen lernen könnte. Ich bin Stars und Idolen gegenüber unglaublich scheu und Rhodes ist mir einerseits als hochintensive Stimme so vertraut (ich habe wahrscheinlich kaum ein Album öfter über Kopfhörer gehört als Lamb, das erste Album der Band), andererseits empfinde ich sie als so fragil, ätherisch und irgendwie alien, dass sie einem kaum als realer Mensch vorkommt. Für mich ist Lou Rhodes eine der ganz wenigen realen Menschen, die mir wie eine Figur von Jonathan Carroll vorkommen, diese smarten, schönen, magischen, brillianten Menschen, in du dich bei Carroll immer wieder und sofort verliebst. Die Tatsache, daß sie von Hamburg nach Köln mit der Bahn gefahren ist, ist zu viel für mein Gehirn. Irgendwie bewegt sich Louise Rhodes in meinem Kopf wahrscheinlich nur in permanente John-Woo-Zeitlupe :-D. Selbst auf der winzigen Kölner Bühne des Stadtgarten, auf der jede andere Frau mit Gitarre wahrscheinlich albern und verloren aussähe, schafft sie es noch, seltsam entrückt, völlig in Kontrolle, magisch zu wirken. Ganz im Gegensatz übrigens zu Stephen Junior, der im Grungelook und mit phantastischem Gitarrenspiel eine halbe Band ersetzte und sichtbaren Spaß an dem Auftritt hatte.

Und so waren es vielleicht auch die Songs, bei denen Rhodes nicht selbst Gitarre spielte, sondern Stephen Junior sich entfalten konnte und Lou sich auf den Gesang konzentrierte, die am stärksten waren. Nicht abgelenkt durch die Gitarre, war die Stimme prägnanter, druckvoller, präsenter, weniger verhalten. So gerieten ausgerechnet die Lamb-Tracks «Gabriel» und «Lullaby» zu den emotionalsten Tracks des Abends, weil sie aus dem engen Korsett von Lous Fähigkeiten an der Gitarre befreit waren, Stephen frei improvisieren konnte (anstatt Louise zu begleiten) und der Gesang mit einer glasklaren Präsenz und Wucht im Raum stand, die die Lamb-Albumversionen nicht annähernd erreichen. Bei den Songs von Beloved One wirkt die Duo-Besetzung hingegen oft zu dünn, man sehnt sich nach etwas Percussion oder Streichern, irgendetwas, was den Zupfgitarrensound anreichert, bereichert. Insgesamt aber reißt die Stimme, die schiere unirdische Präsenz von Louise Rhodes aber alles heraus, die Lady könnte auch komplett ohne jede Begleitung singen und es wäre herzschmelzend. Es gibt für mich im Grunde keine andere Stimme, die zugleich so intim und so hymnisch, so mellow und predigend, so melancholisch und hymnisch zugleich ist. Ich habs wirklich nicht so oft, dass ich in einem Konzert wirklich seriös Gänsehaut bekomme. Und ich glaube, eine Dame in der Reihe hinter uns hat tatsächlich geweint.

Zu den neuen Tracks an sich sage ich nicht viel, weil ich die mit den neuen Album besprechen will, daß ich mir anläßlich des Gigs gleich vor Ort gekauft habe, schöne limitierte Promo-CD mit Unterschrift (ich bin SO ein Fanboy, oder?). Live fehlt den Tracks der letzte Druck, ich würde mir da wirklich etwas mehr Druck wünschen. Für eine Tour ist diese persönliche Singer-Songwriter-Atmosphäre perfekt, aber Gott, ich habe permanent mitgetrommelt, weil es mit mehr Band im Rücken einfach so perfekt gewesen wäre. Die Songs verdienen mehr Arrangement als zwei Gitarren bieten können, manchmal ist weniger eben doch nicht mehr. Dennoch, die Chance, die Stimme von Lamb in so kleinem Rahmen, so intensiv zu erleben und zu bestaunen, wie Rhodes sich als Sängerin weiterentwickelt hat, wie ihre Stimme intimer und rauher geworden ist, wie sie so pur ideal zur Geltung kommt und durch dich durchfließt… unglaublich.
02:38 Uhr. Kategorie Live. 5 Antworten.

Von der ersten Sekunde an ist Thank you for Smoking ein Gewinner. Jason Reitmans Film beginnt mit einer Titelsequenz, die die Namen der Schauspieler typographisch auf Zigarettenschachteln bannt. Fast erotisch langsam gleitet die Kamera dabei von (fiktiver) Marke zu Marke und das Design imitiert phantastisch den Glamour von Packungsdesign der 40er bis frühen 80er Jahre. Typographisch und gestalterisch die reine Magie, verspricht der Opener nicht zu viel: Reitman liefert über die gesamte Distanz einen witzigen, satirischen, boshaften Film ohne Durchhänger ab. Dabei ist die Story so, wie in tausend anderen Hollywood-Komödien. Sinnkrise eines Yuppies, der erst durch die Liebe zu seinem Sohn wieder zu sich selbst findet. Der Haken: «zu sich selbst» heißt zurück in die Tätigkeit als Lobbyist und Spin-Doctor für die amerikanische Tabakindustrie. Denn Nick Naylor (charmant gespielt von Sunnyboy Aaron Eckhardt) ist keiner von den Guten, im Gegenteil. Sein Job ist es, wissenschaftlicher Forschungen über den Zusammenhang von Krebs und Nikotin in Zweifel zu ziehen, in Talkshows Nebelbomben gegen Gutmenschen zu zünden, den krebskranken Marlboro mit Schweigegeld mundtot zu machen und gegen strengere Gesetzvorlagen vorzugehen. Der Trick des Films ist, dass wir mehr und mehr dem zynischen Spinster die Daumen drücken. Er und seine Freunde von der Alkohol- und Tabakindustrie wirken in ihrer fröhlichen Boshaftigkeit, in der sie ihre jährlichen Leichen vergleichen, viel sympathischer als der verkrampfte Käsesenator Ortolan K. Finistirre (wunderbare Name und atemberaubend grellhysterisch gespielt von William Macy). Der Film geht so – wie Harald Schmidt in seinen besten Momenten – an der hauchdünnen Bruchstelle entlang, an der wahrscheinlich die Tabaklobby dem Film ebenso abgewinnen kann wie die Anti-Raucher-Lobby. Denn obwohl die gallige Satire stets erkenntlich bleibt, greifen die Argumente von Naylor ja durchaus. Waren Filme nicht viel cooler, als noch geraucht wurde? Ist es nicht Bevormundung, wenn die Gesundheitslobby Rauchen verbietet? Beide Seiten dieser Debatte kriegen im Verlauf des Filmes ordentliche Seitenhiebe ab, ohne das Reitman jemals platt auflösend zu einer der beiden Fronten überlaufen würde.
Bestechend sind vor allem die liebevollen kleinen Gags, wie der Name der Schule von Naylors Sohn (St. Euthanasia) oder der deutsche Wissenschaftler der Tabaklobby, der die Krebsvorwürfe widerlegen soll und dabei auf Stichwort einen Kasten voller Ratten mit Nikotin vollgast. Die Gags werden komplett deadpan gespielt, lässig wie im Pokerspiel auf den Tisch geknallt, niemals auf den schnellen Lacher zielend, aber immer treffsicher in Timing, der Humor so schwarz und trocken wie Raucherlungen. Die exzellenten Darsteller machen es möglich: Selbst die kleinsten Nebenrollen sind ungewöhnlich glaubhaft und stark gespielt. Sam Elliot als krebsverseuchter Marlboro-Cowboy Lorne Lutch bringt den Gewissenskonflikt dieser Figur mit minimalen Gesten auf den Punkt, selbst seine Ehefrau, die nur für kurze Augenblicke auf der Leinwand ist, wirkt hunderprozentig in ihrer Abscheu und Wut glaubhaft. William Macy, der stets grandiose Robert Duvall und J.K. Simmons bringen ihre fast operettenhaften Charaktere solide auf den Boden, verankern sie, facettieren die Stereotype. Adam Brody besticht als angeberischer Yuppie, Rob Lowe als Workaholic-Zen-Anhänger, der scheinbar Mühelos Philosophie und Geldgier in der Balance hat. Keine dieser Rollen ist allzu laut gespielt, ihre Gier und ihre Verwicklung in das System entpuppt sich spielerisch, beiläufig. Das Reitman zudem noch stilistisch experimentiert und zum Beispiel den Trip nach Los Angeles mit einer billigen Videokamera-Ästhetik und Splitscreens arbeitet, um subkutan das Urlaubs-Trip-Feeling zu kommunzieren… großartig. Und in einem Film, in dem aufs böseste über Product-Placement gelästert wird mitten drin ein fettes Placement von Coke zu haben, das an Dreistigkeit kaum zu toppen ist… da weiß man nicht mehr, ob es noch echtes Placement ist oder ein Gag am Rande, der so entspannt daherkommt, dass man ihn vom real thing nicht mehr zu unterscheiden weiß. Der Humor ist so doppelbödig, dass der Film sich zunehmend im gleichen moralischen Vakuum befindet, indem wir auch kollektiv als Gesellschaft täglich längst umhertapern.
Es ist beachtenswert, wie der Film die narrativen Plot-Klischees von Hollywoods Stangenware gegen den Mainstream wendet. Und so zugleich ein großartiges Stück Popcorn-Unterhaltungsfilm abgibt, aber auch ein düsteres Statement über Beziehungen, über Unternehmenskultur, über Politik, über Medien, über die sich selbst längst selbst fressende Spin-Gesellschaft,, in dem jede Wahrheit relativierbar und somit argumentierbar geworden ist. Was übrigens bestens zum Spiegel dieser Woche paßt. Reitman verkauft diese Erkenntnis nicht resigniert, nicht zeigefingerwedelnd, sondern mit einem fröhlichen Endzeitzynismus. der wahrscheinlich die einzig akzeptable Geisteshaltung dieser Zeit ist.
Kurz: Absolut, absolut sehenswerter Film, ohne jeden Abstrich.
4. Oktober 2006 17:35 Uhr. Kategorie Film. 15 Antworten.

Mit einem kurzen Gespräch bringt Thomas Wenk erstes Licht ins Dunkel meines Wintersemesters an der Ruhrakademie in Schwerte:
Ich habe Dienstags von 10:00-13:00 Uhr Kommunikation und Layout mit dem dritten Semester.
Von 13.30 bis 16.30 Projektarbeit in Kommunikationsdesign mit dem fünften und siebten Semester.
Und danach Diplomberatung für Studenten, die bei mir im April oder Oktober 2007 Diplom machen wollen.
Wenn ihr als Studenten schon Vorschläge und Ideen, noch ist etwas Zeit… bloggt es hier.
Ich überlege derzeit, das gesamte nächste Semester nicht auf dem alten nodesign-Forum zu bespielen, wie bisher, sondern eventuell hier auf dem Blog.
16:18 Uhr. Kategorie Leben. 2 Antworten.
3. Oktober 2006 18:22 Uhr. Kategorie Arbeit. 13 Antworten.

Da Lamb sich ja mehr oder minder aufgelöst haben, bleiben einem nur noch Collections wie diese Remix-CD, die direkt einem Best-of-Album folgte (hohoho), vielleicht in Zukunft noch ein Live-Album oder eine DVD mit den exzellenten Videos. Seufz. Wenn das so weitergeht ist Lamb bald ebenso wie Police eine jener Bands mit mehr Best-of als tatsächlichen Alben. Und wie bei Police, fehlt den Soloarbeiten einfach die Synergie… wie etwa bei Lou Rhodes erstem eigenen Album, dem einfach Barlows irrlichternde Kreativität am Computer fehlt. Lamb Remixed versammelt natürlich die verschiedenen Variationen, die die verschiedensten DJs Lamb-Songs angetan haben. Die Songs variieren von Klassikern, die oft bekannter sind als die ursprüngliche Version (wie etwa K&Ds Trans-Fatty Acid …ein Schicksal, das Lamb übrigens vor allem mit Moloko teilen) bis hin zu eher uninspirierten Disco-Krachern, vor allem aus der späteren Phase des Duos stammten, als man weniger einer der Groundbreaker des TripHop war, sondern mehr und mehr (durch aber auch exzellenten) Pop produzierte und (leider) auch gut genug für einen Opel-Commercial war (Gabriel). Den späten Remixes fehlt insofern der typische Mix aus Drum’n'Bass-Rhythmen mit Jazzelementen, die Leichtigkeit von Lamb. Andrew und Louise, das ist das eigentliche Highlight der Doppel-CD, kommentieren die Remixes und scheuen auch nicht davor zurück, Missfallen auszudrücken. Das schöne an Lamb Remixed ist, dass man all die Tracks, die man vorher größtenteils nur digital besitzen konnte, weil sie zum Teil aus raren Quellen stammen, nun schön sauber versammelt auf einer Doppel-CD hat. Ein paar Tracks, wie etwa den grandiosen AphexTwin-Remix, hatte ich auch zum Beispiel noch gar nicht. Und die Songs von Barlow und Rhodes sind so großartig, daß auch komplette Reworkings ihnen nichts anhaben können, sondern nur (vor allem zu Beginn der Karriere von Lamb) meist gelungene Alternativen entstehen, die – wie etwa bei Cottonwool – komplett eigenständige Songs ergeben.
God, I miss this band.
12:30 Uhr. Kategorie Musik. 6 Antworten.

Sicher, ich hatte es mir noch schlimmer vorgestellt. Wo Bernd Eichinger hinpackt wächst bekanntlich kein Gras mehr und obwohl Tykwer sich als einer der besten deutschen Regisseure profiliert hat, gibt der Stoff des Buches ihm wenig Spielraum für seine typische Handschrift und der Pathos kann einen Regisseur mit Hang zum Stilisieren hier leicht übermannen. Nicht ohne Grund ist Das Parfum, immerhin die Verfilmung eines der bekanntesten deutschen Bücher der letzten Dekaden, bisher fast ausnahmslos verrissen worden.
Dabei steht der Film von der ersten Sekunde an vor einem unlösbaren und verständlichem Problem… wie transferiert man olfaktorische Reize ins visuelle Medium? Im Buch viel einfacher: Geruch lädt ein zur Assoziation, zur Beschreibung zur Simile… im Film, wo man zeigen muss,nicht erklären kann,nahezu unmöglich. Man kann sicher mit digitalen Effekten arbeiten und ein oder zweimal greift Tykwer darauf zurück – aber mehr wäre nicht sinnvoll gewesen, selbst diese beiden Momente haben schon einen touch too much, wirken zu modern im Kontext des Gesamtfilmes.
Das Parfum zeigt die Grenzen von Kino gegenüber der Literatur auf. Es gibt Dinge, über die kann man schreiben, aber die kann man eben nicht verfilmen. So wie eine Autoverfolgungsjagd im Film funktioniert, im Buch aber zu Tode langweilen würde. Verloren auch die Nuancen, die literarischen Andeutungen, nicht zuletzt die Möglichkeit des Autors, emotional diffus, distanziert zu bleiben. Der Film macht sich stets gemein mit seinen Helden und so wird Grenouille hier nicht emotionsloser Katalysator einer Erzählung, sondern eine Art Jesus/Superheld/Jack the Ripper im Historiengewande. Die Sequenz beim Parfumeur Baldini (Dustin Hoffman) erinnert unweigerlich an die Vorführung von Superkräften, auch die Sequenz, in der die Kamera Grenouilles Geruchssinn Richis und seiner Tochter Laura (Rachel Hurd-Wood) folgt, wirkt dem Actionkino à la Matrix entlehnt.
Paris und Frankreich des 18. Jahrhunderts auferstehen zu lassen, ist sicher eine Herausforderung. Setbau und Styling geben hier ihr bestes, in kleinen Details, im unendlichen Dreck der Massen. Dennoch habe ich mich nicht ganz von dem Gefühl befreien können, einen ZDF-Weihnachtsvierteiler oder einen WDR-Schulfilm zu sehen. Vielleicht ist man ausgerechnet dieses historische Umfeld bereits so gewohnt, dass es zum Klischee erstarrt ist, aber die Kostüme, die Gesichter, die schwarzen Fingernägel, die Zähne, die Grimassen, dieses ins Musical überzogene Elend, andererseits die ebenso überzeichnete fette gepuderte Oberschicht. Das wirkt so ermüdend deja vu. Tykwer und Eichinger haben den bereits als Schablone beim Publikum festgesetzten Bildern nichts hinzuzufügen, nichts zu ergänzen. Das dies durchaus geht, zeigen Filme wie Vidoc oder Pakt der Wölfe, die zwar ihre jeweils eigenen Probleme haben, dem Epochefilm aber sicher einen neuen, postmodernen Twist verliehen konnten, wo Das Parfum leider eher brettbieder bleibt. Wo sich doch gerade dieser Film für deutlich mehr digitale Surrealitäten angeboten hätte. Nicht auszudenken, was ein Jeunet aus dem Stoff gemacht hätte.
Auch das Ende des Films, die Orgie in Grasse, sowie Grenouilles Tod auf dem Fischmarkt in Paris, geraten zu deutschmilde. Die Orgie verbreitet ein bisschen Woodstockflair und es gibt Bonuspunkte für den Mut zum (angedeuteten) Sex zwischen Männern, aber insgesamt fehlt es an Epos, an Wucht. Und auch der kannibalistische Tod von Jean-Baptiste kommt seltsam abstrakt und unwirklich daher, seltsam antiseptisch.
Ich denke, angesichts der in die Rechte investierten Summen wollte Eichinger in erster Linie einen Erfolgsfilm, der in Deutschland, aber auch in Ausland vor allem Geld einspielt. Das ist als Produzent seine Aufgabe. Man verfilmt keinen Zehn-Millionen-Euro-Film, damit am Ende drei Kunststudenten begeistert jauchzen, sondern geht auf die Masse. Kino, DVD, TV. Und die Masse, sicher, bedeutet Konsens. Bedeutet, keine Frage, Kommerzfilm. Dieses Schicksal teilt Parfum mit Elementarteilchen. Es ist Tom Tykwers Verdienst, diese Aufgabe mit ausgzeichnetem Casting, hochsolidem Handwerk und offensichtlicher Freude am klassischen Erzählfilm umgesetzt zu haben. Im Rahmen dessen, was wahrscheinlich möglich war, hat er alle Register gezogen. Die Gesichte ist so eingedampft und zugleich aufgebauschtt, dass sie einem breiten Publikum als Tragödie nachvollziehbar ist, auch um den Preis, dass Süskinds Figur hier plötzlich zum romantischen Serial Killer wird, der nicht entrückt dem perfekten Parfum nachjagt, sondern eine Art Liebesdienst erfüllt. Tykwer hat, wo immer er konnte, mit dem großen Publikum im Kopf, ein bisschen Thriller, ein bisschen Historienfilm und ein bißchen Romanze gemischt und heraus kommt ein Film, von dem er wahrscheinlich am besten weiß, daß es ein job well done ist, der aber lange nicht heranreicht an seine kleineren, intimeren Filme. Vieles an diesem Film hätte peinlich und albern wirken können und Tom Tykwer hat es geschafft, das fast durchweg zu vermeiden – und das ist bei einer solchen Kompromiss-Produktion, bei der immerhin zwei der Produzenten auch als Drehbuchautoren aufgeführt sind, schon eine mehr als beachtenswerte Leistung. Aber im Endeffekt leidet der Film unter der Hybris der Verkaufszwangs, unter einer unendlichen Schaulust im Wortsinne, hier wird geklotzt, nicht gekleckert, hier soll beeindruckt werden. Eichinger, das Gefühl wird man nicht ganz los, will sich hier noch einmal ein Monument hinsetzen.Musik, Bilder, Einstellungen, Darstellergesichter, hier ist wenig Platz für das kleine Intime, das wirklich mitreißende. In diese Leistungsschau der Bilder, in diesen greifbar nervösen Versuch, bloß nichts Falsch zu machen, um Gottes Willen einen unangreifbaren Film zu machen, den großen Mainstream-Erfolg auf Knopfdruck… in all diesem stirbt irgendetwas. Eichinger und Tykwer haben dem Buch nichts entgegenzusetzen, verfilmen nur. Und versuchen, als erfahrene Magier, mit viel Lärm und viel Bombast davon abzulenken, dass in der Essenz recht wenig geboten wird.
Die Crux von Parfum ist, abgesehen von der schieren Unverfilmbarkeit des ohnehin recht durchschnittlichen Buches, ist aber eben diese Tendenz zum Konsens. Ein kleinerer, mutigerer Film, der dem Stoff, aber auch dem Publikum mehr abverlangt hätte, wäre wahrscheinlich sehenswerter gewesen.
Das beste, insofern, war der wirklich großartige neue N-93-Nokia-Spot mit Gary Oldman ;-).
2. Oktober 2006 11:56 Uhr. Kategorie Film. 7 Antworten.