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SOPHIE AUSTER

Und noch eine berühmte Tochter auf Musikerpfaden, in diesem Fall die erst 19-jährige Tochter des Starautors Paul Auster, der zu Sophies Debut zahlreiche Texte beigesteuert hat (andere kommen von Autoren wie Robert Desnos, Tristan Tzara und anderen namhaften Dichtern aus der Zeit von Dada und Surrealismus), das angeblich im Alter von 16 aufgenommen wurde. Das natürlich auch Sophie als Model und Schauspielerin arbeitet ist ja schon selbstverständlich, die Musik wurde beigesteuert von One Ring Zero,also alle Zutaten da, die man für ein Wegwerf-Vanity-Projekt bräuchte… und dennoch klingt die die Platte nicht allzu sehr nach Retortenbaby. Seltsam zwischen Folkjazz und Chanson irrlichternd, wirkt Austers CD seltsam klein, weit weg vom berechneten Charts-Erfolg. Zwar nicht ganz so seidig-elegant wie das Booklet-Design vermuten lassen würde, dafür eher wie Marc Almond in seinen besseren Zeiten, allerdings ohne dessen hypertrophen Gesang. Die Stimme, wiewohl schon kraftvoller als die von Charlotte Gainsbourg, stärker im amerikanischen Folk verwurzelt, ist keine wirklich durchsetzungsstarke Gesangsstimme, auch wenn Sophie Auster ihr bestes gibt, auf alles Hingehauchte zu verzichten und laut, klassisch, stolz zu singen. Nur leider ist die Stimme ohne wirkliche Highlights, ohne Modulation, ohne Ecken und Kanten, in den hohen Lagen auch mal eher angestrengt. Just a girl singing. Sophie Auster ist weniger herbstlich als 5.55, beschwingter, extrovertierter, da ist mehr Flair von Texas Ranches und Pariser Cafés und der Flow Kurt-Weillscher Harmonien, mehr klassisches Chanson, mehr Americana, mehr Singersongwriter-Feeling. Insgesamt also mitunter eine sympathisch seltsame Mischung, die wohltuend unterproduziert daherkommt. Eine Platte, die ohne Zweifel auch bereits vor 15 oder 30 Jahren hätte erscheinen können. Das Resultat, mit dem berühmten Namen ihres Vaters und dem Gesicht, dürfte reichen, um eine Karriere als Sängerin und Schauspielerin zu starten. Austers CD ist beileibe kein Must-Buy, aber auch kein Kauf, den man reut. Wenn die rich and beautiful schon ihren künstlerischen Anflügen folgen müssen, sind mir solche Ergebnisse viel lieber als beispielsweise der Bubblepop von Paris Hilton ;-). Sophie Auster ist eine kleine, irgendwie niedliche Platte, mit einer ausreichend begabten Sängerin, ausgezeichneten Texten und einer bittersüßen Frühlingsleichtigkeit, für die man getrost 16 Euro bezahlen darf.

30. September 2006 16:07 Uhr. Kategorie Musik. 3 Antworten.

Album 055

12:20 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Spam = Art

blood.
If he had nothing
if nuclear blasts
which circled the blood
cheeks wrinkled to die,
down Lee.
Do you mean,
that Blue green
to do not
have given us).
The lights;
went out

(Absätze von mir, ansonsten unverändert)

29. September 2006 22:42 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Charlotte Gainsbourg: 5.55

Als Kind von Serge Gainsbourg und Jane Birkin, die gemeinsam das legendäre «Je t’aime» murmelten und stöhnten, ist Charlotte Gainsbourg eines dieser hyper-talentieren Sprösslinge, die – nicht zuletzt aufgrund des türöffnenden Nachnamens – einerseits in die Fußstapfen ihrer Eltern treten, andererseits um einen eigenen Platz außerhalb des elterlichen Schattens kämpfen. Nachdem Gainsbourg sich vor allem als Model und Darstellerin einen Namen machte – unter anderem in 21 Gramm, Lemming und ganz aktuell Science of sleep – kommt sie hier auf 5.55 auch als Sängerin zum Zuge, mit tatkräftiger Unterstützung. Die Texte stammen größtenteils von Pulp-Frontmann Jarvis Cocker und Divine-Comedy-Chef Nigel Godin, die Musik (auch wenn es beileibe nicht so klingt) von Air, produziert wurde das Ganze von Radiohead-Producer Nigel Godrich. Und dennoch klingt die Platte beileibe nicht so, wie die Namen vermuten lassen. Weder luftige Elektronik-Spielereien noch düster-dichte Sampling-Atmosphäre, ganz im Gegenteil… eine leichte luftige sehr akustische Pop-Platte kommt dir hier entgegen. Viel Klavier, viel akustische Gitarre, viel Chanson-Flair. Die perfekte Produktion und die meist soliden Texte lenken wunderbar davon ab, dass Gainsbourg eigentlich eine recht unerwähnenswerte Stimme hat, die eher unaufdringlich durch die Tracks führt und den Eindruck einer wunderbar gelungenen Platte, von der aber am Ende kaum etwas im Ohr hängen bleibt, nur verstärkt. Noch nicht ganz der konturenlose Milchkaffee-Pop, fehlt 5.55 trotz vieler genialer Ansätze, trotz wunderbarem Artworks, trotz mehr Melancholie als im Gesamtwerk von Belle & Sebastian, trotz dieses zeitlosen Louis-Malle-Feelings, das seltsam zwischen Fast-Frühling und Noch-Herbst hängt, trotz alldem der letzte Hauch zur Perfektion, zur wirklich großen Leistung, die sich aus der Masse des sanften FemJazzPop abhebt.

5.55 ist eine ausgezeichnete, ruhige Platte, die man guten Gewissens kaufen kann und sich im Dunkeln, wie die Uhrzeit im Albumtitel nahelegt, wunderbar konzentriert anhören darf, die aber leider auch unbeachtet im Hintergrund dudeln kann. Die nicht anecken will und kann. Und der eben vielleicht hier und da ein paar Ecken, ein paar Splitter fehlen, etwas Schmerz. Es ist eine ausgezeichnete Platte, wunderbar hingehaucht, federleicht, und das spannendste was sowohl Air als auch Jarvis Cocker seit Jahren abgeliefert haben. Vielleicht ist es gut, daß die Platte so zerbrechlich leicht daherkommt. Vielleicht ist es richtig, dass sie sich nur um perfekte kleine nahtlose Songs kümmern will und sonst nichts. Ich selbst hätte mir etwas mehr emotionalen Druck gewünscht, mehr Zuspitzung, mehr Höhepunkte, weniger Dahinplätschern.

22:28 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

Album 054

13:20 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

JIMI TENOR: DEUTSCHE GRAMMOPHON RECOMPOSED

«Interessant» sagt Alfred Biolek, immer, wenn ihm etwas nicht schmeckt. Irgendwie ist dieses Wort dadurch leider inzwischen etwas entwertet worden, fast abwertend – so,als würden wir uns nur nach dem sehnen, was gefällig und leicht verdaulich daherkommt, irritationsfrei und verwöhnend.

Denn Interessant im besten Sinne ist das, was Jimi Tenor hier unter dem von Dirk Rudolphs Studio gestaltetem Cover (das Innenleben ist leider nicht ganz so schön wie das wunderbare Covermotiv mit dem schwarztriefenden Baum [oder ist es nur eine Wurzel?], der vor warmen Rot sofort, ohne auch nur lange denken zu müssen, als «Rudolph» identifizierbar ist) präsentiert. Man mag es als unverschämt empfinden, wenn ein finnischer Alternativeelektroniker, der mit Take me Baby immerhin auch veritablen Club-Erfolg zu verzeichnen hat, sich an Klassik verhebt. Dabei hat er ja schon auf Out of Nowhere wunderbar mit einem polnischen Orchester deutlich gemacht, wie sehr ihn ihn der Klassik-Crossover reizt, hier noch in Form eines eigenwilligen experimentellen Soulfunk ohnegleichen. Deutsche Grammophon ReComposed ist insofern nur ein weiterer Baustein im musikalischen Imperium von Jimi Tenor, der hier auf Basis der Original-Einspielungen aus den Archiven der DG einen seltsamen Soundtrack zaubert, dem man die ursprünglichen Quellen fast nicht mehr anhört. Die Idee, Klassik als reine Sampling-Bausteine einer gänzlich neuen Musik zu betrachten, mag nach Sakrileg riechen, aber halt… Die Originale sind ja noch da. Was Universal hier wagt, ist so neu nicht, aber selten so wunderbar gekonnt: Der Remix der Großen Musik als Pop. Wo aber andere Klassik-Remixes – wie ja durchaus auch die erste Ausgabe der ReComposed-Serie von Matthias Arfmann –eher den Orignalen nichts hinzuzufügen haben, im Kitsch verenden, meistert Tenor die Ernsthaftigkeit des Materials. Durchdacht, film-noiresque (was schon die Auswahl des Ur-Materials nahelegt), zeitnah und doch zeitlos, versucht er niemals, die Originale banal zu re-interpretieren oder gar tanzbar zu machen, sondern vielmehr re-kontextualisiert er die Klassik. Bewußt wählt Tenor meist moderne, minimalistische Stücke, denen er etwas beisteuern kann, die zugleich seltsam verfremdet und doch pur bleiben. Das Ergebnis ist eine eigenartige Platte, die auf ihre Art gottseidank ebenso sperrig bleibt wie die Stücke von Reich oder Varèse. Klassik wird hier nicht mit den Mitteln des Elektropops neuzeitlich angebiedert, sondern Tenor stellt ihnen eine gleichermaßen unzugängliche elektronische Klangwelt gegenüber. Mit anderen Worten: Tenor erweist sich dem Originalmaterial als gewachsen. Er vermag es, neben Klanggöttern wie Boulez und Satie als souveräner Regisseur aufzutreten, der wie ein Stanley Kubrick an einer Vorlage geniales nahezu alles verändert, um ihrer eigentlichen Essenz näher zu kommen. Das wunderbare an dieser Platte ist, daß sowohl Pop-als auch Klassikfreunde Grund haben, sie zu hassen. Und zu lieben, je nach der eigenen Offenheit für Neues. Mit anderen Worten: ReComposed ist nicht auch nur annäherungsweise daß, was man von solche einem Crossover zunächst erwartet hätte und eben darum ein kluges, großartiges und wunderbares Album.

Mehr noch: Ein interessantes Album.

28. September 2006 23:36 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.

Handlich


Die Seitz 6×17 ist wirklich eine Kamera zum überall und immer dabei haben. Nur die Auflösung ist mir irgendwie doch zu niedrig :-D…
Ernsthaft: Atemberaubend. Und zwar sowohl die angegebene Leistung mit Dateigrößen von 300 MB pro Bild als auch der (allerdings angemessen scheinende) Preis.

18:59 Uhr. Kategorie Technik. Eine Antwort.

THE SOUND OF SPEED – IRA SCHNAPP


Comictypography der frühen Art. Das Comic-Blog Dial B for Blog feiert den Letterer und Designer Ira Schnapp, einen nach Amerika emigrierten osterreichischen Juden, der in den frühen Jahren von DC den Look der klassischen Superhelden-Comics prägte, wie wir ihn heute mit Golden und Silver Age verbinden. Und damit – wahrscheinlich unbewußt – auch den visuellen Vernacular Style der 50s/60s, ein bestimmtes Flair von handlettering zwischen Retro und Futur. Schnapp entwickelte unter anderem das bis heute legendäre klassische Superman-Logo in seiner bekanntesten Form, die vierzig Jahre lang unverändert die Titel der Superman-Familie zierte und zu einem der bekanntesten amerikanischen Trademarkt wurde. Ausgezeichnet recherchierter vierteiliger Artikel über den etwas brachliegenden Themenbereich Comic-Typographie. Hochlesenswert!

09:43 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

FACE THE FACE

Kenneth Krushel über die Never Family – jene gesichtslos lächelnden Gesichter, auf zahllose Produkte in allen globalen Supermärkten, weder zu hübsch noch zu häßlich, das generische Mittelmaß, das uns Konsumenten ansprechen und verführen soll. Produktfamilien der etwas anderen Art…

09:31 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

FUN WITH FLASHING LIGHTS

Nettes Experiment. Irgendwie ermutigend, daß nach nur 24 Stunden die Polizei erscheint. Scheint, als würden die vielen vielen Hollywoodklischees doch stimmen.

via Cynical

09:12 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

Album 053

07:12 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

PORCUPINE TREE LIVE ESSEN

Knapp ein Jahr nach dem letzten Porcupine Tree Gig in Köln treten die Herren in Essen auf die Bühne der Weststadthallen, eine der seltsamsten Konzertlocations, die ich seit langem gesehen habe, weil sehr breit und kaum Tiefe, was für eine seltsame (recht schlechte) Akustik und auch ein seltsames Feeling beim Konzert sorgte. Steve Wilson kommentierte mehrfach, so eine lange «First Row» habe er noch nie bei einem Gig gesehen.

Passend zum seltsamen Ort lieferte die Band ein seltsames Konzert. Anstatt ihre Standards der Deadwing-Tour durchzuspielen, präsentierten sie Vorabversionen des nächsten Albums, das um Weihnachten erscheinen soll. Die neuen Tracks erinnern strukturell stark an das, was Deadwing und im geringeren Maße auch In Absentia schon vorgeben: Progressive Rock zwischen Floyd und Tool, inzwischen stark geprägt von Gavin Harrisons brutalsynkopischen Rhythmen und den harten musikalischen Stilbrüchen, die zum Markenzeichen der Band werden. Handwerklich längst weit jenseits der Perfektionsgrenze, sind Porcupine Tree musikalisch nach langen Jahren (hochspannender) Suche nach dem eigenen Stil und mit dem Zusammenwachsen vom Ein-Mann-Projekt zur Band an einem scheinbaren Ende ihrer Reise angelangt, hoffentlich nur an einem vorübergehenden. Denn so einzigartig der aktuelle Sound auch sicher ist – und so unterlegen nahezu alle Nachahmer handwerklich ausnahmslos sind –, so schade ist es doch, daß Wilson und Co inzwischen eher in Sideprojects ihre wilden Ideen verwirklichen, und nicht mehr in Porcupine selbst. Ich hätte wenig gegen ein Album einzuwenden, daß so aus der Reihe schlägt wie der seltsame Studiosession-Warmup-Fusionsosound von Metanoia. Die in der dichtgepackten Essener Halle vorgestellten Proto-Songs wirken – noch nicht einmal im Studio eingespielt – bereits unglaublich geschliffen, komplex, makellos und nahtlos an der Schnittstelle von Pop, Rock, Bombast und Metal an, auf der auch Deadwing schon tanzte. «Episch» ist das einzig passende Wort für manche Songs und man fragt sich, wie zur Hölle die Band sich die Strukturen der langen und injeder Hinsicht einfach komplizierten Komposition überhaupt noch merken kann, ohne dabei vom Blatt abzulesen.

Nach einer kurzen Pause dann eine verkürzte Version des normalen Deadwing-Gigs, den die Band etwas freier und bissiger spielt als noch vor einem Jahr, vielleicht, weil es nicht für eine offizielle Rockpalast-Aufnahme ist und man weniger auf Perfektion achtet, mehr auf Druck und eigene Spielfreude gehen kann. Nur manchmal eingeengt durch Midi oder Video, besticht die Band durch einen Mix aus CD-reifer Perfektion und gekonnter Imrprovisation.

Neben Sigur Ros, wenn auch auf ganz andere Art und Weise, ist Procupine die vielleicht einzige Band, die ich kenne, deren Musik man fast hilflos gegenübersteht. Ist es bei Sigur eher die Wiederholung, das schleppende, die schiere Melancholie, die sich zu einem Wall of Sound verdichtet, dessen sich steigernder Emotionalität man an adäquater Reaktion nichts entgegenzusetzen hat, so ist es bei Porcupine eher die Wucht, der Druck, die unglaubliche Präzision. Als Zuhörer steht man hilflos der Virtuosität dieser Band gegenüber und weiß eigentlich nicht wohin mit den Gefühlen, wie man den Druck der Begeisterung loswerden soll, während die Band Schicht um Schicht auf die Torte legt. Es erstaunt da kaum, daß im Publikum – das diesmal altersmäßig schon etwas durchwachsener war als in Köln, wenn auch immer noch mit Hang in Richtung 30-50 – ordentlich viel gekreischt wurde.
Vielleicht war es diese gute Stimmung, die die Band zu fast 140 Minuten Konzert brachte, wenn es auch «nur» eine Zugabe gab, die es aber – unter anderem mit einer hochbrachialen Version von Blackest Eyes – in sich hatte.

Im Grunde ein Riesenglück, ausgerechnet auf ein Konzert zu kommen, bei dem die Band den Mut hat, nicht das gewohnte Set runterzugurken, sondern etwas komplett anderes wagt – und bei ihrem Publikum auch wagen kann. Es war so auf jeden Fall lohnender, als im Kern den Aufguß des vorjährigen Konzertes noch einmal zu hören. Ich denke mal, die Setlist dieses besonderen Abends dürfte Sammlern einiges wert sein…

27. September 2006 14:42 Uhr. Kategorie Live. 3 Antworten.

SPENDET DEM SCHAUSPIELHAUS BOCHUM

Während sich Kirsten Harms in Berlin bemüht, einen sicher in bester Absicht selbst mitgestifteten Brand wieder einzugrenzen, baut das Schauspielhaus Bochum immer noch die nächste Spielzeit aus den Ruinen des Lagerbrandes letzte Woche. Ihr könnt helfen, jede Spende zählt:
Schauspielhaus Bochum
Kto 3413499
BLZ 43050001
Sparkasse Bochum
Stichwort: Kulissenlager

26. September 2006 17:58 Uhr. Kategorie Leben. 3 Antworten.

Album 052

12:03 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

PHILIP K. DICK: COUNTER-CLOCK WORLD

1967 geschrieben, ist Counter-Clock-World eine Überraschung für mich. Das Buch ist im Grunde ein Zeitreiseroman der seltsamesten Form, in dem Sinne, daß die Zeit hier komplett rückwärts läuft. Die Welt befindet sich in der – nicht wirklich näher erläuterten – «Hobart’s Phase», in der anscheinend das Universum als Ganzes wieder kontrahiert und (abstruserweise) die Menschen zwar vorwärts agieren, aber rückwärts leben. Das heißt, sie sprechen ganz normal und scheinen immer noch nach normalen Cause-Effect-Regeln zu leben, aber sie erwachen in ihren Gräbern. werden jünger, sind Kinder, kriechen irgendwann in die Leiber von in Krankenhäusern wartend liegenden Frauen hinein, die dann neun Monate später kompulsiv Sex haben müssen. Essen wird mit sogenannten Sogum-Rohren eingeführt (Dick geht nicht näher darauf ein, aber es scheint eine Art warmer Stuhlgang zu sein, der als Einlauf eingeführt wird), bis etwas später komplette Mahlzeiten auf die Teller erbrochen werden. Wobei der Einlauf soziales Event ist – wie bei uns das Essen – und das Hochwürgen und «Entkauen» der Speisen den Menschen intimst peinlich wird, ähnlich wie uns der Gang zum Klo. Ähnlich absurd die Begrüßung mit «Goodbye», das Einatmen von Rauch, der dann in die Zigaretten gepustet wird (wodurch sich die Luft im Raum klärt), oder die Bibliothek, deren Aufgabe es ist, das Wissen der Welt nach und nach wieder zu vernichten, vom publizierten Buch bis zum ersten Manuskript. Nichts von alledem macht auch nur im Entferntesten Sinn, aber Dick schafft es (mit der bei ihm üblichen Nonchalance), lässig mit der surrealen Komik seiner Counter-Clock-World zu spielen und dabei ein betäubendes Detail auf das andere zu türmen. Mit höchster Kunstfertigkeit balanciert er den Leser hier zwischen unterdrücktem Gelächter und Ehrfurcht vor der Kunst, in diesem Kontext überhaupt noch eine Art von Geschichte erzählen zu können, die trotzdem glaubhaft klingt und nicht von der etwas albernen Grundidee erschlagen wird.

Denn eingebettet in diese Welt ist die Geschichte des Thomas «Anarch» Peak, einer Art Heiligen Mannes, der – wie so viele – von den Toten aufersteht. Als Begründer einer inzwischen mächtigen Religion hat sowohl der aktuelle spirituelle Führer der «Udi» ein Interesse an Peak (wahrscheinlich, um ihn umzubringen), als auch die römische Glaubensgruppe (wahrscheinlich um ihn umzubringen) als auch die Blibliothekare, die ihrer wahren Tätigkeit entsprechend heute «Erads» genannt werden (von «to eradicate») und die – erraten – Anarch Peak wahrscheinlich umbringen wollen. Zwischen all diesen Fronten findet sich Sebastian Hermes mit seinem kleinen Beerdigungsunternehmen («Vitarium»), dessen Beruf es ist, den Frischwiederauferstandenen aus dem Grab zu helfen, sie wiederzubeleben und zu verarzten (denn sie sind frisch auferstanden so todkrank wie kurz vor dem Ableben) und sie dann an die Verwandten oder andere willige Abnehmer zu verkaufen. Einerseits sitzt Hermes hier also auf einem Schatz, da sich die Interessenten gegenseitig überbieten, andererseits gerät er in das wirrste und tödlichste Abenteuer seines Lebens. Und inmitten von alldem eine Liebesgeschichte, ungezählte Tote und ein Heiliger, der das Angesicht Gottes gesehen hat und sich nach der Wiedergeburt daran erinnert.

Dick webt in Counter-Clock-World Themen ein, die den überzeugten Gnostiker in späteren Werken viel tiefer beschäftigten. Für diese mittlere Phase seines Schaffens ist Counter-Clock-World bereits überraschend spirituell, religiös und tiefgehend, vielleicht sogar deutlicher noch als das nur ein Jahr später erschienene Do Androids, wo der Mercerismus ja das Motiv der Emergenz neuer seltsame Religionen weiterführt. Man merkt hier, wie Dick bestimmte Ideen in mehrere Bücher einbaut, immer wieder dazu zurückkehrt, sie weiterentwickelt, etwa so, wie man mit der Zunge an einem kranken Zahn spielt. Counter-Clock ist glasklar nicht von der schneidenden Brillianz von Do Androids Dream of Electric Sheep?, aber dennoch kein Trashbuch ohne Tiefgang, ganz im Gegenteil. Die seltsame Mischung der nahezu hirnschmelzend albernen Rückwärtszeit und die melancholische Auseinandersetzung mit den spirituellen Bedeutungen eines derart umgepolten Lebens (insbesondere für all jene, die sich an ein Vorwärts-Leben erinnern) funktioniert blendend. Im dritten Akt verfällt Dick dann doch in eher gewöhnliche Actionroman-Pattern, die aber dem Gefühl, daß Counter-Clock unter den schlechteren Büchern Dicks durchaus eines des besseren ist, keinen Abbruch tun. Die komplexen, widersprüchlichen Figuren und ihre abrupten, oft unlogischen Handlungen, die undurchdringliche Emotionalität menschlichen Handelns, die fast unerklärt, wie selbstverständlich gegebene Folie einer für uns völlig unglaublichen und alle Logik sprengenden Welt, die Dick als unhinterfragbar, absolut gegeben und auch längst hingenommen portraitiert… all das erhebt Counter-Clock-World auf die Ebene eines kafkaesken, tiefen, schillernden Alptraums, der zugleich irgendwie albernkichernd, unwirklich und doch bedrückend real und signifikant scheint. Eine Traumwelt mit ihren eigenen Regeln, zwingend und unhinterfragbar und doch befremdlich wie eine Landschaft von Dali. Das Dick es schafft, in uns Empathie für die Menschen dieser völlig unvertrauten und irritierenden Welt zuz erwecken und daß er ihre nie wirklich erklärte, stets nur skizzierte Welt völlig dreidimensional-real erblühen läßt, spricht für die imponierende visionäre Kraft PKDs, die selbst seine B-Werke noch durchdringt.

So, und damit habe ich bis auf zwei Bücher– The Man who Japed und das neu veröffentliche Lies Inc (eine Art Extended Remix von The Unteleported Man) aber nun bald wirklich alles von Dick hinter mir, abgesehen von den Briefen oder ähnlichem (auto)biographischen Material. Nach all dem SF-Pulp kommt nun als Gaumenreiniger something completely different: Zadie Smiths großartigiges The Autograph Man.

24. September 2006 23:38 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

PHILIP K. DICK: CANTATA 140

Cantata 140, auch als The Crack in Space veröffentlicht, vereint zwei Standard-Plotideen von PKD. Die Bevölkerungsexplosion und die Existenz von absurden Parallelwelten. Im Jahre 2080 ist ein Großteil der Überbevölkerung dadurch gelöst, daß man Millionen von Menschen eingefroren hat, die sogenannten «Bibs». Abtreibung ist fast zur Pflicht geworden. Bis eines Tages ein defektes kleines Teleportationssystem (der Jiffi-Scuttler) einen Riss zu einer parallelen Erde öffnet, in der sich nicht der Homo Sapiens, sondern der Pekingmensch zur dominanten Spezies entwickelt hat. Dick wickelt diesen Plot elegant um den Wahlkampf des ersten farbigen Präsidentenanwärters, der den Tiefkühl-Menschen eine Übersiedelung verspricht, um Organhandel, um einen Bordell-Satelliten, der von einem nichtganz echten siamesischen Zwilling geleitet wird, und läßt die Geschichte locker flockig dahinperlen. Man wird das Gefühl nicht los, daß Dick hier fast Stream-of-Consciousness schreibt, was ihm gerade so in den Kopf kommt. Entsprechend unfokussiert irrlichtert die Geschichte etwas vor sich hin, der Plot verebbt am Ende arg antiklimaktisch. Selbst Dicks Spezialität, eine absolut durch und durch glaubhafte Gegenwirklichkeit zu erschaffen, verebbt hier etwas. Die Welt der «Pekes» bleibt skizzenhaft, seltsam indirekt, oberflächlich… Aber das wird wettgemacht durch die wilden, unwirklichen Ideen, die Dick hier entschlossen um sich wirft, wie etwa den siamesischen Zwillinge George Walt, der als Nebenfigur eingeführt und sich zunehmend in den Vordergrund spielt, bis er zum Windgott und entscheidenden Spieler des Buches mutiert. Cantata ist ein wilder Ritt durch eine Geschichte, die vorne und hinten durch keine Logik, keinen Handlungsfaden zusammengehalten wird, und trotz alledem Spaß macht. In mancher Hinsicht ist Cantata also ein Placebo, aber zumindest ein ziemlich wohlschmeckendes.

22:59 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

PHILIP K. DICK: VULCAN’S HAMMER

Vulcan’s Hammer, ebenfalls ein B-Werk von Dick aus der frühen 60er-Jahre-Phase, zeigt PKD im allernormalsten SF-Modus jener Zeit. Diktatorische Roboter, Laserstrahlen, Orwellsche Dystopia. Während sonst auch in den eher als Klolektüre weggeschriebenen Romanen dieser Phase zumindest ein Teil des Dickschen Genies von The Man in the High Tower durchblitzt, bleibt Vulcan überraschend seicht. Das Motiv allumfassender Paranoia und eines sich selbst und seine Individueen zersetzenden Polizeistaates, das wir ja unter anderem in Do Androids— und A Scanner Darkly wiederfinden, ist zwar da, und die Idee, daß hier die nicht Menschen als Maschinenstürmer mit Hämmern die Computer attackieren, sondern die Computer mit Hämmern die Menschen angreifen, ist sicher witzig, aber viel mehr will da nicht kommen. Die Geschichte von Polizei-Director William Barris, der entdeckt, daß die Menschheit – samt der weltbeherrschenden «Unity»-Regierung und der maschinenfeindlichen Revoluzzerbewegung der von Father Fields geleiteten «Healer» – nur Schachfiguren eines absurden Eifersuchtsdramas zwischen den beiden tief in einem Genfer Berg beheimateten Computern Vulcan 2 und seinem Nachfolger Vulcan 3 sind, erinnert nicht umsonst an den später in den 70ern entstandenen SF-Film Colossus: The Forbin Project. Der weltsteuernde Computer, der menschliche Züge entwickelt… Dick ist hier knietief in der ganz alltäglichen amerikanischen Paranoia der sechziger Jahre verankert. Vulcan’s Hammer liest sich mit rund 160 Seiten rapide weg und ist unterhaltsam-linear geschrieben, ein straighter Plot, geradezu fast überraschend normal für Dick. Von hier zu VALIS ist ein fast unvorstellbarer Sprung. Du merkst schon sehr, daß Dick diesen Roman für eine Pulp-Publikation weggeschrieben hat, ohne große Ambition und sattelfest in den Klischees allernormalster Alltags-SF. Wer konnte auch ahnen, daß er später ein Kultautor wird und auch solcher B-Stuff noch Teil seines Gesamtwerkes wird?

22:28 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

Album 051

23. September 2006 10:10 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Marmeladensardinen

21. September 2006 19:08 Uhr. Kategorie Arbeit. 12 Antworten.

Album 050

10:57 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

NAGEL

19. September 2006 19:23 Uhr. Kategorie Stuff. 8 Antworten.

Aquarium




17:17 Uhr. Kategorie Leben. 10 Antworten.

Schlumpfish…

18. September 2006 20:14 Uhr. Kategorie Leben. 5 Antworten.

Goldfish…



17:43 Uhr. Kategorie Leben. 16 Antworten.

Don’t shake hands with strangers

Scott Kurtz, der Schöpfer des brillianten Webcomics Player vs. Player hat kürzlich in seinem Blog erklärt, daß er – angesichts der Grippen, die er nach jeder comic Book Convention mit nach Hause schleppt – aufhören wolle, Fremden die Hand zu geben. Ich persönlich halte es für einen (wunderbaren) Gag, vor allem mit der Erfindung eines ersatzweisen rituellen, vor allem auffälllig absurden Kopfnickens und dem Verweis auf seine rituellen Handwaschungen mit antibakteriellen Gels :-D. Und selbst wenn es ihm todernst wäre, ist das ja nun mal seine Entscheidung, so what…

Aber seine Fans sehen das anscheinend anders und haben einen echten Kommentarrekord aufgestellt. Der an Surrealität leider kaum zu toppen ist.
Web 2.0 olé.

16:39 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

Album 049

17. September 2006 02:57 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

PHILIPP K. DICK: THE PENULTIMATIVE TRUTH

Immer wenn man denkt, man habe alles von ihm gelesen, entdeckt man bei Amazon wieder einen Satz neuaufgelegter P.K. Dick-Bücher. Dabei ist nur logisch, daß man die eher guten Romane längst gelesen hat, während jetzt nach und nach auch die B-Werke erscheinen. Denen man anmerkt, daß Dick sie im fast fiebrigen Tempo in einer bestimmten Phase seiner Karriere herausgeschrieben hat, quick and dirty, und denen die Komplexität von Titeln wie Ubik, Valis, Stigamata, High Tower, Scanner, Sheep usw. fehlt. The Penultimate Truth fühlt sich ein wie eine etwas gestreckte Kurzgeschichte, und ich glaube, die Idee in abgewandelter Form auch als Short Story von Dick gelesne zu haben – er hat relativ häufig die Ideen seiner frühen Pulp-SF-Geschichten revidiert und ausgedehnt als Bücher zweitverwertet.

Die Story in Penultimate Truth ist oberflächlich schnell erzählt. Nach einem Atomkrieg – das Buch stammt aus den Sechzigern – lebt ein großer Teil der Menschheit unter verschärften Bedingungen in «Ameisenkolonien» unter der Erdoberflächen, wo sie Roboter für Kriegszwecke herstellen. Der Haken ist: Der Krieg ist längst vorbei. Auf der Erdoberfläche tummeln sich wenige Auserwählte, die sich mit Hilfe der subterran gebauten Roboter («Leadies») riesige Anwesen auf den ehemaligen nuklearen Hot Spots errichten. Die Erde, ein riesiger Park, ist so dünn besiedelt, daß die oberirdisch lebenden Menschen vereinsamen. In Manhattan, in der ehemaligen Hauptstadt der Werbeindustrie, arbeiten sogenannte Yance-Man, die einem komplett fiktiven Präsidenten, Thomas Yancy, Texte schreiben und neue Krieg-Hiobsbotschaften für die Unterwelt erfinden. Yancy, nur eine an einen Tisch gesetze computergesteuerte Puppe, sendet täglich neue Durchhalteparolen in die Unterwelt.

Was so verkürzt etwas platt klingt, wird in Dicks Händen zu einer komplexen Farce, die Seite um Seite an Achterbahnfeeling gewinnt. Zu dem soziopolitischen Drama gesellt sich frei flottierend ein Intrigenstrang um die Macht auf der Oberfläche, die moralische Frage danach, was passiert, wenn man die Ant-Tank-Bewohner freiließe und mehrere Milliarden Menschen auf einmal zurückkehrten, durchwoben von einem fast improvisiert wirkenden, komplett unwirklichen Erzählstrang, in dem ein – durch ein fehlgeschlagenes Zeitreise-Experiment unsterblicher – Cherokee-Indianer aus dem 14. Jahrhundert in die Geschehnisse eingreift. Das ganze zugleich so konsequent surreal und so federleicht-real, wie es Dicks Spezialität ist. Es gibt keine noch so abstruse Grundidee, die Dick nicht mit großartiger Konsequenz in ihrer ganzen Alltäglichkeit aufzeigen kann. Als einer der Meister des «Was wäre wenn»-Genres zeigt Dick auch in einem B-Werk wie Penultimate Truth sein typisches Können und tatsächlich ist auch Penultimate voller «Dickism», jener speziellen Art von Charakteren, Situationen und sogar Begriffen, die Dicks Mini-Kosmen meist prägen.

Tief geprägt von der nuklearen Panik, die von 1960-1990 die Welt ebensosehr (und ebenso seltam übertrieben aus der Retrospektive) bestimmte wie heute der Post-9/11-Terrorangst, ist Penultimate ein Kind seiner Zeit, dennoch gelingt es Dick eine zeitlose Vision erstehen zu lassen, ein absurd witziges Dystopia, das er als selbstverständlich gegeben voraussetzt. Dicks Kunst ist, seine Figuren völlig glaubhaft in einem Umfeld agieren zu lassen, das völlig unmöglich und für uns inakzeptabel fremd ist, an das sich seine Protagonisten aber schon längst schulterzuckend gewohnt haben.

Penultimate Truth liest sich leicht und locker mit nur 200 Seiten Umfang, ist ungewöhnlich zugänglich für einen Dick-Roman, auch frei von vielen sojnst üblichen Motiven, die sonst nahezu regelmäßig in seinen Büchern aufkommen. Man wird bei Penultimate nie das Gefühl los, Free Jazz zu hören. Und wenn man sonst an die eher LSD-trippigen stroboskopwilden Coltrane-Töne von Dick gewöhnt ist, kommt einem dieser entspannte, ruhige, fast old school SF plötzlich seltsam leichtfüßig vor, aber das macht ihn nicht weniger gekonnt. Es ist spürbar ein eher plotorientiertes Buch, geschrieben, um die Miete zu zahlen, aber gerade solche leichteren fast normalen Werke machen eher kryptische Bücher wie Valis so bedeutsam – hier kriegen wir die gleiche Geisteshaltung, aber sportiver, schneller, leichtfüßiger. Hier ist DIck noch nicht der paranoide Misanthroph, sondern ein quecksilbriger Denker, aus dem die abstrusen Einfälle nur so sprudeln. Ist man einmal in Philip K. Dicks seltsamen Welten, will man die bizarren Konstrukte und stets leicht unwirklichen Figuren nicht mehr so schnell verlassen. Weswegen ich mich wahrscheinlich auch gleich nächsten PK-Bücher auf meinem Lesestapel angehen werde.

16. September 2006 10:51 Uhr. Kategorie Buch. 8 Antworten.

Album 048

02:08 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

DEUTSCHE OPER

Endlich. Ich liege ja seit Jahren – seit dem Schauspielhaus Bochum eigentlich – Intendanten und Dramaturgen in den Ohren, eine Art Blog zu betreiben und so die eigenen Veranstaltungen zu hypen. Photos von Proben, Materialien, Texte, Ideen, .. für einen engagierten Dramaturgen eigentlich eine traumhafte Spielwiese jenseits von reinem Marketing oder just promotion. Aber die meisten deutschen Theaterseiten sind seltsam tot, blutleer – ein Spielplan, etwas Backgroundinfo, etwas Ticketing, ansonsten gähnende Statik, kaum mehr als im Saisonheft. Dabei sind gerade Blogs preiswert und insofern theaterfreundlich machbar, die theaterimmanente Chance zur Improvisation ist ja geradezu typisches Merkmal beim Bloggen.
Jetzt, wo jeder ein Blog hat – sogar ich – ists aber irgendwie fast zu spät. Kutur sollte Speerspitze sein, nicht hinterherhecheln.

Die Deutsche Oper macht jetzt wenigstens den ersten Schritt… richtig so!
(Nur schade, daß während der Saisonpause so gar nichts passiert, oder?)

15. September 2006 17:48 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

Album 047

05:33 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

GETTY DECADES

Apropos Photo: Die ersten beiden Bände von Nick Yapps Schau quer durch die Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts sind eingetroffen. 1910 und 1990 (mit einer wunderbaren Krypto-Bondage-Liz-Phair auf dem Cover)., die anderen folgen wohl. Die von Könemann publizierte und leider recht hölzern eingedeutschte Serie verbindet Bilder aus dem riesigen Stockarchiv von Hulton/Getty mit den flapsigen Texten von Yapp und schafft so einen sehr individuellen, oft seltsamen, meist aber spannenden Blick auf das jeweils behandelte Jahrzehnt. Bei 1990 – einem Jahrzehnt, das man selbst miterlebt hat – wird einem bewußt, wie selektiv die (allerdings teilweise verteufelt vertrauten) Bilder sind und das sozusagen die Dekade as seen by Getty abgehandelt wird, d.h. nicht die Ereignisse an sich zählen, sondern eher die Frage, ob es zu einem schicken Bild des Archivs auch eine Neuigkeit gibt. Damit ergibt sich ein etwas verzerrtes Bild der Zeit – sozusagen ein Corporate Timetunnel –, das zuglech ein Werbeträger für Getty ist. Die Geschichte as seen by Magnum sähe sicherlich anders aus. Aber das ändert nichts daran, daß die Bilder meist sehens- und die launigen Flashbacks meist lesenswert sind. Und bei einem Preis von unter 10 Euro für fast 400 Seiten Photographie-Geschichtskurs will und darf man auch nicht meckern. Sehr empfehlenswert.

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03:17 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

Album 046

14. September 2006 09:49 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

MARTIN KLIMAS

Eigentlich kenne ich Martin Klimas Bilder schon eine Weile – via Bransch – aber stoße gerade aus akutem Anlaß wieder darauf. Atemberaubend gute und wunderbar destruktive Highspeed-Photographie, Hightech meets Rock and Roll. Seine explodieren Objekte sind wunderbar, zerstörte Naivität, Erwachsenwerden, Unschuld und Wut, Energie, Rebellion, smells liks teen spirit. Und das alles in perfekter kühler Ästhetik aufs Bild gebracht. Wonderful.

13. September 2006 22:39 Uhr. Kategorie Design. 7 Antworten.

Album 046

21:03 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Fontbook auspacken

Nachdem Jürgen Siebert im Fontblog bereits ausführlich und einigermaßen deppensicher erklärt, wie man das Fontbook auspackt – nur um mir dann zu eröffnen, daß mein Exemplar ganz anders verpackt ist :-D – hier die ultimative Anleitung zum Öffnen des Fontbook-Paketes.

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12:42 Uhr. Kategorie Design. 25 Antworten.

Nouvelle Vague


Ich hatte von der französischen Band Nouvelle Vague schon vor einiger Zeit gelesen, bin aber auf das Konzept, 80er-Jahre-New-Wave-Tracks zu loungeisieren, nicht unbedingt angesprungen.

Aber ich wußte, daß ich die erste Scheibe zuerst haben mußte, als ich Tracks wie Too Drunk to Fuck, Making Plans For Nigel oder Marian entdeckte, die – neben eher berechenbaren Sachen wie Love will tear us apart oder A Forest – nicht gerade durchschnittliche 80er-Party-Nummern sind, sondern für soliden Geschmack bei der Songauswahl sprechen. XTCs Making Plans ist eine wunderbare, fast in Vergessenheit geratene Nummer und, mal ehrlich, wer will nicht wissen, wie die Dead Kennedys sich im Sofasound anhören? Nouvelle Vague klingen auf diesem Album herrlich ungeschliffen, unterproduziert, die verschiedenen Vokalistinnen und die sehr unterschiedlichen Audioqualitäten sprechen für eine locker zusammengejammte Platte, die authentisch gewachsen ist und gerade die Tatsache, daß die Salsajazz-fizierung eher nicht allzu durchproduziert geschliffen daherkommt, sondern brüchig minimal bleibt, macht den Charme der Sache aus. Wenn Nouvelle Vague, dann auf jeden Fall zuerst das erste Album kaufen. Elegant, unprätentiös, relaxed, sommerlich.

12. September 2006 19:36 Uhr. Kategorie Musik. 7 Antworten.

Album 045

15:47 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

CORPORATE DESIGN ALS DIALOG

Im Corporate Design findet die Arbeit zwischen zwei Personen statt, die ein kleines, starkes Team um sich bilden. Leo Lübke von Cor und mein Partner Olaf Stein zum Beispiel. Es geht zunächst nur um diese beiden. Olaf wird zum Medium für die Vorstellungen von Leo. Distanz geht da nicht.

Johannes Erler in einer alten Brand Eins über Netzwerke und warum sie im Corporate Design nicht funktionieren. Schließt nahtlos an Tibor Kalmans Angriff auf Designprozesse in Gremien an. Wenn ich zurückblicke auf erfolgreiche Projekte, ist das wahr. Am besten arbeitet man, wenn man sich zu zweit freischwimmt und nicht auf ängstliche Generäle hört, sondern auf Augenhöhe gemeinsam mutigen Markenbau betreibt.  Was eben am besten direkt mit den Gründern oder Inhabern einer Firma geht, die direkt und schnell und mutig (weil es ihr eigenes Geld ist, ihre eigene Vision) Entscheidungen treffen. Ich habe auch sehr gute Erfahrungen mit anderen Prozessen gemacht, es gibt phantastische Teamergebnisse, aber wenn man wirklich eine Marke erfindet oder redefiniert geht es in sehr kleinen und final entscheidungsfähigen Kreis am besten.

11:44 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.

BRAND IM SCHAUSPIELHAUS BOCHUM

Irgendwie ein gefährlich passendes Logo zur Zeit.

Ich sag ja immer, daß Theater brennen muß, aber muß man es gleich SO wörtlich nehmen?

Das 2000 Quadratmeter große Wattenscheider Lager des Schauspielhaus Bochum ist abgebrannt, Requisiten, Kostüme, die vorbereiteten Materialien für die nächste Saison, die Sets für die Wiederaufnahmen… alles verloren. Ein absolutes Fiasko fürs Schauspielhaus.

Elmar Goerden wird in den nächsten Tagen lernen, warum Bochum so eine besondere Stadt ist, wird eine unglaubliche Welle von Hilfe, Spenden, Zuneigung und Liebe erleben. Wie ich die Bochumer kenne, werden sie Premieren auf halbleeren Bühnen und ohne Kostüme absolut feiern, werden diese Krise gemeinsam mit ihrem geliebten Theater durchstehen. Bad times make good memories, wie Groucho Marx mal schrieb. Diese Saison wird Goerdens Haus, wird Bochum nicht so schnell vergessen.

11:30 Uhr. Kategorie Leben. 4 Antworten.

Torrini Live Downloads

Auf der deutschen Site von Emiliana Torrini gibt es übrigens eine ganze Anzahl von Downloads, sowohl Videoclips als auch recht gute Radio-Livemitschnitte von Konzerten, darunter auch ein grandioses SWR3-Konzert von 2000 mit den Tracks des Love-in-the-time-of-Science-Albums, still my favorite. Die Live-Versionen sind nicht so picture-perfect-pop-überproduziert wie das Album an sich, aber auch noch nicht so Singersongwriter-minimalistisch wie das aktuelle Album, das mir – bei aller grandiosen Intimität, und soviel Verständnis ich für den Schritt weg vom Pop und hinein in Indie-Gefilde habe – insgesamt vielleicht einen kleinen Hauch zu dünn produziert, zu austauschbar ist und somit eher eine Rückkehr zu Merman darstellt. Noch mehr Live-Bootlegs und Raretracks von Emiliana Torrini übrigens auf der französischen Site

09:18 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.

THE MIRACLE OF INTERNET MARKETING…

Das ist natürlich superschön. wenn auf der Homepage von Marvel Comics ein dickes Webbanner für die DVD der TV-Serie «Smallville» wirbt, die sich um den jungen Superman dreht – der aber als Figur zur Hauptkonkurrenz von Marvel, nämlich DC, gehört. Was ein bißchen so ist, als würde auf der Mercedes-Site ein BMW-Werbebanner erscheinen :-D.

00:13 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

OLIVIA LOUVEL: LUNA PARC MOTEL

Unter dem recht unattraktiven Cover verbirgt sich eine Platte, die mit minimalistischen Elektropop und einer an Björk und Emiliana Torrini erinnernden Gesangsstimme gefällt, ohne daß Olivia Louvel jemals allzusehr an irgendwelche Vorbilder erinnert. Die elf zum Teil recht kurzen Lieder (zwischen 43 Sekunden und knapp Minuten) tropfen melancholisch aus den Boxen, Olivia Louvels esoterisch verschleppter Gesang wird begleitet von Paul Kendalls experimentellen, oft analog klingenden Laptop-Soundwelten. Düstere Chansons, deren kleine abstrakte, charmant unterproduzierte Intensität zum Headphonetrip einlädt. Auf seltsame Art intim, auch mal anstrengend, vielleicht noch einen Hauch zu angestrengt, freut man sich bei Olivia Louvel auf ein zweites, eventuell relaxteres Album und ärgert sich ein bißchen, daß aus Bettina Meskes Berliner Projekt Azur bisher nichts wurde – die Ähnlichkeit ist frappierend.

11. September 2006 22:45 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

Album 044

09:54 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

KOJI SUZUKI: RING

Obwohl ich den Film Ring nun nicht besonders erhebend fand, haben mich das exzellente Kidd-Cover des Buches aus dem amerikanischen Vertical-Verlag und das Versprechen, dieses Buch habe mit dem Film nicht allzu viel zu tun (wie ja so oft) doch überzeugt, es zu lesen. Immerhin hat die Geschichte um den Virus-Video längst Kult-Status gewonnen, drei weitere Bücher inspiriert, von denen gerade Rasen (Spiral) als sehr gelungener Thriller gilt.

Leider fand ich Ring eher langsam und langweilig. Stoff für eine Kurzgeschichte, nicht mehr, auf 300 Seiten gestreckt. Die Charaktere, obwohl potentiell interessant, werden oft nur angerissen, Beziehungen und Entwicklungen begonnen aber nie zu Ende geführt. Es kommt weder auf Charakter- noch auf Plotebene jemals wirklich Spannung in dieses Buch, das punktuell durch gelungene Beschreibungen von Naturszenen und durch ein zwei narrative Details überzeugt, im Ganzen aber uninspiriert wirkt. Der Tonfall ist steif, stockend, die inneren Monologe von Asawaka, dem Journalist, der das Video entdeckt, nach dessen Anblick man binnen einer Woche stirbt und der im Buch einen Kampf gegen die Zeit führt, langweilen insgesamt eher. Die Entdeckungen im weiteren Verlauf der Handlung, während Asawaka gemeinsam mit seinem etwas seltsamen Freund Ryuiji das Geheimnis von Shizuko und Sadako Yamamura aufzudecken versucht, überraschen wenig, sind teilweise aufgesetzt, ex machina aus dem Hut gezaubert. Obwohl es bei einer Psycho-Horrornovelle ja schön wäre – das Gefühl von Überraschung, Schock, Bedrohung oder Angst oder Spannung im allgemeinsten will sich bei mir nie einstellen. Das Ende ist antiklimaktisch, wirkt eher analytisch als emotional. Es gibt langatmige Passagen, die man überblättern möchte, die einfach nur banal und fast naiv einfallslos wirken. es gibt ganze Handlungsstränge und Details, die ins nichts führen und zur Story nichts beitragen, aber auch an sich nicht wirklich erzählerischen Wert haben. Während die Ring-Verfilmung, die den Stoff des Buches mit plattestem 80er-Jahre-Horrorkino der USA mixt und daraus zumindest einen seltsamen B-Movie-Psychothriller machte, wenigstens ästhetisch einiges zu bieten hat, gelingt es Suzuki nicht einmal, auf der rein schriftstellerischen Ebene mitzureißen. Das Buch wirkt stocksteif geschrieben, blutarm. Es mag an der Übersetzung liegen – aber das ändert wenig am Gesamteffekt beim Leser. Dabei ist sein Stil nicht im positiven kühl oder stilisiert, wie wir es bei anderen Autoren als gezielten, wirkungssteigernden Kunstgriff erleben –etwa in der nerverschütternden desensibilisierten neurotischen Neutralität von Easton-Ellis in American Psycho – , sondern die Prosa bleibt einfach bleiern und lahm… die Schreibe eines müden Englischschülers, der nachsitzen muß.

Ring liest sich wie ein schwacher Krimi, eine dahinlahmende, etwas orientierungslos verlaufende Ermittlung, die weder in handlung noch in Stil, noch durch ihre Charaktere überzeugen kann. Kein echter Horror und – vielleicht trauriger – sehr wenig japanische Realität. Ein bißchen mehr «Lost in Translation» hätte dem Buch vielleicht gut getan. Wo es angerissen wird, fängt das Buch an zu atmen, aber diese Sequenzen, die einen Einblick in die japanische Mittelstandexsitenz geben, bleiben die Ausnahme. Den Trick von Stephen King in seinen besten Jahren (also in den 70ern), Figuren real anhand ihres Alltags – und über sie auch den in den Alltag hereinbrechenden Horror glaubwürdig – zu machen, hat Suzuki hier leider verschenkt. Wo der frühe Stephen King eingewickelt in seine kleinen Horrorgeschichten ein düsteres Portrait des amerikanischen Mittelstandes zeichnete, hätte Suzuki seinerseits das Genre mißbrauchen können, um den japanischen Alltagsalptraum unter die Lupe zu nehmen. Leider ist der Virus in Ring aber alles andere als ansteckend geblieben.

10. September 2006 15:03 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Album 043

14:05 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

NANOBOTS OLÉ

Ein weiterer Schritt zur Bio/Nano/Mikrotechnologie. Bakterien können als Treibstoff genutzt werden und durch ihre Bewegungsenergie winzige Motoren antreiben

9. September 2006 14:48 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

STARBUCKS SALON

Gute und erfolgreiche Marken-Werbung ist – aus meiner Sicht – immer etwas sneaky. Sie kommt leise daher, sie bietet echten Gegenwert, sie versucht idealerweise absolut und überhaupt gar nicht, irgendetwas zu verkaufen. Während Verkaufswerbung, die über den Preis laufen kann, sicher mit dem reinen Schweinebauchansatz Erfolg haben kann und muß, funktioniert echtes Brand Building immer nur ruhig, easy, laid-back… souverän ist vielleicht das beste Wort. So werben, als müsse man es nicht mehr tun.

Ein sehr sauberes Beispiel hierfür ist aus meiner Sicht Starbucks Salon. Starbucks ist eine recht umstrittene Marke, nicht nur in Europa, wo sie als Ausverkauf und Amerikanisierung der Caféhauskultur kritisiert wird (obwohl Starbucks in vieler Hinsicht genau diese Kultur wiederbelebt hat in den oft toten urbanen Innenstädten), sondern auch in den Staaten selbst. Der Starbucks Salon – ein Projekt mit DJs, Lesungen und Live-Musik – ist insofern an sich bereits eine sehr schöne Idee, die alte Beatnik-Kaffeehauskultur (und eine solche, im Gegensatz zu Europa, ist die amerikanische) als kulturellen Treffpunkt wiederzubeleben, wobei Starbucks hier mit – unter anderem – Jonathan Lethem, Ursula Rucker und Jim Carroll hochrangige Performer aufweisen kann. Aber genial ist vor allem auch, wie zurückhaltend die Marke dabei selbst auftritt. Starbucks ist kaum wahrnehmbar, man hat nie das Gefühl, hier ist ein Event für die Marke gepusht, sondern die Marke tritt in den Dienst der Sache, ermöglicht dezent ein kulturelles kostenloses Happening. Dazu noch ist die Site interaktiv und lädt die Besucher ein, selbstgemalte Portraits hochzuladen, greift so die Designidee von handgezeichneten Skizzen auch inhaltlich auf und mutiert selbst zu einem (Mini-)Kunstprojekt und somit – indirekt zu einem Statement über die Kunden von Starbucks, ergo über die Marke selbst.


Ich glaube, Sachen dieser Art – anspruchsvoll, immersiv, interaktiv, strukturell offen, inhaltlich einzigartig und glaubhaft – sind der einzige Weg, langsam, Stück für Stück, eine Marke zu formen zu revitalisieren. Zum einen, weil man die Kunden nicht bloß mit laut tönender Ichichich-Werbung nervt – und herkömmliche Werbung wirkt immer und immer weniger, wird bestenfalls ausgeblendet, schadet schlimmstenfalls aber der Marke durch den reinen Belästigungsfaktor – sondern sich selbst mit bestimmten Inhalten identifizierbar macht, die sich aus der Markenidentität heraus ergeben (hier Kaffeehaus, Kommunikation, Kultur) und diese wiederum verstärken, zum anderen weil Design ein nahtloser unaufdringlicher und ins Ganze eingebundener Faktor ist. Es gibt andere Beispiele für diese Art von eingebetteter, sanfter (und zudem mit Nutzwert verbundener) Imagewerbung – das «Eine Nacht in Duisburg»-Event von EinsLive käme mir hier sofort in den Sinn, auch wenn die Marke dabei nicht so dezent auftrat wie Starbucks hier – aber der Salon ist ein wirklich rundweg gelungenes Beispiel für das, was ich Magnetic Branding nenne.

10:57 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Album 042

09:36 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SATURDAY MORNING BREAKFAST CEREAL CARTOONS



Wunderbar geschmacklose, grandios schlechtgezeichnete non-PC-Cartoon. Hier.

01:24 Uhr. Kategorie Online. Eine Antwort.

Atelier David Smith

Das Dubliner Designbüro Atelier David Smith hat sich von group94 eine neue Homepage verpassen lassen. Schöne Site und sehr schöne Arbeiten, die Smiths (und Oran Days) Gespür für Schrift und Druckdetails zeigen. Absolut ausgezeichnete Arbeiten dabei.

8. September 2006 09:35 Uhr. Kategorie Design. 4 Antworten.

Album 041

08:32 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SCHLUMPF

7. September 2006 19:43 Uhr. Kategorie Stuff. 5 Antworten.

Album 040

16:06 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Album 039

6. September 2006 22:14 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

SPIEGEL ONLINE REDUX

Ohne allzu großes Trara umgestellt… das ist etwas ungewöhnlich für den Spiegel, bei dessen Printmagazin nahezu jede Änderung für Wellen sorgt und der deshalb auch dem eigenen Relaunch einen Artikel gönnt.

Respekt vor der Änderung, die bei dem wahrscheinlichen Traffic von Spon nicht ganz ohne gewsen sein dürfte, viel Luft für Bugs ist da nicht. Das Layout ist aufräumt und schneller und wirft etwas Ballast ab. Nah am alten Look und doch cleaner.

20:24 Uhr. Kategorie Online. 2 Antworten.

CIVIL LANDING

Gestern abend lief auf Eins Live – dem Sender, der ab 20.00 zum Konzept mutiert, das man sich den ganzen Tag anhören könnte ;-) – das herausragende Hörspiel Civil Landing des Kölner Autors und Producer Edgar Lipki, zusammen mit dem Komponisten und Gitarristen Ernst Gaida-Hartmann und dem Klangbureau-Macher Joker Nies (Bass) und Volker Ledvig an den Drums. Das Ergebnis ist ein «Konzert des Schweigens», eine psychedelische Mischung aus floydig-proberaumartigen Gitarrenwänden, surreal zeitversetzten Sprachschnipseln von Libgart Schwarz (grandios), Manfred Lehmann (Synchronstimme von Kurt Russel und Bruce Willis uvm.) und einer Computerstimme. Vor allem die große (Burg)Theaterfrau Libgart Schwarz haut dich mit ihrem österriechischem Akzent und den surrealen Textfragmenten vor dem psychedelischen Gitarrenfeedbackground aus dem Orbit – ihre Stimme ist schier unerträglich intensiv, gelangweilt, lässig, emotional. Ohne Worte – eszellentes Casting für diese körperlosen fragmentarischen Texte.

Loses Thema ist die Attacke auf das World Trade Center am 11.9.2001, aber die Soundscape und die assoziativen Texte nehmen den Terrorismus nur als Startbahn einer surrealen stream-of-Consciousness-artigen tonalen Architektur, die wie ein unwirklicher scharfkantiger Kristall wirkt.

Ein Auszug aus dem Pressetext macht klar, wie unfaßbar dieses Stück Hörtheater ist:

Nach dem Streik der Geschichte Ende des letzten Jahrhunderts eröffnen die Flüge vom 11. September die Nicht-Zeit des Terrors. Eine Landung jenseits der Zeitspur. Fraktale Momentaufnahmen der zivilen Gesellschaft: THE GIRL IN THE WINDOW WON’T DROP, Fernsehbilder, festgebrannt in der Benutzeroberfläche der westlichen Welt, hinter denen das eigentliche Ereignis zu verschwinden droht: THE FACE IN THE MIRROR WON’T STOP. Im Angriff auf die Türme des World Trade Centers, in ihrer eigentümlichen Implosion, trifft sich, wie Baudrillard bemerkt, das weiße Licht des Kinos mit dem schwarzen Licht des Terrorismus. Terra incognita inmitten der gewohnten Welt. MADRID. DJERBA. BALI. Merkwürdige Route der Reise, blutige Travestie lang ersehnter Ankunft: Der Blick in den Spiegel wird nicht aufhören. Schauspiel desselben. Ende der Repräsentation. Der Planet wird Bühne: WOODSTOCK NINE ELEVEN. Autistisch und selbstreferenziell, UNSER erstes Festival erledigter Utopie. Konzert von Flugbewegungen, elektronisch verstärkt durch die Wucht der Bilder, hin auf den finalen Zählpunkt: Globaler Event einsamer Vernichtung.

Wenn die Frage aufkommt, wie sich Eins Live, der sich von morgens bis 20:00 nicht wirklich grundlegend von kommerziellen Senderangeboten unterscheidet, gegenüber Webstreams und iPod rechtfertigen kann – es ist die unglaubliche redaktionelle Qualität der Arbeit am Abend, wenn die Bügeleisen der Viva-Zielgruppe in der Ecke stehen und der Sender ausnahmslos Qualität liefert. Ein überraschendes, engagiertes, kluges Programm, das zwar hipper ist, aber dem hochkulturellen WDR3 eben in nichts nachsteht, die Brücke schafft zwischen Pop und Kunst. Unersetzbar.

Das Hörspiel von 2004 wird anläßlich des WTC-Jahrestages am 11.9 auf WDR3 um 23:05 erneut ausgestrahlt.

15:05 Uhr. Kategorie Musik. 11 Antworten.

ANNA

Ikea hat einen AI-Avatar namens Anna, der einfach Spaß macht.
Hier besuchen und dann oben «frag einfach Anna» klicken und ein paar Fragen stellen. Viel Spaß…

12:51 Uhr. Kategorie Online. 7 Antworten.

DESIGN VS ART II

Diesmal, viel kürzer als ich, Chip Kidd aus The Cheese Monkeys:

«Design is, literally, purposeful planning. Graphic Design, then, is the form those plans will take. [...] A bazillion years ago, some poor son of a bitch Cro-Magnon scratched a drawing of a buffalo onto the wall of his cave. He didn’t do it because his muse had called to him, ot to explore the the texture of bauxite, or to start the neoprimitive-expressionist movement. He did it because he killed a goddamn Buffalo and he wanted someone else to know about it, after he was gone. He had a specific, definable purpose for making a piece of visual information. [...] Art and Design only finally parted ways in the nineteenth century, with the introduction of photography. Now – Smile! – Zogg can take a picture of his Buffalo and save all those tedious drafting skills for … well, something else. [...] You see, photograhy opened up a little Pandora’s box, kiddies. [...] Once we no longer had to depend on drawing and painting to record our existence – one they became an option – they mutated… into a form of expression. And Art for its own sake, God help us, was born. But Graphic Design for its own sake will never happen, because the concepts cancels itself out – a poster about nothing than itself is not Graphic Desiggn, it’s [...] makin’ ART. [...] Not that Design can’t have a look, a style, in fact it has to [...] – but by definition, Design must always be in service to solving a problem, or it’s not Design.»

If you only by one book this year, buy The Cheese Monkeys. You will need it. ;-).

5. September 2006 09:23 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.

HÖRBUCH: ELEMENTARTEILCHEN

Vielleicht ist es nur Blixa Bargelds Stimme.

Ich stelle fest, daß es beim Laufen mehr Spaß macht, Audiobücher zu hören als «nur» Musik. Einen Start mache ich mit Elementarteilchen, daß ich als Buch etwas berechenbar fand. Obwohl punktuell wirklich grandios, kommt Michel Houellebecq nie wirklich in einen wirklichen Plot hinein, das Buch bleibt eine Wolke von Teilchen, eine schwarzlungige Pathologie mittelständischen Singledaseins, übellauniger Blick auf die sexuelle Befreiung und die von ihr hinterlassene Leere orientierungsloser westeuropäischer Männer mit Penisneid, auf unsere verwöhnt-weiche durchpornographisierte und insofern entsexualisierte Gesellschaft und ihre Neurosen. Auf eine Gemeinschaft am Ende ihres Produktzyklus. Nur ergibt das Ganze nicht mehr als eine (spannende) Skizze, die uns ein Botho Strauß so auch hätte liefern können. Die beiden Hauptfiguren blieben für mich im Buch oberflächlich, funktional, stagnant, werden vom Autor wie am Reißbrett durch ihr nicht selten etwas wie ein 08/15-Problemfilm anmutendes Klischeedasein getrieben, das nie wirklich den Blickwinkel der französischen oberen Mittelschicht verläßt, deren Neurosen aber wahrscheinlich auch sauber und ehrlich (wenn auch etwas geballt) durchdringt. Die Verbindung zur Gentechnologie, zu Huxleys Vision einer kalten perfekten Welt (wobei der Bezug auf die Huxley-Brüder zu den Highlights des Buches gehört und stellvertretend steht für die vielen Bezüge und Netze, die Houllebecq in diesem Buch zu seinem Thema spinnt) ist vielleicht ein kleines bißchen für das Feuilleton herbeigeschrieben, wie eben auch bei Strauß immer wieder zeitaktuelle Themen verwurstet werden müssen, egal ob es nun wirklich zum Stoff paßt oder nicht – Hauptsache man ist relevant und auf der Höhe. Man schreibt ein Thema, eine abstrakte Idee, nicht wirklich eine «Geschichte». Figuren und ihre Handlungen mutieren so zu Zweckerfüllern des Themas… was dem Buch als solches meist nicht gut tut. Die Kunst ist, first and foremost eine Geschichte zu erzählen, aus der sich das Thema ganz natürlich entwickelt. Umgekehrt wirkt es etwas… grobgeschnitzter. Im Kern wirkte das Buch zudem ein bißchen spießig auf mich, altersgeil und verklemmt zugleich, man hört hinter dem Vorhang den Autor kichern, wenn er Worte wie «Schwanz» schreiben darf. Es mag – sicher – aber auch an der Übersetzung liegen. Im Deutschen mutiert auch der feinste Punk schnell zu einer Art Schunkel-Heino. Auf der Metaebene macht das Buch Spaß: treffende Betrachtungen zum Zusammenhang von Sexualität in der Gesellschaft, Narzissmus, Schönheitswahn und Transhumanismus.

Der Film ist ein absolutes Desaster, aber das Hörbuch macht überraschenderweise absoluten Spaß. Als zweite Chance für das Buch gedacht, auch weil mich Blixa als Sprecher interessierte und ich den stets klugen WDR-Hörspielen fast blind vertraue. Das Medium wird der schnellen Oberflächlichkeit des Buches sehr gerecht, gesprochen wirken Houellebecqs spätpubertierende Kraftausdrücke tatsächlich etwas greifender als im Druck. Blixa Bargelds Stimme packt zu und geht, klischeeaberwahr, unter die Haut. Die diversen dramaturgischen und inszenatorischen Kunstgriffe – mit Kassettenrekorder-Einspielungen und Zeitverschiebungen, tickenden Uhren, Naturgeräuschen, seltsamer Ambience durch die wunderbare sparsame Musik – gehen respektvoll mit dem Buch um und bereichern es zugleich, so daß das «Hörspiel» am Ende keine «Light»-Fassung, sondern eine gelungene Umsetzung eines asketischen, etwas emotionslosen Stoffes wird, dessen thesenhafter Stil hier durch die mediale Präsentationsform wirklich gewinnt. Während mich die Schicksale auch der Randfiguren im Buch eher kalt ließen, gehen sie mir hier – wo die Figuren durch die einzelnen Stimmen zu Fleisch und Blut werden – spürbar näher. Annabelles Krebs und Selbstmord, im Buch nur ein kalt vorbeirauschender D-Zug auf den Schienen von Michels desaströsem Lebenstrip (und zudem ein wenig zu clever… Krebs der Fortpflanzungsorgange? In einem Buch, in dem der Abschied vom Sex in der saturierten Gesellschaft den Mittelpunkt bildet, gerade nachdem sich Annabelle entschied, ein Kind von Michel zu haben… hohoho. Es gibt keine Zufälle, aber muß man es als Autor so offensichtlich treiben?), bekommen in der Hörspielfassung eine emotionale Zusatzebene, die den analytischen Charakter der Buchgfassung auflöst und so bereichert. Auch Houllebecqs semi-wissenschaftliche Einstreuungen (die uns daran erinnern sollen, daß Michel ein Forscher ist und daß es eine Art Gattaca-Plot im Hinblick auf Genforschung gibt) werden in der Audiofassung meist sinnvoller eingebettet, wirken weniger abrupt als im Druck. Vielleicht auch nur, weil man im Hörspiel ja nicht innehalten kann, um zu reflektieren, weil die Handlung atemlos weitertreibt. Man hat nie die Zeit – wie beim Buch – die Augen zu verdrehen und sich über den Autor aufzuregen, der mitunter ganz offensichtlich und platt Gott mit seinen Charakteren spielt.
Schnell, fast atemlos, hecheln die beiden CDs dieser Produktion durch das Buch, raffen und beleben, verlieren aber niemals aus den Augen, daß Elementarteilchen analytisch ist und es nur peripher um Charaktere oder Handlung geht, sondern daß anhand ihrer eine bestimmte These (über-)exemplifiziert wird (ähnlich, nebenbei, wie in Homo Faber, an das Elementarteilchen, wie ich finde, sehr sehr nahtlos anknüpft in der Analyse des modernen Mannes). Was im Buch auf mich oft bleiern und aufgesetzt wirkte, als habe man drei vier (allerdings exzellente) Feuilleton-Artikel mit heißer Naht etwas schmucklos zu einem Roman umgeschrieben, der nie eine Handlung entwickelt, sondern immer nur die lust-/würdelose und frustrierende Öde modernen Lebens beleuchtet – in der Audiofassung gewinnt es an Dimension und Tiefenwirkung. Es bleibt eine ernste Sache, es bleibt bedrückend, es bleibt vilschichtig, aber es gewinnt an Geschwindigkeit, an Emotionalität, an Kraft. Elementarteilchen ist nicht unbedingt Houllebecqs Meisterleistung, aber auch hier bleibt er ein scharfer Beobachter, der wunderbar zynisch und suggestiv verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen zuspitzt – und die Sprechfassung macht aus dieser intellektuellen Tour de Force eines wunderbaren Autors eben auch emotional und narrativ berührendes, lebendiges großes Kino, ohne dabei die kalten Wahrheiten des Buches über Sex, Alter, Tod, Liebe und den Abschied der Menschheit von sich selbst wirklich dabei opfern zu müssen. Das «Hörspiel» (es ist ja kein echtes Hörspiel, keine dialogische Abarbeitung des Stoffes per se) beweist sich hier – im Gegensatz zum Film – als ganz eigene Kunstform, die in den richtigen Händen eine Adaptionsform darstellt, die ihre ganz eigenen Stilmittel und Möglichkeiten hat, und so einerseits eine Art Brückezwischen Buch und FIlm darstellt, andererseits eine narrative Form mit ganz eigenen, kraftvollen Potentialen.

Wobei wir ja alle wissen, daß Blixa Bargeld sogar spannend wirkt, wenn er Hornbach-Anzeigen vorliest. Vielleicht ist es also einfach auch Blixas Stimme.

09:05 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

MAGIC MUSHROOMS

00:12 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

ROBOT-SOMMELIER

The so-called robot-sommelier, or “wine-bot”, can “taste” and identify types of wine, and also has the ability to discern and analyse foods.
The 2ft-tall (0.6m) robot, developed by NEC System Technologies and Mie University, uses infrared light to identify different tastes. …Infrared light is fired through the sample, and the robot can differentiate between different types of food and drink by determining the different wavelengths of light that are absorbed. By using its built-in voice function, the robot can convey exactly what it has found out. Mr Shimazu said the robot could also be personalised to alert a customer to the wines they prefer, and to recommend to new varieties that they might like to try.

via BBC

Und apropos…

4. September 2006 23:52 Uhr. Kategorie Technik. 8 Antworten.

BANKSY BURNS PARIS

Guerilla artist Banksy has tampered with hundreds of copies of Paris Hilton‘s new album. Banksy replaced Hilton’s CD with his own remixes with titles such as Why am I Famous?, What Have I Done? and What Am I For? He has also changed pictures of the heiress on the CD sleeve to show her topless and with a dog’s head. A spokeswoman for Banksy said he had doctored 500 copies of her debut album Paris in 48 record shops across the UK. She told the BBC News website: “He switched the CDs in store, so he took the old ones out and put his version in.” But he left the original barcode so people could buy the CD without realising it had been interfered with.

via Ananova

19:15 Uhr. Kategorie Design. 12 Antworten.

Christlicher Molotov

Sieht aus wie Straßenkampf – ist aber alles andere. Die Teens in der Stadt Nejapa bewerfen sich einmal im Jahr mit Molotov-Cocktails im Rahmen eines religiöses Festes.

via Reuters

19:05 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Album 038

3. September 2006 21:43 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Alte Blumen

(weiterlesen …)

1. September 2006 09:38 Uhr. Kategorie Photos. 6 Antworten.


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