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Tuxedomoon FZW

Das Konzert von Tuxedomoon heute im fzw, in der alten Originalbesetzung, bot einen unerwarteten, auf den zweiten Blick aber vertraut klingenden, ungewöhnlichen Fusion-Mix aus Stilelementen zwischen Jazz, Kirmesmusik, Alternative, Klezmer, Improvisation und New-Wave-Artiness, der immer dann am besten wirkte, wenn die Band sich auf das reine «Unplugged» verließ, ohne auf den eher schwach programmierten Drumcomputer zu setzen, der in dem kleinen Saal ohnehin einfach viel zu leise war und insofern keinen Druck erzeugen konnte. Ideal waren die Nummern, die mit den komplexen Wall-of-Sound-Strukturen der Bläser und Blaine Reiningers Saitenarbeit brillierten. Steven Brown singt nach wie vor schlechter als Reininger ;-), nebenbei. Auf Classics wie No Tears, In Heaven oder What Use verzichteten Tuxedomoon im völlig – mit meist etwas älteren Fans – überfüllten fzw komplett, spielten aber bei der ersten von zwei eher kurzen Zugaben ihren allerersten Song von 1977. Die Band wirkte insgesamt etwas unmotiviert, vielleicht, weil es ja auch möglicherweise frustriert, nach mehr als 30 Jahren internationaler Karriere immer (und wieder) noch in kleinsten Hallen aufzutreten, da aufzuhören, wo man angefangen hat, aber die Musik war über weite Strecken dennoch mehr als hörenswert, unerwartet und in der Improvisation jazzig, pulsierend. Keine schlechte Sache also, mal fast blind in einen Gig zu gehen. Tolles Publikum, gute Stimmung, größtenteils gute Musik.

31. Januar 2006 00:06 Uhr. Kategorie Live, Musik. Keine Antwort.

Orpheus und Eurydike


Oper und Tanz gehören mit gutem Grund zu den härtesten Kategorien der Bühnenkunst, da sie nicht nur körperlich extreme Leistungen von den Darstellern einfordern, sondern auch für das Publikum oft nur schwer nachvollziehbar sind. Wo das Schauspiel auf Text und die Musik auf Emotion setzen darf, schwirren Oper und vor allem der Tanz in einem Limbo zwischen linker und rechter Hirnhälfte. Selbst modernes Tanztheater à la Pina Bausch, das aus dem engen Korsett des klassischen Ballettanzes ausbricht und den nonverbalen Ausdruck der Ebene des Sprechtheaters gleichzustellen versucht, bleibt schwierig aufzunehmen, und kann – für mich persönlich gesprochen – unglaublich schnell aufgesetzt und, schlimmer, langweilig werden, zumal der Schockmoment, den dieser Ausdruckstanz in den 70ern vielleicht noch hat, längst gewichen und die Formensprache etabliert ist. Es ist mehr als schwer, in diesem Bereich noch etwas Neues in Szene zu setzen.Umso höher ist Gregor Zöllig anzurechnen, daß er diese beiden schwierigen Sparten zu fusionieren versucht und das mit einem als Oper allein schon kaum beglückenden Stück wie Orfeo ed Euridice von Christoph W. Gluck, das den Orpheus-Mythos eher etwas grobschlächtig (und mit angepapptem Happy End) zu einer etwas steifen Oper verarbeitet. Zöllig und seinem Tanzensemble gelingt, gemeinsam mit den beiden Sängerinnen Kaja Plessing und Victoria Granlund, eine seltsame Melange, die unglaublich schnell hätte peinlich werden können, die sich aber kaum Schwächen leistet und von Anfang an überzeugt. Eines meiner persönliuchen Highlights eröffnet das Stück, ein Vinyl-Sample, zwei In Steve-Reich-Manier phasenversetzt zu immer neuen Rhythmen findende Tonfragmente, von denen ich mir – als Crossover zwischen Sample und Live-Orchester – eigentlich mehr gewünscht hätte. Wie groß wäre es gewesen, hätte man neben Tanz und Oper hier auch elektronische und klassische Musik fusioniert. So modern wie der Auftakt ist auch das Bühnenbild von Tilo Steffens, der die Mitteln der Rudolf-Oetker-Halle (die ja nicht für Theater gebaut wurde), bis an die Grenzen treibt. Du merkst hier und da die Kompromisse, die man auf dieser Bühne und vielleicht auch mit dem zur Verfügung stehenden Budget machen mußte, aber im Ganzen überzeugt die Bühne mit Licht, Bauten, raschen Wechseln und Theater-Standards wie Videoprojektion immer wieder und zaubert in die hochtriste Oetker-Halle etwas Theateratmosphäre, die mitihren schrillen Kostümen und satten Farben fast (aber nur fast) in die Sphäre des Musicals zu versinken droht, aber immer mehr Pop als Kitsch ist, immer stilsicher bleibt.Zölligs Ansatz, Oper und Tanz simultan zu inszenieren und Orfeo und Euridice ergo zeitgleich als Vokalisten als auch durch mehrere Tänzer auf der Bühne präsent zu haben, die die Handlung des Stückes singen und als nonverbalen schweißtreibenden Körpereinsatz kommunizieren, zahlt sich aus. Was als Oper langweilig, als Tanz zu langatmig wäre, ist in der Fusion ein Feuerwerk aus Eindrücken, bei denen der visuelle Overkill, das schiere Zuviel an Eindrücken und Geschehnissen, den eigentlichen Spaß ausmacht. Du weißt nie, wo du hingucken mußt, du verpasst die gesamten 1 Stunde 20 Minuten immer unweigerlich irgend etwas. Die Fusion von Tanz, klassischer Musik (präzise geleitet von Carolin Nordmeyer) Oper und Elementen des modernen Theaters schafft ein Gesamtwerk, das an reinem Unterhaltungswert und an Zugänglichkeit niedrigschwellig bleibt, ohne jemals platt oder einfach oder billig-anbiedernd zu werden. Pop im besten Sinne.

30. Januar 2006 15:49 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

The Adaption to my Generation


Hier
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Etwas Ähnliches, schon weit hinten im Blog vorgestellt, auch schon einmal hier.

via Future Feeder

29. Januar 2006 01:10 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Mozart Again

Die Photos, die Julia Kappus für uns – vielmehr für die ersten 32 Seiten des letzten Saisonheftes der Bielefelder Philharmoniker – gemacht hat, haben eine schöne Zweitverwendung gefunden: Der Rheinische Merkur rief an und fragte, ob Sie mit den freigestellten Salzburger Kitschartikeln rund um Amadeus einen vierseitigen Spezialbeitrag rund ums Mozartjahr bebildern könnten. Das Endergebnis von Ende 2005 ist schön geworden… zumal der Merkur ohnehin nicht allzu schlecht gestaltet daherkommt.




25. Januar 2006 18:11 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

Die Eine und die Andere

Für Botho Strauß’ Verhältnisse mutet Die eine und die andere nahezu wie eine Rückkehr ins Persönliche, ins Kleine an. Die Inszenierung des stets phantastischen Luc Bondy, der sich ja bereits mehrfach an Stücken von Strauß abgearbeitet hat, lebt vor allem von Karl-Ernst Hermanns grandiosem Bühnenbild, das von vorneherein keinen Zweifel daran läßt, daß die Intimität und Bescheidenheit des Stückes trügerisch ist: Das Kaufhaus der ersten Szene wird zu einem ins Unendliche reichenden Vexierbild aus sich kreuzenden Linien, optischen Täuschungen und immer wieder gelingt es Hermann und den Menschen, die seine Ideen umsetzen, aus den einfachen Zutaten des Bühnebildes jede Szene minimalistisch aber überzeugend umzusetzen. War Herrmann in den Bochumer Todesvariation noch, dem Stück entsprechend ein nackter weißer Kasten, so ist die Bühne diesmal umrahmt von einer High-Tech-LED-Installation, die das Szenen-Bild kongenial und augenzwinkernd umrahmt, wie KEH ohnehin den futuristischen Aspekt von Strauss nutzt, um mit wunderbaren Lichtinstallationen aufzuwarten und die Bühne zu einem doppelbödigen Spiel mit Licht und Illusion werden zu lassen. Und das paßt in der Tat zu dem Stück, das nur oberflächlich die Beziehung zweier gealterter, einander verhaßter Frauen und ihrer Kinder abhandelt, sich in Wirklichkeit aber an griechischen Tragödien-Themen, an dem Bild der drei den Lebensfaden strickenden alten Hexen, an Zukunftskritik, und immer wieder an starker christlicher Leidenssymbolik, nicht zuletzt der Tragödie des Osten Deutschlands, versucht und manchmal eben auch in diesem Wust verhebt. Wie immer (und wie fast kein zweiter Autor) schachtelt und stapelt Strauß dabei auf der Folie des normalen «plots» so vielschichtige Meta-Ebenen, daß man außerstande ist, das Stück auf der Bühne ad hoc voll zu durchschauen und würdigen. Was dem Publikum im BE so anscheinend bleibt, ist oft der boulevardeske Oberflächencharakter des Stückes, den Bondy nutzt, um die mythologischen Elemente zu kontern. Entsprechend irrlichtert das Stück zwischen (leicht deplacierten) Lachern und sperrigen Kreuzigungsszenen im Kühlschrank-Neonlicht. Beides per se in der Juxtaposition nicht verkehrt in einem modernen Stück, aber Bondy gelingt es nicht ganz, die komplexen Inhalte einerseits transparent und andererseits zu einem homogenen Ganzen zu machen und ergo bleibt dem Publikum zumindest partiell leichte Verwirrung und damit die Flucht in die oberflächlicheren Ebenen des Stückes. Und die ist, pardon, mitunter so flach wie ein Ohnsorg-Stück angelegt. Man hätte vielleicht hoffen dürfen, daß die hier versammelten Theaterlegenden etwas mehr mit der Tiefe von Strauß’ Ansätzen hätten spielen wollen.

Die wunderbare und legendäre, hier aber leider etwas überziehende, fast boulevardesk auftretende, Edith Clever und die dagegen grandios zurückgehaltene, fast müde und somit lasziver wirkende Jutta Lampe (beide perfekt gegen die Rollenerwartungen besetzt, die eigentlich lebensmüde Insa wird von Clever im Overdrive-Modus gegeben, die lebenslustigere Lissie von Lampe aber kontrolliert, mit minimalen Mitteln gestaltet) dominieren das Stück, obwohl Dörte Lyssewski es versteht, sich als Drama-Queen und Schmerz-Aktionistin Elaine (Helene/Helena… Hauptmann, Euripides und Goethe, wir hören euch trapsen!) bei jeder sich bietenden Chance in den Vordergrund zu featuren. Obwohl ich Dörte – die ja ebenfalls ein Strauß-Veteran ist – aus ihren Bochumer Tagen mag, ist ihre Art von physischem Overacting immer wieder ein seltsamer Mix aus Einzigartigkeit und mittelfristig auch einer optischen Ermüdung, weil man ihre spezifische Körpersprache ja doch schon so oder ähnlich in anderen Stücken gesehen hat. Mir paßt es auch nicht zu sehr zu einer Rolle, die eben ein Ding geworden ist, entkörperlicht ist, und den Ich-Bezug sucht in Schmerz, in körperlicher Extremerfahrung. Es scheint mir eher wenig ratsam, ausgerechnet eine solche Rolle so auszuagieren, daß sie nahezu ununterbrochen übertrieben lasziv und körperlich daherkommt wie eine schnurrige Katze. Da fehlt die Kühle, das Leere, das Nichts. Wobei man Dörte zur Ehrenrettung lassen muß, daß sie fast schizophren zwischen der Overdrive-Elaine und einer deutlich kleinlauteren, gebremsten (und entsprechend eine Clark-Kent-Brille tragenden) Version im Kontext ihrer dominanten Mutter wechselt, da mag also durchaus ein dramaturgischer Kunstgriff hinter der hyperaktiven Elaine stecken. Die Nebenrollen wie Nagel, Schwamm und selbst Lissies Sohn Timm, schön diszipliniert und sauber als Late-Twen gespielt von Sebastian Rudolph, der verblassen neben diesem intensiven Frauen-Trio nahezu vollends.

Das Stück endet abrupt, kurz, weil Bondy eine letzte Szene des Textes komplett wegläßt, wodurch die Inszenierung offener, schwebender, im besten Sinne irritierender wird. Dieser Kunstgriff des Coitus Interruptus macht das Stück paradoxerweise runder, voller und gleicht die Boulevard-Zitate wie magisch aus. Ob man hier noch ein bittersüßes resignatives Semi-Happy-End sehen will oder ein Scheitern aller Beziehungsansätze, aller Hoffnungen, bleibt der Phantasie der Zuschauer überlassen. Die eine oder die andere zeigt, inwieweit Live-Theater tiefer greifen kann und phantasieanregender, weil vielschichtiger sein kann, als das Film-Medium. Das Stück ist keineswegs so minimalistisch bare bones wie etwa Fosses Todesvariationen, aber für einen arrivierten elder statesman Dramatiker wie Botho Strauß, der hier eben auch auf vertraute Melodien zurückgreift, durchaus hochbefriedigend.

15:07 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

Depeche Mode live Düsseldorf

Und ich weiß wieder, warum ich seit Jahren nicht mehr bei U2 war und auch REM meide. Großkonzerte sind sucky. In der LTU-Arena bei Depeche Mode waren Gahan und Konsorten vielleicht eben so groß wie mein kleiner Fingernagel, selbst die Videowalls waren kleiner als Handydisplays. Das Bühnendesign und die Musiker kannst du nur erahnen. Dem ensprechend schlecht, zu leise, zu mittig, zu breiig, ist der Sound. Du kannst die ausgetillten Versicherungsangestellten, die zu den Best of Depeche Mode 1980-1990 mitgröhlen, lauter hören, als die Band selbst. Was nicht wirklich eine Verbesserung darstellt. Depeche Mode selbst… ich habe die Band so vor zwanzig Jahren das letzte Mal in der Essener Grugahalle gesehen und selbst da war der kreative Zenith schon zugunsten von Chartpotential ansatzweise überschritten, wie ich finde – es war schon die Zeit post Construction Time Again. Inzwischen produzieren Depeche maßgeschneiderte Hits, funktionieren als Geldmaschine, bei der Gore die Songs produziert, Gahan seine einzigartige Stimme leiht und Andrew Fletcher die Fanbriefe beantwortet – und entsprechend war das Konzert ein funktionaler, weitgehend vorhersehbarer und die Zielgruppe bedienender Mix aus Tracks vom neuen Album (das ja eben promoted sein will) und Golden Oldies, bis hinab zu Just Can’t Get Enough, das Depeche dann seit rund 25 Jahren live spielen. DM fungiert so live nur noch als die eigene Coverband, die Songs werden gerade heruntergespielt, kaum variiert, es gibt keinerlei Freiraum für Improvisation oder Spaß und es ist zu befürchten, daß nahezu jedes Konzert absolut identisch realisiert wird, egal ob in Milano oder in Düsseldorf. Aufgenudelt auf Stadionrock-Niveau – nicht zuletzt durch das dazugespielte Bratschlagzeug, das den elektronischen Halbplaybacktracks den gewissen Hauch Dynamik verleihen soll, mit wechselndem Erfolg – verlieren die Songs jede Leichtigkeit und Transparenz, jede ursprüngliche Filigranität (die sich eben nicht in ein 45.000-Leute-Stadion retten läßt), was nicht wirklich dadurch aufgewertet wird, daß Gahan die Lyrics fast im Halbschlaf herunternöhlt, nur um so alle zehn Minuten mechanisch Massen-Aufmunter-Schreie à la «Thats right!» abzulassen, die, wenn man die Band etwas kennst, per se ebensfalls schon blind vorhersehbar plaziert sind. Du weißt schon fast, wann Gore singen darf (Gott, immer noch Somebody, surreal), wann die Balladen kommen, wann wieder ein alter Hit kommen muß, nach welchem Track die Main Show zu Ende ist, was die Zugaben sein werden… einzige Überraschung war, daß es nach Everything Counts noch einen (mauen) weiteren Zugabeblock gab und das die Band mit einem sehr ruhigen Track den Kehraus macht. Man mache sich nichts vor: Gore, Gahan und Fletcher do it for the money. Und das merkt man eben. Anders geht’s natürlich auch nicht, wenn du mit jeder Geste ohne jeden Aufwand 45.000 Leute zum Kreischen bringst. Das muß zynisch machen, diese namenlosen kreischenden Gesichter. Warum sich da noch wirklich anstrengen? Welche Ziele hat eine Band wie DM noch?

Und Sitzplätze, bei denen vor dir die sicher sonst braven, an diesem Abend aber alles gebenden Freizeit-Gahans den Tanzaffen machen, wenn Personal Jesus kommt, machen die Sache dann eben auch nicht besser. Wer weiß, vielleicht war der Gig in der dritten oder zweiten Reihe vorn schon okay, wenn man so eine Art 90s-Party mit DM-Live-Musik genießen kann und einfach schwitzend abtanzt und Behind The Wheel mitsingt und hofft, der DJ möge doch mal Photographic oder ToraToraTora auflegen. Aber diesen Spaßfaktor hat man nicht im Oberrang. Es war schon lustig, aber eher durch people watching, durch die Leutchen mit ihren Feuerzeugen und ihren Handyphotos (schau mal, der wiiinzig kleine Lichtfleck da hinten… das ist die Bühne gewesen. Und dieser Pixel hier, der hier, der schwarze… genau, das ist David Gahan) und dem ganzen Fanpulk und seinem Herdenverhalten. Die gleichen Leute die du hier siehst, die gehen auch unbeirrt zu Westernhagen oder Grönemeyer, da darf man dann eben auch ruhig ohne schlechtes Gewissen ablästern. Sich bei Everything Counts mal kurz nach hinten umzudrehen und die Gesichter der Masse zu begutachten… da kommt schon ein ungutes Berliner-Sportpalast-Feeling auf. Ich bin ehrlich – mir ist ein solches Stadion zu groß. Das Palladium oder E-Werk haben die optimale Größe. Groß genug für Live-Feeling und einen schönen lauten Sound, klein genug, um unbeschadet in die zweite Reihe zu kommen und die Band auch wirklich zu erleben. Eben echter. Der exzellente Gig von Massive Attack im Palladium vor zwei Jahren macht im Vergleich eben klar, daß größer nicht wirklich immer besser ist.

Ansonsten gab’s ein paar nette Momente an der Biertheke und irgendwie war es interessant, bei so einem Giganto-Gig zu der blinden Masse zu gehören. Aber ich habe stets Probleme mit Konzerten, wo ich nur dumm herumstehe und nicht moshen kann, und stets Probleme mit Bands, die sich aus Angst vor möglichen Fehlern und einer Under-Performance so starr in ein digitales Korsett einfügen, daß sie am Ende zu Schaltmomenten in der eigenen Show verkümmern… um so unter’m Strich zu kalt, zu hölzern und professionell (sprich: ohne Herz) ihren Job erledigen und – wie Depeche ja sehr wohl wissen – dabei eben dann nur noch Music for the Masses abliefern.

21. Januar 2006 01:58 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

JK


Julia Kappus photobloggt.

20. Januar 2006 11:25 Uhr. Kategorie Design, Online. Keine Antwort.

MUSIK


Madita
Madita
Das Produktionsduo von Couch Records hat mit der österreichischen Schauspielerin Madita einen Glücksgriff getan. Nicht nur, weil sie sich perfekt à la Nelly Furtado vermarkten läßt, sondern vor allem, weil ihr Debutalbum traumwandlerisch zwischen Jazz und Pop und E-Lounge irrlichtert. Der erste Track, Ceylon, ist sicher nicht ohne Grund der Chartkompatibelste und eingängigste, aber nahezu jede Nummer des Albums hat Qualität und setzt sich im Ohr fest. Der nöhlende Gesang von Madita schwebt dominierend über den elektrojazzigen Tracks, die sich nur sehr sehr seltsn im Sound und Sample vergreifen und ansonsten so mühelos durch den Raum perlen, das jeder Fan von Torrini, Furtado oder Norby sich hier sofort wohl fühlen muß. Sehr leichte, aber großartige Platte, die nicht ohne Grund fast on heavy rotation bei mir läuft.


My Morning Jacket Z
Nach It Still Moves mein zweites Album von der Louisviller Kapelle My Morning Jacket und ein großartiger Schritt in eine neue Richtung. War der Vorgänger noch in einem alten Kornspeicher aufgenommen und insofern eine Übung aus verhallter Melancholie, beginnt das neue Album so knochentrocken, als wollten MMJ ganz bewußt den Mythos als die Countryversion von The Jesus & Mary Chain ablegen. Ergänzt um sparsame elektronische Elemente, geht der erste Track völlig neue Wege, ohne die Melancholie von Jim James Gesang dabei zu verlieren. Insgesamt wirkt Z vielseitiger und spannender, weniger fokussiert und neugieriger als das vorhergegangene Album. Bei Off the record perlt sogar deutlich ein The-Clash-Einfluß durch, bis der Track plötzlich in einen elektronischen Beat umkippt und dubby wird. Einige Tracks kehren zurück zu dem bombastisch verhallten Wall of Sound, der so typisch für MMJ ist, aber die Bandbreite ist deutlich cinemascopischer gworden. Diese Platte ist so unglaublich gut, daß man sie fünfmal hören muß, bis dein Kopf sich um sie gewickelt hat. Tief, vielseitig und trotzdem poppig und auf den Punkt produziert. Nicht kopflastig, zerren die Harmonien an den Fäden deines Herzens und bringen die pure reine Melancholie so sparsam und so weit auf den Punkt, wie es nur moderner Country/Americana reinster Güte kann: Johnny Cash, Neil Young… My Morning Jacket. Oh, und das Cover ist grandios.


Infadels We are not the Infadels
Andererseits kann auch ein ganz schreckliches Cover eine gute Platte bergen. Der Wall-of-Sound-Act Infadels hat nach dem fulminanten Maxi-Debut Jagger 67 jetzt das erste Album parat und damn, es ist Brit-Pop vom Feinsten. Ich habe keine Ahnung, wo diese ganzen grandiosen Acts aus UK derzeit alle herkommen, aber die schiere Menge, Bandbreite und Qualität der Bands läßt einen etwas verzweifeln. Die Infadels präsentieren sich vielseitig, zwischen elektronischen Elementen, Punk, Funk und straightem Gitarrenpoprock schwirrend, ohne sich dabei ganz endgültig einnehmen oder verorten zu lassen. Da blitzen Gang of Four kurz auf, The Faint, plötzlich erinnert dich eineinzelner Sound absurderweise an Everything Counts von Depeche Mode… tausend andere Einflüsse, aber nie so platt kopiert wie es etwa bei Franz Ferdinand permanent durchkommt. Ausnahmslos jeder Track des Albums überzeugt, steht für sich ebenso solide wie im Albumkontext und zeigt für ein Debut eine Vielseitigkeit und musikalische Neugier, die anderen Gitarrencombos beschämen sollte. Das finale Stories from the Bar allein genommen ist in diesem Sinne bereits ein grandios hypnotischer Song, aber im Kontext des brachialeren gesamten Albums ist er die perfekte Kirche auf der Sahnetorte und verleiht dem Album eine ganz andere Dimension von Lässigkeit und Selbstdisziplin. Der Gesang nicht auf dem irrwitzigen Bloc-Party-Niveau, aber stets solide, die Produktion nicht so künstlich herabgenudelt wie etwa bei den Strokes und zahlreichen 80s-Retro-Bands, die Kompositionen entziehen sich entspannt jeder klaren Verortung. Und, mal ehrlich, wer den Openertrack LOVE LIKE SEMTEX nennt, hat bei mir schon aus Prinzip gewonnen. An diesem Album ist nichts falsch, außer, daß es mit 45 Minuten zu schnell vorbei ist.

13. Januar 2006 19:04 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.

SEVEN SHORES

Ozeanische QT-Kurzfilme vom Grasscollective für wall-framded LCD-Displays. Just relax…

18:01 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

ORPHEUS

Die Essener Photographin Ursula Kaufmann, bekannt für ihre Arbeit mit Pina Bausch, hat eine Photoserie mit dem Ensemble des Theater Bielefeld für Gregor Zölligs Tanzoper Orpheus und Euridyke gemacht. Ein paar Kostproben…

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11:18 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Jarhead



Jarhead. Welcome to the Suck.
Schon der Untertitel deutet an, wie schwierig dieser Film zu übersetzen sein mußte, denn das deutsche «Willkommen im Dreck» reicht nicht annähernd an den Druck des Originals heran. Ähnlich wird es mit etwa zehntausend anderen Details sein, die den O-Ton authentischer und reicher machen dürften. Irgendwann scheitert jede Übersetzung eben an Fuck.

Dessen ungeachtet überzeugt Jarhead bereits zu Beginn mit einem seltsamen Doku-Drama-Start, der ungeniert Kubricks Full Metal Jacket zitiert, aber auch andere Drill-Sergeant-Filme anklingen läßt, wie überhaupt der ganze Film ungeniert eine Reihe von Kriegsfilmen auf den verschiedensten Stilebenen plündert, bis hin zu den Farben. Der toughe Drill beim Militär ist zum Filmklischee mutiert und wird hier ungeniert als Opener genutzt, der das Publikum auf das vertraute Terrain des Kriegsfilms bringt. Wir alle wissen ja aus Offizier und Gentleman, daß nur beim Militär aus den Söhnen Amerikas echte Männer werden, hm? Wie dünn die Grenze zwischen Kriegsfilm und Anti-Kriegsfilm ist, thematisiert Sam Mendes bereits im ersten Drittel des Filmes, wenn die Marines den Ritt der Walküren in Apocalypse Now frenetisch feiern, eine Szene, deren schieres Level an surrealer Spookyness Mendes immer und immer wieder im Film erreicht, nicht zuletzt dank der durchweg guten Darsteller Crew, die mit eher unverbrauchten Gesichtern – mit Ausnahme von Jamie Foxx, der aber als einer der absolut besten Leute seiner Zunft gewohnt nahtlos mit der Rolle verschmilzt und einer eigentlich stereotypen Figur mit kleinen Details Tiefe und ironische Würde gibt – dem gesamten Film eine Aura trügerischer Authentizität verleiht. Auch Jake Gyllenhaal aus Donnie Darko wird durch den Jarhead-Haarschnitt verfremdet, ist erst am Ende des Filmes wirklich als er selbst erkennbar. Diese Aura des Authentischen durchbricht Mendes aber immer wieder, indem er auf pseudo-dokumentarfilmige Bildsprache verzichtet und stattdessen stilisiert, wo es nur geht. An Traffic und Three Kings erinnernde ausgebleichte Farben in der Wüste, verschiedene Filmmaterialien mit unterschiedlichen Körnungen, gezielte Digitaleffekte – Mendes verläßt sich darauf, daß die Sinnlosigkeit soldatischen Wartens gerade durch den Kunstgriff des stilisierten Bildes erfahrbar wird. Der Film ist sexy und hält insofern sein Publikum bei der Stange, auch wenn die Message bitter ist: Mendes zeigt die Operation Desert Storm im ersten Golfkrieg als einen Krieg, der zwar mehr und mehr Fußsoldaten im Kriegsgebiet ansammelt, diese aber im Grunde nicht mehr braucht. Der im Zentrum der Handlung stehende Marine-Scharfschütze Anthony Swofford (auf dessen Buch der Film basiert) und sein Partner/Späher, der von Peter Sarsgaard mit Kiefer-Sutherlandscher Attitude zwischen Coolness und Psychose gegebene Troy sehen im Grunde im gesamten Krieg keine echte Action, selbst ihr finaler Einsatz wird zum Coitus Interruptus. Der Mythos des Mannes im Krieg wird in der Warteschleife des modernen Krieges als Rohrkrepierer entlarvt, den Krieg führen anonyme Maschinen, die wir kaum sehen, meist nur hören. So muß sich die Polizei von Metropolis fühlen, wenn Superman die Stadt rettet. Wie Troy richtig erkennt: Die Soldaten sind zu langsam für den modernen Krieg, ihre Reichweite ist zu klein. Was ist ein Scharfschütze gegen einen surgical strike, was ein Trupp Soldaten gegen Splitterbomben vom Himmel? Was bleibt ist Warten, Trainieren und jede Menge Onanie. Grausame Spiele unter Männern, ein zum Ferienlager mutierendes Wüstencamp, und das Warten darauf, daß die Freundin daheim das Warten satt hat und fremdgeht.

Im dritten Akt des Filmes, unter den lodernden Ölquellen im Irak, taucht Mendes seinen Film in apokalyptische Stimmung, Öl regnet vom Himmel, Swofford sitzt verzweifelt unter verkohlten Leichen, ein ölüberströmtes Pferd taucht in der feuergetränkten Dunkelheit auf wie eine unwirkliche Vision. Der Wechsel in der Tonality, im Licht, in der gesamten Aussage des Films, gibt diesen Sequenzen eine Metaebene. Hier geht es kurz nicht mehr nur um die Sinnlosigkeit von Krieg für den einzelnen Soldaten, sondern hier wird die Kritik globaler. Wenn ein Bus mit Flüchtlingen vor den irakischen Invasoren von US-Bombern ausgebrannt auf der Straße zurückbleibt. Wenn die Soldaten von ihren eigenen Jungs beschossen werden, weil die Technik versagt. Wenn Swofford und seine Crew schließlich auf eine Handvoll Kuwaiter treffen, unfähig, mit den EInheimischen zu kommunzieren, weil man milliardenteure Technik zur Hand hat, aber niemand einigermaßen arabisch spricht. Wenn die frustrierten Soldaten schließlich vor dem Rückflug in den Himmel schießen, um ihre aufgestaute Frustration zu entladen, endlich ihre Munition ejakulieren dürfen, in einer Art barbarischem Veitstanz. Wenn final die Rückkehr ins zivile Leben eben auch nicht funktioniert und sich der Einsatz als sinnlos, das Leben jenseits des Krieges aber auch als sinnentleert entpuppt.

Der Film ist voller solcher kleiner surrealer Volten gegen den Krieg. Das Unterschreiben eines Zettels, daß man die US Army nicht auf Nebenwirkungen unerprobter Tabletten verklagt. Die Anheizer-Reden der Sesselgeneräle. Der sinnlos erzeugte Haß auf die Irakis, die niemand jemals wirklich sieht. Die greifbare Angst der Soldaten selbst im Angesicht harmloser Nomaden. Der ausgebrannte Vietnam-Veteran, der bei der Wiederankunft in den USA die Marines frenetisch mit Semper Fi begrüßt. Kennst du einen Krieg, kennst du alle. Hier schließt Mendes ein letztes Mal den Kreis zu den Filmen, die er immer wieder zitiert, zu den großen Vietnam-Epen. Und zeigt so, daß der Irak-Krieg eben keineswegs heldenhafter oder erfolgreicher war als Vietnam. Eine Vorahnung davon erlaubt sich Mendes bereits, als während des Wüsteneinsatzes ein Helicopter mit einem Doors-Song über die Soldaten schießt und die Crwe um Swofford erkennt, daß sie nicht einmal ihren eigenen Soundtrack hat, daß ihr Krieg ein Aufguß von Filmklischees ist. Insofern zeigt Mendes auch, daß die mediale Aufbereitung von Vietnam alle folgenden US-Kriege tief geprägt hat und ihnen sogar eine Coolness verliehen hat. Um dann prompt mit Nirvanas Something in the Way dsen eigenen Soundtrack nachzuliefern, und böse nahelegt, daß zwischen der suizidalen Zivilisationsmüdigkeit von Kurt Cobain und der Annui eines sinnlosen Krieges um Öl kein allzu großer Unterschied ist, daß die Generation X hier ebenso verheizt wird wie ihre Väter und Großväter zuvor, nur mit besserer Musik.

Aber Jarhead ist kein allzu einfacher Anti-Kriegsfilm. Dazu ist er zu leise, zu zwiespältig, zu sehr geprägt von Ironie, Distanz, Neugier und dem postmodernen Bewußtsein, daß es keine klaren Antworten mehr geben kann. Er zeigt die Faszination von Gewalt und Soldatendasein, entblößt den Mechanismus, der Soldaten entmenschlicht und auf ein klares Feindbild zuspitzt. Insofern ist Jarhead ein Pendant, vielleicht eine Neuauflage, ein Echo, ein Remix zu auf und von Full Metal Jacket, und steckt nicht umsonst bis in die Darstellercrew hinein immer wieder voller kleiner Homagen an Kubricks Film. Im Grunde sehen wir hier also unterm Strich nicht allzuviel wirklich Neues, nichts revolutionär Anderes als in anderen Filmen, nur vielleicht fokussierter auf die kleine Gruppe von Soldaten, auf ihren Slice of Reality. Die Absurdität des Krieges reduziert auf eine Handvoll Menschen, die eigentlich gar nicht mehr an ihm beteiligt ist – und die eben genau darunter leidet. Mendes leistet sich – wie Kubrick – den Luxus, sich zurückzuziehen und durch Schnitt und Materialauswahl seine Botschaft wirken zu lassen – das Krieg nicht sinnlos und menschenverachtend ist, weil er roh und brutal und blutig ist (auch wenn Jarhead sicher auch das kommuniziert), sondern eben auch, weil er Menschen aus ihrem Alltag reißt und zu Killern umzüchtet, die dann final nicht einmal mehr gebraucht werden, Abfall sind, Collateral Damage. Die Pornographie des nackten Anti-Kriegsfilms leistet sich Mendes nicht und die so bleibende leise Ambivalenz gibt Jarhead seine Kraft.

Man mag kritisieren, daß Swoffords Drama und seine Verluste sich klein ausnehmen neben dem Sterben und Leid von tausenden von Kuwaitern und Irakis im ersten Golfkrieg, aber das wäre dann ein anderer Film. Hier geht es um die Frage, was ein Krieg – selbst oder eben gerade wenn man im Grunde nur eine unwichtige Randfigur, ein Nicht-Held ist – aus deinem Leben macht. Und diese Antwort überzeugend und facettenreich zu liefern, das ist schon eine mehr als ausreichende Leistung für einen zweistündigen Film.

10:47 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

Menschenfeind

Drei tolle Photos von Philipp Ottendörfer für Postkarten zu Molieres Menschenfeind



12. Januar 2006 19:15 Uhr. Kategorie Arbeit, Design. Keine Antwort.

Jonathan Carroll: Glass Soup

Jonathan Carroll gehört sicherlich zu meinen Lieblingsautoren und ich habe unlängst hier sein Outside the Dog Museum in den höchsten Tönen gepriesen. Aber sein neuestes Werk Glass Soup ist eine schlichte Enttäuschung. Carroll gelingt normalerweise ein solider Mix zwischen magischem Alltag und alltäglicher Magie, zwischen einer normalen belletristischen Erzählung und mehr oder minder deutlich hineinlugenden supranaturalen Elementen. Bei diesem «thinking man’s Stephen King»-Ansatz habe ich mir immer gewünscht, daß er auf die Engel und anderen Wesen, die seine Bücher nun einmal mitbevölkern, irgendwann verzichten möge, um sich mehr auf die Menschen zu konzentrieren, auf seine kleinen Botho-Strauss-esquen Alltagsbeobachtungen und diese einzigartigen Charaktere, die so herrlich interessant und larger than life sind, das man sie unbedingt kennen lernen will. Niemand schreibt Verliebtsein sowie Carroll. Mir reicht insofern ein Architekt mit Nervenzusammenbruch, und vielleicht ein Hauch Surrealität… ich brauche aber keine himmlischen Boten, die den Turm zu Babel neu bauen wollen, weil Gott die Menschheit testet. Aber, wie gesagt, die Balance war immer erträglich.

Nur in Glass Soup findet die Realität eben fast gar nicht mehr statt, ausgeblendet zugunsten einer wirren Geschichte um den Kampf zwischen Gott und dem Chaos, surrealen Vorstellungen vom Nachleben und einer Mischpoke aus typischen Best-of-Carrol-Elementen, wie Wien, Füller, Hunde uswpp. Die Glassuppe liest sich, als hätte Carroll das Machwerk von einem Studenten schreiben lassen, der seinen Stil schlecht emuliert. Ich hoffe, der nächste Versuch wird besser. Zwar kulminieren hier einige typische Ideen des Autors klar wie selten zuvor, aber gerade das macht es so unerträglich. Vielleicht ist es nur so schrecklich, weil es sich anfühlt, als sei die Geschichte von Isabelle, Anjo und Vincent eine Reprise von Sleeping in Flame und den Erlebnissen von Maris und Walker Eaterling. Es gibt sicher schlimmere Bücher, aber von Carroll selbst ist Glass Soup das bisher enttäuschendste Werk.

So wie William Gibson erst mit Pattern Recognition nach einigen eher lausigen SF-Versuchen zu sich gefunden hat, weil er das Genre verlassen hat und final Belletristik schreibt in einer Zeit, in der seine Cyberpunk-Prognosen längst Realität geworden sind, so sollte Carroll das Fantasy-Genre aufgeben und einfach nur noch gute Romane schreiben. Ich käme damit besser klar als mit mythischen Entscheidungen, porschefahrenden Chaosagenten und Gott-ist-ein-Eisbär, so charmant das alles einzeln ja sein mag… als komplette Package ist Glass Soup ein Turn-off. Bleibt zu hoffen, daß es nicht für allzuviele Leute der ERSTE Carroll-Roman ist. Die kommen nämlich nicht mehr wieder, um ein zweites Buch zu lesen.

18:50 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

Sternenzelt

Wunderbare Photos von Julia Kappus

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00:31 Uhr. Kategorie Arbeit, Design. Keine Antwort.

Tadahiro Uesugi

Nicht neu, aber schön, weil es so gut zu dem Thema fernöstliche Assimilation amerikanischen Retrodesigns paßt. Grandios 50-esque Zeichnungen modern reinterpretiert zeigt der japanische Designer Tadahiro Uesugi in seinem Blog.

via Veer.

00:15 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Motel Hell



Hotelpostkarten
aus den 50s, 60s und 70s. Schlimme Orte aus dem American Nightmare of Life.via Veer.

00:02 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Hardcore Ambient Media

Nicht lecker, aber effektiv. Guerilla Marketing für langsameres Fahren in Schulgebieten…

via marketing alternatif

11. Januar 2006 23:51 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Digital Citizenship

Exzellenter Basisartikel bei BBC.

Die vblog-Prognose scheint mir richtig. Obwohl ich persönlich weder Podcasting noch Videoblogging sehr mag. Als eher lesender Mensch ist mir das geschrieben Wort einfach konsumabeler. Ich muß mich nicht auf einen bündigen Audio oder Videostream konzentrieren, sondern kann entspannt in Häppchen lesen. vlogs werden mir zu sehr wie TV sein, aber gut… das ist ja eben die angekündigte Medienkonvergenz.

Das die Produktion des Content im letzten Jahr mehr und mehr auf die ursprüngliche Consumer/User-Seite gewechselt ist, ist zwar nicht ganz unkritisch hinzunehmen, aber tatsächlich wachsen mehr und mehr Möglichkeiten, selbst journalistisch oder künstlerisch/kreativ tätig zu sein und zu publizieren, zusammen.

via Joi Ito

8. Januar 2006 02:07 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.


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