Mann mann. Geh auf ein Livekonzert, wo du gar nicht weißt, was dich erwartet und laß dich überraschen. Tuxedomoon hab ich das letzte Mal vor so rund 20 Jahren gehört. In the name of Talent und Songs aus der Zeit. Das Konzert heute im fzw, in der alten Originalbesetzung, bot einen unerwarteten, auf den zweiten Blick aber vertraut klingenden, ungewöhnlichen Fusion-Mix aus Stilelementen zwischen Jazz, Kirmesmusik, Alternative, Klezmer, Improvisation und New-Wave-Artiness, der immer dann am besten wirkte, wenn die Band sich auf das reine «Unplugged» verließ, ohne auf den eher schwach programmierten Drumcomputer zu setzen, der in dem kleinen Saal ohnehin einfach viel zu leise war und insofern keinen Druck erzeugen konnte. Ideal waren die Nummern, die mit den komplexen Wall-of-Sound-Strukturen der Bläser und Blaine Reiningers Saitenarbeit brillierten. Steven Brown singt nach wie vor schlechter als Reininger ;-), nebenbei. Auf Classics wie No Tears, In Heaven oder What Use verzichteten Tuxedomoon im völlig – mit meist etwas älteren Fans – überfüllten fzw komplett, spielten aber bei der ersten von zwei eher kurzen Zugaben ihren allerersten Song von 1977. Die Band wirkte insgesamt etwas unmotiviert, vielleicht, weil es ja auch möglicherweise frustriert, nach mehr als 30 Jahren internationaler Karriere immer (und wieder) noch in kleinsten Hallen aufzutreten, da aufzuhören, wo man angefangen hat, aber die Musik war über weite Strecken dennoch mehr als hörenswert, unerwartet und in der Improvisation jazzig, pulsierend und ein ziemlich schönes Gegenprogramm zum sterilen perfektionistisch durchprogrammierten Stadionrock von Depeche Mode. Keine schlechte Sache also, mal fast blind in einen Gig zu gehen. Tolles Publikum, gute Stimmung, größtenteils gute Musik. Nice. Und morgen noch einmal Kontrastprogramm mit Tomte
31. Januar 2006 00:06 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

Gerade frisch in der Post, also ab ins Blog. Auf Menschenfeind bin ich wirklich stolz, zum einen weil die Sachen mit den Narbenbildern eine mutige Entscheidung für das Haus war und ich mich freue, daß wir das gemeinsam durchgekriegt haben und zum anderen, weil es dazu noch in absoluter Rekordzeit entstehen mußte, das komplette Programmheft war in zwei Stunden fertig. Aus meiner Sicht eins der besten Hefte bisher… und ich mag sie eigentlich alle auf ihre Art. Auch die drei Photos von Philipp sind hier einfach nur grandios und sind die eigentliche Inspiration hinter der Narbenidee. Wirklich drei Bilder, die man sich so in Großdruck an die Wand hängen möchte. Sterne ist allein schon deshalb toll, weil die derzeit hochangesagte Dramatiker Anja Hilling für Monika Gysels Abendprogramm die Zeit gefunden hat, auf die schönen Fischli/Weiss-Fragen zu antworten und das ebenso obskur wie die Fragen selbst sind. Very zen. Ich glaub, ich beantworte die Fragen demnächst aus Spaß auch mal selbst :-D.
30. Januar 2006 16:49 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.





15:49 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.
Ich bearbeite Markus Sorger seit ewig, endlich zu bloggen, weil sein Einblick in die Welt – nämlich der HINTER die Bühne von großen Veranstaltungen – ein ziemlich einzigartiger und spannender ist. Markus ist örtlich oder on the road für Veranstaltungen verschiedenster Kaliber zuständig, von Krachern wie Die Flippers bis hin zu den Rolling Stones. Über sowas zu schreiben sollte, selbst wenn man die ganz peinlichen Sachen sicher nicht öffentlich schreiben wird (Scha-de) sicher nicht minder spannend als das Leben eines Supermarktleiters :-D. Ich hab ihn gerade in Berlin bei einer hochseltsamen Phantom-der-Oper-Aufführung gesehen (die eben NICHT Webbers Version ist, was dem Publikum aber anscheinend nicht zu klar war, hehehe.), wo wir durch den engen Bereich über dem Zuschauerraum gekrabbelt sind. Jedesmal ein Abenteuer für mich, Markus bei der Arbeit besuchen zu dürfen und dementsprechend spannend wird also auch das blog sein. Der Mann ist außerdem Augenoptiker, Pyrotechniker und Seemann, wenn das nicht reicht, um euch neugierig zu machen, weiß ich auch nicht. Also: reinschauen.
11:10 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.







Hier.
Etwas Ähnliches, schon weit hinten im Blog vorgestellt, auch schon einmal hier.
via Future Feeder
29. Januar 2006 01:10 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Da will man mal Geld ausgeben und kann es eigentlich nicht, weil das einzige Laptop, daß einem optisch gefällt, leider eine Möhre ist. Obwohl ich mit meinem letzten Toshiba, dem Satellite 5299-701 hochzufrieden war, was Look, Sound udn Leistung anging, ist das M60-167 eine Enttäuschung. Die Technik ist ganz okay für den Preis von 1600 Euro, aber leider ist das harmann/kardon-System gegen mein bisheriges ein mittenlastiges, leises, schepperndes Ding, das mehr Klirrfaktor als Musik liefert. Noch tragischer: Die Tastatur hängt. Man kann tippen, wenn man mit einigem Kraftaufwand und recht steil in die Tasten schlägt, aber keineswegs in meiner schnellen, eher leichten Anschlagtechnik, die eine schnell reagierende Tastatur braucht. Wenn von 10x das O anschlagen nur vier Buchstaben am Bildschirm erscheinen, dann stimmt da was nicht. Beim Vorführgerät hielt ich das noch für einen Abnutzungsdefekt, aber beim gekauften Gerät tritt der Fehler auch auf. Und jetzt steht man da: Die preis-/leistungsseitig sehr guten Amilo von Siemens finde ich grottenhäßlich und es gibt absurderweise keinen PCMCIA-Slot, den ich aber fürs 108er WLan brauche… abgesehen davon wirkt FujiSiemens auf mich als Marke eher mäßig. Samsung finde ich sehr schick, aber etwas teuer. Sony mag ich nicht mehr, weil der Service bei denen legendär schlecht ist (im Gegensatz zu etwa Toshiba) und die Verarbeitung auch nicht wirklich hochwertig. Das M60 wäre es schon gewesen, auch vom Design her. Auch obwohl es kein Bluetooth hat (eigentlich absurd) und die Bildschirmauflösung für Videoanwendungen schon fast zu hoch ist, weil ein 720er DVD-Bild auf 1600er Breite gepumpt werden muß (übrigens noch ausgeprägter bei dem 1900er-Screen des Amilo). Na, dann erst mal umtauschen und sehen was wird. Eventuell bleibts dann doch beim alten blauen Notebook :-D. Auf jeden Fall würde ich persönlich leider vom diesem Toshiba zumindest abraten. Es bleibt dabei: Die schönsten Notebooks kommen von Apple.
27. Januar 2006 10:04 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Irgendwie erfahre ich die Dinge immer als letzter :-D. Alles Liebe an Björn und Marion zum Töchterlein… :-D
26. Januar 2006 11:05 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

Und mal wieder ein Update – Bilder von einigen der letzten Bielefelder Abendprogramme. (weiterlesen…)
25. Januar 2006 18:19 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
Die Photos, die Julia Kappus für uns – vielmehr für die ersten 32 Seiten des letzten Saisonheftes der Bielefelder Philharmoniker – gemacht hat, haben eine schöne Zweitverwendung gefunden: Der Rheinische Merkur rief an und fragte, ob Sie mit den freigestellten Salzburger Kitschartikeln rund um Amadeus einen vierseitigen Spezialbeitrag rund ums Mozartjahr bebildern könnten. Das Endergebnis von Ende 2005 ist schön geworden… zumal der Merkur für eine eher konservative ausgerichtete Zeitung ohnehin nicht allzu schlecht gestaltet daherkommt.




18:11 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
Für Botho Strauß’ Verhältnisse mutet Die eine und die andere nahezu wie eine Rückkehr ins Persönliche, ins Kleine an. Die Inszenierung des stets phantastischen Luc Bondy, der sich ja bereits mehrfach an Stücken von Strauß abgearbeitet hat, lebt vor allem von Karl-Ernst Hermanns grandiosem Bühnenbild, das von vorneherein keinen Zweifel daran läßt, daß die Intimität und Bescheidenheit des Stückes trügerisch ist: Das Kaufhaus der ersten Szene wird zu einem ins Unendliche reichenden Vexierbild aus sich kreuzenden Linien, optischen Täuschungen und immer wieder gelingt es Hermann und den Menschen, die seine Ideen umsetzen, aus den einfachen Zutaten des Bühnebildes jede Szene minimalistisch aber überzeugend umzusetzen. War Herrmann in den Bochumer Todesvariation noch, dem Stück entsprechend ein nackter weißer Kasten, so ist die Bühne diesmal umrahmt von einer High-Tech-LED-Installation, die das Szenen-Bild kongenial und augenzwinkernd umrahmt, wie KEH ohnehin den futuristischen Aspekt von Strauss nutzt, um mit wunderbaren Lichtinstallationen aufzuwarten und die Bühne zu einem doppelbödigen Spiel mit Licht und Illusion werden zu lassen. Und das paßt in der Tat zu dem Stück, das nur oberflächlich die Beziehung zweier gealterter, einander verhaßter Frauen und ihrer Kinder abhandelt, sich in Wirklichkeit aber an griechischen Tragödien-Themen, an dem Bild der drei den Lebensfaden strickenden alten Hexen, an Zukunftskritik, und immer wieder an starker christlicher Leidenssymbolik, nicht zuletzt der Tragödie des Osten Deutschlands, versucht und manchmal eben auch in diesem Wust verhebt. Wie immer (und wie fast kein zweiter Autor) schachtelt und stapelt Strauß dabei auf der Folie des normalen «plots» so vielschichtige Meta-Ebenen, daß man außerstande ist, das Stück auf der Bühne ad hoc voll zu durchschauen und würdigen. Was dem Publikum im BE so anscheinend bleibt, ist oft der boulevardeske Oberflächencharakter des Stückes, den Bondy nutzt, um die mythologischen Elemente zu kontern. Entsprechend irrlichtert das Stück zwischen (leicht deplacierten) Lachern und sperrigen Kreuzigungsszenen im Kühlschrank-Neonlicht. Beides per se in der Juxtaposition nicht verkehrt in einem modernen Stück, aber Bondy gelingt es nicht ganz, die komplexen Inhalte einerseits transparent und andererseits zu einem homogenen Ganzen zu machen und ergo bleibt dem Publikum zumindest partiell leichte Verwirrung und damit die Flucht in die oberflächlicheren Ebenen des Stückes. Und die ist, pardon, mitunter so flach wie ein Ohnsorg-Stück angelegt. Man hätte vielleicht hoffen dürfen, daß die hier versammelten Theaterlegenden etwas mehr mit der Tiefe von Strauß’ Ansätzen hätten spielen wollen.
Die wunderbare und legendäre, hier aber leider etwas überziehende, fast boulevardesk auftretende, Edith Clever und die dagegen grandios zurückgehaltene, fast müde und somit lasziver wirkende Jutta Lampe (beide perfekt gegen die Rollenerwartungen besetzt, die eigentlich lebensmüde Insa wird von Clever im Overdrive-Modus gegeben, die lebenslustigere Lissie von Lampe aber kontrolliert, mit minimalen Mitteln gestaltet) dominieren das Stück, obwohl Dörte Lyssewski es versteht, sich als Drama-Queen und Schmerz-Aktionistin Elaine (Helene/Helena… Hauptmann, Euripides und Goethe, wir hören euch trapsen!) bei jeder sich bietenden Chance in den Vordergrund zu featuren. Obwohl ich Dörte – die ja ebenfalls ein Strauß-Veteran ist – aus ihren Bochumer Tagen mag, ist ihre Art von physischem Overacting immer wieder ein seltsamer Mix aus Einzigartigkeit und mittelfristig auch einer optischen Ermüdung, weil man ihre spezifische Körpersprache ja doch schon so oder ähnlich in anderen Stücken gesehen hat. Mir paßt es auch nicht zu sehr zu einer Rolle, die eben ein Ding geworden ist, entkörperlicht ist, und den Ich-Bezug sucht in Schmerz, in körperlicher Extremerfahrung. Es scheint mir eher wenig ratsam, ausgerechnet eine solche Rolle so auszuagieren, daß sie nahezu ununterbrochen übertrieben lasziv und körperlich daherkommt wie eine schnurrige Katze. Da fehlt die Kühle, das Leere, das Nichts. Wobei man Dörte zur Ehrenrettung lassen muß, daß sie fast schizophren zwischen der Overdrive-Elaine und einer deutlich kleinlauteren, gebremsten (und entsprechend eine Clark-Kent-Brille tragenden) Version im Kontext ihrer dominanten Mutter wechselt, da mag also durchaus ein dramaturgischer Kunstgriff hinter der hyperaktiven Elaine stecken. Die Nebenrollen wie Nagel, Schwamm und selbst Lissies Sohn Timm, schön diszipliniert und sauber als Late-Twen gespielt von Sebastian Rudolph, der verblassen neben diesem intensiven Frauen-Trio nahezu vollends.
Das Stück endet abrupt, kurz, weil Bondy eine letzte Szene des Textes komplett wegläßt, wodurch die Inszenierung offener, schwebender, im besten Sinne irritierender wird. Dieser Kunstgriff des Coitus Interruptus macht das Stück paradoxerweise runder, voller und gleicht die Boulevard-Zitate wie magisch aus. Ob man hier noch ein bittersüßes resignatives Semi-Happy-End sehen will oder ein Scheitern aller Beziehungsansätze, aller Hoffnungen, bleibt der Phantasie der Zuschauer überlassen. Die eine oder die andere zeigt, inwieweit Live-Theater tiefer greifen kann und phantasieanregender, weil vielschichtiger sein kann, als das Film-Medium. Das Stück ist keineswegs so minimalistisch bare bones wie etwa Fosses Todesvariationen, aber für einen arrivierten elder statesman Dramatiker wie Botho Strauß, der hier eben auch auf vertraute Melodien zurückgreift, durchaus hochbefriedigend.
15:07 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.
Und ich weiß wieder, warum ich seit Jahren nicht mehr bei U2 war und auch REM meide. Großkonzerte sind sucky. In der LTU-Arena bei Depeche Mode waren Gahan und Konsorten vielleicht eben so groß wie mein kleiner Fingernagel, selbst die Videowalls waren kleiner als Handydisplays. Das Bühnendesign und die Musiker kannst du nur erahnen. Dem ensprechend schlecht, zu leise, zu mittig, zu breiig, ist der Sound. Du kannst die ausgetillten Versicherungsangestellten, die zu den Best of Depeche Mode 1980-1990 mitgröhlen, lauter hören, als die Band selbst. Was nicht wirklich eine Verbesserung darstellt. Depeche Mode selbst… ich habe die Band so vor zwanzig Jahren das letzte Mal in der Essener Grugahalle gesehen und selbst da war der kreative Zenith schon zugunsten von Chartpotential ansatzweise überschritten, wie ich finde – es war schon die Zeit post Construction Time Again. Inzwischen produzieren Depeche maßgeschneiderte Hits, funktionieren als Geldmaschine, bei der Gore die Songs produziert, Gahan seine einzigartige Stimme leiht und Andrew Fletcher die Fanbriefe beantwortet – und entsprechend war das Konzert ein funktionaler, weitgehend vorhersehbarer und die Zielgruppe bedienender Mix aus Tracks vom neuen Album (das ja eben promoted sein will) und Golden Oldies, bis hinab zu Just Can’t Get Enough, das Depeche dann seit rund 25 Jahren live spielen. DM fungiert so live nur noch als die eigene Coverband, die Songs werden gerade heruntergespielt, kaum variiert, es gibt keinerlei Freiraum für Improvisation oder Spaß und es ist zu befürchten, daß nahezu jedes Konzert absolut identisch realisiert wird, egal ob in Milano oder in Düsseldorf. Aufgenudelt auf Stadionrock-Niveau – nicht zuletzt durch das dazugespielte Bratschlagzeug, das den elektronischen Halbplaybacktracks den gewissen Hauch Dynamik verleihen soll, mit wechselndem Erfolg – verlieren die Songs jede Leichtigkeit und Transparenz, jede ursprüngliche Filigranität (die sich eben nicht in ein 45.000-Leute-Stadion retten läßt), was nicht wirklich dadurch aufgewertet wird, daß Gahan die Lyrics fast im Halbschlaf herunternöhlt, nur um so alle zehn Minuten mechanisch Massen-Aufmunter-Schreie à la «Thats right!» abzulassen, die, wenn man die Band etwas kennst, per se ebensfalls schon blind vorhersehbar plaziert sind. Du weißt schon fast, wann Gore singen darf (Gott, immer noch Somebody, surreal), wann die Balladen kommen, wann wieder ein alter Hit kommen muß, nach welchem Track die Main Show zu Ende ist, was die Zugaben sein werden… einzige Überraschung war, daß es nach Everything Counts noch einen (mauen) weiteren Zugabeblock gab und das die Band mit einem sehr ruhigen Track den Kehraus macht. Man mache sich nichts vor: Gore, Gahan und Fletcher do it for the money. Und das merkt man eben. Anders geht’s natürlich auch nicht, wenn du mit jeder Geste ohne jeden Aufwand 45.000 Leute zum Kreischen bringst. Das muß zynisch machen, diese namenlosen kreischenden Gesichter. Warum sich da noch wirklich anstrengen? Welche Ziele hat eine Band wie DM noch?
Und Sitzplätze, bei denen vor dir die sicher sonst braven, an diesem Abend aber alles gebenden Freizeit-Gahans den Tanzaffen machen, wenn Personal Jesus kommt, machen die Sache dann eben auch nicht besser. Wer weiß, vielleicht war der Gig in der dritten oder zweiten Reihe vorn schon okay, wenn man so eine Art 90s-Party mit DM-Live-Musik genießen kann und einfach schwitzend abtanzt und Behind The Wheel mitsingt und hofft, der DJ möge doch mal Photographic oder ToraToraTora auflegen. Aber diesen Spaßfaktor hat man nicht im Oberrang. Es war schon lustig, aber eher durch people watching, durch die Leutchen mit ihren Feuerzeugen und ihren Handyphotos (schau mal, der wiiinzig kleine Lichtfleck da hinten… das ist die Bühne gewesen. Und dieser Pixel hier, der hier, der schwarze… genau, das ist David Gahan) und dem ganzen Fanpulk und seinem Herdenverhalten. Die gleichen Leute die du hier siehst, die gehen auch unbeirrt zu Westernhagen oder Grönemeyer, da darf man dann eben auch ruhig ohne schlechtes Gewissen ablästern. Sich bei Everything Counts mal kurz nach hinten umzudrehen und die Gesichter der Masse zu begutachten… da kommt schon ein ungutes Berliner-Sportpalast-Feeling auf. Ich bin ehrlich – mir ist ein solches Stadion zu groß. Das Palladium oder E-Werk haben die optimale Größe. Groß genug für Live-Feeling und einen schönen lauten Sound, klein genug, um unbeschadet in die zweite Reihe zu kommen und die Band auch wirklich zu erleben. Eben echter. Der exzellente Gig von Massive Attack im Palladium vor zwei Jahren macht im Vergleich eben klar, daß größer nicht wirklich immer besser ist.
Ansonsten gab’s ein paar nette Momente an der Biertheke und irgendwie war es interessant, bei so einem Giganto-Gig zu der blinden Masse zu gehören. Aber ich habe stets Probleme mit Konzerten, wo ich nur dumm herumstehe und nicht moshen kann, und stets Probleme mit Bands, die sich aus Angst vor möglichen Fehlern und einer Under-Performance so starr in ein digitales Korsett einfügen, daß sie am Ende zu Schaltmomenten in der eigenen Show verkümmern… um so unter’m Strich zu kalt, zu hölzern und professionell (sprich: ohne Herz) ihren Job erledigen und – wie Depeche ja sehr wohl wissen – dabei eben dann nur noch Music for the Masses abliefern.
21. Januar 2006 01:58 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.
Bin heute abend auf dem Depeche-Mode-Konzert, Sa früh bis Mo spätabends in Berlin. Also etwas Funkstille the next days. Vielleicht komme ich heut nacht zu einem Kurzeindruck von Depeche.
20. Januar 2006 13:21 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.
Samstag erst Club David. Gay vom Langweiligsten. Miese Eartha-Kitt-Remixe, berechenbarerweise Madonna, Abba, leicht unfreundliche (aber lustige :-)) Bedienung, verspiegelte Wände, ein DJ, der nicht mal saubere Transitions hinkriegt. Immer irgendwie noch da, wo CD vor 12 Jahren war, als ich das letzte Mal da war. Schade drum. Dann Mandance in der Zeche, nach Tipp von Henning. Eben die andere Seite von Gay. Jünger, härter, dynamischer. Guter House, gute Jungs, die ziemlich oversexed waren. Auch wenn ich auf Housemusik nie tanze, wars insgesamt ne gute Sache. Schöne Idee, den Vorderraum mit Ikeamöbeln etwas loungiger zu machen, vor allem so gegen 4 Uhr ist man da dankbar für :-D. Rain nach Hause bringen, noch fix zu McDonalds, wo sich irgendwelche Mädels und Jungs noch ein Burgergefecht geliefert haben und dann am nächsten Morgen um 11 ins Werdener Bürgermeisterhaus, klassischen Violinenkonzerten zuhören, Bach, Kreisler et al. Mehr Kontrast geht gar nicht vom basslastigen House zu teilweise schon auch etwas plätschender Klassik. Gefallen hat mir Young-Jo Park und gefallen hat mir der Ansatz, zwei Bachvariationen einfach mal gleichzeitig zu spielen. Komplex, mathematisch und hörenswert, auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob dem Werdener Publikum die etwas eingängigeren Sachen mit viel Vibrato nicht doch besser lagen. Dank an Doris Korpiun für die Einladung, hat Spaß gemacht, nur fürs Buffett war ich dann doch zu müde,hab mir dann lieber Waffeln gekauft und im Bett gefrühstückt… um dann um 17:30 als wirklich letzter durch «Das photographierte Tier» in der Folkwang zu hetzen, immer die auf Feierabend bedachte Museumscrew im Nacken, die lieb und nett, aber adamant die gar nicht so wenigen Leute um 18:00 rausgekegelt haben. Die Aussstellung an sich ist natürlich ein Thema, das kaum zu erfassen ist in seiner Bandbreite – Tierphotographie ist ja unendlich –, vor allem nicht mit den Mitteln des Folkwang Museums… aber der Versuch ist wagemutig und auch ziemlich erfolgreich gemacht worden. Mehr Bandbreite und mehr aktuelles Bildmaterial hätten vielleicht nicht geschadet, aber die Vielzahl von Photos und die teilweise sehr schöne Auswahl von Material machts mehr als weg. Partiell ausgezeichnete Arbeiten dabei. Und Avedons Elefantenbild mal in richtig groß zu sehen, ist den Eintritt schon allein wert. Insgesamt gut, das Museum sollte allerdings am letzten Tag ruhig eine Finissage hinlegen und mal länger die Türen öffnen, auch im Steinert-Café.
18. Januar 2006 09:18 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

Madita Madita
Das Produktionsduo von Couch Records hat mit der österreichischen Schauspielerin Madita einen Glücksgriff getan. Nicht nur, weil sie sich perfekt à la Nelly Furtado vermarkten läßt, sondern vor allem, weil ihr Debutalbum traumwandlerisch zwischen Jazz und Pop und E-Lounge irrlichtert. Der erste Track, Ceylon, ist sicher nicht ohne Grund der Chartkompatibelste und eingängigste, aber nahezu jede Nummer des Albums hat Qualität und setzt sich im Ohr fest. Der nöhlende Gesang von Madita schwebt dominierend über den elektrojazzigen Tracks, die sich nur sehr sehr seltsn im Sound und Sample vergreifen und ansonsten so mühelos durch den Raum perlen, das jeder Fan von Torrini, Furtado oder Norby sich hier sofort wohl fühlen muß. Sehr leichte, aber großartige Platte, die nicht ohne Grund fast on heavy rotation bei mir läuft.

My Morning Jacket Z
Nach It Still Moves mein zweites Album von der Louisviller Kapelle My Morning Jacket und ein großartiger Schritt in eine neue Richtung. War der Vorgänger noch in einem alten Kornspeicher aufgenommen und insofern eine Übung aus verhallter Melancholie, beginnt das neue Album so knochentrocken, als wollten MMJ ganz bewußt den Mythos als die Countryversion von The Jesus & Mary Chain ablegen. Ergänzt um sparsame elektronische Elemente, geht der erste Track völlig neue Wege, ohne die Melancholie von Jim James Gesang dabei zu verlieren. Insgesamt wirkt Z vielseitiger und spannender, weniger fokussiert und neugieriger als das vorhergegangene Album. Bei Off the record perlt sogar deutlich ein The-Clash-Einfluß durch, bis der Track plötzlich in einen elektronischen Beat umkippt und dubby wird. Einige Tracks kehren zurück zu dem bombastisch verhallten Wall of Sound, der so typisch für MMJ ist, aber die Bandbreite ist deutlich cinemascopischer gworden. Diese Platte ist so unglaublich gut, daß man sie fünfmal hören muß, bis dein Kopf sich um sie gewickelt hat. Tief, vielseitig und trotzdem poppig und auf den Punkt produziert. Nicht kopflastig, zerren die Harmonien an den Fäden deines Herzens und bringen die pure reine Melancholie so sparsam und so weit auf den Punkt, wie es nur moderner Country/Americana reinster Güte kann: Johnny Cash, Neil Young… My Morning Jacket. Oh, und das Cover ist grandios.

Infadels We are not the Infadels
Andererseits kann auch ein ganz schreckliches Cover eine gute Platte bergen. Der Wall-of-Sound-Act Infadels hat nach dem fulminanten Maxi-Debut Jagger 67 jetzt das erste Album parat und damn, es ist Brit-Pop vom Feinsten. Ich habe keine Ahnung, wo diese ganzen grandiosen Acts aus UK derzeit alle herkommen, aber die schiere Menge, Bandbreite und Qualität der Bands läßt einen etwas verzweifeln. Die Infadels präsentieren sich vielseitig, zwischen elektronischen Elementen, Punk, Funk und straightem Gitarrenpoprock schwirrend, ohne sich dabei ganz endgültig einnehmen oder verorten zu lassen. Da blitzen Gang of Four kurz auf, The Faint, plötzlich erinnert dich eineinzelner Sound absurderweise an Everything Counts von Depeche Mode… tausend andere Einflüsse, aber nie so platt kopiert wie es etwa bei Franz Ferdinand permanent durchkommt. Ausnahmslos jeder Track des Albums überzeugt, steht für sich ebenso solide wie im Albumkontext und zeigt für ein Debut eine Vielseitigkeit und musikalische Neugier, die anderen Gitarrencombos beschämen sollte. Das finale Stories from the Bar allein genommen ist in diesem Sinne bereits ein grandios hypnotischer Song, aber im Kontext des brachialeren gesamten Albums ist er die perfekte Kirche auf der Sahnetorte und verleiht dem Album eine ganz andere Dimension von Lässigkeit und Selbstdisziplin. Der Gesang nicht auf dem irrwitzigen Bloc-Party-Niveau, aber stets solide, die Produktion nicht so künstlich herabgenudelt wie etwa bei den Strokes und zahlreichen 80s-Retro-Bands, die Kompositionen entziehen sich entspannt jeder klaren Verortung. Und, mal ehrlich, wer den Openertrack LOVE LIKE SEMTEX nennt, hat bei mir schon aus Prinzip gewonnen. An diesem Album ist nichts falsch, außer, daß es mit 45 Minuten zu schnell vorbei ist.
13. Januar 2006 19:04 Uhr. Kategorie Musik. 2 Antworten.
Ozeanische QT-Kurzfilme vom Grasscollective für wall-framded LCD-Displays. Just relax…
18:01 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

Die Essener Photographin Ursula Kaufmann, bekannt für ihre Arbeit mit Pina Bausch, hat eine Photoserie mit dem Ensemble des Theater Bielefeld für Gregor Zölligs Tanzoper Orpheus und Euridyke gemacht. Ein paar Kostproben…
11:18 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Jarhead. Welcome to the Suck. Schon der Untertitel deutet an, wie schwierig dieser Film zu übersetzen sein mußte, denn das deutsche «Willkommen im Dreck» reicht nicht annähernd an den Druck des Originals heran. Ähnlich wird es mit etwa zehntausend anderen Details sein, die den O-Ton authentischer und reicher machen dürften. Irgendwann scheitert jede Übersetzung eben an Fuck.
Dessen ungeachtet überzeugt Jarhead bereits zu Beginn mit einem seltsamen Doku-Drama-Start, der ungeniert Kubricks Full Metal Jacket zitiert, aber auch andere Drill-Sergeant-Filme anklingen läßt, wie überhaupt der ganze Film ungeniert eine Reihe von Kriegsfilmen auf den verschiedensten Stilebenen plündert, bis hin zu den Farben. Der toughe Drill beim Militär ist zum Filmklischee mutiert und wird hier ungeniert als Opener genutzt, der das Publikum auf das vertraute Terrain des Kriegsfilms bringt. Wir alle wissen ja aus Offizier und Gentleman, daß nur beim Militär aus den Söhnen Amerikas echte Männer werden, hm? Wie dünn die Grenze zwischen Kriegsfilm und Anti-Kriegsfilm ist, thematisiert Sam Mendes bereits im ersten Drittel des Filmes, wenn die Marines den Ritt der Walküren in Apocalypse Now frenetisch feiern, eine Szene, deren schieres Level an surrealer Spookyness Mendes immer und immer wieder im Film erreicht, nicht zuletzt dank der durchweg guten Darsteller Crew, die mit eher unverbrauchten Gesichtern – mit Ausnahme von Jamie Foxx, der aber als einer der absolut besten Leute seiner Zunft gewohnt nahtlos mit der Rolle verschmilzt und einer eigentlich stereotypen Figur mit kleinen Details Tiefe und ironische Würde gibt – dem gesamten Film eine Aura trügerischer Authentizität verleiht. Auch Jake Gyllenhaal aus Donnie Darko wird durch den Jarhead-Haarschnitt verfremdet, ist erst am Ende des Filmes wirklich als er selbst erkennbar. Diese Aura des Authentischen durchbricht Mendes aber immer wieder, indem er auf pseudo-dokumentarfilmige Bildsprache verzichtet und stattdessen stilisiert, wo es nur geht. An Traffic und Three Kings erinnernde ausgebleichte Farben in der Wüste, verschiedene Filmmaterialien mit unterschiedlichen Körnungen, gezielte Digitaleffekte – Mendes verläßt sich darauf, daß die Sinnlosigkeit soldatischen Wartens gerade durch den Kunstgriff des stilisierten Bildes erfahrbar wird. Der Film ist sexy und hält insofern sein Publikum bei der Stange, auch wenn die Message bitter ist: Mendes zeigt die Operation Desert Storm im ersten Golfkrieg als einen Krieg, der zwar mehr und mehr Fußsoldaten im Kriegsgebiet ansammelt, diese aber im Grunde nicht mehr braucht. Der im Zentrum der Handlung stehende Marine-Scharfschütze Anthony Swofford (auf dessen Buch der Film basiert) und sein Partner/Späher, der von Peter Sarsgaard mit Kiefer-Sutherlandscher Attitude zwischen Coolness und Psychose gegebene Troy sehen im Grunde im gesamten Krieg keine echte Action, selbst ihr finaler Einsatz wird zum Coitus Interruptus. Der Mythos des Mannes im Krieg wird in der Warteschleife des modernen Krieges als Rohrkrepierer entlarvt, den Krieg führen anonyme Maschinen, die wir kaum sehen, meist nur hören. So muß sich die Polizei von Metropolis fühlen, wenn Superman die Stadt rettet. Wie Troy richtig erkennt: Die Soldaten sind zu langsam für den modernen Krieg, ihre Reichweite ist zu klein. Was ist ein Scharfschütze gegen einen surgical strike, was ein Trupp Soldaten gegen Splitterbomben vom Himmel? Was bleibt ist Warten, Trainieren und jede Menge Onanie. Grausame Spiele unter Männern, ein zum Ferienlager mutierendes Wüstencamp, und das Warten darauf, daß die Freundin daheim das Warten satt hat und fremdgeht.
Im dritten Akt des Filmes, unter den lodernden Ölquellen im Irak, taucht Mendes seinen Film in apokalyptische Stimmung, Öl regnet vom Himmel, Swofford sitzt verzweifelt unter verkohlten Leichen, ein ölüberströmtes Pferd taucht in der feuergetränkten Dunkelheit auf wie eine unwirkliche Vision. Der Wechsel in der Tonality, im Licht, in der gesamten Aussage des Films, gibt diesen Sequenzen eine Metaebene. Hier geht es kurz nicht mehr nur um die Sinnlosigkeit von Krieg für den einzelnen Soldaten, sondern hier wird die Kritik globaler. Wenn ein Bus mit Flüchtlingen vor den irakischen Invasoren von US-Bombern ausgebrannt auf der Straße zurückbleibt. Wenn die Soldaten von ihren eigenen Jungs beschossen werden, weil die Technik versagt. Wenn Swofford und seine Crew schließlich auf eine Handvoll Kuwaiter treffen, unfähig, mit den EInheimischen zu kommunzieren, weil man milliardenteure Technik zur Hand hat, aber niemand einigermaßen arabisch spricht. Wenn die frustrierten Soldaten schließlich vor dem Rückflug in den Himmel schießen, um ihre aufgestaute Frustration zu entladen, endlich ihre Munition ejakulieren dürfen, in einer Art barbarischem Veitstanz. Wenn final die Rückkehr ins zivile Leben eben auch nicht funktioniert und sich der Einsatz als sinnlos, das Leben jenseits des Krieges aber auch als sinnentleert entpuppt.
Der Film ist voller solcher kleiner surrealer Volten gegen den Krieg. Das Unterschreiben eines Zettels, daß man die US Army nicht auf Nebenwirkungen unerprobter Tabletten verklagt. Die Anheizer-Reden der Sesselgeneräle. Der sinnlos erzeugte Haß auf die Irakis, die niemand jemals wirklich sieht. Die greifbare Angst der Soldaten selbst im Angesicht harmloser Nomaden. Der ausgebrannte Vietnam-Veteran, der bei der Wiederankunft in den USA die Marines frenetisch mit Semper Fi begrüßt. Kennst du einen Krieg, kennst du alle. Hier schließt Mendes ein letztes Mal den Kreis zu den Filmen, die er immer wieder zitiert, zu den großen Vietnam-Epen. Und zeigt so, daß der Irak-Krieg eben keineswegs heldenhafter oder erfolgreicher war als Vietnam. Eine Vorahnung davon erlaubt sich Mendes bereits, als während des Wüsteneinsatzes ein Helicopter mit einem Doors-Song über die Soldaten schießt und die Crwe um Swofford erkennt, daß sie nicht einmal ihren eigenen Soundtrack hat, daß ihr Krieg ein Aufguß von Filmklischees ist. Insofern zeigt Mendes auch, daß die mediale Aufbereitung von Vietnam alle folgenden US-Kriege tief geprägt hat und ihnen sogar eine Coolness verliehen hat. Um dann prompt mit Nirvanas Something in the Way dsen eigenen Soundtrack nachzuliefern, und böse nahelegt, daß zwischen der suizidalen Zivilisationsmüdigkeit von Kurt Cobain und der Annui eines sinnlosen Krieges um Öl kein allzu großer Unterschied ist, daß die Generation X hier ebenso verheizt wird wie ihre Väter und Großväter zuvor, nur mit besserer Musik.
Aber Jarhead ist kein allzu einfacher Anti-Kriegsfilm. Dazu ist er zu leise, zu zwiespältig, zu sehr geprägt von Ironie, Distanz, Neugier und dem postmodernen Bewußtsein, daß es keine klaren Antworten mehr geben kann. Er zeigt die Faszination von Gewalt und Soldatendasein, entblößt den Mechanismus, der Soldaten entmenschlicht und auf ein klares Feindbild zuspitzt. Insofern ist Jarhead ein Pendant, vielleicht eine Neuauflage, ein Echo, ein Remix zu auf und von Full Metal Jacket, und steckt nicht umsonst bis in die Darstellercrew hinein immer wieder voller kleiner Homagen an Kubricks Film. Im Grunde sehen wir hier also unterm Strich nicht allzuviel wirklich Neues, nichts revolutionär Anderes als in anderen Filmen, nur vielleicht fokussierter auf die kleine Gruppe von Soldaten, auf ihren Slice of Reality. Die Absurdität des Krieges reduziert auf eine Handvoll Menschen, die eigentlich gar nicht mehr an ihm beteiligt ist – und die eben genau darunter leidet. Mendes leistet sich – wie Kubrick – den Luxus, sich zurückzuziehen und durch Schnitt und Materialauswahl seine Botschaft wirken zu lassen – das Krieg nicht sinnlos und menschenverachtend ist, weil er roh und brutal und blutig ist (auch wenn Jarhead sicher auch das kommuniziert), sondern eben auch, weil er Menschen aus ihrem Alltag reißt und zu Killern umzüchtet, die dann final nicht einmal mehr gebraucht werden, Abfall sind, Collateral Damage. Die Pornographie des nackten Anti-Kriegsfilms leistet sich Mendes nicht und die so bleibende leise Ambivalenz gibt Jarhead seine Kraft.
Man mag kritisieren, daß Swoffords Drama und seine Verluste sich klein ausnehmen neben dem Sterben und Leid von tausenden von Kuwaitern und Irakis im ersten Golfkrieg, aber das wäre dann ein anderer Film. Hier geht es um die Frage, was ein Krieg – selbst oder eben gerade wenn man im Grunde nur eine unwichtige Randfigur, ein Nicht-Held ist – aus deinem Leben macht. Und diese Antwort überzeugend und facettenreich zu liefern, das ist schon eine mehr als ausreichende Leistung für einen zweistündigen Film.
10:47 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.
Drei tolle Photos von Philipp Ottendörfer für Postkarten zu Molieres Menschenfeind…



12. Januar 2006 19:15 Uhr. Kategorie Arbeit, Design. Keine Antwort.

Jonathan Carroll gehört sicherlich zu meinen Lieblingsautoren und ich habe unlängst hier sein Outside the Dog Museum in den höchsten Tönen gepriesen. Aber sein neuestes Werk Glass Soup ist eine schlichte Enttäuschung. Carroll gelingt normalerweise ein solider Mix zwischen magischem Alltag und alltäglicher Magie, zwischen einer normalen belletristischen Erzählung und mehr oder minder deutlich hineinlugenden supranaturalen Elementen. Bei diesem «thinking man’s Stephen King»-Ansatz habe ich mir immer gewünscht, daß er auf die Engel und anderen Wesen, die seine Bücher nun einmal mitbevölkern, irgendwann verzichten möge, um sich mehr auf die Menschen zu konzentrieren, auf seine kleinen Botho-Strauss-esquen Alltagsbeobachtungen und diese einzigartigen Charaktere, die so herrlich interessant und larger than life sind, das man sie unbedingt kennen lernen will. Niemand schreibt Verliebtsein sowie Carroll. Mir reicht insofern ein Architekt mit Nervenzusammenbruch, und vielleicht ein Hauch Surrealität… ich brauche aber keine himmlischen Boten, die den Turm zu Babel neu bauen wollen, weil Gott die Menschheit testet. Aber, wie gesagt, die Balance war immer erträglich.
Nur in Glass Soup findet die Realität eben fast gar nicht mehr statt, ausgeblendet zugunsten einer wirren Geschichte um den Kampf zwischen Gott und dem Chaos, surrealen Vorstellungen vom Nachleben und einer Mischpoke aus typischen Best-of-Carrol-Elementen, wie Wien, Füller, Hunde uswpp. Die Glassuppe liest sich, als hätte Carroll das Machwerk von einem Studenten schreiben lassen, der seinen Stil schlecht emuliert. Ich hoffe, der nächste Versuch wird besser. Zwar kulminieren hier einige typische Ideen des Autors klar wie selten zuvor, aber gerade das macht es so unerträglich. Vielleicht ist es nur so schrecklich, weil es sich anfühlt, als sei die Geschichte von Isabelle, Anjo und Vincent eine Reprise von Sleeping in Flame und den Erlebnissen von Maris und Walker Eaterling. Es gibt sicher schlimmere Bücher, aber von Carroll selbst ist Glass Soup das bisher enttäuschendste Werk.
So wie William Gibson erst mit Pattern Recognition nach einigen eher lausigen SF-Versuchen zu sich gefunden hat, weil er das Genre verlassen hat und final Belletristik schreibt in einer Zeit, in der seine Cyberpunk-Prognosen längst Realität geworden sind, so sollte Carroll das Fantasy-Genre aufgeben und einfach nur noch gute Romane schreiben. Ich käme damit besser klar als mit mythischen Entscheidungen, porschefahrenden Chaosagenten und Gott-ist-ein-Eisbär, so charmant das alles einzeln ja sein mag… als komplette Package ist Glass Soup ein Turn-off. Bleibt zu hoffen, daß es nicht für allzuviele Leute der ERSTE Carroll-Roman ist. Die kommen nämlich nicht mehr wieder, um ein zweites Buch zu lesen.
18:50 Uhr. Kategorie Buch. 2 Antworten.

Wunderbare Photos von Julia Kappus für die Philharmoniker und das aktuelle Abendprogramm…
00:31 Uhr. Kategorie Arbeit, Design. Eine Antwort.

Nicht neu, aber schön, weil es so gut zu dem Thema fernöstliche Assimilation amerikanischen Retrodesigns paßt. Grandios 50-esque Zeichnungen modern reinterpretiert zeigt der japanische Designer Tadahiro Uesugi in seinem Blog.
via Veer.
00:15 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

00:02 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Nicht lecker, aber effektiv. Guerilla Marketing für langsameres Fahren in Schulgebieten…

11. Januar 2006 23:51 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Exzellenter Basisartikel bei BBC.
Die vblog-Prognose scheint mir richtig. Obwohl ich persönlich weder Podcastin noch Videoblogging sehr mag. Als eher lesender Mensch ist mir das geschrieben Wort einfach konsumabeler. Ich muß mich nicht auf einen bündigen Audio oder Videostream konzentrieren, sondern kann entspannt in Häppchen lesen. vlogs werden mir zu sehr wie TV sein, aber gut… das ist ja eben die angekündigte Medienkonvergenz.
Das die Produktion des Content im letzten Jahr mehr und mehr auf die ursprüngliche Consumer/User-Seite gewechselt ist, ist zwar nicht ganz unkritisch hinzunehmen, aber tatsächlich wachsen mehr und mehr Möglichkeiten, selbst journalistisch oder künstlerisch/kreativ tätig zu sein und zu publizieren, zusammen.
8. Januar 2006 02:07 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Wer schreibt, bleibt…
Bei der stets beliebten Anke Gröner gibts den Jahresfragebogen mal wieder, ich füll ihn heimlich mit aus.
1. Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen.
2. Haare länger oder kürzer?
Gleich. Das merkt bei mir eh keiner. Den Versuch, sie wachsen zu lassen, hab ich mir nach einigen Wochen ganz fix abgeschminkt.
3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Kurzsichtig, aber nicht -er.
4. Mehr Kohle oder weniger?
Fragen Sie da mal meinen Steuerberater. Wahrscheinlich mehr.
5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Sicher mehr.
6. Mehr bewegt oder weniger?
Mehr, denke ich.
7. Der hirnrissigste Plan?
Ab ins Ausland, nach Frisco oder sowas.
8. Die gefährlichste Unternehmung?
Slow suicide by sleep deprivation.
9. Der beste Sex?
… ist immer der nächste.
10. Die teuerste Anschaffung?
Au, keine Ahnung. Wahrscheinlich jede Menge Möbelkram, im Laufe des Jahres. Vielleicht das TD-12, so richtig echter idiotischer Lustkauf-Luxus, das Kind im Mann.
11. Das leckerste Essen?
«Best Falafel in the West». Haha… nein, aber die Falafel anderswo, nämlich in Köln waren tatsächlich ziemlich gut. Das Fondue zu Weihnachten war eigentlich auch klasse.
12. Das beeindruckendste Buch?
Fiction: Haunted von Palahniuk. Non-Fiction: Im Weltinnenraum des Kapitalismus von Sloterdijk.
13. Der ergreifendste Film?
Spun :-D
14. Die beste CD?
Bei allen CDs, die mein Kopf eigentlich besser findet, sagt der Bauch: Bloc Party.
15. Das schönste Konzert?
Porcupine Tree.
16. Die meiste Zeit verbracht mit …?
…der Arbeit, ist leider wirklich so.
17. Die schönste Zeit verbracht mit …?
…Frauen. Freunden. Und lustigerweise mit Studenten, old & new :-D
18. Vorherrschendes Gefühl 2005?
Durchbeissen..
19. 2005 zum ersten Mal getan?
Nikotin inhalieren.
20. 2005 nach langer Zeit wieder getan?
Feiern.
21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Überarbeitung. Trennungsstreß. Die Absage vom Konzerthaus.
22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Alle möglichen Leute davon, mit mir Geduld zu haben….
23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Kann ich selbst nicht beurteilen. Ich bin ein schlechter Schenker.
24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Eine Bedienungs-Anleitung.
25. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
«Ich dich auch.»
26. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
No idea. Woher soll man so was selbst wissen?
27. 2005 war mit einem Wort …?
Achterbahn.
7. Januar 2006 23:02 Uhr. Kategorie Leben. Eine Antwort.

I told you to watch out for Japan and China imitating and then penetrating Western Culture, now didn’t I? I did…
via Bruce Sterling, of course.
17:47 Uhr. Kategorie Design, Leben. Keine Antwort.
Im Grunde seit der Studienzeit interessiert mich die unter dem Druck der rational-arbeitsteiligen Arbeitsgesellschaft folgende Fragmentalisierung des sozialen Lebens. Es scheint ein Ausfluß der Logik der Arbeitswelt zu sein, die Prozesse zerlegt und optimiert, ähnliche tayloristische Verfahren auch ins Privatleben zu übertragen. Soziale Gruppen werden in Folge immer flüchtiger und kleiner, die Suche nach einem individuellen – wie auch immer geartetem – «Optimum» zugespitzt. Man merkt dies unter anderem sehr schön an der permanenten Suche nach der subjektiv «besseren» Beziehung. In jeder Disco kann man freitag nachts gut beobachten, wie das Balzverhalten mehr und mehr zu einem Supermarktverkauf mutiert, bei dem die Konsumenten (beider Geschlechter) nur so lange mit ihrem Produkt zufrieden sind, wie im Regal nicht das nächstbesser scheinende Angebot auftaucht. Das hier längst Produktmarketing-Strategien angewandt werden (die ja nur logischerweise eben auch die Vermarktung von Produkten zur Steigerung der eigenen Attraktivität prägen), ist da nur logisch… die Ware will ja verkauft werden, wird also wie in einem modernen Rokoko aufgeplustert. Sell what you got, Baby. Die Bückware bleiubt dann liegen, die Bestseller sind schnell ausverkauft. Das Beziehungen eigentlich gar nicht dem kapitalistischen Imperativ gehorchen sollten, bleibt dabei unbemerkt. Flirt ist zur Castingshow geworden. Was sich – als reiner Beobachter – ja durchaus ebenso witzig anschaut wie DSDS, im Grunde aber eben genau so fehlgeleitet ist wie Dieter Bohlen als Mitglied irgendeiner Jury, die über Gesang zu urteilen hat ;-).
Weniger spaßig ist aber eben die fraktalisierte Privatgesellschaft. Schon zum dritten Mal in Reihe ergibt sich so z.B. ein Silvester, zu dem der Freundeskreis nicht in der Lage ist, sich zusammenzurotten. Jeder pokert im Supermarkt so lange, sucht die bestmögliche, optimierte und maximalen Konsumgenuß versprechende Party so lange, bis am Ende keine mehr bleibt. In Köln sind die Leute beispielsweise um 23:00 noch von einer Party., die sehr solide hätte werden können, aufgebrochen, um zu einer vermeintlich besseren Party in einer Disco zu gehen… in die sie dann gar nicht mehr hereinkamen. Die verbleibende Splittergruppe hat sich dann noch mal in drei Subgruppen aufgeteilt. Gleiches im Freundeskreis… zig Kleinst-Partys, weil kein Konsens mehr herzustellen ist, wo und wie man ins nächste Jahr rutschen soll. Da wird dann auch oft der Anspruch zu hoch gelegt, bis am Ende gar keiner mehr übers Brett balanciert.
Wie gesagt, sowohl Konsumoptimierung als auch der Abschied von der sozialen Kohärenz sind nur logische Übernahmen aus der warenwirtschaftlichen Basis in den Überbau. Sein bestimmt das Bewußtsein und blablabla. Zoomt man in die Totale erklären sich so Phänomene, wie etwa die Abgabe der Verantwortung für KInder und Alte an den Staat, denn für beide ist in der hedonistischen und zersplitterten (Selbst-)Verwöhngesellschaft einfach kein Platz mehr. Es ist schon interessant, daß ein wirtschaftlich hoch ausdifferenzierter und arbeitsteiliger Staat wie die Bundesrepublik zunehmend eben auch die zersprungenste kleinteiligsten Minimal-Milleu-Struktur aus Paarbeziehungen und Singles aufweist, vor allen eben in den urbanen Zentren.
Ganz klar ist das neu emergierende bürgerliche Bild der Großfamilie hierauf per se keine Antwort, aber es wre schon spannend, im kleinen wie im großen, neue Formen sozialer Kommuniaktion zu finden, die die aus der Fraktalisierung von Gesellschaft emergierenden Nachteile auffängt und managt. Man sollte gezielt an postindustriellen modernen Kommunikationsmodellen arbeiten, die eine sich auflösende Arbeitswelt, zersetzenden sozialen Zusammenhalt und eine zunehmende Egozentrierung von Lebensplanungen rekonfiguriert und – jenseits überkommender Traditionsmodelle – neu auflädt. Spontane, via SMS und Web organisierte, Demonstrationen punktuellen sozialen Zusammenhalts, zeigen ja, daß die Möglichkeiten denkbar sind. Foren, Blogs, Chats, IM-Systeme, OpenBC und so weiter sind weitere Ebenen, auf der eine neue gänzlich ort/zeit-freie Sozialstrukturen blühen und – vor allem in Foren – auch aktive Nächstenhilfe stattfindet, wenn auch eher immaterialer Natur (im Sinne von Ideenaustausch/Ratgebung). Was hier aber mobil – in everyday life – mit RFID und WiFi machbar wäre, ahhhh… kaum auszudenken. Wir müssen sehen, daß wir virtuelle neue Marktplätze schaffen, neue Meeting Points, neue (wahrscheinlich elektronisch basierte) Kommunikationsformen, die alltagstauglich sind und – eben anders als Foren – in ganz konkrete praktische und ortsnahe Nächstenhilfe münden. Ich sitte deine Babies, du sittest meine. Ich repariere deinen Wagen, du baust meine Küche auf. Der so lang von den Soziologen angekündigte dritte Weg könnte mit Wirelaess Lan und RFID-ID-Chips Realität werden, eine Art permanentes lokales eBaying ist greifbar. Suche… Biete.
Wenn es nur bitte nicht so wird wie es derzeit mit den Handies läuft. Wenn ich noch ein paar Leute sehe, die mitten in sozialen Events SMS an irgendwen meinen schreiben zu müssen und ergo den virtuellen Freundeskreis permanent bespielen müssen, selbst wenn sie in realen Situationen eventuell mehr Spaß haben könnten (wenn sie sich nur darauf einlassen würden), muß ich echt zum Hammer greifen. Die Kommunikationstools werden zu Kommunikationskillern, mutieren – ebenso wie mit den iPods und mobilen Spielen und Video eben auch der gute alte Walkman – zu kleinen Isolierzellen. Man sollte Wege finden, über solche Gagdets die interpersonelle Kommunikation aufzubauen und zu stärken, anstatt den Einzelnen noch weiter in den medialen Solipsismus zu jagen…
17:38 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.
Das ist selbst für mich schon nett, wenn man um 6:00 aufsteht und um 6:00 wieder ins Bett steigt. Vor allem, weils rund um Weihnachten und Amsterdam und Neujahr auch wenig Schlaf gab :-D. Nach dem hochnetten Essen bei Björn und Marion noch Finale auf der 80er-Party in der Zeche. Ich hasse diese Partys – und zu Recht. Ich mochte schon die pathetischen 70s-Parties nicht und frage mich auch, was an den 90ern zu feiern ist. Nun sind die 80er eine legendäre Musikepoche, stehen den 60s und 70s nichts nach, aber natürlich läuft auf diesen Partys aus irgendeinem Grunde nur das Schlechteste des Jahrzehnts. Obwohl es im Alternative Bereich (New Romantics, Ska, Punk, Goth, Metal, Garage) reichlich Auswahl gäbe, obwohl die blütenreine Popmusik selten lebendiger war als in den Eighties (jeder dritte Hit heute zehrt von einer Hookline aus der Periode), läuft in der Zeche unweigerlich ein Wort-of-Mix. Aus der Flut genialer NDW-Bands der frühen 80s (Fehlfarben, Abwärts usw) wird Nena, Markus und Extrabreit (natüüürlich ausgerechnet mit dem unsagbaren Flieger) gewählt. Highlight des Abends war New Orders Blue Monday, ansonsten eher Bravo Hits 1984. Schrecklich peinlich. Publikum wie auf einer Abifeier, einerseits, weil wirklich Leute auftauchen, die wahrscheinlich 2 waren, als Blue Monday erschien (was macht man eigentlich mit 20+ auf einer 80s-Party… gibts nichts besseres?), anderseits weil offenbar ein paar Leute aus den 80ern sich tatsächlich zu diesen Partys begeben, um ihre Jugend öffentlich zu begraben. Und wie schön, daß sie oft ihre alten Frisuren auch gleich mitgebracht haben. viele Leute, die ich vor 25 Jahren schon nicht mochte, die damals schon wie Versicherungsvertreter aussahen und heute nostalgisch den trüben Alltag rausjohlen, wenn Fury in The Slaughterhouse läuft. Es ist zum Weinen. Ich schenk demjenigen eine CD, der mir einen Laden empfiehlt, in dem die richtigen 80er-Lieder laufen :-D.
Aber andererseits sehr viele nette Leute da an der Theke und im Publikum, es ist rappelvoll, also spontane Talks mit widfremden Leuten, völlig sirrend vor Müdigkeit und Kaffee und Red Bull und Endorphin, nicht betrunken, nicht nüchtern. Gute Stimmung, ein oder zwei solide Songs, eine Menge Peoplewatching. Sehr gut, trotz mieser Musik.
Der Moment des Tags dann aber doch eher hinterher, die Kopfhörer auf und Bloc Party, definitiv mein Album 2005, weit weit vor all den namenlosen The-Bands, und weit jenseits des Emo-Labels, innovativ, freiflottierend, druckvoll, lebendig, Homage-lastig, aber doch voller neuer Ideen und Elementen, reiner purer Spaß. Nachts um 5 Silent Alarm unter sternenklarem Himmel.
Life rocks.
16:45 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.