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LAMPE

9. Mai 2006 22:37 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 026

Nochmal Emigre.

19:35 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

liebe und regen

stunden später
mit nassen haaren
die der wind zerpflückt
im regen
ihre entschuldigenden handflächen
für hungrige sekunden
so dicht vor seinen augen
daß er sie fast greifen möchte
atemlos verliebt
für heute und morgen
blutige kaninchen liegen im schnee

19:02 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Nightscribbles V

Drei Motive, die mir wirklich gefallen, weil der Visual Pun im Bild durch die Montage surrealisiert wird und so besser funktioniert. Außerdem bin ich froh, daß das obere Motiv überhaupt was geworden ist, da war etwas viel Raum um die Figur, wir haben faktisch einen ganzen Aufzug entfernt, der an sich zu der Idee mit dem Wäschesack schön gedacht war, aber mit den Texten in Konflikt gekommen wäre.


18:39 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

Sudelbuch 025

13:22 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

MISSION IMPOSSIBLE III

Das einzig wirklich Interessante an der Wiederbelebung der Mission-Impossible-Fernsehserie durch Tom Cruise als Produzenten und Hauptdarsteller sind, aus meiner Sicht, die Regisseure. Cruise ist als Agent Ethan Hunt eher oberflächlich und uninteressant – im gleichen Sinne in dem eigentlich alle Pulpfiguren eine gewisse Oberflächlichkeit aufweisen, aber zusätzlich leider ohne jede Ironie. Selbst James Bond (in seiner Connery-Inkarnation) hat mehr Dimension. Die Plots aller drei Filme sind ein wüstes Konvolut aus Action, Rififi und eben Bond-Versatzstücken, von dem die Originalserie ja stark beeinflusst war, welche allerdings im Remake dann wieder bestenfalls noch als Stilzitat vorkommt (sich sebst vernichtende Kommunikationsmedien, Masken, und eben Lalo Schifrins atemberaubende Titelmelodie, und selbst die wird spätestens im 3. Teil nur noch pro forma eingesetzt).

Was bleibt ist die Tatsache, daß Brian de Palma, John Woo und jetzt JJ Abrams eine Handschrift haben, die selbst durch den Nebel eines Blockbuster-Monsters hindurch noch erkennbar bleibt. DePalmas erster Teil ist zwar verwirrend, ein solider Plot kaum erkennbar, aber seine Eleganz, seine permanenten Hitchcock-Zitate, sein Talent fürs rein Cinematographische haben seinem Autakt der Serie einige extrem beeindruckende Sequenzen, etwa den großartigen Einbruch in Langley, verliehen. Der Kampf auf dem TEE, mit diesem wunderbaren Computerzoom über die Landschaft bis ins Abteil, und die komplette Over-the-Top-absurde Actionsequenz am Ende machen de Palmas Film schon hochsehenswert. Auch John Woo machte sich den Film zu eigen, inklusive Kirchenszenen, Tauben, einer gewissen Verbundenheit vom Helden und seiner Nemesis, und den Woo-üblichen absolut surreal hyperinszenierten Actionsequenzen, die die Kunst des Martial Arts/Samurai-Films im großen Stil nach Hollywood bringen. Niemand kann mir ernsthaft die Handlung von MI2 wiedergeben, aber fast jeder erinnert sich an die Bergsteigersequenz am Anfang oder das Motorradduell gegen Ende.

Worum es also geht, die Story, ist seit jeher für MI egal, wie es sich für das Blockbuster-Genre ja eigentlich inzwischen auch gehört. Hirn aus, Popcorn her. JJ Abrams macht sich insofern nicht einmal mehr die Mühe, einen wirklichen Konflikt zu erzeugen. Ich habe selten einen Film gesehen, in dem der McGuffin so eindeutig nur der Form halber existierte. In MI ist das ohnehin Standard – Hunt jagt ja permanent irgendwelchen ominösen Datenträgern hinterher – aber in MI3 erfahren Zuschauer und Held während des gesamten Films nie so wirklich, worum es eigentlich geht. Die geopolitische Dimension des Films spielt so fast keine Rolle.

Die persönliche um so mehr. In typischer Alias-Manier beginnt Abrams in situ mit dem Spannungsmoment des Films: Der Bösewicht droht, Hunts Ehefrau umzubringen. In der Rückblende wird später klar, daß Hunt inzwischen nur noch als Ausbilder arbeitet, ein Privatleben hat (auf der Party tauchen übrigens zusätzlich noch ein paar Darsteller aus Alias auf), frisch verliebt ist. Das Freundin Julia, gespielt von Michelle Monaghan, auch noch nahezu genau so aussieht wie Katie Holmes (die für die Rolle ursprünglich einmal im Gespräch war), Tom Cruises neue Lebenspartnerin, und das Hunt nahezu so unermüdliche seine Liebe preist wie sein reales alter ego, daß man in den Warnungen seiner Kollegen, in der Brnache würde eine Beziehung nie länger als 24 Monate halten, auch wunderbar auf Hollywood übertragen kann… das ist sicher kein Zufall, immerhin ist Cruise ja auch Produzent. Es scheint, als würde er seine private Isn’t-Love-great-Tour nicht nur bei Oprah Winfrey machen, sondern eben auch hier in MI3.
Das Drehbuch stammt denn auch von gleich drei Autoren der TV-Serie Alias, die von JJ Abrams – der ja auch Lost macht – produziert und als Regisseur betreut wird. Alias ist, mittlerweile im fünften Jahr der Serie, wiederum stark von Filmfranchises wie James Bond oder MI beeinflußt, so daß sich hier vielleicht ein Kreis schließt. Denn MI3 fühlt sich absolut an wie eine auf Kinoformat aufgeblasene Folge von Alias. Es gibt sogar einen liebenswerten stotternden Computer-Supermann (Simon Pegg aus Shaun of the Dead), es gibt Briefing-Meetings in schick designten Räumen, es gibt natürlich einen Bösewicht in den eigenen Reihen, es gibt mehr Privatleben als in den ersten beiden Teilen zusammen (und das Privatleben von Alias-Protagonisten Sydney Bristow ist in der Serie absolut zentral), der gesamte narrative Aufbau erinnert an die Serie. Selbst die billig nachgebaute Internationalität, wo ein alter Hinterhof zu Berlin wird, ist da. Man erwartet eigentlich jeden Moment, daß Jennifer Garner selbst ein Cameo hat.

Das alles ist nicht unbedingt schlecht, schließlich ist Alias eine mutig gemachte Serie, die ja nicht umsonst selbst Quentin Tarantino von einem zweiteiligen Gastauftritt überzeugen konnte, aber es ist zumindest verwirrend, wenn ein Film so aufdringlich shanghait wird wie MI3 hier. Als Endergebnis aber entsteht so ein Blockbuster-Film, der sich überraschend Low-Budget anfühlt (obwohl er es nicht war), der auf die Hypertrophie der ersten beiden Teile oft verzichtet und sich irgendwie kleiner, intimer anfühlt, in der die Figur des Ethan Hunt zumindest etwas Dimension gewinnt, auch wenn Cruise einfach nicht in der Lage ist, gefühlvoll und authentisch zu spielen. Der Plot ist bestenfalls eine Ausrede, wie so oft, um von Actionsequenz zu Actionsequenz zu kommen, die aber sind die Ausrede meist wert. Von großer Materialschlacht wie die Helicopterjagd im Windrad-Park bis zu kleinen Szenen, wie eben der Hinrichtung von Hunts Freundin, Abrams geht kaum für eine Sekunde von der Adrenalinschiene. Der Film fühlt sich länger an als er ist, weil einfach so viel passiert.

Bemerkenswert ist vor allem Philipp Seymore Hoffman, der in bester Gert-Fröbe-Manier den Bösewicht gibt und jede Sekunde davon genießt. Lässig, wunderbar böse, Gift und Eis in den Adern, beherrscht er ab der ersten Sekunde die Leinwand. Wie jeder gute Agentenfilm lebt auch dieser von der Qualität des Schurken, und Hoffman rettet in dieser Hinsicht den Film, weil es einfach Spaß macht, ihm zuzusehen, und weil man angesichts eines so klaren Gegenspielers vergißt, daß es eigentlich keine wirkliche Geschichte um ihn herum gibt. Und das man die Fragmente der Geschichte halt eben auch schon zu gut kenne, aus True Lies, aus Alias, aus Oceans 11, nicht zuletzt aus den anderen beiden MI-Filmen (Einbruch in den Vatikan, Zeitlupensequenzen). Vielleicht darf man bei 150-Millionen-Dollar-Franchises keine Kreativität erwarten, weil alle zu ängstlich, zu vorsichtig sind. Was bleibt ist der Remix, die Melange. Es geht Abrams konsequent weniger um das Was – der Bösewicht wird natürlich erledigt, die Wandlung von Hunts Frau zur Fighterin überrascht auch nicht wirklich – sondern um die Inszenierung, um das Styling.
Insofern ist MI3 sicherlich Schund, wie inzwischen ja nahezu alle Blockbuster-Filme, aber als reines Popcorn-Kino sicherlich sehenswert und ein hinreichend gelungener Versuch, die immer wieder nahezu gleiche Geschichte im dritten Teil wiedererkennbar aber erneut anders zu erzählen.

12:07 Uhr. Kategorie Film. 2 Antworten.

Ast

10:34 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 024

Klingt gefährlich.

00:42 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Speed Script

Eines der großen Probleme mit dem PDA ist nachwie vor die Texteingabe. Handschrift- und Spracherkennung ist entweder unzuverlässig oder nervig, die klassische Qwerty in Emulationen wie spbs FullScreenKeyboard brauchbar, aber irgendwie nicht perfekt, immer eine Bluetooth-Stoaway dabeizuhaben widerspricht eher dem Sinn des winzigen Gerätes. Speedscript ist ein weiterer Versuch und mit etwas Übung eventuell gar nicht so schlecht, auf jeden Fall aber linguistisch spannend gedacht und ein wirklich neuer Ansatz. Die Tastatur besteht dabei nur noch aus einigen Sondertasten, einem Vokalfeld und Konsonanten. Schreibt man einen Konsonanten öffnet sich ein Matrixfeld mit Vokalen (und Leerzeichen) automatisch, so daß man die schnellsten nötigen Sachen einfach zur Verfügung hat. Mit etwas Übung, so die Hersteller, kommt man auf Zehn-Finger-Niveau. Was ich nicht unbedingt glaube, aber die Idee ist einfach schön. Extrem Umständlich sind allerdings j und y gelöst, was ich absolut gar nicht verstehe. Auch die Anordnung der Konsonanten macht mir (noch) Kopfzerbrechen. Schön wäre ein intelligenter Algorithmus, der Worte erkennt und die nächsten Konsonanten passend anbietet, so das man ganze Worte per Strichzug malen kann.

Auf jeden Fall einen Test wert.

7. Mai 2006 23:20 Uhr. Kategorie Technik. Eine Antwort.

Sudelbuch 023

Alte Emigre-Werbung.

22:35 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Was geht?

Kaupp ist gelaufen, da beginnt bald ja schon die Auktion. Saisonheft Philharmoniker ist bis auf Details wie Abokarte und Korrekturen fertig und mal so richtig schön geworden. Saisonheft Theater ist in Arbeit, die Photoshop-Bastelei frisst Zeit, bin gespannt, ob das nett werden darf. Startbahn warte ich auf Logos von Silke, Buch-Börsenverein «Abenteurer gesucht» auf Photos von Marian und Sean. Insofern außer Photoshoppen dieses WE seltsamerweise trotz Termindruck etwas Ruhe – Zeit mal Schubladen aufzuräumen, bei Ikea zu shoppen, Papier zu entsorgen, ins Kino zu gehen, Kirsten, Svenja und Conny auf den Nerv zu gehen, nachts bei einem nur dezent prolligen Hiphopvideodreh vor der Lichtburg zuzugucken, im Garten zu sitzen und bei Erdbeerjoghurt grob zu planen, wie man diese Baustelle denn nun rettet oder ob mich nicht doch mal endlich einer bei der RTL-Fernsehshow MEIN GARTEN anmeldet (ich find übrigens die Idee, hier ein Grillfest zu machen und jeder, der kommt, muß einfach helfen, Rasen zu mähen und sähen, die Holzterasse mitzubauen, Kies zu schleppen, Wände/Treppe zu streichen und zu beflanzen, irgendwie immer noch sehr gut ;-)), und wenn es etwas kühler wird dann heute nacht noch Blumenmenschen fürs Theater zu basteln :-D. Und vielleicht zwischendurch noch was über ein Buch, einen Film und das Saisonheft des Theater Oberhausens zu schreiben…

Vom 18. bis 22. Mai sind wir alle übrigens in Berlin, die Typo aufmischen. Ich weiß immer noch nicht, ob ich die Eier habe, da fürs Blog ein paar Interviews zu führen (und denke, die Idee hat Nick auch schon, und Jürgen wird eh das Fontblog kochen lassen… obwohl ich MEHR als Lust hätte, Carson und Kidd zu löchern, immerhin beides Designer, die ich tief bewundere, Carson bei aller Kritik nach wie vor für seine Intuition und Kidd, obwohl ich nicht alle seine konkreten Ergebnisse mag, für die pure Vielseitigkeit und den unglaublichen Humor, seine Monographie gehört zu den besten Design-Selbstdarstellungen seit Sagmeisters Made you Look.), oder ob ich einfach nur entspannt Gast bin. Ich weiß auch gar nicht, ob ich noch Backstage darf, so als normaler Gast. Was schade wär, ich hab da ein Vermögen an Kaffee gespart dadurch. Die Idee, die Typo sozusagen semilive am gleichen Tag zu bloggen, ist eigentlich mal ganz reizvoll, wenn auch für die Leute, die so mit mir da sind, vielleicht etwas unspannend…

16:34 Uhr. Kategorie Leben. 10 Antworten.

KAFFEE

16:18 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

dämmerung

mutter wiegt die kinder in den schlaf
die kleinen zählen die muster
auf ihrem rock
während vor den türen
die mönche die zukunft schmieden
mutters rock verrutscht
mit seinen mustern
und die kinder wissen
vom anbruch einer neuen zeit

13:45 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sudelbuch 022

Warum ist eigentlich die amerikanische Patriotismus-Ikonographie so unweigerlich attraktiv?

00:28 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

PAAR

Eines der beliebten, stets etwas feigen Schuß-in-den-Rücken-Bilder :-D

6. Mai 2006 15:48 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

SHAPE OF SOUND

Shape of Song

Gott, ich liebe jegliche Software,die synästhetisch ist. Hier Shape of Song, einer der vielen Versuche, Musik zu visualisieren, diesmal in Form von wiederholten Phrasierungen in den einzelnen Tracks von MIDI-Files. Die Arbeit mit MIDI-Daten und die visuelle Umsetzung ist noch grobmotirisch, die Idee aber 100% Gold. Oben abgebildet Chopin, auf der Site gibt es noch von Madonna bis Philip Glass einige Stücke zu sehen.

via Future Feeder

11:24 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Sudelbuch 021

Lebensfreude erfahren

Das war seinerzeit eine ganz ernstgemeinte Werbepostkarte, die ich mal im Briefkasten hatte.
Grandios finde ich in dem Kontext auch die Treppe im Bildhintergrund…

10:27 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

ANNA MARIA JOPEK LIVE

Ich weiß beim besten Willen nicht, ob Anna Maria Jopek noch ein Geheimtip ist oder nicht. Gerade im Jazzbereich ist das immer schwer zu beurteilen. Ich habe sie so etwa 2002 durch eine WDR-Radiosendung kennengelernt, etwa zu der Zeit, als sie ihr Pat-Matheny-Album eingespielt hat. Zu dem Zeitpunkt war die Jopek in ihrer polnischen Heimat bereits ein Superstar, sicher vergleichbar mit Diana Krall, hat die Welt getourt. Seitdem hat sie mit ihrem aktuellen Album Secret sehr – vielleicht zu – gezielt versucht, den internationalen Durchbruch hinzulegen, mit englischen Texten, Coverversionen, und einem Schritt in Richtung Schmusejazz, der ihr eigentlich nicht gutgetan hat. Viel von dem seltsamen Mix aus osteuropäischer Weltmusik-Sentimentalität, ethnischen Folkloregesang und modernen lebendigen Jazz ist dabei verloren gegangen, zugunsten von weichgespültem Studienrat-Jazz. Mit Tracks wie «I burn for you» oder «Don’t Speak» etwa, versucht sie so hart ein Hit zu haben, daß es eher deprimierend wirkt, obwohl man ihr den Durchbruch durchaus gönnen würde. Andererseits ist ihr aktuelles 2005er Album Niebo (Himmel) bei Amazon in Deutschand eben immer noch nicht zu haben, wie es ja überhaupt 70% ihrer Platten in Deutschland nicht ohne weiteres gibt. Was einfach verwundert, da die Sängerin nicht nur nahtlos alle Genregrenzen überschreitet – Jazz, Pop, Folk –, also durchaus mehrere Zielgruppen ansprechen kann, nicht nur fast ein dutzend Alben eingespielt hat, sondern für ihr Album Upojenie mit Pat Matheny stolze 15 Grammys gewonnen hat. Und auch dieses Album gibt es nicht einmal via Amazon.de – das ist schon irgendwie unwirklich, wenn man bedenkt, daß ihr Plattenlabel Universal Music heißt, oder? Gott, wenn sich eine der profiliertesten polnischen Musikerinnen schlechthin ausgerechnet in Deutschland nur verkaufen läßt, wenn sie englisch singt, ist es mit der Globalisierung ja doch noch nicht sehr weit, oder?

Die Frage nach dem Geheimtip kommt deshalb auf, weil es mich überrascht, daß es bei ihrem Konzert in Essen überraschenderweise noch ausreichend Abendkarten gibt, von Ausverkauft keine Spur, obwohl ich fast sicher war, keine Karten mehr zu bekommen. Das Publikum besteht darüber hinaus zu gut zwei Dritteln aus (wunderbar gemischten) polnischen Fans von Jopek, so daß man sich schon fragt, wie bekannt sie in Deutschland tatsächlich ist. Vielleicht war der Gig auch nicht gut promoted, zumal auch der Spielort – eingebunden in das umfassende Festival Europa verstehen: Polen (was sicher auch mit den Anteil polnischen Publikums begründet) – optimaler hätte sein können, obwohl die Zeche Zollverein als Location selbst natürlich wunderbar ist. Backline, Licht und Sound sind lokal gestellt, der Sound ist freundlich gesagt bis zur Mitte des Konzertes eher beschissen, zumal für Jazz-Verhältnisse, man merkt den Musikern an, daß sie auch recht häufig mit dem Sound auf der Bühne eher unzufrieden sind. Die Lichtanlage stört anscheinend die Audio-Anlage, so daß ein permanentes Brummgeräusch hörbar ist, gerade bei leisen Passagen keine echte Freude. Da der Saal nicht ganz verdunkelbar ist und von allen Seiten durch die Fenster Licht einströmt, hätte man sich das Licht größtenteils eh sparen können, erst so kurz vor Schluß wirkt die Lichtstimmung und selbst die ist recht langweilig gemacht, ein eigenes Bühnenlichtkonzept gibt es nicht, einfach ein paar Spots. Dabei sieht das ganze mit vier großen Traversen und einer großen Audioanlage eigentlich vielversprechend aus, aber weder Klang noch Licht werden der Band gerecht.

Denn die Band von Jopek ist Oberliga. Es ist eher selten, daß man wegen einer Sängerin zum Konzert geht und sich so gegen Ende wünscht, sie möge einfach mal 30 Minuten Pause machen und ihre Musiker zocken lassen. Jopek singt absolut Weltklasse, keine Frage, moderiert etwas unsicher und flüchtet sich somit manchmal in Routinen und Posen, arbeitet sich durch die Coverversionen und strahlt in ihren eigenen Songs, aber die Band… die Band überstrahlt sie einfach. Ich meine, es ist ja kein Geheimnis, daß Jazz- und Klassikinterpreten aus Osteuropa (und Asien) grandios sind, und die Band hier bringt es auf den Punkt. Marek Napiórkowski an der Gitarre bekommt regelmäßig Szenenapplaus, egal ob Akustik oder E–Guitar, wechselt nahtlos von David Gilmore zu Pat Matheny und zu fast absurden Fingerübungen ganz eigenen Stils, Baßmann Robert Kubiszyn hat leider nur ein (exzellentes) Solo, zeigt aber in nahezu jedem Song, was er draufhat, füllt jede Sekunde mit kleinen Miniaturen. Paweł Zarecki zeigt leider nur wenig von dem, was er an Piano und Rhodes leisten kann, ein winziges Solo, hat aber eine brilliant pseudo-prolo-witzige Einlage als MC (grandios deplaciert beim Jazzgig), und Paweł Dobrowolski an den Drums bläst mir fast den Kopf weg. Nominell hat der Mann zwei Soli, de facto macht er sich aber ohnehin jeden Song zu eigen, da er den Mainbeat locker mit dem linken Fuß auf der Hihat abliefert, hat er jede Menge Zeit und Energie, meisterhafte Strukturen einzuschieben. Ob mit Besen, Floppysticks oder normalen Sticks, ob Ballade oder NuJazz, ob im Midi-Clock-Gespann der Keyboards oder frei, Dobrowolski ist sauber wie ein Uhrwerk und dabei so quicklebendig spontan, so blitzschnell, daß man fast kreischen möchte. Wenn die Band zusammen zeigen kann, was sie draufhat – etwa bei den ausgedehnteren Gitarrensolos – ist man fast etwas frustriert, wenn es wieder zum gedeckteren Sound der Gesangssequenzen zurückgeht. Ich hätte mir echt gewünscht, nach dem Konzert die Combo ohne die Sängerin zu hören, zumal man ohnehin den Eindruck hatte, daß die Jungs gerade erst gegen Schluß richtig warm wurden und Spaß hatten.

Zu dem Spaß trug sicherlich auch die begeisterte Stimmung des Publikums bei, die nicht nur auf AMJs polnische Ansagen unglaublich einstiegen, sondern auch jeden einzelnen Musiker frenetisch feierten, mitklatschten, swingten und die Band zu zwei Zugaben herausforderten.

AMJ ist noch so bis 14. Mai in Deutschland unterwegs, in Hannover, Mannheim, Freiburg und Stuttgart. Es lohnt sich, hinzugehen.

07:54 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

Achtung

00:07 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 020

5. Mai 2006 23:00 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Q-LINAIR



Jetzt blogge ich schon Haushaltsartikel :-D. Keine Angst, ich stelle nicht demnächst auch noch meinen Staubsauger vor, aber die Q-linair Töpfe sind schon bemerkenswert. Zum einen ist das Set mit 189 Euro noch verhältnismäßig fair im Preis (wenn man bedenkt, daß meine alten Fissler-Töpfe je nach Angebot zwischen 350 und 520 Euro kosten), zum anderen sind die Töpfe einfach wirklich gut durchdacht und nicht ohne Grund mit diversen Designpreisen bedacht. Formal in jedem Detail praktisch und formal schön gelöst, wartet die Serie mit verschraubten Griffen auf, mit einem Deckel, der mit nur einem Dreh zum festen Teil des Topfes wird, so daß man den Topf daran sogar tragen kann. Die Töpfe aus gebürstetem Edelstahl haben eine spezielle Ausgießmulde, mit denen man problemlos Wasser von Nudeln oder Gemüse ausgießen kann. Im Inneren haben die Töpfe eine (leider nur siebgedruckte) Meßskala, simple aber hilfreiche Idee. Und effizient – im Sinne einer sparsamen Produktion – sind die Töpfe auch. Die Kasserole ist ein Topf, der in der Produktion einfach einen anderen Griff bekommen hat. Ich war erst etwas nervös, weil die Maße bei Manufactum und Q-Linair kleiner sind als gewohnte Topf-Durchmesser (die Niederländer geben den Bodendurchmesser angeben, nicht den Topf, und Manufactum hat das wohl übernommen) und weil die Töpfe auf den Photos etwas zierlich wirken, aber es sind ganz normale Töpfe, kein Spielzeug-Geschirr. Massiv und robust. Simpel, schön, sachlich.

18:03 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

ENGEL

Abgelehntes Motiv für eine Abokampagne
(naja, zugegeben: den weißen Baum habe ich nachträglich noch reingemacht, da wäre normalerweise Copy gewesen)…

16:28 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

Strom III

15:22 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Designpreis 2007

Wir sind nominiert, mit dem Bielefelder Saisonheft 2004/5 «Momentaufnahmen», für den Designpreis 2007. Mich wundert immer, wenn sowas kommt. Ich nehme immer hoch ungern an Wettbewerben Teil, weil ich meist denke, die Arbeiten sinds nicht wert. Man sieht ja immer nur das, was man ursprünglich wollte – und jedes Produkt ist am Ende ein Kompromiß, als Designer wolltest du immer mehr. Auch, wenn man gewinnt, bei aller Freude, sieht man selbst eher immer nur die Mängel, die Zugeständnisse in Produktion und gestaltung… und wie toll die Arbeiten von anderen sind. Wie in jedem künstlerischen Beruf ist man permanent unzufrieden mit den Ergebnissen der eigenen Arbeit, was ja unweigerlich auch Antrieb ist, weiter nach vorne zu gehen.

Umso mehr freut man sich, wenn eine Sache dann doch gut ankommt. Auch wenn ich keine Sekunde denke, daß wir wirklich einen Designpreis kriegen ;-).

14:31 Uhr. Kategorie Arbeit. 3 Antworten.

Sudelbuch 019

11:00 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

neue saison

heute
am strand
ein neues gesicht erstanden
verzweifelt freundlich
durch die saison
mich zu wühlen
und abends
sanft
aus den fenstern
zu blicken
mich
an dem leichten duft
ihres parfüms
an meinem handrücken
zu trösten

4. Mai 2006 22:16 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

2,25

17:18 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 018

Glasaugen.

12:36 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

PLATZANGST

Teile einer langen Serie für Entwürfe, die final nicht realisiert werden. Die drei hier mochte ich irgendwie, weil sie als Plakate schön laut sind. Also mal schnell hier archivieren. Achtung, ganz grobe Scribbles…



10:14 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

Sudelbuch 017

08:36 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Do it yourself

01:29 Uhr. Kategorie Photos. 3 Antworten.

Düsseldorfer Schauspielhaus

Im Dezember haben wir ja den Pitch um das Düsseldorfer Schauspielhaus verloren (neben meiner für 9 Leute geplanten, vor drei gehaltenen total übermüdeten Präsentation ja unter anderem auch, weil wir unbedingt weiter für Michael Heicks arbeiten wollten, Amélie Niermeyer wollte lieber einen exklusiven Grafiker, ich wollte auf keinen Fall weg von Bielefeld. Schade drum, ich hätte es spannend gefunden, zwei Häuser unterschiedlich zu placieren, die Stadt Düsseldorf braucht andere Dinge als Bielefeld, und ich glaube, wir würden uns da auch nicht wiederholen oder zu selbstähnlich werden, ganz im Gegenteil, ich denke, das hätte sich befruchtet.). Jetzt ist das fertige Heft der ersten Spielzeit von Amélie Niermeyer erschienen, gestaltet von Ligalux in Hamburg.

00:51 Uhr. Kategorie Design. 4 Antworten.

Sudelbuch 016

Zen and the Art of Weihnachtspaketepacken. Später modifiziert in einem ganz alten Flyer von Schmitz verwendet.

00:25 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SUPERMAN RETURNS – NEUER TRAILER



Hier.

Flashback to the 70s, etwas weniger Donner/Fleischer wäre sicher nicht schlecht gewesen, Clark Kent sieht definitiv zu altmodisch aus. Aber im Namen meiner Kindheit werde ich mir den Film sowieso ansehen müssen.

3. Mai 2006 22:13 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

KFC II

21:43 Uhr. Kategorie Photos. 3 Antworten.

Sudelbuch 015

Fand ich großartig.

17:11 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

BIERGARTEN OLE

Ah, es beginnt die draußen-sitzen-Saison. Gestern im Löwntal eine Photos-Sache für das Abendprogramm von Wir-im-Finale als Ausrede genutzt, um etwas an der Freiluft zu sitzen. Auch wenn wir, um im Fußball-Thema zu bleiben, Schnitzel und Pils für die richtige Prolo-Stimmung hinnehmen mußten :-D.






15:10 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

Kran VIII

Der vorerst letzte Kran, Ehrenwort :-D

12:38 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 014


11:07 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Kran VII

2. Mai 2006 22:11 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 013

Ausriß aus Philippe Starcks Strecke in einer alten MAX.

22:09 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

GUT, DASS ES MAGDALENA GIBT.

Letzte Woche warben vier der größten deutschen Energieoligopolisten im Spiegel für mehr Toleranz gegenüber Atomkraftwerken oder sowas.
Mit folgendem O-Ton:

Ich möchte später Kinder haben.
Gut, daß es Magdalena gibt.
Beim Kanufahren habe ich Spaß.
Ich arbeite gern im Kernkraftwerk Biblis.
Ich vertraue auf unsere Technik.

Meine Reaktion
1 = Schön. Nur dumm, daß du im AKW arbeitest.
2 = Was? Was? Wer oder Was zur Hölle ist plötzlich Magdalena? Und ist sie nur zum Kinderkriegen da?
3 = Beim Kanufahren? Was macht er bloß während des Kanufahrens mit seiner Magalena? Und will ich das eigentlich wissen?
Und wieso kommt er jetzt vom Kinderkriegen aufs Kanufahren?
4 = Und wie kommt er vom Kanufahren dann plötzlich zum AKW Biblis? WTF?
5 = Welche Technik? Die von ihm und Magdalena? Verhütungstechnik? Sexualpraktiken? Was? Was? Was?

Ich will dem Menschen, der hier immerhin ausgestellt und vorgeführt wird, nicht zu nahetreten, sollte er denn überhaupt real rexistieren.
Er kann ja wahrscheinlich nichts für diese grenzwertige Anzeige, die sich liest wie ein schlechter Stream of Consciousness.
Ich weiß ja auch nicht ganz, was da nun hängen bleiben soll, bei mir war es folgendes.

> Mitarbeiter in AKWs sind mental möglicherweise verwirrt.
> Sie machen sich ja ganz offenbar MASSIVE Sorgen um ihre Fortpflanzungsfähigkeit.

Junge Junge, das sind so Anzeigen, die mehr Schaden anrichten als sie Imageprobleme beseitigen, oder?
Oder es ist eine geniale Art von viralem Marketing, auf die ich jetzt voll reingetappert bin?

18:11 Uhr. Kategorie Design. 3 Antworten.

JETZT

Schau JETZT in dein Portemonnaie und schreib auf, was du darin findest.
Gogogo.

17:48 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

Sudelbuch 012

Endlich mal die passende Antwort.

16:39 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Fisch II

1. Mai 2006 22:59 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 011

Postkarte aus San Francisco, handgemacht mit echtem Photo. Ich liebe diese Kids.

19:19 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Vögel

14:23 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Sudelbuch 010

Als Terrorismus noch homemade war.

11:10 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Oh… mein… Gott…

… ich glaub, ich werde Mission Impossible 3 sehen müssen. Ich hätte mit Tom Cruise, Most annoying actor ever, doch eher geklemmt. Aber ich sehe gerade, daß die Regie JJ Abrams führt, der Kopf hinter Alias und Lost. Da muß man ja eigentlich schwach werden, zumal ich meinen JJ-Fix ja nicht mehr televisionär kriege :-D. Immerhin haben es auch dePalma und Woo geschafft, den beiden ersten Teilen Spurenelemente ihres eigenen Stils jenseits des permanenten Maske-vom-Kopf-ziehen zu verleiehen. Sieht also so aus, mit X-Men 3 und Superman: The Return und eventuell Hostel, als würde ich mir in den nächsten Wochen eine Menge Mainstream-Suppe ziehen, wo die Enttäuschung ja meist vorprogrammiert ist.

10:45 Uhr. Kategorie Film. 2 Antworten.

DIE ZEIT DIE BLEIBT

Die Frage «Was würdest du tun, wenn du noch drei Monate zu leben hättest» stelle ich ja bevorzugt Freunden, die in Liebes- oder anderen Sinnkrisen stecken, oft genug auch einfach mit selbst. Würde man Prioritäten anders setzen, weniger Kompromisse machen, intensiver leben, entspannter oder entschiedener sein? Bei wichtigen Entscheidungen ist es nicht immer falsch, auf die lange Perspektive zu verzichten und sich zu fragen, ob man dieses oder jenes auch täte, wenn man weiß, daß es morgen oder übermorgen mit einem vorbei ist, pfffft. Auch falscher Stolz und Eitelkeiten schmelzen bei dieser Fragestellung schnell dahin. Du behandelst Leute anders, wenn du kurz daran denkst, wie es wäre, ihnen so im Gedächtnis zu bleiben, wenn dich morgen ein Bus 200 Meter mitschleift. Das ist etwa so wie der Gedanke an einen Autounfall hochdisziplinierend wirkt, wenn man bei Regen 180 fährt.

Francoise Ozon, Macher von 8 Frauen, Unter dem Sand und Swimming Pool, hat sich und seinen Darstellern Melvil Poupaud und Jeanne Moreau in «Die Zeit, die bleibt» diese Frage auch gestellt, und herausgekommen ist ein Film, der wieder ein ganz anderes Flair hat – Ozons Stil scheint zu sein, keinen zu haben –, und der keinen Zweifel daran läßt, daß man eben nicht alles anders macht. Man bereist nicht die Welt, man wird kein Künstler, man wird nicht wild. Man stirbt einfach. Man macht ein bißchen seinen Frieden, man wird ein bißchen melancholisch, man versucht, Liebe zu finden und vielleicht etwas zu hinterlassen, egal wie klein. Und man stirbt.

Mit dieser Nachricht für den Modephotographen Romain beginnt der Film. Noch drei Monate, Krebs. Erfolgreich und homosexuell, ab und zu eine Line koksend oder Vodka trinkend, hat sich Romain anscheinend bisher nur Sorgen um AIDS gemacht, nicht um die in seinem Körper verbreiteten Metastasen, die ihn auffressen. Poupaud, der wie eine Mischung aus Gavin Rossdale und Stefan Sagmeister in den Film geht, sexy und erfolgreich, ist nicht vorbereitet aufs Abschiednehmen. Wer ist das schon. Er schmeißt seinen Freund lieber raus, streitet sich lieber mit seiner Schwester, als die Botschaft zu teilen. Der Tod paßt nicht in sein Selbstbild, seine Lebensplanung, seinen Narzismus, seine kleinen Eitelkeiten.

In einer Schlüsselszene des Films trifft Romain als Kind (Romain hat während des gesamten Films Flashbacks in seine Kindheit) während eines Spaziergangs im Wald mit seinem Vater auf ein krankes, sterbendes Kaninchen. Er will es mitnehmen, gesundpflegen, aber der Vater beachtet das Tier nicht mal, sagt Romain, daß er sich bestenfalls auch etwas einfange, daß die Natur eben so sei.

Und so ist sie. Wir sterben. Bedeutungslos, ohne etwas zu hinterlassen, ohne mit all unseren Versuchen wirklich etwas zu hinterlassen. Von Romain, dem Photographen, dem Künstler, dem aufstrebenden Star, der sich schon als der nächste Mondino sieht, bleiben bestenfalls seine Bilder. Der ganze Streß, die ganze Pose drumherum… wertlos. Bis zuletzt füllt er seine Digitalkamera mit Bildern. Wir alle wollen Spuren hinterlassen. Auch der Versuch, mit der Frau eines zeugungsunfähigen Mannes ein Kind in die Welt zu setzen, gehört dazu. Am Ende bleibt Romain, kahl und abgemagert, aber alleine. Alleine in der Masse, die ihn am Schluß des Films zurückläßt, nach Hause geht, ihr Leben weiterlebt, während seins zu Ende geht.

Was würdest du machen, wenn du noch drei Monate zu leben hättest? Die meisten Leute planen dann Weltreisen, nochmal richtig wild leben. Abschied nehmen, den Leuten sagen,w as zu sagen ist. In Ozons Film findet nichts davon statt. All diese Pläne scheinen sinnlos, weil man keine Lust hat, die Welt zu bereisen, es sinnlos scheint, den eigenen Abschied groß zu inszenieren. Romain bleibt in seiner Wortlosigkeit gefangen, kann sich Schwester und Lover nur indirekt, nur stammelnd mitteilen, nicht öffnen, nicht erklären. Er bleibt im Havbitus des zivilisierten Menschen gefangen, das Tabuthema Tod nur mit seiner Großmutter, dem schwarzen Schaf der Familie klären, weil: «Du bist wie ich, du stirbst.» Was bleibt sind Anläufe, Versuche, Gesten, um sich schließlich – wie das Kaninchen – geschwächt, ruhig hinzulegen und wegzudämmern, irgendwie glücklich, irgendwie traurig, alleingelassen.

Ein Film mit diesem Thema kommt nicht ganz um eine Prise Melancholie und Kitsch umhin. Die Rückblenden, das säugende Kind im Zug, die Kahlrasur und das Ende am Strand, inklusive ausgerechnet auch noch einem Sonnenuntergang… in jeder anderen Hand wäre das too much gewesen. Aber Ozon schafft es durch ruhige Kamera, ein geübtes Gespür für die leicht zu lange Pause, durch perfektes Understatement auch in der Musik (viel Arvo Pärt) stets, die Balance zu wahren, einen emotionalen Film zu machen, der die Gefühle nur anreißt, nie auswälzt, der Interpretationsspielraum hat, der klug auf seinen brillanten Hauptdarsteller setzt. So ist da durchaus Pathos und große Geste und das greifbare Bedürfnis des Autors und Regisseurs, etwas zu sagen… aber Ozon macht es sich nie so einfach, auf die emotionale Tränendrüse aus Musik und epischem Bild zu setzen. Die Traurigkeit entwickelt sich hier eher aus der Sinnlosigkeit, dem Zyklischen, dem Ungesagtbleibendem. So bleibt der Film präsent, real, überschaubar, tappt zumindest fast nie ganz in die Fallen, die links und rechts am Wegesrand auf die Geschichte warten. Am Ende fehlt dem Film so vielleicht etwas. Er ist nicht schonungslos genug, um wirklich schmerzhaft zu sein, nicht kalt genug, nicht böse genug. Auf der anderen Seite ist er eben doch so kühl, daß wir nie wirklich mit Romain mitleiden, der Protagonist bleibt uns fremd. Was so bleibt ist ein Film, der unbedingt gut ist und ohne Zweifel Tiefe hat, hier und da aber auch ins Dahinplätschernde abrutscht und etwas unentschieden bleibt. Der Fährten legt, die inspirieren, aber diesen selbst oft nicht folgt. Mir selbst resigniert Romain zu leicht, zu abgestumpft. Keine Wut, kein Kampf, einfach eine letzte stille Wanderung, ein fast-nicht-Abschiednehmen. Das ist wenig. Zumal Ozon in seinen Bildern und Handlungsmomenten oft auch vorhersehbar bleibt. Stark ist er immer dann, wenn er fast lautlos, fast voyeuristisch arbeitet. Wenn Dialoge zwischen Figuren für den Zuschauer sichtbar, aber unhörbar bleiben. Wenn er Romain und seinen Lover beim Sex zeigt, später Romain beim Dreier mit dem Ehepaar. Die Momente, in denen die Geschichte in den Hintergrund treten kann, unangestrengt wird und die Bilder mit den Moralvorstellungen des Publikums arbeiten dürfen. Hätte er ähnlich starke Bilder für die tatsächliche Story gefunden, ungeschminkt und hart, der Film wäre grandios gewesen. As it is, bleibt es ein sehr gelungener Film, der gelegentlich nur etwas hinkt.

10:39 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.


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