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MUSIK

Audioslave Out of Exile
Audioslave war die fast am Reißbrett geplante nächste große Superband. Rage Against the Machine minus Zack de la Rocha plus Chris Cornell minus Soundgarden… die Fusion zweier Rockgrößen also, produziert von Rick Rubin, der mit den Chili Peppers ja klar bewiesen hat, daß er Indi-Hits herbeizaubern kann. Aber denkste, Audioslave waren zwar ein Erfolg, aber lange nicht in der erwarteten Größenordnung. Der erste Silberling, mit dem genialen Cover von Storm Thorgerson, ist zwar ein Rockalbum geworben, das weit jenseits des Spektrums von sowohl Rage-Polit als auch Soundgarden lag, aber – ähnlich wie bei Velvet Revolver – blieb der Erfolg hinter den Erwartungen. Gott sei Dank. Das zweite Album von 2005 präsentiert die Band ungeschliffener, mehr Proberaum-Feeling, mehr gerade straighte Kracher, weniger polished, weniger Radio. Vielleicht einen Hauch weniger eingängig, vielleicht einen Hauch langweiliger, dafür irgendwie tighter als Band. Die Gitarrensoli von Tom Morello sind die gewohnten ungewöhnlichen Breakbeat-Eskapaden, die fast synthesizerartig durch die Songs schneiden. Weiter entfernt von RATM als jemals zuvor, ist Audioslave tatsächlich eine spürbare Fusion der Einflüsse von Morello und Cornell, der ein Classic-Rock-Feeling einbringt. Das Ergebnis, die seltsame Fusion von Grunge-Aspekten und dem reinen Aggro-Druck von Rage, ist über weite Strecken mehr als hörenwert, wirkt aber oft auch weniger befriedigend als Soundgarden und RATM jeweils für sich. Audioslave verliert sich auf Out of Exile mitunter eben auch in Standard-Rock-Gefrickel ohne echten Druck.

David Sylvian World Citizen
Die EP/Maxi von 2003 vereinigt David Sylvian mit Ryuichi Sakamoto als Producer, und irgendwo taucht sogar ein kleine «thank you» an Ingrid chavez auf, die dem legendären Heartbeat ihre Stimme lieh. Die EP ist leider etwas enttäuschend, weil eigentlich nur zwei Songs drauf sind, jeweils einmal short und einmal lang, dazu ein Remix von World Citizen. Das ist etwas wenig, die Songs sind es aber durchaus wert. World Citizen präsentiert Sylvian ungewohnt geradlinig, fast band-orientiert, während I won’t be disappointed eher elektronischer angehaucht ist und die bessere der beiden Nummern ist.

Nine Horses Snow Borne Sorrow
Und noch einmal David Sylvian, diesmal mit seiner neuen Band Nine Horses. Die Platte begeistert vom ersten Moment an mit Chris Biggs’ (von Vaughan Olivers v23) wunderbar ätherischem Artwork, federleicht und makellos. (Ich finde nebenbei, diese drei CDs zeigen, wie wichtig artwork ist. Rein vom Cover her hätte ich mir nur die Nine Horses gekauft.) Und genauso leicht und komplex und irgendwie melancholisch zugleich, wie frisch gefallener Schnee eben, ist auch die Musik. Deutlich zugänglicher als «Blemish», der letzte volle Sylvian-Longplayer, ist Snow Borne Sorrow eine Mischung verschiedener Einflüsse und der von Sylvians Arbeiten gewohnten üblichen tricky rhythms, die flüssig und jazzy wirken, aber meist aus komplexen Strukturen errichtet sind, gepaart mit dem vertrauten melancholischen Gesang. Gemeinsam mit Ex-Japaner Steve Jansen und dem deutschen Bernd Friedman kehrt Sylvian so in seine 90er-Phase zurück, zu Tracks wie I Surrender, Heartbeat oder The Scent of Magnolia, wobei die Texte als Kontrapunkt zu den entspannten Beats noch introvertierter und düsterer wirken. Insgesamt eines der leichtgewichtigeren Werke von David Sylvian, aber hochangenehm zu hören und dabei niemals wirklich leichte Kost, sondern – wie seine Arbeiten mit Sakamoto (der Nine Horses mit etwas Piano unterstützt) – klugen Pop bieten. Snow Borne Sorrow hat etwas von einer altersentspannten Platte, der man anmerkt, daß Sylvian sich hier zurücklehnt und einfach nur mal singt. Und das kann man sich endlos anhören. Und auf dem ersten Track Wonderful World singt Stina Nordenham mit. Also sowieso eine Must-Buy-CD :-D. Wenn ihr diesen Monat eine Platte kauft, nehmt diese.

31. März 2006 08:41 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.

WESEN IM WALD





29. März 2006 00:12 Uhr. Kategorie Stuff. 4 Antworten.

WETTENTSPANNEN

Wer gut aussieht ist besser als jemand der nicht so gut aussieht / Der aber immer noch besser ist als jemand der überhaupt nicht aussieht / Und eigentlich ja schon tot ist / Da kann man nix machen / Wer tot ist geht auf die Nerven / Wer tot ist geht auf die Nerven / Da kann man nix machen.

28. März 2006 20:19 Uhr. Kategorie Musik. 7 Antworten.

Bierhoff beim ikf°



Dr. Stefan Stein vom ikf° schickt mir gerade einen Video-Clip von RTL West, in dem das FiFo 05 kick-off angeschnitten wird. Zusammen mit dem überwältigendem Feedback ist dem ikf°-Team nach Helmut Schmidt also wieder einmal ein medialer Hattrick gelungen. Glückwunsch!

11:02 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

RIP STANISLAW LEM

Stanislaw Lem ist gestern verstorben. Ich bin mit seinen Büchern und Kurzgeschichten als Teen großgeworden und habe mit Autoren wie eben Lem, Burgess, Brunner und Co. gelernt, daß Science Fiction eines der freiesten und spannendsten literarischen Genre sein kann, in dem der Autor frei von Begrenzungen spekulieren und probieren kann und – in Lems Fall – politische Kritik oder religiös/philosophische Gedankenspiele betreiben darf. Ob Lems grandioser SF-Münchhausen Ion Tichy aus Klassikern wie Lokaltermin und Der futorologische Kongress, der irrlichternde, die amerikanische Science Fiction kolportierende und gegen sich selbst wendende Bruchpilot Pirx oder seine ernsteren Arbeiten, wie etwa die gesammelten Erzählungen in Nacht und Schimmel oder introspektive Klassiker wie Solaris und Also sprach Golem Lem war immer ein surrealer bis abstruser, wortspielverliebter und zugleich hochpräziser kluger Schreiber, der es verstand, die Zukunft als Spiegel der Gegenwart zu gebrauchen. Selbst seine oberflächlich humoristischen Arbeiten wie Schichttorte bergen einen Cyanidkern, der Lem in die Tradition von Autoren wie Swift oder Orwell stellt – Autoren, die das Phantastische nicht als bloß zu bedienendes formulaistisches Genre sehen, sondern als vielseitiges literarisches Werkzeug, das den Autoren ein befreiteres Denken über die Gegenwart anhand des «What if…?» ermöglichen.

08:41 Uhr. Kategorie Leben. Eine Antwort.

EXHALE




27. März 2006 15:04 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

LIFE ON MARS

it’s a god-awful small affair
to the girl with the mousy hair
but her mummy is yelling «no»
and her daddy has told her to go
but her friend is nowhere to be seen
now she walks through her sunken dream
to the seat with the clearest view
and she’s hooked to the silver screen
but the film is a saddening bore
for she’s lived it ten times or more
she could spit in the eyes of fools
as they ask her to focus on

sailors fighting in the dance hall
oh man! look at those cavemen go
it’s the freakiest show
take a look at the lawman
beating up the wrong guy
oh man! wonder if he’ll ever know
he’s in the best selling show

is there life on mars?

david bowie, hunky dory, 1971

26. März 2006 10:11 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

DANCING

Once the music began, however, the misery was erased from their faces and replaced by a hypnotic expression as they mechanically went through their paces. From my folding chair, swooning on phenobarbital, overly warm from all the body heat, I was in agony until I saw – with a rare and refined sense of objectivity – that their sufferings and miseries vanished in their dancing, as they fell into the rhythm of the music and the singsong of the caller’s instructions. And for a moment I saw myself as well; I saw myself from on high, saw the pattern of my whole life with a kind of geometrical precision, like the pattern the dancers were making, and it seemed there was a perfect rightness to it all.

Thom Jones, The puglist at rest, p 81

00:34 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

KARNEVAL DER TIERE





25. März 2006 13:14 Uhr. Kategorie Arbeit. Eine Antwort.

AMERICAN VERTIGO

Das klingt doch mal nach einem netten Buch.

00:10 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

SIMPLEVIEWER

Netter gratis Flash-Photo-Viewer, der unter anderem via Serverscript personalisierbar ist.

24. März 2006 08:56 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

NEUER KOPIERSCHUTZ

Das ging schnell. Nach der Gesetzesänderung hat die Musikindustrie jetzt endlich die perfekte Möglichkeit gefunden, Raubkopien komplett zu unterbinden… sie packt gar keine CDs mehr in die Hüllen.
Das hier hab ich jedenfalls heute morgen gesehen, als ich eine CD auspackte:

08:34 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

THEOGENES

Theogenes was the greatest of gladiators. He was a boxer who served under the patronage of a cruel nobleman, a prince who took great delight in bloody spectacles. … The two contestants were not permitted the freedom of a ring. Instead, they were strapped to flat stones, facing each other nose-to-nose. When the signal was given, they would begin hammering each other with fists encased in heavy leather thongs. It was a fight to the death. Fourteen hundred and twenty-five times Theoigenes was strapped to the stone and fourteen hundred and twenty-five times he emerged a victor. Perhaps it is Theogenes who is depicted in the famous Roman status … of The pugilist at rest. … The pugilist is sitting on a rock with his forearms balanced on his thighs. That he is seated and not pacing implies that he has been through all this many times before. It appears that he is conserving his strength. His head is turned as if he were looking over his shoulder – as if someone had just whispered something to him. … Could it be that someone has just summoned him to the arena? There is a slight look of befuddlement on his face, but there is no trace of fear. There is an air about him that suggests that he is eager to proceed … even though his life will soon be on the line. Besides the deformities on his noble face. there is also the suggestion of weariness and phlosophical resigation. … How did he come to be at this place in space and time? Would he rather be safely removed to the countryside – an obscure, stinking peasant shoving a plow behind a mule? Would that be better?

Thom Jones, The pugilist at rest, p 18

23. März 2006 08:15 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

MJAM MJAM

Japans Superreiche kaufen die Organe hingerichteter chinesischer Sträflinge auf. An sich nicht neu, aber interessant zu sehen, wie wir in der Dystopia alter SF Filme lebenund das ganz normal zu finden lernen. Ein System wie China, in dieser gewinnversprechenden Balance zwischen Diktatur und Kapitalismus, ist wie geschaffen, um eine Organfabrik aus Dissidenten und politischen Gefangenen zu errichten, eine nahtlose Moebiusschleife, in der die politische Ordnung Gewinn abwirft und eben dieser Gewinn garantiert, daß es immer neue gewinnbringende Sträflinge geben muß. Soylent Green is People!

Ten days after contacting a Japanese broker in China two months ago, he was lying on an operating table in a Shanghai hospital receiving a new kidney. “It was so fast, I was scared,” he says. The “e-donor” was an executed man; the price: 6.8m yen (about £33,000). …”It was cheap,” adds Mr Hokamura, now back in Japan. “I can always earn more money.”

via Attu

22. März 2006 10:08 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

BERENIKA

B. Berenika macht Photos, die aussehen wie von Dave McKean angehaucht, aber weniger offensichtlich manipuliert. Seitenweise Photos, die wirken, als sei die Zeit zurückgedreht, melancholische Sepia-Kompisitionen, immer haarscharf am Neokitsch vorbei, bei denen man sich stets fragt, wieviel da eigentlich digitaler Trick und wieviel echt analog ist. Wunderbare Sachen dabei.

via Susann

21. März 2006 17:02 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

V FOR VENDETTA

Zuerst ist es ja in gutes Vorzeichen, wenn die Wachowski-Brüder, die mit Matrix I immerhin einen der besten Comic-Filme produziert haben, einen eigenen Verlag haben und in all ihren Arbeiten eine Affinität zum Comic-Genre aufweisen, ausgerechnet eine der besten Geschichten von dem Comic-Storyteller schlechthin, dem Orson Welles seines Genres, verfilmen. Sollte es Alan Moore endlich mal vergönnt sein, daß ein Film seinen Namen trägt nicht schrecklich ist?

Aber… nein, sollte es nicht. Anstelle der Wachowski-Bros dreht ihr Regieassistent James McTeigue hier seinen Erstling, und das Ergebnis ist ein stilistisch weit von der dunklen Ästhetik der Matrix entfernter, dumpfer Action-Streifen, eine Mischung aus Tim Burtons Batman und 1984. Und noch weiter entfernt von der Idee hinter V kann man eigentlich kaum sein. Es gibt also einen guten Grund für Moore, seinen Namen von diesem Projekt zu ziehen, so daß im Film-Nachspann nur noch David Lloyds Name auftaucht. Absurder geht es eigentlich kaum. Man sollte meinen, wenn man schon einen Film von einem Autoren verfilmt, den man selbst bewundert, dann achtet man auch auf seine Kritik an der Sache, oder?

Lobenswert ist bestenfalls der Versuch, einige Szenen zu retten. Die Shadowgallery ist liebevoll rekonstruiert, die Maske von V solide nachgebaut und die Szenen mit Evey in Larkhill sowie Valeries Brief folgen dem Buch relativ dicht. Hier und da blitzen immer mal wieder schöne Fragmente der Originalstory durch – immerhin mehr als man bei Moore-Verfilmungen bisher gewohnt war, wo man ja immer mal wieder nervös auf das Kinoticket (oder die DVD-Hülle) linst, ob man hier wirklich etwa From Hell sieht. Aber aus unerfindlichen Gründen ist die Story um entscheidende Elemente gekürzt und um völlig unpassende ergänzt worden.

Noch verstehen kann ich, daß man die Hintergrundgeschichte der Pulverfaßrevolution und Guy Fawkes einem internationalen Publikum zu Beginn erklären will, auch wenn bereits hier die angedeutete Liebesgeschichte zwischen Fawkes und einer Frau in der Menge eher irritierend ist. Aber schon beim Setdesign geht es los. Anstelle der sepiamonochromen Welt, die David Lloyd zu Moores Geschichte erfunden hat, liefert uns der Film eine verblüffend profan anmutende Alltagswelt, die zwar hier und da einen Blaustich aufweist, gerade bei den albernen (im Comic nicht vorhandenen) Kneipen/Altersheim/Wohnzimmer-Szenen aber eine Welt zeigt, die nichts von einem faschistoiden System à la 1940 aufweist. Diese Welt wirkt sehr wenig unterdrückt, wenn es da Chips und Mikadostäbchen auf dem Wohnzimmer gibt. Andererseits – eben entgegen der Profanität des Alltags – ist John Hurts Alan Sutler (schon der Name ist falsch, wie auch aus Norsefire wohl Northfire werden mußte) nicht der im Comic gezeigte ruhige Beamtentyp Susan, der mit Aktentasche seinen Job antritt – einer muß ja der Leader sein –, um sich vor seinen Computer zu setzen, dem er im Buch mehr und mehr verfällt, sondern eine Big-Brother-Karikatur vom Allerübelsten. An die Stelle des ruhigen, bürokratischen und genau deshalb so furchtbar beängstigenden Durchschnittstyps setzt der Film einen neokonservativen Mottenkisten-Diktator, komplett mit Hitlerlook, schwarzen Zähnen und Speichelflug, der sich gegen Ende in den klischeehaften Rumkreisch-Irrsinn steigert. Das Sutler im Film auch noch in einen Selbstbereicherungs-Skandal verwickelt ist, macht ihn noch alberner. Moores Diktator ist deshalb so gruselig, weil er jeder von uns sein könnte. Er ist effizient, er ist nüchtern, er glaubt an das, was er tut. England prevails. Das macht ihn so schrecklich. Hurts geldgieriger Schmierlappen-Diktator wirkt eher wie einem 20er-Jahre-Kino entsprungen. Schrecklich. Und das ausgerechnet John Hurt den Sutler spielt – Hurt spielt Winston Smith in der hochlangweiligen 1984-Verfilmung von Michael Anderson – macht noch greifbarer, daß McTeigue sich hier irgendwie banalerweise an 1984 vergreift… und Moore gelang es im Original-V doch gerade so schön, ein Gegenmodell zum Großen Bruder zu entwickeln, daß dem Faschismus zeitweilig ein furchtbar rationales, fast verständliches, fast langweiliges und insofern viel gruseligeres Gesicht verlieh. Moores Sutler ist eine Figur wie von William Shakespeare, ein müder König am Ende seines Weges, ungeliebt und voller Sehnsucht, der von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt ist und zugleich umgeben von Intriganten Leutnants, die sein Ende planen. Das ist Schiller, das ist Shakespeare. Das ist eben nicht George Orwell und Hitler. So ist es auch bezeichnend, daß der Film keinen Faschismus präsentiert, sondern eine Art neofundamentalistischer religiöser Diktatur, komplett mit Doppelkreuz als Signet. Moores Story braucht diesen plumpen Quatsch nicht. Auch, daß Hurt wie eine Art Stalin-Karikatur auf Riesenleinwand über den Köpfen seiner Verwalter auftaucht ist zwar optisch ansprechend, weil es so schön an den Großen Bruder gemahnt, aber eben Quatsch. Im Original ist es umgekehrt und macht mehr Sinn: Sutler sitzt vorm Rechner und hat auf einzelnen Bildschirmen Kontakt mit seinen Department-Leuten, die bei sich im Büro sitzen. Das macht mehr Sinn, als zig Leute einzubestellen, aber selbst via Leinwand zu sprechen. Und es zeigt zugleich die Isolation von Sutler, der die Welt nur noch über seinen Computer wahrnimmt.
Nein, die Bösewichte im Film sind nicht die, die Moore uns gab. Sie sind Klischees und amerikanische Klischees dazu. Kirchliche Neomoralisten mit Biowaffen und vorgetäuschten Terroranschlägen. Was hat das mit V zu tun?

Denn auch die Hintergrundgeschichte mit den Fake-Terroranschlägen und dieser ominöse Pharma-Biowaffen-Skandal sind (dumme) Zusatzerfindungen und folgen der allerplattesten Logik eine Hollywood-Machwerkes, als sei ein Regime, sogar mit schreiendem Oberbösewichten samt Ming-Bärtchen, immer noch nicht offensiv evil genug, muß es also auch noch eine Art Aktien-Skandal geben – Exxon läßt grüßen. Es überrascht, daß ein Regime, daß Leute von der Straße gefangen nimmt und Tötungslager errichtet, aufwendigst einen Skandal vertuscht, bei dem es um etwas Aktienschwindel und Sekbstbereicherung geht – dahinter steckt die unausgesprochene Annahme, daß Wirtschaftsverbrechen tragischer sind als Genozid. Dieser absurde McGuffin-Einschub bringt die ganze Logik des Films zeitweilig ins Wanken, bedingt zusätzlich zur Ursprungsgeschichte hinzuerfundene (schwache) Figuren und langweilige Erzählsequenzen. Was McTeigue hier versucht, ist, eine recht zeitlose und britische Story aus den frühen 80ern so umzumodeln, daß sie eine Metaaussage zu 9/11 und dem aktuellen War against Terror wird. Die Assoziation, daß 9/11 eine Täuschung war, wie in V die Anschläge auf Schulen und U-Bahnen, um eine christlich-fundamentalistische Richtung zu pushen, ist fast schon zu greifbar, zu platt. Solche Platitüden hatte das Original nie nötig und sie werden den Film frühzeitig altern lassen, während die von politischen Aktualitäten losgelöstere Comic Novel deutlich zeitloser und kraftvoller wirkt. Warum also nicht einfach einen komplett eigenen Film machen, wenn man schon keine Lust hat, die ursprüngliche Story zu erzählen, sondern sich eigentlich lieber mit einem politischen State of the Nation der USA befassen mag?

Und dann ist da sehr viel nervender Kleinkram: Finch hat nichts von dem stillen intellektuellen Charme der Comic-Figur, sein LSD-Experiment in Larkhill fehlt komplett, das Rosen.Motiv wird nicht erklärt (und so auch bleibt auch die Explosion in Larkhill rätselhaft), die Vikingerbegräbnis-Assoziation fehlt, dafür wird der Graf von Monte Christo als Referenz des Filmmediums an sich selbst eingebracht, Delia will im Film Vs «schönes» Gesicht nicht sehen, Vs TV-Ansprache ist im Comic tausendmal kohärenter, klarer, kognitiver… ich kann mich im Comic nicht an deutlich sichtbar verbrannte Hände/Körper entsinnen, nicht an V mit Schürze, nicht an V als eine Art Martial Artist und so weiter und so fort. Ach, es fehlt an allen Ecken und Enden.

Und auch hier: Moore hat den ersten Teil von V for Vendetta Anfang der 80er geschrieben, als junger britischer Autor. Nach einer langen Pause beendete er das Werk dann, bereits ein Shooting Star in den USA, deutlich gereifter und spürbar weniger interessiert an der ursprünglichen Klischee-Geschichte vom düsteren Vigilanten in einem faschistoiden Regime. Die Story dreht sich im Folgenden insgesamt also weniger um V und Evey, sondern zentraler um die Idee von Faschismus vs. Anarchie, Führung vs. Freiheit… und beide Ideen, beide Worte tatsächlich, tauchen im Film gar nicht auf. Das philosophische Rückgrat der Geschichte ist damit verschwunden. Man kann im Gegenteil sagen, daß die Club-der-toten-Dichter-Szene am Ende (die es im Comic – glasklar – so nicht gibt), bei der halb London in V-Maske auftaucht (nebenbei: wie hat V als kleiner Ein-Mann-Terrorist all die Masken herstellen/liefern können?), eher das Gegenteil von Anarchie ist, weil ja alle gleich sind. Daß V zum Kult wird, ist eine Idee aus The Dark Knight Returns von Frank Miller, nicht aus V for Vendetta. Auch die Tatsache, daß V im Comic mehr oder minder gezielt, also bewußt stirbt, weil er versteht, daß sein Weg, seine Art zu denken und zu handeln, in dem von ihm erträumten freien Anarchismus falsch wäre, weil er ein Zerstörer ist, die neue Zeit aber Wiederaufbauer braucht, geht im Film unter. Der Freitod-Aspekt von V muß untergehen, weil die dieser Entscheidung zugrundeliegende komplexe Diskurs-Metastruktur zuvor ignoriert wurde. Aus komplexer und rationaler Tragödie wird so eine tumbe und plumpe Todesszenen-Tragödie gemolken, wie man sie schon hundertfach gesehen hat.

Gelangweilt von der Vigilante-Story hat Moore zudem im zweiten Teil mit einer an Shakespeare gemahnenden Präzision aus den Nebenrollen ein Drama um Politik, Eifersucht, Sex, Liebe, Haß und Intrige rund um Susans «Königshof» arrangiert, das in seiner Komplexität nach wie vor beeindruckend und in seiner Menschlichkeit, seinem Elend rührend ist. Der Fokus verschiebt sich mehr und mehr von V selbst hin zu Nebenfiguren, zu Prostituierten (oh… und übrigens: Evey ist nicht wie im Film eine TV-Mitarbeiterin mit hypermodernem Bluetooth-Ohr, sondern beginnt im Buch am Start gerade eine Karriere als Baby-Prostituierte… und kehrt indirekt im letzten Buchdrittel auf diesen Weg zurück, bevor V sie ein zweites Mal rettet, während sie im Film bei einem gütigen liberalen TV-Moderator landet, dessen Benny-Hill-Einlage im Comic (seufz) natürlich übrigens und gottseidank auch fehlt. Die Liste dieser peinlichen und unnötigen Abweichungen ist lang, so auch, daß Evey im Comic nicht von V flieht, sondern er sie nach einer Diskussion zunächst herauswirft. Die ganze dreckige Düsterheit und Armut von Moores V for Vendetta fehlt in der Welt des Films komplett, der eine Welt zeigt, die sich fast gar nicht von unserer unterscheidet), Ehefrauen und Kleingangstern, und hier schlägt das ein wichtiges zweites Herz der Story. Nur, daß dieses «Herzstück» im Film überhaupt gar nicht auftaucht. So ist unter anderem Geschichte von Rose(mary) Almond, Frau des verstorbenen Derek Almond, und ihr von V minitiös geplanter Niedergang (insofern macht auch im Comic die Symbolik des Dominospiels mehr Sinn, im Film bleibt davon nur ein beeindruckendes Bild), komplett gestrichen, ebenso der KitKat Klub, Helen Heyer, Conrad, Gordon und all die anderen Charaktere. So macht auch der Tod von Susan/Sutler im Film keinen Sinn mehr. Im Film wird er von V hingerichtet, was völlig gegen die Figur geht… V bringt nur seine Peiniger aus Larkhill um, ansonsten niemanden. Im Comic ist Susans Tod die Folge einer langen Folge von Intrigen und Verstrickungen, bis Rose Almond ihn bei einer öffentlichen Parade erschießt. Von der komplexen Timeline des Originals ist nichts geblieben. Wie ja auch die das Buch clever durchziehende V-Symbolik im Film getilgt ist.

Dafür kriegen wir einen kitschigen Schlußmonolog des sterbenden V, der so etwas wie eine Romanze zwischen V und Evey nahelegt. Wo kommt das her? Im Comic legt Moore eine Zeit lang die Saat, daß sich hinter der Maske vielleicht Eveys Vater verbergen könnte, aber selbst das wird später entschieden demontiert… wer V ist, ist unwichtig. Aber auf keinen Fall, zu keinem Zeitpunkt werden die beiden romantisch. Wieso auch? Hier folgt der Film dem idiotischen Diktum von US-Filmen, in denen es ohne Love Story nicht geht. Politik raus, Schmalz rein.

Es wäre vielleicht besser gewesen, V for Vendetta gar nicht zu verfilmen. Und wenn schon, hätte man es eher einem Terry Gilliam überlassen sollen, eine neobarocke, sepiabraune filigrane komplexe kleine Geschichte zu erzählen, die dem ursprünglichen Comic das Wasser hätte reichen können. McTeigue macht aus der Vorlage einen platten und wirren Batman-Thriller ohne jeden Mut, inszeniert in tausendmal gesehenen Bildern. Bei jeder Kampfsequenz möchte man einschlafen, bei den Dialogszenen schreien, bei John Hurts Klischee-Ausfällen lachen. Emotionale Kraft hat allein die Evey/Valerie-Sequenz und die ist so nahe an der Vorlage, daß man sich unweigerlich fragt, wie gut dieser Film hätte sein können, wenn man einfach nur mehr bei Alan Moores ursprünglicher Geschichte geblieben wäre.

Aber so wie der Film schlußendlich geworden ist, sollte man das Geld für die Kinokarte besser in die Graphic Novel von Moore investieren.

10:06 Uhr. Kategorie Film. 2 Antworten.

Nochmal Mayersche

2006, Mayersche Buchhandlung Essen:

2003, Art Directors Club Annual New York:


honni soit qui mal y pense !

20. März 2006 13:20 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

LEBEN

13:16 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Everything Is Illuminated

Jonathan Safran Foer ist gerade Mitte 20 und hat mit seinem Erstling bereits ein Meisterwerk abgeliefert. So einfach ist das. An Komplexität kaum zu toppen, erzählt Illuminated die Geschichte von Jonathan Safran Foer, der mit einem vergilbten Photo in der Hand durch die Ukraine reist, um eine Frau namens Augustine aus dem Dorf Trachimbrod zu finden, die einst seinem Großvater Safran das Leben rettete. Begleitet wird er dabei von Alex Perchov, seinem «Übersetzer» aus Odessa, der natürlich gar kein Übersetzer ist und ein wunderbar falsches Pidgin-Englisch spricht und schreibt, Alex’ leicht geisteskranken und zu Wutattacken neigenden Großvater, der ein dunkles Geheimnis verbirgt, und dem Blindenhund Sammy Davis Junior, Junior, der allerdings kein Blindenhund ist, weil er aus einem Heim für geisteskranke Hunde kommt, was sich aber trifft, weil der Großvater zwar behauptet, er sei blind, es aber gar nicht ist – was sich auch wieder trifft, denn sonst wäre er wirklich eine denkbar schlechte Wahl als Busfahrer von Heritage Touring.

Illuminated ist erzählt in Form von Briefen von Alex an Jonathan und Alex Bericht über die Reise, gekontert von Jonathans fiktiver Historie von Trachimbrod und seiner Familie, die ihrerseits ein wilder Stil-Mix aus oft absurden Materialien und Exkursionen ist, wie etwa die Auszüge aus den Book of Dreams oder dem Book of Antecedents. Die Sache wird nicht weniger komplex dadurch, daß Alex in seinen Briefen auf Briefe von Jonathan reagiert, die wir nie sehen, und in seinem Bericht über die Reise nach Trachimbrod auch noch lügt und ausschmückt, daß sich die Balken biegen… wobei es Foer nahezu durchgehend gelingt, den Gag mit Perchovs gebrochenem Englisch weitgehend un-nervig durchzuhalten. Hier und da gibt es offensichtlich auf Gag gestrickte Stilblüten, aber größtenteils gewöhnt man sich an Alex Stil und kann dem seltsamen Englisch oft eine zusätzliche Sprachebene abgewinnen.

In der Familiengeschichte von Trachimbrod, die sich von 1791 bis 1942 streckt, webt Foer ein dichtes, poetisches Band aus Ereignissen, von denen ein Viertel schon für drei John-Irving-Bücher gerreicht hätte. Das jüdische Shtetl ist ein Ort mythischer und seltsamer Skurrilitäten, die sich zu einer wunderbaren Historie verdichten, die schließlich alle Zeitgrenzen überschreitet, so daß das aus dem Fluß Brod «geborene» gleichnamige Mädchen Brod (eine Ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-Großmutter von Safran Foer) an einer Stelle in die Zukunft schaut und ihre Nachfahren in einem Buch blättern sieht, eben dem Book of Antecedents, in dem alle noch so unwichtigen Ereignisse der Stadt festgehalten sind (auch, ganz nebenbei, daß eben in dieses Buch geschrieben wird), wo auch von Brods erster Vergewaltigung 1804 zu lesen ist, eine Stelle, die wir später im Buch dann noch einmal ganz lesen, wenn Brods Nachfahren behandelt werden, die wir aber in Brods Geschichte nahezu überspringen. So puzzleartig verlaufen weite Teile des Buches, Fragmente, die erst in der Gesamtansicht ein Bild ergeben. So wissen wir schon, wie Jonathans Großvater überlebt hat, bevor wir wissen, wie der Untergang des Dorfes an sich überhaupt vonstatten ging. Mit unglaublicher Lässigkeit, und zudem völlig unpeinlich, reiht Foer Absurdität an Absurdität, wie etwa die Geschichte von Brod und Dem Kolker, dem eine Metallsäge im Kopf steckenbleibt, die ihn zwar nicht tötet, aber zu einem cholerischen Tourette-Kandidaten macht, so daß Brod und er schließlich getrennt schlafen und nur durch ein Loch in der Holzwand verkehren und sprechen.., oder die Geschichte von Jonathan Großvater, Safran, der mit Zähnen auf die Welt kommt, deshalb nicht brustgefüttert wird, weswegen sein Arm verkümmert, weswegen er zum Entjungferer und Witwentröster von Trachimbrod wird, der mit nahezu allemn Frauen des Dorfes geschlafen hat, aber erst ganz am Schluß die wahre Liebe findet. Selbst die furchtbare Vernichtung des Dorfes durch die Nazis gewinnt bei Foer eine Skurrilität, die aber zugleich einiges über das hilflose Abwarten und Verharren des jüdischen Volkes gegenüber der faschistischen Bedrohung im 3. Reich aussagt.

Alex Teil der Geschichte ist kaum weniger komplex, wenn auch zunächst linearer angelegt. In einem grandios zerstümmelten Englisch, das witzig ist, zugleich aber durch das Spiel mit der Doppeldeutigkeit von Wortinhalten auch viel Spielraum für unerwartete Tiefe und emotionale Wucht birgt, erzählt Alex nicht nur die Geschichte seiner Reise mit dem «Helden» Jon-fer, sondern auch von seinem Traum Amerika, von seinem kleinen Bruder Little Igor, von seinem Vater und eben von seinem Großvater. Auf dieser Ebene entfaltet sich eine stille, fast indirekt erzählte Geschichte von Erwachsenwerden Und Ichfindung, die per se schon das Buch lesenswert macht.

Dieser vielschichtige, moebiusartig ineinander verwobene Mix ist, obwohl reich an Motiven, Themen, Ideen, Metaphern und Ebenen, nie wirklich unzugänglich, aufgesetzt oder schwierig. Statt dessen gelingt es Foer, seine ausufernde Geschichte leicht und humorvoll zu erzählen. Und das, obwohl er einen ungehueren Mut zum schriftstellerischen Experiment beweist, nicht nur in der dreifaltigen aber hochsynergetischen Metastruktur des Buches, sondern auch in erzählerischen Details, wie etwa am Ende der Trachimbrod-Schleife, das über eine Doppelseite fast nur aus Auslassungspunkten besteht, oder in dem wunderbar traurig-doppelbödigen Ende, das in einem zentralen Motiv des Buches «I will» endet.

Man darf dieses Buch nicht in die Hand nehmen, wenn man keine Freude an surrealem Schreiben hat, an Geschichten, die keinen tieferen Sinn haben, in denen unmögliche Dinge zur Norm werden, die hypnotisch lässig das Unmögliche Seite um Seite fast koinzidental erzählen. Man darf es nicht lesen, wenn man etwas gegen moderne schriftstellerische Spielereien hat, die weit entfernt sind von der Sparsamkeit einer Amy Hempel, sondern eine fast kindliche Freude am Spiel mit Zeitstrukturen, Erzähltechniken, Sprachmißhandlungen und vor allem… Fiktion. Foer lügt in der Lüge, die fiktionale Erzählung eines fiktionalen Foer wird gekontert von den Lügen in Lügen in Lügen von Alex, in denen sich schließlich die Lebenslügen seines Großvaters entblättern. Und so weiter. Dieses Buch ist das präzise Gegenteil von der Hemingwayschen reduzierten Sachlichkeit und Realität, die gerade literarisch oft de rigeur ist, man sollte es nur lesen, wenn man bereit ist für einen mitunter wilden Ritt durch die Möglichkeiten des Schreibens, der niemals Angst vor Peinlichkeiten hat.

Insgesamt ein hochumstrittenes, aus meiner Sicht grandioses Meisterwerk von einem Buch, sinnvoll und sinnlos zugleich, witzig und traurig, eine endlose komplexe Schleife aus halben Teilen – nahezu alles in diesem Buch ist fragmentiert, getielt, halbiert, gedrittelt–, die zueinanderstreben, ohne sich je ganz zu berühren, eine Geschichte von unerfüllten Sehnsüchten, der Suche nach Liebe und Glück, aber so hochfragil komponiert – dabei komplett unübersetzbar und unverfilmbar (beides natürlich trotzdem passiert) –, daß man das Buch, eigentlich mehrfach lesen sollte, um die Tiefe dieses Labyrinths weiter zu erforschen. Foers Nachfolger Extremely loud & incredibly close, der sich ebenfalls nach einem Juwel anhört, ist bereits bestellt, aber bisher ist Illuminated aber mal ganz definitiv mein Lieblingsbuch des Jahres.

Next: The Pugilist at Rest von Thom Jones.

07:32 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

YOU ARE BEAUTIFUL

Schönes Experiment.

via Cynical-C

19. März 2006 10:00 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

IBM MAGIC BOOK

Das MagicBook von IBM ist ein frisch mit dem if-Award-gekürter Soundrecorder, der den ganzen Tag durchläuft und dessen Aufzeichnungen mit einer sprachbasierten Suchfunktion komplett durchsuchbar sind. Eine Art komplettes – bislang nur akustisches –Tagebuch des Tages. Ich denke da impulsiv an «The Final Cut».

via Yanko

09:37 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

BYTRICO

Sehr schöne Sachen gibt es in diesem Online-Shop – obwohl man besser wohl nicht über die Versandkosten nachdenken sollte.

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09:24 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

MACBETH


Neugierig geworden durch Joachim Lottmanns Artikel über das Regietheater, haben wir uns Jürgen Goschs skandalumwitterte Fassung von Shakespeares Macbeth im Düsseldorfer Schauspielhaus angesehen. Drei Stunden Theater bei eingeschaltetem Saallicht, ohne Pause… da wird die Kunst zur Anstrengung. Auf beiden Seiten. Goschs Fassung ist stressig für das Publikum, das hochkonzentriert drei Stunden dem komplexen Text folgen und dabei in dem minimalistischen Stück auf nahezu jede visuelle Hilfestellung verzichten muß und ebenso anstrengend für die Darsteller, die bis an die Grenze dessen gehen, was Menschen auf der Bühne leisten können. Da wird gerannt, gesungen, getanzt, werden Tische geworfen und zerschlagen, wird gemordet und mit Theaterblut gespritzt, bis die Darsteller mehrfach fast darin ausrutschen, die Texte werden mal aus vollem Halse gebrüllt, mal geflüstert. Körperlicher geht es kaum.

Das Manko vorweg… die Akustik im Haus ist so mies und Johannes Schütz karger schwarzer Bühnenkasten so hallig, daß man nicht selten Probleme hat, den Text akustisch zu verstehen. Auch die Tatsache, daß die verschiedenen Rollen nahezu nicht voneinander abgrenzbar sind, da die gleichen Darsteller mehrere, oft auch ähnliche, Figuren geben und nicht durch Kostüme unterscheidbar sind, sondern durch Blut und Mehl hinterher nahezu jede individuelle Unterscheidbarkeit jenseits der reinen Physiognomie verschwindet. Es lohnt sich also eigentlich, das Buch mit in die Aufführung zu nehmen, ansonsten wird es schwer dem Stoff zu folgen, wenn man nicht sehr textsicher ist. Für mich kam irgendwie abstruserweise erschwerend hinzu, daß ich Macbeth nur im Original kenne und insofern immer etwas mit der Eindeutschung zu kämpfen hatte…

Der Düsseldorfer Macbeth gilt als Schock-Theater und als eines der Beispiele die die eher konservativen Vertreter eines Pantoffel-Theaters gern zitieren, wenn sie vom ekeligen Trend des Regietheaters sprechen. Und es stimmt: Auf der Bühne stehen hier meist nackte Menschen, die (künstliche) Fäkalien verspritzen, minutenlang (künstliche) Furzgeräusche von sich geben, sich mit (Theater-)Blut und Mehl verunstalten und Lady Macbeth ist ein Mann in schlecht sitzenden Frauenklamotten. Ehrlich gesagt: ich selbst finde das wenig schockierend. Wer hier als Publikum angewidert rausgeht, sollte vielleicht den Musikantenstadl aufsuchen, wo die Suggestion der Heilen Welt noch mehr Bestand hat. Theater ist Kunst und bei Gosch ist daran kein Zweifel.

Denn tatsächlich ist die Wahl der stilistischen Mittel von der kargen Bühne aus sieben Tischen und einer Handvoll Stühle, die im Verlauf des Stückes mehr und mehr verwüstet und vernichtet wird, bis ein Schlachtfeld überbleibt, bis hin zur Transparenz der sich vor dem Publikum an- und ausziehenden Darsteller, niemals willkürlich. Es geht um ein Stück über Gewalt und Mord, Verdorbenheit und Korruption – und das veräußerlicht die Extreminszenierung einfach. «Fair is foul and foul is fair». So simpel ist das eigentlich. Selbst die Transen-Lady Macbeth ist stilsicher, schließlich wurden zur Zeit Shakespeares die Frauen als Hosenrolle gegeben – warum dann nicht einen Mann/Mann-Zungenkuß zeigen? Was Gosch zeigt, ist das Ur-Triebhafte, das Tierische, das Abnorme am Normalen. Und das paßt fast zu gut in eine Zeit, in der Krieg und Folter wieder kommode Mittel der Politik werden. Was ihm gelingt, und das ist keine Kleinigkeit, ist einem müde, zu vertraut gewordenen Stück wie Macbeth wieder Wut und Zorn und Hitze einzuhauchen, die phantastische boshafte Glut die das Original vielleicht einmal besaß, bevor es eine Nullnummer für Anglisten wurde. Es ist ein wahnhaftes, wütendes, tobendes, in jeder Sekunde hochpotentes und viriles Stück, das mehr Shakespeare in sich hat als jedes klassisches Kostümtheater jemals bieten kann.

Der Remix des Originalstoffes reichert ihn bei aller ästhetischen Kargheit – nackte Bühne, nackte Männer, kaum Zutaten, die man nicht im Baumarkt kriegen könnte, totaler Verzicht auf Theatermittel wie Musik, Licht oder einem echten Bühnenbild – mit feinem surrealem Humor à la Monty Pythons an wenn etwa Malcolm und Macduffs Männer als Birnamswald getarnt an Macbeths Schloß heranschleichen – bei Gosch eine wunderbare Sequenz, bei der die Darsteller dürre Theaterbäume auf die Bühne schleppen und einige Minuten lang nackt dahinterstehen und Tiergeräusche machen, um dann die Bäume wieder in den Backstageraum zu schleppen. Großartig. Auch, daß die stets auf tragisch angelegte Lady Macbeth zur tuntigtrunkenen Parodie vergeigt wird, zeigt die Selbstironie der Truppe um Jürgen Gosch. Permanent hinterfragt und demontiert Gosch jeden Anflug von allzuviel Ernsthaftigkeit, durch irritierende Pausen, durch absurde Einlagen, durch die über allem schwebende Transparenz der Darstellung, bei der die Actors auf Stühlen auf ihren nächsten Einsatz warten der sich umziehen. Etwas Mehl reicht für einen Geist, eine Pappkrone für einen König. Goschs Macbeth kannst du überall spielen, der braucht keine Bühne, der braucht nur Darsteller, die bis an den Rande ihrer Möglichkeiten zu gehen bereit sind. Wie Ernst Stötzner, den ich ja sowieso mag und der hier beweist, daß sich hinter der üblichen coolen Schnodderigkeit eben eine innere Wut und Kraft versteckt, die ihn als großen Darsteller kennzeichnet. Die Bühnenpräsenz von Stötzner ist einfach unwirklich. Aber auch die anderen Darsteller – Abendroth, Dannemann, Kampwirth, Mendroch Striesow und Wittmann – haben sichtlichen Spaß an der wütenden und anstrengenden Orgie, an der sie teilnehmen. Die stehen unschuldig schuldig in der Placenta des Bühnenbild, sieben Männer im Blut, Überlebende einer selbst angezettetelten Katastrophe.
Und anstrengend ist es, denn bei allem Humor ist da auf der anderen Seite die Gewalt. Macduffs Sohn stirbt in einer an Hitchcocks Torn Curtain erinnernden minutenlangen Gewaltszene, bleibt lange tot auf der Bühne liegen (um dann in einem grandiosen Moment epischen Theaters einfach aufzustehen und von der Bühne zu stiefeln). Der finale Kampf zwischen Macbeth und Macduff ist eine choreographiert wirkende Blutorgie, die an Polanskis Filmfassung erinnert. Das dabei ganz offen nicht wirklich mit den Theaterdolchen, sondern mit Flaschen voller Theaterblut gekämpft wird, das jede Suggestion von «Realität» ausgeschaltet bleibt, schafft die grandiose Doppelbödigkeit der Inszenierung, die eben gar nicht provozieren will und muß, sondern das Stück als kraftvolle Gewalt-Volte wieder restauriert und zugleich das Theater mit seinen eigenen Mitteln bloßstellt und so zu Metatheater wird.

Und das versteht vielleicht nicht jeder. Obwohl die Premiere ja nun schon einige Zeit her ist und sich ja doch herumgesprochen haben müßte das hier kein Kuscheltheater (Hallo Stefan Bachmann…) gegeben wird, marschieren immer noch Leute aus der Vorstellung. So viele, daß man sich fast fragt, ob es zur Vorführung gehört. Am Ende spaltet sich das Publikum fast symbolisch auf in den Teil der spontan langanhaltende standing ovations gibt (was ja schon bei Premieren keine Selbstverständlichkeit ist, viel weniger bei einer normalen Aufführung) und die nur als Ensemble sich verbeugenden Darsteller mit Hurrarufen immer wieder auf die Bühne zwingt und in den anderen Part, der kaum schnell genug das Haus verlassen kann und noch während des ersten Applauses schnell flüchtet.

Wer hätte das gedacht? Jürgen Gosch, der insgesamt zweimal beim Berliner Theatertreffen 2006 vertreten sein wird, ist es gelungen, mit Macbeth ein Theaterstück zu machen, daß oberflächlich nahezu alle Klischees miesen Pippikacka-Regietheaters der 60/70er erfüllt, ohne dabei je schlecht zu sein, ein Stück zu schaffen, daß wie auf Viagra gedopt daherkommt, wie ein bekokster Stier durch die Tür des Stadttheaters rammt und heißen Dampf schnaubt. Ein Stück, das fordernd ist, das spaltet.

Ein sauberes Stück Kunst, mit anderen Worten.

18. März 2006 15:26 Uhr. Kategorie Live. Eine Antwort.

CAPOTE

Warum verlieben sich Frauen in Gefängnisinsassen? Warum schreiben Sie Liebesbriefe an Jungs, die in der Death Row sitzen und auf ihre Hinrichtung warten?

Wie trennt sich ein Autor von seinem Thema, von seinem Subjekt? Wie weit bist du bereit zu gehen, um an deinen Stoff zu gehen? Wo ist die Grenze?

Während Brokeback Mountain als die gay love story schlechthin gepriesen wird, erzählt Capote eine viel filigranere und komplexere Liebesgeschichte, die zwar nicht so metaphorisch aufgeladen ist und den amerikanischen Alltag so pointiert portraitiert wie Ang Lees modernes Cowboydrama, dafür aber eine Hauptfigur zeigt, die schauspielerisch ähnlich dicht angelegt wie Heath Ledger, aber extrovertierter, lauter, innerlich noch zerrissener wirkt.

Philip Seymor Hoffmans Darstellung von Truman Capote wirkt fast noch exaltierter als der reale Schriftsteller, maniriert, schnell, sobistisch, arrogant, manisch, egozentrisch, tuckig. Und, so empfand ich es zumindest, er wird während des Films nicht wirklich sympathisch. Hoffman gelingt das Kunststück, eine Figur zu erschaffen, die uns nahe geht und die wir in ihrer ganzen Vielschichtigkeit umarmen, wo aber am Ende des Films eine grandiose Ambivalenz bleibt, weil Capote im Grunde zwei Männer zum Sterben verurteilt, um den richtigen Schlußpunkt für das wichtigste Buch seiner Karriere zu haben. Es ist phantastisch zuzusehen, wie Capote von dem New Yorker Intelligentsia-Snob zum weinenden, verliebten Kindmann zum berechnenden, die reale Welt komplett ausblendenden, ruhmversessenen Künstler wird. Diese seltsame fragile Balance schafft eine durchweg realistische Figur, die in ihrer Gebrochenheit entgegen gängigen Filmklischees nicht «geheilt» wird. Capote ist so kaltblütig und so heißblütig wie die beiden Killer Perry Smith und Dick Hickock und in dieser Seelenverwandtschaft ist es nur logisch, daß er sich in Perry vom ersten Moment an verliebt. Von hier beginnt ein seltsamer Tanz der beiden ums Schafott, in dem die Rollen von Mißbrauchendem und Mißbrauchtem stetig wechseln, in dem mal Perry um Truman balzt, um sein Leben zu retten, mal Capote um den Mörder, um an dessen Story zu kommen. Es ist ein seltsamer sexueller Akt hinter Gittern, ein langer, gegenseitiger Flirt und kaum ist der «Coitus» vollzogen – indem Perry die Geschichte seiner Tat erzählt – verliert Capote das Interesse an dem Killer, verschwindet, flieht, ignoriert die Hilfegesuche von Smith und Hickock, um bei deren gruseliger Hinrichtung in der Gefängnisscheune zu beteuern, daß er getan habe, was er konnte. Und wir wissen – wie Capotes Freundin Harper Lee –, daß er nichts getan hat, nichts tun wollte, seine Liebe für sein Buch, seine Arbeit, seine Kunst, geopfert hat. Die finale Szene im Gefängnis («Es gibt nur eine Sache, die du mir geben kannst…») zeigt eine Härte an Capote, eine Entschiedenheit, die auch seine Tränen im Vorfeld der Hinrichtung nicht auslöscht.

Capote ist ein Film mit etwas enttäuschendem Setbau aber extrem überzeugenden Darstellern bis in die Nebenrollen, mit wunderbar glaubwürdigen 60er-Jahre-Gesichtern, auch bei Lesungen und auf Parties, mit einer wunderbaren weichen, offenblendigen Kameraarbeit, die beim Party-Capote wunderbar mittlere Distanz wahrt und ganz intim im Zwiegespräch zwischen Autor und Killer wird, fast voyeuristisch, mit grandioser Softness. Clifton Collins Jr, der den Perry Smith gibt, übertrifft den grandios exaltierten Hofmann an Intensität in manchen Szenen, wenn er den kargen, (pseudo)intellektuellen, hintertriebenen, verletzlichen, komplexen, zarten und absolut brutalen Mann gibt, der feine Bleistiftzeichnungen macht und eben schnell vier Menschen für ein paar Dollar umbringt.

Capote ist ein sensibles Kammerspiel, so vielschichtig und fragmentarisch und schwierig wie die Titelfigur, ein Film ohne Antworten.

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Danach haben wir übrigens im Bochumer Lounge ein Pärchen beim Balzen erleben dürfen, das perfekte Kontrastprogramm. Der Junge mit Pulli überm karierten Hemd, das Mädchen gelangweilt. Was bei Sprüchen wie «Warum haben Männer keine Cellulite – Weil’s Scheiße aussieht» und «Was macht eine Frau im Raumschiff – Putzen» absolut verständlich ist. Die ganze wunderbare groteske peinliche Palette vorsichtiger/weniger vorsichtiger, aber immer daneben liegender Anmachversuchen – das echte Leben ist komischer und tragischer als jeder Film.

16. März 2006 13:39 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

Notruf

15. März 2006 13:10 Uhr. Kategorie Stuff. 4 Antworten.

Sleep

There are two kinds of people: those who like to sleep next to the wall,
and those who like to sleep next to people who push them off the bed.
Etgar Keret


via Jonathan Carroll

14. März 2006 09:05 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.

The Widow

There were those who suspected that he was not pinned under his wagon but swept out to sea, with the secrets of his life forever inside him, like a love note in a bottle, to be found one morning by an unsuspecting couple on a romantic beach stroll. It’s possible that he, or some part of him, washed up on the sands of the Black sea, or in Rio, or that he made it all the way to Ellis Island.

Or perhaps a widow found him and took him in, bought him an easy chair, changed his sweater every morning, shaved his face until the hair stopped growing, took him faithfully to bed with her every night, whispered sweet nothings into what was left of his ear, laughed with him over black coffee, cried with him over yellowing pictures, talked greenly about having kids of her own, began to miss him before she became sick, left him everything in her will, thought of only him as she died, always knew he was a fiction but believed in him anyway.

Everything is Illuminated, Jonathan Safran Foer, p 15

08:57 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Theater Bielefeld: Homo Faber

Ich muß zugeben, daß Max Frischs Homo Faber nicht zu meinen Lieblingsbüchern zählt. Frisch zwingt eine unglaubwürdige, auf die pure Cipher reduzierte Figur durch den Plot einer griechischen Tragödie, bei der man permanent die Hände des Autoren in der Handlung sieht, weil sich Unwahrscheinlichkeit auf Unwahrscheinlichkeit türmt, was Faber zwar ironisch kommentiert, was aber nie wirklich zu einem glaubhaften, sich selbst entwickelnden ehrlichen Plot gerinnt. Mag sein, daß Frischs latent frauenfeindlicher globaler Selbstfindungs-Road-Movie zur Zeit seiner Entstehung wichtig war, und rein handwerklich ist er schon sauber, aber das Buch per se hat mich nie berührt. Frisch erzählt eine in einer Art intellektueller Fingerübung eine eher verschwurbelte Moralfabel, keine echte Geschichte. Carver packt mehr Emotionalität in vier Zeilen Text. Mich hat Faber stets gelangweilt. Ebenso Schlöndorffs Film mit Sam Sheppard, der bleiern versucht einen Plot zu entwickeln wo niemals einer war.

Kriegt man aus diesem Stoff also ein Theaterstück? Die Gefahr ist groß, die Geschichte nachzuerzählen und grau und monochrom zu sein wie das Buch, drucklos wie der Film. Ich hätte es mir als Fosse-esques Minimaldrama vorstellen können, klar, technoid, ambient… aber Christian Schlüter und Claudia Lowin gehen genau den umgekehrten Weg. Sie nutzen die offenen Struktur des Bielefelder Theaterlabors, um eine Art Gangway ins Publikum zu bauen, die Bühne als abstraktes Amphiteater gedacht, in dem sich Fabers Leben abspielt. Das Bühnenbild von Anke Groth skizziert die Orte der Handlung mit minimalen, fast verspielten Handgriffen, die im sandkastenbeigen Bühnendekor eher die Phantasie anregen als wirklichen Backdrop zu liefern, den Rest erledigen rasante Kostümwechsel und die Schauspieler. Und die sind traumhaft gecastet. Stefan Imholz gibt Faber im Clark-Kent-Look als nervösen, getriebenen Verneiner, Leistungsmensch, mit der Intensität eines Psychopathen, während sein Alter Ego Stefan Gohlke lässig wie ein Playboy («Move on, Baby»), mit der Nonchalance eines Harald Schmidt über die Bühne tänzelt, die rechte Hirnhälfte zu Imholz’ rationalem Irrsinn. Beide teilen sich den immensen Text des Stückes auf, zerlegt, rekonstruiert, trotz des immensen Wustes nie monologisierend. Ines Buchmann als Hannah ist die perfekte Besetzung für den spröden intellektuellen Sexappeal der älteren Frau, Gastdarstellerin Katharina Uhland begeistert als Sabeth wunderbar naiv-verspielt-lkebensfroh das Publikum und ich glaube, Christina Huckle (die mir schon bei Kalka als Extrem-Darstellerin aufgefallen ist) ist so überzeugend, daß sich am Ende ein paar Leute im Publikum wahrscheinlich seriös fragen werden, ob die Frau nicht doch Amerikanerin ist, zumal eine simple Monroe-Mietzi-Perücke sie fast bis zur unkenntlich verkleidet. Die drei Frauen klauen den Fabers die Worte, die Show, ob als griechischer Chor der Stewardessen oder in den Hauptrollen der drei Frauen in Fabers Leben, kontern mit Sexyness und Witz Walter Fabers morose Nabelschau, drei völlig unterschiedliche permanente Verführungen in der sterilen Intellektualität des modernen Menschen Faber.

Steril und technoid ist die Vorführung – absurd passend – überhaupt nicht. Mit musicalartigem Tempo und boulevardeskem Witz mutieren Lowin und Schlüter den drögen Schulstoff zu einer schnellen und humorvollen Farce. Claudia war etwas beleidigt, als ich ihr sagte, das Stück dürfte bei den Abiklassen, die sich hoffentlich en masse in das Theaterlabor drängeln werden, gut ankommen. Aber ich glaube tatsächlich, daß es ein Lichtblick für die Schüler ist, zu sehen, was man aus dem Stoff herauszaubern kann, wie smart und sexy und lässig Frisch gemacht werden kann. Ähnlich wie bereits in der Bielefelder Elektra-Version, die aus dem staubiggriechischem Killer-Brüderpaar eine Art vorzeitlicher Matrix-Terroristen macht, gelingt bei Homo Faber ein solider Refresh alten Materials, der für die ja nicht allzu theateraffine Zielgruppe 16-20 ein Augenöffner sein dürfte.

Aber bei alle dem, bei all dem Boulevard und Humor, dem Speed und der greifbaren Lust am Improv, wird das Stück niemals flach oder dumm. Das Großartige am Theater ist ja der Prozeß der Aufladung. Jeder der Beteiligen am Stück, Dramaturgie, Bühnenbild, Regie, Darsteller, Licht und Ton, selbst wir Designer, bringt ja seine eigene Kreativität in die Sache ein, seine eigenen Ideen – und so wird ein Theaterstück meist mehr als ein Film, wo eine klare single vision vorherrscht, wie eine SHort Story aufgeladen mit Ideen, winzigen Details die jeder der Beteiligten in seinem Bereich erkämpft, einschmuggelt, erfindet. Everything counts. Die wahre Natur des Theaters, der wahre Reichtum, ist diese immense Aufladung an hermeneutischen Partikeln, an Ideenfragmenten, die wie Knochensplitter durch ein gutes Stück flirren.

Und genau solche Fragmente laden auch dieses Stück auf, wie etwa Anke Groth Leuchtschild mit «La Vida» auf der Bühne, wie die seltsame Selbst-Vorstellung von Sabeth, die Ping-Pong-Bälle, die vielen feinen Timeslices und Loops in den Texten und der Performance, die Dekonstruktion der Textlogik auf der Bühne, die kleinen Pausen und improvisiert wirkenden Einlagen, die das Stück zugleich unterminieren und bereichern, ad hoc neue Erzählformen schaffen. Und last not least natürlich gute Dramaturgie gemischt mit superben Darstellern, die es schaffen, den schnellen Humor auf der Bühne als Fallhöhe für Dramatik zu nutzen, rasant – wie etwa nach dem Tod von Sabeth – ins Gegenteil zu fallen, Zeit nicht zu be- sondern zu entschleunigen, gefroren-wortlose Posen für sich sprechen zu lassen, Trauer und Schock faßbar machen… um sofort wieder umzuswitchen – life is just a cabaret – und weiterzumachen. Diese Balance ist es, die das Stück in jeder Sekunde vor dem Kippen ins Oberflächliche rettet, bei allem Spaß am Spiel immer ein Türauftürzu-Theater vermeidet. Am überzeugensten gelingt dies, wenn am Ende des Stückes der Kreis geschlossen wird, das Licht langsam erlischt und Fabers letzte Worte von Band kommen, düster, einsam, berührend.

So schaffen Schlüter und Lowin hier, was oft nur in getrennten Stücken gelingt: Sie unterhalten hervorragend und berühren/stimulieren zugleich auf hohem Niveau. Bei vielen Stadttheater gibt es einen Riß zwischen den eher anspruchsvollen mutigen Stücken und dem Entertainment fürs zahlende Publikum – in Bochum empfand ich das oft so, hier gab es Stück bar jeden Tiefgangs und andererseits immer wieder Aufführungen, die noch stundenlang in dir nachhallten. Der Bielefelder Homo Faber ist so aufgeladen, so hyperelektrisiert mit den verschiedensten Spannungsmomenten, daß er beides zugleich liefert. Er ist verführerisch, klug, witzig, schnell, und immer wieder schlägt er dir mit einer dunklen emotionalen Ernsthaftigkeit in den Magen, die überraschend und daher wirksam bleibt.

Also: ansehen, solange es noch geht.

Photo von Philipp Ottendörfer.

12. März 2006 12:58 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

Electromagnets

Why are the painful things always Electromagnets?

Jonathan Safran Foer, Everything is Illuminated, p 104

11:13 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

BROKEBACK MOUNTAIN

Nach dem hoch enttäuschenden Hulk kehrt Ang Lee, Director von Eissturm und Tiger And Dragon, wieder mit einem kleineren Film in die Kinos zurück und beweist, daß er mit großen grünen Monstern zwar Probleme haben mag, die Darstellung kleiner realer Dramen aber phantastisch im Griff hat. Brokeback Mountain beweist von der ersten Sekunde an jene erzählerische Zurückhaltung und innere Ruhe, die man von Eissturm her kennt. Wann immer wie uns in der «Realität» der Vereinigten Staaten der zwei Dekaden nach 1963 befinden, ist die Kamera ruhig, die Dialoge sparsam, die Farben staubig und das Leben häufig eher abstoßend, ohne jede Aura. Autos und Häuser, Geschäfte und Kleidung, Dialoge und Beziehungen sprechen von einer materiellen aber auch spirituellen Verarmung der Vereinigten Staaten und selbst die mittelständische Prosperität, die uns später im Haushalt von Jacks Ehefrau Lureen entgegenkommt, wirkt eher zu grell, zu störend-aufgesetzt, insgesamt eher abstoßend, unfreiwillig albern, unecht. Schönheit und Innerlichkeit präsentiert der Film schon rein bildästhetisch ausschließlich in der Welt der Prärie und der Berge, wenn die beiden Männer auf dem namengebendem Brokeback Mountain und später mit ihren «Angel-Trips» der Realität entfliehen. In diesen Momenten kann man Lee vielleicht vorwerfen, ein wenig zu sehr in Richtung des visuellen Marlboro-Klischees zu kippen, aber warum sollte ein Neowestern das in der Werbung eingekapselte Gefühl von maskuliner Freiheit nicht feiern dürfen (zumal aus asiatischer, insofern unbefangenerer, Sicht)? Die Bilder gehören ja nicht der Marlboro-Werbung, sondern sind nur entliehen. Lee erkämpft sie dem ursprünglichen Filmgenre zurück. Und meist gelingt das auch – von City Slickers ist hier nicht viel zu spüren. Eher von Arthur Millers Misfits.

Jack Twist und Ennis Del Mar, großspuriger Rodeoreiter in spe und wortkarger Rancher, verbringen auf dem Brokeback-Mountain, wo sie einen Trek Schafe hüten, mehrere Tage allein zu Zweit. Eines Nachts passiert das zwischen zwei taffen Roughnecks ebenso undenkbare wie vielleicht unvermeidbare und die beiden schlafen zusammen. Nach dem ersten Schock und der Versicherung, daß man absolut nicht schwul sei, verlieben sich die beiden ineinander. Was nicht die beste Idee in den Südstaaten ist, zumal nicht in den frühen Sechzigern. Die nächsten zwei Dekaden sind insofern eine Geschichte der Verneinung und des Versteckens, nachdem die beiden sich nach ihrem Abenteuer auf dem Brokeback Mountain trennen. Jack Twist heiratet eine reiche texanische Rodeo-Queen, Ennis Delmar die Kleinstadt-Verliererin Alma. Beide bekommen Kinder, beide leben in einer für sie bedeutungslosen Ehe, Jack wird reich, Ennis bleibt arm, beide sind unerfüllt. Bis Ennis eines Tages eine Postkarte von Jack Twist erhält und die beiden regelmäßige Treffen haben, in denen sie sich geheime Auszeiten von ihrer jeweiligen Realität nehmen. Lees Film verfolgt das Königskinder-Paar über zwei Jahrzehnte, durch Träume, durch stumme Verzweiflung, durch Tod und Abschied. Ennis Del Mar wird in dieser Zeit – unglaublich beeindruckend gegeben von Heath Ledger, den ich sonst eher als Schönling in Erinnerung hätte – zu einem ledrigen einsamen alten Mann, bitter und traumlos, Opfer einer Liebe ohne Chance und seiner eigenen Ängste.

Obwohl Ang Lee viele sentimental-grandiose Bilder bietet (Wim-Wenders-artige amerikanische Landschaften), sind die stilleren Momente, die detaillierten Betrachtungen, das wirkliche Fleisch des Films. Ledger am Ende in seinem Wohnwagen, wie er fast stolz seinen Briefkasten begutachtet, wie er im Staub zuschaut, als seine 19jjährige Tochter davonfährt. Wie er sein eigenes Hemd, das Jack ihn auf dem Brokeback gestohlen hatte umarmt. Sein letztes «Jack, ich schwöre». Alma bei der Arbeit im Supermarkt. Lureens Modeticks. Das Haus von Jacks Eltern und Jacks Mutter. Der junge Ennis, der ein Holzpferd schnitzt. In winzigen Details fängt Lee so die Essenz seiner Figuren ein und verleiht selbst Nebenrollen wie Alma eine Tiefe und dichte Glaubwürdigkeit. Der ruhige Score bringt die Melancholie der Bilder auf den Punkt, der nahezu hypnotisch ruhige Filmschnitt verleiht dem Film genau den ruhigen Blues-Takt, den er braucht, indem die Kamera immer einen Hauch zu lang auf ihren Bildern zu verweilen scheint und dadurch intim, penetrant wird. Lee bringt das Gefühl der modernen amerikanischen Kurzprosa auf den Punkt, baut zum Beispiel die seit Hemingway beliebte Verknüpfung interner psychologischer Vorgänge mit exogenen Geschehnissen in der Natur ein. So zeigt er uns die Schuldgefühle und Unsicherheit von Ennis Del Mar nach seiner ersten Liebesnacht, indem er den Cowboy eines der Schafe, das er behüten sollte, am nächsten morgen gerissen und ausgeweidet auf der Weide findet – Natur wird immer und immer wieder zur Metapher seelischer Zustände, ob direkt oder ironisch (wie etwa auch beim Feuerwerk). Sparsam und skizzierend, ohne prefabrizierte Klischees, erzählt Lee so eine vielschichtige unsichere und doppelbödige Liebesgeschichte, eine dieser Storys, die nur alle paar Jahre mal den Weg ins Kino finden. Einen Film wie Lost in Translation, der reif und dicht und multitimbral ist und den man noch in Jahren wird sehen können, ohne sich zu langweilen.

Brokeback Mountain ist insofern zwar als Schwulen-Western gehyped worden, aus meiner Sicht aber eher eine einfache klassische tragische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der alltäglichen Melancholie des amerikanischen Südens, ein Film, der ein ganz anderes Amerika präsentiert als wir es von dem immergleichen New York oder Los Angeles anderer Movies kennen, ein staubiges, sinnloses, sehr russisch anmutendes Land ohne große Hoffnungen. Das wirklich beeindruckende an dieser Liebesgeschichte ist, das sie auf Sentimentalitäten verzichtet. Es gibt kein Happy-End. Es gibt keinen Kitsch. Es gibt nur Lügen und gebrochene Seelen und Trauer und Sehnsucht und das blinde, stumpfe Weitermachen.

11. März 2006 10:53 Uhr. Kategorie Film. Eine Antwort.

KISSENSCHLACHT

Und für alle, die keine langen Texte mögen, something completely different.

9. März 2006 09:38 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Theaterstadel

Apropos Theater: Im Spiegel dieser Woche schreibt der 1956 geborene Autor Joachim Lottmann über den Niedergang von «250 Jahren deutscher Theatergeschichte». Angestoßen durch den an sich doch eher harmlosen Skandal um den FAZ-Chefkritiker Stadelmaier, besucht Lottmann mehrere Theater – Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Bochum – und ergießt sich in Ekel und Abscheu gegenüber dem modernen Regietheater, das seiner Meinung nach gegen die klassischen Stücke geht, Goethe und Horváth entstellt werden. Erst in Elmar Goerdens Schauspielhaus Bochum geht sein Herz auf, wird doch Oscar Wilde – der nun auch nicht nach Dekonstruktion schreit – mit Vorhang, in klassischen Kostümen und textgetreu gegeben. (Das auch in Bochum hier und da mal ein Klassiker demontiert wird, blibt dabei unerwähnt).

Nun hab ich selbst schon der Bochumer Dramaturgie – noch unter Hartmann – ab und zu mal wieder am Telefon vorgeschlagen, daß es lustig wäre, ein Stück einfach 1:1 ganz klassisch zu spielen, ohne große Re-Interpretation, einfach nur makellos umgesetzt. Das kann nämlich auch ganz schön sein. Aber eben als Kontrast, nicht als Formel für das moderne Theater. Würde man diese Form der Darstellung zum Standard erheben, so würden sich Aufführungen in den verschiedenen Häusern bald nur noch in der Farbe der Kostüme oder der (ja auch eher subjektiven) Darstellerqualität unterscheiden.

Der reaktionäre Wunsch zurück zu einem prä-Brechtschen Theaterbegriff paßt natürlich in die Zeit und so ist es vielleicht kein Wunder, daß die politisch ohnehin eher konservative FAZ mit ihrem Feuilleton zum Stoßhorn einer Rückwärtsbewegung mutiert. In härteren Zeiten, determiniert von großen Koalitionen oder – in NRW – einer brandneuen CDU-Landesregierung, mußte ja fast die Debatte losgetreten werden, ob der Staat «so ein» Theater finanzieren will. Lottmann führt Jürgen Goschs Düsseldorfer Macbeth an, in dem entblösste Darsteller auf der Bühne pissen und scheißen… Lottmann erzählt wie ein Trek von Alten und Gebrechlichen schockiert das Theater verläßt. Achtung, Symbolik. Und das soll der Staat auch noch finanzieren, ist die Frage, die dahintersteht. Es ist die Frage nach der Subvention von Kunst, die da hervorblitzt. Eine Frage, die die Zensur bereits in sich trägt. Eine Frage, die so erschreckend gut in die Zeit paßt, daß ich hoffe, die Theater stellen sich ohne einzuknicken gegen sie.

Denn Regietheater ist schon korrekt. Ich mag es auch nicht immer, aber es ist die einzige Chance, Theater als wirkliche Kunstform weiterzuführen, nicht als Käseglocke antiker Stoffe. Ein modernes Theater muß einen Dreiklang bilden dürfen aus werkgetreuen alten Stoffen, de/rekonstruierten Stücken (oder Bühnenadaptionen von Romanvorlagen) und vor natürlich allem neuem aktuellen Material. Neue Stoffe, sind meiner Meinung nach die wichtigste Säule, aber eine wichtige Brücke zwischen Aktualität und Publikum ist schon, ein altes Stück für die heutige Zeit neu zu interpretieren. Und yeah, es kann dann anstrengend sein, wenn man als Zuschauer das Original gar nicht so sehr kennt und dann den Remix sieht und kaum versteht. Ist mir auch schon passiert. Und siehe da… meist habe ich das Stück danach gelesen und damit hatte es sich. Der Remix aus Sampling-Fragmenten alter Werke und neuer Elemente macht im Idealfall neugierig auf Original.

Ich glaube nicht, daß ein guter Dramaturg oder ein guter Regisseur, und mehr und mehr Leute in diesen Kategorien sind um oder unter 30, sich nur als unsichtbarer Mittelsmann verstehen kann, der stillschweigend den Goethe in Perücke und Periodenkostüm auf die Bretter stellen mag. Das wäre doch auch Dorftheater-Niveau. Wer Shakespeare so sehen will, fährt zur Laienspielschar in einer Kleinstadt. Und fertig. Sprechautomaten und Puderfrisuren.

Man kann sicher darüber reden, daß es gute und durchaus auch sehr schlechte Aufführungen im Regietheater gibt. Sowas solls ja geben. Ein Stück zur Fäkalshow umzumontieren und nur schocken zu wollen, greift im Zweifelsfall eben einfach zu kurz. Ist zwar irgendwie schon pubertär-geil, aber: been there done that. Ehrlich, ich habe aber bisher noch nie ein Stück auf dem Niveau selbst gesehen. Was ich an Remix gesehen hab, hat meist clever einen alten Stoff aufgefrischt, abgestaubt und belebt, um ihn so lebendig zu halten. Dabei gibt es ganz klar auch mal Fehlgriffe… aber das ist ja das Gute. Ein Stück werkgetreu zu spielen vermeidet eben diese Fallhöhe, den Mut, auch mal ins Klo zu greifen und greifen zu dürfen. Und genau diese Fallhöhe macht Theater eben vom Handwerk zur Kunst. Stücke 1:1 auf die Bühne zu wuchten, ist Handwerk. Schön für die Schauspieler, schön für die Schneiderei, aber in der Gesamtform eine Käseglocke, keine lebendige, atmende, relevante Kunstform. Die Lust an der Neuerfindung, am Übermalen alter Schinken… das ist die Kunst für unsere Zeit. Theater muß ins 21. Jahrhundert passen, nicht ins 18.
Was Reaktionäre wie Lottmann also wollen, ist Soap. Berechenbarkeit. Vorhersehbarkeit. Verliebt in Berlin statt Documenta. Die Kritik offenbart hier ihre eigene Mutlosigkeit, ihre Angst, ein Stück nicht so zu sehen, wie man es ja eigentlich schon kennt. Sie will einen Video sehen, eine Reprise, nichts neues. Ist vielleicht ein Alterssymptom. Das moderne Theater ist ein junges, die Zuschauer und die Kritik aber sind oft überaltert. Das hat auch viel damit zu tun, daß die Theater sich nicht absolut trauen, ein junges Publikum zwischen 20 und 30 zu erobern, sondern oft zu vorsichtig an den bestehenden Zielgruppen klammern. Mehr ein Problem der Außenkommunikation (und damit der Budgets, die an allen Häusern viel zu wenig ins Marketing fließen) als dessen, was tatsächlich auf den Bühnen gespielt wird.

Nein, die Zukunft des Theaters liegt nicht darin, eine Art Animatronic zu sein, in der das Bürgertum Kostümschinken genießen kann und sich entspannt. Entspannung ist nicht die reine Mission von Theater. Ein urbanes Theater sollte sicher Inhalte haben, die einfach unterhalten und dem Publikum Spaß machen (wobei man auch in solche Stoffe Akzente einbringen kann, die eben über reines Entertainment hinausragen) und es sollte sich den Luxus leisten, ein Ort der Selbstbespiegelung, der Kritik, der Irritation, des Mutes, der Kunst zu sein. Die gibts selten genung und genau dafür ist die Subvention ja da. Und auch solche konfrontativen Stoffe können ja durchaus umgekehrt auch Entertainment-Elemente enthalten. Fast keinurbanes Theater, das heute nicht in den Stücken selbst aber sowieso zwischen den Stücen wie ein Supermarkt die Bandbreite möglicher Ansprachen und Mittel mischt. Wie das Buch kommt das Theater von oben, als kluge Unterhaltung, die dem Publikum die Hand reicht und sie nach oben ziehen möchte, anregen und beleben… nicht berieseln und betäuben.

Was Lottmann als Kritiker fordert, ist Narkose. Was wir uns als Publikum wünschen sollten, ist Adrenalin.

06:58 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

Schauspiel Essen: 8 Frauen

Schon das Bühnenbild von Wolf Gutjahr macht bei dieser Aufführung im Essener Grillo-Theater klar, worum es geht: Eitelkeit, Reflektion, Enthüllung, Entblätterung, Erleuchtung. Die zunächst sieben der Acht Frauen stehen in einem Spiegelkabinett, inmitten von Blumen-Barhockern, zentrales Element der Bühne ist eine gigantische Doppelhelix-förmige Treppe, die von einer Aureole gleissender Neonlichter umringt ist. Und wo der Film von Francois Ozon eher eine kammerspielartige Szene französischer Gutbürgerlichkeit suggeriert, setzen Dramaturg Thomas Laue und ebenfalls aus dem schauspielhannover kommende Regisseur Elias Perrig auf die spielerische Parodie der Publikumserwartungen an ein leichtes Musical. Zwar bleibt das Stück am Stoff und bietet dem – bei einem aus dem Kino bekannten Stück immer zu erwartetenden – bürgerlichen Publikum einen klaren Wiedererkennungswert, also keine aggressive Dekonstruktion, und auch mehr als genug Boulevardelemente für Komik und Leichtigkeit, aber die Freude an surrealen Momenten ist – je weiter das Stück fortschreitet zunehmend – greifbar, mit eskalierender Absurdität des Mordfalls weicht eben auch die Plausibilität der Bühnenaufführung als solche rasant auf. Da taucht ein kostümierter Weihnachtsmann aus dem Schnee auf der Bühne auf, Degen werden aus dem Bühnenboden zum Duell gereicht, halbnackte Frauen prügeln sich und Sabine Orléans brilliert schließlich in einer furios überdrehten Tour de Force, in der sie ihre Mitspielerinen, darunter Jutta Wachowiak als ihre Mutter, völlig überdreht bedroht und anbrüllt. Tänzerisch und mit einiger Freude werden so gängige klassische und moderne Theaterklischees als dramaturgische Elemente Auch die Motivik des Entblößens wird bis deutlich an die Grenze der Persiflage getrieben, die Frauen ziehen sich nahezu permanent aus oder um und werden ihrer falschen Haare, ihrer Unterwäsche oder ihrer Mäntel beraubt. Die gesellschaftliche Camouflage der Frau wird so schrill hyperthematisiert, der Subtext des Stückes zum Metatext, der Boulevard mit seinen eigenen Mitteln besiegt.

Im Grunde funktioniert das wie die ja durchaus hochberechenbare Humorformel eines Harald Schmidt, der einerseits die Massen bedient, andererseits auf einer Art anderer Frequenzebene versucht, das Feuilletonpublikum zu erreichen. Diese Art von verschwommener Doppelbödigkeit nutzend, liefern Laue und Perrig publikumswirksamen Neoboulevard, der zugleich seine Kinder frißt. Und es macht Spaß, ihm beim Kauen zuzusehen. Die acht Darstellerinnen lassen sich auf den hypertonischen Komödienstadl ein und overacten, was das Zeug hält, scheißen aufs Understatement, schreien, heulen, kratzen, hauen, flirten, manchmal so aufdringlich, daß man zusammenzuckt. Und hofft, hofft, hoft, daß das alles mal so gewollt ist, als Dorftheater im Hyperdrive eben, Pop eating itself. Und insofern mal gar nicht so schlecht ist.

Aber ein Ding noch: Die Abendprogramme des Essener Theaters sind wirklich unbefriedigend. Ich mag Markus Rindermanns Auftritt für das Haus ja wirklich, diese Getränkemarkttypo und all das, aber die Abendprogramme sind mal gar nicht schön. Stumpfe Probenphotos und stumpfe Texte, das ist mir zu wenig eigenes Statement für ein schönes Theater. Das kann jeder. Das sagt nüscht. Das ist, als würde man ein Bühnenbild beim Ikea kaufen. Ich bin selten von meiner eigenen Arbeit begeistert, im Gegenteil, aber angesichts dieses Abendprogramms war ich dann doch einen Moment sehr zufrieden mit dem, was wir meist gemeinsam mit dem Bielefelder Theater hinlegen. Die Dramaturgen erlauben uns eine eigene Note, eine tatsächliche Ergänzung ihrer Stoffe und Ideen, die Programmhefte sind – wie ein Musikvideo oder ein gutes Bühnenbild – eine eigene Leistung zwischen Designer und Dramaturg und insofern eine Bereicherung des «Gesamterlebnisses Theater», nicht eine herzlose Begleitbroschüre, sondern eine Memorabilia, ein Geschenk, ein Sammelobjekt, eine Herausforderung. Und so sollte es sein.

8. März 2006 12:00 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

MOUTH

«I’m looking for my voice.»
«It is in your mouth.»

Jonathan Safran Foer, Everything is Illuminated, p 70

7. März 2006 18:22 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Der perfekte Mix

Im auch ansonsten schicken Corporate Design Manual mischt Holzland fröhlich die Meta mit der Rotis.
Was angesichts von Eriks Haltung zur Rotis ein so genialer Griff daneben  ist, daß man fast wieder den Hut vor dieser Kombination ziehen mag. Phantastisch schrecklich. Und auch ansonsten ist es ein hochunlesenswertes Manual, bei dem mich eher überrascht daß solche Schweinebaucherscheinungsbilder überhaupt und tatsächlich irgendwo festgeschrieben werden (müssen).
CD-Manuals sind sonst eine eher staubtrockene Sache… dieses hier ist absolut lesenswert. Allein die Fraktur als Auszeichnungstypo vorzuschlagen… grandios.

Vielleicht haben wir Designer einfach auch nur seltsamen Humor.

16:27 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Nick Hornby: A Long Way Down

Bei manchen Büchern hat man ja das Gefühl, schon den Film vor Augen zu sehen – gerade US-Autoren schreiben oft zu drehbuchgerecht – aber bei Nick Hornbys A Long Way Down hatte ich eher das Gefühl, ich sehe die Sitcom. Vier völlig verschiedene Menschen treffen sich in der Neujahrsnacht auf einem Londoner Dach, um Selbstmord zu begehen, überlegen es sich anders, verabreden 90 Tage Auszeit zum Überdenken der ganzen Sache, um dann zu sehen, ob man noch weiterleben will oder eben doch zusammen vom Dach hüpft… und erleben allerlei Abenteuer die sich aus den jeweils individuellen Suizid-Gründen ergeben. So eine Art Friends mit Selbstmord als McGuffin. Nur, daß bei Friends die Leute smarter und hübscher sind. Bei Hornby haben wir einen gescheiterten TV-Moderator, der wegen Sex mit einer Minderjährigen Job und Ehe verpokert, einen gescheiterten Musiker, eine leicht geisteskranke Ministertochter mit großem Mundwerk und Liebeskummer und eine Hausfrau mit einem behinderten Kind und einer Glaubenskrise. Na, wenn das nicht nach Kochbuchrezept-für-eine-Sitcom kling, weiß ich es auch nicht.

Und wie das bei Sitcoms so ist… nothing ever really happens. Das Buch perlt und plätchert wie eine Lounge-Music-CD vor sich hin, schicke Designermusik, die nicht beim Cocktailtrinken stören soll. Die kleinen Lebensweisheiten, die Hornby fast widerwillig einbaut, würden nicht mal Dale Carnegie begeistern und Hornbys durchaus lobenswerter Versuch kein völlig plattes Happy-end zu liefern, sondern eher eine Art von «Das Leben ist scheiße, aber ist es nicht trotzdem super?» zu konstruieren, wirkt etwas angestrengt. Fast genau so angestrengt, wie auch ein aufgepapptes Meg-Ryan-Happyend gewesen wäre.

Nicht hilfreich ist, daß Hornby versucht seinen vier Charakteren eigene «Stimmen» zu geben. Da zumindest Jess und Maureen nicht die strahlendsten Birnen im Lampenladen sind, ist das zwar anfangs lustig, auf Dauer aber eher langweilig. Es wirkt etwas aufgesetzt, wenn Hornby versucht, mehr oder minder profunde Erkenntnisse mit den Mitteln dieser Charaktere zu kommunizieren. Es knirscht. Martin der Softzyniker und JJ der Rocker sind besser zu ertragen, obwohl Hornby aus JJs manischer Belesenheit wenig Kapital schlägt und wenn, dann einen Hauch zu auffällig. Man hört einerseits den Autor hinter den Charakteren, weil alle vier doch gemeinsame Stilistiken haben, die eindeutig von Hornby kommen… andererseits ist eben zuwenig echtes Writing spürbar. Nicht Fisch nicht Fleisch. Der Vorteil der einfachen Sprache: Das Buch dürfte einfach zu übersetzen sein. Hier ist sehr wenig, was die Kapazität der Sprache so nutzt, daß es in der Übersetzung entstellt wäre.
Die letzten vier Zeilen des Buches kann man vielleicht als abruptes Ende empfinden – auch wenn die Fortschreibung der 90-Tage-Frist auf Dauer ja eigentlich von Anfang an klar war, das offene Ende ist ein Markenzeichen der Sitcom und der Soap–, für mich haben sie das Buch größtenteils gerettet, weil Hornby (wenn auch zu spät und wenn auch nur kurz) das schriftstellerische Experiment ohne eigene Stimme zu schreiben kurz verläßt und richtig schreibt, eine einfache wunderbare Metapher für das Leben, das gesamte Buch liefert und so in minimalster Form zeigt, was machbar gewesen wäre. Das macht den langen Anlauf bis hierhin fast wieder erträglich.

Was bleibt ist ein Buch, das man absolut prima weglesen kann, das unterhaltsam und dabei nicht allzu dumm ist, allerdings eben auch wenig Fleisch und wenig literarische Freude bietet. Ein Badewannenbuch, ein solides Stück Trivialliteratur, das als solches vielleicht mehr Plot oder Spannungsbogen hätte brauchen können, aber auch nie langweilig oder stumpf wird. Als Studie der Sinnhaftigkeit (oder Sinnlosigkeit) des Lebens greift es deutlich zu kurz, das haben andere sicher schon besser geliefert, aber so what? Ich fange gerade mit Everything is Illuminated von Jonathan Safran Froer an – und schon auf den ersten 30 Seiten (die sich anfühlen, als hätte man 60 gelesen) liefert das Buch mehr Witz, Charme, Tiefe und wunderbare literarische Experimente als Hornby in A Long Way Down insgesamt.

6. März 2006 11:22 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Musik

Au revoir Simone Verses of Comfort, Assurance and Salvation
Girliepoppig leichter Elektro-Minimalismus aus New York, der wolkig und sommerfröhlich aus den Boxen perlt. Simple Lowfi-Synthmelodien und klassische Drumcomputerbeats erinnern an Tracks von Ladytron oder St. Etienne, auch mal an Goldfrapp oder an zahnlosere Le Tigre. Hart an der Grenze zur Naivität, wie das Cover, bewegen sich die Sounds und Gesangslines der kurzen CD, die in ihrer fragilen Reduktion und Zurückhaltung trotzdem einfach nur schön ist. Auf einer CD von unter 30 Minuten kann man einfach wenig (oder eben alles) verkehrt machen… dieses Girltrio macht alles richig und produziert Songs, die den schmalen Grat zwischen Uplifting und Melancholie nie verfehlen.

Kelley Polar Cosmological Constancy
Michael Kelley baut in seinem New Yorker Mini-Studio für dieses Debut-Album bizarr-unwirkliche Welten aus cleveren alten Disco-Beat-Versatzstücken, analogen Sounds, Violinensamples und warmen Vocalschichten. Sparsam und opulent, leicht und fraktal zugleich wirken die so entstehenden, leicht verkopften Songs, die tatsächlich so klingen wie der Mythos, den er in seiner Bio aufbaut: Nach Siebzigern, nach altem Vinyl und nach einem Fisher-Price-Plastikplattenspieler. Und nach zuviel unverdauter SF-Lektüre. Eine seltsame Kollision von Kammermusik (Kelly ist tatsächlich Violonist bei einem Kammermusik-Ensemble) und 80er-Disco, ist Cosmological Constancy gekrönt von androgynem Gesang, der so aus dem Weltall herbei gessendet klingt wie das Albumcover vermten läßt. So klängen Daft Punk, wenn sie Klassik könnten.



Stars
Set yourself on Fire
Pathos. Pathos. Pathos. Federleichter Pop à la Belle & Sebastian, aber flirrender und geichzeitig druckvoller, irgendwie progressiver. Alte Analogsynth-Sounds, Violinen, Gitarre Bass und Schlagzeug und Stimmen, die zwischen cabriofahrender Leichtigkeit und Großstadtmelancholie pendeln, Pia-Lund-ige Zuckerwattegirlievocals, nervös zwitschernde oft nur mühsam kohärente Klangwolken und oft zuckende Beats ergeben eine urbane Melange mit der Sehnsucht nach der weiten Ruhe der Natur. Ruhig und brachial (He lied about death) ist Set yourself on Fire keine grandiose Platte, aber mehr als hörenswert.

4. März 2006 20:22 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

WALK THE LINE

Der Trend zum Biopic reißt nicht ab – und wie bei einer Filmflut oft üblich, zeichnen sich deutliche Selbstähnlichkeiten ab. So gleicht Walk the Line, die Verfilmung der Karriere von Johnny Cash vom Start 1944 bis zum legendären Auftritt im Folsom-Gefängnis 1968, in weiten Teilen dem anderen Musiker-Biopic Ray. Von der armen Kindheit und ihren Traumata über den Karrierestart im Retro-Amerika, die zahlreichen Guest Stars (Elvis, Roy Orbison, Jerry Lee LewisWaylon Jennings) bis hin zum Straucheln an Drogen und Sex, die Geschichte und ihre Bilder wirken vertraut bis zum Deja vu. Und das obwohl Cash durchaus das Gegenstück zu Charles ist, der wiedergeborene Christ und Country-Musiker, dem ein ganz anderer Erzählstil gepaßt hätte. Geschichten wie die von Charles und Cash sind derzeit Moralgeschichten, in denen sich ein gebrochenes Amerika wiederspiegelt und sich selbst versichert, daß es eben okay ist, mal ordentlich Mist zu bauen und die Karre in den Dreck zu fahren (siehe die etwas aufdringliche Trecker-Symbolik in Walk the Line), wenn man nur wieder – durch die Kraft der Liebe oder durch die Kraft des Glaubens – auf den rechten Weg kommt. Eine Botschaft, die wie Balsam sein muß für ein Land, daß zumindest subkutan irgendwie doch merkt, wie weit es vom moralisch richtigen Kurs abgekommen ist. Der Zeitraum 1944 bis 1968 spiegelt nicht umsonst ein Amerika wieder, das sich aus der Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit, in der alles möglich schien, in den 60ern mit Vietnamkrieg, atomarer Bedrohung des Kalten Krieges, aber auch mit der Hippiebewegung und den Rassenunruhen, ähnlich surreal anfühlt wie die Drogentrips von Cash – unwirklich, gebrochen, orientierungslos, rauschhaft aber ohne Anker. Insofern erzählt ein Film wie Walk the Line auch ein moralisches Märchen eines Landes, das nach sich selbst sucht… und wie bei nahezu allen US-Filme liegt die Antwort am Ende des Films im Nukleus der Familie, von Großvater bis zum Enkelkind, im Herzen der Idylle. Happy-End ist, wenn ein Film weiß, die Erzählung im richtigen Moment zu beenden. Eine Botschaft, die einem Johnny Cash und seiner Düsternis nicht ganz gerecht zu werden scheint, sondern einem klassischen Erzählpattern von US-Filmen folgt, daß wir aus ungezählten FIlmen kennen, selbst Teen Wolf folgt dem gleichen Muster. Unschuld – Verlust der Unschuld durch Macht und Ruhm – Besinnung auf die wahren Werte. Wie man in Entenhausen so sagen würde: Gähn.

Der Film spart hier und da ein paar Details aus und rückt June Carter Cash leider sehr in den Mittelpunkt, besticht aber mit einem beachtenswerten Joaquin Phoenix, dessen Intensität gottseidank von der auf Soap-Opera-Niveau agierenden Reese Witherspoon, die eben auch mit braunen Haaren blond bleibt, ablenkt. Am bestechendsten agiert Phonix, wenn er Cash als Bühnenmusiker mimt, und auch die Tablettenabhängigkeit nimmt man ihm ohne weiteres ab (wenn ich auch jedes Mal schreien muß, wenn Entzug im Film aus drei Minuten schwitzen und im-Bett-wälzen besteht). Wunderbar ist auch Robert Patrick, der hier überzeugend eine Rolle spielt, die sich anfühlt, als wäre sie für Christopher Walken geschrieben.

Insgesamt ein solider Film, der allerdings so nahe an Ray agiert, ohne wirklich dessen Intensität zu erreichen, daß hier einfach ein paar Chancen vergeben sind. Johnny Cash, der noch kurz vor seinem Tod bewies, daß er ein Meister des authentischen Gefühls ist, etwa mit seiner intensiven Version von Nine Inch Nails Hurt, hätte vielleicht einen etwas weniger kitschigen, einen härteren, ehrlicheren Film verdient.

2. März 2006 00:18 Uhr. Kategorie Film. 2 Antworten.


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