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UNSEEN. UNFORGOTTEN.

Hier gibt es bisher unveröffentlichte Bilder aus der Zeit des Civil Right Movements im amerikanischen Alabama zu sehen, das als Südstaatenland eine rigorose apartheidsähnliche Trennung von Weißen und Schwarzen in den 60er Jahren praktizierte, die erst in den Sechzigern durch Martin Luther King, Kennedy und andere Bürgerrechtler angeprangert wurde. Das amerikanische Birmingham wurde 1963 zu einem der zentralen Brennpunkte der Rassenunruhen.

via Cynical C

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Poor Doggy

Bilder zu einer Postkarte für 2009, einem Stück von Tom Peuckert zur Folterthematik.





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SYRIANA

Everything is connected – alles ist miteinander verbunden. Für Regisseur und Drehbuchautor Stephen Gaghan, der schon bei Traffic seine Gabe bewies, komplexe soziale Zusammenhänge aufs menschliche Maß herunterzubrechen, beginnt mit dieser Erkenntnis eine tour de force durch die Verwicklungen des amerikanischen Ölgeschäfts mit dem Mittleren Osten. Syriana verwebt die Schicksale des abgehalfterten, von George Clooney weit jenseits der sonstigen Smartassness gegebenen, CIA-Agent Bob Barnes, des für die Kanzlei Sloan Whiting arbeitenden schwarzen Anwalts Bennet Holiday, des Finanzberater Bryan Woodman, des Prinzen Nasir und seiner Familie sowie von zwei jungen pakistanischen Koranschülern und zahllosen Nebenfiguren zu einem grandiosen Erzählung rund um die Geschäfte einer Ölfirma, einer Anwaltskanzlei und einem Ölstaat im Nahen Osten. Bis in die kleinsten Nebenfiguren – Bobs Sohn, sein Ex-CIA-Freund (William Hurt) oder Bryans Frau (Amanda Peet) – exzellent besetzt und realistisch aufgezogen, überzeugt Gaghans Regieerstling mit einer fast überwältigen Dichte, in die einzusteigen sich absolut lohnt. Die Verwebung von Kasachstan, Europa, dem Nahen/Mittleren Osten, China und Washington wird perfekt aufgelöst – und ohne dabei übermäßig moralinsauer zu wirken, läßt Syriana keinen Zweifel daran, daß die (hier amerikanischen) Ölgeschäfte korrupt und dreckig sind und hinter der sozialen und wirtschaftlichen Misere im Nahen Osten stecken, daß folglich der daraus resultierende Terror Wirkung und nicht Ursache ist. Der Kapitalismus frißt seine Kinder.

Im Film wirken dabei ein oder zwei Figuren vielleicht etwas grobgeschnitzt – wie etwa der leicht eindimensionale Reformer Nasir, gespielt von Alexander Siddig – aber solche Klischees sind fast als Leuchttürme nötig, um die mitunter verwirrende, oft nur durch Andeutungen getragene Handlung des Films voranzutreiben. Die von Bennet durchleuchtete Connex-Killian-Fusion, der Zusammenhang zwischen deren Öldeal in Kasachstan und dem anderen Ölgeschäft in Iran, zwischen Bobs Auftrag, Nasir auszuschalten und eben diesem Öl-Deal, bei dem sich der Nachfolger dem Emirs, Nasirs Vater, zwischen China und den USA zu entscheiden hat, laufen präzise wie ein Uhrwerk parallel zu einer furchtbaren Climax, die fast tragisches Format hat.

An die Erzählstrukturen amerikanischen Kinos gewohnt, rechnet man fest damit, daß Bob – ganz Held wider Willen bei seinem traditionellen letzten Auftrag – den Mord an Nasir wird verhindern können, aber Gaghan präsentiert uns statt dessen eine Wendung, in der beide denkbar zynisch und anonym von Anzugträgern eine halbe Welt entfernt via Joystick eliminiert werden, die eine ganze Familie auslöschen und sich danach fröhlich dazu gratulieren – gruseliger geht es kaum. Kein Zufall, daß die beiden Selbstmordterroristen am Ende des Films dagegen nahezu mutig wirken, da ihre Tat intimer ist, das höhere Opfer fordert. Wie kleine Fische einen Wal, so attackieren die beiden Pakistani am Ende die Tanks der großen Ölkonzerne, eine Tat die so verzweifelt wie aussichtslos erscheint.

Das am Ende eines so bösen Films eine Rückkehr zur Normalität aufgezeigt wird – Woodman, vom Ehrgeizling zum Idealisten gewandelt, kehrt zu seiner Frau und dem verbliebenen Kind zurück, Bennet kümmert sich um seinen alkoholkranken Vater – hat mich zuerst irritiert, aber tatsächlich zeigt der Film hier doch nur das globale Schulterzucken, die Alltäglichkeit des Kriegs um Öl und Macht im Mittleren Osten, den Rückzug ins Private innerhalb einer korrupten und beschmutzenden Welt, mit der die Protagonisten möglichst nichts mehr zu tun haben wollen. Situation normal – all fucked up.

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Battle of the Drums

Ich bin ja inzwischen stolzer Besitzer eines TD-12. Aus meiner Sicht sind die Roland-Drumkits die bisher beste Approximation eines natürlichen Drumkits und für Menschen wie mich sogar besser geeignet, weil ein deutlich feineres, dynamischeres Spielgefühl möglich wird, man etwas mehr Spaß mit den elektronischen Extras haben kann (indem man etwa die Rims mit komplett anderen Sounds belegt, oder ein Tom als zweite Hihat/Bassdrum nutzt) und natürlich, weil die ganze leicht nervige Tuning-Arbeit von Hand zwar durchaus möglich ist, aber auf jeden Fall spürbar einfacher und verläßlicher wird. Für Profis ist das TD-12 nichts, da die im Studio und Live wirklich wichtigen acht Einzelausgänge des größeren TD-20 fehlen (das generell sowieso besser modulierbare Sounds bietet, bei denen etwa die virtuelle Mikrophonposition veränderbar ist, und mehr Eingänge aufweist, allerdings auch 5000 Euro kostet), aber ansonsten ist das 12er Kit bereits traumhaft in Sachen Sound und Response, man spielt nach einer Weile vom Gefühl her ohne nachzudenken wie auf einem Akustik-Kit, vor allem, weil auch die zufälligen Sounds, wie etwa das Ablegen von Sticks auf der Snare, identisch sind. Und mit etwas Drehen an den Werkssounds klingt es auch absolut wie ein Akustik-Set, wobei ich es persönlich lieber mag, wenn die Drums schon etwas processed sind, also mehr nach Studio klingen. Insgesamt ist es einfach nett, zwischen einem trockenen funky Set mit stark kompressierten Toms und einem kleinen Jazzkit wechseln zu können. Hier könnt ihr einen direkten Vergleich zwischen dem TD-20 und einem klassischen Akustik-Kit von Ludwig sehen und hören.

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AMY HEMPEL: TUMBLE HOME

Stell dir vor, jemand gibt dir ein winziges Stück Schokolade. Du nimmst es in den Mund und es schmeckt nicht nur nach der besten Vollmilchschokolade, sondern auch nach Bitter, Nuß, Nougat, Joghurt, Milch, nach Zimt und Weihnachten und Gewürzen, nach Schokoladenkuchen und vage nach dem Geruch der Wiese, auf der die Kuh stand, von der die Milch dieses einen kleinen Stücks Schoko stammt.

Amy Hempel zu lesen ist nicht annähernd mit dieser Erfahrung zu vergleichen.

Hempel liefert in Tumble Home sieben Kurzgeschichten – teilweise nur wenige Zeilen lang – und die dem Buch den Namen gebende Erzählung, die etwa 80 Seiten umfasst. Anknüpfend an den sparsamen Stil von Raymond Carver, poliert Hempel ihre Miniaturen so lange, bis jedes Wort, jeder Satz, eine Bedeutung gewinnt, eine symbolische Tangente ergibt. Tumble Home, die Erzählung einer Frau, die aus einer Anstalt heraus einem Künstler schreibt, wird so zu einem Sammelsurium von Fragmenten, Eindrücken und mataphorischen Sprüngen, die einen Reichtum an Deutungstiefe ergeben, den man beim normalen Lesen fast nicht ausschöpfen kann. Das ist die Sorte Zeug, in die man sich im Rahmen eines Proseminars Anglistik vertiefen kann, um den Witz, die Emotionalität, die mühelose Kraft dieser kurzen Geschichten zu ergründen. Hempels Geschichten sind wie superdichte weiße Zwergsterne. Ein ganz einfaches Beispiel:

One day I asked the gardener what had gone wrong with my tulips. The last time I planted tulips (I am going back several years here), they had bloomed right out of the ground – they had bloomed without stems, and had looked like ground cover. The gardener said the problem was low self-esteem. Then he laughed at my expression and said the bulbs had been confused, they must not have been plated deep enough and so had gotten warm, then cold, then warm again, until finally, confused, they had given up and bloomed.
I didn’t tell the gardener that I had planted them half as deep as recommended to save them the work of pushing up through all that dirt. I seems that there is a lesson here, staring me in the face. I told you about the tulips to tell you something ordinary. The way, watching a movie, you find you wantto scream: «Doesn’t anyone eat or sleep in this film?»

Selbst dieses ja fast aufdringlich klare Beispiel besitzt schon Untiefen, die Wortwiederholungen, die Kadenzen, die Wahl von Tulpen, der Sprung von Blumen zu Film. Tumble Home ist eine Perlenkette solcher metaphorischer Versatzstücke, die die tatsächliche Geschichte wie ein surreales Puzzle im Kopf des Lesers zusammenfügen, langsam und vieldeutig, ohne je langweilig zu sein.

Das einzig Schlimme an Hempel ist, das nach der Lektüre ihrer schmalen Büchlein jedes normale Buch wie literarisches Fast Food wirkt. So viele Worte, so wenig Inhalt. Es braucht eine Weile, bis man aus der extremen Druckkammer des Hempelschen Schreibstils herauskommt…

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WAS SOLL MAN TUN?

Wenn aus zwei ganz unterschiedlichen Quellen Dinge an dich herankommen, dann sollte man diese Synchronizitäten ernst nehmen. Ein Beispiel dafür ist Nick Drake, ein anderes das Findet mich das Glück-Projekt von Fischli und Weiss, das ich nicht nur zu Weihnachten geschenkt bekam, sondern das mit prompt auch im Sterne-Abendprogramm über den Weg lief. Die Fragen, die die Dramaturgin Monika Gysel in diesem Heft der Autorin Anja Hilling stellt, hab ich mir spaßeshalber also auch mal vorgenommen.

Warum ist alles so weit weg? Weil du die Augen zu hast.
Was denkt mein Hund? Ich habe keinen Hund.
Wer bezahlt mein Bier? Ich. Oder meine Freunde.
Wie heißt dieser Wald? Seele.
Wo ist mein Bett? Auf dem Boden.
Soll ich ein Loch graben? Warum nicht?
Sind Tiere Menschen? Sind Menschen Tiere?
Ist mir zu warm? Oft.
Fährt noch ein Bus? Bis in die Nacht.
Wo sind meine Schlüssel? Immer woanders.
Soll ich einen Turm bauen? Das ist unsere Aufgabe.
Warum ruft sie nicht an? Weil ihr Akku leer ist.
Wem nützt der Mond? Der Sonne.
Darf man beim Musikhören die Augen schließen und farbige Bilder sehen? Gern.
Geht man beim Einschlafen durch eine Wand? Durch einen Spiegel.
Ist die Erde eine Mutter? Warum nicht?
Liegt meine Seele auf Stroh? Meine Seele steht.
Findet mich das Glück? Hoffentlich.
Soll ich mir einen Kuchen backen? Ich esse selten Kuchen.
Ist Hunger ein Gefühl? Hunger nicht. Appetit ja.
Soll ich der Welt gegenüber mehr Interesse zeigen? Noch mehr?
Warum ist es plötzlich so still? Mach die Musik lauter.
Warum klebe ich am Boden? Das ist die Schwerkraft, die dich umarmt.
Ist alles in meinem Kopf? Meistens nicht.
Weiß ich (fast) alles über mich? No way…
Ist alles, was ich schon vergessen habe so groß wie ein Haus? Größer.
Wie wirke ich? Seltsam.
Kommen Meinungen von selbst? Nein.
Liebt man mich? Ja…
Gibt es die Welt auch ohne mich? Nicht für mich.
Bin ich ein Sonderling? Was denkst du?
Warum geschieht nie nichts? Weil die Welt sich sonst langweilt.
Trägt sie eine Waffe? Sie ist die Waffe.
Warum schweigen die Wälder? Sie reden auf einer Frequenz, die wir nicht hören.
Verlieren wir die Kontrolle? Absolut. Enjoy.
Was wissen die anderen über mich? Alles.
Muss ich draußen bleiben? Selten.
Soll ich eine Untersuchung einleiten? Nonono – curiosity killed the Cat.
Ist sie betrunken? Oft genug.
Soll ich mich selbst befriedigen?
Warum nicht?
Hat alles was am Fernsehen kommt mit mir zu tun? Im Gegenteil.
Bin ich schön? Nein. Gottseidank.
Kann man das Prinzip der Hefe auf vieles übertragen? Alles geht auf.
Wird der Bereich des Möglichen immer kleiner? Das hängt von dir ab.
Ist das Verdauungssystem etwas Wunderbares? Ja.
Warum hab ich immer Recht? Hast du?
Soll ich mich betrinken? Mal so mal so..
Braucht es einen Umsturz? Gern.
Darf sich die Wahrheit alles erlauben? Ja.
Kontrollieren mich die Tatsachen? Man wehrt sich, wo man kann.
Warum leistet sich die Erde den Luxus mich zu haben? Sie hat keine andere Wahl.
Wäre ich ein guter Japaner? Nein.
Brauch ich etwas Süßes? Immer.
Frisst man mir alles weg? Keine Chance.
Soll ich lügen? Niemals.
Soll ich in einer fremden Stadt unter falschem Namen eine Wohnung mieten? Flucht ist keine Lösung.
Fliegt alles auf? Ja, schon zu spät.
Soll ich untertauchen? Halt den Kopf über Wasser.
Kann ich meine Unschuld wieder herstellen? Warum willst du das tun?
Ist die Welt voll von geheimen Botschaften? Ja, aber sie sind nicht geheim..
Nehme ich falsche Drogen? Welche nimmst du?
Wird die Freiheit der Vögel überbewertet? Sicher.
Bin ich privat ein anderer Mensch? Was heißt privat?
Was ist in meiner Wohnung wenn ich nicht da bin? An echo, a stain.
Stimmen meine Säfte? Wie bitte???
Trennen mich Galaxien von den anderen? Nein.
Kann man alles denken? Das wäre undenkbar.
Warum sind die Sterne so unordentlich verteilt? Du erkennst die Ordnung nur nicht.
Soll ich liegen bleiben? Nein, steh jetzt auf.
Driftet alles auseinander? Ja. Oder es zieht sich zusammen, je nach Standpunkt.
Soll ich aus wissenschaftlichen Gründen Drogen nehmen? Du brauchst keinen Grund..
Spürt sie es? Sicher.
Könnte man mich in einem guten Film gebrauchen? Wahrscheinlich.
Soll ich einen großen Hammer kaufen? Hats du eine große Wand?
Leide ich an gutem Geschmack? Mag sein.
Ist vieles mit allem verbunden? Auf jeden Fall.
War ich noch nie (ganz) wach? Zu selten.
Was macht meine Seele wenn ich am Arbeiten bin? Sich austoben.
Kann das nicht jemand anders für mich tun? Auf keinen Fall.
Ist das Leben ein seltsames Höhlensystem? Nein, es ist ein Weizenfeld.
War mein Bad zu heiß? Laß kaltes Wasser ein.
Soll ich eine Waffe kaufen? Du bist eine Waffe
War jemand in meinem Zimmer? Immer.
Verdient die Wirklichkeit dieses Misstrauen? Nicht wirklich.
Sucht mich das Glück am falschen Ort? Da mußt du das Glück fragen, wenn du es siehst.

Fragen von Peter Fischli, David Weiss: Findet mich das Glück.

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GODOT ACTION COMICS

Beckett für Anfänger:

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FIRE


Séan Nagel hat wunderbare Photos für das Nabucco-Abendprogramm gemacht, die nahtlos zu den Photos des Schwesterkonzertes Jungfrau von Orleans passen. Bei dem einen brennt der Apfel, hier werden die Werkzeuge des Kriegs gezeigt. Séan liegt derzeit krank at home – von hier aus Gute Besserung, Mate.

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CONSUMERISM BEGINS AT HOME

Glück ist eine komplexe Angelegenheit, es sei denn, man ist eine horrormäßig schlecht layoutete Zeitschrift der Deutschen Post namens Mein Glückstag. Die weiß nämlich ganz genau, welche fünf Dinge uns glücklich machen:

So sieht das aus. Cabrios machen uns glücklich. Und Rezepte.
Jetzt wissen wir Bescheid. Danke, liebe Bundespost.

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Aua Aua

Mir wurde mein Spiralblock brutal aus der Hand gerissen. Ich hätte mich dabei verletzen können.

Ja, wenn sonst nichts wehtut, ist es ja okay. Auf jeden Fall wird die Kritikerattacke so wieder zum Karrieretipp für aufstrebende Darsteller und der Beweis, das deutsches Theater gar nicht auf der Bühne, sondern teilweise schon längst im Feuilleton stattfindet, ist erbracht.

Gerhard Stadelmaier dürfte damit inzwischen wohl auf dem Weg zum Iron Man 2006 Contest sein.

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Das Leben ist eine Baustelle

Bei der Suche im Archiv habe ich ein paar Bilder von unserem Haus als Baustelle gefunden, so gegen Ende 2003. Funny, wie es hier mal aussah.

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SCHNEIDERBUCH

Fertig.

Obwohl es – wie bei einem komplexen Projekt für einen großen Verlag und einen hocherfolgreichen Kinderbuchautoren zu erwarten – schon einige Kompromisse gab, weniger bei der Gestaltung als auf der konzeptionellen Ebene, ist die Sache unterm Strich wirklich schön gelaufen. Volker Scheller von vgs macht als Macher einfach Spaß, druckvoll und motivierend, bringt die Sachen ins Rollen und termingerecht ans Ziel. Die Sache ist mit einem Auflagensprung von 3000 auf 20000 sehr nett gewachsen (auch wenn dadurch natürlich die Idee mit dem Lentikularcover sofort unbezahlbar wurde). Ich hätte sicher gern noch mehr Give-Aways für die Leserschaft in die Aktion gesteckt, aber wenn ich mir ansehe, was sonst so in diesem Bereich geht, bin ich absolut nicht unzufrieden. ich will ja eigentlich immer mehr erreichen, als gerade realistisch wäre. Aber es ist viel geblieben: die Idee der beidseitigen Lesbarkeit, ein Exklusiv-Interview mit dem Autor, brandneue Photos von Thomas Brezina, Previews der beiden nächsten Bücher, auch nach den vielen Änderungen immer noch recht nette Texte und und und… insgesamt eine funktionale Sache. Ich hoffe, es funktioniert bei der Zielgruppe, die beiden Buchserien haben einen Push verdient, gerade Hot Dogs ist einfach purer Spaß.
Und ein Cover, das ich einfach liebe. Die Wortmarke «Macht Pickel» – optisch deutlich inspiriert von Alessio Leonardis Graffio-Font, aber von Alex hier im Studio feinstens handgeschrieben – ist einfach eine sympathische Sache für eine Kinderbuch-Aktion. Und Volker Scheller hat uns erlaubt, das wunderbare alte Schneider-Logo aus meiner Kindheit zu verwenden, toll. Ich liebe dieses Logo. Und würd immer noch gern die T-Shirts damit machen. Und wenn wir dann noch Monitor und Giganto wieder ins Programm hieven könnten… :-D.

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WIE IM HIMMEL

Auf einen Hinweis der phantastischen Ariane Duschl sind wir in Wie im Himmel gegangen, einen Film des schwedischen Filmemachers Kay Pollak, der seinen Protagonisten – den Stardirigenten Daniel Daréus – nach einem Herzinfarkt in sein verschlafenes Kindheitsdorf und (somit zurück zu einigen Traumata) führt, wo Daniel gemeinsam mit einer Laienchorgruppe arbeitet, einige Seelenprobleme heilt, den örtlichen Pfarrer in den Wahn treibt, sich verliebt und am Ende in Österreich stirbt.

Filme dieser Art nenne ich gern «Club der toten Dichter»-Filme, da ihr Aufbau nahezu ein eigenes Genre darstellt, eine Art post-Freudianischen Western für eine meist weibliche Zuschauerschaft. Ein gebrochener, aber meist hochbegabter Mensch kommt in eine Institution/einen Ort, mischt dort die bestehenden – freilich immer erstickenden und absurd reaktionären – Regeln auf, befreit und erfüllt einige Menschen (und finde zumeist auch seine eigene Balance wieder), gerät dabei unweigerlich in Konflikt mit den Vertretern der piefigen bestehenden Moral, seine Jünger setzen sich für ihn ein, am Ende passiert meist etwas Tragisches, aber Erhebendes. Katharsis, Abspann, Geigen. Gefüllt wird dieses Genre von epischen Bildern, textlicher Poesie light, einer meist simpel gestrickten (und insofern massentauglichen) Philosophiesuppe, hochemotionaler Musik und somit reichlich Druck auf die Tränendrüse. Ob Die Kinder des Monsieur Mathieu, Mona Lisas Lächeln oder Chocolate, das Muster ist immer mehr oder minder das gleiche, mal mehr mal weniger auffällig gemacht.

Wie im Himmel könnte einer der besseren Vertreter dieses Genre sein, würde Pollak nicht immer wieder zu übertrieben, zu unsensibel zur Metaphorik-Keule greifen. In seinen besten Momenten vertraut der Regisseur in bester skandinavischer Tradition auf seine Bilder, auf die Symbolik der Landschaft, auf die Kargheit des Dorfes. Die ersten Sequenzen von Daniels Ankunft in der Volkschule und der Fahrradkauf bei Arne vereinen eine wunderbare leichte Surrealität, die einen ganzen Film entspannt getragen hätte. Aber leider baut das Drehbuch Daniel zu einer Art Jesus-Figur auf, Schwedens Dorfkultur zu einem Gegenentwurf zum Glitz des globalen Urbanismus, und wartet mit einer flachen Piep-piep-piep-Gott-hat-dich-lieb-Parabel auf, die wadentief durch einen Sumpf von inhaltlichen und visuellen Klischees watet.

Schon der Anfang des Films, der zwischen einer Kindheitsszene, in der Daniel verprügelt wird und dem akuten Herzinfarkt während eines Konzerts in Milan gegenschneidet, macht klar, daß Pollak für sensibles Finbgerspitzengefühl nicht zu haben ist – was er sagen will, sagt er deutlich, überdeutlich. So badet Daniel in einer Szene im Wasser und wird dabei von seiner Kindheitsnemesis, der natürlich auch als Erwachsener ein Frauenprügler ist, «getauft», so gibt es eine Abendmahlszene, gibt es eine Leichentuch-und-drei-trauernde-Frauen-Metapher und und und. Antipod dieser Befreierfigur ist ausgerechnet der Dorffarrer Stig, zwar wunderbar von Niklas Falk gespielt, aber als Figur schablonenhafter kaum denkbar – ein von vorneweg böse blickender Pfaffe, der Pornohefte versteckt, und nach dem Verlust seiner Frau im Eselsgalopp zum ungepflegten rauchenden Alkoholiker wird, come on… das ist ebenso albern wie der böse Bürgermeister in Chocolate. Daniels Suche nach dem reinen göttlichen Ton (ein altes Thema der Musikgeschichte) erfüllt sich am Ende, in seinem Tod, auf eine Art, die nicht nur unverhohlenen an den Club der toten Dichter anschließt, sondern reichlich unfreiwillige Komik hat. Auch die permanente Engelssymbolik rund um Lena als Heilige/Hure-Doppelfigur (die wirklich in nahezu jeder Szene entweder Flügel/Heiligenschein trägt oder ihre Brüste in die Kamera hält), nervt. Das Daniel schließlich im säkularen Liebesakt keine Befreiung findet, sondern im Gegenteil, genau in diesem Moment seine Krankheit deutlich wieder erscheint, wen überrascht das da noch? Oh… und Fahrradfahren als Symbol für die Wiedererlangung innerer Balance und Natürlichkeit. Wer traut sich heute noch an solche Platitüden?

Ganz mißlungen ist der Film freilich nicht, und welcher Film ist das schon, denn trotz des nahezu erstickend dick aufgetragenen Melodramas, der daumendicken Kitsches, der klischeefreudigen Schablonenhaftigkeit von Plot und Figuren, gelingen dem Film immer wieder kleine, überzeugende Momente, die ohne Worte und ohne triefige Symbolik auskommen, in denen die Darsteller den Raum haben, ihre Geschichte nur mit einem Augenblick oder einer Geste zu erzählen. Hätte Pollak seinen Darstellern und der Kraft einfacher, ehrlicher Bilder vertraut, den Plot dramaturgisch gründlichst entrümpelt und auf den Boden der Realität gestellt, wäre es ihm vielleicht gelungen, eine bekannte Geschichte in neue Form zu bringen und seine Metaebene diffuser, angedeuteter, authentischer zu kommunizieren – es wäre ein besserer Film gewesen. So bleibt es bei einer pelzigen Weiterschreibung einer vertrauten und schon besser präsentierten Parabel. Den inneren Ton, den Daniel Daréus sucht, hat Kay Pollak für sich jedenfalls nicht gefunden.

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DA LACHT DER KU KLUX KLAN

Manchmal frage ich mich einfach, was in den Köpfen von Werbern so abgeht und warum solche Ideen nicht schon in der Konzeptionsphase kassiert werden.

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The Editors live

Aus den UK kommen derzeit einfach mehr gute 80er-Gitarrenpop-Comcos, als man weghören kann. Die britischen Editors etwa amalgieren Stilelemente der (unvermeidlichen) Coldplay, von U2, Killing Joke und Joy Division/Interpol mit einem ganz eigenen Gitarrensound, der von klaren Bassstrukturen, kalt in den Höhen klirrenden Gitarrenhooklines und der an Brian Molko gemahnenden Stimme von Tom Smith lebt. Die Editors sind dank der Hitsingle «Munich» derzeit ziemlich angesagt und so ist es fast überraschend, sie in Langendreer zu hören, ausnahmsweise mal also vor der Tür und nicht irgendwo in Köln – und das als einzigen Gig in Deutschland. Ich hätte gern mehr solcher Up-and-Comers hier im Ruhrgebiet, bei aller Liebe zu Köln.

Vorband in der ziemlich vollen Bahnhofshalle sind The Brakes, die nicht nur zu spät kommen, sondern mit viel Witz und den kürzesten Songs der Welt 40 Minuten Punk machen, bevor Smith und Co ziemlich präzise und ziemlich kurze 60 Minuten lang über die Bühne donnern. Und genau so muß Livemusik sein. In der dritten Reihe stehen, Krach in den Ohren, Lichtgewitter und Musik, die bei allen Zitaten eben auch schamlos emotional daherkommt, kraftvoll, bissig, aggressiv und orgiastisch. Die an sich guten Studiofassungen kommen nicht annähernd an das Livefeeling heran. Nahezu fehlerlos, mit einer Wucht und einem Können weit jenseits der bekannteren Coldplay-Vorbilder, bringen die Editors auch die tanzmuffeligen Deutschen zum Moshen und Feiern und yeah… es ist viel zu schnell vorbei. Defintiv ein Highlight-Konzert ohne jeden Makel.
Ein paar Livepics hier.
Photo: Editors live in Copenhagen, René Hyldig

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