TWO MOMENTS
Sonnenuntergang am Schuirweg. Massive schwarze Wolken im Background, dunkel-malerische Hügel. Rotes Restsonnenlicht in den Cirrusfetzen. So kitschig und richtig.
Sonnenuntergang am Schuirweg. Massive schwarze Wolken im Background, dunkel-malerische Hügel. Rotes Restsonnenlicht in den Cirrusfetzen. So kitschig und richtig.
Die Bielefelder Philharmoniker hatten das Problem, daß Ihre bisherigen Saison-Plakate an den Litfaßsäulen untergingen, weil die obere Hälfte nur Bild, unten aber nur Text war und das in der Masse anderer Plakate wohl für die Besucher nicht als zusammengehörig empfunden wurde. Tilmann und ich fanden das beide schade, weil die Plakate sauschön waren, aber es muß ja eben auch in der Praxis funktionieren. Das Ergebnis sind drei Remixansätze, davon ist die dritte die, die wir mal als no-design-maximale-information ins Stadtbild-Rennen schicken werden. Sehr reduziert und vielleicht schon zu unemotional, aber bei aller Reduktion immer noch ein im ECM-Sinne eigentlich ja auch nicht ganz unattraktives Baby. Wichtig war Tilmann einfach (und zu Recht), daß man den Orchesternamen) brutal in die Stadt trägt.



Zur Erinnerung:
Q-Bar Ludwigstraße 8-10 in Dortmund, hinterm Konzerthaus Dortmund.
20:30 Uhr, Ende offen
Beim Aufräumen des Pitch-Ordners habe ich bei den Materialien, neben Texten über Nashörner, diversen Lebensläufen und anderen Backgroundinformationen einen Text geschrieben, den ich zu 90% auf der Bahnfahrt Hamburg—Essen geschrieben. Der Überschwang an Enthusiasmus meinerseits, das Brennen für eine neue Herausforderung, der dieses Gespräch prägte, zieht sich auch durch den Text. Vieles von den ersten Ideen hat sich in den Wettbewerbseinreichungen schon nicht mehr niedergeschlagen, weil beim zweiten Gespräch die Betonung eher auf einem funktionaleren, kommerzielleren, weniger ambitionierten Ansatz lag… aber überraschend viele dieser ersten Funken von Ideen haben sich bis in das finale Produkt gerettet, bei allen Kompromissen bereits in der Wettbewerbsphase. Und ich finde, der Text ist so stellvertretend für mein Denken über Design und Kultur und eben auch über den Standort Ruhrgebiet, daß ich ihn hier ruhig mal für mich aufbewahren kann…
Habe heute gehört, daß Bettina Pesch vom ROC als Intendantin für Dortmund vorgeschlagen wurde. Gute Wahl, wenn es so kommt

Den Wettberb ums Konzerthaus Dortmund haben wir verloren. Was extraschade ist, weil wir nicht nur eine hochpragmatische Sache präsentiert haben, die mit kleinen innovativen Ideen den recht unübersichtlichen Saisonkatalog deutlich attraktiver hätte machen können, sondern vor allem auch, weil wir die einzige kleine Agentur aus der Region waren. Und natürlich, weil ich einfach gern mit Harald Hoffmann diese Photostory gemacht hätte.
Als Bilderflut anbei die Beamer-Präsentation für den Pitch, die an sich recht wenig erklärt, wenn man nicht den Dummy in den Händen hält oder die A1-Prints der Plakate sieht.
Vorweihnachts-nodesign-Cocktailtrinken am 20.12. ab 20:30 in der Q-Bar in Dortmund (am Konzerthaus Dortmund). Mit dabei sind schon mal meine aktuellen Studenten von der RA. Das ganze ist wieder OpenDoor, also freue ich mich auf Ex-Studenten von der WAM, sofern sie es noch nach Dortmund schaffen, Ex-nodesigner und wer immer sonst noch Lust hat, mir beim Schautrinken zuzusehen. Der jeweils erste Cocktail von Leuten, die ich kenne, geht auf mich. Be there or be square
Ja, doch, ich lebe. Auch wenn ich ziemlich erkältet bin. Aber komme nicht ans Bloggen. Too much action. Nicht, daß ich mich beschwere.
Wir sitzen am Dortmund-Pitch. Sonntag die rettende Idee, wie immer last minute. Mal sehen, was man noch gemacht kriegt. Aber die Idee habe ich zuvor noch nie gesehen. Nehmen die uns und kann man das in Ruhe und schöner Zusammenarbeit umsetzen, wird es richtig schön. Was ich im Pitch zeige ist immer viel schwächer, als was ich hinterher realiter baue, insofern… aber hier ist eine kleine Idee, die meines Wissens nach komplett neu ist. Insofern einen riesigen Dank an Gott für diese Eingabe.
Ruhrakademie macht derzeit richtig Spaß, auch wenn ich wegen Schnee und jetzt Pitch zu selten da bin. Die aktuellen Kurse gehen zum Teil richtig gut los.
Düsseldorfer Schauspielhaus wird allerdings nichts. Sehr sehr schade, aber meine Präsentation war wirklich schrecklich. Ich hätte es gern gemacht, weil ich Amélie Niermeyer wirklich mag. Trotzdem: Sehr schön, von Nasti überhaupt angefragt worden zu sein und ein wunderbarer Abend mit Christoph Lepschy, also absolut keine vertane Zeit, im Gegenteil.
Freitag > Samstag in Köln. Sehr nett. Gute Falafel, gute Menschen. Mehr Leute besuchen, wenn das Pitchfever vorbei ist.
Jobs laufen ansonsten smooth, endlich arbeitet man die Sachen ab, die seit langem liegen blieben. Noch ein zwei Monate und wir sind aus dem Rückstand heraus. Endlich.
Jede Menge neue CDs. Muß dringend mal was schreiben. Und Séan (samt Anne) füttert mich mit neuem Stoff. Yeah.
Weihnachten – noch keine Geschenke. Muß mal was machen.
Carla Bley am Samstag nach 5 Minuten verlassen. Carla und Steve Swallow sind grandiose Musiker, aber Fancy Chamber Music war einfach nur blutleer und albern. Dafür ist das Leben zu kurz. Dann lieber gemütlich im Desperados essen und trinken. Ab Sonntag dann im Grunde bis in die späte Nacht den Pitch reiten.
Faktotum sieht nach einem guten Film aus.
Samstag arbeiten an Sachen für Bielefeld und am Elvis-liebt-dich-Heft die Zähne ausbeißen. Geht nicht in die richtige Richtung, muß ich noch mal sehen. Viel Kleinkram nebenbei.
Um 18.30 kommt Sandra und holt verschiedene Dinge von sich ab. Mir fehlen die Worte, zu erklären, wie absurd das Ganze ist. Ich rede wahrscheinlich wieder viel zu viel. Hier geht für mich surreal wie in einem Wachtraum, bei dem du nur hilflos zugucken kannst, eine große Liebe zu Ende, leise und vernünftig und verrückt. Da ist nichts, was du dagegen tun kannst. Und das drängendste Gefühl ist, daß du dir Sorgen um sie machst. Nicht mal um dich selbst. Wir weinen beide eine Menge und sagen mal richtige und auch mal falsche Dinge und es ist bittersweet, sie wiederzusehen und sie zu verlierengehen zu sehen und dann ist es vorbei
Abends in die Templebar, Kirsten, Björn und Sabrina. Die sich alle drei nicht richtig kennen, was die Sache seltsam macht, nicht unbedingt schlecht. Man hat für alle drei nicht so richtig ruhe, was schade ist. Zu laut auch. irgendwie wird dir bewußt, daß man mit Sabrina mal mehr Zeit hätte verbingen sollen, als die Zeit noch da war. Tolles Mädel :-D. Die Band, PathosFM, klingt in lichten Momenten wie Fehlfarben-meets-Kettcar, in den nicht so lichten passt nichts zusammen eher wie eine schlechte Proberaum-Kapelle, der man noch ein paar Monate im Timing-Trainingslager wünscht. Potential ist da, Marcel, der Sänger, hat die richtige Attitude für einen Deutschband-Frontmann, aber Schlagzeug und Gitarren sind mau und das Zusammenspiel funzt nicht gut. Es fehlt auch einfach die Vielseitigkeit und authentische Emotionalität von Bands wie Tomte oder Kettcar, andererseits der fröhliche Druck von Sachen wie Angelika Express. Schon gut für 45 Minuten, dann hätte Schluß sein müssen. Nachts mit müden Augen durch die Stadt, mit Kirsten, Björn und Chuck noch um 3 am Bahnhof Falafel essen. Essen bei Nacht ist wie immer. Polizisten nehmen Nazis an der einen Ecke fest, an der anderen beäugen junge aufgekratzte Testosteron-Türken die Glatzen von mir und Björn. Die Stadt ist kalt und naß wie meine Stimmung, die heute eher gedeckt ist. Unter den ganzen EmoKids kommst du dir plötzlich irgendwie alt vor. War trotzdem ein guter Ausklang. So bis 4 oder 5 noch mit Björn geredet, den ich nach wie vor für den smoothest man alive halte. Ruhig, begabt, interessiert, interessant. Bin immer wieder froh, daß solche Leute hin und wieder meinen Weg kreuzen. Der Friseur an seiner Ecke hat im Schild stehen:
FRISEUR
FREUND
Was will man mehr im Leben?
Sonntag zu Sandras Oma und Eltern. Nach 18 Jahren längst auch meine Familie, durch Dick und Dünn. Gerade ist da bei denen etwas passiert, wogegen die Scheidung von Sandra unwichtig und klein wirkt… und wir sitzen da und reden kaum über uns, nur kurz. Die werden mir alle unendlich fehlen, oben bei Sandras Oma wird dir einfach klar, daß selbst wenn du die noch weiter besuchen wirst, es einfach nie mehr das gleiche sein wird. Mit Sandras Mutter ein seltener echter Moment, wahr und gut und eine der guten Sachen, die aus dieser Misere erwachsen. Wird nicht ewig halten, und ich ermutige sie ja auch dazu, natürlich als Mutter zu Sandra zu halten, aber für den Moment ist es gut und überraschend, zu sehen, wie sie für mich und diese Ehe ist. Hätte ich nicht erwartet und ich freue mich.
Dann zu meiner Mum, essen gehen. Zu müde, um noch vernünftig zu reden. Es dreht sich, auch wenn es nominell natürlich um Sandra und mich geht, auch vielleicht manchmal eher um sie und ihre eigene Beziehung zu Hermann. Nicht zu ändern, klar, aber zwei verschiedene Paar Schuhe. Auch um Klischees von mir und Sandra, Bilder von Besuchen von uns, die nicht kongruent sind mit dem unbeobachteten Leben von uns beiden. Keiner kennt Sandra so wie ich und keiner kann deshalb ganz verstehen, warum ich mich vor allem um sie, weniger um mich, sorge. Am Ende kann sowieso keiner, nicht mal meine Mutter, wissen, was zwischen mir und Sandra abging, nach 20 Jahren fast nahtloser Liebe, und noch abgeht und wie wir beide uns jetzt wahrscheinlich jeweils fühlen… aber das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, daß sie und Hermann jetzt einfach da sind. Das reicht.
Danach noch die ganze Nacht ICQ. Die längste und weirdeste «Unterhaltung» in meinem ganzen Leben ever, nahtlos bis um 10.00 Uhr. Mit anderen Worten no sleep am gesamten Wochenende. Adrenalin olé. Rechne mit Crash am Montag abend, schwebe aber schön. Alles ist gut.
– Pizzabacken mit Kirsten und Steffi ist prima. Das man danach nicht mehr dazu kommt, Loriot-Sketche zu schauen, ist ja eigentlich ein Bonus (nicht wegen Loriot, sondern wegen der Gespräche). Es ist noch eine ganze Pizza übrig, die man Montag gemeinsam vertilgen sollte :-D. Und natürlich sollte man sich treffen und via Beamer alte Loriot-Aufzeichnungen sehen. Ihr seid alle eingeladen. Heute abend wahrscheinlich Konzert in der Templebar.
– Wahrheit oder Pflicht mit Nina zu spielen, ist anscheinend irgendwie gefährlich, man sollte doch aufpassen, was man so sagt. Oder? Vielleicht sind manche Dinge auch reiner Zufall, Zigarren nur Zigarren. So oder so: nicht, daß ich mich wirklich beschweren würde, im Gegenteil. (oh, kryptisch. So kryptisch,d aß Nina es selbst wahrscheinlich nicht versteht :-D)
– Julia ist weg, ab nach Dortmund zu Muskat. Tolle Sache, daß sie den Job hat, und ich hoffe, daß sie nebenbei noch Zeit und Ruhe hat, viele Photos zu machen. Nicht zuletzt für mich. Julia macht ausgezeichnete, gefühlsvolle, stille Photographien, da ist eine echte leise Kunst drin. Wenn ich die Augen zumache sehe ich Jule eben nicht am Schreibtisch einer Agentur sondern bei der Vernissage ihrer ersten Ausstellung. Bleib dran und melde dich!
– Séan fängt an. Diese Wechsel von Praktikanten sind immer seltsam. Man ist völlig bedrückt, daß jemand, den du immer mochtest, gehst und freust dich zugleich auf jemand neues, den du auch total mögen wirst. Bei Séan gibts da auch keine Unsicherheiten, die Frage ist höchstens, ob er hier seinen Spaß hat. Unter normalen Umständen – und wenn Steffi und er und ich gut zusammenpassen – wäre Séan der absolute nächste Festeinstellkandidat gewesen, die Zeit wäre 2006 dafür einfach wieder reif gewesen. Jetzt muß man mal sehen, wie das finanziell paßt. Wäre schon geil. Dann noch Marian, wenn er will und wir sind die Fantastischen Vier.
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