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SCHUIRWEG 2




30. Juni 2006 12:05 Uhr. Kategorie Photos. 3 Antworten.

Sudelbuch 098

09:56 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

American Dreamz

Im Sommerferien-WorldCup-Loch laufen im Kino doch eher maue Filme, scheint mir. American Dreamz ist sicher kein Film, den man sich ansonsten im Kino ansehen müßte, trotz der Starbesetzung, die unter anderem Dennis Quaid, Willem Dafoe und Hugh Grant auffährt.

American Dreamz fühlt sich an, wie die Sorte Film, die eine Gruppe von Leuten unter Drogeneinfluss erfindet. «Weißte, wir fangen damit an… paß auf… der Präsident der USA wacht eines Morgens auf… und… liest die Zeitung. Bwaahaha. Verstehste? Der hat vorher noch nie eine Zeitung gelesen… nur Comics. Lustig, oder?» — «Genau, und paß auf, was auf jeden Fall rein muß, ist eine Britney Spears/Jessica-Simpson-Verarsche, und sowas wie American Idol.» — «Und musilimische Terrorheinis.» — «Jau, cool. Dann aber auch ein Jude. Und ein Schwuler.» — «’n schwuler Muslim.»

So in etwa fühlt sich der Film an. Und obwohl manche dieser Ideen (überraschenderweise) tatsächlich ordentlich funktionieren, wenn etwa ein Terrorist auf einmal Broadwaymusicals singt und tanzt, paßt kaum etwas in diesem Streifen wirklich zusammen. Quaid und Willem Dafoe sind als Präsident und Berater jede Sekunde gnadenlos und ohne jede Subtilität grellstens überzogen, der Präsident wird im Laufe des Filmes – obwohl er permanent Zeitung und Bücher liest – nicht wirklich klüger, Dafoe hingegen zunehmend grenzdebil. Diese extreme Albernheit fügt sich aber schlecht zu der Geschichte des ausgebrannten zynischen TV-Moderators, selbstverliebt und von sich selbst gelangweilt, der ausgerechnet in einer mediengeilen Möchtegernsängerin eine Seelenverwandte findet. Hier hebt Regisseur Paul Weitz, der zuvor die Schmonzette About a Boy und den Teenie-kracher American Pie abgeliefert hat, immer wieder auf Hugh Grants Lebensmüdigkeit ab, mit langen Einstellungen auf Grants regungsloses Mienenspiel, was enooorm Tempo herausnimmt. Die Geschichte des liebenswerten Terroristen Omer, der vom Selbstmordattentäter zum Sing-Star wird, ist wiederum zu süßlich für den Zynismus drumherum, wie sich der Film ohnehin nie recht entscheiden kann, ob er Comedy nach Hollywood-Regeln à la Die Nackte Kanone liefern möchte oder eine harsche Medienschelte über Castingshows und Bushs religiös diffuse Dummheit. So bleibt beides unerreicht. Im Grunde mischt Weitz hier seine bisherigen Filme zu einem, und das Endergebnis ist ein Schoko-Ketchup-Shake.

Dessen ungeachtet gibt es schöne Momente. Das Terroristentrio, von dem Omer seinen Bombenbausatz bekommt ist allerniedlichst, vorweg der Chef-Folterer, ein großer Fan von Martin Tweed, dem Moderator von American Dreamz. Auch Americas Feinde lieben also ihre fifteen minutes of fame. Auch allein schon der Name Sally Kendoo ist grandios, und Mandy Moore füllt die Rolle der Kleinstadt-Tussi mit gnadenlosen Star-Ambitionen mit einer schönen Mischung aus Zickigkeit und klebrigem Süßstoff aus – aber die Kritik an den weiblichen Neo-Popstars bleibt vorhersehbar und scheitert eigentlich an der tatsächlichen Britney, die selbst ihre beste Parodie abgibt. Eine Handvoll Monologe von Grant ist prima («Bringt mir die Freaks…»), und überhaupt ist die neongrelle Überzogenheit der Parodie auf eine studentische Art streckenweise sehenswert. Es gibt immer wieder Szenen, die gelungen sind. Nur der Film als Ganzheit wirkt seltsam hohl, die Farce zwischen Terrorcamp und Castingcouch hohl, die Figuren holz- und windschnittig und der Humor vorhersehbar. Filme wie Team America kriegen eine ähnliche Botschaft trockener und befriedigender hin. Die Chance zu einem guten Film ist nahezu jederzeit greifbar, versackt dann aber im B-Niveau-Sitcom-Feeling, weil einfach jeglicher Mut zum Sprung aus schablonenhaften Charakteren und Plots hin zu unerwarteten Wendungen fehlt.

29. Juni 2006 16:51 Uhr. Kategorie Film. Eine Antwort.

ALBUM 007

15:08 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

STRAWBERRY FIELDS FOREVER

Beileibe kein schönes Photo, aber ich finde diese Riesenerdbeere irgendwie lustig. Verklagt mich.

13:33 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

Sudelbuch 097



11:01 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

ALBUM 006

28. Juni 2006 16:36 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

BÄUME


13:13 Uhr. Kategorie Photos. 2 Antworten.

JONATHAN SAFRAN FOER: EXTREMELY LOUD & INCREDIBLY CLOSE

Nachdem ich von Everything is Illuminated bekanntermaßen hochbegeistert war, stand Jonathan Safran Foers zweites Buch, Extremely Loud & Incredibly Close natürlich auch der Must-Read-Liste. Dabei ist an diesem Buch auf den ersten Blick eigentlich alles verkehrt. Der Protagonist heißt Oskar Schell und erinnert nicht nur vom Namen her an den verschrobenen Kindsmann Oskar Matzerath aus Grass’ Blechtrommel. Ein semi-autistisch anmutendes schrulliges Genie, ist Oskar nicht nur Juwelier, Tambourinespieler, aufdringlicher Briefautor, Astronom und Vegetarier sondern vor allem auch Halbwaise. Denn sein Vater ist beim 9/11-Anschlag auf das World-Trade-Center umgekommen. Ein Buch über ein Kind, das die letzten Geheimnisse seines Vaters sucht plus 9/11? …das klingt wenig vielversprechend. Das klingt, als habe Foer sich mit dem zweiten Buch, wie so viele Autoren, schlichtweg übernommen. Die Tatsache, daß das Buch einen Bogen vom WTC zu den Bombenangriffen auf Dresden schlägt und insofern, wie Everything, eine Art seltsamer Generationenroman ist, macht es nicht vielversprechender. Und zu alledem ist Oskar von Anfang an eine Nervensäge par excellence, seine immer wieder gleichen Redewendungen und sein begrenzter, aber leider sehr exaltierter Sprachschatz, macht den Protagonisten oft recht unerträglich altklug. Das alles mag Absicht sein, nervt aber gegen Buchende nicht weniger.
Überraschenderweise ist das Buch trotz alledem einfach gut. Völlig anders als Everything, erfindet Foer hier immer neue experimentelle Spielarten von Schriftstellerei, die nahezu erschreckend innovativ sind und bei den Kritikern sicher nicht nur Freude hervorrufen, mich aber auf jeden Fall begeistern. Nachdem er bereits in seinem Erstling an die Grenzen des Spiels mit mehr oder minder etablierten schriftstellerischen Effekten ging, erfindet Foer hier mal eben die Möglichkeiten dessen, was man in einem Roman machen kann, neu. So spielen im gesamten Buch immer wieder Photos eine zentrale narrative Rolle, wie etwa die immer wieder auftauchenden Türgriff-Bilder, die zunächst völlig rätselhaft sind und erst recht spät erklärt, dann aber rückwirkend bedeutsam werden. Selbst das Ende des Buches ist nicht Text, sondern eine Bildsequenz, die das Unsagbare konsequent zu Ende führt. Ein Daumenkino dreht den Fall eines Mannes aus dem brennenden World Trade Center kurzerhand um, die Figur fliegt scheinbar empor, verschwindet am oberen Bildrand im Himmel. Treffender, doppeldeutiger, trauriger kann man wohl auch mit Worten nicht enden. Zugleich schließen die Bilder die Illusion, hier Notiz- oder Tagebücher zu lesen.

Ebenso erscheinen im ganzen Buch einzelne Sätze, alleinstehend auf einer Seite, zunächst unerklärt, später – wie die Photos– eine wichtige Orientierungshilfe und sogar ein Schlüssel zu vorhergegangenen Ereignissen. Es gibt eine ganze Sequenz von Text, der in Zahlenketten codiert ist und den man nur mit Hilfe einer Telefontastatur entziffern kann. Es gibt eine Sequenz von Text, der zunächst nahezu unmerklich enger und enger, kompresser, wird, bis man hinter seitenweise nur noch schwarze Fläche hat. Das alles – und noch viel mehr – schafft ein Gefühl, hier ein Buch in den Händen zu halten, wie man es niemals zuvor gelesen hat. Ein Experiment, größtenteils gelungen, das wütend und verspielt die Grenzen des Mediums austestet, an den Stäben des Käfigs etablierter Schriftstellerei rüttelt, um mal zu sehen, was da so herabrieselt.

Dabei lenkt Foer mit diesen Gimmicks keineswegs etwa von einer per se schlechten Erzählung ab, sondern er erzeugt sie mit und durch diese neuen Werkzeuge, die Tricks sind nicht additiv, sondern integral für das Verständnis der Geschichte, die sich komplex und etwas fraktal durch das Buch windet. Eine Geschichte von Liebe und Verlust, von Vätern und Söhnen, von Geheimnissen und Entdeckungen, in der Oskar für uns Leser zunehmend zur Nebenfigur wird, weil Foer so liebevoll mit den Nebenfiguren zu spielen versteht, in nur wenigen Sätzen ganze Schicksale und märchenhafte Geschichten skizziert, die einem John Irving für drei Bücher reichen würde, bei Foer aber nach wenigen Zeilen perfekt – wie in Bernstein gegossen – sind. Fores Stärke ist weniger die große Geschichte als viel mehr die erfinderische Erzählung und die Skizze,
Es ist schwer zu sagen, ob Illuminated oder Loud & Close das jeweils bessere Buch ist, dafür sind sie zu ähnlich und zu verschieden zugleich. Unterm Strich hat mich Illuminated vielleicht mehr begeistert, weil es erwachsener, verflochtener, langsamer ist und die Geschichte sich wie bitteres Gift unglaublich langsam und – bei allem Humor – todtraurig entfaltet. Loud & Close ist schneller, einfacher, mehr Novelle als Roman, wirkt leichter, tänzerischer, verspielter. Zugleich verzichtet es leider eher auf den absurden hintergründigen Humor zugunsten des eher flach comic release des Oskar Schell. Aber in den Details, der Verspieltheit, dem überschäumenden Spaß des Autors an der Auflösung und Erweiterung seiner formalen Möglichkeiten, ist Loud & Close ein kleines Uhrwerk, vielseitig, surreal, rundweg sympathisch – und dabei meist weniger nevend als das kleine Genie Oskar Schell, das mich vielleicht einen Hauch zu sehr an Mark Haddons Christopher Boone erinnert.

11:10 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Sudelbuch 096

08:42 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

ALBUM 006

00:20 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sudelbuch 095

Grandiose Kampagne von JvM.

27. Juni 2006 20:30 Uhr. Kategorie Stuff. 4 Antworten.

ALBUM 005

26. Juni 2006 17:56 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sigur Ros Live Lichtburg Essen

Nach der stets grandiosen Vorband Anima – dem Mädchenquartett, das bei Sigur selbst die Streicherparts übernimmt und als Soloact durch einen Múm-artig vertrackten Mix aus Elektronica und verspielten Akustikinstrumenten überzeugt – betreten die Isländer die Bühne und präsentieren Setlist, die einen homogenen und dennoch abwechslungsreichen Bogen durch das Werk der Band schlägt. Der Sound in der Lichtburg ist absolut überzeugend. Druckvolle Bässe, klare Höhen, nie zu laut oder dröhnend, immer transparent – was bei dem enormen Schalldruck, den Sigur Ros hier entfalten, und dem ja nicht unbedingt für Konzerte gebauten Raum der Lichtburg, eine beachtliche Leistung ist. Der Sound hat durchgehend CD-Qualität.
Live berzeugen Sigur Ros wieder durch den inbrünstig-predigenden Gesang und insbesondere durch die einzigartigen Klangwelten, die trotz aller Mogwai-artigen Wucht mit absoluter Konzentration, häufigen Instrumentenwechseln und schier unglaublicher Präzision und Zurückhaltung gespielt sind. Ein absolutes Plus gegenüber dem Gig in Köln ist die eingebundene Bläsersatz-Gruppe, die dem Soundkosmos noch den letzten Hauch Perfektion gibt, egal ob sie einfach nur die Streicher ergänzt und Sigur so auf fast orchestrale Ebene hievt oder ob sie als Polka-Kapelle kurz durch die Lichtburg wandert, in einem Moment von ungewohnter Lässigkeit und Selbstironie dieser sonst so ernst und verinnerlicht wirkenden Band. Die Stücke wachsen gegenüber (den per se ja schon stets beeindruckenden) Albumfassungen zu enormen Klangreisen heran, wobei insbesondere die letzte Zugabe (Popplagió von ()) an epischer Kraft kaum zu überbieten ist. Im Lichtgewitter von Film-Projektionen und Varilights verschwindet die Band dabei langsam hinter dem Vorhang optisch wie akustisch hinter einer unfaßbaren Soundwand, die einem mit ihrer schieren Kraft nahezu die Adern zudrückt, die zwingend und verzweifelt ist und nach der kein Zweifel bestehen kann, das nach diesem Song einfach nichts mehr an Zugaben kommen kann. Wortkarg und introvertiert-konzentriert wie immer während des Konzertes, kommt die Truppe nach dem Konzert gemeinsam auf die Bühne und spendet dem Publikum erlösten Applaus.

(weiterlesen …)

13:46 Uhr. Kategorie Live. 11 Antworten.

Der BÄR ist tot…

… nein, der schläft nur…

Eigentlich schade, daß wir nicht mit ein bißchen wilder Natur klarkommen, oder?

11:03 Uhr. Kategorie Stuff. 4 Antworten.

Sudelbuch 094

10:52 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

ALBUM 004

25. Juni 2006 18:32 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SCHUIRWEG

16:35 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 093

12:29 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

ALBUM 003

24. Juni 2006 20:41 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sudelbuch 092

10:51 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Alt

23. Juni 2006 14:18 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 091

09:57 Uhr. Kategorie Stuff. 4 Antworten.

ALBUM 002

22. Juni 2006 18:19 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Sudelbuch 090

Kurze Antwort von Stefan auf eine alte Fanmail. Fand ich sehr sympathisch.

08:57 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

MUAHAHAHAHAHA

Also mal ehrlich, dieser ganze Callboy-Thorsten-Schmu in den Blogosphäre interessiert mich eher wenig, weil mir da zu sehr der Wind von Daily Talkshows durchweht. Aber schön ist dann schon, wenn bei Markus Blog, das ganz offensichtlich wie prophezeit gut abhebt, bei diesem Thema so richtig in den Kommentaren was abgeht und Thorsten sich auch selbst zu Wort meldet. Glückwunsch, Markus :-D.

21. Juni 2006 20:54 Uhr. Kategorie Online. 4 Antworten.

ALBUM 001

20:34 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

Sudelbuch 089

18:55 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

LEXICHAIN ROUND 6: HD vs Nick Blume

Star-Typoblogger Nick Blume hatte auf der Typo 06 auch kurz zeit, sich mit mir ein Wortassoziationsgefecht zu liefern. Ich bin die Blaue Schrift, Nick ist schwarz.

13:34 Uhr. Kategorie Design. 4 Antworten.

Sudelbuch 088

09:51 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sudelbuch 087

20. Juni 2006 19:58 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Glückwunsch

Gerade im Spiegel gelesen: Matthias Hartmann wird ab der Saison 2009/10 Chef des Wiener Burgtheaters. Er hat damit im Eiltempo – nach Zürich und Bochum – den Zenith deutschsprachigen Theaterschaffens erreicht, mit nur 43 Jahren, als erfolgreichster Vertreter einer neuen Generation von Theatermachern, die Publikumserfolg und dramaturgischen Anspruch erfolgreich zu balancieren verstehen. Zugleich ist Matthias damit seinem Mentor Claus Peymann weiter auf der Spur und ich erinnere mich, daß Wien schon 2001 in Bochum ein Traum von ihm war. Umso schöner, daß er auf die Interview-Frage, wohin man nach diesem Gipfelpunkt überhaupt noch gehen könnte, nur eine knappe Antwort liefert: «Bochum».

08:11 Uhr. Kategorie Leben. 5 Antworten.

Sudelbuch 086

06:42 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sudelbuch 085

19. Juni 2006 19:46 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Sudelbuch 084

09:20 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Sudelbuch 083

18. Juni 2006 11:52 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sudelbuch 082

17. Juni 2006 19:38 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

AMERICAN VERTIGO

Der umstrittene französische Pop-Philosoph Bernhard-Henri Lévy folgt in diesem Buch vage den Spuren einer Amerika-Reise von Alexis de Tocqueville, der 1831 die Vereinigten Staaten und hauptsächlich das dortige Rechtsvollzugssystem studierte und anschließend extensiv über die amerikanische Demokratie schrieb. Was zu Tocquevilles Zeiten noch eine enorme körperliche Anstrengung war, wird heute indessen für Lévy zur Spritztour, zum bezahlten Urlaub, zum Meet&Greet mit den Größen aus Politik und Religion, zu einem kleinen Voyeurs-Trip in die Gefängnisse der USA. In BHLs zweigeteiltem Buch, das sich in die reinen Reisebeschreibungen und einen grundsätzlicheren «Reflektionen»-Teil gliedert, eröffnet sich niemals die tatsächliche Vorstellung einer Reise in das Herz von Amerika. Es bleibt stets ein (wenn auch spannender) Touristentrip, wird nie ein Road Movie. Zu oberflächlich die Begegnungen, zu kurz die Visiten, zu nonchalant Lévys eigener Lebensstil, der ihm nicht erlaubt, auf Augenhöhe mit Amerika zu kommen. Noch dazu begegnet der Autor nie sich selbst. Er bleibt außen vor, und stellt sich selbst nie in Frage, wächst nicht. BHL bleibt insofern oft seltsam distanziert, altklug, leicht zynisch, leicht un-überraschbar.

Die episodenhaft kurzen Kapitel der Reise an sich sind, ohne jeden Zweifel, fesselnd. Wie jede Reisebeschreibung durch ein Land, das so widersprüchlich, magnetisch und abstoßend sein kann wie die USA. Nah genug dran an unserer europäischen Kultur, daß man glaubt, es zu verstehen, daß man es also «navigieren» kann, und doch fremd genug, bizarr genug, daß man unvergeßliche Momente erlebt.

Nur leider unterscheiden sich BHLs Beschreibungen oft kaum inhaltlich von dem, was ich selbst während einer Auto-Reise durch die Westküste erlebt habe, und seine in den Kurzessays im ersten Teil enthaltenen Beobachtungen sind, höflich formuliert, so banal, daß man sie nicht benötigt. Ein erheblicher Bonus ist natürlich sein Zugriff auf Politiker, religiöse Figuren, Schauspieler, Gefängnisse und Institutionen. Diese Termine scheinen so gedrängt, daß sie nicht einmal alle erwähnt werden, oder nur Randskizze bleiben, mit denen ein Kapitel beginnt: «Nachdem ich mich heute morgen mit XXX traf, geht es weiter zu…». Was? Da wäre mehr einfach mehr. Ansonsten gelingt das Patchwork der kurzen Streiflichter überraschend gut. BHL tänzelt durch eine ganze Palette von akuten und tieferliegenden Topoi des American Dream/American Nightmare. Er springt mit postmoderner Leichtfüßigkeit – und dabei für einen Philosophen, zumal für einen französischen überraschend gut lesbar – durch seine Themen. Ein Jail in Queens, Baseball als Religion, die Bedeutung der Flagge, treffende Betrachtung über den Drang der Amerikaner, alles zu musealisieren (und dann auch noch mit Fälschungen und Imitationen), aussterbende Städte, John Kerrys Wahlkampf, Araber in Ameriker, die Autobahn, Detroit, Seattle, LA, New Orleans, NY, Chicago, TV-Evangelisten, die Schwarzenbewegung, Hillary und Bill und Monica, Amish People, Shopping Malls, die Mayo-Clinic, die Situation der Indianer, Mount Rushmore, die Beziehung zu Israel, die Gay Scene, die Ideologie der Republikaner und die Moral der Demokraten, Alcatraz, Fettleibigkeit, Sharon Stone und George Bush, mexikanische Immigranten, Sex und Prostitution, Mormonen, Militär, Gated Communities, das Wahlsystem, JFK, Gun Control, American Angst, Guantánamo Sklaverei, James Ellroy (yay), Kuba, F. Scott Fitzgerald (yay!), Warren Beaty, Bill Kristol , Richard Perle, Woody Allen und und und…

Eine sehr beeindruckende Celebrity-Rundreise also, ehrlich gesagt beneidenswert, daß man dafür auch noch bezahlt wird. BHL revanchiert sich für diese Chance mit einer schwungvollen, hier mal reduzierten und tiefschürfenden, dort leider auch eher pathetischen und oberflächlichen Schreibe, die locker aus dem Buch perlt und die zu lesen bgesehen von vielleicht ein zwei Ausnahmen stets kurzweilig bleibt.

Die Probleme beginnen für mich im zweiten Teil des Buches, den Reflections. Hier versucht Lévy eindeutig zu sehr, sich eben nicht als antiamerikanischer Franzose zu generieren, sondern gegen dieses Klischee anzuschreiben. Und dabei wird er mitunter unkritisch. 9/11 und die folgenden Ereignisse bleiben historisch unhinterfragt, werden nicht in den Kontext der Entwicklungen im Mittleren Osten seit etwa Mitte der Sechziger gesetzt. Was Lévy sich in Teil Eins sparte, den philosophischen Rundgang, wird hier im Schnelldurchgang quasi als Namedropping-Marathon nachgeliefert, und das Ergebnis bleibt seltsam oberflächlich. BHL ist sich dessen sogar bewußt, aber so sehr er auch schreibt, daß er 9/11 eben nicht dehistorisieren und auf einen singulären Blitzstrahl aus dem nichts reduzieren will, so sehr er auch beteuert, den Neokonservatismus nicht rechtfertigen zu wollen… so sehr wirkt es eben manchmal doch so. Die amerikanische Vorstellung von «Terrorismus» wird zu keinem Moment auch nur im geringsten hinterfragt, über Susan Sontags Einlassung, ein Suizidbomber zeige so etwas wie «Mut» schreibt sich BHL gar in Rage, dabei wäre doch gerade vor dem Hintergrund von Abu Ghureib und Guantanameno aus Sicht eines Europäers die Frage gerechtfertigt, wer Roß und wer Reiter ist. Lévy tut mitunter so, als wären die bis dahin völlig unbescholtenen USA aus heiterem Himmel von bösen Irren überfallen worden und würden sich nun – wenn auch mit extremen Mitteln – zur Wehr setzen, um ihre Demokratie zu schützen. Und, aus meiner Sicht, fällt er hier ein Stückchen zu sehr auf die Hollywood-Logik der Falken um Bush und im Pentagon herein, auf Kosten der Komplexität von Realpolitik.

Im zweiten Teil von American Vertigo exkulpiert und entwaffnet Lévy nahezu jedes «Vorurteil» gegen Amerika auf so naive Art, daß man manchmal kaum weiterlesen mag. Smartbombs, Folter, Aushebelung von Bürgerrechten, die weapons-of-mass-destruction-Lüge… alles relativierbar, alles rechtzufertigen, alles okay. Vielleicht will BHL so nur vermeiden, der «böse» Franzose zu sein, vielleicht will er nicht in die allzu offensichtlichen und ja auch tausendmal gehörten «anti-amerikanischen» Vorwürfe verfallen, vielleicht ist Frankreichs Vorzeigelinker während seines Trip durch die USA auch auf den Geschmack am US-neokonservativem Denken gekommen, das dem altlinken Sendungsbewußtsein sehr viel näher steht als die postmoderne und somit relativ ziellos wirkende Linke von heute. Was mir auch fehlt, ist die pointierte Auseinandersetzung mit Toquevilles Betrachtungen über die Demokratie und ihre Mängel vor dem Hintergrund der heutigen Situation – das Set-Up des Buches hätte eine solche Fragestellung ja doch eigentlich ausgiebig erfordert.

Am Ende scheitert BHL, sowohl an der akuten Situation in den Vereinigten Staaten, an der Komplexität der Geschichte, an der Komplexität des Landes, vor allem aber vielleicht daran, das uns die Staaten eben so vertraut scheinen und doch fremd sind. Und insofern sind die ersten 233 Seiten von American Vertigo als Streiflichter absolut lesenswert und spannend, der Rest allerdings bleibt eher überflüssig und sagt eher mehr über die neohistorische Hilflosigkeit Europas als über das akute Schwindelgefühl Amerikas.

10:40 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Sudelbuch 081

16. Juni 2006 14:22 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

LEXICHAIN ROUND 5: Erik Spiekermannn vs Johannes Erler

Ein persönliches Highlight der Wortassoziations-Spiele bei der Typo 2006. Das erste Wort ist noch von mir, dann beginnt Erik säuberlich in Versalien und Johannes in Gemischtschreibung.

09:34 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

Sudelbuch 080

15. Juni 2006 18:15 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sudelbuch 079

14. Juni 2006 18:04 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

LEXICHAIN ROUND 4: Donald Beekman vs HD

Das erste Wort PLAY ist von mir, das zweite von Doald Beekman.

12:49 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

Sudelbuch 078


08:44 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sudelbuch 077

13. Juni 2006 07:32 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

MORD UND TOTSCHLAG

12. Juni 2006 19:13 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 076

12:38 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Fahrrad

11. Juni 2006 07:12 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 075

10. Juni 2006 18:55 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

LEXICHAIN ROUND 3: Ellen Schimkat vs HD

Ich fange an mit «Spiel», dann kommt Ellen Schimkat.

13:54 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

FLUG 93

Als im September 2001 die Geschichte von United Airlines 93 bekannt wurde (dem einzigen der vier von Terroristen entführten Flugzeuge, das sein Ziel nicht erreichte), war mir klar, daß hier – neben den ungezählten Polizisten und Feuerwehrmännern und anderen Helfern am Ground Zero – der Stoff war, den Hollywood sich als erstes vornehmen würde. Die Geschichte der Passagiere, die die Schurken überwinden und das eigenen Leben opfern, um ausgerechnet das Weiße Haus zu retten – das alles folgt per se schon so dem etablierten Muster des Actionkinos, das man Paul Greengrass fast dankbar ist, in seiner verfilmung nun nicht ein Bruce-Willis-rettet-die-Welt-Epos abgeliefert zu haben. Ansonsten hätte der Film den nach Film-Vorbild inszenierten realen Angriff wieder in Film-Logik zurückübersetzt. Das hätte die absurde Moebiusschleife Life-imitates-Art-imitates-Life allzu entsetzlich geschlossen.

Tatsächlich ist der Film überraschend un-amerikanisch im cineastischen Sinne, wenn er sich auch deutlich an die Ästhetik des Reality-TV anlehnt. Wir verfolgen die Fluggäste von UAL93 auf ihrem anfangs träg-langweiligen und ereignislosen Flug, den Barry Ackroyd in wunderbar alltäglichen Bilder einfängt, und sind immer wieder auch in den diversen privaten und militärischen Flugstützpunkten, wo sich das Drama des 11.09.2001 langsam, wie in Zeitlupe entfaltet. Es ist der Kunstgriff dieser virtuellen Realität, mit dem Greengrass den Schrecken nachvollziehbar und zugleich wieder erlebbar macht. Der Verzicht auf bekannte Darsteller, die verwackelten Bilder, die O-Töne, der fast vollständige Verzicht auf jedwede Metaebene, auf Reflektion… all das schafft eine Suspension of Disbelief, die uns – obwohl wir das Ende ja kennen – fesselt. Es ist keine geringe Leistung, dem Betrachter diese Naivität und damit den Horror angesichts übervertrauter Bilder überhaupt wieder zu ermöglichen. Greengrass bleibt Beobachter, bis zu letzt. Der Film begegnet uns in der Pose des Voyeurs, der nur zuschaut.

Und hier liegt, freilich, auch ein Problem. Der Film tut sehr sehr überzeugend so, als würde er reale Ereignisse zeigen. Die Distanz der Beobachtung, das Zitat des Reality-TV-Showformates, die Einblicke in Funkverkehr und Handytelefonate, jedes narrative und stilistische Detail sagt: THIS IS REAL. Und das ist es natürlich nicht. Niemand, auch nicht Greengrass, weiß, was wirklich in Flug 93 vor sich ging. Wenn Greengrass uns einen der Terroristen als nervös und – vielleicht? – zweifelnd zeigt, wenn ganz nach dem Genremuster des Flugzeug-Katastrophenfilms bereits zu Beginn fokussierte Passagiere schlußendlich zu all-american-heros werden, wenn entschieden wird, wie der Absturz überhaupt passierte… dann sind wir im Graubereich des Unsicheren. Es gilt nicht mal als absolut sicher, ob wirklich die Passagiere den Absturz eingeleitet haben, oder ob nicht das US.Militär einen Abschuß vornahm. Greengrass schwimmt also in ganz trübem Wasser. Und gerade der am Ende des Films so druckvolle, ein atemlos emotionales Crescendo aus der stilistischen Kühle gewinnende Dokumentarlook des Filmes verleitet natürlich dazu, den Bildern glauben zu wollen. Nur hier und da wird so etwas wie «Regie» überhaupt sichtbar (und dann meist störend, wie der eher gewollt wirkende Gegenschnitt christlicher und islamischer Gebete oder die beiden Stewardessen, die einander festhalten, eine Hand weißhäutig, die andere schwarz… Symbolismus fällt in so einem Film auch in kleinen Dosen eher störend auf.) Will man Greengrass etwas vorwerfen, dann also dies: In ihrer unerschütterlichen Distanz schaffen seine Bilder gerade die Distanzlosigkeit. Ich bin sicher, Greengrass hat alles getan, um der Realität so nahe wie möglich zu kommen. Und das ist ihm so gut gelungen, daß sein Denkmal droht, die «reale» Realität zu überschreiben, wie Filmen das meist gelingt. Einer reflektierten Ergründung der Ereignisse des 9. September ist das wahrscheinlich nicht wirklich zuträglich ;-D

Dazu kommt, das es keinerlei Kontext gibt. Keine Gründe, keine Ursachen, keine Nachwirkung. Es gibt keine Kausalität. Es gibt nur Casualties. Flug 93 bewegt sich im Leeren, in der Singularität. Es geht Greengrass nicht um Antworten, es geht ihm um den Moment. Und das mit Erfolg. Denn vergißt man die persönlichen Bedenken darüber, einen 9/11-Film zu machen und dazu noch einen fiktiven, der so tut, als sei er real, dann bietet Flug 93 den Airplane-Film schlechthin, die minimalistische und eben darum mitreissendste Variante des Genres. Wie die Passagiere – und mit ihnen alle Stilmittel des Films – durch den Anblick einer menschlichen Bombe und den Tod eines Mitreisenden aus der üblichen Flugreise-Apathie aufwachen, verzweifeln, ihre Liebsten anrufen und schließlich handeln, das hat enorme Wucht. Selbst, wenn man fast ahnt, wo und wie der Film enden wird, ist man atemlos, wenn es endlich (wie geahnt) passiert, weil es eben trotzdem mitreißt. Die schiere Potenz des Films ist am Ende nahezu unerträglich. Man merkt zunächst fast nicht, wie kunstvoll Greengrass gegen Ende immer weiter unmerklich beschleunigt, bis man plötzlich unerwartet inmitten eines Gefühlsorkans steht, dessen abruptes Ende die reine Perfektion ist. Ein atonales und irgendwie doch wagnereskes Crescendo, das dann abrupt in der Stille mündet.

Ich befürchte, auf DVD ist dieser Film – wie so viele Filme, die auf die Schwärze des Kinosaals und den Zwang zur Konzentration setzen – eine Enttäuschung. In der Vakuumkammer Kino, wo die Zuschauer in ihren Reihen sitzen wie die Passagiere im Flugzeug, so daß wir gemeinsam zuerst etwas gelangweilt sind und dann ungläubig schockiert auf die Suizidpiloten blicken, mit denen jede Kommunikation unmöglich scheint, in dieser seltsamen gleichen Isolation also… wirkt der Film so klaustrophobisch und mesmerisierend, daß man den Abspann wirklich braucht, als Pause, Druckkammer zur Normalität, bevor man wieder vom Kinosaal ans Tageslicht gehen kann. Weil man gerade für eine Sekunde mitgestorben ist.

12:12 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

Sudelbuch 073

9. Juni 2006 17:03 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

AC/DC: Powerage

Jeder hat musikalische Jugendsünden, meine ist unter anderem AC/DC. Und eine Sünde ist es größtenteils zurecht. Die ersten Tracks der Band darf man eher als australisches Rowdyrocknrollertum vergessen, alles ab dem 1980er Back in Black geht steil bergab. Konnte man Back noch als AC/DCs Gegenstück zu Pink Floyds Wish you Were Here verstehen (dem genialischen Nachruf auf Syd Barrett), und eventuell sogar For Those About to Rock noch als ein Wiedereraufstehen nach der Tragödie, zeichnet sich hier – wie auf allen folgenden Alben – doch schon eindeutig ab, daß AC/DC die eigene Cover-Band wurde, mit schlichtem Kommerz-Rock, einigermaßen oben angekommen und entschlossen, dort auch zu bleiben.

Aber beim bewußteren Hören einiger alter Alben wird – mit dem Abstand der Jahre – deutlich, wie gut AC/DC und vor allem Frontmann Bon Scott eine bestimmte, bei jeder Band bestehende Übergangsphase dokumentierten. Dieses Coming of Age, den Moment, wenn du kein Newcomer mehr bist, der staunend aus dem Proberaum auf die Bühnen geht und sich über den ersten Plattendeal freut. Und doch noch nicht die Zeit, wo man mediengewandter Vollprofi ist, der sich mit dem Musikbusiness und dem entsprechenden Lifestyle abgefunden hat und dank des soliden Verdienstes auch abfinden kann, wo man also im schlimmsten Sinne Profi wird, Showpferd.

Sondern genau die Phase dazwischen. Das Leben in Hotels, die Rastlosigkeit, die kleinen Gigs, die fremden Gesichter, der Alkohol, der schnelle Sex, die Leere, die falschen Versprechen, das Brennen, die Energie, die Hoffnung, die Leidenschaft, die endlosen Interviews, der Streit in der Band, der Versuch, im Bus zu komponieren für das nächste Album, wieder die Leere.
Während Scott, die Youngs, Rudd und Cliff Williams bei T.N.T./High Voltage also noch die blauäugig Beginner waren, die Bad-Boy-Band, die sich mit ihren James-Cagney-Texten über Suff und Frauen in den harten Kneipen Australiens als Liveact durchsetzen mußte und mit Bierflaschen beworfen wurde, wenn es mal zu langweilig wurde, zeigen die folgenden Alben bis Highway to Hell eine interessante Wandlung. Dirty Deeds Done Dirt Cheap ist noch ein Zwitter, Let there be Rock das entschlossenste Hardrock Album, aber vor allem das vierte und ungewöhnlichste Album, Powerage von 1978 zeigt diesen speziellen Chrysalis-Zustand. Zu diesem Zeitpunkt war die Band im Grunde weltweit auf Tournee, noch nicht wirklich berühmt – das sollte erst mit Highway to Hell kommen, das bereits einen spürbar ermüdeten Bon Scott zeigt, aber längst auch kein kleiner Act mehr. Die Band ist genau in dem Schwebezustand, in dem die besten Sachen entstehen, weil sie an ihrer Belastungsgrenze agiert, körperlich wie seelisch. Die Musik wurde zum anstrengenden Vollzeitjob mit spürbaren Schattenseiten und Exzessen, und Powerage reflektiert das. Powerage ist kein sattes, sicheres Album.
Aus dem Youngschen Kneipenrock wird hier (unter einem entsetzlich dummen Cover) ein düster getränkter Voodoo-Mix aus Boogie und Blues, angereichert mit moderneren Stilelementen, trocknenen, fast steifen Drum/Bass-Rhythmen, dem seltsamen synkopischen Gitarrenspiel der Young-Brüder, dazu Angus’ gequält singende Soli, die hier direkt live eingespelt klingen, weniger overdubbed. Während Let There be Rock den Apex von AC/DC als Tour-Party-Band zeigt und nicht ohne Grund zahlreiche der Live-Standards birgt, wirkt Powerage introspektiver, intimer, weniger rockig, und nicht umsonst sind die meisten Songs dieses Albums nur selten auf der Bühne zu hören gewesen.

Embryonal erkennt man hier etwas in AC/DC, was die Band nie wirklich weiterentwickelt hat. Man hört Schmerz, Lust… eine moderne Blues-Variante, die eine Brücke schlägt zwischen Hardrock und Blues wie kaum eine andere Platte von AC/DC, die mehr nach New Orleans als nach Sydney klingt… Eine Platte, die näher bei Led Zep ist, aber ohne deren schmalzigen Pathos, also erdiger, wütender, trauriger. Und über all dem Bon Scotts charismatische Stimme, die schon rein durch ihr Timbre von zu viel Suff und Mädchen erzählt, kratzig wie die Schreibe von Raymond Chandler (Long Arm looking for a fingerprint//Trying to find the mystery clue//Hitting me with the third degree).

Die Songs drehen sich um Girls, um Loser, um Dekadenz, autobiographisch fiktive Streiflichter auf die Lowlifes und die Highroller, denen man auf Tour begegnet oder auch nicht begegnet, nachts wie Leichen aus dem trüben Wasser der Erinnerung fischt, wenn man textet. Du schmeckst in diesen Songs die Straße und die Bücher, die Scott vielleicht liest, dieses Kerouac-Feeling, das kleine Roadmovie und den paradoxen Wunsch aus dieser Rock’n’roll-Freiheit auszubrechen, dabei aber zu wissen, daß ein normales Leben auch nicht deine Alternative sein kann – aber was bleibt dann? Well I’ve been up to my neck in whiskey//I’ve been up to my neck in wine//I’ve been up to my neck in wishing// That this neck wasn’t mine. Und selbst wenn Scott über Groupies singt, wie in Rock’n'Roll Damnation, scheint er sich selbst zu fragen: You say that you want respect // Honey for what?

Da ist natürlich auch viel naive Selbstfindung im Spiel, immer noch viel von dem tätowierten rough and rowdy Bon Scott. Ein Schotte, der trotzdem wie ein australischer Aborigine wirken konnte – aber immer wieder blitzt ein harter, ein hart trinkender, ein hart schreibender Mann hervor, der an seinem eigenen Leben erstickt und keine Alternative sieht, sich in besseren Momenten in den Rausch werfen kann, um am nächsten Morgen in Depression zu versinken. Ein Proto-Bukowski, sozusagen. Der schließlich – ganz stilgerecht – betrunken im Taxi an seinem eigenen Erbrochen erstickt und um den sich bis heute die Mythen ranken.

Powerage ist die sicher ehrlichste Platte von AC/DC. Vielleicht sogar die einzig wirklich ehrliche Platte dieser Band. Mehr kann man von einer LP nicht erwarten.

15:23 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

Sudelbuch 072

8. Juni 2006 20:14 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

LEXICHAIN ROUND 2: Petr van Blokland vs HD

Die schwarze, präzise, auf Linie laufende und durchweg gut lesbare Versalschrift ist von Petr Blokland

13:21 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

GARFIELD

One storyline, which lasted a week from October 23, 1989 (possibly to coincide with Halloween, although the 31st actually fell the following week), is unique in that it is not humorous. It depicts Garfield awakening in a future in which the house is abandoned and he no longer exists. This is revealed to have been a dream of some kind, and ends with this narration: “An imagination is a powerful tool. It can tint memories of the past, shade perceptions of the present, or paint a future so vivid that it can entice…or terrify, all depending on how we conduct ourselves today.�? Alternatively, some theorize that the end of this storyline actually implies that the rest of the series, the more conventional strips, are all fantasies Garfield is playing out in his head to delude himself from realizing the dark turn his life has taken, as he slowly starves to death in an abandoned house. This is arguably supported by the text, as the narration reads “After years of taking life for granted, Garfield is shaken by a horrifying vision of the inevitable process called ‘time.’ He has only one weapon…denial…�? right before Jon and Odie reappear. This emphasis on “denial,�? with the word given its own box in the panel it appears in, and being followed immediately by the earlier text on the power of the imagination, could support the theory. However, it could also be that denial is what Garfield needed to snap himself out of this dark vision. This is also more likely considering the only way Garfield could have gotten into “a world where he no longer exists�? is if that world was a dream.

Und ich frage mich, ob hier nicht der Punkt ist, wo Jim Davis sich – angesichts des explosiven Erfolges seiner Figur – nicht einfach von Garfield verabschiedet hat. Jeden Anspruch, jede Mühe, jede Liebe über Bord geworfen hat. Vielleicht war hier der Nexus, wo Davis einfach vor der sich abzeichnenden Marketingmaschine aufgeben mußte und so zumindest noch eine Art Coda vor dem endgültigen Absinken in die Bedeutungslosigkeit schaffen wollte? Würde mich etwas an das Erinnern, was Steve Gerber mit Howard the Duck und Destroyer Duck geschaffen hat.

Schön an dem Wiki-Eintrag ist übrigens dieser Link zu einem Forum, das die Garfield-Comics inhaltlich komplett entstellt und somit aufwertet… indem die User einfach die Sprechblasen wegretuschieren: Garfield changes from being a comic about a sassy, corpulent feline, and becomes a compelling picture of a lonely, pathetic, delusional man who talks to his pets.

Mehr davon auch hier.

09:29 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

X-MEN 3


Natürlich ist die von Bryan Singer (The Usual Suspects, Apt Pupil) begründete und hier von Brett Rattner (Rush Hour, Red Dragon) fortgeführte Filmserie nur in Ansätzen kongruent mit dem komplexeren, da seit den sechziger Jahren gigantisch gewachsenen X-Men-Comicuniversum zu tun. Die Filme beziehen sich zwar lose auf Highlights der Comics, ändern diese aber sehr grundlegend ab, teilweise bis zur Unkenntlichkeit. Als Comic-Verfilmung darf man X3 also kaum noch verstehen, so wenig wie Catwoman.

Nimmt man den Film also an sich, so schafft es Rattner, den Faden der vorhergegangenen Teile aufzugreifen und routinert weiterzuspinnen. Die richtige Dosis an Charaktermomenten, ein Blick in den Danger Room, ein Fastball Special (yeah), ein Blick auf die wachsene Mutant-Community, etwas Romanze, etwas Intrige, etwas Magneto und Charles (und die junge Jean Grey ganz à la Das Omen), ein bißchen metaphorischer Politiksubtext, ein paar Trickeffekte (Magnetos Trip nach Alcatraz) und greifbar mehr Action als in den letzten Teilen. Und, wie in Teil II, eine ganze Handvoll neuer Figuren oder mehr Focus auf zuvor kaum eingeführte Charaktere. Hank McCoy, Kitty Pride, Warren Worthington, Colossus, Jamie Maddox, Calisto, Juggernaut (eigentlich übrigens Xaviers Bruder im Comic, hier offenbar ein arbeitsloser Wrestler :-D). Das dürfte dann wohl ein Strickmuster für weitere Filme werden, die aus dem überfluteten Reichtum wilder Figuren aus der Comicvorlage schöpfen können. Wenig überzeugend bis enttäuschend sind, wie gehabt, die Special FX, auch bei den neuen Figuren. Hank McCoy (Beast) sieht aus wie aus der Muppets-Show entflohen, besonders in den Kampfszenen als CGI-Figur. Ian McKellen sieht mit seinem Magneto-Helm einfach albern aus, ein Rentner mit Plastik-KFC-Eimer auf dem Kopf, Warren Worthington III alias Angel bewegt sich so, als würde man einen alten Ray-Harryhausen-Film sehen. Ditto die FX rund um Halle Berrys Figur, Storm, die mit ihren weißen Pupillen, albernen Gesten und als lebender Wirbelwind herumschleudernd ebenso unfreiwillig komisch wirkt wie Juggernaut. Auch Colossus ist nicht spürbar besser gelungen. Es gibt ein paar sehr geniale Sachen rund um Wolverine, der hier recht häufig als Soloact auftritt und unter Jackman (neben Magneto) zunehmend zum Herz des Films gerät.

Bonuspunkte bekommt Rattner für den Mut, vier wichtige Figuren zumindest scheinbar aus dem Rennen zu nehmen. Schon in Teil 3 wird klar, daß zumindest zwei dieser Player wiederkommen (also, wie in Teil 2, unbedingt bis nach den Credits im Kino bleiben). Andererseits weiß man, daß es weniger dramaturgische als vielmehr businessrelevante Entscheidungen sind, die das Drehbuch hier formen: Cyclops mußte wegen Marsdens Vertragstrouble sterben mußte und bei Xavier, Magneto und Grey geht es wahrscheinlich eher um Spielraum zwischen Fox und den Darstellern bei der Verhandlung der Vertragsverlängerung für weitere Filmteile. Man merkt dabei nur leider, daß X3 ausgesprochene Probleme hat, bereits etablierte Nebenfiguren auf der Leinwand überzeugend fortzuführen. Rogue, Mystique, Nightcrawler, Cyclops, Pyro, selbst Iceman spielen alle nur noch Nebenrollen im immer größer werdenden Mutantenstadl. Ein Film kann das Gros der Figuren einfach nicht umfassen, wirkt (mit nur 104 Minuten) zu kurz, zu kompress. Man wünscht sich locker dreißig Minuten mehr, die eventuell natürlich die DVD nachliefern könnte, wobei das einfach nicht Sinn der Übung sein kann, daß man erst auf der DVD den «kompletten» Film sieht. Ich bin auch nicht sicher, ob die ständigen Remixes von Filmen auf DVD und Special Collectors DVD, mit zusätzlichen Szenen und alternativen Endings nicht die Idee des Films als Kunstwerk aushebeln, da er heutezutage eigentlich keine «definitive» Form mehr hat. Film ist relativ geworden.

Eine prinzipielle Stärke, vielleicht aber auch konkrete Schwäche, der X-Men-Serie ist seit spätestens Teil II die nur verschwommene Unterscheidung zwischen Gut und Böse. Abgeleitet aus der Comicserie, wo Magneto in den Händen von Autor Chris Claremont gegen Mitte/Ende der 80er zum Holocaust-Überlebenden deklariert wurde und sich nach und nach zum «Good Guy» wandelte, liefert X3 ein nur vages Koordinatensystem in Sachen Good vs. Evil. Der eigentlich «gute» Charles Xavier manipuliert hier in einer Art Psycho-Vergewaltigung das Gehirn einer Studentin, um ihre bösen Neigungen zu kontrollieren, während Magneto – ganz im Matrix-Stile – gegen die Unterdrückung der Mutanten durch die Regierung ankämpft. Da auch die Bruderschaft der bösen Mutanten und die X-Men eher diffus gezeichnete Charaktere haben und wir zudem in Zeiten leben, wo eine Figur wie Mystique eher als coole Antiheldin denn als Schurkin verstanden werden kann, ergibt sich in der virtuellen Arena der Films keine klare moralische Demarkationslinie mehr. Noch vor den Anspielungen auf die Mutanten als unterdrückte Minorität und auf Xavier als Malcolm X, noch vor dem im Film kaum genutzten Dilemma, was eine «Heilung» für Mutanten wirklich bedeutet (und den eindeutigen Verweisen auf die angebliche genetische «Heilbarkeit» von Homosexualität, die durchaus an sich einen spannenden Subtext abgegeben hätten)… ist es diese seltsame John-Woo-Manier im Umgang mit Moral, die den Film interessant hätte machen können. Wir leben, medial wie zunehmend aus real, in moralentkoppelten Zeiten. Zwecke heiligen Mittel, Helden sind passé, Antihelden akzeptiert – wir sind somit skeptischer, zynischer gegenüber dem Sixties-Pathos von Xavier geworden und zugleich stellt sich anhand von Magneto durchaus die Frage, wo der Befreiungskämpfer endet und der Terrorist beginnt. Stoff für einen guten Film, wenn man nur gewollt hätte. So aber bleibt zwar die Unterscheidung zwischen Gut und Böse inmitten all der eindimensionalen Kostümträger durchaus einfach schwierig, aber offenbar eher ungeplant, einfach aufgund der Diffusität des Drehbuchs. Tatsächlich wird Magneto bei Rattner am Ende eben doch etwas unmotiviert und abrupt zum eindimensionalen Klischee-Wahnsinnigen vom Schlage eines Darth Vaders. Diese Entwicklung gibt sicher auch einen Subtext ab, bleibt erzählerisch aber unbefriedigend. Man symapthisiert zu viel – und zugleich zu wenig – mit Magneto. X3 gelingt es nicht, der Figur Noblesse und Tiefe einzuhauchen, Magneto degeneriert zum nörgeligen Rentner. Das Holz, aus dem schlechte trashige TV-Serien geschnitzt sind, aber eben keine guten Filme. X3 hat Subtext-Ansätze für vier Filme (man bedenke allein, daß an einem Punkt des Films Magnetos Bruderschaft vor einer Klinik steht und die Schlange von Menschen, die hier Heilung sucht und de Klinik in die Luft sprengt… man braucht nicht viel Phantasie, um hier die Anti-Abortion-Protestler zu sehen, aber auch diese Chance, eine Tiefe in die Geschichte zu bringen, eine zweite Ebene irgendwo aufzuspannen, geht im sinnfreien Kaleidoskop der allzuvielen Plotfäden einfach unter).
Surreales Detail: In der TV-Serie Buffy the Vampire Slayer hat Produzent und Autor Joss Whedon sehr deutlich eine übergreifende Storyline einer Buffy-Staffel an die X-Men Dark-Phoenix-Sage von Chris Clearemont und John Byrne aus den spätern 70ern orientiert. Die Teenie-Hexe Willow, die Teil der Scoobie-Doo-artigen Gang rund um die Hauptfigur Buffy ist, entwickelt eine Art «Magie-Sucht» und wird zur Antagonistin. Willow bringt nach dem Tod ihrer lesbischen Freundin Tara einige Menschen um und muß ind er Logik des Trash-TVs unweigerlich final gegen ihre besten Freunde kämpfen. Klingt vertraut? Abwarten. Denn damit das mit der Bösen Willow nun auch wirklich jeder versteht, bekommt sie seltsam blutrote Gothic-Adern im Gesicht, schwarze Pupillen, ein blutrotes Gewand (später dann schwarzes Leder, inspiriert Matrix, wovon wiederum der Look in X1 auch stark abgeleitet war) und ihr rotes Haar wird schwarz. Alles klar? Mit Ausnahme der Tatsache, daß Jean Grey im Film leuchtend rote Haare bekommt, ist die Ähnlichkeit zwischen Buffy und X3 ziemlich frappierend. Der Film imitiert hier die TV-Serie, die das ursprüngliche Comic imitierte, das der Film vielleicht eigentlich hätte imitieren können, wäre er nicht zu beschäftigt damit gewesen, einfach bestehende Filme und Serien zu imitieren. Noch da?

Tatsächlich wäre X-Men wahrscheinlich als TV-Serie auf HBO-Niveau à la Sopranos oder Six Feet Under sehr viel besser dran. An den mäßigen Trickeffekten würde sich nicht viel ändern, die Figuren brauchen per se keine Stars (ganzim Gegenteil: Halle Berry ist hier eher ein Problem), es wäre mehr Raum für Charakterentwicklung, die Soap-Elemente. Und der Film fühlt sich, rein cinematographisch, ohnehin eher wie eine TV-Serie an. Als solche wäre X-Men sicherlich eine einwandfreie Sache. Die Frage ist auch, warum man einen Film macht, der sich zunehmend nur noch an Eingeweihte, die die Figuren a priori kennen, wendet, dann aber so weit von dem Ur-Material abweicht, das eben diese Cognescenti unweigerlich enttäuscht sein müssen. Im Einzelfall gelungen – etwa in der Rolle des Hank McCoy, der im Comic inzwischen eher eine Nullnummer ist und mit Kellsey Grammer im Film eine sinnvollere und spannendere Figur abgibt, oder mit Ellen Page als Kitty – sind viele Re-Interpretationen eher dürftig, darunter akut Ben Forsters Angel, zu sehr der James-Dean-OC-California-Typ, ein glatter Bauch, ein gattes Gesicht, keine Ausstrahlung, keine Persönlichkeit. Am Filmstart opulent eingeführt, mit dem jungen Angel, der sich die Flügel abschneiden will, spielt die Figur im weiteren Filmverlauf nahezu keine Rolle mehr und flattert nurmehr am Bildrand herum.

Als TV-Serie denkbar, bleibt X3 als «echter» Film eher laues Popcornkino, das zu wenig Substanz aus dem Stoff holt, um wirklich Spaß aufkommen zu lassen. Aus dem Thema Mutation/Entfremdung/Ausgrenzung ließe sich mehr machen als ein vager Mummenschanz mit bunten Explosionen und einer Flut exzentrischer Figuren, die aber kaum je mehr als bloße Skizze werden. Das Ergebnis ist ein gefühlsfreier Mahlstrom von Absurdität und Campiness, dem man sich einfach ergeben kann, um den Film als wildes Animatronic-Spektakel zu genießen. Und den man getrost vergessen darf, wenn die Lichter wieder angehen.

08:12 Uhr. Kategorie Film. 7 Antworten.

Sudelbuch 071

06:42 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

RASENDUFT

7. Juni 2006 17:23 Uhr. Kategorie Stuff. 4 Antworten.

Dredg live Zeche Bochum



In der Zeche Bochum war es beim Dredg-Gig einfach so voll, daß man irgendwann aufgibt und so in der zehnten Reihe stehenbleibt, weil es nicht weiter nach vorne geht in der dicht gepackten Menge, dann also nonchalant an die Bar gelehnt das Konzert hört. Wenn ich aber ein Konzert so aus der Distanz mitkriege, wechsele ich leider recht schnell von einem Live-Erlebnis zu einer Art Musikkritiker-Modus, ich höre statt zu fühlen. Was natürlich stets etwas gegen den Sinn eines Live-Konzertes geht. Ich gehe also davon aus, daß – hätte ich nur in der zweiten Reihe gestanden und gemosht – dredg live ganz ausgezeichnet sein können. Die Band gibt sich wirklich redlich Mühe, ihren musikalischen Mix irgendwo zwischen My Vitriol, Tool, U2 und Coldplay druckvoll rüberzubringen, wobei vor allem die neueren Tracks von Catch without arms eben doch sehr poppig, sehr amerikanisch, sehr stadionorientiert und vor allem unglaublich selbstähnlich sind. Man verliert im Laufe eines Konzerts schon das Gespür dafür, welchen Song man eigentlich gerade hört. Und damit auch ein bißchen das Interesse. Die alten Tracks, die eine Spur zu prätentiös zwischen Pink-Floyd-Tapeeinspielungen und Gitarrenexperimenten schwirren, sind per se deutlich spannender, lassen das Publikum aber spürbar kalt. Nach gut 90 Minuten ist der Gig ohne echte Zugaben vorbei (jede Hoffnung auf Zugaben macht die Band clever zunichte, indem beim letzten Track das gesamte Drumkit um den noch spielenden Drummers Dino Campanella abmontiert wird, nettes Gimmick).

Aber analytisch betrachtet, eben nicht in der Masse mitfeiernd, fallen dir natürlich ein paar Sachen auf, die vielleicht ansonsten egal und untergegangen wären… daß Campanella zwar sehr entsetzlich angeberische LA-Mätzchen an seinem Drumkit macht und mit den Armen wedelt, als ginge es um einen Luftgitarren-Wettbewerb, sich aber wahrscheinlich auch genau deshalb sehr gerne einfach mal verspielt. Neben Anflügen echter Brillianz an den Drums gibt es so einen oft etwas holprigen Beat, dazu auch häufiger komplett gepatzte Breaks und Fills, die dich aus dem Lied schleudern. Auch, daß er so in die Snare hämmert, daß Breaks einfach eben nur grobmotorisch laufen können, weil er fast permenent Crosstick spielen muß, um den Pegel zu halten (also Rim und Snare zugleich), und somit alle komplexeren fligigranen Sachen zum Sterben verurteilt sind (gehen im Sound unter), ist eher nervig. Man fühlt sich wie bei einem Guns-and-Roses-Gig. Es fällt auch auf, daß der Sound für eine im Grunde dreiköpfige Backline einfach zu undifferenziert ist, ein krachender Wall of Noise, der mitunter natürlich genial wirkt, mitunter aber auch einfach nur trübe Suppe ist, in der alle permanent lauter werden, um sich überhaupt noch gegen das zu brachiale Schlagzeug durchzusetzen – ein Noise-Nebel, durch den der Gesang von Gavin Hayes bei allem Schreien und Jodeln nicht mehr so richtig durchdringen will. Da helfen auch die permanenten Stevie-Wonder-Bewegungen nicht, die wohl Inbrunst beim Singen darstellen sollen. Mark Engels Gitarrenarbeit ist hingegen flat out beeindruckend, der kleine Mann steht hinter seinem Instrument unauffällig neben den Selbstdarstellern an Bass und Drums und Vocals, macht aber den wichtigsten Job und erinnert mich in vieler Hinsichgt an The Edge von U2. Unter’m Strich liefern dredg soliden Metalpop, der allerdings live nicht so geschliffen wirkt wie auf dem Album und dennoch nicht lebendiger, nicht wärmer oder energetischer wird, sondern nur einfach lauter und unsauberergespielt. So bleibt der Eindruck von kalkuliertem Pathosrock, dem nur noch drei vier traumatische Beulen in der Produktion fehlen dürften, dann ist er bei Bon Jovi angelangt. Sowas geht ganz schnell.

16:38 Uhr. Kategorie Live. 2 Antworten.

Sudelbuch 069

Nachgeliefert…

12:45 Uhr. Kategorie Stuff. 5 Antworten.

Sudelbuch 070

11:00 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Sudelbuch 068

6. Juni 2006 23:32 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

DER FLUG ZUM MOND

Von Jules Verne bis zum echten Mondflug, die bemannte Raumfahrt hat mich schon als Kind fasziniert – die wahnwitzige Idee, daß Menschen tatsächlich, nur durch eine dünne Metallmembran oder durch ein paar Millimeter Raumanzug geschützt, ins Vakuum des Weltalls fliegen und tatsächlich auf dem Mond spazieren gehen. Es gibt nichts Grandioseres, und ich finde nach wie vor, der 21.Juli 1969 ist einer der singulären Höhepunkte amerikanischer Geschichte. Bei der Nasa gibt es zahllose Bilder, die die amerikanische Seite der Raumfahrtgeschichte dokumentieren, von den Anfängen der Nachkriegszeit, den Träumen eines besiedelten Weltalls mit zahllosen Raumstations-Entwürfen bis hin zum Niedergang dieser Idee in Form von Challenger und Columbia, mit denen die Grandeur des Weltalls zum alltäglichen Taxiflug und schließlich zur Katastrophe wurde.

Eigentlich schade, daß niemand in den USA mehr an den bemannten Raumflug glaubt und diese Idee konsequent weiter ausbaut.

18:30 Uhr. Kategorie Design. 43 Antworten.

Sudelbuch 067

18:03 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sudelbuch 066

08:18 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

BLUME II

5. Juni 2006 17:36 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

Sudelbuch 065

4. Juni 2006 14:14 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Ruhr


03:17 Uhr. Kategorie Photos. Eine Antwort.

Sudelbuch 064

3. Juni 2006 18:55 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Voll

14:07 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 063

00:06 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Puppen

2. Juni 2006 09:09 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 062

04:13 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Sudelbuch 061

1. Juni 2006 17:36 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

IF-Award: Bilder

Aus der Rubrik: «Wir feiern uns selbst.» Steffi hat für die iF-Homepage ein paar Photos von den preisgekrönten Abendprogrammen gemacht. Die Photos nach dem Break zeigen alle die gleichen Hefte (es wiederholt sich also etwas), aber hey…

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12:45 Uhr. Kategorie Arbeit. Eine Antwort.

Felge

09:20 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.


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