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TUXEDOMOON FZW

Mann mann. Geh auf ein Livekonzert, wo du gar nicht weißt, was dich erwartet und laß dich überraschen. Tuxedomoon hab ich das letzte Mal vor so rund 20 Jahren gehört. In the name of Talent und Songs aus der Zeit. Das Konzert heute im fzw, in der alten Originalbesetzung, bot einen unerwarteten, auf den zweiten Blick aber vertraut klingenden, ungewöhnlichen Fusion-Mix aus Stilelementen zwischen Jazz, Kirmesmusik, Alternative, Klezmer, Improvisation und New-Wave-Artiness, der immer dann am besten wirkte, wenn die Band sich auf das reine «Unplugged» verließ, ohne auf den eher schwach programmierten Drumcomputer zu setzen, der in dem kleinen Saal ohnehin einfach viel zu leise war und insofern keinen Druck erzeugen konnte. Ideal waren die Nummern, die mit den komplexen Wall-of-Sound-Strukturen der Bläser und Blaine Reiningers Saitenarbeit brillierten. Steven Brown singt nach wie vor schlechter als Reininger ;-), nebenbei. Auf Classics wie No Tears, In Heaven oder What Use verzichteten Tuxedomoon im völlig – mit meist etwas älteren Fans – überfüllten fzw komplett, spielten aber bei der ersten von zwei eher kurzen Zugaben ihren allerersten Song von 1977. Die Band wirkte insgesamt etwas unmotiviert, vielleicht, weil es ja auch möglicherweise frustriert, nach mehr als 30 Jahren internationaler Karriere immer (und wieder) noch in kleinsten Hallen aufzutreten, da aufzuhören, wo man angefangen hat, aber die Musik war über weite Strecken dennoch mehr als hörenswert, unerwartet und in der Improvisation jazzig, pulsierend und ein ziemlich schönes Gegenprogramm zum sterilen perfektionistisch durchprogrammierten Stadionrock von Depeche Mode. Keine schlechte Sache also, mal fast blind in einen Gig zu gehen. Tolles Publikum, gute Stimmung, größtenteils gute Musik. Nice. Und morgen noch einmal Kontrastprogramm mit Tomte

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NOCH MEHR ABENDPROGRAMME

Gerade frisch in der Post, also ab ins Blog. Auf Menschenfeind bin ich wirklich stolz, zum einen weil die Sachen mit den Narbenbildern eine mutige Entscheidung für das Haus war und ich mich freue, daß wir das gemeinsam durchgekriegt haben und zum anderen, weil es dazu noch in absoluter Rekordzeit entstehen mußte, das komplette Programmheft war in zwei Stunden fertig. Aus meiner Sicht eins der besten Hefte bisher… und ich mag sie eigentlich alle auf ihre Art. Auch die drei Photos von Philipp sind hier einfach nur grandios und sind die eigentliche Inspiration hinter der Narbenidee. Wirklich drei Bilder, die man sich so in Großdruck an die Wand hängen möchte. Sterne ist allein schon deshalb toll, weil die derzeit hochangesagte Dramatiker Anja Hilling für Monika Gysels Abendprogramm die Zeit gefunden hat, auf die schönen Fischli/Weiss-Fragen zu antworten und das ebenso obskur wie die Fragen selbst sind. Very zen. Ich glaub, ich beantworte die Fragen demnächst aus Spaß auch mal selbst :-D.

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ORPHEUS UND EURIDYKE

Oper und Tanz gehören mit gutem Grund zu den härtesten Kategorien der Bühnenkunst, da sie nicht nur körperlich extreme Leistungen von den Darstellern einfordern, sondern auch für das Publikum oft nur schwer nachvollziehbar sind. Wo das Schauspiel auf Text und die Musik auf Emotion setzen darf, schwirren Oper und vor allem der Tanz in einem Limbo zwischen linker und rechter Hirnhälfte. Selbst modernes Tanztheater à la Pina Bausch, das aus dem engen Korsett des klassischen Ballettanzes ausbricht und den nonverbalen Ausdruck der Ebene des Sprechtheaters gleichzustellen versucht, bleibt schwierig aufzunehmen, und kann – für mich persönlich gesprochen – unglaublich schnell aufgesetzt und, schlimmer, langweilig werden, zumal der Schockmoment, den dieser Ausdruckstanz in den 70ern vielleicht noch hat, längst gewichen und die Formensprache etabliert ist. Es ist mehr als schwer, in diesem Bereich noch etwas Neues in Szene zu setzen.Umso höher ist Gregor Zöllig anzurechnen, daß er diese beiden schwierigen Sparten zu fusionieren versucht und das mit einem als Oper allein schon kaum beglückenden Stück wie Orfeo ed Euridice von Christoph W. Gluck, das den Orpheus-Mythos eher etwas grobschlächtig (und mit angepapptem Happy End) zu einer etwas steifen Oper verarbeitet. Zöllig und seinem Tanzensemble gelingt, gemeinsam mit den beiden Sängerinnen Kaja Plessing und Victoria Granlund, eine seltsame Melange, die unglaublich schnell hätte peinlich werden können, die sich aber kaum Schwächen leistet und von Anfang an überzeugt. Eines meiner persönliuchen Highlights eröffnet das Stück, ein Vinyl-Sample, zwei In Steve-Reich-Manier phasenversetzt zu immer neuen Rhythmen findende Tonfragmente, von denen ich mir – als Crossover zwischen Sample und Live-Orchester – eigentlich mehr gewünscht hätte. Wie groß wäre es gewesen, hätte man neben Tanz und Oper hier auch elektronische und klassische Musik fusioniert. So modern wie der Auftakt ist auch das Bühnenbild von Tilo Steffens, der die Mitteln der Rudolf-Oetker-Halle (die ja nicht für Theater gebaut wurde), bis an die Grenzen treibt. Du merkst hier und da die Kompromisse, die man auf dieser Bühne und vielleicht auch mit dem zur Verfügung stehenden Budget machen mußte, aber im Ganzen überzeugt die Bühne mit Licht, Bauten, raschen Wechseln und Theater-Standards wie Videoprojektion immer wieder und zaubert in die hochtriste Oetker-Halle etwas Theateratmosphäre, die mitihren schrillen Kostümen und satten Farben fast (aber nur fast) in die Sphäre des Musicals zu versinken droht, aber immer mehr Pop als Kitsch ist, immer stilsicher bleibt.Zölligs Ansatz, Oper und Tanz simultan zu inszenieren und Orfeo und Euridice ergo zeitgleich als Vokalisten als auch durch mehrere Tänzer auf der Bühne präsent zu haben, die die Handlung des Stückes singen und als nonverbalen schweißtreibenden Körpereinsatz kommunizieren, zahlt sich aus. Was als Oper langweilig, als Tanz zu langatmig wäre, ist in der Fusion ein Feuerwerk aus Eindrücken, bei denen der visuelle Overkill, das schiere Zuviel an Eindrücken und Geschehnissen, den eigentlichen Spaß ausmacht. Du weißt nie, wo du hingucken mußt, du verpasst die gesamten 1 Stunde 20 Minuten immer unweigerlich irgend etwas. Die Fusion von Tanz, klassischer Musik (präzise geleitet von Carolin Nordmeyer) Oper und Elementen des modernen Theaters schafft ein Gesamtwerk, das an reinem Unterhaltungswert und an Zugänglichkeit niedrigschwellig bleibt, ohne jemals platt oder einfach oder billig-anbiedernd zu werden. Pop im besten Sinne.

Alle Photos sind übrigens von der wunderbaren Ursula Kaufmann.




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TOURBLOG

Ich bearbeite Markus Sorger seit ewig, endlich zu bloggen, weil sein Einblick in die Welt – nämlich der HINTER die Bühne von großen Veranstaltungen – ein ziemlich einzigartiger und spannender ist. Markus ist örtlich oder on the road für Veranstaltungen verschiedenster Kaliber zuständig, von Krachern wie Die Flippers bis hin zu den Rolling Stones. Über sowas zu schreiben sollte, selbst wenn man die ganz peinlichen Sachen sicher nicht öffentlich schreiben wird (Scha-de) sicher nicht minder spannend als das Leben eines Supermarktleiters :-D. Ich hab ihn gerade in Berlin bei einer hochseltsamen Phantom-der-Oper-Aufführung gesehen (die eben NICHT Webbers Version ist, was dem Publikum aber anscheinend nicht zu klar war, hehehe.), wo wir durch den engen Bereich über dem Zuschauerraum gekrabbelt sind. Jedesmal ein Abenteuer für mich, Markus bei der Arbeit besuchen zu dürfen und dementsprechend spannend wird also auch das blog sein. Der Mann ist außerdem Augenoptiker, Pyrotechniker und Seemann, wenn das nicht reicht, um euch neugierig zu machen, weiß ich auch nicht. Also: reinschauen.

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The Adaption to my Generation


Hier
.

Etwas Ähnliches, schon weit hinten im Blog vorgestellt, auch schon einmal hier.

via Future Feeder

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TOSHIBA M60-167


Da will man mal Geld ausgeben und kann es eigentlich nicht, weil das einzige Laptop, daß einem optisch gefällt, leider eine Möhre ist. Obwohl ich mit meinem letzten Toshiba, dem Satellite 5299-701 hochzufrieden war, was Look, Sound udn Leistung anging, ist das M60-167 eine Enttäuschung. Die Technik ist ganz okay für den Preis von 1600 Euro, aber leider ist das harmann/kardon-System gegen mein bisheriges ein mittenlastiges, leises, schepperndes Ding, das mehr Klirrfaktor als Musik liefert. Noch tragischer: Die Tastatur hängt. Man kann tippen, wenn man mit einigem Kraftaufwand und recht steil in die Tasten schlägt, aber keineswegs in meiner schnellen, eher leichten Anschlagtechnik, die eine schnell reagierende Tastatur braucht. Wenn von 10x das O anschlagen nur vier Buchstaben am Bildschirm erscheinen, dann stimmt da was nicht. Beim Vorführgerät hielt ich das noch für einen Abnutzungsdefekt, aber beim gekauften Gerät tritt der Fehler auch auf. Und jetzt steht man da: Die preis-/leistungsseitig sehr guten Amilo von Siemens finde ich grottenhäßlich und es gibt absurderweise keinen PCMCIA-Slot, den ich aber fürs 108er WLan brauche… abgesehen davon wirkt FujiSiemens auf mich als Marke eher mäßig. Samsung finde ich sehr schick, aber etwas teuer. Sony mag ich nicht mehr, weil der Service bei denen legendär schlecht ist (im Gegensatz zu etwa Toshiba) und die Verarbeitung auch nicht wirklich hochwertig. Das M60 wäre es schon gewesen, auch vom Design her. Auch obwohl es kein Bluetooth hat (eigentlich absurd) und die Bildschirmauflösung für Videoanwendungen schon fast zu hoch ist, weil ein 720er DVD-Bild auf 1600er Breite gepumpt werden muß (übrigens noch ausgeprägter bei dem 1900er-Screen des Amilo). Na, dann erst mal umtauschen und sehen was wird. Eventuell bleibts dann doch beim alten blauen Notebook :-D. Auf jeden Fall würde ich persönlich leider vom diesem Toshiba zumindest abraten. Es bleibt dabei: Die schönsten Notebooks kommen von Apple.

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LIV

Irgendwie erfahre ich die Dinge immer als letzter :-D. Alles Liebe an Björn und Marion zum Töchterlein… :-D

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ABENDPROGRAMME

Und mal wieder ein Update – Bilder von einigen der letzten Bielefelder Abendprogramme. Weiterlesen…

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MOZART AGAIN

Die Photos, die Julia Kappus für uns – vielmehr für die ersten 32 Seiten des letzten Saisonheftes der Bielefelder Philharmoniker – gemacht hat, haben eine schöne Zweitverwendung gefunden: Der Rheinische Merkur rief an und fragte, ob Sie mit den freigestellten Salzburger Kitschartikeln rund um Amadeus einen vierseitigen Spezialbeitrag rund ums Mozartjahr bebildern könnten. Das Endergebnis von Ende 2005 ist schön geworden… zumal der Merkur für eine eher konservative ausgerichtete Zeitung ohnehin nicht allzu schlecht gestaltet daherkommt.




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DIE EINE UND DIE ANDERE

Für Botho Strauß’ Verhältnisse mutet Die eine und die andere nahezu wie eine Rückkehr ins Persönliche, ins Kleine an. Die Inszenierung des stets phantastischen Luc Bondy, der sich ja bereits mehrfach an Stücken von Strauß abgearbeitet hat, lebt vor allem von Karl-Ernst Hermanns grandiosem Bühnenbild, das von vorneherein keinen Zweifel daran läßt, daß die Intimität und Bescheidenheit des Stückes trügerisch ist: Das Kaufhaus der ersten Szene wird zu einem ins Unendliche reichenden Vexierbild aus sich kreuzenden Linien, optischen Täuschungen und immer wieder gelingt es Hermann und den Menschen, die seine Ideen umsetzen, aus den einfachen Zutaten des Bühnebildes jede Szene minimalistisch aber überzeugend umzusetzen. War Herrmann in den Bochumer Todesvariation noch, dem Stück entsprechend ein nackter weißer Kasten, so ist die Bühne diesmal umrahmt von einer High-Tech-LED-Installation, die das Szenen-Bild kongenial und augenzwinkernd umrahmt, wie KEH ohnehin den futuristischen Aspekt von Strauss nutzt, um mit wunderbaren Lichtinstallationen aufzuwarten und die Bühne zu einem doppelbödigen Spiel mit Licht und Illusion werden zu lassen. Und das paßt in der Tat zu dem Stück, das nur oberflächlich die Beziehung zweier gealterter, einander verhaßter Frauen und ihrer Kinder abhandelt, sich in Wirklichkeit aber an griechischen Tragödien-Themen, an dem Bild der drei den Lebensfaden strickenden alten Hexen, an Zukunftskritik, und immer wieder an starker christlicher Leidenssymbolik, nicht zuletzt der Tragödie des Osten Deutschlands, versucht und manchmal eben auch in diesem Wust verhebt. Wie immer (und wie fast kein zweiter Autor) schachtelt und stapelt Strauß dabei auf der Folie des normalen «plots» so vielschichtige Meta-Ebenen, daß man außerstande ist, das Stück auf der Bühne ad hoc voll zu durchschauen und würdigen. Was dem Publikum im BE so anscheinend bleibt, ist oft der boulevardeske Oberflächencharakter des Stückes, den Bondy nutzt, um die mythologischen Elemente zu kontern. Entsprechend irrlichtert das Stück zwischen (leicht deplacierten) Lachern und sperrigen Kreuzigungsszenen im Kühlschrank-Neonlicht. Beides per se in der Juxtaposition nicht verkehrt in einem modernen Stück, aber Bondy gelingt es nicht ganz, die komplexen Inhalte einerseits transparent und andererseits zu einem homogenen Ganzen zu machen und ergo bleibt dem Publikum zumindest partiell leichte Verwirrung und damit die Flucht in die oberflächlicheren Ebenen des Stückes. Und die ist, pardon, mitunter so flach wie ein Ohnsorg-Stück angelegt. Man hätte vielleicht hoffen dürfen, daß die hier versammelten Theaterlegenden etwas mehr mit der Tiefe von Strauß’ Ansätzen hätten spielen wollen.

Die wunderbare und legendäre, hier aber leider etwas überziehende, fast boulevardesk auftretende, Edith Clever und die dagegen grandios zurückgehaltene, fast müde und somit lasziver wirkende Jutta Lampe (beide perfekt gegen die Rollenerwartungen besetzt, die eigentlich lebensmüde Insa wird von Clever im Overdrive-Modus gegeben, die lebenslustigere Lissie von Lampe aber kontrolliert, mit minimalen Mitteln gestaltet) dominieren das Stück, obwohl Dörte Lyssewski es versteht, sich als Drama-Queen und Schmerz-Aktionistin Elaine (Helene/Helena… Hauptmann, Euripides und Goethe, wir hören euch trapsen!) bei jeder sich bietenden Chance in den Vordergrund zu featuren. Obwohl ich Dörte – die ja ebenfalls ein Strauß-Veteran ist – aus ihren Bochumer Tagen mag, ist ihre Art von physischem Overacting immer wieder ein seltsamer Mix aus Einzigartigkeit und mittelfristig auch einer optischen Ermüdung, weil man ihre spezifische Körpersprache ja doch schon so oder ähnlich in anderen Stücken gesehen hat. Mir paßt es auch nicht zu sehr zu einer Rolle, die eben ein Ding geworden ist, entkörperlicht ist, und den Ich-Bezug sucht in Schmerz, in körperlicher Extremerfahrung. Es scheint mir eher wenig ratsam, ausgerechnet eine solche Rolle so auszuagieren, daß sie nahezu ununterbrochen übertrieben lasziv und körperlich daherkommt wie eine schnurrige Katze. Da fehlt die Kühle, das Leere, das Nichts. Wobei man Dörte zur Ehrenrettung lassen muß, daß sie fast schizophren zwischen der Overdrive-Elaine und einer deutlich kleinlauteren, gebremsten (und entsprechend eine Clark-Kent-Brille tragenden) Version im Kontext ihrer dominanten Mutter wechselt, da mag also durchaus ein dramaturgischer Kunstgriff hinter der hyperaktiven Elaine stecken. Die Nebenrollen wie Nagel, Schwamm und selbst Lissies Sohn Timm, schön diszipliniert und sauber als Late-Twen gespielt von Sebastian Rudolph, der verblassen neben diesem intensiven Frauen-Trio nahezu vollends.

Das Stück endet abrupt, kurz, weil Bondy eine letzte Szene des Textes komplett wegläßt, wodurch die Inszenierung offener, schwebender, im besten Sinne irritierender wird. Dieser Kunstgriff des Coitus Interruptus macht das Stück paradoxerweise runder, voller und gleicht die Boulevard-Zitate wie magisch aus. Ob man hier noch ein bittersüßes resignatives Semi-Happy-End sehen will oder ein Scheitern aller Beziehungsansätze, aller Hoffnungen, bleibt der Phantasie der Zuschauer überlassen. Die eine oder die andere zeigt, inwieweit Live-Theater tiefer greifen kann und phantasieanregender, weil vielschichtiger sein kann, als das Film-Medium. Das Stück ist keineswegs so minimalistisch bare bones wie etwa Fosses Todesvariationen, aber für einen arrivierten elder statesman Dramatiker wie Botho Strauß, der hier eben auch auf vertraute Melodien zurückgreift, durchaus hochbefriedigend.

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DIE NEUE SAMMLUNG

Netter kleiner Lebenszubehör-Shop.

Ein Kommentar

DEPECHE MODE

Und ich weiß wieder, warum ich seit Jahren nicht mehr bei U2 war und auch REM meide. Großkonzerte sind sucky. In der LTU-Arena bei Depeche Mode waren Gahan und Konsorten vielleicht eben so groß wie mein kleiner Fingernagel, selbst die Videowalls waren kleiner als Handydisplays. Das Bühnendesign und die Musiker kannst du nur erahnen. Dem ensprechend schlecht, zu leise, zu mittig, zu breiig, ist der Sound. Du kannst die ausgetillten Versicherungsangestellten, die zu den Best of Depeche Mode 1980-1990 mitgröhlen, lauter hören, als die Band selbst. Was nicht wirklich eine Verbesserung darstellt. Depeche Mode selbst… ich habe die Band so vor zwanzig Jahren das letzte Mal in der Essener Grugahalle gesehen und selbst da war der kreative Zenith schon zugunsten von Chartpotential ansatzweise überschritten, wie ich finde – es war schon die Zeit post Construction Time Again. Inzwischen produzieren Depeche maßgeschneiderte Hits, funktionieren als Geldmaschine, bei der Gore die Songs produziert, Gahan seine einzigartige Stimme leiht und Andrew Fletcher die Fanbriefe beantwortet – und entsprechend war das Konzert ein funktionaler, weitgehend vorhersehbarer und die Zielgruppe bedienender Mix aus Tracks vom neuen Album (das ja eben promoted sein will) und Golden Oldies, bis hinab zu Just Can’t Get Enough, das Depeche dann seit rund 25 Jahren live spielen. DM fungiert so live nur noch als die eigene Coverband, die Songs werden gerade heruntergespielt, kaum variiert, es gibt keinerlei Freiraum für Improvisation oder Spaß und es ist zu befürchten, daß nahezu jedes Konzert absolut identisch realisiert wird, egal ob in Milano oder in Düsseldorf. Aufgenudelt auf Stadionrock-Niveau – nicht zuletzt durch das dazugespielte Bratschlagzeug, das den elektronischen Halbplaybacktracks den gewissen Hauch Dynamik verleihen soll, mit wechselndem Erfolg – verlieren die Songs jede Leichtigkeit und Transparenz, jede ursprüngliche Filigranität (die sich eben nicht in ein 45.000-Leute-Stadion retten läßt), was nicht wirklich dadurch aufgewertet wird, daß Gahan die Lyrics fast im Halbschlaf herunternöhlt, nur um so alle zehn Minuten mechanisch Massen-Aufmunter-Schreie à la «Thats right!» abzulassen, die, wenn man die Band etwas kennst, per se ebensfalls schon blind vorhersehbar plaziert sind. Du weißt schon fast, wann Gore singen darf (Gott, immer noch Somebody, surreal), wann die Balladen kommen, wann wieder ein alter Hit kommen muß, nach welchem Track die Main Show zu Ende ist, was die Zugaben sein werden… einzige Überraschung war, daß es nach Everything Counts noch einen (mauen) weiteren Zugabeblock gab und das die Band mit einem sehr ruhigen Track den Kehraus macht. Man mache sich nichts vor: Gore, Gahan und Fletcher do it for the money. Und das merkt man eben. Anders geht’s natürlich auch nicht, wenn du mit jeder Geste ohne jeden Aufwand 45.000 Leute zum Kreischen bringst. Das muß zynisch machen, diese namenlosen kreischenden Gesichter. Warum sich da noch wirklich anstrengen? Welche Ziele hat eine Band wie DM noch?

Und Sitzplätze, bei denen vor dir die sicher sonst braven, an diesem Abend aber alles gebenden Freizeit-Gahans den Tanzaffen machen, wenn Personal Jesus kommt, machen die Sache dann eben auch nicht besser. Wer weiß, vielleicht war der Gig in der dritten oder zweiten Reihe vorn schon okay, wenn man so eine Art 90s-Party mit DM-Live-Musik genießen kann und einfach schwitzend abtanzt und Behind The Wheel mitsingt und hofft, der DJ möge doch mal Photographic oder ToraToraTora auflegen. Aber diesen Spaßfaktor hat man nicht im Oberrang. Es war schon lustig, aber eher durch people watching, durch die Leutchen mit ihren Feuerzeugen und ihren Handyphotos (schau mal, der wiiinzig kleine Lichtfleck da hinten… das ist die Bühne gewesen. Und dieser Pixel hier, der hier, der schwarze… genau, das ist David Gahan) und dem ganzen Fanpulk und seinem Herdenverhalten. Die gleichen Leute die du hier siehst, die gehen auch unbeirrt zu Westernhagen oder Grönemeyer, da darf man dann eben auch ruhig ohne schlechtes Gewissen ablästern. Sich bei Everything Counts mal kurz nach hinten umzudrehen und die Gesichter der Masse zu begutachten… da kommt schon ein ungutes Berliner-Sportpalast-Feeling auf. Ich bin ehrlich – mir ist ein solches Stadion zu groß. Das Palladium oder E-Werk haben die optimale Größe. Groß genug für Live-Feeling und einen schönen lauten Sound, klein genug, um unbeschadet in die zweite Reihe zu kommen und die Band auch wirklich zu erleben. Eben echter. Der exzellente Gig von Massive Attack im Palladium vor zwei Jahren macht im Vergleich eben klar, daß größer nicht wirklich immer besser ist.

Ansonsten gab’s ein paar nette Momente an der Biertheke und irgendwie war es interessant, bei so einem Giganto-Gig zu der blinden Masse zu gehören. Aber ich habe stets Probleme mit Konzerten, wo ich nur dumm herumstehe und nicht moshen kann, und stets Probleme mit Bands, die sich aus Angst vor möglichen Fehlern und einer Under-Performance so starr in ein digitales Korsett einfügen, daß sie am Ende zu Schaltmomenten in der eigenen Show verkümmern… um so unter’m Strich zu kalt, zu hölzern und professionell (sprich: ohne Herz) ihren Job erledigen und – wie Depeche ja sehr wohl wissen – dabei eben dann nur noch Music for the Masses abliefern.

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UPUPANDAWAY

Bin heute abend auf dem Depeche-Mode-Konzert, Sa früh bis Mo spätabends in Berlin. Also etwas Funkstille the next days. Vielleicht komme ich heut nacht zu einem Kurzeindruck von Depeche.

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JK


Julia Kappus photobloggt.

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Weekend

Samstag erst Club David. Gay vom Langweiligsten. Miese Eartha-Kitt-Remixe, berechenbarerweise Madonna, Abba, leicht unfreundliche (aber lustige :-)) Bedienung, verspiegelte Wände, ein DJ, der nicht mal saubere Transitions hinkriegt. Immer irgendwie noch da, wo CD vor 12 Jahren war, als ich das letzte Mal da war. Schade drum. Dann Mandance in der Zeche, nach Tipp von Henning. Eben die andere Seite von Gay. Jünger, härter, dynamischer. Guter House, gute Jungs, die ziemlich oversexed waren. Auch wenn ich auf Housemusik nie tanze, wars insgesamt ne gute Sache. Schöne Idee, den Vorderraum mit Ikeamöbeln etwas loungiger zu machen, vor allem so gegen 4 Uhr ist man da dankbar für :-D. Rain nach Hause bringen, noch fix zu McDonalds, wo sich irgendwelche Mädels und Jungs noch ein Burgergefecht geliefert haben und dann am nächsten Morgen um 11 ins Werdener Bürgermeisterhaus, klassischen Violinenkonzerten zuhören, Bach, Kreisler et al. Mehr Kontrast geht gar nicht vom basslastigen House zu teilweise schon auch etwas plätschender Klassik. Gefallen hat mir Young-Jo Park und gefallen hat mir der Ansatz, zwei Bachvariationen einfach mal gleichzeitig zu spielen. Komplex, mathematisch und hörenswert, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob dem Werdener Publikum die etwas eingängigeren Sachen mit viel Vibrato nicht doch besser lagen. Dank an Doris Korpiun für die Einladung, hat Spaß gemacht, nur fürs Buffett war ich dann doch zu müde,hab mir dann lieber Waffeln gekauft und im Bett gefrühstückt… um dann um 17:30 als wirklich letzter durch «Das photographierte Tier» in der Folkwang zu hetzen, immer die auf Feierabend bedachte Museumscrew im Nacken, die lieb und nett, aber adamant die gar nicht so wenigen Leute um 18:00 rausgekegelt haben. Die Aussstellung an sich ist natürlich ein Thema, das kaum zu erfassen ist in seiner Bandbreite – Tierphotographie ist ja unendlich –, vor allem nicht mit den Mitteln des Folkwang Museums… aber der Versuch ist wagemutig und auch ziemlich erfolgreich gemacht worden. Mehr Bandbreite und mehr aktuelles Bildmaterial hätten vielleicht nicht geschadet, aber die Vielzahl von Photos und die teilweise sehr schöne Auswahl von Material machts mehr als weg. Partiell ausgezeichnete Arbeiten dabei. Und Avedons Elefantenbild mal in richtig groß zu sehen, ist den Eintritt schon allein wert. Insgesamt gut, das Museum sollte allerdings am letzten Tag ruhig eine Finissage hinlegen und mal länger die Türen öffnen, auch im Steinert-Café.

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