
Auf einen Hinweis der phantastischen Ariane Duschl sind wir in Wie im Himmel gegangen, einen Film des schwedischen Filmemachers Kay Pollak, der seinen Protagonisten – den Stardirigenten Daniel Daréus – nach einem Herzinfarkt in sein verschlafenes Kindheitsdorf und (somit zurück zu einigen Traumata) führt, wo Daniel gemeinsam mit einer Laienchorgruppe arbeitet, einige Seelenprobleme heilt, den örtlichen Pfarrer in den Wahn treibt, sich verliebt und am Ende in Österreich stirbt.
Filme dieser Art nenne ich gern «Club der toten Dichter»-Filme, da ihr Aufbau nahezu ein eigenes Genre darstellt, eine Art post-Freudianischen Western für eine meist weibliche Zuschauerschaft. Ein gebrochener, aber meist hochbegabter Mensch kommt in eine Institution/einen Ort, mischt dort die bestehenden – freilich immer erstickenden und absurd reaktionären – Regeln auf, befreit und erfüllt einige Menschen (und finde zumeist auch seine eigene Balance wieder), gerät dabei unweigerlich in Konflikt mit den Vertretern der piefigen bestehenden Moral, seine Jünger setzen sich für ihn ein, am Ende passiert meist etwas Tragisches, aber Erhebendes. Katharsis, Abspann, Geigen. Gefüllt wird dieses Genre von epischen Bildern, textlicher Poesie light, einer meist simpel gestrickten (und insofern massentauglichen) Philosophiesuppe, hochemotionaler Musik und somit reichlich Druck auf die Tränendrüse. Ob Die Kinder des Monsieur Mathieu, Mona Lisas Lächeln oder Chocolate, das Muster ist immer mehr oder minder das gleiche, mal mehr mal weniger auffällig gemacht.
Wie im Himmel könnte einer der besseren Vertreter dieses Genre sein, würde Pollak nicht immer wieder zu übertrieben, zu unsensibel zur Metaphorik-Keule greifen. In seinen besten Momenten vertraut der Regisseur in bester skandinavischer Tradition auf seine Bilder, auf die Symbolik der Landschaft, auf die Kargheit des Dorfes. Die ersten Sequenzen von Daniels Ankunft in der Volkschule und der Fahrradkauf bei Arne vereinen eine wunderbare leichte Surrealität, die einen ganzen Film entspannt getragen hätte. Aber leider baut das Drehbuch Daniel zu einer Art Jesus-Figur auf, Schwedens Dorfkultur zu einem Gegenentwurf zum Glitz des globalen Urbanismus, und wartet mit einer flachen Piep-piep-piep-Gott-hat-dich-lieb-Parabel auf, die wadentief durch einen Sumpf von inhaltlichen und visuellen Klischees watet.
Schon der Anfang des Films, der zwischen einer Kindheitsszene, in der Daniel verprügelt wird und dem akuten Herzinfarkt während eines Konzerts in Milan gegenschneidet, macht klar, daß Pollak für sensibles Finbgerspitzengefühl nicht zu haben ist – was er sagen will, sagt er deutlich, überdeutlich. So badet Daniel in einer Szene im Wasser und wird dabei von seiner Kindheitsnemesis, der natürlich auch als Erwachsener ein Frauenprügler ist, «getauft», so gibt es eine Abendmahlszene, gibt es eine Leichentuch-und-drei-trauernde-Frauen-Metapher und und und. Antipod dieser Befreierfigur ist ausgerechnet der Dorffarrer Stig, zwar wunderbar von Niklas Falk gespielt, aber als Figur schablonenhafter kaum denkbar – ein von vorneweg böse blickender Pfaffe, der Pornohefte versteckt, und nach dem Verlust seiner Frau im Eselsgalopp zum ungepflegten rauchenden Alkoholiker wird, come on… das ist ebenso albern wie der böse Bürgermeister in Chocolate. Daniels Suche nach dem reinen göttlichen Ton (ein altes Thema der Musikgeschichte) erfüllt sich am Ende, in seinem Tod, auf eine Art, die nicht nur unverhohlenen an den Club der toten Dichter anschließt, sondern reichlich unfreiwillige Komik hat. Auch die permanente Engelssymbolik rund um Lena als Heilige/Hure-Doppelfigur (die wirklich in nahezu jeder Szene entweder Flügel/Heiligenschein trägt oder ihre Brüste in die Kamera hält), nervt. Das Daniel schließlich im säkularen Liebesakt keine Befreiung findet, sondern im Gegenteil, genau in diesem Moment seine Krankheit deutlich wieder erscheint, wen überrascht das da noch? Oh… und Fahrradfahren als Symbol für die Wiedererlangung innerer Balance und Natürlichkeit. Wer traut sich heute noch an solche Platitüden?
Ganz mißlungen ist der Film freilich nicht, und welcher Film ist das schon, denn trotz des nahezu erstickend dick aufgetragenen Melodramas, der daumendicken Kitsches, der klischeefreudigen Schablonenhaftigkeit von Plot und Figuren, gelingen dem Film immer wieder kleine, überzeugende Momente, die ohne Worte und ohne triefige Symbolik auskommen, in denen die Darsteller den Raum haben, ihre Geschichte nur mit einem Augenblick oder einer Geste zu erzählen. Hätte Pollak seinen Darstellern und der Kraft einfacher, ehrlicher Bilder vertraut, den Plot dramaturgisch gründlichst entrümpelt und auf den Boden der Realität gestellt, wäre es ihm vielleicht gelungen, eine bekannte Geschichte in neue Form zu bringen und seine Metaebene diffuser, angedeuteter, authentischer zu kommunizieren – es wäre ein besserer Film gewesen. So bleibt es bei einer pelzigen Weiterschreibung einer vertrauten und schon besser präsentierten Parabel. Den inneren Ton, den Daniel Daréus sucht, hat Kay Pollak für sich jedenfalls nicht gefunden.
Auf einen Hinweis der phantastischen Ariane Duschl sind wir in Wie im Himmel gegangen, einen Film des schwedischen Filmemachers Kay Pollak, der seinen Protagonisten – den Stardirigenten Daniel Daréus – nach einem Herzinfarkt in sein verschlafenes Kindheitsdorf und (somit zurück zu einigen Traumata) führt, wo Daniel gemeinsam mit einer Laienchorgruppe arbeitet, einige Seelenprobleme heilt, den örtlichen Pfarrer in den Wahn treibt, sich verliebt und am Ende in Österreich stirbt.
Filme dieser Art nenne ich gern «Club der toten Dichter»-Filme, da ihr Aufbau nahezu ein eigenes Genre darstellt, eine Art post-Freudianischen Western für eine meist weibliche Zuschauerschaft. Ein gebrochener, aber meist hochbegabter Mensch kommt in eine Institution/einen Ort, mischt dort die bestehenden – freilich immer erstickenden und absurd reaktionären – Regeln auf, befreit und erfüllt einige Menschen (und finde zumeist auch seine eigene Balance wieder), gerät dabei unweigerlich in Konflikt mit den Vertret