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UNSEEN. UNFORGOTTEN.

Hier gibt es bisher unveröffentlichte Bilder aus der Zeit des Civil Right Movements im amerikanischen Alabama zu sehen, das als Südstaatenland eine rigorose apartheidsähnliche Trennung von Weißen und Schwarzen in den 60er Jahren praktizierte, die erst in den Sechzigern durch Martin Luther King, Kennedy und andere Bürgerrechtler angeprangert wurde. Das amerikanische Birmingham wurde 1963 zu einem der zentralen Brennpunkte der Rassenunruhen.

via Cynical C

28. Februar 2006 10:16 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

Poor Doggy

Bilder zu einer Postkarte für 2009, einem Stück von Tom Peuckert zur Folterthematik.





27. Februar 2006 12:56 Uhr. Kategorie Arbeit. 6 Antworten.

SYRIANA

Everything is connected – alles ist miteinander verbunden. Für Regisseur und Drehbuchautor Stephen Gaghan, der schon bei Traffic seine Gabe bewies, komplexe soziale Zusammenhänge aufs menschliche Maß herunterzubrechen, beginnt mit dieser Erkenntnis eine tour de force durch die Verwicklungen des amerikanischen Ölgeschäfts mit dem Mittleren Osten. Syriana verwebt die Schicksale des abgehalfterten, von George Clooney weit jenseits der sonstigen Smartassness gegebenen, CIA-Agent Bob Barnes, des für die Kanzlei Sloan Whiting arbeitenden schwarzen Anwalts Bennet Holiday, des Finanzberater Bryan Woodman, des Prinzen Nasir und seiner Familie sowie von zwei jungen pakistanischen Koranschülern und zahllosen Nebenfiguren zu einem grandiosen Erzählung rund um die Geschäfte einer Ölfirma, einer Anwaltskanzlei und einem Ölstaat im Nahen Osten. Bis in die kleinsten Nebenfiguren – Bobs Sohn, sein Ex-CIA-Freund (William Hurt) oder Bryans Frau (Amanda Peet) – exzellent besetzt und realistisch aufgezogen, überzeugt Gaghans Regieerstling mit einer fast überwältigen Dichte, in die einzusteigen sich absolut lohnt. Die Verwebung von Kasachstan, Europa, dem Nahen/Mittleren Osten, China und Washington wird perfekt aufgelöst – und ohne dabei übermäßig moralinsauer zu wirken, läßt Syriana keinen Zweifel daran, daß die (hier amerikanischen) Ölgeschäfte korrupt und dreckig sind und hinter der sozialen und wirtschaftlichen Misere im Nahen Osten stecken, daß folglich der daraus resultierende Terror Wirkung und nicht Ursache ist. Der Kapitalismus frißt seine Kinder.

Im Film wirken dabei ein oder zwei Figuren vielleicht etwas grobgeschnitzt – wie etwa der leicht eindimensionale Reformer Nasir, gespielt von Alexander Siddig – aber solche Klischees sind fast als Leuchttürme nötig, um die mitunter verwirrende, oft nur durch Andeutungen getragene Handlung des Films voranzutreiben. Die von Bennet durchleuchtete Connex-Killian-Fusion, der Zusammenhang zwischen deren Öldeal in Kasachstan und dem anderen Ölgeschäft in Iran, zwischen Bobs Auftrag, Nasir auszuschalten und eben diesem Öl-Deal, bei dem sich der Nachfolger dem Emirs, Nasirs Vater, zwischen China und den USA zu entscheiden hat, laufen präzise wie ein Uhrwerk parallel zu einer furchtbaren Climax, die fast tragisches Format hat.

An die Erzählstrukturen amerikanischen Kinos gewohnt, rechnet man fest damit, daß Bob – ganz Held wider Willen bei seinem traditionellen letzten Auftrag – den Mord an Nasir wird verhindern können, aber Gaghan präsentiert uns statt dessen eine Wendung, in der beide denkbar zynisch und anonym von Anzugträgern eine halbe Welt entfernt via Joystick eliminiert werden, die eine ganze Familie auslöschen und sich danach fröhlich dazu gratulieren – gruseliger geht es kaum. Kein Zufall, daß die beiden Selbstmordterroristen am Ende des Films dagegen nahezu mutig wirken, da ihre Tat intimer ist, das höhere Opfer fordert. Wie kleine Fische einen Wal, so attackieren die beiden Pakistani am Ende die Tanks der großen Ölkonzerne, eine Tat die so verzweifelt wie aussichtslos erscheint.

Das am Ende eines so bösen Films eine Rückkehr zur Normalität aufgezeigt wird – Woodman, vom Ehrgeizling zum Idealisten gewandelt, kehrt zu seiner Frau und dem verbliebenen Kind zurück, Bennet kümmert sich um seinen alkoholkranken Vater – hat mich zuerst irritiert, aber tatsächlich zeigt der Film hier doch nur das globale Schulterzucken, die Alltäglichkeit des Kriegs um Öl und Macht im Mittleren Osten, den Rückzug ins Private innerhalb einer korrupten und beschmutzenden Welt, mit der die Protagonisten möglichst nichts mehr zu tun haben wollen. Situation normal – all fucked up.

26. Februar 2006 12:16 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

Battle of the Drums

Ich bin ja inzwischen stolzer Besitzer eines TD-12. Aus meiner Sicht sind die Roland-Drumkits die bisher beste Approximation eines natürlichen Drumkits und für Menschen wie mich sogar besser geeignet, weil ein deutlich feineres, dynamischeres Spielgefühl möglich wird, man etwas mehr Spaß mit den elektronischen Extras haben kann (indem man etwa die Rims mit komplett anderen Sounds belegt, oder ein Tom als zweite Hihat/Bassdrum nutzt) und natürlich, weil die ganze leicht nervige Tuning-Arbeit von Hand zwar durchaus möglich ist, aber auf jeden Fall spürbar einfacher und verläßlicher wird. Für Profis ist das TD-12 nichts, da die im Studio und Live wirklich wichtigen acht Einzelausgänge des größeren TD-20 fehlen (das generell sowieso besser modulierbare Sounds bietet, bei denen etwa die virtuelle Mikrophonposition veränderbar ist, und mehr Eingänge aufweist, allerdings auch 5000 Euro kostet), aber ansonsten ist das 12er Kit bereits traumhaft in Sachen Sound und Response, man spielt nach einer Weile vom Gefühl her ohne nachzudenken wie auf einem Akustik-Kit, vor allem, weil auch die zufälligen Sounds, wie etwa das Ablegen von Sticks auf der Snare, identisch sind. Und mit etwas Drehen an den Werkssounds klingt es auch absolut wie ein Akustik-Set, wobei ich es persönlich lieber mag, wenn die Drums schon etwas processed sind, also mehr nach Studio klingen. Insgesamt ist es einfach nett, zwischen einem trockenen funky Set mit stark kompressierten Toms und einem kleinen Jazzkit wechseln zu können. Hier könnt ihr einen direkten Vergleich zwischen dem TD-20 und einem klassischen Akustik-Kit von Ludwig sehen und hören.

09:33 Uhr. Kategorie Technik. Eine Antwort.

AMY HEMPEL: TUMBLE HOME

Stell dir vor, jemand gibt dir ein winziges Stück Schokolade. Du nimmst es in den Mund und es schmeckt nicht nur nach der besten Vollmilchschokolade, sondern auch nach Bitter, Nuß, Nougat, Joghurt, Milch, nach Zimt und Weihnachten und Gewürzen, nach Schokoladenkuchen und vage nach dem Geruch der Wiese, auf der die Kuh stand, von der die Milch dieses einen kleinen Stücks Schoko stammt.

Amy Hempel zu lesen ist nicht annähernd mit dieser Erfahrung zu vergleichen.

Hempel liefert in Tumble Home sieben Kurzgeschichten – teilweise nur wenige Zeilen lang – und die dem Buch den Namen gebende Erzählung, die etwa 80 Seiten umfasst. Anknüpfend an den sparsamen Stil von Raymond Carver, poliert Hempel ihre Miniaturen so lange, bis jedes Wort, jeder Satz, eine Bedeutung gewinnt, eine symbolische Tangente ergibt. Tumble Home, die Erzählung einer Frau, die aus einer Anstalt heraus einem Künstler schreibt, wird so zu einem Sammelsurium von Fragmenten, Eindrücken und mataphorischen Sprüngen, die einen Reichtum an Deutungstiefe ergeben, den man beim normalen Lesen fast nicht ausschöpfen kann. Das ist die Sorte Zeug, in die man sich im Rahmen eines Proseminars Anglistik vertiefen kann, um den Witz, die Emotionalität, die mühelose Kraft dieser kurzen Geschichten zu ergründen. Hempels Geschichten sind wie superdichte weiße Zwergsterne. Ein ganz einfaches Beispiel:

One day I asked the gardener what had gone wrong with my tulips. The last time I planted tulips (I am going back several years here), they had bloomed right out of the ground – they had bloomed without stems, and had looked like ground cover. The gardener said the problem was low self-esteem. Then he laughed at my expression and said the bulbs had been confused, they must not have been plated deep enough and so had gotten warm, then cold, then warm again, until finally, confused, they had given up and bloomed.
I didn’t tell the gardener that I had planted them half as deep as recommended to save them the work of pushing up through all that dirt. I seems that there is a lesson here, staring me in the face. I told you about the tulips to tell you something ordinary. The way, watching a movie, you find you wantto scream: «Doesn’t anyone eat or sleep in this film?»

Selbst dieses ja fast aufdringlich klare Beispiel besitzt schon Untiefen, die Wortwiederholungen, die Kadenzen, die Wahl von Tulpen, der Sprung von Blumen zu Film. Tumble Home ist eine Perlenkette solcher metaphorischer Versatzstücke, die die tatsächliche Geschichte wie ein surreales Puzzle im Kopf des Lesers zusammenfügen, langsam und vieldeutig, ohne je langweilig zu sein.

Das einzig Schlimme an Hempel ist, das nach der Lektüre ihrer schmalen Büchlein jedes normale Buch wie literarisches Fast Food wirkt. So viele Worte, so wenig Inhalt. Es braucht eine Weile, bis man aus der extremen Druckkammer des Hempelschen Schreibstils herauskommt…

25. Februar 2006 14:59 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

WAS SOLL MAN TUN?

Wenn aus zwei ganz unterschiedlichen Quellen Dinge an dich herankommen, dann sollte man diese Synchronizitäten ernst nehmen. Ein Beispiel dafür ist Nick Drake, ein anderes das Findet mich das Glück-Projekt von Fischli und Weiss, das ich nicht nur zu Weihnachten geschenkt bekam, sondern das mit prompt auch im Sterne-Abendprogramm über den Weg lief. Die Fragen, die die Dramaturgin Monika Gysel in diesem Heft der Autorin Anja Hilling stellt, hab ich mir spaßeshalber also auch mal vorgenommen.

Warum ist alles so weit weg? Weil du die Augen zu hast.
Was denkt mein Hund? Ich habe keinen Hund.
Wer bezahlt mein Bier? Ich. Oder meine Freunde.
Wie heißt dieser Wald? Seele.
Wo ist mein Bett? Auf dem Boden.
Soll ich ein Loch graben? Warum nicht?
Sind Tiere Menschen? Sind Menschen Tiere?
Ist mir zu warm? Oft.
Fährt noch ein Bus? Bis in die Nacht.
Wo sind meine Schlüssel? Immer woanders.
Soll ich einen Turm bauen? Das ist unsere Aufgabe.
Warum ruft sie nicht an? Weil ihr Akku leer ist.
Wem nützt der Mond? Der Sonne.
Darf man beim Musikhören die Augen schließen und farbige Bilder sehen? Gern.
Geht man beim Einschlafen durch eine Wand? Durch einen Spiegel.
Ist die Erde eine Mutter? Warum nicht?
Liegt meine Seele auf Stroh? Meine Seele steht.
Findet mich das Glück? Hoffentlich.
Soll ich mir einen Kuchen backen? Ich esse selten Kuchen.
Ist Hunger ein Gefühl? Hunger nicht. Appetit ja.
Soll ich der Welt gegenüber mehr Interesse zeigen? Noch mehr?
Warum ist es plötzlich so still? Mach die Musik lauter.
Warum klebe ich am Boden? Das ist die Schwerkraft, die dich umarmt.
Ist alles in meinem Kopf? Meistens nicht.
Weiß ich (fast) alles über mich? No way…
Ist alles, was ich schon vergessen habe so groß wie ein Haus? Größer.
Wie wirke ich? Seltsam.
Kommen Meinungen von selbst? Nein.
Liebt man mich? Ja…
Gibt es die Welt auch ohne mich? Nicht für mich.
Bin ich ein Sonderling? Was denkst du?
Warum geschieht nie nichts? Weil die Welt sich sonst langweilt.
Trägt sie eine Waffe? Sie ist die Waffe.
Warum schweigen die Wälder? Sie reden auf einer Frequenz, die wir nicht hören.
Verlieren wir die Kontrolle? Absolut. Enjoy.
Was wissen die anderen über mich? Alles.
Muss ich draußen bleiben? Selten.
Soll ich eine Untersuchung einleiten? Nonono curiosity killed the Cat.
Ist sie betrunken? Oft genug.
Soll ich mich selbst befriedigen?
Warum nicht?
Hat alles was am Fernsehen kommt mit mir zu tun? Im Gegenteil.
Bin ich schön? Nein. Gottseidank.
Kann man das Prinzip der Hefe auf vieles übertragen? Alles geht auf.
Wird der Bereich des Möglichen immer kleiner? Das hängt von dir ab.
Ist das Verdauungssystem etwas Wunderbares? Ja.
Warum hab ich immer Recht? Hast du?
Soll ich mich betrinken? Mal so mal so..
Braucht es einen Umsturz? Gern.
Darf sich die Wahrheit alles erlauben? Ja.
Kontrollieren mich die Tatsachen? Man wehrt sich, wo man kann.
Warum leistet sich die Erde den Luxus mich zu haben? Sie hat keine andere Wahl.
Wäre ich ein guter Japaner? Nein.
Brauch ich etwas Süßes? Immer.
Frisst man mir alles weg? Keine Chance.
Soll ich lügen? Niemals.
Soll ich in einer fremden Stadt unter falschem Namen eine Wohnung mieten? Flucht ist keine Lösung.
Fliegt alles auf? Ja, schon zu spät.
Soll ich untertauchen? Halt den Kopf über Wasser.
Kann ich meine Unschuld wieder herstellen? Warum willst du das tun?
Ist die Welt voll von geheimen Botschaften? Ja, aber sie sind nicht geheim..
Nehme ich falsche Drogen? Welche nimmst du?
Wird die Freiheit der Vögel überbewertet? Sicher.
Bin ich privat ein anderer Mensch? Was heißt privat?
Was ist in meiner Wohnung wenn ich nicht da bin? An echo, a stain.
Stimmen meine Säfte? Wie bitte???
Trennen mich Galaxien von den anderen? Nein.
Kann man alles denken? Das wäre undenkbar.
Warum sind die Sterne so unordentlich verteilt? Du erkennst die Ordnung nur nicht.
Soll ich liegen bleiben? Nein, steh jetzt auf.
Driftet alles auseinander? Ja. Oder es zieht sich zusammen, je nach Standpunkt.
Soll ich aus wissenschaftlichen Gründen Drogen nehmen? Du brauchst keinen Grund..
Spürt sie es? Sicher.
Könnte man mich in einem guten Film gebrauchen? Wahrscheinlich.
Soll ich einen großen Hammer kaufen? Hats du eine große Wand?
Leide ich an gutem Geschmack? Mag sein.
Ist vieles mit allem verbunden? Auf jeden Fall.
War ich noch nie (ganz) wach? Zu selten.
Was macht meine Seele wenn ich am Arbeiten bin? Sich austoben.
Kann das nicht jemand anders für mich tun? Auf keinen Fall.
Ist das Leben ein seltsames Höhlensystem? Nein, es ist ein Weizenfeld.
War mein Bad zu heiß? Laß kaltes Wasser ein.
Soll ich eine Waffe kaufen? Du bist eine Waffe
War jemand in meinem Zimmer? Immer.
Verdient die Wirklichkeit dieses Misstrauen? Nicht wirklich.
Sucht mich das Glück am falschen Ort? Da mußt du das Glück fragen, wenn du es siehst.

Fragen von Peter Fischli, David Weiss: Findet mich das Glück.

12:09 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

GODOT ACTION COMICS

Beckett für Anfänger:

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10:27 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

FIRE


Séan Nagel hat wunderbare Photos für das Nabucco-Abendprogramm gemacht, die nahtlos zu den Photos des Schwesterkonzertes Jungfrau von Orleans passen. Bei dem einen brennt der Apfel, hier werden die Werkzeuge des Kriegs gezeigt. Séan liegt derzeit krank at home – von hier aus Gute Besserung, Mate.

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24. Februar 2006 21:52 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

CONSUMERISM BEGINS AT HOME

Glück ist eine komplexe Angelegenheit, es sei denn, man ist eine horrormäßig schlecht layoutete Zeitschrift der Deutschen Post namens Mein Glückstag. Die weiß nämlich ganz genau, welche fünf Dinge uns glücklich machen:

So sieht das aus. Cabrios machen uns glücklich. Und Rezepte.
Jetzt wissen wir Bescheid. Danke, liebe Bundespost.

18:13 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Aua Aua

Mir wurde mein Spiralblock brutal aus der Hand gerissen. Ich hätte mich dabei verletzen können.

Ja, wenn sonst nichts wehtut, ist es ja okay. Auf jeden Fall wird die Kritikerattacke so wieder zum Karrieretipp für aufstrebende Darsteller und der Beweis, das deutsches Theater gar nicht auf der Bühne, sondern teilweise schon längst im Feuilleton stattfindet, ist erbracht.

Gerhard Stadelmaier dürfte damit inzwischen wohl auf dem Weg zum Iron Man 2006 Contest sein.

16:19 Uhr. Kategorie Stuff. 2 Antworten.

Das Leben ist eine Baustelle

Bei der Suche im Archiv habe ich ein paar Bilder von unserem Haus als Baustelle gefunden, so gegen Ende 2003. Funny, wie es hier mal aussah.

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13:50 Uhr. Kategorie Leben. 4 Antworten.

SCHNEIDERBUCH

Fertig.

Obwohl es – wie bei einem komplexen Projekt für einen großen Verlag und einen hocherfolgreichen Kinderbuchautoren zu erwarten – schon einige Kompromisse gab, weniger bei der Gestaltung als auf der konzeptionellen Ebene, ist die Sache unterm Strich wirklich schön gelaufen. Volker Scheller von vgs macht als Macher einfach Spaß, druckvoll und motivierend, bringt die Sachen ins Rollen und termingerecht ans Ziel. Die Sache ist mit einem Auflagensprung von 3000 auf 20000 sehr nett gewachsen (auch wenn dadurch natürlich die Idee mit dem Lentikularcover sofort unbezahlbar wurde). Ich hätte sicher gern noch mehr Give-Aways für die Leserschaft in die Aktion gesteckt, aber wenn ich mir ansehe, was sonst so in diesem Bereich geht, bin ich absolut nicht unzufrieden. ich will ja eigentlich immer mehr erreichen, als gerade realistisch wäre. Aber es ist viel geblieben: die Idee der beidseitigen Lesbarkeit, ein Exklusiv-Interview mit dem Autor, brandneue Photos von Thomas Brezina, Previews der beiden nächsten Bücher, auch nach den vielen Änderungen immer noch recht nette Texte und und und… insgesamt eine funktionale Sache. Ich hoffe, es funktioniert bei der Zielgruppe, die beiden Buchserien haben einen Push verdient, gerade Hot Dogs ist einfach purer Spaß.
Und ein Cover, das ich einfach liebe. Die Wortmarke «Macht Pickel» – optisch deutlich inspiriert von Alessio Leonardis Graffio-Font, aber von Alex hier im Studio feinstens handgeschrieben – ist einfach eine sympathische Sache für eine Kinderbuch-Aktion. Und Volker Scheller hat uns erlaubt, das wunderbare alte Schneider-Logo aus meiner Kindheit zu verwenden, toll. Ich liebe dieses Logo. Und würd immer noch gern die T-Shirts damit machen. Und wenn wir dann noch Monitor und Giganto wieder ins Programm hieven könnten… :-D.

23. Februar 2006 21:34 Uhr. Kategorie Arbeit. 11 Antworten.

WIE IM HIMMEL

Auf einen Hinweis der phantastischen Ariane Duschl sind wir in Wie im Himmel gegangen, einen Film des schwedischen Filmemachers Kay Pollak, der seinen Protagonisten – den Stardirigenten Daniel Daréus – nach einem Herzinfarkt in sein verschlafenes Kindheitsdorf und (somit zurück zu einigen Traumata) führt, wo Daniel gemeinsam mit einer Laienchorgruppe arbeitet, einige Seelenprobleme heilt, den örtlichen Pfarrer in den Wahn treibt, sich verliebt und am Ende in Österreich stirbt.

Filme dieser Art nenne ich gern «Club der toten Dichter»-Filme, da ihr Aufbau nahezu ein eigenes Genre darstellt, eine Art post-Freudianischen Western für eine meist weibliche Zuschauerschaft. Ein gebrochener, aber meist hochbegabter Mensch kommt in eine Institution/einen Ort, mischt dort die bestehenden – freilich immer erstickenden und absurd reaktionären – Regeln auf, befreit und erfüllt einige Menschen (und finde zumeist auch seine eigene Balance wieder), gerät dabei unweigerlich in Konflikt mit den Vertretern der piefigen bestehenden Moral, seine Jünger setzen sich für ihn ein, am Ende passiert meist etwas Tragisches, aber Erhebendes. Katharsis, Abspann, Geigen. Gefüllt wird dieses Genre von epischen Bildern, textlicher Poesie light, einer meist simpel gestrickten (und insofern massentauglichen) Philosophiesuppe, hochemotionaler Musik und somit reichlich Druck auf die Tränendrüse. Ob Die Kinder des Monsieur Mathieu, Mona Lisas Lächeln oder Chocolate, das Muster ist immer mehr oder minder das gleiche, mal mehr mal weniger auffällig gemacht.

Wie im Himmel könnte einer der besseren Vertreter dieses Genre sein, würde Pollak nicht immer wieder zu übertrieben, zu unsensibel zur Metaphorik-Keule greifen. In seinen besten Momenten vertraut der Regisseur in bester skandinavischer Tradition auf seine Bilder, auf die Symbolik der Landschaft, auf die Kargheit des Dorfes. Die ersten Sequenzen von Daniels Ankunft in der Volkschule und der Fahrradkauf bei Arne vereinen eine wunderbare leichte Surrealität, die einen ganzen Film entspannt getragen hätte. Aber leider baut das Drehbuch Daniel zu einer Art Jesus-Figur auf, Schwedens Dorfkultur zu einem Gegenentwurf zum Glitz des globalen Urbanismus, und wartet mit einer flachen Piep-piep-piep-Gott-hat-dich-lieb-Parabel auf, die wadentief durch einen Sumpf von inhaltlichen und visuellen Klischees watet.

Schon der Anfang des Films, der zwischen einer Kindheitsszene, in der Daniel verprügelt wird und dem akuten Herzinfarkt während eines Konzerts in Milan gegenschneidet, macht klar, daß Pollak für sensibles Finbgerspitzengefühl nicht zu haben ist – was er sagen will, sagt er deutlich, überdeutlich. So badet Daniel in einer Szene im Wasser und wird dabei von seiner Kindheitsnemesis, der natürlich auch als Erwachsener ein Frauenprügler ist, «getauft», so gibt es eine Abendmahlszene, gibt es eine Leichentuch-und-drei-trauernde-Frauen-Metapher und und und. Antipod dieser Befreierfigur ist ausgerechnet der Dorffarrer Stig, zwar wunderbar von Niklas Falk gespielt, aber als Figur schablonenhafter kaum denkbar – ein von vorneweg böse blickender Pfaffe, der Pornohefte versteckt, und nach dem Verlust seiner Frau im Eselsgalopp zum ungepflegten rauchenden Alkoholiker wird, come on… das ist ebenso albern wie der böse Bürgermeister in Chocolate. Daniels Suche nach dem reinen göttlichen Ton (ein altes Thema der Musikgeschichte) erfüllt sich am Ende, in seinem Tod, auf eine Art, die nicht nur unverhohlenen an den Club der toten Dichter anschließt, sondern reichlich unfreiwillige Komik hat. Auch die permanente Engelssymbolik rund um Lena als Heilige/Hure-Doppelfigur (die wirklich in nahezu jeder Szene entweder Flügel/Heiligenschein trägt oder ihre Brüste in die Kamera hält), nervt. Das Daniel schließlich im säkularen Liebesakt keine Befreiung findet, sondern im Gegenteil, genau in diesem Moment seine Krankheit deutlich wieder erscheint, wen überrascht das da noch? Oh… und Fahrradfahren als Symbol für die Wiedererlangung innerer Balance und Natürlichkeit. Wer traut sich heute noch an solche Platitüden?

Ganz mißlungen ist der Film freilich nicht, und welcher Film ist das schon, denn trotz des nahezu erstickend dick aufgetragenen Melodramas, der daumendicken Kitsches, der klischeefreudigen Schablonenhaftigkeit von Plot und Figuren, gelingen dem Film immer wieder kleine, überzeugende Momente, die ohne Worte und ohne triefige Symbolik auskommen, in denen die Darsteller den Raum haben, ihre Geschichte nur mit einem Augenblick oder einer Geste zu erzählen. Hätte Pollak seinen Darstellern und der Kraft einfacher, ehrlicher Bilder vertraut, den Plot dramaturgisch gründlichst entrümpelt und auf den Boden der Realität gestellt, wäre es ihm vielleicht gelungen, eine bekannte Geschichte in neue Form zu bringen und seine Metaebene diffuser, angedeuteter, authentischer zu kommunizieren – es wäre ein besserer Film gewesen. So bleibt es bei einer pelzigen Weiterschreibung einer vertrauten und schon besser präsentierten Parabel. Den inneren Ton, den Daniel Daréus sucht, hat Kay Pollak für sich jedenfalls nicht gefunden.

22. Februar 2006 10:25 Uhr. Kategorie Film. Eine Antwort.

DA LACHT DER KU KLUX KLAN

Manchmal frage ich mich einfach, was in den Köpfen von Werbern so abgeht und warum solche Ideen nicht schon in der Konzeptionsphase kassiert werden.

00:16 Uhr. Kategorie Stuff. 11 Antworten.

The Editors live

Aus den UK kommen derzeit einfach mehr gute 80er-Gitarrenpop-Comcos, als man weghören kann. Die britischen Editors etwa amalgieren Stilelemente der (unvermeidlichen) Coldplay, von U2, Killing Joke und Joy Division/Interpol mit einem ganz eigenen Gitarrensound, der von klaren Bassstrukturen, kalt in den Höhen klirrenden Gitarrenhooklines und der an Brian Molko gemahnenden Stimme von Tom Smith lebt. Die Editors sind dank der Hitsingle «Munich» derzeit ziemlich angesagt und so ist es fast überraschend, sie in Langendreer zu hören, ausnahmsweise mal also vor der Tür und nicht irgendwo in Köln – und das als einzigen Gig in Deutschland. Ich hätte gern mehr solcher Up-and-Comers hier im Ruhrgebiet, bei aller Liebe zu Köln.

Vorband in der ziemlich vollen Bahnhofshalle sind The Brakes, die nicht nur zu spät kommen, sondern mit viel Witz und den kürzesten Songs der Welt 40 Minuten Punk machen, bevor Smith und Co ziemlich präzise und ziemlich kurze 60 Minuten lang über die Bühne donnern. Und genau so muß Livemusik sein. In der dritten Reihe stehen, Krach in den Ohren, Lichtgewitter und Musik, die bei allen Zitaten eben auch schamlos emotional daherkommt, kraftvoll, bissig, aggressiv und orgiastisch. Die an sich guten Studiofassungen kommen nicht annähernd an das Livefeeling heran. Nahezu fehlerlos, mit einer Wucht und einem Können weit jenseits der bekannteren Coldplay-Vorbilder, bringen die Editors auch die tanzmuffeligen Deutschen zum Moshen und Feiern und yeah… es ist viel zu schnell vorbei. Defintiv ein Highlight-Konzert ohne jeden Makel.
Ein paar Livepics hier.
Photo: Editors live in Copenhagen, René Hyldig

21. Februar 2006 07:06 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

BMW 1

Konsumentscheidungen fallen  mir manchmal schwer. Ich brauche oft lange, bis ich mich zu einem Kauf entschiede und habe dann nach dem Kauf auch oft das Gefühl, die jeweils anderen Entscheidungsoptionen wären vielleicht eben doch noch besser gewesen.

Die Überauswahl und mein Hang zum Perfektionismus haben zum Beispiel meinen Autokauf nach dem Volvo Amazon etwas kompliziert gemacht. Welches Auto paßt eigentlich zu mir und hat wenigstens noch halbwegs den Flair eines 1967er Oldtimers? Am Ende einer langen Entscheidungsirrfahrt, die alle Freunden und auch mir selbst gehörig Nerven kostete, und die uns von Volvo S60 und Audi A6 über Jeeps/SUV und Smart Roadster geführt hatte, standen noch zwei Wagen im Rennen: Der Mini Cooper (oder Cooper S) und der damals brandneue 1er BMW. Und genau den konnte ich gestern mal ausgiebig als Leihwagen fahren, weil mein Cooper zur Inspektion war. Und dann ist es schön, wenn man merkt, daß man seinerzeit die richtige Wahl traf und den 1er nicht kaufte.

Der 1er ist ein dabei glasklar ein wunderbar wohltemperiertes Auto und in der Golf/A3-Klasse sicher die souveränste Wahl: der Motor ruhig, das Fahrwerk brav, die Schaltung nahezu hakelfrei, das Armaturenbrett aufgeräumt und in den Details wunderbar durchdacht, wie etwa dem langsam aufschwebenden Aschenbecher oder der wirklich idealen, fein abgestuften Lüftungsregelung. Und genau in dieser pragmatischen Semiperfektion liegt das Problem. Alles wirkt für die Preisklasse ausgereift, ästhetisch vom Reißbrett, ohne Ecken und Kanten, herzlos und glatt gestylt wie ein Apple Notebook – und insofern ohne jede Note von Individualität und Spaß. Der Wagen ist effizient, mehr nicht. Während ich den Mini-Innenraum oft als zu jugendlich empfinde, wirkt der BMW innen zu abgeklärt. Und vom Fahrspaß her ist es so, daß ich auf der Autobahn oft fast aus der Kurve geflogen wäre, weil sich der 1er im Vergleich mit dem Mini wie ein Bleigewicht anfühlt und zudem hinten bereits ausbricht, wenn der Cooper noch sicher auf der Bahn klebt. Trotz nominell besserer Maschine wirkt der 1er flügellahm, uninspiriert, die berühmte Freude am Fahren kommt bei mir nicht auf. Der einzige Gag am 1er – der dem Z8 entlehnte Startbutton –, den ich mir ja in den Cooper nachträglich habe einbauen lassen, ist nicht zu Ende gedacht, da das Schlüsselaggregat immer noch in eine Art «Schloß» gesteckt werden muß, um den Wagen via Knopf zu starten – was irgendwie reichlich uncool wirkt. Jedenfalls startete der Wagen bei mir nur, wenn der «Schlüssel» in die reichlich hakelige Halterung gesteckt war. Schade. Zudem ist der Startknopf einfach unschön plaziert, das echte «Daumen drauf»-Gefühl kommt da einfach nicht auf, es ist eher ein lahmes zu kopflastiges Zeigefinger-Feeling. Schwer zu erklären, aber in Sachen Testosteron-Ausschüttung einfach ein Designfehler. Da lobe ich mit den Z8-Button, den mir die Jungs von Timmermann nachträglich ins Armaturenbrett gebastelt haben.

Fazit: Wunderbar ausgeglichenes Alltagsauto mit dem Charme eines Versicherungsvertreters, so gesichtslos wie die A-Klasse.
Selbst wenn mir schon bewußt ist, daß beim Cooper der Funfaktor auch am Reißbrett entwickelt ist und der Designer ungezählte müde Kompromisse bei der Entwicklung hinnehmen mußte (und inzwischen am Mini-Konzept nicht mehr beteiligt ist), so steckt der Cooper dagegen doch voller kleiner Eigenwilligkeiten und
Ideen, Abweichungen von der Autobauer-Norm, daß er in Sachen emotionaler Spaßfaktor wie aus einer ganz anderen Welt wirkt.

06:46 Uhr. Kategorie Technik. 6 Antworten.

MEXICO


Bilder, die aussehen, wie gerendert, so absurd surreal wirken sie – aber es sind echte Luftaufnahmen von Mexico City, einer Stadt, die teilweise aussieht als habe sich Tim Burton hier als Städteplaner verdingt. Suburbia als Alptraum.

via Bldblog

18. Februar 2006 10:30 Uhr. Kategorie Design. 4 Antworten.

Predicting the future

Imagine this is the year 1920 and somehow you’re able to predict the future. Chance has it you’re visiting the mayor of Rotterdam and while staying there you’re vividly describing changes that will occur in his city during the next 25 years. And then, in an otherwise ordinary day, he will hear about the dawn of the Weiner Republic, hyperinflation, the crash of Wall Street in 1929 and the great depression following it. He will hear about Nazi Germany with its self-governing economy devastating to Rotterdam, the breakout of WW2 and the massive bombing of his city, and finally the complete destruction of the city harbour in the dreadful winter of 1945. The mayor remains calm. He absorbs the information and seems to find your predictions credible. And then he asks: If you were in my place hearing all this, and hearing all the other opinions and facts I receive every day, how would you expect me to use this information?

Aries de Geus told this story about the mayor and finally addressed the question to the audience at the conference «In the Long Run» in Berlin (it’s also available in his appraised book The Living Company). A hush fell on the room. And the apparent conclusion was the same as Aries de Geus always reaches when he poses the question for a group: We can’t expect the mayor to do anything with the information. The future can’t be predicted. Even though the information about the future was much more credible than usual, the mayor would neither have the courage nor the power to persuade others about the prediction of Rotterdam’s future and thus act upon it.

via Bruce Sterling

09:51 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

KICK OFF

Ich versuche immer wieder, Kunden davon abzuhalten, 2006 ausgerechnet auf die WM zu setzen. Beim ikf° sieht das etwas anders aus, zum einen weil sie mit Oliver Bierhoff natürlich schon einen namhaften Gast gezogen haben, zum anderen, weil ich Stephan Paul die Fußballbegeisterung blind abnehme – wer ein signiertes BVB-Trikot im Büro hängen hat, springt nicht einfach auf einen Marketing-Zug, sondern tut das, woran er glaubhaft selbst Spaß hat. Insofern gab es zum Finanzmarktforum 2006 nicht nur eine Kicker-Einladung mit Metallicgrün und -lila, sondern eben auch einen von Séan animierten Trailer im Sport-Look, der unter anderem die Einladung zum Leben erweckt.

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16. Februar 2006 16:15 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

Bonebomb

Kleines Abfallprodukt aus der Arbeit am Elektra-Abendprogramm. Text von Brian Eno.

15:50 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

HAPPY BIRTHDAY

Die beste Mum von allen wird 60.
Sendet doch bitte alle mal eine Glückwünschspam-Mail an: schellnack@stsnet.de

15. Februar 2006 12:52 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

Valentinstag

Schon etwas seltsam, daß heute eigentlich mein neunter Hochzeitstag wäre und das 19. Jahr mit Sassa. Allow me five minutes of feeling completely weird.

Und wo wir bei bemerkenswerten Zahlen sind… heute ist der 55. Geburtstag von Hermann, alles Liebe Meister!

Und all you lovers, feiert schön.

14. Februar 2006 11:30 Uhr. Kategorie Leben. 2 Antworten.

Licht und Schatten

Und wieder ein neuer Schwung Holga-Photos von Julia Kappus für das Licht-und-Schatten-Symphoniekonzert der Bielefelder Philharmoniker.

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11:18 Uhr. Kategorie Arbeit, Design. 2 Antworten.

360°

360°-Photos erfreuen sich dank Stitching-Software großer Beliebtheit, sind aber nach wie vor kompliziert zu erstellen und eben nicht wirklich echt. Mir ist noch nicht klar, ob die 360 nun nur ermöglicht, EInzelbilder aufzunehmen, die man wieder stitchen muß, oder motorbetrieben eine durchgehende Panoramaaufnahme machen kann. Zumindest aber lassen sich so auch abstrusere Aufnahmen, etwa diagonal oder mit Bewegung realisieren. Schönes Sony-esques Design.

Based on an ergonomic cylindrical form, the 360 is a camera that allows the user to hold the camera with one hand, without need for aim or balance, and take an all-round picture. An angle indicator provides a gauge on the direction of the rotating head and is also an additional detail to provide the camera with a stronger and steadier feel while in operation.

Hier

10:31 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

Caché



Michael Haneke
, der schon für den ästhetisch und inhaltlich wegweisenden und ungewöhnlichen Funny Games verantwortlich zeichnete, macht direkt zu Beginn seines Films klar, daß Caché ein Film der Ruhestörung ist. Ein fast stillstehendes Bild eines Pariser Reihenhauses, nur überlegt von den Startcredits, minutenlang, ab und zu ein Passant. Erst als die Cue-Streifen eines Videorekorders sichtbar werden, versteht man, daß es sich um den Inhalt einer Videocassette handelt, die dem Ehepaar Georges und Anne Laurent eingewickelt in einer Zeichnung von einem blut spuckenden Jungen zugespielt wird. Und nicht umsonst heißt der Film Caché, Versteckt, denn durch das zunächst harmloswirkende, eher voyeuristische Eindringen einer unscheinbaren Störung des Alltags brechen verdrängte Kindheitserinnerungen hervor, verschwommene Schuldgefühle, die Vertrauen und Ehe des von Juliette Binoche und Daniel Auteuil mit aller Ruhe gegebenen Paares erschreckend schnell erodieren. Die Angst vor Stalking und die Suche nach einem möglichen Motiv führen den TV-Buchkritiker Georges zu einem Unrecht, daß er als Kind dem algerischen Jungen Majid auf dem Hof seiner Eltern antat. Als noch der Sohn der beiden, Pierrot, verschwindet, eskaliert die Situation.

Der Österreicher Haneke erzählt seine Gesichte in fast zeitlupenhaften Bildern, bei denen man nie sicher ist, ob man den Film sieht oder schon wieder eine Videoaufnahme, bei der man als Zuschauer den Bildern bald nicht mehr trauen kann und mag, bei dem Film sich selbst ad absurdum führt. Kammerspielartig und dramaturgisch konsequent dekonstruiert er die zivilisierte Mittelschicht-Harmonie, das augenscheinliche Designerglück der Laurents in ihrer schicken Wohnung und dem 7er BMW, den erfolgreichen Jobs und dem sportiven Teenager auseinander. Vertrauensdefizite, Erziehungsprobleme, Ehebruch, werden in gefroren kalten hypnotisch inszenierten graublauen Bildern fast bewegungslos entblättert, in denen das Blau einer Jeans fast die intensivste Farbnuance ist. Die Welt von Georges und Anne ist kalt, silbergrau, metallisch, oft halbdunkel. Fernsehbilder und selbst die Naturfarben vor dem Haus und auf dem Hof von Georges Mutter wirken da fast zu grell, fast störend. Die Videokassetten, die latente Verfolgung, die blutig-krakeligen Kinderzeichnungen, zerreißen dieses gekaufte Glück so schnell, als habe er nie Stabilität gehabt, zunehmend dringt Georges verdrängte Kindheit in seinen Alltag, so wie der Fernseher in den gigantischen Bühnenbild von Georges Büchersammlung wie ein störender Fremdkörper wirkt.

Es gelingt Caché zudem, von dem persönlichen Zerfall, dem Wiederaufbrechen verdrängter Amoralität in die scheinbare neubürgerliche Spießer-Idylle, dezent auf eine größere gesellschaftliche Ebene zu lenken, die Brücke zu schlagen zum Algerien-Massaker in den Sechzigern in Frankreich (vor dessen Hintergrund sich die Geschichte von Majid und Georges auf dem elterlichen Hof abspielt) und von dort zum aktuellen Irak-Konflikt. Die Geschichte zwischen dem französischen und dem algerischen Kind wird so zur Miniatur eines größeren Unrechts und die Tatsache, daß die Kinder beider in diesen nie abgeschlossenen Konflikt erneut durchleiden vielleicht zur Metapher für den neuen Konflikt zwischen dem kühlen Kristallpalast der westlichen Welt und der Welt des Islams. Ist das so… interpretiert man es nur hinein? Der Film läßt es offen. Beiläufig inszeniert Haneke eine hermeneutische Schnitzeljagd aus Lügen und Andeutungen, in der das Ungesagte bald wichtiger ist als die Erklärungen. Die extreme Ruhe von Caché hebt die einige brutale Stelle des Fims auf ein Schock-Niveau, das Gewalt in modernen Filmen fast verloren hat. Eingelullt in den sanften grauen Takt des Filmes, die Kammerspiel-Ästhetik, kommt der Selbstmord von Majid plötzlich, unerwartet, grausam und real wie selten ein Kino-Moment. Ich habe lange nicht mehr jemanden im Kino wirklich vor Schreck Luft schnappen gehört. Selbst in seiner Reflektion des europäischen und globalen Integrationsproblems bleibt Michael Haneke mehrdeutig, interpretationsoffen. Das es eine Meta-Thematik gibt, daran aber läßt die Ästhetik des Films keinen Zweifel, wenn ein Newssender als dritte Figur im Dialog von Auteuil und Binoche simultan in der Zentralachse des Bildes die Nachrichten zum Irakkrieg verbreitet. Überhaupt ist beeindruckend, wie vielschichtig Haneke das Thema Wahrheit und Fake, Schuld und Verdrängung auf vielen Erzählungsebenen immer wieder aufgreift, sei es in Tischgesprächen, sei es in TV-Montagen, sei es in fast hingeworfenen Hinweisen wie dem Schwimmleherer-Kommando an den Sohn, nach dem Wenden unterwasser zu bleiben und nicht für Luft nach oben zu kommen, sei es die Tatsache, daß der Sohn Pierrot seiner Mutter eine Affaire mit ihrem Arbeitgeber und bestem Freund unterstellt… der passenderweise Pierre heißt. Die Mutter streitet den Vorwurf entsetzt ab… und der Betrachter bleibt allein mit der Frage, wieviel dran sein mag an Pierrots Vorwurf, wo die Demarkationslinie zwischen Teenager-Paranoia und Lebenslüge der Erwachsenen verläuft.
In einer solchen Flut von Interpretationsangeboten bleibt auch das Ende des Films mehrdeutig. Die Antwort, daß die nächste Generation – aus welchen Gründen auch immer – möglicherweise mit den Videobändern gemeinsam den Konflikt der Eltern erneut ans Tageslicht bringt, scheint mir da fast zu einfach. Ebenso gut hätte Georges sich selbst die Bändern schicken können, ebene so gut können die Aufnahmen – deren Kameramann Georges nie beim Filmen sieht – von einer höheren Gewalt kommen können, einen Deus Ex Machina, der sich schicksalsgleich ins die falsche Idylle von Georges und Anna einmischt. Hanekes Film ist so oder so eine Parabel, da macht es vielleicht Sinn, sich der Aufgabe eines Films, Antworten und Auflösungen zu liefern, zu entziehen. Die liefert das echte Leben ja schließlich auch nicht.

Im Essener Astra-Kino rutscht der Film an einer Stelle aus dem Projektor und der Film endet so für einen Moment abrupt mit der Starteinstellung des Hauses des Paares. Ein letzter Ton, und die Leinwand wird schwarz, das Saallicht geht simultan an. Die Unsicherheit im Publikum, ob der Film an dieser Stelle vielleicht einfach endet, abrupt, mitten in der Handlung, das nervöse Lachen – all das macht klar… niemand hier ist wirklich sicher, ob Haneke den Film nicht vielleicht doch so enden lassen würde.

Ein größeres Kompliment scheint kaum denkbar, hebt Haneke in Sachen Irritation für einen Moment auf Lynch-Niveau… und das echte Ende von Caché ist tatsächlich kaum weniger verstörend.

13. Februar 2006 14:50 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

Design Anarchy

Bei den Adbusters gibt es das Buch/Manifest Design Anarchy des Mitbegründers Kalle Lasn zu erstehen. Gestaltet im liebevollen, manchmal vielleicht etwas zu trashigen Adbusters-Look, faßt es die Philosophie und auch einige Aktionen der vielleicht signifikantesten Bewegungen gegen die Durchkommerzialisierung öffentlicher Kommunikation zusammen. Wer Tibor Kalmans First Things First Manifest mochte oder die Bücher von Rick Poynor, wird dieses Buch auch lieben, denke ich. Wenn nur das Shipping nicht an sich halb so teuer wäre wie das Buch selbst…

11. Februar 2006 10:43 Uhr. Kategorie Design. 2 Antworten.

ICQ MIRANDA FIX

Mein Miranda spinnt seit heute morgen. Julia hat rausgefunden, woran es lag und ich teile die gute Nachricht mal. Die ICQ-Betreiber, bei allem Respekt vor der kommerziellen Logik hinter der Entscheidung, daß wer den Service von ICQ nutzt, auch deren Werbung sehen soll, hebeln sich selbst aus, wenn sie versuchen, freie Clients wie Miranda oder Trillian zu attackieren. Niemand nutzt schließlich ICQ langfristig in der schrecklichen eigentlichen Version, die die anbieten… und ich denke, eine Alternative entstünde schneller, als die AOL-Jungs (denen ICQ schließlich gehört) «Napster» sagen können.

10:39 Uhr. Kategorie Online. Eine Antwort.

SAW II

Der erste Teil von SAW war für mich eine Enttäuschung. Was ein kleines wunderbar böses Kammerspiel hätte sein konnte, folgte den durchschnittlichsten Genreregeln und enttäuschte durchweg. SAW versuchte einfach, mit Jigsaw einen weiteren stereotypen Villain zu etablieren, einen Psycho-Killer aus der endlosen Reihe von Hannibal Lectors und Freddies.

SAW II schließt an den ersten Teil an, integriert den Background von Jigsaw etwas befriedigender und läuft – von den teilweise wunderbar phantasievollen sadistischen Todesfallen, an den Edgar Allen Poe seine Freude gehabt hätte, die Spritzen oder der Glaskasten mit den Rasierklingen sind wunderbar bösartig – nach einem recht klassischen Abzählreim-Schema ab, auch die Beziehungen der Protagonisten und die Charaktere sind eher flach und durchschaubar, der Plot durchweg deja vu.

Bemerkenswert ist der auch in anderen Genrefilmen zunehmend verwendete Ansatz, mit Doppelbelichtungen und anderen aus Musikvideos entlehnten Effekten wirklich sinnvoll narrativ zu arbeiten, also Zeit und Story zu kondensieren, indem wichtige Story-Informationen auf dieser abstrakteren Erzählebene geliefert werden. Das verleiht dem Film ein solides Tempo, man kriegt den nötigen Background on the fly geliefert, ist aber ansonsten sofort in situ. Wirklich gelungen an dem Film ist die – bei Alan Moores Watchmen entlehnte – Idee, das die tatsächliche böse Tat (acht Personen, die in einem Haus von Jigsaw gefangen sind und verschiedene Fallen durchlaufen, sich gegenseitig umbringen und so weiter) zum Zeitpunkt des Films bereits passiert und abgeschlossen ist und der Film also erzählerisch zwei Zeitläufte parallel zusammenbringt, die eigentlich seriell hintereinander liegen. Aus der Illusion von Simultaneität entsteht die Spannung des Films und aus den Handlungen des Protagonisten Dective Matthews (gespielt von Donnie Wahlberg), eines um seinen Sohn kämpfenden, spürbar der David-Mills-Figur aus Seven entlehnten, desillosionierten Cops – ergibt sich so eine schöne verzweifelte Moralgeschichte zwischen der von Tobin Bell verkörperten Figur des Jigsaw-Killers und dem Helden, der de facto durch seine eigenen Handlungen, seine Gewalt und Ungeduld, den eigenen Untergang in Gang setzt, weil er eben nicht ruhig und besonnen abwartet, sich nicht an Jigsaws Spielregeln hält. So liefert der Film am Ende ein zwei interessante Twists am Ende, die dem ersten Teil weit voraus sind, und hat auch auf der Metaebene eine schöne Auflösung, zumal der Sohn des Cops niemals wirklich in Gefahr war, sondern nur Jigssaws McGuffin ist.

Die Arbeit der Setdesigner, die ebenfalls spürbar von Seven und Fight Club inspiriert sind, ist für einen reinen B-Movie ausgezeichnet. Überhaupt, da ich solche FIlme meist eher auf DVD gesehen habe, fällt mir auf, wie viel wirkungsvoller ein Horrorfilm dann eben doch im Kino wirkt, wo man konzentrierter ist, wo Sound und Bild eindrucksvoller sind und bestimmte Effekte einfach druckvoller funktionieren.

SAW II ist natürlich kein wirklich guter Film, aber auch keine Enttäuschung. Was dem Film vielleicht fehlt, ist das über das Genre hinausweisende von Filmen wie der stilistisch hier ja stark kopierte Seven, das wirklich Innovative in plot und der Entwicklung von Charakteren, der Mut mehr zu sein als ein reiner Gruselthriller. Was etwas schade ist, zumal ich nach wie vor finde, die minimalistische Ausgangssituation des ersten Teils hätte mehr hergegeben, ebenso die düstere Variante der Big-Brother-Idee von acht eingesperrten Kriminellen in diesen zweiten Teil. Vielleicht etwas mehr Psychologie, etwas mehr narrativer Mut, etwas weniger Klischee und man hätte einen besseren Film gehabt.

10. Februar 2006 18:27 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

J.G. BALLARD SUPER-CANNES


J.G. Ballard ist so ein Autor, den ich lange Zeit aus den Augen verloren habe. Concrete Island, Crash und High-Rise waren so drei Bücher von ihm, die ich als Youngster gelesen und geliebt habe. Amoralisch, surrealistisch und wie Kafkaeske Miniaturen kombinieren sie personal perversion und die Abstrusität technologischen Fortschritts, weit ihrer Zeit voraus, stilbildend, klaustrophobisch. Das auf die Fusion von Sexualität und Mobilität, Prothese und Körperextension abzielende Crash war – anders als der Film – so verstörend, daß ich lange keinen Ballard mehr angefaßt habe. Zu Unrecht.

Super-Cannes, 2000 veröffentlicht, hat nicht nur ein phänomenal schönes Cover und überzeugt mit schönem ruhigen Satz, es ist auch ein Ausnahmebuch. Rein oberflächlich gelingt es Ballard hier, Raymond Chandler neu zu kanalisieren und in Form des verletzten britischen Piloten Paul Sinclair, der gemeinsam mit seiner Frau Jane in den Elite-Industriepark Eden-Olympia einzieht, einen seltsam Marlowe-Wiedergänger zu erfinden. Kein verknautschter Detektiv, keine platte Kopie, aber so ab Mitte des Buches wird klar, daß Ballard sich strukturell greifbar auf die Gumshoe-Romane von Chandler und Hammett bezieht. Die Femme Fatales, das Vorwärtstreiben des Plots, die Tatsache, daß unser Held von allen Beteiligten der einzig Naive, der einzig Ahnungslose, wenn auch nicht Unschuldige, bleibt, die Art und Weise, wie immer wieder ein weiterer Hint die Handlung nach vorne pulsiert… das ist schon greifbar von Chandler und Co inspiriert, aber so raffiniert, so dezent, daß man es nur als Subtext wahrnimmt. Als Motiv, so wie die auf den verschiedensten Ebenen immer wieder aufgegriffenen Alice-hinter-den-Spiegeln-Thema.

Der Plot des Ehemannes, der hinter der sauberen Fassade der Gated Community gigantischer Weltkonzerne eine grausame psychopathische Entdeckung macht, ist eigentlich vorhersehbar und in fast Ira-Levin-Manier durchschaubar, tatsächlich sogar so sehr, daß man dem Protagonisten oft verzweifelt bei seiner Naivität zuschaut. Und tatsächlich geht es weniger um den «Thriller»-Plot, obwohl dieser spannend genug ist, das Buch allein deswegen zu lesen. Worum es geht, sind die Details. Keine Seite, die nicht von wunderbaren Vergleichen, Beschreibungen, Charakterisierungen, lebt, von fast ornamentaler Metaphorik, von doppeldeutiger, präziser Wortwahl. Fast keine Seite, die nicht mindestens einen Satz hat, den man wie ein teures Stück Schokolade ganz langsam und ganz bewußt im Mund zergehen lassen möchte. Dazu ist das ganze gespickt mit mal mehr mal weniger tiefen Einsichten in das Corporate Thinking, in die Zukunft des Kapitalismus, in die seelische Vereinsamung einer Leistungsträger-Gesellschaft. Es ist schwer, zu beschreiben, wie feingesponnen Ballards Wortwahl und Satzkonstruktion ist, was für ein rauschhafter Genuß sein überbordender, hart an die Persiflage von Beschreibungstechniken à la Chandler grenzender, Stil hier darstellt. Was wunderbar durchscheint ist das Bild einer Leistungsgesellschaft, in der die Arbeit für die Leistungsträger – die wenigen, die noch Arbeit haben – so erfüllend geworden ist, daß ihre Seelen und ihre Moral verümmern. Bereits ganz zu Anfang des Buches macht Ballard diese Logik der Businessparks als effiziente Melkmaschine menschlicher Arbeitskraft präsent, wenn er Wilder Penrose, den Psychiater des gigantischen Firmenareals zu Paul und Jane sagen läßt:

«On the whole, people are happy and content.»
«And you regret that?»
«Never. I’m here to help them fulfil themselves.» Penrose winked into Janes’s rear-view Mirror. «You’d be surprised by how easy that is. First, make the office feel like a home – if anything, the real home.»
«And their flats andhouses?² Jane pointed to a cluster of executive villas in the pueblo style. «What does that make them?»
«Service stations, where people sleep and ablute. The human body as an obedient coolie, to be fed and hosed down, and given just enough sexual freedom to sedate itself. We’ve concentrated on the office as the key psychological zone. Middle managers have their own bathrooms. Even secretaries have a sofa in a private alcove, where they can lie back and dream about the lovers they’ll never have the energy to meet.»

Die Story selbst bietet den Ballard-üblichen Blick auf eine postmoralische Gesellschaft, in der Kinderpornographie, Gewalt, Untreue, Prostitution akzeptabler Alltag, Kavaliersdelikte sind, in der der jegliche ethische Gewohnheiten relativiert, abgescheuert, obsolet wirken, ironisiert wie in Trance erlebt werden – was den surrealen Aspekt seiner Bücher ausmacht. Das sich der Plot dennoch – vor allem im Finale – geradezu patent als Stoff für einen Blockbuster anbietet, man sieht förmlich schon die ausgewaschenen kalten Glasstahlfarben des Businessparks und die lebendige crossentwickelte Grellheit von Cannes selbst, gelingt aufgrund der treibenden Pageturner-Rhythmik, die Ballard dem Stoff verleiht, wobei er so früh auf allen Textebenen Vorandeutungen säht, daß sich im weiteren Verlauf des Buches immer wieder wunderbare kleine hermeneutische Pay-Offs ergeben. Es macht einfach Spaß, diese einzigartige Konstruktion des Buches – also im Grunde das Simulacrum eines Thrillers als belletristischer Form – zu entdecken, freizulegen und im Sonnenlicht Ballards Handwerkskunst zu bewundern. Egal, ob als High-Tech-Thriller mit mahnend sozialem Unterton oder als schriftstellerisches Juwel oder als schrill überbelichtete Momentaufnahme einer hyperkapitalistischen Gesellschaft, der der moralische Kern abhanden gekommen ist – Super-Cannes ist ein ebenso spannendes wie berührendes, befriedigendes wie poliertes und bedeutendes Buch.

9. Februar 2006 04:01 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

4 GEWINNT (EXTENDED REMIX BY MAORI)

Unser japanischer Freund hat die Vier Apokalyptischen Fragen nicht nur beantwortet, sondern in gewohnt gnadenloser Kreativität auch neue erfunden. Und ja, das gibt Rückspiel.

4 Jobs, die du gern gemacht hättest
Schlagzeuger, Professor für Kommunikationswissenschaft, Unternehmensberater, Autor.

4 Personen, die du nicht magst
Ah, ich mag jeden. Ehrlich.

4 lecker Biersorten
Ich trink kaum Bier. Die meisten Schwarzbiere sind okay. Desperados und sowas auch.Ansonsten mag ich lieber Longdrinks oder Wein. Bei Konzerten tuts eigentlich jede Sorte Bier, das gehört dazu, aber bei normalem Pils oder Alt schmecke ich keinen Unterschied, das ist, als fragst du mich nach Unterschieden bei Zigarettensorten.

4 wichtige Erfindungen
Leben, Sprache, Gott, Elektrizität

4 Ticks
Nervöses Trommeln, unkontrollierter Redefluß, manische Zerstreutheit, permanentes Lesen.

4 wichtige UhrzeitenKeine.

4 Bücher, die du weiterempfiehlst
Auf nur vier Bücher kann ich mich echt nicht festlegen.

4 Dinge, die du noch unbedingt kaufen musstGitarreneffektbrett, Bilder, EOS 5D, Weihnachtsgeschenke

4 Leute, die du hier grüßen möchtest
Hallo, hallo, hallo und hallo! Ihr seid gemeint.

6. Februar 2006 11:47 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

KURT MASUR IN ESSEN

Die Frage, die man sich angesichts der drei Konzerte von Kurt Masur und dem London Philharmonic Orchestra stellen muß, ist, ob klassische Musik nur noch als Event Erfolg haben kann. Die Preisstruktur der drei ausverkauften Konzerte liegt im Rang zwischen 95 und 130 Euro pro Sitzplatz, was die vergleichsweise günstigen 10 Euro für reine Hörplätze nicht ganz ausgleichen. Natürlich bieten Masur und die von ihm geleiteten jungen gutaussehenden Musiker glasklare Klassik der Oberliga, so makellos, daß man bei geschlossenen Augen vor allem bei Tschaikowskis verspielt gegebener vierter Symphonie das Gefühl nicht abschütteln kann, man höre eine CD. Die Akustik der Essener Philharmonie ist mir dabei, wie bei allen modernen Bauten dieser Art, zu clean, zu offensichtlich mit dem Computer auf idealen Klang berechnet. Mir fehlt die Wucht, dieses körperlich-barocke Gefühl eines Livekonzertes. Schon im 1. Rang fehlt der Musik das für meine Begriffe Fundament und Wucht zugunsten von Transparenz und Klarheit. Was sicher audiophiler ist, aber die Musik einfach entkörperlicht. Die Wahl der Stücke ist zu zwei Dritten gefällig – Tschaikowski und Richard Strauss Eulenspiegel –, nur, in der beliebten Sandwichtechnik vieler klassischer Konzerte, in der Mitte wird etwas geliefert, was etwas gegen den Mainstream harmloser Klänge und spielerischer Mätzchen anstachelt, nämlich Sergej Prokofjew 2. Konzert für Klavier und Orchester, das die russische Grande Dame Elisabeth Leonskaja ganz und gar zu ihrem Stück macht. Das eigentliche Highlight des Abends ist die unscheinbar mit Rock und Pulli gekleidete, brav und ruhig wirkende Künstlerin, die am Klavier zum Orkan wird, wütend und atonal durch die brachiale Düsternis von Prokofjews Mix zwischen harmonischem Wagemut und Dissonanz irrlichternder Komposition. Ihre wüst explodierende Klavierkaskaden, von Masur klugerweise nur minimalst begleitet, sind spürbar eine Herausforderung für ein Publikum, das hier offenbar eher die leichte Klassik für teures Geld sucht, und entsprechend fällt der Applaus an dieser Stelle vielleicht auch einen Hauch karger aus als bei den beiden anderen, lieblicheren Stücken. Dabei ist dieses Stück Fleisch zwischen den beiden Weißbrotscheiben die eigentliche Leistung des Abends, der eigentliche Event eben nicht der Gewandhauskapellmeister Masur, der souverän und dabei stets amiabel den Abend leitet, sondern Leonskaja und ihr Mut, für einen kleinen Moment der Upper Crust des Ruhrgebietes Schwerverdauliches zu bieten.

Entschlossen, ein so teures Event auch zu genießen,läßt sich diese davon nicht die Stimmung verderben und entblößt in Pause und nach Konzertschluß, daß es hier wohl für viele eher um Sehen-und-Gesehen-werden geht als um klassische Musik. Die, das muß man einfach so sehen, kann man in gleicher Qualität auch jenseits solcher Events zu einem Bruchteil des Eintrittspreises eigentlich jederzeit auch anderenorts im Ruhrgebiet hören, die spielerischen Nuancen zwischen einem A-Orchester wie den London Philharmonics und lokalen Symphonikern und Philharmonikern dürften sich nur wirklichen Kennern erschließen, während die lokalen Klangkörper (und nicht zuletzt auch die Studenten, wie etwa die Abschlußkonzerte der Folkwangschule immer wieder belegen) einfach mutiger und meist auch sympathischer zu Werke gehen in Sachen Stückauswahl, Arrangement und Spielfreude – und die nicht zuletzt entscheidender sind für die lokale Kulturszene, für die Bildung und die eine langfristigere, meist engagiertere Auseinandersetzung mit der Klassik bieten, die über ein einzelnes Highlight-Konzert hinausreicht.

So ist es eben vielleicht etwas schade, daß ein enagierter und kluger Intendant wie Michael Kaufmann sein Marketing-Budget doch auch eher in die Events steckt, die ohnehin quasi automatisch ausverkauft sind. Dahinter steckt die alte Marketing-Logik, à priori sein Geld auf das Siegerpferd zu setzen. Der (ohnehin eintretende) Erfolg bestätigt dann meist die Marketingabteilung, während es natürlich sehr viel mehr Risiko bedeuten würde, unbekannte(re) Künstler oder eine kleine aber feine Konzert-Reihe mit vergleichbarem Aufwand zu pushen – schließlich ist hier die ausverkaufte Halle eher unwahrscheinlich. Was schade ist, denn so etabliert sich mehr und mehr, daß Klassik punktuell eben als reines High-Society-Event hochstilisierbar funktioniert, nicht aber als lebende, pulsierende, relevante Kulturform wie etwa das Theater. Natürlich sind Masur, Maazel, Netrebko & Co meist auch zu Recht ausverkaufte Events, vergleichbar mit Großkonzerten wie U2 oder REM, ohne die die Konzerthäuser ganz einfach nicht finanziell überleben könnten. Aber, wie im Rock’n'Roll und im Jazz eben auch, kann eine Musikform nur durch die kleinen, innovativen Impulse überleben. Insofern tut es Not, jenseits der in der Mischkalkulation unverzichtbaren Konzerte für Damen im Pelzmäntelchen Formen von klassischer Musik zu (er)finden und zu etablieren, die ein Publikum zwischen 25 und 45 mittelfristig mobilisieren können und einen Bezug zur lokalen Szene haben oder kleine, feine Importe sind – und diese auch kraftvoll nach außen zu kommunizieren. Anderenfalls verfehlen die Konzerhäuser nicht nur ihre Funktion als kulturelle Einrichtungen, sondern verspielen auch ihre eigene Zukunft. Kaufmann beweist mit seinen Reihen und zahlreichen gut zusammengestellten Konzerten jenseits des Mainstreams unter harten Bedingungen ein enormes Talent als Konzerthausleiter – es ist nur etwas schade, daß diese neben den Eventkonzerten ein Schattendasein fristen, oder?

Photo: Sasha Gusov

5. Februar 2006 17:58 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

4 GEWINNT

Niemand rechnet mit der Spanischen Inquisition. Aber Signalgrau-Meister Martin Kretschmer will Antworten. Die soll er haben.

4 Jobs die du in deinem Leben hattest
Zeitungen verkauft, Bücher übersetzt, Sütterlin transkribiert, Unternehmer beraten.

4 Filme die du immer wieder anschauen kannst
Keine. Brazil und Jacqes Tatis Playtime sind Anwärter.

4 Orte in denen du gewohnt hast
Essen. Was anderes ergab sich bisher nicht und ich mags hier so mittendrin. Macht mir Angebote, die ich nicht ausschlagen kann.

4 TV-Serien die du gerne anschaust
Nichts mehr. TV ist seit Ende November abgeschafft.

4 Plätze in denen du im Urlaub warst:
USA, England, Tschechische Republik, Belgien

4 Webseiten, die du täglich besuchst
Spiegel, Bruce Sterling, Future Feeder, Fontblog

4 Deiner Lieblingsessen
Frühstück. Fondue. Selbstgemachte Pizza. All kinds of Fingerfood.

4 Plätze wo du gerne im Augenblick sein möchtest:
Genau hier. Ansonsten wären gerade ein paar Tage Urlaub in einem wildfremden Land mit viel Sonne sicher auch nicht zu verachten.

4 Blogger die du taggst
Markus
, Maori, Jens, Nick

3. Februar 2006 15:51 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

MÜNCHEN

Ich gehe stets etwas ängstlich in einen Spielberg-Film. Zum einen, weil ich der festen Überzeugung bin, daß Spielberg mit Duel direkt als Erstling seinen besten Film abgeliefert hat, zum anderen weil man bei ihm nie weiß, ob der Film, in den man sich da hineinbegibt, wirklich taugt. Steven Spielberg ist einerseits der Regisseur seiner Generation und einer der besten Handwerker, die man sich denken kann, andererseits hat er einen unglaublichen Hang zu Schmonzette und Kitsch, zu Happy End und Hurra-Patriotismus-Attitüde. Und, schlimmer noch, er haut nicht ungern mit groben Metzgerhänden in die Gefühlstastatur und macht so selbst in einem Film wie Schindlers Liste den Fehler, auf Subtilität zugunsten von holzhammerartiger Musik/Bild-Komposition zu verzichten.

Diese Tendenz will nun so gar nicht zu dem 1972er Attentat von München passen und erst recht nicht zu dem diffizilen Thema wie ein Staat auf Terror reagieren soll, ob «Auge um Auge» die adäquate Reaktion demokratischer Staaten auf eine exogene Bedrohung sein darf. Läßt man sich auf Spielbergs historisch umstrittenen Ansatz ein, überzeugt der Film aber trotz oder vielleicht auch gerade wegen der recht kurzen Produktionszeit über weite Strecken. Eric Bana zeigt hier nach dem entsetzlichen Hulk endlich, was in ihm steckt (und in Chopper ja auch schon offensichtlich war), nämlich ein wandlungsfähiger Darsteller, der die Transformation des Mossad-Agenten Avner vom karrierehungrigen Staatsdiener zum paranoiden, von Zweifeln zerfressenen Outsider glaubhaft tragen kann. Dank Bana und der exzellente Darstellercrew, die bis in die Nebenrollen absolut hochkarätig besetzt ist, gelingt Spielberg mit seinem Drehbuchteam Tony Kushner und Eric Roth ein Film, der nicht nur ein «based on facts» Thriller ist, sondern vor allem eine vielseitige Charakterstudie, in der nahezu jede Figur dreidimensionale Tiefe besitzt, Motivation, Träume, Glauben, Ideale. Die Grenze zwischen Terrorist und Soldat, zwischen Tätern und Opfern, verwischt hier spürbar in einem endlosen Kreislauf, dessen Anfänge aus der Gegenwart längst nicht mehr zu ergründen sind. Mit Avner erkennen wir, daß Gewalt nur Gegengewalt erzeugt, daß auf jeden ermordeten Terroristen nur sechs neue folgen, daß die andere Seite ebenso spirituell motiviert ist, wie Avner selbst. Die subtile Verwandlung von Avner und seiner Crew, die zuerst vor ihrem ersten Mord zurückschrecken und nervös sind (und ihre Bombenfernsteuerung noch mit Tesafilm sichern) zu eher kaltblütigen Söldnern, die mehr und mehr auch Kollateralopfer in Kauf nehmen und denen es weniger um die Moral und mehr und mehr um den Kill-Thrill geht (klasse verkörpert von Daniel Craig, dem nächsten Bond-Darsteller), ist eines der Highlights der Filme.

Natürlich bleibt Spielberg eben Spielberg – und wie in allen seinen Filmen geht es zentral um die Bedeutung der Familie. Avner gelingt mehr schlecht als recht ein Ausstieg aus seinem Job, auch wenn er einen hohen Preis dafür zahlt, in die Arme von Frau und Kind, im Exil in Brooklyn. Das selbst sein ehemaliger Vorgesetzter, derjenige also, der ihn überhaupt erst korrumpiert hat, nicht mehr bereit ist, das Brot mit ihm zu brechen, ist die finstere Ironie des Films. Es wäre vielleicht nicht mehr nötig gewesen, als letzte Einstellung auf die Twin Tower des WTC zu schwenken, den Terror der Zukunft zu antizipieren, das Nicht-Enden-Wollen des Konfliktes, den Spielberg uns in seiner 70er-Jahre-Variante gezeigt hat. Dieses Ende, das die aufgezeigte Sinnlosigkeit des PLO/Israel-Konfliktes der 70er zum Kommentar auf die heutige Zeit adeln soll, wäre vielleicht sogar klasse, wenn die Kamera nur kurz die Tower streifen würde. Aber so bleiben sie zu lange im Bild und es setzt schwer emotionale Trauermusik ein… das ist einfach zu dicke, sorry. Dabei ist die Erkenntnis, daß wir heute eine globale Neuauflage der lokalen Terror-Konflikte erleben und dabei die gleichen Fehler in größerem Maßstab wiederholt werden, als habe man nichts dazugelernt, ja durchaus richtig.

Solche Aussetzer hat Spielberg hier und da eben. Wenn sich Israelis und Palästinenser nicht auf eine Musik einigen können und am Ende US-Soul den Konsens schafft. Wenn die Münchener Geißeln auf dem Flughafen in der Rückblende abgemetzelt werden, während Avner mit seiner Frau schläft, ohne seine inneren Dämonen abschütteln zu können. Thanatos und Eros, schon klar – ein Motiv das abgeschwächt auch früher schon auftaucht, wenn ein PLO-Chef in einer Lache von Blut und Milch stirbt. Die Tatsache, daß der Film in sonnigen ausgebleichten Retro-Farben anfängt, um gegen Ende so blaustichig und düster zu werden wie ein Matrix-Film… und so dauerverregnet wie Take-That-Videoclip. Als Symbol für die Verdüsterung von Avners Welt, in der er vom Soldaten zum Auftragskiller, schließlich zum Gejagten wird, sicher nicht schlecht, aber auch offensichtlich. Und so weiter. Dramaturgische Kunstgriffe die gut sind, aber eben vielleicht oft auch etwas zu heavy handed wirken.

Die Ästhetik des Films ist umwerfend. Bauten, Kameraeinstellungen, Licht, Sets, Kostüme sind grandios. Bewußt oder unbewußt zitiert Spielberg Filme der 60er und 70er, Magazinposen, Farben ausgebluteter Familienphotos, Moden, München ist eine Tour de Force durch Agentenfilme von Doris Day bis zu Hitchcocks Torn Curtain. Wie schon in Schindler, Private Ryan und Catch me if you can zeigt sich Spielberg als stilsicher, wenn es darum geht, eine Epoche glaubhaft wieder auferstehen zu lassen. Hier tut er es ambitionierter, tiefer, komplexer als jemals zuvor. München wirkt vielschichtiger, diffiziler, subtiler als Schindler, vielleicht weil auch die Moral von der Geschichte eben nicht ganz so simple schwarzweiß ist, sein kann. Spielberg ist für diesen Film von jüdischer Seite heftig attackiert worden, was mich wundert, weil die israelische Seite verhältnismäßig gut wegkommt. Als platter Proagandafilm aber taugt München gar nicht, dafür wird zu greifbar, daß die Palästinenser auch nur Menschen sind, die Israelis sich von rächenden Helden zu kaltblütigen Terroristen wandeln und eigentlich alle miteinander in einer großen grauen Arena kämpfen, in der es Gut und Böse nicht einmal annähernd gibt. Noch am moralischsten in seiner ganzen Amoral kommt die von Michael Lonsdale gespielte Figur des französischen «Papa» vor, der die ganze Sache eher im Kontext von Geschäft und Familie sie, nicht von Staaten und Politik. Ihm geht es um Ehre, Familie, Freundschaft… und ums Geld. Gemessen an den Sprüchen der israelischen Generäle wirkt er damit als zwielichtige Figur, die parasitär auf beiden Seiten des Konfliktes Informationen verkauft, absurd aufrichtig und anständig.

Alles in allem gelingt Spielberg hier vielleicht der Film seiner Karriere, ein oft rohes, modernes, unausgewogenes, unvorsichtiges Stück Kino mit mehr Mut als Verstand, das sich anfühlt, als wäre es im Rennen, ohne Zurückzublicken entstanden. Der Film wirkt – im Gegensatz zu anderen Filmen von Spielberg – so frei von Marketingbedenken, von Testvorführungen und Sponsoring, daß er allein schon deshalb eine Wohltat ist. Klar weiß man, daß es Steven hier auch um den Oscar geht… aber trotzdem fragt man sich unwillkürlich, warum ein Mann, für den Geld keine Rolle mehr spielen kann und der einen Film wie München in nur sechs Monaten aus dem Ärmel schütteln kann, überhaupt noch einen schrecklichen Kommerzschwulst wie Krieg der Welten oder Terminal produziert. Unterm Strich, sieht man von den vertanen Chancen der Subtilität hier und da ab, ist München ein großartiger, spannender, emotionaler Film, mit grandiosen Darstellern, liebevollen Sets, der in wunderbaren Bildern aus einem diffusen paranoiden selbstfütternden Konflikt ohne jede Moral eine Art Moralgeschichte zaubert.

Oh… und für euch Leute, denen meine Posts zu lang sind: Film doppelplusgut.

14:49 Uhr. Kategorie Film. Eine Antwort.

Tomte zakk

Es gibt sie noch, die guten Dinge. Zum Beispiel Konzerte für 15 Euro, die ihr Geld wert sind. Dank der obernetten Margarete Nüsken hat es heute doch noch mit den Tomte-im-zakk-Tickets geklappt (merci) und allein die Vorband, Rogue Wave, waren die 15 Euro allein schon wert. Die Band um Zach Rogue bringt Americana-Rockpop à la REM oder My Morning Jacket, vor allen in den ruhigeren Nummern. Spieltechnisch den Headlinern um einiges überlegen, gehen die vier Amis ihren Gig mit Druck und einer Freude am Zocken an, die einfach Spaß macht. Daß Tomte die Combo selbst gut finden und bei einer Nummer Tomte-Gitarrist Dennis, der übrigens entfernt wie Markus Sorger aussieht, mitspielt, spricht da für sich. Schon geil, daß man über Support-Gigs immer wieder gute Bands kennenlernt. Vor allem, wenn man direkt seitlich vorne an der Bühne stehen kann und ideale Sicht hat. Nach dem exzellenten Warm-Up kommen dann Thees und Combo selbst, scheuen sich nicht, gleich am Anfang die Knaller zu verbraten. Freude macht mir Dennis Becker an der Gitarre, der simpel cool und melodisch seinen Zeug wegspielt und dabei charmante New-Wave-Bewegungen macht, weniger Freude macht mit Drummer Timo, der zwar solide seinen Beat spielt und die Stücke nicht kaputt frickelt, aber bei Fills meist etwas hölzern und mit Aussetzern kommt. Schade. Uhlmann selbst quasselt sich weitgehend allürenfrei minutenlang charmant in deinen Kopf hinein und charmiert mit Ansagen wie: «Sagt auf 4 mal alle euer Lieblingsessen… Königsberger Klopse hat übrigens schön viele Silben». Das er fix aus einem Publikumszuruf noch einen Ollie-trink-Bier-Song für Baßmann Oliver Koch zaubert.. yeah, perfekt. Die Mucke selbst ist einfach gestrickt, und bei so einem Konzert fällt auch fix mal auf, wieviele Songs von Tomte einer doch sehr gleichen Konstruktion folgen, aber so what. Es gibt ein schönes langes Konzert, zwei klasse Zugaben und bei Schönheit der Chance zur zweiten Zugabe hin einen Publikumschor, der scheinbar auch Thees selbst die Gänsehaut bringt. Die Songs sind kraftvoller, bandorientierter, nen Hauch punkiger als auf dem Album, insofern meist lebendiger und besser. Um 23:30 ist die Sache vorbei, und nichts an diesem Konzert ist falsch gewesen. Absolut einer der Gigs, wo man sich wirklich wünscht, die Songtexte auswenig zu können, um sie einfach selig mitzugröhlen…

1. Februar 2006 02:06 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.


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